Vietnam und Kambodscha mit Windrose

Höhepunkte Vietnams und die Tempel von Angkor

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Station erstellen
Stefanie Schweda Small

Das Beste kommt zum Anfang

Und noch vor dem Besten kommt der Wecker – 4.30 Uhr klingelt bei fünf von uns dieses vermaledeite Gerät, denn wir sind die fünf Aufrechten, die zum Sonnenaufgang nach Angkor Wat fahren. Natürlich gibt es keine Garantie, wie der Himmel, wie das Wetter sein wird. Aber wir wollen es doch wenigstens versucht haben. Um es kurz zu machen: Wir haben das perfekte Morgenrot für perfekte Fotos. Es schimmert sogar durch die Tränen in unseren Augen. Augen, die eben noch ganz klein waren, sind plötzlich ganz groß. Es ist einfach wunderschön. Von verschiedenen Punkten machen wir immer wieder gleiche Aufnahmen.

Nachdem die Sonne da ist und das Licht uninteressant wird, entdecken wir noch einen Hund, der sehr elegant die Pfoten übereinander legt. Eigentlich wartet er nur darauf, dass zwei Touri-Grazien ein paar Essenreste für ihn bereit legen, aber solange die noch mampfen, übt er ein wenig für  seine Teilnahme an Kambodschas Next Topmodel-Dog.

Als wir ins Hotel zurückkommen, beschließen wir, dass wir Regen hatten und sich das frühe Aufstehen nicht gelohnt hat. Am Springbrunnen vor dem Hotel machen wir alberne Fotos und den Regenschirm nass und lassen uns beim Frühstück von den Langschläfern bedauern, die heimlich denken „Na mal gut, dass ich nicht aufgestanden bin“. Helga aus Lichtenrade zeigt mir ein Foto vom Morgenrot vor ihrem Fenster, ich behaupte standhaft weiter: „Vor Angkor Wat hat es geregnet und vor lauter Regenschirmen haben wir fast nichts gesehen.“  Bis zum Abend wird das Thema nicht mehr angesprochen! Vielleicht will man nicht in unserer Wunde bohren, vielleicht die Schadenfreude nicht zeigen, aber in unserem Innern schallt ein lautes Hihihi vom Herzen.

Gemeinsam fahren wir zum Tonle Sap, einem riesigen See, dessen Fischreichtum legendär ist. Traurig ist, was sie mit dem Fisch machen: er wird in Salzwasser gelegt über Nacht, dann eine Woche in der Sonne getrocknet, noch mal gesalzen, alle Flüssigkeit ausgepresst. Wieder getrocknet, dann kommt er für drei Monate in eine Vakuumverpackung. Dann ist er gut. Und heiß nicht umsonst „Stinkefisch“.

Mit dem Boot fahren wir durch ein Dorf, das auf Stelzen im Wasser steht. Einfache Häuser ohne Einrichtung, wie wir es kennen. Stattdessen sehen wir viele fröhliche Kinder und viele Menschen die mühsam in kleinen Booten die Nachbarn besuchen, während wir schön gemütlich auf unserem Motorboot durch die Stille knattern. Auf einem Ausleger hinten entdecken wir eine Schlange, die wir mutig fotografieren und in ihrem schillernden Grün ins Herz schließen. Der 1. Offizier schiebt sie schließlich ins Wasser, wo sie fröhlich davon schlängelt. Leider donnert dann ein kleines Motorboot direkt über das Tier hinweg und wir sehen es noch tot im Wasser treiben und sind ein bisschen traurig. Dann hätten wir sie doch lieber als blinden Passagier behalten!

Schließlich unser letzter Tempel des Jahres: Banteay Srei. Bevor wir wieder in die brütende Hitze  trotten (nicht mehr so schwül, aber dafür brennt die Sonne mehr!), stärken wir uns bei köstlicher Khmer-Küche.  Wir sprechen über das Schöne, das uns zuhause erwartet, und die kleene Jutta wählt im Eifer des Heimwehs Cola und Pommes. Im Restaurant-Shop veranstalten die Frauen eine kleine Tücher-Party. Sieben Dollar das Stück, da dürfen es auch gerne zwei sein. Zumal, wenn die Ehemänner (Hans) keine Lust haben, die rechte Farbe auszuwählen und sich mit einem schlichten „Nimm doch beide, Schatz“ aus der Affäre ziehen. )Im Beruf die großen Macher, aber im Privaten nicht mal in der Lage, zwischen Pink und Blau zu entscheiden …).

Der Tempel ist klein und wundervoll. Viele Steinmetzarbeiten sind erhalten. Es gibt keine 1-Dollar-Kinder mit Tüchern und Postkarten, dafür 10-Dollar-Polizisten, die uns ihre Abzeichen und Mützen verkaufen wollen. Ein kurzer Rundgang über die Anlage, und wir stehen wieder im eigenen Saft. Und sind zufrieden, es war der letzte Tempel des Jahres, er war schön, und wir haben am Nachmittag noch Zeit für den Pool, bevor wir uns zum Dinner am gleichen Pool treffen. Das letzte gemeinsame Dinner, das was taugt (hoffentlich), den kommenden Abend hocken wir auf dem langweiligen Flughafen von Saigon.

 

Siem Reap
Siem Reap Province, Cambodia
Stefanie Schweda Small

Siem Reap: Tempeltag!

Das mag anderswo auf der Welt wie eine Drohung klingen, hier ist es ein Versprechen. Allerdings ein sehr schweißtreibendes! Olfaktorische Einzelheiten gehen niemanden etwas an, nur so viel: Im Bus hängen Duftbäume (Duftnote Orange) und sie richten nicht viel aus. Nach nur 10 Minuten geben wir es auf, den Tag trocken zu überstehen und tempeln uns im Tempel Preah Khan langsam ein.

Preah Khan hat schon alles, was ein Angkor-Tempel braucht: dichten Urwald ringsherum mit verdammt hohen Bäumen, viele bemooste Steine, viele kaputte Steine, aufwändige Reliefs (Unsere Reiseleiterin kennt eine Geschichte zu jeder Figur.) (Und wir haben sie schon alle vergessen.), eine Würgefeige, die sich an der Mauer festhält und erstaunlich hohe Stufen. Ständig geht es hoch und runter, und hoch ist wirklich hoch! Die Menschen hier sind so klein, und die Stufen durch ihre Tempel so hoch – der Weg zum Paradies ist mal wieder hart. Für frühe Priester genauso wie für heutige Touristen. Ein paar sehr fotogene und sehr entspannte Mönche laufen immer mal durchs Bild. Und kleine One-Dollar-Kinder, die uns Postkarten und Armreifen für einen Dollar verkaufen wollen.

Der nächste Tempel ist ein Must See in Angkor. Er heißt Angkor Tom und berühmt für seine Gesichtertürme. An den vier Seiten eines Turmes sind Gesichter in den Stein geschlagen, die milde auf uns hinab lächeln. Vielleicht war der Bayon-Tempel von Angkor Tom einst ein Symbol für die Verständigung, denn 49 Türme gibt es und 49 mächtige Familien gab es seinerzeit. Wir machen ein bisschen lustige Fotos, Nase an Nase mit den Gesichtertürmen. Für uns ist spätestens jetzt der Moment gekommen zu testen, ob das Fächeln mit dem Fächer mehr neue Hitze durch Anstrengung produziert als es für Kühlung sorgt. Egal. Wir fächeln einfach, und manch ein Ehemann entdeckt an seiner Frau ganz neue, dienende Seiten.

Beim Mittag essen wir Amok. Es dauert ein wenig, bis wirklich jeder sein Essen bekommt, und ich fürchte schon, es läuft gleich jemand Amok, aber dann essen wir es doch. Es ist Fisch oder Fleisch mit Kokosmilch gedünstet und in der Kokosnuss serviert. Sehr, sehr lecker. Von der allgegenwärtigen vietnamesischen Fischsauce keine Spur mehr.

Obwohl Hans während der Pause erschlafft in sich zusammensackt, raffen wir (und er) uns zum letzten Höhepunkt auf: Ta Prohm, der Tempel, in dem die Würgefeigen noch nicht beseitigt wurden. Riesige Wurzeln umschlingen die Mauern. Wieder geht es Stufen hoch, Stufen runter, immer wieder bietet sich ein neuer, faszinierender Blick (der Satz mag klingen wir aus dem Reisekatalog, aber die übertreiben ja nicht immer. Manchmal ist es wirklich so!). Wir streiten uns mit Japanern und Spaniern um die besten Fotospots und finden sogar noch einen für unser Gruppenfoto.

Zurück im Hotel können wir plötzlich noch mal sehr schnell sein: Hurtig an den Pool, eine Liege sichern und dann ab ins Wasser. Beim Schwimmen fühlt sich der Tempeltag dann auch fast wie Urlaub an!


Siem Reap
Siem Reap Province, Cambodia
Stefanie Schweda Small

Siem Reap: Mit dem Welterbe auf Du und Du

Eine kurze Irritation beginnt den Tag: Ich sehe Bärbel, Evi
und Beatrice rauchend im sechsten Stock in einem kleinen Innenhof gestern
Abend, als ich nach Hause komme. Als ich heute vom Frühstück komme, sitzen sie
wieder/immer noch (?) da, in gleicher Formation und in gleicher Mission – ist
denn schon wieder Murmeltiertag?

Ein kurzer Weg ist es von unserem Hotel in Saigons Mitte bis
zum Flughafen, wir fotografieren die letzten Motorroller, drücken ein paar
frische Tränen weg, lassen uns von Reiseleiter Du seine Familie zeigen (vor
allem die „nachhaltig schöne Frau interessiert uns) (also uns Frauen
jedenfalls) und klären letzte Fragen, z.B. nach dem Verhältnis zu den
Amerikanern, die dem vietnamesischen Volk unglaubliche Scheußlichkeiten angetan
haben. Dus Sohn studiert in Texas und wir fragen uns – wo man doch nun auch so
lange richtig kommunistisch war – wie kann das sein, der Sohn beim Klassen und
Ex-Kriegsfeind. Du sagt, Vietnam ist ein kleines Land, das kann es sich nicht
leisten, nachtragend zu sein. Sie tragen den Amerikanern nichts nach, denn das
Leben muss weiter gehen. Und so steckt er die Ersparnisse der letzten 20 Jahre
in die Ausbildung für den Sohn in Amerika. Stark.

Im Flugzeug von Saigon nach Siem Reap in Kambodscha werden
kleine Wasserflaschen verteilt und diverse Formulare für die Einreise. Das
Pärchen, das neben mir sitzt, ist den kompletten Flug über mit dem Ausfüllen
beschäftigt: eine Stunde. Wir haben die Formulare schon von Windrose bekommen und
zuhause ausgefüllt – manchmal kommt es eben doch auf den richtigen
Reiseveranstalter an. Ich bin ein bisschen stolz.

