70 Tage Australien - Osten, Norden, Westen

70 Tage Australien - wenig Zeit für so einen gigantischen Kontinent. Der Plan ist, von Sydney aus mit dem Campervan die Ostküste entlang nach Cairns zu fahren. Von da aus dann mit dem Geländewagen querfeldein nach Darwin, idealerweise üer den Savannah Way. Die größte Herausforderung? Sohnemann Bennet, fast 5 Monate alt. :)

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Herman Güldenhaupt Small

Auf wiedersehen!

Wir haben nach dem Frühstück das Gepäck im Hotel zurück gelassen und sind noch einmal rein in die Stadt. Vor allem genossen wir den Hyde Park und den Botanical Garden. Das ist einfach immer wieder herrlich und das Wetter heute machte es noch einfach, die Aussicht zu geniessen und etwas Sonne zu tanken. Im Vergleich zum Northern Territory war es aber trotzdem deutlich kälter.

Es ist ein idealer Ort, so im weichen Gras und die Opera Bar als letztes wichtiges Ziel vor Augen. Hier kann man dösen und die letzten 2,5 Monate Revue passieren lassen. Wir haben wirklich viel erlebt, sind als Familie zusammengewachsen, haben oft Glück gehabt und fast mmer Spass. Es gab faszinierende Landschaften und so viele verschiedene Tiere. Aber auch die Menschen hier machen das Land einfach (er)lebenswert. Von der Gelassenheit und Freundlichkeit können sich ganz besonders die Deutschen eine dicke Scheibe abschneiden. Natürlich wäre es jetzt auch ein guter Zeitpunkt, traurig zu sein, aber warum? Eines ist uns klar - früher oder später, aber eher doch früher, kommen wir wieder hierher. Ganz sicher!

Und Bennet? Mit gerade einmal viereinhalb Monaten hat er eine Reise mit Bravour bestanden, die die meisten ihr ganzes Leben lang nicht wagen. In der Zeit kam es uns vor, als sei er so sehr gewachsen und gesprossen, aber interessanterweise hat sich das Gewicht kaum verändert. Er kommt uns dennoch viel gereifter vor, offen und fröhlich. Alle BEdenken, die wir anfangs hatten, waren umsonst - aber sicher nicht sinnlos, denn gerade mit einem Baby auf Reisen sollte man gut vorgbereitet sein und sich klar machen, wo Risiken und Gefahren liegen. Wir sind uns sicher, dass er in ein paar Jahren die Fotos und Filme sehen wird und garntiert noch einmal dorthin will. Und dann ist kein Känguruh mehr vor ihm sicher!

Herman Güldenhaupt Small

Es fährt ein Bus ins Nirgendwo - Palm Beach

Heute sind wir erst einmal runter ins Stadtzentrum und haben uns dort einen Bus gesucht, der in den Norden von Sydney fährt - zu den Stränden. Ein ganz besonderer Strand sollte es sein: Palmbeach. Er liegt am hammerförmigen Ende einer Insel und hat im Grunde zwei Strände: Einen im Westen zum Inland hin mit einem schönen Anlegesteg und Bootshafen. Und zum Osten hin aufs offene Meer hinaus. Der Weg dorthin war lang. Wir waren etwa 1,5 Stunden unterwegs, aber es hat sich gelohnt. Der Strand war deutlich ruhiger als der in Manly, aber dennoch war viel los. Es ist bergiger hier - viele Strandhäuser und Villen liegen an Berghängen mit toller Aussicht. Uns hat der Kontrast zur Stadt sehr gut gefallen. Den bekommt man natürlich bei einer Busfahrt umso besser mit, wenn man durch das Geschäftszentrum Sydney fährt, inmitten der Hochhäuserschluchten, und dann mit dem Überqueren der Harbour Bridge die Vororte erreicht, die immer kleiner werden und immer mehr setzt sich dann die Natur durch. Mit Klippen, offenem Meer, Wäldern und Buchten. Das macht Spass.

Abends, zurück im Zentrum, machten wir noch einen Schlenker durch China Town. Das ist zwar nicht sehr groß, aber doch recht nett. Vor allem gibt es in einem Einkaufszentrum einen Hawker Stall (oder Food Court) mit vielen, günstigen, kleinen Fressständen verschiedenster asiatischer Nationen. Gute Preis, authentisches Essen - super!

Zuletzt gingen wir noch rüber zum nahen Darling Harbour, ein Hafenbecken, das zum Erlebnisviertel umgebaut wurde. Tagsüber locken Museen, Shoppingzentren und Zoos, abends der herrliche Blick auf die Stadt und zahlreiche Kneipen. Wir gingen ins Margharitaville, wo es zahlreiche Varianten von Margharitas zu geniessen gab. Leider konnten wir uns nicht raus setzen, weil wegen der Rauchergesetzte nicht in den Lokalen geraucht werden darf. Darum paffen alle draußen, was nicht gut ist, wenn man Kleinkinder dabei hat. Also saßen wir recht einsam drinnen, aber das passte ja zu der wehmütigen Stimmung: Morgen geht's heim!

Herman Güldenhaupt Small

Bye bye, NT. Hello Sydney!

Der letzte Tag im Northern Territory. Ein wichtiger Tipp:
Ihr habt sicher selber schon gemerkt, dass mit einem Kleinkind alles etwas
länger dauert. Kofferpacken, Morgenwäsche, Frühstück ...  Tut Euch also den Gefallen und beachtet das
auch bei der Planung. Wir haben unsere Flüge generell nur für nachmittags
gebucht, wenn sie nicht lang sind, oder abends, wenn es längere Steecken sind.
Das hat uns heute beim letzten Tag in Darwin sehr geholfen, weil einfach keine
Zeit für Stress da war. Morgens gemütlich aufstehen, alles erledigen. Dann den
ausgeliehenen Kindersitz bei der Filiale in Darwin abgeben. Darauf hin hatten
wir noch so viel Zeit, dass wir noch ans Meer an den Casuarina Brach fahren
konnten. Das ist ein sehr langer Strand, der allen genug Freiraum lässt und
etwas wilder wirkt, als der Bingil Beach. Im Osten gibt es sogar einen FKK
Strand, hier heisst das Nudist Beach. Ich kenne keine deutschen Nacktstrände
und den hier habe ich auch nur aus der Ferne gesehen. Ich habe also keine
Ahnung, ob das unserem FKK Konzept entspricht. Es waren aber fast nur Männer am
Strand und die schienen auch einander zu suchen. Vielleicht also nicht
unbedingt der FKK Strand für den Familienausflug.

Danach ging alles sehr schnell. Auto abgeben, einchecken
und ab mit dem Flugzeug nach Sydney. Dort nahmen wir uns einen Shuttlebus, der
uns direkt zu unserem Hotel brachte - das yhotel, direkt am Hydepark. Das Hotel
ist eine wilde Zusammenfassung unterschiedlichster Übernachtungsarten. Vom Dorm
wie in einem Hostel (Man schläft in einem Mehrbettzimmer, Duschen sind geteilt)
über günstige Hotelzimmer mit geteilten Waschräumen bis hin zum klassischen
Hotelzimmer mit eigenem Bad ist alles dabei. Das Frühstück ist im Preis
inbegriffen und eigentlich ganz okay. Man kann aber gegen einen Aufpreis
zusätzliche Frühstücksgerichte hinzukaufen. Dieses modulare System hat mir
recht gut gefallen.

Bach dem Einchecken zogen wir noch in die Nacht hinaus.
Direkt vorm Haus beginnt die Oxfordstreet, eine Partymeile mit vielen Nachtclubs,
Restaurant und Varietes. Was man wissen sollte - es ist das Zentrum für Schwule
und Lesben, weltbekannt und zieht auch das restliche Partyvolk an. Wir
ratterten fröhlich mit dem Kinderwagen durch das bunte Treiben und kehrten
recht lecker Thailändisch ein. Es war lustig zu beobachten, wie offen und
fröhlich Bennet die ganzen Menschen musterte und anstrahlte. So vorurteilsfrei
können nur Babys sein. Wann geht das eigentlich bei uns Erwachsenen verloren? Wir waren noch lang an dem angenehmen Abend unterwegs und kehrten dann irgendwann müde aber zufrieden in unser Hotelzimmer zurück.

Herman Güldenhaupt Small

Darwin, Parap Market und Cullen Bay

Zeit, ein wenig die Umgebung von Darwin zu erkunden. Der
Orr selbst ist relativ überschaubar, aber es gibt zahlreiche kleine Siedlungen,
die rund um den Flughafen liegen und nahtlos ineinander übergehen. So waren wir
vormittags auf dem Parap Market, das ist ein Markt rund um das Einkaufszentrum.
An den kleinen Ständen kann man alles Mögliche von Schmuck über Kunst bis
Krempel kaufen. Dazu kommen noch diverse Massagearten und eher esotherische
Dinge wie Tarotkarten legen oder ein Sternenhoroskop erstellen lassen. Ich bin
da eher der Freund von irdischen Genüssen und die wurden zum Glück nicht
vernachlässigt. Es gab zahlreiche Fressstände, besonders bekibt sind due
Fruchtbars, wo man frische Shakes und Smoothies kaufen kann (Kundschaft primär
weiblich), oder man geht wie ich  eher in
die Männerecke bei den asiatischen Ständen, wo das Fett in der Wokpfanne
glücklich blubbert und frittiert wird, was das Zeug hält. Dort war ich
glücklich, was das Streetfood original schmeckt und nicht so dem
abgeschwächten, europäischen Einheitsbrei entspricht. Daheim ist asiatisch ja
eher für Softies.

Der Markt findet ab Mai auch am Strand statt und zwar am
Bingil Beach zum Sonnenuntergang. Das muß ein wirklich schönes Spektakel sein.
Wir haben uns den Strand tagsüber angesehen und er ist recht gut mit Toiletten,
BBQ und Wasserspendern ausgestattet, nur optisch fand ich ihn nicht so
großartig, was aber auch wohl an den Glasscherben lag, von denen mir eine den
Kleinen Zeh halbierte. Nein, abtrennte. Also gut, es war nur ein Kratzer, aber
gefühlt war's eine Katastrophe.

Den Nachmittag verbrachten wir am Pool der Travelodge. Es
ist erstaunlich, wie gut man da einige Zeit verbringen kann. Leider kam
pünktlich zur Happy Hour dann der nachmittägliche Tropenregen. Also ab aufs
Zimmer und abwarten.

Abends sind wir zur Cullen Bay, das ist ein nettes
Hafenbecken  an dem einige Restaurants
direkt am Pier gelegen sind. Wir gingen ins Golden Majestic (oder so ähnlich -
war der einzige Asiate dort), weil der Kaden gerammelt voll war und alle
anderen nicht. Das ist immer ein gutes Zeichen für entweder hervorragendes
Essen oder zumindest gute Preise. Hier stimmte angenehmerweise Beides. Wir
gönnten und Barramundi und Bennet bekam zur Feier des Tages eine Pommes.


Herman Güldenhaupt Small

Good Friday in Darwin

Zuerst mal - warum in aller Welt wird der Tag, an dem Jesu
Tod gedacht wird, Good Friday genannt?! Sicher gibt es da eine gute Erklärung,
wir findens aber erstmal skurril. Der Feiertag an sich scheint aber sehr
wichtig zu sein. Zumindest waren die Gäste im Zimmer nebenan bis 9 Uhr morgens
stockbetrunken wie lautstark am diskutieren, quatschen und lachen. Da war es
mir eine große Genugtuung, als sie den Schlaf schliefen, der uns fehlte und
dann Bennet loslegte. Braver Bub!

Wir gönnten uns heute wieder einen Ausflug - diesmal war
der Northern Territory Wildlife Park dran. Er wird von der Regierung des NT
betrieben und umfasst in einem großen Areal verschiedene Landschaften - und
natürlich Tiere. Besonders interessant war hier das Nachthaus, wo nachtaktive
Tiere bewundert werden konnten. Hier hab es eine kleine Kennenlernrunde mit
einem Pfleger und der 16jährigen Black Flying Fox Dame Leech in dem es primär
um Flughunde und Fledermäuse ging, um Virurteile und wie wichtig gerade die
Flughunde für die Wälder hier sind. Mir hat auch das Aquarium gefallen, wo man
Barramundi und Sägezahnfische bewundern konnte. Bei den Barramundi war
interessant, dass sie generell als Männchen auf due Welt kommen und ab einem
bestimmten Alter zu Weibchen zu mutieren. Die weniger gehfreudigen wird es
beruhigen, dass es einen kleinen Shuttlebus gibt, der an jeder Station hält.
Von dem machten wir auch Gebrauch, denn am Goose Lake wurden wir dann doch vom
Regen überrascht und waren froh, schnell zum trockenen Auto zu kommen. Damit
wir nicht auf die letzten Tage noch allesamt krank werden, sind wir mit Heizung
an auf Hochtouren nach Hause gefahren und rein in trockene Klamotten.

Danach hatten wir mal richtig Hunger. Nur ... Der good friday scheint hier wichtig zu sein - fast
alle Restaurants waren geschlossen. Wir irrten ziemlich lange durch die dunklen
Gassen, ehe wir auf der Mitchell Road, quasi der Partymeile, ein paar offene
Imbißstände fanden. Den Indern, Thai oder Laoten war Ostern dann doch ziemlich
einerlei. Zum Glück.

Herman Güldenhaupt Small

Was tun, wenn das Baby im Ausland krank wird?

Die Wut und die Enttäuschung von gestern hatten sich heute
in Trotz gewandelt. Jetzt erst recht! Von so einem miesen Management lassen wir
uns den Urlaub nicht vermiesen. Wir mieteten uns kurzerhand ein Auto, was trotz
der Feiertage kein Problem war und die Mietrate ist sogar recht günstig,
verglichen mit Deutschland. Mit einem niegelnagelneuen Toyota Corolla holten
wir unsere sieben Sachen vom Schadensfall Mitsubishi Triton ab. Über 6.400
Kilometer war der Wagen unser treuer Begleiter gewesen. Somit sind wir in den
letzten 2 Monaten über 11.600 Kilometer durch Australien gefahren. Eine
imposante Strecke! Das ist 19 mal die Strecke Düsseldorf - Mitterfels! Wie, Ihr
kennt den Ort nicht? Wissenslücke! Düsseldorf ist die Hauptstadt von
Nordrhein-Westfalen, die Altstadt gilt wegen der Kneipendichte als die längste
Theke der Welt und zu Karneval gehts da richtig ab. Übrigens mit Helau. Nicht
Alaaf. Letzteres krakeelen sie in einer kleinen, unbedeutenden Ortschaft
rheinaufwärts.

Nachmittags waren wir kurz in der Apollofiliale, den Rest
bezüglich der hinterlegten Sicherheiten klären. Sie wollen nur den Mietpreis
für die entgangenen Tage erstatten, mehr zunächst nicht. Das nette Team vor Ort
tut uns leid, weil sie ja auch nichts für die Entscheidungen der Zentrale
können. Wir werden mit Rechtsbeistand prüfen, was wir noch unternehmen können.

Endlich wieder mobil fahren wir in das East Point Reserve.
Das ist, wie der Name schon sagt, im Osten von Darwin und von den kleinen
Sandsteinklippen aus kann man schon recht gut aufs Meer hinausschauen. Für
Sonnenuntergangfans gibt es sogar extra eine kleine Tribüne. Wir fuhren aber
ans Ende des Reservates. Dort kann man an einen kleinen Sandstrand gehen - und
das taten wir auch. Wir waren nicht ganz allein. Ein paar Angler balgten sich
in der Nähe um Fische und ein paar Dutzend Einsiedlerkrebse leisteten uns
direkte Gesellschaft. So macht der Sonnenuntergang mal richtig Spaß. Mal
abgesehen von den vielen Farben und tollen Gewitterwolken.

Bennets Erkältung wurde zunehmend schlimmer. Zum Glück haben
wir eine Auslandskrankenversicherung, die ich nur jedem Reisenden empfehlen
kann. Für ein paar Euro im Jahr ist mach gut abgesichert. Wir sind zum Beispiel
bei der HUK Coburg, aber es gibt sicher auch andere gute Anbieter. Ruhig mal
verfolgen, was die Tests bei Stiftung Warentest ergeben. Ich rief due Hotline
an, um das Virgegen abzuklären, das war aber sehr einfach: Rechnung behalten
und einreichen. Top! Also los! Wir fuhren zu einem privaten Ärztehaus, weil
laut Ratschlag der Einheimischen die staatlichen Ärzte überlastet und eher
leistungsunwillig sind. Gut, wenn ich mir vorstelle, wir hätten in Deutschland
auch noch verbeamtete Ärzte ... Wir waren also bei einem privaten Arzt, die
Ailufnahme war schnell erledigt und due Untersuchung an sich kostete pauschal
60 $ (ca 40€). Der junge Arzt untersuchte Bennet und diagnostizierte eine
Mittelohrentzündung. Oh weia - der arme Kleine. Fliegen darf er am Sonntag,
aber bis dahin muss er Antibiotika geben und bei Start und Landung dürfte er
ordentliche Ohrenschmerzen wegen dem Druckausgleich bekommen. Gut, dass wir so
schnell und flexibel noch einen Termin bekommen haben. Findet mal bei uns in
Deutschland irgendeinen Arzt, der am Gründonnerstag abends um 21 Uhr noch offen
hat...


Herman Güldenhaupt Small

Gestrandet in Darwin

Apollo, nicht der Gott, sondern unser irdischer
Autovermieter, hat uns heute im Grunde den ganzen Tag über hingehalten. Man
arbeite an einer Lösung, danke für die Geduld, nein, wir brauchen uns keine
Sorgen zu machen, sie würden sich bei uns melden. Toll - bei so viel
Kundenservice kann man ja richtig entspannen, oder?

Ja - zuerst schon. Wir vermissten unseren Campervan
ordentlich, gerade heute, wo wir somit den ganzen Tag ziellos durch die Stadt
irrten. Aus dem Hotel hatten wir ausgecheckt, nur unsere Koffer hatten wir da
gelassen. Die Hoffnung war ja, dass der Motor doch noch repariert werden kann
und wir somit ab heute Abend wieder auf der Straße sind. Letzteres hat sich
bewahrheitet: Apollo kündigte den Mietvertrag einseitig und wir drei, Vater,
Mutter, Säugling, säßen auf der Straße. Kein Auto, keine Unterkunft, kein Essen
(war ja alles im Wohnwagen). Für den Vermieter eine günstige Lösung, für uns
gelinde gesagt Scheiße hoch zehn. Die Begründung war, dass der Motor nicht mehr
repariert werden kann und Apollo kein anderes Fahrzeug mehr frei habe, um uns z
helfen. Das sei eine außergewöhnliche Sktuation und somit könne Apollo den
Vertrag kündigen. Für uns war das der Supergau. Eben noch herrlicher Urlaub,
Natur, Wildlife, Lagerfeuer und jetzt Hotel buchen und in Restaurants zum Essen
müssen. Wir fühlten uns veräppelt und verarscht. Aber was hilft's? Also
organisierten wir uns ein Hotel, das war wieder das Travelodge Mirambeena
Resort. Die Zimmer sind super, selbst die günstigen Motelzimmer. Es gibt zwei
Pools und eine nette Poolbar. Nur ein Tipp: bucht das Hotel nicht direkt beim
Hotel! Die Raten sind zu teuer. Bucht entweder über Onlineportale wie
Trivago.de oder booking.com, oder sucht einen günstigen Onlinepreis und zeigt
den dem Personal am Counter - angeblich dürfen die Euch erst dann die
günstigere Rate geben.

Den Tag an sich standen wir ja immer auf Abruf, also
blieben wir in der Nähe. Wir gingen morgens zur Waterfront, einem modernen
Viertel am Meer mit netten Restaurants und einem Wellenbad sowie einem kleinen
krokodil- und quallenfreien Strand. Wir frühstückten im Fiddlers Green, einem
Irish Pub. Das Essen war sehr solide und reichte bis in den Nachmittag hinein -
für uns ideal. Vestärkt wanderten wir die Esplanade entlang, am
Regierungsgebäude vorbei (Darwin ist Hauptstadt des Northern Territory) und mit
herrlichem Azsblick auf das Hafenbecken von Darwin, das doppelt so groß ist wie
komplett Sydney. Das nächste Tiel war der George Brown Botanic Garden. Der ist
sehr schön angelegt und weitläufig. Es gibt kleine Rundwege und viele
interessante Pflanzen. Was uns aber sehr beunruhigt hat, das waren due ganzen
Warnschilder vor Asbest. Bei Regen und Unwetter soll man aufpassen, weil dann
Asbeststücke im Park verteilt herumliegen. Bitte nicht anfassen. Bitte was!?!
Dieser sorglose Umgang mit hochgradig krebserregenden Material machte uns große
Sorgen und wir gingen wieder. Kurz danach kam dann der besagte Anruf vom
Autovermieter und der Rest des Tages war für uns gelaufen. Nur der Pool konnte
unsere Laune etwas aufheitern.


Herman Güldenhaupt Small

Rien ne va plus - Autopanne inklusive

Heute Früh haben uns unsere Campingplatznachbarn noch von
den Dingos erzählt, die nachts ums Zelt geschlichen sind und uns gewarnt, dass
wir gut auf Bennet aufpassen müssen. Mir war klar, dass ich eher auf meine
hunde- und wolfsbegeisterte Melanie aufpassen muss.

Nach Frühstück und Dusche dann ging es los. Oder auch
nicht. Wir wollten eigentlich den Rest von Litchfield sehen, aber plötzlich
leuchtete die Warnlampe für den Öldruck auf und während Melanie noch nachsah,
was das heissen soll, starb der Motor ab und es tat sich nichts mehr. Der Wagen
sprang auch nicht mehr an. Was tun? Wildnis um uns rum, vor Dingos gewarnt,
kein Handynetz ... Verloren! Goodbye Deutschland, byebye Leben! Zu allem Übel
fahren da ständig Autos vorbei und stören uns noch in unserer Misere. Aber
Moment - was, wenn .... Ja, klar. Natürlich haben wir ein Auto angehalten und
die haben uns sehr begeistert geholfen und eine Rangerin organisiert. Die war
zuerst gar nicht so davon angetan, uns nun auch noch außerplanmäßig helfen zu
müssen, aber sie tat es dann doch. Sie half uns, den Wagen von der Straße zu
schieben und organisierte ein Satellitentekefin, mit dem sie unseren Vermieter
anrief und Hilfe für uns anforderte. Kaum waren dann zwei Stunden vergangen,
war auch schon ein Mechaniker da. Das ist für Australien schnell, weil die
Distanzen hier ja doch etwas extremer sind. Der machte auch gleich die
Diagnose: der Motor ist im Eimer, weil zu lange kein Ölwechsel mehr gemacht
worden war. Na klasse... Er schleppte uns ab und brachte uns nach Darwin zum
Autovermieter, der von seiner Zentrale aber nicht informiert worden war, dass
da ein kaputter Wagen gebracht wird. Brav australisch hatten due um 16:30 Uhr
Feierabend gemacht. Nur eine Mitarbeiterin hatte die Arschkarte gezogen: sie
hatte uns am Nachhauseweg gesehen und hatte netterweise angehalten und uns
reingelassen. Abschlepper und Servicedame waren sich nicht ganz einig, wie es
denn weitergehen sollte, aber der Fahrer hatte da seine eigene Idee, lud den
Wagen ab und fuhr heim. Der Arme war da noch mindestens zwei Stunden unterwegs.
Die Dame versuchte uns so gut wie möglich zu helfen. In dem Fall war das ein
Hotelzimmer. Also packten wir das Nötigste ein und ab gehts nach Darwin.

Das ist ganz schön bescheuert, wenn man sich auf due
restlichen Tage mit dem Wohnmobil eingerichtet hat und dann sitzt man plötzlich
im Hotel fest, kann nicht mehr kochen, sondern muss ins Restaurant und kann
sich auch nicht großartig beschäftigen, weil der Ort nun auch nicht gerade groß
ist. Wir hoffen, dass uns der Vermieter morgen eine sinnvolle Lösung bieten kann.


