Leinen los - von Basel nach Travemünde

Die Reise ohne Ziel beginnt...

Auf der speziell für "LUCKY DUCK" in Aarau gegossenen Schiffsglocke steht:

VIA DESTINATUM EST

&

NE UMQUAM DESIERIS


Seit dem 9. Februar 2014 wohnte ich auf dem Schiff um mich auf meine Reise vorzubereiten. Sepp und seine Frau Theres halfen mir mit ihrem Auto und Anhänger alles was ich noch in meinem Zimmer in Schwyz hatte nach Basel-Kleinhüningen wo "LUCKY DUCK" im Hafen schwamm zu transportieren. Immer wieder denke ich dankbar an ihre Hilfe an diesem anstrengenden "Züglete"-Tag. Gerne erinnere ich mich auch an die vielen (neugierigen) Besuche die mit Auto oder Zug nach Basel reisten. Keiner kam mit leeren Händen. Danke nochmals. Vielen Dank!

Basel
Canton of Basel-City, Switzerland

05.03.2014    CH Kleinhüningen - D Breisach    (Rhein-Km 170 - Km 226)

Da ich absolut kein Erfahrung betr. Zeiteinteilung mit meiner neu erworbenen "LUCKY DUCK" hatte, verließ ich mich in Basel auf Angaben von verschiedenen Skippern die mit ihrem Schiff schon bis Breisach gefahren sind.

"Bis Breisach hast du höchstens 3 Stunden. Dann solltest du längstens dort sein." waren sie sich alle einig.

Also: Leinen los am 05.03.2014 punkt 10:00 Uhr

"Gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel" ruft mir der Hafenmeister von seinem Boot aus zu und winkt.

Das Messer von Reto Wehrli, das ich von ihm als Abschiedsgeschenk bekommen hatte, habe ich für Schleusennotfälle griffbereit am Gurt eingehängt.

Ich wollte am 1. Tag nicht zu lange fahren und auf der sicheren Seite sein. Also kalkulierte ich vorsichtshalber 5 Stunden Reisezeit für die Fahrt ein...

Meine 1. Reise dauerte aber nicht wie von all den Skippern in Basel gesagt 3 Stunden...

Auch nicht 5 Stunden...

Nach 9 Stunden, bei völliger Dunkelheit fuhr ich in den ebenfalls stockdunklen Hafen von Breisach ein.

Verlass Dich auf andere und Du bist verlassen!

Jede der 4 Schleusen die ich passieren musste (Kembs - Ottmarsheim - Fessenheim - Vogelgrun) ließ mich warten. Fessenheim sogar 2 1/2 Stunden lang. Frachter mit blauen Kegeln waren unterwegs. Das sind Schiffe die Gefahrengut transportieren und die alleine geschleust werden müssen. 

In den Schleusen lernte ich dann erst einmal die Berufsschifffahrt kennen. Da gibt es, wie auf der Strasse, nette Kapitäne und andere. Sehr andere!

Zwei Mal machte ich mit den "sehr anderen" Bekanntschaft. Denen macht es Spass die kleinen zu plagen. Das geht dann zum Beispiel so: man bekommt vom Schleusenwärter über Funk gesagt: "Sie können dann hinter der (...) einfahren und am letzten Schwimmpoller backbord festmachen."

Die Grossen (obwohl mit ihren Leinen festgemacht) warten bis man vom Steuerstand weggeht um das eigene Tau um den Schwimmpoller zu legen. Dann schalten sie voll ihr Heckstrahlruder ein. Kleine Schiff werden dann wenn sie noch nicht festgemacht haben von der einen zur anderen Seite "gespühlt" oder geschleudert. Ich konnte meine "Ente" jeweils nur mit grosser Mühe auffangen. Glücklicherweise hatte ich immer genügend Fender ausgebracht. 

Müüüde, wirklich sehr müüüde beendete ich den ersten Tag nach dem festmachen vom Schiff im Hafen von Breisach.

Breisach
Baden-Wurttemberg, Germany

06.03.2014    Breisach

Ich schaue mir Breisach an und finde sogar einen Coiffeur den ich bitter nötig hatte. Nur 17€ 50. Allerdings, ich verließ den Salon lange nicht so "schön" wie jeweils nach der "Verschönerungs Behandlung" bei Anni und Martina beben der Kirche in Schwyz. 

An der Sonne trank ich in einem Straßenrestaurant ein Glas Rheinwein zum Apero und lass eine Deutsche Zeitung. 

Ein Erlebnis von gestern muss ich noch erzäh len. Die Schleuse von Kembs wird mir immer in Erinnerung bleiben. "Fahr erst los, wenn der Frachter vor dir ganz aus der Schleuse raus ist. Wenn der voll Schub gibt, sind noch starke Turbulenzen im Wasser und du hast Mühe dein Schiff zu steuern." Diesen Ratschlag befolgte ich natürlich und wartete bis das Wasser einigermaßen ruhig war. Nun aber schnell raus. Ich fuhr also zügig unter dem immer noch tropfenden (sehr tropfenden...) Schleusentor hindurch ... und wurde geduscht, nass... ALLES auf dem Achterdeck war begossen. Zum Glück bin ich noch lernfähig. Dies ist mir bei Hubschleusen nur einmal passiert. Lachen über diesen Fauxpas und über ich selber musste ich trotzdem.

Kiel
Baden-Wurttemberg, Germany

07.03.2014    Breisach - Kehl bei Straßburg    (Rhein-Km 226 - Km 294)    

Nun hatte ich Erfahrungszahlen vom Vortag und ich plante meine Weiterreise nach Kehr sehr sorgfältig. 

Aber man weiß ja nie... und so fuhr ich schon um 07:30 Uhr bei 0° los. Brrr... beim Außensteuerstand. Aber schön! Die Ruhe von der aufwachenden Natur, das viele Federvieh, immer wieder mir unbekannte jetzt im Frühling jedoch besonders schöne Vögel. Die Männchen "natürlich" speziell.

Ich hatte wieder 4 Schleusen vor mir. (Marckolsheim - Rhinau - Gerstheim - Strasbourg)  Je weiter ich von der Schweiz weg kam, umso freundlicher wurden die Schleusenwärter. 

In der ersten Schleuse wurde ich mit der Berufsschifffahrt geschleust, dann alleine. Wahnsinnig mit wie viel Wasser die "kleine Ente" jeweils eine Stau-Stufe tiefer auf die Weiterfahrt geschickt wurde.

Entweder man kann's oder man kann's nicht. Wie geplant traf ich zur berechneten Zeit im Hafen von Kehl ein. 

Ein Nutria sah mich und zeigte mir einen freien Platz indem er vor dem Schiff zum Steg schwamm.

Kiel
Baden-Wurttemberg, Germany

07.03.2014 - 10.03.2014    in Kehl bei Strassburg

Ein sehr schöner Yachthafen. Man ist willkommen. http://www.nautic-club-kehl.de

Am Samstag war Hafenfest. Ich wurde eingeladen.

Franz der Metzgermeister erklärte mir genau wie er seine Afrikanischen Würste neu erfand. (Ich aß mehr als eine. mmmhhh...) Mit Günther fütterte ich Nutrias... (bei Google erfährst du mehr über diese Tiere) und Jean-Marie der Hafenmeister ist ein Original. Der richtige Mann für diesen Hafen!

Am Sonntag war Frühschoppen. Ich wurde eingeladen. 

Viele Ratschläge bekam der mutige Kapitän von der "LUCKY DUCK" der sich alleine zum ersten Mal ohne Erfahrung den Rhein hinunter wagt. Bruno (ein Schweizer der hier sein Schiff stationiert hat) schüttelte immer wieder den Kopf und meinte, dass kann nicht gut gehen, das geht schief!

Jean-Marie fuhr mich am Montag nach Kehl und Straßburg zu Tierheimen. Enttäuscht kehrten wir beide ohne Hund , den ich auf meiner Reise noch mitnehmen möchte zum Schiff zurück.

Nur Kampfhunde knurrten uns an.

Von Jean-Marie bekam ich am letzten Abend im Club-Restaurant beim Essen eine Vereinsfahne und einen Schüttel-Schlauch. Das ist ein spezieller Schlauch um Diesel aus einem Kanister ohne zu "götschen" auslaufen zu lassen. Dazu bezahlten er und Günther mir alle Getränke. 


Greffern
Baden-Wurttemberg, Germany

11.03.2014    Kehl - Greffern    nur 27 Km - nur eine Schleuse (Gambsheim)    (Rhein-Km 294 - Km 321)

Günther kam am Morgen nochmals um mir eine gute Reise zu wünschen und er brachte mir ein kleines Geschenk. Eine von ihm erfundene Brille um bei schlechter Sicht besser sehen zu können. Ich hatte Gelegenheit sie zu testen. Sie funktioniert!

Greffern ist ein kleines Dorf. Bekannt ist es auch als das Schifferdorf. Das Schifferdorf kennt jeder Kapitän auf dem Rhein, denn hier wohnen viele ehemalige und noch einige wenige berufstätige Rheinschiff-Kapitäne.

Im Clubrestaurant wurde ich auch hier an den Stammtisch eingeladen und staunte über das Gesprächsthema. Alle schwärmten von vergangenen Zeiten und der Schweiz. Jeder (außer der Schleusenwärter von Iffezheim) war pensionierter Rheinschiffskapitän. Alle arbeiteten bei der ehemaligen Schweizer Firma Neptun. Ca. 80% der Männer von hier waren dort beschäftigt und sie sagten mir, dass sie in der Schweiz immer sehr gut behandelt wurden. heute sind nur noch etwa 3 Kapitäne aus Greffern auf dem Rhein unterwegs. Jetzt arbeiten die meisten in der neu entstandenen Chemiefabrik.

Alle lachten als ich meinte, dann sind alle eure Häuser hier mit Schweizer Franken bezahlt worden. Ja, meinten sie, die meisten. Vor vielen Häusern steht auch ein Mast, beflaggt wie es auf den Frachtern üblich ist. 

Erich, mit vollem weißen Haar, so wie man sich einen alten "Seebär" vorstellt der sein Leben lang auf dem Rhein unterwegs war, erklärte mir mit seiner ruhigen Art genau wie ich nach der letzten Schleuse im frei fließenden Rhein fahren muss. Die Strömung, die Buhnen..., die Berufsschifffahrt mit ihrer blauen Tafel, leer oder beladen, die Einfahrt in die Häfen - er komme morgen noch einmal und bringe mir etwas mit für auf die Reise. 

Leider kam Erich am nächsten Abend nicht an den Stammtisch und so verabschiedete ich mich von den ehemaligen Kapitänen die irgendwie eine ganz eigene, spezielle, positive, ruhige Ausstrahlung haben. 

Es war schon spät und dunkel als ich Rufe und Pfiffe vom Ufer her hörte.

Es war der alte Kapitän Erich! Er hatte im Dorf gehört, dass ich morgen weiterfahre und er wolle mir doch unbedingt noch etwas mitgeben. "Hier, das sind meine letzten Fahnen die ich noch habe. Sie sollen mit dir auf Reise gehen." 

Zum Glück konnte Erich meine glänzenden Augen nicht sehen. Ich war so überrascht, dankbar- fast sprachlos. 

"Vielleicht sieht man sich ja doch noch einmal, irgendwo," waren seine letzten Worte. Noch ein fester Händedruck und Erich verschwand in der Dunkelheit. 

Abschied nehmen... irgendwie immer wieder ein Moment der traurig stimmt. Ich glaube nicht, dass ich mich auf meiner Reise daran gewöhnen werde. Einerseits froh - anderseits etwas wehmütig kehrte ich ins Schiff zurück.


Speyer
Rhineland-Palatinate, Germany

14.03.2014    Greffern - Speyer    (Rhein-Km 321 - Km 400)

07:00 Uhr. Ich fahre weiter. Das Wetter soll schlechter werden

Ein letzter Blick zurück nach Greffern und in Gedanken nochmals ein Danke an Erich. 

Es war wieder 0° und die Sicht war nicht besonders gut. Etwas Neblig. Eigentlich hätte ich noch ein bisschen warten können bis die Sonne für bessere Sicht gesorgt hätte. Ein Frachtschiff das mich kreuzte meinte am Funk: "Da fährt ein Sportboot. Bei diesem Wetter sollte man  nicht fahren. Ich habe kein Echo von ihm." Ich meldete mich auf Kanal 10 mit "LUCKY DUCK" und Kilometerangabe und sagte ihm, dass ich sogar zwei Reflektoren habe. Ich hörte nichts mehr von ihm.

Der letzte Schleusenwärter, (Iffezheim) sehr nett. Das Schleusen mit zwei Grossen problemlos.

Dann war ich auf dem frei fließenden Rhein. Die Sicht war inzwischen gut. Das Wetter schön. Der Verkehr nahm zu...

Den Ratschlage vom Greffern-Stammtisch, fahr einfach hinter einem Frachter nach, konnte ich nicht befolgen. Die Grossen fuhren für mich zu schnell. 

Ein neues Fahrgefühl. Und: Ausschau halten nach den sehr gefährlichen Buhnen - Ausschau halten nach den Fahrwasserzeichen. Wichtig! Aber man darf sich nicht 100% auf sie verlassen (Erich) - Mit dem Feldstecher Ausschau halten nach der blauen Tafel bei den mir entgegenkommenden Frachtschiffen. Wenn sie in einer Kurve so entgegen kamen, dass ich ihre Steuerbordseite nicht sehen konnte, fragte ich auf Kanal 10:

"Frachtschiff zu Berg bei Km ... fahren sie mit blauer Tafel?"

Die Antwort kam promt. +Ja, ich fahre mit blauer Tafel" oder "Nein, ich fahre nicht mit blauer Tafel"

Oft musst ich nicht fragen. Mit der Zeit sieht man wie und wo die Frachter fahren wollen.

Am Funk mehr als einmal zu hören: "Achtung, zwischen euch ist dann noch ein Sportboot." Zu dieser Jahreszeit eher ungewöhnlich, wie man mir immer wieder sagte.

Auch am Ufer bleiiben viele Leute stehen und winken, fotografieren. Wohl eher die LUCKY DUCK als den bärtigen Kapitän der mit seiner angezogenen Rettungsweste und Mütze am Außensteuerstand zu sehen war. 

Bis Speyer begegneten mir 55 Frachter. 9 mit blauer Tafel. 2 überholten mich.

