Canada here we come!

Im Wohnmobil durch British Columbia und Alberta

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Edgar Heckmann Small

Epilog 2

Eine Kanada-Reise bedarf nicht nur der Vorbereitung, was die Route betrifft, auch die Verpflegung muss wohl bedacht sein. Vor allem die flüssige Nahrung darf dabei nicht fehlen und wir reden hier nicht von Wasser, sondern von Bier. Ich hatte mir eine lange Liste von Biersorten gemacht, die gute Bewertungen erhalten hatten, wobei "Bier" wie etwa Miller, Budweiser oder Coors grundsätzlich gar nicht erst in Erwägung gezogen wurde. Ich hatte mir vielmehr vorgenommen, so viele verschiedene Sorten wie möglich auf diesem Trip zu testen und ich musste feststellen, dass Kanada richtig gutes Bier brauen kann! Natürlich die Brauereien, und davon gibt es zahllose, vor allem lokale, deren Biere oft nur in einem begrenzten Umkreis erhältlich sind.

Alkohol findet man in Kanada in sogenannten "Liquor Stores" und die gibt es natürlich jede Menge, mal mit kleiner, mal mit mittlerer und mal mit großer Auswahl. Den größten Store fanden wir an unserem allerletzten Tag in Abbortsford - ein Eldorado für Bierfreunde. Da gab es neben dem normalen Verkaufsraum noch ein riesiges Kühlhaus, das keine Wünsche übrig ließ. Alle Liquor Stores hatten, wie nicht anders zu erwarten, die großen Sorten Budweiser, Miller und Coors tonnenweise in der Auslage und ich fragte mich immer wieder, wie man als Biertrinker so eine Brühe in sich reinschütten kann. Da fällt mir dann immer die Quizfrage ein: "What does American beer (Budweiser) and sex in a canoe have in common? They're both fucking close to water!" Das kann man eigentlich nicht wörtlich übersetzen, trifft es aber auf den Punkt. Ich orientierte mich ausschließlich an den kleineren Stapel oder gar versteckt postierten Six Packs. Die Entdeckungen, die ich dabei machte, waren zum Großteil das Risiko wert, die Katze im Sack gekauft zu haben.

Alle getesteten Sorten konnte ich mir nicht merken, die wichtigsten allerdings habe ich hier mal in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt: Alexander Keith's India Pale Ale, Canadian Molson, Cariboo Genuine, Creemore Springs Premium Lager, Granville Island Lager, Gypsy Tears Ruby Ale, Hermann's Dark Lager, Moosehead Lager, Rickard's Red, Sleeman Silver Creek Lager/Honey Brown Lager/Cream Ale (die drei Sleeman-Sorten waren in einem "Kennenlern-12-Pack"), Steam Whistle, Steamworks Cucumber Ale oder auch drei verschiendene Sorten am Abend unserer Ankunft im Darby's Pub in Vancouver, die ich allerdings nicht mehr auf dem Schirm habe (was allerdings nicht auf den Alkoholkonsum an jenem Abend zurückzuführen ist...).

Bis auf einige wenige Ausrutscher (das Steam Works Cucumber Ale schmeckte tatsächlich voll nach Gurke, nichts für mich) oder das Canadian Molson (praktisch das Budweiser Kanadas) sowie Cariboo Genuine (ebenfalls "close to water") waren da richtig gute Entdeckungen dabei und ich habe mir erlaubt, meine TOP 3 hier aufzuzählen:

1. Moosehead Lager

2. Creemore Springs Premium Lager

3. Granville Island Lager

Knapp dahinter das Alexander Keith's und das Steam Whistle. Kanada braucht sich jedenfalls mit seiner Braukunst nicht verstecken, auch wenn man ein kühles Weizenbier  dort vergeblich sucht...

Edgar Heckmann Small

Epilog 1

Für mich bei einer Reise unerlässlich, ob geschäftlich oder privat, ist neben einem Laptop ein Handy. Meine Auslandsreisen in die USA gestalteten sich als sehr schwieirg, was das Arbeiten mit dem (deutschen) Handy betrifft. Nicht das Telefonieren, vielmehr das Kommunizieren per Email war nicht einfach. Mails herunterladen war nicht das Problem, aber das Senden. Es ging schlichtweg nicht - ausgehende Mails wurden aus providertechnischen Gründen nicht verschickt. Nach unzähligen Nachforschungen nach dem Grund fand ich vor ein paar Jahren schließlich eine Beraterin bei AT&T in Austin, Texas, die mit einem kleinen Kniff dieses Problem in den Griff bekam. Dafür hatte ich mir ein zweites Handy besorgt, das die Dame auf meine Bedürfnisse einstellte und das ich seitdem nicht mehr geändert hatte. Bei jedem Aufenthalt in den USA ging ich in einen AT&T-Laden, besorgte mir einen "Plan" mit einer SIM-Card, legte sie ein und das Handy arbeitete einwandfrei. Telefon, Emails, Internet - alles bestens!

Im Vorfeld unserer Kanada-Reise informierte ich mich natürlich auch über die Möglichkeiten, wie die Arbeitsmöglichkeiten mit einem Handy sind, checkte die Anbieter wie Rogers, Telus oder Bell. Ich musste auf kanadische Anbieter ausweichen, da AT&T nicht angeboten wird. Doch alle Möglichkeiten liefen auf das gleiche Problem hinaus: War das Senden von Emails möglich? Ich ging lieber auf Nummer Sicher und dachte mir Folgendes aus: Ich benötigte eine AT&T-SIM-Card, die auch in Kanada funktioniert. Dazu schrieb ich meinem Kumpel Heinz Geissler in Austin eine Mail und fragte ihn, ob er mir eine solche Card in meinem bevorzugten AT&T-Shop besorgen könne. Ich nannte ihm auch die Dame dort, in der Hoffnung, dass sie noch dort arbeitet. Heinz erklärte sich sofort bereit, mir diesen Gefallen zu tun. Mein Plan sah ganz einfach aus: Heinz geht in den Shop, schließt einen 30-Tage-Vertrag ab, schickt die SIM-Card zu mir nach Deutschland und ich stecke sie in mein "US"-Handy. Es lief zunächst auch Alles wie am Schnürchen: Die Dame war tatsächlich noch in der Filiale beschäftigt und konnte sich auch sofort an mich erinnern (wunderte mich nicht wirklich, denn insgesamt hatte ich dort sicher insgesamt 15 Stunden verbracht). Heinz schloss den Vertrag ab, erhielt dazu eine SIM-Card, die er mit Datum 6. August per Briefpost nach Heilbronn schickte. Vier Wochen Laufzeit sollte ja locker reichen. Von wegen: Mit dem Abschicken der Sendung begann dann wiederum "Murphy's Law" zu wirken, d.h. es ging so ziemlich alles schief, was schief gehen konnte.

Nach 2 1/2 Wochen wurde ich langsam unruhig, denn die Sendung war noch nicht eingetroffen. Am Montag vor unserem Abflug nach Vancouver, also fünf Tage vorher, war die Karte immer noch nicht da. Ich konnte nicht länger warten und bat Heinz, nochmals in die AT&T-Filiale in Austin zu gehen und mir eine weitere SIM-Card zu besorgen, um diese dann allerdings per Federal Express direkt in unser Apartment in Vancouver zu schicken. Zuvor hatte ich mit dem Vermieter abgeklärt, ob die Zustellung auch möglich wäre. Kein Problem, meinte dieser, die Wohnung wäre belegt. Okay, also ging Heinz zu AT&T, besorgte eine weitere Karte und schickte sie per FedEx nach Vancouver. Zwei Tage dürfte der Versand dauern, denn von USA nach Deutschland dauert er auch nur zwei Tage. Samstags war dann der Abflug, die erste Karte war tatsächlich nicht angekommen. Vier Wochen - unglaublich! Wir vermuteten, dass sie entweder auf dem Transport abhanden gekommen oder erst gar nicht von der Post-Filiale in Austin abgeschickt worden war.

Im Apartment in Vancouver angekommen musste ich feststellen, dass von FedEx kein Umschlag in der Wohnung zu finden war. Ich war deprimiert und schickte dem Vermieter eine Whats App-Nachricht. Er wollte sich schlau machen, ihm sei aber nichts bekannt von der FedEx-Sendung. Na toll! Wir hatten Sonntag, der Montag war ein Feiertag, am Dienstag ging es frühmorgens zur Wohnmobilstation. Ich sah meine ganze Handy-Arie den Bach hinunter gehen. Doch montagnachmittags kehren wir von unserer Sightseeing-Tour durch Vancouver zurück und was liegt vor der Eingangstür? Ein FedEx-Umschlag!!! Und tatsächlich war es der heißersehnte mit der SIM-Card! Ich natürlich sofort das Handy hergenommen und die SIM-Card eingelegt. Aber NEIN - die Karte war zu klein!!! Sie passste nicht auf den Schieber des iPhones. Es war eine Karte für ein iPhone 5, ich aber hatte ein 4er! Selten sah ich mich geknickter, denn natürlich hatte ich keinen Adapter für den großen Einschub. Doch im Handy hatte ich eine deutsche SIM-Card, die ich mir für eine andere Aktion gekauft hatte. Ich sah nur eine Möglichkeit: Den Chip aus der deutschen SIM-Card entfernen und den von AT&T einsetzen. Wobei ich die Erfolgschancen als recht schwach ansah. Ich also eine Schere genommen, den "deutschen" Chip vorsichtigst nicht nur entfernt, sondern auch darauf bedacht, den "Abfall", also meinen zukünftigen "Adapter", nicht zu beschädigen. Als ich der Meinung war, der "Träger" sei nun okay, nahm ich den "amerikanischen" Chip, entfernte den auch ganz vorsichtig von der restlichen Karte und passte ihn in den "Rest" der deutschen Karte ein. Noch etwas Feinschliff und ich war zufrieden. Mit Klebefilm dann den Chip am deutschen Träger festgemacht und schließlich ins Handy eingeschoben. Dann ein Stoßgebet gen Himmel und das Handy eingeschaltet. "Suchen... suchen... suchen..." So ging das sicher eine kleine Ewigkeit und ich wollte schon resignieren, als aus dem "suchen" plötzlich "ROGERS" wurde. Alles Roger!!! AT&T benutzt in Kanada das Netz vom Anbieter Rogers, der Chip wurde tatsächlich erkannt und sendete Signale!!! Ich konnte es nicht glauben und war unheimlich stolz auf mich selbst, diese "Operation" erfolgreich abgeschlossen zu haben.

Was soll ich sagen - der Aufwand hatte sich gelohnt, denn wo ich kein WLAN hatte und meine Emails mit dem Laptop weder abrufen noch senden konnte, arbeitete das Handy wunderbar und ich konnte so manches Problem umgehend lösen bzw. Maßnahmen ergreifen. Mein besonderer Dank gilt Heinz Geissler, der ohne Murren alle meine Wünsche erledigt hat.

Tja, und ein Nachtrag ist auch noch fällig: Am Donnerstag, dem 8. Oktober, steckte in unserem Briefkasten doch tatsächlich ein Brief von Heinz aus Austin! Abgeschickt am 6. August, eingetroffen in Hamburg am 3. September bei dortigen Zoll! Waren vier Wochen Laufzeit schon ein Unding, was soll man dann dazu sagen, dass dieser Schlamperladen die Sendung doch wirklich einen kompletten Monat liegen ließ, ehe er weitergeleitet wurde...