Herman Güldenhaupt Small

Feuer im Freien - Litchfield Nationalpark

Morgens ging alles etwas träger von Statten. Bennet hatte
sich eine Erkältung eingefangen und so war die Nacht anstrengender als sonst
gewesen. Tagsüber war er aber wieder topfit und wir mussten uns keine Sorgen
mehr machen. Das feierten wir mit einem Großeinkauf in der Kakadu Bakery. Die
ist nämlich wirklich sehr lecker und da konnten wir nicht anders. Ich habe auch
extra für euch einen Krokodil Pie probiert. Das war der erste reine
Fleischfresser, den ich jemals gegessen habe. Wie es schmeckt? Besser als
Frosch, eher wie Hähnchen, auch vom Aussehen her gleicht das helle, faserige
Fleisch dem von Hühnern. Kann ich also nur empfehlen, solange es kein seltenes
Krokodil sondern eins von einer Farm ist.

Wir wollten eigentlich nach Ubirr fahren, der letzten
Ortschaft, bevor das für uns gesperrte Arnhemland beginnt. Aber ein Creek
machte uns da einen Strich durch die Rechnung. Das Wasser war über 600mm hoch,
also höher als unsere Reifen. Und der Fluss lief mit recht starker Strömung
über die Straße. Das war uns zu viel Risiko. Hier wollten wir nicht liegenbleiben.
Nicht in einem Fluss voller Krokodile. Also kehrten wir schweren Herzens um und
fuhren in Richtung Darwin weiter. Der obere Highway, der durch den Kakadu
Nationalpark führt, hat nicht so viel zu bieten, also weniger Wanderwege und
Lookouts. Die Landschaft selbst ist natürlich klasse - hier oben weniger
hügelig, dafür mehr flache Feuchtgebiete, also ein Paradies für Vögel, Angler,
Ornithologen und Krokodile, die sowas gerne fressen. Uns hatte es da eher ein
kleiner Wasserwaran angetan.

Wir tankten in Humpty Doo (ja, der Ort heißt echt so) und
erreichten abends unser Ziel, den Litchfield Nationalpark, einen der Top Parks
hier oben. Der erste Stop war bei den Magnetic Termites, das sind kleine
Baumeister, die ihre Hügel exakt nach Norden ausrichten. Von oben betrachtet
sehen die ca 2 Meter hohen Hügel wie Kompaßnadeln aus. Das ist nicht nur
praktisch, wenn man den Norden sucht. Nein, die Termiten machen das auch mit
gutem Grund. Durch diese Ausrichtung wird der Bau morgens und abends von der
Sonne an der breiten Seite getroffen und aufgewärmt. Wenn die Sonne aber
mittags im Zenit steht, dann fällt sie nur auf due dünne Stirnseite und hat nur
minimale Auswirkungen. Da wir hier dem Äquator nahe sind, gibt es keine
Jahreszeiten wie bei uns, die Sonne verläuft quasi immer gleich. Darum macht so
eine Vauweise nur hier Sinn. Schlaue Tierchen.

Unser Ziel war der Campingplatz an den Florence Falls. Der
Platz ist nett angelegt, jeder Gast hat seine eigene Nische und es gibt
Feuerstellen. Das sind viereckige, zur Vorderseite geöffnete Metallkäsren, die
an der Oberseite ein Gitter haben auf das man Eisenplatten klappen kann. Ohne
die Klappen hat man einen Feuerplatz, mit geschlossener Klappe hat man eine
ideale Grillfläche. Die Konstruktion ist simpel und Welt verbreitet. Man darf
im Park Feuerholz sammeln (natürlich nur tote Äste; Bäume fällen ist verboten).
Heute, kurz vor Ende, war unsere Premiere mit so einer Feuerstelle und wir
hatten ein festliches Abendessen. Auch wenn wir jetzt nach Rauch riechen -
solange es gequalmt hat, waren auch keine Moskitos da. Und es ist natürlich
herrlich, im Wald am eigenen Lagerfeuer zu sitzen und das selbst erworbene
Steak zu grillen.

Herman Güldenhaupt Small

Welcome to Aboriginal Land

Also ab in den Park. Eigentlich muss man einen Parkausweis
kaufen. Pro Person 25 $ für 14 Tage, ausgenommen sind alle unter 16 Jahren und
Bewohner des Northern Territorys. Nur gab es die Ausweise an der ersten Station
nicht, also sind wir erstmal ohne losgefahren. Wir fuhren zu zwei
Aussichtspunkten. Beim ersten musste man nicht so weit gehen, aber die Aussicht
war jetzt nicht so berauschend. Der zweite Aussichtspunkt, Mirrai, war auf
einem steilen  Berg oben, aber leider so
mit Bäumen zugewuchert, dass es für schöne Fotos nicht reichte, aber die
Aussicht auf die weiten, grünen Ebenen war dennoch beeindruckend, zumal am
Horizont die hohen Felsplateaus von Arnhemland in der Sonne leuchteten. Und ein
unerwarteter Vorteil: warum auch immer, aber auf dem Parkplatz hatten wir
Empfang. Mitten in der Wildnis. Genial!

Wir kauften unsere Tickets dann an der Informationsstelle
des Cooinda Resorts. Der Vorteil hier ist, dass man gratis den Pool benutzen
darf, und der ist echt klasse, schon fast wie aus einem Freizeitpark heraus,
nur dass er echt ist. Hier kann man sich schön erfrischen und es gibt auch ein schattiges, flaches Becken für Kinder. Wer Hunger oder
Durst hat, der findet sicher im Bistro etwas Passendes.

Unsere nächste Station war die Gegend um Nourlangie Rock und Nawurlandja Rock,
wo man auf einem Netz von Rundwegen etwas darüber lernt, wie die Aborigines
hier früher gelebt haben und durch die jahrtausendealten Wandmalereien lernt
man auch gleich etwas über ihren Glauben und die verschiedenen Schlüsselwesen
darin. Zuletzt gab es noch einen wirklich guten Aussichtspunkt von dem aus man
die Felsplateaus und die weiten Ebenen herrlich betrachten konnte. Etwas
ärgerlich ist nur, dass einige der Malereien wohl überarbeitet wurden, damit
sie wieder deutlicher zu sehen sind. Naja, vielleicht ist am Grabtuch von Turin
ja auch nu rein Kaffeefleck, den ein Künstler weiter verarbeitet hat …

Abends fuhren wir dann nach Jabiru, das Herz des Parks.
Die Ortschaft scheint sehr weitläufig zu sein, zumindest sieht man keine
Siedlungen. Wir checkten im Kakadu Resort ein, mit 40$ für eine powered Site
relativ teuer, aber die Anlage ist groß, gut gepflegt und im Zentrum gibt es
einen tollen Pool mit Bistro und Bar. Allein deswegen hat es sich schon
gelohnt. Eine Besonderheit hier im Kakadupark: Alkoholverbot. Nur Gäste in
Resorts dürfen Alkohol kaufen und trinken. Sonst niemand. Es darf auch kein
Alkohol an Einheimische weitergegeben werden. Wer die Alkoholiker in Katherine,
Kununurra oder andernorts gesehen hat, die wie Zombies wirken und vor den
Bottleshops herumlungern, der wird die Regel verstehen. Allerdings werden
dadurch die Rechte des einzelnen und vor allem die der Nichtalkoholiker
ziemlich beschnitten. Aber in dem Fall scheint es sinnvoll zu sein. Wir als
Touristen genossen jedenfalls unser Bier am Pool und das leckere Essen.

Herman Güldenhaupt Small

Croc-Alarm bei den Edith Falls und gorgeous Gorges bei Pine Cove

Tja, dumme Idee, die Wäsche draussen zu lassen. Nachts gab es einen kurzen Schauer und der durchnässte alle Klamotten wieder so richtig ordentlich. Verdammt! Aber zum Glück haben die Morgensonne und Melanies mühsame Umhängeaktion dafür gesorgt, dass bis zum Checkout um 10 Uhr alles wieder trocken war. Gerettet!

Diesmal schafften wir es, recht zügig loszukommen und so erreichten wir recht bald unser erstes Ziel: die Edith Falls im Nitmiluk Nationalpark. Das ist ein mehrstufiger Wasserfall, der sich in ein grosses Becken ergiesst. Normalerweise darf man da baden, zur Zeit aber nicht. Durch das gute Wetter schaffen es nämlich die Salzwasserkrokodile hoch bis in dieses Becken, das wegen der Kiesbänke besonders reizvoll sein dürfte. Man durfte aber weiter oben in ein Becken quasi über dem Wasserfall. Crocs schwimmen gut, sind aber im Klettern zum Glück eher Nieten. Wir wollten aber nicht
in der Hitze den Berg hinauf, also Pflichtfoto und weiter.

Pine Cove ist der nächste Ort nach Katherine. Eigentlich ist es unmittelbare Nachbarschaft, weil er nur 90 km entfernt ist. Ruhm hat der Ort durch einen kurzen Goldrausch erhalten und selbst heute ist hier noch eine Goldmine aktiv. Man kann hier recht günstig tanken und das ist auch die letzte Möglichkeit vor dem Kakadu Nationalpark.

Wir folgten aber erstmal dem Tipp einer Dame aus der Tankstelle und fuhren zur Warumburra Gorge. Achtung: 20 km Schotterpiste und zumindest zur Wet Season nur mit 4WD befahrbar. Also für uns genau das Richtige. Zur Gorge selber führt ein schmaler Wanderweg der später über große Steine geht, aber das Klettern lohnt sich: Links und rechts türmen sich hohe Sandsteinfelsen auf, dazwischen Sandbänke und halbwegs kühles, fließendes Wasser ohne Krokodile.
Herrlich! Es soll hier irgendwo Felsmalereien geben und ein Teil der Gorge soll bitte nur von Frauen betreten werden und man darf keine Fotos machen, da es sich um eine Ritualstelle handelt. Melanie hat tatsächlich eine Felsnische mit Handabdrücken gefunden, ich hab dafür einen Wasserwaran entdeckt. Der döste gemütlich in einer FElsspalte am Wasser, sort wo es so tief war, dass ich nicht mehr stehen konnte. Schlaues Vieh! :)

Schön erfrischt ging es dann weiter Richtung Kakadu Nationalpark, dem größten Park hier oben und er ist Aboriginal Land, auf dem Besucher erwünscht sind. Weiter östlich ist das Arnhem Land, hier darf man nur mit amtlicher Erlaubnis einreisen. Wir informierten uns, welche Gebiete befahrbar sind und welche wegen der Wet Season geschlossen
sind. Dann war es auch schon an der Zeit, eine Unterkunft zu suchen. Dabei hatten wir Glück: wir fanden einen Campingplatz, der noch nicht geöffnet hatte. Aber anstatt uns abzulehnen durften wir da umsonst campen. Mit allem Drum und Dran. Das war mal genial! Die Moskitos waren aber dermaßen schmerzhaft, dass wir vom Außenbereich
nicht viel mitbekamen.

Herman Güldenhaupt Small

Katherine und die heissen Quellen

Heute Früh lernten wir auf dem Platz Deutsche kennen, die mit einem Oldtimer unterwegs waren. Gut, einer lebt seit langem in Australien und will auch nicht mehr weg, aber dennoch war es wieder typisch: der kleinen Gruppe sind wir im Laufe des Tages immer wieder über den Weg gelaufen. Als nächstes zum Beispiel in Katherine in den Hot Springs. Wir kühlten uns wieder in dem warmen Wasser ab und da fällt ein lockeres Gespräch immer leicht.

Danach wollten wir eigentlich das Springvale Homestead besuchen, den ersten Hof den es hier im Ort gab, aber es war leider geschlossen. Also sind wir kurz Einkaufen gefahren (da haben wir die Deutschen wieder getroffen) und dann sind wir für die Nacht wieder in den Shady Lane Tourist Park. Wegen der gepflegten Anlage und den besten Amenities
der ganzen Fahrt. Von da an war Waschtag. Drei Maschinen waschen und auf der Wäscheleine aufhängen. Leider Waren wir zu spät dran und es trocknete nicht mehr am gleichen Tag. Also hängen lassen... Ob das eine so gute Idee war?

Katherine
Northern Territory, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Potzblitz! Gewitter über Timber Creek

Heute Früh waren Melanie und Bennet noch kurz auf einen Tee bei einem benachbarten Camper, den wir in El Questeo kennengelernt haben. Das war doppelt typisch, denn zum einen sind Australier extrem kommunikativ. Gerade mit einem Baby gibt es da ha auch ein wunderbares Einstiegsthema, aber auch so begrüßt man sich hier nicht ohne Grund mit der offenen Frage "how are you going?" Was aber noch viel typischer war: er ist ein Grey Nomad. Rentner in Australien sind noch extrem mobil und gönnen sich nicht selten noch einen fahrbaren Untersatz zum Reisen, sei es nun ein umgebauter Omnibus, ein Luxuscaravan, ein starker Geländewagen mit Wohnwagen und Boot oder - wie in Bobs Fall - ein selbst ausgebauter Van. Er fährt kreuz und quer durchs Land und wo es ihm gefällt, da schlägt er sein Lager aus, holt die Solarplatten raus, damit er Strom hat und ratscht mit seinen 7 Kindern, 16 Enkeln und einem Urenkel per Skype.
Bob ist jenseits 70, aber seine Freiheit lässt er sich nicht nehmen. Und damit ist er nicht allein. Die Grey Nomads sind in Australien häufig zu treffen und sicher auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Auch wenn sie sehr autark leben, so besuchen sie oft auch Regionen und Städte an die es Touristen vielleicht seltener verschlägt. Ein komplett anderes Konzept als bei uns.

Danach haben wir dann schweren Herzens den ersten Schritt Richtung Heimat gemacht und sind abgereist. Natürlich nicht ohne Proviant zu kaufen, Tanken und eine Mittagspause am Ord River, wo wir unser gesamtes restliches Gemüse gegrillt und gegessen haben. Völlig umsonst. Bei der Einreise von Western Australien ins Northern Territory wird nicht
jeder pauschal durchsucht. Nein, es gibt nicht mal eine Hinweistafel.

Dafür fuhren wir Kilometer für Kilometer auf eine monströse Gewitterwolke zu, aus der gewaltige Blitze die Brücke vom Weltall zur Erde schlugen und enorme Regengüsse herabstürzten. Nur nicht auf uns. Irgendwie fuhren wir über zig Kilometer immer am Rand der Unwetterfront entlang ohne nass zu werden. Erst in Timber Creek fuhren wir auf einen Berg hinauf um Fotos zu machen und da holte uns der Regen ein. Magisch war der Moment dennoch, wenn man den Regen und den Sprühnebel wie eine Wand auf sich zukommen sieht. Das wurde dann immer schlimmer, je näher wir unserem Campingplatz, dem Big Horse Campground kamen. Wir schafften es irgendwie in den Wohnbereich des
Wagens und da blieben wir dann auch, gebannt den Urgewalten aus Donner, Blitz und Regenguss lauschend.

Timber Creek
Northern Territory, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Einmal Überflieger sein und dann Touristen bespucken


Und wieder ein früher Start in den Morgen. Diesmal ohne Zeitzone, sondern mit Wecker. Babywecker. Pünktlich gegen halb sechs war Bennet wach. Die Sonne schien ja auch schon. Es war uns also ein Leichtes, bis 8:30 Uhr fertig für den Flug zu sein.

Am Flughafen gab es erst mal eine kleine Einweisung in die Flugroute und die Sicherheitsregeln, dann ging's ab ins Flugzeug. Umständliche Treppen oder so wie bei Jumbojets gab es nicht - man steigt einfach so direkt ins Flugzeug, in unserem Fall eine Cessna 207, Platz für 7 Personen. Also Kameras raus, Aufregung hoch und los ging's. Wir hatten mit dem Wetter richtig Glück. Es gab zwar einige Wolken, aber schlecht wurde das Wetter erst nach dem Flug. Wir konnten die Highlights der Kimberley Region bei bester Beleuchtung geniessen. Das war zuerst der Lake Argyle, der von oben betrachtet weitaus gewaltiger ist, als es der Ausblick vom Campingplatz aus jemals erahnen ließ. Ich hatte die Seekreuzfahrten zuerst noch belächelt, aber jetzt muss ich ansagen, dass da schon sehr viel See draußen wartet. Gut, ich musste Melanie im Nachhinein Recht geben. Der Lake Argyle ist offenbar tatsächlich fast doppelt so groß wie der Bodensee.

Direkt beim See ist auch die größte Diamantmine der Welt, allerdings werden dort fast nur Industriediamanten gefördert. Die Ausbeute an Schmucksteinen ist eher gering und die die gefunden werden sind eher winzig. Dafür gibt es hier pinke Diamanten, wohl eine Besonderheit. Ich fand es erstaunlich, dass die Ureinwohner diesem gewaltigen Tagebau  zugestimmt haben. Naja, sie profitieren finanziell davon, allerdings wird ein kompletter Berg abgetragen, zerstückelt und als graue Halde abgelagert. Schön ist anders.

Wenden wir uns lieber angenehmeren Dingen zu. Das nächste Ziel waren die Bungle Bungles (nein, das ist nicht die Band aus den 80ern mit dem Hit "Eternal Flame") im Punululu Nationalpark. Durch den Wind aus der nahen Wüste wurden die Sandsteine rund gefräst und Bakterien haben dann die verschiedenen Schichten der Felsen eingefärbt. Dadurch sind sie rot und schwarz gestreift und erinnern etwas an Bienenstöcke. Die Felsen und die tiefen Schluchten sehen schon sehr schön aus und sind eine der Hauptattraktionen. Wir fanden die Weite und die wilde Landschaft
einfach gewaltig beeindruckend.

Quasi auf dem Rückweg überflogen wir El Questro, der von hier oben noch malerischer in die Berge eingebettet aussieht und weiter ging's nach Wyndham, dem nördlichsten und heißesten Ort von Western Australia. Hier treffen
fünf Flüsse aufeinander, bevor sie ins Meer fliessen. Von oben sieht das schon recht beeindruckend aus. Scheint vor allem bei Krokodilen und Vögeln beliebt zu sein.

Nach der Tour sind wir noch ein wenig in Kununurra unterwegs gewesen. Wir waren in der Zebra Rock Gallery. Der kleine Laden hat sich auf einen ganz besonderen Stein von Lake Argyle spezialisiert, der auch nur dort vorkommt. Er ist interessanterweise schwarz bzw braun-weiss gestreift und wird hier zu allen möglichen Formen geschliffen. Vom
Steinschmuck bis hin zum großen Zebrarockzigarrenascher ist alles drin. Gegen eine Goldcoinspende (damit sind ein oder zwei Dollarmünzen gemeint; ist hier vielerorts ein gängiger Ausdruck) kann man den Laden besichtigen, oder den großen Garten genießen oder - und das fand ich am Besten - vom hauseigenen Bootssteg aus die Fische füttern. Boah, gähn, Fische füttern ... Hat der denn noch alle Tassen im Schrank!?! Ja, hat er. Die Catfish und Karpfen sind relativ öde, aber es gibt hier Archerfish. Die dürften auf Deutsch Schützenfische heiße und das mit gutem Grund. Sie haben sich darauf spezialisiert, Insekten von Blättern zu spucken und so ins Wasser zu befördern. Das ist dann auch das Ende der Insekten. Dabei können sie offen ar ganz gezielt die Lichtbrechung durch das Wasser berechnen, denn da wo sie die Insekten sehen, sind sie ja nicht. Das geht uns ja andersrum genau so. Nehmt mal einen Stock, sucht euch ein
Ziel unter Wasser und versucht es direkt zu treffen. Dann merkt ihr, was der kleine Fisch da leistet.

Wir stehen da also am Jetty, werfen Brotbrösel ins Wasser und plötzlich werde ich angespuckt. Zuerst denkt man sich, da kommt wohl Regen auf. Wetter war aber gut. Dann trifft mich wieder ein Wasserstrahl. Ne, Bennet ist trocken... Und da dämmert's: die Archerfish wollen auch Brot haben und da machen sie das, was sie auch in der Natur machen:
sie spucken das Ziel an. Treffsicher. Das war eine Fetzengaudi, weil unsere Fische in Deutschland so was Cooles nicht drauf haben. Nur die Heringe. Die verständigen sich durch Furzen. Aber sonst ... Wir haben also Brotkrümel hochgehalten und sofort haben so 5-7 Fische sehr treffsicher losgespuckt. Angeblich treffen sie eine Fliege auf
bis zu 3 Meter genau. Coole Fische! Wär doch nen super Aquariumfisch!

Ansonsten aber haben wir noch Postkarten gekauft, geschrieben und bei der Post abgegeben. Es ist erstaunlich - da hat man fast drei Monate Zeit, aber die Karten verbummeln wir fast komplett und vermutlich sind wir eher daheim als die Karten...

Übrigens ist hier ein Getreide namens Chia gerade voll der Renner. Das wächst nur in besonderen Breitengraden und enthält unter anderem sehr viel Omega 3. Das haben wir auch gleich mal gekauft und werden es Bennet unter den Brei mischen. Kann ja nicht schaden. Ansonsten hat ja nur Fisch so viel Omega 3, schmeckt aber nicht so gut im Griesbrei.

Dann sind wir noch in den Mirima Nationalpark gefahren, der grenzt direkt an Kununurra an und ist eine Art Mini-Bungle Bungles. Ganz nett, vor allem hat man einen guten Ausblick auf due Umgebung. Apropos ... Den farbenfrohen Sonnenuntergang haben wir von Kellys Knob aus genossen. Hier gibt es einen Viewpoint mit optimaler Sonnenuntergangssicht. Quasi ein Geheimtipp.

Wir haben wieder in unserem Kimberlyland Caravanpark eingecheckt und ich habe abends noch einmal eine begeisterte Runde am See entlang gedreht, Krokodilspotting. Wo sonst kann man mit nur einer Taschenlampe bewaffnet losziehen und Urechsen besuchen? In Deutschland würde man alle Krokos erschießen und den See
sicherheitshalber zubetonieren. Hier stehen nichtmal Warnschilder. Jeder kennt das Risiko, jeder ist für sich selbst verantwortlich. Basta. Das Leben ist viel freier, wenn man selber entscheiden darf.

Kununurra
Western Australia, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Geländewagenabenteuer in herrlichsten Gelände - El Questro Wilderness

Dank der Zeitumstellung waren wir auch heute wieder extrem früh wach. Aber das hatte ja auch wieder was Gutes - der Tag war länger. Wir fuhren also los in Richtung Wyndham und die Landschaft links und rechts und vor der Motorhaube war schon klasse. Dann aber ging's auf die Gibbs River Road und die Berge, Buschsteppen, Baob Trees und das ganze
Zusammenspiel mit Wetter und Wolken war einfach majestätisch. Wir fuhren in die privat betriebene El Questro Wilderness. Eine Person zahlt am Tag 8 $, das ist aber absolut in Ordnung, weil das Gebiet riesig ist. Aber Vorsicht: Vierradantrieb absolut erforderlich, zumindest zur Wet Season, weil man mehrere Bäche und sogar einen Fluss durchqueren muss. Da erreichen normale Autos schnell ihre Grenzen.

Zuerst wanderten wir in die Emma Gorge. Ehrlich - das ist nichts für Kleinkinder! Der Weg ist nicht lang, aber er führt ab einem Bach entlang das Tal hinauf und teilweise muss man wirklich über große Gesteinsbrocken klettern oder von Stein zu Stein über den Bach balancieren. Echt kein Vergnügen, wenn man ein Baby an Bauch oder Rücken geschnallt hat, das ist zu gefährlich. Wir gaben auf halber Strecke als Gruppe auf und ich eilte stereotyp als Bayer den Berg elegant wie eine Gemse hinauf. Denn oben gibt es einen Wasserfall und eine gewölbte Felswand. Da kann man baden und es ist sehr hübsch da oben. Aber Achtung! Die Wanderstrecke ist nur von morgens bis mittags geöffnet!