Die Amtssprache auf dem Rhein ist Deutsch. Auch auf dem Rhein-Kanal durch Frankreich. Bei Km 352 rollte ich die an Backbord wehende Französische Gastlandflagge ein. Ab hier sind beide Rheinufer Deutsches Gebiet. 

Ach ja, noch für Landratten: Fährt ein Schiff mit blauer Tafel heißt das, beide Schiffe kreuzen sich Steuerbord. Man kreuzt also auf der "falschen" Seite. (Steuerbord ist bei einem Schiff die rechte Seite - Backbord ist somit die linke Seite) Die Kapitäne wählen ihren Weg durch das Wasser nach der Fließgeschwindigkeit die im Fluss nicht überall gleich ist. Das zu Berg fahrende Schiff fährt dort wo es weniger Gegenströmung hat, das zu Tal fahrende Schiff dort wo das Wasser schneller fliest. Darum die blaue Tafel die dann jeweils am Steuerhaus an der Steuerbordseite mit einem Funkellicht zu sehen ist.

Problemlos bin ich in Speyer angekommen.

Nach einem schönen Abendspaziergang durch die Altstadt sitze ich nun wieder im Schiff, in Gedanken bei den zurückgebliebenen. 

Ich bin sehr froh, dass sich mein Traum vom Leben auf dem Schiff erfüllt hat. Es ist noch viel schöner als ich immer hoffte. 

Noch ein, zwei Schlückchen vom AAGS Four Roses...

http://www.aags.ch Mein letzter Arbeitgeber. Abschiedsgeschenk unter vielem anderem: Eine grosse Flasche Four Roses Whiskey. (Ja, ja, Rum habe ich auch an Bord)

Mainz
Rhineland-Palatinate, Germany

17.03.2014    Speyer - Mainz    Rhein-Km 400 - Km 497)

Von Speyer bis Mainz sind es 97 Flusskilometer. Rhein Flusskilometer? Auf dem Rhein hat nicht jeder Km 1000 Meter. Das kommt daher, weil seit der Rhein das erste Mal vermessen wurde immer wieder "Abkürzungen" gebaut wurden. Der Rhein wurde stellenweise begradigt. So ist der Rhein mit den Jahren bis zum Meer ein wenig kürzer geworden. Die ursprüngliche Kilometer Einteilung wurde jedoch so gelassen wie sie einst ausgemessen wurde. Jeder Km wird beidseitig am Ufer auf Tafeln angegeben. 

Problemlose Fahrt. Leinen los in Speyer um 07:20 und Leinen fest in Mainz um 14:20 Uhr.

Mainz - wer mich kennt weiß, was ich von so großen Städten halte. Eine schöne Stadt mit Altstadt - Fußgängerzone - schönes Rheinufer - und alle "rennen" aneinander vorbei... so wie eben in allen Städten...

Eine Gefahr die in Deutschland immer noch sehr aktuell ist und die wir in der Schweiz nicht kennen sind die nicht explodierten Bomben noch aus dem Krieg. Eigentlich sollte die Einfahrt zum Hafen ausgebaggert werden. Aber man hat Bedenken, daass noch Bomben auf dem Grund liegen könnten...

Ruedesheim am Rhein
Hesse, Germany

20.03.2014    Mainz - Rüdesheim    (Rhein-Km 497 - Km 525

bis 24.03.2014 in Rüdesheim

Mainz - Rüdesheim 28 Km. Gemütlich und langsam tuckere ich gegen Mittag auf dem Wasser weiter Richtung Norden. Es ist dieser vorausgesagte, schöne, warme Frühlingstag. Wenig Verkehr - nur ab Funk höre ich wie die Wasserschutzpolizei bei einem Frachter der normal in Fahrt ist das Anlegen übt.

Aufpassen muss ich trotzdem. Plötzlich sind sei wieder da, diese gefährlichen Buhnen. Oft nur wenig unter Wasser. Zum Glück sind die meisten in meiner Wasserkarte eingezeichnet. Obwohl ich auf dem Schiff all das moderne Zeug wie GPS - Kartenplotter usw. habe, ich bin mich als "alter" Chauffeur an Papierkarten gewohnt. Ich will sehen wo ich bin (nicht nur einen Ausschnitt davon) und will mich orientieren können. Vorbereitet habe ich all meine Reisen schon immer mit Papierkarten. 

Wie von Erich geraten, fahre ich am Hafeneingang von Rüdesheim vorbei und kreuze etwas weiter unten gegen den Strom auf um dann gegen die Strömung in die Hafeneinfahrt einfahren zu können. Ich freue mich auf Rüdesheim, war ich doch auch als Carchauffeur schon einige Male hier, durfte jedoch zu jener Zeit den so gerühmten, guten Wein nie trinken. Das wird diesmal anders sein...!

In einem fremden Hafen fahre ich erst einmal eine Runde um mich zu orientieren und um zu schauen wo ich anlegen kann, resp. darf. Dann muss ich Fender ausbringen, entweder nur Backbord oder nur Steuerbord oder Beidseitig. Dabei muss ich immer aufpassen, dass ich nicht abgetrieben werde. 

Vom ersten Boot aus ruft mir ein Skipper zu: "Der Hafenmeister zeigt ihnen ein Anlegeplatz" Nun sehe ich ihn, den mir winkenden Hafenmeister. Ich bekomme den Logenplatz direkt bei *DOROTEA*. (über *DOROTEA*) später mehr) "Perfekte Landung. Besser hätten sie nicht anlegen können". (Diese Bemerkung ging mir natürlich wie Honig hinunter) "Willkommen im Yacht Club Rüdesheim" Helfende Hände, Leinen fest um 13:50 Uhr. Alle im Hafen Anwesenden kommen und begrüssen mich freundlich. Der Hafenmeister informiert: 1€ 50 pro Meter Schiff pro Übernachtung. Inbegriffen: Toiletten, Duschen, Wasser am Steg, Strom, Fahrrad, auf Wunsch mit Anhänger, Abfall, W-LAN. Mir werden Prospekte in die Hand gedrückt und: "Aufpassen, gleich hier im immer gleichen Blumentopf brütet eine Ente nun schon zum 3. Mal im Frühling. Bitte nicht zu nahe rangehen." 

Dann wird *LUCKY DUCK* von den Skippern genau angeschaut, denn im Hafen ist eine baugleiche Linssen 320. Ihr Eigner fragt, vergleicht... alles. Er hat im Gegensatz zu mir allerdings ein geschlossenes Verdeck. Ansonsten findet er keinen Unterschied. Nur eins ist bei meiner "Ente" einzig: der Spiegel den ich von der Auto AG Schwyz zum Abschied von der Werkstatt geschenkt bekommen habe und der mir Fredy Blust zum runterklappen montiert hat. Alle sind sich einig, so einen Spiegel wollen sie auf ihren Schiffen auch anbringen. Einer sagt: "Ich nehme immer ein Kissen und lege den Schmink-Spiegel meiner Frau so darauf, dass ich nach hintern sehen kann und ich mich nicht dauernd umdrehen muss. Ihr wisst ja selber auch wie gefährlich die großen Schiffe von hinten sing." Ich bekomme noch ein sehr interessantes und informatives Buch über den Rüdesheimer Yacht-Club geschenkt der 2011 sein 50 jähriges Bestehen feuerte. 

Und hier lese ich am Abend unter vielem anderen über *DOROTEA*: Im März 1981 startete die *DOROTEA* zu ihrer letzten Reise. Das Schiff wurde mit einer Ladung Mais von Hamburg nach Oldenburg (die Frachtrate deckte die Kosten fürs Dieselöl) und von dort nach Rüdesheim gefahren. Heute ist die *DOROTEA* der Mittelpunkt des Klublebens. Falls du jemals in Rüdesheim sein solltest, geh zum Rüdesheimer Yacht Club und schau dir *DOROTEA an. Du wirst begeistert sein und staunen was man aus ihr gemacht hat. 

Ich werde ein paar Tage in Rüdesheim bleiben. Das Wetter hat wieder gewechselt und ist nichts für den "LUCKY DUCK Schönwetter-Kapitän" So habe ich auch genügend Zeit mich auf die gefährliche Gebirgsstrecke bis Sankt Goar vorzubereiten. Vorbei an der Loreley... sie kann dann noch so schön singen und ihre langen, blonden Haare in der Sonne kämmen. Ich werde nicht hinsehen! Na ja, vielleicht ein wenig hin blinzeln... aber nur ganz, ganz wenig. Und nur ganz, ganz schnell...

Die Loreley... ich war damit beschäftigt bei Google über sie ein bisschen mehr zu erfahren als plötzlich der Strom weg war. Na, na Lore, so nicht. Ohne Strom kein W-LAN, ohne W-LAN keine Verbindung zur Aussenwelt. Ihr müsst warten bis ich, wer weiß wann und wo, ich wieder eine Verbindung finde. Noch erfahren konnte ich, wann die Hübsche das letzte Mal gesungen hat. Ausnahmsweise nicht an einem schönen, lauen Sommertag. Nein, mitten in der Nacht. Am 27.01.2011 - die Bilder (von SPIEGEL ONLINE) sprechen für sich! Der Rhein war kurz nach dem Loreleyfelsen für mehrere Tage für den gesamten Schiffsverkehr gesperrt. 

Sankt Goar
Rhineland-Palatinate, Germany

27.03.2014    Rüdesheim - Sankt Goar    (Rhein-Km 525 - Km 557)

Gut vorbereitet verlasse um 08:45 Uhr den schönen Hafen von Rüdesheim. Der Hafenmeister wollte mir noch anbieten, zu einem Spezialpreis einen ganzen Monat zu bleiben. Er meinte sogar: "Sie können auch bis Weihnachten bei uns bleiben wenn sie wollen." Der Stegmeister zeigte mir Fotos von besonders gefährlichen Stellen an denen ich nun vorbeifahren werde und an welchen ich speziell aufpassen soll und muss. "Und nun gleich rüber nach Bingen halten, sonst sitzen sie fest." Dann die nett gemeinten Wünsche: "Gute Fahrt und immer eine handbreit Wasser unter dem Kiel!"

Ich denke, wieso sagt denn nie einer: und immer eine Flasche Whisky über dem Kiel...

Den Ratschlag, nie über den Tonnenstrich zu fahren befolge ich heute strikt. Auch beobachte ich die Wasseroberfläche noch genauer als an den vorangegangenen Tagen. Vorausgesagt hatte man mir auch, dass das Schiff plötzlich, durch unsichtbare Strömungen, unverhofft selbstständig Kursänderungen vornehmen würde. Die traf mehrmals zu. Wiederholt wollte ich Fotos machen, musste das Vorhaben aber abrupt abbrechen um das Schiff wieder dorthin zu lenken wo ich es haben wollte.

Vor dem Loreley-Felsen wildes Flusswasser und nur mit Mühe konnte ich trotzdem noch ein paar Fotos schießen. Nach einem Foto stand ich allerdings fast quer. Nichts passiert, kein Gegenverkehr. Den Motor ließ ich mit höherer Drehzahl arbeiten um besser Ruder zu haben. Das Echolot hüpfte und zeigte mir immer wieder andere Tiefen.

Loreley, es hat Spaß gemacht bei dir vorbeizufahren. Eigentlich logisch, das sie sich einem "Neurentner" nicht zeigt und nicht für ihn singt. Junge Männer sind bei dieser Nixe gefragt. (Nicht nur bei der Loreley Nixe...)

Am Funk auf Kanal 10 immer wieder zu hören: "Schiff ... wir liegen mit unserem Sportboot in Sankt Goar und kommen nicht gegen die Strömung an. Könntet ihr uns ein Stück mitschleppen, natürlich gegen eine spende in eure Bordkasse." Und immer wieder: "Tut uns leid, wir dürfen das von unserer Rederei aus nicht." Nach über 3 Stunden in denen sie jeden zu Berg fahrenden Frachter angefunkt hatten, hatte sie bei *ROXI* Glück. Sie wurden am Frachter steuerbordseitig  festgebunden und zu Berg mitgenommen. 

Der Hafen von Sankt Goar wäre eigentlich sehr schön, wenn er denn offen gewesen wäre. So war es wie wildes Campen. Egal, ich könnte auf *LUCKY DUCK* auch über längere Zeit ohne an Land zu gehen leben. Strom kommt aus vier Batterien und zur Not ist da noch ein 4 KW Generator "im Keller" Die beiden Wassertanks mit je 200 Liter sind voll. Kühlschrank und sonstige Vorräte noch in Rüdesheim aufgefüllt. Dei Bar... die reicht für noch lange. Nicht nur für mich...

In einem Hotel in dem ich schon früher zwei Mal übernachtet habe, direkt am Rhein und schräg gegenüber der Loreley beobachtete ich interessiert die Rheinschifffahrt und genieße ein "Schnipogemsa". Zum trinken bestelle ich ein großes Weizenbier. I love it! Danach schaue ich mir das kleine Dörfchen an. Eine nette Begegnung und ein lustiges Gespräch mit einem Wirt der alte Kaffeekannen sammelt. Im Hafen lerne ich ein Pärchen kennen die in einem Jahr ebenfalls mit ihrem Schiff auf Reise gehen wollen. Sie leben schon jetzt nur noch auf dem Schiff um dann einmal alles richtig eigerichtet zu haben. Müde vom langen herumlaufen lege ich mich sehr früh in meine bequeme, kuschelige Koje.

Koblenz
Rhineland-Palatinate, Germany

28.03.2014    Sankt Goar - Koblenz    (Rhein-Km 557 - 591)

Der Tag beginnt bei mir jeweils mit Kaffee machen. Aber heute, ach jeh... die Kaffeemaschine ist kaputt. Dann eben Banago zum Frühstück. Ist auch gut!

Plötzlich höre ich ein komisches, mir unbekanntes Rumpelgeräusch. Was ist das??? Ich entdecke wie ein Ungetüm von einem Schlepper sehr knapp an meinem Heck vorbeifährt und dabei langsam einen großen Kran ans gegenüberliegende Ufer schiebt. Vom Außensteuerstand aus beobachtete ich nun das Ganze. Langsam und Zentimeter genau beendet der Kapitän sein Manöver. Er kletterte von seinem hohen Steuerstand herunter und kommt an sein Heck. Guten Morgen beidseitig und dann wollte er wissen woher ich komme, wohin meine Reise geht usw. Von ihm wollte ich wissen, wie es ist so ein Riesending zu fahren. Er meinte, eigentlich ganz einfach... Seitenwind bei dieser Größe?  Kein Problem. Wir haben starke Bug- und Heckstrahlruder. Er träume davon, in ein paar Jahren mit dem Camper die Welt zu entdecken. Er sei nun sein ganzes Leben auf dem Wasser gewesen, jetzt möchte er endlich das Land sehen. Ich sagte ihm, dass ich viele Jahre meines Lebens auf der Strasse war und nun die Welt vom Wasser aus sehen möchte. Er will nicht mehr aufs Wasser, ich will nicht mehr auf die Strasse. "Falls sie auf der Rückreise über die Donau nach Süden fahren, sehen wir uns wieder. Dann müssen sie nochmals hier vorbeikommen. Alles Gute, gute Fahrt und tschüss."