In Kambodscha empfängt uns eine sehr schicke Chantrea Horn,
die aber keinen deutschen Ehemann hat, wie sie uns versichert, dafür aber
fantastisch deutsch spricht. Wir fahren sofort nach Angkor Wat, und sie erklärt
uns kenntnisreich (nehme ich an) das Wichtigste (vermutlich) in überschaubarer
Zeit (dessen wenigstens bin ich sicher). Es ist ja immer so: ein paar
freundliche oder interessierte Menschen hören dem Reiseleiter zu, die anderen
dämmern ein wenig im Stehen, lassen die Umgebung auf sich wirken, suchen ihre
Sonnenbrille, fotografieren jeden Stein oder plaudern über die Enkel zuhause.

Im besten Licht am Nachmittag bei immer noch brütender Hitze
gehen wir über überraschend viele Treppen durch das riesige Angkor Wat und sind
angemessen ergriffen. Ein paar gehen eine mörder-steile Treppe ins
Allerheiligste und vor allem die gleichen steilen Stufen wieder zurück. Andere
machen derweil alberne Fotos für einen Dollar.

Am Ende treffen wir uns alle vor den Toren von Angkor Wat
und schauen über den Graben auf das Weltkulturerbe. Meine Güte, dass wir das erleben
dürfen, ein Sonnenuntergang in Angkor Wat. ANGKOR WAT – Wahnsinn!

Im Hotel sind wir erst auf der Suche nach unseren Zimmern,
dann auf der Suche nach unseren Koffern, aber schließlich findet jeder eine
Dusche und wir sehen uns am Abend zum Western-Menü. Salat, dicke Fischsuppe,
Cordon Bleu, Tiramusu. Nach einem ersten Schreck sind wir eigentlich ganz
glücklich über den bekannten Geschmack. Unser letztes Problem heute: um 00.30
Uhr Kambodscha-Zeit spielen Dortmund und Bayern gegeneinander. Wird ein Sender
das Spiel übertragen? Und werden wir dann noch wach genug sein, das Spiel zu
sehen? Wessen Minibar wird dran glauben? Und wie sollen wir den Tag morgen –
weitere Tempelhighlights! – überleben?

Siem Reap
Siem Reap Province, Cambodia
Stefanie Schweda Small

Apokalypse 2013

Marlon Brando lauert nicht im Herzen der Finsternis und der
Vietnam-Krieg ist auch lange vorbei – hier scheint übrigens niemand gerne
darüber zu sprechen, alle Reiseleiter weichen dem Thema aus – und trotzdem
fühlen wir uns beim Frühstück wie mitten im Krieg. Auf dem Mekong vor dem Hotel
donnern die Hubschrauber, Boote rasen über das Wasser, es knallt als würden
Kanonen abgefeuert. Die Vietnamesischen Streitkräfte üben. Was auch immer. Wir
haben keinen Angriff geplant, sitzen stattdessen sehr müde (6.00 Uhr) und
demütig vor Glück – es gab endlich auch mal Mangos! – auf der Terrasse des
Hotelrestaurants.

Wir fahren mit dem Boot über den erstaunlich unromantischen Mekong
zu einem schwimmenden Markt. Der Fluss ist breit, und seine Ufer sind dicht
bebaut. Wie immer können wir an der Wäsche auf der Leine die Größe und
Zusammensetzung der Familie ablesen.

Bevor wir den „Markt“ erreichen, erreicht er uns: eine
Mutter mit Sohn verkauft Dosen und Bananen. Nachdem wir ausgiebig fotografiert
haben, fühlen wir uns moralisch verpflichtet, auch etwas zu kaufen. Das
12.00-Uhr-Bier ist noch in weiter Ferne, aber was soll’s  - irgendwo auf der Welt wird es 12.00 Uhr sein,
in Australien zum Beispiel. Man gönnt sich ja sonst nichts. Cheers.

Der schwimmende Markt ist faszinierend, ein Gewirr von
Booten, einige Menschen frühstücken (kein Bier, sondern die übliche
Nudelsuppe), andere zählen ihre Knollen oder Wassermelonen. Einer zieht einen
Hahn an der Kette aus dem Wasser (ein Wasserhahn?) (Hahaha), eine Frau drückt
ihren Hund an die Brust. Wir kaufen Ananas und beobachten die Frau unseres
Kapitäns (der lässig vor dem Steuer sitzt und mit den Zehen steuert!) wie sie
fleißig eine Frucht nach der anderen für uns schält und in gerechte Teile
teilt. So haben wir uns das Leben gewünscht.

Zurück im Hotel, lassen sich einige für ein zweites
Frühstück nieder, andere versuchen zu letzten Mal, Ordnung in ihren Koffer zu
bringen, bevor sie für den Rest des Urlaubs dieses Vorhaben in den Bereich der
Phantasie verbannen.

Auf dem Rückweg nach Saigon hält uns unser Reiseleiter Du
einen Vortrag über Duft- und Phantom-Reis und das Erschrecken von Bäumen (das
machen die Vietnamesen tatsächlich, um irgendwas anzuregen. Sie lassen sie fast
verdursten und erschrecken sie dann mit Wasser) (Man möchte kein Baum sein in
Vietnam), während wir auf eine schwarze Wolkenwand zufahren. Eben war es noch
herrlich sonnig, dann haben wir unseren Platterregen wieder. Man sieht keine 50
Meter weil. Du erzählt über Seeschwalben und Schwalbennester. Sein Deutsch ist
wundervoll: Es klingt wie Schwabennester. Und wenn man auch nur eine Sekunde
unaufmerksam ist, dann kommt man ganz schön ins Grübeln – Bauen Schwaben
wirklich Nester? Und werden diese Schwabennester tatsächlich von den Japanern
in Brühe gekocht und verzehrt? Seltsame Schwaben haben sie hier …

Unser Reiseleiter hat sich in Fahrt geredet und hält weitere
Geschichten über Delikatessen bereit. So hat seine Frau 60 Liter Reisschnaps
gekauft, in denen eine Königskobra erst um ihr Überleben kämpfte, während nun
wir bei der Vorstellung mit der Übelkeit kämpfen. Noch wurde die Flasche nicht
geöffnet, der Schnaps wird unserem Reiseleiter einst ein guter Freund werden,
wenn seine Manneskraft Unterstützung braucht. Wir möchten uns das nicht
vorstellen.

Nach einem kurzen Ausflug in eine Lackfabrik, den einige
wieder mit einer oder sogar zwei frisch gefüllten Tüten verlassen (Töchter und
Schwiegertöchter, überlegt schon mal, wo Ihr die kleinen Lackschälchen
unterstellt), kommen wir in das schon bekannte Hotel im Zentrum Saigons und
zerstreuen uns in der Stadt. Einige gehen auf den Markt (endlich wieder ein
Markt …), andere durchwandern zwei Stunden die Stadt bis die Sohlen dampfen,
wieder andere nehmen einen Kaffee im 50. Stock eines Wolkenkratzers und schauen
der Stadt beim nächtlichen glitzern und blinken zu und eine von uns geht sogar
ins Theater, ein schönes koloniales Gebäude. Morgen früh können wir uns alle
von unseren letzten Vietnam-Abenteuern erzählen, denn morgen Mittag fliegen wir
nach Siem Reap – ein neues Land (Kambodscha), ein neues Highlight (Angkor Wat). 


Ho Chi Minh City
Ho Chi Minh, Vietnam
Stefanie Schweda Small

Saigon: Zum ersten Mal im KaDeWe

Ich will nicht despektierlich sein – als gelernte West-Berlinerin habe ich viel gehört von dem ersten Besuch von gelernten Ossis in der Fressabteilung des KaDeWe oder auch nur eines durchschnittlichen Supermarktes, des Ku-Damms oder anderer Einkaufs-Paradiese „im Westen“. Als gelernte West-Berlinerin kann ich mir das Erstaunen angesichts von Auswahl und Fülle nur begrenzt vorstellen.  Heute teilen Wessis wie Ossis diese Erfahrung, denn wir besuchen den Markt im chinesischen Viertel Saigons.

Wir sehen Schuhe, Kosmetika, Koffer, Taschen, Unterwäsche für Sie und Ihn, Ingwerbäume, Badezimmermatten, Winkekatzen … mit großen Augen und Fassungslosigkeit im Blick schleichen wir durch die engen Gänge. Immer wieder ruft jemand Unverständliches und schiebt über unsere Füße noch mehr Waren in diesen Shopping-Moloch. Wir haben den Eindruck, dass wesentlich mehr in den Markt hineinkommt als wieder heraus. Wo bleibt es? Das Vertreiben von Langeweile ist übrigens längst globalisiert: Die Verkäuferinnen starren ins Handy und sind damit ihren Altersgenossinnen in der Berliner S-Bahn ganz nah.

Viele Produkte kommen auch hier aus China, dem ungeliebten Nachbarn. Er macht auch hier die Märkte kaputt mit seinem billigen Schrott. Sie sind keine Freunde, die Chinesen und Vietnamesen, zu mächtig ist der Nachbar im Norden. Man streitet sich auch über die Rechte an Rohstoffen im Meer vor der Küste Vietnams. Wie das Meer heißt? Kommt drauf an. Ein Chinese wird sagen - wie der Rest der Welt - "Südchinesisches Meer". Ein Vietnamese wird sagen "Ostmeer". Ein Philippino wird es "Westliches Meer" nennen. Am Ende ist es das gleiche Wasser, fragt sich nur, wer es ausbeuten darf.  Wikipedia widmet dem übrigens einen eigenen Artikel: "Territorialkonflikte im Chinesischen Meer", wer sich einmischen möchte, informiere sich bitte dort.

Vor dem Besuch des Marktes arbeiten wir in einem chinesischen Tempel an unserer Haltbarkeit – wir werden geräuchert! Der Rauch der Räucherstäbchen zieht uns direkt in die Augen, Haare und Kleidung. Interessanterweise ist es egal, auf welcher Seite der Stäbchen man steht – man bekommt es immer ab. Unser Reiseleiter Du erzählt uns, wie ihm einst ein Tempelbesuch zwei neue Kinder beschert hat, wobei er beim ersten Besuch nicht richtig hingeguckt hat und deshalb wieder einen Jungen bekommen hat. Beim zweiten Mal war er besser vorbereitet und so kam das gewünschte Mädchen. Einige von uns probieren es auch mit Räucherstäbchen (noch mehr Rauch!!) und Gebet, aber sie verraten nicht, worum es ging. Wenn bald Mädchen geboren werden, dann wissen wir’s!

Vier Stunden Busfahrt bringt uns ins Mekong-Delta, wobei von üppig-grüner Flusslandschaft nicht viel zu sehen ist. Entlang der Straße zieht sich eine nicht enden wollende Ortschaft. Die meisten von uns verdämmern diesen ereignisarmen Nachmittag. Vielleicht träumt mancher von 5 Millionen Winkekatzen  mit 5000 Hüten, die in 5000 Töpfen  5000 Kilo Ingwer kochen?!