Das grössere Gebiet ist ein Stück weiter bei der El Questro Station. Es gibt ein Resort und einen Campingplatz. Ehrlich - wir haben uns geärgert, dass wir nicht hier eingecheckt haben. Dem zahlenden Urlauber ist hier einfach alles geboten und das ist auch das Ziel des Betreibers. Hubschrauberflüge, Ausreiten, Angeln, 4WD Abenteuer, Wandern, Hot
Springs, Chillen, Boot fahren, privater Campingplatz, ... Es ist der Hammer. Wir aßen lecker zu Mittag. Leider waren fast alle 4WD Strecken gesperrt, aber die die frei waren, haben uns und das Auto ordentlich gefordert, aber es hat einfach nur noch Spass gemacht. Wir haben einen richtigen Fluss durchquert und einen Steilhang erklommen. Die Aussicht von oben war atemberaubend. Wildnis pur - genau das, was der Park verspricht. Aber zugleich bietet er die Sicherheit, dass die Strecken kontrolliert werden und man im Notfall nicht wirklich aufgeschmissen ist. Wir waren hellauf begeistert und El Questro war definitiv ein Highlight der Reise. Und das Privathaus des Besitzers ... Aber Hallo! Aber das hat er sich verdient! Bei der tollen Landschaft freuten wir uns sogar auf den Heimweg, weil wir die Berge dann im Abendlicht ansehen konnten.

Kununurra
Western Australia, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Kimberley Region - hier sind wir!


Heute früh war für uns noch früher - wegen der neuen Zeitzone. Das hatte aber in diesen Fall einen handfesten Vorteil: während die anderen Gäste langsam wach wurden, waren wir mit unseren Morgenprozeduren durch und hatten noch reichlich Zeit für den Pool. Wir waren die ersten Gäste und tauchten ein ins jungfräuliche Nass, mit augenbetörendem Ausblick raus auf den See. Einfach herrlich! Daran kann man sich gar nicht satt sehen, auch nicht bei der Fahrt runter
Richtung Damm mit den verschiedenen Aussichtspunkten. Unten am Ord River, der hier aufgestaut wird und hinterm Damm den See wieder verlässt, da ist nicht nur ein klasse Tal, sondern wir sahen unser erstes Freshie. Was das ist? Freshwater Crocodile! Sie sind mit ca 1 - 1,5 m recht handlich und sind zierlicher als die großen Salzwasserkrokodile. Sie stehen mehr auf Fisch und Insekten, vielleicht noch Amphibien. Aber obwohl es im See knapp 35.000 Krokodile geben soll, gab es noch keinen einzigen Angriff auf Menschen. Gut, der aufmerksame Beobachter mag jetzt bemerken, dass der Zugang zum See extrem begrenzt ist und die scheuen Krokos kommen gar nicht erst in Kontakt mit Menschen. Aber auch so sind Freshies eher zurückhaltend. Was wir schon ein paar Mal gehört haben ist "die fressen nicht mal Hunde". Also ehrlich - solche Softies! Die Australier baden also auch in Freshiegewässern, ich find's dennoch gruselig.

Unser nächstes Ziel ist Kununurra, der nächste Ort und so das Tor zu der Kimberley Region. Hier erfahren wir, dass auch in der Ecke hier viele Straßen, Schotterpisten und Parks wegen der Wet Season bis auf weiteres geschlossen sind. Also ist die Ecke hier eine Sackgasse für uns. Aber deswegen gleich in die Luft gehen? Logisch! Wir haben ein
Flugzeug gechartert und am Mittwoch heben wir ab und fliegen über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Region. Und zu sehen gibt es hier eine ganze Menge! Also Kameraakkus aufladen - hier wird jedes bißchen Kapazität benötigt!

Hier in Kununurra besichtigten wir noch die Hoochery. Das ist eine Distillerie, die Rum herstellt. Dazu tauscht sie sich rege mit anderen Brennereien weltweit aus, das Gemeine ist nur: sie darf nur an Touristen verkaufen, aber nicht an Einheimische. Das erlaubt das Gesetz nicht, zum Schutz von Teilen der Bevölkerung, die den Alkoholkonsum
nicht unter Kontrolle haben. Wir können den Laden aber nur wärmstens empfehlen. Supernettes Personal, preiswertes Tasting verschiedener Rumsorten (Single Barrel, aged, blended, white) und wer nicht so auf den Rum selber steht, der findet im Café leckeren Rumkuchen und guten Kaffee. Wir fanden es toll hier und ein schönes Andenken habe
ich auch gekauft.

Abends checkten wir im Kimberleyland Caravanpark ein und genossen die Abendstimmung. Naja, besser gesagt Spannung pur. Denn der Park liegt direkt an einem See und hier leben zahlreiche Freshies. Dass dem so ist, davon kann man sich abends überzeugen. Man muss nur mit einer starken Taschenlampe am Ufer entlang gehen, und wenn da ein, zwei Punkte so rot oder orange reflektieren, dann ist da eins. Die liegen auch direkt am Ufer im taunassen Gras. Die meisten fliehen sofort, aber ein paar kann man sich im Lichtkegel ansehen. Aber bitte nicht nah rangehen! Wenn sie sich bedroht fühlen, können sie auch angreifen. Soviel Krokodilehre haben sie sich dann aus den Urzeiten dennoch bewahrt.

Kununurra
Western Australia, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Lecker geil, der Lake Argyle

Vorab Entschuldigung für den Titel, aber der trifft's ganz gut. Dazu aber mehr später.

Zunächst aber sind wir nach der anstrengenden Nacht früh aufgestanden, weil wir noch bei halbwegs normalen Temperaturen frühstücken wollten. Duschen ging leider nicht, weil unser Wassertank leer war. Äh, ja, wir haben einen geländetauglichen Campingwagen mit integrierter Außendusche. Warum? Weil's toll ist! Das tröpfelnde Rinnsal reichte
aber gerade noch für Bennet, der dem kalten Wasser eher ablehnend gegenüber stand.

Der erste Besichtigungspunkt war der Gregory Tree. Was das ist? Ich erzähle es jetzt mal aus der Sicht der Schilder vor Ort, danach wie ich darüber denke.

Offizielle Variante: der kühne Forscher und Entdecker Augustus Gregory kam hier mit seinen Männern an und errichtete unter alten Baobabbäumen eine Station. Hier warteten sie auf mehr Ausrüstung, was sich leider
verzögerte, weil die Zugpferde beim Abladen ertranken. Dafür kann man aus den Bäumen gut Möbel und Pferdetränken basteln. Stören tun da nur die Ureinwohner, die sich immer mal wieder zeigen. Ein Kollege aus dem Trupp schneidet in den dicksten der Bäume Ankunfts- und das ersehnte Abreisedatum. Heute, etwas mehr als 150 Jahre nach diesem denkwürdigen Ereignis, ist der Baum ein wichtiges Denkmal für die frühen Pioniere.

So, und jetzt meine Meinung ... Zigtausende von Jahren hatten die Ureinwohner Australiens ihre Ruhe, waren eng mit dem Land verbunden und lebten nicht nur von, sondern auch im Einklang mit der Natur. Heiligtümer sind nicht nur Landschaften oder Berge, sondern gerade auch besondere Bäume können heilig sein, wie zum Beispiel die uralten Baobab am Ufer des Victoria Flusses, der bis gerade eben noch komplett anders geheissen hat. Und dann kommt da dieser Heini im Namen irgend einer komischen Königin von weit weg an und richtet sich auf dem heiligen Platz häuslich ein. Alle Warnungen der Krieger ignoriert er. Immerhin finden hier ja Zeremonien statt, aber jetzt nicht mehr. Sie schänden den heiligen Ort, fällen heilige Bäume um daraus Tiertränken zu bauen. An einem Fluss! Kein Wunder, dass sie auch zu blöde sind, Pferde von einem Boot zu bekommen. Übrigens werden genau die verwilderten Nachkommen der Siedlerpferde jetzt als Plage betrachtet, wie so ziemlich alle anderen Tiere auch, die sie mitbrachten. Jedenfalls schänden sie das Heiligtum und ritzen in den wichtigsten Baum auch noch irgendwas rein, nach dem Motto 'ich war
hier'. Und was haben sie 150 Jahre später dazu gelernt? Rein gar nichts - der Baum wird sogar noch nach dem Typen benannt! Also sagen wir mal, ich fahre nach Rom und quartiere mich im Petersdom ein. Ich veranstalte da ein übles Metallonzert (ich weiss, das ist albern, weil die Akkustik ungeeignet ist)
und wir verwüsten den Laden ordentlich. Ein paar Priester stehen dumm rum, tun aber nichts. Was sollen sie denn auch machen? Gewalt ist old school, sie sind aber Neues Testament.  Morgens wachen wir verkatert auf und irgendwer hat nen Affen an das Kreuz gebunden. Wir
lachen prächtig darüber, trinken gegen den Brand Weihwasser und sprühen noch lustige Nachrichten ans Portal (Römer geht nach Hause), ehe wir verschwinden. Heißt der Petersdom ab da dann Hermansdom? Wohl eher nicht...

Wir reisen weiter und es warten noch zahlreiche malerische Sandsteinfelsen und ganze Klippen und Riffe auf uns. Was für eine herrliche Gegend! An der Grenze zu Western Australia werden wir am Grenzposten ordentlich gefilzt. Wonach? Drogen, Zigaretten, Alkohol, Waffen, Pornos? Nein, viel schlimmer: Obst, Gemüse und Honig. Wer schmuggelt, muss bis zu 5000 $ Strafe zahlen! Wir werfen Knoblauch und Honig weg und sind clean. Zumindest finden die Beamten nichts
Verdächtiges. Ja, das Land gibt sich Mühe beim Schutz der Landwirtschaft und ich kann es auch verstehen: wenn es hier bestimmte Schädlinge schlichtweg nicht gibt - warum soll man sie sich ins Land holen?

Danach fahren wir in Richtung Lake Argyle, das ist ein Stausee der im Maximum etwa doppelt so groß ist wie der Bodensee. Eingebettet ist er in ein wundervolles, rotes Sandsteingebirge.

Die erste Station ist das Argyle Downs Homestead, eine Rekonstruktion der Farm des Landbesitzers, dem das geflutete Tal vorher gehört hat. Patrick Durback, Sohn irischer Einwanderer hatte hier riesige Ländereien (über eine Million Hektar) und er hat eine riesige Rinderherde von über 7000 Tieren von Queensland hierher umgesiedelt. Die Herde war damals 2,5 Jahre unterwegs. Er ist also eine Symbolfigur für den Pioniergeist der damaligen Zeit. Sein Enkel hat
die Ländereien dann fluten lassen um den größten Stausee Australiens zu schaffen und dadurch der Landwirtschaft hier ein sicheres Standbein auch in den Trockenzeiten zu garantieren. Und nebenbei wurde eine herrliche, malerische Landschaft inmitten von Bergen geschaffen. Das Klima ist angenehm und der Campingplatz genial. Es gibt den Infinity Pool, der so angelegt ist, dass man auf den See hinausblicken kann. Natürlich gibt es schon wieder eine Zeitumstellung, hier in WA, was unseren Tagesrythmus wieder durcheinander bringt. Aber den restlichen Tag entspannen wir herrlich.

Hier gibt es übrigens Bower Birds. Das sind recht pfiffige Vögel, bei denen das Männchen quasi der Innenarchitekt vom Dienst ist. Er errichtet aus kleinen Ästchen eine Bühne (ein Bogen Links, einer rechts) und räumt den Platz darum penibelst auf. Dann sucht er, je nach Gattung, Gegenstände mit einer bestimmten Farbe. Dieser Vogel hier sammelt weiss und grau, aber es gibt auch Bower Birds die blau, grün oder rot stehen. Die Umworbene begutachtet seine Sammlung. Ist alles optimal, dann ist der Partner für die Saison gefunden. Wenn nicht, muss er nachbessern. Lustige Vögel. Bei uns Menschen ist das genau anders rum. Das Weibchen sucht sich ein Männchen und räumt dann dessen Wohnung komplett um. Auch das ist ein wichtiger Test für die künftige Beziehung. ;o)

Lake Argyle
Western Australia, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Park der geschlossenen Straßen

Morgens, nachdem uns erfreulicherweise weder die Dingos gefressen noch das Buschfeuer verbrannt hatte, zu den beiden Wasserfällen am Flora River gewandert. Um es kurz zu fassen: die Kathleen Falls sind beeindruckender. Gerade jetzt zur Wet Season führt der Fluss deutlich mehr Wasser und da blubberte und plätscherte es an allen Ecken. Überall waren kleine Wasserfälle, eingebettet in eine wilde, tropische Landschaft. Das Wasser war verlockend, frisch, im Schatten der Bäume. Man darf nur eines nicht vergessen ... Krokodile! Ja, auch hier. Immer schön vom Ufer fernhalten, egal wie gerne man Fotos macht oder sich mal eben abkühlen möchte. Oder wollt ihr wie Bernd das Brot aus dem Urlaub zurück kommen?

Unser nächstes Ziel war der Gregory Nationalpark, ein riesiges Gebiet mit sagenhaften, roten Sandsteinbergen, am Victoria River gelegen. Wer braucht den Grand Canyon, wenn man hier sehr ähnliche Formationen hat. Es gibt ein weitläufiges Netz an 4WD Tracks über mehrere hundert Kilometer, zahlreiche Campgrounds und viel Wildnis. Hier
tauchten auch wieder die Baobab Bäume auf, nur viel häufiger, knorriger und es gibt richtig massive, alte Exemplare. Herrlich! Wir tankten noch schnell nach und waren bereit für das 4WD Abenteuer. Nur ... Das Abenteuer war für uns noch nicht bereit. Nach den Fluten des Sommers müssen die Straßen hier erst wieder hergerichtet werden. Es waren alle Routen gesperrt, nur die Plätze direkt am Victoria Highway, die waren geöffnet. Also fuhren wir zum
Policemans Point, einem herrlichen Aussichtspunkt auf Victoria River und die Tafelberge, inklusive einer Bootsrampe. Damit wäre geklärt, was die Polizei hier so macht. Danach fuhren wir selber auf so einen Berg und hatten eine geniale Aussicht auf die Täler und Berglandschaften. Schon eine sehr schöne Ecke, hier.

Wir bezogen dann auch Quartier auf einem Campground im Nationalpark. Der Platz war nett angelegt und hier wuchsen zahlreiche Baobab, die im Abendlicht besonders schön anzuschauen waren. Dadurch, dass die Stämme der Baobab sehr glatt sind, schimmern sie schön im letzten Licht des Tages. Hier waren wieder Nacktaugenkakadus und andere neugierige Vögel. Doch - ein netter Platz, nicht nur, weil er mit 3,30 $ pro Erwachsenen auch die billigste, bezahlte Übernachtung dieser Reise war.

Die Nacht war dennoch grausig, weil nicht das leiseste Lüftchen wehte und es dauerte ewig, bis es endlich auch im Wagen kühler wurde. Wenn man da so in seinem Schweiss liegt, das Bettlaken trieft, man ist wach, kann aber kein Licht anmachen, weil sonst unzählige, winzige Fliegen durchs Insektengitter kommen; wenn man da also so liegt, dann
kommt schon mal Sehnsucht nach dem deutschen Zuhause auf, das man vor zwei Monaten hämisch lachend verlassen hat. Ja, also zum Schlafen ist es daheim schon sehr schön...

Timber Creek
Northern Territory, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Abkühlen in den Hot Springs

Wenn's am meisten Spaß macht, soll man gehen. Der Campground war echt toll, aber wir waren wieder unternehmungslustig und so zog es uns raus in die Ferne. Naja, nicht ganz so fern. Zuerst war der Nitmiluk
Nationalpark dran, großartige Sandsteinschluchten, die aber wegen der Wet Season größtenteils gesperrt sind. Gut, zu den meisten muss man so oder so wandern, was mit einem Kleinkind problematisch ist. Nicht nur wegen der Länge der Strecken, aber erst recht wegen der Hitze die sich entwickelt und wegen oft gefährlicher Pfade am Abgrund entlang. Das Besucherzentrum ist gut gemacht und es gibt hier Schifffahrten, Helikopterflüge und zur Saison auch Badebereiche und Kanutouren. Eigentlich ist für jedes Budget etwas dabei. Wandern ist umsonst, also gingen wir vom Picknickplatz aus hoch zum Lookout, wo man erwartungsgemäß eine klasse Aussicht hat. Was ich bei den Sandsteinen interessant fand war, dass in den Stein Kiesel eingefasst waren. Daran kann man die Entstehung dieser Felsen noch weitaus
besser nachvollziehen. Hier wurde vor Jahrmillionen der Sandboden eines urzeitlichen Meeres durch Druck zu Stein verformt. Irgendwann landete der Fels dann in die Höhe (ein schönes Sinnbild übrigens für die Tiefen des Lebens auf die nach diesem Terraformingurgesetz ja nur Spitzenzeiten folgen können). Tja, und der Fluss, der hat die
schöne Aufgabe, wie ein Steinmetz dem Felsen tolle Täler und Formen zu entlocken.

Unten am Fluss ist übrigens wieder eine Flughundekolonie, was man deutlich am Lärm und dem Gewedel der Flügel gegen die Hitze bemerken kann.

Wir hatten genug geschwitzt und fuhren zu dem Ort in Katherine, wohin es alle zum Abkühlen zieht: die Hot Springs. Ja, das hört sich blöd an, aber wenn die warmen Quellen weniger heiss sind, als die Außentemperatur, dann kann man sich gefühlt abkühlen. Das ist hier besonders nett, weil die Badebereiche wie ein Bach durch ein Tal verlaufen, mit Schatten und tropischer Vegetation. Herrlich!

Uns drei zog es aber weiter raus, also ab auf die Straße nach Kununura, nach so 100 km rechts abbiegen und nach 46 km Schotterpiste ist man da: Flora River Nationalpark. Es wurde gerade dunkel, als wir ankamen, aber ich meine, ich hätte da einen Dingo gesehen. Wir waren natürlich sofort freudig erregt, aber da da auch Kängurus rumsaßen,
hatte ich mich vielleicht auch geirrt. Es roch hier nach Buschfeuer und Melanie hatte wohl an der anderen Seite des Flusses Feuer gesehen. Der Campingplatz war total verlassen (bis auf ein Zelt) und die Toiletten mit Duschen technisch super, aber so ungepflegt und dreckig, dass es ein Graus war. Also folgten wir unseren Urinstinkten als Eltern und machten erstmal Essen. Das ungute Gefühl spülten wir mit Bier runter. Seltsam war's nur, als die Zeltbesitzer kamen, in
einer Windeseile das Zelt abbauten und verschwanden. Beim Vorbeifahren sahen sie uns noch seltsam an. Prost! sagten wir uns. Die Sterne waren herrlich hier draußen und der Wind wehte von uns weg, also war es unwahrscheinlicher, dass das Feuer zu uns kam. Als Melanie ins Bett ging, da wollte ich draußen bleiben. Ein Mann, ein
Bier, Millionen von Sternen. Eine Einheit, von Urzeiten so geformt. Nichts kann sie trennen, keine Macht der Welt unter- ... Ach ja, als die Dingos zum ersten Mal heulten, war ich in Rekordgeschwindigkeit im Auto. Nein, Dingos sind nicht gefährlich. Aber bei mir muss ja nicht das erste Mal sein, wo ein Biologe sagt: Ooops, die Theorie war wohl falsch...


Herman Güldenhaupt Small

Immer schön langsam - Chillen in Shady Lane

Wir haben uns heute Morgen einstimmig dazu entschieden, noch einen Tag zu bleiben. Gute Entscheidung! So ein Morgen verläuft dann doch wesentlich entspannter. Frühstück fiel aus, dafür haben wir uns lange mit Junior beschäftigt, den der Ruhetag so sehr aus dem Konzept geworfen hat, dass er tagsüber fast überhaupt nicht schlief. Aber damit war er total happy. Mittags dann Frühstück. Da bekam Bennet ein Vegemite-Toast, das er schon genoß. Danach war
Waschtag angesagt und die Wäsche kam zum Trocknen in die pralle Sonne - kein Trockner der Welt trocknet schneller. Wir gönnten uns dafür ein Entspannungsbad im Pool, der angenehm leer und kühl war.

Abends dann Shoppen in Katherine. Naja, Vorräte auffüllen, sprich, alles was draußen abseits der Zivilisation wieder überteuert ist. Wasser, zum Beispiel. Nur bei Obst und Gemüse passen wir auf, denn wir werden vermutlich nach Westaustralien fahren und dort gibt es wieder zahlreiche Quarantänebestimmungen für Obst und Gemüse. Und bevor
wir wieder alles an der Grenze vertilgen müssen, da kaufen wir doch lieber etwas intelligenter ein.

Ansonsten hat der Tag aber nicht viel Action gebracht - wir können also keine Aktivitäten empfehlen, außer gepflegter Inaktivität. So ein ruhiger Tag muss einfach zwischendurch sein. Entschleunigung. Das ist nicht nur wichtig für die Kinder, sondern auch für die Eltern. Wenn man immer nur von einem Punkt zum nächsten hetzt, geht leicht die Hauptfunktion eines Urlaubes verloren: die Erholung. Also ruhig mal eine ruhige Kugel schieben - das nächste Abenteuer steht sicher schon in den Startlöchern!

Katherine
Northern Territory, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Bitterschön

Die Nacht war überraschend kühl und wir haben eigentlich ganz gut geschlafen. Entsprechend entspannt starten wir dann weiter nach Norden - natürlich nicht, ohne auch etwas im Pub zu hinterlassen. Das gehört einfacjh dazu. Melanie tackert über der Theke eine Visitenkarte fest. Dann geht's aber los. Unser Ziel mittags: Mataranka, ca 170 km weit weg. Hier gibt es einen kleinen Nationalpark und viele Quellen. Auf dem Weg dahin passieren wir zahlreiche Termitenhügel, die hier imposante Höhen erreichen und lustig knubbelig aussehen. Und gerade hier zeigt sich eine weiteres Hobby der Australier: Termitenhügel bekleiden. Da stehen dann mannshohe Termitenhügel mit Zipfelmütze, Fliege, T-Shirt, Perücken, Badeanzug oder Morgenmantel. Sogar ein Abendkleid und ein kleiner Auserirdischer waren darunter. Sehr einfallsreich!


Wir hingegen fahren in Mataranka zu den Bitter Springs. Das sind glasklare Wasserpools, die von Quellen gespeist werden. Irgendwie ist es magisch: man läuft durch einen tropischen Wald, dann ist da der klare Bach vor einem, 33 Grad warmes Wasser, das einem bei knapp 40 Grad Mittagshitze herrlich erfrischend vorkommt. Übrigens kein
Thermalwasser, sondern nur warmes Wasser. Australien ist halt einfach schon aufgeheizt. Der Bach ist von Palmen und Wasserlilien gesäumt und hat eine leichte Strömung. Man kann sich also einfach treiben lassen und Wasser wie Landschaft geniessen. Ach ja, es bleibt vielleicht zu erwähnen, dass man keine Angst vor Wasserpflanzen und
handtellergroßen Spinnen haben sollte. Denen gefällt es hier nämlich ebenfalls außerordentlich gut dort.


Nach drei Stunden Pause fast allein in diesem kleinen Paradies fuhren wir weiter nach Katherine, einem verhältnismäßig großen Ort nahe des gleichnamigen Nationalparks. Dort gibt es zahlreiche Sandsteinschluchten, die man erkunden kann - nur nicht zur Zeit. Da sind alle bis auf eine gesperrt und dort darf man auch nicht schwimmen, weil bei den Krokodilen Paarungssaison ist, da sind die Männchen besonders aggressiv. Das leuchtet ein, vor allem mir. Zum Zweck der Paarung einen auf dicke Hose machen - das kann man in Düsseldorf gerade auf der Bolkerstraße besonders am Wochenende sehr häufig beobachten.

Wir suchten uns einen Camperpark leicht außerhalb vom Katherine (Shady Lane, ca 6 km bis Zentrum) und hatten einen tollen Abend im Pool und am Grill. Ja, so läßt sich die Hitze leichter ertragen... Übrigens sind die Amenities (Toiletten und Duschen) die besten, die wir die letzten 2 Monate benutzen durften. Sehr modern, top gepflegt und
sauber. Hut ab!

