Mit dem MTB durch die peruanischen Anden

Per Bike von Trujillo im Norden bis nach Cusco. Zu Fuß auf dem Santa-Cruz- und dem Lares-Treck bis auf den Waynu Pichu.

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Rainero Small

Back@home

Am nächsten Tag reichte es gerade noch zu einer
Fahrt zum Mirador Kili Kili, um die riesige Stadt einmal überschauen zu können.
1.000 bis zum Rand des riesigen Talkessels hoch sind die kleinen Häuschen der
Vororte an den Berghang geklebt. Darüber erhebt sich der 6.000er Potosi ... der
für das nächste Mal auf mich wartet und auch für meinen Abschluss meiner abenteuerlichen
Bike-Tour, werde ich auf jeden Fall noch mal zurück nach Peru und Bolivien
müssen:-))) Der Abflug mit dem Bike war dann noch mal eine eigen Geschichte für
sich ...

Damit sind meine Berichte beendet und ich hoffe ihr
hattet Spaß dabei uns ein bisschen zu begleiten ...

Nos vemos y hasta pronto

Rainero Small

Downhill auf der Todesstraße in den Dschungel

In La Paz sah ich mein Highlight zum Abschluss schon
in weiter Ferne, aber ich hatte nicht mit der Flexibilität der Bolivianer
gerechnet ... während meiner morgendlichen Dusche hatte der
"Empfangschef" noch einen freien Platz bei einem der vielen Anbieter
für die Todesstraße gefunden und das obwohl das Briefing bereits begonnen hatte.
Mein eigenes Bike musste für die letzte Tour leider im Hotel bleiben, aber
dafür durfte ich ausnahmsweise auf den obligatorischen Integral-Helm verzichten und meine
eigenen Klamotten anziehen. Der Anbieter Solario (www.thedeathroad.com) hatte
von Freeride-Bikes bis zu Protektoren sämtlichen Equipment. Nach sechs Wochen
auf eigene Faust war so eine organisierte Tour etwas ungewohnt, aber es hat
sich auf jeden Fall gelohnt.

Mit dem Minibus fuhr die Gruppe mit den Bikes
auf den Cumbre-Pass auf etwa 4.800 m Höhe. Von dort ging es erst auf Asphalt
die ersten 1.000 Höhenmeter an zwei Coca-Polizei-Kontrollen zum Beginn der
sogenannten Todesstraße. Dann wurde es ernst. Auf der einspurigen
Schotterstraße ginge es immer am Abgrund entlang, runter in den dampfenden
Dschungel. Damit die auffahrenden LKWs nicht anhalten müssen, ist dies die
einzige Straße in Bolivien mit Links-Verkehr. D.h. das die Abfahrenden immer
links dicht am Abgrund entlang fahren müssen. Früher sind wohl einige Guides auf
Bikes frontal mit LkWs zusammengestoßen, da sie zu stark die Kurve geschnitten
hatten. Inzwischen hat sich die Lage deutlich entschärft, da die meisten LKWs
auf der neuen Straße rauf nach La Paz fahren. Mit dem letzten Tipp des Guides,
nur in Linkskurven richtig Gas zu geben, da man dort schlimmstenfalls in die
Felswand kracht (was die erste Kanadierin direkt vormachte) ging es in den
spektakulären Downhill. Später fließt ein hoher Wasserfall direkt auf die
Straße, der sich jedoch viele Meter darüber in Wasserdampf auflöst. Wir kamen
alle ohne größere Blessuren im kleinem Dschungelort Yosalla an, wo eine Dusche
und ein warmes Essen auf uns wartete.

Rainero Small

Busfahrt nach La Paz

Die Anden sind mit dem Bike doch härter, als ich in
meiner Hochrechnung berücksichtigt hatte, so muss ich meinen Plan La Paz mit
dem Bike zu erreichen aufgeben. 