Wir erwachen in einem Hotel am Fluss, schlendern im schönsten Dämmerlicht am Wasser entlang und gönnen uns vor dem Abendessen den schönsten Gin Tonic, den es gibt, nämlich den Happy Hour Gin Tonic, also zwei zum Preis von einem, da darf es auch einer mehr sein.


Can Tho
Can Tho, Vietnam
Stefanie Schweda Small

Saigon: Frühsport

Pro Sekunde rauschen gefühlte 2 Millionen Motorroller an der Flusspromenade vorbei, und trotzdem stellt sich sowas wie Idylle ein – es wird Badminton gespielt, ein Mann läuft strengen Schrittes auf und ab, eine Frau spukt beherzt in die Blumenrabatten und zwei Jungs spielen Tetris auf ihrem Handy. Ein Hund sitzt vor einer Pfanne und hofft, dass er den Tag nicht darin beendet. Saigon erwacht.

Auf einer kleinen Morgenrunde gibt es viel zu entdecken. Da ist zum Beispiel der Frühsport. Ein Mann macht tänzelnde Schritte, die sehr elegant aussehen und sehr kompliziert, aber er kann die Ordnung seiner Füße aufrecht erhalten. Ein anderer stoppt das Moped vor dem Geldautomaten und beginnt, mit den Armen zu schlenkern, er macht Frühsport mit Blick auf das liebliche Rauschen des Verkehrs.

Schon um halb sieben sitzen die Vietnamesen auf winzigen Hockern und schlürfen irgendwas, das sehr, sehr süß aussieht oder essen Nudeln oder trinken Kaffee, das Starbucks von Saigon liegt auf der Straße. Gleich daneben ist ein älterer Herr auf Erkundungsmission: mit dem Strohhalm im Ohr. Interessiert bestaunt er, was er zutage gefördert hat und bohrt dann weiter.


Ho Chi Minh City
Ho Chi Minh, Vietnam
Stefanie Schweda Small

Süßer die Glocken ...

Unser Hotel in Saigon
begrüßt uns mit Merry Christmas and a Happy New Year. In der Lobby steht ein
Weihnachtsbaum, die Geschenke darunter sind allerdings leer. Wir lassen es den
Vietnamesen durchgehen. Vielleicht liegt es an ihrer doppelten Kalenderführung.
Einerseits nutzen sie unseren Kalender, andererseits haben sie ihren
Mondkalender, und der geht natürlich … nach dem Mond! Vor allem der
Mondkalender regelt religiöse und familiäre Feste, vielleicht also auch
Weihnachten? Wir jedenfalls erkennen mit Schrecken, dass der erste Sonntag nach
unserer Rückkehr der 1. Advent ist und ich freue mich im Stillen, dass ich
schon am Freitag vorher die Glühwein-Saison einläuten (eintrinken?) werde.

Apropos
Feste – wir erfahren von unserem neuen Reiseleiter Du, der wie Su gesprochen
wird, dass die Vietnamesen nicht ihren Geburtstag feiern (geboren wird ja
jeder), sondern den Todestag der Ahnen (wobei ja auch jeder irgendwann sterben
muss, oder ist das in Vietnam anders?). Wir hatten ja schon die Opfergaben
gesehen, die man den Verstorbenen am Hausaltar darbietet (Handy, Auto,
Konkubine, alles aus Papier), aber die junge Generation möchte nicht erst im
Nachhinein mit bunten Papier-Klimbim beschenkt werden, deshalb wird zunehmend
auch Geburtstag gefeiert. Da hat man doch wenigstens was von der Feier und kann
nicht mit einem Handy aus Papier angemeiert werden. Und mit einer
Papier-Konkubine schon gar nicht.

In Saigon
herrscht wieder der aus Hanoi bekannte Verkehrswahnsinn (irgendwie hatte uns
schon was gefehlt). Norbert hat vor 20 Jahren hier nur Fahrräder gesehen, ich
vor drei Jahren mich angesichts der vielen Motorroller nicht über die Straße
getraut, jetzt sind es auch mehr Autos geworden. Man baut hier an einer U-Bahn
– 9 Linien sollen es werden, mit der ersten hat man gerade angefangen. 2017
soll sie getestet werden, 2020 in Betrieb genommen. Also in etwa zeitgleich mit
dem 6. verschobenen Eröffnungstermin für den Flughafen BER. Kleiner Scherz.

Der Tag beginnt
viel zu einfach – am Vormittag fahren wir von unserem Hotel in Hoi An zum
nächsten Flughafen, alles ist viel fast erschütternd normal, ein normaler
Flieger, normaler Anflug, normales Wetter, wo bleibt denn die Herausforderung?
Zur Hebung der Stimmung gönnen wir uns noch auf dem Flughafen unser 12.00 Uhr-
Bier, sogar eiskalt ist es, auch das perfekt. Wo soll das hinführen? Immerhin
beginnt es zu regnen, als wir im berühmten Hauptpostamt von Hanoi von einem Ho
Chi Minh-Gemälde begrinst werden. Beim Überqueren der Straße zur Kathedrale
(auch berühmt und von den Franzosen) gibt es das übliche "iiiih" und
"bäääääh", das ein Regenschauer mit sich bringt, wenn die Reisenden
ihren Regenschirm im Bus liegen lassen. Aber dafür schaffen wir es gerade noch
in die Kirche, während die anderen vor verschlossenen Türen stehen. Die
anderen, das sind die Touristen. Wir sind Reisende -  und wir sind
drin! 


Ho Chi Minh City
Ho Chi Minh, Vietnam
Stefanie Schweda Small

Hoi An: Einkaufen! Transportieren! Essen!

Wir machen heute eine hübsche kleine Bootsfahrt durch die
Flussmündung, fahren mit den Booten durch einen ungewöhnlichen Palmenwald und
Ines ergreift die Initiative und das Steuer ihres Bootes. Den Rest des Tages
gehen wir unserer Wege, finden uns mit dem Abschied von Hoi an ab und
verdämmern den Tag. Am Abend treffen sich die meisten im preiswerten Restaurant
direkt gegenüber des Hotels, andere waren zum Essen in der Stadt oder im
Hotelrestaurant. Wetter: Sonne, Wolken und eine Husche. Es ist Zeit für ein
paar kleinere Geschichten.

Einkaufen!

Immer und überall hat jemand etwas zu verkaufen. Hoi An ist
wie ein Shopping-Las Vegas. Bei der Bootsfahrt wird es deutlich: Die Altstadt
mit den kleinen Geschäften ist eine Touristenscheinwelt, statt Glitzerreklame
leuchten die Lampions, statt Glücksspiel gibt es Glückskäufe, in jedem Fall ist
man am Ende Geld los. Es gibt einfach alles, was man nicht braucht, aber haben
möchte. Während das Bezahlen einer Mahlzeit oder eines Getränks zum Abenteuer
wird, weil die Kellnerinnen den Preis zweier Biere nicht zusammen rechnen
können, sind die Verkäuferinnen von Hoi An ganz fix im Kopf. Sie können auch
das nötigste Englisch. Meistens sind am Ende eines Geschäfts beide glücklich,
denn auch wenn wir um jeden Preis feilschen, ist es für uns doch immer sehr
billig und für die Vietnamesen immer sehr viel. Leben und leben lassen.

Übrigens: Steht ein älterer Herr vor einem Laden und stöhnt:
„Meine Frau ist da drin … seit 50 Jahren immer das gleiche. Sie kauft und kauf
und kauft.“ Sagt seine Gesprächspartnerin: „Ich finde ja schon immer, alle
sieben Jahre sollte man den Partner tauschen!“ Die Antwort: ein panischer
Blick. Schweigen. Dann sagt er: „Ach, die paar Jahre halte ich jetzt auch noch
aus.“


Transportieren!

Die Motorroller von Vietnam sind legendär. Sicher würde ein
Familienvater auch lieber ein Auto haben, um seine Familie (Kinder, Ehefrau,
Schwiegermutter) zu transportieren, aber er hat es nicht, also müssen alle auf
den Roller. Es gibt Postkarten, auf denen werden tote Schweine, lebende Schafe
und viele, viele Hühner im Käfig auf den Roller geschnallt. Vielleicht sind
manche „Fotos“ eine Montage, aber man darf und muss mit allem rechnen.

Essen!

Wir haben schon gehört, dass man hier Reisratten isst,
genauso Hunde und Katzen und alles andere, das vier Beine hat. Wir glauben,
dass wir all das noch nicht hatten, weil wir es glauben wollen. Tatsächlich
bekommen wir meist Teller hingestellt und freuen uns an dem guten Geschmack von
„Hähnchen“ und „Rind“. Wir wundern uns nicht, wenn die Bedienung versteckt
lächelt. Noch ein Hinweis für die Berliner, die beim Vietnamesen aus großen
Schüsseln essen, sich dabei hip und international fühlen und glauben, das
würden hier alle so machen. Quatsch! Wir essen vom Teller oder aus kleinen
Schüsseln, wer geschickt ist, nutzt die Stäbchen, alle anderen greifen erleichtert
zum bereitgelegten Besteck. Dazu kosten wir uns durch die lokale Bierauswahl
und rufen „Mot Hai Ba  - Yo“ (Eins –zwei –
drei – Prost!), falls wir uns das merken können. Gerade haben wir einen
vietnamesischen Rum entdeckt, der ein wenig Bananenaroma hat. Vermutlich
hinterlässt er Kopfschmerzen, die nur halb so himmlisch sind wie sein
Geschmack, aber das ist beim teuersten Cognac ja das gleiche Elend.



Hoi An
Quang Nam, Vietnam
Stefanie Schweda Small

Hoi An: Eine Frage - keine Antwort

„Und was macht Ihr heute?“ „Keine Ahnung.“ So geht es den ganzen Morgen. Ein ganzer langer Tag ohne einen einzigen Plan! Natürlich haben wir Termine – da gibt es die Anprobe der geschneiderten Anzüge. Und Massage. Und auch das 12.00 Uhr-Bier darf nicht verpasst werden. Auch ein freier Tag hat seine Zwänge.

Erstes Ziel der meisten ist der Pool. Der Strand ist leider nicht zu gebrauchen. Es liegt nicht nur Holz-Treibgut herum, sondern auch Sandalen, viel Styropor, vergilbtes Irgendwas. Tote Ratten wurden gesichtet und eine lebende Wasserschlange. Die Wellen donnern noch immer heran, die rote Flagge weht. Vietnamesen holen sich das Holz und lassen das Olle liegen. Einige angeln vom Strand aus. Soweit wir sehen können ohne Erfolg.