Katherine
Northern Territory, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Expect the unexpected


Heute Früh haben wir gleich mal das Auto voll aufgetankt und ausreichend Trinkwasser und Windeln eingekauft. Damit wären dann alle Grundbedürfnisse erfüllt. Dann statteten wir noch dem lokalen Aboriginal Art Center einen Besuch ab.
Die Bilder sind mit viel Begeisterung gemalt und für einen guten Zweck kann man hier allemal einkaufen. Aber ich glaube, echte Kunstwerke wird man hier nicht finden. Aber wie gesagt: den Leuten hier hilft es und ich habe hier sich viele interessante Ideen gesehen, wir man die Kunst weiter vermarkten kann. Also einfach mal reinschauen.

Dann ging's endlich los. Wir wollten noch bei der Station in Lorella Springs anrufen, due wir uns als gemütliches Tagesziel gesetzt hatten, aber es gibt hier einfach keine Münztelefone und eine Telefonkarte haben wir nicht. Wäre vielleicht auch mal eine sinnvolle Investition...

Also ab ins Abenteuer. Jubelnd hoppelten wir den Feldweg entlang und wir freuten uns über jeden Bach, den es zu durchqueren galt. Ganz die Profis stiegen wir aus, begutachteten das Wasser, Strömung, Tiefe und Breite. Letztendlich fuhren wir dann in der Spur der Autos vor uns. Nur in einem Punkt waren wir uns nicht einig: wie schnell sollte
man durch einen Bach fahren? Leider geben einem die Vermieter keine Hilfe zur Hand, keine Tipps. Melanies Theorie war, langsam durch den Bach zu fahren, weil ja Wasser beim Springen vom 10 Meter Turm doch sehr hart sein kann. Ich war eher Vertreter der Theorie: wenn wir auf eine Untiefe oder schlammigen Boden Treffen, dann treiben wir mit
Schwung besser drüber hinweg. Und Männer, mal unter uns: es sieht cooler aus,
wenn man mit großer Fontäne Links und rechts durchs Bachbett düst, oder. Und? Wer hat Recht? Melanie, natürlich. Gerade die Billig-Geländewagen aus Asien bestehen zu großen Teilen aus Plastik und das ist bei einem zu starken Wasserwiderstand sehr empfindlich.
Also macht es besser wie wir und fahrt mit reduzierter Geschwindigkeit ins Wasser.
Außer Ihr seit Bastelfans und wollt euer Auto danach wieder einsammeln und zusammenbauen. Das ist aber mitten in der Wildnis nicht ratsam.

Wir machten also ganz gut Kilometer und stellten uns vor, wie wir in ein paar Stunden in den glasklaren, natürlichen Wasserpools liegen werden,  frische Steaks vom Grill und eiskaltes Bier. Hach, das wird genial. So, dem gewieften Leser ist sicher bereits der Konjunktiv aufgefallen, der nichts Gutes erahnen lässt. Die Deutschlehrer hingegen reiben sich verdutzt die Augen. Wie? Konjunktiv? Wo denn? Naja, aber beides kommt hin: Unheil und Verwirrung. So ging's uns, als wir vor der Straßensperre standen. Nach 70 Kilometern. Mitten in der Wildnis. Da waren nur wir und die Schranke. Und der Hinweis: Road closed. Ach ja, 2000 $ Strafe, falls man weiterfährt. Wir waren stinksauer. Warum erzählt uns die Polizei, dass die Straße frei ist, empfiehlt ums sogar noch Lorella Springs? Warum steht an der
Einfahrt zur Straße nicht, dass sie gesperrt ist? Nur, dass es ein Maximalfewicht von 8 Tonnen gibt? Wir umfuhren das Tor in einem Anflug von Wutbürgertum und standen dann vor einem breiten, schlammigen und tiefen Bach. Ach so. Deshalb ... Da wären wir sicher nicht heil durchgekommen. Danke für die Warnung.

Also wieder zurück. Wir nahmen aber eine andere Schotterpiste, die direkt nach Cape Crawford führt. Von Borroloola hatten wir die Schnauze gestrichen voll. Allerdings gab es da einen Bach durch den wir mussten ... Da haben wir uns trotz Nachsehen verschätzt. Warum? Naja, ich sag es mal so ... Er war recht breit. Und um die Tiefe zu testen, muss man reingehen. Aber wir sind ja hier in Croc Country. Was, wenn da gerade eins dieser 8,63 Meter-Krokodile auf uns wartet? Also Augen zu und durch. Das klappte auch recht gut, nur plötzlich jault der Motor auf, wir sacken ab, heisse, feuchte Luft kommt aus dem Gebläse. Das Wasser links und rechts neben uns steht hoch, sehr hoch. Zu hoch? Wir
verlieren immer schneller an Fahrt. Aber dann, dann bekommt irgendein Reifen doch festen Grip und unser Triton zieht sich ans Ufer. Wir atmen wieder. Das ging grade noch gut! Kurze Pause, bis die Beine nicht mehr zittern. Übertreiben wir gerade? Nein, ich glaube nicht. Stecke bleiben wäre hier zwar kein Todesurteil, aber es macht keinen Sinn, loszugehen und wir hätten vielleicht mehrere Tage warten müssen, vielleicht im Freien. Kein schöner Gedanke. Kurz sind wir nicht mehr wütend, dass die Straßensperrung nicht vorab kommuniziert wurde. Erleichtert fahren wir weiter.

Ab Cape Crawford sind wir wieder auf dem Highway, der meistens nur aus einer einzigen, schmalen Spur besteht. Uns kommen große Road Trains entgegen. Die haben Vorfahrt. Immer. Wenn einer kommt, dann muss man am Besten runter von der Straße, denn der Road Train wird nicht ausweichen. Das tun sie nie. Mit 110 kmh walzen sie alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellt. Die toten Beuteltiere zähle ich gar nicht mehr, aber hier, auf dieser Strecke, liegen alleine 11 tote Kühe aller Verwesungszustände. An einem Kadaver stehen zwei junge Kälber. Können Kühe trauern? Oder begreifen sie nur durch Beschnuffeln? Oder sind die Kälber nur neugierig? Wir müssen einige Male wegen Kühen stoppen, weil sie auf dem Highway stehen. Die neugierigen Widerkäuer gefallen uns und ich frage mich, wie das die
Trucker verkraften. So ein Tier zu überfahren, das muss doch wirklich grausig sein.

Endlich erreichen wir unser Ziel: Daly Waters. Hier steht eines der bekanntesten Pubs Australiens - das hätten wir wegen dem Savannah Way fast verpasst. Zum Glück kommt immer alles anders, als man meint. Das denken wir zumindest, als wir mit Bennet und zwei Dosen Bier im Pool liegen und den Tag verkraften. Doch schon wieder fast
500 km gefahren.

Das Pub selber ist ein uriges Original. Die Relikte zahlreicher durchzechter Nächte sind hier allgegenwärtig: sie werden zum Andenken ins oder ans Pub getackert. Geldscheine, BHs, Shirts, Schuhe, Hüte, ... Es gibt massig zu bestaunen, aber das ist dann doch eher ein Outback-Disney hier. Trotzdem aber nett. Campen ist okay, es gibt sogar eine Tankstelle und das Essen ... Hammer! Alles in allem gefällt es mir saugut. Den Sternenhimmel genieße ich dann
bei einem kleinen Spaziergang.

Daly Waters
Northern Territory, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Why on earth are you in Borroloola?!?

Wir standen erstaunlich früh auf, für so eine Nacht. Aber das lag auch ein bißchen an der Zeitumstellung. Gestern haben wir die Uhren um 30 min vorgestellt. Warum nicht gleich eine Stunde? Keine Ahnung. Waren wohl sparsame
Zeiten früher, da war mehr einfach nicht drin. Oder es hätte nicht mehr für eine eigene Zeitzone in Western Australia gereicht. Wer weiß...

Wir fuhren los, zurück zum Heartbreak Hotel und tankten gerade so viel, dass es bis in den nächsten Ort reicht. Unsere Theorie war nämlich, dass hier wer nur seine isolierte Lage ausnutzt. Und wir hatten so Recht! In Borroloola gibt es nämlich stolze drei Tankstellen und Diesel ist entweder ausverkauft, oder 30 Cent günstiger. Ich zahle sogar 50 Cent pro
Liter weniger. Ich glaube, die Zapfsäule ist kaputt und keiner hat es gemerkt. Oder mit dem Diesel stimmt was nicht? Egal - bevor wir nämlich dort ankommen, da besuchen wir noch das Carniberini Conservation Reserve. Hier kann man verschiedene Routen an und durch die zerklüfteten Sandsteinfelsen wandern. Wir starten in der Mittagshitze, aber es ist herrlich. Die Felsen sind zerfurcht, als wären es uralte Mauern und wir kommen uns doch wie in Ruinen vor. Leider
ist der Wanderweg schlecht gepflegt und mittendrin ist kein Durchkommen mehr, zu zugewuchert. Schade - wir wären hier sehr gerne weiter gewandert. Es gibt hier in der Gegend noch eine ähnliche Formation, die Lost City. Dorthin kommt man aber nur mit dem Helikopter, was mit Baby nicht geht. Sie muss stark an Hochhäuserschluchten erinnern. Die Fotos sehen jedenfalls genial aus. 

Wir fahren weiter nach Borroloola, tanken uns kaufen ein. Dann auf nach King Ash Bay, weil wir auf einen Ort wie Karumba hoffen, einen idyllischen Ferienort am Golf. Weit gefehlt. Nach 21 km staubiger Kiesstraße kommen wir im Traum eines jeden Anglers an. Die Anlage gehört einem Angelclub, der auch Gäste zuläßt. Das Meer ist weit
weg, was den Anglern nicht viel ausmacht: sie fahren mit ihren Booten den Fluss hinab und sind direkt im Golf und den Inseln, die unter Naturschutz stehen. Hier im Fluss gibt es wohl noch einen seltenen Süsswassersägefisch, was uns auch nichts bringt. Wir hatten uns das anders vorgestellt, nicht total angelbegeistert. Also ab zurück nach
Borroloola. Dort fahren wir zuerst zur Polizei, weil die immer über die Straßenverhältnisse Bescheid wissen. So auch die neue Beamtin hier. Von unserem Urlaub ist sie begeistert und gibt uns noch viele Tips, ist aber auch selber sehr daran interessiert, was hier so los ist. Aber sie kann absolut nicht verstehen, warum wir ausgerechnet in Borroloola übernachten möchten. Wir sind da schon etwas verwundert, haben wir doch schon schlimmere Käffer gesehen, aber es gibt hier wohl gerade unter der indigenen Bevölkerung ein imenses Alkoholproblem und damit Beschaffungskriminalität. Tja, wer hat's erfunden? Wenn ich mich recht erinnere, dann haben ja gerade die Engländer begeistert die Ureinwohner verschiedenster Länder mit Glasperlen und Alkohol oft über den Tisch gezogen. Haben sie so nicht das heutige Manhattan gekauft? Wir schliessen heute trotzdem alles ab. Wie immer.


Aber die gute Nachricht ist: Der Savannah Way ist ab hier wieder frei! Also können wir zumindest das letzte Teilstück wie geplant auf abenteuerlichen Dirt Roads verbringen! Morgen geht's los - wir sind ganz aufgeregt!

Borroloola
Northern Territory, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Die Schlacht vom Little River

Morgens war ich früh auf den Beinen. Ich erreichte die Hotline vom Vermieter und der sagte, entweder Reparieren, oder die Scheibe komplett ersetzen, wenn sich der Riss ausweitet. Also los - ich kaufte das Reparaturkit und es war wirklich überraschend einfach und das Ergebnis sieht gut aus. Man fixiert über der Stelle eine Halterung über die ein Sekret in den Riss gepumpt wird, die im Sonnenlicht aushärtet. Dann Presst man noch Luftbläschen heraus, fertig. Ich hoffe, das hält unsere 4WD Pläne aus...

Wir starteten früh los gen Abenteuer. Bald schon überquerten wir die Grenze in den nächsten Bundesstaat, das Northern Territory. Hipphipp Hurra! Damit der dritte Bundesstaat auf dieser Reise. Die Landschaft änderte sich ebenfalls. Es wurde flach. Komplett flach. Wie mit dem Lineal gezogen. Darüber wirkte der Himmel einfach gigantisch und
unendlich.

Einige Staaten wollen ihre Obstplantagen besonders schützen und das gilt für das Northern Territory. Hier gibt es wohl keine Fruchtfliegen und damit das auch so bleibt, darf man beim Grenzübertritt weder Obst noch Pflanzen mit sich führen. Das ist gesetzlich verboten. Also aßen wir schnell einen Beutel verbotene Weintrauben, vier illegale Bananen und einen brandgefährlichen Apfel auf. Bei der letzten Reise sind wir einmal von der Polizei durchsucht worden. Die
schauen sich den Camper wirklich genau an, als ob es eine Drogenrazzia wäre. Ob es analog dazu wohl Obsthunde gibt?

Der erste Stop nach Camooweal war nach 270 km Barkley's Homestead, ein Roadhouse, das aber sehr gut auf Marketing setzte. Wir tankten hier und man merkt schon deutlich das Monopol. In Mount Isa kostete der Liter Diesel 1,59 Dollar, in Camooweal 1,9 und in Barkley's Homestead 2,0 Dollar. Wir tanken wegen der Alternativlosigkeit teuer und
erkundigten uns nach den Straßenbedingungen. Eine Straße nach Norden sei wieder frei - das freute uns. Ebenso, dass wir getankt hatten, denn die nächste Tankstelle ist 380 km entfernt, die nächste Siedlung auf dieser Strecke 490 km. Was mich aber die ganze Fahrt über nicht losließ waren die knallroten Road Closed Schilder an der Einfahrt. Hatte die Thekentante eventuell den Ort nicht verstanden, wo wir hinwollen? Fahren wir ins Verderben?  Ist es ein schlechtes
Omen, dass uns nur Autos entgegen kommen, aber keines uns überholt? Was mache ich an dem Punkt, wo die Hälfte des Tanks verbraucht ist? Das ist die letzte Chance, in dieser menschenleeren Gegend umzukehren. Danach reicht das Benzin nicht mehr. Haben wir genug Wasser dabei, um mehrere Tage durchzuhalten? Wenn unsere Lebensmittel
aufgebraucht sind, wen esse ich zuerst?
Solche und so ähnliche Gedanken durchkreisten meinen hitzegeplagten
Kopf. Dabei hätte ich mich besser auf den Highway konzentrieren sollen. Der ist nämlich erbärmlich. Selbst die kleinste
Bundesstraße in Deutschland hat zwei Spuren. Eine hin, eine zurück. Da erscheinen 100 kmh  Geschwindigkeitsbegrenzung angemessen. Dieser Highway in Richtung Cape Crawford ist eine enge, einzelne Spur,
später mit Kuppen und Kurven und es dürfen hier große LKW fahren. Top Speed? 110 kmh. In der öden Grassavanne geht das noch sehr gut. Es wächst eh nichts hoch, die Kühe und Gegenverkehr sieht man frühzeitig, es erinnert sogar an Norddeutschland, nur ohne Deiche und damit flacher. Später kommen aber Kurven, Büsche, Termitenhügel
und viele Floodways dazu, obendrein Wracks verunglückter Autos (abschleppen lohnt sich bei den Distanzen hier nicht, darum bleiben in abgeschiedenen Gegenden Autos einfach liegen. Wäre doch eine gute Alternative zu unseren recht braven Plakaten in Deutschland. Apropos... Die sind hier ebenfalls deutlich krasser. Auf der Fahrt erst gesehen: zerbrochene Fensterscheibe mit Blut und Gehirnteilen. Darüber: No Belt, no brain.

Eine Fahrt wie im Tunnelblick. Warum auch von der Straße wegschauen? Gras soweit das Auge reicht. Man würde sich ja gerne dort hinlegen und verweilen, aber seit wir im NT sind, hat sich die Zahl der Fliegen ins Endlose gesteigert. Auf der Tankstelle kamen wir uns wie auf einem Imkertreffen vor - alle mit Fliegengittermasken über den Kopf und es ist wirklich nervig, wenn sich die Viecher sofort und ohne Anstand auf Nase, Ohren, Augen und Mundwinkel stürzen. Hier am Land wirds aber besonders eklig, weil die Fliege in deiner Nase zuvor rein von der Wahrscheinlichkeit her nur auf einem Kuhfladen oder einer feuchten Stelle dessen Erzeugers gesessen haben kann. In dieser Einöde gibt es nämlich nichts anderes. Naja, vielleicht noch verwesende Kühe am Straßenrand, wie die eben.

Irgendwann kommen dann doch Büsche, Hügel, Bäume und das letzte Drittel der Reise führt uns durch eine traumhafte Landschaft mit hohen Sandsteinklippen. Wir fahren hier am Grunde eines urzeitlichen Ozeans, aber je später es wird, um so mehr Kühe sammeln sich auf den Straßen und dort sind sie unberechenbar. Da hilft nur bremsen, hupen und hoffen, dass nicht doch noch eine der galoppierenden Kühe spontan die Richtung wechselt. Die Kälber machen das nur zu gern ... Der Höhepunkt sind aber verwilderte Hausschweine mit Frischlingen, die die  Straße kreuzen - goldig.

Cape Crawford besteht eigentlich nur aus dem Heartbreak Hotel, das Diesel nun zu 2,20 Dollar verkauft, dabei ist der nächste Ort nur 110 km weit weg. Aber die meisten, die hier ankommen, haben eben nicht mehr genug Sprit, nach einer so langen Fahrt. Wir boykottieren das für heute und fahren einfach so weiter zum Little River. Da kann man an
einem hübschen Fluss gratis Campen. Dafür ohne alles! Keine Dusche, keine Grillmöglichkeit, kein gemähter Rasen, kein Strom für Klimaanlagen, der Busch als Toilette. Das ist Abenteuer, das ist Wildnis, das ist ... Albern. Wir genossen eben noch die Abendstimmung am Wasser, die schönen Bäume und die Wasserlilien. Dann kamen die Moskitos und trieben uns zurück in unseren Wagen. Das Mückengitter war nur ein kurzer Trost, denn draußen war ein leichter Wind und kühle Luft, drinnen im Wagen war es heiss und stickig. Und noch etwas... Hunderte kleine, weiße Dinger, irgend eine Mischung aus Käfer und Fliege kamen durch due Rithen und Gitter gekrochen. Sie taten nichts, waren einfach nur an der Decke, solange das Licht an war. Also machten wir uns keine Gedanken. Sobald wir schlafen, langweilen die sich und gehen. Dachten wir uns. Wir sollten weniger denken. Oder besser. Sobald das Licht aus war, schienen die
idiotischen Insekten die Haftung zu verlieren und fielen nach und nach von der Decke. Auf uns. Mal unter uns: wenn du total verschwitzt bist und dann prasseln da auch noch zig Insekten auf dich runter, die da festkleben, oder weiterkrabbeln, oder ihren Kumpels zu Hilfe eilen ... Das ist nicht gerade schlaffördernd. Ich schlug eifrig um mich,
aber das ist im Dunkeln wenig effektiv. Also Decke bis über beide Ohren ziehen. Aber zum einen ist das unerträglich warm, zum anderen waren unter der Decke bereits reichlich Viecher und die krabbelten auch herum. Es war übel! Irgendwann war es vorbei, wir hatten alle Anstürme abgewehrt und die Reste der Gefallenen lagen um uns herum,
wir verschwitzt, paniert, erleichtert mitten darin. Ich sollte meine von Grund aus naturverbundene Einstellung überdenken. Ich saß mitten in der Nacht in der Unterhose draußen, betrachtete den herrlichen Sternenhimmel, genoss die frische Luft, verfolgte die Gewitter am Horizont und war seelig.

Cape Crawford
Northern Territory, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Young Guns und junge Gaense


Heute Früh ist mir dann noch eine Gemeinsamkeit mit dem Ruhrpott aufgefallen. Brieftauben. Hier, im heissen Zentrum Australiens, sehe ich zum ersten Mal nach 7 Wochen wieder richtige Tauben. Im Ruhrpott gab es nicht wenige Taubenzüchter. Vermutlich liegt diese Leidenschaft einfach in der Sehnsucht nach dem offenen , freien Himmel
begründet. Und hier in Mount Isa schein jemand genau so zu empfinden. Und es gibt eine ganze Reihe Gockel, die uns morgens das Wachwerden nahelegen.

Wir fahren nach Mount Isa um unsere Vorräte aufzustocken und das Benzin ist hier so günstig wie noch nirgends auf unserer Reise. Deckt Euch hier also nochmal ordentlich ein, wenn Ihr die Chance habt.

Weiter gehts so 200 km nach Camooweal und die Landschaft wechselt von Hügeln zu absolutem Flachland. Der Bergbau zieht sich zurück und die Viehzucht ist wieder dominierend.

Kurz vor dem Ort kommt uns ein LKW entgegen und srrrrrrrrrrrt! Steinschlag! Zwar nur ein einziges Teil, aber immerhin... Wenn man holprige Strecken fährt, dann muss die Scheibe stabil sein. Also Autovermieter anrufen und der nette Herr am Telefon sagt, dass jede Tankstelle Windscreensaver hat, so durchsichtige Aufkleber die verhindern, dass sich der Schaden ausweitet. Die drei Tankstellen in Camooweal haben das nicht. Eine hat ein Reparaturkit mit Kleber.
Schade - die Hotline ist nicht mehr besetzt. Australische Arbeitszeiten ...  Was tun? Die nächste Tankstelle ist 270 km
entfernt. Also schauen wir uns hier um und es gibt sogar zwei Caravan Parks. Nur werden wir gleich gewarnt: heute feiern hier die Young Guns. Nein, das ist weder ein Biker Club noch die Jugendfraktion vom Schützenverein. Das sind die jungen Cowboys und Cowgirls, die in dieser Saison auf den großen Stations, den Rinderfarmen, arbeiten.
Der Job ist anstrengend, gefährlich und sehr isoliert, daher ist so eine große Feier noch einmal eine willkommene Abwechslung und ideal zum Kontakte knüpfen. Hört sich interessant an. Hier bleiben wir.

Zuerst aber Abendessen und da lernten wir einen ganz anderen Local kennen. Ein Schwein. Gemütlich schlenderte es über den Campingplatz und schaute mal hier, mal da, was es so Leckeres zum Essen abstauben gab. Bei uns holte es sich eine alte Bananenschale aus der Mülltüte und sprang mir schon fast auf den Schoß, als ich mein gegrilltes Gemüse
offenbarte. Goldige Sau. Solange ich was zum Essen hatte, war der schwarzgefleckte Teenie-Eber mein treuer Begleiter, ging sogar mit mir zur Müllstation und zum Klo. Andere Gäste schauten mich reichlich verwirrt an, als ich mit Schweinchen bei Fuß vorbei kam und zu ihnen meinte "So, that's an Australian Cattle Dog?" Wie sich am nächsten Tag herausstellte, muss das ein wildes Schwein gewesen sein. Hier im Ort hat keiner Schweine und es wäre schon ein
sehr ausgefallenes Haustier für einen der anderen Camper.

Nach Local Nummer eins sind wir dann zum Hotel gegangen, wo die Party lief. Im offenen Hinterhof spielte eine Rockband auf der Ladefläche eines Abschleppwagens, an langen Tischen waren Bar und Essensausgabe und überraschend viele Jugendliche amüsierten sich prächtig. Wir starteten natürlich gleich unsere Sozialstudie und entdeckten vier Gruppen:

Cowboys: Stoffhut, Lederstiefel, Karohemd, langer Geldbeutel schaut aus der Gesäßtasche. Verhalten eher ruhig, immer reichlich Alkohol zur Hand.

Kappenträger: eher kurze Stoffhosen, Flipflops oder Sneaker und dazu eine Baseball cap am Kopf. Gegenstück zu Cowboys.


Partypeople: Ziemlich chaotisch angezogen, meist überdreht wie Seventies. Komische Frisuren dank Rasur oder Perücke. Hatten wohl schon ordentlich vorgeglüht. Tobten vor der Tanzfläche herum.

Normalos: leger bis chique angezogen. Machten sich einfach einen netten Abend.

