Ein halbes Jahr in Florence, South Carolina

Ich werde ein halbes Jahr in Florence South Carolina leben und euch mit meinem Blog über meine Erfahrungen auf dem laufenden halten

Sonntag 28. September 2014:


Heute ist mein letzter Tag vor dem Flug in die USA. Meine Sachen für die Luftfracht und somit mein iMac sind schon seit Freitag weg. Der Koffer ist gepackt und so bleibt mir an diesem schönen Sonntag noch etwas Zeit, um mich auch von meiner gewohnten Umgebung zu verabschieden. Ich fahre mit dem Fahrrad nochmals nach Basel um den Rhein, Basel und Roche Bau 1 zu fotographieren. Es könnte ja sein, dass einige US Kollegen daran mal Interesse haben. 

Natürlich will ich nach den 60km gestrampel auch müde sein und eine halbwegs ruhige und normale Nacht verbringen. 

Montag 29. September 2014, in Basel


Heute ist der Tag an dem es Ernst wird. Das Radeln vom Vortag hat super genützt. Fritz und Hanni stehen pünktlich vor der Tür und ab geht es in dunkler Nacht. Wir haben viel Zeitreserve und sind kurz nach 7 Uhr am Flughafen. Ich schlendere mit meinem Koffer durch die Hallen und sehe plözlich Clement, dann Jan, dann Christian und auch Rose-Marie schaut hinter dem grossen Christian hervor. Ich bin völlig perplex und gerührt sie alle hier zu sehen. Geschenke gibt es auch  noch: Ein Poster von Basel und ein Survival Buch. Nochmals tausend gute Wünsche und dann gehen sie an ihre gewohnte Arbeit. Mit Mami wird es etwas sentimentaler. Ihr Geschenk ist ein kleiner Schutzengel. Es fällt mir schwer mich von ihr zu trennen. Fritz ist geistig schon bei seinem nächsten Engagement: Herbsten.

Montag 29. September 2014, Flug nach München

Mit Verspätung geht es nach München. Wir starten hinten heraus nach Basel, plözlich dreht sich das Flugzeug in eine enge Kurve und ich bin voller Glück als ich merke, dass wir an Schliengen vorbei fliegen. Schnell mache ich Bilder vom Rhein, von Schliengen, vom Blauen und vom Belchen. Das Licht ist fabelhaft.


Montag 29. September 2014, Flughafen München

In München dann dicker Nebel (deshalb die Verspätung), die Lounge ist nur eine normale Halle mit ein paar Bildern und Monitoren. Es gibt Weisswurst, Fleischkäse und Brezeln. Ich habe aber noch keinen Hunger.  


Die Maschine ist gross. Business Class ist ganz nett. Das Essen ist gut (3 Gänge) und so ist man erstmal eine Weile beschäftigt. Danach wird es aber trotzdem recht öd. Von der Filmauswahl hab ich vieles schon gesehen, der Rest ist nicht von Interesse. Der Flug dauert 10 Stunden, es sind immer Wolken bis Charlotte unter uns. Der Flug war super ruhig, kaum ein Zucken der Maschine. 


Am Zoll geht alles sehr profesionell. Meine Dokumente sind gut und der Taxifahrer wartet bereits auf mich. Sehr schnell komme ich mit dem jungen Mann ins Gespräch. Ich bin einfach mal vorne eingestiegen!! Er ist ein Albaner, 30 und seit 15 Jahren in USA. Er erzählt viel von sich und wie er die Amerikaner, Albanien, Europa und alles andere  sieht. Er studiert Wirtschaftswissenschaften in Charlotte und das Taxifahren bringt Geld. Ich schaue immer wieder auf die Umgebung aber langsam versinkt alles in finsterer Nacht. Die 2 Stunden von Charlotte nach Florence vergehen jedenfalls im Flug. 


Ich bin sehr angetan vom Zimmer/Apartment im Residence Inn, gehe aber sofort zu Bett. Es ist 10 Uhr bei mir und könnte morgens um 4 Uhr in Basel sein. 


Dienstag 30. September 2014. 


