Oregon, Washington & Grizzlies auf Vancouver Island Juni/Juli 2012

3 Wochen durch den Nord-Westen der USA. Regenwald, Steilküste, kaltes Meer und farbige Berge. Am 4th of July eines der größten Rodeos der USA und anschließend noch 1 Woche zum Grizzlies-Gucken nach Kanada!

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Vee Bee Small

1 Monat ist vorbei!

Der Frühstücksraum ist schmal, dreckig und laut und ich hole mir eine trockene Scheibe Toast und zwei Becher Tee und gehe in mein Zimmer, um dieser Umgebung zu entfliehen. Um 10.00h versuche ich nochmal bei Henning und Martina in Florida anzurufen, aber die sind sicher am Strand, da es bei denen 14.00h ist. Also schleppe ich meine Gepäckstücke runter zur Rezi und werde nach einer kurzen Shuttle-Fahrt um 10.30h am Airport rausgesetzt. Wieder ist der Ausstieg ganz am Anfang des Airports und jeder, der mit der LH fliegt muß durch den kompletten Terminal gehen. Also die rote Tasche (ohne Rollen aber mit 14-15 Kilo) über die Schulter, den Handgepäck-Rucksack auf den Rücken und die Rollentasche kräftig gezogen. Das geht immer 20-Meter-weise, bis die rote Tasche von der Schulter rutscht. Bis ich bei der LH bin, bin ich schweißgebadet und habe Rückenschmerzen.

Einchecken, 70$ für das zweite Gepäckstück zahlen (nächstes Jahr 150$) und dann habe ich nach 30 Minuten weiterer Wartezeit die Security überstanden. Bis zum Abflug sitze ich in einem Holz-Schaukelstuhl, der aussieht, als hätten die Shaker diesen mal irgendwann gebaut.

Der Rückflug verläuft ruhig, schlafen kann ich ohnehin nicht, aber der Sonnenaufgang vor Frankfurt ist schön.


Seattle-Tacoma International Airport
Washington, United States
Vee Bee Small

Bye-bye Vancouver Island!

Da ich kurz nach 6 Uhr wach bin, stehe ich vor dem Weckerklingeln auf und bin um kurz nach halb acht aus dieser seltsamen Wohnanlage verschwunden. Bei Tim Horton’s hole ich mir etwas oatmeal und einen guten Kaffee sowie eines der tollen Yoghurts und fahre von dort um halb neun maximal gestärkt ab. Der Transcanada Highway No. 1 ist heute meine Straße – irgendwo am Ende würde ich bei Nikki in der Nähe von Toronto rauskommen, wenn ich nur so um die 6.000 Kilometer weiterfahren würde.

Mir reichen aber gut 60km bis Victoria, wo ich auf den kleineren Highway 17 nach Norden abbiege und nach weiteren 20km den kleinen Ort Sidney erreiche. Über dem Meer hängen tiefschwarze Wolken. Ich sehe die Abfertigungs/Ausreise-Anlage vor dem Fährterminal, fahre nochmal kurz durch den kleinen Ort, da es erst 10.00h ist. In einer Bäckerei hole ich mir eine Käsestange, wenngleich die Erdbeer- und Blaubeertarts viel leckerer aussehen…

Am Fährhafen ist nix los und ich kann meine Restschuld vom seit Monaten reservierten Fährticket in Höhe von 10 CAD bezahlen und rolle vor zur Passkontrolle. In einer Mini-Holzbude, die eher an einen Kaffee-Drive-Thru erinnert, sitzt ein Amerikaner, der mich nun fragt, wie lange ich in den USA bleiben will und gibt sich mit meiner Antwort zufrieden, ohne nach Lebensmitteln oder Krankheiten zu fragen. Die Frage nach Waffen, die die Kanadier mir vor einer Woche bei der Einreise gestellt haben, ist den Amis natürlich völlig wurscht. 90 Minuten vor der Fährabfahrt bin ich in meiner Autoreihe in der Warteschlange und da das Wetter wieder etwas netter wird, kommt mein blauer Beach Chair hier ein letztes Mal zum Einsatz, sehr zur Freude umliegender Autofahrer. Um halb 12 beginnt das Loading und ich fahre auf die Fähre.

Diese Fährroute ist bewußt von mir gewählt worden, weil sie schöner und anders ist, als die, die ich letzten Samstag gewählt habe. Letzte Woche ging es mir um die zügigste Verbindung, heute habe ich aber Zeit und habe mich für eine schönere Route durch die Inselwelt entschieden. Die Fahrt ist dann auch wirklich traumhaft. Zunächst hängen noch Nebelschwaden über dem Wasser und man kann unterhalb der weißen Wolke das blaue Wasser sehen,  und darüber den blauen Himmel. Ggf. sind die Wolken aber auch wieder Rauch aus Sibirien, denn zeitweise sind sie gelblich gefärbt. Etliche Segelboote sind unterwegs zwischen den kleinen und kleinsten Inseln. 

Die San Juan Islands sind noble Wohnorte. Es stehen da Häuser, deren schiere Ausmaße sprachlos machen. Dann kommt majestätisch Mount Baker ins Blickfeld und dieser Moment wird vom Captain angekündigt, so dass alle mit Kameras in die Pole Position gehen. Etwa 200 Kilometer trennen uns von diesem Koloss und daher ist die Sicht nicht ganz klar, aber es ist ein beeindruckendes Panorama. Um kurz nach 14 Uhr bin ich in Anacortes/Washington und somit wieder in den USA. Schwarze Wolken ziehen auf und in den entfernten Bergen zucken Blitze. Na super! Nach der Ausfahrt von der Fähre gibt es noch eine Passkontrolle. Die Frau hier will sogar das ausgedruckte ESTA-Formular sehen! Gut, dass ich das mal gemacht habe, wenngleich überall steht, man braucht keinen Ausdruck. Sie fragt, wie lange ich bleiben will und dann kann ich weiterfahren. Anacortes ist schnell durchfahren. Ich hole mir an einer Straßenecke an einem Obststand eine Schale Himbeeren. Daneben steht eine Beeren-Sorte, die eine Kreuzung zwischen Him- und Blaubeeren und fast doppelt so groß wie Himbeeren. Mir schmeckt das Probeexemplar nicht so gut und ich freue mich über Himbeeren, die aussehen wie gemalt.

Nun fängt es auch an zu regnen – willkommen im Evergreen State Washington! Bei Tulalip fahre ich vom Highway 5 ab, etwa 50 Meilen nördlich von Seattle. Ich sause schnell durch das Outlet und überlege, ob ich mir neue Wanderschuhe kaufen soll, entscheide mich dann aber für zwei T-Shirts. Am Auto fange ich im Kofferraum an, alle Klamotten besser auf die zwei Taschen zu verteilen und wiege beide vor Ort. Die mit Rollen hat 23 Kilo, die andere 16 und somit noch Platz…Aber die ist trotz des geringeren Gewichts extrem schlecht zu dirigieren. Ich packe drei Hosen und ein paar T-Shirts ins Handgepäck, fahre ein paar Meilen weiter zu einem Outfitter, der aber auch keine wirklich guten Wanderschuhe hat und entscheide mich nach Sea-Tac zu fahren, wo ich heute ein letztes Mal nächtigen werde. Es gewittert, kracht, schüttet und blitzt und ich stehe nun auch noch im Stau. Um kurz nach 19.00h erreiche ich endlich das Hotel, checke ein, sammele alles aus dem Auto, schleppe meine sieben Sachen ins Zimmer und fahre etwas essen. Dann auftanken und zur Auto-Rückgabe. Die Frau freut sich über meinen blauen Beach Chair und die etwa 10 CDs, die ich vor dem Urlaub gebrannt habe. Zu Fuß laufe ich zum Hotel, das auf der anderen Seite der Kreuzung liegt. Um 21.30h fange ich nochmal an, umzupacken, damit in beiden Taschen maximal viele gebrauchte Klamotten liegen und der Zoll nicht auf dumme Gedanken kommt…

Fahrtstrecke: ca. 240 km plus 63 Kilometer Fähre von Sidney/British Columbia nach Anacortes/Washington State


Anacortes
Washington, United States
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Ruhe am Lake Cowichan und ein blödes Hotel

Vor 9 Uhr sitze ich schon im Auto und fahre zum MacMillan State Park, in dem riesige alte Bäume stehen. Die ältesten sind um die 800 Jahre alt, der höchste ist 76 Meter hoch. Der Wald ist schön und ruhig, wenig Besucher um diese frühe Stunde! Der Wald erinnert an die zahllosen anderen Wälder, die wir an der Küste von Oregon gesehen haben. Nach einer Stunde guter Waldluft fahre ich weiter Richtung Süden. Da nirgendwo erkennbar war, ob die Straße, die durch die Hügel zum Lake Cowichan führt wirklich asphaltiert ist oder nicht, entscheide ich mich dann doch für die Fahrt über den Highway 19 und erreiche schon vor 12.00h mittags mein Tagesziel. Es ist etwas blöd, am Lake Cowichan einen ruhigen Platz zu finden, vorzugsweise noch mit Toilette. Entweder es teht der Wald bis ans Wasser und selbiges ist unzugänglich, oder aber es sind Privatgrundstücke. Ich fahre bis Halfmoon Bay und wieder zurück und finde dann neben einem Campingplatz eine nöffentlichen Badeplatz. Leider sind hier am See auch die Campingplätze mit Schranken versehen, so dass man – anders als in den USA – nicht einfach den Zugang nehmen kann. Mein blauer Beach Chair erweist sich einmal mehr als genial und ich sitze rund 2 Stunden in der Sonne und lese. Der Badeplatz hier füllt sich jedoch mit sehr laut quatschenden Müttern und ihren noch lauter kreischenden und heulenden Kleinkindern und ich fahre um 14.30h dort weg.

Entlang des Nordufers komme ich zu einem Ort, der den lustigen Namen Youbou trägt. Hier endet die offizielle Straße. Hätte ich vorhin den Weg durch die Hügel genommen, wäre ich hier rausgekommen. Allerdings hört die Asphaltierung ein paar Meter weiter auf und es steht hier ein Schild, dass die nächsten 100 km keine Schilder oder Pflege der Straße erfolgen und ich sehe schon 30 Meter weiter die ersten großen Löcher in der Straße. Also war die Entscheidung für Hwy 19 vorhin goldrichtig. Hier wäre ich mit meinem Auto nicht weitergekommen. Ich finde zwischen Wohnhäusern in Youbou einen öffentlichen Zugang zu einem Badeplatz mit Steg und klappe einmal mehr meinen blauen Stuhl im Schatten einer riesigen Pinie aus.

Ab 16.00h kommt die Sonne nochmals raus und ich fahre um 18.00h los nach Duncan, wo ich heute übernachten will. Der Weg von 40km ist kein Thema. Ich fahre auf einer Straße, die auch den allseits präsenten log trucks, den LKWs mit Tonnen geschälter langer Baumstämme, als Straße dient. Die Wunden, die man hier in die Wälder an den Hängen geschlagen hat, sind riesig und Umweltaktivisten haben die Straßenschilder, die offiziell vor den log trucks warnen mit eigenen Parolen überklebt. Dass es hier überhaupt diese Warnschilder gibt, ist schon paradox. Diese log trucks sind meist mit einer affenartigen Geschwindigkeit, deutlich über der erlaubten Grenze, unterwegs, was sicher nicht der Sinn der Warnschilder sein kann.

Ich verfahre mich kurz und finde dann aber um 19.00h das sog. „Rosedale Manor“. Auf Google Street View ist das noble Nachbarhaus abgebildet, mein „Manor“ (Herrenhaus) ist die schäbige Bude daneben. Das einstöckige Haus mit Holzschindeln und abblätternder Farbe an den Balkons hat vier Eingänge. Am sogenannten Haupteingang gibt es eine Liste mit Wohnungen und deren Telefonnummern. Daneben eine Telefontastatur mit Gegensprechanlage. Nur welche Wohnung habe ich? Meine Online-Reservierung bei booking.com sagt dazu nichts. Es gibt zwei Telefonnummern für „möblierte Apartments“, deren 12stellige Telefonnummer ich für eine Viertelstunde abwechselnd in die Telefontastatur neben dem Klingelbrett eingebe, ohne, dass sich auch nur ein Hauch einer Reaktion ergibt.

Glücklicherweise kommen kurz darauf andere Leute an, die hier wohnen und bieten mir an, mich ins Haus zu lassen. Na gut, notfalls schlafe ich eben im Flur. Im Hauseingang gibt es ein Münztelefon! Der nette Kanadier wirft zwei Quarter ein und wählt eine der Nummern, die draußen für die furnished apartments standen. So komme ich nach gut 30 Minuten Sucherei wenigstens mit der Verwaltung in Kontakt, die meint, dass ich 30 Minuten vorher hätte anrufen müssen und dass booking.com das nie jemandem mitteilt und sie von denen auch nicht meine email-Adresse erhalten habe. Aha…!

Nun warte ich also nochmals eine Viertelstunde bis die Putzfrau mit dem Wohnungsschlüssel kommt und mir eine große Ferienwohnung öffnet. Bei der Abrechnung mit der Kreditkarte will sie 200 Dollar, ich habe aber eine Bestätigung für 100$ und sie meint nun, booking.com hätte mich für 2 Nächte eingebucht. Gut, daß ich den Ausdruck der Buchungsbestätigung dabei habe, wo selbst für Nicht-Deutsch-Verstehende die Daten und der Preis unzweifelhaft lesbar sind. Also zahle ich nun 100 Dollar und sie bringt mir noch eine Flasche Wein. Wir verstehen uns : - )

Um 20.00h hocke ich dann endlich beim Abendessen um die Ecke bei Boston Pizza und gönne mir ein großes Bier. Gut, dass der Weg zum Haus nicht weit ist. Richtig fahrtüchtig bin ich jetzt nicht mehr. Die Wohnung hat eine Mini-Terrasse, auf der ich bis zum Dunkelwerden noch sitze und den Wein ausgiebig „teste“. Bin früh im Bett.

Fahrtstrecke: 240 km


Lake Cowichan
British Columbia, Canada
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Per Boot durch das Alberni Inlet bis Ucluelet

Irgendwie wache ich leider um 5.00h auf, stehe aber erst um halb 7 auf. Der Fön ist kaputt und ich melde das an der Rezi. Irgendwie sind hier bad vibrations, denn mit der Technik haben die hier ein Problem…Ich kriege schnell noch einen Kaffee im Stehen im Hotel und fahre zu dem rund 100 Jahre alten Schiffchen, mit dem heute die Tour stattfindet. Davor werden jetzt jede Menge Plastikcontainer von Kayak-Fahrern verladen, weil das Schiff zur Sechart Lodge fährt, einer Basis für Kayaktouren in der Broken Group of Islands. Das Wetter ist heute morgen leider nicht gut und das, was wir als Morgennebel wähnen, verflüchtigt sich nicht wirklich. Irgendwann sitze ich mit meiner Fleece- und Regenjacke in einer geschützten Ecke und lese. Es ist echt kalt. Wir sehen in der Ferne Wale pusten und einige Weißkopfseeadler hoch oben in den Tannen am Ufer sitzen.

Um 13.00h erreichen wir Ucluelet und haben eine Stunde Zeit zum Rumlaufen. Der Ort ist klein, sehr sehr klein und ich bin rasch durchgelaufen, hole mir einen Kaffee und einen Hotdog und gehe zum Schiff zurück. Der Ort liegt an einem steilen Hang und es bietet sich von oben ein schöner Blick über das Alberni Inlet. Überall fliegen Weißkopfseeadler umher und auf einem Anleger sonnt sich ein dicker Seehund.

Um 14.00h geht es auf einer etwas anderen Route durch die Broken Group zurück nach Port Alberni. Bevor wir aber in ruhiges Gewässer kommen, gewährt man uns einen Blick auf den Pazifik. Die Wellen brechen sich an einer vorgelagerten Felskante, dem Pacific Rim. Die Broken Group hat über 400 Inseln, nur 100 haben Namen. Manche sind aber auch nur bessere Felsen mit einem Baum – wer wollte sich dafür auch noch Namen ausdenken?! Die Rückfahrtstrecke ist wunderschön und der zugezogene Himmel nervt jetzt noch mehr beim Ablichten dieser Kulisse, die im Sonnenschein ein absoluter Traum wäre.

Plötzlich sind Wale vor uns. Der Kapitän stoppt die Maschinen und alle hängen mit ihren Kameras im Anschlag an der Reling und lichten das Buckelwal-Pärchen ab. Ab 17.00h scheint dann endlich die Sonne, aber es weht weiterhin ein saukalter Wind. Um 19.15h sind wir in Port Alberni. Ich setze mich noch einen Moment zum Auftauen in die Sonne, gehe dann zu Walmart, weil Himbeeren und Bananen alle sind und suche mir ein Restaurant, das nur mittelmäßiges Essen hat. Um 21.30h bin ich im Hotel. WLAN geht wieder nicht und der Fön ist auch nicht ausgetauscht.


Ucluelet
British Columbia, Canada
Vee Bee Small

Küste und Inland von Vancouver Island

Ich bin um halb sieben wach und stehe gemütlich kurz vor 8 auf. Frühstück findet heute natürlich statt und ist richtig gut mit oatmeal, Rührei und Pancakes sowie gutem Kaffee. Bei Nieselregen fahre ich um 9.00h los, hole in der Post noch schnell Briefmarken und kriege eine Einkaufstasche geschenkt! Dann geht’s los in Richtung Süden. Zunächst fahre ich im Dunst und bei knapp 60°F (ca. 16°C) auf dem Highway 19, den ich auch hier hochgefahren bin. Es ist die einzige Straße, die von Nord nach Süd geht. Querstraßen führen entweder irgendwo in den Busch oder zu einem Haus, nicht aber an die Westküste bzw. von dort weiter nach Süden.

Nach etwa 45 Meilen – die Sonne hat sich mittlerweile heraus bequemt – fahre ich auf einen Parkplatz und laufe einen kleinen Trail. Es sieht aus, als sei hier 100 Jahre keiner mehr gelaufen. Schöne Aussichten auf das andere Ufer in rund 700m Entfernung und die dahinter liegenden Schneeberge. Der Weg ist oft von hohen Birken gesäumt. Ich habe heute mutig meine Sandalen angezogen und stelle fest, dass das hier nicht das optimale Schuhwerk ist. 

Von Campbell River aus fahre ich auf der alten Küstenstraße weiter und komme durch nette Orte und habe schöne Blicke auf die Küste und vorgelagerte Inseln sowie die Schneeberge auf dem Festland. Natürlich ist diese Strecke jetzt etwas langsamer zu befahren, als der Highway, aber es ist schön. Ich passiere einen Pfosten, der den 50. Breitengrad nördlicher Breite markiert, also eigentlich bin ich gar nicht so weit nördlich, wie gedacht. 