Alles in allem quatschte aber jeder mit jedem und es war lustig und bunt. Außerdem: auf der Party waren auch einige Indigenous, die aber komplett integriert haben. Das fand ich richtig gut. Da fühlte ich den Artikel bestätigt, aus dem Melanie vorgelesen hatte, dass gerade draußen auf dem Land zählt, was du kannst und dass du mit anpackst,
nicht wie du aussiehst. Das sollten sich gerade in Deutschland ein paar Regionen mal ordentlich durch den Kopf gehen lassen.

Gerade als ich bemerkte, dass es bei den Partys des Katholischen Landjugendbundes deutlich ruppiger zugeht, gab es auch hier einen ordentlichen Schlagabtausch der nonverbalen Art. Ein paar Station Chefs waren wohl sofort mitten im Geschehen, sie griffen gleich schlichtend ein, aber der Dorfpolizist kam dann natürlich und nahm alles auf. Irgendwie kam mir das hier wie in einem Western vor, denn als die Fäuste flogen, hörte die Band auf zu spielen, die Bar
machte dicht und Cowboyhüte wirbelten herrenlos umher. Als sich dIe Aufregung gelegt hatte, ging dIe Party weiter. Bennet ließ das ganze Treiben und der Lärm übrigens komplett kalt. Er schlief seelig in seinem Kinderwagen durch.

Der Nachhauseweg war übrigens herrlich. Nein, nicht wegen der vier Bier, sondern wegen der sternklaren Nacht. Hier, in der sehr trockenen Savanne ist die Luft sehr klar. Noch dazu gab es weit weg am Horizont Blitze und Wetterleuchten, was dem Ganzen noch einen dramatischen Touch gab. Ich hätte stundenlang nach Hause gehen können, aber wir
hatten eh schon halb zwölf. So lange waren wir seit sieben Wochen nicht mehr wach gewesen.

Ich mÖchte mich uebrigens gleich für meinen Titel entschuldigen, aber ich habe keine passendere weibliche Form von Young Guns gefunden. Natürlich stehen die jungen Kanonen hier genauso ihren Mann wie die Männer und ich glaube, dass einige der Mädels so manchen Macho bei uns daheim mit links in die Tasche stecken koennen. Die Arbeit hier am Land ist wirklich nicht ohne und noch dazu gefäehrlich. Jedes Jahr verunglücken zahlreiche Menschen bei der Arbeit, gerade wenn sie das Vieh mit Pferden, Quads, Motorrädern, Autos oer Hubschraubern zusamentreiben müssen. Also: Hut ab, Cowgirls! Verglichen mit Euch bin ich maximal ein Coward.

Camooweal
Queensland, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Jetzt sind wir Australier!

Heute Früh haben wir lecker und gehaltvoll im Roadhouse gefrühstückt. Die Backpacker, die dort vornehmlich arbeiten, haben sich echt gefreut uns zu sehen und wir haben uns sehr nett unterhalten. Es gab auch zum Toast so kleine Päckchen Vegemite. Was das ist? Eklig! Nein, man soll nicht schlecht über Essen reden. Es ist ... gewöhnungsbedürftig. Nein, eher pfuibäh. Sozusagen das Nutella für unartige Kinder. Es schmeckt wie Maggi als Brotaufstrich und die
Australier schwören drauf. Gerade Kinder quält man gerne damit, denn es ist massig Vitamin B drin, dass wohl auch gegen Moskitos hilft. Hm, vielleicht doch einen Versuch wert. Wir hatten in Undarra eine nette, junge Mutter kennengelernt, die ihrem Sohn jeden Tag Brot mit Vegemite gibt. Das kann sie generell nur empfehlen, also testeten
wir es heute. Für einen kurzen Augenblick wölbte sich Bennets Gesicht nach innen und zog sich zusammen wie eine schrumpelige Rosine. Dann aber war der erste Schreck überwunden und er fand die Toaststückchen mit Vegemite richtig toll. Nein, wir hatten nicht mehr Ruhe unser eigenes Frühstück zu essen. Ein echter Güldenhaupt!
Was bezahlt ist, geht rein. :) Der Roadhousebesitzer war gleich so begeistert, dass er uns 7 Packungen schenkte und einen irischen Backpacker Vegemite probieren ließ. Dem sein Kommentar zum Geschmack war allerdings nur "Fuck!"

Wir haben den Aufenthalt in diesem eher einfachen Caravan Park sehr genossen, aber dann mussten wir doch mal weiter und die Straße führte uns direkt nach Cloncurry, der nächste Ort nach dem Roadhouse, läppische 190 km weit weg. Bei der Gelegenheit sei erwähnt, dass wir vor jeder Abfahrt natürlich Diesel tanken und für jeden Erwachsenen mindestens 10 Liter Wasser dabei haben. Eine Panne hier kann gefährlich sein, auch wenn die Straßen hier halbwegs
befahren sind.

In Cloncurry fuhren wir direkt zum Visitor Center. Unsere Befürchtung bewahrheitete sich: wir kommen nicht zum Lawn Hill National Park und auch der riesige Kakadu Nationalpark im Norden ist gesperrt. Na super! Wir prüften direkt, ob wir unseren Flug canceln und das Auto statt in Darwin in Sydney abgeben können, aber der Wagen ist schon weiter vermietet und die Umbuchung würde daher 2500 Dollar kosten, halt die Überführung von Sydney nach Darwin. Auf den Kosten für den Flug würden wir ebenfalls sitzen bleiben, also haben wir keine große Wahl - ab nach Nordwesten! Was soll's. Nur weil jetzt gesperrt ist heisst das nicht, dass auch in 10 Tagen gesperrt ist. In der Regel reichen ein paar heisse Tage und alles ist wieder okay.

Mit neuem Mut fuhren wir los nach Mount Isa und die Landschaft ist echt klasse. Das Buschland wird mehr und mehr durch Hügel und unterschiedlich stark verwitterte Berge aufgelockert, dazu die rote Erde und die vom trockenen Klima geprägten Pflanzen - einfach super. Mount Isa ist eine richtige Bergbaustadt. Von jeder Straße aus sind die großen Minen zu sehen und zahlreiche Plakate weisen stolz darauf hin. Allen voran das größte: Welcome to The Isa - now you're a real Aussie. Das war aber einfach! Wohin muss man in Deutschland fahren, um ein echter Deutscher zu sein? Analog zu Mount Isa wäre das der Ruhrpot, aber wir sind doch nicht alle solche Wühlmäuse. Wahrscheinlich heutzutage eher Rock am Ring, Oktoberfest und Allianzarena.

Mit 22.000 Einwohnern ist Mount Isa riesig, aber auch von der Fläche her soll es die größte Stadt Queenslands sein. Mit der Lage zwischen den ganzen Hügeln könnte es fast hübsch sein, hätte man dem Ort die Chance dazu gegeben. Das Visitor Center hat sogar zwei Museen angegliedert und man kann in einer Besuchermine selber mit Hand anlegen. Kinder dürfen ab 7 Jahren rein. Wir wollen die 6,5 Jahre aber nicht warten und fahren weiter.

Nahe bei Mount Isa liegt das Naherholungsgebiet Lake Moondarra. Das ist hauptsächlich ein Stausee mit  Picknickplätzen, ein Lookout über die Hügel und den See und ein riesiger Kinderspielplatz, der nur von Pfauen bewohnt wird, weil ein großes Warnschild auf tödliche MVE hinweißt, die hier durch die zahlreichen Moskitos übertragen wird.
Wir grillen am See und genießen den Ausblick. Hier kann man wieder gut erkennen, dass die Region vulkanischen Ursprungs ist. Da ist ein riesiger, runder Talkessel, der malerisch im Abendlicht liegt. Für die Bergarbeiter ist so ein See ein herrliches Kontrastprogramm und es kommen uns nachts am Nachhauseweg noch zahlreiche Radfahrer und
Erholungsbedürftige entgegen.

Wir kehren im Moondarra Caravan Park an der Einfahrt zum See ein und sofort ist klar: es gibt hier massenweise Caravanparks, aber deren Haupteinnahmequelle ist nicht der Tourismus. Lange Wohncontainer reihen sich aneinander. Hochhäuser haben wir keine gesehen, also muss ein Teil der 22.000 Einwohner in solchen Boxenleben. Hier sind
so ziemlich alle Nationen vertreten und die Männerquote ist erdrückend. Richtig rund geht es wohl vor dem Schichtwechsel. Ganze Gruppen brechen auf, dafür kommen müde Gestalten zum Feierabend nach Hause. Ich finde es hier total interessant. Es ist übrigens auch der erste Campingplatz, der von einem Sicherheitsdienst betreut
wird. So ganz reibungslos scheint es dann doch nicht immer zu laufen.

Mount Isa
Queensland, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Es steht ein Haus im Nirgendwo - Burke and Wills

So, heute Früh also eiskalt eher aus dem Bett, als die ganzen Tage zuvor. Statt 8:30 Uhr fünf der Tag um 8:00 Uhr an. Duschen, Baby waschen, Frühstück, los. Naja, ganz so diszipliniert dann doch nicht. Wir kamen nämlich nur bis zur Rezeption, Wifi Point. Da noch online gehen, Emails schreiben, Bankgeschäfte abwickeln und dann endlich auf die Straße. Zumindest bis Normanton. Dort war noch mal kreuz und quer fahren angesagt. Zuerst Visitor Center. Die Straßen des Savannah Way sind noch immer gesperrt. Auch zum Lawn Hill Nationalpark (UNESCO Weltkulturerbe) kommt man nicht. Straßen witterungsbedingt gesperrt. Schlechte Nachrichten für uns und unsere Pläne. Wenn eine Straße in Australien gesperrt ist, dann hat das einen guten Grund. Wer sich nicht dran hält, riskiert neben seinem Leben auch noch hohe Strafen. Wir wollen beides nach Möglichkeit vermeiden, also fahren wir zunächst nach Süden gen Mount Isa. Das sind knapp 500 km, also ca 2 Tage in denen wir uns überlegen können, was wir weiter ein wollen.
Der Savannah Way fällt flach, auch einer der spannendsten Nationalparks unterwegs. Wir wollen morgen prüfen, ob man zumindest in die Kimberley-Region kommt, gemäß Lonely Planet eines der Top Urlaubsziele weltweit in 2014. Wenn das auch nicht klappt, dann steht Darwin auf der Kippe. Spontanurlauben pur. Naja, noch haben wir reichlich Zeit und bekommen auch gerade von Australiern viele Ideen und Alternativen genannt. Die nächsten Tage - ach was - Stunden! werden also entscheidend.


Als wir Normanton verließen, ist die nächste Siedlung knapp 400 km entfernt. Wir rasten auf halber Strecke in dem Roadhouse Burke and Wills, das ist eine Art Raststätte an einer Kreuzung im Nirgendwo. Tankstelle, Pub, Restaurant, Motel zugleich rein für den Durchreiseverkehr und die gigantischen Road Trains. Das sind LKW mit mehreren  Anhängern, die nicht selten 50 Meter und länger sind. Sie transportieren meistens Rohstoffe und Vieh. Wohnen tut hier niemand, nur der Besitzer und ein paar Backpacker, die sich das Geld für die naechste Reiseetappe verdienen.
Schon auf der Fahrt zum Roadstop passieren wir viele Regenzonen, wo es sehr punktuell stark regnet. Dazwischen freundliche weisse Wolken, blauer Himmel, Sonnenschein. In der flachen Landschaft hier wirkt der Himmel gigantisch weit.

Wir ratschen lange mit unseren Nachbarn, einem Rentnerpaar aus Noosa Heads, das seit Jahren nach Karumba fährt, um dort 2,5 Monate zu verbringen - mit Angeln. Tatsächlich haben die meisten Angler ganze Gefrierschränke dabei in denen sie die gefangenen und ausgenommenen Fische mitnehmen. Ist die Rente in Australien so mickrig? Nein, das kann man angesichts der riesigen Geländefahrzeuge mit üppigen Wohnwägen und Boote nicht sagen. Sie sind nur begeisterte Angler. Eine Leidenschaft die so viele Menschen verbindet, ganz besonders in Australien. Ist in Deutschland Angeln doch eher ein auf den lokalen Anglerverein begrenzter Sport, so ist es in Australien ein Volkssport der ganze Völkerwanderungen auslöst - je nachdem, wo im Land gerade bei Fischen Saison ist.

Herman Güldenhaupt Small

Sonnenfäule unter Palmen

Da Karumba der letzte Strand für mindestens 2000 km sein wird, haben wir uns entschieden, ein paar Tage zu bleiben. Das Meer liegt direkt gegenüber uns die Anlage ist super gepflegt und so war es selbstverständlich, dass wir die Hängematte direkt unter den Palmen aufgehängt haben. Tagsüber besuchten uns Nacktaugenkakadus, die
Greifvögel, die sich sehr begeistert füttern liessen (natürlich mit gebührendem Abstand), Echsen die auf zwei Beinen flohen und sehr viele Schmetterlinge. Es war grandios, faul im Schatten dem Nichtstun zu fröhnen. Selbst Sohnemann chillte mit. Abends war die Sunset Tavern Pflicht und ich wage mal zu behaupten, dass es da das beste Essen der letzten 700 km gibt. Hammer! Grosse Portionen, natürlich primär frischer Fisch, liebevoll garniert und geschmacklich super. Die Getränkeauswahl ist aber auch nicht ohne. Beste Voraussetzungen also, die quietschbunten  Sonnenuntergänge und dramatischen Wolkenfronten ausgiebig zu geniessen. Stammgäste haben uns aber gewarnt: So gute Köche gibt es hier nicht jedes Jahr. In manchen Jahren steht wohl eher Dünnpfiff als Nachtisch an.


Abends begann dann für mich als Tierliebhaber die spannende Zeit. Da kamen noch mehr Tierchen raus. Kröten, Geckos, Baumfrösche, Einsiedlerkrebse, Kängurus aus dem Brachland. Manche eigentlich tagaktiven Tiere wie Reiher nutzen die Außenbeleuchtung, um sich eine  eigene neue Nische zu öffnen. Genauso wie der Ibis, der sein Revier bei den Fischabfalltonnen eröffnet hat. Dabei sind nicht die Fischinnereien sein Hauptziel. Nein, er holt sich die Fliegen, die
von dem Gestank magisch angezogen werden.

Karumba ist ein Ferienort, allerdings eher für Australier. Touristen kommen hier eher selten vorbei. Wir fanden das eher angenehm und hätten uns schon vorstellen können, hier länger zu bleiben. Aber die Straße ruft...

Karumba
Queensland, Australia
  • Small
    Claus hat am kommentiert:

    Immer wieder tolle Bilder mit schönem Licht!

Herman Güldenhaupt Small

Karumba! Karacho! Ein Sunset!

Den Tag haben wir heute fast ausschließlich in Normanton verbracht. Zuerst haben wir uns im schönen Visitor Center umgesehen - dort ist auch ein kleines Museum untergebracht. Unter anderen verweist es auf die größte Attraktion des Ortes: hier wurde das größte Krokodil Australiens gefangen. Das gute Stück war 8,63 m lang und hat ein eigenes Denkmal. Das war schon ein gewaltiger Brocken.

Der nette Mitarbeiter im Visitor Center hat uns die Liste der gesperrten Straßen gezeigt. Unsere bisher geplante Route war tiefrot. Wir müssen also weiter über die Highways gen Landesmitte ausweichen. Also ab in die Wüste. Outback pur. Das kann lustig werden. Wir hatten aber schon damit gerechnet, also war die Enttäuschung nicht so groß. Dafür entschieden wir uns aber erstmal, zwei Tage am Golf von Carpenteria zu verbringen (so heißt die Region hier). Dort oben soll es sehr schön sein. Wir genossen zunächst aber die Kleinstadtidylle und kauften Vorräte ein, wuschen unsere Wäsche in der Laundry und besuchten eine Galerie für indigene Kunst (war im Vergleich zu dem was wir bisher gesehen haben billiger, aber zu Recht). Wirklich sehenswert war der alte Bahnhof aus dem der Gulflander startet, ein restaurierter Zug der herrlich zu dem sehr hübschen Bahnhof passt. Hier übrigens auch ein kleines Museum, das
eher auf die Geschichte der Mobilität im Ort ausgerichtet ist. Für mich war natürlich das Purple Pub in der Mittagshitze mit seinem frisch gezapften Bier der Retter in der Not.

Als alles erledigt war, ging es los gen Golf nach Karumba. Dazu geht es erstmal 90 km lang durch Flachland, wo es sogar Bäumen und Büschen zu monoton ist, so dass sie immer rarer werden. Dafür gibt es viele Sumpflöcher und entsprechend zahlreich sind auch die Wasservögel. Was uns gestern schon aufgefallen ist: es gibt hier keine Krähen
mehr und auch keine schwarzweissen Magpies. Die Lücke scheint hier komplett ein Greifvogel eingenommen zu haben, der ein wenig an eine Mischung aus Bussard und Falke erinnert. Der große Unterschied: er ist kein Einzelgänger. Es gibt ab den abgelegenen Straßen hier richtige Schwärme, für die auch As total in Ordnung zu sein scheint. Eine richtig interessante Entwicklung der Evolution ist das.

Karumba selber war von Wallabys und Kängurus umzingelt, der Ort  besteht aus zwei Teilen. Karumba selber, am Norman River gelegen. Hier ist das Ortszentrum und man kann sich als Reisender gut eindecken. Dann ist da noch Karumba Point, da wo der Fluß in den Golf mündet. Dort zog es uns hin.

Was uns total überraschte: während alle anderen Orte leer waren und eher Nebensaison war, herrscht hier reges Treiben. Hochsaison. Das hat einen einfachen Grund: Barramundis. Diese Fische sind wohl jetzt gerade hier und das zieht zahlreiche Angler magisch an. Jeder will einen dieser großen karpfenähnlichen Fische an Land ziehen.

Wir genossen stattdessen einen herrlichen Sonnenuntergang über dem Meer - zum ersten Mal seit sechs Wochen ist das möglich und wohl auch nur hier von Karumba aus. Herrlich! Also ... nicht, dass man den Sonnenuntergang nicht auch von anderen Orten aus sehen könnte. Nur ... es gibt hier keine anderen Siedlungen. Alles Wildnis!

Die Sunset  Tavern war ideal für das Bewundern der Sonnenuntergänge. Von unserem Campingplatz (Karumba Point Sunset Caravan Park) aus sind wir aber auch so sehr schnell am Meer. Ich habe keine Ahnung, ob es hier auch die tödlichen Quallen gibt, aber angesichts gigantischer Krokodile habe ich auch so keine Lust auf Wasser. Aber mal sehen - wenn es weiter so schwül und heiß bleibt, treibt mich vielleicht der Wahnsinn ins Wasser...

Karumba
Queensland, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Weiter, immer weiter bis nach Normanton

Heute Früh sind wir nach dem Frühstück rüber zu Russel, dem Besitzer, um uns seine kleine Auswahl an Lebensmitteln anzusehen, die er verkauft. Der General Store nebenan macht nämlich die nächsten Monate nicht mehr auf und due Tankstelle verkauft nur lokale (Halb-)Edelsteine. Dafür, dass in jedem Reiseführer steht, man könne hier nach Edelsteinen schürfen, war ich ziemlich enttäuscht. Es gibt wohl zur Hauptsaison Touren - nur aktuell halt nicht. Wer
also eher die touristisch erschlossenen Felder sucht, der sollte besser in due Gemfields bei Emerald gehen. Klar, die sind ja auch nicht soweit draussen im Nirgendwo.

Wir fügen weiter nach Georgetown (war der nächste Ort, nur 90 km weit weg. Dort kauften wir recht teuer Proviant ein. Idiotenbonus, schätze ich. Da gehen wir fast täglich in riesigen Einkaufszentren einkaufen, aber wenn wir ins Outback fahren, dann fehlt es uns an allem, sogar an Wasser.

Die Touristeninfo war geschlossen, auch die Edelsteinausstellung und es gab auch hier zur Zeit keine Goldgräber- und Edelsteintouren. Zudem erfuhren wir, dass der Weg zur angeblich sehr schönen Cobbold Gorge zwar - mit 4WD - befahrbar ist, aber dass das zwecklos ist, weil die Touren nicht stattfinden und der Caravan Park geschlossen ist. Gut,
dass wir gefragt haben - nach 90 km Schotterpiste (also ca 2 Stunden Fahrt) vor verschlossenen Türen zu stehen wäre sehr ärgerlich gewesen, zumal man dann ja auch wieder die gleiche Distanz  zurück muss... Also rasteten wir kurz im Park, suchten den Kiess nach Edelsteinen ab (habe da sehr schönes Quarz gefunden) und entschieden uns, nicht trotzdem zur Cobbold Gorge zu fahren, sondern weiter auf der Hauptstrecke nach Normanton. Der nächste Ort war 150 km weit entfernt und der Zustand der Straße war zunehmend besser, was fürs Fahren blöd ist, weil es damit fast nur noch grade aus geht, keine Ablenkung mehr. Also Cruise Control rein, Klimaanlage an und konzentrieren. Ich sag es euch: man freut sich über jede kleine Abwechslung, weil das Land so flach ist und alles gleich aussieht. Versteht mich nicht falsch: es ist wunderschön, aber zum Fahren ist es fies. Also über Bachläufe (trocken, feucht oder nass) freuen,
über Vögel oder Beuteltiere (trocken, feucht, flach oder lebendig) am Straßenrand ebenso und wenn mal Kühe in der Nähe sind erst recht.

Croydon war eigentlich ein recht netter Ort. Uns erinnerte er ein wenig an Chillagoe, weil er auch sein Entstehen Bergwerken verdankte, nur waren hier die Gebäude noch einen Tick hübscher. Dennoch fuhren wir auch noch die nächsten 160 km bis nach Normanton weiter. Warum? Wir hofften, endlich mal wieder Empfang mit den Handys zu haben. Für die kleinen Orte war zwar Empfang angegeben, aber der gilt wohl nur für Telstra Next G. Wir haben aber leider nur die Nummer 2 am Markt, was die Verfügbarkeit angeht, Optus (und die Billigtochter Amaysim). So 3 Tage ohne Empfang sind gar nicht so schlimm. Ich glaube für die meisten Teenies wäre es der absolute Horror, aber wir kamen auch ohne Smartphones und Internet hervorragend zurecht. Nur, wenn man auf sehr wichtige Nachrichten wartet, dann stört das schweigende Handy doch extrem.

Also Normanton. Wir hatten uns den Ort ... größer vorgestellt. Wenn man tagelang nur Orte mit 25, 64  oder 300 Einwohnern sieht, dann stellt man sich einen Ort mit 1700 Einwohnern riesig vor. Naja, die alten Gebäude sind hübsch und es gibt wenigstens Netz, aber ansonsten ... Beschauliche Outbackidylle.

Es stehen wohl unmittelbar Gewitter ins Haus, darum ist es aktuell ganz besonders schwül - wir gehen ziemlich ein, aber raus können wir nicht, dort sind massenweise ziemlich fiese Moskitos. Tja, wir wollten es ja nicht anders. Morgen wollen wir trotzdem mal hoch an den Golf nach Karumba fahren. Angeblich kann man da über dem Golf den Sonnenuntergang sehen. Wir werden berichten. :)

Normanton
Queensland, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Hoppeldihopp nach Mount Surprise

Von Amendale aus geht eine Savannah Way Alrernativroute nach Normanton. 590 km Schotterpiste, davon 560 km am Stück ohne Tankstelle und ohne Ortschaften. Nur Wildnis. Das war uns dann doch zu viel. Wir entschieden uns für die kürzere Variante: 155 km Schotterpiste bis Mount Surprise.

Zuvor aber warteten wir am malerischen Bahnhof von Amedale auf den einzigen Zug, der hier einmal pro Woche vorbei kommt: der Savannahlander, eine historische Bahn, die eben einmal die Woche von Cairns zur Cobbold Gorge und wieder zurück fährt. Dafür braucht sie vier Tage. Herrlich, der alte Zug, der noch brav seinen Dienst verrichtet.