Heute sind organisatorische Dinge geplant. Als erstes hole ich mein Auto am Flughafen in Florence ab. Ein Taxi bringt mich da hin. Wieder steige ich vorne ein und sofort beginnt wieder ein Gespraech. Ein Schwarzer (politisch korrekt?), geboren in Florence: bei ihm muss ich schon genauer hinhören.  Ich frage ihn wie man in USA mit den Automatic Wagen fährt und er schaut erst ganz verdutzt, lacht dann aber: Easy, nur aufpassen, dass der linke Fuss schläft. Er gibt mir an jeder Kreuzung ganz wichtige Tips, natürlich auch zu Florence. 

Ich bekomme einen Toyota Camry/rot metallic. Das Fahren klappt wirklich auf Anhieb, aber ich bin noch recht wacklig unterwegs. Zum Glück geht es zurück zum Hotel fast nur gerade aus. 


Als nächstes habe ich einen Termin mit einer Dame von Relocation. Zuvor gab es mit dieser Firma einen Konflikt. Die entsprechende Person wurde ausgetauscht und jetzt also habe ich eine Neue. Man sieht deutlich, dass ihre Hände in den ersten Minuten Zittern und ich habe auch ein schlechtes Gewissen. Sie übergibt mir einen Ordner und wir gehen gemeinsam mehrere Wohnungen anschauen. Und siehe da, sie hat da doch einige Wohnungen mehr im Angebot. Ich bin sehr froh über ihr Engagement und entscheide mich aus gutem Grund für eine der neuen Wohnungen. Ich lobe Jennifer ausgiebig für ihre Hilfe und ihr Zittern ist schlagartig weg. Wir gehen spät gemeinsam Mittagessen und danach eröffnen wir ein Bankkonto. Ich freue mich auf die neue Wohnung. Da dies jedoch dauert, muss ich wohl länger im Hotel bleiben. Da es noch hell ist, fahre ich mit dem Auto noch zur Roche. Zum einen ist dies Neugier aber auch deutsche Vorbereitung auf morgen (1. Oktober, 1. Arbeitstag). Ich bin noch sehr deutsch!!

Mittwoch 1. Oktober 2014. 


Erster Arbeitstag: Chris (Chef von Quality Control) stellt Abteilung und Aufgaben vor (auf dem Papier). Marelou (Gruppenleiterin) übernimmt mich und saußt mit mir zu Kollegen und Labors. Der erste Stapel Arbeitsanleitungen/SOPs landet ausgedruckt auf meinem Tisch. Für die kommenden Tage/Wochen wird dies mein trocken Brot sein, unterbrochen nur von Trainingskursen und online Trainings. Ich habe ein kleines Büro. Mittags ist auch schon mein Computer da. 

Donnerstag 2. Oktober 2014


Chris hat mich gebeten etwas über mich zu schreiben (Ausbildung, Hobbies) und er veröffentlicht das umgehend per mail. Es dauert keine 10 Minuten und es kommen fast gleichzeitig zwei deutschsprachige ältere Herren in mein kleines Büro. Joachim und Ernst. Beide sind seit den späten 90er Jahren hier. Von Ernst werdet ihr noch viel hören, denn er kümmert sich väterlich um mich. Ich hänge mein Baselposter auf. Später kommen noch mehr Leute, um mich Willkommen zu heissen und das Poster erregt grosses Interesse. So kommen schon die ersten Gespräch zustande.

Hier noch ein paar Fotos von der Site: Es hat sich eine grosse Gruppe Kanadagänse auf dem Areal eingerichtet. Ich finde die Tiere so lange herzig, bis sie mir mal die ganze Windschutzscheibe verscheissen. 


Samstag, 4. Oktober 2014, Gartenanlagen und Skulpturen


Es wird Zeit die Grenzen von Florence mal zu sprengen. Es sind ungefähr 1.5 Stunden östlich bis zum Meer. Das ganze Gebiet heisst Myrtle Beach; sowohl als Stadt als auch als County. Die Stadt reizt mich noch nicht, denn sie soll extreme touristisch sein. Ich will lieber ans Meer. 


Schlußendlich lande ich aber dann zuerst in den  Brookgreen Gardens. Es ist ein Schau- und Skulpturengarten. Kunst und Natur; wie gemacht für mich. Von superreichen Leuten einsmals angelegt und gefördert. Heute einer der angesehensten in ganz USA.

http://www.brookgreen.org/


Schon geübt durch unseren England-Urlaub schlendere ich durch die verschiedenen Abteilungen und es beginnt die erste Foto-Orgie. Durch die Sonne sind die Kontraste zwar sehr hoch, aber lieber nochmal etwas ausprobieren und nochmals abdrücken.