Comox ist ein netter, sauberer Ort, wo offenbar ziemlich viel Geld sitzt. Das schöne Städtchen ist umgeben von einem fruchtbaren Tal und liegt an einer Bucht mit einer hübschen Marina. Ich laufe ein wenig auf dem Boardwalk herum und mache mich dann aber weiter nach Süden auf und fahre bei Qualicum Beach dann eine Querverbindung nach Westen zum Highway 4, der am Pazifik endet. Aber so weit fahre ich jetzt nicht. Es geht nun durch die Berge, aber nicht sehr hoch. Um 16.30h checke ich ins Howard Johnson in Port Alberni ein, werfe meine Sachen ab und fahre zum Büro der Schiffsgesellschaft, mit der ich morgen eine 11stündige Bootstour durch das Alberni Inlet und die Broken Islands sowie nach Ucluelet machen werde. Schnell bezahle ich mein Ticket (74 CAD) und kriege noch einen Parkschein für morgen früh. So kann ich morgen mindestens 10 Minuten länger schlafen und brauche all das nicht mehr zu erledigen.

Die Läden entlang des kleinen Hafens sind leider alle zu. Eine Bude, die offen hat, verkauft fish&chips und ich hole mir ein Stück gebratenen Kabeljau, der extrem gut schmeckt. In einem Supermarkt hole ich mir Himbeeren und Bananen und ein Joghurt, damit ich morgen auf der Bootstour was zum Futtern habe. 

In meinem Zimmer funktioniert das WLAN nicht und ich sitze gebückt auf einem Stuhl neben der Rezeption, wo die Verbindung einigermaßen ist. Als ich nach einer halben Stunde wieder auf dem Zimmer bin, geht der Fernseher nicht. Ich also wieder runter an die Rezeption und die nette Dame kommt mit ins Zimmer und stellt an der Fernbedienung mit 8.000 Knöpfen alles richtig ein. Ich köpfe den aus den USA noch mitgebrachten Wein und lade sämtliche Akkus auf, die ich so habe. Morgen werde ich auch wieder mit allen Jacken fahren. Nachdem ich vorhin den Blick auf das Boot von morgen geworfen hatte, entscheide ich meinen blauen Beach Chair mitzunehmen. Auf dem offenen Deck scheint es mir auf Bänken maximal 30 Plätze zu geben. Das Schiff nimmt aber bis 200 Leute mit. Keine Ahnung, wieviele da morgen auftauchen, aber ich will wenigstens in der Sonne sitzen können,  sofern selbige denn scheint. 


Port Alberni
British Columbia, Canada
Vee Bee Small

Bootstour mit Grizzlies - Teil 2

Um kurz nach 6 sitze ich im Auto. Heute fahren wir mit 9 Leuten auf dem Boot. Der Skipper ist Marc unser gestriger Guide Lindsay ist nicht da, dafür fährt Daryl mit, die noch besser erklärt. Leider sieht das Wetter heute gruselig aus. Es ist zwar ein wenig wärmer mit 57°F (etwa 14°C) aber die Wolken sind dicht und hängen tief. Weder einen Weißkopfseeadler noch einen Wal sehen wir heute auf der Strecke. Nur ein paar Delphine begleiten uns zeitweise. Die Grizzly-Mutter mit ihren Jungen hält sich weiterhin in der Gegend auf. Heute ist sie zwar etwas weiter weg, wandert dann aber vor unserem Boot über eine schmale Landzunge auf eine Art Insel und wir haben auf unserem treibenden Boot die allerbeste Position für die Beobachtung und Fotos. 

Die Sonne kommt heraus und die hohen Berge sind nur noch in einem Schleier verborgen – vermutlich von diesen Feuern in Sibirien. Die beiden Jungen toben nun auf einem Baumstumpf herum. Der eine versucht immer den anderen runterzuschmeißen und der, der oben hockt versucht mit allerlei Tricks seinen Posten zu verteidigen. Echt witzig zu beobachten.

Kurz vor unserem Umstieg auf das Skiff sehen wir noch den jungen Bären, den wir auch gestern gesehen haben. Es ist ein etwa 2,5 Jahre altes Weibchen, die – laut Aussage von unserem Guide – bisher mit ihrem Bruder unterwegs war. Mit dem Skiff geht’s nochmals dichter an diese Bärin heran, aber ansonsten gibt’s keine Fahrt mehr auf die andere Buchtseite, wie gestern, als wir dort den Nerz entdeckt haben.

Die Bärin, die gestern so fotogen vor uns gebadet hat, hat sich weit nach links auf eine große Wiese verzogen und ist nur mit dem Tele oder einem der Ferngläser zu sehen. An Bord ist für jeden ein stark vergrößerndes Fernglas für die Fahrt vorhanden! So geht die Fahrt wieder zurück nach Telegraph Cove, ich nehme wieder meinen Stammplatz achtern und draußen ein und sitze erneut in der jetzt scheinenden Sonne und genieße den Fahrtwind und die tolle Aussicht. Nach fast 2,5 Stunden bin ich fast taub von dem Geknatter des Bootes und froh, als wir anlegen. 

In Telegraph Cove ist es einfach nett. Ich hole mir einen Kaffee, setze mich draußen vor den Laden und bleibe fast zwei Stunden dort in der Sonne siezten. Ich beobachte die Boote, die Freizeitfischer, die ihre riesigen Fische an Land bringen und direkt dort auf bereitstehenden Tischen zerlegen und in ihre Eisboxen packen. Um 18.00h schließt hier allerdings alles und ich fahre los in Richtung Hotel. Allerdings komme ich nur etwa 2 Minuten weit, als ich neben mir in den Himbeeren und dem dazugehörigen Dornengestrüpp einige ausladenden Bewegungen wahrnehme. Ein Schwarzbär versucht dort eifrig, die Beeren zu ernten. Man sieht mal seinen Kopf, mal den Rücken und hört Zweige brechen und ihn genervt brummen. Offenbar ist die Beute nicht so einfach zu kriegen. Irgendwann rutscht er mitsamt einiger Büsche den Hang runter und neben meinem mittlerweile stehenden Auto auf die Straße. Er brummt mißgestimmt vor sich hin, läuft weiter, guckt sich nochmal kurz um und entscheidet sich für den nächsten Busch – und ist weg.

Keine 200m weiter steht ein black tailed deer am Straßenrand und futtert ebenfalls an den Büschen. Hoffentlich hat der seine Sensoren wegen des Bären ausgefahren…Das bleibet es aber auch an Tieren heute, obwohl ich noch 50km nach Süden und zurück fahre, in der Hoffnung am Straßenrand doch noch etwas zu entdecken. 

Die Sonne geht traumhaft schön unter, die Mücken spielen im Licht und lassen mich in Ruhe. Eine wunderschöne Landschaft, überall hohe Berge mit Schnee, etliche Seen, Wald und so gut wie kein Verkehr. Wirklich traumhaft. Nur eine Panne möchte ich hier oben nicht haben…Um 21.00h bin ich in Port McNeill und hole mir rasch ein Sandwich und ein Bier, gehe ins Hotel und falle auf mein Bett. Morgen kann ich endlich mal ausschlafen! Juhuu!


Knight Inlet
British Columbia, Canada
Vee Bee Small

Bootstour mit Grizzlies - Teil 1

Um 5.15h ist eine ohnehin unruhige Nacht zuende. So richtig entspannt kann man nicht schlafen, wenn man nicht verschlafen darf. Ich dusche, trotz aller Duft-Warnungen, ansonsten komm ich gar nicht in die Gänge. Vom Hotel hab ich ja die kleine Snack-Tüte und esse noch kurz das Yoghurt und mach mich um kurz nach 6 auf den Weg. Die Temperatur sagt 47°F, das sind gerade mal gut 8°C. Der Himmel ist noch bewölkt, für den Tag ist ein verhangener Himmel angesagt, weil in Sibirien riesige Waldbrände wüten und der Rauch im Jet-Stream nach Osten weht. 

Telegraph Cove ist ein echt niedliches Flecken, was aus historischen Holzhäusern auf einem Boardwalk über dem Wasser der kleinen Bucht besteht. Eine hübsche Marina mit vielen kleinen Booten, ein paar alte Läden, ein Café, das noch nicht auf hat, das ist es dann auch schon. Dennoch verliebe ich mich in dieses Nest und es wird einer der nettesten Plätze sein, die ich in meinem Leben besucht habe.

Die Tour läuft mit 11 Leuten aus, das Boot hätte Platz für 12. Mit Vollgas zischen wir durch eine traumhafte Berg-Insel-Landschaft, das Wasser spritzt links und rechts am Schiff entlang. Nach 10 Minuten sehen wir Orcas, kurz darauf Delphine und auf einer Insel hoch oben in den Bäumen auch Weißkopfseeadler.

Nach rund einer Stunde erblicken wir die erste Grizzly-Bärin, die mit ihren zwei Jungen auf den Steinen am Ufer steht. Die Maschine des Bootes wird abgestellt und wir flüstern nur noch. An Bord sind ein nature guide, der sich bestens auskennt, und der Skipper, der ebenfalls die Ecken kennt, wo die Bären sind. Eine gute Karte der Region des Knight Inlet, wohin wir unterwegs sind, liegt für alle einsehbar im Boot. 

Die Grizzly-Mama läßt sich nicht stören und die Jungen, die aus diesem Winter stammen, gucken schon mal neugierig. Ein Junges wälzt sich gerne mit dem Rücken auf den Muscheln, die die Steine am Wasser bedecken. Bärenjunge bleiben drei Jahre bei der Mutter, bis diese sie verstößt. Geschwister bleiben in den allermeisten Fällen dann weitere 3 Jahre beieinander, bis sie sich erstmals paaren. Alle vier Jahre kriegt also eine Grizzly-Dame Junge. Da sie sich mit mehreren Männchen paart und die befruchteten Eier erst im November wirklich einnisten, wenn klar ist, dass das Weibchen den Winter überlebt, also genügend Speck angefressen hat, ist es üblich, dass das Weibchen im Winter einen Wurf hat, dessen Junge von verschiedenen Vätern stammen. Daher sind die Jungen auch oft völlig unterschiedlich gefärbt. Grizzlies sind die sich am langsamsten fortpflanzenden Säugetiere Nordamerikas. 

Wir fahren langsam weiter, sehen noch einen Jungbären an den Muscheln. Auch er dreht laufend Steine um, um darunter kleine Fische zu finden. Er grunzt und knirscht mit den Muscheln auf den Steinen. 

Wegen der recht langen Aufenthalte bei den beiden Bärbeobachtungen erreichen wir das Estuary erst spät. Wir steigen hier, in der Schutzzone um auf ein motorisiertes Floß, und beobachten eine Grizzly-Dame direkt am Anleger, kreuzen dann aber auf die andere Seite der Bucht und entdecken zwischen den Steinen einen Nerz! 

Zum Mittagessen schmiert sich jeder ein Brot auf unserem normalen Boot. Wir essen in der Sonne mit Blick auf eine Bärin am Ufer. Von links nähert sich ein Reh, was aber eher den Grizzly irritiert. Das Reh geht am Grizzly vorbei – das war’s. Der Grizzly entscheidet sich nun gemächlich für ein Bad und sitzt quasi dort in seiner „Badewanne“ und kratzt sich mal mit dem Fuß am Ohr oder spaddelt da einfach herum.

Die Rückfahrt ist ruppig. Der Wind steht gegen uns und produziert knackige Wellen. Ich bleibe fast die ganze Zeit auf dem Achterdeck draußen. Sitze dort in Fleece- und Regenjacke in der Sonne, aber der Wind pustet ganz flott. Die Rückfahrt dauert etwa 2 Stunden und kurz nach 16.00h erreichen wir wieder den schönen Hafen von Telegraph Cove der friedlich in der Sonne liegt. Ich schwanke wie ein Seemann zu meinem Auto und fahre nach Norden, um mir Port Hardy anzusehen, den nördlichsten Ort von Vancouver Island. Der Ort ist aber sehr enttäuschend. Ich hatte auf einen Kaffee gehofft, weil mir fast die Augen zufallen. Aber hier ist nichts. Also wieder 23km zurück nach Port McNeill. Ich laufe am Hafen rum, eine schöne Marina mit vielen Booten. Ein Weißkopfseeadler sitzt auf einer Straßenlaterne und folgt interessanten Bewegungen im Hafenbecken. Ich hole mir ein Sandwich und esse auf einer Bank an der Marina in der Sonne, aber es ist so kalt durch die Winde, die über die hohen Berge kommen und sich an den riesigen Gletschern abkühlen, dass ich in drei Jacken sitze. Ich beobachte ein wenig den Weißkopfseeadler und seine Kumpels, kehre aber noch im Hellen ins Hotel zurück, was keine Kunst ist, da es hier um 22.00h heute noch taghell ist. 

Morgen unternehme ich eine zweite dieser Bootsfahrten. Die Natur ist ja jeden Tag anders. Also geht der Wecker wieder um 5.15h.


Telegraph Cove
British Columbia, Canada
Vee Bee Small

700 Kilometer bis nach Kanada

Um 8.30h fahre ich los, Gitta kann noch etwas ausschlafen, da ihr Flieger nach Hause erst später geht. Ich aber muß los, weil ich zu einer bestimmten Zeit die Fähre nach Vancouver Island erwischen muß. Vor mir liegt erstmals ein Grenzübertritt nach Kanada per Auto und ich habe keine Ahnung, wie lange ich dort brauchen werde. Die Fähre nach Kanada habe ich gebucht und weiß, dass ich nach der Ankunft auf Vancouver Island noch mindestens vier Stunden Autofahrt vor mir habe. Die gesamte Strecke, die ich heute fahre sind über fast 700 Kilometer (420 Meilen). Der Grund dieser Gewalt-Strecke ist die Bärenbeobachtung, die ich morgen am Sonntag, in aller Herrgottsfrühe ab Telegraph Cove an der Nord-Ost-Küste von Vancouver Island unternehme. Daher muß ich heute bis dort oben fahren. Bevor ich die Bären-Tour per Boot gebucht habe, hatte ich mit dem Anbieter telefoniert, ob es bestimmte Tage in der nun beginnenden Woche gibt, die besser oder schlechter sind. Ich erfahre, daß die Touren immer morgens um 7.00h losgehen und dann am besten sind, wenn sie zur Zeiten der Ebbe stattfinden. Nur dann kommen die Grizzlies aus den Wäldern an die Ufer, um dort Muscheln zu finden. Und das genau ist am 8.7.2012 gegeben und etwas weniger gut am 9.7.2012. So habe ich für beide Tage diese Bootstour gebucht.

Die Fahrt von Seattle nach Norden führt durch schöne Waldabschnitte und in der Ferne sieht man links und rechts Schnee auf den Bergen. An einem Parkplatz esse ich rasch die letzte Banane zum Frühstück, denn die Einfuhr von rohen Lebensmitteln nach Kanada ist untersagt. Die Grenzkontrolle ist schnell. Es gibt zwar eine Schlange von vielleicht 50 Autos, aber die Abfertigung ist zügig. Man checkt nur meinen Pass und fragt ob ich Waffen, Taser oder Pfefferspray dabei habe und was ich in Kanada machen will, wie lange ich bleibe. Nach 30 Minuten Schlangestehen und Fragen-Beantworten fahre ich nach Kanada ein und bin schon um 13.00h in Tsawwassen am Fähr-Terminal. Das Schiff geht erst um 15.15h und so bin ich die erste in der Schlange. Das Auto kann man in der Schlange parken und so hole ich mir im Hafengebäude was zu Essen und sitze etwas draußen in der Sonne und im Wind, bevor es losgeht. Auch die Fähre habe ich von Zuhause gebucht, um hier kein Risiko einzugehen. Aus meiner pole position bin ich auf der Fähre die Erste und kann also auf dem Schiff bis zum vorderen Ende vorfahren, wo auf Vancouver Island dann die Ausfahrt ist. Die Fährfahrt ist ruhig und ich bin um 17.30h vom Schiff und rolle alsbald auf der Road 19 nach Norden. 

Um 19.00h bin ich im einzigen größeren Ort auf der Strecke, in Campbell River und tanke nochmal voll. Der Highway ist gut zu fahren, am Anfang nur mit 60km/h und später mit 80km/h. Dann sind 110 km/h gestattet. Aber ich habe ja ein amerikanisches Auto, das ausschließlich Meilen anzeigt und bin nun wieder anders herum am rechnen, ob ich mit einem Tank, der laut Anzeige 252 Meilen reicht, 373 Kilometer bis Port McNeill fahren kann, wo heute abend meine Unterkunft ist. Der Tacho hat glücklicherweise kleine Kilometer-Zahlen, so dass man wenigstens die Fahrtgeschwindigkeit kontrollieren kann. Hinter Campbell River wird die Straße schmaler und ist nur noch einspurig in jede Richtung, aber ich bin fast alleine unterwegs und da es dämmert, fahre ich besonders aufmerksam und auch langsamer, als gestattet, da ich hier nicht mit einem Elch, Fuchs oder Hirsch kollidieren will. Dauernd hat man Warnschilder wegen Wildwechsel und das ist auch logisch, weil einen hier endlose Wälder umgeben. Ich sehe aber nur ein deer und dann tatsächlich ein katzenartiges Tier mit buschigem Schwanz und bräunlich-grauem Fell. Das war keine Katze und auch kein Fuchs.

Die Szenerie ist traumhaft mit Wäldern, hohen Bergen, die mal mit und mal ohne Schnee ausgestattet sind. Anstelle der anfangs schönen Küste, die man sehen konnte, sind nun etliche wunderschöne Seen auszumachen. Um 21.30h erreiche ich dann das Hotel. Port McNeill ist rund 20 Minuten Fahrt von Telegraph Cove entfernt, wo morgen früh die Bootstour startet. Ich bin doch ziemlich weit nördlich, so dass hier gerade erst die Sonne beginnt langsam tiefer zu sinken, als ich in den Ort einfahre. 

An der Rezeption kriege ich eine Snack-Tüte anstelle des Frühstücks morgen, denn ich muß zu früh los. Zu dem Hotel gehört ein Liquor shop, der noch offen hat. Also ne kalte Dose Bier nach diesem langen Tag, ein Salat, den ich in Tsawwassen am Fährterminal gekauft habe und das war’s. Ich kriege noch einen Hinweiszettel, vor der Tour zu den Grizzlies nicht mit Duschgel zu duschen oder mit Shampoo die Haare zu waschen und keine parfümierte Sonnenmilch zu benutzen. Die Grizzlies haben zu feine Nasen und verdrücken sich, wenn sie so etwas riechen. Um 23.30h mache ich das Licht aus. Der Wecker steht auf 5.15h…

Fahrtstrecke: 675 Kilometer


Port Mcneill
British Columbia, Canada
Vee Bee Small

Große Bäume und ein letzter Tag in Washington State

Sonne und wunderbare Waldluft um unser nettes Motel! Wirklich ein gutes Frühstück und ein kleiner Schnack mit dem vietnamesischen Inhaber über sein Heimatland, und schon rollen wir um 8.40h vom Hof.