Edgar Heckmann Small

Tag 21: Vancouver - Frankfurt

Tja, jeder Urlaub geht einmal zu Ende und so auch unserer. Direkt nach dem letzten Frühstück im Wohnmobil keine 3 km Fahrt zur Wohnmobilvermietung Four Seasons. Die Rückgabe des Fahrzeugs verlief reibungslos, ein Shuttlebus brachte uns nach ca. 60 km Fahrt zum Flughafen Vancouver, wo schon ein "Jumbo" der Lufthansa auf uns wartete. Unsere Freunde waren bei unserer Ankunft bereits eingecheckt, sie flogen mit der Air France nach Hause. Gerade mal 9 Stunden dauerte der Flug, um 11 Uhr am Samstag Vormittag landeten wir pünktlich in Frankfurt.

Edgar Heckmann Small

Tag 20: Victoria - Swartz Bay - Tsawwassen - Abbotsford (133 km)

Unsere Rundreise ging dem Ende zu, aber nicht, ohne erstmals gemeinsam gefrühstückt zu haben.
Der Campingplatz war aber auch wirklich wie geschaffen dafür. Dass er etwas außerhalb lag, machte seinen Komfort und die Lage wieder wett, auch wenn wir zum Terminal der Fähre, die uns wieder aufs Festland bringen sollte, gute 50 km zu fahren hatten. Von Swartz Bay ging es "rüber" nach Tsawwassen und von dort schnurstracks an Vancouver vorbei zu unserer Ausgangsposition Abbotsford. Dann doch noch einmal lange Gesichter, denn es stellte sich schwerer heraus als gedacht, einen RV-Park für letzte Nacht zu finden. Der erste war belegt, beim zweiten und dritten ging niemand ans Telefon. Also auf gut Glück losgefahren und den Aloha RV Park angesteuert. Trotz Navi keine einfache Sache und dennoch nicht nur gefunden, sondern auch noch drei Stellplätze ergattert. Okay für eine Nacht, aber nicht vergleichbar mit den meisten der Campgrounds, die wir in den vergangenen drei Wochen "kennengelernt" hatten.

Zum Abschluss der gemeinsamen Reise gingen wir nochmals "aus" und fanden genau das richtige Restaurant, das "Milestones" in einem riesigen Shopping-Komplex. Zur Feier des Tages dann auch noch ein 3-Gänge-Menü ausgesucht (http://www.milestonesrestaurants.com/menu.php) und mit dem Alexander Keith's India Pale Ale die sicher 15. Biersorte auf diesem Trip getestet - mehr dazu später. Zurück im RV-Park ließen wir drei Männer es uns nicht nehmen, ein letztes kanadisches Bier zu trinken und auf eine gelungene Urlaubsreise anzustoßen.

Edgar Heckmann Small

Tag 19: Campbell River - Victoria (315 km)

Als letzten kleinen Höhepunkt unserer Reise hatten wir uns Victoria aufgehoben, und da wir möglichst viel von der Stadt sehen wollten, ging es frühzeitig morgens los. Also den ganzen Weg, den wir tags zuvor gefahren waren, wieder zurück und noch weiter gen Süden. Gegen 13 Uhr hatten zumindest Beate und ich Victoria erreicht, die anderen zwei Paare besichtigten morgens bei strömendem Regen zunächst eine Lachsverarbeitungsanlage, wo sie dann auch noch gleich "ihren" sehnlichst erhofften Bären "abhaken" konnten, der sich gerade seine Mahlzeit schnappte. Pitschepatschenass mit den Elk Falls noch schnell einen weiteren Wasserfall sowie eine schwindelerregende Hängebrücke "mitgenommen", ehe sie sich dann auch auf die Fahrt nach Victoria aufmachten.

Victoria liegt am südlichen Zipfel von Vancouver Island und ist die attraktive Hauptstadt der Provinz British Columbia. Der Großraum zählt rund 370.000 Einwohner, im Stadtgebiet leben etwa 85.000 Menschen. Ihre britische Tradition hat sich bis in unsere Zeit gehalten, sie ist präsent in der Architektur zahlreicher Gebäude und den roten Doppeldeckerbussen für Stadtrundfahrten. Kein Landstrich in Kanada, so heißt es, wird vom Wetter so verwöhnt wie Victoria. Während es an der Westküste der Insel oft in Strömen gießt, bleibt die "unter" den Inselgebirgen liegende Stadt von Regenfällen weitgehend verschont. Auch wir konnten diese Erfahrung machen - je näher wir der Stadt kamen, desto mehr hellte sich der Himmel auf. In Victoria angekommen, war schönstes Wetter bei gefühlten 25°C. Nach einer aufreibenden Suche nach einem Parkplatz ging es zu Fuß in die Innenstadt, die mich wie keine andere Stadt in Kanada an London erinnerte. Nicht nur die Architektur, auch die Menschen, ihre Kleidung, ihr Verhalten, ihre Sprache, die Lokale und Pubs - englisch durch und durch. Und dennoch unglaublich sympathisch - ich kann verstehen, dass Victoria eine Stadt ist, in der man gerne lebt.

Vorbei am efeuumrankten Gebäude des 1908 errichteten Nobelhotels "The Fairmont Express" und dem Parlamentsgebäude schlenderten wir durch die Shoppingstraße Government Street und die dort befindlichen Läden und machten uns einen kleinen Eindruck von der Stadt, für die man zum näheren Entdecken mindestens einen weiteren Tag benötigt hätte.

Den RV Park erreichten wir nur mit Mühe und mit Hilfe unseres Navis, so versteckt lag er außerhalb der Stadt. Aber die Suche hatte sich gelohnt, der Platz war einer der schönsten unseres gesamten Trips. Wie gesagt, hatten unsere vier Freunde mangels Navi und der eingebrochenen Dunkelheit Schwierigkeiten, den Campground zu finden, aber letztlich kamen sie doch noch rechtzeitig, um ein letztes Mal den Grill anzufeuern...

Edgar Heckmann Small

Tag 18: Tofino - Campbell River (325 km)

Heute hatten wir wieder einen ziemlichen Ritt vor uns. Campbell River war unser nördlichstes Ziel auf
Vancouver Island und dafür mussten wir wieder ziemlich Kilometer bolzen. Es war über Nacht richtig fieses Wetter geworden und wir verließen den Pacific Rim NP ohne Wehmutstropfen. Regnete es zu Beginn der Fahrt noch, wurde das Wetter immer besser, ja näher wir unserem Tagesziel kamen. Zunächst ging es den ganzen kurvigen Berg-und-Tal-Weg zurück bis nach Parksville, ehe es dann mit immerhin 100 km/h ohne Pause nach Campbell River ging, mit 32.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt auf der Insel und ein Mekka für Sportfischer - das Gros der Besucher ist vor allem am Lachsfang interessiert. Wie auch unser Jürgen, der sich extra eine Angelausrüstung gekauft hatte. Er wollte sich einen langgehegten Traum erfüllen und einmal einen Lachs fangen. Was lag da näher als Campbell River!

Erst am Nachmittag trafen wir dort ein und checkten zuerst im Campground für die Nacht ein. Dieser lag wunderschön ca. 5 km außerhalb von Campbell River mitten im Wald und erinnerte uns an unseren ersten Aufenthalt im Manning Park. Das Betreiber-Ehepaar war auch wieder sehr nett und erklärte uns, wo die besten Fischgründe seien. Mit der erworbenen Angellizenz konnte Jürgen "nur" im Frischwasser fischen, das Meer war also schon mal ad acta gelegt. Direkt an der Straße zum Campground floss der Gold River entlang, die perfekten Angelgründe für Jürgen! Heike stand ihm mit Rat und Tat zur Seite, wir anderen vier machten einen Stadtbummel. Für mich die größte Aufmerksamkeit erweckte ein "Trading Post"-Laden mit unzähligem Trödel jeglicher Art. Ein Eldorado für Flohmarktbesucher - und für Plattensammler: Unzählige Kisten voller LPs und Singles, für deren Sichtung ich sicherlich einen Tag gebraucht hätte. In Begleitung keine Chance, also beließ ich es beim Durchschlendern. Im oberen Stockwerk stapelten sich zudem Musikanlagen und -teile, wo ich mich fragte, wer das je noch einmal kaufen würde. Vielleicht hätte es geholfen, wenn man als Bonus eine der Playboy-Hefte bekommt, die direkt bei den Komponenten lagen...

Auf dem Rückweg wollten wir doch mal schauen, ob Jürgen erfolgreich gewesen war. Zumindest optisch war nichts in der Richtung zu erkennen, aber er habe bereits drei dicke Lachse an der Angel gehabt, die ihm aber leider wieder entwischt wären. Na gut, dann mussten wir halt auch an diesem Abend zu unseren Fleisch- und Wurstvorräten greifen, als der Grill seine richtige Brutzeltemperatur erreicht hatte.

Edgar Heckmann Small

Tag 17: Pacific Rim NP (60 km)

Einen "Ruhetag" gibt es bei diesem Road Trip nicht, dennoch haben wir uns im Pacific Rim National Park neben dem Banff NP tatsächlich wieder einmal zwei Nächte auf demselben Campground gegönnt. Der Nationalpark bietet genügend Möglichkeiten, dort mehrere Tage zu verbringen, wir machen es wie so oft auf dieser Reise kompakt und haben uns zwei Highlights herausgepickt. Frühmorgens bereits fuhren wir nach Tofino (wieder bedacht, unsere Wohnmobile um die Schlaglöcher der Zufahrtstraße zum Campground zu führen), um uns wegen den Angeboten zum Whale Watching zu erkundigen. Whale Whatching, zu Deutsch Wale Beobachten, ist natürlich etwas ganz Besonderes. Beate und ich hatten das bereits in Neuseeland gemacht, genauer gesagt in Kaikoura auf der Südinsel - ein faszinierendes Erlebnis war das damals, 1992, gewesen, als ein großer Pottwal keine zwei Meter neben unserem Boot herschwamm und dann abtauchte, seine Rückenflosse weit in den Himmel hebend. Und meine Kamera damals nicht lief, weil die Batterie leer war...

"Jamie's" liegt direkt am Ortseingang des 2.000 Einwohner zählenden Touristenstädtchens Tofino. Die 10 Uhr-Tour war leider bereits ausgebucht, also nahmen wir die um 13:30 Uhr. Stolze 99 Dollar kostete der 2 1/2-Stunden-Bootstrip, mit Steuern waren das für zwei Personen dann gleich 230 Dollar! Und natürlich war da keine Garantie inbegriffen, auch tatsächlich Wale zu sehen. Ein Blick ins Gästebuch war auch nicht gerade ermutigend - der letzte Eintrag bezeugte, keine Wale gesehen zu haben. Für die Firmen, die das Whale Watching anbieten, ist das Angebot dagegen eine totsichere Sache.