Früh morgens ging es mit dem vollen Bus mit schönen Blicken auf
den Titicacasee Richting Bolivien. Nach einem kurzen Stopp zum Geld wechseln
konnten wir ganz entspannt nach Bolivien einreisen (nicht einmal die
Gelbfieber-Impfungen wurden überprüft). Nach der einstündigen Mittagspaus in
Copacopana (der berühmte Strand in rio wurde übrigens nach diesem Ort benannt
und nicht umgekehrt) ging es los. Der Busfahrer eröffnete uns, dass streikende
Straßenarbeiter die Straße nach La Paz blockieren. Er versprach uns einen
kleinen Ersatzbus für den Abend zu organisieren. Den Zwangsaufenthalt habe ich
für eine Besichtigung der pompösen Wallfahrtskirche genutzt und mich spontan auf
den Pilgerpfad der 14 Kreuze begeben, der auf den nächsten 4-Tausender führt
(da Copacabana auf 3.900 m liegt war das kein großes Unterfangen). Um 18:30 Uhr
ging es mit einem kleinem klapprigen Bus weiter nach La Paz. für die
Überquerung eines Seitenarms des Titicacasees mussten wir in ein kleines
Bötchen umsteigen und der Bus fuhr auf einem großem Floß rüber. Anschließend
stürmte eine Gruppe von schwarz gekleideten Männern mit kugelsicheren Westen
und Stirnlampen den Bus und riefen "Control de Narkotika" ... da
wurde mir langsam klar das Bolivien nicht mehr Peru ist ... nachdem sie die
wenigen Einheimischen dursucht hatten und der Zucker wirklich Zucker war
verloren sie die Lust bei den Touristen weiter zu machen und der Spuk war
gnauso schnell wieder beendet. Spät abends fuhren wir dann endlich von ganz
oben in den Moloch La Paz ein. Da der Bus gar nicht an die versprochene
Haltestelle anfuhr, musste ich mich erst mal durch das nächtliche La Paz zum
nächsten Hotel durchfragen.

Rainero Small

Auf den Spuren der Inka ...

Auch wenn uns der Riesenansturm an Touranbietern
und die Tatsache, dass man nun die einheimische Gesichter unter den ganzen
Touristen, die wir in den letzten Wochen gar nicht vermisst haben, suchen
mussten, strahlt diese zweitgrößte Stadt Perus vom ersten Moment an eine
unglaubliche Attraktivität aus, u.a. durch die vielen wunderschönen
Kolonialgebäude und Kirchen, die zu einem Großteil auf den immer noch gut
erhaltenen Mauern der Inka erbaut worden sind. Dabei fasziniert die Bauweise,
die für die damalige Zeit (vor ca. 700-800 J.!) äußerst fortschrittlich war,
denn die Mauern bestehen aus riesigen Steinen, die so per Hand bearbeitet
wurden, dass sie exakt aufeinander passten , sodass z.T. kein Blatt mehr
dazwischen passt. Dadurch weisen sie eine so große Stabilität auf, dass sie im
Hinblick auf „Erdbebenresistenz“ Gebäude aus heutiger Zeit weit in den Schatten
stellen!

Von hier starten wir morgen einen 2 Tagestrek (Larestrek, eine schöne Alternative zum sehr überfüllten Macchu Picchu Trek, der auf
täglich 500 Touristen begrenzt und bis November ausgebucht ist!!) durch das
wunderschöne Urubambatal mit anschließendem Besuch von Macchu Picchu. Der
Transport zum Trek ist bereits organsiert und v.a. die Zugtickets nach Aguas
Calientes gebucht (normalerweise sind diese nämlich sehr schwer kurzfristig zu
ergattern und auch nicht wirklich ein günstiges Unterfangen mit ca. 90 € p.
Person), von wo aus man Macchu Picchu erlaufen kann.

Rainero Small

600 Km gravel to Cusco

Wir sitzen schon beim 2. Pisco Sour in einer
gemütlichen Musikkneipe im Künstlerviertel San Blas von Cusco und lassen die
letzten 8 Tage Revue passieren. Auf dem Teilstueck von Ayacucho nach Cusco
wurden wir nochmal richtig gefordert. Es sind zwar nur 250 Km, aber durch das
ständige Auf und Ab in den Anden summiert sich das auf über 600 Km und davon
sind 70 - 80 % ueble Schotterpisten. Das wäre etwas so, als müsste man von
Wuppertal (Cusco hat etwa genau so viele Einwohner) nach Kassel durch das
Sauerland auf Schotterstraßen fahren ... nur das die Anden noch ein (kleines
bisschen;-)) höher sind. Unsere Räder haben sich auch wacker geschlagen, nur
bei mir musste mal wieder der Gepäckträger dran glauben. Durch die schlechten
Straßen ist eine Seitenstrebe gebrochen, aber "professionell" mit
Kabelbindern geflickt hat er noch die letzten 4 Tage bis Cusco durchgehalten. Meine nächste Tour werde ich auch nur noch mit einem bewährten
Tubus-Gepaecktraeger starten. Die Ankunft in Cusco wurde nach der heissen
Dusche erst mal mit einem feudalem Essen gefeiert. Bei mir gabs landestypisch
Cebiche (roher Fisch mit Limonensaft und Chili) und Alpaca-Filet:-))