In der Lobby ist derweil Modenschau. Ilona hat sich einen traumhaft blauen Anzug schneidern lassen, der perfekt passt. In der Nacht hat er ihr noch unterhaltsame Albträume verschafft, die sie uns leider vorenthält. In Kiki steigt der Neid, also probiert sie Ilonas Anzug an und siehe da: auch ihr passt und steht er gut. Und schon gibt es wieder einen Termin: Heute Nachmittag mit dem Hotelshuttle nach Hoi An fahren und sich auch einen Anzug anpassen lassen.

Erfahrungen des Tages:

  1. Massage kann ganz schön weh tun, aber dann auch sehr gut. Während sich Jeanette massieren lässt, trinkt Dietmar drei Biere. Jetzt ist sie herrlich durchgeknetet und Massage-Öl-anschmiegsam, aber er angetrunken. Dumm gelaufen.
  2. Wäsche kann ganz schön teuer sein. Im Hotel kostet das Waschen 8x mehr als in der Bude direkt davor. Drei Kilo werden für umgerechnet 3 Euro gewaschen. Und sie ist nicht nur sauber, sondern rein ...
  3. Schneidern-Lassen macht süchtig. Diese Lektion lernt gerade Siegrun, die sich nach einem erfreulichen Hosenanzug-Erlebnis nun auch noch eine Bluse und ein Sommerkleid nähen lässt. Und Gisela hat sich eine Bluse machen lassen, Peter ist mit seinem Sakko zufrieden ... wir erleben rauschhafte Zustände, und die Schneider von Hoi An beten, dass wir niemals abreisen.

Am Abend essen wir auf eigene Faust. Es ist erstaunlich, wie wenig Ausfälle wir in Sachen Magen und Darm zu verzeichnen haben. Vielleicht schweigen die Betroffenen auch schamhaft. Gestern Abend griff Annette beherzt zum weißen Reis – ausschließlich, heute war sie schon wieder mit einer kräftigen Suppe dabei. Wir hatten auch schon eine verstärkte Darmtätigkeit, aber insgesamt sind unsere Mägen offensichtlich Kummer gewöhnt und das Essen viel zu lecker um es unkontrolliert wieder auszuscheiden.


Hoi An
Quang Nam, Vietnam
Stefanie Schweda Small

Hoi An: Eine Stadt taucht wieder auf

Es ist wirklich beeindruckend. Jedes Mal, wenn wir in die Stadt kommen, ist ein bisschen mehr von ihr zu sehen, gibt es wieder eine Straße mehr, die sich Touristen, Fahrräder und die allgegenwärtigen Motorräder teilen. Die Geschäfte haben offen als wäre nie etwas gewesen.

Die Brücke, über die gestern noch die Boote gefahren sind, ist heute wieder eine Straße. Es könnte noch kein Boot unter ihr hindurch fahren, aber immerhin die Touristen, Fahrräder und Motorroller wieder von einer Seite der Stadt auf die andere gelangen. Gegenüber der Altstadt sind die Restaurants wieder offen und leuchten am Abend die Laternen.

Männer schieben träge den Schlamm zurück ins Flussbett. Meter um Meter arbeiten sie sich vor. Wo der Schlamm weg ist, öffnen die Geschäfte wieder.

Für 10 Dong (= 35 Cent) kann man eine kleine Kerze im offenen Minilampion kaufen, die man den Fluss hinuntertreiben lässt. Verbunden mit Wünschen für die Zukunft. Zu spät fällt einem ein, dass dieser Mini-Plastik-Lampion das Treibgut des nächsten Sturms ist. Mädchen verkaufen diese Kerzen-Lampions und sehen dabei allerliebst aus. Das findet auch ein professionelles Foto-Team das mit voller Ausrüstung und einem langen, knochigen Model unterwegs ist und die Bohnenstange direkt zwischen den Mädchen platziert. Eine hektische Aufnahmeleiterin parliert “Please go, we are working with a professional model” – “Na und” antworte ich und versuche immer ein bisschen im Bild zu stehen. Yin und Yang – dünn und dick, lang und kurz, hektisch und die Ruhe selbst. Die Mädchen werden vielleicht in einem Modejournal zu sehen sein, aber dafür haben sie eine halbe Stunde nichts verdienen können. Aber wenigstens bleibt uns Heidi Klum erspart.


Hoi An
Quang Nam, Vietnam
Stefanie Schweda Small

Von Reisratten, Hunden und Tütennudeln

Man könnte all das
gleichzeitig auf dem Teller haben. Wir hoffen, dass es noch nicht so war!

Der erste Blick vom Balkon
verspricht Gutes: Wolken, aber trocken. Trotzdem ziehen wir unsere Wasserschuhe
an, man weiß ja nie. Um es vorweg zu nehmen: Der Tag, der Kopf und die Füße
bleiben trocken. Auf dem Weg vom Hotel nach Hoi An (das Hotel liegt am Meer,
das Städtchen an der Flussmündung, ca. 15 Minuten Fahrzeit mit dem Bus)
passieren wir überschwemmte Felder voll von Menschen. Wir erfahren: sie suchen
nach Reisratten, ca. groß wie ein Unterarm und sehr schmackhaft. Herr Dzung
will uns einreden, dass wir sie gestern zum Dinner hatten. Das ist natürlich
Unsinn – so hoffen wir.

In Hoi An steht noch immer
das Wasser, aber da, wo Manne, Annette, Hildegard und ich gestern knietief im
Wasser standen, ist heute schon wieder Markt, schlendern Touristen und knattern
die Motorräder. Die Promenade und die erste Parallelstraße erreichen wir aber
noch nicht, da steht das Wasser. Wir sehen Menschen, denen es bis zur Hüfte
geht.

Und so können wir unser
Besichtigungsprogramm absolvieren als gäbe es keine Überschwemmungen
(mindestens 34 Menschen sollen in der Region ums Leben gekommen sein, über
100.000 Häuser sind überflutet worden). In einer ehemaligen Versammlungshalle
der Chinesen, die auch als Tempel genutzt wurde, verehrte man die Schutzgöttin
der Seeleute. Sie wird von zwei Helfern unterstützt: einer ist grün im Gesicht
und kann 1000 Meilen sehen. Man fragt, sich was er da hinten sieht, dass ihm
die Farbe aus dem Gesicht treibt. Den Koch, der gerade die Reisratte ins Ragout
schnetzelt?

Die Altstadt von Hoi An
ist ein UNESCO-geschütztes Shopping-Paradies – Seidenkleider, -tücher, und –Schlafsäcke,
Taschen, Lackarbeiten, Lampions … wenn man irgendetwas auch nur aus dem
Augenwinkel taxiert, kommt sofort eine Verkäuferin aus dem Dunkel des Geschäfts
heran geschossen, den Taschenrechner in der Hand (wir zahlen in Euro, Dollar
oder vietnamesischem Dong) und „different colour“ (für Taschen) oder „different
size“ (Für Blusen) auf den Lippen. Am Ende haben wir alle eine Tüte in der
Hand. Man schämt sich fast, wenn man nichts gekauft hat.

Ein Restaurant für
Hundefleisch haben wir noch nicht gefunden, aber viele, viele Hunde, die tapfer
auf die kleinen Geschäfte aufpassen. In Vietnam gibt es praktisch keine
Straßenhunde (warum wohl – die Vietnamesen essen alles auf vier Beinen außer
den Tisch!). Hier in Hoi An fallen die vielen Hunde auf, die ganz wichtig vor
den Geschäften sitzen. Manchmal haben die Halter die gleiche Haltung wie ihre
Hunde angenommen, manchmal blicken sie verträumt vom Balkon auf den endlosen
Strom von kauffreudigen Besuchern.

Ein paar Mutige lassen
sich im Holzboot in Richtung Promenade fahren. Beim ersten Schritt auf das Boot
krachen die ersten Planken ein (natürlich ist es der mit dem dicksten Hintern
passiert) (also mir) (angeblich gibt es Fotos) (aber die möchte ich niemals sehen).
Wir sortieren den Boots-Boden neu und los geht’s. Zwei Frauen rudern vier
Deutsche, ein Bier hilft gegen das leise Unbehagen im Magen. Es ist verrückt,
mit dem Boot über eine Brücke zu rudern. Pervers, aber schön.

Zum Schluss unseres
Rundgangs spazieren wir über den Markt. Die Markthalle steht noch unter Wasser,
aber dann setzt und stellt man sich eben an die Straße. Verkauft werden Gemüse,
Früchte, Blumen und klebrige Nudeln. Sie liegen feucht und matschig in riesigen
Schüsseln und werden in großen Plastiktüten verkauft. Die weiße Nudelpaste
kauft man per Kilo. Es sieht gewöhnungsbedürftig aus, aber wir wissen schon,
wie gut diese Nudeln schmecken. Frittiert sind sie wie dünne Nudel-Pommes.

Und am Nachmittag – haben wir
endlich Urlaub! Bärbel ist die erste im Wasser, Hans droht mit einer Arschbombe
und Annette liegt dekorativ zwar nicht in der Sonne, aber doch immerhin am
Pool, während das Meer ohne Unterlass gegen den Strand rauscht. Und das Beste:
in den nächsten zwei Tagen haben wir kein Programm!


Hoi An
Quang Nam, Vietnam
Stefanie Schweda Small

Bei Sonne kann ja jeder

„Sonne ist was für Anfänger, im Regen offenbaren sich die Profis.“ „Regenstund hat nassen Mund“.  Es ist nicht so, dass uns die Sprüche ausgehen. Leider weichen dabei unsere Füße und Hirne langsam auf. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Es regnet weiter. Beim ersten Blick aus dem Fenster noch Erleichterung, die Straßen trocken, die Motorroller-Fahrer ohne Pellerine. Dufte, denken wir. Aber nach dem Frühstück ist die trockene Herrlichkeit schon wieder vorbei und es prasselt wie schon gewohnt auf die bereits durchweichte Erde nieder.

Herr Dzung, unser Reiseleiter, möchte mit uns noch einen kurzen Markt-Besuch machen. Wobei von einer MarktHALLE die Rede ist. Die HALLE war wohl ein Missverständnis. Tatsächlich handelt es sich um Stände unter Planen, von denen uns die Suppe direkt in die Nacken läuft. Zur Ablenkung zeigt Herr Dzung uns Opfergaben aus Papier, die man den Verstorbenen reicht. Sie sind im Jenseits ziemlich gut versorgt – es gibt Handys, Autos, Motorroller, Stiefel und sogar eine Konkubine. Keine Ehefrau. Eine Konkubine, aus Papier. Stiefel sowie Konkubine hätten wir lieber aus Gummi. Stattdessen bekommen wir nasse Füße. Mal wieder. Ich kaufe mir Addiletten, die sich im Verlauf des Tages noch als sehr hilfreich erweisen werden. Man ahnt es: Es bleibt nass, aber anders als gedacht.

Unsere Fahrt soll eigentlich über den Wolkenpass führen. Aber nach der ersten Kurve, die unser Busfahrer sehr, nun ja, sportlich nimmt, möchten wir lieber durch den neuen Tunnel fahren. Wir würden ja eh nichts sehen. Und wollen noch ein wenig leben.