Dann ging es weiter, drei Stunden am Stück Auto fahren auf Schotterpisten, in der Zeit nur drei Autos Gegenverkehr und nur ein Haus gesehen, dafür viele Kühe und unzählbare Termitenkolonien. Wir haben Bäche durchquert (die meisten waren trocken) und einen Gouldswaran und ein Wildschwein gesehen. Und natürlich eine herrlich verlassene Landschaft. Tja, 155 Kilometer zur nächsten Siedlung, das ist schon mal was.

Der erste Stopp war Undarra, eine Station wo man in umgebauten historischen Bahnwaggons übernachten oder rasten kann. Hauptattraktion sind aber die Lava Tubes, die längsten unterirdischen Lavakanäle der Welt. Wir haben die letzte und erste und einzige Führung des Tages um ca 5 Stunden verpasst, aber auf die nächste wollten wir nicht warten. Also Kaffee und Kängurus und dann ging's weiter nach Mount Surprise. Was für eine Überraschung... Einen Berg gibt es nicht und auch so ist der Ort ziemlich ausgestorben. Naja, außerhalb der Saison. Sonst scheint hier aber viel los zu sein. Man kann hier wohl nach Gold und Edelsteinen schürfen, aber alle Anbieter und die meisten Läden hier hatten
geschlossen. Das ist schlecht, weil unsere Lebensmittelvorräte knapp werden. Wir hoffen, dass wir morgen irgendwo einkaufen können. Sonntags. In der Wildnis ... Naja, bin halt Optimist. ;) Wir lernten zwei Mädels kennen, die uns gute Tipps gaben. Vor allem bezüglich unserer Route. Sie sind vor zwei Wochen von Darwin über Normanton hierher gefahren - also grob unsere Route. Wir sollten wegen der Wetterlage lieber unsere ursprüngliche Route aufgeben und uns weiter südlich halten. Dort sind die Straßen besser frequentiert und vor allem passierbar... Hm, das haben wir jetzt schon von vielen verschiedenen Leuten gehört. Besser, wir beachten das auch

Mount Surprise
Queensland, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Die Limestonecaves von Chillagoe

Heute bekamen wir schon einen Vorgeschmack auf Wildnis und Abenteuer. Wir fuhren weiter nach Amendale, das heißt lange Zeit durch Ödnis ohne nennenswerte Siedlungen zwischendurch. Dann hörte auch noch die Teerstraße auf und es ging weiter auf Schotterstraßen und Feldwegen, ab und zu von einem Stück geteerter Straße unterbrochen.
Zwischendurch war mitten in den Hügeln ein Friedhof zu dem kein Dorf mehr existiert. Die Goldgräberstimmung hatte viele Menschen magisch in diese Region gezogen, aber nur die Toten sind geblieben. Die Stimmung war seltsam, aber gruselig? Nein - das war nur die Spinne am Friedhofstor. Das war nämlich eine der wenigen Spinnen, die für
Menschen tödlich sind. Also besser nichts wie weg hier...

So erreichten wir Chillagoe, einem Ort der durch Bergbau, insbesondere Zinn, groß wurde. Das ist aber lange her. Jetzt wird nur noch Granit und Marmor abgebaut und das an der Oberfläche. Die Berge dazu stehen zum Greifen nah und es sieht lustig aus, wenn mitten in der trockenen Pampa plötzlich strahlendweisse Marmorblöcke stehen. Keine Angst -
die könnte höchstens Obelix klauen.

Wir nahmen an einer Führung durch eine der örtlichen Limestonehöhlen teil. 23 Dollar kam uns zuerst etwas viel vor, aber das war es wert. Wir nahmen die leichteste Höhlenwanderrung und selbst die war ziemlich fordernd. Bennet saß in der Babytrage, mir um den Bauch geschnallt. Jeder von uns bekam eine sehr helle Taschenlampe, bei der der Akku um den Bauch geschnallt wird und die Leuchte über ein langes Kabel mit dem Akku verbunden ist. Sohnemann fand das klasse spannend. Von da an war es sein Ziel, das Kabel zu ergreifen und damit rumzuwedeln. Dann ging es 1,5 Stunden lang kreuz und quer durch die Royal Arch Caves und es war super! Wir lernten viel und einige Passagen waren mit Baby vorne dran doch fordernd. Ich war heilfroh, dass wir nicht die schwierigen Routen gebucht hatten. Es gab
eingestürzte Höhlen in die Tageslicht drang und richtige Säle unter der Erde mit glitzernden Kalkkristallen und Tropfsteinen. Spannend er auch ein enger Kletterparcour für die due sich trauten. Das Tierleben hier unten ist auch vielfältig, wobei das Meiste
auf Fledermäusen und Höhlenvögeln (die orientieren sich im Dunkeln identisch zu den Fledermäusen via Echolot). Deren Ausscheidungen werden von Kakerlaken gefressen, die wiederum Lebensgrundlage z.B. von Spinnen sind. Schlangen kommen in die Höhlen, um wiederum Fledermäuse zu fressen. Dann gibt es da noch die Wurzeln von Fig Trees, Bäume, die eigentlich meterweit über uns auf den Felsen thronen, aber irgendwie Wege und Lücken bis in die feuchten Höhlen finden. Das schafft kein anderer Baum. Leider locken die Höhlen auch andere Tiere an, die nicht heimisch sind und daher das natürliche Gleichgewicht stören: Cane Toads (giftige Zuckerrohrkröten, die
alles fressen, was sie schlucken können) und verwilderte Katzen. Sie werden lebendig gefangen und dann getötet. Es ist schade, dass die Menschen immer wieder so dumm sind und Tiere mitbringen und auswildern, die hier einfach nicht hingehören. Die Tiere wie Katzen, Kaninchen, Pferde, Kröten, Schweine, Füchse, Ziegen oder auch Kamele können nichts dafür, aber sie tragen zum Aussterben heimischer Tierarten bei und werden daher mit allen Mitteln bekämpft.
Das kann ich verstehen, aber es nimmt einen als Tierfreund natürlich auch mit. Leider gibt es aber keine Alternative.

Wir besichtigten noch die Smelters, ein ehemaliges Zinnwerk. Der Balancing Rock war in eine schöne Landschaft gebettet, leider sah man von den Kultzeichnungen der Ureinwohner aber nicht mehr viel. Kult hatten wir dann aber noch genug, bei Tom Prior. Er ist ein uralter Liebhaber von Fords und seine Schätze hält er bis heute in bemerkenswert gutem Zustand. Gut, davon können die Autoleichen auf dem Hof nur träumen, aber gegen eine Spende  kann man sich seine Lieblinge vorrangig aus den 40ern bis 60er ansehen. Da läuft sogar mir das Wasser im Munde zusammen... Wunderschöne Wagen. Wir rissen uns dann doch los und ab ging's zurück nach Amendale. Dort überlegten wir uns, ob wir noch die 155 km bis Mount Surprise fahren sollen, wobei es schon dämmerte. Wir gingen aber auf Nummer sicher
und blieben in dem kleinen Ort mit 25 festen Einwohnern. Der Tourist Park auf dem Gelände der ehemaligen Schule ist sehr hübsch hergerichtet und das Wetter war herrlich. So sprangen wir drei erst noch in den Pool, ehe wir grillten und die Sterne genossen.

Herman Güldenhaupt Small

Klimawechsel

Heute wetterbedingt ein kleiner, kurzer Vormittag im Campingwagen - es regnete in einem durch. Schade - das Jungle Village ist echt nett. Eines Tages müssen wir es mal bei gutem Wetter besuchen. Man kann einige lokale Tiere sehen und es gibt einen privat angelegten Spazierweg durch den Urwald

Wir hatten uns ja von der Idee verabschiedet, noch weiter nach Norden, nach Cooktown, zu fahren. Die Straßen sind wohl wegen dem Wetter nicht passierbar und spätestens am Freitag, also morgen, soll es nochmal richtig stürmisch mit viel Niederschlag werden. Uns reichte es heute schon - an vielen Stellen stand das Wasser schon links und
rechts der Straße und wir fuhren an Cape Tribulation vorbei eine Schotterstraße gen Norden und ein Bach war da schon so hoch, dass es zu riskant war, hindurch zu fahren. Naja, was heißt riskant ... Bevor man Wasser durchfährt soll man eigentlich zu Fuß das Gewässer durchwaten, um zu sehen, ob es passierbar ist. Angesichts des Warnschildes vor Krokodilen konnten wir uns aber nicht einigen, wem diese zweifelhafte Ehre zuteil werden würde. Also kehrten wir um.


Auf dem Weg gen Süden schauten wir uns noch ein paar Strände an, die aber bei Regen, Flut und aufgewühlten Meer allesamt nicht sehr reizvoll waren. Zum Abschied wollten wir zumindest noch so ein Warnschild zum Schutz der Cassowaries fotografieren, was ganz gut gelang. Und ein paar Meter weiter war es dann unerwartet so weit: ein
Traum vieler Australier wurde wahr: wir sagen einen Kasuar in der Wildnis. Er überquerte gemütlich die Straße uns beachtete uns gar nicht. Ein Highlight des Urlaubs! Damit konnte uns Daintree gar nicht mehr bieten.  Also liessen  wir die zurecht so betitelten Wet Tropics hinter uns und fuhren von Mossman aus direkt rauf auf die Atherton
Highlands, hinüber bis Mareeba, wo das schlechte Wetter nach und nach harmloser wurde. Je weiter wir gen Westen fuhren, umso trockener wurde auch wieder die Landschaft und den weitläufigen Obstplantagen folgten kleinere und dann nur wieder Rinderweiden und hunderte Termitenhügel. Da sagen wir den nächsten seltenen australischen
Vogel:  einen sogenannten Bustard. Der kommt den bei uns so selten gewordenen Trappen sehr nahe. Er lebt in Gruppen, wird ca 80 cm groß und kann tatsächlich fliegen. Allerdings tut er das nicht. Bei Gefahr bleibt er reglos stehen, bis die Gefahr vorbei ist. Das ist bei Krokodilen eine gute Taktik und die ging bis vor ca 300 Jahren sehr gut auf. Dann kamen wir Europäer, jagdbegeistert und in unserer Gesellschaft Hunde, Katzen, Wildschweine und Ratten. Wer davon die Bustards selber nicht tötet ist zumindest von deren Nestern begeistert. Dadurch sind die Vögel jetzt vom Aussterben bedroht.
Na super Leistung!

Später kamen wir nach Dimbulah einem kleinen Ort mit den wichtigsten Einrichtungen. Direkt neben dem Schwimmbad war ein Caravan Park, wo wir den besten Deal bisher hatten: powered Site für 12 Dollar. Es nieselte abends und wir machten das Beste draus: ab ins Bett!

Dimbulah
Queensland, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Scarface und das Essen auf Planken

Heute war das Wetter vormittags noch einmal klasse, der Wetterbericht kündigte aber deutlich Schlimmeres an und das bis in die kommende Woche hinein, aber doch richtig mieses, stürmisches Wetter mit heftigen Niederschlägen. Also schnell noch den klasse Strand von Port Douglas genießen und eine Day Spa besuchen (Frauenprogramm),
bzw einen Berg bezwingen, das Panorama fotografieren und dann den Gipfelsturm in einem der ältesten Pubs im Ort feiern (Männerprogramm). Beide Geschlechter waren mit diesem Verlauf des Tages ausgesprochen zufrieden und zu keinem Tausch bereit.

Weiter ging es über Mossman (hier ist die Mossman Gorge bekannt, ein Dschungelstrom im Regenwald wo man baden kann) nach Daintree Village. Dort unternahmen wir mit Crocodile Express eine Rundfahrt auf dem Fluß. Natürlich kann man hier auch tolle Pflanzen, Vögel oder Schmetterlinge sehen, aber was alle interessiert, das sind die Salties, also die Salzwasserkrokodile, die sich ihrem Namen zum Trotz auch in Brack und Süßwasser äußerst wohl fühlen. Und Tatsache: da war eines am Strand! Name: Scarface. Mit einer Länge von 4,5 bis 5 Metern im oberen Bereich des Durchschnitts. 600 kg schwer und frisch gefrühstückt: er hatte einen ordentlichen Brocken zu verdauen, was mehrere Tage oder gar Wochen dauern kann. Je nachdem, wie häufig und gut sie fressen, können sie so 6 bis 7 Meter lang
werden. Der Rekord liegt aber bei stolzen 8 Metern. Was fressen die Crocs hier? Alles was sie erwischen. Die Ufer sind meistens offen, es gibt nur Warnschilder und so erwischen sie häufig Wildschweine, Kängurus, Emus oder Rinder. Die Bauern beschweren sich zwar, aber keiner errichtet einen Zaun zum Ufer hin, was das Einfachste wäre. Es werden wohl immer wieder auch Menschen gefressen, das läßt sich aber nicht so genau sagen. Warum? Naja, ein Hai beißt zu, aber eher als Test ob es schmeckt. Darum hört man oft von Haiattacken, weil es tendenziell mehr Überlebende gibt. Aber wenn ein 600 kg Krokodil mit 60 kmh aus dem Wasser auf die zuschiesst, dann mit gutem Grund und Hunger. Da bleibt nichts mehr übrig. Zu den Dingen, die ich nicht wissen will gehört auch, dass Krokodile bis zu zwei Drittel ihrer
Körperlänge aus dem Wasser springen können. Damit wäre es für Scarface ein Leichtes gewesen, in unser Boot zu springen. Das weiß er aber wohl nicht, oder er war heute zu faul. Jedenfalls drohte er nur ein bißchen, aber das war's dann auch. Ein super Erlebnis!

Wir setzten mit der Fähre über den Fluss über und kamen in den Daintree Nationalpark, der älteste Regenwald der Welt und damit Weltnaturerbe. Die Fahrt durch den Dschungel war klasse und gerade als es anfing zu regnen, checkten wir im Lync Haven Jungle Village ein. Liebevoll hergerichtet, aber der Regen ließ uns gar nicht die Anlage angemessen nutzen. Wir kochten und aßen im Wagen, mehr war nicht möglich. Nachts variierte der Regen dann nur in der
Heftigkeit. Schwer, bei dem Lärm zu Schlafen...

Cape Tribulation
Queensland, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Tauchen am Rande des Great Barrier Reefs - das Agincourt Reef

Heute Früh ging es zeitig raus aus den Federn (ich hoffe, der Schlafsack hat innen Federn oder etwas derartiges) und nach einem kleinen Frühstück wurde ich dann vom Shuttlebus abgeholt. Ziel war die Poseidon im Marina von Port Douglas, ein Katamaran mit ordentlich Power unter der Haube. Die sehr freundliche und zuvorkommende Crew
empfing uns und es gab eine gründliche Einweisung in Sicherheitsmaßnahmen und alles, was sonst so wichtig ist. Die Tour ist im Grunde auf drei Zielgruppen ausgerichtet: Schnorchler, Taucher (certified divers) und solche, die das Tauchen mal ausprobieren möchten. Dazu geht es raus an den äußeren Rand des Great Barrier Reefs (Outer Reef), rund 70 km vom Festland entfernt. Selbst hier sind einige Riffe nur knapp unter der Wasseroberfläche, aber die Nähe zur Tiefsee lockt auch einige größere Fische an. Das Gebiet in dem wir uns aufhielten war das Agincourt Reef. Ich muss sagen, dass schon die Betreuung und die Versorgung sehr gut waren, aber der Artenreichtum unter Wasser war der absolute Hammer. Ich hatte mir ja extra eine Actioncam mit Unterwassergehäuse gekauft. Die habe ich auch sehr
begeistert verwendet. Hier meine zwei zentralen Learnings für alle, die es mir gleich tun wollen:

1) Versichert euch, dass Eurer Kamera nicht beschlägt.
2) Sollte sie oder das Gehäuse beschlagen, tut etwas dagegen. Zum Beispiel vor dem Tauchgang kühlen, oder passende Mittel auftragen.

Ich habe beides nicht beachtet und offenbar war meine Kamera bei jedem der drei Tauchgänge beschlagen, denn alle Fotos und Filme sind sehr unscharf. Schade, denn es gab genug zu sehen, zum Beispiel große Barracudas, Tintenfische, Rochen, Garnelen und andere große Fische. Das ganz besondere Erlebnis waren aber zwei Riffhaie, die recht nahe bei uns waren. In so einem Moment fragt man sich, ob man jetzt begeistert sein soll, oder Angst haben sollte. Ich beobachtete unsere Gruppenleiterin und die war recht entspannt. Außerdem war ein Tipp an Bord gewesen: bei Gefahr einfach schneller als der Langsamste der Gruppe schwimmen. Zwischen mir und den Haien waren drei Taucher. Alles gut.

Auf der Rückfahrt kam ordentlich Seegang auf und das Boot schwankte ordentlich. Da wurden schon einige weiss um die Nase und die Spucktüten fandem reißenden Absatz. Generell werde ich nicht seekrank, aber ich bin sehr teamorientiert und wenn um mich herum so viele Leute am Kotzen sind ... Also, es hat bei mir auch nicht mehr
viel gefehlt. Zum Glück hatte der Kapitän Mitleid (entweder mit den Gästen, oder mit denen, die wieder sauber machen müssen) und wir legten eine Verschnaufpause ein. Danach ging es allen deutlich besser. Alles in Allem war das aber ein absolut empfehlenswerter Ausflug. Man muss halt einiges dafür bezahlen, aber ich fand die 300$ voll in Ordnung.

Zurück bei meinen holden Zweien sind wir noch einmal den Ortskern auf und ab gegangen. Natürlich hatten die meisten Läden schon geschlossen (es war ja schon irgendwo zwischen 17 und 18 Uhr), aber es war dennoch sehr nett.

Port Douglas
Queensland, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Sag zum Abschied leise Wrumm! Autotausch in Cairns


Heute war er also dann da, der große Moment: morgens fuhren wir zu Apollo, unseren 4WD Geländewagen abholen. Die ganzen Formalien und die Übergabe dauerten nicht so lange, wie das Umräumen des Gepäcks vom alten in den neuen Wagen. Zudem war die Mittagshitze gnadenlos und wir kamen beim Aufräumen ordentlich ins Schwitzen. Aber so sehr wir uns auf den neuen Wagen freuten: der Abschied von unserem Toyotabus fiel sehr schwer. Immerhin hatten wir damit 5.215 km von Süd nach Nord zurückgelegt. Vielleicht nicht immer so schnell wie gehofft, dafür aber zuverlässig. Aber am Ende überwog doch die Freude auf das Neue und wir fuhren nachmittags weiter gen Norden. Nicht weit -
in einem Shoppingcenter deckten wir uns für die nächsten Tage ein. Obendrein gönnte ich mir eine Totalrasur und einen neuen Haarschnitt. Morgen geht es Tauchen, da stört der Rauschebart nur die Tauchmaske.

Abends erreichten wir Port Douglas. Die Küstenstraße dorthin ist herrlich, vor allem die Ausblicke. Der Ort selber ist erst in den letzten Jahrzenten extrem gewachsen. Zahlreiche Resorts wurden gebaut und angeblich kann man hier vor Allem außerhalb der Saison richtig günstig in Luxusresorts absteigen. Das Angebot übersteigt die Nachfrage wohl deutlich und im Grunde steht hier die meiste Zeit des Jahres ein gewaltiger (aber schöner) Kostenapparat. Das Interessante
aber ist: wenn man den Strand ansieht, dann sieht er wie ein verlassener Badestrand aus. Die Ressorts sieht man nicht. Auch wenn man den Hügel im Ort besteigt. Seht selbst.

Das Zentrum selbst zieht sich entlang der ehemaligen Hauptstraße vom Badestrand hinüber zum Hafenbecken. Ein paar alte Gebäude gibt es noch, viele davon sind Pubs. Es gibt übrigens ein paar Läden, wo man nicht nur Känguru (extrem gesundes Fleisch) sondern auch Krokodil essen kann, z.B. als Sushi oder in einem Pie. Wir checkten
im Van Village Tropical Breeze ein, zentral gelegen und dafür doch recht günstig

Port Douglas
Queensland, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Palm Cove - statt Cairns ins Palm Kaff

Heute Morgen noch schön entspannt gefrühstückt, dann wieder ab auf die Straße, erstmal nach Mareeba, ein netter kleiner Ort am Schnittpunkt verschiedener Highways. Hier bekommt man so ziemlich alles, was man braucht, nur keine Angaben, welche Straße wohin führt. Dank Navi sind wir dann aber schliesslich doch noch auf die Straße nach Kuranda gekommen. Empfehlenswert: Jaques Coffee, eine ökologisch und ethisch orientierte Kaffeeplantage eines Ex-Tansaniers. Hier kann man Führungen mitmachen, Segway fahren, Ultraleichtflugzeug oder Hubschraubertouren
unternehmen oder - wie wir - im schattigen Garten einfach gemütlich Kaffee und Kuchen geniessen. Sehr lecker! Lustig ist auch die Termite Avenue zum Anwesen hin, riesige, hier häufige Termitenhügel schön in einer Reihe. Diese Gebilde erreichen oft beeindruckende Größen, aber noch erstaunlicher ist die Architektur. Termiten sind richtige Meister und
bauen sogar Lüftungssysteme, damit der Bau immer die richtige Temperatur hat. Es gibt sogar Termiten, die nicht nur auf Luftschächte setzen, sondern die Form des Hügels am Verlauf der Sonne ausrichten. Mittags trifft die pralle Sonne nur die schmalere Seite des Baus. Also heizt er sich nicht so stark auf. Am Morgen und abends aber fallen die eher sanften Sonnenstrahlen auf die breitesten Seiten und wärmen den Hügel. Und wir staunen über Erdwärmeheizungen? Na, wer hat's erfunden? Vielleicht sollten wir Ameisen und Termiten nicht primär als Ungeziefer betrachten, sondern
mal nachsehen, was wir uns noch so alles abschauen können.

Weiter gings an Kuranda vorbei. Wir fuhren nicht hinein, aber der Ort im Dschungel ist an sich recht nett. Gerade mit Kindern kann man hier viel unternehmen, zum Beispiel mit einer historischen Eisenbahn fahren, mit einer Skyrail über die Baumwipfel hinweggleiten oder die Barron Falls ansehen. Es gibt auch viele nette Läden in dem Dorf und
kleine Zoos haben sich z.B. Auf Vögel oder Schlangen spezialisiert. Wir hatten aber diesmal keine Zeit.

In Cairns war unser erster Stopp. Der Ort ist vergleichsweise groß und hat auch einen eigenen Flughafen. Der Tourismus prägt die Region und gerade für diejenigen, die die Ostküste rauf oder herunter reisen, ist Cairns Start oder Ende der Reise. Entsprechend bunt ist das Treiben entlang der Esplanade, einem breiten Park- und Flaniergürtel entlang der Küste. Die  Backpacker und Budgeturlauber prägen gerade auch das Nachtleben und die Kneipen. Wer es mag, der wird hier einige tolle Abende verbringen können. Dann aber besser ein Hostel oder Hotel im Zentrum nehmen - Campingplätze gibt es, aber eher außerhalb.

Uns war das aber zuviel Trubel. Wir besuchten rasch das offizielle Visitor Information Center (kursives gelbes i auf blauem Hintergrund), aber selbst die waren eher darauf aus, Bootsreisen zu verkaufen, als wirklich brauchbare Informationen zu geben. Gerade zum Savannah Way, der nunmal in Cairns beginnt, war der einzige Ratschlag, online
nachzusehen. Klasse! Dafür sind wir extra quer durch die Stadt gefahren. Als Entschädigung waren da aber große Bäume mit einer riesigen Kolonie Flughunde. Diese Flying Foxes hatte ich in Sydney vermißt (dort leben über 20.000 im Botanical Garden, aber offenbar wurden sie jetzt erfolgreich vertrieben). Hier konnte ich ein paar tolle Fotos machen.