Langsam bereitete ich *LUCKY DUCK* auf die Weiterfahrt vor. Mit einem Schiff kann man nicht einfach losfahren. Einiges am Schiff muss kontrolliert werden. (Wie bei den Bussen der Auto AG wenn Ruedi in der Nähe war...) Karten Müssen am Innen- und Außensteuerstand bereitliegen, Feldstecher, Rettungsweste anlegen, woher kommt der Wind oder wohin treibt die Strömung das Schiff oder was haben beide mit dem Boot vor. Welches Tau löse ich zuerst... und... habe ich im Schiff alles weggeräumt so dass bei Wellen nichts herumfliegt?

Erneut genieße ich die ruhige Fahrt die mich heute bis Konstanz bringen wird. Wieder und wieder staune ich über die vielen, vielen Vögel. Aber dann: in einer Kurve ein Schiff mit blauer Tafel - eigentlich kein Problem aber von hinten kommt gleichzeitig ein sich schnell nähernder Frachter. Wenn ich jetzt die Seite wechsle bin ich direkt vor dem Frachter. Das geht nicht. Der sieht mich nicht, würde mich ohne es zu merken überfahren. Mit dem mir entgegenkommenden Frachter bin ich auf Kollisionskurs... wo soll ich hin? Näher ans Ufer kann ich nicht. Für *LUCKY DUCK* ist es dort zu wenig tief. Bei einer Fahrwasser-Begrenzungstonne stoppe ich. Der mir entgegenkommende Frachter erkennt die Situation und macht mir Platz. Wir kreuzen alle drei gleichzeitig. Ich mit dem "Gegner" backbord/backbord, die Grossen steuerbord/steuerbord. Alles ist ok. Noch ein freundliches Winken, das war's.

Nur wenig später: mir kommen drei Frachter entgegen. Der erste mit blauer Tafel. Der zweite ohne blaue Tafel. Der dritte mit blauer Tafel. Also ab durch die Mitte. Alle drei von der gleichen Reederei. Alle drei mit rostigem Schrott beladen. Erst jetzt merke ich was da mit mir für ein Spielchen gespielt wird. Grosse Wellen, so wie bei Föhnsturm in Brunnen, nur - alle aus verschiedenen Richtungen. Ich kann sie unmöglich optimal schneiden. Jeder der drei Kapitäne Winkt. Jeder lacht. Und ich stampfe mit *LUCKY DUCK* auf und ab und zwar so fest, dass die Schiffsglocke läutet und Wasser über den Bug bis zum Außensteuerstand spritzt. Was unten im Schiff wohl alles "zunderobbsi gschüttlet" wird? Ich schaue nach. Alles an seinem Platz. Braves Entchen!

(Ich erinnere mich an meinen zweiwöchigen Ausbildungstörn mit Alexander und Barbara in Griechenland. Viel hatte, musste ich lernen was ich nun anwenden kann. Unter anderem wie man Wellen "schneidet". Es war damals etwas windig auf dem Meer und die Wellen wurden immer steiler. Ich durfte ans Ruder aber unerfahren wie ich war schaukelte die *MY PARADISE* unnötig heftig durchs Wasser. Nach einem Weilchen kam Alexander grinsend auf die Fly Bridge und meinte: "Du bist der erste, der es fertig brachte unseren Tisch umzuwerfen." Ich brauchte etwas Zeit bis ich merkte in welchem Winkel man die Wellen schneiden kann damit das Schiff nicht allzu fest schwankt.)

In Konstanz hatte ich mich angemeldet. Sie können gleich hinter *MARLEEN* anlegen, sagte man mir freundlich am Telefon. *Marleen*, ein wunderschönes großes Schiff... Gewicht 50 Tonnen. Aber da soll ich fest machen? In diese kleine Lücke hinein und das bei Wind? Ich drehte um 180° um abzuschätzen ob ich da wirklich hineinpasse. Leichte Windböen, etwas Strömung... langsam und vorsichtig manövrierte ich meine Ente zwischen die beiden hier liegenden Schiffe. Die zweibeinigen Enten müssen widerwillig, schnatternd Platz machen.  

Ein alter, weißhaariger Mann humpelt heran. Er ist über 80 Jahre alt, wie ich später von ihm erfahre. Er hilft mir mein Schiff festzumachen. Gleich bein Schiff auf dem Steg steht eine Bank. Wir setzten uns und jeder erzählt ein wenig von sich. Der alte Mann lebt hier mit seiner schwer kranken an Parkinson leidenden Frau auf seinem selber gebautem Katamaran, obwohl er in Koblenz eine Eigentumswohnung hat. Leider könne er mit seiner kranken Frau nun nicht mehr ablegen. "Wir waren in ganz Europa unterwegs" schwelgt er in Erinnerungen. Sein Blick lange aufs Wasser gerichtet. "Solange es irgendwie geht bleiben wir beide hier auf dem Schiff." Abends, als es dunkel ist, sehe ich ihn in seinem Steuerstand sitzen. Seine beiden alten Mercedes Dieselmotoren brummen. Wo ist er wohl mit seinen Gedanken...? Der liebe alte Mann hatte so viele lustige Sprüche auf Lager das ich sie mir gar nicht alle behalten kann. Immer wieder musste ich lachen. Einer zum Beispiel: "Dumm sein macht nichts, solange man sich zu halfen weiss."

Wichtig und nicht vergessen: ich brauche ja och eine neue Kaffeemaschine. Diese finde ich im Löhr-Center in der Innenstadt von Koblenz. So eine kleine, die den Kaffee durch den Filter aufbrüht. Immer wieder ein schöner Tagesanfang, der frische Kaffeeduft der dann durch das Schiff zieht. Das Löhr-Center, für mich eine ungewohnte Grösse. Ich musste fragen wo ich den Globus finde... Wie schön "härzig" und übersichtlich ist doch das Mythencenter in Schwyz. 

HEUTE IST SAMSTAG 

und ich bin immer noch auf der Suche nach einem Gaskocher. Im Schiff hätte ich eine Tipp Top eingerichtete Küche. Doch schon zu meinen Wohnwagen- und Camper Zeiten habe ich immer draußen gekocht. Das habe ich seinerzeit von den Zigeunern gelernt. "In Mühlheim-Kährlich finden sie bestimmt was sie suchen" erklärte mir der Hafenmeister. "OK, und wie komme ich mit dem ÖV dort hin?" Da ist er überfragt. Zu Fuß mache ich mich auf zur Touristeninformation in der Innenstadt und bekomme die gewünschte Auskunft. Jede Stunde fährt ein Bus. Etwa 5 Minuten früher und ich hätte ihn erwischt... "Macht nüüt", schließlich bin ich pensioniert und ich habe keine Zeit mehr mich zu beeilen.

Othmar, ein ehemaliger Arbeitskollege ruft an und gibt mir Fredi ans Telefon. Fredi, ebenfalls ein ehemaliger Arbeitskollege der als nächster nach mir pensioniert wurde. Ich freue mich sehr, das ich ihm dazu persönlich gratulierten kann und ich wünsche ihm alles Gute. Kurz auch noch ein paar Worte mit André, "unserem" Direktor. Über Othmars Idee mich anzurufen freute ich mich außerordentlich!

Bei Camping Berger finde ich genau so einen Gaskocher wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Ich habe Freude. Schaut euch die Bilder an.

Auf meinen Reisen als Carchauffeur habe ich sicher viel gesehen. Was ich aber in Mühlheim-Kährlich sehe... Ein Einkaufszentrum nach dem anderem. Kein einzelner kleiner Laden. nur Riesengeschäfte. Herr Schäfer, der Eigner von der *MARLEEN* und (nun mit seinen Söhnen) unter andere Besitzer der Fahrradkette XXL, erklärt mir abends im Hafen, dies sei Deutschlands größter Ort zu Einkaufen. Wahnsinnig, unmöglich in einem Tag jedes Geschäft anzusehen. Herr Schäfer meinte noch, auf dem Schiff brauchen sie ein Fahrrad, kommen sie am Montag bei mir vorbei.

SONNTAG - SOMMERZEIT 

Ach was soll's, das ist nun etwas für das arbeitende Volk. Dies ist nicht negativ oder abwertend gemeint. Seit ich auf *LUCKY DUCK* lebe habe ich keine feste Tageseinteilung mehr. Ich schlafe wann ich müde bin, ich esse wann ich Hunger habe. Zusammengefasst: ich genieße mein neues Leben in vollen Zügen!

Carsten, der sehr freundliche und immer hilfsbereite Hafenmeister fährt mich am MONTAGMORGEN nochmals nach Mühlheim-Kärlich. Der Veloladen, ich staune nur noch...  r i e s e n g r o s s   und was mir auffällt, extrem sauber. (Täglich sind 2 Putzfrauen dauernd nur am saubermachen) Auf markierten "Strassen" kann jeder der will sein Traumfahrrad (es gibt hunderte) testen. Man kann bergauf fahren, bergab fahren, auf Buckelpisten Mountenbikes ausprobieren... Zubehör... Alles unter Dach im Geschäft. Die Bedienung kompetent, überaus freundlich. Evtl. weil ich vom Chef und seiner Frau Marleen bei der Auswahl zusätzlich begleitet und beraten wurde. Natürlich finde ich ein passendes Klappfahrrad für aufs Schiff. Und als Schiffsnachbar bekomme ich für das für mich eigentlich zu teure Fahrrad einen Spezialpreis. Für einen absoluten Superpreis habe ich wieder ein niegel nagel neues "Velöli".

Am Nachmittag wird mein Neuerwerb gleich über 3 Stunden lang ausprobiert. Aber irgend etwas stimmt mit dem Fahrrad nicht. Ob ich es umtauschen muss? Alles funktioniert soweit einwandfrei. Aber mein A... tut nach einiger Zeit entsetzlich weh. Mit wechselnder A...Backenbelastung fahre ich zurück zum Hafen.

http://www.gewaesserlehrpfad.koblenz.de

http://www.mosellum.rlp.de

Der Hafen "Yachtclub Rheinlache" von Koblenz (ein ehemaliger Schutzhafen der Berufsschifffahrt) ist speziell. Inmitten und umgeben von ruhiger Natur mit dem vielen Wassergetier - viele Gänse mit ihren Jungen - am gegenüberliegenden Ufer auch ein wilder Hase - ist man dennoch sehr nahe dem Stadtzentrum. Darum bleibe ich hier länger, viel länger als ich anfänglich gedacht hatte. 

Einziger Nachteil: kein W-LAN - ihr müsst warten...

Winningen
Rhineland-Palatinate, Germany

03.04.2014    Koblenz - Winningen an der Mosel    -    nur 14 (sehr schöne) Kilometer

Endlich... Leinen los. Nochmals hatte ich auf der Bank auf dem Steg ein sehr nettes Abschiedsgespräch mit dem alten Mann. Trotz seine sehr kranken Frau (zum ersten Mal sah ich was Parkinson für eine schreckliche Krankheit ist) ist er die Zufriedenheit selbst. Er zeigte mir noch ein paar Knoten, dann verabschiedeten wir uns voneinander. 

In Schwyz musst ich auf dem Weg zur Arbeit in der Nähe von einem Schlachthof vorbei. Oft kamen mir zweistöckige Tiertransporter entgegen. Dies kam mir in den Sinn als ich die Hotelschiffe auf dem Rhein sah.

Wie schön, ruhig und gemütlich habe ich es doch hier auf meiner kleinen Ente.

Bald werde ich aber nicht mehr alleine unterwegs sein. Was macht Mann, wenn er etwas kaufen will und es nicht findet? Mann sagt es einer Frau... die finden alles was es zu kaufen gibt! Frauen haben dafür so einen Urinstinkt (Kaufinstinkt) der ihnen wohl von Geburt an mitgegeben wird. Und so hat Janina (eine ehemalige Arbeitskollegin) für mich einen zu mir passenden Hund gefunden. Zur Zeit befindet er sich in "Produktion". Mehr darüber wenn er an Bord ist.

Vor mir sehe ich die Festung Ehrenbreitstein. Gegenüber die Einfahrt in die Mosel. Ich fahre vorbei am Deutschen Eck und dem Denkmal von Kaiser Wilhelm. Kein anderes fahrendes Schiff weit und breit. Langsam kann ich wenden und in die Mosel einfahren. Die erste Begegnung auf der Mosel ein Polizeiboot. Man grüsst sich freundlich, fährt weiter. 

"Koblenz Schleuse hier ist Sportboot LUCKY DUCK - LUCKY DUCK - bitte melden" "Hier Koblenz Schleuse..." Ich wurde alleine zu Berg geschleust. In der Schleuse sah ich keine Schwimmpoller, umhängen war angesagt. (es gab doch einen aber den habe ich erst beim Rückweg entdeckt) Wenn man Glück hat geht so eine Schleusung ja ach Hubhöhe ca. 15 bis 30 Minuten. Ich hatte Glück. Nach knapp einer halben Stunde tuckerte ich mit nur 1100 Touren ganz langsam die ruhig fließende Mosel bis nach Winningen hinauf. 

In der Marina Winningen war der Empfang von den jungen Mitarbeitern wie schon so oft sehr persönlich und nett. 

http://www.marina-winningen.com

(beachtet auch den Campingplatz auf einer Insel zwischen der Marina und der Mosel)

Für die in Greffern von Erich beklommener Flagge (die mir sehr viel bedeutet und die bis jetzt nur provisorisch am Bug angemacht war) suche ich immer noch einen dafür passenden Flaggenstock. Den "bastelt" mir hier Andreas Haupt, der Chefmechaniker der Werft aus Edelstahl. Der untere Teil vom Stock ist von irgend einem Teil aus einem Getriebe von einem Schiffsmotor. Herr Haupt ist ein überaus freundlicher und hilfsbereiter Werkstattchef, scheut keinen Aufwand und keine Mühe um den Stock wackelfest zu befestigen. Er hat nun selber Freude daran, wie die Flagge im Winde weht. Bitte fragt mich nicht, was mich das gekostet hat. Aber ich habe wieder einmal speziell Freude!!! 