In Danang machen wir Mittagspause, wie immer steht eine Armada von hilfreichen Geistern bereit, die uns den Weg vom Bus zum Restaurant (2 Meter) mit Schirmen überbrücken. Als wir gesättigt und um eine Lektion in vietnamesisch-deutscher-Nicht-Verständigung reicher das Restaurant verlassen (Über das Bezahlen schreibe ich ein anderes Mal, es ist ein Erlebnis!), ist es trocken. Wir singen mit Katja Ebstein „Wunder gibt es immer wieder“ und planen neu. Nach dem Besuch des Cham-Museums, der uns kaum in Erinnerung bleiben wird, machen wir doch noch einen kurzen Stadtbummel in Hoi An, anstatt gleich ins Hotel zu fahren. Einige möchten sich etwas schneidern lassen, das sollte man so früh wie möglich in Auftrag geben.

Hoi An ist ein altes chinesisches Handelsstädtchen an einer Flussmündung (man ahnt es schon, oder?), von der UNESCO geschützt, voller Touristen und alten, vergilbten Häusern. Wunderbar niedlich und stimmungsvoll. Eine hübsche Promenade führt am Fluss entlang. So geht das Gerücht. Weder vom Fluss noch von der Promenade ist etwas zu sehen. Man erreicht die Gegend nur mit dem Boot. Ein paar von uns machen einen Kneippschen Spaziergang durch die Promenaden-Parallel-Wasserstraße. An der Markthalle steht uns das Wasser bis zu den Knien. Kinder spielen in der braunen Brühe, manche fahren sogar mit dem Moped hindurch. Es ist Volksfest-Stimmung. Die Menschen in Hoi An sind Hochwasser gewöhnt, aber eigentlich nicht mehr so spät im Jahr. Und für uns Touristen ist es ein Erlebnis. Und meine neuen Adiletten bewähren sich ganz wunderbar. Manne sammelt einen Damenschuh (Größe 39) und einen Lampion (schon ziemlich ramponiert) aus der Strömung. An Hildegard schwimmt eine Kakerlake vorbei. Wir haben Spass!

Sigrun und Uwe lassen sich ein Kleid und einen Anzug schneidern. Obwohl sie alles andere als bucklig oder verwachsen sind, dauert die Anprobe sehr lange. Peter ist ein großer schlacksiger älterer Herr mit einem winzigen Bauch, der vom Schneider anerkennend als “Buddha” bezeichnet wird. Wir warten geduldig im Bus, denn es gibt so viel zu sehen – 5 Menschen auf einem Motorroller zum Beispiel!

Der Tag endet im Boutique Hotel Hoi An. In den nächsten drei Tagen wollen wir uns am Pool und Meer erholen. Die Wetterprognose macht linde Hoffnung: Die Regenwahrscheinlichkeit nimmt jeden Tag um 5% ab – leider starten wir damit bei 90%… Aber wir haben noch einen abgegriffenen Spruch parat: “Die Hoffnung stirbt zuletzt!!


Hoi An
Quang Nam, Vietnam
Stefanie Schweda Small

Wollen wir aussteigen. Punkt.

So sagt es unser vietnamesischer Reiseleiter, weil er
manchmal lustig spricht. Er sagt auch: „Man muss auf der Hund sein.“ Oder: „Der
Kaiser konnte kein Kinder erzeugen“. Und wenn er möchte, dass wir aussteigen,
dann sagt er: „Wollen wir aussteigen.“ – „Nein“, ist keine Antwort, die er
erwartet. Und auch nicht akzeptiert. Obwohl draußen die Welt untergeht.

Wir haben uns zu früh gefreut. Der Tropensturm war durch als
wir kamen, jetzt belästigt uns ein handelsübliches Mistwetter, dass man so auch
in Deutschland haben könnte. Nur dass z.B. in Berlin heute die Sonne scheint.
Hier scheint sie auch. Angeblich. Irgendwo über den Wolken. Aber nach den
Flugerfahrungen von gestern verzichten wir auf eine Überprüfung.

Die Motorroller sehen schon am Morgen anders aus, denn die
Fahrer verstecken sich unter bunten Planen. Wir präsentieren auch unsere
Kollektion an Flipp-Flopps, Regenschirmen, Regencapes und Regengesichtern.
Angeblich hat es in Hue einst so geregnet, dass Gäste unseres Hotels mit dem
Boot zum Frühstück fuhren – durch die Lobby. Mythen in Tüten, denken wir
amüsiert, aber am Abend sind wir uns nicht mehr so sicher.

Um es kurz zu machen: Wir wurden fast davon gespült. An der
Thien Mu Pagode dachten wir noch kurz, jetzt würde der Regen nachlassen. Wir
deutschen Naivlinge, der Regen holte nur kurz Luft, um dann richtig vom Himmel
zu donnern. In der Verbotenen Stadt (sowas haben die hier auch) gaben wir zum
ersten Mal auf, trocken zu bleiben. Während der Mittagspause im Hotel
versuchten wir gar nicht erst zu trocknen, denn beim Ausflug am Nachmittag zur
parkähnlichen Grabanlage von Kaiser Tu Duc hatten auch die Regenwolken frische
Kraft geschöpft. Heike hat ihre Gummistiefel an, verzichtet aber auf den
Spaziergang durch die riesige Grabanlage, die bei trockenem Wetter einfach
traumhaft ist. Davon sind wir weit entfernt, so ist es eben lustig. Wir machen
alberne Fotos auf einer Treppe, die nur wenige Kaskaden weniger hat als die
Wasserfälle von Iguazú, mit den kleinen Statuen auf dem Gelände und unseren
Füßen im Wasser. Trocken ist hier nichts mehr außer unserem Humor.

Zum Glück haben wir bis zum Abendessen Zeit zum Trocknen –
Hans will drei Tage nicht mehr duschen, wünscht sich aber weiteren Regen, weil
sich weder das Bekleidungssystem vom Vormittag noch das vom Nachmittag bewährt
hat. Das Schlimme: Wahrscheinlich wird er seinen Willen bekommen.


Hue
Thura Thien-Hue, Vietnam
Stefanie Schweda Small

Die Miten steigen und die Titen hängen

Die Halong-Bucht liegt im trüben Licht. Langsam und fast lautlos tuckert unser Boot in Richtung der aus dem Wasser aufsteigenden Felsen. Ein Moment tiefer innerer Ruhe – und Müdigkeit, denn Viele haben heute Nacht schlecht geschlafen. Am Morgen haben wir uns mit einer Horde Koreanern um das Frühstück gestritten. Später sehen wir, dass sie alle orangefarbene Koffer haben, jedenfalls die Frauen. Die Männer haben schwarze, aber auch ein Einheitsmodell. Noch später sehen wir, dass ein orangefarbener Koffer wieder aus dem Bus geholt wird. Die Besitzerin öffnet ihn und holt aus einer Plastiktasche ein großes weißes Handtuch, das sie wortlos einem Hotelangestellten übergibt. Beim Frühstück habe ich ihr die letzte Ananas vor der kurzen Nase weggeschnappt. Kein guter Tag für die Frau.

Aber für uns! Wie gesagt, langsam gleitet unser Boot in diese wahnsinnige Landschaft, die wir zwar bei Arte oder Phoenix in den einschlägigen Reportagen schon gesehen haben, aber es ist eben doch etwas ganz anderes, mit eigenen Augen die verschiedenen Inselchen zu sehen und dazu das Meer zu riechen und Blick und Seele schweifen zu lassen.

Wir landen an der „Tropfsteinhöhle der Überraschungen“, die wir durch einen mühsamen Treppenaufstieg inmitten einer unüberschaubaren Horde von Asiaten (Die Handtuch-Räuberin wird nicht gesichtet) erreichen. Und welch Überraschung: sie ist total öde. Aber dann noch fix sich durch einen schmalen Spalt gequetscht, da liegt eine riesige Höhle vor uns, und der erste Blick fällt auf einen majestätisch im roten Licht pulsierenden Riesen-Penis. Hihihi, machen die Asiatinnen. Hohoho, wir Deutschen. Beeindruckend. Neiderweckend. Viele bunt bestrahlte Stalagmiten und Stalagtiten sehen wir bei unserem Rundgang.

Nach der Tropfsteinhöhle gibt es Essen auf dem Schiff, viel Fisch und Scampi und Krebs, für die deutschen Geschmacksknospen ein paar Pommes und Weißwein aus Vietnam. Als Reaktion auf den ersten Schluck zieht sich der Mund unwillkürlich zur Schnute zusammen, in Kombination mit dem Fisch scheint er plötzlich perfekt. Auf der Rückfahrt: nur noch genießen. Wir sitzen an Deck und gucken und träumen und manch einem fallen auch die Augen zu.

Lang ist der Weg zurück nach Hanoi, wir halten am Friedhof (die Gräber stehen so herrlich unsortiert nach Feng Shui-Prinzipien) und an einem Shop (Blusen, Stickbilder, Lackschälchen und kaltes Bier) und kommen mit Hängen und Würgen zum Flieger nach Hue in Zentralvietnam. Beim Anflug auf Hue fragen wir uns noch, ob es ein mieser Scherz des Schicksals war, dass wir die Maschine erreicht haben, denn: der Pilot reißt die Maschine mitten im Landeanflug wieder hoch. Zarte Gemüter brechen in Tränen aus, eine Amerikanerin hat sich auch am Kofferband noch nicht beruhigt, unsere kleine Beatrice braucht auch Sonder-Streichel-Betreuung. Es war zu windig und der Pilot droht, auf einen anderen Flughafen auszuweichen. Beim dritten Versuch landet er die Maschine sanft und wir klatschen wie die letzten Neckermann-Touris auf Mallorca, aus Erleichterung und Freude, am Leben zu sein.

Durch fast leere Straßen (!) fahren wir zum Hotel, spät ist es geworden. Der Busfahrer hält sich sklavisch an die Geschwindigkeitsvorschriften und lässt sich ungerührt links und rechts von Motorrollern und Lastwagen überholen. Nach all den bestandenen Abenteuern erreicht uns im Hotel eine nun aber wirklich schlimme, unverzeihliche Nachricht: Die Bar hat bereits geschlossen. Wir sind allein und zurückgeworfen auf unsere letzten Duty-Free-Vorräte. Deutlich im Vorteil ist, wer in Frankfurt vorgesorgt hat!    



Hue
Thura Thien-Hue, Vietnam
Stefanie Schweda Small

BMW, Royce und Motorroller - Land der Wunder

Um es gleich zu sagen: einen Royce sehen wir nicht. Einen
BMW schon, aber ganz anders als in Deutschland. Und die Motorroller … es sind
nicht nur mehr als in Deutschland, sondern es sitzen vor allem mehr darauf.

