Amerikanische Ostküste

Segelreise von Europa um die Welt. 2.Teil - Nordamerikanische Ostküste

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Marret Koll Small

Oh, wie schön ist Panama

Unsere Red Cat lag 6 Tage an Land. Wir hatten für uns und die Crew für die Zeit Zimmer im Marina Hotel gebucht, auch wenn es hier wohl nicht verboten ist auf den Booten, die an Land stehen, zu leben. Denn jedes zweite an Land stehende Boot wurde auch bewohnt. Wolf reiste für eine Woche nach Hamburg für diverse Termine, die ab zu arbeiten waren und Kinley, Alex und ich blieben in Shelter Bay um alles am Laufen zu halten. Reta und Gerd halfen uns mit diversen Tipps und Empfehlungen, gingen mit uns Ersatzteile kaufen und dafür bekamen sie den Inhalt unseres Tiefkühlers und ich lud sie ein, gemeinsam mit mir die Beobachtungsplattform der Gatun-Schleuse zu besuchen. Der Panama Kanal wird erweitert für große Schiffe von über 500m Länge und 55m Breite. An den dafür benötigten neuen großen Schleusen wird emsig gearbeitet, die Baustelle kann man von der Plattform gut einsehen, und just an unserem Besuchstag bekam die neue Schleuse gerade ihr 5. Schleusentor. Wir konnten  von oben zusehen und beobachten, wie das Tor an seinen Platz geschoben wurde, gewaltig. Die Schleusengröße bisher ist 450mx38m. Eine beeindruckende Baustelle an der fast rund um die Uhr gearbeitet wird.

Wir fuhren mit Reta und Gerd auch nach Colon, eine sehr unansehnliche Stadt. Hier haben früher die Sklaven für den Kanalbau gewohnt und die Stadt hat nicht nur einen schlechten Ruf, sie hat auch nur wenige Ecken, wo es nett und freundlich aussieht. Da am Sonntag von den Werft auch keiner arbeiten wollte, nahmen wir uns einen Tag frei und fuhren zu Kinleys Eltern an die Pazifikküste nach St. Catalina. Da wir die Distanz und Fahrtzeit nur geschätzt hatten, hatten wir den Aufwand doch etwas unterschätzt. Pech war auch, dass wir gleich beim Start eine Stunde an der Gatun-Schleuse standen, weil gerade zwei große Frachter in die Schleusenkammern gefahren wurden. Interessantes Schauspiel, aber zeitaufwendig. Die Fahrzeit für eine Strecke unseres Ausfluges betrug 5,5-6 Std, deshalb saßen wir fast die ganze Zeit im Auto und Kinleys Zeit mit seinen Eltern beschränkte sich auf 2,5 Stunden. Als wir gegen Mitternacht zurückins Hotel kamen, waren unsere Zimmer zum Teil schon neu vergeben, ohne Absprache mit uns. Dies war nicht das einzige Problem, dass wir mit dem Marina Hotel hatten, aber die zum Teil lustigen, teils sehr verdrißlichen Geschichten könnten Seiten füllen. Reta und Gerd könnten diverse, teils unglaublcihe Geschichten ergänzen. Das Personal benötigt zumindest noch diverse Schulungen, was den Service und auch das Essen an geht, oder man hakt es ab und sagt, so vielfältig ist Panama.

Fasziniert hat uns auf unser Autotour die unterschiedliche Natur. Der Regenwald im Norden, die trockenen Berge der Cordillieren, im inneren des Landes, die fast liebliche Landschaft mit viel Agrikultur im Süden zum Pazifik. Wir sahen in Panama viele interessante Tiere, Affen, Tucane, bunte Riesen-Schmetterlinge, Mungos u.v.m. Mir gefielen am meisten die Kapuziner-Äffchen die wir auf dem Weg zum Kennedy Loop, in der Nähe der Marina, beobachtet haben und die großen (Handflächen groß) auf der Oberseite blau schimmernden Schmetterlinge, die uns hin und wieder entlang der Straßen im Regenwald entgegen kamen.

Am 3.3. war endlich alles soweit und unsere Kanalpassage stand auf dem Programm. Wolf war zurück, Kinley dafür extra noch geblieben und zur Verstärkung (auf jedem Boot müssen immer min. 5 Personen mit anfassen können) hatten wir noch einen einheimischen ‚Leinenfachmann‘ (Erikk) mitbekommen. Es wurde uns ein fester Terminplan vorgegeben, wann Hafen verlassen, wann und wo ankern und auf Lotse warten. Wir verließen pünktlich um 17:30 Uhr die Marina und gingen auf den sog. ‚Flats‘ vor Anker. Später als erwartet und ohne den angekündigten Hunger, kam Jose um 21 Uhr an Bord. Wir verließen den Ankerplatz und liefen auf die erste Gatun-Schleuse zu. Üblich ist, das Segelboote zu “‚Dreierpäckchen“ zusammengebunden werden, und so die Schleusen passieren. Wir bekamen die Anweisung allein in die Schleuse zu fahren, hinter einem kleineren Frachter. Da zu der späten Stunde das Personal fehlte um uns in der Mitte der Schleuse zu halten, wurde uns ein Schlepper mit gegeben, an dem wir festmachten. Schiffe werden von einer Art Lokomotive an Leinen gezogen und mittig in der Schleuse gehalten. So passierten wir alle drei Gatun-Schleusen und überwanden, mit erstaunlicher Geschwindigkeit 26m Höhenunterschied. Hinter den Schleusen, im Gatunsee angekommen, waren die Mooringtonnen schon von anderen Seglern besetzt und wir ankerten in der Nähe, der bereits durchgeschleusten Segelboote.

Unser neuer Lotse George kam am nächsten Morgen um 8:00 an Bord, nicht wie angekündigt um 7:00 Uhr, und sogleich ging es los. George brachte sich seine komplette Verpflegung selbst mit, er war schon 2x (davon 1x auf einem Kreuzfahrtschiff!) mit Lebensmittelvergiftungen nach Fahrten danieder gestreckt worden und deshalb sehr vorsichtig. Er erklärte uns alles Mögliche was den Kanal betraf und seine Umgebung, das war sehr interessant und echt großartig. Um 13 Uhr erreichten wir die Pedro Miguel Schleuse. Wir blieben wieder allein, mit Schleusenpersonal in der Mitte der Schleuse. Diesmal teilten wir die Schleusen aber mit einem der üblichen ‚Päckchen‘ Segelboote. Etwa eine Stunde später hatten wir auch die letzten beiden Miraflores-Schleusen hinter uns. Auf der Fahrt zur Marina La Playita konnte George unserem leckeren Mittagsessen dann doch nicht wiederstehen, ich hoffe er ist nicht krank geworden. Uns ist es zumindest bestens bekommen.

Im  Pazifik angekommen, lagen Trauben von Booten vor den Marinas vor Anker, drinnen fast nur Motorboote, vermutlich von vermögenderen Panamesen, wie auch in der Marina ‚Flamenco‘ auf der anderen Seite der Halbinsel Amador. Wir konnten einen, etwas unruhigen Liegeplatz in der Marina ‚La Playita‘ ergattern, was für uns in den folgenden Tagen, wegen Essen, Einkäufen und Crewwechsel sehr angenehm war. Dies hatten wir wohl dem Einsatz unseres Agenten Roy zu verdanken, so sagte er zumindest und er erwartete auch einen Obulus dafür. Mit Schmiergeld funktioniert in Panama wohl vieles, wenn auch nicht alles. Tja, ‚oh  wie schön ist Panama‘.

Wer unsere Reise weiterverfolgen moechte, kann dies ab jetzt auf den Blog "Pazifischer Ozean" (Blog 1399).

Fotos:

1  Red Cat an Land                  7  Schleusentor sitzt                      13 Schleusen Durchfahrt fuer Autos

2  Reta und Gerd                    8  Warten vor dem Regenwald          14  unsere Schleusen Mitnutzer

3  Kanalprojekt                        9  Landschaft im Sueden                     spaeter mehr

4  5. Schleusentor                 10  unterwegs

5  Baustelle                            11  Abschied von Shelter Bay

6  Neuerungen                        12  Kinley mit Eltern

  • Missing
    Elke hat am kommentiert:

    Liebe Marret,
    das Internet bietet schon tolle Möglichkeiten!
    So finde ich Euren Bericht bis hin zum Panamakanal. Toll.
    Wir sind inzwischen zurück im dunklen Deutschland und sortieren noch immer unsere Bilder.
    Aber der letzte Abend auf Raiatea mit dem kurzen Cocktail mit Euch war sehr schön. Vielen Dank nochmals!
    Wir hatten noch schöne Tage auf Tahaa. Nahe dem Ort Tapuamu gibt es eine tolle Pearlfarm Iaorana
    https://www.facebook.com/TAHAABLACKPEARLCO...
    Falls Ihr also mit Euren Freunden ein echt tolles Erlebnis der anderen Art erleben wollt, dann lohnt sich der Besuch bei Wingsang und seinem Sohn Phillip!
    Herzliche Grüße aus Karlsruhe
    Elke und Thomas

Marret Koll Small

San Blas Inseln - Panama

Unsere letzten Ziele in der karibischen See des Atlantischen Oceans waren die San Blas Inseln. Eine Panama vorgelagerte Inselgruppe von etwa 365 Inseln, von den aber nur 49 bewohnt sind. Als wir in der Mittagszeit den Anker hinter den 'Cayos Holandes' fallen ließen und unser erstes Erfrischungsbad genommen hatten, kamen schon kurz darau die ersten Eingeborenen mit ihren kleinen Booten, teilweise noch richtigen Einbaumbooten an, um uns ihre Waren anzubieten. Die Kunas, die auf den San Blas Inseln ansäßigen Indios, boten uns Fisch, Langusten, Krebse und ihre Molas, eine besondere Art von Stickarbeiten, an. Wir kauften zwei Langusten 'Lobster' zum Abendessen und mehrere farbenprächtige Molas. Die Kuna leben noch sehr ursprünglich und einfach, sie bewahren ihre Kultur und legen viel Wert auf Traditionen.

Als wir am nächsten Tag die Isla Tigre anliefen, hatten wir erstmal Schwierigkeiten einen Ankerplatz hinter der Insel zu finden. Die Wassertiefen stimmten nicht mit der Karte auf dem Plotter überein und wir vertrauten auf den Panama Cruising Guide von Eric Bauhaus und wagten uns weiter in den Schutz der Insel. Das machte auch Sinn, weil der Wind am nächsten Tag noch einmal heftig auffrischte. Unser Ankerplatz lag auf unser elektronischen Seekarte allerdings mitten auf der Insel und das, obwohl wir real über 11m Wasser unter uns hatten. Da muss Navionics wohl dringend mal die Seekarten überarbeiten!  Die Insel wirkte für uns abends trotz vieler kleiner Häuser nahezu unbewohnt, es waren nur wenig Licht und kaum Menschen zu sehen. Am Morgen machten Amelie, Wolf und ich das Dinghi flott und wir starteten einen Landerkundungsausflug. Die Bewohner begrüßten uns sehr freundlich, die Kinder hatten gerade Ferien und wir wurden von Ferdinand, einem Studenten und Hilfslehrer auf der Inseln begrüßt. Wir bekamen gegen ein paar Dollar eine Führung und Ferdinand, der gut englisch spricht, erklärte uns alles über die Kunas, ihre Lebensgewohnheiten, ihre Kultur und ihre Revolution vor 90 Jahren. Der Aufstand ist damals zwar gescheitert, aber er wird immer noch gefeiert. Der Jahrestag jährte sich gerade wieder mal und er sollte groß festlich begangen werden. Wenn auch die Revoluition keine Unabhängigkeit gebracht hat, so dürfen die Kunas aber weiterhin ihre Traditionen bewahren, was man ihnen nehmen wollte. Die 900 Einwohner auf der Insel leben weitestgehend ohne Strom und fließend Wasser. Ein paar Sonnenkollektoren erbringen die notwendigste Energie. Die Hauser sind bis auf wenige Hauser aus Naturmaterialien, Bambus, Holz und Palmenzweigen erbaut. Man schläft auf den nackten Boden oder in Hängematten. die Hauser sind zweigeteilt in Wohn-und schlafhaus, sowie Küche und Waschraum. Die Badhäuschen stehen rund um die Insel auf Pfeilern im Wasser. Es gibt ein paar kleine Lädchen, wir konnten Eier und Zwiebeln kaufen, aber sonst stand es um die Proviantaufbesserung nicht so gut. Am westlichen Ende der kleinen Insel gibt es Grundschule, die weiterführende Schule ist auf dem Festland. Es gibt eine öffentliche Telefonzelle, ein paar Bewohner haben Mobiltelephone, aber ohne Auflademöglichkeit macht es auch wenig Sinn. Beeindruckend, dass man in dieser moderner 'Hightec-Welt' sowas noch findet.

Ferdinand lud uns zu zwei Festlichkeiten ein. Am folgenden Tag sollten zwei 16 jährige Mädchen in die Gemeinsschaft der Erwachsenen aufgenommen warden. Zwei Wochen spatter sollte der Revolutionstag gefeiert warden mit Theater und Tanz. Dies konnten wir aus Zeitgründen nicht mehr mitmachen, aber auf das Fest am nächsten Tag waren wir doch sehr gespannt. Amelie, Kinley und ich fuhren mit dem Dinghi an Land und wurden auch gleich wieder freundlichst empfangen und zu dem Gemeinschaftshaus in der Ortsmitte geführt. Das Fest war schon angefangen. Auf der einen Seite des Gebäudes saßen die Männer, auf der anderen die Frauen in Tracht. In der Mitte standen die beiden Mädchen und es tanzten einige Kunas, hauptsächlich Männer, zu der gespielten Musik. An der einen langen Seite des Raumes waren viele große Tongefäße in den Boden eingegraben, mit Palmblättern abgedeckt, darin gährte das selbstangesetzte  Cavagetränk. Nach und nach wurden die Gefäße geöffnet und das Getränk in halbe Kokosnussschalen gefüllt und rumgereicht. Amelie und ich bekamen auch je eine 'Ein-Ladung' und es hieß austrinken, sonst sind wir unhöflich :-(( Es schmeckte säuerlich, herb, bei Lichteinfall konnte ich sehen, dass es bräunlich leicht flockig aussah. Eine Portion reichte, allein um einen leichten Schwips zu bekommen. Die Kunafrauen tranken aber wesentlich mehr und die Stimmung stieg. Es wurde mehr getanzt, gelacht, gekichert. Gegen Mittag sind wir dann aber zurück an Bord, weil wir ja gern weiter wollten. Das Fest wird aber sicher wieder wie sonst bis zum Abend weitergegangen sein. Kuna-Frauen mit ihrer Tracht und den typischen Molas trafen wir später auch in Panama City. Da die Kunas in kleinen Gemeinschaften leben, scheint es hin und wieder vorzukommen, dass Albinokinder geboren werden. Oder war B.B. auch schon mal auf San Blas? 

Mit einem Overnightstop nochmals bei den Holandes Cays und den Chichime Cays, wo wir herrlich gebadet haben, ging es nach Porvenir um in Panama einzuklarieren. Man ankert hinter einen kleinen Insel, die eigentlich hauptsächlich einen Flugplatz beherrbergt. Wir lagen fast direkt in der Einflugschneise, aber uns wurde gesagt heute käme kein Flugzeug mehr. Wolf war gerade für die Formalitäten an Land gegangen, siehe da, schon flog knapp an unserem Mast vorbei erst eine kleine Propellermaschine und kurz darauf eine zweite. War schon ein ziemlich mulmiges Gefühl. Nachdem Wolf zurück an Bord war, verlegten wir das Boot dann doch noch, obwohl wir bei dem ersten Morgengrauen den Anker lichteten und nach Shelter Bay segelten.

Vor Colon lagen etwa 20 Schiffe auf Reede, die alle darauf warteten in die Schleuse einfahren zu können, wir bahnten unseren Weg dadurch und liefen in die Shelter Bay Marina ein. Da keiner auf unser diversen Abrufe reagiert hatte, legten wir uns gegenüber vom Fueldock an den Steg. Dann traf der Hafenmeister ein und meinte bis zum nächsten Tag könnten wir dort liegen bleiben. Da unser Boot  dann wirklich schon am folgenden Tag aus dem Wasser kam, für die üblichen Überholungsarbeiten, mit neuem Unterwasseranstrich und diversen Wartungsarbeiten, war das auch so perfekt.

Amelie sollte am kommenden Tag in aller Frühe nach Wien zurückfliegen, und so galt unser erster Landgang dem Erkunden von Transfermöglichkeiten zum Flugplatz. Dabei traf Amelie auf Reta und Gerd, einem schweizerisch/deutschen Päarchen, die seit zwei Jahren auf ihrem Boot dort in der Marina leben und somit über gute Orts- und Geflogenheitskenntnisse verfügen. Sie rieten ihr am besten gleich zu packen und gen Flughafen zu fahren, da die Anfahrtszeit über die Schleusen, die Schnellstraßen und den möglicher Weise einsetzenden Berufsverkehr kaum zu berechnen sei. Wir beschlossen die Abfahrtszeit auf 1:30 Uhr zu terminieren, damit wir noch Zeit zum Packen, Essen, Klönen und vor allem Verabschieden hatten. 16 schöne gemeinsame Tage waren super schnell vergangen und mit ein wenig Wehmut sah ich meine Tochter abreisen.