Wir hatten also noch ausreichend Zeit. Unsere Frage nach einem empfehlenswerten Frühstückslokal wurde auch gleich positiv beantwortet - "Jamie's Rainforest Inn" mit Restaurant gehörte zur Firma und wir bekamen auch gleich Gutscheine überreicht, wonach das 2. Frühstück nur 50% kostet. Also nichts wie hin - wir hatten Kohldampf! Das Lokal war dann auch tatsächlich klasse und voll in "deutscher Hand" mit älteren Herrschaften einer Bus-Reisegruppe. Unsere Bedienung kam aus Dresden und ist seit 7 Jahren auf Reisen um die Welt, jobt jetzt seit 1 1/2 Jahren bei "Jamie's".

Gut gestärkt nahmen wir uns den Nationalpark etwas näher vor und fuhren zum "Rain Forest", um dort einen schönen Rundweg vorbei an jahrhundertealten Bäumen, Farnen und anderen Pflanzen zu machen, die speziell in einem Regenwald vorkommen und sich an diese Überlebensform angepasst haben.

Der nächste Stopp war Long Beach, das Kernstück des Parks.Dieser von Felsen unterbrochene und eingerahmte Strand voller Treibholz und Schlingpflanzen gehört zum Schönsten, was British Columbias Küsten zu bieten haben. Die Wellen laden zum Surfen ein, was doch zahlreiche Wasserfreaks nutzten - natürlich nur mit Neoprenanzügen...

Dann war es Zeit, zum Ausflugsboot zu fahren. Ein "Zodiac", eine Art Raser-Schlauchboot, war es leider nicht, es ging auf dem großen Boot eher gemütlich zu. Zunächst ging es raus aufs Meer und die Augen aller Teilnehmer waren fest auf das Wasser gerichtet, um ja keinen Wal zu verpassen. Und tatsächlich hatte unser Bootsführer eines der Meerestiere ausgemacht, nahm Fahrt auf und brachte uns an die Stelle, wo eine Fontäne gesichtet worden war. Ja, da war dann immer wieder mal ein Teil des Rückens des Grauwals zu sehen, aber mehr auch nicht. Was hatten wir aber auch Anderes erwarten können? Aus dem Wasser springen kann der nicht wie etwa die Orcas, aber die waren zu dieser Zeit bereits aus diesen Gewässern verschwunden. Grauwale dagegen legen auf ihrem Weg von Alaska nach Mexiko hier eine Rast ein. Meine "Ausbeute" am "Walfang" habe ich in einem kurzen 24-Sekunden-Video zusammengefasst (https://www.youtube.com/watch?v=D1tfdLKiR6I). Mit Fotos hat es leider nicht geklappt - dafür wäre ein weitreichendes Teleobjektiv sowie viel Glück nötig gewesen. Einen besseren Eindruck unseres Trips vermittelt dieses Video her: https://www.youtube.com/watch?v=uyuIzyon_iE. Die restliche Zeit der Ausfahrt verbrachten wir mit der Besichtigung von Seelöwen, ehe wir gegen 16 Uhr wieder anlegten. Naja, der Bringer war dieser Ausflug sicher nicht - die 150 Euro hätte man auch sinnvoller einsetzen können...

Der Magen knurrte (schon wieder) und wir mussten feststellen, dass in Tofino um 17 Uhr die Gehsteige hochgeklappt werden. Lunch, also Mittagessen, wurde durchweg angeboten, Dinner (Abendessen) dagegen gar nicht. Schließlich fanden wir ein kleines Lokal, das eine ganz okaye Speisekarte hatte, wir uns aber zunächst nicht einigen konnten und weiterzogen, um nach einigen Minuten dann doch dorthin zurückzukehren. Und hier kam dann "Murphy's Law" zur Geltung, das hieß: „Whatever can go wrong will go wrong.“(„Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“). Zurück beim Lokal mussten wir hören, dass es in 10 Minuten geschlossen wird. Wir schon wieder auf dem Abmarsch, als man uns anbot, für uns 30 Minuten länger geöffnet zu lassen. Wir erfreut, nehmen im hinteren Teil des Lokals Platz. Wir erhalten Speisekarten, wobei die Bedienung anmerkt, dass alle Grill-Angebote nicht zur Verfügung stehen. Okay, fünf von uns entscheiden sich daraufhin für Chilli con carne und warten auf die Bedienung. Die kommt aber nicht und wir wundern uns. Dann endlich kommt der Herr des Hauses (?) und meint, wir könnten jetzt doch bitte nach vorne an die Theke kommen, um unsere Bestellungen aufzugeben, man warte bereits. Aha. Muss man wissen. Wir bestellen unsere Chilli, doch nach zwei der fünf Portionen ist Schluss - es gibt nicht mehr. Ich weiß nicht, was die anderen bestellt haben, Beate und ich jedenfalls haben genug und verlassen das Lokal. Zurück auf dem Campground wird am Abend wieder der Grill angeworfen und alles ist wieder in Ordnung.




Edgar Heckmann Small

Tag 16: Squamish – Horseshoe Bay – Nanaimo – Parkville – Port Alberni – Ucluelet – Tofino (275 km)

Heute verließen wir das kanadische Festland, doch zuvor ging
es weiter den bei schönem Wetter sicher grandiosen "Sea To Sky Highway" in Richtung
Süden nach Horseshoe Bay. Es hatte wohl die ganze Nacht hindurch geregnet und der Regen tat uns auch nicht den Gefallen,
im Laufe der einstündigen Fahrt wenigstens für ein paar Minuten aufzuhören. Im
Gegenteil – es schüttete ohne Ende. Glück hatten wir dann wenigstens mit der
Überfahrt – obwohl wir nicht reserviert hatten, nahm uns die Fähre um 12 Uhr
mit und wir gelangten planmäßig nach Vancouver Island. Gute 90 Minuten dauerte
die Überfahrt, verstaut waren unsere Wohnmobile zusammen mit vielen Trucks und
Autos im dicken Bauch einer Fähre der staatlichen BC Ferries-Line. Sie hatte alles
zu bieten, was sich ein Fahrgast wünschen kann: Angefangen von bequemen
Sitzgelegenheiten über eine Cafeteria, einen Souvenirshop bis hin zu einer
Gaming-Abteilung für die Spiele-Freaks. Und natürlich konnte man sich auch auf
dem Außendeck frei bewegen.

Vancouver Island ist nicht nur eine Insel, sie ist die
größte Pazifikinsel Nordamerikas mit einer Fläche von 31.285 km². Sie liegt
damit vor der Fläche Brandenburgs (29.654 km²) und knapp hinter der von
Nordrhein-Westfalen (34.110 km²). Der von der Küste nordwestwärts fließende
Alaskastrom sorgt für ein gemäßigteres Klima, als es auf gleicher Höhe auf dem
Festland herrscht. Im Winter gibt es in den Hafenstädten nur selten Dauerfrost,
aber die sommerlichen Höchsttemperaturen liegen im Schnitt bei nicht einmal
20°C. Eigentlich ist Vancouver Island schon allein einen Urlaub wert, um
zumindest einen kleinen Eindruck zu gewinnen, sollte man eine Woche dafür
einplanen. Nicht einmal das ließ unser strenger Terminplan zu, doch immerhin
vier Tage hatten wir für die Erkundung der Insel „freigeschaufelt“.

Im Hafen von Nanaimo legte die Fähre an. Mit nicht mehr
gekanntem pulsierenden Stadtleben nach knapp zwei Wochen Natur und kleiner
Ortschaften war die Stadt (mit 88.000 Einwohnern die größte Stadt der Insel)
fast schon ein Kulturschock. Mich erinnerte Nanaimo an eine typische
amerikanische Großstadt.  Nur durch einen
kurzen Tankstopp unterbrochen, fuhren wir weiter an die Westküste zum Pacific
Rim National Park. Auch diese Fahrt zog sich fast unendlich in die Länge, für
die 85 km von Port Alberni bis Ucluelet brauchten wir sicher 2 Stunden. Was auf
der Landkarte wie eine kurze Fahrt vom Osten in den Westen der Insel aussieht,
wurde wieder zu einer Berg- und Talfahrt durch enge Kurven und steile Aufstiege
und Gefälle. In seinem auf der Insel von keiner anderen Route übertroffenen
Verlauf durchquert der Highway 4 zunächst dichten Nadelwald mit hohen
Douglasien, passiert glasklare Seen und Flüsse und windet sich dann durch die
Mackenzie Range hinunter zur Küste. Je näher wir unserem Zwischenstopp Ucluelet kamen, desto mehr hellte sich
der Himmel auf. Uneinig waren wir uns zunächst wegen dem Campingplatz,
entschieden uns dann aber zumindest aufgrund der Web-Präsentation für
den „Bella Pacifica RV Park“ in Tofino. Wir sollten es nicht bereuen, auch wenn
die Zufahrtsstraße mit Schlaglöchern nur so durchsiebt und die absolute
Frechheit war. So seine Gäste zu „begrüßen“ ist eine Unmöglichkeit. Das
Positive überwiegte dennoch,  denn der
Campground  lag direkt am Pazifik, und
rechtzeitig zum Sonnenuntergang waren wir bei herrlichem Wetter am weitläufigen
Strand. Dass anschließend ein weiterer Grillabend anstand, kommt jetzt sicher
nicht allzu überraschend.


Edgar Heckmann Small

Tag 15: Lillooet – Whistler – Squamish (190 km)

Den Campground in Lillooet hatten wir übrigens in drei
„Teilen“ erreicht. Beate und ich wurden während der Fahrt von Heike informiert,
dass ihr Womo Probleme mit einem der Reifen habe und so nicht weiterfahren
könne. Sie mussten in 100 Mile House eine Werkstatt aufsuchen, die ein Ventil
austauschte. Joachim und Jutta fuhren vor, erreichten aber den Campground nicht
mehr vor Einbruch der Dunkelheit und waren froh, den Weg durch die unzähligen
Kurven ohne Probleme gemeistert zu haben. Jürgen und Heike folgten keine halbe
Stunde später und sahen ebenfalls erst am nächsten Morgen, wo sie mit ihren
Autos standen. Frühstück findet üblicherweise separat in den jeweiligen
Wohnmobilen statt, für heute hatten wir entschieden, gemeinsam in ein Restaurant
in Lillooet zu gehen. Was sich als gute Entscheidung herausstellen sollte, denn
das Lokal war top, wir alle fanden einen schönen Platz an einem runden Tisch
und auch das Frühstück war prima. Ein schöner Tagesstart also.