Dann war uns aber klar: Hier schlafen wir nicht. Also ab, raus aufs Land. Unser Ziel: Palm Cove. Mit einem Augenzwinkern übersetzt heißt das Palmenkaff, denn der Ort am Strand ist nicht gerade groß und von Hotels geprägt. Das Ganze ist aber so nett und geschmackvoll gestaltet, dass es schon wieder gemütlich ist. Der einzige Campingplatz im Ort ist direkt am Meer und angenehm günstig. Wir spazierten am Strand entlang, aßen in einem freundlichen,
familiengeführten, sehr leckeren Restaurant zu Abend und gingen dann in dieser herrlichen Vollmondnacht am Strand entlang zum Jetty, den Anglern zusehen. Das erschien uns nämlich sicherer, als am Meer zu sitzen. Das ist zwar romantischer, aber die Warnschilder vor Krokodilen kommen nicht von ungefähr. Sie sind Meister im Lauern und
schiessen mit 60 kmh aus dem Wasser. Drüben bei den Anglern am Steg ist der Mensch der Jäger, nicht der Gejagte. Daher deutlich angenehmer für uns. Die herrlich bunten Bilder sind übrigens alles Sonnenaufgänge. An der Ostkueste gibt es keinen Sonnenuntergang über dem Meer, zumindest nicht vom Strand aus betrachtet.

Palm Cove
Queensland, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Kuschelfaktor Granite Gorge

Wir sind einen weiteren Tag im Naturpark Granite Gorge geblieben. Warum? Weil wir können. ;o) Wo sonst kann man im Schatten der Bäeme rumgammeln, ab und zu kommen freilaufende Pferde, Hühner oder Truthähne vorbei. Über einem (Achtung - Dativ!) lachen Kookaburras und am Weg zum Klo wird man von Kakadus begrüsst, allen voran Nacktaugenkakadu Willy. Es ist ruhig und idyllisch und wer dumm genug ist, wie wir in der Mittagshitze in der Granite Gorge wandern zu gehen, der wird mit herrlichen Felsformationen, Einsamkeit und Sonnenbrand belohnt. Die Gegend hier ist eine sehr trockene Ecke der Atherton Tablelands, aber die Granitschluchten und Wasserfälle sind typisch. Hier ist es besonders hübsch, weil die Felsen alle rund geschliffen sind und sich mal zu Geröllhalden auftürmen, mal steht man auf einem gigantischen, runden Felsen. Zwischendurch fliesst ein Bach und gurgelt vor sich hin.Tagsüber sitzen die kleinen Felsenwallabys im Schatten, aber abends kommen sie heraus und lassen sich sehr gerne füttern und notfalls auch streicheln. Das ist natürlich gerade fuer Kinder ein tolles Erlebnis, aber Vorsicht: Am Besten langärmlig anziehen - trotz, oder gerade wegen der kurzen Ärmchen können die ganz schön krallen. Die Wallabys, nicht die Kinder.

Auch als wir nachts noch unter dem Vollmond sassen und das verdiente Feierabendbier tranken, da kamen die kleinen Beutler vorbei und liessen sich gegen Futter auch mal streicheln. Ein herrlicher Ort. Wer's besinnlich mag: Bei Vollmond und freiem Himmel raus auf die runden Steine setzen. Man überblickt das Tal, hört das Gurgeln der Gorge und vielleicht ein paar Nachtvögel. Fast schon besinnlich, würden einen die Wallabys nicht am Ärmel zupfen.

Die Wanderwege sind übrigens nichts für zu Kleine Kinder. Erst recht nicht für Babys, egal ob umgeschallt oder sonstwie getragen. Auch einen Erwachsenen können die Felsen fordern. Also bitte keine Flip Flops! Wenn Ihr kletterbegeisterte Kids habt, dann dürfte das aber ein bombastisches Erlebnis für die Kleinen werden. Es gibt aber auch ganz normale Feldwege, die man gehen kann, auch mit Kinderwagen. Dafür hat man da dan aber nicht ganz so spektakuläre Aussichten.

Mareeba
Queensland, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Perfektes Panorama aufgetafelt - Die Atherton Tablelands

Morgens regnete es ordentlich, also frühstückten wir im Wagen und fuhren dann los. Unser Ziel: die Atherton Tablelands, eine Art Hochebene, die hauptsächlich von der Landwirtschaft geprägt ist. Wir gingen zunächst den Mamu Canopy Walk, ein kleiner Wanderweg durch den Regenwald, kinderwagengeeignet. Das Besondere hier war, dass für die Wege und insbesondere für die Aussichtsplattformen und erhöhten Wege kein Baum gefällt wurde. Man nutzte rein existierende Wege und Lücken, die ein Zyklon geschlagen hatte. Auf den vielen Schautafeln ging es zum einen um den Regenwald, aber zum anderen auch um die Geschichte der Ureinwohner, die hier lebten. Genauer betrachtet war
diese Hochebene, die jetzt aus riesigen Weiden und Plantagen besteht bis vor ein paar Hundert Jahren noch  Regenwald und das seit ca 100 Millionen Jahren. Als die Engländer kamen enteigneten sie die Urvölker, ermordeten oder deportierten sie oder zwangen sie zu Arbeit. Zuerst zum Roden der Wälder und dann zur Arbeit auf den Farmen. Ich finde es gut, dass solche Orte existieren, wo die Vergangenheit auch kritisch betrachtet wird. Ich meine, das war nicht wildes Mittelalter, sondern in den letzten paar hundert Jahren.

Mittagspause zelebrierten wir am Henrietta Creek Camping Platz. Der Gasgrill war kaputt, aber wir hatten auch so genug zu Essen dabei. Dafür waren dort extrem viele winzige Fliegen, die bald alles bedeckten. Was das genau war, wissen wir nicht. Sie bissen auch nicht, oder versuchten, irgendwo hin zu krabbeln. Sie waren einfach nur da.

Weiter ging's nach Milaa Milaa, einem kleinen Ort oben auf den hügeligen Bergspitzen. Es gibt da einen klasse Aussichtspunkt mit genialer Fernsicht. Und kühl war es da - einfach herrlich!

Der nächste Stopp war The Crater. Wie der Berg selber heisst, das muss ich erst nochmal nachschlagen, wir hatten uns nur während der Fahrt darüber amüsiert, dass keiner den Namen aussprechen kann. Aber es gab da einen Wanderweg zu den Dinner Falls, die wirklich ganz nett sind. Nur eine Bitte: bleibt auf dem offiziellen Weg. Ich hab ne Abkürzung genommen und das hat zu einem neuen Einsatz unseres Erste Hilfe Sets geführt. Es hat lange gedauert, bis ich die
Knochensplitter wieder korrekt zusammengefügt hatte. Nein, Unsinn. Zum Glück nur ein paar Schürfwunden. Man sollte halt nicht wie ich bei den Trekkingschuhen sparen. Geiz ist nicht nur geil, sondern auch gefährlich. Der Grip ist jedenfalls nicht das Wahre - ich rutschte auch nassen, scharfkantigen Felsen aus und hatte einfach nur noch Glück, dass ich nicht mit dem Kopf auf den scharfen Kanten aufgeschlagen bin.

Nach den Dinner Falls kamen wir zum Crater. Das ist ein wassergefülltes Loch, schon recht gross. Spannend daran ist, dass es bei einer Gasexplosion entstanden ist und eigentlich ein langer unterirdischer Gang ist. Das Wasser muss schon sehr lange darin sein, denn es gibt dort unten Krebstiere und Fische. Man weiss, dass es da achtzig Meter tief runter geht und der Gang dann einen Bogen macht, aber wie es dann weiter geht ist noch nicht genau erforscht. Es gibt
hier wohl auch Cassowaries, das erklärt auch die anwesenden Ornithologen. Was für komische Vögel... Entschuldigung. Der flache Witz musste an der Stelle einfach sein.

Wir durchquerten noch Atherton und kamen dann zur Granite Gorge bei Mareeba. Das Besondere hier sind kleine Felsenwallabys, die sehr zahm sind. Sir lassen sich zwar nicht streicheln, aber bei der Rezeption des Campingplatzes kann man Futter kaufen und darauf sind diese seltenen Beuteltiere richtig wild. Auch als wir abends kochten und
wir dabei nur das leiseste Rascheln erzeugten, kamen die bestechlichen Hüpfer nur zu gerne zu uns. Einfach mal gucken. Man weiss ja nie...

Mareeba
Queensland, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Mission Entspannen in Mission Beach

Heute hatten wir einen richtig frohgelaunten Start in den Tag und das mit gutem Grund: die Sonne ist zurück! Und das heute mit voller Kraft. Die Wolken wurden an den Horizont verbannt und trugen so zu tollen Fotos bei. Ehrensache, dass wir einen Teil des Tages am superschönen Strand von Mission Beach verbrachten. Ausser uns war da nur noch ein
übermütiger Mittzwanziger, der erstmal ne Stunde lang in der prallen Sonne lag und dann ins Meer ging. Sollte der jetzt einen Anfall kriegen, weil ihn eine Qualle erwischt - wie würden wir reagieren? Das ist eine extrem schwierige Frage. Ins Wasser springen, obwohl dort nun bewiesenermaßen eine gefährliche Qualle ist? Oder Hilfe holen, aber ihn in der Zeit ertrinken lassen? Solche Menschen sind unverantwortlich, nicht nur wegen dem Risiko, dem sie sich selber aussetzen, sondern auch, weil sie andere mit gefährden.

Im preisgekrönten Tourismuszentrum informierten wir uns über Interessantes in der Nähe, über unsere weitere Route, aber auch über das Wetter. Die gute Nachricht: Auch der zweite Zyklon zieht gerade ab. Er beeinträchtigt das Wetter noch in der nächsten Zeit, aber er stellt keine Gefahr mehr da. Unser Abenteuer Savannah Way könnte also durchaus noch klappen.

Wir fuhren abends den Canecutter Way entlang, eine Touristenroute durch Zuckerrohrfelder, die oft von den kleinen Gleisen der Zuckerrohrbahnen gekreuzt wird. Die Mischung aus Feldern, Bergen und Tropenwald ist echt schön und ich fand es schon etwas Schade, dass wir zu spät dran waren, um in die netten Pubs genauer anzusehen.

Dafür hatten wir aber einen tollen Deal in Garradunga. Im gleichnamigen Hotel darf man gratis campen, wenn man pro Person eine Mahlzeit und ein Getränk nimmt. Das hörte sich gut an und Hunger hatten wir sowieso. Also ran an die Speisekarte. Das war ordentlich deftige Kost, aber genau richtig. Und das passende australische Bier war auch
schnell gefunden. Nur, naja die Kommunikation mit den Locals... Die war etwas knifflig. Also, Englisch, das können wir natürlich. Ich hatte nur das Gefühl, die Aussies nicht...

Garradunga
Queensland, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Welcome to Cassowarie Country - Mission Beach

Heute Früh der erste Schritt aus dem Van (ich war von der Fahrerkabine direkt über die Küche aufs Bett gekrabbelt. Es waren nicht mehr so viele Mücken da. Aber deutlich mehr als keine. Also kam Baby Ben in das Reisebett mit Moskitonetz. Total praktisch, das Teil. Schnell aufgebaut, dabei leicht und klein wie ein Pop up Zelt. Damit war er
geschützt, wir ausgeliefert. Dafür legten wir Frühstück, Duschen und Aufräumen in einer Rekordzeit hin.

Wir besuchten direkt am Platz das Paradise Waterhole. Bei dem Namen mussten wir schmunzeln. Auf Sri Lanka waren wir in den Bergen in einem kleinen Kaff umgeben von Teeplantagen und nebelumwobenen Gipfeln. Das Dorf hiess Edda, Erika, Erna oder so ähnlich. Auf jeden Fall aßen wir dort ein paar Mal in einer als Restaurant ausgebauten
Garage. Der Inhaber, Koch, Ober und Küchenjunge vereint in einer Person rannte nach jeder Bestellung los in den Ort und kaufte Getränke und Zutaten ein. So ein Essen dauerte lange, war aber immer genial frisch und lecker. Und jetzt ratet mal, wie der Laden hiess. Genau. The majestic Food Palace. Genau daran dachten wir, als wir zum Paradise
Waterhole gingen. Aber es war zum Glück keine trübe Pfütze sondern ein natürliches Wasserbecken mit runden Steinen, wo man schwimmen konnte. Und das Paradiesische: keine Mücken! Dafür waren die Stone
Slides 2 km weiter eher enttäuschend.

Wir fuhren zu den Jurana Falls einige Kilometer weiter, aber noch im gleichen Nationalpark. Dort stellten wir zwei Dinge fest:

a) wir waren hier schonmal vor ein paar Jahren. Sie sind echt schön

b)  auf dem Parkplatz standen Touristen, die wild um sich schlugen und verzweifelt mit Mückenspray Wolken erzeugten. Damit war der einstündige Wanderweg für uns so sexy wie ein Date mit der allwissenden Müllhalde der Fraggels.

Wir kehrten direkt um und fuhren weiter. In Ingham war es ganz nett, vor allem die tropischen Bäume in den Parks waren hübsch. Leider liegt der Ort nicht am Meer, also fuhren wir an der Victoria Mill, der grössten Zuckerrohrmühle der südlichen Hemisphäre (gähn) vorbei nach Forster Beach. Da war in etwa so viel los, wie im Freibad bei -20 Grad. Genügsame Reisende finden hier aber alles, was sie brauchen. Okay, ich will fair sein. Wir sind außerhalb der Saison
und noch dazu ist das Meer noch immer aufgewühlt. Wir grillten hier direkt am Strand (Gasgrill, Wasser, Strom, Sitzgelegenheiten - alles da) und dann ging's weiter.

Der nächste nette Ort war Cardwell. Endlich führte der Bruce Highway mal wieder durch einen Ort direkt am Meer. Das haben wir schon sehr vermisst. Cardwell ist recht nett, aber war uns auch noch zu ruhig. Aber etwas Neues gab es hier schon: das erste Warnschild vor Krokodilen am Strand. Ab hier gibt es also die massiven Salties, bis zu sieben Meter lange Kolosse. Aber trotz des Angst vor Krokodilen sollte man nicht vergessen, dass die wahren Killer hier die kleinen
Quallen sind. Sterben durch Herzstillstand, Atemnot oder unerträgliche Schmerzen. Und das nur wegen einer Berührung durch so ein Wabbelvieh....

Also weiter auf dem Highway namens Bruce nach Tully und von da aus nach Mission Beach. Ziel erreicht! Hübscher kleiner Ort am Meer. Einige Backpacker unterwegs, aber dennoch ruhig. Wir kamen in einem sehr günstigen Campingplatz am Strand unter. 22 Dollar für einen Platz mit Strom. Das ist bisher das günstigste Angebot. Wir wuschen Wäsche und genossen einen Abend draussen vor dem Wagen. Ein paar Mücken gab's, aber kaum der Rede wert. Nennt mich ruhig nen Weichei, aber wenn das mit den Mücken so weitergeht wie gestern, dann stimme ich
für die zweite Hälfte der Tour für eine südlichste Route via Outback anstatt Regenwald. Aber aus Vorsicht nehmen wir keine Chemiekeulen her. Erst recht nichts mit DEET. Das ist uns mit unserem Baby zu gefährlich. Vielleicht sind wir auch deswegen so ein gefundenes Fressen. Die ganzen Bioöle scheinen jedenfalls nicht zu helfen, maximal vermindern sie die Angriffe etwas.

Dem aufmerksamen Leser (ich meine jetzt nicht die Fotogucker, weil die das hier eh nicht lesen) mag aufgefallen sein, dass bisher nur in der Überschrift Cassowaries erwähnt wurden, aber nicht im Text. Das liegt daran, dass wir zwar massig Hinweisschilder gesehen haben, das man vorsichtig fahren soll, da hier neulich erst ein Cassowarie die Strasse gekreuzt hat, dass ... OH! Ich sehe Euere fragenden Gesichter. Cassowarie - was ist das den? Ihr kennt nur die Opernarie? Cassowaries (zu deutsch Helmkasuar, oder so ähnlich) sind grosse, flugunfähige Vögel und sind ähnlich gebaut wie ein Emu, ich glaub nur einen Tick massiver. Sie sind mittlerweile recht selten und brauchen tropischen Regenwald - und das beruht auf Gegenseitigkeit. Sie sind nämlich das einzige Lebenwesen im Urwald, das die Samen grösserer Bäume verteilt. Kein anderes Lebewesen hier bekommt die Samen heruntergeschluckt, um sie dann irgendwo anders im Urwald mit Dünger wieder abzusetzen. (das war jetzt schön umschrieben, gell?) Ohne diesen grossen schwarzen Vogel mit ziemlich buntem Gesicht und einem hutähnlichen Horn auf dem Schnabel wäre der Regenwald ziemlich arm dran. Das erkennen die Australier auch langsam, darum die Schutzbemühungen. Ärgerlich sind die Riesenhühner nur für Immobilienmaler. Offenbar gibt es hier in Mission Beach derzeit Streit, weil die einen den kleinen Ort erhalten wollen und den Cassowaries moeglichst viel Raum geben wollen, die anderen hätten gerne die Schutzgebiete eingeschränkt und mehr Boden in Bestlage zum Bebauen. Wegen mir kann der Ort gerne so angenehm klein bleiben. Touristenbunker gibt es andernorts genug. Und dafür, das der arme Kasuar so sehr als Logo, Namensgeber und Maskottchen herhalten muss, sollte ruhig mehr fuer seinen Schutz getan werden. Gut, ich habe irgendwo aufgeschnappt, das die Organisationen rund um den Cassowarie-Schutz der grösste Arbeitgeber im nördlichen Queensland sein sollen. Kann das mal wer prüfen? Gut, ausser Regenwald ist da ja auch nicht mehr viel...

Mission Beach
Queensland, Australia
Herman Güldenhaupt Small

La Paluma ohé - Moskitos im Wald


So, in Home Hill haben wirs heute langsam angehen lassen. Gibt ja auch keine Check Out Zeit. Schön entspannt ging es zunächst nach Ayr, das wir am Meer wähnten, aber: in Ayr kein Meer. Man musste sich durch Zuckerrohrplantagen gen Küste kämpfen, aber gemäß Navi gibt es da nur eine Bootsrampe in einen Fluss, der dann ins Meer mündet.

Egal - wir wollten eh nach Townsville. Hört sich klein an, ist aber ein verhältnismäßig großer Ort mit Hafen direkt am Meer. Hier gibt es Hotels, Straßencafés und sonst alles, was man so braucht oder sich zu brauchen einreden kann. Wir brauchten in dem Fall nicht viel: Meerblick, BBQ und nette Tiere. Bingo! Wunsch erfüllt. Wir grillten den Fisch, den wir gestern in Bowen gekauft haben. Barracuda, Sweetlip und irgendeine Sorte Forelle. Lecker! Der Ausblick war super: Sandstrand, Meer, Inseln und ab und zu schaute die Sonne etwas hervor. Und die Tiere? Schwarze Kakadus, die wirklich besonders drollig sind, und in einem Mangobaum saß reichlich verschlafen ein Opossum. Offenbar braucht es hier in der Stadt keine Jäger zu fürchten. Das war eine herrlich entspannte Mittagspause. Kein Wunder, dass sie länger dauerte, als geplant. Wir fuhren dann weiter, wollten eigentlich zum Campen ins Hidden Valley im Paluma Ranges National Park. Das sind einige der tollen Berge gen Inland und die enge, kurvenreiche Straße erinnerte mich dann schon etwas an den Lamington National Park, damals, vor einer Ewigkeit von zwei Wochen. Oder so. Die Aussicht war auch nicht ohne: felsige, bebuschte Berge, Flachland und die Küste gen Westen, oder zum Osten hin Bergland. Wir
passierten den Little Crystal Creek, einen Wasserfall der sich über viele rundgewaschene Steine ergießt und lauter Wasserlöcher bildet. Herrlich zum Erfrischen, besonders weil man in Queensland wegen der tödlichen Quallen nicht ins Meer gehen sollte. Oder weiter nördlich wegen der Salzwasserkrokodile. Zwei gute Gründe, warum solche Badegelegenheiten so herrlich sind.

Nach knapp 16 km enger Strassen immer knapp am Abgrund erreichten wir Paluma, ein kleiner Ort oben auf dem Berg.
Ein paar Lookouts, ein paar Wanderwege, aber keine Campingplätze. Zum Hidden Valley waren es noch 24 km Schotterpiste und der einzige Campingplatz war beim Paluma Lake, ca 15 km Schotterpiste, aber nur für Vorabbucher und nur für Zelte. Solche Informationen wären hilfreich, würde man sie eher bekommen. Einfach ein billiges
Infobrett am Fuße des Berges und nicht erst oben. Also fuhren wir bei einsetzender Dunkelheit wieder den engen, am Abgrund entlangführenden Weg hinab ins Tal und fuhren zum Campingplatz am Paradise Creek. Und hier wieder ein Paradebeispiel von 'Mal wieder nicht mitgedacht'. Die Regierung von Queensland ist modern und stellt die Bezahlung von Campingplätzen auf ein elektronisches System um. Das heisst, man bucht und bezahlt online und legt die Buchungsnummer aufs Armaturenbrett. Alternativ kann man auch eine Hotline anrufen. Andere Möglichkeiten gibt es nicht mehr, es wird aber mit Strafen gedroht, sollte man nicht buchen. Soweit ein gutes, fortschrittliches System. Das Gemeine an unberührter, schützenswerter Natur ist nun aber, dass sie nicht in Großstädten vorkommt, sondern in der Regel möglichst weit weg von eben solchen Ballungszentren. So auch der Paluma Nationalpark. Und was hat man
da nicht? Genau - Handynetze. Wildnis gegen Regierung 1:0. Bin auf morgen Früh gespannt, wie unser Spiel gegen den Ranger ausgeht, der die Gäste kontrollieren soll.

Oh, übrigens hat der Campingplatz dank der Lage bei den Creeks einen klitzekleinen Haken, zumindest jetzt zur Wet Season: Massig Mücken. Wir haben das Auto nicht verlassen und sind für jeden Hinweis dankbar, wie man einen Campervan mückensicher bekommt. Die sind wie Steuersünder: Irgendeine Lücke finden die immer.

Paluma
Queensland, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Armee der Dämmerung

Cape Hillsborough hat eine Besonderheit, die uns gestern beim Check in angekündigt wurde: Es ist einer der wenigen Orte in Australien, wo Kängurus an den Strand gehen. Das machen sie sonst wohl eher nicht. Der Haken: das machen sie nur um 5:30 Uhr morgens. Wie dämlich ist das denn, bitte?! Wer steht denn um 5:30 Uhr auf, nur um Beuteltiere
im Sand zu sehen? Wenn sie da wenigstens irgendetwas machen würden. Feuertanz, Maibaum aufstellen oder Kitesurfen. Aber die gehen dort wohl nur zum Entspannen hin. Nein! Ich boykottiere so einen Quatsch!!! Nicht mit mir!

Um 6:30 Uhr bin ich dann an den Strand gegangen, weil ich vor lauter Känguruvisionen nicht mehr schlafen konnte. Es regnete, stürmte, war neblig,sprühte mich nass und an diesem gottverlassenen Ort, der eher an Schottland im Winter als an die Tropen erinnerte, war ich der einzige Depp am Strand. Nein, das stimmt nicht. Im Gebüsch waren
glaube ich zwei Brush Turkeys, die sich prächtig über mich amüsierten. Vermutlich war die ganze Belegschaft auf der Lauer, ob wieder ein Tourist auf den alten Witz hereingefallen war. Zu meiner Verteidigung: Es war tatsächlich ein Wallaby am Strand, das nahm aber sofort Reissaus.

Morgens liess der Regen nach. Nicht, dass er aufgehört hätte. Nein. Die Regenpausen waren nur Köder für Wetteroptimisten wie uns, um uns aus dem sicheren Auto zu locken und dann neu zu befeuchten. Die
wasserscheuen Kängurus waren schlauer als wir: Sie verkrochen sich in Garagen, in die Campküche unter die Tische oder auf Verandas. Logisch, dass sie nicht am Strand waren, sondern lieber abwarteten. Gibt es eigentlich Lebensratgeber mit der Känguru-Strategie fürs Leben? Wie etwa: Schenkt Dir das Leben Regen ein, dann warte einfach ab - der nächste große Sprung kommt früher oder später. Wir genossen den klasse Campingplatz dennoch so gut es ging, dann wollten wir in einer Regenpause einen Wanderweg gehen. Kaum hatten wir alles gepackt und waren aus dem Auto, da kam schon die nächste Regenfront. Also weiter auf die Strasse!