Fotos:

1  Windstille auf dem Ozean     7  die Telefonzelle                      13  hinten Badehaus      19  Langustenangebot

2  Holandes Cays                         8  typisches Haus                      14  Einkaufsladen          20  Kuna Albinokind

3  Badevergnügen                        9  Kunafrau mit Mola               15  Festlichkeit               21  Schiffe vor Colon

4  Anker vor Isla Tigre              10  Gemeinschaftshaus              16  Kunafrauen              22  Abschied nachts

5  Kartengenauigkeit                  11  Cavagefäße  i.Vorber.           17  El Porvenir               23  Boot aus dem Wasser

6  Begrüßung auf Isla Tigre      12  Hauptstraße geschmückt     18  Landebahn El P.  

Marret Koll Small

Crewwechsel steht an

Der 170sm Törn nach Grand Cayman Islands hatte viel zu bieten. Der Wind kam aus nord-nordöstlicher Richtung und wir hatten den Wind mit Stärken bis zu 25kn somit fast immer genau von achtern. Wir holten zwischendurch den Code0 (ein größeres, leichteres und bauchigeres Vorsegel) raus, der verbesserte die Situation aber auch nicht richtig, sodas wir ihn nach kurzer Zeit wieder gegen die Genua tauschten. Wir segelten mit 8kn Geschwindigkeit nah an einem Cuba vorgelagerten Riff ‚Banco de Jagua‘ vorbei. Als die Wassertiefe auf einmal von 2000m über 150m auf 6m sank und wir den Grund klar sehen konnten, bekamen wir doch Muffen und drehten schnell wieder in tiefere Bereiche ab, aber der kurze Adrenalienschub brachte Abwechslung in den Speiseplan. Unsere Angeln schlugen an und innerhalb von 5 Minuten hatten wir einen kräftigen Grouper und einen kleineren Yellowfintuna an Deck. Zum Abend ließ der Wind nach und wir motorten fast die ganze Nacht, weil die Segel, bei der starken Welle, immer wieder schlugen. Beim Morgengrauen versuchten wir es wieder mit Segeln, aber da der Speed auf um die 5kn sank und wir vor Sonnenuntergang ankommen wollten, mussten wir doch zwischendurch wieder den Motor starten. Vor Grand Cayman frischte der Wind nochmal auf bis zu 25kn und wir kreuzten mit achterlichem Wind. Bei unserer Ankunft errechneten wir, dass aus den 170sm direkter Kurs 210sm geworden waren. Wir meldeten uns beim Hafenbüro von Georgetown an und fragten nach einem Liegeplatz, uns wurde angeraten lieber im Süden der Insel vor der Spotts Bay zu ankern, weil eine heftige Welle in den Hafen stand und sie uns keinen sicheren Platz anbieten konnten.

Die Windverhältnisse brachten es mit sich, dass wir auch unseren Inselerkundungsausflug am nächsten Tag vorzeitig abbrachen, denn im Hafen der ‚Hauptstadt‘ herrschte ziemlicher Seegang und der Wind pfiff so sehr um die Ecken der Häuser, dass Wolf unsicher wurde, ob unser Anker halten würde. Wir haben ehrlich gesagt deshalb recht wenig von der Insel zu sehen bekommen. In der Nähe des kleinen Inselflughafens kauften wir anschließend noch einmal Proviant ein um die Vorräte aufzustocken. Die Jungs, Kinley und Niko, waren am Nordwestzipfel der Insel zum Kitesurfen gefahren, das passte bei diesem Wind bestens.

Unser Anker hiatte schon deshalb so hervorragend gehalten, weil er sich hinter einer Felskante verhakt hatte, was uns das Aufholen am nächsten Tag ziemlich erschwerte. Für den Segeltörn nach Montego Bay – Jamaika, lagen 220sm vor uns. Wir machten uns vormittags auf den Weg um am nächsten Nachmittag Jamaika zu erreichen. Der Wind bließ noch immer frisch fröhlich mit bis zu 30kn, sodass wir, teilweise nur mit gereffter Genua, zwischendurch auch mal 10kn Speed auf der Uhr hatten. Wir segelten halbwinds, dann mehr hoch am Wind, zum Schluss sehr spitz und wendeten nach dem 30 stündigenTörn in das Montego Bay Fahrwasser. Die kleine Marina des Montego Bay Yacht Club ist sehr schön in eine große Bucht eingebettet. Da auf unsere Anfrage vorerst niemand reagierte, legten wir uns an eine Mooringtonne vor dem Yachtclub. Daraufhin wurden wir aufgefordert mit dem Heck an dem Kopf der Steganlage festzumachen. Das erforderte, dass wir mehrere Leinen zusammenstecken mussten, aber danach lagen wir eigentlich sehr schön mit Landzugang. Der Segelclub bot gutes Essen und netten Service, es ging uns gut. Am nächsten Morgen kam wieder stärkerer Wind auf und wir mussten unsere Mooringleine nochmal ordentlich durchsetzen um nicht mit dem Heck auf den Steg gedrückt zu werden.

Wir unternahmen mit Hottel und Niko eine Inselerkundung mit unserem Taxifahrer Lee durch die hübsche Berglandschaft zu den Ys Falls, einem etwas kommerzialisierten, aber schön gelegenen Wasserfall. Kinley und Niko nutzten auch die Gelegenheit zu einem Bad, wir Älteren begnügten uns mit dem Zusehen. Anschließend fuhren wir auf einem anderen Weg an der Küste entlang, durch den Geburtstort von Peter Tosh zurück zum Boot. Dann hieß es Abschied nehmen von Hottel und Niko, zwei schöne Wochen neigten sich wieder mal dem Ende zu. Aber zwei Tage später sollten ja meine Tochter Amelie und auch Alex unser neuer Bootsmann kommen.

Mit Amelies Anreise von Wien über Toronto klappte es bis auf eine kleine Verspätung ganz gut. In Toronto herrschten Minusgrade bis 23°C (brrrr!!), sie hatte einen 20 stündigen Aufenthalt in Toronto gehabt und den zu einer interessanten kleinen Stadterkundung mit der Schwester einer Freundin genutzt. Alex Flug von Düsseldorf nach Manchester war wegen Schneetreibens ausgefallen. Er musste nun über New York nach Montego Bay anreisen und kam erst einen Tag später an. Diese Kälte, Schnee, für uns kaum vorstellbar bei 24°-28°C Luft und 27°C Wassertemperatur. Amelie und ich nutzten den Tag nach ihrer Ankunft für einen kleinen Ausflug in die Dolphin Cove, schwammen mit den Delphinen und Rochen. 8 Delphine leben dort zusammen in einem recht großen Meer umspülten Becken. So traurig es einen stimmt, dass diese Tiere nicht in Freiheit leben können, so faszinierend ist es, sie mal so nah zu erleben, sie anfassen zu dürfen und von ihnen durchs Wasser gezogen zu werden. Auf dem Rückweg zeigte uns Lee eine alte Mühle, die das Zuckerrohr auspresste zur Herstellung von Zucker und Rum! Am letzten Tag auf Jamaika machten wir noch einmal einen Ausflug um das Westende der Insel. Wir durchstiegen die Mayfield-Falls, ein beeindruckendes Erlebnis gegen die Strömung unter Felsen durchtauchen, den Rücken von den runterfallenden Wassermassen massieren lassen. Auf dem Weg zurück passierten wir Negril, den Badeort der Insel und legten einen kurzen Badestopp zum Abkühlen ein.

Am nächsten Tag ging es weiter nach Süden; Ziel: Old Providence. Vor uns lagen 450sm . Wir starteten mittags und versuchten unsere ‚Neuzugänge‘ mit dem Boot vertraut zu machen. Da wir wieder hauptsächlich achterliche Winde hatten mit bis zu 16kn, holten wir, zur großen Freude von Amelie, unseren roten Genacker raus. Gegen Abend ließ der Wind wieder nach und uns blieb nchts anderes übrig, als den Motor zu starten. So tuckerten wir die Nacht durch und auch bis zum nächsten Mittag. Amelie und Alex fanden sich schnell auf dem Boot zurecht und schon in der zweiten Nacht übernahmen sie ihre zweistündigen Wachen allein. Zur allgemeinen Erbauung konnten zwischendurch mal wieder den Genacker für einige Zeit setzen und der Speiseplan wurde durch zwei Mahi Mahi bereichert. Nach der dritten Nacht erreichten wir im Morgengrauen Old Providence, eine zu Columbien gehörende, kleine Insel. Die Einreiseformalitäten auf dieser Insel waren schon sehr besonders. Bernardo Bush, der zuständige Hafenwart, geleitete uns in sein ‚Office‘, ein Haushaltswarengeschäft. Seine Assistentin kam und auch ein uniformierter Beamter der Einreisebehörden. Er fuhr auf seinem Motorrad mit einem mobilen Lesegerät für Pässe und Fingerabdrücke vor und da das Gerät dann, nach dem 4.Pass seine Dienste verweigerte, nahm er unsere Pässe kurzer Hand mit, mit dem Versprechen, sie am nächsten Tag zum Auschecken wieder mitzubringen. Sehr skurriles Erlebnis. Es klappte aber Alles, und Mr. Bush gab uns diverse Empfehlungen, was wir die Tage auf der Insel machen könnten und sollten.

Wir erkundeten die Insel mit eine Art Golfcart. Aßen leckeren Fisch am Strand und machten eine Dinghi-Spritztour zur idyllischen Crab Cay Insel, die unter Naturschutz steht und eigentlich nur gegen Gebühr betreten werden darf. Wir schnorchelten vor der Insel und genoßen das klare, türkisfarbene Wasser.

Am späten Abend, nachdem wir unsere Pässe zurück und ausklariert hatten, ging es Richtung San Blas Inseln. 300sm, zwei Tage und Nächte, die wir fast ausschließlich unter Motor bewältigen konnten, da wir bis auf die letzten Stunden immer unter 10kn Wind genau von achtern hatten.

Auf See und auch bei den Landaufenthalten nutzten Kinley und Alex immer wieder die Möglichkeiten ihre Wartungsarbeiten am Boot vorzunehmen und so ihre Kenntnisse auszutauschen, bzw. weiterzugeben.

Erklärung zu den Fotos :

1  Cayman Islands            7  Farmland                           13  Markthalle                       19  Negril Strand

2  Georgetown                   8  Bambuswald                    14  In Montego Bay              20  Genackersegeln

3  Auflandiger Wind        9  Canopy Ride                     15  am Strand                         21  Office von Mr. Bush

4  Abschiedsdrink          10  Kinleys am YS Fall          16  die alte Mühle                  22  Old Providence Bay

5  Papaya Plantage         11  Der Wasserfall                  17  Zuckerrohr LKW             23  Crab Cay Ilsland

6  nach Regenfall            12  Nature Reserve                18  Sprung in den Ocean      24  Strand von San Andres

Marret Koll Small

Kuba, eine Zeitreise

Kuba hatte sich im Dunkeln schon durch einen hellen Streifen am Horizont angekündigt. Dann beim Näherkommen sah man ein helles Feuer am Himmel. Nach und nach kam Havanna in Sicht mit dem Sonnenaufgang sehr schön zu sehen. In den Morgenstunden konnten wir doch noch ein wenig segeln, weil der Wind auf 12kn zugelegt hatte. (Das Feuer entpuppte sich später als die Abfackelung einer Ölraffinerie.)

In  Kuba angekommen lernten wir eine ganz andere, sehr aufgeschlossene Art der Begrüßung kennen, die wir bisher noch nicht erlebt hatten. Man empfing uns mit offenen Händen. Nach einander kamen 8 Leute an Bord für die Einreiseformalitäten. Erst der Medicus, der unseren Gesundheitszustand mit einem Fieberthermeter kontrollierte, dann der Drogenbeauftragte mit Spürhund, danach drei Zollbeamte für die Pass- und andere Einreiseformalitäten. Nachdem wir das Boot auf den endgültigen Liegeplatz verlegt hatten, kam der Hafenmeister, zum Schluss zwei Beamte des Landwirschaftministeriums. Mehrere der freundlichen Herren legten Wert darauf einmal mit Wolf alleine zu sprechen und erzählten von ihren besonderen Familienverhältnissen. Das Prozedere dauerte etwa 2 Stunden und kostete einige Dollars. Danach kamen immer wieder andere Leute, Touristen und Bootsnachbarn vorbei um uns zu begrüßen, das Boot zu bestaunen und wir bekamen diverse erste Tipps zum Umgang mit Devisen, Landsleuten und zu sehenswerten Ausflugszielen.

Auf Kuba scheint die Zeit irgendwie stehen geblieben zu sein. Wären die Menschen nicht vergleichbar europäisch angezogen, könnte man denken, man ist durch eine Zeitmaschine um etwa 30-40 Jahre zurückgebeamt worden. Diesen Eindruck bestimmen vorrangig die vielen alten Autos, die bis zu 80 Jahre alt sind, einige davon sehr gut gepflegt und erhalten, andere doch eher baufällig aber in Funktion. Auch die Gebäude sind zum großen Teil noch aus der Zeit spanischen Kolonialzeit, herrschaftliche, beeindruckende Bauten, die nach und nach sehr kreativ und feinfühlig restauriert werden. Das Straßenbild wird aber in den meisten Vierteln durch mehr verfallene Häuser bestimmt. Die Menschen sind eigentlich alle super nett und freundlich, hilfsbereit, gebettelt wird eigentlich garnicht und die Menschen sehen zufrieden aus. In den Supermärkten fanden wir nur haltbare Lebensmittel, Dosen, Flaschen (Havanna Club). An den Straßen gibt es immer mal wieder kleine Stände mit Frischwaren: Tomaten, Gurken, Paprika, Zwiebeln, u.a., sowie ein paar einheimische Früchte. Internet war eigentlich nirgends zu bekommen, Mobiltelefone dagegen haben auch hier die viele Menschen, besonders die jüngeren.

Durch Tim einen NY Amerikaner, der mit seinem Motorboot auch in der Marina lag, lernten wir Lemar kennen. Er hat auch eine Käptenlizenz für Sportboote bis 500t, fährt aber im Moment mehr Taxi und führt alle möglichen Arbeiten für Tim und seine Freunde aus. Lemar zeigte uns die drei Tage Havanna und wir waren alle begeistert. Am 1. Tag nach unserer Ankunft sollten ja Hottel Neeb und sein Enkel Niko zu uns stoßen, die aber durch ein Problem mit ihrem Flugzeug einen Tag später kamen. Sie hatten Präsente für einen in Havanna lebenden und arbeitenden Blankeneser im Gepäck. Wilken zeigte uns, zeitweise zusammen mit seiner Frau, an unserem letzten Tag noch einmal seine Lieblingsplätze in Havanna, die nochmal einen weiteren interessanten Teil der Stadt zeigten und auch Lemar zum Teil unbekannt waren. So waren wir in einem beeindruckenden, sehr guten Restaurant `La Guarida´ im Dachgeschoß eines alten verfallenen, mehrstöckigen, herrschaftlichen Gebäudes, mit bis zu 5m Deckenhöhe. In einem riesigen Raum im  2. Stock des Hauses, durch den wir nach oben gingen, hingen auf der Wäscheleine die Handtücher für das eindrucksvoll gestaltete Bad des Restaurants, ein witziges Ambiente.

Unsere beiden Havanna Stadtführer, Lemar und Wilken, sind beide mit kubanischen Juristinnen verheiratet, hübsche, intelligente Frauen, wir haben es sehr geschätzt sie beim Abendessen kennenlernen zu dürfen. Die Jugendlichen haben in Kuba im übrigen hervorragende Ausbildungsangebote. Universitäten sind kostenfrei für die Studenten, aber inzwischen durch eine Art Numerus Clausus, aufgrund der hohen Studentenzahlen, auf die besseren Schulabsolventen beschränkt.

Von Havanna ging es in mehreren Übernachtstörns erstmal in eine Bucht, wo wir vor Anker gingen. Von dort ging es weiter nach Cienfuegos im Süden der Insel Kuba. Kuba ist mit 111.000km² die größte karibische Insel. Vor Cienfuegos gingen wir auf Reede und brachten das Dinghi zu Wasser. Leider ging der Motor nicht, sodass wir an Land rudern mussten. Mehrere Leute boten Hilfe an, aber auch ein individuell hergestelltes Zwischenstück, zur Nutzung der in Kuba verfügbaren Zündkerzen, brachte nicht den gewünschten Erfolg. Letztendlich lag es an einer verstopften Treibstoffleitung, sodass wir am letzten Tag wieder mit Motorkraft an Bord kamen.