Das Wetter war in der Zwischenzeit richtig mies geworden.
Regen, dunkle Wolken und tiefhängender Nebel verbargen die Sicht auf die
Berglandschaft um uns. Was extrem schade war, denn die nächste Station war
Whistler, was zumindest Wintersportfans ein Begriff sein sollte. Hier fanden
nämlich im Jahr 2010 die Olympischen Winterspiele statt. Bei strömendem Regen
begaben wir uns in die autofreie Innenstadt, welche dank großangelegter
Parkplätze direkt vor dem inneren Bereich der Stadt in fünf Minuten zu Fuß zu
erreichen war. Die Stadt selbst war für Beate und mich eine einzige
Enttäuschung. Viel Rummel um nichts, könnte man auch sagen, denn das „City
Centre“ bestand ausschließlich aus einer riesigen Shopping Mall voller
Verkäufsläden, Restaurants und Pubs. Ich habe mich nicht über Whistler schlau
gemacht, aber ich hatte den Eindruck, dass dieser Teil der Innenstadt speziell
für die Olympiade konzipiert und erbaut wurde. „Trabantenstadt“ kam mir dabei
in den Sinn. Tausende von Touristen fielen über die Shops und Kneipen her – was
sollten sie bei dem bescheidenen Wetter auch anderes machen? Bummeln in solchen
Touri- oder Promi-Städten machen nicht so richtig Spaß, denn die Preise sind
grundsätzlich deutlich über den üblichen. Wir verloren recht schnell die Lust
an Whistler und da das Wetter auch nicht zur Erheiterung beitrug, setzten wir
unsere Fahrt nach 1 ½ Stunden „Sightseeing“ fort.

Jetzt folgt ein weiterer Höhepunkt unserer Rundreise auf dem "Sea To Sky"-Highway, etwa vergleichbar mit dem Highway No. 1 in Kalifornien. Sollte folgen, wäre besser ausgedrückt, denn es goß weiter wie aus Kübeln und die Sicht auf das Meer und die Berge war gleich Null. Traurig fürwahr.

Der Whistler Punk Hollow Campground stand eigentlich nicht
auf dem Plan, aber das Argument „Wifi“ war nicht zu mißachten. Bei strömendem
Regen kamen wir auf dem Campingplatz an. Das abendliche Grillfest mit
anschließendem „Gemütlichen Beisammensein“ musste heute leider ausfallen und so
vergnügte sich jedes Pärchen auf seine Weise im eigenen Wohnmobil (oder auch
nicht…).


Edgar Heckmann Small

Tag 14: Clearwater - Wells Gray PP - 100 Mile House - Lillooet (Fraser Cove Campground) (425 km)

Der Wells Gray Provincial Park ist 5.400 m² groß und weitgehend unerschlossene Wildnis. Er ist für seine Wasserfälle und verbundene Seen zwischen den Hochgebirgsgipfeln der Cariboo Mountains bekannt. Nur die Straße ab Clearwater führt tiefer in den Park hinein.Bis zum spektakulärsten Anziehungspunkt des Parks sind es über 40 km, was bei dem Zustand der Straße eine knappe Stunde Fahrt bedeutet. Man kommt sich teilweise vor wie in einer Achterbahn, nur der Looping fehlt. Beate und ich ließen unsere Mitreisenden vorfahren, ich nutzte die Wifi-Möglichkeit des KOA-Platzes aus und erledigte zunächst geschäftliche Sachen und schrieb an diesem Blog weiter. Wie gesagt, über 40 km sind es bis zu den Helmcken Falls, die aus einem schmalen Durchlass über 137 m in die Tiefe donnern. Sehr beeindruckendes Schauspiel. Auf dem Rückweg machten wir noch einen Halt bei den Dawson Falls, ebenfalls ein ansehnlicher Wasserfall, der sich weniger durch seine Höhe (ca. 18 m) als die große Breite (ca. 90 m) auszeichnet.

Am Ausgangspunkt zurück, ging es durch Clearwater in Richtung Westen. Bei Little Fort bogen wir ab auf den Highway 24 und wieder ging es auf und ab, kurvenreich und nur langsam vorwärts. Was sich in diesem Fall auszahlen sollte, denn plötzlich meinte Beate, sie habe am Wegrand im Gebüsch etwas gesehen, das wie ein Bär aussieht. Sie blickt zurück und fängt hysterisch an zu schreien: "Das IST ein Bär! Da sitzt ein Bär!! Ein kleiner Bär!!!" Ich sofort auf die Bremse getreten, zum Glück gab es keine hundert Meter weiter eine Wendemöglichkeit. Wir langsam zurück zu der Stelle, wo der vermeintliche Bär sitzen sollte - und tatsächlich: Da saß ein Schwarzbär keine 8 Meter von der Straße entfernt und knabberte an den Pflanzen. Bingo! Wir natürlich sämtliche foto- und kameratechnischen Geräte genommen und das "Tierchen" für die Ewigkeit festgehalten. Wie ein Model stand er da und ließ sich von allen Seiten ablichten. Zum Glück ignorierten sämtliche vorbeifahrenden Autos unser "bear shooting" und überließen uns diesen seltenen Moment exklusiv. Es fällt einem schwer, sich von solch einem Anblick zu trennen, doch der Bär fällte dann doch selbst die Entscheidung und verschwand im Unterholz. Die nächsten zwei Stunden gab es natürlich kein anderes Gesprächsthema - wir konnten es einfach nicht fassen, dass uns ein solches Tier vor die Linse(n) kam. Beim Betrachten der Fotos stellten wir fest, dass der Kollege doch ganz schön groß war - von wegen "kleiner" Bär...

Die Fahrt über den Highway 24 ging entlang an einigen weiteren herrlichen Seen, ehe wir den Knotenpunkt 100 Mile House erreichten und auf den Cariboo Highway 97 Richtung Süden bogen. Nach 100 Mile House folgen viele weitere Ortschaften mit Meilen-Angaben. Sie stammen aus der Zeit des Goldrausches von 1858 (Fraser Goldrush) und 1862 (Cariboo Goldrush), wo entlang der Strecke ab unserem Tagesziel Lillooet in Abständen einer Tagesreise "roadhouses" - 70 Mile House, 50 Mile House, 30 Mile House usw. - errichtet wurden, Rasthäuser, in denen Reisende fern vom Staub und den Gefahren der Straße essen und übernachten konnten. Viele der heutigen Ortsnamen leiten sich von diesen ehemaligen "mile markers" ab. Lillooet war als "Mile 0" der Ausgangspunkt dieser "Cariboo Wagon Road" und erging es wie vielen Boomtowns aus der Goldrauschzeit. Dem Aufstieg folgte - nach Erschöpfung der Erzlagerstätten - ein rascher Niedergang. Heute ist Lillooet mit 2.500 Einwohnern ein nettes Örtchen, das zum Kurzstopp einlädt.

Der Campingplatz für die Nacht wäre sicher nicht in die engere Auswahl gefallen, wenn wir ihn nicht bereits gebucht gehabt hätten. Im Internet hatte er einen ganz ordentlichen Eindruck gemacht, außerdem war der Hinweis "free wifi" ein weiteres Argument. Als wir ihn den aus der Nähe gesehen haben, wurde uns schon ganz anders und auch das Schild "For Sale" am Eingang hab nicht gerade unsere Stimmung. Allerdings war der ganze Campground so etwas von "fertig", dass es schon wieder lustig war. Die Bilder werden das belegen. Für schlappe 379.000 Dollar war der Campground inklusive aller Bauten zu haben - ob sich dafür ein Käufer findet?


Edgar Heckmann Small

Intermission

Die regelmäßigen Leser meines Blogs werden sich sicher fragen, ob uns etwas zugestoßen ist, nachdem das Tagebuch seit einigen Tagen kein Update mehr erfahren hat. Keine Bange, uns allen geht es prima! Unser Road Trip neigt sich langsam dem Ende zu, beim Schreiben dieser Zeilen sind wir bereits seit zwei Tagen auf Vancouver Island. Zwei Faktoren hindern mich daran, dass der Blog relativ zeitnah ist: Zeit und Internet. Ihr wisst ja, dass wir sechs Personen sind - drei Pärchen in drei Wohnmobilen. Jeden Morgen zwischen acht und neun Uhr packen wir unsere Sachen und machen uns auf die Weiterreise. Davor Duschen und Frühstücken, da bleibt keine Zeit zum Schreiben. Meist gegen 18 Uhr treffen wir auf dem Campground für die Nacht ein. Nach dem rituellen Begrüßungsbier zwischen Joachim, Jürgen und mir sowie den Grill- und Abendessenvorbereitungen sitzen wir dann immer noch zusammen, ehe uns die zunehmende Frische in unsere rollenden Wohnungen zurücktreibt. Das Anwerfen der Heizung und die wohlige Wärme macht einen dann so richtig träge und müde und verdirbt jede Lust zum Arbeiten. Ich schaffe es dann meist gerade noch, meine geschäftlichen Emails zu checken und hier die wichtigsten Dinge zu klären. Dreimal hatten wir uns dennoch von der Gruppe ausgeklinkt und in einem Waschsalon, einem Frühstückslokal und einem Starbucks Cafe die Online-Arbeiten verrichtet. Jetzt sitze ich in einem herrlichem Wald oberhalb von Campbell River im Norden von Vancouver Island mit schwachem, aber zumindest akzeptablem Wifi.

Ich werde versuchen, heute oder morgen zumindest zwei weitere Tage "abzuhandeln". Im Flugzeug am Freitag habe ich dann genügend Zeit und was ich dann noch nicht geschafft habe, werde ich nach unserer Rückkehr machen.

Edgar Heckmann Small

Tag 13: Whistlers Campground (Jasper) – Maligne Lake – Mount Robson - Clearwater (KOA Campground)

Laut Reiseplanung war der Maligne Lake eigentlich noch am
gestrigen Mittwoch “dran”, aber die Fahrt auf dem Icefields Parkway nahm doch
mehr Zeit in Anspruch als gedacht, außerdem liegt es einfach auch daran, dass
wir mit dem Wohnmobil wesentlich langsamer sind als mit einem normalen Auto. Mehr
als 60 km pro Stunde sind kaum drin, vor allem bei Steigungen geht der Motor
ganz schön in die Knie. Macht aber überhaupt nichts aus, wir haben genügend
„Puffer“ bei unseren Tagesetappen, um dennoch unsere jeweiligen Ziele
rechtzeitig zu erreichen, um noch schnell den Grill anzuwerfen. Der Maligne
Lake liegt abseits der regulären Route, eine 45 km lange Straße führt direkt
zum See. „Dank“ einiger echter Kriecher, die mit 40 km/h die Straße blockieren,
dauerte die Fahrt über eine Stunde. Auf Postkarten sieht der Maligne Lake
einfach nur traumhaft aus, vor allem das Motiv mit der im See gelegenen Insel Spirit
Island ist schon sensationell. Diese Insel erreicht mal allerdings nur mit
einem Ausflugsboot und macht wirklich nur bei schönem Wetter Sinn. Leider
hatten wir dieses Wetter heute nicht, die Wolken hingen zu tief, das
Bergpanorama „hinter“ dem See nur teilweise zu sehen. Wir beließen es daher bei
einem kurzen Stopp und setzen die Fahrt fort, zurück nach Jasper, wo es über
den Yellowhead Highway Richtung Westen ging, dem nächsten Ziel, dem Wells Gray
National Park, entgegen. Vorbei ging es am Mount Robson, dem mit 3954 m
höchsten Berg der kanadischen Rocky Mountains, der selten in voller Pracht zu
sehen ist. Auch uns war dieser Blick nicht vergönnt.