Nach drei Meilen biegen wir ab zum Mount Rainier National Park und fahren zum Stevens Canyon Eingang. Kurz dahinter geht es zu einem Trail zu riesigen, bis zu 1.000 Jahre alten Bäumen. Wir wandern entlang von unglaublich dicken Stämmen, die allerdings häufig in der Krone abgestorben sind. Manche Riesen sind umgefallen und die Wurzeln zeigen uns, wie klein wir sind. Über eine Hängebrücke geht es über den wilden, klaren und sehr schönen Okana River und auf einem anschließenden Boardwalk zu einem Riesenbaum und einem Ensemble aus zwei direkt aneinander wachsenden dicken Stämmen. Das Licht, das durch das hohe Blätterdach fällt, zaubert schöne Muster. Moose und Farne und kleine Blumen wachsen am Boden und auf den Baumstämmen. Nach etwa einer Stunde sind wir wieder am Auto und fahren nach Sunrise. Am Sunrise Outlook bietet sich ein unglaubliches Panorama auf die Cascades, Mount Adams und den neben uns aufragenden Gipfel von Mount Rainier. Unter uns kann man noch einen fast komplett zugefrorenen See ausmachen. Was für eine gigantisch schöne Natur!!!

Am Sunrise Visitor Center schauen wir uns um und sehen durch ein großes Fernglas eine Gruppe von Biwakierern kurz unterhalb des Gipfels. Gestern war das Sunrise Visitor Center und der Bereich hier oben gesperrt. Vor 10 Tagen ist hier ein Ranger beim Versuch ein paar Tourengeher zu retten abgestürzt und gestern hat man ihn wohl tot gefunden und geborgen. Gruselig! Alle Nationalparks durch die wir gefahren sind, hatten Halbmast geflaggt. Nun wissen wir warum.

Wir setzen uns mit einem Kaffee vor die Ranger Station in die Sonne und beobachten die zunehmende Wolkenbildung über Mount Rainier’s Gipfel. Gegen 16.00h fahren wir dort oben wieder los und machen noch kurz am White River Halt bevor wir den Park nach Westen verlassen. Um etwa 18.00h erreichen wir unser Hotel in Sea-Tac, einem Vorort von Seattle. Sehr hilfsbereite Leute an der Rezi und wir bugsieren unsere unglaublichen Gepäckmengen nach oben, fahren mit dem leeren Auto nach Redondo an den Puget Sound und gönnen uns zum Abschluß des gemeinsamen Urlaubs nach drei Wochen ein leckeres Fischessen im Sonnenuntergang. Wir sitzen draußen auf einem über dem Meer gebauten Restaurant und freuen uns, dass der letzte Abend so schön ist. 

Anschließend geht es schnell zum Airport, wir geben das Auto ab und ich hole den Kleinwagen, den ich für die kommende Woche gemietet habe. Wie üblich wird man bedrängt alle möglichen Upgrades zu kaufen, ich will das mal wieder nicht und als wir zu den Autos der kleinsten Klasse, die ich gemietet habe, kommen – sind die eh alle weg und ich kriege einen Midsize, für den ich eben noch 77$ Aufpreis zahlen sollte…Die Leute bei der Autovermietung wissen ja um den Fahrzeugbestand und dass sie mir sowieso den Midsize hätten geben müssen, aber so versucht man dann die Leute immer über’s Ohr zu hauen. Die Tante, die uns vor 3 Wochen das große Auto vermietet hat, hat ja gesagt, dass midsize „very basic“ wäre, keinen Tempomat, Fensterheber oder sowas hätte. Dann gab es eh keine midsize-Autos und wir kriegten die nächsthöhere Klasse, einen Standard-Wagen. Der hatte das alles. Jetzt fahre ich einen echten midsize und der hat das auch! Also war auch vor drei Wochen diese Drohung, dass midsize „very basic“ wäre, erneut gelogen. 

Gitta kämpft sich im Hotel durch ihr Gepäck und ich lade schon mal eine Tasche ins kleine Auto, damit ich morgen früh nicht zweimal laufen muß. Mein Beach Chair kommt mit, den gefundenen Sonnenschirm schenken wir der Alamo-Frau, die unser großes Auto abnimmt. Um 23.00h sitzen wir nach getaner „Arbeit“ im Zimmer und ich freue mich auf eine Woche Kanada.

Fahrtstrecke: 140 Meilen


Seattle-Tacoma International Airport
Washington, United States
Vee Bee Small

Speeding Ticket & Mount Rainier / Washington State

Sonne! Wir frühstücken und brauchen schon für das „kleine“ Gepäck einen Gepäckwagen! Meine große Tasche wiegt jetzt 25 Kilo, die kleine 15…Wir fahren los nach Norden, an einem sonnigen Portland vorbei, was wir neulich nicht ansatzweise so gesehen haben. Wir passieren die "Grenze" zu Washington State. Mount Hood hat sich in der Ferne aus den Wolken geschält – unvorstellbar noch vor einer Woche! In unserer sonnigen Fahrt geht etwas die Geschwindigkeit „verloren“, so dass wir plötzlich einen Polizisten auf einem Motorrad neben uns haben, der uns fröhlich-beschwingt darauf hinweist, dass wir mit 72 Meilen pro Stunde unterwegs waren, was 12 mehr als die erlaubten 60 mph sind. Kostet 93 Dollar! Allerdings kassiert er das nicht cash, sondern Gitta soll das Geld „schicken“.

So führt uns unser Weg etwas ungeplant nach Longview, wo wir eine Bank suchen. Die hilfsbereite Schalterfrau erklärt uns, dass das in USA nur per money order geht oder aber mit persönlicher Einzahlung in dem Bezirk z.B. beim Bürgermeister, wo man erwischt wurde. Nun sind wir aber rund 30 Meilen nördlich von dort und brauchen nun diese Mail-Oder. Das gibt es in der Post, oder aber im Supermarkt!? Also folgen wir der Beschreibung zur Post in Longview und die drei boys dort haben mit uns ihre Gaudi…Das Procedere ist so, dass man dort 93$ + 1,75$ Bearbeitungsgebühr zahlt, die 93$ auf eine Art Quittung gedruckt wird, die man dann in einen Umschlag zusammen mit dem Knöllchen (!!!) steckt und an die Dienststelle des Bezirks schickt. Überweisen können die irgendwie nicht.

Befreit von dieser Bürgerpflicht geht es weiter und wir biegen bei der Ausfahrt 68 nach rechts auf den Hwy 12 ein. Eine Landstraße, die nach Osten führt. Kurzer Stopp in einer Bakery, die geniale pies hat und weiter geht’s. Kurz danach steht ein Schild mit der „Harms Road“ an einer Querstraße. Kleiner Fotostopp und weiter Richtung Berge. Mount St. Helens und auch Mount Rainier (sprich: Rehnier, mit Betonung auf der letzten Silbe) sind immer zu sehen. Erst gegen halb drei rollen wir durch das Nisqualli Gate von Westen in den Mount Rainier Nationalpark, der mit 15$ für 7 Tage echt ein Schnäppchen ist. Die Landschaft ist wild und schön, ein verwunschener Wald mit hohen Tannen ist unser erster Eindruck und dann tobt kurz danach der Nisqualli River neben uns, der von seiner Winterbreite zwar einiges eingebüßt hat, aber dank der Schneeschmelze noch gut unterwegs ist. Bäume und mitgerissene Steine und riesige Felsbrocken liegen kilometerlang im Flußbett. Am ersten Fotostopp zeigt sich Mount Rainier fast wolkenfrei, beim zweiten Stopp am Longmire Visitor Center gelingen Bilder ohne Wolken – ein sehr rares Schauspiel! Eine kurze Weiterfahrt führt uns nach Paradise, wo wir im Schnee stehen vor der Kulisse des erhabenen Mount Rainier. Im Visitor Center sehen wir einen Film über den Berg, der mehrfach ausgebrochen ist. Vor rund 6.500 Jahren flossen seine Lahars (Lavaströme in Form einer Schlammlawine) bis an die Küste. Der Mount Rainier ist mit über 4.800m Höhe der höchste Berg der Kaskadenkette und auch der höchste Berg in Washington State. Wie praktisch fast alle Berge dieser Kette ist auch er ein Vulkan, dessen Alter auf 500.000 bis 1 Million Jahre geschätzt wird. Wegen seiner enormen Höhe ist die Spitze in mehreren Perioden großflächig vergletschert und vor rund 25.000 bis 10.000 Jahren war er komplett mit Eis bedeckt. Durch Felsrutsche, Lawinen und Lahare (Schlammfluten) verlor er etwa ein Drittel seines Volumens und vor ca. 5.800 Jahren stürzte der Berggipfel ein und durch den ausgelösten Lahar wurden mehr als 300qkm des angrenzenden Gebietes völlig verwüstet und umliegende Täler teilweise in einer Höhe von 200 Metern mit Sediment befüllt. Die Lahare flossen bis zu 120 km weit und bis auf den Grund des Puget Sound, was die Bucht bei Seattle ist. Durch spätere Ausbrüche hat sich die Silhouette des Berges verändert und kleinere Gipfelkegel und weitere Krater entstanden.

Das letzte Mal ist der Mount Rainier zwischen 1820 und 1854 ausgebrochen, aber es gibt auch Augenzeugenberichte, nachdem der Berg um 1888 nochmals ausgebrochen ist. 1947 ging eine Schlammflut den Kautz Creek hinunter und verwüstete dort den tiefergelegenen Wald. 1963 ereignete sich an einem Nebengipfel eine Dampfexplosion, die eine Steinlawine auslöste, die auf einer Länge von 6 km in ein Tal rollte und erst kurz vor einem Campingplatz stoppte. Der Mount Rainier zählt heute zu den schlafenden Vulkanen und Geologen gehen davon aus, dass eine weitere Eruption erfolgen wird. Hierbei sind die größte Gefahr die Lahare, allerdings sind auch heiße Lavaströme zu erwarten.


Hier oben liegt noch ziemlich viel Schnee, aber dort, wo die Sonne hinscheint wachsen kleine weiße Blümchen, die Avalanche Lillies heißen. Wir folgen den Tipps eines Rangers, der uns noch drei tolle Aussichtspunkte nennt. Es ist nach 18.00h als wir dahin aufbrechen. Eine wunderschöne Bergstraße entlang traumhafter Bergblumen und dem dahinter liegenden Panorama ist unser Weg. Kurz darauf entdecken wir eine gut 60 Meter tiefe Schlucht und laufen entlang dieser einen kurzen Trail. Der dritte Stopp bei den Baumriesen wird auf morgen verschoben, da es schon 19.00h ist und um kurz nach 20.00h sind wir in Packwood/Washington. Das Zimmer ist riesig und schön und auch noch günstig. Wir finden eine Kneipe, die noch offen hat und essen hungrig ein paar Hamburger. Außer Frühstück und einem Stück Pie gab es heute nix. Auf der kurzen Rückfahrt zum Hotel passieren wir eine grasende Herde Hirsche. Ich checke im Hotel noch kurz Mails an der Rezi, da nur dort das WLAN geht und wir sind kurz vor 23.30h im Bett.

Fahrtstrecke: 226 Meilen


Mount Rainier
Washington, United States
Vee Bee Small

4th of July & das große Rodeo in St. Paul

Der Wecker klingelt um 7.30h und nach einem kurzen Frühstück sitzen wir um 9 im Auto nach St. Paul. Dort ist schon die Hölle los, jede Menge Leute, die allermeisten mit Klappstühlen unterm Arm, bevölkern die paar Straßen des Ortes. Also schnappen wir uns unsere Beach Chairs, nachdem wir einen Parkplatz am Straßenrand ergattert haben und gehen die 5 kurzen Blocks zur Main Street. Dort sind schon beiderseits der Straße jede Menge Leute mit ihren Stühlen und auf Decken zum Sitzen gekommen. Man schwenkt Fähnchen, hat Essen und Trinken dabei und es herrscht eine tolle Stimmung. Dann kommt die Parade, die in einem Ort der Abmessungen von St. Paul entsprechend klein ist. Und vor allen Dingen herrlich dörflich. Wir sind hier nicht in New York oder Washington und es ist eine Mischung aus Karnevalsumzug, Schützenfest und Landwirtschaftsschau. Blasmusik-Gruppen, Clowns, Wagen, die für ortsansässige Firmen, wie Abschleppunternehmen und Reifenhandel werben, oder auf denen Mitglieder lokaler Einrichtungen wie Schulen oder Sportvereinen sitzen, fahren an uns vorbei. Auch ein Mann, der auf einer Zugmaschine steht. Vielleicht der Bürgermeister? Die Kinder jubeln und klatschen laut, damit Bonbons geworfen werden. Es gibt ein paar Oldtimer aber auch Militär-Fahrzeuge mit Soldaten und solchen, die es werden wollen. Wenn diese Wagen in Sichtweite kommen, wird der Jubel frenetisch und man hört laute „Thank you“-Rufe. Einzelne Wagen haben so hohe Aufbauten, dass sie 30 Meter neben uns in einem Baum hängen bleiben, was zur allgemeinen Erheiterung beiträgt. 

Nach einer Stunde ist das Spektakel leider vorbei. Die Sonne scheint in Feiertagslaune auf uns herab und wir bringen unsere Stühle zurück zum Auto und gehen wieder zur Arena und dem angrenzenden Rummelplatz. Um kurz nach 12 kaufen wir uns Essensbons für das große BBQ Cook-off, bei dem mehrere BBQ-Griller um Preise konkurrieren. Nicht die Gäste bestimmen allerdings den Sieger, sondern ein Preisrichter. Es wird auch der beste Kartoffelsalat mit einem Preis geehrt werden. Da es aber nur einen Stand damit gibt, wird das mit dem Wettbewerb entweder schwierig oder vorab schon klar sein. 

Aber es gibt verschiedene Grill-Anbieter. Das Fleisch ist lecker, dazu gibt’s eben Kartoffelsalat (für uns) und ein süßes Brötchen, was geschmacklich dazu nicht wirklich passt. Alles in einem großen Zelt an langen Tischen und zu lauter Country-Musik. Nach einem Eis fahren wir dann zurück zum Hotel und stoppen unterwegs kurz an einem Blumen- und Obstladen, den French Prairie Gardens, und kaufen einen sensationellen Erdbeer-Shake, der vor unseren Augen aus den pflückfrischen Früchten und einem Berg von Vanilleeis entsteht. Schnell noch zu Walmart etwas Hazelnut Coffee und noch ne helle Hose für 20 Dollar kaufen und ab ins Hotel. Sonnentop an und runter an den kleinen Pool. Da sitze ich dann, Beine ins Wasser baumelnd und schreibe den ersten Teil des Tages in mein Tagebuch. 

Bevor wir nun zum 4th of July-Rodeo zurück nach St. Paul fahren gehen wir nochmal kurz shoppen…Um 18.00h fahren wir nach St. Paul und stehen von den 10 Meilen etwa zwei im Stau. Wir finden dennoch einen Parkplatz an der Straße und gehen zu unseren Plätzen, nachdem wir an einem der drolligen Verkaufsständen noch Sonnenbrillen-Clips für die normalen Brillen gefunden haben. Hier gibt’s echt alles!

Das Rodeo ist irgendwie besser, als gestern, dauert sehr lange und die Stimmung ist gigantisch. 10.000 Leute gehen in das Stadion, das restlos ausverkauft ist – und das in einem Ort mit gut 400 Einwohnern! Das Ende des Rodeos ist derWild Horse Race, bei dem 2er Teams Wildpferde einfangen und satteln müssen. Das ist ein wildes Durcheinander, einer der Cowboys wird durch die halbe Manege gezogen, andere kämpfen mittlerweile auf wild bockenden Pferden, die versuchen, ihre Reiter abzuwerfen und darüber wild in der Arena herum galoppieren. Plötzlich stoßen direkt vor uns zwei extrem schnell galoppierende Pferde krachend zusammen. Sie kamen aus unterschiedlichen Richtungen. Die Reiter fliegen in hohem Bogen vom Pferd, das eine Tier fällt zur Seite und zuckt nur noch. Was für ein furchtbarer Anblick. Die abgeworfenen Reiter sind sofort beim Pferd, einer hält ihm die Augen zu, setzt sich auf das liegende Pferd. Der andere bindet rasch die Beine zusammen, damit keiner von etwaigen Tritten verletzt wird. Ein Traktor mit einem großen Brett kommt angefahren, das Pferd wird dort draufgelegt und so aus der Arena gezogen. Das sieht nicht gut aus. Ob das Pferd das hier überlebt hat, erfahren wir natürlich nicht. Aber irgendwie ist das ein grausamer Abschluss dieses Tages. So gucken wir nur noch kurz das Feuerwerk an und fahren zurück ins Hotel, wo wir erst gegen 1 Uhr in die Federn fallen.


St. Paul
Oregon, United States
Vee Bee Small

Ab zum Rodeo nach St. Paul/Oregon

Wir schlafen in Ruhe bis kurz vor neun und fahren mit einem Kaffee aus dem Dorfladen in der Hand weiter in den uns umgebenden Wald. Wir folgen jetzt der Forest Road 46, entlang des Breitenbush Rivers, der sogar heiße Quellen bietet. Die Straße ist sowohl menschen- als auch autoleer und führt durch schöne Mischwälder, die wie eine Allee links und rechts an der Straße stehen.

Nach etwa 20 Meilen erreichen wir die Straße 214, der wir weiter nach Norden in Richtung Estacada folgen. Der wilde Clackamas River verläuft nun neben uns und wenngleich unser Weg hier durch den Hood River National Forest verläuft, sehen wir den Hood River nicht. Die Wolken hängen mal wieder tief und manchmal regnet es ein bißchen. Wir folgen neben der Straße einer Gruppe von Raftern, die auf dem bewegten Fluß ihren Spaß haben. Das Gras, in dem wir stehen ist quatschnaß, so dass wir – zurück im Auto – erst einmal die Heizung brauchen, um Hosenbeine und Schuhe zu trocknen. Wir erreichen nun automatisch den Highway, der nach Woodburn führt und passieren zunächst das große Outlet dort und müssen wieder mal 1,5 Stunden etwas Geld ausgeben. Um halb vier sind wir an unserem Best Western in Woodburn, wo wir jetzt zwei Nächte bleiben. Wir sind hier in der Einöde, weil wir nun zu einem weiteren Highlight der Reise antreten: Zwei Rodeos in St. Paul warten auf uns. 

Um halb fünf sitzen wir im Auto und fahren die 10 Meilen nach St. Paul. Die Sonne scheint jetzt warm. In St. Paul befindet sich die Festwiese neben der Hauptstraße und in den umliegenden Nebenstraßen scheint es, haben die Anwohner entweder ihre Vorgärten mit „no parking“ markiert oder vermieten diese für 5-10 Dollar pro Platz und Tag. Wieder andere scheinen vor dem Trubel geflüchtet zu sein, bei anderen wiederum stehen mehrere Zelte im Garten.

Das Rodeo in St. Paul gehört zu den zwanzig größten in den USA. St. Paul selbst hat nur gut 400 Einwohner, aber zu dem Rodeo, das hier jährlich seit 1935 zum Unabhängigkeitstag stattfindet kommen mehr als 10.000 Menschen in die Stadt. Allerdings erscheint es uns sehr schnell, als seien wir die einzigen nicht-amerikanischen Touristen hier. Die Preisgelder laufen hier bis 500.000 $ für einzelne Wettbewerbe und damit ist dieses auch eines der sog. Wrangler Million Dollar Tour Rodeos, zu denen nur 8 Rodeos weltweit gehören und die besten Rodeo-Reiter anziehen. Das Rodeo läuft hier über mehrere Tage, es gibt bis zu 1000 Teilnehmer. Die Stimmung ist entsprechend!