Zum Abschluss unserer Kubaeindrücke machten wir noch eine Tour über Land nach Trinidad (90km), ein Höllenritt. Unser Taxifahrer hatte einen 32 Jahre alten Lada ohne Gurte, fuhr fast durchgehend mit Bleifuß über die mit Schlaglöcher gespickten Straßen. Vorbei an Pferdefuhrwerken, Gauchos, Ziegenherden und abgemagerten Kühen und Pferden, durch eine sehr abwechslungsreiche Landschaft mit Mango- und Zuckerrohrplantagen. Aber wir waren dann doch froh, heil und gesund wieder an Bord zurück zu sein.  Vor der Abreise kam der Zoll noch einmal an Bord und hat das komplette Boot noch einmal in Augenschein genommen. Wir hatten ja eigentlich nichts zu verbergen, deshalb waren wir auch ganz gelassen. Aber schon komisch, wenn die Leute in alle Schränke sehen und fassen.

Dann gegen Mittag durften wir aufbrechen. Unser nächstes Ziel die Grand Cayman Islands.

Erklärung zu den Fotos:

 ... folgt

  • Small
    Schmekel, Joerg hat am kommentiert:

    ...sind bei / mit Euch, gönnend aber zugegebenermassen auch ein wenig neidisch, ob der unmittelbaren Eindrücke von Land + Leuten ... haben uns in Ft. Lauderdale in SY Red Cat unsterblich verliebt, welch eine Beauty.
    .... werden Euch und sie treu weiter begleiten und warten auf Marrets weitere Blogs; Dank für diese Mühe, die erarbeitet sein will + immer einen Sieg über den inneren, da faulen Schweinehund bedeutet.... also weiter mit einer Handbreit Wasser unter'm Kiel und favourable seas and winds. Ländliche Grüsse aus einem winterlich kalten, -5°C, 2bft, 1016hPh, aboard: M/v 'SILVER WHISPER' --> 2013-05-01 www.silversea.com/ships high-pressure system und samstäglichem 2.Liga Rückrunden - Spiel -> St.Pauli ( Heidelberg liegt bei Sandhausen und nicht umgekehrt ! ), im übrigen ist auch hier so etwas wie karneval ausgebrochen... als Kölner Hansestädter kommt man aus dem Schmunzeln nicht 'raus.... narri, narro...no . Tschuess, wat mut dat mut !

  • Small
    Petra Peters hat am kommentiert:

    Auch ohne Kommentar sind diese Bilder wieder vielsagend. Immer wieder schön, danke!
    Die berühmten Zigarren probiert?

Marret Koll Small

Jahreswechsel im Süden Floridas

Die Weihnachtstage haben wir Alle mit unseren Familien verbracht. Wolf verbrachte die meiste Zeit davon an Bord. Zuerst kam Christoph ihn für ein paar Tage besuchen und nutzte die Gelegenheit, auch zu einem kleinen Segeltörn mit Wolf und Kinley. Dann kamen Nina mit Familie aus Italien, Brita (Wolfs Schwester) aus Zürich und Renate (Wolfs Schwägerin) aus der Wingst nach Miami Beach für 2 Wochen ‚Winterurlaub‘. Kinley flog für eine Woche zu einem Familientreffen nach Amelia Island und Marret verbrachte die Vorweihnachtszeit erst in Hamburg, dann mit ihren Töchtern und weiterer Familie in Jochberg, Österreich. Zu Neujahr trafen wir uns Alle wieder auf der Red Cat, die lag inzwischen in Fort Lauderdale, am Pier 66, beim Hyatt Hotel, einer gut geschützten, attraktiven Marina. Bis zum 5.1. war noch Wolf Familie in Miami und wir fuhren täglich die Strecke von Fort Lauderdale (ca.40 Min. mit dem Auto) nach Miami Beach. Miami ist eher touristisch, viele große Häuser, Wolkenkratzer, meist Hotelkomplexe, mal mehr, mal weniger schön. Auf Miami Beach viel interessante, ältere Architektur, davon viel Art Deco, in unterschiedlichsten baulichen Zuständen. Herausragend das Delano Hotel, aber auch andere, teilweise kleinere Hotels, ansprechend und interessant aufgemacht. Lange Strandküste mit Mengen an Sonnenliegen, Strandkörben, herrlichem Sandstrand und dem berühmten Ocean Drive. In Fort Lauderdale dagegen mehr kleinere Bauten, dafür eine Strandallee mit Kneipen und Souveniershops wie auf Mallorca. Für mich immer wieder faszinierend die wasserumspühlten, vorgelagerten Halbinseln, Brücken, Häuser mit eigenem Bootssteg, Wasserwege, rechtwinklig angelegt wie ein amerikanisches Straßennetz.

Am 7.1.15 segeln wir endlich weiter südwärts, nochmal an Miami Beach vorbei, die Inselkette der ca. 800 Key Islands entlang nach Key West. Hier tobt das Leben, bunt mit einer schrillen Schwulenszene, netten Kneipen, hübschen kleinen und größeren Häuschen. Das Highlight für Wolf, das Restaurant Louis, in dem er schon vor über 25 Jahren war, mit seiner hervorragenden Speisenauswahl.

Nach vier Tagen geht es weiter, mit einem Kurzstopp am Fort Jefferson, in Mitten des Golfs von Mexico. Beeindruckend dies gewaltige Bauwerk, in dem zum Ende des 19.Jh. bis zu 1800 Menschen lebten. Heute leben hier nur noch 8 Ranger. Morgens kommen eine Fähre und Wasserflugzeuge mit Tagestouristen zum Fort. Man errichtete die Festung zum Schutz des Golfes und der Südküste Amerikas. Seit einigen Jahren ist man dabei, die Festung mehr und mehr zu restaurieren. Der Abstecher hatte sich auf jeden Fall gelohnt.

Am Abend lichteten wir unseren Anker und brachen Richtung Kuba auf. Leider spielte der Wind nicht so richtig mit, er kam von achtern mit nur 10kn, sodass wir fast die kompletten 120nm unter Motor zurücklegen mussten.  

Erklärung zu den Fotos:

1  Ocean Drive ArtDeco      5  amerikan. Outfit            9  Kinley am Ruder               13  Fort Jefferson morgens

2  Schuhgeschäft Miami     6  Abschied 1.Teil             10 Key West Pier                     14  F.J. Innenbereich

3  Hotel Nebeneingang       7 vor Miami Beach           11 Southernmost Point          15  F.J. Festungsgraben

4 Sylvester mit Familie       8  vom Wasser aus           12 K. surft hinterm Boot        16 F.J. von See her.

  • Small
    Petra Peters hat am kommentiert:

    Prima, dass Sie die Zeit zu Weihnachten mit den Familien nutzen und genießen konnten.
    Und dabei auch noch an das Kartenschreiben gedacht haben;-)

Marret Koll Small

Florida – Sunshine State

Amelia Island ist wirklich eine Reise wert, Fernandina Beach, der größte Ort der Insel, hat Charme und wir verbrachten mehrere Tage dort. Kinleys Großvater Curt hatte sich Zeit genommen um uns die Schönheiten seiner Insel zu zeigen. Er lebt in einem architektonisch, sehr schön gestaltetem Haus, inmitten einer abgeschlossenen Wohnsiedlung. Es leben hauptsächlich 'Best-Ager'' hier, sagte er uns, und auch später noch erleben wir viele Leute, die uns erzählen, dass sie nach dem Berufsleben nach Florida umgezogen sind. Auf Amelia Island gibt es viele gepflegte, hübsche Häuser und Villen, nette Wohnanlagen (Condomiums), diverse großartige Golfplätze und Sportclubanlagen und viel beeindruckende Natur. Curt führte uns zu einer der alten, 1798 erbauten und noch erhaltenen Plantage (Kingsley Plantation), auf der in früherer Zeit Indigo und Baumwolle angepflanzt und verarbeitet wurde, mit Hilfe von meist schwarzen Sklaven. Im angeschlossenen Museumsbereich kann man einen Eindruck von der harten Arbeit und den unbarmherzigen Lebensverhältnissen der Sklaven, dem Leben ihrer Herrschaft und der Geschichte bekommen. Besonders an dieser Plantage ist, sie wurde lange Zeit von einem schwarzen Gutsherrn (Zephaniah Kingsley) bewirtschaftet, der eine Kubanerin mit drei Kindern heiratete. Die Familie mit Ihren in späteren Zeiten, befreiten Sklaven musste nach dem Wechsel der politischen Verwaltung von den Spaniern zu den US Amerikanern 1837 nach Haiti fliehen, da die Amerikaner keine schwarzen Gutsherren tolerierten.

Nachdem wir vier sehr schöne und interessante Tage in Fernandina Beach verbracht hatten, wenn auch mal mit Regen und dicker Jacke, ging es 65nm weiter südlich nach St.Augustine. Die Marina lag in einem sogenannten Inlet, hinter einer Klappbrücke. Wir erreichten sie gerade passend und konnten direkt passieren. Das Anlegemanöver gestaltete sich dann allerdings brenzliger als gedacht, da hier über 3kn Strom herrschten und das Hafenbecken etwas eng war. Aber es lief alles gut und wir lagen zwei Tage sicher in unserer Box. St. Augustine zeigte sich uns als eine vielseitig interessante Touristenstadt, mit vielen Museen, Vergnügungsstätten und geschichtlichem Hintergrund. Sehr beeindruckend das Fort St. Marcos, das bereits 1672 von den Spaniern dort erbaut wurde. Am Morgen des zweiten Tages verließ der Docknachbar die Marina, er hatte sein Motorboot und die heftige Strömung nicht so gut im Griff und unser Boot bekam einen deftigen Kratzer. Nachmittags machten auch wir uns auf  den Weg zu unserem nächsten Törnabschnitt nach Cape Canaveral. Kinley fuhr einen perfekten Ableger und auch die Brücke öffnete kurz danach und entließ uns auf den Atlantik. Wir segelten die ganze Nacht durch, gegen Mitternacht ging der Mond unter und es wurde echt finster bis um 6:50 Uhr die Sonne aufging. Wir hatten es nicht eilig, da wir nur 130 nm vor uns hatten. Unser Wachsystem erlaubte uns immer 3-4 Stunden Schlaf, da wir uns alle zwei Stunden ablösten. Als der Wind nachließ, dümpelten wir manchmal nur so dahin, bis er wieder einsetzte. Um 8 Uhr segelten wir am Gelände der NASA vorbei, von weitem bereits gut zu erkennen an den Starttürmen, die nahe am Ufer stehen.

Wir waren in der Marina angemeldet, die etwas schrille Stimme der Marinamitarbeiterin hatte uns kurz vorher den Weg und unseren Liegeplatz beschrieben, aber es war niemand am Dock zu sehen, es kam auch keiner um Leinen anzunehmen etc..  Das ist sonst eigentlich überall üblich, häufig stehen sogar mehrere Helfer bereit. Wir kamen auch so zurecht, kein Problem, aber ungewöhnlich und den Liegegebühren nicht angemessen.

Wir wollten zuerst nur zwei Tage in Cape Canaveral bleiben, der Hafen ist auch eher häßlich. Mehrere riesige Kreuzfahrtterminals, Öltanks, Containerbrücken und Lagerhallen zieren den Hafen. Als wir ankamen lagen drei Kreuzfahrer da, die ihre Gäste aus-und einschiftteten. Laute Lautsprecher-Ansagen des Kapitäns und der Animateure schalten durch den Hafen. Wolf erkundigte sich im Marina Büro, wie man am günstigsten das Besucherzentrum des ‚Kennedy Space Centers‘ erreicht. Ein Leihwagen wäre die beste Möglichkeit die etwa 45 Minuten zum Gelände zurücklegen, sagte Miss Micky-Maus-Stimme.

Am nächsten Morgen starteten wir zeitig um uns das Gelände und die Ausstellungen anzusehen. Beeindruckend, besonders die Präsentation der Atlantis!! Ein Tag reichte garnicht aus um all das Angebotene anzusehen, außerdem erhielten wir die Info, dass drei Tage später die Orion-Rakete gestartet werden soll, eine Testrakete, für erneute bemannte Weltraum-Erkundungen, nachdem das Spaceshuttle-Programm vor drei Jahren eingestellt wurde. Das klang spannend und einmalig dies live miterleben zu können. Wir behielten den Leihwagen kurzer Hand ein paar Tage länger, besichtigten andere Teile der Insel, spielten einen Tag Golf, aber der Gegend fehlt der lebenswerte Reiz. Interessant und aufregend war die Fahrt mit einem Airboat über die Feuchtwiesen des St. Johns River. Wir sahen mehrere sehr große Alligatoren am Ufer liegen. Kleinere hatten wir vorher bereits auf dem NASA Gelände gesehen. Das Boot flog über das Wasser und die Wiesen, hielt immer wieder an, wenn Alligatoren in Sicht kamen – spannend.

Am Donnerstag den 4.12. war es dann soweit. Die Orion-Rakete sollte gestartet werden. Wir waren extra um 6 Uhr aufgestanden, machten uns Lunchpakete und wollten auf das Parkdeck des Kreuzfahrtterminals gehen, aber schon zeitig war klar, es werde eine Startverschiebung geben, dann eine weitere.. Das Wetter erschien bestens, blauer Himmel, kaum ein Lüftchen, großartige Bilder von der Startrampe per IPad. Wolf wollte an Bord bleiben am Bildschirm. Kinley und ich sprangen immer wieder aufs Skateboard oder Fahrrad um einige 100 Meter weiter einen besseren Blick zu erheischen, Kamera gezückt, dann wieder Startverschiebung bis das Startfenster um 9:45 Uhr geschlossen wurde. Neuer Starttermin Freitagmorgen 7:05 Uhr. Wir standen wieder zeitig auf, der Himmel völlig zugezogen, regnerisch. Dann die Nachricht der Countdown beginnt, 5, 4, 3 Minuten. Wolf entschied sich wieder für den Bildschirm, Kinley fürs Skateboard, ich fürs Fahrrad. Die Brote waren noch nicht ganz fertig, komplett auf eine neuerliche Startverschiebung eingestellt, Kamera einpacken, schwang ich mich aufs Fahrrad, gerade angekommen, sah ich die Rakete am Himmel und kurz danach in den Wolken verschwinden, keine Chance fürs Foto – dumm gelaufen.

Zufrieden, den Start, wenn auch nicht so ganz, auch das angekündigte Vibrieren des Erdbodens hatte gefehlt, miterlebt zu haben, verließen wir kurz darauf die Marina. Unser Ziel, nach weiteren 70 nm südlich, die Einfahrt nach Fort Pierce. Die Marina in Fort Pierce hatte uns mitgeteilt, dass es keinen Liegeplatz für unseren Tiefgang in den Marinas geben würde, aber in der Einfahrt müsste es möglich sein zu ankern, nur die starke Strömung könnte ein Problem werden. Der Anker fiel am späten Nachmittag außerhalb des Fahrwassers mit fast 2m Platz unter dem Kiel. Die Strömungsgeschwindigkeit stieg bis auf knapp 4m, ums Boot schwimmen (25°C Grad) war aussichtlos, geradezu gefährlich, aber der Anker hielt, auch nachdem die Tide und damit die Richtung der Strömung gekentert war. Glück gehabt, wir hatten einen guten, ruhigen Ankerplatz für die Nacht ergattert. Wir blieben dort noch eine weitere Nacht, und segelten erst am Sonntag weiter nach West Palm Beach.

Die Marina in West Palm Beach hatte uns einen genauen Plan geschickt, der abweichend vom Zugang auf den Seekarten uns einen Weg zur Marina aufzeigte. Ganz offensichtlich wurde dort gerade gebaut, aber die uns aufgezeigte Zufahrt ließ uns problemlos in die Marina einlaufen. In der Rybovich Marina liegen die Superyachten, eine größer als die andere. Gestern kamen zwei riesige Tankwagen um die Yacht gegenüber aufzutanken. Bei einer anderen Yacht beobachtete ich, wie sich im Rumpf eine ‚Garage‘ öffnete und ein Riva-Motorboot entlanden wurde, um Platz zu schaffen für mehrere Scooter, die auch zu Wasser gelassen werden sollten, dahinter stand ein weiteres Powerboot – gewaltig. Red Cat war in dieser Marina mal das kleinste Segelboot, wirkte eher wie ein Beiboot für die großen Motoryachten. Der ganze Marina Bereich ist auf die Bedürfnisse angestellter Crewmitglieder ausgerichtet, mit Lounges, Computerraum, Gym, Billiard, Tischtennis, Schwimmbad, Bar, Kinotag und Busshuttle ins Zentrum von West Palm Beach. Bis zur Weiterfahrt nach Fort Lauderdale, werden wir hier die Zeit bis zum 16.12. verbringen und es sollen die letzten Reparaturen, der Kratzer aus St.Augustine entfernt und Garantiearbeiten ausgeführt werden.

Fröhliche Weihnachten und alles Gute für 2015.