Wir fahren von Hanoi zur Halong Bucht, reine Fahrzeit 3 ½ Stunden,
wir brauchen natürlich viel länger. Unser Reiseleiter nutzt die Zeit, um einen
Vietnam-Faktencheck zu machen:

Das Land ist in etwa so groß wie Deutschland, und mit 90
Millionen Menschen ist es etwas enger als bei uns. Wer gerade Kaffee trinkt:
der kommt wahrscheinlich aus Vietnam! Vietnam ist der zweitgrößte
Kaffeeexporteur der Welt (meint Herr Dzung), Deutschland importiert am meisten
Kaffee aus Vietnam, also könnte in der Tschibo-Kapsel Vietnam-Kaffee sein. Und
George Clooney und sein Nespresso – vielleicht auch aus Vietnam. Genauso der
Reis: 25% der Reisexporte weltweit kommen aus 
Vietnam. Also kochen wir Reis und Kaffee und schon sparen wir uns den
Gang zum Vietnamesen! Vielleicht sollten wir es auch hier mit Kaffee und Reis
belassen, denn wir lernen:

Die Vietnamesen essen alles, was fliegt – außer das
Flugzeug. Sie essen alles, was auf vier Füßen steht – außer den Tisch. Sie
essen alles, was schwimmt – außer das U-Boot. Auf einem Markt streicheln wir
eine kleine angebundene Katze. Ich frage den Besitzer per Handzeichen, ob sie
zum Essen ist, und er zeigt mir etwas Geräuchertes in einer Tüte, die über ihr
hängt. Ich will mal glauben, dass es das ist, was sie zu essen bekommt und
nicht ihre kleine Schwester…Auf dem gleichen überdachten, engen (!) Markt fahren einige übrigens mit dem Motorrad zum Schuhekaufen. Die spinnen, die Vietnamesen!

Wir halten an einem Feld, auf dem Salat und anderes Grünzeug
wächst. Aber wir sind nicht die einzigen, auch andere Touristengruppen stapfen
durch das Gelände und belästigen die Bauern. Links Neckermann, rechts
Studiosus, in der Mitte wir. Aber die Bilder sind schön. Vor allem der
Rasensprenger, der besteht hier aus einem Mann und zwei Gießkannen. Schließlich
finden wir auch noch einen BMW: einen Bauern mit Wasserbüffel. Wir machen
glücklich unsere Fotos, wie der Mann mühsam das Feld durchpflügt.

Und dann wären da noch die vielen, vielen Motorroller. Waren
sie in der Stadt vor allem bemerkenswert durch ihre schiere Anzahl, sind sie es
jetzt wegen der Dinge, die darauf transportiert werden. Riesige
Zuckerrohrstücke, vier Schulkinder, Flaschen, Hühner im Käfig – was auch immer
von A nach B muss, wird auf den Roller geklemmt. Wir sind fassungslos.

Morgen fahren wir im Boot durch die Halong-Bucht. Herr Dzung
hat uns die Entstehungsgeschichte schon erzählt. Sie ist lang. Und sie endet
damit, dass die kleinen Inseln eigentlich Drachenspucke sind. Und sowas setzt
die UNESCO auf ihre Welterbeliste. Man muss sich doch sehr wundern in Vietnam. 


Stefanie Schweda Small

Hoffentlich geht das nicht so weiter!

Nur einen Tag sind wir in Hanoi – nicht mal hier aufgewacht
sind wir, sondern am Morgen erst hier gelandet – und schon so viel gesehen,
dass uns der Kopf raucht. Erste Akkus müssen schon aufgeladen werden, die der
Kameras genauso wie die bei uns. Nur hängen wir uns nicht an die Steckdose,
sondern werfen uns ins Bett.

Literaturtempel, Hoan-Kiem- See, Rikscha-Fahrt durch die
Altstadt, Spaziergang (wobei uns zwei abhanden kommen), Wasserpuppentheater,
Abendessen … Himmel, schick Kraft!

Der Tag im Schnelldurchlauf. Am Morgen Landung in Hanoi,
Sonne, 24 Grad, nicht mal ne Pfütze, kein Lüftchen regt sich. Wir sind
erleichtert, fühlen uns aber auch, als hätten wir unsere Freunde betrogen,
immerhin haben die sich gesorgt und um uns gebangt. Egal. Besser so als anders.

Im Hotel ein kräftiges Frühstück, kann man ja immer
gebrauchen. Gefühlt mitten in der Nacht, unser Zeitgefühl ist aus den Fugen.
Dusche. Frisch anziehen, auf geht’s ins Abenteuer.

Erster Halt: Literaturtempel. Uns interessiert weniger, dass
dies 800 Jahre lang Vietnams Zentrum für konfuzianische Bildung war. Wir sind
zwar beeindruckt davon, dass Studierende hier die fünf konfuzianischen Klassiker plus vier klassische Werke
auswendig lernen mussten (Wer von uns kann denn noch „Die Glocke“? (Festgemauert
in der Erden, Steht die Form aus Lehm gebrannt. Heute muss die
Glocke werden, frisch, Gesellen, seid zur Hand!  Und dann? Wo sollte noch der Schweiß rinnen?
Und wer lobt da wen? Ach, lassen wir das!). Wir interessieren uns vielmehr für eine
unüberschaubare Menge wunderschöner Frauen, die sich gegenseitig ablichten. Alle
mit dem Áo dài, einem hochgeschlitzten Oberteil und langen Hosen. Manche sehen
aus wie die Vietnam Barbie, alle brodeln sie vor Stolz und Freude. Wir hören:
das sind Absolventinnen der Uni, die sich hier zum Abschluss fotografieren
lassen. Das machen wir doch gerne.

Bei der
Rikscha-Fahrt durch die Altstadt haben wir mit unserem Leben schon abgeschlossen.
Da uns der Taifun nicht haben wollte, wird es doch wohl nicht der Hanoier
Verkehr erledigen. Auch als eine Rikscha mit einem Taxi (Frau am Steuer!! Ich
schäme mich so) Hautkontakt hat, hören wir außer wildem Fluchen („Frau am
Steuer“, aber auf Vietnamesisch, was noch verächtlicher klingt) nichts. Jedenfalls
wird wegen ein paar Kratzern nicht die Polizei geholt. Die müsste man ohnehin
erst wecken, Polizisten nämlich dämmern gerne auf ihren Motorrädern dahin. Friseure brauchen nichts weiter als eine, Stuhl, eine Schere, einen Spiegel an der Wand und genügsame Kunden. Leitungen durchziehen in heillosem Durcheinander die Straßen, ein Anblick, den Elektriker aus ihren Albträumen oder vom BER kennen.  

Beim
anschließenden Spaziergang durch die Altstadt fühlen wir uns schon ganz einheimisch und schauen niemals nach hinten, wo die Motorroller ohne Unterlass
in Richtung unserer Hacken unterwegs sind. Als wir von einer Konkurrenz-Truppe –
Meyer’s Weltreisen – eingeholt werden und alles durcheinander läuft, gehen zwei von uns verloren. Hildegard
und Helga sind den falschen Europäern hinterher gelaufen, bleiben aber wie
vorgeschrieben stehen, als sie den Fehler bemerken. Leider bemerken wir Ihre Abwesenheit erst eine halbe Stunde
später, da sind die zwei schon ziemlich verzweifelt. Im Wasserpuppentheater –
wegen Taifun-Wasser-Mangels im Theater, nicht in der Pfütze – feiern wir ein
Wiedersehen. Eine Frau singt ulkige Lieder und Holzfiguren tanzen (Mädchen) und
kämpfen (Drachen) und legen Eier (Paradiesvögel). Das ist sehr eindrucksvoll,
und in der kühlen Dunkelheit auch eine willkommene Gelegenheit für ein
Zwischenschläfchen.

Die erste
Begegnung mit der vietnamesischen Küche am Abend ist für beide Seiten äußerst
erfreulich. Wir essen alle Teller leer – und es sind viele – und es schmeckt
uns noch dabei. Morgen will uns unser Reiseleiter Dzung einen Vortrag über die
drei Lebensanschauungen der Vietnamesen halten – Konfuzianismus, Daoismus,
Buddhismus. Er tut das nicht, wie andere Reiseleiter, bei einer längeren Fahrt
im Bus, sondern am Abend im Hotel beim Bier. Gut, der Mann!


Hanoi
Hai Phong, Vietnam
Stefanie Schweda Small

Der Weltuntergang fällt aus

Das Konfiszieren der Gummi-Stiefel war eigentlich schon beschlossene Sache. Heike hat welche dabei. Genau meine Größe. Die Reiseleitung darf alles, auch Gummistiefel für den eigenen Gebrauch einziehen. In Gedanken schon erledigt. Mit den Gedanken war es ja ohnehin so eine Sache in den letzten Tagen. 300.000 Vietnamesen evakuiert, 600.000 evakuiert. Wir denken, wir fahren nach Bad Hanoi zur Kneipp-Kur. Machen Scherze am Flughafen. Wasserpuppentheater? Na das machen wir doch auf der Straße. Galgenhumor, was bleibt uns übrig?

Zur Ablenkung eine kleine Wandereinlage in Frankfurt, mit der Bahn wechseln wir das Terminal, müssen zurück in die Halle, um unsere Bordkarten für den langen Flug zu bekommen, unser Flugzeug fährt dann den ganzen Weg wieder zurück. Oder will der Pilot nur Zeit gewinnen, um den Sturm über Hanoi erst abziehen zu lassen? Wir haben uns so viele Gedanken über den Sturm gemacht, dass wir schon paranoid sind. 

Über Kiew rumpelt es zum ersten Mal - das ist ein bisschen zu früh für Taifun Haian, denken wir und lassen uns den Rinderbraten gut schmecken. Mit Rotkohl und Klößen, fast wie zuhause. Schon zum Abendessen ist es dunkel, nur ein Baby hadert noch mit seinem Schicksal. Der Rest dämmert und arbeitet sich durch die Filmauswahl. 

Über Vietnam - ein paar überschwemmte Felder, nicht der Rede wert. Ein paar Wolken, Hanoi im Dunst - und DAS soll es gewesen sein? Es rumpelt nicht mal ein bisschen beim Anflug auf Hanoi, nicht mal ein Mini-Luftloch lässt uns wohl schaudern. Alle Nachrichten der letzten Tage sind vergessen, alle Horrorfantasien vom Wochenende verschwinden wieder in den Tiefen unserer Seele. Ein bisschen fühlen wir uns betrogen - nicht mal ein Pfütze, das ist gemein - aber schnell schalten wir um: von Katastrophentourismus auf Genuss und Freude. 

So fahren wir auf dem Damm in die Stadt, der die Altstadt vor den Fluten des Roten Flusses schützen soll. Fluten ... dass wir nicht lachen. Erste Eindrücke von den vielen, vielen Rollerfahrern, die Steine, Teppiche, Leere-Flaschen-Sammlungen und ihre Familie transportieren. Sie werden in den nächsten Tagen immer wieder Thema sein. Unsere beste Freundin dieser Minuten ist die Dusche. Frisch geputzt und trockenen Fußes erobern wir jetzt Hanoi. 