Unser „Nachtlager“ schlugen wir heute auf einem der wenigen
Campgrounds der KOA-Kette in Kanada auf. In den USA sind die KOA-Plätze überall
präsent und in der Regel bestens ausgestattet und auch hygienisch in Ordnung. Der
in Clearwater war okay, wenn er auch nicht zu den TOP-Plätzen unseres
bisherigen Trips gehört. Die sanitären Einrichtungen waren in Ordnung, ein „Firepit“
zum Grillen war vorhanden – alles gut. Du kannst nicht jeden Tag einen
traumhaften Platz im Wald gelegen erwarten, mir persönlich ist sogar ein Platz
in einer Ortschaft lieber, da die Chance auf eine Internetverbindung größer ist
als mitten in der Pampa. Der KOA hatte Wifi – passt!


Edgar Heckmann Small

Tag 12: Kicking Horse Campground – Icefields Parkway – Jasper – Whistlers Campground (271 km)

Die Wetter-App auf meinem Handy prophezeite einen bewölkten
Tag. Gestern hatte sie schönes Wetter vorausgesagt, was ja am frühen Morgen
überhaupt nicht zutreffend schien und was sich dann ja zu unserer aller
Überraschung als richtig herausstellte. Auf den heutigen Tag hatten wir sechs
uns wohl am meisten gefreut – die Fahrt über den 230 km langen Icefields
Parkway, eine DER Traumstraßen der Welt! Eine hatten wir bereits bei
wunderschönem Wetter passiert, den Highway 1 in Kalifornien, nun also die Fahrt
durch eine atemberaubende Landschaft voller Bergmassive, Wälder und Seen,
durchzogen von einer einfachen 2-spurigen Straße, die alle paar Kilometer zur
Freude der Fotofreaks einen kurzen Stopp erlaubte. Die ersten 20 km waren
allerdings nicht dazu angetan, denn außer Wälder links und rechts der Straße
war nichts zu erkennen. Nebel unten, Wolken oben – man konnte nicht einmal
erahnen, wie die Landschaft aussah. Sollte das etwa unser „großer“ Tag werden,
den wir fast zwei Jahre herbeigesehnt hatten? Beate schaute immer wieder nach
oben und orakelte nach einem schwachen Sonnenstrahl, dass sich das Wetter
bessern würde. Keine fünf Minuten später passierte etwas, was mir noch beim
Schreiben dieser Zeilen eine Gänsehaut verursacht: Innerhalb von nur wenigen
Sekunden lüftete sich die Wand aus Wolken und Nebel wie ein Vorhang im Theater und machte
die Sicht frei auf ein Bergpanorama, dass einem der Atem stockte.
Strahlendblauer Himmel, weiße Berggipfel, eine kilometerweite Sicht auf ein
Tal, das es in der Art wohl kein zweites Mal auf diesem Planeten zu sehen gibt.
Natürlich nutzten wir die erste Stoppmöglichkeit, sprangen aus den Womos,
klopften uns vor Freude auf die Schultern und zückten die Fotoapparate.

Die Begeisterung setzte sich fort, als wir zum Parkplatz des
Bow Lake abbogen. Das Foto, das ich da schoss, hätte vielleicht sogar Chancen bei
einem Fotowettbewerb. Das nächste Highlight nur einige Kilometer weiter – der wunderschöne,
blaugrüne Peyto Lake, der sträflicherweise auf vielen Reiseführern gar nicht
hervorgehoben ist. Hier wie auch auf allen anderen Sightseeing-Spots der Route fielen
wieder Myriaden von Japanern aus den Charterbussen, um schnell Fotos von sich
und der Sehenswürdigkeit zu machen, um dann genauso schnell wieder im Bus zu
verschwinden. Kaum Luft zu holen auf
dieser sensationellen Straße – der Athabasca-Gletscher und das direkt daneben
liegende Columbia Icefield waren die nächsten Stopps. Beim Athabasca Glacier
wurde wieder sehr stark deutlich, wie sehr der Klimawandel den Gletschern
zusetzt. Da, wo wir bis kurz vor die Zunge des Gletschers gegangen waren, war
vor 30 Jahren noch Eis gewesen, was locker mal 
200 Meter Distanz waren. Die Athabasca Falls sind schön anzusehen, auch wenn es sicher spektakulärere Wasserfälle in dieser Gegend zu bestaunen gibt.

So „arbeiteten“ wir uns Stück für Stück diese herrliche
Straße gen Norden bis nach Jasper, wo wir zunächst im Whistlers Campground für
die Nacht eincheckten. Auch diesen Platz hatten wir bereits vorab reserviert.
Natürlich gingen wir anschließend noch etwas im Städtchen bummeln, ehe wir im
Restaurant „Fiddle River“ einkehrten, das von einer österreichischen Familie
geführt wird und von dem wir aus einer TV-Sendung über den Jasper Nationalpark erfahren
hatten.


Edgar Heckmann Small

Tag 11: Banff – Lake Louise – Moraine Lake – Emerald Lake – Kicking Horse Campground (Yoho NP) (153 km)

Ja, es hatte geschneit in der Nacht. Und zwar richtig! Heute
war der „große“ Tag gekommen mit den absoluten Highlights in den kanadischen
Rockies, wo man sich Sonne wünscht oder zumindest kein Regen oder gar
Schneefall. Zumindest kann ich von mir sagen, dass ich noch nie um 7 Uhr aus
einem Wohnmobil gestiegen bin und durch Schnee stapfen musste, um zu den
Waschräumen zu gelangen. Dazu war es noch sehr frisch! Gute Miene zum bösen
Spiel war angesagt, doch als wir um halb neun losfahren wollten, konnte ich
meinen Augen kaum trauen: Der Himmel hatte „aufgerissen“ und durch die Wolken
war ein wunderbares Blau zu erkennen. Irgendwie kam ich mir wie im Schifahren
vor, wenn man morgens aus dem Fenster schaut und auf einen blauen Himmel hofft.
Auf dem waldigen Campingplatz roch es auch noch irgendwie nach Berge und
Schihütte…

Unser erstes Ziel des Tages war der, wie es alle Werbefotos
und Reiseführer attestieren, „schönste See“ der Rocky Mountains, der Lake
Louise. In seiner ganzen Pracht konnte er sich für uns leider nicht entfalten,
denn die Sonne schaffte es nicht ganz, sich durch die Wolken zu kämpfen. Diese
weigerten sich hartnäckig zu verschwinden, und dennoch war der Anblick aufgrund
des nächtlichen Schneefalls irgendwie ehrerbietig. Wenn schon einmal am Lake
Louise, sagten wir uns, dann wollten wir auch eine größere Wanderung
unternehmen. Wir entschieden uns für den knapp 7 km langen Trail zum 380 Meter
höher gelegenen Lake Agnes, ein schöner Bergsee mit herrlichem Panorama. Direkt
am Ufer liegt das Lake Agnes Teahouse, eine Hütte, die total an den Flair einer
Skihütte erinnerte.

Für viele Besucher noch reizvoller als der Lake Louise ist
sein südlicher „Nachbar“, der Moraine Lake, der ebenfalls vor einer prächtigen
Kulisse liegt. Wahrscheinlich lag es daran, weil wir diese Kulisse nicht
vollständig sehen konnten, dass es bei uns nicht zu dem Gänsehauteffekt kam wie
noch beim Lake Louise.

Der dritte sehr empfehlenswerte See in der südlichen Hälfte
des Icefields Parkway ist der Emerald Lake, dessen türkise Färbung dem Namen („Smaragd“)
Ehre macht. Die 8 km lange Anfahrt lohnt sich!

Was für ein herrlicher Wintertag Mitte September!!!


Edgar Heckmann Small

Tag 10: Banff – Lake Minnewanka – Lake Two Jack – Johnson Lake – Banff (45 km)

Der Blick aus dem Womo am Montag Morgen war ernüchternd: Es
regnete immer noch. Und der Blick zum Himmel war ebenfalls frustrierend: Keine
Berge, sondern nur Nebel und Wolken. Ja, der schnelle Wetterwechsel in den
Rocky Mountains hatte uns eingeholt und den Traum von 14 Tagen Sonnenschein am
Stück zunichte gemacht. Gerade dann, wenn wir schönes Wetter gebraucht hätten.
Dazu kam noch, dass die Temperaturen gleich mal unter 10 Grad gefallen waren.
Für unseren 3-Tage-Aufenthalt in Banff hatten wir einen Plan A (gutes Wetter)
und Plan B (miserables Wetter), also kam heute der Plan B zur Anwendung: Bei
Nieselregel und wolkenverhangenem Himmel klapperten wir drei mehr oder minder
sehenswürdige Seen in der Umgebung von Banff ab, ehe wir uns zu der „Historic
Site“ Bank Head begaben, einer Stadt, die tatsächlich nur 17 Jahre existiert
hatte. Anfang der 1900er Jahre wurden im Banff Nationalpark Kohlevorkommen  entdeckt und im Jahre 1905 wurde die Stadt
Bank Head gegründet, die sich im Laufe der nächsten Jahre zu einer sehr
angesehenen Stadt in Kanada entwickelt
hatte. In Bank Head wurde Kohle abgebaut, die für Heizungen in Wohnngen und
Lokomotiven verwendet wurde. 300 Bergleute waren dort beschäftigt gewesen, mit
Familienmitgliedern lebten über 900 Menschen in Bank Head. War die Nachfrage
nach Kohle im Jahr 1910 noch sehr groß gewesen, ebbte sie gen 1920 immer mehr
ab und der Abbau des Minerals in Bank Head lohnte sich wirtschaftlich nicht
mehr. Die Mine wurde geschlossen und die kanadische Regierung ordnete an, die
komplette Stadt Bank Head aus dem Banff Nationalpark zu entfernen. Alle Gebäude
wurden abgebaut oder abgerissen, alle Menschen wurden umgesiedelt bzw. mussten
sich andere Jobs suchen. 1922 war das Kapitel „Bank Head“ zu Ende, heute stehen
nur noch wenige Fundamente und das Transformatorenhaus, das als Museum dient.

Die Hoffnung auf besseres Wetter hatten wir uns zumindest
für diesen Tag abgeschminkt, es blieb uns nichts anderes übrig, als die Läden
von Banff „unsicher“ zu machen. Aus dem Regen wurde Graupelschauer, aus dem
Graupelschauer wurde spätabends Schnee, die den Campingplatz langsam aber
sicher mit einer weißen Schicht überzog.


Edgar Heckmann Small

Tag 9: Radium Hot Springs – Marble Canyon – Banff NP

Nach drei Tagen herrlichstem Wetter wurde es genau dann
schlechter, als für uns die landschaftlich spektakulärsten Tage beginnen
sollten, nämlich die Erkundungen der Nationalparks Banff und Jasper, verbunden
durch eine der landschaftlich schönsten Höhenstraßen der Welt, den Icefields
Parkway. Die jeweiligen Wetter-Apps unserer Handys hatten das zwar alle
angedeutet, so richtig wollten wir das aber nicht glauben, nachdem der gestrige
Tag wieder sensationell warm mit gefühlten ca. 25° war. Wir wurden eines
Besseren belehrt – schon frühmorgens begann es, auf das Dach unseres Wohnmobils
zu regnen, und auch der Blick aus dem Fenster war nicht besonders erfreulich -
die Berge allesamt hinter tiefen Wolken verschwunden. Da wir für den Banff NP
und Yoho NP insgesamt drei Tage geplant hatten, war klar, dass wir heute die
weniger interessanten Punkte ansteuern würden.