Rainero Small

Ruhetag in Ayacucho

In dieser sehr attraktiven Stadt mit alten
Kolonialgebäuden, (37!) Kirchen, einer sehr belebten, aber gemütlichen
Innenstadt mit vielen einladenden Cafés verbringen wir den wahrscheinlich
letzten Ruhetag vor dem ca. 600km entfernten Cusco, damit sich unsere Beine und
Staublunge regenerieren können, bevor es ab morgen wieder einige Tausende
Höhenmeter und Schotterpisten zu bewältigen gibt… (Auch die „auxilios“ haben
heute Ruhetag, wie wir soeben erfahren haben … sie werden wohl unser
Vorauskommando bilden.

Rainero Small

Ayayaya Coche ... die Rennwagen im Nacken

"No pasero" sagte der grimmig
dreinschauende Officer mit dem ungehaengten Gewehr und hatte kein Erbarmen
sowohl mit uns, als auch den Einheimischen. Aufgrund des Autorennens
"Caminos del Inka" (eine Art Paris - Dakkar in Peru) war unser
weiterer Trail nach Ayacucho (der ehemaligen Hochburg der Guerilla-Organisation
Leuchtender Pfad) gesperrt. Selbst als einer der Hilfscrew des Rennens ein
gutes Wort fuer uns einlegen wollte, entgegnete er nur "Fuer euch gelten
die gleichen Regeln, wie fuer uns" Doch nicht mit Nina ... mit einem Tipp
eines Dorfbewohners (der sicher auch gerne der Polizei eins Schnippchen
schlagen wollte) und Nina vorweg schlichen wir uns durch die Hinterhoefe an der
Polizei-Sperre vorbei. Hier der genaue Ablauf der geheimen Operation und die
Beweisfotos von der "nueva lumienera sentiera" Nina:

Schnell erfuhren wir, dass am nächsten Tag ca. 70
„auxilios“ im Rahmen des populären Autorennens „Caminos del Inca“ – die
peruanische Version der Paris Dakkar – vormittags durch diesen Ort heizen und
der gleichen Strecke nach Ayacucho wie wir folgen sollten … Deshalb wollten wir
morgens sehr früh aufbrechen, allerdings hatte die Polizei bereits die Straßen
abgesperrt und sich schon heftigen Diskussionen mit den Dorfbewohnern aussetzen
müssen, da sie bereits 3 Stunden vor geplanter Ankunft der Rennwagen jeglichen
Durchgangsverkehr untersagte. Auch wir bissen auf Granit bei einem äußerst
strengen und prinzipiengetreuen unsympathischen Polizisten; jegliche
Überzeugungsversuche schlugen fehl, und er wollte uns tatsächlich bis
nachmittags in diesem kleinen Dörfchen sitzen lassen, bis das Rennen vorbei
war. Also mussten wir leider auf illegale Weise durch kleine Hintergassen das
Dörfchen verlassen und waren froh, als wir unbemerkt die „Hauptstraße“ Richtung
Huanta folgten, unter den
motivierenden Zurufen der zahlreichen Zuschauer, die sich bereits am Fahrbahnrand
mit Stühlen, Zelten und Getränken das große Event erwartend postierten und uns
als „primeros coches“ anfeuerten. Die Landschaft faszinierte auf der einen
Seite durch ihre farbenfrohen Felsen, die denen des amerikanischen Monument
Valleys glichen und auf der anderen Seite durch die unzähligen Kakteen, die ihr
nahezu mexikanischen Charakter verliehen. Bis Huanta, dem nächsten kleinen Ort,
fühlten wir uns ein wenig wie auf der Flucht, denn die „auxilios“ waren uns
immer näher auf den Fersen, was uns spätestens dann bewusst wurde, als uns
riesige Menschenmengen mit ihren kleinen Taschenradios entgegenkamen, die sich
die besten Aussichtsplätze ergattern wollten. In Huanta (wo uns endlich wieder
eine uns so liebgewonnene Asphaltstraße begrüßte, die uns bis nach Ayacucho
begleiten sollte) herrschte auch bereits spannungsvolle Jahrmarktatmosphäre:
überall Essensstände, herumlaufende Kinder und Hunde sowie gespannt wartende
Zuschauer…hinsichtlich der Sicherheitsvorkehrungen hätte hier jegliches Event
stattfinden können, nur kein Autorennen. Die ersten Autos kamen angebraust,
während die Kinder am Straßenrand und auf der Straße herumliefen, weder Zaun
noch Absperrband weit und breit! So nahmen wir auch unser Mittagessen wie am
Fernseher in der ersten Reihe und in sehr netter Gesellschaft der Einheimischen
zu uns. Nach dem ca. 30. Auto entschlossen wir uns jedoch, weiterzuradeln, denn
unser Ziel Ayacucho war noch weit entfernt. Gemütlich und möglichst unauffällig
schoben wir unsere Räder an den am Ende der Stadt wartenden Polizisten und
Rennwagen bzw. -fahrer vorbei, die hier auf den Start der 2. Tagesetappe
warteten. Und schon waren wir mitten auf der Rennstrecke, die wir als
verkehrsberuhigte Zone genießen durften, bis wir die ersten Motorengeräusche
hinter uns wahrnahmen. Schnell gesellten wir uns zu ein paar Dorfbewohnern, die
am Straßenrand das Spektakel verfolgten, und deren Gesellschaft ich persönlich
als spannender und abwechslungsreicher empfand als das Rennen selber. Nach ca.
2 Stunden durften auch wir unseren Weg hinter den Begleitfahrzeugen wieder
aufnehmen, und so sausten wir ins Ziel auf dem „Plaza de Armas“ in Ayacucho, pünktlich zum Einbruch der
Dunkelheit.