Das Zeug, das da in den Bäumen hängt ist: Spanish Moss. Kein Parasit, sondern eine Symbiose.

Samstag, 4. Oktober 2014, Boat Tour

Im Garten kann man auch Führungen mitmachen. 
Pontoon Boat Rides und The Oaks Plantation History and Nature Tour mache ich mit. 

Die Bootsfahrt ist toll. Es geht hinaus in die Sümpfe. Wir sehen Schildkröten (Turtles) und sogar ein Krokodil (Aligator).


Samstag, 4. Oktober 2014, Oak Planration History and Nature Tour

Für die andere Tour braucht man zugegebener Maßen viel Phantasie. Hier wird gezeigt, wie die Gegend besiedelt und die Sklaven gehalten wurden (haben die Gegend mal steinreich gemacht). Tatsächlich ist es aber nur eine Waldfahrt. Erstaunlich ist das Verhalten der übrigen Ausflugsteilnehmer, denn sie kommentieren die Ausführungen der Tourleiterin überschwänglich mit “great”, “wonderful” und natürlich “amazing”. Ich schmunzle natürlich, ahme das Gesehene aber schnell nach, denn das macht das Leben enorm viel einfacher. Wirklich gut erhalten ist nur die Grabstätte einer Farmerfamilie.

Sonntag, 5. Oktober 2014

Da man an einem Tag längst nicht alles sehen kann und weil das Ticket 7 Tage gültig ist, bin ich am Sonntag nochmals in den Garten gefahren. 

Auf dem Gelände findet gleichzeitig noch ein Harvest Home Weekend Festival statt. Kinder malen Kürbisse an und die ganze Familie baut Strohmänner. Wie ein Spion schleiche ich um die Leute bis ich freundlich angesprochen werde, um Bilder zu machen. Die stellen sich in Pose. Jeder rennt da mit einem Smartphone rum und alle fotografieren und filmen sich gegenseitig. 

Sonntag, 5. Oktober 2014, Huntington Statepark, Beach

Am späten Nachmittag bin ich aber dann doch noch zum Strand im Huntington Statepark gegangen. Ich bin eine Stunde am Starnd entlang spaziert, aber wie man sehen kann, kam grad die Flut. Dahinter beginnt auch gleich der Sumpf. Da darf man nicht so leichtfüssig durch die Gegend latschen. Ich hab eh noch zuviel Schiss vor den Viechern. 

Mittwoch, 8. Oktober 2014, Einzug in die Wohnung

Heute darf ich in die Wohnung einziehen. Ich habe schon alle Sachen in meinem Auto und warte bis Jennifer aus North Carolina kommt. Ich bin begeistert von der Wohnung, wie ich es wollte bin ich in einem der Häuser auf dem Gelände im obersten Stock, so dass mir keiner auf dem Kopf rumhampelt. Die Wohnung ist sehr schick. Alles sieht tadellos aus. Trotzdem macht Jennifer unzählige Mängelfotos und füllt ein mehrseitiges Formular aus. Sie nimmt das sehr genau, so als würde sie selbst einziehen. Tatsächlich findet man an fast jedem Möbelstück und an den Wänden kleine Kratzer. Ich bin froh, denn sonst wären das beim Auszug wohl meine Schäden. Insgesamt dauert das alles ungefähr 2 Stunden. Dann hole ich meine Sachen im Auto und sause zurück zur Roche. 

Schönere Bilder gibt es hier: http://www.reserveatmillcreek.com

Einige Kleinigkeiten werde ich aber noch kaufen müssen. Ernst rät mir zu Walmart zu gehen (ist gleich um die Ecke, 2 Meilen) und dort bekomme ich tatsächlich alles. 

PC Tisch; 55 $, Bürostuhl: 30$, Lampe; 15$ mit Birnen, Balkon Stuhl: 15$, Balkon Tisch: 10$. Alles feinstes "Made in China" aber ausreichend für 6 Monate. Nichts ist natürlich am Stück, sondern in rechteckigen Schachteln verpackt. Vor dem Stuhl habe ich Angst ihn zusammenzubauen und beginne gleich mal damit. In 15 Minuten steht das Ding und ist sogar in der Höhe verstellbar! Für den PC Tisch muss ich nochmals zurück und einen Schraubenzieher kaufen. Meine ersten Versuche mit dem Küchenmesser sind nicht erfolgreich. Amerikanische Convinience/ Einfachheit,Bequemlichkeit; langsam mag ich das.