Hanoi
Hai Phong, Vietnam
Stefanie Schweda Small

Shunshine Reggae oder Raindrops keep fallin' on my head?

Während im Programm des Berliner Rundfunks ”Sunshine Reggae” läuft, sehe ich den ausführlichen Taifun-Wetter-Service bei CNN. Der Taifun nennt sich ja jetzt “nur noch” Tropensturm, aber das wird für die Region unangenehm genug. Im Moment ist er in Hainan angekommen, das ist die große chinesische Insel, die vor der großen, großen Bucht liegt, in der Hanoi und die Halong Bucht liegen. Hanoi soll morgen erreicht werden – wenn wir losfliegen. Und nach 24 Stunden soll das Stürmchen dann durch sein – wenn wir ankommen. Das größte Problem sollen laut CNN-Wetter-Tante die Regenmengen werden. Sie weist auch noch mal darauf hin, dass jetzt eigentlich TROCKENZEIT ist. Na gut, dann eben nicht. Das heißt aber für uns: Schuhe, die nass werden können und dann gleich noch mal welche, die nass werden können. Und ein Regenschirm, der auch kaputt gehen darf, falls es doch noch sehr windig ist. Gleich spiele ich “Raindrops keep fallin’ on my head”!

Stefanie Schweda Small

Koffer packen oder nicht ...

... fragte die SMS bezüglich unserer Reise. Die Antwort: Ja. Ansonsten habe ich nichts gehört, das spricht für den Optimismus der Teilnehmer. Oder hören sie seit 24 Stunden kein Radio, haben sie keinen Fernseher? Der Wirbelsturm über den Philippinen war schlimm, und er ist unterwegs nach Vietnam. Die vermutlich betroffene Provinz Danang werden wir auch besuchen, wir wollen dort sogar einen Badetag einlegen.

Bis auf Weiteres gilt: Zuversicht! Und Regensachen einpacken. Laut wetteronline ist der Regen da am Dienstag, wenn wir kommen, durch. Laut wetter.com regnet es am Montag nur noch leicht, und dabei könnte sogar die Sonne wieder scheinen.  

Es ist ein bisschen gruselig - morgen zum Frühstück wissen wir wahrscheinlich schon mehr und checken als erstes die Nachrichten über den Sturm und die Verwüstungen, die er - hoffentlich - in Vietnam nicht so heftig hinterlässt wie auf den Philippinen. Auch wenn wir selbst nicht gefährdet sind, und das sind wir bestimmt nicht, wollen wir doch nicht durch ein zerstörtes Land reisen.

Vielleicht sollten wir beten, die Vietnamesen tun es gewiss auch in Ihren Notunterkünften!

 



 

Stefanie Schweda Small

Vietnam auf der Leinwand

Wem es zu lange dauert, ein Buch zu lesen, der greift nach einer DVD seines Vertrauens. Hier sind Tipps für Filme, in denen Vietnam eine Rolle spielt. Die meisten sind allerdings Filme über den Vietnam-Krieg, aber auch James Bond und das Traumschiff waren schon in Vietnam - beides Kult, bei beiden Reihen trägt der Hauptdarsteller ein dichtes Haarkleid auf der Brust (Pierce Brosnan/Sascha Hehn).

1. "Der Mann mit dem goldenen Colt"
Die Insel, auf der James Bonds Gegenspieler und Erz-Bösewicht Christopher Lee lebt, sieht aus wie eine aus der Halongbucht, angeblich wurde dort auch gedreht. Wikipedia hat aber als Drehorte nur Thailand

2. "Tomorrow never dies/Der Morgen stirbt nie" (1997)
Wieder Vietnam in einem James Bond, aber wieder unter dem Stichwort Drehorte nur Thailand zu finden. Aber die Verfolgungsjagd durch "Saigon" mit schöner Frau auf einem Motorrad ist sehr sehenswert! Sein Name ist Bond, Schummel Bond.

3. "Traumschiff - Vietnam" (2008)
Und darum gehts: Für Cornelia Feller soll diese Reise zur schönsten ihres Lebens werden. An Bord des Traumschiffs soll ihre Hochzeit mit Ulf Höffer stattfinden. Der zukünftige Gatte möchte eigentlich im nächsten Hafen an Bord kommen, brennt jedoch mit einer anderen durch und lässt Cornelia mit seinem besten Freund und Trauzeugen Nico sitzen. Die Absage kommt äußerst gefühlsbetont per "Und Tschüss"-Fax. Unter der asiatischen Sonne kommen sich die Alleingelassenen näher. Sonnenuntergang. Schmacht. Klappe. Schluss.

4. "Der Liebhaber" (1984)
Die Verfilmung des Romans von Marguerite Duras. Und darum geht's: In den späten 1920er Jahren: Nach dem Ende der Schulferien kehrt eine fünfzehnjährige Französin nachSaigon zurück, wo sie ein Pensionat besucht. Auf der Fähre über den Mekong begegnet sie einem zwölf Jahre älteren, gutaussehenden und offensichtlich wohlhabenden Chinesen. Man verliebt sich mit Leidenschaft, schwitzt ein bißchen aneinander herum im Halbdunkel und fröhnt der Liason, die natürlich völlig unakzeptabel ist. Nun ja, als der Chinese die französische Familie finanziell unterstützt ist es - schwups - doch nicht mehr so schlimm. Am Ende wird der Chinamann standesgemäß verheiratet und das Mädchen geht nach Frankreich zurück. "Der Liebhaber" war ein bißchen softpornohaft, dabei war die Hauptdarstellerin erst 17. Ein bißchen Skandal!

5. "Apokalypse Now2 (1979)
Das passiert: Mitten im Wahnsinn des Vietnamkrieges erhält Captain Willard den Auftrag für eine waghalsige Mission: Er soll sich mit einer Hand voll Soldaten zum Lager des sadistischen Colonel Kurtz im kambodschanischen Dschungel durchschlagen. Der brutale Kurtz lässt sich nicht mehr von der Militärführung kontrollieren und richtet von seinem Hauptquartier aus ein unglaubliches Blutbad nach dem anderen an. Willard hat den ausdrücklichen Befehl, den Sadisten zu liquidieren. Auf ihrem Weg begegnet die Truppe dem sonderbaren Colonel Kilgore, der seine Hubschrauberpiloten ihre Attacken zu den Klängen der „Walküre" fliegen lässt. Je tiefer das amerikanische Boot in den Dschungel eindringt, desto blanker liegen die Nerven der Besatzung. Ihre Mission führt die fünf Soldaten geradewegs in die Abgründe der menschlichen Seele.
Die bittere Wahrheit: Auch dieser Film wurde nicht in Vietnam gedreht, sondern auf den Philippinen und in der Dominikanischen Republik.
Es gab bittere Umstände: Das Set wurde vom Sturm fast vollständig zerstört. Hauptdarsteller Martin Sheen erlitt einen Herzinfarkt. Gedreht wurde 16 Monate (!) und die Kosten verdoppelten sich. Regisseur Francis Ford Coppola und Marlon Brando hatten im Verlauf der Dreharbeiten mehrere Auseinandersetzungen, unter anderem weil Brando das Drehbuch schlecht fand. Außerdem sollte die Hauptfigur dünn sein. Brando war dick. Deshalb sieht man ihn fast nur im Zweilicht oder in der Dunkelhei tgar nicht - hinterher fand man das Stilmittel grandios, eigentlich sollte nur das Übergewicht kaschiert werden. So entsteht Kunst!

6. Full Metal Jacket (1987)
Eine hervorragende Darsteller-Truppe marschiert im Gleichschritt an die Front: Stanley Kubrick zeigt in seinem epischen Meisterwerk über den Vietnam-Krieg, wie man Rekruten die Menschlichkeit austreibt, bis sie zu Killermaschinen werden. Joker, Animal Mother, Gomer, Eightball, Cowboy und die anderen - sie alle landen in der Hölle der Grundausbildung, wo sie ihr Bulldoggen-Drill-Sergeant in Grund und Boden brüllt - denn für ihn sind sie nichts weiter als Gewürm. Die Action ist brutal, die Story unerbitterlich, die Dialoge sind mit Galgenhumor gespickt. Vom "Ach-TUNG!" der Grundausbildung bis zu den Alptraumhaften Gefechten um Hue.
Bitter: An den amerikanischen Kinokassen musste sich der Film von der seichten No-Name-Komödie "Der Supertrottel" geschlagen geben.

7. "Geboren am 4. Juli" (1989)
Tom Cruise beweist, dass er auch schauspielern kann in diesem Film von Oliver Stone. Und darum gehts: Ron ist ein Kämpfer und Patriot. Freiwillig meldet er sich zur Elite-Einheit der "Marines" und kämpft an vorderster Front in Vietnam. Bei einem Einsatz wird er schwer verletzt. Für den Rest seines Lebens an den Rollstuhl gefesselt, enttäuscht und verbittert kehrt er in die Heimat zurück. Dort wird der Protest gegen Vietnam immer lauter. Und das ist für Ron schlimmer als sein eigenes Schicksal. Erst die Begegnung mit seiner Jugendfreundin Donna öffnet ihm die Augen für die Sinnlosigkeit des Krieges. Ron schließt sich selbst der Protestbewegung an - damit das Opfer, das er für sein Land erbrachte, nicht umsonst war.
Was ist das besondere am 4. Juli? am 4. Juli 1776 wurde die Unabhängigkeitserklärung der USA verabschiedet, das ist heute Nationalfeiertag/Independance Day.

8. Good Morning, Vietnam (1987)
Vietnam 1965, der Vietkong lauert hinter jeder Ecke und niemand weiß, wer Freund und wer Feind ist. Die Lage wird kritsich, die Moral ist gleich null. Da kommt Disc-Jockey Adrian Cronauer und ruft - "Good Morning, Vietnaaaaaaaam!" Mit seinem Radiosender macht er allen Feuer unterm Hintern - mit Musik, genauso heiß wie das Wetter - und das ist verdammt heiß! Über Nacht wird er der absolute Truppenliebling. Bis er sich in eine Vietnamesin verliebt... und auf einmal im wahrsten Sinne des Wortes zwischen den Fronten. Lustig und bitter zugleich und mit einem wundervollen Robin Williams.