Rainero Small

Regentanz in Izcuchaca

Die Nachtbusfahrt mit Ankunft um 5 Uhr in Huancayo war leider nicht so erholsam
wie erwünscht, weshalb der folgende Radeltag mit 1200 Höhenmetern durch die
Kulisse eines „Westerns“ mit rotbrauner Wüstenlandschaft und mit Blick auf eine
abenteuerliche alte Eisenbahnstrecke, die sich das schmale Tal entlang
schlängelte, etwas beschwerlich war. In dem pittoresken Bergdörfchen Izcuchaca trudelten wir pünktlich zu
einem kleinen Dorffest ein, bei dem fröhlich zur Live-Musik einer Blaskapelle
getanzt wurde, den ganzen Abend durch, bevor es am nächsten Morgen weiterging,
wobei sich die Dorfbewohner nicht durch den einsetzenden Regen sowie Stromausfall
vom Tanzen und von ihrer guten Laune abbringen ließen. Ab hier war mal wieder
Schluss mit Asphalt und es folgten 2 weitere anstrengende Tage mit vielen
Höhenmetern. Denn obwohl wir tendenziell an Höhe verlieren sollten, hatten wir
das Gefühl, dass wir stets steigen würden, da das gesamte Flusstal mit etlichen
teils sehr steilen Gegensteigungen durchsetzt war. Aber wieder einmal war die
äußerst abwechslungsreiche und faszinierende Landschaft eine wunderbare
Ablenkung von jeglichen Strapazen. Nach einer 2-stündigen Nachtfahrt unter
sternklarem Himmel kamen wir erschöpft und erleichtert in dem kleinen
unscheinbaren Ort Mayocc an,
nichtsahnend der Komplikationen, die uns hier am nächsten Tag bevorstehen
sollten…

Rainero Small

Bis nach Huanuco, der Stadt mit dem besten Klima der Welt

Am naechsten Tag geht es weiter den Fluss
runter durch eine Schlucht in das arme Dorf Punta Union. Dort stehen die ganzen
Bergbauern vor der Bank Schlange, um ihren Lohn abzuholen. Leider sind sie in
der Gegend so arm, dass sie sich nicht einmal ein eigenes Konto leisten
koennen. Von dort geht es eine angenehme Asphaltsteigung mit beindruckenden
Blicken in die riesigen Andentaeler rauf in das schoene Bergdorf Pachas. Dort ist gerade Schulschluss
und alle Schueler umringen uns und bestaunen "Gringa y Gringo" auf
ihren Drahteseln. Nach einem leckerem Menue (fuer nicht einmal 2 Euro!) fahren
wir durch Tingo Chico das naechste Flusstal hoch zum Bergdoerfchen Chavinillo. Wir sehen die Hauser schon
direkt vor uns als hinter der naechsten Kurve ein riesiges Seitental erscheint,
dass wir erst umfahren muessen. Doch unser Glueck verlaesst uns nicht und
puenktlich zum einsetzenden Regen treffen wir im Dorf ein und logieren dort im
Gran Hotel ... dahinter verbirgt sich ein einfaches Zimmer ohne Bad mit
angeschlossenem Wahlbuero (dort werden gerade die Urnen der letzten
Lokal-Wahlen verpackt).