Mein Auto hat sich weiss verfärbt. Nach dem Gartenausflug leuchtete eine Lampe gelb auf. Ich bin zu Avis gefahren und man sagte mir, dass ich in eine Schraube gefahren bin. Das Lämpchen zeigt: wenig Luft. Jetzt hab ich einen weissen Camry. 

Alles was ich sonst noch brauche, gibt es in angemessener Reichweite. Walmart hat eben auch Lebensmittel, sonst gibt es viel näher noch einen Bi-Lo. Das Angebot ist natürlich riesig und es gibt erstaunlich viele europäische Produkte. Anfangs habe ich noch Käse vermisst. Jetzt bekomme ich diesen aber von Ernst persönlich geliefert. Er hat eine Karte von einem Grossmarktgeschäft und dort gibt es das erschwinglicher. Zwei Sorten hat er mal vorgestellt und an diesen gibt es nichts zu meckern. Jetzt muss nur noch meine Luftfracht eintreffen und ich bin eingerichtet. 

Ich greife mal vor: Alle meine Pläne gehen auf. 

Grosse Erleichterung als der iMac mit dem Kabel der Agilent-Techniker problemlos läuft. 

Meine Sonos Streamingbox für Musik bereitet mir für 2 Abende richtig Arbeit, aber auch das bekomme ich dank der Hilfe von Radioshack in den Griff. Der Lautsprecher Play1 hat einen schöneren Klang als iMac, iPad oder iPhone und vor allem habe ich jetzt auch die deutschen Radiosender (Baden FM/SWR3). Mit den 6 Stunden Zeitverschiebung habe ich halt immer das Nachteulen Programm.


Samstag, 10. Oktober 2014


Florence Octoberfest: ein Tip von Ernst. Ich bin schon nach 5 Uhr da und eigentlich etwas enttäuscht. Die Party Meile ist grad mal knapp 100 Meter lang (ist Teil einer Strasse) und die bauen erst auf. Man kauft Coupons, es gibt zwei Sorten Octoberfest Bier und verschiedene deutsche? Spezialitäten. Hinten und vorne gibt es eine Bühne. Für beide einen abwechselnden Spielplan.


Punkt 18 Uhr geht es dann auf der unteren Bühne mit einer Country Band los. Schnell kommen immer mehr Leute. An der oberen Bühne sind einige Leute in bayrischer Tracht zu sehen. Sie gehören zur Musikkapelle, die auf der grossen Bühne spielen wird. Bald treffe ich Joachim, Ernst, Christiane und Niroo. Wir kaufen uns mit den Coupons was zu essen, trinken Bier und lauschen den volksmusikalischen Klängen. Die Kapelle ist aus North Carolina und spielt bekannte deutsche Volkslieder ("1-2-3 Gsuffa"und ähnliches). Es gibt Alphorn, Kuhglocken, Jodler, Schuhblattler und Polonaise. Einige Paare tanzen Walzer. Für so weit vom Schuss ist es eine sehr beachtliche musikalische Leistung (Gesang !!), obwohl das ja gar nicht meine Musik ist. Wir sitzen hier bei fast 30 Grad in T-shirts und kurzen Hosen. Ich mag es sehr, nur gehe ich nach 9 Uhr wieder heim. Mit Alkohol hier zu fahren ist nicht ratsam. Um 10 Uhr ist dann eh Schluss. Das werde ich noch öfter sehen. Alles ist zeitlich terminiert. Gefeiert wird von…bis. Ich mache mehr Videos mit dem iPhone als Bilder. Leider kann man die Videos hier nicht einstellen.

Donnerstag, 16. Oktober 2014, Florence Fair

Ernst schickt mich heute an eine Fair. Ich gehe gleich nach der Arbeit und schlendere im Hellen über den Jahrmarkt. Zunächst bin ich wieder enttäuscht, weil mir die Bahnen sehr alt vorkommen. Als ich an einer ratternden Mini-Achterbahn stehe, fällt mir aber wieder ein, dass genau dies wohl die Attraktion ist. Alles fast wie im Historischen Museum. Das ist natürlich keine Absicht. Nicht überall ist Disney. Natürlich Essen ohne Ende...
Mein Highlight sind aber die 3 Schweinerennen. Leider habe ich davon nur Videos.