9. "Platoon" (1986)
Vietnam 1967. Der junge, naive College-Student Chris Taylor wird in Vietnam einem Platoon (Infanterieabtlg. von etwa 30 Mann) zugeteilt. Die Aufgabe: Search and Destroy (den Feind suchen und töten). Die physische und psychische Belastung ist für die jungen Soldaten unerträglich. Viele stehen kurz vor dem Wahnsinn. Bei einem Angriff auf ein Bauerndorf werden die Jungen zu Bestien. Wie im Rausch töten sie Krüppel, Frauen und Kinder. Barnes verhört einen Bauern, will ihm nicht glauben, dass die Waffen, die im Reis versteckt gefunden wurden, nicht dem Vietcong dienen sollen. Barnes erschießt die Frau des Bauern und droht auch die kleine Tochter umzubringen, als Elias dazwischenkommt. Er schwört Barnes, ihn vors Kriegsgericht zu bringen. Kurz darauf kommt Elias bei einem Einsatz ums Leben. Nur Chris weiß, wer ihn getötet hat. Es war nicht der Vietcong. Es war Barnes. Jetzt wird Chris nur noch von zwei Gedanken beherrscht. Er will Barnes sterben sehen... und er will überleben.

10. "Rambo II" (1985)
Ach ja, der war ja auch noch. John Rambo/Sylvester Stallone ist ja ehemaliger Vietnamkämpfer. In seinem zweiten Film kehrt er nach Vietnam zurück, um einen von den Kommunisten gefangenen Kamerade zu befreien. Perfektes Actionabenteuer mit komplett bekloppter Handlung.


Stefanie Schweda Small

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil

Hallo Vietnam & Kambodscha-Freunde,

ich habe mich ein wenig durch die einschlägigen online-Bücherhändler gearbeitet und eine - völlig unverbindliche und unvollständige - Liste von Vietnam- und Kambodscha-Literatur zusammen gestellt.

Wenn jemand noch etwas anderes empfehlen kann, einfach einen Kommentar schreiben!

Vietnam 151: Portrait eines Landes in ständiger Bewegung in 151 Momentaufnahmen

Autor: David Frogier de Ponlevoy. Der Mann mit dem interessanten Namen kommt aus - Achtung! - Worms. Er hat fünf Jahre lang Journalisten des Staatsradios Stimme Vietnams ausgebildet. Sein Großvater war einst nach Vietnam ausgewandert, er jetzt auch. Er arbeitet als freier Journalist und spielt in der Freizeit Theater in Hanoi.

Preis: 14,95 EUR

Die Kapitelüberschriften klingen interessant: Lange Fingernägel, Mundschutz, Cyclo, Karaoke, Jackfrucht, Fahrrad usw.

Beschreibung bei Amazon: "Vietnam - das Land der knatternden Zweiräder und der schweigenden Schildkröten, wo Kinder mit Wasserbüffeln Gassi gehen und Geschäftsleute auf winzigen Plastikhockern am Straßenrand essen, trinken und rauchen. Die Frau mit Strohhut als exotische Schönheit, die Felsen der Halong-Bucht als Urlaubsziel, der Hubschrauber als Zeichen des Krieges - Vietnam bietet weit mehr als diese bekannten Symbole.

Begleiten Sie David Frogier de Ponlevoy auf seiner Reise durch Vietnams Städte und Landschaften. Setzen Sie sich mit auf den Motorroller oder mit den Küchengöttern auf den fliegenden Karpfen. Rollen Sie Nem, schlürfen Sie Pho und lassen Sie sich von der Vielzahl der Obstsorten verwirren. Erfahren Sie, was der Winter mit Wasserpuppen zu tun hat, warum Vietnamesen selten Briefe schreiben, und suchen Sie mit nach dem Schweinevogel. Am Ende werden Sie um 151 berührende Einblicke in dieses faszinierende Land reicher sein.

"Vietnam 151" ist eine einzigartige Dokumentation des Lebens zwischen Reisfeld und Verkehrsstau, zwischen Küstendorf und Bergtempel. Erleben Sie in 151 Momentaufnahmen die Facetten von Kultur und Gesellschaft, begleitet von Geschichten, persönlichen Eindrücken und einem Blick hinter die Kulissen. Ein Buch für Entdecker und Liebhaber Vietnams und diejenigen, die es werden wollen."


Highlights Vietnam: Die 50 Ziele, die Sie gesehen haben sollten

Autoren: Bernd Schiller und Ernst Zaglitsch, ein Reisejournalist und ein Fotograf

Preis: 24,95 EUR

In 25 Kapiteln hat man schöne Texte und schöne Bilder aus ganz Vietnam und kann schon mal schauen, ob wir auch die 25 wichtigsten Stationen abreisen (tun wir nicht)

Kurzbeschreibung Amazon: "Kenner bestätigen es immer wieder: Kaum ein anderes Land Asiens bietet eine solche Vielfalt an Landschaften, Kultur und Traumstränden. Auf fast 2000 Kilometern, von Reisterrassen und hohen Bergen im Norden bis zum legendären Mekong-Delta mit seinen schwimmenden Märkten warten hinter jeder Bucht Überraschungen – Tempel, Paläste, exotische Köstlichkeiten in Garküchen, aber vor allem freundliche Menschen, die Besucher herzlich aufnehmen."

 

Gebrauchsanweisung für Vietnam, Laos und Kambodscha

Autor: Benjamin Prüfer. Benjamin Prüfer hat seit 2003 als Backpacker und Journalist die Länder Kambodscha, Vietnam und Laos bereist. Seit drei Jahren lebt er gemeinsam mit seiner kambodschanischen Frau und drei Kindern in Phnom Penh. Letzteres ist die Plattform, von der aus er eingedrungen ist in die Kultur und die Lebensweise der Menschen in Südostasien.

Preis: 14,99 EUR

Ich mag die Reihe "Gebrauchsanweisung für ..." sehr gerne, weil man einen guten Einblick jenseits von Tempeln bekommt.

Beschreibung von Amazon: "Dampfende Glücksrollen und knusprige Baguettes, westliche Klischees und das andere Indochina: Benjamin Prüfer über eine Region im Aufschwung, in der man Autos im Wohnzimmer parkt und Hausaltäre mindestens ebenso wichtig sind wie Klimaanlagen. Zarte Frauen mit Kegelhüten und Mönche in safranfarbenen Roben; am Straßenrand weiße Rinder und duftende Garküchen; bizarre Felsformationen und die berühmtesten Tempel der Welt: Südostasien bezaubert. Der Autor erzählt, wie er von Laoten ein ganz neues Zeitgefühl lernte; wie in Vietnam chinesisches und französisches Erbe, kommunistischer und wirtschaftlicher Ehrgeiz lässig harmonieren; vom Leben in Kambodscha mit Legenden, Bettlern und hungrigen Hausgeistern; vom Mekong als Lebensader, 40-stündigen Busfahrten über Serpentinen und dem täglichen Mopedirrsinn in Phnom Penh. Er geht in Saigon auf die Suche nach Graham Greene, verrät, warum die Regenzeit viel besser ist als ihr Ruf und was das Lächeln der Asiaten wirklich bedeutet."

 

Schwarze Schiffe: Kommissar Ly ermittelt in Hanoi  Kriminalroman

Autorin: Nora Luttmer. Nora Luttmer, Jahrgang 1973, lebt in Hamburg und arbeitet als Autorin und freie Journalistin. Sie hat Südostasienkunde mit dem Schwerpunkt Vietnam in Passau, Hanoi und Paris studiert. Seit Mitte der 1990er Jahre ist sie immer wieder in Hanoi und spricht unter anderem Vietnamesisch.

In einer Amazon-Kundenrezension heißt es: "Krimiinteressierte findet in diesem Roman kein besonderes Schmankerl, interessierte Globetrotter hingegen kommen auf ihre Kosten." Na, dann ist das doch was für uns!

Beschreibung von Amazon: "Hanoi ist geschäftig, ruhelos und eng. Auf den Straßen wird gehandelt und gefeilscht. Korruption ist allgegenwärtig, und auch die Polizei verlangt Schmiergelder, wo es geht. In diesem Umfeld ermittelt Kommissar Ly. Die junge Frau, die im Hof eines taoistischen Tempels ermordet aufgefunden wurde, ist kaum älter als Lys Tochter, weshalb der Fall ihm besonders nahegeht. Die Frau ist über mehrere Tage misshandelt worden. Der Rechtsmediziner notiert als auffallend: Brandwunden von Zigaretten, auf dem Rücken eine Tätowierung in Form des chinesischen Glückszeichens. Bald führen die Ermittlungen auf die Spur von Hai Au, einem Mann, von dem es heißt, er habe in allen möglichen illegalen Geschäften seine Finger im Spiel.  Kommissar Ly, Mitte vierzig, Einzelgänger und Vespa-Fahrer, im Kampf gegen Korruption und Verbrechen." 

 

Der stille Amerikaner

Autor: Graham Greene.

Ein Klassiker, und 2002 mit Michael Caine und Brendan Frazer verfilmt. Desillusionierend und spannend.

Um diese beiden Männer geht's: Der englische Journalist Thomas Fowler sieht den Kolonialkrieg der Franzosen in Vietnam mit kühler Distanz. Er interessiert sich mehr für seine vietnamesische Geliebte Phuong und die asiatische Lebensart als für Politik. Der Amerikaner Aldon Pyle dagegen arbeitet angeblich für eine Wirtschaftshilfe-Organisation und will, scheinbar naiv, sendungsbewusst und demokratiegläubig, etwas Gutes tun. Erstaunlicherweise benutzt er Plastikbomben dazu.

 

Stefanie Schweda Small

WWW - Wie Wetter Wird


Liebe Vietnam & Kambodscha-Freunde,

gestern Mittag lief auf Arte die Dokumentation über Angkor - wer's gesehen hat, ist jetzt schlauer und noch mehr in Vorfreude. Ich werde heute Abend ein Restaurant ausprobieren, das uns eventuell als Wiedersehens-Location dienen kann. Ich hoffe, das wird eine leckere Recherche.

Zwei Wochen vor dem Start unserer Reise möchte ich noch einmal die wichtigsten Hinweise bezüglich des Wetters im November zusammenfassen. (Quellen: wetteronline.de, beste-reisezeit.org)

Nordvietnam: Hanoi + Halong
24 - 28 Grad, 4 Regentage im Monat, nachts 17 Grad --> hier könnte es aber auch kühler sein. Am besten, man schaut vor dem Abflug noch mal auf einer der einschlägigen Wetterseiten nach

Zentralvietnam: Hue + Hoi An
22 - 26 Grad, 16 Regentage im Monat --> spätestens hier sollte ein Regenschirm vorhanden sein!

Südvietnam: Saigon + Megkong-Delta
30 - 32 Grad, 10 Regentage im Monat

Kambodscha: Siem Reap
24 - 30 Grad, 7 Regentage im Monat

Hier noch einmal unsere wichtigsten Utensilien:

1. Pass
2. Geld (Dollar für Kambodscha und Euro zum Tauschen in Vietnam) und Kreditkarte
3. ... jetzt kommt erstmal lange nix
4. ...
5. ...
6. ...
7. Zweitsatz Akkus für die Kamera 
8. ...
9. ...
10. Fächer, Ohrstöpsel

Noch viel Freude bei der Vorfreude!

Stefanie