USA - April 2014

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Juri Small

Atlanta - Amsterdam - München

02.05.2014: Die Rücktour geht logischerweise etwas schneller als der Hinflug. In diesem Flieger fehlt leider die USB-Buchse am Sitz, die wir zum Aufladen der Handies auf dem Hinflug sehr geschätzt haben. Irgendwann ist das Telefon tot und das freundliche Angebot der Stewardes, ein WC für eine halbe Stunde zu sperren, damit ich an der dort vorhandenen Steckdose nachladen kann, bringt nicht viel. Man könnte sich das erfreulich umfangreiche und aktuelle Unterhaltungsprogramm zu Gemüte führen. Leider stellt der Arsch in der Reihe vor mir ziemlich bald seine Rückenlehne nach hinten und den Bildschirm vor mir kann ich in der Neigung nicht so weit anpassen, daß man noch etwas erkennen könnte. Juet - pennick halt...

Zwischen 16 und 17 Uhr landen wir in München, für MUC-Verhältnisse kommt das Gepäck ziemlich schnell und da wir über Amsterdam geflogen sind, gilt unser Flug in München als innereuropäischer Flug, eine Zollkontrolle gibt es also nicht.

Wir danken Arthur für seine ersten Tips und seine Hilfe in Atlanta.

Wir danken außerdem ganz dolle Sebastian, Jennifer und Coraline für ihre herzliche und unkomplizierte Gastfreundschaft und dafür, daß wir in San Antonio bei Ihnen wohnen, ihr Essen essen und ihr Auto benutzen durften und dafür, daß sie uns die Outlet-Center gezeigt haben ;) Sie haben uns außerdem in Lokale geführt, die wir allein nie betreten hätten, in denen das Essen aber sehr gut bis hervorragend war. Danke für zwei großartige Wochen.

Nicht erst seit der Rückreise befürchten wir, daß wir in München ziemlich bald von einem Auto überfahren werden. Zum einen sind die Autos in Deutschland viel kleiner und damit jetzt nicht mehr in unserem Wahrnehmungsberich. 

Insbesondere in New Orleans, aber auch in allen anderen Städten, die wir besucht haben, ist uns aber auch die wirklich defensive Einstellung der Autofahrer gegenüber Fußgängern aufgefallen. Wir vermuten, daß die Strafen, die einem drohen, wenn man einen Fußgänger anfährt, enorm sind. Die Schadenersatz- und Schmerzensgeldsummen sind in den USA aber auch einfach anders als in Deutschland. Wir stellen jedenfalls mehrfach fest, daß man, auf dem Gehweg stehend, nur in Richtung Straßen gucken muß, um das in der Nähe befindliche Fahrzeug zum Bremsen zu bringen. Mehrfach halten Autos an, nur weil wir blöd in der Gegend rumstehen und dabei wohl zu nahe am Bordstein sind. In New Orleans schicken die Großeltern ihren Enkel über die Straße, damit Opa ein schönes Foto machen kann. Eine Zuhälter-Kutsche voller Checker kommt angefahren und... - hupt nicht, sondern hält in gebührendem Abstand (damit das Foto nicht versaut wird), an.

Unseren ursprünglich geplanten Abstecher nach Mexiko haben wir nicht geschafft - mit dem Fernbus dauert es dann doch länger bis in "sichere Touristengebiete", als wir angenommen haben. Auch Houston und Dallas mußten wir streichen. Aber ebenso wir Atlanta und New Orleans hat uns auch San Antonio sicher nicht zum letzten Mal gesehen.

Wir hatten sehr schöne Wochen in den USA und man muß sagen: Wir sind Fans. Wir sind uns absolut im Klaren darüber, daß es im Land Probleme gibt, bei denen man froh sein kann, daß es nicht unsere Probleme sind. Uns ist auch bewußt, daß die USA international häufig so auftreten, daß wir das Vorgehen ablehnen. Das sind gesellschaftliche und politische Mißstände.

Daß wir uns davon aber unsere Eindrücke von dem kleinen Teil dieses Landes und unsere Erfahrungen mit den normalen Menschen zerreden und schlecht machen lassen, kommt nicht in die Tüte. Wir freuen uns auf den nächsten Besuch hier, dann mit Fritz (so er bis dahin ein wenig Englisch reden kann) und mit anderen Ecken des Landes (Ostküsten-Städte, Country-Städte, Graceland oder Kalifornien - das wird sich noch herausstellen).

Juri Small

Atlanta

01.05.2014: Das Frühstück im Best Western paßt dann doch wieder zum Äußeren des Hotels. Auch wenn man bei einem Zimmerpreis von 62 Euro keine kulinarischen Extravaganzen erwarten kann - das, was angeboten wird, ist nur bedingt für das menschliche Auge geeignet und wahrlich keine Gaumenfreude. Wir finden dann aber außer Orangensaft und Kaffee auch ein paar Dinge, die für's Erste satt machen.

Mit dem Hotel-Shuttlebus geht's dann relativ zeitig in Richtung Flughafen, wo wir schon einmal unsere Koffer loswerden wollen, um uns dann in der Stadt frei bewegen zu können. Das Hotel-Shuttle setzt uns am Terminal für Inlandsflüge ab, zwischen dem Inlands- und dem Terminal für die internationalen Flüge fahren aber wiederum Shuttle-Busse. Als hätte man uns bereits erwartet, steht am Shuttle-Bus an Schild, das "Profanity" ausdrücklich verbietet. Nuja - einen Tag halten wir das vielleicht mal aus...

Was das Einchecken der Koffer angeht, spielen KLM/Delta leider nicht mit. Frühestens sechs Stunden vor Abflug wollen sie unser Gepäck annehmen, das wäre dann um 16 Uhr. Schließfächer für Koffer gibt es aus Sicherheitsgründen natürlich nicht. Wir treiben uns also ein paar Stunden in dem riesigen Flughafen herum. Da in unserem Terminal außer Starbucks offenbar nicht viel geboten wird, fahren wir mit unseren Koffern wieder zurück in den anderen Terminal. Wir speisen im IHOP und vertreiben uns noch ein wenig die Zeit, fahren dann wieder zurück zu dem Terminal für die internationalen Flüge und werden endlich unsere Koffer los.

Um zur MARTA und mit dieser in die Stadt zu kommen, müssen wir allerdings wieder zum Terminal für die Inlandsflüge...