Erklärung zu den Fotos:

1 Florida Schild                        7 Bierkneipe St.Aug.      13 Kontrollraum Modell         19 Airboat Fahrer

2 Xmas on Amelia Island       8 Cape Canaveral           14 Apollo Modell                      20 Fahrtwind

3 Fort St. Marcos                      9 Kennedy Spruch         15 Atlantis Präsentation         21 Alligator

4 St. Augustine- Mallorca      10 VAB Raketenbau       16 XMas bei der NASA           22 Kühe im Wasser

5 St. Augustine                         11 VAB Erklärung           17 Orion Startrampe               23 Fort Pierce abends  

6 Klappbrücke St. August.     12 Startrampe                  18 vom Wasser aus                 24 Rybovich Superyacht

  • Small
    Petra Peters hat am kommentiert:

    Ein gutes und erfolgreiches Jahr wünschen wir! Hoffen, Sie sind gut reingekommen,
    _Liebe Grüße aus Hamburg

  • Small
    Sarah hat am kommentiert:

    Danke für die tollen Bilder! Es macht immer sehr viel Spaß euren Blog zu lesen :-) Alles Gute für die Weiterreise!

Marret Koll Small

Von Annapolis nach Florida

Wir haben uns jetzt mehrmals für Übernachtfahrten entschlossen. Erstens, weil die Anzahl der Häfen, in die wir mit unserer Bootsgröße hineinkönnen, das betrifft den Tiefgang und  manchmal auch die Masthöhe, begrenzt ist und zweitens, weil wir auch gern bald wieder in wärmere Gefilde kommen möchten. Unser vorläufiges Ziel ist Florida.

Nachdem wir Annapolis, im dicken Nebel mit kaum einem Hauch Wind verlassen hatten, machten wir abends einen kurzen Ankerstopp in der Ingram Bay, um am nächsten Tag nach Norfolk, an die Mündung der Chesapeake Bay zu gelangen. Norfolk ist einer der Marinestützpunkt, der Ostküste Amerikas. Wir kamen vorbei an einer beeindruckenden Flotte von etwa 30 US Navy-Schiffen, davon 4 großen Flugzeugträgern und einem Hospitalschiff. Die Stadt selbst ist bestimmt nicht häßlich, aber sie hat auch keinen bestechenden Charme, sodass wir nach einem Tag aufbrachen  zu unserem ersten größerer Trip von Norfolk nach Beaufort (NC). Es war eine ruhige Überfahrt, 250nm lagen vor uns. Leider hatten wir zwischenzeitlich sehr wenig Wind, sodass wir, zum großen Teil, motoren mussten.

Beaufort ist ein kleiner, netter Ort, besteht nur aus wenigen Straßen, hat aber ein kleines maritimes Museum und rühmt sich mit der Geschichte des Piraten Blackbeard, der hier sein Ende gefunden haben soll. Von dort ging es nach einem Ruhetag, den wir auch eingelegt hatten, weil uns die Ausläufer eines Tornados streifen sollten, weiter nach Charleston. Von dem Unwetter haben wir wenig zu spüren bekommen, es äußerte sich mehr mit Regen und einem beeindruckenden Wetterleuchten am Himmel über dem Atlantik. Der nächste Törn von 240nm nach Charleston war heftiger. Bis zu 25kn Wind aus nördlicher Richtung, bei 2°C Lufttemperatur. Ein feucht kaltes Vergnügen, bei dem man mehrere Schichten Klamotten brauchte. Mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von mehr als 8,5kn rauschten wir durch den sternenklaren, aber mondlosen, dunklen Nachthimmel und wir waren am nächsten Mittag, gegen 12 Uhr in Charleston. Schon bei der Einfahrt wurden wir von Delphinen begleitet. Als wir eben in der Marina festgemacht hatten, zogen auf der anderen Seite der Steganlage wieder Delphine zu Begrüßung vorbei. Diese Tiere mit ihren eleganten, geschmeidigenden Bewegungen haben es mir besonders angetan, vermutlich hat Flipper da in meiner Jugend einen bleibenden, anrührenden Eindruck hinterlassen.

Charleston ist eine richtig hübsche, südamerikanische Kleinstadt. Es gibt viele schöne und auch exclusive Geschäfte. Unsere Marina lag auf der anderen Seite des Cooper Rivers am Patriot Point. Wir konnten kostenfrei einen Shuttle Bus nach Charleston nutzen, der jedoch nur alle 2 Stunden fährt. Wir nutzten zwei Mal die Gelegenheit für 4 Stunden durch die Straßen und Geschäfte zu bummeln, abends noch gemütlich ein Restaurant für das Essen aufzusuchen und dann an Bord fröhlich noch mit Kinley eine gute Stunde ‚oh hell!‘ Karten zu spielen.

Der nächste längere Törn ging nach Fernandina Beach auf Amelia Island. Hier sollten wir den Großvater von Kinley kennen lernen und ich wollte natürlich die Insel mit dem Namen meiner Tochter Amelie kennen lernen. Da wir wieder leichtere, achterliche Winde zu erwarten hatten, holten wir mal wieder den Code 0 (ein etwas größeres, bauchigeres Vorsegel) raus und brachten ihn auch einige Stunden zum Einsatz. Ohne Motorhilfe erreichten wir bei Sonnenaufgang, nach 150nm auf dem Atlantik, die Einfahrt in den St.Andrew Sound. Wir wollten die Chance nutzen ein Stück den Innercoastal Waterway zu befahren. Denn der Crooked River hinter Cumberland Island (Georgia) wird von keiner feststehenden Straßenbrücke überspannt, so dass wir mit unserer Masthöhe überall durchkonnten. Es wurde dann aber doch noch spannend. Bei ablaufendem Wasser und mit der Strömung lief die Red Cat flott den Innercoastal Richtung gen Süden. Wir überholten zwei kleinere Segelboote, und begrüßten uns gegenseitig frohgemut. Dann kamen wir an eine Stelle, die auf der Karte keine genaueren Tiefenangaben hatte. Die Betonnung war auf der Karte und dem Wasser auch nicht gerade aufschlussreich, vor uns lagen 4 rote Tonnen über das Fahrwasser verteilt, wie eine Sperre, eine grüne (in diesem Fall für uns Backbord) Fahrwasser-begrenzung war nicht zu erkennen, das Log (der Tiefenmesser) zeigte abnehmende Tiefen-Angaben an, also Tempo weg - jetzt wäre ich gerne einem ortskundigen Segler gefolgt, 1m, 0.80m, 0.50m, 0,20, 0.0m – Bremse, wir saßen! Langsam und vorsichtig waren wir auf Schiet gelaufen. Wie am Besten runterkommen? Bei 14kn Wind von der falschen Seite, drückt uns ein Segel vielleicht noch mehr auf den Sand. Die beiden Segler passierten uns an Backbordseite. Also Maschine hart rückwärts. Wir bekamen den Bug ganz langsam durch den Wind, holten die Segel raus, das Boot kränkte, wir kamen frei. Glück gehabt!! Bei ablaufendem Strom hätten wir sonst sicher einige Stunden dort verbracht, so waren es nur 10 beänstigende Minuten. So was habe ich auf der Elbe mehrmals miterlebt. Als wir frei waren, und den anderen Seglern auf ihrer Spur folgten, sahen wir auch die grüne Fahrwassertonne, die ganz am Ufer versteckt lag. Nachher betrachteten wir unsere Fahrspur, die immer auf der elektronischen Seekarte festgehalten wird; sie führte an dieser Stelle über Land. Woher soll man wissen, dass die elektr. Seekarten so unkorrekt sind. Vielleicht ist der Innercoastal doch nicht für unsere Bootsgröße gedacht und mehr für Eingeweihte.

Kurz darauf erreichten wir die Marina von Fernandina Beach auf Amelia Island und wurden direkt beim Einlaufen von Kinleys Großeltern willkommen geheißen.

Wir hatten unser Zwischenziel erreicht. Cumberland Island gehört zwar noch zum Bundesstaat Georgia, Amelia Island bereits zu Florida!

Erklärung zu den Fotos:

1  Ausfahrt bei Nebel     5  Südst. Haus in Beaufort    8  Delphine vor Charleston     13  Innercoastal Waterway

2  Marinestützpunkt     6  Sonnenuntergang                9  Straße in Charleston            14  Fernandina Beach

3  Flugzeugträger           7  Krabbenfischer                   10  Code O  im Gegenlicht        15  Pelikane und Möwen

4  Marina Beaufort        8  Patriots Point Marina        11  Cumberland Island              16  mit Kinleys Familie

  • Small
    Petra Peters hat am kommentiert:

    Da hatten Sie ja Glück, dass Sie so schnell wieder "frei" kamen, selbst beim Lesen haben wir die Luft angehalten. Das Schiff ist auch heil? Dann ist alles gut. Weiterhin viel Spaß und ich freue mich auf die nächsten Bilder. Bis bald

  • Small
    Felix hat am kommentiert:

    spannend euer blog! gute fahrt und gutes wetter!

Marret Koll Small

Amerika, das Land der Extreme

Schon 1986, als ich das erste Mal, allerdings an der Westküste, Amerika besuchte, haben mich die starken Kontraste zwischen z.B. arm und reich, weiß und schwarz, dick und superschlank, Wüste und üppig grünen Golfplätzen, Wolkenkratzern neben kleinen Häuschen und vielspurigen Highways fasziniert. Auch wenn dieser Trend ein wenig auf Deutschland übergeschwappt ist, so ist er doch in Amerika wesentlich ausgeprägter. Mir fiel es wieder so stark in New York auf, aber auch in anderen Bereichen findet man es hier. Habe ich mir vor mehreren Wochen noch Gedanken gemacht, was ich an leichten, dünnen Klamotten tragen kann, weil mir so warm war, so muss ich jetzt drüber nachdenken, was noch in meinem Kleiderschrank vorhanden ist und was ich alles über einander anziehen kann (z.B. mehrere Schlüpfer, Strumpfhose, Jeans, Ölhose, Seestiefel). Vor zwei Tagen noch 20°C, heute Morgen 0°C, übermorgen vorhergesagt wieder 18°C. Eben noch >17kn Wind, kurz darauf <7kn, dann wieder >14kn, jetzt pendelt es sich auf 10kn ein, soll aber weiter abnehmen, schade, wir wären gern nach Süden gesegelt, jetzt läuft wieder die Maschine, bis zum nächsten Windeinfall.

Am 9.11. sind wir, aus Hamburg kommend, an Bord zurückgekehrt. 2 schöne Tage haben wir noch in Annapolis verbracht, eingekauft, aufgeklart, dann ging es frühmorgens los, bei dichtem Nebel und ohne Wind, aber wir hatten 90nm vor uns und wollten vor Dunkelheit unseren Ankerplatz erreichen. Wir bekamen noch herrlichen Wind und einen schönen Segeltag. Am nächsten Tag wieder 70nm nach Norfolk, etwas entspannter und wir kamen um kurz vor 17 Uhr in der Marina an. Norfolk ist ein US Marinestützpunkt, wir kamen vorbei an etwa 30 Kriegsschiffen – ein gewaltiges Aufgebot. Dies zum Thema s.o.

Als wir am 15.11. Norfolk verließen, kam uns ein weiterer Flugzeugträger entgegen. Wir hielten uns knapp außerhalb der Fahrrinne um ihm genügend Platz zu lassen. Der Dicke wird von diversen Booten geleitet und als wir kurz davor sind ihn zu passieren, legt sich ein Police-Motorboot zwischen uns und den Flugzeugträger zu seinem Schutz, bis wir an ihm vorbei sind. Kinley erzählt später, dass die Navy Warnungen ausgegeben hat, wenn man sich ihren Booten zu sehr nähert, würde von der Waffe Gebrauch gemacht, notfalls auch tödlich. Auch so etwas habe ich bei uns noch nicht erlebt, das wirkt wieder sehr extrem. Erinnerungen an 9/11 und die Kontraste in New York werden in Erinnerung gerufen. Hoffentlich erleben wir solche Extreme nicht in unserem Heimatland.

Fotos von ein paar eingefangenen Beispielen:

Marret Koll Small

Die Ostküste der USA - von New York nach Annapolis (10.10. – 25.10.2014)

Unsere zweite Reise mit Marret und Wolf.                                                                                   Autorin: Birthe B.

Die Segelsaison in Hamburg neigte sich so langsam dem Ende entgegen und Andi und ich packten schon die ersten Segelsachen auf unserer Anthe zusammen. Wie immer am Ende der Saison ist man doch etwas traurig. Mit den ersten Sachen zu Hause angekommen, fand ich eine Mail von Marret vor. Sie schilderte, dass eines der nächsten Ziele New York sei. New York – Auslaufen mit einem Segelboot - an der Freiheitsstatue und Manhattan vorbei. Wer träumt nicht davon.

Andi und ich haben uns angeguckt, eine Mail an Marret und Wolf mit der Frage geschickt: Werden noch Mitsegler gesucht? Ja, wir hatten Glück.

Nachdem wir die Flüge gecheckt hatten, haben wir noch schnell Beate und Gerd angerufen und wer sagt es denn, Beate kam auch mit. Gerd musste leider arbeiten.

Zu dritt haben wir uns am 10.10 von Hamburg aus auf den Weg nach New York gemacht. Der Flug ging pünktlich und wir landeten mittags in Newark. Ein Taxi brachte uns in den Yachthafen 'Liberty Landing'. Die Red Cat lag bei traumhaften Wetter, ruhig in der Marina, mit Blick auf die bildschöne Kulisse von Manhattan. Wir kamen an Bord, wurden wie immer sehr herzlich von Wolf und Marret empfangen, so dass wir uns sehr schnell wieder heimisch fühlten. Kinley (der neue Bootsmann an Bord) versorgte uns zunächst mit einem kühlen Bier und dann ging es auch schon los. Marret und Wolf sind nicht nur gute Segler – nein, auch sehr gute Stadtführer. Wir besichtigten Ground Zero (ohne Worte - unvorstellbar), die 5. Avenue, Times Square und vieles Anderes. Zum Abschluss des Tages gab es ein Riesen-Steak und ein 'doggi bag'. Von der Hälfte des Steaks haben wir noch zwei Tage zum Frühstück gegessen.

Am nächsten Morgen wurden die Segel ausgerollt und es ging vorbei an Manhattan und der Freiheitsstatue auf dem Hudson River in Richtung Atlantik City. Trotz leichten Regens und Nebel war es sehr beeindruckend an der Freiheitsstatue vorbeizusegeln – wie wir uns das vorgestellt haben.

Wind und Welle frischten ordentlich auf, so dass die 90 sm nach Atlantik City kein Problem darstellten. Abends hat uns Marret dann Labskaus gekocht – mega lecker. Anschließend gings in den Golden Nugget (ein Hotel mit Spielhölle)– zum Spielen. Naja, die Schlangen an den Chipausgabeständen waren so lang, dass wir auf diese Vergnügen verzichteten.

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg nach Philadelphia. Das Segeln brachte wieder enormen Spaß – Andi an der Pinne, bzw. hier am Rad, zu beobachten ist wie 2 Wochen Urlaub – einfach toll. Auch das Ankern verlief problemlos. Marret, Kinley und Andi haben sogar gebadet und das bei 17 Grad Wassertemperatur. 2 Tage später den Delaware rauf, erreichten wir Philli. Als Einlaufgetränk gab es einen ordentlichen Rum – wie in der Karibik. Der Hafen lag wieder mitten in der Stadt, so dass wir zu Fuß alles Interessante erreichen konnten. Philadelphia ist eine sehr kontroverse Stadt. Neben kleinen zahlreichen wunderschönen Straßen, die auch in Amsterdam liegen könnten, gibt es auch die typischen Wolkenkratzer. Die Straßen sind mal klein mit Kopfsteinpflaster, mal sehr breit mit mehreren Spuren; sehr interessant. Shoppen ist super, da man keine Tax (Steuer) auf Kleidung und Schuhe bezahlen muss. Die Koffer wurden voller. In Philli haben wir auch Christophs Schwiegereltern getroffen. Ein super nettes und herzliches indisches Ehepaar, sie luden uns zu einem Indischen Essen ein - leckerst. Der Abend war sehr schön.

Nach drei Tagen Stadttourismus zieht es aber Alle wieder aufs Wasser. Bei strahlend schönem Wetter machen wir uns auf den Weg nach Annapolis. Unsere erste Ankerbucht liegt direkt neben einem Stützpunkt der US Coast Guard. Hier konnten wir bestens beobachten wie die US-Flagge abends eingeholt wird. Die Idee von Andi war unseren Adenauer mit der US-Flagge am nächsten Morgen gemeinsam zu hissen. Die US Coast Guard war aber zu langsam (Flagge wurde erst nach Dienstbeginn und nicht bei Sonnenaufgang gehisst), so dass der Adenauer doch früher gesetzt werden musste.

Dann erreichten wir, nach einem weiteren herrlichen Segeltag in der Chesapeake Bay, Annapolis. Eine kleine bezaubernde Hafenstadt mit viel Flair. Wir buchten einen Mietwagen um Washington und Baltimore unsicher machen zu können. Washington ist eine echte Planquadratstadt. Dies wir z.B. ersichtlich, wenn man sich die Adresse des Hardrock Cafes ansieht 'E 10'. Mit dem Bus 'Hop on Hop off' verschafften wir uns einen Überblick über die Sehenswürdigkeiten. Das Capitol, das Weiße Haus die Museen und… und …und. Am nächsten Tag entschieden wir uns 2 Museen zu besichtigen, die übrigens keine Eintrittsgebühren kosten. Das Museum für indianische Geschichte, sowie das National Air und Space Museum. Beide Museen waren sehr interessant, spannend und toll gestaltet. Anders als bei uns – eher zum Anfassen.
In Baltimore haben wir das Amerika erlebt, wie man es sich eher vorstellt – große etwas herunter gekommene Stadtteile und nur in Hafengegend alles neu. Allerdings war die Zeit zu knapp, um sich wirklich näher mit der Stadt zu beschäftigen. Dies werden wir auf jeden Fall nachholen.