Im Club-Restaurant bestelle ich auf der Terrasse erst einmal ein Hefeweizen-Bier. Ein lauwarmer, schöner Frühlingsabend. Ich studiere den "Katalog" von der Küche und entscheide mich für lauwarmen Lachs auf Rösti mit Preiselbeeren/Meerrettich Sauce. (Ob man das essen kann? Rösti in Deutschland? Preiselbeeren mit Meerrettich? Es war ausgezeichnet!) dann einen fröhlichen Frühlings-Salat, Rumpsteak mit Pommes Frites und ein Glas Moselwein. Nach dem ersten Schluck Wein fragte ich mich, wäre es wirklich so schlimm Alkoholiker zu werden...? Um es unanständig aber zutreffend zu sagen, der Wein war so gut, wie wenn dir ein Engelchen den Hals "abebrünzlet". Ich bestellte nach dem Dessert nochmals ein Glas von diesem ausgezeichneten Wein. In der warmen Abendsonne erinnere ich mich an viele schöne Erlebnisse die ich in meinem Leben schon hatte. Immer mehr schöne Stunden, Abenteuer und Episoden meldeten sich. Sie alle haben sich unauslöschlich in meinem Gedächnis eingenistet. Schön, bleibt da!

Freitag, 04.04.2014    

Wieder einmal habe ich sehr lange und gut geschlafen. Kaffee zum richtig Wach werden getrunken und dabei den Gänsen am gegenüber liegenden Ufer zugeschaut. Irgendwann muss ich es ja anfangs Monat doch einmal machen, also heute. Den so überaus "heiß geliebten Bürokram". Einzahlungen... Budget... wie viele Tage darf der Monat noch haben, damit die Rente reicht... bitter aber war, nun wird mein Konto nicht mehr großzügig und automatisch monatlich von der AAGS aufgefüllt...

Am Nachmittag fahre ich mit meinem neuen Velöli nach Winningen und schaue mir das Dörfchen an. Zum ersten Mal seit Basel suche ich einen Geldautomaten und versuche Geld abzuheben. Der erste Versuch scheitert. Der Zweite war zum Glück erfolgreich. Ich brauche nämlich noch Diesel. Mit "viel" Geld im Portemonnaie frage ich im Dorfladen, wo ich hier einheimischen Wein kaufen kann. Die drei Frauen an der Kasse zeigen spontan alle in die gleiche Richtung. "Die Strasse hoch, auf der rechten Seite bei der Familie Fries." 

"Ich möchte bei ihnen eine Flasche Wein kaufen" sagte ich, wie ich später im Gespräch erfahren habe zu Frau Fries. "Auch wenn sie nur eine Flasche kaufen, probieren dürfen sie alle unsere Weine gerne." Ich kaufe drei Flaschen. Nun ist mein Budget (Flaggenstock, Abendessen, Wein) sehr strapaziert... Den Schiff-Weinkeller voll zu haben ist jedoch ein schönes Gefühl.

Riesenfreude: Ich bekomme ein Foto vom Vater von meinem "in Produktion" befindenden Hund. Ein einmalig schönes Tier!

Samstag, 05.04.2014     

In der Nacht hatte es geregnet. Auf dem Schiff muss ich dafür nicht aufstehen um es zu wissen. Tropf, tropf, tropf... ich höre es. Während ich schreibe sitze ich bei Milchkaffee im wohlig warmen Schiff und beschließe - der Schönwetter-Kapitän bleibt im Hafen. Auf dem Schiff gibt es ja immer etwas zu tun. Mal sehen was ich heute finde. 

Die Vorfreude auf den Hund ist da. Es wird ein Weibchen sein. Aus praktischen Gründen. Die sind schneller leer wenn es einmal pressieren sollte. Männchen brauchen für linkes Bein heben - rechtes Bein heben (und das auch nur an speziell ausgesuchten Bäumen) so um die 40 Minuten. Dafür habe ich evtl. nicht immer Zeit. 

Winningen besitzt (in meinem alten Baedeker gelesen) das grösste geschlossene Weinbaugebiet an der Mosel und die am besten terrassierten Weinberge. Auf all meinen Reisen hatte ich immer von jedem Land einen Baedeker dabei. Aus diesen Reiseführern entnehme ich viele Tipps (Stadtpläne) und vor allem auch geschichtliche Hintergründe von den Gebieten die ich bereise. Bewusst verzichte ich geschichtliche Ereignisse mit anderen Worten (wie man dies in Reiseberichten immer wieder lesen kann) wiederzugeben. Wer Interesse hat kann meine Reise mit einem Reiseführer "verfolgen" und viel interessantes von meinen bereisten Gebieten erfahren. 

Das Wetter wurde ein wenig schöner und  ich schrubbte *LUCKY DUCK* mit Hafenwasser sauber. Mehr als ein Bootsführer der am Steg vorbeifährt ruft grinsend herüber: "Na, Saharasand?" Ja, Saharasand. Den hatte der Wind uns schon in Koblenz herangeweht. Die weißen Flächen auf dem Schiff sahen nun nach dem Regen braun/rot getüpfelt aus. Wenn ein Schiff auch sauber aussieht, es gibt immer noch und wieder etwas zum putzen. Ein Holländer meinte dann auch lächelnd: "Gehen sie 10 Meter von ihrem Schiff weg und es ist sauber". Wenn (selten) mich der Putzfimmel packt und ich mich im Schiffsinnern umsehe kommt mir immer der folgende Witz in den Sinn: Carolinchen zu Mamma: "Du Mami, was passiert eigentlich mit uns wenn wir tot sind?" Die Mutter meint: "Dann werden wir wieder zu Staub". Carolinchen nach einem Weilchen: "Mami, dann liegt unter meinem Bett eine Leiche."

Ich rufe noch im Hafenbüro in Senheim an. Mein nächstes Etappenziel. Ich will wissen, ob der Hafen um diese Jahreszeit schon offen ist. "Kommen sie nur, alles ist offen."

Seit ich Basel verlassen habe sind erst hier in Winningen sie sanitären Anlagen schön warm geheizt. In Kehl waren sie immerhin lauwarm. Das muss ich noch ausnützen. Sonss waren in den Duschen die gleichen Temperaturen wie draußen. Oft brrr... so brrr.. dass, wenn ich an mir hinunter schaute ich mir nicht immer ganz sicher war ob ich nun wirklich zur Gattung Männchen gehöre...

Senheim
Rhineland-Palatinate, Germany

06.04.2014    Winningen - Senheim    (Mosel-Km 12 - Km 68)

Mit dem Reisebus bin ich mehrmals die Strecke von Koblenz nach Trier oder umgekehrt gefahren. Hier vom Schiff aus erkenne ich fast nichts mehr. Vom Wasser aus sieht alles anders aus, ist noch viel schöner. Diese Eindrücke kann ich nicht beschreiben. Das muss man selber erleben. Die ruhig fließende Mosel, die einmalige immer mit Spannung erwartete wechselnde Landschaft. 

Auf dem Wasser bin ich fast ein Eremit. Selten ein Frachter. Man winkt sich.

Müde von den vielen schönen Eindrücken sehe ich um 17:00 Uhr backbord die Hafeneinfahrt von Senheim. Ein wenig muss ich noch zurückhalten, einer der wenigen heute gesehenen Frachter kommt mir entgegen. Im Hafen festgemacht muss ich feststellen, die Hafenanlage und der Campingplatz sind geschlossen. Alles zu. Laden, Duschen, WC - nichts ist offen. Am Eingang zum Laden: OFFEN BIS 17:30 UHR. Kein Mensch zu sehen. An einer schwarzen Türe bei dem (geschmacklosem) Haus, (sorry, Geschmäcker sind eben nun mal verschieden) wohnt vermutlich der Hafenmeister. Ich könnte klingeln. Mach ich aber nicht. Noch von gestern habe ich Gemüse- Fleischsuppe die ich nun auf meiner "Aussenküche" wärme. Ich gehe früh schlafen, ich stehe früh auf und verlasse den leere Versprechungen Hafen.

Bernkastel
Rhineland-Palatinate, Germany

07.04.2014    Senheim - Bernkastel-Kues    (Mosel-Km 68 - Km 131)

Mein heutiges Ziel ist Bernkastel-Kues. Bis dahin 3 Schleusen. St.Aldegund die Erste. Ein wenig muss ich um vom Hafen in die Mosel einfahren zu können warten. Ein Frachter fährt vor meiner Nase vorbei. Gemütlich tuckere ich hinter dem langsam fahrenden Schiff her. Bis St.Aldegund sind es nur ca. 10 Km und ich darf ja sowieso erst hinter dem Frachter in die Schleuse. 

So wie ich früher Lastwagen-Chauffeure "bewunderte" die ihre Zweiachser-Anhänger ohne auszukorrigieren in einem Mal zentimetergenau an Rampen andockten, so "staune" ich heute wie die langen Frachter in diese engen Schleusen gefahren werden. Langsam, ganz langsam fährt die *ALLEGRO* hinein. Ich mit respektvollem Abstand hinterher. Ich habe da ja so meine Erfahrungen... Der Kapitän der *ALLEGRO* ist sehr anständig und beherrscht sein Schiff perfekt! Nicht ein Seitenstrahl der das Wasser "zum kochen" bringt. Ich mache hinter der *ALLEGRO* am nassen, glitschigen Poller fest, stelle den Motor ab. Hinter mir schließt sich das schwere, große Tor und ich gehe wieder zu meinem Tau der das Schiff backbord festhält. Nun ein Blick zum Steuerhaus der *ALLEGRO* hinauf. Ich werde beobachtet. Eine junge, schlanke, hübsche Blondine, in der einen Hand eine Zigarette. Sie lächelt und winkt. Ich winke zurück und vermute, die Tochter darf wohl im Steuerhaus nicht rauchen. Ich dachte falsch. Wenig später sehe ich, wie das "Töchterlein" auf den Stuhl im Steuerhaus rutscht und das Riesending aus der Schleuse fährt. Wir treffen uns später noch einmal bei der Schleuse Zeltingen. Sie winkt un deutet mir, dass ich vor ihr in die Schleuse fahren soll. Nein, nein, ich bleibe hinter dir, signalisiere ich zurück.

"Sportboot zu Berg bei Bernkastel-Kues". Wie, wo, was? Funkt mich da jemand an? Kein fahrendes Schiff zu sehen. Dann nochmals: "Sportboot zu Berg bei Bernkastel-Kues". Da ich weit und breit das einzige Boot bin meldete ich mich. Auch hier auf der Mosel auf Kanal 10. Der Kapitän von einem doppelstöckigen Touristenhotelschiff erklärte mir, dass er wenden will. "Kein Problem, ich halte zurück, ich habe Zeit." Das Schiff fährt unter Schweizer Flagge. Der Kapitän dem Akzent nach ein Holländer. Nach seinem Manöver (viel Platz hatte er mit seinem langen, schwimmenden Hotel nicht) bedankt er sich über Funk bei mir fürs Warten. winkt als er bei mir die Schweizer Flagge wehen sieht. 

08.04.2014    Bernkastel-Kues

Ich will (muss) wieder einmal einkaufen. Wo es einen LIDL gibt erklärte mir der Hafenmeister. Es ist dann allerdings ein EDEKA. Egal, noch bin ich nicht dort. Zuerst schreibe ich mir meinen Einkaufszettel. Dann hole ich meinen Einkaufskorb für auf mein "Velöli" - verstaue ihn jedoch gleich wieder im Bug. "S'Velöli hät en Platte." Ich drehe es um und suche den Nagel. Nichts. Ich schaue genauer. Nichts... Endlich entdecke ich wo die Luft entweichen konnte. Die Naht beim Pneu ist geplatzt. Materialfehler! Was soll ich mich ärgern. Bis vor kurzem hatte ich ja noch kein Fahrrad. Zu Fuß mach ich mich auf den Weg. Nach etwa 20 Minuten macht sich der "Durchlauf" vom Frühstücks-Kaffee bemerkbar. Weit und breit keine Möglichkeit zum... Bäume hätte es schon aber auch Leute... In der Fußgängerunterführung zum EDKA... neun, das geht nun gar nicht. Also einkaufen und möglichst schnell zurück zum Schiff. Es fängt an zu regnen. Einen Schirm habe ich natürlich nicht dabei. Regen wäre mir eigentlich egal, aber seit ich dieses Altershilfsmittel Brille benützen muss, nerven die Tropfen auf den Brillengläser. Was soll's, heute ist eben nicht mein Tag.

Oder doch? Die Läden vom Minigolf die vorher noch geschlossen waren sind offen. Ein Boxer (Hund) kommt auf mich zugerannt. Wir begrüssen uns unter der Beobachtung vom "Minigolf Chef". "Darf ich... ich sollte dringend!!! unbedingt!!! sofort!!!" Auf einer Tafel groß angeschrieben: für Passanten 50 Cent. Ich hätte auch mehr bezahlt und suche ein 50 Cent Stück. "Lassen sie mal, ist schon gut" - Uff, tat das guuut. Dankbar, sehr dankbar und enorm erleichtert bringe ich den WC-Schlüssel zurück.

Der Regen ist stärker geworden. Noch bis zum Hafen und ich wäre pflotsch nass. "Bitte ein Hefeweizen". Ich trinke dann allerdings zwei, denn das Gespräch mit dem Minigolf-Mann war ausgesprochen unterhaltsam und auch interessant. Speziell auch all die Informationen über Bernkasstel-Kues. Angefangen hat die Unterhaltung jedoch ausführlich über Hunde...

Passanten kommen, wollen die Toiletten benützen - und jeder der vier muss bezahlen. 

Der Regen hört auf und ich laufe zurück zum Schiff um mein Velöli zum mir empfohlenen Fahrradhändler zu bringen. Etwas zerknirscht schiebe ich es über die Brücke. Wie oft habe ich doch selber Velopneus geflickt. Aber ohne passendes Werkzeug? 30 € hat mich der neue Reifen mit Montage gekostet. Ich werde rechnen müssen. Schon wlieder unerwartete Ausgaben... mein neuer "Lohn"... so wie ich ihn einteilen muss, sehr gewöhnungsbedürftig! Bitte dies nicht als Gejammer auffassen. Ich habe alles was ich brauche und es geht mir gut. Doch manchmal denke ich dennoch an den Schlager: Wenn ich einmal reich wär... If i where a rich men...