Die MARTA fährt zunächst oberirdisch, verschwindet, sobald die Hochhäuser Atlantas in Sicht kommen, aber in ihrem U-Bahn-Tunnel. An der North Avenue treffen wir, nachdem wir uns noch das legendäre Fox Theatre von außen angesehen haben, Claudias Bruder Arthur und seine Freundin Marie-France. Die beiden meinen, um die Ecke gäbe es ein Waffelhaus - nun gut... Verdammte Hacke, das Ding gehört Gladys Knight! Hammer! Wir essen sehr gut, besichtigen noch das neue Apartement der beiden - klein, aber ziemlich schick. Elektronisch mehrfach gesichert, Parkplatz auf der selben Etage wie die Wohnung, gut ausgestattetes Fitnessstudio für die Hausbewohner, zwei Tennisplätze, Pool und jede Menge Platz für Sonnenliegen auf dem Dach. Und das ganze im Zentrum von Atlanta.

Wir werden noch zum Flughafen gefahren. Dort nehmen wir in einer für Flughafenbars relativ berühmten Bar jeder ein holländisches Bier zu insgesamt 27 Dollar zu uns. Ja, zwei Bier für 27 Dollar (inkl. Trinkgeld). Der Wirt schreibt seine Preise nicht in die Karte und unsere Dollar müssen eh weg. Nuja, auf diese Weise kommt uns die Maß auf der nächsten Wiesn wenigstens nicht so teuer vor.

Halb elf abends geht's dann mit KLM nach Amsterdam.

Juri Small

San Antonio - Atlanta

30.04.2014: Sebastian fährt uns netterweise zum Flughafen von San Antonio. Wir checken unsere Koffer ein und fahren mit der uns bereits bekannten Buslinie 5 wieder in die Stadt. An einer Kreuzung der südlichen St. Mary's Street steigen wir aus und laufen auf der King William Street an ganz wunderschönen alten Villen, die nur zum Teil Museen sind, zur East Guenther Street.

Es geht uns am heutigen Morgen nämlich nicht vornehmlich um Sightseeing, sondern um Frühstücks-Tacos. Nachdem ich ohnehin ein Freund rustikalen Frühstücks und damit Fan von Frühstücks-Döner und Frühstücks-Currywurst und außerdem von fast allem, was zu einem Full Irish Breakfast gehört, hört sich "Breakfast-Taco" einfach zu verlockend an. Einer der besten Anbieter dieser mutmaßlichen Köstlichkeiten soll "The Guenther House" sein. Tatsächlich ist das Restaurant wirklich nett, das Essen super und zu dem Ganzen gehört auch noch ein Museum.

Wir laufen am Riverwalk, der in diesem Bericht deutlich zu kurz gekommen, aber sehr sehr schön, vielseitig, gut und sinnvoll angelegt und in San Antonio ein absolutes Muß ist, zurück in Richtung Innenstadt. Ben & Jerry's hat leider noch geschlossen - Arthurs Empfehlung können wir daher heute nicht überprüfen. Google Maps leitet uns zur Union Street zum wichtigsten Foto von allen auf dieser Reise. Von dort aus ist es nicht weit zur Buslinie, die uns zum McNay Art Museum.

Das McNay ist noch einmal ein absolutes Highlight unserer Reise. Gekommen sind wir zunächst wegen der Robert-Indiana-Ausstellung des Whitney Museum of American Art, die hier vorübergehend zu sehen ist. Robert Indiana ist vermutlich am ehesten bekannt wegen des "Love"-Bildes. Wir scheuen uns nicht, auch Skulpturen einfach doof zu finden. Die Ausstellung insgesamt ist aber sehenswert. Das kann man, wenn es zurückhaltend formulieren möchte, auch über die weiteren Kunst-Sammlungen im McNay sagen. Sie wollen mal Kunstwerke von Picasso, Monet, van Gogh, Liebermann, Cézanne, Renoir, Klee, Kollwitz, Chagall und vieler weitere doch eher bekannter Namen auf einem Haufen sehen und sind gerade nicht in Paris? Hier sind Sie richtig.

Wir nehmen den von Google Maps vorgeschlagenen Bus, der uns dann auch in Sichtweite des Flughafens wieder ausspuckt. Das restliche Stückchen, keine zwei Meilen, laufen wir zu Fuß. Also, wir wollen laufen. Ziemlich schnell wird aber klar, daß die von Google ermittelte Strecke über die Interstate 410 führt. Es ist, außer eben über die Autobahn, schlicht nicht möglich, zum Flughafen zu laufen, aber außer uns kommt hier auch niemand auf eine solche Idee. 

Wir haben keine Lust, im örtlichen Verkehrsfunk erwähnt oder am letzten Tag in Texas noch Bekanntschaft mit dem Sheriff zu machen. Der Bus zum Flughafen ist von unserer Position aus aber auch nicht zu erreichen und ein Auto haben wir nicht. Auto? Moment... Da hinten war eine Autovermietung. Der freundliche Wachmann an der Einfahrt hört sich unser Problem an und - das ist hier auffallend verbreitet - hilft uns unkompliziert. Er schickt uns zur Haltestelle des Flughafen-Shuttles, das eigentlich Kunden der Autovermietung vorbehalten ist. "Erzählt's aber keinem!"

Kurz nach 17 Uhr sollen wir mit Delta abheben in Richtung Atlanta, von wo es am folgenden Tag zurück geht nach Amsterdam und in die Heimat. Der Flieger ist nur zur Hälfte gefüllt und eiskalt. All die Klimaanlagen während des Urlaubs konnten uns nichts anhaben, aber auf diesem zweistündigen Flug hole ich mir eine Erkältung. Eine ziemlich angetrunken wirkende Stewardess kippt mir Kaffee über die Hose, aber im Dunkeln fällt das dann auch schon nicht mehr auf. Aufgrund einer eineinhalbstündigen Verspätung des Fluges kommen wir nämlich erst ziemlich spät in unserem Hotel an. Viele Fluggäste erreichen durch die Verspätung ihre Anschlußflüge nicht mehr - in den flughafennahen Hotels herrscht Hochbetrieb. Das Best Western haut einen von außen nicht vom Hocker, unser Zimmer ist aber absolut in Ordnung.


Juri Small

San Antonio 3

Weil wir meinen, schon genug gesehen, aber noch nicht genug geshoppt zu haben, begeben wir uns (selbstverständlich erst nachdem wir das Ende von "True Detective" gesehen haben), mittags in die North Star Mall, die uns mit einem der modernen Wahrzeichen San Antonios, einem riesigen Paar Cowboystiefel, begrüßt. Wir finden ein paar Mitbringsel für Fritz und uns dann in der Cheesecake Factory wieder. Claudia schafft ihren Käsekuchen nicht mal zur Hälfte, Juri bewältigt sein Eis erfolgreich. Von Sheldon ist nichts zu sehen, nicht mal auf der Speisekarte. Immerhin liegt die Cheesecake Factory ziemlich direkt neben JCPenney (knock knock!).