Neben der Arena ist eine Festwiese mit vielen Freßbuden und Karussells. Es sieht aus, wie bei uns in den 60er Jahren. Die sogenannte Art Show bietet in einem Zelt ausgesucht hässliche Handarbeiten, allerdings auch kostbar gefertigte Sättel. Die Dinger sind innen aus Holz und es sind zwei Sättel zu sehen, die 4.800 bzw. 5.500 Dollar kosten. 

Gegen 17.30h wird es voller. Wir sind vorher schon entlang der Ställe gelaufen und haben Pferde und die Parkplätze der Transporter gesehen. Die Teilnehmer leben in ihren Wohnmobilen, an denen die Pferde angebunden sind. Die Stiere stehen woanders in Gattern und sehen ziemlich ungemütlich aus. Der übliche Dress hier ist Cowboyhut, Stiefel und Jeans. Wir holen uns ein elephant ear (zuckrig-zimtiges Fettgebäck) und ein Eis und beziehen unsere Plätze in der Tribüne. Die Karten habe ich vor Monaten online gebucht. Dabei wurde darauf geachtet, dass wir einen maximal guten Blick haben und uns nicht die Abendsonne permanent in die Augen scheint, also die Himmelsrichtung auch noch stimmt. Das ist schon langsam eine Wissenschaft für sich. Das Rodeo legt etwas lahm los und in den ersten 10 Minuten fallen die Leute permanent sehr schnell vom Bullen, einer wird von dem bockenden Tier noch kräftig in den Oberkörper getreten und kann nur mit Hilfe die Arena verlassen. Fast drei Stunden dauert das Rodeo, dann ist Feuerwerk und wir fahren zurück nach Woodburn ins Hotel. Kurz vor 23 Uhr betreten wir unser Zimmer, dessen Teppich total feucht ist. Offenbar hat man in unserer Abwesenheit den Teppich shampooniert, aber nicht getrocknet. Eklig! Nichts kann man auf den Boden stellen.

Fahrtstrecke: 130 Meilen


St. Paul
Oregon, United States
Vee Bee Small

Dinner unter Kettensägen

Ich wache um 5 Uhr auf, weil die Leute über uns auch schon aufstehen. Ich traue mich nicht, wieder richtig einzuschlafen und behalte das beginnende Tageslicht im Auge. Wir sitzen schon um 6.45h im Auto zu den Painted Hills. Am Straßenrand stehen black tailed deer, das Wetter ist schön und wir sind alleine auf der Straße. Auf dem Trail, den wir jetzt laufen, kommen wir ganz dicht an die rot-bunten Hügel heran. Das Material entpuppt sich als lockeres Tuffgestein, das wie kleine Puzzlestückchen aneinanderhängt und – sobald man es berührt – ins Rutschen gerät. Daher soll man es eigentlich auch nicht anfassen. Betreten ist eh nicht gestattet, bei solch fragilen Oberflächen. Das Morgenlicht ist nicht so schön, wie gestern Abend und wir fahren kurz weiter zum Red Butte Trail, der einmal rund um einen rot-gelben Kegel geht. 33 Millionen Jahre alt ist das alles hier. Ein dritter Trail ist der Leaf Fossil Trail. Hier hat man jede Menge versteinerter Blätter gefunden, denn dieses ganze Areal war mal ein tropischer Wald, aber das ist eben über 30 Mio Jahre her. Heute macht man in dem abgegrenzten Bereich dieses Leaf Fossil Trails eher einige „Scherben“ aus, die prähistorisch aussehen.

Zurück in „Downtown Mitchell“ machen wir noch Fotos in diesem skurrilen Ort, der eine Mixtur aus Geisterstadt und Überlebenskampf ist. Die „Tankstelle“ gegenüber von unserem Quartier ist eine Freiluft-Tankstelle, die zwei altertümliche Zapfsäulen hat und der Typ, der das Ding betreibt ist auch eigentlich nie anwesend. Im Hauptberuf verkauft er dekorative Fels-Scheiben, die er poliert. Ja, das ist hier sicher einfacher zu organisieren als Sprit. Das Visitor Office, etwa 30m die Straße runter - praktisch am Ende des Ortes - bietet von außen und innen eine merkwürdige Deko und eine Ansammlung von Dingen, die man gemeinhin in einem Trödelladen oder auf dem Flohmarkt findet. Die Frau, die das Lädchen betreibt, mäht hinter dem Haus den Rasen und ich verlasse das office wieder. Vermutlich war ich der erste Besucher in 30 Jahren, wozu soll man dann auch in den Laden gehen und den Rasen vernachlässigen…? Neben ihrem „Trödel-Tourist-Office“ hat ein Mensch namens Schnee eine Art Bastel-Werkstatt eingerichtet. Wir fragen uns einmal mehr, wovon man hier lebt. Verkaufen die sich ihren Trödel gegenseitig?

In unserem Hotel holen wir uns noch einen Kaffee, der auf der Anrichte steht und neben Muffins und Bananen zum Inklusiv-Frühstück gehört. Wir sitzen kurz in der Sonne und fahren dann los nach Westen. Am Lake Ochoco wollen wir eine Pause einlegen und gegen 11.00h erreichen wir den See dann auch. Wir packen unsere Stühle aus, unsere Fressalien, Bücher und Wasser und setzen uns an einem Campingplatz ans Seeufer. Kurz nach 14 Uhr fahren wir dann aber weiter und kriegen noch tolle Ausblicke auf die Schneegipfel von Mount Bachelor, Broken Top und Three Sisters sowie Mount Jefferson. In etwa 200 Meilen Entfernung steht Mount Hood, der heute bei diesem klaren Wetter mit bloßem Auge erkennbar ist. Erstmals seit über zwei Wochen fahren wir heute mal mit eingeschalteter Klimaanlage!

Um 15.30h erreichen wir Sisters, ein vielfach als niedlich und ursprünglich bezeichnetes Künstlerdorf auf 1000m Höhe in den Cascade Mountains. So ganz begeistert sind wir auch hier nicht. Sehr touristisch und die „alten“ Häuser sind überwiegend neu mit allen möglichen Dingen befüllt, die Touristen gemeinhin brauchen, bzw. kaufen könnten. Anstatt hier in ein Best Western für 149$ + tax einzuchecken, fahren wir noch etwas über eine Stunde weiter in ein Dorf namens Detroit. Die hilfsbereite Frau im tourist office in Sisters hatte ein Motel bzw. eine Lodge in Detroit online gefunden und gesehen, dass praktisch alle Kategorien frei sind. Unser Weg nach Detroit führt durch einen sehr kaputten Wald. Teilweise einfach abgestorben, teilweise abgebrannt. Das Motel in Detroit ist sehr schön und wir entscheiden uns für das billigere Zimmer, das – inkl. tax – immer noch $ 122 kostet. Da die nächste Stadt nochmals über eine Stunde Fahrt entfernt ist, bleiben wir hier und finden Detroit schon mal spannender als Mitchell gestern, wenngleich Detroit nur unwesentlich größer ist. Aber hier wohnen vielleicht etwa 100 Menschen mehr und wir sind mitten im Wald. 

Nach einer Packaktion, um mal alle Einkäufe sinnvoll auf Koffer & Tasche zu verteilen und so einen Überblick über noch mögliche Einkaufsmengen zu bekommen, fahren wir runter zum Detroit Lake. Das Restaurant, am Ende eines großen, gut frequentierten Campingplatzes hat zu. Auf dem See liegen viele Motorboote in einer Marina. Also zurück zum Hotel, das etwa 600m entfernt ist und somit am anderen Ende von Detroit. Wir landen in „Camp 17“ einer gewöhnungsbedürftigen Kneipe mit einer ebensolchen Bedienung, die so gut wie keine Zähne im Mund hat und somit kaum verständlich ist. Wir sitzen unter Kettensägen und anderen seltsamen Dekoartikeln, essen einen recht guten Burger und verziehen uns aber aus dieser furchtbaren Atmosphäre bald in unser Zimmer.

Fahrtstrecke: 170 Meilen


Detroit
Oregon, United States
Vee Bee Small

Lava-Land und bemalte Berge in Oregon

Um 8.45h sind wir schon wieder unterwegs und zwar zunächst wieder nach Süden zum Cascade Lakes Byway auf dem Highway 46. Die Route führt durch Wälder mit Blick auf verschneite Gipfel vor strahlend-blauem Himmel. Mount Bachelor und die Three Sisters werden uns heute noch mehrfach ins Auge und auf die Linse treffen. Die Seen sind wunderschön. Wir halten am Devils Lake, der angeblich so spiegelglatt ist, dass man meint, Boote schweben darüber. Die Moskitos sind gnadenlos! Wir fahren zum Elk Lake und sehen einen Adler auf einem Baum sitzen und erfreuen uns am Panorama, den Seerosen und der Ruhe. Kurz danach entdecken wir Pelikane! Dieses Mal keine Höckerpelikane, wie wir sie letztes Jahr in den Rockies gesehen haben. Aber auch diese gründeln nach Futter. In den Bäumen sitzt ein Weißkopfseeadler und schaut nach Beute auf den See.

Bevor wir am Lava Butte Halt machen, fahren wir noch zu einem weiteren See, an dem wir eigentlich gern bleiben würden, aber die Zeit reicht dafür nicht, da wir ja noch mehr, als einige Seen auf dem heutigen Programm stehen haben. Aufgrund der miesen Beschilderung verfahren wir uns auf den Waldstraßen und landen kurz hinter La Pine auf dem großen Highway 97, also gut 20 Meilen südlich von Bend. Also geht es nunmehr nach Norden. Die Lava-Berge sind hier direkt am Highway zu sehen und wir fahren zum Lava Lands Visitor Center ab. Leider kann man auf den Lava Butte nur alle 1,5 Stunden fahren und uns erscheint jetzt um 14.30h die Zeit bis zur nächsten Fahrterlaubnis um 15.45h zu lang. Also laufen wir den einen Wanderweg „Way of Molten Rock“ zu einem Ausguck hoch. Ein toller Weg durch Lava-Gestein – der letzte Ausbruch, der das hier hinterlassen hat, ist 1300 Jahre her. Kleine Blümchen und hartgesottene Pflanzen wachsen auf dem schwarzen Geröll. Von oben sieht man deutlich die Lavaströme und ihre Seiten-Moränen. Manches Mal hat der Lavastrom Tunnel gebildet – es riecht überall nach Teer, als ob man hier gerade eine Straße baut. Dann ist es doch schon fast halb vier und wir könnten den Rim Drive eigentlich fahren. Aber nun wird die Zeit knapp, denn wir haben noch eine ganz nette Strecke zu absolvieren. Ein weiteres Highlight, abseits von den Touristenpfaden, erwartet uns heute Abend im trockenen Inland von Oregon: Die Painted Hills. 

Also ab zu Safeway, schnell Brot, Käse und andere Sachen zum Essen kaufen. Neben uns an der Kasse hat eine Frau so eine Art halbes Schwein auf der Schulter liegen - das wird ein etwas größeres BBQ...

Es ist mittlerweile locker 27 Grad warm, keine Wolke am blauen Himmel. Wie schön! Hier hinter den Küstengebirgen ist Oregon deutlich trockener und heißer, als davor, wo die Pazifik-Winde und die Feuchtigkeit doch zu viel Niederschlag führen. Etwa um 16.30h fahren wir gut ausgestattet und aufgetankt Richtung Norden und bei Redmond nach Osten auf der 26 über Prineville in die Wildnis. Der Highway ist wunderbar leer aber wir sehen zwei tote Roosevelt Elks an der Straße liegen und ein zerdetschtes Auto. Also Vorsicht, besonders jetzt, wenn die Dämmerung langsam beginnt. Die Landschaft wird schon kurz hinter Bend ländlich mit weiten Feldern, Wiesen und in der Ferne sehen wir wieder Mount Bacherlor, die Three Sisters und den ebenmäßigen Mount Jefferson und ganz weit weg kann man noch Mount Hood ausmachen, den wir aus der Nähe in Portland nicht einmal richtig in dem diesigen Wetter richtig sehen konnten. Wir kommen am Lake Ochoco entlang, der kurz hinter Prineville liegt und dann gibt’s nur noch Felder, Wälder und Weite. 

Kurz vor Mitchell sehen wir dann schon ulkige Felsformationen. Wir sind nur 66 Meilen von Redmond weg, aber hier sieht es sehr anders aus. Mitchell ist der Brüller. 150 Leute leben hier angeblich, aber offenbar gut verteilt oder versteckt. Die Main Street besteht aus unserem Hotel, einem Lebensmittelladen, der auch bei den Waltons stehen könnte und ebenso geschlossen hat, wie ein paar andere Läden, die vermutlich auch nie mehr aufmachen. Es gibt ein Post Office und ein Reh steht auf der Straße und verkrümelt sich dann gemütlich hinter der Post.

Wir checken ein in das Hotel, das eher wie ein Bed & Breakfast aussieht und weit und breit die einzige Unterkunft ist. Die Buchung habe ich telefonisch von Deutschland aus gemacht. Hier, im Umkreis der Painted Hills, war es das Einzige, was auffindbar war. Da sieht man dann, dass die Painted Hills offenbar selbst in den USA eine abgelegene und selten besuchte Attraktion sind. Auf der Porch sitzen zwei blöde Österreicher und wir satteln gleich wieder unser Auto und fahren zu den Painted Hills, um dort den Sonnenuntergang zu sehen. Es wird ein atemberaubendes Lichtspiel über diesen terrakotta-, braun- und ockerfarbigen Hügeln. Dauernd latscht uns allerdings die Frau aus Österreich ins Bild, was angesichts von vier Touristen und einigen vermutlich 300 Hektar Fläche eine reife Leistung ist. Der Mann fragt uns inmitten dieser tollen Hügel, ob wir ein gutes Fotomotiv gefunden hätten. Mir liegt auf der Zunge zu sagen, dass wir hier nichts sehen, aber weiter suchen – aber mir ist das zu blöde und ich mache vermutlich 100 Fotos in einem wunderbaren Abendlicht. Während wir einen kleinen Trail laufen, geht der Mond auf. Die Sonne versinkt langsam und so fahren wir, als das Licht nicht mehr reicht, zurück zum Hotel, das nur 6 Meilen entfernt liegt. Unsere Safeway-Einkäufe von vorhin sind unser Abendessen und wir kommen mit einem Ehepaar aus Connecticut ins Gespräch, die die gesamte Besucherschar hier ergänzen. Somit sind wir 6 Gäste in diesem Haus. Die Frau stammt eigentlich aus Regensburg und freut sich, nach vielen Jahren mal wieder deutsch sprechen zu können. Um 23.30h liegen wir in den Federn. Die Betten quietschen, die Deko im Zimmer amüsant, das Bad historisch. Gute Nacht, Sue Ellen…gute Nacht John-Boy.

Fahrtstrecke: 235 Meilen


Mitchell
Oregon, United States
Vee Bee Small

Crater Lake, der tiefste See der USA

Heute sind wir seit 2 Wochen unterwegs. Wir kommen um 8.45h los, der Abschied fällt hier nicht sehr schwer…Wir fahren bei bedecktem Himmel und vergleichsweise milden Temperaturen am Diamond Lake entlang nach Süden Richtung Crater Lake National Park. Der Eintritt kostet 10$ und wir fahren zunächst zum ersten Aussichtspunkt, der schon mal einen irre schönen Ausblick auf den See bietet. Dito auch der zweite Ausblick. Hier auf fast 2.500 m Höhe liegt noch Ende Juni Schnee und der Rundweg um den See, der 53km lang ist, ist auf der Ostseite leider nicht befahrbar, da noch nicht geräumt.

Der Crater Lake ist ein praktisch runder See, der in der Caldera des Vulkans Mount Mazama liegt (in den angehängten Fotos gibt es eine Aufsicht bei Sonnenschein. Die habe ich aus dem Internet heruntergeladen. Man sieht dort schön die Lage des Sees). Er ist ausschließlich mit Schneeschmelz- und Regenwasser gefüllt und hat eine unglaublich tiefblaue Farbe. Das Wasser ist das reinste in ganz Nordamerika und die Sichttiefe hat man mal mit über 40 Metern gemessen. Am tiefsten Punkt ist der See 594 m tief, im Mittel aber immerhin noch 350m. Er ist der tiefste See der USA und der neunttiefste der Welt. Durch die Abmessungen von 8 x 9,6km wirkt er praktisch kreisrund. Zwei kleine Inseln liegen in dem See. Wizard Island kann man per Boot erreichen, Phantom Ship Island ist eigentlich nur als eine zackige Felsspitze auszumachen und erinnert in der Tat an die Silhouette eines Schiffes.

Um 10.00h erreichen wir die Crater Lake Lodge, die malerisch oberhalb des Sees liegt. Die Sonnenterrasse wäre ein Knaller, wenn es wärmer wäre, aber so ergattern wir drinen in dem schönen Restaurant einen Tisch zum Frühstück und schauen durch die Fenster auf den See. Eine Grundsanierung 1992 hat dieses historische Gebäude erhalten und die Halle, das Restaurant und die Möbel sind wunderschön. Das Frühstück ist klasse und wir erfahren vom Kellner, dass die mit einem Gewitter rechnen, weswegen man heute nicht nach Wizzard Island kann. Der Himmel wechselt in der Tat von grau zu dunkelgrau und dann zu ziemlich schwarz. Aber hier auf der Südseite des Sees ist es nicht wirklich sehr kalt (im Vergleich zu dem, was wir schon an der Küste hatten, wenn der Wind blies).

Nach einem richtig guten Frühstück mit einem richtig guten Kaffee und ebensolchem Service genießen wir noch ausgiebig die Aussicht von der Hotelterrasse, bevor wir dann an der Westküste nach Norden fahren.

Im Visitor Center schauen wir noch einen Film über die Geschichte des Sees an, der von den Indianern verehrt wird und über 7.000 Jahre in ihren Erzählungen vorkommt. Ein Amerikaner, William Gladstone Steel, hat als 15jähriger im Jahre 1870 einen Zeitungsartikel über die Entdeckung des Sees gelesen. Sein Schulbrot war in die Zeitung eingewickelt und die Geschichte hat ihn so fasziniert, dass er sein Leben und sein Vermögen diesem See gewidmet hat. Viele der Namen bestimmter Punkte hier hat er so benannt. Erst unter Teddy Roosevelt hat er es hinbekommen, dass die Region 1902 ein Nationaplark wurde.

Im Film wird ebenfalls gezeigt, wie aufwändig die Räumung der immensen Schneemassen im Frühjahr sind. Die Crater Lake Lodge, wo wir gefrühstückt haben, hat bestenfalls von Mai bis 23.9. geöffnet. In der Halle hatten wir ein Fotoalbum mit Bildern vom 12. Juni 2011 gesehen, als der Schnee bis zur Oberkante der Rückenlehnen der Terrassenstühle lag. Da können wir ja froh sein, dass es heute besser ist. Unsere Kellnerin berichtete zudem, dass in den letzten zwei Wochen extrem schlechtes Wetter war und viele Leute auf der Straße hier hoch noch verunglückt sind. Schluck! Da haben wir ja echt Glück!