Am 5. Tag in Folge fahren wir locker die
letzten Hoehenmeter rauf zur Corona del Inka (ein Pass mit einer riesigen
Felsformation, die an eine Krone erinnert) auf etwa 4.000 m. Begleitet werden
wir von "Gringo"-Rufen und kurzen Gespraechen mit der freundlichen
und offenen Berg-Bevoelkerung. Nach dem Pass rasten wir auf einem riesigen
Felsen mit einem weiten Blick auf das Tal mit den sich in unzaehligen
Serpentinen runter windenden Strasse. Anschliessend gehts ueber 2 Stunden immer
nur runter auf der schmalen Strasse vorbei an kleinen Anden-Doerfchen mit
Wahnsins-Blicken in das riesige Anden-Tal ... bis wir im kleinen Stätdchen Huanúco mit dem besten Klima der Welt
(gemäß dem Ortsschild)

Heute abend kuerzen wir mit dem Nachtbus das
eher langweilige Strassenstueck von ca. 400 km nach Huancayo ab, um anschliessend wieder auf kleinen Schotterstrassen
ueber die naechsten Paesse nach Ayacucho zu radeln ... und dann ist Cusco gar
nicht mehr so weit ...

Rainero Small

Über den Anden-Hauptkamm

Los gehts nach dem Santa Cruz Track mit unserer
gemeinsamen Bike-Tour Richtung Anden-Hauptkamm. Immer entlang den
schneebedeckten Gipfeln der Cordillera Blanca Richtung Huaraz, der Hauptstadt
der Bergsteiger, die sich hier Andanista nennen. Dabei passieren wir den
riesigen Geröllberg, der von Yungay übrig geblieben ist. Die Stadt wurde einschließlich
der 20.000 Einwohnern 1970 von einer Gerölllawine des Huascaran (höchster Berg
Perus) innerhalb von Sekunden ausgelöscht. Auch die Stadt Huaraz wurde
innerhalb von 50 Jahren bereits 2 mal neu aufgebaut. Das zeigt, wie mächtig und
unberechenbar die Berge hier sind. Abends habe ich das Leibgericht
"Picante de Cuy" der Peruaner probiert: Meerschweinchenbrust mit pikanter
Soße, leckeres zartes Fleisch, dass nach Hähnchen und Schwein schmeckt, Mmh
Lecker!

Huaraz
ist lauter und größer, als wir uns das vorgestellt haben, so dass wir uns am nächsten
Tag wieder auf die ruhige und einzigartige Bergwelt der Anden freuen. Nach einem
Stück Asphalt geht es auf einer einsamen Schotterstraße immer bergauf in den
Huascaran Nationalpark. Abend finden wir einen schönen Zeltplatz am Visitor
Centre auf 4130 m und haben den Nationalpark gemeinsam mit den herumlaufenden Kühen
und Pferden für uns ganz alleine. Als Lohn für die Anstrengung bereiten wir uns
im Schein unserer Stirnlamper erst mal ein leckeres 3-Gaenge-Menu: Caprese, Hühnersuppe
und Curry-Huhn mit Cashew-Kernen. Auch in der Wildnis lässt es sich lecker
speisen:-)