Trier
Rhineland-Palatinate, Germany

09.04.2014    Bernkastel-Kues - Trier    Mosel-Km 131 - Km 198)

Alle Skipper schlafen noch als ich den Hafen verlasse. Die Mosel spiegelglatt. Fast habe ich Erbarmen, dass ich mit meiner Yacht diese Ruhe störe. Weit hinter mir ein Frachter. Auch er schon oder immer noch unterwegs. Vielleicht habe ich Glück und kann noch vor ihm schleusen, denke ich. Der Schleusenwärter von Wintrich lässt mich jedoch warten. Die *BACHUS* fährt in die Schleuse und ich bekomme über Funk gesagt, dass ich mitgeschleust werde. Ich merke bald, dass der Kapitän der *BACHUS* einer der anderen, der sehr, sehr anderen ist! In regelmäßigen Abständen dreht er seine Seitenstrahlruder (obwohl seine Leinen fest sind) auf. Mit allergrößter Mühe kann ich einen Poller erreichen und festmachen. Das Tor schliesst sich und wer jetzt denkt die *BACHUS* gebe Ruhe, der irrt. Unter diesen Umständen ist es unmöglich mein Tau umzuhängen. Über Funk informiere ich den Schleusenwärter. Der ruft sofort die *BACHUS* auf und befielt ihr, ihre Maschine abzuschalten. Noch drei Mal dröhnt der Diesel bevor er der Anweisung vom Schleusenwärter nachkommt. Wie buchstabiert man das was ich über diesen Kapitän denke mit dem Skipper Alphabet? "Alpha - Romeo - Sierra - Charlie - Hotel - Lima - Oskar - Charlie - Hotel!" Mit "Vollgas" verlässt er die Schleuse. Da ich dies aber von ihm erwartet habe ist bei mir alles ok. 

Um 17:00 Uhr sind meine Leinen im Hafen von Trier Monaise fest. Ich bekomme einen schönen Anlegeplatz neben einem brütenden Schwan. Der Empfang vom Hafenmeister sehr nett. "Falls sie Lebensmittel bunkern wollen, ich fahre sie. Sie können mir einfach Bescheid sagen". Diese Hilfsbereitschaft in den Häfen beeindruckt mich immer wieder. In Kehl fährt der Hafenmeister mit mir in Hundeheime, in Koblenz werde ich zum Fahrradkauf gefahren und hier in Trier kann ich mich einfach melden falls ich gefahren werden möchte. Eine neue Welt. Jeder hilft jedem, mit dem Wissen, dass er nur ein von Herzen ausgesprochenes Danke bekommt. Man weiß auch, ziemlich sicher sieht man sich nie wieder. 

Es gefällt mir hier in diesem kleinen Hafen. Ich werde ein paar Tage bleiben. Nur, wie auch in den vorherigen Häfen, kein W-LAN. Die, die meine Reise verfolgen müssen einmal mehr warten.

http://www.mosel.de

Donnerstag, 10.04.2014    Trier

Heute will ich faulenzen. Einfach alles langsam erledigen was sich eben so ergibt. Das Schiff sollte wieder gewaschen werden. Evtl. regnet es aber morgen Nachmittag. Dies sagt jedenfalls das Radio. Na ja, übermorgen ist auch wieder ein Tag. Wie heißt doch der Spruch... Verschiebe alles auf morgen was du heute nicht erledigen willst... oder so ähnlich!

Das mit dem Schiff waschen ist so eine Sache. Mit Hafenwasser kein Problem. Ein an einer Schnur (bei Seeleuten Leine genannt - alle Einzelheiten über Leinen sind unter DIN 83305 ff. festgelegt) angebundener Eimer (Pütz) wird umgedreht ins Wasser geschmissen und voll an Bord gezogen. Gar nicht so einfach. Üben, üben. Barbara hat mir den richtigen Trick in Griechenland bei meinem Ausbildungstörn beigebracht. Will man sein Schiff jedoch mit sauberem Frischwasser waschen, so kostet das. Bis jetzt gesehen zwischen 5 und 7 €. Oft auch verboten, nur an wenigen Orten gratis. Für's Frischwasser bunkern muss man jedoch nichts bezahlen. Mir kommt da eine Idee. Im nahen Baumarkt kaufe ich mir Gardena-Anschlüsse... und bastle.) 

Zum "Znacht" gibt es Spätzle mit viel Butter, gemischt mit gedämpften, gehackten, geschälten Tomaten. Gekochte Apfelstückli mit mitgekochten Weinbeeren und Zimt und braunem Zucker und Naturjoghurt zum Dessert. Dazu "etwas" Rotwein. In der warmen Abendsonne döse ich (evtl. müde vom "etwas" Rotwein) nach dem Essen auf meinem bequemen Gartenstuhl so vor mich hin als mich ein Schwan weckt. Er sieht sein Spiegelbild im Schiff und er pickt wie wild auf sein vermeintliches Gegenüber ein. Meine Wegscheuch-Versuche ignoriert er. So nehme ich das noch volle Spülwasser-Becken und gieße das Abwaschwasser über ihn. Ob er nun wegen dem Wasser oder wegen des sich noch darin befindendem Pfannendeckels wegrudert weiß nur er. Meine Versuche den Pfannendeckel im trüben Hafenwasser mit einem Magneten wiederzufinden scheitern. Einmal mehr muss ich über mich lachen. Wer verliert schon einen Pfannendeckel mit dem verscheuchen von einem Schwan.

Freitag, 11.04.2014    Trier

Immer und immer wieder bekomme ich gesagt, (schon ab Koblenz) sie müssen unbedingt noch bis Luxemburg fahren und dort Diesel bunkern. Der ist dort viel billiger. Heute rechne ich: ca. 45 Km ab Trier hin, 2 Schleusen. Einen Tag fahren. Hafengebühren für's Übernachten. Ca. 45 Km zurück, wieder 2 Schleusen, wieder einen Tag fahren. Spare ich da wirklich wenn ich den Tank dort für etwa 20€ billiger füllen kann? Ich werde nicht nach Luxemburg fahren. Ich werde mir heute in aller Ruhe Trier anschauen. Am Samstag gemütlich einkaufen gehen und am Sonntag das Schiff bereitmachen um dann Montag früh in vier Etappen wieder Richtung Koblenz zu fahren.

Samstag, Sonntag und an Feiertagen habe ich mir vorgenommen wenn möglich nicht auf dem Wasser unterwegs zu sein. Dann hat es mir zu viel Verkehr Wie auf den Strassen. Für die Tage über Ostern reserviere ich telefonisch im schönen Yachthafen von Winningen, den ich ja schon auf meiner Mosel aufwärts Tour kennen gelernt habe. Der einzige Hafen, den ich an der Mosel zwei Mal anfahren werde. Donnerstag will ich dort sein. Spätestens dann habe ich auch weider eine W-LAN Verbindung.

Samstag, 12.04.2014    Trier

Mein Boot-Nachbar hasst Gänse. Wenn immer er eine sieht (und es gibt viele) rennt er mit einem Flumer (nennt man diese an einem Stiel festgemachten Putzfäden auf Deutsch Mob?) aus seinem Schiff und dann hinter den laut schnatternden Tieren her, verscheucht sie. Trotzdem bauen Gänse neben seinem Boot ihre Nester. Vielleicht um ihn erst recht zu ärgern. Sie können ja wegfliegen und ihn mit seiner Wut am Ufer stehen lassen. Als er einmal nicht aufpasst kommt eine Gans, setzt sich aufs Nest und legt wie ich nachher sehe 2 Eier. Wenig später rennt mein Nachbar mit rotem Kopf auf die Gans los und jagt sie fort. Die Eier will er ins Wasser schmeißen. "Halt", rufe ich "geben sie die Eier bitte mir." "Was wollen sie denn damit?" "Essen" Kopfschüttelnd meint er "Sie essen wohl auch alles." Ich esse nicht alles aber so frische Gänseeier sind eine Delikatesse! Ohne ein Wort zu sagen gibt er mir die Eier. Seinen Ekel sieht man seinem Gesicht an. 

Sonntag, 13.04.2014    Trier

Mein "hinter mir Lieger" ist gerade nicht anwesend. Eine Gans denkt wohl, günstige Gelegenheit. Sie setzt sich auf ihr Nest, legt weider zwei Eier und watschelt weg. Und was mache ich? Ich hole mir die 2 Eier und freue mich aufs Essen. Ich koche Salzkartoffeln, Rüebli und mache aus zwei Eiern Gänserührei, gewürzt mit etwas Salz, Pfeffer und ganz wenig Curry. (siehe Foto) Mmmhhh... Woher ich weiß, dass Gänseeier so gut sind? Als Kind hatte ich einmal Enten und Gänse. 2 Eier spare ich  mir für Ostern. Übrigens, vor eventuellen Salmonellen habe ich keine Angst. So viel ich weiss sind die aussen an der Schale und nicht im Ei. 

Neumagen-Dhron
Rhineland-Palatinate, Germany

14.04.2014    Trier - Neumagen-Dhron    (Mosel-Km 198 - Km 153)

Als ich um 07:15 losfahre höre ich am Funk, dass der Rein zwischen Bad Salzig und Koblenz gesperrt ist. Ein Tankschiff mit 1300 Tonnen Kerosin ist in der Nacht auf eine Sandbank aufgelaufen. Beim Umpumpen hat sich der Havarist quer gestellt und blockiert nun das Fahrwasser. 08:48 wird die Schifffahrt wieder über Funk darüber informiert, dass der Rhein weider ohne Behinderungen befahren werden kann. Etwas später höre ich am Radio, dass das Schiff von 2 Schleppern in Ufernähe gezogen wurde und nun von Tauchern auf entstandene Schäden untersucht wird. 

Es lohnt sich in Neumagen-Dhron einen Stopp zu machen. Ein "härziges" kleines Dorf. Das Weinschiff und seine Geschichte könnt ihr im Internet anschauen. Der Hafen und die sanitären Anlagen  sind sehr sauber. Die Tochter vom Hafenmeister, falsch, es war seine viel jüngere Rumänische Frau, lustig, fröhlich und sehr hilfsbereit. Sie schaut für den ganzen Hafenbetrieb inkl. eines großen Camper Platzes.

http://www.neumagener-weinschiff.de

Merl
Rhineland-Palatinate, Germany

15.04.2014    Neumagen-Dhron - Merl    (Mosel-Km 153 - Km 85)

Beim Kaffee trinken amüsiere ich mich an den auf vielen Hauskaminen sitzenden Gänsen.

Beim passieren der Schleuse Enkirch sehe ich das Tankschiff das letzten Sonntag in der Schleuse einen Brand im Maschinenraum hatte. Am Radio wurde mehrmals ausführlich darüber berichtet. Ein Besatzungsmitglied wurde mit lebensgefährlichen Verbrennungen mit dem Hubschrauber nach Ludwigshafen geflogen. Ein anderes Besatzungsmitglied wurde mit einer Rauchvergiftung ins Spital gebracht. Die Schleuse war 3 Stunden lang gesperrt. Von außen sieht man, dass es in den Kojen der *PIZ LA MARGNA* wahrscheinlich einmal "aus anderen Gründen" ungewöhnlich heiß geworden ist.

Eigentlich wollte ich in Zell bei der berühmten schwarzen Katz festmachen. Die Zeller sind aber für Touristenboote noch nicht bereit. Die Stege die in meiner Karte eingetragen sind fehlen. Ich kann nun zurück nach Briedel fahren (dort sah ich einen schönen Steg) oder weiter nach Merl. In meiner Wasserkarte habe ich alle möglichen Liegestellen markiert. Man weiß ja nie... Ich fahre die 2 Km nach Merl. Im Clubschiff des des dortigen MYC das steuerbord liegt sehe ich Leute. Als die realisieren, dass ich wende kommen sie auf den Steg und helfen mir festzumachen. Nun wird meine Linssen bestaunt. Dann fotografiert. Und als sie das Schiff (ich befürchtete beinahe, dass die noch ins Wasser springen um das Schiff auch von unten anzusehen) fertig bewundert hatten wollten sie alles Technische wissen. Darüber unterhielten wir und dann allerdings im Clubschiff bei ein.. zwei.. ... Bierchen. 

Treis-Karden
Rhineland-Palatinate, Germany

16.04.2014    Merl - Treis-Karden    (Mosel-Km 85 - Km 41)

Alleine bin ich wieder einmal früh am Morgens unterwegs. Irgendwann sehe ich im Spiegel (um den bin ich wirklich sehr froh!) einen Frachter der sich langsam nähert un mich auch langsam mit anständigem Abstand überholt. Bei diesem "Tempo" habe ich Zeit mir das lange "Ding" anzuschauen. Ich muss grinsen und nenne den Frachter für mich *Den Blondinen Dampfer* Obwohl es kalt ist, putzt eine Blondine die Fenster am Steuerhaus. Eine andere Blondine spielt draußen mit einem kleinen Kind und aus dem Steuerhaus kommt ein junger blonder Mann. Am Steuer: eine Blondine. Diese jungen blonden Kapitäninnen scheinen es zu können. (Kapitänin - dieses Wort kann man erst seit 2008 im Duden nachschlagen) Auch sie fährt ihr langes Schiff, die *Queeroy* ruhig und langsam in die Schleuse. Auf dem Foto siehst du wie wenig Platz zwischen Schleuse und Bordwand ist. Nicht ein unnötiges aufwirbeln des Wassers. Die "Fensterputz-Blondine" befestigt das Bug-Tau am Poller bei der Schleuse. "Unten" angekommen bin ich neugierig, wie sie nun das ober angebrachte Tau löst. Ich kann mir nicht vorstellen, dass so eine "zierliche Dame" diese verschlampte, dreckige Leiter (die befinden sich immer in gleichen Abständen in den Schleusenwänden) hochklettert, so wie ich dies von Matrosen oft gesehen habe. Macht sie auch nicht. Ein sehr kräftiger Schwung am Tau der sich bis nach oben fortsetzt und das Tau schwingt über den Poller und fällt zurück aufs Schiff. Kompliment. in der nächsten Schleuse kann ich dieses tolle Kunststück nicht mehr bewundern. Sie hängt um. So wie ich das bei Schleusen ohne Schwimmpoller auch machen muss. 