Wir fahren noch zu anderen Läden und betreten einen Getränkemarkt epischer Ausmaße, bei dem es eine bessere Auswahl an bayerischem Bier gibt als bei uns im Rewe. Aber natürlich kein Augustiner und die Preise sind entsprechend, so daß wir für den Pizza-Abend ein Texas Lobo erstehen.

Juri Small

Fredericksburg

28.04.2014: Kurz vor Ende unserer Reise besuchen wir noch eine der größten deutschen Städte - außerhalb Deutschlands. In den USofA gibt es neun Städte namens Fredericksburg; wohl alle wurden von deutschen Siedlern gegründet und zu Ehren des Prinzen Friedrich von Preußen so benannt.

Der aus dem deutschen Dillenburg stammende Freiherr von Meusebach war 1845 von New Braunfels (wir berichteten) weggezogen und gründete 1846 als neuer Generalkommissar des "Vereins zum Schutze deutscher Einwanderer in Texas" (auch "Mainzer Adelsverein") die Stadt Fredericksburg.

Eine der historischen Besonderheiten der Stadt ist, daß es hier den einzigen nie gebrochenen Friedensvertrag mit den Ureinwohnern gab. Die Unterzeichnung des Vertrages wird jährlich am 9. Mai mit Nachfahren der Siedler und der Comanchen gefeiert.

Sklavenhaltung lehnten die deutschen Siedler ab, was ihnen einige ernste Probleme mit dem Staat Texas und den Texas-Rangern bescherte.

Fredericksburg ist Geburtsort von Admiral Nimitz, im zweiten Weltkrieg Oberbefehlshaber der US-Pazifik-Flotte. Nach ihm wurde u.a. ein Flugzeugträger, später eine ganze Flugzeugträger-Klasse benannt. In der Stadt gibt es ein "National Museum of the Pacific War", welches in dem Gebäude untergebracht ist, in dem zuvor der deutsche Großvater von Admiral Nimitz ein Hotel führte.

Das Gillespie County, dessen Kreisstadt Fredericksburg hat, hat lt. Wikipedia heute einen noch über zweitausend deutschsprache Einwohner (11,51 Prozent).

"Die Einwohner der Stadt sind bemerkenswert stolz auf ihre deutsche Abstammung. Viele Straßen, Restaurants, Hotels und Geschäfte haben deutsche Namen und bieten typisch deutsches Essen an, alljährlich wird das Oktoberfest gefeiert." (Wikipedia)

Die deutschen Namen der Geschäfte können wir bestätigen - die Fotos beweisen es eindrücklich. "Typisch deutsches Essen" muß man ein wenig relativieren. Ja, es gibt "Schnitzel" & Co. Aber was eine "German Spring Roll" ist, haben wir erst hier gelernt. Es handelt sich dabei um gehäckselte Bratwurst, die mit Fetzen von Blaukraut (meint Rotkohl) in einem Teigmantel serviert wird. Durchaus sehr lecker - aber "typisch deutsch"? Über dem "Auslander Biergarten" schwebt der Bundesadler, in den Straßen wehen die schwarz-rot-goldenen Fahnen. Immerhin gibt's überall tatsächlich deutsches Bier. Wir entscheiden uns dennoch für texanische Biere. Geschmacklich empfehlen können wir das Lone Star und das Lobo. Entweder ist in Texas alles anders oder das amerikanische Bier ist generell nicht so schlimm wie man immer meint. Das Lone Star nennt sich "National beer of Texas", das Lobo punktet damit, in Fredericksburg gebraut worden zu sein. In der Speisekarte (<- unbedingt ansehen!) des "Auslander" lesen wir: "Ausländer is the German word for outsider, foreigner, or tourist." Nuja - dann kann man auch mal 'nen Biergarten so nennen...

Ein Rundgang durch das Pioneer Museum von Fredericksburg lohnt sich ebenfalls, der Besuch des örtlichen Amish-Ladens, der vor allem hochwertige Möbel im Angebot hat, für Touristen eher nicht.

Eine nette, unbedingt hier zu erwähnende Eigenheit Fredericksburgs ist, daß die Anfangsbuchstaben der Straßennamen Wörter ergeben.

Südlich der "Vereins Kirche" geht's mit den Straßenkreuzungen der East Main Street in südöstlicher Richtung los:

Adams Street, Llano, Lincoln, Washington, Elk, Lee, Columbus, Olive, Mesquite, Eagle.

Nördlich der "Vereins Kirche" kreuzt die Austin Street in nordwestlicher Rochtung folgende Straßen:

Crockett, Orange, Milam, Edison, Bowie, Acorn, Cherry, Kay.

Fredericksburg
Texas, United States
Juri Small

Golf von Mexiko

26.04.2014: Wenn man schon relativ nah am Meer ist, sollte man auch einmal reingesprungen sein. Das werden wir heute tun: Etwa zweieinhalb Autostunden von San Antonio entfernt liegt die texanische Hafenstadt Corpus Christi, benannt nach der dortigen Corpus Christi Bay, deren Name wiederum vom Tag der Entdeckung dieses Fleckchens, dem Fronleichnamstag herrührt. Dem Festland vorgelagert ist die 29 Kilometer lange Insel Mustang Island. In dem dortigen Naturschutzpark kommt man an einigen Stellen mit dem Auto direkt auf den Strand. Wir entscheiden uns dafür, das Fahrzeug ein paar Meter hinter den Dünen stehen zu lassen. Wie an vielen Stellen in Texas gibt es auch hier solide Picknick-Tische und -Bänke, sinnvollerweise als Schutz vor der schon sehr hochstehenden Sonne stets überdacht.
Es ist warm an diesem Tag, aber trüb und am Strand ein wenig windig - Sonne werden wir kaum abbekommen, aber für das herumlungern in Badehose und -anzug reicht's allemal und nach der ersten Überwindung ist auch das Wasser nicht mehr zu kalt.

Coraline ist alles andere als einverstanden mit der Tagesplanung und gibt das lautstark bekannt. Als sie gleich nach Ankunft am Strand mit ihrer Schnoddernase in den Sand plumst, ist der Tag für sie gelaufen. Nach ein paar Stunden erholsamen Dösens reicht's uns dann aber auch und wir suchen das vielgelobte "Snoopy's Pier" auf Padre Island auf. Die Insel ist so klein, daß sie ansonsten nur als Fundament für die Stützpfeiler der darüberführenden Autobrücke dienen kann. Das Essen bei Snoopy's ist in Ordnung, nur kommt Claudia auch an diesem Tag nicht dazu, die in den Küstenstaaten fangfrischen und im Vergleich zu Deutschland recht preiswerten Austern zu essen. Sie sind bei Snoopy's heute schlicht schon ausverkauft.

Auf der Rückfahrt pennen alle außer mir. Coraline wird uns diesen furchtbaren Tag mit all dem Sand und all dem Wind allerdings noch eine Weile nachtragen und uns mit vorwurfsvollem Blick noch bis zu unserer Abreise immer mal wieder vorhalten, was wir ihr angetan haben.