Zunächst fuhren wir gegen 11:30 Uhr los, nachdem ich noch
einige geschäftliche Dinge erledigt und wieder einige Campgrounds wegen
Reservierungen kontaktiert hatte. Jutta, Joachim, Heike und Jürgen waren
bereits voraus gefahren – wir würden uns spätestens auf dem Campingplatz
wiedersehen. Es sollte allerdings keine zwei Stunden dauern, denn wie wir waren
auch sie den Marble Canyon angefahren, den man über die Fahrt durch den
Kootenay Nationalpark erreicht. Durch starken Wasserdruck wurde der Kalkstein
im Bett des Tokumm Creek zu Marmor gepresst und verlieh so dem Canyon seinen
Namen. Eine Schlucht bis zu 40 Meter Tiefe, tosende Wasserfälle, Engpassstellen
und eine natürliche Steinbrücke sind die Highlights dieses Naturschauspiels.

Weiter ging die Fahrt direkt nach Banff, das Wetter wurde
nicht besser. Direkt in Banff den mit knapp 1.000 Stellplätzen riesigen Tunnel
Mountain Campground angefahren, wo wir zwei Nächte buchten. 39 Dollar pro Nacht
ist okay, der Campground trotz der Ausmaße großteils im Wald gelegen und sehr
schön angelegt.

Was will man bei einem regnerischen Tag anderes machen als
Shoppen? Genau, deshalb fuhren wir mit einem RV in das Städtchen, das praktisch
aus zwei Einkaufsstraßen besteht, wo sich Restaurants mit Souvenirläden und
Modeshops abwechseln – eben eine typische Touristen-Hochburg, im Sommer wie im
Winter. Am nächsten Tag sollten wir uns eher in der kalten Jahreszeit
wiederfinden…


Edgar Heckmann Small

Tag 8: Canyon Hot Springs Resort – Glacier NP – Rogers Pass – Golden – Yoho NP - Radium Hot Springs (290 km)

Hatte ich mich eigentlich schon über die Preise in Kanada
ausgelassen? Zumindest die Dinge, die wir fürs Camperleben brauchen, sind
verglichen mit Deutschland teilweise exorbitant. Sprit ist so ziemlich das
Einzige, das billiger ist – umgerechnet ca. 80 Cent pro Liter für den 87
Oktan-Kraftstoff. Ein Besuch im Supermarkt wird weniger zum Einkaufs-, sondern
eher zum Schockerlebnis. Unser erster Einkauf nach Übernahme des Wohnmobils
belief sich auf stolze 295 Dollar (umgerechnet ca. € 200) – die längste
Supermarktrechnung meines Lebens. Und da war das „Grundnahrungsmittel“ Bier
noch nicht mal enthalten – das kostet im Sixpack mit 0,341 Liter Inhalt pro
Flasche im „Liquor Store“ nicht unter $12,00. Nur mal einige Beispiele: die
Tube Colgate Zahnpasta – $4,50 (ca. €3,00); Shampoo - $5,00; 200g Weichkäse -
$6,00; 2 Liter Milch - $4,50; die Tüte Kartoffelchips – €5,00. Jürgen meinte
sarkastisch, dass die Kanadier die Fünf-Dollar-Marke in ihren
Preisauszeichnungsgeräten fest eingestellt hätten. Als ich über die Preise
leise vor mich hin gemurmelt hatte, sagte eine Kundin, die mich gehört hatte,
dass sie nach Jahren wieder mal in Deutschland zu Besuch war und bei Penny eingekauft
hatte. An der Kasse hätte sie den Eindruck gehabt, dass die Kassiererin einige
Artikel vergessen hatte einzutippen… Aber nicht nur die Lebensmittel sind
extrem teuer, auch ein Besuch in einem Lokal geht schnell ins Geld: Ein Pint
Bier (knapp unter 0,5 Liter) kostet kaum unter $6,00, irgendwie scheinen $6,25
(also €4,00) gang und gäbe zu sein. Und zu bedenken ist, dass bei all den
vorgenannten Preisen noch ca. 5% Steuer dazu kommen! In einem Restaurant sind das
für ein Glas Bier bei $6,25 „Grundpreis“ dann schlappe $7,50 (€5,00), weil zur
Steuer auch noch das „Pflichttrinkgeld“ von mindestens 15% on top bezahlt
werden muss. Ein Hamburger mit Pommes bekommt man kaum unter $14,00 (€10,00).
Aber zum Glück kann man ja Alles bequem mit der Kreditkarte bezahlen…

Wenn wir gerade bei Zahlen sind: Ich habe jetzt auch die
schriftliche Bestätigung dafür, dass ich in Kanada offiziell als „Senior“ gelte
(siehe Preistafel des Canyon Hot Springs Pools). Wenn sich das gleich in einen
Preisvorteil niederschlägt, kann ich damit leben…

Unsere heutige Tagesetappe brachte uns weiter näher an die
Canadian Rocky Mountains. Der Glacier National Park war der erste von vielen
Nationalparks, die wir auf unserer Rundreise durchqueren sollten. Am Rogers
Pass, einem der höchsten Autopässe der Canadian Rockies, hielten wir an, um
unsere erste kleinere Trail-Tour zu Einstimmung zu unternehmen. Wir hatten uns
ja im Vorfeld entsprechend mit Wanderschuhen und –hosen versorgt. 1962 war der
Trans Canada Highway geöffnet worden, ein großes Holzdenkmal erinnert daran.
Golden war die nächste Station, eine nette Kleinstadt am Rande des Yoho
Nationalparks, der einige spektakuläre Landschaften hat. Die wollten wir uns
für später aufheben, dennoch unternahmen wir eine „Stipvisite“  in den Park, um die Wapta Falls anzuschauen.
Eine 30-Minuten-Wanderung brachte uns zu dem Wasserfall, der sicher nicht zu
den Highlights des Kanada-Urlaubs zählen wird und dennoch ein imposanter
Anblick war. Gut, Beate und ich hatten auch schon die Niagara-Fälle gesehen und
waren deshalb etwas verwöhnt, was Wasserfälle betrifft… Für den Emerald Lake,
einem der schönsten Bergseen der Rockies, reichte die Zeit nicht, denn wir
hatten für die Nacht einen Campingplatz in Radium Hot Springs vorgebucht. Der
sollte übrigens zum bisher besten Campground unseres Trips werden, allerdings
war er mit 58 Dollar auch der mit Abstand teuerste.

Fotostrecke: Rogers Pass - Glacier NP - Golden (längste freihängende Holzbrücke Kanadas) - Bestes Kampf mit einem Bär - Wapta Falls

Edgar Heckmann Small

Tag 7: Nakusp - Galena Bay - Revelstoke (ca. 300 km)

Das nicht vorhandene WLAN kostete Beate und mich einige
Runden im heißen Pool. Ich musste meine Emails bearbeiten, Bestellungen für
unseren Mailorder verschicken. Im Ort sollte es ein Frühstückslokal geben
(„Broadway Deli“), das wir dann auch bereits gegen 8:45 Uhr aufsuchten. WLAN!
Was für ein Himmelsgeschenk. Die wichtigsten Arbeiten waren getan, als unsere
Freunde uns gegen 11:15 Uhr begrüßten und wir unsere Fahrt fortsetzen
konnten.  Es ging den Upper Arrow Lake entlang
bis Galena Bay, wo uns eine weitere – diesmal größere – Fähre übersetzte nach
Shelter Bay. Den Highway 23 ging es Richtung Norden nach Revelstoke, von dort
weitere 35 km in Richtung Rockies. Unser Wunsch-Campingplatz war leider
ausgebucht, die zweite Wahl, das Canyon Hot Springs Resort, hatte – richtig –
wieder kein WLAN auf dem Camping-Areal. Aber so langsam habe ich mich an die
Gegebenheiten gewöhnt. Emails abends Offline bearbeitet, am nächsten Morgen im
Office des Campgrounds die Emails verschickt.

Auf dem Campground trafen wir eine Gruppe aus Stuttgart, die
gleich mit vier RVs unterwegs waren. Die hatten ihre Wohnmobile bei der Firma
Fraserway gebucht, die mit der unserigen, Four Seasons, verbunden sind. Four
Seasons ist die Budget Line der Fraserway-Gruppe, die ihre Wagen an Four
Seasons abgeben wenn sie älter als drei Jahre sind und ca. 40.000 km auf dem
Buckel haben. Wir haben die Entscheidung, die billigere Variante zu nehmen, (zumindest
bisher) nicht bereut. Am Grillplatz trafen wir auch vier Skatbrüder aus der
Kölner Gegend, die regelmäßig Trips rund um die Welt machen. Ob wir eine
Reisegruppe wären, fragten sie uns und zeigten auf die sieben Wohnmobile, die nicht
nur alle identisch aussahen, sondern auch wie an einer Schnur gezogen da
standen. Naja, bereits mit drei Wagen hat man seine Probleme zusammenzubleiben,
mit sieben wäre das aussichtslos.


Edgar Heckmann Small

Tag 6: Kelowna - Okanagan Lake - Vernon - Needles - Nakusp (300 km)

Nach dem Campground-Problem des gestrigen Tages war
„Krisensitzung“ anberaumt. So etwas sollte uns nicht noch einmal passieren,
also beschlossen wir, die nächsten RV-Parks im Voraus zu buchen. War ja
prinzipiell kein Problem, da wir unsere Route Tag für Tag durchgeplant und jeden
Campingplatz wussten, den wir ansteuern wollten. Also alle Parks durchgegangen,
Telefonnummern notiert oder online eine Buchung vorgenommen. Ich also alle
Plätze angerufen – der erste war gleich belegt. Ja super! Doch nach und nach
bekamen wir Bestätigungen und nun sind bis Mittwoch nächster Woche alle
Campgrounds gebongt.

Noch ein Wort zu „online“: Ins Internet zu kommen ist
großteils echt ein Problem. Wifi wird, je weiter wir in Richtung Rockies
fahren, immer seltener. Für mich echt eine kleine Katastrophe – nicht nur, weil
ich diesen Blog nicht „on time“ weiterführen kann, vor allem aber kann ich
meine Geschäftsemails nicht abrufen. Und das sind jede Menge täglich! Ich hatte
mich zwar gut präpariert mit SIM-Card aus den USA, die auch in Kanada funktioniert,
aber wie so oft sind Theorie und Praxis zwei verschiedene Paar Stiefel. Heute
Vormittag etwa war ich in einem Lokal in Nakusp, wo wir die Nacht zuvor
übernachtet hatten, die Wifi als Service angeboten hatten. 2 ½ Stunden hatten
Beate und ich darin verbracht, damit ich wenigstens meine wichtigsten
Online-Arbeiten erledigen konnte.  Heute
sind wir ca. 35 km von Revelstoke entfernt in der „Pampa“ und wieder ist Online
gleich Null.

Aber ich greife voraus. Nach der Telefonierarie ging es
weiter, am riesigen Okanagan Lake über Vernon zur O’Keefe Ranch, einer der
ersten großen Ranches in Canada überhaupt.