Unseren letzten Abend verbrachten wir mal wieder in 'unserem Club', dem Annapolis Yachtclub, in dem wir kurzzeitig Mitglied werden mussten, um eingelassen zu werden und dort essen zu können. Die Küche ist großartig und wir ließen es uns nochmal richtig gut gehen.

Am nächsten Tag ging es dann schon wieder heim und wir sind mit Marret und Wolf zusammen nach Hamburg geflogen.

Liebe Marret, lieber Wolf,

vielen Dank für die tollen zwei Wochen. Sie waren ganz anders als in der Karibik, aber genauso interessant und spannend und die Atmosphäre an Bord war wieder sehr schön und das ist eigentlich das Wichtigste.

Ich hoffe ihr nehmt uns wieder mit – z.B. nach Kuba (hihi)
  ...herzliche Grüße von Birthe und natürlich auch Andi.

Erklärung zu den Fotos:

New York, Philadelphia, Essenseinladung von Ehepaar Desai, Baltimore, Washington, Annapolis

Marret Koll Small

Amazing New York City

Die Liberty Landing Marina ist echt empfehlenswert wenn man New York City besuchen will. Man liegt stadtnah und doch ruhig, mit einem großartigen Blick auf die Skyline von Manhattan. Es gibt eine Fährverbindung über den Hudson zur City im 30 Minutentakt. Einziger Wehrmutstropfen, sie fährt nur bis 20:45Uhr, danach gibt es nur noch eine U-Bahn Verbindung nach New Jersey, oder ein Taxi.

Am ersten Tag besuchten wir die Gedenkstätte am ‚Ground Zero‘, überall als ‚9/11‘ betitelt. Es ist noch immer eine große Baustelle, aber zwei der vier neuen Türme sind schon äußerlich fertig, aber noch nicht belebt. Die Baustellen sind aufwendig gesichert, das Aufgebot an Polizei und Wachpersonal ist gewaltig. Das Fundament der beiden eingestürtzten WTC-Türme und deren direkte Umgebung wurden zu einer beeindruckenden Gedenkstätte umgebaut. Anstelle der Wände nach oben, laufen Wasserfälle, quadratisch angelegt, von ca. 10m Tiefe, in ein Becken, das in der Mitte, dem Sockel des Fahrstuhlschachtes nochmal tiefer runtergeht. Auf den Mauern um die Bassins sind Tafeln mit den Namen der Toten angebracht. Es ging mächtig unter die Haut, die Erinnerungen werden lebendig, die Machtlosigkeit bedrückt, erschüttert.  

An den nächsten Tagen haben wir diverse Besichtigungen unternommen. Wir haben z.B. die Aussichtsplattformen des Empire State Buildings besucht und den grandiosen Ausblick über die Metropole mit ihren über 8 Millionen Einwohnern genossen. Die Grundfläche der Stadt ist nur unwesentlich größer als die Hamburgs, kleiner als Berlin, aber es leben über viermal so viel Einwohner pro km² (10.870 ) darin. Kein Wunder also, dass es so viele Hochhäuser gibt. New York City setzt sich aus im übrigen aus nur fünf Stadtteilen, Manhattan, Brooklyn, Bronx, Queens und Staten Island zusammen. Wenn man dagegen den Staat New York betrachtet, er ist fast halb so groß wie Deutschland, hat aber nur ein viertel der Einwohnerzahl, nämlich knapp 20 Millionen Einwohner.

Unsere Stadterkundung ging weiter, wir waren im MoMa (Museum of modern Art) und im Guggenheim Museum. Beeindruckende Gebäude mit einer faszinierenden Anzahl an großartigen Kunstwerken, in denen man sich Stunden aufhalten kann. Dann besuchten wir die 'Grand Central Station' mit der Gourmetebene, wo Wolf zwischen 18 Sorten Austern auswählen konnte, aber die größten sind nicht zugleich die schmackhaftesten, so sein Resümee. Am Donnerstag sahen wir mit Kinley das Broadway-Musical 'Once' an. Die Geschichte handelt von einem irischen Musiker, der sich entschließt nach New York zu gehen. Kein typisches Broadway-Glamour-Musical, aber uns gefiel die Musik sehr gut. Interessant war auch die 'Highline', eine sehr schön begrünte Fussgängerpassage, die auf den alten, erhöht gebauten Eisenbahnschienen des Fleischmarkt-Viertels entstand. Sie lädt zum Spazieren gehen, verweilen und immer mal wieder zu Veranstaltungen ein. Großartige Idee alte Industriebauten so zu erhalten und zu nutzen.   

Natürlich haben wir auch nicht einen Bummel über die 5th Avenue, den Broadway und den Times Square zu unterschiedlichen Zeiten ausgelassen. Wir haben die unterschiedlichen Trump-Towers und das Rockefeller-Center gesehen, die Architektur der Hochhäuser und Wolkenkratzer ist unglaublich, faszinierend. Aber sorry, mich erschlägt die Größe, der Trubel und die Hektik all der Angebote eher. Die Stadt ist bunt, schrill, beeindruckend, aber leben könnte und wollte ich hier niemals. Da ziehe ich unser schönes, behagliches Hamburg vor.

Zwischendurch bekamen wir Besuch von Hamburger Freunden (Hottel und Ingeborg), die zur gleichen Zeit auch in New York waren, und wir hatten einen ruhigen, beschaulichen Tag an Bord. Am Ende der Woche reisten unsere Mitsegler für den nächsten Segelabschnitt nach Washington an. Birthe, Andi und Beate, die auch in der Karibik schon zwei Wochen mit uns an Bord waren, wollten mit uns erleben an der Freiheitsstatue vorbei auf den Atlantik zu segeln.

New York City und die Freiheitsstatue verabschiedeten sich dann mit Regen, grau in grau, von uns. Wir starteten früh, weil nach New York erstmal an der Küste Richtung Süden für uns Segler nichts kommt. Es war beeindruckend an Ellis Island (der Einwanderer-Insel), der Freiheitsstatue und Staten Island vorbei zu segeln, sie und die Skyline von New York City dann langsam in Regen und Nebel verschwinden zu sehen. Wir hatten uns ja von hinten durch den Long Island Sound von Nordost eingeschlichen, jetzt ging es 20 sm südlich den Hudson runter in den Atlantik und dann über 70 sm die Küste entlang bis Atlantik-City. Es war ein recht windiges Vergnügen, das wir aber gut und schnell hinter uns brachten.

Atlantic City ist das Spielerparadies der Amerikanischen Ostküste. Schon von weitem beleuchteten die Leuchtreklamen an den Fassaden der Häuser den Himmel. In sofern war es auch kein Problem nach Einbruch der Dunkelheit einzulaufen. Wir fanden unseren Liegeplatz sicher ohne Probleme und unternahmen, vom bunten Licht angezogen, einen kurzen Erkundungsspaziergang. Das 'Golden Nugget' lag direkt vor der Marina, und wir enterten in unseren derben Seglerklamotten das Kasino, zusammen mit mehreren spärlich bekleideten Mädels. Eine riesige Spielhölle tat sich auf, in der viele, recht gelangweilt aussehende Leute an den Automaten und Tischen saßen. Auch die beiden 'Table-Dancerinnen' hatten kein echt interessiertes Publikum. Die Drinks waren auch nicht so doll und wir verabschiedeten uns kurz darauf in den wohl verdienten Schlaf.

Mit weiteren Stopps in Cape May und dem Ankergrund Woodland Beaches im Delaware erreichten wir am Dienstag, den 14.10.14, Philadelphia. In Philli, wie die Amerikaner kurz sagen, unternehmen wir Stadtbesichtigung, Shoppingtouren und das Highlight war das Treffen mit den Eltern von Monica, der Schwiegertochter von Wolf. Sie sind indischer Abstammung und luden uns zum indischen Essen ein. Es hat uns so großartig gefallen, dasss wir am nächsten Tag, in einem anderen beeindruckenden Restaurant (Buddakan) gleich noch einmal indisches Essen gingen.

Dann ging es den Delaware zurück und durch einen Kanal in die Chesapeake Bay, wo wir noch einen Ankerstop einlegten, bevor wir in Annapolis unseren Liegeplatz in Besitz nahmen. Wir konnten den Abbau der Annapolis Boatshow beobachten, was uns insofern beeindruckte, weil die Bootsmesse fast ausschließlich auf dem Wasser auf Pontons stattfand. Ganz anders als wir es aus Deutschland kennen. Von Annapolis aus erkundeten wir zwei Tage Washington mit all seinen interessanten Museen und Gebäuden. Auch wenn man in der kurzen Zeit nicht viel ansehen kann, so war doch die Vielfalt beeindruckend  und wir haben einen ersten Eindruck mitgenommen.

An den letzten Tagen vor der Heimreise nach Hamburg haben wir noch Besuch von Jesse bekommen und waren einen Tag in Baltimore, sind dort am Hafen unterwegs gewesen und haben eine interessanten Tag mit unterschiedlichen Eindrücken erlebt. Lest dazu auch den Beitrag von Birthe.

Erklärung zu den Fotos:   

1  Die Fähre nach NY       7  neue WTC Türme          13   Blick in die 5th Ave          19  Highline

2  Unser Liegeplatz          8  Kunst im Schatten        14   im Empire Building         20  Autoparkplatz

3  Skyline bei Regen         9  Subway Station             15  Demo in der 5th Ave.        21  Skyline Manhattan

4  Skyline bei Sonne        10  Größenvergleich          16  unser Ausblick auf NY      22  Guggenheim Museum

5  9 /11 Denkmal              11  Empire State Turm      17  Grand Central Station      23  Central Park

6  Baustelle am WTC      12  Blick auf Manhattan    18  Oysterbar im Bahnhof     24  Liberty Statue

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    Michaela hat am kommentiert:

    toll!

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    Petra Peters hat am kommentiert:

    Diese Bilder sind schon super, da freue ich mich doch schon auf die nächsten.
    Vielen Dank für die "Papierbilder" es ist immer eine Freude sehen zu können, wo Sie gerade waren. Herzliche Grüße aus Hamburg

Marret Koll Small

Durch den Long Island Sound nach NY

Nachdem wir nun wieder über eine Woche in Newport waren, fühlen wir uns dort sehr zuhause. Es ist ein liebenswerter Ort, nette Leute, nette Restaurants und Bars – lebenswert. Diesmal waren wir nicht im NYYC, haben auch ohne Knall und Flaggenzeremonien wunderschöne Sonnenuntergänge erlebt. Das Wetter ist überhaupt, nach Aussagen der  Ansässigen dieses Jahr besonders schön und noch einigermaßen warm, aber wir sehnen uns nach wärmeren Gegenden. Unser bevorzugte Art und Weise, den Tag draußen mit dem Frühstück im Cockpit zu beginnen, ist häufiger ohne Jacke nicht mehr möglich. Wir haben trotz Allem ja doch nur begrenzt Platz und genießen jede Minute draußen an Deck. Tagsüber laufen wir in T-Shirt/ Polo-hemd und Short meist barfuss an Bord herum. Es war meistens angenehm und genügend warm dafür, aber es war auch nicht immer angebracht. In Newport haben wir zwei Umlenkblöcke von Deck entfernen lassen, wir hatten sie bisher nicht einmal genutzt, sie waren nur mehrmals Wolfs Füssen im Weg gewesen und er hatte sich blutige Zehen geholt. 

Die Segelsaison geht hier überall dem Ende entgegen, bei der Hinckleys Bootswerft, wo wir eine Woche lagen, wurden jeden Tag ca. 10 Boot aus dem Wasser geholt und auch die Zahl der Ankerlieger vor Newport hat sich reduziert. Nach einem Zwischenstop in Jamestown und dem letzten wehmütigen Blick auf Newport, vor dem am Morgen zwei Kreuzfahrtschiffe lagen, segelten wir nach Block Island. Die Insel ist klein, auch hier geht die Saison zu Ende, sagte uns der Hafenmeister, die Bucht sei sonst voll und es gäben kaum freie Mooringtonnen. Die 950 Einwohner auf der Insel werden im Sommer von 25 000 Touristen heimgesucht. Dafür hat sich die Insel doch einen sehr beschaulichen Charme erhalten, alte gepflegte Hotelanlagen mit schönen Gärten, schöne Strände, im Südosten der Insel eine Steilküste, es erinnert mich an Rügen. Abends haben wir Sundowner und Dinner im 'The Oar' (Das Ruder). Wir sind fasziniert von der Menge an Rudern, die die Betreiber des Restaurants gesammelt haben, es sollen über 2000 sein. Am nächsten Morgen kam der Hafenmeister längsseits um uns zu sagen, dass wir die Mooring verlassen müssen, es sei für den nächsten Tag Sturm angesagt von NO und das Ankergewicht der Tonne würde dann für unsere Bootsgröße nicht ausreichend sein. Kein Problem, wir hatten eh vor wieder an die Küste zu segeln, hätten aber gedacht, dass auch die Bucht vor Block Island Schutz bietet.

Kurz vor 11 Uhr (wir haben es ja nicht so mit Würmern, wir sind ja keine 'early birds'), machen wir uns auf den Weg zurück an die Küste von nunmehr Connecticut. Die Planung sieht Stonington oder Mystic vor. Da wir in Stonington keinen Liegeplatz für 2 Tage angeboten bekommen, entscheiden wir uns für Mystic. Der angekündigte Sturm soll uns nachts erreichen und auch den darauffolgenden Tag schlechtes Wetter mit sich bringen. Im Mystic Shipyard quetschen wir Red Cat in einen engen Liegeplatz zwischen zwei Duckdalben durch. Nachdem das Boot gut vertäut am Steg liegt, fühlen wir uns für jedes Wetter sicher aufgehoben. Wir mieten ein Auto und erkunden Stonington mit dem Auto. Die beiden Orte sind kleine beschauliche Hafenstädtchen, aber Mystic gefällt uns besser und bietet mehr. Am kommenden Tag, regnet es fast ununterbrochen, aber von Sturm keine Spur, nur frischer Wind. Wir besuchen das Maritime Museum den 'Mystic Boatyard' und halten uns dort stundenlang auf. Faszinierend was man dort alles zusammen getragen hat: Alte Boote, Häuser, Werkstätten, Materialien und Souvenirs. Ehrenamtliche Helfer erklären, führen die Exponate vor, ein wirklich lohnender Ausflug. Abends gehen wir lecker im 'Oyster Club' zum Essen, auch sehr empfehlenswert. Jesse kommt uns zum Frühstück besuchen. Erst später erfahren wir, dass er an diesem Tag Geburtstag hat. Nach dem ausgiebigen Frühstück segeln wir an der Küste entlang nach 'Joshuas Cove', einer hübschen, geschützten Bucht an der Küste Connecticuts. Wir ankern vor einem Haus mit eigenem Golfgrün !

Den nächsten Tag geht es wieder quer über den Long Island Sound nach 'Port Jefferson'. Ein geschützter Hafen am Ende einer Bucht, nett gelegen, aber der Ort leicht heruntergekommen. Aber wir finden einen hervorragenden französischen Käseladen und stocken unseren Lebensmittelbestand mit Brot und Käse auf. Unser Boot bekommt hier aber wieder besonders viel Lob und Bewunderung. Trotzdem brechen wir am Morgen auf, wieder über den Sound und können herrlich bei lauen Winden aus südlicher Richtung nach 'Cove Harbor' segeln, wo wir vor Anker gehen. Auch diese Bucht ist umgeben von diversen, teils riesigen Villen, sie ist aber sehr flach und wir liegen deshalb mehr am Eingang der Bucht. Wir machen es uns an Bord gemütlich und spielen mit Kinley abends noch Karten. Eine Abendspaß, den wir jetzt häufiger mal genießen. Es ist bereits wieder Montag, als wir die 11nm über den Long Island Sound bei spiegelglattem Wasser nach Oyster Bay motoren. Die Bucht hat ein besonders trickreiches Fahrwasser, es geht im Zickzack zwischen Rockies, Flachs und Austernbänken (wir sehen Fischern bei der Ernte zu) hindurch in das Innere der Bucht, wo wir uns einen Dock-Liegeplatz für eine Nacht gebucht haben. Der Spaziergang durch den Ort enttäuscht ein wenig, die Beschreibung im Handbuch klang vielversprechender. T. Roosevelt hatte hier seinen Sitz und ein Office im Ort. Abends gehen wir in 'Jack Halyard' essen und Wolf bestellt natürlich, hier erst recht, einen Teller Austern.