Winningen
Rhineland-Palatinate, Germany

17.04.2014    Treis-Karden - Winningen    (Mosel-Km 41 - 12)

Ich freue mich auf die schöne Marina Winningen. Wieder ist es kalt. 0° morgens um 06:00 Uhr. Heiser Milchkaffee hilft meinen Hirnzellen aktiver zu werden. Kontrollgang übers Deck. Ups, fast wäre ich ins Wasser geplumpst. Daran habe ich nun wirklich nicht gedacht. Schlittschuhe habe ich vergessen. Das Deck ist mit einer dünnen Eisschicht überzogen. Ich wechsle meine Kleider. Unterhosen, darüber Thermounterhosen, zwei Paar Socken übereinander, Unterleibchen, darüber Thermounterleibchen usw. Ich will trotz der Kälte draußen fahren. Auch am Radio ist die Kälte ein Thema. Die zarten Knospen an den Reben könnten erfrieren.

Bevor ich Winningen das letzte Mal verlassen hatte bunkerte ich Diesel. Füllte den Tank bis ganz oben. Nun bin ich gespannt, wie viel ich bis Trier und zurück verbraucht habe. Der Tankwart fragt, wie viel wollen sie bunkern. Etwa 200 Liter, dann sollter der Tank wieder voll sein. Es sind dann genau 201.22 Liter rein gegangen. (tolles Deutsch) Kostenpunkt 287.54 €. Apropos tolles Deutsch: ich weiß, dass ich beim Schreiben Fehler mache. Vergesse Kommas, dann mache ich wieder zu viele. Nicht nur das. Was soll's... Merken tut das ganz sicher Lea oder Carolina, André und... Verzeiht! Sorry! Ich schreibe trotzdem weiter.

An Steg 2 Platz 15 mache ich nach dem Diesel bunkern fest. Ich habe den gleichen Platz bekommen den ich das letzte Mal hatte.

Schön wieder hier zu sein!     http://www,marina-winningen.com

Freitag, 18.04.2014    Winningen

Ich sitze bei Sonnenschein beim ersten Kaffee und fahre in Gedanken nochmals meine Moselfahrt von Trier bis Winningen. Deutlich sieht man den Wassermangel an der nicht im Wasser endenden Treppe ausgangs Trier. Für diese Jahreszeit haben die Flüsse (wieder einmal im Radio gehört) einen Meter zu wenig Wasser. Über Funk höre ich täglich die Wasserstandsmeldungen. Angefangen wird am Bodensee. Immer weniger wird gemeldet... Dann erinnere ich mich an meine blinden Passagiere. Hin und wieder sitzen Vögel auf das Schiff und fahren eine Weile mit. Lustig anzuschauen war ein Frachter der Kohle geladen hatte und mir entgegen kam. Auf jedem Kohlehügel sass eine Gans. Leider war ich mit meinem Fotoapparat zu langsam. An die Signale auf dem Wasser habe ich mich inzwischen gewöhnt. Was anfangs verwirrend war ist nun logisch. Logisch ist auch, dass man abends im Ausgang nie zu viel trinken darf. Die schmalen Stege zum Schiff lassen kein *Heim schwanken" zu... Sie werden immer schmaler. Ich merke, das ruhige Leben auf dem Wasser überträgt sich auf mich. Ich werde immer ruhiger, gelassener und vieles ist gar nicht mehr so wesentlich. Wurde ich anfangs fast nervös wenn ich keine W_LAN Verbindung hatte und meine täglichen Mails nicht lesen konnte (ich hätte ja etwas Dringendes verpassen können) so ist mir das inzwischen völlig egal. Was ist schon wichtig? Die reichen Bonzen mit ihren GFK-Megayachten die dauernd an ihren Handys herumfummeln und dabei kontaktgestört an ihren Schiff-Nachbarn vorbeilaufen tun mir leid. Ich lebe meinen Spruch: ich bin Rentner, ich habe keine Zeit mehr mich zu beeilen! Und was sagen Seeleute immer wieder: Freiheit gibt es nur auf dem Wasser. Wie wird das erst, wenn ich an der Ostsee angekommen bin? Nächstes Ziel (am Dienstag) ist nun erst einmal Köln.

Ostern 2014

Man lernt sich kennen, spricht miteinander. Ich will nicht wichtig tun aber diese Bemerkung von einem meiner Nachbarn will ich trotzdem schreiben. Nach 3 Tagen meinte er: "Bei ihnen sieht man, dass sie ein absoluter Profi sind. So wie sie auf ihrem Schiff alles eingerichtet haben und wie sie sich auf dem Schiff bewegen. Wir habe sie auch beobachtet als sie angekommen sind. Mit dieser Ruhe mit der sie angelegt haben, die möchte ich auch haben." und ich dachte, wenn der wüsste, dass ich erst seit 2 Monaten auf dem Schiff lebe...

Was ich an meiner Linssen habe merke ich an den folgenden Tagen. Ich erfahre und erlebe "Eigenartiges". Der Neu-Eigner der schräg gegenüber von mir am Steg liegt ist nur am Putzen. Er erklärt mir, dass er dieses Schiff über einen Händler sehr günstig aus Kroatien kaufen konnte und er es nun hier übernommen habe. Es sei sein 2. Schiff. Er wollte ein grösseres Schiff. "Das stellt doch mehr dar. Leider ist es sehr dreckig angekommen. Innen und außen. Ich muss es doch sauber bekommen bevor all meine Freunde kommen um es anzuschauen." Nach 2 Tagen putzen, putzen, putzen sah ich ihn einen *Rundgang" mit einer Werkzeugkiste starten. Schrauben anziehen, Kabel besser verlegen und wie bringt man das Wasser zum fließen...? Es floss auch nach Ostern noch nicht. Eingeweicht hat er sich im grünen Hafenwasser. Fast eine Stunde lang war er im schmutzigen Wasser und befestigte seine wackelnde Badeplattform. Wie er das nur aushält... Der ab und zu aufgetauchte Besuch wurde jeweils mit holen Kreuz und ausgestrecktem (Bier-) Bauch empfangen. Gefahren ist er mit dem Schiff vom Steg zur Tankstelle und zurück. keine 200 Meter.

Ich war am Geschirr abwaschen als ich einen eigenartig dröhnenden Dieselmotor hörte. Neugierig ging ich nach draußen und sah ein Riesenschiff das offensichtlich neben mir anlegen wollte. Unorganisiert liefen ein Mann und zwei Frauen auf dem Schiff hin und her. Der Steuermann nervös am Außensteuerstand. "Wo willst du anlegen?" ruft der Mann. "Ich weiß auch nicht. Dort wo ich eben hinkomme." Was ich in Büchern gelesen hatte und immer als übertriebenen Witz gehalten hatte gibt es also doch. Ich half der Crew beim Festmachen. Der Steuermann kam zu mir und erklärte, dass eine seiner zwei Maschinen ausgefallen sei. Das Getriebe sei festgefahren. Wir haben vor der Abfahrt an der Ostsee nicht nachgeschaut ob noch genügend Öl drin ist. Die zweite Maschine brauche extrem viel Öl. Das müssen wir hier nachfüllen. Das Bugstrahlruder funktioniert auch nicht mehr. Er habe das Schiff an der Ostsee von einer Witwe äußerst günstig übers Internet gekauft. Nun sind wir in 6 Tagen hierher gefahren. Dass das Schiff so groß ist und wir damit in vielen Binnen-Häfen gar nicht anlegen können merkten wir erst jetzt auf der Fahrt. Die Reling war mit dicker Ölfarbe angemalt. Was man sonst an Holz sehen konnte... eher morsch... Während ein Mechaniker von der Werft im Motorraum Öl nachfüllte klebte er am Steuerstand eine Fensterscheibe mit Isolierband fest. Wie kann man nur so einen Schrott kaufen. "Da haben sie sich sehr viel Arbeit gekauft" sagte ich zu ihm. Nun befürchtete ich, dass er anfängt zu weinen. Mit stotterndem, stinkendem, rauchendem Motor verließen sie den Hafen Richtung Flussaufwärts. 

Ein drittes "Schnäppchen" lag am Kopf vom Steg. So ein Angeber-GFK-Boot. Eines der grössten im Hafen. Der Eigner ein eingebildeter Manager Typ. Seine Frau, weißes Kleid in glänzenden Goldbuchstaben der Name irgend eines Designers drauf. So nach dem Motto man zeigt was man hat. Auch er prahlte damit, wie günstig er sein Schiff in Kroatien gekauft habe. Da er das Schiff jedoch nicht selber fahren konnte mietete er einen Skipper. Bei Korsika kamen sie in raue See. Alle Schubladen, inkl. Mikrowelle, Kühlschrank usw. vielen aus ihren Verankerungen. Er sei sehr enttäuscht von seinem Schiff erzählte er meinem Boots-Nachbar. 

Alle drei Schiffe im Internet gefunden und ungesehen "günstig" gekauft - wie kann man nur. 

Cologne
North Rhine-Westphalia, Germany

22.04.2014    Winningen - Köln    (Mosel Km 12 - Rhein-Km 688)

Dienstag nach Ostern.    Winningen ab 07:30    Köln an 13:15

Problemlose schöne Fahrt von Winningen nach Köln.

Am linken Ufer sehe ich einen SBB Reisezug. Ob der sich verfahren hat? Wenigstens fährt er Richtung Norden. Richtung Schweiz.

Hinter diesen modernen Häusern ist der Yachthafen von Köln.

23. & 24.04.2014 in Köln

Der Kölner Dom ist wirklich sehenswert! Verglichen mit den heutigen oft nur viereckigen und fantasielosen Zementblöcken: einmalig eindrucksvoll! Nach einem Stadtrundgang war ich vom Herumlaufen hungrig und durstig. Ich setzte mich vor ein Restaurant bei einem verkehrsfreien Platz unter schatten spendende Bäume. Mich gelüstete es auf ein Hefeweizen-Bier und dazu etwas kleines zum Essen. Nie werde ich den Blick des Kellners vergessen als ich ein Weizenbier bestellte. "Ein Kölsch bekommen sie! Nein anderes Bier haben wir hier nicht." Als er mir das Bier brachte fragte ich ihn ob die ein gut gemeintes Müsterchen ohne Wert sei. Ein kleines Glas mit etwas Bier drin stellte er vor mich hin. Verglichen mit einer Münchner Mass wirklich ein Muster. Wieder bekam ich einen langen fassungslosen Blick, diesmal mit Kopfschütteln der  mir klar machte, dass ich in seinen Augen ein ahnungsloser, unwissender evtl. nicht ganz normaler Tourist aus irgendwoher sein musste. Auf der Speisekarte bekannte Buchstaben mit Wörtern die ich noch nie gelesen hatte. Eine Kellnerin übersetzte dem "seltsamen" Tourist die Kölner Spezialitäten. Von weitem beobachtete uns der Kellner. Wie die Spezialität hieß die man mir brachte weiß ich nicht mehr.  Aber das Essen war ausgezeichnet. Speziell auch (für den ungebildeten Tourist) wenn immer das kleine Biergläschen leer war brachte der Kellner ein neues, frisch gezapftes bis  ich abwinkte. Als ich im Yachthafen mein Kölner Restaurant-Erlebnis erzählte meinten sie: "Sie haben Glück gehabt, dass sie überhaupt etwas bekommen haben. Ein solcher Gast wird in vielen Gaststätten schlicht nicht bedient." Alle lachten.

Duisburg
North Rhine-Westphalia, Germany

25.04.2014    Köln - Duisburg    (Rhein-Km 699 - Km 778)

Die Ein/Ausfahrt der Marina Köln ist etwas unübersichtlich. Auch legen unmittelbar vor der Ausfahrt Hotelschiffe an und ab und behindern die freie Sicht auf den Rhein. Darum meldete ich  mich auf Kanal 10: "Sportboot *LUCKY DUCK* Ausfahrt aus dem Yachthafen Köln-Rheinau Kilometer 687,5 anschließend zu Tal." Das hätte ich besser nicht gemacht. "Der Feind" (der allerdings wie ich später feststellen sollte sehr freundlich war) hört mit... Als ehemaliger Chauffeur hat man den Blick für Polizeifahrzeuge. Kaum war meine "Nase" auf dem Rhein sah ich ein Polizeiboot langsam zu Berg fahren, ein anderew fuhr ebenso langsam zu Tal. Die Ausfahrt des Hafens liegt an der linken Rheinseite. Ich überquerte den Rhein und merkte sofort, dass das Polizeiboot zu Tal nur geringfügig schneller fuhr als ich, dann schneller wurde um auf der anderen Seite mit Bug stromaufwärts mich zu beobachten. Ich kam wieder in die Situation die ich schon einmal erlebt hatte. hinter mir ein sich schnell nähernder leerer Frachter, vor mir ein Hotel-Schiff mit blauer Tafel. Meine Maschine war noch kalt und so hielt ich  mich dicht am rechten Ufer und wartete bis die beiden Schiffe an mir vorbei waren. Sie waren vorbei und nun kam das Polizeiboot unmissverständlich Quer über den Rhein genau auf mich zu. "Guten Morgen. Bitte folgen sie uns in den Hafen!" Den schnellen Polizeibooten kann man nicht davonfahren. Schon gar nicht mit einem  Verdränger wie die Linssen einer ist. Ich folgte. Im Hafen (etwas Rheinabwärts) begrüsste mich der Beamte von der Wasserschutzpolizei nochmals und sagte dann: "Bitte machen sie in aller Ruhe ihre Bootspapiere bereit und ihren Führerschein." Da gab es nichts zum parat machen. Alles ist in einem Ordner griffbereit. Den legte ich in das Netz das mir der Beamte an einer langen Stange entgegenstreckte. Das Polizeiboot nahm etwas Abstand und ich beobachtete wie sich 3 Beamte mit ernsten Mienen (die müssen Beamte wohl in der Ausbildung lernen und dann bei ihren "Kunden" aufsetzen) meinen Ordner langsam durchblätterten. "Alles in Ordnung. Sie können weiterfahren. Gute Fahrt" (mit sehr freundlicher Miene) und er streckte mir die lange Stange mit meinen Dokumenten entgegen. Ich wollte noch wissen, warum ich kontrolliert wurde. "Nur eine Routine-Kontrolle. Sie haben nichts falsch gemacht." Ein freundliches Winken. Das war's. Der Rest der Fahr bis Duisburg problemlos. (Am Ufer von Düsseldorf sehe ich zwei Twerenbold Cars. Ein Weilchen hänge ich in den Gedanken noch an ein paar der vielen schönen Reisen die ich für diese Firma gefahren bin. Wer waren wohl die Chauffeure? Ehemalige Kollegen?)