Mustang Island
Texas, United States
Juri Small

San Antonio 2

25.04.2014: Für heute haben wir einen Museumstag geplant. Sebastian hat freitags zuweilen frei, so auch heute, und beschließt, uns zu begleiten. Auch wenn Jen uns vor dem Witte Museum warnt, da gibt es eine SciFi-Ausstellung und wir sind wild entschlossen, die nicht zu verpassen.

Das Museum an sich ist merklich seit Jahrzehnten nicht renoviert worden und die Exponate sowie die Ausstellungsstücke atmen den Geist der 70er. Wir bekommen eher Atemnot aufgrund der Verstaubtheit der naturkundlichen Exponate. Die SciFi-Abteilung ist allerdings wirklich nicht schlecht, wir basteln Roboter und lesen die Texte mit Interesse. Zwischendrin nehmen wir ein mediokres asiatisches Mittagessen ein, in San Antonios ältestem chinesischen Restaurant (so ziemlich der kulinarische Tiefpunkt der Reise). Danach sehen wir uns noch die Fiesta Fairytale Kostüme an, die in der Tat sehr prächtig sind. Überraschen kann uns dann noch das Texas Heritage Center - so altbacken der Rest des Witte ist, hier ist alles hochmodern, die Ausstellung toll aufgebaut und technisch mit allen Schikanen ausgestattet. Sebastian ist schon den ganzen Tag sehr albern aufgelegt und bewegt sich meist muhend durch die Räume.

Abends treffen wir Jen und das Baby wieder, das Juri augenscheinlich wichtige Dinge mitzuteilen hat.

Juri Small

Austin

24.04.2014: Wir besuchen die texanische Hauptstadt. Sie liegt etwas mehr als eine Autofahrstunde nordöstlich von San Antonio am Colorado River. Austin ist die viertgrößte Stadt in Texas und "gilt als die amerikanische Hauptstadt der Livemusik - in keiner anderen Stadt der USofA findet sich eine vergleichbare Dichte an Musikclubs und Konzerten" (Wikipedia). Das ursprüngliche "Waterloo" wurde 1838 zu Ehren von Stephen F. Austin umbenannt. Wegen der Häufung von Internet- und Computerfirmen in der Stadt ("große Arbeitgeber der Stadt sind Dell, Facebook, Google, AMD, [...], IBM, Wincor Nixdorf, Apple, National Instruments, Hewlett-Packard, Samsung und Ebay" - Wikipedia) wird die Stadt gelegentlich "Silicon Hills" genannt.

Wie auch San Antonio wächst die Stadt sehr schnell, sowohl in Bezug auf die Größe und Bevölkerungszahl, als auch in Bezug auf die Wirtschaft. Die deutsche Partnerstadt Austins ist Koblenz.

Ethan Hawke und Angus T. Jones sowie diverse weitere Schauspieler und Wrestler kommen aus Austin.

"Größte Attraktion in Austin ist ein Naturschauspiel, das sich fast jeden Abend in den Sommermonaten an der Congress Bridge abspielt: Ca 1,5 Mio Fledermäuse starten urplötzlich bei Sonnenuntergang aus dem Inneren der Brücke zur gemeinsamen Insektenjagd und verdunkeln den Himmel. Die Kolonie ist die größte urbane Fledermauspopulation der Welt, tausende Zuschauer genießen den Anblick täglich." (Wikipedia)

Wir stellen das Auto im Parkhaus ab und laufen in Richtung Capitol. Auf dem Weg finden wir - es ist inzwischen fast mittags und wir haben nicht gefrühstückt - ein Chipotle-Restaurant. Hier sieht man die, die in den umliegenden Firmen und vor allem in den Regierungsgebäuden arbeiten. Schnell ein Burrito in der Mittagspause...

"Von 1882 bis 1888 wurde das Texas State Capitol erbaut und galt seinerzeit als siebtgrößtes Gebäude der Welt. Es ist sechs Meter höher als das Kapitol in Washington, D.C." (Wikipedia) - Natürlich! Everything's bigger in Texas! Das Haus, in dem Senatoren und Abgeordnete repräsentative Büros unterhalten und in dem nebenher offenbar auch Politik gemacht wird, ist auf Besucher gut eingestellt. Eine zügige Sicherheitskontrolle am Einlaß - es ist schwieriger, in ein deutsches Gericht hineinzukommen. Auch wenn die Besiedlung Texas' durch Europäer noch nicht sehr lang her ist und die Geschichte der Republik Texas und des US-Bundesstaates Texas gegen die bekannte europäische seltsam kurz wirkt - das Haus (übrigens älter als das Berliner Reichstagsgebäude) wirkt, wie es wirken soll. Es strahlt Macht aus, läßt den Besucher klein wirken und aus jeder Ecke ruft es quasi "Texas - The Lone Star State!"

Der Stern ist in Austin tatsächlich überall. Ein paar Schritte vom Capitol entfernt befindet sich das Bullock Texas State History Museum. Ein riesiger Stern, wie man ihn eher in der Sowjetunion erwartet hätte, steht davor. Das Museum beschäftigt sich tatsächlich recht verständlich mit der Geschichte Texas'.

Auf dem Rückweg an diesem recht heißen Tag (31°C) kühlen wir uns kurz in einem der örtlichen Starbucks-Läden ab. Wie immer befürchte ich Schlimmes für den Moment, in dem ich nach meinem Namen gefragt werde. Um weitere Bekanntschaft mit dem amerikanischen Heimatschutz oder Verwirrung und Nachfragen durch das Starbucks-Personal zu vermeiden, behaupte ich, George zu heißen. Aber die Rechnung habe ich mal wieder ohne Starbucks gemacht, wie man an dem Becher auf dem Foto sieht. Starbucks - Du ewiger, nie versiegender Quell der Freude...


 

Austin
Texas, United States
Juri Small

San Antonio 1

Mit 1.327.407 Einwohnern ist San Antonio die siebtgrößte Stadt in den USA, nach Houston die zweitgrößte Stadt in Texas und damit die größte zweitgrößte Stadt eines US-amerikanischen Bundesstaates. Der wirtschaftlichen Bedeutung nach liegt San Antonio im Staat Texas an dritter Stelle, hinter Houston und dem Ballungsgebiet Dallas-Fort Worth. Die kulturelle Vielfalt der Stadt ist von spanischen, mexikanischen, angloamerikanischen und deutschen Einflüssen geprägt. International bekannt ist die Stadt San Antonio durch ihre Basketball-Mannschaft, die San Antonio Spurs, durch das Fort Alamo, sowie den River Walk." (Wikipedia)

San Antonio ist außerdem die Geburtsstadt von Sydney Youngblood.