Der Rim Drive führt deutlich oberhalb des Seeniveaus rund um den Crater Lake. Es gibt einen Weg zur einzigen Bootsanlegestelle, die etwa 1,8km Fußweg in Serpentinen auf das Wasserniveau herunter geht. Die Wassertemperatur liegt bei 3 Grad. Sicher wäre die Perspektive da unten eine andere und neue, aber wir verzichten auf diesen Marsch, denn da unten ist nichts, außer einem Steg. Wir sehen vom letztmöglichen Haltepunkt des Rim Drives dann Phantom Ship Island, die zweite Insel im Crater Lake, deren Alter auf ca. 400.000 Jahre geschätzt wird. Auf dem Ausguck weht nun ein eisiger Wind und wir fahren langsam zurück zum Parkausgang. Nochmals sind wir entsetzt über die Menge kranker Kiefern, die oft nadellos und mit schwarzen Stämmen, oder roten Nadeln mit dicken Geschwulsten an den Stämmen neben der Straße stehen. Ein Parasit hat hier bereits 25% der Kiefern vernichtet. Weitere 25% sind schon befallen. Es sieht gruselig aus, aber es gibt auch junge Bäume, bei denen man hoffen kann, dass sie Antikörper gegen diesen Parasiten haben.

Plötzlich öffnet sich der Wald zu einer kargen, steinigen Ebene, dem Pumice Desert. Hier liegt auf teilweise zugefrorenen Wasserstellen noch Schnee und im Hintergrund erhebt sich ein weiterer Kegel, der wie ein Vulkan aussieht. Entstanden ist diese "Wüste" aus der Asche, die der Mount Mazama gespuckt hat, dessen Krater der Crater Lake ist. Als die Straße kurz darauf wieder durch Wald führt, fängt es mal wieder an zu regnen und die Sicht wird zusehends mieser, als wir über die hügelige Landstraße fahren.

Da wir früh dran sind, entscheiden wir nach Bend zu fahren und in La Pine das Motel mal anzusehen und ggf. sausen zu lassen. Das war gut so! Das Motel ist bevölkert von mexikanischen Arbeitern, die alle vor ihren Zimmern hocken und uns anstarren. Zudem liegt das Motel praktisch als Teil einer Shelltankstelle direkt am Highway. Das Zimmer, das wir angucken ist zwar sabuer, aber ich frage, ob wir die Vorausbuchung stornieren können, da es uns unvorstellbar ist, hier auch nur eine Minute zu sein, geschweige denn zu übernachten. Der Mann, der gleichzeitig Motelwirt und Tankstellenwart ist lässt uns aus dem Vertrag und wir fahren erleichtert weiter. Aber nun ereilt uns ein sintflutartiger Regenguss, der uns die nächsten 40km bis Bend begleitet. Wir finden in Bend ein frisch renoviertes Motel6 für 71 Dollar und checken ein.

In die Innenstadt nach Bend fahren wir mit dem Auto, laufen etwas rum und gehen an den Dechute River, der hier durch die Stadt fließt. Viel Grün entlang der Ufer, ruhige Plätzchen zum Lesen und Gucken allerorten. Der Ort hat immerhin 80.000 Einwohner und ist sehr gepflegt, ordentlich und hat schöne Grünanlagen. Im Old Mill District ist eine Art Einkaufsmeile mit Restaurants und kleinen Boutiquen entstanden. Wir reservieren bei Greg’s Grill einen Tisch für 19.30h und bummeln eine Stunde durch die Läden und shoppen natürlich mal wieder. Es ist jetzt trocken und sonnig zum Abend hin und wir essen tolle Steaks mit Blick auf Sonnenuntergang und Dechute River. Ich genieße ein Twilight Bier, das ich schon in Portland bei der Brauerei getrunken hatte. In der Dämmerung laufen wir anschließend am Fluß entlang und in einem großen Bogen zurück zum Auto. 

Schnell noch zu Safeway und um 22.20h sind wir im Hotel. Postkarten schreiben, Kamera reinigen, Tagebuch schreiben und ab in die Horizontale.

Fahrtstrecke: 164 Meilen


Crater Lake
Oregon, United States
Vee Bee Small

Dünen und der Diamond Lake in Oregon

Schon um viertel vor neun verlassen wir die Lakeside Lodge und den Tenmile Lake South und fahren zunächst zum John Dellenback Dunes Trail. Wir laufen durch den Wald und bald in tiefem Dünensand mit toller Aussicht. Die Dünen erstrecken sich hier über 70 Kilometer entlang der Küste. Der Versuch, das Lighthouse in Winchester Bay zu besichtigen scheitert, weil man nicht hinein kann. Der Himmel ist total bedeckt und auch die Fotos werden mal wieder entsprechend. Allerdings sehen wir oben von dem Lighthouse aus unten in den Sanddünen und zwischen den Bäumen jede Menge ATVs rumheizen und vor der Küste sind in gigantischer Ausdehnung Austern- und Krebsaufzuchtstationen zu sehen.

Also fahren wir mal runter und sehen Leuten beim ATV-Fahren zu. Eigentlich eine Sünde hier durch die tollen Dünen mit diesen stinkenden Gefährten zu brettern. Einige Leute sind hier mit Wohnmobilen angerückt, in deren hinterem Teil die 4-rädrigen Motorräder sind und dann geht’s ab die teilweise wirklich hohen Dünen hoch. Es fängt an zu nieseln – was sonst? Um 11.30h sind wir in Winchester Bay und wollen frühstücken, aber hier gibt’s nichts mehr zum Frühstück und so fahren wir weiter nach Süden, Richtung Coos Bay. Kurz vor Coos Bay, in North Bend finden wir einen super Laden, der nach nichts aussieht, aber geniales Essen serviert. Nach zwei Wochen USA endlich mal hot oatmeal mit raisins and brown sugar! Und danach sogar noch ein Club-Sandwich auf hazelnut toast! Sooo gut! Ich bestelle mir noch einen hazelnut steamer, denke, dass das ein Kaffee ist, kriege aber eine heiße Milch mit Haselnuss-Geschmack. Macht zwar nicht wach, aber schmeckt zum Niederknien!

Kaum in der Lage noch zu gehen, ohne nach vorn zu kippen, sitzen wir kurz danach wieder im Auto und steuern bald darauf durch Coos Bay, was nicht so atemberaubend ist, wie gedacht. Uns passieren ein paar der gigantischen LKWs mit endlosen Holzstämmen, die hier überall rumheizen, als ob es kein Morgen gibt. 

So geht es nun weg von der Küste nach Osten auf dem Highway 138 und wir werden zunächst vom Coquille River begleitet. Die Landschaft öffnet sich zu einem weiten, grünen Tal, das von sanften Hügeln eingerahmt wird. In Glide sehen wir das wohl weltweit einmalige Schauspiel zweier sich treffender Flüsse. Little River und der North Umpqua treffen hier schäumend aufeinander und man kann dieses Schauspiel von einer Brücke aus betrachten.

In Roseburg soll es schön sein und es soll dort covered bridges geben. Wir sehen dennoch nichts von alledem, haben aber schon woanders eine kleine covered bridge ausmachen können. Also weiter auf dem Scenic Byway am North Umpqua River entlang. Der Fluß ist smaragdgrün und rasend schnell unterwegs. Ein Gebirgsfluß mit Stromschnellen, der sich ein tiefes Bett zwischen die Steine gegraben hat und durch einen dichten Wald verläuft. Wir rauschen daran vorbei und suchen bei Steamboat (was für ein Name im Inland?!) nach der Abfahrt zu den Steamboat Falls, wo zwischen Mai und Oktober Lachse und Forellen die kleinen Fälle hochspringen. Auf dem Weg dorthin passieren wir eine Gruppe Jugendlicher, die von den Felsen in die Stromschnellen des sicher kalten Flusses springen. 

Bevor wir zu den springenden Lachsen kommen, treffen wir auf ein Ehepaar, das seinen Wagen in den Graben gefahren hat. Wir nehmen die Frau mit und fahren sie – entgegengesetzt zu unserer geplanten Route – zum Steamboat Inn, dem einzigen Hotel weit und breit zwischen Roseburg und dem Diamond Lake. Handy-Empfang gibt es hier nicht, nicht einmal für die Amis. Durch diese Zeitverzögerung entfällt nun das Erlebnis der springenden Lachse und wir machen uns auf den Weg in Richtung einer Bleibe, denn es ist schon 18.30h.

Die Fahrt führt weiter am North Umpqua River entlang und bald steigt die Straße auf 1.500m an. Die Straße läuft nun konstant durch dichten Wald und es gibt seit etlichen Meilen keine Orte mehr, geschweige denn Tankstellen oder Restaurants oder Motels. Dafür aber gibt es Millionen Campingplätze und Wanderwege. Kurz vor dem Diamond Lake erreichen wir noch einen der Wasserfälle, die pittoresk im Wald liegen. Dieser läuft über grell-grün bemooste Steine. Allerdings werden wir – kaum, dass wir das Auto verlassen und stehenbleiben – von Dutzenden Moskitos überfallen, die uns wie Blutspender anzapfen. Fuchtelnd erreichen wir die Wasserfälle, wundern uns über andere Leute dort in Shorts und stolpern schlagend nach zwei Fotos wieder zurück zum Auto. Nächster Punkt ist der Diamond Lake Lookout, der etwas erhöht liegt. Vor uns liegt der See und dahinter der Mount Bailey, ein über 2.500m hoher „Schildvulkan“ und Teil der Kaskadenkette, die von Nord nach Süd in Oregon verläuft. Schildvulkane entstehen durch das Ausfließen sehr dünnflüssiger und gasarmer Lava, die zu sehr markanten Formen führen, eben zu diesen Schildvulkanen.

Die Moskitos sind unermüdlich und es fällt uns schwer, hier die schöne Aussicht zu genießen. Hinter uns liegt der 2.700 m hohe Mount Thielsen mit seinem seltsam spitzen Gipfel, der wie eine abgeknickte Zipfelmütze aussieht. Wir stehen hier mitten im Umpqua National Forest und die Aussicht ist eigentlich traumhaft über den Diamond Lake an dessen Ufer wir heute eine Unterkunft haben. 

Wir flüchten aber lieber vor den Blutsaugern schnell wieder ins Auto und fahren zur Diamond Lake Lodge, die sehr einfach wirkt. Hier gibt es Stellplätze für Motorhomes ebenso wie Motel Rooms, wovon wir einen gebucht haben. Für 99$ in der Saison ist das ein guter Preis, aber die Leistung ist auch nicht sehr überzeugend und sehr basal. Aber es ist das erste Hotel seit Roseburg, was etwa 80 Meilen hinter uns liegt, wenn man von dem Steamboat Inn absieht, wo wir vor geraumer Zeit die verunfallte Frau abgesetzt haben. Als erstes versuchen wir moskito-frei ins Zimmer zu kommen und erschlagen anschließend dann doch noch 10-15 Mücken. Wir essen schnell eine Suppe im Restaurant des Hotels und genießen durch ein Fenster, an dem sich Zillionen Moskitos die Nase platt drücken, die Aussicht auf See und Berg. Wir laufen kurz am Ufer entlang, aber wegen der Mücken auch wirklich nur sehr kurz. Eine Pause am Kaminfeuer an der Rezeption ist gemütlich und bietet WLan. Um 22h sind wir im Zimmer, erschlagen noch ein paar Moskitos und dann ist Ruhe.

Fahrtstrecke: 229 Meilen


Diamond Lake
Oregon, United States
Vee Bee Small

Walmart-Jeans und eine Seelöwen-Höhle

Um halb zehn rollen wir vom Coho Oceanfront Resort weg. Der Himmel ist etwas bedeckt, aber die Temperatur ist ok und wir frühstücken irgendwo draußen. Eigentlich haben wir nur 80-100 Meilen zu fahren, da wir in Florence oder irgendwo südlich davon an der Pazifik-Küste übernachten wollen. 

Die Küste südlich von Lincoln City, wo wir die letzten paar Tage verbracht haben, ist dramatisch schön. Teilweise sind wir hoch oben zwischen windschiefen alten Kiefern unterwegs, während weit unter uns der Pazifik in langen, breiten Wellen an den Strand rollt. Dann wieder gibt es breite Strände, die sich mit Steilküste und wieder grauen Stein-Stränden abwechselt, der aus Lava-Gestein besteht. 

Wir stoppen kurz in Depoe Bay, der Stadt mit den besten Walbeobachtungs-Möglichkeiten. Allerdings sind im Sommer nur 200-400 Grauwale hier. Ihre ganzjährigen Fanggründe sind hier vor der Küste, da sie – im Gegensatz zu Buckelwalen – flacheres Wasser lieben und keine Tiefseetaucher sind. Leider zeigt sich während des kurzen Stopps keiner in Sichtweite und wir fahren weiter. Das Wetter ist diesig, feucht und extrem ungemütlich, da auch noch eine steife Brise weht. Mehr als 60 Fahrenheit (ca. 15°C) kriegen wir heute nicht. Am Yakina Head Lighthouse, das mit etwas mehr als 28m Höhe der höchste Leuchtturm von Oregon ist, halten wir kurz an und schauen auf die Felsen unterhalb von der Halbinsel Yakina Head. Dort liegen Dutzende Seehunde, tausende Seevögel belagern die Felsen und uns umtost ein gnadenloser Wind von der Wasserseite, so dass es schwer ist, die Kamera still zu halten, um zu fotografieren. Dann fängt es mal wieder an zu regnen und wir sehen die atemberaubende Küste in konstrastlosem Einheits-Grau.

In Newport biegen wir zum Walmart ab und ich finde zwei Lee-Jeans für unter 20 Dollar. Würde ich jemals in Deutschland in einem Supermarkt eine Jeans kaufen? Sicher nicht. Aber Lee ist Lee und das ist unschlagbar billig. Wir rüsten uns zudem mit Billig-T-Shirts mit US-Flagge für die 4th of July-Parade aus und investieren dafür 3,88 $. Das Ding muß ja nur einen Tag halten.

Anstelle von Lebensmitteln habe ich also neue Hosen und kann folglich heute Abend zwei der alten von Zuhause heute Abend entsorgen. Ab morgen fange ich in diesem Urlaub an, die neuen Klamotten der Shopping-Touren zu tragen. Alles Bisherige ist wirklich im Müll gelandet und ich habe noch keine Dreckwäsche im Gepäck – und das nach fast 2 Wochen! 

In der Altstadt von Newport, die man Nye Beach nennt, finden sich im Historic District eine Fülle schöner alter Holzhäuschen mit viel maritimer Deko. Teilweise stehen auch hier die Häuser unglaublich dicht an der Steilküstenkante, dafür hat man aber einen ungehinderten Blick auf den endlosen Strand und die Weite des Pazifiks. Wir bummeln etwas durch die ruhigen Sträßchen und holen uns in einer Bäckerei kurz etwas zum Essen und einen heißen Kaffee. Der andere Teil von Newport liegt an einer Bucht, der Yakina Bay und wir sehen hunderte Fischerboote, die hier in diesem geschützen Hafen schon lange ihren heutigen Fang angelandet haben. Bunte Roisen liegen überall herum und nicht weit weg gibt es tolle Fischgeschäfte mit riesigen Krebsen im Angebot. Während es anfängt zu regen (was auch sonst?) hechten wir ins Auto, fahren unter der hübschen Yakina Bay Bridge hindurch zum Yakina Lighthouse. Wir sprinten im Regenguß die Treppen zum Museum hoch und schauen uns die Wohnräume des Leuchtturmwärters an, der hier Ende es 19. Jahrhunderts gelebt hat. 

Auf der Weiterfahrt in den „sonnigen“ Süden passieren wir Waldport, Yachats und von oben schüttet und schüttet es, ohne Unterbrechung. Gegen 16.00h erreichen wir vor Florence die Sea Lion Caves, wo über 100 Steller Sea Lions leben. Der zu deutsch "Stellersche Seelöwe" ist nicht nur einer der aggressivsten seiner Gattung, sondern auch einer der größten. Sie gelten als Raubtiere und gehören zu den Ohrenrobben. Er kommt ausschließlich im Nord-Pazifik zwischen Japan, Alaska und der Nordwestküste der USA vor und die Männchen bringen bis zu 1.100 Kilo auf die Waage und werden bis 3 Meter lang. Die Weibchen sind mit bis zu 300 Kilo deutlich kleiner. Sie können bis zu 180m tief tauchen und sind vom Aussterben bedroht.

Mit einem Lift geht es rund 30 Meter vom Straßenniveau herab in einem Felsen und man kann recht gut in die Höhle blicken, in der etliche dieser Seelöwen sind. Insbesondere das Gehabe der Männchen wirkt ziemlich streitsüchtig. Keine Kuscheltiere…Allerdings sind die Tiere unglaublich wendig, wenn sie sich aus dem Wasser wuchten und über die Felsen robben. Auf der anderen Seite der Höhle sieht man auf das Heceta Head Lighthouse und das daneben liegende Bed & Breakfast. Es muß toll sein, dort oben zu wohnen, aber derzeit ist das Lighthouse für 2 Jahre „under renovation“ und hinter einer Plane verborgen. Kurz vor unserem Seelöwen-Stopp hatten wir an einem Parkplatz unterhalb des Lighthouses gehalten und theoretisch hätte man dort hochlaufen können, aber bei rund 13°C und Regen plus Wind macht das keinen Sinn und die Sicht ist entsprechend.

Florence, ein Ort, den ich verschiedentlich als „niedlich“ „schön“ und „historisch“ beschrieben gesehen habe, enttäuscht uns doch etwas, als wir dort ankommen. Es gibt nur ein paar Holzhäuser, aber die hatten wir schon woanders schöner und so gibt’s nur einen handgebrühten Kaffee in einer kleinen bunten Bude und wir fangen an, nach einem Plätzchen zum Übernachten zwischen hier und Coos Bay zu suchen. Wir fahren in Richtung Reedsport, wo uns ein Best Western ein Raucherzimmer (dafür aber „pet-friendly“!) anbietet in einer trostlosen Umgebung am Highway 101 gelegen. Also weiter. Auch die nächsten zwei Motels sind nicht der Bringer und auch Winchester Bay „einen netten Ort und guten Ausgangspunkt für die Dünen“ verlassen wir schnell wieder.

Bevor wir in Lakeside ein Motel beziehen haben wir noch an zwei Punkten die Dünen des Oregon Dunes National Park gesehen. Schade, dass es wieder regnet, als iwr kurz darauf noch einen der vielen Seen von oben fotografieren. Während nun westlich des Highways Wald und Dünen sind, haben wir östlich davon Wald, Dünen und Seen. Durch Zufall finden wir ein abgelegenes Hotel, das für uns ein Zimmer mit einem Blick auf einen See hat und dafür nur 86 Dollar will. Wir essen kurz im Hotelrestaurant, was jetzt nicht so ganz klasse war, weil wieder mal der Fisch total paniert wurde. Draußen hören wir die Frösche quaken, die Ruhe ist herrlich. Gute Nacht!