"Möchten sie lieber einen Platz mitten im Geschehen oder bevorzugen sie einen eher ruhigeren Platz?" begrüsste mich in der Marina Duisburg ein wieder sehr netter Hafenmeister. Wer mich kennt, weiss für was für einen Platz ich mich entschieden habe. 

Auch Duisburg kenne ich von früheren Reisen. Hier will ich endlich mein Internet-Zugangs-Problem lösen.

Eine Lösung habe ich gefunden... teuer. Aber ich bin hier Ausländer ohne Adresse und musste annehmen was man mir anbot. Verglichen mit der Schweiz empfinde ich Deutschland jedoch in Bezug auf Internetzugänge wie ein Entwicklungsland. Am Radio hörte ich, dass Deutschland Milliarden für besseren Empfang investieren will.  

Ich habe mich entschlossen hier in Duisburg auf meine AHV-Rente zu warten. Ob, wo und wie viele Geldautomaten unterwegs in den vor mir liegenden Kanälen zu finden sind weiß ich nicht und der aktuelle Kontostand ist eher "mager". Duisburg mit seinem grössten Seehafen Binnen gefällt mir. Auch sind die Geschäfte die ich zum leben brauche in der Nähe und ausnahmsweise gefällt mir hier die Fußgängerzone. Großzügig, ruhig und breit mit vielen Leuten die ihre Hunde spazieren führen. Auch immer wieder andere Aktivitäten. 

Im LIDL kaufte ich mir einen grausam stinkenden Käse der am verlaufen war. Irgend so ein Französischer Weichkäse. Aber, je mehr sie stinken umso besser sind sie! Als mich Hans-Peter zum Abschied zusammen mit Silas in Basel Besuchen kam brachte er mir einen besonders guten Wein. Diese Flasche wollte ich mir für irgend etwas Besonderes aufbewahren. Hans-Peter, zusammen mit diesem ausgezeichneten guten Käse habe ich die Flasche aufgemacht und war am genießen...

Ich schreibe wieder sobald ich Duisburg verlassen habe. Das wird am Montag den 05.05.2014 sein. 

Folgende Kanäle liegen vor mir:

Rhein-Herne-Kanal  /  Dortmund-Ems-Kanal  /  Mittelland-Kanal  /  Elbe-Seiten-Kanal  /  Elbe-Lübeck-Kanal

Datteln
North Rhine-Westphalia, Germany

05.05.2014    Duisburg - Datteln    (Rhein-Km 778 - Rhein-Herne-Kanal Km 44)

Meine Vorbereitungen für die Tage an denen ich unterwegs bin sind nicht mehr so akribisch genau wie zu Beginn meiner Reise. Die Signale in den Kanälen sind mir nun mehr oder weniger geläufig und was ich unterwegs wissen muss steht in den Karten. So wie früher beim Carfahren. Ich bin froh, dass ich noch gelernt habe Karten zu lesen.

Leinen los um 08:00 Uhr und langsam ab Richtung Schleuse Meiderich. Eigentlich wollte ich  mich in der Ruhrschleuse in die Höhe schleusen lassen aber die wird repariert oder umgebaut. jedenfalls ist kein Wasser drin und sie ist vollgestopft mit Baugerüsten. 

Um 08:50 Uhr Einfahrt in den Rhein-Herne-Kanal der dieses Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert.

Vor der Schleuse kurze Wartezeit auf irgend ein Schiff. In den kommenden Kanälen wird man nur immer mit der Berufsschifffahrt geschleust. Ich durfte hinter einem Tankschiff einfahren. Mit der *URSULA-VALENTIN* schleuste ich in den Schleusen Meiderich, Oberhausen (hier hatte der Schleusenwärter Probleme mit dem Schließen vom Untertor. Mit stoischer Ruhe öffnete und schloss er das Tor bis es nach fast 30 Minuten endlich dicht schloss) Gelsenkirchen, Wanne-Eikel, Herne-Ost. Ich hatte wieder einmal Glück! Wie ich am Funk später hörte, wurde die Schleuse Oberhausen wegen Reparaturarbeiten gesperrt. 

Fast 9 Stunden dauerte die Fahrt für die 56 Km bis kurz vor Datteln. 

In der warmen Abendsonne genoss ich ein Safran-Risotto mit frischen Spargelstückchen und "etwas" Sizilianischen Rotwein. Erdbeeren mit Naturjoghurt zum Dessert. Festgemacht hatte ich in einer kleinen Bucht kurz vor Datteln. Wie viele schöne Örtchen gibt es doch auf dieser Welt.

Etwas war noch ganz besonders an diesem Tag. Beim Warten vor der Schleuse Meiderich schaute ich wieder einmal auf mein Handy das oft fast unauffindbar (andere suchen Schlüssel) irgendwo im Schiff herumliegt. Eine freudige Meldung kam per SMS. Die wartete allerdings schon seit 00:27 aufs anschauen. Ich bin Vater geworden. Hundevater. Mein Hund ist am Abend des 04.05.2014 geboren worden. Ein K-Wurf. Nun finde mal einer einen nicht alltäglichen, originellen Namen mit K...

06.05.2014    Datteln

Ich besichtige das alte Schiffshebewerk Henrichenburg. 

Was man hier sieht kann man wieder einmal nicht beschreiben. Gigantisch was dazumal gebaut wurde. Die noch ohne Computer angefertigten Konstruktionspläne, ich bin beeindruckt. 

http://www.lwl-industriemuseum.de

07.05.2014    Datteln

Bei diesem heutigen Wetter jagt man nicht einmal einen Hund vor die Türe.

Schwarze Regenwolken aus denen es strömt und Wind. 8°. Soll ich bei diesem Wetter weiter fahren? Erst einmal ein zweites Mal Kaffee kochen. Mir fällt dann sicher etwas ein was ich machen könnte. Langweilig ist es mir zum Glück nie. 

LIDL ist in der Nähe. Mal sehen was ich dort finde um etwas speziell Gutes zu kochen.

08.05.2014    Datteln - Dortmund-Ems-Kanal Km 89 

Obwohl das Wetter immer noch nicht besonders schön ist, ich fahre weiter. An einigen Baustellen gibt es immer wieder Wartezeiten weil Kreuzen verboten ist. Eine lange Baustelle ist für mich interessant. Hier kann ich sehen wie Kanäle gebaut werden. Zuerst der Aushub, dann wird der Kanal-Boden Schicht für Schicht wieder eingebaut. Wie die fahrenden Baustellen auf der Autobahn. Nur eben alles vom Schiff aus und im Wasser. Die Arbeiter von jedem Baustellenschiff schauen kurz auf als sie die *LUCKY DUCK* hinter 3 Frachtschiffen mit der Schweizer Fahne sehen. Sie winken. Fröhlich winke ich zurück und denke, in der Schweiz haben mir Straßenarbeiter nie zu gewinkt.

15:15 Uhr. Eigentlich wollte ich bei der Schleuse Münster im dortigen Yachthafen übernachten. Für am Nachmittag ist wieder starker Regen angesagt. Der Hafen passt mir aber nicht. Über das warum mache ich mir wenig Gedanken. Auch ist keine Menschenseele auszumachen und er scheint auch vollständig belegt zu sein. Genau jetzt fängt es an zu regnen. Die Fender zum Schleusen muss ich trotzdem anbringen. Gut ist, dass ich viel Platz habe und keine Schiffe aus der Schleuse kommen. Der nun zusätzlich zum Nass kräftig aufkommende Wind scheint sich mit meinem führerlosem Schiff zu vergnügen. Immer wieder muss ich zum Steuerstand und auskorrigieren um nicht in irgend ein Hindernis hinein getrieben zu werden. Am Funk höre ich auf einmal wie sich ein Sportboot zum Schleusen anmeldet. So wie der spricht muss der ein Schweizer sein. Noch in einiger Entfernung sehe ich ein Segelboot unter Motor mit heruntergelegtem Mast. Alle Fender sind bei mir nun an ihrem Platz und so melde auch ich mich beim Schleusenwärter. "Sind sie das Boot beim Hafen?" Ich bejahe und bekomme gesagt, dass die beiden Sportboote hinter den beiden Frachtern einfahren können. Noch müssen wir warten. Stillstehen ist bei diesem Wind nicht möglich und so fahre ich den Schweizern entgegen. Hallo hin und her. Die dreiköpfige Besatzung steht nass  im Regen auf dem Deck. Ich geschützt unter meinem Dach. Da sie sich vor mir angemeldet haben sage ich ihnen, sie sollen vor mir in die Schleuse fahren. Das wollen sie aber nicht. Ich soll vor ihnen fahren. Aha, damit ich näher bei der Schraube vom Frachter bin denke ich. Macht nichts. Mittlerweile habe ich Übung. Ich fahre also zuerst hinter den beiden Frachtern in die Schleuse und sehe einen Schwimmpoller. Ach wie schön. Ich mache fest. Übrig bleiben Poller zum umhängen. Lange Gesichter auf dem Segelschiff. Da der Frachter vor mir schräg in der Schleuse liegt meinen die Segler, ich soll den Schwimmpoller neben dem Frachter nehmen. "Sie können gerne vor fahren. Ich bleibe hier!" Aber auch sie wagen es nicht neben den Frachter zu fahren. Das Wasser fällt und was ich nun zu sehen bekomme ist Spaß pur! Jeder weiß besser welche Leine zuerst, wo und wann angebracht werden muss. 5 Leinen hängen schlussendlich an den beiden Pollern. Am 1. der jetzt weit oben ist hängen zwei. Die wollen, müssen nun gelöst werden. An der leine die unter der anderen liegt wird nun zu zweit gezogen und gerissen Es geht ein Weilchen bis sich merken, dass einer von ihnen auf dem Schiff auf dem anderen Ende der Leine steht. Weil sie die untere Leine aber zuerst lösen wollen (???) brauchen sie nun zu dritt viel Kraft und zerren laut diskutierend an der immer straffer werdender Leine. Endlich fällt das lose Teil aufs Schiff. Nicht ganz so schlimm aber auch nicht weniger amüsant ging es mit Befehlen von jedem weiter nach unten. Ich durfte vor ihnen aus der Schleuse ausfahren. Sie folgten mir in großem Abstand. Wie erwartet fuhren sie in den in den nächsten Yachthafen. Ich hatte keine Lust mich mit ihnen zu treffen und zu unterhalten und fuhr weiter bis Km 88.9 Dort "campte" ich "wild". Der Frachter *SONJA* machte kurz nach mir ebenfalls hier fest und übernachtete hinter mir.

Luebbecke
North Rhine-Westphalia, Germany

09.05.2014    Km 89 - Lübbecke

Es ist 07:15 Uhr als ich nach dem immer gemütlich getrunkenen "Milchkafi" weiterfuhr.

Mein Tagesziel für Heute: Bad Essen, evtl. Lübbecke. Mal sehen. 

*LUCKY DUCK* von WSP" (Wasser-Schutz-Polizei) höre ich kurz nach der Einfahrt in den Mittellandkanal am Funk. Schon ein Weilchen beobachtete ich das Polizei-Boot hinter mir. "*LUCKY DUCK* hört" "Wir schleichen uns mal eben Backbord an ihnen vorbei." "OK, Backbord" Ich mache Platz denn es kommen Frachter entgegen. Die WSP überholt mich, bedankt sich und bleibt dicht hinter dem Frachter vor mir, der *LELI* Als kein Gegenverkehr mehr kam fuhr die WSP neben das Steuerhaus der *LELI*. Sie wollten wissen, ob der Frachter bei der Einfahrt in den Mittellandkanal von irgendwer behindert wurde. Die *LELI* verneint und die WSP sieht man nicht mehr lange nur noch von hinten. 

Das Wetter von heute gehört eigentlich zum letzten Monat. Typisches Aprilwetter. Was jedoch für uns auf dem Wasser erschwerend dazukam war der sehr starke Wind aus Süd-West. Der Frachter vor mir liegt oft schräg im Kanal und auch ich werde immer wieder auf die linke Kanalseite geblasen. 

Weit vorne sehe ich jemanden mit 3 Hunden am spazieren. 2 große und einen kleinen. Mit dem kleinen stimmt aber etwas nicht. Irgendwie läuft der nicht wie ein Hund. Ich nehme meinen Feldstecher und sehe, das das was ich für einen kleinen Hund hielt eine Katze war. Weitab von Häusern ging eine Frau mit Hunden und Katze spazieren.

Gewöhnungsbedürftig ist auf diesem Kanal das unter den Brücken hindurchfahren. Mehr als einmal war ich nicht sicher ob *LUCKY DUCK* da unten durchpasst und fuhr ganz langsam. Auf die Signale war nicht immer Verlass. Einmal ein Signal mit 3.70 Meter Durchfahrtshöhe. Ich hatte viel mehr als genug Platz. Einmal ein Signal mit 4.25 Meter Durchfahrtshöhe. Meine UKW-Antenne kratzte fast an der Brücke. *LUCKY DUCK* ist mit Dach 3.40 Meter hoch. Lustig die leeren hohen Frachter. Die können ihre Steuerhäuser herunterlassen oder ganz versenken. Dann stehen die Kapitäne (bei Regen mit Regenschirm) im Steuerhaus und schauen nur noch mit dem Kopf aus ihren Steuerständen.  

In Bad Essen scheint kein Mensch anwesend zu sein. Zudem ist die Einfahrt bei diesem Wind und dem nun auch kräftigen Regen ziemlich eng. Bringe ich jetzt alle Fender aus wäre ich nass geworden. In Lübbecke werde ich nass aber es könnte ja sein, dass es dort bei meiner Ankunft nicht regnet... Ich fahre weiter. Noch 18 Km. In Lübbecke fängt es auch an kräftig zu regnen. Aber, haben "die da oben" meine Gedanken und Wünsche erhört? Der Regen beginnt genau in dem Augenblick als *LUCKY DUCK* fest vertäut ist. Geholfen hat mir ein Clubmitglied das mich am Steg begrüsste und mir einen freien Platz zeigte. 


10.05.2014    in Lübbecke

Was hatte Erich mir gesagt? Verlass  dich nie 100% auf die Signale. Ich lerne dazu. Verlass dich auch nie 100% auf die Angaben in den Reisebüchern. Die Ausrede der Autoren,, das hat sich eben seit dem Erscheinen von meinem Buch geändert kann ich mit einem Foto widerlegen. 1 Km bis zum Supermarkt steht da. Alle Einkaufsmöglichkeiten sind in Lübbecke. Hafen bis Lübbecke... 4 Km!