18.-23.04.2014: Wir besuchen mit Jenn und Coraline "The Alamo", eine zum Fort ausgebaute ehemalige Missionsstation in San Antonio. "Alamo" ist spanisch und bedeutet "Pappel". Die texanischen Verteidiger des Forts wurden in der Schlacht von Alamo durch mexikanische Truppen besiegt (200 Verteidiger gegen 5.000 Angreifer). Bei Amerikanern ist "The Alamo" als Wallfahrtsort offenbar sehr beliebt. In dem Gebäude, das neben dem angrenzenden Park die Reste des Forts darstellt, ist fotografieren nicht erlaubt, weshalb es nur dieses eine eigene Foto gibt (mehr Fotos hier), noch während des Knipsens erfolgt der nachdrückliche Hinweis auf der Fotografierverbot.

Im Inneren erfährt man recht genau, welcher Nationalität bzw. Herkunft die Kämpfer in der Schlacht von Alamo waren und wie diese hießen. Zwei Männer werden als Deutsche aufgeführt: Henry Courtman und Henry Thomas. Im Missionsgebäude werden die Namen aller Kämpfer aufgeführt, für jede Herkunftsnation steht eine Fahne, so eben auch "Germany". Die Namen der Befehlshaber der Schlacht (Bowie, Crockett usw.) finden sich überall in San Antonio.

Ansonsten trifft man in Texas auch immer wieder auf Hinweise auf deutsche Einwanderer. Ein recht großes Spaßbad in New Braunfels, unweit von San Antonio, bspw. heißt tatsächlich "Schlitterbahn". New Braunfels, im 19. Jahrhundert noch "Neu Braunfels" ist von Prince Carl of Solms-Braunfels nach seiner Heimatgegend benannt worden, die Stadt hat heute über 60.000 Einwohner und eine nennenswerte Gemeinde von Deutsch-Texanern.

Innerhalb New Braunfels' liegt "Gruene", benannt nach den Siedlern Ernst and Antoinette Gruene. Als historisches Zeugnis ist der Ort sehenswert.

Nach "The Alamo" am Freitag widmen wir den Samstag einer ausgiebigen Shoppingtour durch das Tanger-Oulet und das Premium-Outlet in San Marcos. Riesengroß, absolut lohnenswert. Normalpreise, die schon gut unter deutschen Schlußverkaufpreisen liegen, werden noch einmal um 50-60 Prozent nachgelassen. Beide Outlets hängen zusammen, jedes für sich ist viel zu groß für zwei Menschen, die das Shoppen nicht unbedingt lieben. Wir verschaffen uns daher zunächst einen Überblick, kaufen zur Sicherheit aber auch schon einmal ein paar Klamotten und Schuhe, nehmen uns aber vor, nach dem Wochenende noch einmal herzukommen.

Nach den ersten Mahlzeiten in diesem Staat und den Eindrücken von Straßen, Autos usw. stellen wir fest: Es stimmt - "Everything's bigger in Texas" (nur die Bierflaschen nicht). Ein SUV, das in Deutschland als großes Auto gilt, heißt hier "Midsize-SUV" und kann sich im Strom der riesigen Pickups locker verstecken. Wenn eine Tankfüllung aber auch nur 20-30 Euro kostet, kann man schon mal mit so einem halben LKW herumfahren und auch im Stand den Motor laufen lassen... Die Parkplätze sind ebenfalls auf diese Größe der Autos ausgelegt. Man kann hier auch einfach alles mit dem Auto erledigen. An der Poststation gibt es einen großen Parkplatz. Wer aber nur ein paar Briefe oder Postkarten loswerden möchte, fährt zum Briefkasten. Der Einwurfschlitz ist vom Fahrerfenster aus bequem zu erreichen. Es gibt Supermärkte, Starbucks-Filialen und Apotheken mit Drive-thru-Schaltern. Auch der Hausbriefkasten befindet sich auf dem Gehweg so nah an der Straße, daß der Postbote nicht aus seinem Auto aussteigen muß. Der Toyota Tundra wird sicher nicht ohne Grund seit 2006 u.a. in San Antonio gefertigt.

Am Sonntag besuchen wir vormittags den in der Nähe liegenden Phil-Hardberger-Park. Sebastian joggt mit Treigg elf Meilen, der Rest von uns beschäftigt sich mit Hund und Baby. Phoenix, die Hündin, ist im Hundepark (getrennt nach kleinen und großen Hunden, abgezäunt und mit Tränke für die Hunde und Picknick-Bereich für die Menschen ausgestattet) allerdings viel zu ängstlich, um mit den anderen Hunden zu spielen und bleibt lieber stets in unserer Nähe - das war wohl nix... Nach dem Joggen ein sehr nettes Brunch bei Trigg und Lori und ihren sehr reizenden Töchtern ("Hello, nice to meet you, my name is..."). Die Hunde heißen Barney und Mosby ;)

Am weiteren Sonntag besuchen wir etwas, das man immer noch recht schwer beschreiben kann. Im Rahmen der "Fiesta" in San Antonio finden wir unter einer Autobahnbrücke ein abgezäuntes Gelände, auf dem so etwas wie ein Fest stattzufinden scheint. Die Besucher sind augenscheinlich überwiegend mexikanischstämmig. Was hier genau passiert, erkennt man nicht. Menschen sitzen an offenkundig mitgebrachten Camping-Möbeln und nehmen die Touri-Getränke der herumstehenden Imbißwagen zu sich. Dazu laute Musik. Mehr passiert nicht, jedenfalls nicht in den Minuten, in denen Sebastian uns mit einem Blick ansieht, der sagt: "Ja, ich versteh's auch nicht." Gleich nebenan ein mehrstöckiges Haus, in dessen Erdgeschoß diverse Geschäfte untergebracht sind, in denen Souvenirs angeboten werden. Das Angebot dürfte heute dasselbe sein wie an jedem Tag, nur steht jetzt überall noch "Fiesta" dran. Es wird mir nicht gestattet, den ersehnten Sombrero in angemessener Größe zu erwerben. Auf einem der Fotos unten sieht man etwa, was mir vorschwebte. Offenbar dürfen andere sowas haben... ;)

Auf der Rückseite des Gebäudes dann Gedränge. Viele Freß- und Saufbuden, viel Live-Musik, mittendrin sehr entspannte Polizisten. Die Atmosphäre ist dem Münchner halbwegs vertraut.

Nach einem Gammel- und Waschtag besuchen wir am Dienstag noch einmal die Outlets, dieser Besuch bringt uns fast bis an die Grenze der Zollfreimenge :D Frühstück im IHOP, Mittagessen im Johnny Rocket - beides zu empfehlen.