Morgens ist es kühl und regnerisch, ein frischer Wind weht und es soll mehr werden. Wir schmeißen unseren Plan um, Greenwich ist uns zu flach und ungeschützt, auch Davenport erscheint uns nicht geeignet, und so bleiben wir auf der Südseite des Sounds und segeln knapp 20nm in die Manhasset Bay nach Port Washington. Auf unserem Weg dahin erhaschen wir bereits den ersten Blick auf die Skyline von New York City mit all den Wolkenkratzern. Port Washington war früher Wasserflughafen für die zivile Luftfahrt bis kurz vor dem 2. Weltkrieg. Auch diese Bucht ist recht flach, es liegen aber über die Bucht verteilt viele Mooringtonnen aus, nicht mehr alle sind belegt und wir dürfen kostenfrei eine Tonne nutzen, die uns bei Niedrigwasser (Tidenhub hier immerhin auch 2,30m) noch 40-50cm Wasser unter dem Kiel lässt. Wir gehen abends nicht mehr von Bord, es gibt 'Afghanisch' (Koll'sches Spezial-Familienrezept) und erst am folgenden Tag lassen wir uns vom Wassertaxi an Land bringen und wir erkunden den Ort. Es ist grau in grau, es regnet auch hier wieder ein wenig, aber wir hadern nicht, der Boden braucht die Feuchtigkeit dringend, wir hatten so viele Schönwettertage. Am Donnerstag müssen wir mit dem Start gen NY City längere Zeit warten um die richtige Tide zu erwischen. Im East River herrscht ein starker Strom, es macht wenig Sinn vor 14:30 Uhr aufzubrechen, sagt man uns. Wir haben ca. 23nm auf dem Plan bis zur Marina 'Liberty Landing', in der wir einen Liegeplatz für die Zeit in NY City gebucht haben.

Segeln macht keinen Sinn, der Wind ist zu lau und wir haben eine gute Strecke vor uns, die wir vor Einbruch der Dunkelheit hinter uns haben wollen. Die Skyline mit all den Wolkenkratzern rückt immer näher. Wir motoren unter vielen beeindruckenden Brücken durch, meist gewaltige Stahlkonstruktionen. Es geht vorbei an East Manhattan mit dem Gebäude der UN, unter der Brooklyn Bridge durch, dann kreuzen wir den Hudson und erreichen unsere Marina. Die Sonne geht gerade unter und die beleuchteten Fenster der Hochhäuser blitzen in den Himmel, großartig. Von unserem Liegeplatz haben wir eine hübschen Blick auf die Stadtkulisse. Morgen geht's los die Stadt erkunden.

Erklärung zu den Fotos:

1  Sonnenuntergang Newport      6  Sunset vor The Oar          11  Austernfischer          19  Unser Blick auf NY

2  Cruizship und 12m vor NP       7  Mystic Seaport                  12  Skyline NY City

3  Einfahrt nach Block Island      8  Museumsschiff Sabino    13  Kinley begrüßt NY

4  Steilküste von Block Island     9  Villa bei 'Joshua Cove'     14  Seilbahn  zur Roosevelt Island

5  Ruder im 'The Oar'                  10  Villa von oben mit YB      15 - 17  erste Eindrücke

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    Michaela hat am kommentiert:

    mal wieder ganz toller bericht von dir marret! und die bilder! ich beneide euch sehr und wünsch euch noch weiterhin viel spaß.

Marret Koll Small

Hummer und andere Geschichten

Bei unserem Aufenthalt in Stonington, einer der Hummer-‚Hauptstädte‘, so wird uns berichtet, lernen wir Steve kennen. Ein super dünner Typ um die vierzig, nett, aufgeschlossen. Vor seiner Fischerhütte läuft der Motor seines brandneuen Toyota Pickups, beladen mit diversen Hummerkörben. Wir bleiben neugierig daneben stehen und beäugen das Gebilde der Fallen. Steve kommt hinzu und erklärt es uns.

Die Hummer gehen eigentlich nur vorwärts, riechen, schmecken den Fischköder in der Falle (ca.120X60X40cm) und kriechen hinein. Da sie sich nicht rückwärts bewegen und der Eingang erhöht ist, klettern sie in den Fangbehälter aus dem nur noch die Jungtiere wieder entweichen können, da kleine Öffnungen nach außen vorhanden sind. Die Fangkörbe werden alle 3-4 Tage entleert und die kleinen Hummer zurück ins Meer geworfen. Den größeren werden die Scheren zugebunden, dafür gibt es ein spezielles Werkzeug, um die Gummibänder anzulegen, da sie kannibalisch veranlagt sind.

Ein paar Tage später beobachten wir Hummerfischer, sie sind meist zu zweit oder dritt an Bord, die einen Korb hochholten und 9 kleine Hummer zurück ins Wasser warfen! Wieviele größere im Korb waren, konnten wir nicht erkennen.

Jeder lizensierte Fischer darf bis zu 800 Hummerkörbe besitzen! Für jeden Korb bezahlt er eine jährliche Gebühr, dafür erhält er einen Ring, den er am Hummerkorb anzubringen hat. Eine Begrenzung der Lizenzen gibt es nicht, da immer mal ältere Fischer aufhören und neue einsteigen, darf nahezu jeder Lizenzen für Hummerkörbe beantragen.(Nun verstehen wir auch warum manche gebiete voller Lobsterpods liegen.) Es gibt keine Vorgaben für die Positionierung der Körbe, nur ‚vererbte‘ Fangregionen. Steve ist Fischer in der 5.Generation und hat seine traditionell weitergegebenen Regionen für seine Körbe. Er steht jeden Morgen um 3 Uhr auf, im Sommer fischt er vor der Küste und zwischen den Inseln. Im Winter legen sie die Körbe bis zu 35sm von der Küste entfernt aus. Am Ende des Arbeitstages sollten 300-400 Hummer in den Kisten liegen. Die Wassertiefe spielt dabei keine große Rolle, mehr die Beschaffenheit des Untergrundes und wo die besten Plätze sind, das wissen eben vor Allen, die alten Hasen, so erklärt er uns.

Uns Segler interessiert natürlich noch was mit den Hummerkörben, bzw. den Hummern passiert, die wir, oder auch die Motor- und Ausflugsboote, unter den Kiel und ins Ruder bekommen und abschneiden müssen oder um größere Distanzen verziehen. Steve erklärt uns, dass die Körbe an bestimmten Stellen mit speziellen Materialien, Bändern, verdrahtet gebaut werden müssen, die in kurzer Zeit korodieren, bzw. sich auflösen um den Hummern die Möglichkeit zur Flucht zu geben. Wir hoffen für die Hummer, dass das so funktioniert. Im ‚Fishermans Friend‘, wo wir abends in Stonington jeder einen Hummer verspeißen, erzählt man uns, dass ein Kollege mal an einem Tag 120 Hummerkörbe verloren hat.

Zu guter Letzt interessiert uns das Finanzielle. Für jeden Hummer gibt es für den Fischer so um die $5-$6, je nach Gewicht und Nachfrage. Der Händler schlägt noch einmal das gleiche darauf. Die Restaurants verkaufen die Hummer für  $15-$35, je nach Größe des Hummers und Lage und Qualität des Restaurants. In dem Imbiss in Vinalhaven bekamen wir einen Frisch gekochten, super leckeren Lobster für unbeschreibliche $15, in Newport oder Boston in den edlen Fischrestaurants, bezahlt man auch schon mal $40 dafür.

Erklärung zu den Fotos:

1   Hummer angerichtet !                                            6   normales Fischerboot auf Tour  

2   Steve und seine Hummerkörbe                           7   Lobsterpods über Lobsterpods in Maine     

3   Steves Fischereianwesen                                       8   Intensives  Ausschauhalten nach Lobsterbojen 

4   Fischerzubehör in Castine                                     9   Hummeressen in Stonnington (Fishermanns Friend) 

5   Fischerboot auf Hummertour                             10   Unser günstigster Hummer im 'Greats Eats' Vinalhaven 

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    Paul hat am kommentiert:

    super tour! ich drücke euch die daumen, dass alles weiterhin gut geht.

  • Small
    Petra Peters hat am kommentiert:

    So ein Hummer zum Abendbrot, lecker!!!

Marret Koll Small

Maine - Zwischen Hummern und Schären

Am Sonntag war die Übergabe von James an Kinley abgeschlossen, wir hatten zum Abschied noch einen Bonbon auf dem Plan und besuchten die 'Blue Mann Group'-Show (sehr unterhaltsam), dann brachen wir weiter nach Norden auf.  Auf meine Wunsch machten wir noch einmal eine Zwischenstopp in Marblehead. Irgendwie hat es mir der Ort und besonders auch der Ortsname angetan. Im BostonYacht Club, der uns wieder eine Mooringtonne vermietet hatte, gab man uns noch ein paar Tipps wo wir letzte Besorgungen erledigen und gut essen könnten. Der Supermarkt war bestens sortiert, besser als der in Boston und der ‚Searded Haddock‘ im ‚Sail Locker‘-Restaurant nicht nur preisgünstig sondern sehr, sehr lecker.  

Nach einem schnellen Frühstück ging es los. 170sm lagen vor uns auf dem Weg nach Bar Harbor. Dies sollte unser nördlichster Punkt in Maine sein und dort waren wir mit Tim und Bryany verabredet. Kinley sollte das Boot kennen lernen und wir wollten mal Wachen (wie bewährt, nachts im 2 Std. Rythmus) mit ihm gegangen sein. Bei lauen Winden von Süd dümpelten wir dahin mit 3-6kn, manchmal blieb uns nicht anderes übrig, als wieder die Maschine zu starten. Wir sahen eine große Gruppe Delphine vorbeiziehen, mit tollen Sprungeinlagen und Formationen. In der Ferne sahen wir auch Wale und zum Abendessen zwei springende Thunfische. Die Nacht war sehr dunkel, nur die Sterne beleuchteten den Himmel, der Mond war nicht zu sehen. In meiner Morgenwache wurde es wieder heller und um 6 Uhr stieg großartig romantisch die Sonne aus dem Wasser. Die Windverhältnisse waren nur nachts etwas besser gewesen, mit zunehmender Wärme ließ der Wind wieder nach und wir liefen wieder mit Maschine. Um 14:30 Uhr erreichten wir Bar Harbor. Infiniti hatten wir schon auf Plotter gesehen, sie kamen nur kurz vor uns an und hatten schon eine Mooringtonne für uns reservieren lassen.

Bar Harbor ist recht touristischer Ort, mehrere größere Hotelanlagen, Souvenirshops, Angel– und Wal-beobachtungsboote säumen die Steganlagen. Nach einem Erkundungsgang, blieben wir in dem Bistro des Bar Harbor Inns, mit hübschem Blick auf den Hafen und die Ankerlieger hängen. Wir hatten ein nettes Abendessen und dann ab in die Koje. Am nächsten Tag segelten wir zwischen all den Hummerkorbbojen (Lobsterpods) zwischendurch, malerisch an kleinen Inselchen und hübschen Holzhäusern vorbei in eine Bucht, wo wir ankerten und Lunch machten. Wolf schwam heldenhaft bei 15°-16° Wassertemperatur einmal ums Boot. Anschließend ging es weiter im Slalom durch die hübschen bunten Lobsterpods nach Somes Harbor. Ein traumhaft ruhiger Naturhafen, umgeben von Wald und Schilfrohr mit einem schlichten, familiengeführten Hummerrestaurant (Abels Lobster Pound). Es war ein Geheimtipp den wir von Tim bekommen hatten und so saßen wir mit ihnen abends vor einer, großen, superleckeren, warmen Portion Hummer für $28. Großartig. Für mich ein Highlight. 

Am nächsten Tag ein kleines Race mit Infiniti um die kleinen Inseln, zwischen den Lobsterspods durch die Eggemoggin Reach vorerst nach Brooklyn, wo auch die 'Woddenboat School' ihren Standort hat. Das Race ging letztendlich zu Gunsten von Infiniti ausging. Wir hatten wegen Strömung und Wind ein ums andere Mal eine Hummertonne überfahren und nachdem wir zwei Hummerkörbe unter dem Kiel und am Ruder festhängen hatten, warfen wir den Anker und Kinley tauchte mit seinem Surfanzug unter das Boot um uns von den Leinen zu befreien. In Brooklyn besichtigten wir die Brooklyn Bootswerft in der zur Zeit eine faszinierende, hölzerne Rennyacht gebaut wird. Da wir eine Starkwindwarnung bekommen hatten, suchten wir uns einen geschützten Ankerplatz in der Bucht des Benjamin Rivers und hatten unser Abendessen an Bord.

Zum Wochenende begleiteten wir Infiniti nach Camden, einem kleinen, sehr kuscheligen Hafen an der Penobscot Bay. Dort fand in den Tagen ein Traditionssegler Festival statt und wir konnten von unserem Liegeplatz hervorragend das gesamte Treiben, Auslaufen, Einlaufen und diverse Manöver beobachten. Wir blieben einige Tage in Camden, machten Landausflüge und Einkäufe und genossen die Ruhe. Durch tiefhängenden Nebel war es zwei Tage auch nicht angesagt rausgehen und diese ganz besondere Stimmung dort im Hafen mit dem Nebel war beeindruckend schön.

Am Mittwoch verabschiedeten wir uns dann vorerst von Tim und Bryany, die am nächsten Tag nach England aufbrechen wollten um dort ihre Hochzeit zu feiern. Wir nutzten das schöne Wetter, die günstigen Winde und segelten zwischen den Inseln ‚700acre Island‘ und ‚Islesboro Island‘ hindurch in die Cradle Cove. Ein lauschiges Plätzchen mit einer Werft am Südende der Bucht. Es gab scharfes Chili und wir spielten anschließend zu dritt ein Französiches Kartenspiel. Am Morgen bezahlten wir in der Werft die Gebühr für die Mooringtonne, kurz darauf kam ein kleines Motorboot mit einer Lady, die unser Boot bewunderte. Wir hatten einen netten Plausch und sie gab uns mehrere Empfehlungen, wo wir hinfahren müssten oder könnten. Die meisten Empfehlungen kannten wir bereits, also haben wir die richtigen Tipps bekommen. Die meisten Amerikaner, auch die wir am nächsten Tag in Castine trafen, sind super freundlich und hilfsbereit.

In Derrels Restaurant in Castine ist die Decke mit 1$ Noten gespickt.Die Kellnerin wirft sie mit einem Trick an die Decke und mittels einer Heftzwecke bleiben die Noten dort hängen. Witzig! Im Jahr 2005 wurden zuletzt alle Noten von der Decke abgenommen und zugunsten der Opfer von Hurrikan Katrina gespendet. Die Kellnerin meinte, es seien jetzt wohl ca. 10.000$ Dollar zusammen, mit unserer Note ;-)) Großartige Summe, es waren aber auch enorm viele Noten.

Der nächste größere Stopp mit Landausflug war in Stonington, einer der großen Hummeranlandungs-häfen. Es lagen große Mengen Lobsterboote vor dem Ort und es herrschte noch geschäftiges Anlanden und Entladen. Viele Fischer haben eigene Schwimmpontons auf denen sie ihren Fang sortieren und für den Händler fertigmachen. Der Ort selber ist nicht besonders reizvoll, wir hatten aber ein interessantes Gespräch mit dem Fischer Steve, von dem ich im Kapitel 'Hummer und andere Geschichten' berichte. Er empfahl uns den Hummer im 'Fischermans Friend'.

Auch in Vinalhaven gibt es einen 'Fischermans Friend', aber das war der Kaufmannsladen mit Kaffee-theke. Was für Stonington galt, trifft auch auf Vinalhaven zu. Nur das der Hummer (für nur 16 Dollar!) im einzigen Restaurant am Platz mir besser gefallen hat.

Die Landschaft, die kleinen Buchten, Inseln mit Leuchttürmen und die Wasserflächen mit all den bunten Hummertonnen ist einfach Traumhaft schön. In dem malerischen Kanal zwischen Isle au Haut und Kimball Island sammelten wir einige Exemplare, dieser bunten Tonnen, die an Land getrieben waren ein. Ein tolles Farbenspiel bietet unsere Beute.

Die letzten Tage segelten wir an Hurricane Island vorbei, die Windrichtung passte nicht so richtig für einen längeren Aufenthalt, dafür liefen wir weiter nach Vinalhaven, einer weiteren Hummer-Hochburg. Auf der Suche nach dem Eigner unserer Mooringtonne um die Pacht zu bezahlen, stoßen wir auf mehrere freundliche Leute, die uns letztendlich nur bedingt weiter helfen können. Wir lassen das Geld in einer Dose die an der Tonne dafür angebracht wurde. Unsere Gesprächspartner treffen wir Alle im einzigen Restaurant/Bistro am Platze 'Greets Eats' wieder. Es ist ein hektisches Treiben, die Leute stehen an für ihre Bestellungen. Hier wird ein ganzer Hummer für unglaubliche $15 Dollar angeboten, frisch gekocht und super lecker! Die Portionen sind riesig, bei den Preisen muss man auch nicht selber kochen. Der Ort hatte sonst wenig Charme. Der Hafen, der abends noch voller Fischerboote lag, ist morgens nahezu leer.