Gegen 14 Uhr konnte es weitergehen, zurück nach Vernon, dann
weiter auf dem Highway 6 über Lumby bis nach Needles, wo uns eine Fähre über
den Lower Arrow Lake übersetzte nach Fauquier. 
Bis dahin hatten wir bereits so viel Wald gesehen, die für ein ganzes
Leben gereicht hätten. Nach der Überfahrt mit der Fähre ging es im Prinzip
weiter wie zuvor und jede(r) von uns kann
von sich wohl behaupten, noch nie in seinem Leben einen solchen Bestand an Wald
gesehen zu haben.

Nakusp war unser Tagesziel, die erste von weiteren Orten mit
heißen Quellen (Hot Springs). Schon bei der Anfahrt war mir klar, dass es mit
Internet oder WLAN wieder einmal nichts sein wird. Von der Hauptstraße ging es
8 km voll ins Niemandsland, um geben von weiteren Millionen Bäumen. Doch am
Ende des Straße tauchte dann doch noch ein Campingplatz auf. Das Beste
allerdings waren die Pools mit 40° bzw. 30° warmem Wasser, das da in dieser
Höhe aus dem Berg kommt. Für den heutigen Tage war es zu spät, für den nächsten
Morgen dagegen war Baden angesagt. Allerdings nicht für alle…


Edgar Heckmann Small

Tag 5: Manning Park - Keremeos - Osoyoos - Oliver - Summerland - Kelowna (300 km)

„Wenn Engel reisen…“ – was für rein Unterschied zum
gestrigen Tag! Strahlendblauer Himmel, die Sonne strahlt durch die Bäume des
Campgrounds, in der nachts eine sprichwörtliche Totenstille geherrscht hatte,
als ich mal „für kleine Jungs“ musste und ins Freie ging. Ganz wohl war mir
nicht dabei und mein Kopf bewegte sich permanent von links nach rechts,
gewappnet, Meister Petz vor sich zu haben. Noch nie habe ich eine solche Stille
vernommen – kein Geraschel, kein Vogelgezwitscher, kein Brummen, keine Motorengeräusche,
kein Wasserrauschen, einfach nur – nichts.

Vor der Weiterfahrt unternahmen wir noch einen kleinen
Spaziergang zum nahegelegenen Lightning Lake – ein Vorgeschmack auf das, was
uns „seentechnisch“ in den nächsten Tagen erwarten könnte. Dann aber nichts wie
los – immerhin lagen ca. 300 km 
Tagesetappe vor uns.

Der Weg führte uns durch über Keremeos, einem riesigen Obst-
und Weinanbaugebiet („The Fruit Stand Capital of Canada“). Wir passierten
Osoyoos, dann weiter nordwärts nach Oliver, dem „Wine Capital of Canada“. Die
Gegend danach wird als „Pocket Desert“ bezeichnet, denn bei trockener
Sommerhitze von fast täglich 30°C findet sich dort eine karge, wüstenähnliche
Vegetation aus Feigenkakteen und Salbeibüschen, nur unterbrochen von üppig
grünen Inseln künstlich bewässerter Felder und Plantagen.

Ein Highlight dieses Tages sollten die Okanagan Falls sein.
Wir hatten bei den Reisevorbereitungen zwar keine Bilder dieses Wasserfalles
gesehen, da der Name auf der Landkarte aber ganz groß vermerkt ist, musste das
schon etwas Besonderes sein. Als wir dann die Hinweisschilder sahen, wurde uns
langsam bewusst, dass die Okanagan Falls keine Wasserfälle waren, sondern eine
Ortschaft. „Highlight“ abgehakt…

In Summerland machten wir kurz Rast, um in der Bäckerei
„True Grain Bread“ nach deutschen Rezepten hergestelltes Brot und süße
Schnittchen wie etwa Schneckennudeln, die her „Copenhagen“ heißen, zu kaufen
und bei strahlendem Sonnenschein vor der Bäckerei bei einer Tasse Kaffee zu
verzehren.

Jetzt aber nichts wie weiter – vor unserem Tagesziel Kelowna
ging es noch zum ziemlich versteckten Hardy Fall. Der Wasserfall selbst ist
eigentlich wenig spektakulär, eher schon der Bach, der sich aus den
Wassermassen bildet. In dem schwimmen nämlich hunderte von Kokanee Salmons,
also Lachse, gegen den Strom ihrem Schicksal entgegen, wobei es viele nicht
schaffen und schon vor Erreichen ihrer Bestimmung das Zeitliche segnen.

Anschließend mussten wir eigentlich nur noch den Campingplatz
für die Nacht finden, was sich als überraschend schwierig herausstellte. Die
gewählte Übernachtungsmöglicheit war bereits ausgebucht und die Aussichten auf
einen vernünftigen Platz eher minimal. Die Chefin des ausgebuchten Platzes half
uns aber mit mehreren Telefonaten, doch noch ein bzw. drei Plätzchen für die Nacht
zu finden. Ja, die kanadische Hilfsbereitschaft 
scheint besonders ausgeprägt zu sein.


Edgar Heckmann Small

Tag 4: Vancouver – Abbotsford – Hope – Manning Park

Labour Day-Montag war hinter uns – wie überall wurde am
Dienstag auch wieder bei Four Seasons RV Rentals gearbeitet, der
Wohnmobil-Vermietung, über die wir unsere drei RVs („Recreation Vehicles“) vor einem Jahr gebucht hatten. In Abbotsford,
60 km östlich von Vancouver gelegen, hat die Firma ihren Sitz, ein Shuttlebus,
der uns morgens um halb neun unweit des Flughafens aufgepickt hatte, brachte
uns mit 4 weiteren Mietern  zur
Vermietstation.

Ein Wort zu Four Seasons: Es gibt wie in den USA diverse
Wohnmobil-Vermieter, Fraserway ist einer der populärsten in Kanada. Vor einigen
Jahren spaltete sich hiervon Four Seasons ab, die die „ausgelutschten“
Fahrzeuge von Fraserway zu günstigeren Konditionen weitervermietet. Natürlich
sind die Fahrzeuge voll in Schuss, sie haben nur einige Jährchen auf dem Buckel
mit hoher Kilometer-Leistung und nicht mehr fabrikneuer Einrichtung. Die
Einweisung jedenfalls war top und lies keine Wünsche übrig, und auch das Personal
war absolut zuvorkommend. Über die Qualität der Fahrzeuge möchten und können
wir noch kein Urteil fällen.

Früher als erhofft – um 13 Uhr – fuhren wir vom Hof und
direkt weiter in die Ortschaft Chilliwack, um uns mit Lebensmitteln und anderen
nötigen Utensilien einzudecken. Eines kann ich nach 2 Stunden Shoppen sagen –
niemals zuvor hatten wir eine dermaßen hohe Rechnung – 294 (!) Dollar –
schluck! Damit nicht genug – beim nahegelegenen Liquor Store wurden für diverse
kanadische Biersorten und Spirituosen weitere 100 Dollar hingeblättert.

Um 16 Uhr konnte es dann endlich weitergehen in Richtung
Hope. Drei Wohnmobile, quasi ein kleiner Treck, zogen sich ostwärts, den
Rockies  entgegen. Das Wetter war nicht
besonders berauschend, doch zumindest regnete es nicht. Je höher wir kamen,
desto nebliger wurde es auch und unser erster Anlaufpunkt, der Hope Slide,
musste gleich passiert werden. Der Hope Slide ist ein riesiger Bergrutsch, der
im Jahre 1965 3 km Straße verschüttet hatte. Unter den 48 Mio. m³ bis 80 m hoch
aufgeschütteten Felsgeröll liegen noch Autos samt Insassen.

Also direkt weiter zum ersten „Etappenziel“, dem
Lightning Lake Campground im Manning Provincial Park. Den hatten wir
vorsorglich bereits daheim per Internet gebucht, obwohl in Kanada und den USA
nach dem Labour Day-Montag praktisch der Sommer beendet wird und auch die
Schule wieder überall begonnen hat. Schlagartig werden die Campingplätze von
einem Tag zum anderen wesentlich weniger frequentiert, und auch im riesigen
Lightning Lake Campground waren noch viele Stellplätze frei. Es ist ein
wunderschön angelegter Campingplatz, mitten im Wald gelegen, großzügige Stellplätze
mit BBQ-Area inklusive Grillstelle. Die wärmsten Klamotten wurden ausgepackt,
denn es zog abends doch merklich an, und bei Grillwürsten und einigen Bierchen
(„Granville Island Lager“) saßen wir noch für einige Zeit besammen, ehe man
sich in die eigenen vier Wände sprich Wohnmobil zurück zog.


Edgar Heckmann Small

Tag 3: Vancouver

Noch ein paar Worte zu unserem Apartment. Das hatten wir
über das Internet gebucht – 3 Schlafzimmer, 2 Badezimmer, ein großes
Wohnzimmer. Ein Jahr im Voraus, da wir wussten, dass zum Labour Day-Wochenende
die Auswahl von Monat zu Monat kleiner werden würde. Ein bewohntes Apartment,
das für gutes Geld von den Bewohnern für begrenzte Zeit „untervermietet“ wird.
Da kann man natürlich keine pikobello-saubere Wohnung erwarten, außerdem waren
wir den ganzen Tag über unterwegs – also eine gute Entscheidung, den Urlaub so
zu starten.

Für heute hatten wir uns u.a. die beiden „Touri-Bereiche“
Gastown und Chinatown vorgenommen. Namensgeber von Gastown, einer Version einer
europäischen Altstadt, war ein sehr charismatischer Charakter namens „Gassy Jack“
Deighton, ein geschäftstüchtiger wie trinkfester Schotte, der die Zeichen der
Zeit richtig erkannte hatte, als er im Zentrum des nach ihm benannten Viertels
eine Bar errichtete. Da reiht sich heute eine Kneipe oder Restaurant an die
nächste, dazwischen alle möglichen Einkaufsläden von Souvenirshops bis hin zu
ultramodernen Designermöbel-Läden. Ganz nett, das mal gesehen zu haben.


Gegen Mittag war es unserer Ansicht nach Zeit, einen Pub
aufzusuchen und den Durst zu stillen. Wir also rein ins „Lamplighter“, ein
typisches kanadisches Craft Bier geordert und die Augen  automatisch in Richtung der unvermeidlichen
TV-Screens gerichtet. Und wir wollten unseren Augen nicht trauen: Wurde da doch
tatsächlich das Fußballspiel Schottland gegen Deutschland live übertragen! War
das Spiel denn nicht schon lange aus? Wir sind doch neun Stunden hinterher! (Kleiner
Scherz…) Just in dem Moment fiel auch noch das 2:1 für „uns“, und den paar
Leuten im Lokal war klar, dass da Deutsche gejubelt hatten. Der schottische
Kommentator hatte nur lobenswerte Worte für die deutsche Mannschaft übrig,
feuerte aber natürlich seine Landmänner gehörig an. Lustig auch seine
Aussprache von Namen wie Özil („Isiel“) oder Hummels („Hammels“). Unsere Damen,
begleitet von Joachim, zogen es vor, Shoppen zu gehen, Jürgen und ich sahen
noch das 3:2, ehe wir 15 Minuten vor Spielende schweren Herzens die Kicker
ihrem Schicksal überlassen mussten.