Was ich toll finde. Man bezahlt 20$ Eintritt und kann dann alle Bahnen unbegrenzt benutzen. Sehr familienfreundlich.


Samstag, 18. Oktober 2014, Blue Ridge Mountains, Ox - Ford Farm

Dieses Wochenende will ich in die Blue Ridge Mountains. Ein Mittelgebierge wie Schwarzwald und Vogesen. Man muss 4 Stunden dorthin fahren, deshalb starte ich schon am späten Freitag Nachmittag und werde 2x Übernachten. Ich mache diese Tour, weil ich die Herbstverfärbungen fotografieren will und nicht weil ich Sehnsucht nach den Bergen habe. Jeder sagt man muss unbedingt nach Asheville. Das ist so wie Titisee im Schwarzwald. Meine Planung wird jedoch fast gestoppt, weil ich keine (erschwingliche) Unterkunft in Asheville finden kann. Vieles ist ausgebucht und bei den Preisen bleibt mir schier der Atem stehen, teilweise bis zu 500 $ die Nacht. Nun: da kann Ernst weiterhelfen. Er ist jedoch sehr zögerlich und gibt jede Menge Vorwarnungen. Also…

Es gibt in der der Nähe von Asheville eine historische Farm. Die Farm wird von einer alten Dame geleitet. Dr. Hapke ist 86 und deutschstämmig. Sie war mal Ärztin (Lungenkrankheiten) und hat sich mit der Farm zur Ruhe gesetzt. Wo ist der Hacken?....

Dr. Hapke ist extrem streng und nimmt mit ihren Meinungen und Äusserungen kein Blatt vor den Mund. Sie liebt ihre Tiere abgöttisch. Es gibt mehr als 10 Pfauen, 3 Hunde, 2 Highländer Rinder, Hühner, Enten, Kühe.....

Die ganze Erscheinung ist höchst verwunderlich. Sie geht mir gerade mal bis etwas mehr als zu den Ellbogen.  Läuft aber gerade und ohne Stock, hat eine sehr gepflegte Frisur, die Kleidung ist normal praktisch. Das Ansprechen als Dr. Hapke ist voller Ernst. Das sagt sie dir schon am Gartentor. Ich durfte sie natürlich nicht fotografieren. 

Da die Farm historisch ist, ist auch das ganze Interieur alt, aber trotzdem geschmackvoll und sauber. Natürlich gibt es viel Plüsch und Plunder, aber man braucht eine gewisse Zeit bis man den Wert der Sachen erkennt. Viel Gesticktes auf Kissen, Bildern und Deckchen. Puppen und Wandteller aller Art. Vieles Geschenke von früheren Patienten. Sie hatte Besuch von einer Freundin namens Ruth (ehemaliger Gast), so Ende 50, eine Kümmererin.

Meine Vorteile sind ganz klar: Ich reise alleine und bin Deutsche. Ich war immer zum Abendessen eingeladen. Ich weiss nicht, ob das auch im Interesse von Ruth war. Am Samstag dauerte unsere Unterhaltung dann bis nach Mitternacht. 

Da bekommt man dann so die tollsten Meinungen zu hören. Wir reden fast nur über Politik und Gesellschaft. Für mich ein Traum. Beispiel von Ruth: Obama ist der Untergang für die Nation: islamistisch erzogen und von langer Hand geplant in das Amt gebracht, um Amerika zu ruinieren !! Dr. Hapkes Schwerpunkt liegt mehr auf der Erziehung und Bildung, die heute ganz klar verrottet ist. Aber sie doziert eigentlich nicht. Es sind nur immer wieder diese krassen Statements, die durch den Raum sausen. Ein Spektakel.

Ausser meinem sind noch 2 andere Zimmer belegt. Eine Frau mit ihrer schon älteren Tochter (~18). Diese wurde natürlich sofort nach ihrer Ausbildung gefragt. Es stellte sich heraus, dass sie wegen einem Drogenproblem in ein Internat geht (Boarding school). Dr. Hapke erzählt von einer jungen Bekannten, die auch auf diese Schule ging und vergisst natürlich nicht zu erwähnen, dass die Mutter die Ursache für das Drogenproblem des Kindes war. Beide rauschen umgehend auf ihr Zimmer ab.