Fahrtstrecke: 127 Meilen


Lakeside
Oregon, United States
Vee Bee Small

Sonne und Wind

Zwei Meilen von unserem Hotel ist ein kleines Outlet, das ich heute vormittag mal besuche und dort ein wenig shoppe, sitze aber um 12.30h am Strand. Mein Beach Chair erfreut mich erneut. Heute sind die Tide Pools nicht so ergiebig, aber die See-Anemonen sind da und öffnen sich, wenn sie mit Wasser umspült werden. Ich sehe kleine Einsiedlerkrebse und andere Krabbeltiere im Wasser. Der Strand ist heute voller als gestern, man hat pro Person zwar immer noch etwa 150 Quadratmeter Platz, sieht aber heute mehr Leute als gestern. Um 15.00h kommt Gitta von ihrem Spaziergang zurück, ich hole Auto und Sonnenschirm runter auf den Strand und wir haben jetzt einen guten Windschutz. Den Sonnenschirm haben wir neulich am Yale Lake gefunden, als wir ungeplant nicht zum Mount St. Helens kamen und an diesem See den Nachmittag verbracht haben.

Heute sollen angeblich 85°F sein, also knapp 30°C, aber dieser sau-kalte Wind beschert uns einen anderen Eindruck und wir sitzen recht weit in Richtung Steilküste, in der Hoffnung, dort ist es etwas windgeschützter. Aber ohne Fleece-Jacke mit Kapuze und langer Hose plus Schuhen geht nix. Trotzdem sehr schön. 

Um 18.00h verziehen wir uns und gehen im Kyllo’s essen, wo wir tatsächlich draußen in der Abendsonne geschützt sitzen und Salat plus Budweiser genießen. Noch einmal Sonnenuntergang vom Balkon gucken – heute sogar ohne Wolken. Einen so sonnigen Tag hatten wir in eineinhalb Wochen nicht! Ich wiege meine große Tasche, die mit 19,5kg noch Luft hat. Die Kleine ist eh deutlich leichter, da ich jede Menge Klamotten seit der Ankunft weggeschmissen habe, nachdem ich sie angehabt hatte.


Lincoln City
Oregon, United States
Vee Bee Small

Ein Tag am Meer

Das Meer rauscht beim Öffnen der Balkontüre und wie Wolken sind heute gar nicht mehr so duster. Ein Frühstück in der Anlage, das inklusive ist, nehmen wir mit, es ist schnell absolviert. Um die Mittagszeit marschiere ich mit langer Hose, Wanderschuhen und Fleecejacke plus Halstuch los auf den Strand. In den Tide Pools, die in den Felsen vor unserem Strand reichlich zu finden sind, haben sich See-Anemonen und Seesterne in rauhen Mengen und allen Größen festgesetzt. Die Felsen, über die man kraxelt sind übersäht mit Miesmuscheln und es kracht unter den Schuhen. Fast eine Stunde gucke ich dort in die Felsen, bevor ich dann einen Spaziergang am Strand nach Süden unternehme. Die Sonne scheint zwischen den Wolken immer mehr hindurch. Es ist auflaufendes Wasser und an manchen Stellen sind die Zuflüsse so voll Wasser, dass man nur barfuß weiter kommt. Das Wasser des Pazifiks ist wie immer ziemlich kalt, selbst unmittelbar am Spülsaum. Nach zwei Stunden geht es nicht mehr richtig weiter, ohne bis zum Knie durch steinige Querflüsse zu laufen. Bevor ich mich dort selbst versenke gehe ich die Steilküste hoch auf die Straße und finde einen schönen Ausguck über den Strandabschnitt, den ich gerade gelaufen bin. Hier oben stehen teils recht hübsche Häuser, allerdings auch oft drohend dicht an der Abbruchkante. Die Sonne scheint nun und wenn der Wind nicht wäre, könnte man sogar dauerhaft ohne Jacke laufen. 

Die rund vier Meilen zurück zum Hotel gehe ich dann auf der Straße und gucke dort mal in ein paar kleine Shops. Ein Coffee Shop hat trinkbaren Kaffee, den ich nach dem Marsch jetzt genieße. Zurück am Hotel schnappe ich mir meinen Beach Chair von Safeway und klappe ihn auf dem Strand unterhalb unseres Domizils aus und sitze dort mit Fleece-Jacke und aufgesetzter Kapuze im Wind und der Sonne. Gitta hat den Strand in die nördliche Richtung erwandert und wir treffen uns hier, bevor wir entscheiden, im Restaurant „Pier 101“ etwas essen zu gehen. Die Preise sind ok, die Bedienung nett, die Portionen groß – um uns sitzen nur Rentner, denn wir sind hier zur Zeit der Rentner-Fütterung aufgelaufen. 

Zum Sonnenuntergang sitzen wir wieder in der Pole Position auf unserem großen Balkon, leeren unseren Behringer White Zinfandel und werden mit einem gigantischen Sternenhimmel belohnt. Schöner Tag!


Lincoln City
Oregon, United States
Vee Bee Small

Schottische Weine und der Halbstunden-Käse

Wir kommen um kurz nach 10 los und wollen zunächst südwestlich von Portland in die Weinregion. Wir kaufen bei „Schlichting“ am Obststand jede Menge Himbeeren, Kirschen etc. ein undtrudeln dann kreuz und quer über entlegene Lanstraßen durch die Gegend. Der Himmel ist total bedeckt und es sieht zeitweise sehr nach Regen aus. Mehr als 16°C wird es nicht.

Wir rollen durch das Willamette Valley, wo überwiegend Pinot Noir angebaut wird. Die Orte hier tragen Namen wie Dundee oder auch Newburg, haben schottische und skandinavische Grunderväter, beides Nationen, die ja nicht wirklich für Weinanbau berühmt sind. Aber Bergström Winery, Scott Paul Winery, Anderson Winery sind Zeugen für die Herkunft der Winzer. Sowas wie Hip Chicks Do Winery dürfte folglich eine neuere Gründung sein…Unsere Versuche irgendwo ein Wine Tasting in der Kellerei zu machen scheitert, da diese entweder zwar möglich, aber derart weit weg von der Landstraße meist auf ungeteerten Wegen erreichbar wären und Umweg und Verlust des Versicherungsschutzes des Autos auf diesen Wegen nicht die Sache wert sind. Also kurven wir bald nach Norden, treffen dort auf Highway 26, der uns direkt nach Westen zum Pazifik bringt.

Wir erreichen Cannon Beach, wo der Lewis & Clark-Trail endet. In Fort Chatsop haben die Jungs damals überwintert. Etwas nördlich von Cannon Beach liegt Seaside, wo sie sich seinerzeit ihr Salz für die Rückreise nach St. Louis geholt haben.

Auf dem Weg nach Cannon Beach haben wir die Küstenberge mit viel Regen passiert, leider hör der aber auch nicht wirklich auf, als wir im Ecola State Park zwei Fotostopps einlegen. In Wolkenlöchern hatten wir schon manchmal schöne Strandbilder von der US 101 auf Orte geschossen, hier wollten wir aber natürlich den berühmten „Haystack Rock“ fotografieren. Dieser 72m hohe Felsen gilt als einer der größten Küstenmonolithen der Erde und hat seinen Namen aufgrund seiner Form, die eben einem Heuhaufen ähnelt.

Entlang der Küste und an dem Aussichtspunkt gibt es auch jede Menge Rastplätze von Seelöwen, die sich aber auch nicht zeigen. Ist vermutlich egal, ob sie auf dem Felsen oder im Wasser sind – es ist gleich nass. Wir stehen also mit Fleece- und Regenjacken tapfer an dem Aussichtspunkt und sagen uns, dass es sicher bald besser wird.

In Cannon Beach laufen wir die Main Street hoch und runter und kaufen uns ein Eis. Die Sonne kommt immer mal kurz vor, aber wir entscheiden uns, weiterzufahren, passieren nun dichter diesen riesigen Felsen und mit ein paar unermüdlichen Strandspaziergängern im Vordergrund kann man die Größe noch besser erfassen. Bei Ebbe kann man ihn sogar zu Fuß erreichen und die Nistplätze der tufted puffins und Kormorane von Nahem sehen.

Auf der Weiterfahrt entlang der Küste nach Süden, halten wir in Rockaway Beach mit einem riesigen Strand, schönen Dünen und tollen Häusern. Wie überall ist der Strand fast menschenleer nur einige Spaziergänger mit Hunden sind unterwegs. Dank der kurzzeitig scheinenden Sonne gelingen schöne Bilder und auch der Ort bietet mit liebevoll gepflegten Häusern und Blumenampeln schöne Motive.

Einen Ort weiter türmen sich bis zu 3 Metern hohe Haufen von Austernschalen am Hafen. Offenbar werden hier viele dieser Muscheln gefischt. Weiter geht bis etwa 20 Uhr durch kaum unterscheidbare Orte voller Eintönigkeit und Leere. Wir passieren unterwegs allerdings Tillamook, der Ort der einem der berühmtesten amerikanischen Käsereien seinen Namen gibt. Die Käserei kann man besichtigen, so dass wir heute noch etwas „Bildung“ mitnehmen. Bestimmte Käsesorten werden hier maschinell innerhalb von 30 min hergestellt. Jedem Alpen-Bauern dreht sich vermutlich der Magen um, wenn er das hört. Hier wird Quark in dieser Geschwindigkeit zusammengepresst und fertig ist der Käse. Nun wissen wir, was wir in jedem Supermarkt einkaufen…Die Produktionshalle dieses Halbstunden-Käses können wir von oben einsehen. Wir nehmen uns trotz der neu erworbenen Kenntnisse ein Stück Halbstunden-Käse mit und wundern uns im Gift Shop über Souvenirs die selten häßlich sind und nicht ansatzweise mit Käse zu tun haben, wie z.B. ein Hund im Sektglas zum Hinstellen als Staubfänger.

Derart gebildet fahren wir weiter nach Süden und die Strecke bis Lincoln City zieht sich doch ganz schön, weil man auch nur 55 mph fahren darf. Wir holen uns im Safeway noch Verpflegung für die nächsten Tage, denn wir bleiben in Lincoln City die nächsten 3 Tage in einem Apartment. The Coho ist unsere Bleibe und wir kriegen ein Zimmer im zweiten Stock ohne Lift, allerdings mit einem Balkon mit ungehindertem Blick über endlose Meilen über den Pazifik-Strand. Wir haben zwei Zimmer und so hat jeder sein Reich. Jetzt gibt’s ne Suppe und wir sitzen mit Blick auf die vor uns im Meer versinkende Sonne auf dem Balkon – einfach herrlich! Unten vor dem Haus stehen oberhalb der Steilküste Feuerstellen, um die man sich in gemütlichen Adirondack Chairs mit Blick auf den Nachthimmel setzen kann. Das Meer rauscht, aber der Wind pfeift nicht schlecht und es ist ziemlich kühl, so dass wir hier bei maximal 14°C plus Brise nicht lange aushalten.

Fahrtstrecke: 221 Meilen


Lincoln City
Oregon, United States
Vee Bee Small

Portland mit Rosenduft und Seilbahn

Wir stehen um 8.30h auf und haben – oh Wunder! – keinen Regen. Sogar blauen Himmel hinter den Wolken! Also Frühstück holen und los. Wir fahren zunächst zum Washington Park, der etwas abgelegen ist. Den Bus-Shuttle von der Straßenbahnhaltestelle verpassen wir  und stehen eine Viertelstunde rum, während sich über uns der Himmel drohend verdunkelt. Der Bus kommt aber doch rechtzeitig und setzt uns am „International Rose Test Garden“ ab. Der Garten ist Teil des Parks und hat eine gut 100jährige Geschichte. Man hat ihn wirklich zur Kultivierung neuer Rosensorten angelegt, da Portland auch schon davor die Stadt der Rosen genannt wurde und schon um die Jahrhundertwende viele Straßenzüge hatte, die von Rosen gesäumt waren. Heute gibt es hier um die 8.000 Rosenstöcke von über 500 verschiedenen Sorten. Die Anlage, die wir besuchen ist überschaubar und man kann ungehindert die Beete entlanggehen und seine Nase in jede Blüte stecken. Es duftet überall und wir haben tolle Fotomotive, wenngleich viele Blüten unter dem Regen gelitten haben. Der Juni ist die Hochzeit der Rosenblüte, von daher sind wir zum richtigen Zeitpunkt hier.

Rund eine Stunde fotografieren wir Blüten und Stauden und genießen die Aussicht von dieser Anhöhe über die Stadt und den in der Ferne liegenden Mount Hood, der erneut seinen Gipfel mit Wolken unsichtbar macht. 

Gegenüber vom Rose Garden liegt der Japanische Garten, der allerdings von uns verschmäht wird, nachdem er $9.50 Eintritt haben will (der Rosengarten war kostenlos). Also warten wir auf den Shuttle-Bus und landen etwas ungeplant am Jeld-Wen Field, dem Fußballplatz der Portland Timbers. Vor und im dem Stadion kocht die Stimmung, denn heute spielt Portland gegen Seattle. Eine Sandwichverkäuferin sagt noch, dass die Portlander ziemlich verrückt nach Fußball sind. Die sind wirklich europäischer, als andere Amerikaner…

Wir nehmen von dem Stadion aus eine Straßenbahn zum Pioneer Square und holen uns eine nKaffee, fahren dann nach Süden und steigen dort um auf einen Bus, der uns auf einen anderen Hügel der Stadt bringt, wo das Veteranenhospital OSHO liegt. Ein altes Männlein mit zwei Hörgeräten, das mit uns den Bus verläßt, versucht uns den Weg zur Aerial Tram zu beschreiben und erzählt uns, wir sollen in das Krankenhaus gehen. Das kommt uns erst einmal sehr seltsam vor, entpuppt sich aber als richtig. Völlig unbehelligt fahren wir mit dem Lift in den zweiten Stock und laufen durch Gänge und folgen Schildern durch einen gläsernen Übergang in einen weiteren Krankenhausbau. Nach weiteren Kurven und Ecken landen wir dann tatsächlich an der „Bergstation“ der Aerial Tram, deren unteres Ende an einem Parkplatz und einer Busstation neben dem Willamette River liegt. Für die Angestellten des Krankenhauses ist dies der übliche Anfahrtsweg zur Arbeit. Unsere super-informierte Hotel-Frau hatte uns aber den Tipp gegeben, die Tour von oben nach unten zu fahren, weil es dann kostenlos ist. Von unten nach oben kostet es 4 Dollar.

Wir genießen die Aussicht unter einem blauer werdenen Himmel. Linker Hand liegt die Stadt und man sieht das Gewirr von Autobahnen. Geradeaus können wir sogar Mount St. Helens ausmachen. Wir fahren mit der Seilbahn nach unten und warten mal wieder auf einen Bus, der uns nur zu einer Tramstation fährt. Irgendwann haben wir heute auch wirklich alle Verkehrsmittel durch.

In der Innenstadt laufen wir durch ein paar Geschäfte und folgen dem Tipp aus dem Lonely Planet und gehen bei Jake’s Seafood essen. Erneut eine urige Lokalität mit gutem Essen und etlichen Bieren aus der Gegend.

Pappsatt rollen wir gegen 18.00h aus der Tür und fahren runter zum Wasser. Hier suchen wir nun den Mills End Park – den weltkleinsten Park, der auch im Guiness Buch der Rekorde steht und nur 61 QuadratZENTIMETER mißt. Als wir ihn dann gefunden haben, sieht er eher aus wie ein Blumenkübel auf der Hälfte eines Fußgängerüberweges. Angelegt wurde dieser „Park“ vor rund 100 Jahren von einem Geschäftsmann, der von seinem Fenster aus immer nur auf die geschäftige Straße sah. Heute würde er seinen Park vor Straße und Autos sicher auch eher selten erblicken.

Es fängt an zu regnen – nach einem kurzen Nieselschauer im Rosengarten erst das zweite Mal heute, dass es nass wird. Dennoch entscheiden wir uns gegen den geplanten Fußweg am Fluß und nehmen die Straßenbahn zurück zum Hotel, wo wir dadurch ziemlich früh ankommen und den Abend mal einfach nur relaxen.


Portland
Oregon, United States
Vee Bee Small

Portland/Oregon: Saturday Market und Brauerei-Test

Es regnet! Nein, es schüttet als wir um kurz vor halb neun aufstehen. Unglaublich: Es hat die ganze Nacht geregnet! Wir holen uns das Frühstück aufs Zimmer, der Kaffee bekommt auf dem Weg quer über den Parkplatz etwas Regenwasser ab. Um kurz vor 10 haben wir die Überlegung begraben, durch eine Fahrt in die Umgebung irgendwo besseres Wetter zu finden. Wir haben sämtliche Internet-Seiten mit Wetterberichten angeklickt, den Weather Channel im Fernsehen hypnotisiert – aber wir müßten wohl schon nach Hawaii fahren.

Mit der üblichen Ausrüstung Fleece- und Regenjacke, was wir nun schon seit einer Woche tragen, stiefeln wir los, nehmen wieder die kostenlose Straßenbahn zum Pioneer Square und retten uns erstmal zu Macy’s, wo ich eine neue Reisetasche kaufe, die sich klein falten läßt und als Tages-Tasche dient, damit ich nicht die große Tasche mit sämtlichem Gepäck täglich aus dem Auto holen muß. Das System hat sich bewährt, nur meine kleine Tages-Tasche ist langsam fast kaputt und ich brauche eine neue. 

Wir bummeln durch das Einkaufszentrum am Pioneer Square und wären ins Kino gegangen, wenn der Film nicht erst um 13.20h liefe. Also springen wir von Laden zu Laden, ohne etwas zu kaufen und erleben wie um 12 Uhr mittags der Himmel aufreißt und wir nach gefühlten tausend Stunden erstmalig Sonnenschein spüren. Das gibt Mut, sich auch etwas von Geschäften zu entfernen und so schlagen wir den Weg runter zum Willamette River ein und laufen am Flußufer zum Saturday Market. Der Willamette River ist von etlichen Brücken gequert, tw. sind es Hubbrücken oder Zugbrücken. 

Der Saturday Market hat auch Sonntag auf, aber heute sind wir ja noch am „Saturday“ und es ist einiges los. Es sind eher Kunstgewerbe-Stände, viele Freßbuden und Bierstände – es riecht überall sehr verlockend und die Leute stehen und sitzen dort und futtern. Ich finde einen Sattler, der mir kostenlos vier weitere Löcher in meinen Gürtel macht und siehe da: Die Hose rutscht nicht mehr!

Wir kommen an der alten Oyster Bar vorbei, die in fünfter Generation von der Familie Wachsmuth geführt wird. Auf der nächsten Ecke predigt einer christliche Werte wie in Speaker’s Corner und gegenüber stehen locker 60-70 Leute nach Donuts an, deren „Geheimnis im Loch“ liegt. Na dann! Wir sparen uns das Anstehen, die Kalorien und das Loch und laufen weiter durch das historical quarter. Hier stehen alte Lagerhäuser und Häuser mit recht schönen Fassaden. Kurz darauf sind wir im Pearl District, der erst einmal ziemlich tot wirkt, ebenso Chinatown, wo nur 10 Chinarestaurants waren, aber nicht das ansonsten übliche Gewühl und die Ansammlung von skurrilen Läden – gar nichts dergleichen.