San Antonio
Texas, United States
Juri Small

New Orleans - San Antonio

17.04.2014: Wir fliegen mit American Airlines mit einem kurzen Zwischenstop in Dallas nach San Antonio, Texas. 

Wir nutzen das, was hier an ÖPNV existiert und fahren mit der Buslinie 5 nach Downtown. Wie haben die Leute das nur hinbekommen, bevor es das Internet gab? Ausgeschildert ist dieses Transportmittel zwar. Aber wann und wohin es fährt, bekommt man ohne weiteres nicht heraus. Gut, daß wir schon vor der Reise US-Sim-Karten besorgt hatten. Die brauchen wir hier, denn der SAT scheint der einzige Fleck in den ganzen USA zu sein, an dem es kein "Free WiFi" gibt.

Nach einer Dreiviertelstunde kommen wir im Zentrum an und ziehen an einer dieser seltsamen Strippen, die sich an den Fenstern quer durch den Bus schlängeln und mit denen man den Wunsch, das Fahrzeug zu verlassen, signalisiert. Im Bus ist übrigens das Tragen von Waffen nicht erlaubt. Wie beruhigend... Vermutlich setzt der Busfahrer dieses Verbot vermittels seiner eigenen Vollautomatischen durch.

Auch diese Stadt begrüßt uns, wie zuvor schon Atlanta und New Orleans, mit nur mäßig schönem Wetter. Für die nächsten Tage ist aber Besserung in Sicht. Immerhin ist es warm. Jedenfalls halten wir die 22 Grad an diesem Tag noch für warm.

Wir tingeln mit unseren Koffern durch die Straßen der Innenstadt. Dank Google Maps finden wir das Rainforest Café und warten essen- und biertrinkenderweise auf der Terrasse am Riverwalk darauf, von unseren Gastgebern, Sebastian und Jenn, eingesammelt zu werden.

Juri Small

New Orleans, Tag 2

16.04.2014: Herrliches Wetter. Für heute haben wir uns ein wenig "Kultur" vorgenommen. Das Museum "The Cabildo" liegt zentral im French Quarter am Jackson Square und gibt für sehr gut investierte 6 $ einen Einblick in die frühe Geschichte Louisiannas. Absolut sehenswert mit guten Exponaten, leicht verdaulich aufbereitet.

Wir erlauben uns, im Hard Rock Café einen "Hurricane" zu trinken. In jeder Hinsicht unpassend :D

Danach wieder Stadtbesichtigung, am frühen Abend eine Fahrt mit einem der auf alt gehübschten Straßenbahnwagen, die von der NORTA betrieben werden. Für New-Orleans-Besucher, die sich über Stahldeckel auf den Gehwegen mit der Aufschrift NOPSI wundern: so hießen die örtlichen Verkehrsbetriebe bis 1983. Wir fahren zum Frech Market, der überall und von jedem angepriesen wird. Vielleicht sind wir an diesem Tag nur zu spät dran - der Markt schließt um 18 Uhr und die Händler fangen teilweise an, ihre Waren einzuräumen. Ob wir aber eine Stunde zuvor etwas Schönes gefunden hätten - daran kommen uns Zweifel. Überwiegend scheint der auch bei uns übliche Kram angeboten zu werden, dazwischen Stände mit Touristen-Souvenirs.

Wir laufen also kurz über den Markt, dann durch das French Quarter und nach Einbruch der Dunkelheit zurück zum Hotel. Am nächsten Tag geht es weiter über Dallas nach San Antonio, unser Taxi zum Flughafen holt uns um sechs Uhr ab.


Juri Small

New Orleans, Tag 1

15.04.2014: Wir sind erneut früh wach, aber die Auswirkungen der Zeitverschiebung werden schwächer.

Wir lernen wieder etwas:

  • Amerikanische Seife ist offenbar deutlich öliger, das Wasser weicher als zu Hause. Nimmt man zu viel Seife, bspw. die gewohnte Menge, bekommt man das Zeug kaum noch von der Hand.
  • In New Orleans ist das Wasser, wie schon in Atlanta recht stark mit Chlor versetzt.
  • Die Menschen in New Orleans sind alles andere als unhöflich oder unfreundlich. Allerdings fällt uns auf, daß sie uns weitaus weniger herzlich begegnen als die Menschen in Atlanta. Fast alle scheinen irgendwie den Anflug von schlechter Laune zu haben, selbst das Lächeln sieht manchmal angestrengt aus. Nicht aufgesetzt, aber wie von einem gestreßten, geprüften, müden Menschen. Das kann daran liegen, daß New Orleans die Auswirkungen von "Catrina" immer noch nicht überwunden hat, aber auch daran, daß der Ort deutlich mehr Touristen anzieht als andere und man als Einheimischer nicht immer Freund und Fan von Touristen ist, selbst dann nicht, wenn man von ihnen lebt.

Der Tag beginnt, wie der vorherige aufgehört hat: trüb. Es sieht nach Regen und Wind aus. Wir laufen in Richtung Fluß. Wenn wir schon am Mississippi sind, ist eine Fahrt auf einem Schaufelraddampfer Pflicht. Bis zur nächsten Fahrt dauert es noch ein bißchen und wir suchen uns ein Frühstückslokal. Für's erste gesättigt betreten wir das Schiff. Man hätte erwarten können, daß hier viele solcher Kähne herumtuckern - tatsächlich gibt es nur die Natchez und noch ein kleineres Boot.

Die Tour soll zwei Stunden dauern, langsam kommt doch die Sonne raus. Wir setzen uns auf die der Sonne zugewandte Seite des Dampfers und genießen die Fahrt bei schönem Live-Jazz. Auf dem Fluß bläst die ganze Zeit ein ziemlich kräftiger Wind. Wir unterschätzen dadurch die Stärke der Sonne und holen uns einen kräftigen Sonnenbrand im Gesicht.

Man kann nicht sagen, daß sich die Tour nicht gelohnt hat, von New Orleans oder der Natur der Südstaaten bekommen wir allerdings nicht viel zu sehen. Am Mississippi erstreckt sich ein unendlich langes Band von Hafenanlagen. Kähne, mit Unmengen Schrott beladen, liegen zur Abholung oder zum Entladen bereit, in der Ferne ist ein Navy-Stützpunkt zu sehen. Dann wendet das Schiff und kehrt zum Hafen zurück. Vor dem Anlegen bietet sich noch ein Blick auf die Skyline von Atlanta. Wir können nun sagen, schon einmal mit einem Schauffelraddampfer auf dem Mississippi gefahren zu sein - für Sightseeing eignet sich die Tour aber nicht.