Dann gibt es noch eine Mutter mit ihren 2 Töchtern (5,12). Die 12 jährige ist nach Dr. Hapkes Meinung auf einem guten Weg. Für die Kleine ist aber aus welchem Grund auch immer bereits alles gelaufen. Ich fand sie nur schüchtern mit gelegentlichen spontanen Aktionen (fängt an zu tanzen oder singen). Dr. Hapke hat aber beschlossen, dass sie sich tunlichst von ihren Tieren fernhalten muss. Das wäre nicht gut für die Tiere. Künftiger Spitzname der Kleinen : the bread, das Brot. Ruth und ich zucken nur die Schultern. Ich darf/muss den Esel füttern !

Das Zubereiten des Frühstücks ist eine spezielle Zeremonie. Endlich steht dann nach 10 Uhr alles auf dem Tisch und man darf mit dem Frühstück beginnen. Aber: das ist wirklich der Hammer. Alles von Dr. Hapke selbst gemacht mit ihren Farmprodukten. Ich sag jetzt mal nur Eier und Pfannkuchen. Weniger begeistert bin ich allerdings, dass ich am Samstag erst gegen 12 Uhr von der Farm weg komme.

Am Sonntag dränge ich dann aber doch zur Eile und will um 10 Uhr abfahren (Sage ich schon am Samstag abend). Das Haus ist bereits leer, weil alle anderen Gäste zur Kirche gehen. Jeder in eine andere versteht sich. Sie haben vereinbart nach der Kirche bei Dr. Hapke zu Essen. Statt Frühstück dann Lunch. Somit ist klar, dass auch ich um 9:30 ein Kotelett mit Bratkartoffeln bekomme !! Ich muss aber sagen, das Gericht war wieder voll klasse. Das Fleisch: ein Traum. Ich hätte jedoch gerne wieder Pfannkuchen und Griesbrei wie am Samstag gehabt. 

Im Nachhinein muss ich sagen: Es war wichtig, dass Ernst mich vorbereitet hat. So war ich mehr Beobachter als Akteur.   Dieses Wochenende werde ich wohl im Leben nicht vergessen. Trotzdem ich habe extrem viel Respekt vor ihr und ich hoffe sie bleibt noch lange gesund. 

Sonntag, 19. Oktober 2014, Parkway


Durch die Blue Ridge Mountains führt eine Autostrasse, der Blue Ridge Parkway. Auf dieser Strasse fahre ich am Samstag Richtung Süden und am Sonntag Richtung Norden. Ich bin total begeistert und bekomme eine Vorstellung von der Grösse dieses Landes. Ich habe extra noch bei einem Tourist Center angehalten, hab mir eine Detailkarte geholt und mir Highlights für Nord und Süd einzeichnen lassen. Aber ich mache am Samstag den Fehler, dass ich an fast jeder Parkbucht anhalte. So kommt man natürlich nicht weit. Am Mount Pisgah kann man eine kleine Tour auf den Gipfel machen. Der schöne runde Berg heisst "Looking Glass Rock" und ist ein Klettergebiet. Später bleibe ich bis zum Sonnenuntergang an einer exponierten Stelle (Richland Balsam, 6047ft), wo mir allerdings auf 1800 m Höhe plötzlich sehr kalt wird. Dutzende von Fotografen stehen in Reihe mit ihrer Hammerausrüstung und fachsimpeln miteinander. 

Am Sonntag ziehe ich aber wirklich durch, halte mich (fast nur) an die Highlights, denn ich will unbedingt noch zum Linn Cove Viaduct und um 2 will ich mich wieder auf den 4 stündigen Heimweg machen. Schlussendlich wird es dann fast 4 Uhr und um 9 Uhr bin ich wieder in Florence. Die Heimfahrt noch voll in Gedanken an Dr. Hapke und an die Farben der Berge.


Ich muss allerdings zugeben: Dieses Jahr ist ein schlechtes Jahr für die Verfärbungen (Dr. Hapke: this year the colors are awful/ hässlich). Es hat lange geregnet und es gab schon Frost. Somit war es mehr braun als rot. Seht selbst.

Wikipedia: Blue Ridge Parkway: 

Verlauf: Die Straße beginnt am nördlichen Ende am Rockfish Gap in Virginia und schließt dort an den Skyline Drive, der durch den Shenandoah-Nationalpark führt, an. Sie windet sich etwa 469 Meilen (755 km) in südlicher Richtung und endet im Gebiet des Great Smoky Mountains National Park und der Indianer-Reservation der Cherokee.