Wir machten uns auch auf den Weg weiter südlich nach Boothbay Harbor. Die ältere Dame, die uns einen Liegeplatz angeboten hatte, empfängt uns freundlich. Unsere Liegeplatz Nachbarn sind Ehepaar Müller, ein Veteran der Army, er war in Heidelberg stationiert :-) , spricht aber kaum deutsch. Der Ort ist ziemlich touristisch, aber hübsch und jetzt zum Saisonende nicht überlaufen. Die Hafenmeisterin klagt, dass nur noch wenige Boot kommen, weil die Saison zu Ende geht, dabei hat der 'Indian Summer', für den die Gegend doch berühmt ist, doch noch garnicht richtig angefangen. Aber den, so wird uns gesagt, sieht man sich besser mit dem Auto an.

Am 11.September 2014 sitzen wir in einer Marina in Portland, der Wind heult mit 20-27kn (6 Bft) aus SW ums Rigg und es beginnt zu regnen. Wir beschließen nicht raus zu gehen. Das Wetter gibt uns Zeit an die Ereignisse von vor 13 Jahren zu denken. Der Gedanke daran ist immer wieder erschreckend und unwirklich.

In Portland steigt Sophie, Kinleys Schwester, mit Freund John zu.Sie begleiten uns zurück gen Süden. Mit einem kurzen Stopp vor Shoals Island, einer.kleinen verträumten Inselgruppe vor Portsmouths, geht es vor Sonnenaufgang weiter durch den Cape Cod Channel nach Vineyard Haven auf Martha Vineyard.  Dort steigen die Beiden aus, sie sind hier verabredet. Kinley und sie treffen mehrere Freunde aus der Traditionssegelszene, die an dem Tag gerade eine Regatta hatten, und abends ausgelassen feiern. Wir werden auch eingeladen, verabschieden uns aber nach einem gemeinsamen Bier in die Koje. Vineyard Haven ist wesentlich beschaulicher als Edgartown, wor wir den Stopp auf dem Weg nach Boston gemacht haben. Wir haben einen großartigen Segeltag gehabt und auch der abschließende Törn zurück nach Newport ist entspannt, lang aber sehr schön. Wir werden am Ende belohnt mit einem gewaltig, beeindruckenden Sonnenuntergang. Was für ein impressionsintensiver Abstecher an die Nordostküste von Amerika!

Erklärung zu den Fotos:

1  Übergabe James-Kinley          6  Holzbootbau         11  Derrels 1$ Bar         16  11.Sept.2014

2  Bar Habour, Tim & Bryany    7  Camden 1.Tag       12  Castine                     17  Kinley, Sophie, John

3  Oyster 72, Infinity                    8  Camden 3.Tag      13  Kinleys Beute          18  Brücke Cape Cod Channel

4  Wie kommt man da durch?   9  Cradle Cove           14  Vinalhaven               19  Vineyard Haven Dock

5  Brooklyn Boatyard                   10  Castine                 15  Boothbay Harbor    20  Sonnenuntergang bei Newport

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    tom hat am kommentiert:

    cool!

Marret Koll Small

Mit Dörlitzens nach Boston

Ein paar Tage nachdem ich aus Hamburg zurück war, kamen Renate und Fredi zu uns an Bord. Vor uns lagen zwei gemeinsame Wochen und die Sahnestücke aus der Inselwelt von Massachusetts (könnt ihr das richtig aussprechen?). Leider hatten wir die Ankunftszeit der Beiden falsch abgespeichert, und so mussten sie, nachdem sie die Einreise- und Gepäckabfertigung erstaunlich schnell erledigen konnten, eine gute Stunde auf uns warten. Glücklicher Weise das einzige Missgeschick das uns in den Tagen passierte.  

Wir nahmen uns zwei Tage Zeit Renate und Fredi die (für uns) schönsten Plätze Newports zu zeigen und sie so erst einmal ankommen zu lassen (Jetleg etc). Wir besichtigten eine weitere grandiose Villa 'The Elm' des 'gilded Age' (goldenes Zeitalter), fuhren den Ocean Drive ab, vorbei an all den luxoriösen, bewohnten Sommersitzen, bummelten durch die schicken Geschäfte, plünderten die Oyster Raw Bar des Benjamins, spießen edel und lecker im Clarkes Cook House und erlebten ein weiteres Mal den Sonnenuntergang, den Kanonenschuss und die Flaggenparade im New York Yacht Club.

Dann ging es los, bei lauen Winden, segelten wir gemächlich 5,5 Std. bis Cuttyhank. Dieses kleine Inselchen ist nur knapp 2,5 qkm groß und wird von 52 Einwohnern bewohnt. Es gibt eine Eisbude am Hafen, eine Pizzeria mehr in der Mitte der Insel, einen Laden, ein Versammlungshaus, was will man mehr. Ein verträumtes, nettes Fleckchen Erde vor dem wir unseren Anker geworfen hatten und bei 18c Wassertemperatur badeten. 

Am nächsten Tag hatten wir noch weniger Wind und mussten motoren. Das bot sich auch an, da wir durch die 'Woods Hole' Enge fuhren, in der bis zu 4kn Strömung ziehen, nicht immer direkt von vorn oder achtern. Um kurz vor 17 Uhr fällt der Anker in der Bucht vor Edgartown, dem Hauptort von Marthas Vineyard. Diese innerhin 235 qkm große Insel ist Ziel vieler Sommerurlauber, in den Sommermonaten bis zu 100 000. Dieses Jahr hat sich auch Barack Obama mit Familie angesagt. Die Insel steht im Zeichen seines Besuches, überall ist sein Konterfei zu sehen. Die Insel strahlt viel Ruhe und Gemütlichkeit aus. Die Hauptstraßen des Ortes säumen viele hübsche Geschäfte, Boutiquen und Restaurants. Die Hauser sind fast zum größten Teil komplett aus Holz erbaut, darunter viele alte sehr hübsch verzierte. Bei einer Rundfahrt über die Insel sehen wir bei Oak Bluffs ein Viertel, in dem ausschließlich Gingerbread Hauser stehen. Zuckerbäckerarchitektur, bunt, fast schrill, märchenhaft. Die Insel ist Filmkulisse für den 'Weißen Hai' gewesen, man zeigt uns Stellen, die im Film erkennbar sind. Wir bleiben zwei Tage. In der Zeit  findet auch ein Treffen der 12m Class statt. Diese ehemalige Amerikas Cup Bootsklasse besticht durch ihre schnittigen Linien, ein Augenschmaus ihnen beim Segeln zu zusehen.

Am Morgen gehts weiter nach Nantucket. Dort liegen wir am Kopf einer mit kleinen,niedlichen Sommerhäuschen bebauten Steganlage. Nantucket war früher der Hauptstandort des Walfangs. Über 100 Jahre wurden von hier aus in großen Mengen besonders Pottwale gejagt und erlegt. Waltran wurde zu Lampenöl und als Schmierstoff verarbeitet. Wir besuchen das Walfang-Museum, gehen durch die Ausstellung und hören einen interessanten Bildervortrag über die Geschichte der Insel und des Walfangs. Die alten Fischerhäuschen sind heute Geschäfte, Künstlerwerkstätten, Sommerhäuschen. Es herrscht ein reges Treiben, viele Tagesgäste bevölkern die Insel, die reiche amerikanische Oberschicht hat hier ihre Sommervillen, sie reisen mit eigenen Flugzeugen, großen Motoryachten und aufgepumpten Autos an. Das pro Kopf Einkommen der Bevölkerung Nantuckets ist nirgends höher in Amerikas als hier. Dabei hat sich die Insel einen verträumten Charme erhalten, der die Reise auf jeden Fall lohnt.

Nach zwei großartigen Tagen auf Nantucket setzen wir wieder die Segel. Bei traumhaftem Wetter mit Sonnenschein und herrlichem Wind steuern wir Hyannis auf Cape Cod an. Der Ort ist bekannt, weil dort der Sommersitz der Familie Kennedy ist. Auf unserem Törn dorthin bereitet James uns ein großartiges Sushi-Essen. Ober lecker, herzlichen Dank James. Wir machen einen Ausflug zum Kennedy-Memorial und spazieren am Strand Richtung Kennedy-Anwesen. Leider bleiben Renates Birkenstocks am Strand zurück, naja, vielleicht hat sich jemand darüber gefreut. 

Bei frischen südöstlichen Winden segeln wir 20nm zurück nach 'Woods Hole'. Für die Nacht sind 20-25kn Wind und Regen angesagt, in der Bucht von Woods Hole liegen wir geschützt für nahezu alle Windrichtungen an einer Mooringtonne. Der nächste Tag sieht nicht besser aus, es regnet fast ununterbrochen. Fredi und ich machen einen Trip mit dem Dinghi an Land um die Gebühr für die Mooringtonne erneut zu bezahlen und uns mit den wichtigsten Lebensmitteln zu versorgen. Wir kommen mit Ryan ins Gespräch, was uns nach Woods Hole verschlagen hätte, und er erzählt von seiner Arbeit am Ozeanographischen Institut. Ryan bietet uns an uns durch das Institut zu führen und wir bekommen eine sehr interessante Führung, sehen das U-Boot mit dem James Cameron 2012 auf 11.000m Tiefe in den Pazifischen Ozean tauchte und vieles mehr.

Morgens ist das Regengebiet ist durch, die Sonne scheint wieder, aber es fehlt an Wind. 40sm liegen vor uns und so motoren wir meistens. Der Weg führt uns nordöstlich zum Cape Cod Kanal. Es kommen Bilder in den Kopf vom Nordostsee-Kanal, aber hier ist man schon nach einer Stunde am Kanalende angekommen. Der Versuch zu segeln scheitert und so muss der Motor uns die letzten 20 Meilen nach Provincetown bringen. Der Hafen ist uns zu flach, wir ankern vor dem Damm der den Hafenbereich schützten soll. Wir tucker mit dem Dinghi an Land. Der Besuch von P-Town ist nicht so laut und bunt wie bei unserem ersten Besuch, aber die vielen Geschäfte und Galerien haben es besonders Renate und Fredi angetan. Nach einem leckeren Essen bummeln wir noch in die andere Richtung der Straße und bekommen dort noch ein paar schrille Typen zu sehen.

Am nächsten Tag liegen 50sm vor uns und der Wind hat weiter abgeflaut. Uns bleibt nichts anderes übrig, als wieder die Maschine zur Fortbewegung zu nutzen. Unterwegs sehen wir auf dieser Strecke aber Wale, und James sieht auf dem spiegelglatten Wasser eine sich seltsam bewegende Finne. Wir drosseln die Geschwindigkeit und gehen auf den Bug um zu sehen was dort auf uns zu kommt. Es ist ganz offensichtlich ein Hai von 1,50m Lange der geschlafen hat. Das Tier erschrickt sich merklich und verschwindet in Sekunden aus unserem Blickfeld. Gegen 17:30 Uhr liegen wir fest an einer Mooringtonne vor Marblehead. Marblehead hatte eine wichtige Rolle in den Amerikanischen Unabhängigkeitskriegen gespielt, uns Seglern ist es eher bekannt durch seine Segel Ereignisse. Im Boston Yacht Club unterhalten wir uns mit einigen Clubmitgliedern und holen uns diverse Tipps, auch für Maine. Der Ort liegt an einem Hügel und wir bummeln in durch die Gassen mit kleinen hübschen Häusern und suchen uns ein Restaurant am Wasser.

Unser letzter Reiseabschnitt liegt vor uns, 23sm bis Boston. Wir haben herrlichen Südwestwind, was allerdings bedeutet, dass wir Hoch am Wind segeln, bzw. kreuzen müssen. Am frühen Nachmittag machen wir die 'rote Katze' in der Waterboat Marina fest. Renate und Fredi bleibt noch ein Tag um Boston zu erkunden, bevor es zurück nach Deutschland geht. Wir buchen noch Mal eine Sightseeing Tour per Bus, besuchen das Isabella Gardner Museum (Pflicht!) und bummeln durch die Geschäfte für letzte Souvenirs, sehen uns das beeindruckende, bedrückende Holocaust-Denkmal an und gehen gleich gegenüber ins Union Oyster House, eines der ältesten Restaurants Amerikas zum Austern und Hummeressen. Ein toller Abschluss nach zwei großartigen Wochen gemeinsamen Segeltörns. Wir hatten es super schön, entspannt, lustig, besonders nett die abendlichen Kartenspiele (SkipBo).

Am Abend werden die Beiden zünftig mit dem Wassertaxi zum Flughafen gebracht. Das passt doch. Herzlichen Dank für zwei interessante, fröhliche Wochen mir euch, Renate und Fredi.

Erklärungen zu den Fotos:

1 The Elm, Newport                   7  Wolf mit B. Obama        13  Regen in Woods Hole      19  Marina in Boston

2  Austern u.a., Benjamin         8  Gingerbread Hauser      14  Cape Cod Kanal                20  Holocaust Denkmal

3  Austernöffnen im Akkord    9  Walfang Museum, N       15  Geschäfte in P-Town       21  Union Oyster Haus

4  Im New York Yacht Club     10  Nantucket Marina          16  schlafender Hai                22  Alt/ Neu in Boston

5  Flaggenparade im NYYC     11  Sushi Essen von James   17  Boston YC Marblehead   23  Wassertaxi

6  12m Class vor Edgartown   12  Hyannis, Cape Cod          18  Gedenkstein für ertrunkene Segler   

Marret Koll Small

Stadterkundungen in Newport und Boston

Am 18.6.2014 waren wir in Newport angekommen. Newport gilt allgemein, als Segler-Mekka Amerikas und da ist wohl was dran. Die Bucht liegt voller Boote, es reiht sich eine Marina an die nächste, Bootswerften, Shops mit maritimen Zubehör oder Souvenir, kein Laden der nicht irgend etwas maritim angehauchtes verkauft. Die Restaurants alle mit vielfältiges Fischgerichten, Hummer, Austern, was das Herz begehrt. Wir sind genau passend eingetroffen, zwei Tage später startet das Newport - Bermuda Race, wir sehen uns den Start von Land aus an.

Jesse, der Freund meiner Tochter, lädt uns mit Tim and Bryany in den famosen New York YC ein. Ein echt sehr nobler Club, Partnerclub zu unserem NRV in Hamburg, nur zugängig für Mitglieder oder deren Freunde. Es ist nicht möglich seine Drinks (man trinkt bevorzugt 'Dark and Stormy') oder Speisen bar zu bezahlen, die Verzehrkosten werden vom Konto des einladenden Mitglieds abgebucht. Damit wird verhindert, dass sich jemand 'einschleichen' kann. Das Clubhaus, ein alt ehrwürdiges Gebäude mit großer Frei-Terrasse und Blick auf die Bucht von Newport. Man sitzt draußen bis zum Sonnenuntergang, dann wird die Kanone abgefeuert, alle stehen auf und es herrscht absolute Stille und dann wird zuerst der Clubstander, danach die Nationalflagge eingeholt. Dann erst ist es erlaubt sich wieder zu setzen. Eine sehr besondere Zeremonie finden wir. 

Die nächsten Wochen haben wir viel Zeit, Red Cat soll in die Werft, Oystermitarbeiter wurden eingepflogen, sie gehen im Boot ein und aus. Wir müssen unsere Kabinen räumen, das Bett wird auseinander genommen und unter dem Bett ein neues Heckstrahlruder eingebaut, auch das Bugstrahlruder wird ausgetauscht, es wird laminiert, es stinkt wie Hölle....

Man hat uns ins Hotel ‚Millstreet Inn‘ eingebucht. Eine nette, kleine Frühstückspension mitten im Ort in einem alten Speicherhaus. James überwacht die Arbeiten an Bord, wir sehen täglich vorbei, aber haben genug Zeit alles andere kennen zu lernen. Abends testen wir mit James und, oder Jesse die Restaurants. Besonders gut gefielen uns: Scales, Clarkes Cook House, Moorings und das simple, aber grandiose Benjamins. Tagsüber machten wir Ausflüge, besichtigten die ehemaligen Sommerhäuser der reichen New Yorker, wie das Marble House und the Breakers der Familien Vanderbilt, den Präsidenten der Dampfschiff- und Eisenbahngesellschaft Vanderbilt. Später besuchten wir noch the Elm, den Sommersitz des Kohle Magnaten E.J.Berwind. Die Häuser sind alle enorm prächtig und auf Show gebaut, mit Millionen von Dollars (z.B. der Bau von 'the Breakers' kostete damals 7 $Mio, entspricht heute 150 $Mio). In den Häusern fanden Empfänge und Gesellschaften statt, ansonsten wurden sie ein paar Wochen im Jahr als Sommersitze und als Kleiderkammern genutzt. Unvorstellbar. Die Geschichten darum sind interessant aber für mich weit weg, in einer ganz anderen Welt. 