Wir nehmen irgendwo die Straßenbahn und fahren eine Schleife von 20min die uns nach Nob Hill und einen anderen Stadtteil führt. Es gibt überall in Portland reichlich viele Durchgeknallte und auch Obdachlose, Bettler, Spinner und Leute am Rand der Gesellschaft. Die hat man dann auch gern mal in der Straßenbahn…Lustig wird es aber wirklich, als etwa 10 junge Leute in die Bahn springen, die mit Schildern am Hemd als Team eines City Hunts erkennbar sind. Es ist eine Schnitzeljagd und die Mädels sagen uns, sie seien aus der Gegend von San Fancisco und müßten jetzt 13 Punkte in Portland abklappern, in maximal 5 Stunden. Die schnellste Gruppe gewinnt. Alle haben mords-Spaß und sind witzig kostümiert. 600 solcher Teams sind heute zu dieser Scavanger Hunt in Portland unterwegs – aus den ganzen USA! 

Wir steigen etwas ausgeruht im Perl District wieder aus und während Gitta in einem Schuhladen stöbert, geht draußen die Welt unter. Selbst meinen Rucksack muss ich nun mit dem dazugehörigen Regencape schützen. Wir laufen zur Dechute-Brauerei, als der Regen nur noch Regen ist und keine Sintflut mehr. Wir sind jetzt im Brauerei-Viertel und kriegen in der Dechute-Brauerei nach 25min Wartezeit einen Tisch. Es ist 15.30h und wir hatten bis zu diesem Wolkenbruch immerhin rund 3 Stunden keinen Regen! 

Und während wir lecker essen, klärt sich draußen das Wetter weiter und wir haben fast klaren Himmel, als wir nach 17.00h auf die Straße kommen. Wir laufen an etlichen der für Portland so typischen Food Stalls entlang und erreichen wieder den Pioneer Square.

Bei Tiffany’s werde wir erst komisch vom Sicherheitsmann beäugt, aber reingelassen. Ich finde eine schöne Silberkette, Gitta ebenfalls und wir sind kurz vor 18.30h die letzten Kunden, die durch die Sicherheitsschleuse auf die Straße entlassen werden. Bevor wir ins Kino gehen, holen wir uns einen Kaffee, der extrem mies schmeckt und halb getrunken im Müll landet.

Snowhite and the Huntsman ist der Film des Abends. Viele special effects und gute Unterhaltung. Um 22.00h erwischen wir die Straßenbahn in unsere Richtung und sind kurz danach im Hotel. Wir köpfen eine Flasche Wein, die ich gestern bei Safeway gekauft habe: Ein Syrah aus dem Columbia Valley! Starkes Aroma – also irgendwann müssen die hier Sonnenschein haben…


Portland
Oregon, United States
Vee Bee Small

Oregon wir kommen!

Es gibt kein Frühstück in unserer Herberge, aber es hält uns auch nicht wirklich etwas hier und so sitzen wir um 8.30h im Auto und rollen nach Süden. Es sind schätzungsweise 15°C – wo bitte bleibt mal der Sommer??? Das ist ja noch nicht einmal eine Frühlingstemperatur! Der Himmel ist dick bewölkt. Wir kommen kurz vor dem Columbia River auf der nördlichen Seite in Washington noch in einen Ort Vancouver, wo wir ein nettes Café finden, indem man uns einen handgefilterten (!!!) Kaffee zaubert. Wir genießen selbigen und fahren weiter. Es fängt an zu regnen, als wir von Norden auf über den Columbia River und somit nach Oregon einfahren. Wir biegen planmäßig nach links (Osten) ab und machen einen zweistündigen Stopp in Troutdale, einem nicht ganz so tollen Outlet  - aber irgendwas findet sich ja immer. 

Es ist fast 14.00h als wir aus Troutdale abfahren, die ganze Zeit hoffend, dass sich der Himmel mal blau verfärbt, so etwas wie Sonne sichtbar wird, denn wir wollen zur Columbia River Gorge und da sollte man besser schönes Wetter haben.  Aber das bleibt auch heute ein frommer Wunsch.

Wikipedia gibt uns folgende Info für den heutigen Tag: "Über die Epochen hat sich der Columbia-Fluss tief in das Vulkangestein des Columbia-Plateaubasalts getrieben. Die letzte große Erosion erfolgte während der Missoula-Fluten in der letzten Eiszeit vor etwa 13.000 Jahren. (...) Häufiger Regen (Anmerkung von mir: Wer hätte das gedacht?!!!!!!!) nährt den Waldbestand und die vielen Wasserfälle über den Basalt-Felsen. Die verschiedenen Höhen und der unterschiedliche Niederschlag in den Regionen hat eine biologische Diversität von Ökosystemen hervorgebracht, zum Beispiel einen subtropischen Regenwald Ebenso findet sich eine reiche Wildblumenpopulation. An den Hängen wird Wein angebaut, vor allem auf Seite von Oregon."

Unsere Straße ist der Historic Columbia River Highway. 1999 wurde er zum National Scenic Byway erklärt, und im Jahr 2000 erhielt er mit der Einstufung zur National Historic Landmark den höchstmöglichen Schutzstatus. Er führt uns immer wieder in dichten Wald und an beiden Seiten der schmalen Straße stehen große, bemooste Bäume und kleinere Begrenzungsmauern und –pfähle, die total zugewachsen sind. Es erinnert an den Hoh Rain Forest und sieht sehr mystisch aus. Wir halten an einem Aussichtspunkt, von wo aus man (bei besserem Wetter) einen (tollen) Blick über den tief unter uns liegenden Fluss und die Berge daneben hat, die über 1.200 m hoch über dem Fluß stehen. 

An einem weiteren Aussichtspunkt versuchen wir noch andere Fotos zu machen, von denen man hinterher vielleicht die eigentliche Schönheit dieser Region ableiten kann, aber es bringt nichts. Die Wolken hängen tief, alles ist grau und wir fahren weiter. 

Wenngleich es auf vielen Reisen viele Wasserfälle gegeben hat und man ja nicht jeden gesehen haben muß, so halten wir nun doch an einem der 77 Wasserfälle, die hier an dieser vergleichsweise kurzen Strecke liegen. Der höchste aller Wasserfälle hier, sind die Multnomah Fälle, ein zweistöckiger, fast 200 m hoher Wasserfall. Wir machen Fotos und laufen auf die Brücke, die über den unteren Teil der Fälle führt. Die Bäume rund um uns sind wieder total bemoost. Es ist ein schöner Anblick diese Wasserfälle zu sehen, aber die Menge an Touristen ist schwer erträglich.

Es ist fast 16.00h als wir hier weiterfahren, nach Hood River, wo man auf dem Columbia River surfen kann. Nun ist das Wetter zwischenzeitlich so herbstlich, daß wir keinen sehen, der im oder am Fluß mit einem Surfbrett rumtobt. Wir sind nach 20 min mit einem Kaffee in der Hand wieder unterwegs und biegen nun nach Süden ab auf einen der weiteren Scenic Byways, den sogenannten Fruit Loop.

Nun sind wir allerdings wohl einerseits zu früh im Jahr, andererseits auch zu spät dran. Das bedingt, dass die Obstbauern an ihren Ständen noch gar nicht stehen, manche, die offen haben, aber nur Äpfel und ein paar schrumpelige Erdbeeren haben. Die vielen Wineries haben fast alle zu. In der einen, die wir ansteuern, gibt es nur Birnenwein. Na Mahlzeit! Kellereien haben ja häufig schön sortierte kleine Shops. Hier nicht. Dafür ist die Birnenwein-Kellerei ein schönes weißes Haus mit einem netten Garten. Aber unser Aufenthalt beschränkt sich nur auf ein paar Fotos der Umgebung und wir verkosten nichts. Wir erblicken im grauen Himmel den Mount Hood mit seiner Schneemütze – würde sicher mit Sonne und blauem Himmel schön aussehen.

Während wir dann weiterfahren und immer höher kommen, fängt es an zu schütten. Wir sind nun rund 1.400m hoch und wir fahren immer noch durch Wald, Wald, Wald und durch sehr tief hängende Wolken. Wir passieren mal wieder Orte, die sicher von Deutschen gegründet wurden, die heißen dann "Welches" oder "Wemme" oder "Rhododendron" und auch die Straßennamen wie "Hoffstadtroad" zeugen von deutschen Siedlern.

Irgendwo steht nach zig Meilen in der Natur und unter erbärmlichen Wetterbedingungen ein großer Safeway dort, wo die Zivilisation sich wieder breit gemacht hat. Wir decken uns sicherheitshalber mit Obst, Gemüse und Joghurt ein. Vor zwei Tagen habe ich in einem Safeway eine Clubkarte geholt und so spare ich heute über 14 $ ggü. den normalen Preisen. Besonders gut ist, dass wir beide endlich einen faltbaren Campingstuhl ergattern, der zum „Club-Price“ nur noch 7,99 $ kostet.

Wir schmeißen alles im Schnellverfahren ins Auto und retten uns halb nass in selbiges. Es schüttet und schüttet, die Scheibenwischer laufen auf höchster Stufe. Gegen 20.30h haben wir in Portland unsere kleine Econo Lodge gefunden. Was für ein Tag, was für ein Wetter! Wir sind nur 200 Meilen gefahren aber waren 12 Stunden unterwegs und haben echt keinen Sonnenstrahl gesehen. Das Mistwetter ist übel und einem Laden sagte man uns noch, daß wir hier jetzt im Frühjahr sind, der Sommer erst im Juli/August stattfindet. Ja, toll.

Wir richten uns in unserem Zimmer ein, es gibt einen Kühlschrank für die Einkäufe und wir liegen nur 15min Fußweg vom Pioneer Square weg. Die Econo Lodge war das günstigest Hotel/Motel, das in Downtown lag und einen bezahlbaren Parkplatz bot. Das Hotel hat gerade mal 19 Zimmer und duckt sich unterhalb von Hochhäusern um einen kleinen Parkplatz. Das Zimmer ist OK, die Frau an der Rezeption super-nett.

Dank der guten Erklärungen dieser Dame laufen wir nur zwei kleine Blocks und steigen an der 6th Avenue in die kostenlose Stadtbahn und fahren zum Pioneer Square. Das Wetter ist (noch) nicht dazu angetan, zu Fuß zu laufen, wenngleich wir nach dem langen Tag im Auto das gerne täten.

Es ist nun mittlerweile dunkel, also bleibt der erste Eindruck von Portland etwas unklar. Wir finden ein urig-nettes Restaurant, fallen ziemlich groggy in die Sitzbank und brauchen erstmal ein Bier, um runterzudampfen. Auch hier werden wieder jede Menge Biersorten aus den lokalen Micro-Brauereien angeboten und wir werden geschmacklich richtig beraten. Dazu gibt es dann ein Abendessen, das heute als Frühstück/Mittag/Abendessen dient, denn wir haben den ganzen Tag noch nichts gehabt. Nach der ungewohnten Nahrungsaufnahme steht ein Spaziergang an und wir laufen bergan zurück ins Hotel, wo wir gegen 23.00h dann ins Bett fallen. Die Zeitverschiebung haben wir wohl verdaut!


Multnomah Falls
Oregon, United States
Vee Bee Small

Ein unterirdischer Wald, Schnee blockiert den Weg und Sonnenschein am See

Das Frühstück im Best Western Hotel ist genial. Wir essen English Muffins mit Ei und Joghurt. Gut gerüstet rollen wir erst einmal von Kelso nach Woodland (südlich), dort auf die Landstraße nach Osten, um südlich am Mount St. Helens lang zu fahren und später dann an der östlichen Flanke wieder nach Norden zu fahren. Hier an dieser Ostseite gibt es einen Weg zu einem Aussichtspunkt „Windy Ridge“ auf den Spirit Lake, der heute – 30 Jahre nach dem Ausbruch – noch immer voller, tausender Baumstämme ist und von wo man einen guten Blick in den Krater hat, weil man hier wohl recht hoch ist. Fotos, die ich gesehen habe, sahen beeindruckend aus.

Zunächst wollen wir aber zu den Ape Caves, Höhlen, die auf dem Weg nach Osten liegen. Diese 3 km lange Lava-Röhre entstand, als geschmolzenes Gestein abkühlte und an der Oberfläche verhärtete, während darunter noch Lava floss und einen Ableitungskanal hinterließ. Hier leben – trotz des Namens – keine Affen, sondern Fledermäuse. Wir wissen, dass man 2 Lampen pro Person mitbringen soll und dass man sie am Visitor Center für 4 Dollar leihen kann. Anstelle eines Visitor Centers gibt es eine geschlossene Bude und keine Erklärungen, geschweige denn eine Ausleihe für Lampen. Wir gucke folglich buchstäblich in die Röhre. Denn der Eingang zu den Ape Caves ist dann auch schon das Ende unseres Vorhabens. Es ist stockfinster, es gibt keinen wirklichen Weg und keine Lampen. Also ohne Lampen keine Caves. 

So entscheiden wir uns für einen Wanderweg an der Erdoberfläche, den "Ape Cave Trail". Der Waldweg führt durch einen traumschönen Wald mit sämtlichen Grüntönen (wir dachten, wir hätten schon alle gesehen…). Tannen haben frische grüne Blätter, der Ahorn kleine smaragdgrüne Blättchen. Der Boden ist vulkanisch und man sieht deutlich die erkalteten Lavaströme, die wie Querrillen im Waldboden liegen. Auf einer Lichtung türmt sich Gestein, im Hintergrund liegt „Die Helene“, also Mount St. Helens vor blauem Himmel. Wir haben bestimmt 25 Grad, keinen Wind und man kann sich mal der Fleece-Jacke entledigen. Wir laufen weiter durch den Wald. Wilde Erdbeeren, Blümchen und schöne Fauna gibt nette Fotomotive. Nach einer guten Stunde sind wir wieder am Auto.

Ein kleines Stück weiter liegt der „Trail of two Forests“. Man läuft einen Rundweg auf einem hölzernen Steg durch einen Wald. Hier ist der Boden unter uns allerdings von großen baumrunden Löchern durchsetzt. Entstanden sind diese nach einem Ausbruch von Mount St. Helens vor rund 2000 Jahren. Glühende Lava floss durch den Wald, die Bäume verbrannten oberhalb der Erdoberfläche und da die Lava um die unteren Bereiche der Baumstämme schneller erkaltete, als die Bäume verbrannten, hinterließen sie diese Löcher. Man läuft also durch einen lebenden Wald und hat unter sich einen nicht mehr vorhandenen Wald – einen Weg durch zwei Wälder. Ein interessantes Stückchen Wald. Auch hier gibt es einen Lavatunnel, durch den man robben kann. Wir wollen ja aber noch weiter zur Windy Ridge und fahren weiter nach Osten. Aber – zack – unser Plan löst sich gleich in Luft auf: Ein Schild sagt uns, daß die Landstraße 25, die wir fahren wollen, noch wg. Schnee gesperrt ist. Wir fahren zum 19 Meilen entfernten Visitor Center – vielleicht hat ja einer das Schild vergessen und es ist doch alles offen? Aber nein. Das Schild war richtig und unsere heutige Tour ist jetzt beendet und muß verändert werden. Windy Ridge, der beeindruckende Aussichtspunkt auf Krater und baumgefüllten See, entfällt. Man vermutet, daß vor Mitte/Ende Juli der Weg nicht geöffnet wird (tatsächlich wurde er erst am 13. Juli geöffnet). Es ist eben auch eine Straße, die auf 3.000-4.000 Fuß Höhe verläuft und der Winter war schneereich.

Wir fahren also zurück nach Westen und biegen bei Beaver Bay auf einen Campingplatz am Yale Lake ab. Dort sitzen wir über 2 Stunden im Gras, schauen auf den schönen See, die bewaldeten Hänge und genießen die Sonne! Um 16.30h fahren wir nach Woodland in unser Motel 6. Das Motel ist Standard, liegt aber unmittelbar an der Interstate 5. Wir nehmen ein Zimmer ganz weit hinten, aber der Hit ist es nicht. Der Preis von 59$ ist aber extrem gut. Woodland selbst ist erneut eine dieser seelenlosen Kleinstädte, ohne Ortskern, ohne Geschäfte, ohne Charme. Wir suchen nach etwas zu essen, gehen dann ins Oak Tree Restaurant  und sind kurz nach 20 Uhr in unserem Hotel. Wir haben zwar nicht das gesehen, was wir wollten, hatten aber einen schönen Tag mit unerwarteter Entspannung.

Fahrtstrecke: 128 Meilen

Woodland
Washington, United States
Vee Bee Small

Long Beach und Mount St. Helens

Die Sonne scheint! Wahnsinn! Um 8.30h sitzen wir im Auto und fahren Richtung Küste. Die Straße läuft durch dichte Wälder und um kurz nach 9 sind wir am Pazifik. Die Orte dort sind trostlos, ärmlich, leblos. Keine Spur von Seebad-Atmosphäre, Urlaubs-Orten oder ähnlichem. Am breiten Strand bläst wieder ein sau-kalter Wind. Wer hier den breiten Strand nutzen will, sollte nicht ans Sonnenbaden denken. Eher an Windjacke, Fleece und schnelle Bewegungen! Also weiter nach Süden – vielleicht ist es da ja wärmer…?

In einem der Orte, durch die wir kommen, finden wir jedoch ein Schild mit „strawberry milk shake“ und halten dort an. Frisch gemacht, ober lecker – ein Gedicht!

Long Beach liegt auf einer Landzunge vor dem Festland. Wobei „Festland“ auch eher eine kilometerlange Watt-Landschaft ist, die beim Tidehub unter Wasser steht. Allerdings sind dies zig Meilen im Inland, wo wir Prile, Gras und Matsch sehen. Es liegen Boote im Watt, also irgendwann muß die Flut ja bis hierher kommen. Kaum vorstellbar.

Gegen Mittag sind wir in Long Beach und laufen über den festen Sand zum Spülsaum – immer schön mit Fleece-Jacke und Kapuze auf. Die Sonne scheint, aber den kalten West-Wind stört das gar nicht. Im Strandhafer liegt ein altes Grauwal-Skelett, das wir noch ansehen und dann brauchen wir mal was Warmes. Heute gab es kein Frühstück, also Hunger haben wir auch.

Auf der Hauptstraße von Long Beach finden wir einen Burger-Laden, der Fisch-Burger frisch macht und wir lassen uns dort windgeschützt nieder (dafür nicht in der Sonne, aber egal wo – hier braucht man immer eine Jacke). Mein Heilbutt-Burger ist richtig lecker.

Da die Sonne immer noch tapfer scheint, entscheiden wir uns, jetzt zügig weiter zu fahren und noch den Mount St. Helens anzusteuern. Um 15.30h sind wir in Kelso, werfen die Taschen ab und sitzen um 16.00h wieder im Auto Richtung Inland. Die Strecke vom Visitor Center am Park-Eingang bis zum Aussichts-Center am Mt. St. Helens sind ca. 70 Meilen und man sagt uns, dass das Visitor Center am Johnston Ridge Observatory um 18.00h schließt. Wir würden aber gut 1:15h brauchen. 