Chinatown stand auf dem Plan – was aber im Vergleich zu
anderen Weltstädten wie etwa San Francisco sehr enttäuschend war. Da war kein
Flair, lediglich Touri-Nepp und unzählige Restaurants. Nein, das muss man nicht
gesehen haben. Chinesen sind mit über 40 % übrigens die größte Nationalität
nichteuropäischer Länder in Vancouver. Man hat eh den Eindruck, in Städten wie
Shanghai, Hong Kong, Peking oder Tokio zu sein, denn rein optisch hat es den
Anschein, dass in der Stadt zu 90% Asiaten das Stadtbild beherrschen. Naja –
ich bin eh kein großer Fan von Großstädten, daher möchte ich mir kein
abschließendes Urteil erlauben.


Vancouver wird nicht selten als „schönste Stadt der Welt“
bezeichnet. Ich war nie nie Fan von Großstädten und möchte mir darüber kein
Urteil erlauben.


Am Nachmittag dann runter zum Hafen gefahren. Da lag ein
Kreuzfahrtschiff vor Anker, die „Disney’s Wonder“. Was für ein Mega-Kahn – 300 Meter
lang, 32 Meter breit, 83.000 Tonnen schwer, 2.700 Passagiere und 950
Besatzungsmitglieder. Machte sich gerade bereit zum Auslaufen auf eine
10-Tage-Cruise nach Hawaii und retour. So etwas sieht man nicht alle, also reihten
wir uns die Gaffer-Menge ein und schauten dem bunten Trubel zu.


Den Abschluss unseres kurzen Vancouver-Aufenthaltes
machten wir in „Darby’s Pub“. Schön war es hier, nun geht es auf zur
eigentlichen Rundreise!

Fotostrecke v.l.n.r.: "Gassy Jack"-Statue; Frühstück mit Quiz Duell; Dampfuhr in Gastown; Pub mit Kick; "Disney's Wonder"

Edgar Heckmann Small

Tag 2: Vancouver

Noch ein kleiner Nachtrag zum Samstagabend: Das Wiedersehen
in unserem Apartment im Vancouver Stadtteil Kitsilano war von zwei Dingen
getrübt worden: Zum Einen kam der Koffer von Heike nicht in Vancouver an
(eigentlich wäre „nicht mit“ korrekter gewesen, denn er war erst gar nicht in
Frankfurt in den Flieger geladen worden), zum Anderen vermisste ich einen
wichtigen Brief aus Austin, Texas, der eigentlich bereits seit 2 Tagen durch
FedEx-Versand hätte da sein müssen. Weder noch! Beide Probleme sollten sich im
Laufe des Sonntags erledigt haben…

Zunächst sah der Himmel nicht gerade nach einem schönen
Wetter aus, doch so nach und nach kam öfters mal die Sonne raus, und so
entschieden wir uns, den Tag im Freien zu verbringen. Der Stanley Park, so
etwas wie der Central Park in New York City, ist ein herrliches Ausflugsziel
für Jung und Alt, also genau richtig für uns! Der Park liegt auf einer
Halbinsel, ein Rundwander- und –fahrweg führt um ihn herum. Wir mieteten uns
Fahrräder und warfen uns ins Getümmel, denn nicht nur wegen dem schönen Wetter,
sondern auch wegen dem verlängerten Labour Day-Wochenende (Montag ist in Kanada
Feiertag) herrschte auf der 9 km-Strecke Hochbetrieb. Weltbekannt sind die im
Park aufgestellten Totempfähle, die bis zu 20 Meter hoch und die wohl schönste
Ansammlung dieser vor allem bei den Ureinwohnern der Nordwestküste Nordamerikas
bekannten Kunstform sind. Die Deutung dieser Pfähle steht nur den Ureinwohnern
offen, da nur sie mit ihrer häufig von Märchen verwobenen Familiengeschichten
vertraut sind.


Mehr recht als schlecht bewegten wir uns auf den Drahteseln
vorwärts und irgendwie waren wir auch froh, als wir den Park umrundet hatten.


Abends noch beim Mexikaner zu Abend gegessen und dann
schnurstracks zurück ins Apartment. Mein Einwand mit einem Absacker im „Darby’s
Pub“ wurde einfach ignoriert…


  • Missing
    Marcus Maier hat am kommentiert:

    Hallo Da habt ihr ja schon einen schönen Start in euren Urlaub gehabt.
    Aber Respekt, dass die Jutta mit euch Fahrrad gefahren ist- mit mir und Joachim macht Sie das Sonntags leider nicht

Edgar Heckmann Small

Tag 1: Frankfurt - Vancouver

Das ging ja gleich richtig "gut" los - unser Flieger hatte 2 1/2 Stunden Verspätung. Das klingt zunächst mal nach gar nicht so viel, wenn du aber eh noch drei Stunden auf den Abflug warten musst (wir waren extrem gut nach Frankfurt gekommen), dann werden daraus gleich 5 1/2 Stunden, und das ist dann schon eine kleine Ewigkeit. Naja, man freut sich ja auf den Urlaub, da geht dann auch diese Warterei irgendwie rum - um 18:30 Uhr hob die Boing 767 der Condor endlich ab und nach 9 1/2 Stunden erreichten wir unser Ziel - VANCOUVER!

Unsere vier Freunde waren bereits gegen Mittag in Vancouver angekommen und warteten auf uns in dem gemeinsamen Apartment, allerdings mussten sie bereits schwer gegen die Müdigkeit kämpfen. Nach einem lauten "Hallo!" konnte ich zumindest Joachim und Jürgen nochmals dazu bringen, mit Beate und mir in den nur 100 Meter entfernten "Darby's Pub" zu gehen und einen Begrüßungsschluck zu nehmen. Sehr gemütliches - wenn auch lautes - Lokal (ist halt ein Pub), und gleich wurden diverse kanadische Biere getestet. Preislich nicht ohne, ein Pint (0,473 Liter) für CAN$ 6,50 (€ 4,40), aber das juckte uns in dem Moment recht wenig. Die nötige Bettschwere hatten wir jedenfalls...

Edgar Heckmann Small

Es geht loooooos!

Samstag Vormittag, 11 Uhr. Eine sehr entspannte Nacht verbracht - es ist doch ein großer Unterschied, ob der Flieger nach Nordamerika am Vormittag oder erst um 16 Uhr geht. Kein Stress mit frühem Aufstehen und hastigem letzten Checken, ob auch wirklich Alles im Koffer ist. Gemütlich Frühstücken, noch die letzte Post sichtigen, die "To Do Liste" durchgehen, die letzte Waschmaschinenladung in Bewegung setzen, den Kids letzte Instruktionen geben, Handys aufgeladen, Koffer gewogen, die Wohnung nochmals durchgesaugt und auf Vordermann gebracht. In 30 Minuten fahren wir los zum Frankfurter Flughafen, da sollte genügend "Polster" sein, um die 140 Kilometer "on time" hinter sich zu bringen.

Die Condor bringt uns in 10 1/2 Stunden nonstop nach Vancouver. Unsere vier Freunde sind bereits unterwegs, sie hatten sich für einen Flug mit der Air France entschieden und werden sechs Stunden vor uns in Vancouver eintreffen. Wenn alles planmäßig läuft, sollten wir uns so gegen 20 Uhr im gemieteten Apartment im Stadtteil Kitsilano in die Arme fallen können.

Canada, here we come!

Edgar Heckmann Small

Editorial

Willkommen beim ersten Online-Reisetagebuchs meines mittlerweile über 60-jährigen Lebens! Auch im hohen Alter sollte man mit der Zeit gehen, doch davon habe ich mich eh noch nie abschrecken lassen! Dennoch möchte ich mich schon jetzt dafür entschuldigen, wenn Einträge oder "Postings", wie das heutzutage im WWW-Zeitalter genannt wird, nicht immer perfekt sind und manches nicht so gelingt, wie ich mir das so vorstelle. Ich werde versuchen, möglichst "zeitnah" unsere Erlebnisse zu "Papier" zu bringen und mit möglichst vielen Fotos zu ergänzen.

Wie ihr in der Überschrift bereits erfahren konntet, geht es im Wohnmobil nach Kanada, genauer gesagt in die westlichen Provinzen British Columbia und Alberta. Nach 30+ USA-Besuchen ist dies der erste "richtige" Trip nach Kanada, vom Abstecher im Jahr 2005 einmal abgesehen, als wir vom Arcadia National Park über Vermont oberhalb von Montreal nach Kanada eingereist waren, dann den Ontario Lake entlang bis zu den Niagara-Fällen gefahren und bei Buffalo wieder zurück in die USA gelangt waren. Ja, unsere Familie ist schon ganz schön in den "United States" herum gekommen. Doch jetzt ist es an der Zeit, erstmals ohne die Kids einen Wohnmobil-Trip zu machen. Und was liegt da näher als nicht permanent nach Highlights zu suchen, um den Söhnen eine Freude zu machen, sondern hinaus in die Natur zu gehen. Dafür sind die Canadian Rockies genau das richtige Ziel!

Unsere Reise beginnt am 5. September in Vancouver. Von hier aus geht es gegen den Uhrzeigersinn ostwärts, über Hope in den Manning Park, anschließend über Kelowna, Nakusp, den Glacier National Park zu den heißen Quellen um Radium Hot Springs, ehe es dann wirklich in die Rockies geht: Banff, den Icefields Parkway, Jasper NP, den Wells Gray NP weiter in Richtung Whistler, ehe es dann "vorbei" an Vancouver nach Vancouver Island geht, wo wir noch vier Tage verbringen möchten, ehe es am 25. September von Vancouver non-stop zurück nach Deutschland geht. Ihr seht, geplant ist viel. Ob wir es alles so schaffen wie vorgesehen, wird sich zeigen. Wenn ihr wollt, könnt ihr uns bei unserem Traumurlaub begleiten.

Natürlich begleitet mich meine bessere Hälfte Beate, außerdem sind noch zwei befreundete Ehepaare mit von der Partie, Heike und Jürgen, Heikes Bruder Joachim mit dessen Ehefrau Jutta. Jedes Ehepaar hat sein eigenes Wohnmobil, man kann also schon fast von einem "Treck" sprechen, der sich da durch die kanadische Wildnis ziehen wird.

Ist euer Interesse geweckt? Schön, dann begleitet uns bei hoffentlich schönem Wetter durch den kanadischen Westen!


  • Small
    Claus hat am kommentiert:

    Hallo Edgar,
    schön, dass wir dabei sein dürfen. Falls ihr Fragen habt, erreicht ihr uns über das kleine Fragezeichen rechts unten. Hier noch sicherheitshalber die FAQs: http://www.permondo.com/de/tours/1279/blog.
    Genießt die Vorfreude und das Planen!
    Viele Grüße vom permondo-Team

  • Small
    Rainald Taesler hat am kommentiert:

    Wegen der "Verspätung": Evtl. gibt's ne Entschädigung nach der FluggastrechteVO der EU. Bitte nach der Rückkehr bei mir melden.
    Ansonsten: frohes Gelingen der Reise.
    Rainald

  • Missing
    Uwe Schuppann hat am kommentiert:

    Ich wünsche euch schöne Tage in Canada!
    Uwe