Morgens wollen wir gar nicht unsere warmen Schlafsäcke
verlassen, da es bis auf auf - 5 Grad abgekühlt ist und sogar unsere Bikes von
einer dünnen Eischicht bedeckt sind. Nach einem warmen Kaffe fahren wir an den
beeindruckenden Punta Raymondii vorbei: Bis zu 12 m hohen Blumen, die nur auf
einer Höhe von etwa 4.000 m wachsen. Anschließend schraubt sich die Schotterstraße
immer weiter den Berg hoch zum Pass Abra Huapascara und erfordert unsere ganze
Konzentration beim Überfahren der groben Steine auf dem 4-Wheel-Drive. Zum Glück
sind wir durch den Track gut akklimatisiert und spüren, bis auf einen etwas höheren
Puls, nicht viel von der Höhe. Zwischendurch gibt es immer wieder kleine
Adrenalin-Kicks durch die angreifenden aggressiven Hirtenhunde. Mit verschieden
Strategien, wie Hände hochreißen, Steine schmeißen oder als Geheimtipp
"Deo versprühen" können wir sie uns vom Leibe halten. Wir erreichen
den Pass kurz vor dem uns verfolgenden Gewitter und fahren anschließend durch
eine beeindruckenden Landschaft aus skurrilen Felsformationen durch den sich
ein feuerroter Bach schlängelt. Bis auf eine riesige Alpaca-Herde, Pferden, Kühen
und Vögeln sind wir hier unter uns. Nach jeder Kuppe denken wir den nächsten
Pass erreicht zu haben, aber die Berge sind tückisch und immer wieder taucht
ein neuer Berg oder Grat zum Überwinden auf. Inzwischen hat uns das Gewitter
eingeholt und wir schuetzen uns mit allen verfuegbaren Klamotten gegen den
einsetzenden Schneeregen. Letzendlich erreichen wir doch die gut ausgebaute Straße
zur naechsten Mine und rollen auf dieser runter bis nach Huallanca und sind froh ueber eine heisse Dusche und ein warmes
Essen.


Rainero Small

Auf dem Santa Cruz Treck per pedes, oder es geht auch ohne Esel

Ohne den berühmten Santa Cruz Treck gesehen zu haben möchte ich Caraz nicht
verlassen und Nina ist für solch ein Abenteuer natürlich sofort zu haben. Wir
brauchen dafür keine Führer und Mulis, sondern wollen es auf eigene Faust
wagen. Dazu kaufen wir Brot Käse und Bananen und am nächsten Tag gehts los.
Hier der ausführliche Bericht von Nina, dem ich nichts mehr hinzuzufügen habe
... außer, dass mich mal wieder die Höhenkrankheit ganz gut erwischt hat und
Nina mich am Berg locker abgehängt hat:

"Obwohl die Zeit etwas drängt, da unser gemeinsames Ziel „La Paz“ ca.
2100 km von uns entfernt liegt und einige 4000er Pässe und z.T. unwegsame
Strecken in 4 Wochen zu überwinden sind, konnten wir uns den berühmten Sta Cruz
Trek im Nationalpark Huascaran nicht entgehen lassen, allerdings in
komprimierter Version. Es sollten 2 zwar sehr harte (normalerweise 3-4 Tage),
aber traumhafte schöne Tage durch die Cordillera Blanca werden. Wir starteten
früh morgens in dem kleinen Bergdorf Cashapampa auf ca. 2700m und folgten einem
wunderschönen zunächst schmalen vegetationsreichen Tal hinauf, das mit
steigenden Höhenmetern immer weiter wurde, immer entlang eines Baches und
glasklaren Bergseen, die uns u.a. zu unserem bisher höchsten Bad auf 4000m
einluden, das beste bei der großen Hitze, denn die Sonne brannte uns gnadenlos
ins Gesicht. Obwohl dieser Trek nach dem Inkatrail der zweitberühmteste Trek
Perus ist, hatten wir – aufgrund der Nebensaison - das Glück, das wir nur ganz
wenigen anderen Touristen begegneten, die mit ihren Guides und Mulis unterwegs
waren . Treppenartig wechselten wir von einer Hochebene zur nächsten und
die Ausblicke wurden immer imposanter, denn in jedem Seitental wurde man von
einem neuen Anblick auf bizarre schneebedeckte 6000er Gipfel überrascht.
Pünktlich zur Dämmerung gegen 18Uhr kamen wir an dem „Basecamp“ Taullipampa auf
4200m an, einem kleinen Paradies: mit Blick auf das zurückliegende lange Tal
und umgeben von beeindruckenden 6000er Gipfeln und Gletschern! Hier hatten
bereits 2 weitere Gruppen ihre Zelte aufgeschlagen, deren Köche uns bei ihrer
Arbeit mit dem Duft nach frischem pollo das Wasser im Munde zusammen laufen
ließen. Wir begnügten uns mit Brot und Trockenfleisch und sahen
zu, dass wir schnell in unsere warmen Schlafsäcke kamen, denn die Temperaturen
sanken schlagartig auf unter Null Grad und leider schaffte es mein Fuß nach
einer kleinen Flussüberquerung nicht mehr, rechtzeitig zu trocknen;-)). Ein
letzter Blick auf den fantastischen Sternenhimmel mit klarer Sicht auf die
Milchstraße und das Kreuz des Südens, und wir versuchten mit etwas Kopfscherzen
(aufgrund der großen Höhe) einzuschlafen. Da uns eine sehr lange Etappe
bevorstand, standen wir vor Sonnenaufgang um 5 Uhr auf, um um 6 Uhr aufzubrechen.
Die zunehmend dünne Luft bis zum Pass „Punta Unión“ auf 4750 m machte sich
durch starke Kurzatmigkeit bemerkbar (immerhin befanden wir uns hier fast auf
der gleichen Höhe wie Europas höchster Berg!), aber der Blick auf traumhaft
schöne Gletscher, Gipfel, einen türkisfarbenen Bergsee und die zurückliegenden
Hochtäler waren Entschädigung genug für jegliche Anstrengung. Nach dem Pass
ging es ziemlich steil in das Huaripampa- Tal mit seiner teils afrikanischen
Vegetation. Nach einem strammen Marsch vorbei an glasklaren Bächen mit Blick
auf weitere Schneeriesen und Gletscher, erreichten wir nach einem letzten
Aufstieg und einer Gesamtgehzeit von ca. 10 Stunden unseren Zielort Vaqueria
auf 3700m, pünktlich vor dem einsetzenden heftigen Regen, wo unser Taxi glücklicherweise
eine Stunde früher als bestellt, wartete – eine wertvolle Stunde, wie sich
später herausstellen sollte. Denn wir mussten auf der sehr unwegsamen,
holprigen und kurvigen Fahrstraße eine weiteren Pass auf 4737 m überwinden, und
auf ca. 4000m verwandelte sich der Regen in ein heftiges Schneetreiben, das
einige Autos und LKW zum Stehenbleiben bzw. zur Notübernachtung zwang – eine
sicherlich nicht erstrebenswerte Erfahrung bei der Kälte. Völlig erschöpft und
durchgefroren nach einem „4 Jahreszeiten-Trek“ genossen wir die heiße Dusche
und das warme Essen im Hotel!

Hier sitzen wir nun an unserem wohl verdienten Ruhetag und gönnen unseren
Beinen auf der wunderschönen Terrasse des Hotels bei sommerlichen Temperaturen
und blauem Himmel ein wenig Entspannung, bevor sie morgen ca. 80 km und 1000
Höhenmeter nach Huaraz strampeln müssen..."


Rainero Small

Durch den "Canon de la Pato" rauf nach Caraz.

Am nächsten Morgen half mir ein Motorradfahrer
weiter "Einfach runter zum Fluss und dann links". Verflucht!! Da
hatte ich mich also in der Nacht 900 Meter umsonst hochgekämpft und das nur
weil ich eine Brücke zu früh abgebogen bin. Nach einer Stärkung gings weiter am
Fluss lang und die richtigen Serpentinen hoch zum nächsten kleinen Ort Yuramarca. Nach der Anstrengung am
letzten Tag ließ ich es diesen Tag locker angehen und nahm mir dort ein Zimmer.
Natürlich wieder ohne heißes Wasser, aber nach den letzten Tagen bei bis zu 34 Grad
war auch eine kalte Dusche ganz erfrischend. Abends traf ich beim Essen drei
französische Ciclista ... alle bereits in Rente und trotzdem auf großer Tour
von Ecuador bis zum Feuerland. Da kann man sich schon glatt auf die Rente
freuen;-) Am nächsten Tag ging es gemeinsam auf Tour durch die bekannte
Entenschlucht "Canon de la Pato" nach Caraz. die Cordillera Blanca und Negra kommen hier bis auf mehrere
Meter zusammen und zwischen den bis zu 100 m hohen Felswänden schlängelt sich
die Straße 35 km durch in den Felsen gehauene Steintunnel. Sehr beeindruckend!
Die "Rentergang" hält trotz 10 bis 20 Kilo mehr locker mit. Auch das
ist beeindruckend. Abends genieße ich die heiße Dusche in der
"Luxussuite" Los Pinos. Ein altes Anwesen mit wunderschönen Gärten
vor den Andengipfel und eine sehr freundliche Familie. Abends trifft Nina aus
Trujillo ein und es gibt viel zu erzählen. Wir feiern erstmal ihren Geburtstag
gebührend und sie freut sich über die vielen Geschenke aus der Heimat.