Ich habe nur einen sehr kleinen Teil befahren. 

  • Small
    K_und_D hat am kommentiert:

    Danke für die Fotos! Sieht sehr eindrücklich aus, selbst wenn die Farben nicht so optimal waren - es fällt nicht auf.
    Die Unterkunft bei der Frau Doktor war wohl wirklich sehr speziell :-)

Freitag, 24. Oktober 2014, Zombie Walk und Florence after five

Im Rahmen von Halloween gibt es nächstens viele Veranstaltungen.

Um 19 Uhr startet ein Zombi Walk an der Bibliothek von Florence und führt rüber zu "Florence after five".  Da wo das Oktoberfest war, spielen wieder Bands. Man trifft sich dann zum Essen und Trinken. Ich treffe natürlich Ernst mit Frau und Kindern und Niroo. Später gibt es in einem Lokal um die Ecke noch eine nette R&B Band. Gegen 22 Uhr gehe ich allerdings wieder heim. Mein einziger Wunsch ist jetzt langsam wirklich mal ein ruhiges Wochenende. 

  • Small
    K_und_D hat am kommentiert:

    Coole Make-ups.
    Bin dann mal auf deine Fotos von Halloween gespannt. An Motiven sollte es nicht mangeln. Kannst dich dann ja mit der Kamera unter die Trick-Or-Treaters mischen :-)

Samstag, 25. Oktober 2014, Fitness

Heute bin ich erst mal brave Hausfrau.

Um 13 Uhr gehe ich zum McLeod Fitness Studio (Maclaud gesprochen). Dahinter beginnt ein so genannter Rail Trail. Da war mal ein Bahngleis durch einen Wald, das hat man entfernt und die Strecke geteert. Ich laufe den Trail in voller Länge. Mein iPhone zeigt 2,5 km. Hin und her 5 km. Die Amerikaner sagen 5k für 5000m. Ich will das nochmal machen, um 10k zu machen. Bei 7,5 k ist jedoch Schluss: Muskelkater in den Oberschenkeln! Sowas hatte ich noch nie. Scheisse. Ich bin doch viel Rad gefahren und gewandert, da hat man doch keine so scheiss Schmerzen, wenn dann erst am anderen Tag. Ich laufe den Rest fluchend zurück. Ich bereue meine Anmeldung bei "Run like a nut" für kommenden Samstag. Geremia von Roche hat mich dazu eingeladen. Wieder eine Veranstaltung in Florence.

Der Rail Trail ist sehr beliebt, die wenigsten Joggen aber. Die zumeist Älteren laufen einfach in hyper sportlichem Outfit (iPhone am Arm, Mütze,...), man schiebt Kinderwägen oder geht Händchen haltend.

Nach dem Fiasko gebe ich noch meine Anmeldung im Studio ab.

Am Sonntag schmerzen meine Beine immer noch, aber nicht schlimmer. Ich mache nochmals einen Versuch und eigentlich geht es ganz ordentlich (vielleicht ist es ja nur der Rost von 3 Wochen nix tun). 6k in 43 Minuten bei 23°C ist aber Mist. 

  • Small
    gabrielle briswalder hat am kommentiert:

    ICH Habe Erst Heute Zugriff ins Permondo, Habe Aber Keine Bilder, Leider Nicht Sichtbar.
    ICH Sehe es Gefällt Dir Gut, Das ist Schön. Der Schreibst Uns Sehr Viele Interessante Sachen. Danke
    Alles GON Und pass Auf Dich Auf. Großer Schmutz.Gaby

Ich schreibe jetzt bei Blog weiter, dann müsst ihr nicht dauernd so weit nach unten scrollen.

  • Small
    gabrielle briswalder hat am kommentiert:

    Danke

  • Missing
    sylvie hat am kommentiert:

    Hallo Ute, Bis das Erte mal auf deinem Blog. Ganz ganz toll machst du das! Die Fotos sind super. Du hast das falsches Beruf gewählt. Nein Du kannst schon ein Raum reservieren (wenn du schon bist bei uns!) Für eine Fotos austellung ..... und ein Ausflug Planen nach Florida: Weihnachtszeit ist es Traumhaft ........ Wünsche Dir alles Gute Beste Grüsse Sylvie

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