Der Tag ist nun richtig sonnig geworden. Wir laufen zum French Quarter, erfreuen uns an den hübschen Häuschen, erkennen aber auch, daß es hier vor allem zwei Varianten gibt: entweder ist die Fassade wunderschön, das Haus dahinter wirkt aber dem Verfall nahe; oder die Fassade wird vernachlässigt, ist aber massiv gesichert und man erkennt nur durch kleine Lücken im Tor, daß sich dahinter sündhaft teuer aussehende, frisch renovierte Villen verbergen. Die Touristenstraßen des French Quarter sind in der ersten Kategorie.

Das French Quarter ist tagsüber nicht leer, aber ruhig. Die Lokale sind geöffnet, aber man wird nicht hineingezerrt.

Wir entdecken Seltsames, wie bspw. eine Speisekarte mit "Louisianna Alligator", Werbung von Immobilienmaklern, die stets angeben, ob das beworbene Objekt "haunted" oder "not haunted" ist. Schön ist auch die Polizeistation, die damit wirbt, daß es "inside" NOPD-T-Shirts gebe. Das müssen wir uns ansehen. Und tatsächlich: da stehen drei Automaten, an denen man sich mittels Knopfdruck und Kreditkartenzahlung T-Shirts mit Aufdrucken wie "NOPD - 8th District" kaufen kann. Nebenbei scheint man aber auch Anzeigen aufzunehmen. Die Nummer mit den T-Shirts gibt es auch bei der Feuerwehr, allerdings kann man dort ausnahmsweise nicht mit der Kreditkarte zahlen. Voodoo und andere übersinnliche Dinge sind allgegenwärtig.

Am Abend werden die Straßen des French Quarter teilweise gesperrt, was wegen der deutlichen Zunahme der Zahl der Touristen und Straßenmusiker auch dringend notwendig ist. Wir genießen die Atmosphäre, die Musik und die Lichter und fragen uns beim letzten Bier, was wohl bei einem Lager-Bier der hier häufig angegebene "Munich Style" sein könnte...

New Orleans
Louisiana, United States
Juri Small

Atlanta - New Orleans

14.04.2014: Morgens um 7 Uhr stehen wir an der Amtrak-Station von Atlanta ("Peachtree Station"), einem Haus mit Wartesaal und Abfertigungsraum, in dem man das Gepäck aufgibt. Der Bahnhof besteht ansonsten aus zwei Gleisen und einem Bahnsteig. Irgendwie seltsam bei der Größe der Stadt, aber es fährt außer Touristen und Menschen mit schmalem Budget einfach niemand mit dem Zug. Preislich liegt man mit einem Flug nicht schlechter und der Zug ist einfach viel zu langsam, um die riesigen Entfernungen in den USofA zu überbrücken. Wir haben uns für den aus New York kommenden Crescent entschieden, um unterwegs etwas von der Gegend zu sehen. Die Strecke führt von Atlanta über Birmingham, Tuscaloosa und Hattisburg nach New Orleans. Wir fahren also von Georgia durch Alabama und Mississpippi nach Louisiana.

Wie fast überall auf unserer Reise gilt auch in dem ganz annehmbaren Amtrak-Bordrestaurant: "No shoes - no service!".

Die schöne Südstaaten-Gegend will sich uns auf dieser Fahrt leider nicht immer so recht zeigen, es ist meist trüb und regnerisch.

Die Entscheidung für den Amtrak bereuen wir dennoch nicht. Die Sitze sind komfortabler als in jedem ICE, es ist leise - allerdings auch wieder recht kalt. Nach fast dreizehn Stunden kommt am Abend New Orleans in Sicht. Wir überqueren bei beginnender Dämmerung mit etwas mulmigem Gefühl auf einem sehr niedrig über dem heute sehr unruhigen Wasser des Lake Pontchartrain liegenden Damm den großen See und fahren in einer vergleichsweise großen Station ein. Von hier ginge es mit Amtrak theoretisch auch zu unserem Hauptziel dieser Reise, San Antonio in Texas.

Ein Taxi bringt uns zu unserem Hotel, welches nahe beim, aber - wie sich noch herausstellen wird zum Glück - nicht im French Quarter liegt.

Birmingham
Georgia, United States
Juri Small

Atlanta

13.04.2014: Die erste Station in den USofA. Es ist Sonntag, deshalb wirkt die Stadt am Vormittag wie ausgestorben. Ein paar Autos sind auf den Straßen unterwegs, aber kaum Fußgänger. Die meisten Geschäfte haben geschlossen und die Wolkenkratzer sind Bürogebäude, die am Sonntag keiner braucht. Die Büroangestellten sind heute wohl  zu Hause in ihren Vororten, für Touristenströme ist es noch zu früh.

Wir lassen das Auto in einem der wochentags knallvollen, heute aber fast verwaisten Parkhäuser stehen und laufen durch die Schluchten der Hochhäuser zu einem kleinen Park. Dort tummeln sich ein paar Einheimische, treiben seltsame Ertüchtigungs-Sportarten.

Wir sind in Atlanta, Heimat vieler bekannter Firmen, darunter Coca Cola. Wir laufen daher zunächst zur World of Coca Cola, einem erstaunlich gut gemachten, auch kindgerechten Museum der Firma. Man steht dazu, daß der Erfolg nahezu ausschließlich auf Werbekampagnen beruht und darauf, daß es kaum einen Winkel auf der Welt gibt, in dem die Brause nicht verfügbar ist. In einem fünfminütigen Film ("Moments of happiness") wird uns zunächst der brandneue Werbespot vorgestellt, ein stark auf Emotionen und Patriotismus abzielendes Filmchen - gut gemacht, aber eben auch durchschaubar. Weiter geht's mit einer Art gläserner Produktion ("Bottle Works"), einem Tresorraum ("Vault of the secret formular") und den "Milestones of Refreshments" (einer Darstellung früher und aktueller Werbekampagnen, aktueller Unternehmensbeteiligungen, Sponsoring-Engagements usw. inkl. einem rülpsenden Automaten). In der zweiten Etage warten dann aber die echten Highlights: ein 4D-Kino, das uns nach einem weiteren kurzen Filmchen (verrückter Forscher versucht, das Geheimnis von CC herauszufinden) einigermaßen naß und durchgerüttelt wieder ausspuckt, und ein Raum mit hunderten Zapfhähnen, aus denen entweder (nach Kontinenten geordnet) uns fremde CC-Produkte fließen oder an denen man sich aus den vielen unterschiedlichen Brausen sein eigenes mehr oder weniger scheußliches Gemisch mixt. Wir trinken uns also satt und an den Rand des Diabetes, holen uns am Ausgang die Gratis-Flasche Coke, dann erwartet uns noch der in solchen Einrichtungen obligatorische Shop, bevor wir wieder ans Tageslicht kommen.