Rainero Small

3. und fast letzter Eintrag: Im Schatten der Kakteen

"Suerte Gringo" wünschte mir der Wächter
am Eingang zur Privatstraße Richtung Anden. Da wusste ich noch nicht, dass die
nächsten Tage mehr Abenteuer für mich bereithielten, als eingeplant waren;-)
Aber erstmal von Anfang an:

Am nächsten Tag hatte ich genug von der
Panamericana und dem starkem Verkehr und war froh in die einsame Schotterstraße
Richtung Anden abzubiegen. Endlich Ruhe und einen weiten Blick auf die am
Horizont ansteigenden Anden. Schließlich erreichte ich den Rio Santa, dem ich
die weiteren Tage folgen werde. Weiter gehts auf der Schotterstraße in einer
angenehmen Steigung durch die sich immer weiter auftürmenden Gebirgsketten gen
Osten. Hinter einem Zaun bellten mich zwei riesige Hunde an. Ich dachte noch
"Wie gut, dass es den Zaun gibt" ... da sah ich, dass das Tor auf war
und schon waren mir die Bestien auf den Fersen. Zum Glück musste ich meine
theoretisch angeeigneten Nahkampftechniken nicht anwenden, sondern die Hunde
ließen sich dur meine neuen Spanischkenntnisse "Asiento, Asiento!"
beeindrucken. Für diesen Tag hatte ich mir ordentlich was vorgenommen, da es
erst nach 130 km und 1400 m höher wieder eine Möglichkeit zum Übernachten gab.
Kurz vorm Sonnenuntergang (die geht hier bereits 18 Uhr unter) wähnte ich mich
am Ziel und fuhr die letzten Kehren hoch zum Ort Yuramarca. Schließlich wurde es dunkel und meine Wasservorräte
gingen zu Ende, doch die Schotterstraße schraubte sich unzähligen Kehren weiter
den Berg hinauf. Der Gedanke an eine Dusche und ein warmes Essen gaben mir die
Kraft weiterzufahren ... doch irgendwann bei einer Höhe von 1700 m wurde mir
klar, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zuging. Nach 140 km und 2.400
Höhenmetern mit Gepäck war ich platt und konnte nicht mehr vor und zurück. Da
gabs nur eins: Ein Nachtlager suchen: Zum Glück fand ich zwischen den Canyons
ein kleines Plätzchen hinter einem Kaktus, der gerade für mich und das Bike
reichte. So gab es eine Nacht ohne Essen und Trinken, aber dafür einen
grandiosem Sternehimmel der südlichen Hemisphäre über mir inmitten der Berge.

Rainero Small

Unterwegs auf der Panamericana

Die wilden Taxifahrer hatte ich unbeschadet
überstanden und fuhr durch die karge Küstenwüste der berühmten Panamericana
Richtung Süden. Ich war sehr vorsichtig, da mir noch die Stories von den
Überfällen auf Radfahrer durch den Kopf gingen (Nördlich von Trujillo hat sich
eine Gang auf Reiseradler spezialisiert und nimmt diese aus wie
Weihnachtsgänse). Ich kam zum Glück ohne weitere Zwischenfälle in dem
heruntergekommenen Küstenort Chao
an. Dort gabs in dem einzigem Hostal ein einfaches Zimmer mit "banjo
privado" (aber trotzdem kaltem Wasser) und auf der Straße "pollo con arroz" zur
Stärkung.

Rainero Small

Llego a Trujillo bueno

Gelbe Taxi-Desperados schießen auf mich zu und kämpfen mit den
´Collectivos´ und Bussen um jeden freien Zentimeter auf der Strasse.
Meine größte Herausforderung morgen, wird es sein mich mit Gepäck durch
das Verkehrs-Chaos der Millionenstadt zu schlängeln um anschließend auf
der Panamerica Richtung Süden zum Eingang der Entenschlucht´ Canon de la
Pato´ durch die Küstenwüste zu radeln. Dafür habe ich heute eine
einigermaßen ruhige Nebenstrecke ausgeknobelt.

Rainero Small

Einleitung

Eine kurze Zusammenfassung meiner Bike-Tour vom Herbst 2010 ...