Am Wochenende müssen wir unser kleines Hotel verlassen, sie seien ausgebucht, heißt es, und so suchen wir uns ein anderes Wochenend Ziel. Oyster-Mitarbeiterin Phyllis macht mehrere Vorschläge, wir entscheiden uns für Cape Cod. Gut mit dem Auto erreichbar und ich habe schon einiges davon gehört, aber nie gesehen. Wir buchen ein Hotel in Chatham, was genau am Ellenbogen von Cape Cod liegt. Das Hotel liegt mitten in dem kleinen, stylischen Ort, viel Tourismus. Cape Cod erinnert an mehreren Stellen an Sylt. Es gibt immense Dünenlandschaften, Wälder, schöne Strände, auf der Bay- und Atlantikseite, durch die Tide etwas schlammig, mit leicht trübem Wasser, auch das ähnlich. Am Nordende der Insel liegt Provincetown, kurz P-town genannt und dort ist eine ganz andere Szene unterwegs. Hier ist der Treffpunkt der Homosexuellen. Wir kommen gerade passend, es ist die Zeit der Fussball-Weltmeisterschaft und die ansässigen Portugiesen haben einen Straßenumzug. Das erhöht das bunte Treiben um mehrere geschmückte Harleys. Wir finden gerade noch einen Parkplatz und erleben das Ganze zu Fuss.

Auch am darauffolgenden Wochenende müssen wir das Hotel räumen und fahren nach Boston. Ich habe mir einige Tage Hamburg gebucht, es gibt mehreres zu erledigen und an Bord werde ich nicht gebraucht. Wir nutzen das Wochenende bevor mein Flug geht um Boston zu erkunden. In Boston fühlt man sich wie zuhause. Viel Wasser, ein lebendige Innenstadt, nette Geschäfte und Passagen, interessante Geschichte, ein tolles Aquarium, besonders die Pinguine haben es uns angetan. Wir buchen eine Sightseeing-Tour und kommen vorbei an den unterschiedlichsten Vierteln, dem italienischen Bereich mit vielen Restaurants, Cambridge, der Studenten-Hochburg, dem Marinestützpunkt und den Museen. In Boston gibt es, wie für Amerikatypisch, viele Hochhäuser, mir gefallen besonders die Spiegelfassaden. Der Tourguide erzählt, dass bei dem Verkleiden des Hochhauses mit den Spiegelplatten 65 Platten herunter gefallen sind, weil die Aufhängungen nicht gehalten haben!  Phyllis, aus dem Oysterbüro hatte uns geraten, auf keinen Fall das Isabella Stewart-Gardner Museum auslassen. Isabella Gardner, Mrs Jack, lebte von 1840-1924 und verlor ihren einzigen Sohn im Alter von noch nicht einmal 2 Jahren. Danach verschrieben sie und ihr Mann sich der Kunst. All ihr Geld, und sie hatten viel davon, investierten sie in den Ankauf unterschiedlichster Kunstgegenstände, besonders aus Europa (Rembrandt, Renoir, Gobelins, Fayencen ..). Nach seinem frühen Tod ließ sie extra ein Haus bauen, das sie mit all den Kunstgegenständen füllte und einrichtete. In dem aber nie jemand wohnte oder auch nur wohnen sollte. Es ist faszinierend, ich habe nie eine so ausgesuchte ungewöhnliche Ausstellung gesehen - erlebt. Einmalig und beeindruckend, welche Schätze sich in dem Haus befinden. Mir hat es auch besonders der Innenhof angetan, der hübsch bepflanzt, je nach Jahreszeit, teil der Ausstellung ist. Nach dem Tod von Isabella Gardner hat die Stiftung ein weiteres Haus angebaut, das moderne Kunst und Ausstellungen beherbergt, dies haben wir uns aber nicht mehr ansehen können. Solltet ihr nach Boston kommen, dieses Museum nicht auslassen!

Am Tag danach geht es für mich nach Hamburg für 2,5 Wochen. Wolf fährt nach Newport zurück. Red Cat kommt wieder zu Wasser, James macht eine Woche Urlaub. Kinley kommt für ein paar Tage und will zum besseren Kennenlernen mal mit Wolf segeln, daraus wird dann aber eher nichts, weil es die Tage nahezu windstill und sehr neblig ist. Wolfs Sohn Christoph macht mit seiner Familie in und bei Philadephia Ferien und Wolf besucht sie einige Tage. Dann ist auch mein Heimaturlaub vorbei und Wolfs Freunde Renate und Fredi kommen für 2 Wochen zu Besuch.

 Erklärung zu den Fotos:

1  Einfahrt Newport Bay - Castle Hill    6  Clarkes Cook House    11  ..der Portugiesen     16  Isabella Gardner-

2  Ankerlieger vor Newport                     7 The Breakers                  12  Hochhäuser Boston      .. Haus, Innenhof

3  Start Newport -Bermuda Race           8  Marble House               13  Aquarium                 17  vorm New York YC

4  Red Cat kommt aus dem Wasser       9  Dünen Cape Cod          14  Tourbus                    18 .. kurz vor 'Sunset'

5  Benjamins                                              10 P-Town, Umzug           15 Spiegelfassade        

Marret Koll Small

Ein Törn 650sm - Von Bermuda nach Newport

Unsere Crewsuche für den Trip nach Newport stellte sich als unerwartet kompliziert heraus. Zuerst sollte/wollte Klaus  uns auch auf diesem Abschnitt unterstützen, aber der längere Aufenthalt auf Bermuda plus wieder weitere 5-6 Tage auf See waren mit seiner Arbeit nicht zu vereinbaren. So hatten wir unsere Freunde, bereits erprobte Mitsegler oder andere erfahrenen Segler angesprochen, ob sie an dem Törn Interesse hätten. James war es sehr wichtig, dass wir unsere Crew verstärken, wir wären auch zu dritt gestartet. Wir bekamen mehrere Zusagen, aber dann auch wieder ebenso viele Absagen. Am Ende scheiterte es dann auch an dem von den amerikanischen Einwanderungsbehörden geforderten B1/B2 Visum. Bereist man Amerika nicht als ‚normaler‘ Tourist direkt  mit dem Rückreise Ticket im Gepäck, sondern man landet mit einem Boot an und verlässt das Land zu einem noch nicht bekanntem Zeitpunkt und Ort, muss man nachweisen, dass man unbescholten, finanziell und auch sonst unabhängig ist, damit man im Notfall auch alleine wieder, ohne den amerikanischen Behörden zur Last zu fallen wieder außer Landes kommt. Oder man muss einen trifftigen Grund vorweisen, warum man das Land auf diesem ungewöhnlichen Weg betritt oder wieder verlassen will. Hört sich nicht nur kompliziert an, ist es auch. Um so ein Visum zu bekommen, braucht es mindestens vier Wochen. Unterlagen anfordern, Interviewtermin beim Konsulat (Berlin oder Frankfurt)beantragen, warten, hinfahren, warten, Bescheinigungen vorlegen, warten, Gespräch („Ach , Sie haben ein eigenes, großes Boot – dann ist das kein Problem. Ha,ha“), dann wieder warten, dass der Pass per Post wieder zuhause ankommt.

Da unsere Hamburger Freunde dies nicht mehr geregelt bekamen, versuchten wir in der uns verbleibenden Zeit auf Bermuda und in Newport unsere Kontakte zu aktivieren. Die Tage bis zur Abreise nutzten wir für Exkursionen ins Aquarium, die Tropfsteinhöhlen, das maritime Museum und unsere Umgegend. Jesse, Hettis amerikanischer Freund fand letztendlich eine junge Frau, die Zeit hatte und gern mal so einen längeren Törn über mehrere Nächte machen wollte - Erica. Sie reiste Donnerstag Abend per  Flieger von Boston an. Am Freitag wurde noch Wolf großer Geburtstag im kleinen Kreis gefeiert, mit einem tollen Programm: Ausstellung, kurzer Vortrag über einem bermudanischen Segelheld und anschließend ein super leckeres Sushiessen in Hamilton. Am Samstag um 10 Uhr starteten wir dann gut gestärkt gen Newport. Bei  frischen 10-14kn Wind von achtern segelten wir mit 6-8kn Speed gen Norden. Erica fand sich schnell in die Routine auf dem Boot ein, und so übernahm sie bereits in der ersten Nacht ganz allein ihre Wachzeiten. Wir segelten mit dem gleichen Wachsystem des ersten Abschnitts. 3 Stunden Wache bei Tag, zweistündig bei Nacht. So hatten wir alle immer mindestens 5-6 Stunden Schlafpausen. Leider fielen nach und nach nicht nur die Windinstrumente, dann die Logge (der Streckenmesser) und hin und wieder, auch der Autopilot aus. Deshalb war der Törn schon etwas anstrengender, aber immerhin es ging ja nach Newport und da sollte das Boot eh für diverse Arbeiten in die Werft. Nun kamen halt noch ein paar Punkte dazu. 

In der letzten  Nacht, nach 4 Tagen auf dem Atlantic, bekamen wir dann etwas mehr Wind, um die 6 Bft (20-28kn Wind)und wir rauschten mit bis zu 11,5kn Speed Richtung Newport. Das war auch sinnvoll, weil wir dort gern noch vor der Dunkelheit ankommen wollten um uns im fremden Hafen noch orientieren zu können. Bei Sonnenuntergang passierten wir die Einfahrt und bekamen einen ersten Eindruck der Tausenden vor anker liegenden Booten in der Bucht von Newport. Dass es dann doch schon dunkel war, als wir um 21:15 Uhr anlegten, war nur halb so unglücklich, denn Erica mit ihrer Ortskenntnis lotste uns durch die Tonnen und ankernden Boote an den richtigen Ponton, an dem bereits der Officer der Zoll- und Einwanderungsbehörde auf uns wartete. Es war ein unerwartet entspanntes Einchecken! 

Auch Ericas Eltern waren bereits dort eingetroffen, die unsere Ankunft auf dem PC zuhause verfolgt hatten. Als der Officer nach 20 Minuten von Bord ging, durften sie zur Bootsbesichtigung und auf einen Drink an Bord kommen. Supernett und herzlich luden sie uns für 2 Tage darauf zum Barbeque in ihrem Segelclub in Jamestown ein. Bemerkenswert die Tradition an mehreren amerikanischen Segelclubs, bei Sonnenuntergang Kanonschüße abzufeuern, darauf stehen alle Mitglieder auf, blicken still zum Flaggenmast  und dann wird erst die Clubflagge, darauf die Nationale eingeholt. Diese Prozedur erlebten wir hier in Jamestown, später auch im (heiligen) New York Yacht Club, aber davon später.

Erklärung zu den Fotos:

1   akt. Mode auf  Bermuda          6   Straßentheater Bestrafung                   11   Pfeiffrosch, an der Marinamauer

2   Horseshoe Bay                          7   Bucht mit weißen Häuschen                12   Erica

3   Kirche in St. Georges               8   Ausstellung / Empfang                         13   Instrumente geben Alarm

4   Tropfsteinhöhle                        9   Geburtstagsessen                                   14    Instrumente ohne Anzeige

5   Histor. Straßentheater           10   Essen mit Horsefields                           15    Einfahrt Newport bei Tag

Marret Koll Small

Start nach Norden - Virgin Islands nach Bermuda

Nach einem knapp dreiwöchigen Hamburg Aufenthalt waren wir am 27.5. zurück an Bord. James, unser Bootsmann war in der Zwischenzeit an Bord, hatte Besuch von seiner Freundin gehabt und die letzten Tage sich um den Einkauf von Proviant und anderen Dingen für die Überfahrt gekümmert. Nachdem auch Klaus, unser Crewmitglied von der Überführungsfahrt von England zu den Kanaren an Bord war, legten wir ab und verließen den Hafen Nannys Cay auf Tortola Richtung Bitter End auf Virgin Gorda, der Nordöstlichsten Insel der Virgin Islands. Dieses Fleckchen Erde hat nichts mit seinem Namen zu tun, es ist landschaftlich und von den Lokalitäten her einfach super. Wir fanden einen ruhigen Mooringplatz (d.h. es sind Tonnen zum Festmachen im Meeresboden verankert - siehe auch Bild oben) direkt vor dem Restaurant unser Wahl, dem Saba Rock. Der Saba Rock ist eine vielleicht 2000qm große Insel mit einem Restaurant, einem Andenken Laden, einem Anleger und einem kleinen Strand darauf. Großartig.

Wir ließen es uns noch einmal richtig gut gehen. Morgens ein entspanntes Frühstück, aufklaren und los gen Norden. Herrlicher Wind um die 15kn aus ONO trieb uns mit 7,5 -9 kn unserem Ziel entgegen. Wir hatten unseren Wachplan so eingeteilt, dass tagsüber dreistündige  und nachts zweistündige Wachwechsel angesagt waren. Einer kontrollierte allein das Boot, bei Bedarf war eine weitere Person eingeteilt zur Hilfestellung, bei Notfällen alle Crewmitglieder. Gleich am ersten Tag nachmittags biss eine Tuna an unserer Angel an und Klaus holte einen ordentlich großen Thunfisch für die Verpflegung der nächsten Tage an Bord.

Um eine sichere Überfahrt zu gewährleisten, hatten wir uns wieder von Meeno Schrader, Wetterwelt in Kiel, mit den aktuellen Wettervorhersagen versorgen lassen und so hielten wir die ersten zwei Tage auf den uns genannten Wegepunkt zu. Nachts sahen wir teilweise Wetterleuchten, von den um uns herum liegenden Gewittergebieten, wir blieben aber davon verschont. Wir segelten weiter flott, bei etwas abnehmenden Winden, mussten aber erst am 3. und dann noch einmal am 5.Tag die Maschine zur Hilfe nehmen um weiter voran zu kommen. Segler trafen wir unterwegs garnicht, nur ein paar Cargoschiffe in komfortabler Entfernung.

Nach 6 Tagen auf See tauchte um 12 Uhr Bermuda vor uns auf, eine flache sehr zerklüftete Insel mit vielen kleinen bunten Häuschen mit weißen Dächern. Die Wassertiefe, die bis kurz vor der Riffplatte noch über 4000m gewesen war, sank schnell auf 20m, faszinierend was die Natur so hervorbringt. Die Bermudas bestehen aus 150 Inseln, wovon 5-6 den größten Teil des Inselkomplexes ausmachen. Drumherum liegen diverse Riffs, die die Gefährlichkeit der Gegend ausmachen, weshalb eine Annäherung bei Nacht nicht zu empfehlen ist. Diverse Schiffwracks liegen um Bermuda herum auf Grund, wir sahen eine Karte im Maritimen Museum. Darauf fußen vermutlich auch die Geschichten um das berühmt, berüchtigte ' Bermuda Dreieck'.

Da und die nächsten Tage gleich zwei runde Geburtstage bevorstanden, und das bei drei Personen an Bord, sollten diese Geburtstag nicht auf See, sondern mit Landgang angemessen gefeiert werden. Aus Hamburg hatten wir einen Kontakt zu einem Ehepaar bekommen, die auf Bermuda leben.Dörte und Kevin Horsefield gaben uns wertvolle Tipps wo es gutes Essen gibt, was man dringend gesehen haben sollte. Mit Ihnen besuchten wir Ausstellungen und Vorträge.

Bermuda ist schon deshalb eine beeindruckende Insel, weil sie einen sehr gepflegten Eindruck hinterlässt. Die weißen Dächer der bunten Häuser sind weithin zu sehen, meist ist Alles bestens in Schuss und drumherum sind schön angelegte, gepflegte Gärten. Die Dächer der Häuser sind sehr besonders. In Schneckenform ziehen sich Wasserrinnen zur Außenrinne nach unten zu Abflussrohren die in eine Ziesterne unter dem Haus führt. Jedes Haus auf Bermuda muss über dieses Regenauffangsystem verfügen. Darüber läuft die komplette Wasserversorgung des Hauses, bzw. der Insel. Die Ziesternen werden mit einem besonderen Stein gebaut, der verhindert, dass das Wasser faulig wird. Sollte mal zuwenig Regen gefallen sein und die Versorgung nicht mehr gewährleistet ist, kann man sich ein Tankwagen mit Trinkwasser kommen lassen, der den Tank wieder auffüllt. Warum dieses System nicht auf anderen karibischen Inseln auch angewandt wird ist mir unverständlich, es ist so einfach und umweltfreundlich.

Erklärung zu den Bildern

1   Nannys Cay                                   6  Delfine begleiten uns             11   Gewitterwolke auf dem Radar

2   Saba Rock                                     7  Wolf ruht sich aus                   12   Morgenstimmung

3   Bitter End Rezeption                  8  Klaus hat Wache                     13   Gute Stimmung im Team

4   Souvenirshop                               9  Thunfisch gefangen                14   weiße Häuser von Bermuda in Sicht

5   Segelschule Bitter End              10  Sonnenuntergang                  15 Dachkonstruktion /16 Bermuda von oben

  • Small
    Petra Peters hat am kommentiert:

    Hallo liebe Segler,
    vielen Dank für die wunderbare Post. Die Freude war riesig, nun hat sie einen Ehrenplatz. Da bin ich mal gespannt, wo Sie noch so "vorbeikommen" ;-) Den Wachplan schön einhalten und immer vorsichtig im berüchtigten "Dreieck" Am 25.06. sind wir ja alle zusammen, da werden wir dann auch mal ein Gläschen Sekt auf den Segeltörn und nachträglich auf Ihren Geburtstag trinken! Bis dahin eine schöne Reise und herzliche Grüße