Eine weitere, in Atlanta beheimatete Firma ist Hooters, eine Art Sportsbar-Kette, die allerdings vor allem für ihre Bedienungen bekannt ist, die in relativ spärlicher Kleidung herumlaufen. In Deutschland gab es wohl kurz den Versuch, die Kette zu etablieren - die Auswahlkriterien bei der Personalgewinnung waren dann aber offenbar nicht mit dem deutschen Recht vereinbar und der Kette haftete von vorn herein ein Schmuddelimage an, weshalb man wohl nur zum Junggesellenabschied in ein solches Lokal gegangen wäre. Inzwischen gibt es nur noch in FF/M. ein Hooters-Lokal. Als Touris und in einer Umgebung, die Lokale dieser Art zu akzeptieren scheint, besuchen wir nun aber das Flagship in der Heimatstadt der Kette. Tatsächlich laufen auf ca. 15 Flat-TVs Sportübertragungen aus aller Welt. Das Lokal ist einigermaßen gut gefüllt und die Bedienungen (ausschließlich junge, schlanke Damen in weißen Shirts und orangefarbenen knappen Höschen). Man kann nun von Hooters halten, was man will und die Kette wird sicher zu Recht kritisiert - die Burger sind einfach super, das Bier gut und eiskalt, unsere Bedienung Kamara ausgenommen freundlich. Wir lernen außerdem: 

  • In den USofA begegnet man der Wärme draußen nicht mit angenehmen Temperaturen drinnen, sondern mit Eiseskälte. Gefühlt werden Läden, Lokale und Beförderungsmittel auf 10 Grad runtergekühlt.
  • Öffnet man eine amerikanische Kloschüssel, denkt man zunächst 'Mist, der Abfluß ist verstopft.' - das ist nicht zwingend der Fall. Vielmehr ist einfach die Menge Wasser, in die die Ausscheidungen rieseln bzw. fallen, viel größer. Die halbe Schüssel ist voll mit Wasser. Gewöhnt man sich dran...
  • Amerikanisches Klopapier ist sehr, sehr dünn. Wie uns zugetragen wurde, faltet der Ami daher nicht, sondern knüllt.
  • Angegebene Preise sind i.d.R. Netto-Preise. Wenn die Steuer im Preis enthalten ist oder keine Steuer fällig wird, wird darauf ausdrücklich hingewiesen.
  • Die Rechnung kommt häufig schon, während man noch ißt oder noch sein halbes Bier vor sich hat. Das wirkt auf uns befremdlich und wie die Bitte zu gehen. So ist es aber nicht gemeint. Man wird vorher von der Bedienung mindestens einmal gefragt, ob alles in Ordnung ist. Sollte man nach der ersten Portion noch hungrig sein oder ein weiteres Getränk wünschen, ist diese Frage die Gelegenheit, noch etwas zu bestellen. Nach einer amerikanischen Portion hat man aber meistens ohnehin b.a.w. keinen Hunger mehr und lieber kommt die Rechnung schnell, als daß man, wie in Deutschland recht häufig, ewig wartet, bis man zahlen und gehen darf.
  • Üblich ist, zwanzig Prozent Trinkgeld zu geben. In Restaurants und Bars werden auf der Rechnung häufig die passenden Trinkgeld-Beispiele angegeben, so daß man nicht selbst zu rechnen braucht. Bei Zahlung mit Kreditkarte (geht überall und auch bei Kleinbeträgen, ist auch erwünscht) wird das Trinkgeld mit der Kreditkarte gezahlt. Es kommt also erst die Rechnung, dann gibt man seine Kreditkarte hin, es kommt der Kreditkartenbeleg mit den Trinkgeldvorschlägen und einer Zeile in der man den Tip, den man abbuchen lassen möchte, einträgt. Für den Gesamtbetrag unterschreibt man und geht. Ohne daß die Bedienung die Höhe des Tips gesehen hat, wird man immer so freundlich verabschiedet, als hätte man einen Hunderter dagelassen.
  • Es ist eine interessante Erfahrung, der einzige Weiße weit und breit zu sein.

Atlanta
Georgia, United States
Juri Small

Amsterdam - Atlanta

12.04.2014: Weiter geht's mit KLM. Haben einigermaßen gute Plätze im Flieger, unsere vorher im Internet bestellten Amtrak-Reise-Gadgets (Decke, Schlafbrille, Nackenhörnchen, Ohrstöpsel) parat und werden häufig und in akzeptabler Qualität bewirtet. Zum Schlafen kommen wir nicht so richtig und irgendwann nervt so ein langer Flug. Man fragt sich, ob die transatlantischen Flüge wirklich unbedingt über Grönland und Kanada geleitet werden müssen...

Gegen 20.30 Uhr Ortszeit landet der Flieger am Hartsfield-Jackson-Airport, in der Heimat gegen 2.30 Uhr in der Nacht also. Die Zeitverschiebung macht sich bei uns bemerkbar, aber so sind wir wenigstens am nächsten Morgen die Ersten beim Frühstück. Das Double Tree by Hilton liegt zwischen Atlanta und Marietta - sehr angenehmes Hotel, sehr nettes, zuvorkommendes Personal (Rezeptionist am WalkiTalki: "Housekeeping, we need a sewing kit in room 609!"), tolles Zimmer.

Ein ganzer Tag in Atlanta liegt vor uns. Am Vormittag werden wir abgeholt und versuchen dann, in der kurzen Zeit einen Eindruck von der Stadt zu bekommen, bevor es einen Tag später mit dem Amtrak-Viewliner weitergeht nach New Orleans...

Juri Small

Amsterdam

12.04.2014: Einigermaßen ausgeschlafen verlassen Claudia und ich am Vormittag das recht angenehme Hotel Mercure in der Nähe des Flughafens. Mit dem Hotel-Shuttlebus zurück zum Flughafen, von dort mit dem "Sprinter"-Zug nach Amsterdam-Centraal

Im Zentrum Amsterdams kann man kaum hundert Meter laufen, ohne daß es aus einem der Lokale an der Straße verdächtig nach bestimmten Kräutern duftet...

Angeblich "typical dutch breakfast" in der Sonne an einer der vielen Grachten. Danach noch ein kurzer, entspannter Bummel durch die Gässchen und die erste Postkarte für den Fritz gekauft, dann zurück zum Flughafen.

Amsterdam
North Holland, Netherlands
Juri Small

Erste Etappe: München - Amsterdam

11. April 2014: Pünktlich gings los in München zu unserem ersten Ziel Amsterdam. Ein großes Lob an KLM: zu jeder Zeit schnell und freundlich.

Haben gegen 20 Uhr im Hotel eingecheckt, freuen uns jetzt auf eine Dose Amstelbier, die heiße Badewanne und vor allem auf den morgigen Tag in Amsterdam. Um 17 Uhr geht's morgen mit KLM weiter zum nächsten Ziel Atlanta.