Ich gebe Gas und wir rasuchen durch die Bergwelt und durch Wälder mit gigantischen Ausfblicken auf schneebedeckte Gipfel auf rund 1.800m Höhe. Wir sind kurz vor 17.30h am Johnston Observatory und können um 17.40h noch den letzten Info-Film ansehen.

Der letzte Ausbruch des Mount St. Helens, war am 18. Mai 1980 und zog die ganze Region in Mitleidenschaft. Er verstopfte den Columbia River mit Gestein und setzte 30km entfernte Wälder in Brand. Der Berg verlor durch den abgesprengten Gipfel 415m an Höhe und ist heute von einem 500m langen klaffenden Krater geprägt. Die nach geologischen Maßstäben eher kleine Eruption setzte die Energie von 500 Hiroshima-Atombomben frei. Die Geröll- und Schlammlawine rauschte mit 400 km/h den Hang hinunter und ist außer in den Columbia River auch noch in einen See gekracht, der eine 200m hohe Welle von sich gab, die die umliegenden Hänge hochklatschte und weitere tausende Bäume mit sich riß. Rund um das Observatorium und auf den weiter entfernten Hängen sieht man überall – streichholzgleich – Baumstämme liegen. Man könnte meinen, hier hat man bis zum Horizont Wälder abgeholzt. Es sind aber alles Baumopfer des Vulkanausbruchs von 1980, die aufgrund der Fließrichtung des Lahar praktisch alle wie ordentlich hingelegt in eine Richtung gucken.

Wikipedia berichtet in etwa folgendes: "Seit 1857 galt der Mount St. Helens als ruhender Vulkan, brach aber nach einer Serie von Erdbeben ab 20. März am 18. Mai 1980 wieder aus. Dabei rutschte der gesamte nördliche Berggipfel hangabwärts. Der Gipfel des Mount St. Helens lag vor dem Ausbruch auf 2.950 m. Heute beträgt die Gipfelhöhe des Berges 2.549 m. Ein Gebiet von etwa 500 Quadratkilometern war direkt betroffen. 57 Menschen starben, darunter der Vulkanologe David A. Johnston, der gerade die Gase einer Fumarole maß. Etwa 3 km³ Gestein wurden bei diesem Ausbruch bewegt.

Asche und Gaswolken wurden bis in eine Höhe von 18 km, also über die Troposphäre hinaus in die Stratosphäre geschleudert. Der Aschenauswurf dauerte neun Stunden und konnte drei Tage später im Osten der USA registriert werden. Ein Teil der Asche gelangte in den Jetstream und umrundete so die Erde in zwei Wochen.

Pyroklastische Ströme, in denen Temperaturen von über 640 Grad Celsius herrschten, rasten mit einer Geschwindigkeit von 400 km/h bergab und vernichteten die gesamte Fauna und Flora des Gebiets. Zwei Wochen nach dem Ausbruch der pyroklastischen Ströme herrschten in den Schichtdecken noch Temperaturen von mehr als 400 Grad Celsius.

Nicht weniger gefährlich war ein Lahar, der durch Vermischung der pyroklastischen Ströme mit dem Eis und Schnee der oberen Bergflanke und mit einer Geschwindigkeit von 120 km/h für weitere Verwüstung sorgte, so dass die üblichen Hochwasserstände binnen kürzester Zeit um bis zu 9 m überschritten wurden."

Es ist ein eigenartiges Gefühl, da jetzt herumzulaufen. Nicht, dass man sich nicht sicher fühlen würde, aber dieser Berg strahlt schon eine gigantische Macht aus, die keiner eindämmen kann. Wir gehen kurz einen kleinen Weg und machen uns dann auf den Rückweg, um nicht zu sehr in die Dämmerung zu kommen und ggf. Tiere vor’s Auto zu kriegen.

Wir stoppe noch schnell für ein Foto an einem Viewpoint auf den Coldwater Lake. Der Mount St. Helens liegt wolkenfrei und alleine das ist schon ungewöhnlich und wir freuen uns, dass wir das so sehen können.

Wir sind um 20.00h in Kelso und holen uns bei Safeway kurz was zu essen. Um 20.45h sind wir im Hotel, sind gut 320 Meilen gefahren. Das war heute so nicht gedacht. Allein der Abstecher zum Mount St. Helens waren 140 Meilen, die eigentlich morgen „dran“ gewesen wären. So haben wir morgen etwas mehr Zeit und sind früher in Portland – wer weiß auch, wie morgen das Wetter gewesen wäre. Perfekter Tag!

Fahrtstrecke: 332 Meilen

Mount St Helens National Volcanic Monument
Washington, United States
Vee Bee Small

Grüne Hölle im Hoh Rain Forest & wilde Pazifik-Küste

Ein spärliches Frühstück erwartet uns in einem Frühstücksraum mit 16 Stühlen für ein komplettes Hotel. Wir sitzen um 8.30h im Auto und fahren den Highway 101 nach Westen. Es ist die einzige Straße, die praktisch einmal um die Olympic Peninsula führt. Erster Stopp ist am Lake Crescent, der noch schöner aussähe, wenn die Sonne mal scheinen würde. Der See ist sicher durch einen Gletscher entstanden, was auch seine große Tiefe von bis zu 190 m erklärt. Er ist extrem stickstoff-arm, wodurch er keine Algenbildung hat und deswegen besonders klar und grün ist. Zudem ist er einer der tiefsten Seen in Washington. Aber das läßt sich für uns nur wenig ausmachen, denn die Sonne läßt uns wieder im Stich, so dass das Wasser sicher nicht so grün aussieht, wie es könnte. Wir beobachten an einer Ranger-Station am See drei black tailed deer, die sich nett fotografieren lassen.

Wir fahren weiter auf der 101 und passieren den Ort Forks, der durch die Twilight Saga berühmt ist. Der Ort ist extrem schäbig und bietet matschige Straßen, soziale Brennpunkte entlang der Durchgangsstraße, halb verfallene Häuser, heruntergekommene Läden, Autoersatzteil-Verkäufer und wenn nicht überall Bezug auf diese Film- und Buch-Serie genommen würde, wäre Forks immer noch das, was es mal war – ein unglaublich häßliches Dorf. Nun gibt es „Twilight Firewood“ und „Twilight Café“ und dann sind wir auch schon so schnell wieder aus diesem Kaff raus, dass wir nicht einmal ein Foto gemacht haben  (und das will schon was heißen!). 

Entgegen sicher fast 99% aller Teenager ist unser Ziel heute aber nicht Forks sondern der Hoh Rain Forest. Wir sind jetzt an der westlichen Kante der Olympic Mountains, die wir heute aber aufgrund der tief hängenden Wolken gar nicht sehen. Doch hier ist die jährliche Niederschlagsmenge von bis zu 6.350 mm und da gedeihen Farne und Moose im Überfluß. Die Westflanke dieses Gebirgszugs ist eines der feuchtesten Gebiete Amerikas. 

Kurz vor Mittag erreichen wir den Regenwald, der Teil des Olympic Mountain National Parks ist, zum UNESCO-Welterbe gehört und ein Biosphären-Reservat ist.

Schon die Anfahrt auf den Park ist unglaublich: Die Straße wird gesäumt von dick bemoosten großen Bäumen. Luftwurzeln und Moose hängen meterlang von den Ästen. Viele Bäume scheinen schier vom Moos erwürgt zu werden und zeigen Ast-Stümpfe, die komplett bemoost sind. Grün in allen Schattierungen offenbart sich uns. Wir machen Fotos, laufen den Hall of Moss Trail und haben wohl sämtliche Grüntöne im Kopf, als wir weiterfahren in Richtung Küste. 

Ruby Beach ist unser erster Punkt an der berühmten Pazifik-Küste des Nord-Westens und einfach atemberaubend schön! Die Sonne hat nun sogar ein Einsehen mit uns, als wir runter zum „Strand“ eilen, der kilometerlange Ansammlungen von rund geschliffenen Steinen ist, auf denen fotogen jede Menge Baumstämme liegen, die hier angeschwemmt wurden. Vor uns sitzen dicke Fels-Brocken im Wasser und es macht sich unweigerlich ganz großes Urlaubsgefühl breit, als wir uns dort auf einen Baumstamm setzen und auf die Brandung schauen, von oben sonnenbeschienen! Herrlich!

Wir müssen ja aber noch weiter und fahren oberhalb dieser Traumküste durch den Wald. Über dem Meer sieht es schön aus, jedoch auf der anderen Seite – dort, wo der 2.428m hohe Mount Olmypus stehen soll, sehen wir nur tief hängende Wolken.

Wir finden in Kalaloch (sprich: Kay-lock, denn das ist ein indianischer Name) die alte Kalaloch Lodge und sitzen hier draußen in der Sonne zu einem frühen Abendessen mit Blick auf Pazifik, Strand und jede Menge Treibholz. Nach dem Essen verflüchtigt sich die Sonne wieder und wir sitzen rasch wieder im Auto, weiter nach Süden.

Die Strände, die hier einfallsreich „Beach 1“, „Beach 2“ und so weiter heißen liegen hinter uns und die Straße verliert sich in einer nicht sehr aufregenden Landschaft. Es gibt hier keine Orte, kaum Autos und ab und zu mal einen Blick auf einen bewaldeten Hügel. Um 17.20h etwa erreichen wir Amanda Park, eine Ansammlung von fünf Häusern, wovon drei leer stehen. Dahinter liegt eine schöne kleine Hotelanlage: Das Quinault River Inn, das am Quinault River liegt, der 200m weiter in den Lake Quinault mündet.

Das Zimmer ist normal, kostenloses Wi-Fi, aber kein Frühstück, dafür aber stolze 128$ ! Dennoch ist es eines der nettesten Plätzchen zum Übernachten auf dieser Tour, mit einem kleinen Pavillion vor dem Hotel und einer schönen Umgebung. So setzen wir uns auch nochmals ins Auto und fahren am Südufer des Lake Quinaults entlang. Der Weg führt durch Regenwald und entlang kleiner Wasserfälle. Sofern man aussteigt, freuen sich die Moskitos an uns, so dass wir zurück zum Hotel fahren und mal unsere Taschen komplett neu packen. Der Kofferraum ist so etwas von voll mit Tüten von unseren Shopping-Attacken und wir müssen jetzt – am dritten Tag der Reise! – erstmals unsere Koffer wiegen, um zu gucken, was man noch so kaufen kann…

Der Abend klingt auf unserer Terrasse bzw. in dem kleinen Pavillion aus. Es wird aber sehr schnell unangenehm kalt und feucht und um 21.30h sind wir schon im Zimmer und haben die Heizung an!!! Es ist der 19.6. und wir heizen im Sommerurlaub! Aus Deutschland hören wir, dass die Kollegen bei 30°C schwitzen. Aber lieber hier sein, als da!

Fahrtstrecke: 179 Meilen

Hoh Rain Forest
Washington, United States
Vee Bee Small

Über Whidbey Island auf die Olympic Peninsula

Kurz nach 5 sind wir beide wach und verlassen gegen 8.00h schon das Hotel in Richtung Norden. Erster Stopp ist in Tulalip, ca. 60km nördlich von Seattle. Wir nehmen die Landstraße und stoppen noch an einem Supermarkt, um uns mit Lebensmitteln einzudecken. Ein schönes, großes Outlet erwartet uns. Die Läden öffnen erst langsam, als wir dort schon stehen. Nach vier Stunden (!!) sind wir erledigt, die Kreditkarten glühen und die Tüten im Kofferraum müssen reichlich gedrückt werden, damit die Klappe zu geht. Mittlerweile hat der Regen aufgehört. Aber warm ist es nicht.

Wir fahren weiter nach Norden und queren über Skagit Island nach Whidbey Island. Die Landschaft erinnert startk an Deutschland, mit Mischwald, Wiesen und Seen. Auf unserer rechten (östlichen) Seite vermuten wir Berge, aber sehen sie nicht deutlich. Wir erhaschen einen wunderschönen Blick auf die Deception Pass Bridge und dem darunter liegenden türkisfarbenen Wasser. Deception Pass ist eine Meerenge , die Whidbey Island von Fidalgo Island trennt. Sie verbindet die zum Skagit Bay mit der Juan-de-Fuca-Straße. 

Wir fahren über die hohe Brücke und weiter nach Coupeville auf Whidbey Island, laufen kurz die pittoreske Hauptstraße hoch und runter und gehen auf die Pier Ebey’s Landing, die ein Historic Landmark ist. 

Coupeville hat wohl holländische Gründerväter, wir sehen recht viele holländische Namen und Hinweise, wenngleich der Ortsname eher französische Einwanderer vermuten läßt. Um kurz nach 17.00h sind wir nach einer Fahrt durch eine weite Marschlandschaft dann an der Fähre. Wir werden jetzt sehr müde. Es ist in Deutschland schon fast wieder 3 Uhr morgens, aber das soll uns hier ja nicht stören – aber so ganz sind wir mit der Zeitumstellung von 9 Stunden nicht durch. 

Die Fährfahrt dauert eine Stunde, die wir nach Süden auf die Olympic Peninsula. Die Fahrt ist nicht sehr spektakulär, dafür sau-kalt. Der Wind bläst und es sind ohnehin nur 12 Grad und es ist – nach einem kurzen Sonnen-Intermezzo am Nachmittag jetzt total bewölkt und sieht in den Bergen sehr nach Regen aus.

Wir fahrendurch Port Townsend, das einige ganz nette Fassaden aus dem 19. Jahrhundert hat. Unser Ziel ist aber Port Angeles, wo wir gegen 20.00h ankommen. Schnell die Einkäufe von heute morgen begutachten und ab nach „Downtown“, wo wir mit Blick auf’s Wasser mal wieder eine Clam Chowder essen – dieses Mal wie in San Francisco vor Jahren in einer Brotschale. Das Lokal bietet eine unglaubliche Auswahl von lokalen Bieren vom Fass und die Bedienung bringt uns zum Probieren gleich mal mehrere Test-Gläser! 

Während wir in der Ferne Vancouver Island sehen, geht die Sonne, die sich jetzt nochmals über dem Wasser aus den Wolken bemüht hat, unter und strahlt den Himmel an. Ziemlich müde sind wir um 21.30h im Hotel. Das Zimmer ist ruhig und wir können mit offenem Fenster schlafen. Ein schöner Tag, weil ich so viele schöne neue Sachen gekauft habe und wir recht viele nette Ecken gesehen haben.

Fahrtstrecke: 175 Meilen

Whidbey Island
Washington, United States
Vee Bee Small

Beste Aussichten von oben und cod well-done

Um 3.15h bin ich wach, Gitta liest schon! Wir schlafen beide wieder ein und sind gegen 7.30h dann aber doch schon beim Frühstück. Gute Auswahl mit Waffeln, Rührei und gutem Kaffee – ein Segen für den ersten Morgen! Als wir um 8.30h vom Hotelparkplatz rollen läßt sich erstmal der Fahrersitz nicht verstellen. Wir fluchen und die Rezeption sucht für uns die nächste Alamo-Station raus. Wir fahren also erstmal durch menschenleere Straßen des Sonntag Morgen zum Hilton Hotel, wo uns die Einstellung erklärt wird – wie peinlich! Statt eines Bügels unter dem Sitz, gibt es seitlich am Fahrersitz (und eben nur an dem) einen Schieberegler, den man nach vorne schieben kann und so den Fahrersitz stufenlos verstellen kann. Tröstlich sind die Worte des Alamo-Menschen, der meint, dass schon 21jährige Kerle an dem Sitz verzweifelt seien!

Wir starten also nun erst richtig und kullern erstmal zum Pioneer Square, der mit schönen Fassaden, Blumen und Obdachlosen aufwartet. Der Pioneer Square ist das frühere Geschäftszentrum Seattles und wurde 1852 gegründet. Damals kamen hier eine Handvoll Pioniere an. Heute ist das Viertel drumherum mit alten Pflasterstraßen eine Schatztruhe viktorianischer Architektur und steht als „National Historic District“ unter Denkmalschutz. Beim großen Brand 1889 wurde hier allerdings fast alles zerstört und erst der Goldrausch Ende der 1890er Jahre hauchte dem Platz neues Leben ein. Heute sind hier viele Galerien, Cafés und abgefahrene Boutiquen, die alle am Sonntag Morgen geschlossen haben. Der Tlingit-Totempfahl und die Statue von Chief Sealth (Seattle), dem Namenspatron der Stadt stehen hier. Die schöne Eisen-Glas-Pergola von 1909 markierte einst den Eingang zur „edelsten unterirdischen Toilette der Vereinigten Staaten“.

Wir laufen bergan zum Smith Tower, der seinen Namen vom späteren Waffenproduzenten Smith & Wesson. 1914 wurde der 42stöckige Turm als damals höchster Bau westlich von New York eröffnet. Die Eingangshalle, der Lift – das ist schon sehenswertes Art Deco! Im 35. Stock ist eine Aussichtsplattform und wir haben – bei aufreißendem Himmel einen tollen Blick in die Straßenschluchten, auf den Puget Sound und die Berge, die allerdings halb in den Wolken bleiben. Hinter uns liegen zwei Stadien. Das Wetter bleibt sogar trocken. Es ist zwar frisch und windig, aber dagegen gibt’s Fleece-Jacken. Wir fahren mit dem Auto weiter nach Capitol Hill, einem Wohngebiet mit wunderschönen Häusern und tollen wilden Gärten. Wir laufen bergauf und bergab durch die Straßen und fotografieren eine Stunde lang, die schönsten Ecken.

Aufgrund des stärker werdenden Hungers wollen wir eine Clam Chowder haben, finden aber das Restaurant nicht am Ufer des Lake Union. An einer alten Zugbrücke finden wir aber ein kleines Restaurant und lassen uns dort draußen in der Sonne nieder und können nicht glauben, daß wir so schönes Wetter haben.

Auf geht’s zum Shoppen! Wir fahren zur Northgate Mall, ich kaufe bei Macy’s schon mal die ersten Oberteile und super leichte Turnschuhe und bei Brookstone gleich mal drei Kopfhörer mit Kabelspule. Wir fahren zurück ins Stadtzentrum und gehen zum Outdoor-Laden REI, um nach neuen Wanderschuhen zu suchen. Ich finde welche, die im Laufe der nächsten Wochen dann wohl meine aus Jasper von 2009 ersetzen sollen.

Es ist windig als wir in Seattle parken und nach unten ans Wasser gehen. Ziel ist „Ivar’s“ am Pier 54 – angeblich das Lokal, wo Clam Chowder erfunden wurde!  Also die muss es sein – und dazu noch frischen, leckeren Alaska Lingcod (Lengdorsch). Erst später lese ich, dass speziell diese Fischsorte oftmals wg. Quecksilbergehalt bedenklich ist, insbesondere, der, der aus Alaska kommt. Hier jedenfalls bestellt man diesen Fisch wie ein Steak in „rare“, „medium“ oder „well done“.

Um 21.00h sind wir im Hotel. Der tote Punkt ist überwunden, wenngleich zuhause jetzt 06.00h morgens ist. Morgen werden wir etwas anders, als geplant fahren, um noch auf die Inseln vor der Küste von Washington State zu kommen.  Hoffentlich macht das Wetter wieder mit. Ich hab zwar schon Fleece und Regenjacke übereinander an – gegen Kälte und Wind gut, aber Regen muß nicht sein.