Lübbecke hat mir gefallen. Nichts Besonderes. Aber die kleine Fußgängerzone mit verschiedenen Geschäften (nicht nur Schuhe und Kleider) und das gerade stattfindende Kinderfest waren schön. Und was sehe ich da... vor einem Laden ein wartender Herr mit einem Schnauzer. Ich sprach ihn an und wir hatten ein interessantes "Hundegespräch" Auch er hatte Mühe einen Schnauzer zu finden. Ja, die Mittelschnauzer Pfeffer/Salz sind schwierig zu bekommen. 

Wieder auf dem Schiff sehe ich, dass ich per SMS ein Bild von meinem Hundebaby bekommen habe. Jööö...!

Hanover
Lower Saxony, Germany

12.05.2014    Lübbecke - Hannover    (Mittellandkanal - Km 80 - Km 164)

Ich will weiter. Zuvor spritze ich *LUCKY DUCK* mit sauberem Wasser ab. Der starke Wind hat viel Schmutz vom nahen Wald herangeweht. Mit sauber machen bin ich fertig als es wieder anfängt zu regnen. Den Schlauch rolle ich geschützt unterm Dach auf. Ich warte eine halbe Stunde aber es regnet statt wie gehofft weniger immer mehr. Ohne die Fender zu verstauen fahre ich aus dem Hafen Richtung Hannover. Unterwegs wird es sicher einmal einer Regenpause geben. Dann kann ich die Dinger immer noch an ihren dafür vorgesehenen Plätzen versorgen 

Für mich aus den Bergen sind die Kanalbrücken schon etwas Besonderes. Statt einer Straßenbrücke eine Wasserbrücke. Wieder herrscht Aprilwetter. Zeitweise starker Regen, Windböen, wenig Sonne.

Ankunft in Hannover um 16:30 Uhr. Ich will zuerst Diesel bunkern. Was man hat, das hat man. Das Anlegen bei der Tankstelle gelingt mir erst beim zweiten Mal. Der Wind "spielt" mit *LUCKY DUCK* Auch das Anlegen an dem mir zugewiesenen Platz ist bei diesem Wind nicht ganz einfach, sprich schwierig. Im Hafenbüro bekomme ich bim Anmelden jedoch von den anwesenden "Kapitänen" Komplimente."Wir haben zugeschaut und wir haben sie bewundert wie sie das Schiff so ganz alleine festgemacht haben. Bei diesem Wind." Statt mich zu bewundern hättet ihr mir auch helfen können... denke ich.


Hannover: vom 12.05. - 20.05.

Hannover, eine große Stadt mit sehr vielen Menschen auf den Strassen. Fußgängerzone wie mittlerweile in vielen Städten, stark bevölkert aber auch mit sehr, sehr vielen Bettlern und Obdachlosen mit ihren Hunden. Ich werde mit dieser Stadt nicht "warm".

In einer Buchhandlung suche und finde ich Törn-Bücher. Ich überlege mir einen Abstecher noch nach Dresden zu machen. 

Im Hafen gefällt es mir jedoch sehr gut. So nahe am Kanal braucht es allerdings starke Leinen denn man wird durch den Schwall den die Berufsschifffahrt verursacht immer wieder "stark bewegt". Der sehr freundliche Hafenmeister (früher Berufssoldat bei der Marine) hilft jedem der es nicht selber schafft anzulegen, gibt Ratschläge und kontrolliert jedes Schiff ob die Leinen richtig angebracht sind. 

Einige interessante Begegnungen mit Skippern. Einer der mit seiner Frau 2 Monate in Dresden ohne genügend Wasser unter dem Kiel fest sass. Einem ehemaligen Berufsfischer aus Heiligenhafen der nun als Rentner zusammen mir einem Freund endlich die Binnenschifffahrt kennen lernen will. Schleusen sind für ihn ein besonderes neues Erlebnis. Auch ein Architekt der von Schweden kommend mit seiner Frau und seinen zwei kleinen Kindern in einem Segelboot unterwegs nach Korsika ist. Sie liegen eine Nacht neben mir. Sie verloren in einer Schleuse ihr Ruderblatt, konnten es aber mit sehr viel Glück wieder an Bord fischen. Und noch viele andere für mich interessante Gespräche. Gut gemeinte Ratschläge immer wieder für weitere mögliche Routen. Und immer wieder: "Waaas... sie sind mit diesem Schiff ganz alleine unterwegs? Ohne Frau? Und wie machen sie das in den Schleusen? Mit so einem großem Schiff kann man doch nicht alleine durch die Schleusen fahren". 

Nach all dem was ich nun gehört und in meinen neu erworbenen Büchern gelesen habe entschließe ich mich meinem ursprünglichen Plan nach Lübeck zu fahren treu zu bleiben. In Lübeck warte ich dann auch bis ich meinen Hund bekomme. 

Gedanken mache ich mir schon jetzt wo ich überwintern soll. Nach Jersey oder Guernsey wo ich gerne hingefahren wäre kann ich nicht mehr. Hunde streng verboten. Ob ich es im Herbst mit den starken Herbststürmen bis Norwegen schaffe? Ein Bootsnachbar, halb Schwede halb Norweger meinte ich soll unbedingt hinfahren. "Kauf dir eine Angel. Es wird dir bestimmt gefallen". (Hm, ich werde als wohl oder übel lernen müssen Fische zu ermorden) "Sprachliche Probleme?" "Nein, fast jeder spricht Englisch. Es wird kalt sein, es wird dunkel sein und das Wetter wird im Winter nicht immer schön sein. Aber fahr hin. Du wirst es nie bereuen. Der Winter ist speziell. Und kauf dir noch in Deutschland so viele Lebensmittel wie nur möglich. Vor allem Bier. Nachher wird es teuer."

Auch lerne ich Julia und Ludwig kennen. Sie fahren die *CONCH* Ein großes Schiff das bei seiner Ankunft meine Aufmerksamkeit erregte. Interessiert beobachtete ich ihr Anlegemanöver. Ruhig, ohne Hektik und Geschrei. Das ist nicht selbstverständlich. Einige Skipper schreien ihre ständig wechselnden Befehle oft mit rotem Kopf und mit nicht schreib würdigen Ausdrücken ihren dann eingeschüchterten und unsicheren Frauen zu . Zeitweise schlimm was man da zu hören und zu sehen bekommt. 

Eigentlich wollte ich von der schönen *CONCH* nur ein paar Fotos machen. Ludwig, so stellte er sich vor, kam mir jedoch fröhlich entgegen und ein ungezwungenes Gespräch über Schiffe begann. Über was denn sonst... Schlussendlich wurde ich zum Kaffee trinken auf die *CONCH* eingeladenen. Toll, was man sich alles kaufen kann wenn man Geld hat... Julia und Ludwig sind jedoch völlig normal geblieben und ich hoffe, dass mir die Beiden mit ihrer einmaligen *CONCH* (und der guten Kaffeemaschine) irgendwo wieder einmal begegnen. Ich machte ihnen ein Kompliment betr. ihrem Anlegemanöver. Ludwig sagte mir, dass er das Rumschreien hasse. Sie kommunizieren dabei über Funk miteinander. Julia und Ludwig erzählten mir auch lustig wie Julia einmal ihr Headset bei einem Anlegemanöver für immer verlor. Er versank im Wasser... Ein neues musste angeschafft werden.

Calberlah
Lower Saxony, Germany

20.05.2014    Hannover - Calberlah    (Mittellandkanal - Km 164 - Km 235)

Ruhige und problemlose Fahrt von Hannover bis Calberlah. Nur vor der Schleuse Anderten 1 Stunde und 15 Minuten Wartezeit. Bei Km 235 am Mittellandkanal: Im Hafen von Yacht Club Hoffmannstadt-Fallersleben wird mir ein schöner Liegeplatz zugewiesen und bein Anlegen sind wieder einmal freundliche, helfende Hände bereit. Hier in der Natur gefällt es mir. Ausser den Gebäuden vom Hafen weit und breit einfach nichts... Nach Hannover will ich hier 2 Nächte bleiben. 

Der YCHF ist kein armer Club. Viel Land, ein schönes Klubhaus und schöne, saubere sanitäre Anlagen. Alles in Eigenleistung gebaut und alles sei bezahlt, erklärt man mir stolz. Jedes Clubmitglied hat jeweils eine Woche "Empfangsdienst". Der Hafenmeister ist, weil noch Berufstätig, erst ab ca. 17:00 Uhr anwesend. 

Ich möchte wieder einmal in einem Restaurant essen und frage wo das hier möglich ist. Der "Hopfenspeicher" im nahen Dorf Calberlah wird mir empfohlen. Dieser Hopfenspeicher ist wirklich ein nicht nur originell eingerichtetes Restaurant. Die Begrüßung und die Bedienung sehr freundlich. Extra für mich wurde ein Tisch in eine Ecke geschoben von wo aus ich das ganze Restaurant überblicken konnte. Noch nie bekam ich ein so großes, saftiges und gutes Wienerschnitzel. Und ich esse auswärts öfter und gerne Wienerschnitzel. Die Portion die ich bekam war so riesig, dass ich trotz großem Hunger nicht alles aufessen konnte. In der Schweiz eher nicht üblich, hier in Deutschland sei dies jedoch an vielen Orten selbstverständlich, mir wurde das nicht gegessene eingepackt und mitgegeben. Zufrieden, sehr zufrieden radle ich zurück zum Schiff. Anderthalb Mal zurück. Unterwegs verliere ich meine Jacke die ich am Strassenrand liegend wieder finde. 

So gut habe ich schon lange nicht mehr geschlafen. Manchmal, im Halbschlaf höre ich in der Ferne Frösche quaken. Wie schön...


21.05.2014    Calberlah

Ein schöner, ruhiger Tag erwacht. Bis 32° warm soll es laut NDR Info werden. Beim Radio hören der beim Morgenkaffee immer eingeschaltet ist wundere ich mich bei den Verkehrsmeldungen immer wieder darüber, was so alles auf den Autobahnen verloren geht und dann den Verkehr behindert. Von abgefallenen Stoßstangen bis aktuell ein großes Fass. Einfach alles was es gibt. Dachboxen, LKW Ersatzreifen, Kotflügel, Tiere, Blachen, Kinderwagen, Fahrräder, Anhänger, Koffer und und und...

Ich spaziere dem Kanal entlang bis zur nächsten Schleuse und genieße das nichts tun. Am Nachmittag koche ich wieder einmal Kartoffeln und Rüebli. Dazu Rührei. Diesmal leider nicht mit Gänseeiern. Zum Trinken gibt es Weizenbier das ich im Klubrestaurant bekommen habe. Ich döse nach dem Essen in meinem bequemen Stuhl und höre, dass ein Schiff kommt und anlegen will. Normalerweise helfe ich. Aber als ich sehe, dass es die "TIME OUT" aus Holland ist bleibe ich sitzen und schaue zu. In Lübbecke haben diese bornierten Holländer mich nicht beachtet als ich ankam und einen freien Platz suchte, geschweige denn geholfen. In Hannover war ich ebenfalls Luft für sie als ich wieder nach ihnen ankam. Wieso soll ich denen nun hier helfen.

Am späten Nachmittag bringt mir der Hafenmeister eine Fahne vom Club. Ich freue mich und sie wird sofort befestigt. Schön sieht sie aus.

Lauenberg
Schleswig-Holstein, Germany

23.05.2014    Calberlah - Lauenburg    (Elbe-Seitenkanal 120 Km)

Es ist 06:00 Uhr als ich den schönen Hafen von Calberlah verlasse. 5 Minuten später bin im im Elbe-Seiten-Kanal. Ich sinniere: immer weider sage man mir, der Rhein sei langweilig. Warte mal bis du in den Kanälen bist dann  ist er erst richtig schön. Eigentlich finde ich es bis jetzt gerade umgekehrt. Der Rhein bis Duisburg fand ich toll und abwechslungsreich. Zum Teil auch anspruchsvoll. Die Kanäle (bis jetzt) sind schön auch schön aber das Gegenteil. Ruhig! Links und rechts meist bewaldete Uferböschungen mit hin und wieder mal Spaziergänger, oft mit Hunden. Auch vereinzelt Velofahrer. Nach über 500 Km Bäume anschauen... Ich freue mich auf Lübeck.

Vor mir ein schönes altes Schiff das ein wenig langsamer fährt als ich, davor ein Frachter. Ich überhole und bleibe hinter dem Frachter. Nach einer Weile winkt mir der Kapitän und deutet mir, ich soll ihn backbord überholen. Über Funk sage ich ihm, dass ich noch warte bis ich weiter voraus sehe. Wir fuhren in einer langgezogenen Kurve. Als die Sicht frei war überholte ich. Etwas später sah ich, dass das zuvor von mir überholte Sport-Schiff nun auch zum überholen des Frachters ansetzte. Sofort kam jedoch vom Kapitän des Frachters die Warnung über Funk: Gegenverkehr. Der Skipper reagierte nicht, blieb mit geringem Geschwindigkeitsunterschied neben dem Frachter. Irgendwann realisierte er er wohl, dass er es nicht schaffen würde den Frachter zu überholen. Der entgegenkommende Frachter war schon gefährlich nahe. Vermutlich nahm er nun wie beim Autofahren das Gas weg. Aber jetzt geriet sein Schiff in den Sog vom Frachter. Das Boot stellte sich quer. Nun gab er vermutlich wieder (zu viel) Gas und das Boot fuhr geradeaus in die steinige Uferböschung, wurde zurückgeworfen und stand hinter dem  Frachter immer noch quer und wurde nun auf die andere Uferböschung gespült. Diesmal wurde das Heck durch die Uferböschung angehoben. Armes Schiff! Die Biersaufende Crew tat mir weniger leid. 

Ein ärgerliches Erlebnis hatte ich in der Hubschleuse Lübeck. Vom Schleusenwärter verkam ich nach kurzer Wartezeit am Steg für Sportboote über Funk mitgeteilt, dass ich hinder dem Frachter "GENIUS" einfahren könne. Wie in den vorangegangenen 38 Schleusen wartete ich, bis der Frachter festgemacht hatte und das Wasser etwas ruhiger war. Ich fuhr in die Schleuse. Als ich vom Außen-Steuerstand weg war und seitlich backbord die Leine am Poller anbringen wollte schaltete der Frachter voll sein Seitenstrahlruder ein. 


Luebeck
Schleswig-Holstein, Germany

26.05.2014    Lauenburg - Lübeck    (Elbe-Lübeck-Kanal 61 Km)

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