Wir fuhren nach Bowen, einen Ort mit ebenso nichtssagenden Namen wie gähnender Leere am Strand. Aber die Strandpromenade war echt klasse. Wir waren die Einzigen dort und die Grillecke war die Beste, die ich
bisher begrillen durfte. Die beste Show zogen aber die Möwen ab. Als sie merkten, dass wir Brot hatten, kamen sie zu uns. Aber dank des starken Windes konnten sie ohne große Anstrengung neben und über uns Schweben. Das erschwert das entspannte Grillen enorm, wenn ständig Möwen über und neben dir in Greifnähe wie ein
Kampfjetgeschwader auftauchen. Aber die Fotos und besonders der Film den wir gedreht haben sind genial geworden.

Danach fuhren wir zur Touristeninfo bei der Big Mango. Das ist eine Mangoskulptur, die eher wie ein gigantisches Osterei aussieht und das Hauptprodukt der Region darstellt. Genauso mache das andere Regionen auch. So waren wir schon bei der Big Banana, Big Shrimp, Big Pelican, Big Sheep, ... Ich glaube, ihr habt das Prinzip verstanden und
überlegt boshaft grinsend, welches Big in Berlin vor dem Reichstag stehen müsste. Klar - der Big Bullshit!

Die gute Nachricht im Tourizentrum war, dass sich der Zyklon aufgelöst hat, aber es kann die nächsten Tage wechselhaft bleiben. Damit bleiben wir erstmal an der Küste. Gut gelaunt fuhren wir weiter und suchten uns für den Abend einen tollen, idyllisch gelegenen gratis Campingplatz aus: Funny Dunnies. Die Anreise war super: über
Schwemmland, am Horizont grosse Berge, vor uns Wiesen und Wasserlöcher mit extem vielen Vögeln. Strandläufer, Enten, Reiher, Störche, schwarze Schwäne und sogar Kraniche. Wir waren erstaunt, dass der Campingplatz total leer war. Bis wir ausstiegen. Offenbar waren die Milliarden Mücken hier total ausgehungert, denn die stürzten sich sofort auf uns und rannten gegen die Glasscheiben an, als wir wieder im Auto waren. Im Nachhinein eigentlich logisch:
Regen + feuchtwarmes Wetter = ideal für Mücken. Wir flohen in einen wunderbaren, farbenprächtigen Sonnenuntergang hinein und waren noch die restliche Nacht damit beschäftigt, Moskitos totzuschlagen. 

Wir fuhren dann zum ersten Mal bei Dunkelheit auf der Strasse. Nervenzerreibend! Nachts soll man Autofahren vermeiden, ausser man fährt einen LKW, Road Train oder schweren Geländewagen mit Eisengitter vorne dran. Die Tiere hier sind nachtaktiv und sie gehen nachts sehr gerne auf die Strassen, weil es hier sehr eben und
übersichtlich ist. Davon zeugen die Tierkadaver von Kängurus, Koalas, Opossums und Co, die die Strassen säumen. Also war ich heilfroh, als wir schweissgebadet ohne Unfall Home Hill erreichten. Dort ab zum Comfort Rest und Oh Freude: wir waren hier schon vor ein paar Jahren. Die lieben Einwohner von Home Hill stellen hier eine
klasse Rest Area mit Küche, Duschen, Bad und Waschküche zu Verfügung. Top Zustand und gratis. Das ist wirklich ein genialer Zug, zumal die meisten Gäste direkt in der nahen Geschäftsstrasse einkaufen gehen. Sei es, in der Bäckerei, beim Friseur oder - wie wir - ab in die nächste Kneipe und ein eiskaltes Bier auf den anstrengenden Tag. Dafür, dass wir eigentlich nichts erwartet hatten, war der Tag dann doch noch ganz schön turbulent.

Herman Güldenhaupt Small

Cape Hillsborough

Heute bekamen wir schon die Ausläufer von dem Zyklon mit. Jeder Kilometer, den wir der Küste näher kamen, brachte mehr und mehr Regen mit sich. Leichter Nieselregen wurde zu stürmischen Regenströmen. Wir deckten uns mit Lebensmitteln für die nächsten Tage ein. Scheinbar sind wir die einzigen Hamsterkäufer. Die Australier sehen das Ganze gelassener. Sie sind ja auch Katastrophen gewöhnt.

In Mackay ging ich gleich mal ins Touristenzentrum und frage, was man denn hier so bei schlechtem Wetter tun kann. Das war bisher das erste Mal, dass ich einen Australier komplett ratlos gesehen habe. Klar - das komplette Leben hier spielt sich draussen ab. Nur zum Alkohol trinken und Nachwuchs zeugen begeben sich die Australier nach
drinnen. Meistens. Ich bekomme aber tolle Tipps für Wetterkarten online und die schlechte Nachricht, dass es im Norden aktuell zwei Zyklone gibt, die Cairns von zwei Seiten in die Mangel nehmen. Einer wird sich demnächst auflösen, aber der zweite ist hartnäckiger. Damit sterben sämtliche Pläne bezüglich Ostküste und Great Barrier Reef. Und es kommt Sorge auf, dass wir unsere Route über den Savannah Way nicht nehmen können, falls die Strassen wegen Überschwemmungen nicht passierbar sind. Aber wir lassen uns von sowas nicht klein kriegen. Wir sind flexibel. Bereitet euch also notfalls schon einmal auf Berichte aus dem Outback vor. Da ist es nämlich verlässlich heiss und trocken.

Danach sind wir in den Cape Hillsborough Nationalpark gefahren. Auch im Regen eine tolle Kulisse. Dort checkten wir beim Cape Hillsborough Retreat ein. Sehr netter Campingplatz mit allem Drum und dran. Und: Wildtiere gleich am Platz, allen voran Kängurus, Wallabys und lautstarke Ochsenfrösche. Ein Känguru war jedoch von dem Wetter mächtig angewidert und quetschte sich genervt unter einen Billiardtisch.

Fotos gibts von heute kaum, da wir entweder gefahren sind, oder es einfach zu heftig geregnet hat.

 

Cape Hillsborough
Queensland, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Ich lass es mal richtig schleifen


So, heute Morgen schnell Frühstücken und bei klasse Wetter ab zurück zu Pat's Gems. Diesmal verarbeiteten wir zwei Kübel und die Ausbeute kann sich sehen lassen. Melanie hat sogar einen Star Sapphire gefunden. Wir fuhren nach Rubyvale auf der Suche nach einem Gem Cutter, also jemanden, der den Steinen den passenden Schliff verpasst. Da wir ausserhalb der Saison kommen, sind viele gerade im Urlaub, aber wir fanden bei Old Micks Gem Store einen sehr netten und kompetenten Ansprechpartner, der unseren kleinen Schatz prüfenden Blickes durchsuchte und vier schleifenswerte Steine fand. Wir gaben den Schliff in Auftrag und haben nun noch einen Grund mehr uns auf
Deutschland zu freuen:
Wir lassen uns die Steine zuschicken. Wir dürften zwar gut vor ihnen da sein, aber wir sind schon super gespannt auf das Ergebnis.

Eine schlechte Nachricht hatte Old Mick dann aber für uns: Auf die Ostküste kommt ein Zyklon zu und dürfte sie in den nächsten Tagen mit voller Wucht treffen. Mit dem tollen Sonnenschein ist es also erstmal vobei und wenn wir Pech haben, ist der Savannah Way nicht befahrbar. Auch nicht mit 4WD. Sch****

Dafür empfahl er uns eine Abkürzung, die wir aber falsch verstanden und erstmal fuhren wir in die vollkommen falsche Richtung, ehe die Zweifel den Optimismus übertrafen. Dann hatten wir aber schon ein gutes Stück hinter uns gebracht. Als die richtige Strasse endlich unter uns lag, ging's ab durch Vulkanland und von Waldbränden zeugende Baumleichen nach Clermont. Superschöne Landschaft mit einigen uralten Vulkanhügeln. Klar, dass es hier Edelsteine gibt - sie können ja nur unter extremen Bedingungen entstehen.

Auch der Highway nach Mackay war landschaftlich sehr schön, mit spannenden Felsformationen und weiten Ebenen. Dazwischen aber auch gigantische Minen von den grossen Konzernen dieser Welt. Waren bis Emerald die LKW noch weiss, weil voll mit Baumwolle beladen, dominiert hier eher das schwarze Gold der Erde - Kohle.

Geschlafen wird heute auf einem Rastplatz am Highway. Die Ortschaften sind hier am Land einfach zu weit auseinander - wir haben es vor Einbruch der Dunkelheit nicht in die nächste Stadt geschafft. Nachts fahren ist aber wegen der Tiere zu gefährlich. Wegen der Hitze sind die meisten Tiere nachtaktiv und die schönen freien Strassen ziehen sie geradezu
magisch an.
Den großen Roadtrains - gewaltigen LKW, meist massiv mit Metallgittern geschützt - ist das herzlich egal, aber für normale Autofahrer ist das sehr gefährlich.

Herman Güldenhaupt Small

Bling Bling

Zum Frühstück gab's Chili von Carne mit Rührei vom Grill mit Blick auf den Fluss. Super Wetter - ein klasse Start. Heute würden mal wieder einige Fahrkilometer anstehen. Also alles eingepackt und los geht's!

Ich muss sagen, so ein bisschen enttäuscht war ich schon. Ich hatte mir vorgestellt, dass man ein paar hundert Kilometer landeinwärts fährt und dann sind da nur noch Wüsten, knallende Sonne und so. Wer lesen
kann (Reiseführer zum Beispiel) ist klar im Vorteil. Für sowas habe ich im Urlaub aber leider leider keine Zeit ... Das Outback fängt so richtig erst hinter der Great Dividing Range an. Und dass die groß ist, das signalisiert das Great. So wie beim Great Barrier Reef auch. Clever, die Australier. Bei uns alten Europäern war ja nicht mal Karl der Große besonders groß. Ich fuhr also so durch die Gegend und wartete auf roten Sand und Wüste. Immerhin war es verdammt trocken, das tröstete mich schon mal. Und es gab weite Graslandschaften. Aber als wir in Emerald ankamen, das angeblich den Outback Spirit hat, da war es regelrecht grün. Es gibt hier einige Flüsse mit Wasser (einige auch ohne, die führen nur zur Regenzeit Wasser). Dazu kommt die fruchtbare Vulkanlandschaft. Also nichts da mit Ödnis. Von Wegen. Die Touristeninformation war geschlossen (um 3:30 Uhr, Willkommen im Feierabendland), aber ein alter Mann sprach uns an. In Deutschland wären wir spätestens jetzt misstrauisch. Was will der?!? Uns nen Wachturm andrehen? Drogen verkaufen? Uns vom Parkplatz verscheuchen? Ein Zeitungsabo andrehen? Oder die schlimmsten von allen: Politiker auf Stimmenfang? Wir sind aber zum Glück in Australien und da sind die Leute einfach so freundlich und hilfsbereit. Ohne Hintergedanken. Wir plauderten einfach so mit ihm und er empfahl uns unbedingt zu The Gemfields zu fahren. Das ist die einzige Gegend weltweit, wo man als Privatperson auf Edelsteinsuche gehen darf. Auf die Frage hin, ob man da auch etwas findet, hielt er uns einen 40 karätigen blauen Saphir und einen bisschen kleineren Starsapphire unter die Nase. Beide zusammen dürften geschnitten locker den Wert eines neuen Kleinwagens haben. Er war stolz wie Bolle, doch wollte uns verständlicherweise nicht sagen, wo er die her hat. Aber er empfahl uns Pats Gems im Ort Sapphire. Lange im Geschäft, guter Ruf. Also nichts wie hin. Dort angekommen bestellten wir sofort einen Eimer Wash. Was das ist?

Aaaaalso: man bekommt einen Kübel Erde aus der hauseigenen Edelsteinmine. Genauer gesagt den Abfall aus der Verarbeitung. Solche privaten Minen gibt es hier zuhauf und in jedem Vorgarten stehen Maschinen, die die Erde filtern. Wir machen das mit einem runden Sieb. Erde rein, sieben. Wenn der Sand raus ist, dann ab zum Waschen. Dafür schüttelt man das Sieb kräftig in einem Wasserbad. Das soll man so kräftig machen, damit die Steine sauber werden. Ich hab mich das nie getraut, aus Angst meine Steine würden rausschwappen. Angeblich sind die Edelsteine aber schwerer als der normale Kies und die sammeln sich eher unten. Aber wer weiss das schon? Die nassen Steine kippt man jedenfalls dann auf eine Matte auf einem der Tische und dann breitet man sie schön aus. Jetzt alle ganz genau ansehen. Irgendwo darunter könnten Edelsteine sein, die glänzen und schimmern wohl etwas mehr. Für mich sehen sie etwas wie bunte Glasscherben aus. Es gibt aber auch viel zu viele Quarzsteine, die man schnell zu euphorisch für einen Saphir hält. (Meistegehörter Satz in der Region: Wenn DAS jetzt ein Edelstein wäre ...) Alles in allem aber ein Spaß, den ich nur empfehlen kann. Ein geübtes Auge braucht für einen Eimer ca 30 min. Wir waren zu zweit über zweieinhalb Stunden mit einem Eimer beschäftigt. Die Ausbeute wurde dann noch fachmännisch von einer Angestellten sortiert und uns erklärt, was wir da haben. Gar nicht schlecht, für den Anfang. Ein paar blaue Saphire, ein paar zweifarbige, grüne und gelbe. Dazu viel Kies und Eisenerz (das auch nicht schlecht aussieht...)

Wir checkten beim Sapphire Camping Park ein. Absolut zu empfehlen! Sehr gutes Preis Leistungsverhältnis und liebevoll gepflegt. Nur ein Haken: Alles Kieswege mit Steinen aus den Minen. Ich konnte also kaum die Landschaft geniessen, weil ich nur am Boden nach Edelsteinen suchte. Die grössten wurden bisher nur durch Zufall, z.B. auf Spielplätzen gefunden.

 

Gemfields
Queensland, Australia
  • Small
    Isabelle hat am kommentiert:

    eure Abenteuer bleiben spannend! danke für die Inspiration

Herman Güldenhaupt Small

Cania Gorge

So, heute gemütliches Frühstück bei klasse sonnigem Wetter. Dazu der Duft der trockenen Landschaft - herrlich. Wir nutzten noch die gute Campsite bestmöglich aus und dann ging's los in den Nationalpark, Wandern war angesagt. Zuerst gingen wir in eine kleine Schlucht hinein, die früher einmal ein Fluss ausgespült hat. Man sieht das Flussbett mit den grossen uns kleinen rund gewaschenen Steinen und Felsblöcken ganz deutlich. Heute fliesst da nur noch selten Wasser, dafür tummeln sich da unten kleine Echsen, Schlangen und Warane, die hier einen idealen Lebensraum haben. Unsere Wanderung führt uns zunächst durch einen sehr trockenen Eukalyptuswald und dann in einen trockenen Regenwald (hört sich doof an, ist aber so - es gibt sicher auch feuchte Trockenzonen) an Sandsteinklippen entlang. Dripping Rock und The Overhang sind schöne Formationen von Sandstein und erinnern an das ideale Setting für Abenteuerfilme. Eigentlich erwartet man jederzeit einen Saurier, aber dann kommt zumindest ein kapitaler Waran an, der auch Respekt einflößt. Wesentlich beeindruckender, aber kaum erwähnt sind die Stellen, an denen sich die Ureinwohner verewigt haben und das schon vor Urzeiten. Der Sandstein ist meistens hell, aber an einer Stelle ist eine Schicht mit rotem Sandstein frei und hier haben Urzeitjäger die Hände rot bemalt und an die hellen Stellen gedrückt. Was wollten sie damit aussagen? Ich war hier? Hallo Nachwelt? Meins? Ärgerlich sind nur die Idioten, die die Absperrung übersteigen und selber was dazukritzeln.

Die nächste Route führt uns zur Dragon Cave, in der eine schwarze Steinschicht wie ein Drache geformt sein soll. Die Schicht sehe ich, aber der Drache muss einen schrecklichen Verkehrsunfall gehabt haben. Dafür ist die Aussicht sehr schön. Der Aufstieg zum Lookout ist nicht weit, aber extrem anstrengend, da jetzt  die Mittagshitze
zuschlägt. Jaja, erst nicht aufstehen wollen, dann noch lang frühstücken und schliesslich über die Hitze meckern. Der Wald beim Aussichtspunkt war reichlich verdörrt, aber die Aussicht auf die Sandsteinklippen war ganz nett.

Schliesslich sind wir noch zur Bloodwood Cave, die recht klein ist, aber für ein paar Fledermäuse ist sie das ideale Zuhause. Unterwegs sahen wir ein paar Schlangen, einen grossen Bindenwaran, einen kleinen Waran der
sich auf einen Baum rettete und den ich nicht ganz zuordnen kann und ein  Felsenkänguru, das sehr kamerascheu war. Ganz anders als ein kleiner Vogel, dessen Balzrevier wir kreuzten und der sich dadurch nur noch angespornter fühlte.

Danach wollten wir schnell wieder weiter gen Outback. Weit kamen wir nicht, aber der Weg ist das Ziel. Wir fuhren über Beliola nach Banana und Mouri, wo wir in der Nähe an einem Fluss auf einer kostenlosen Campsite übernachteten. Gasgrill, Toiletten, reichlich Sitzmöglichkeiten und wer sich traut, kann Schwimmen gehen. Es wird nur nicht empfohlen, wegen Gegenständen unter Wasser, Untiefen, Wasserpflanzen, Sog in Waschmaschinen (das Bild sieht jedenfalls so
aus). Die Wasserschlangen und die bissigen Schlangenhalsschildkröten werden allerdings nicht erwähnt. Oh, es gibt hier übrigens Sumpfschildkröten, die unter Wasser durch ihren Hintern atmen. Die müssen nicht auftauchen. Das klappt, weil die Kloake sehr stark durchblutet ist und ähnlich wie Kiemen bei Fischen Sauerstoff aus dem Wasser aufnehmen können. Hm, so manche redefreudige Zeitgenossen können den Schildkrötentrick auch, wenn sie mal wieder ohne Luft zu holen vor sich hin brabbeln.


Wir kommen dem Outback immer näher. Noch sind wir in der Great Dividing Range, einem riesigen Gebirgszug der parallel zur Ostküste verläuft, aber die Landschaft wird immer flacher und es gibt immer weniger Bäume, dafür mehr Kakteen und wir haben die ersten Baobabbäume gesehen. Die heissen auch Elefantenfußbaum und das wegen ihrem oft sehr dicken Stamm in dem sie Wasser speichern. Man kennt sie aus vielen Tierfilmen aus Afrika, besonders auf Madagaskar. Aber oha! Welcher Spaßvogel hat denn einen afrikanischen Baum nach Australien gebracht? Fehlanzeige! Die waren schon immer da. Australien war ja früher mit Afrika verbunden. Erst als der Urkontinent aufbrach,
drifteten sie auseinander. Und zu der Zeit gab es schon Baobab und die veränderten sich seither auch nicht mehr. Es gibt übrigens auch Föhren hier, die man sonst nur auf Chile findet. Oder Bäume, die seit den letzten Eiszeit hier sind.

So, damit ihr nicht zu viel lernt, mach ich jetzt mal Schluss für heute.

Herman Güldenhaupt Small

Ab Richtung Outback

Auf dem Campingplatz in Tiaro war ein Caravan auf dem Werbung für den Cania Gorge Nationalpark stand. Multimedial wie Melanie so ist, hat sie gleich gegooglet/gegoogled/gegoogelt ... ach sch ... nachgeschlagen halt! Interessiert, was der Park so zu bieten hat? Das sah verlockend gut  aus. Ein kurzer Blick auf die Karte, wo er denn überhaupt ist. Bingo! Nordwärts von hier und grob in Richtung Cairns. Wir hatten noch vor, bevor wir in die Tropen kommen, noch einmal das Outback zu erleben. Und dafür liegt der Park ideal. Also war das Tagesziel per Zufall gefunden. Wozu Werbung an Fahrzeugen doch gut sein kann.

Das Wetter war nicht das Beste - wir sind ja schliesslich die Regenbringer - also beschlossen wir, Kilometer zu machen. Das passte zum Cania Gorge recht gut, der ist nämlich 340 km entfernt. Das sind in Deutschland knapp 2,5 Stunden auf der Autobahn. Hier sieht das aber anders aus. 110 war die maximale Höchstgeschwindigkeit, die hier erlaubt ist, meistens sind aber nur 100 kmh erlaubt und da gibt es einige Strassen, wo ich auf gar keinen Fall so schnell fahren würde. Heute war wieder so ein Fall. Auf dem ersten Zwischenstopp in Gin Gin (Prost! ist schon ein super Ortsname), da aßen wir nicht nur was Leckeres, sondern wir gingen auch zur Touristeninfo und die gaben uns super Material mit. Tja, und den Ratschlag, eine Abkürzung zu nutzen, die uns 20 km spart. Und die haben wir genommen. Die ist so eine Art Bundesstrasse und am Anfang war alles super. Zweispurig ausgebaut, tolle trockene Landschaft bei der farblich Gelb, Braun und Ocker dominieren. Nach 50 km kam der nächste Ort, also sich hier ein Vorgeschmack aufs Outback. Die Hälfte der Häuser stand leer, ein Panzer stand als Denkmal rum (wurde Australien jemals ernstzunehmend angegriffen?) und vor einer Tankstellen standen Zapfsäulen aus den 50ern. Ja, in Mount Perry steppt der Bär. Die Abkürzung kam dann auch bald. Die Strasse wurde zur Schotterpiste, zeitweise geteert, dann schlimmer Zustand, dann nur noch in der Mitte geteert und die 34 km verflogen wie in Zeitlupe. Aber schön war's trotzdem. Also der
Unterschied der deutschen zu den australischen Bundesstrassen ist schon gravierend. Aber irgendwann haben wir es geschafft und erholten uns im nächsten größeren Ort, Monto. Hm, was soll ich sagen ... Gin Gin, davor Tiaro und dazwischen ganz besonders Childers zu nennen - diese Orte sind wirklich hübsch hergerichtet und es macht da
wirklich Spass, eine Pause einzulegen. In Monto war zumindest der kleine Rastplatz nett und wir kauften schnell Proviant ein, bevor wir weiter fuhren.


Die Fahrt nach Cania war spannend, denn in dem kleinen Tal soll es Regenwald geben. Das kann man sich bei der trockenen Landschaft überhaupt nicht vorstellen. Aber tatsächlich wurde es immer grüner und am Ende waren wir zumindest am Campingplatz Cania Gorge Retreat angekommen. Sehr angenehmer Platz, weitläufig und in gepflegtem
Zustand. Genial ist die Stelle, wo Vögel gefüttert werden. Hier waren zahlreiche Wildvögel, aber dominiert haben die Lorikees. Die schwarzen Vögel heissen übrigens Happy Jack, aber viel treffender ist ihr anderer Name: Apostel birds. Wie die 12 Apostel treten sie nämlich ausschließlich in - meistens sehr geschwätzigen - Gruppen auf und haben eine extrem enge Bindung untereinander. Goldig!

Der Abend war lustig. Nicht nur, weil wir zum ersten Mal in 3 Wochen die zweite Schlafebene aufgebaut haben, sondern weil der Sternenhimmel genial ist und wir nach den ersten normalen Sternenfotos ein bisschen
Quatsch mit einer Taschenlampe und langer Belichtungsdauer gemacht haben. Ehrlich - das Bild ist nicht bearbeitet, die Schrift ist per Taschenlampe gemacht. Wir freuen uns auf die Richtige Wildnis im Norden. Da machen wir dann richtig Unsinn. Jetzt erstmal gute Nacht da draussen!

  • Small
    Isabelle hat am kommentiert:

    tolle Farben.

Herman Güldenhaupt Small

Baby an Bord

Da hat das mit der Bootsfahrt doch noch geklappt. Am Campingplatz in Noosaville (Vorort von Noosa Heads) lagen Prospekte für verschiedene Bootsvermieter aus. Die sitzen auch alle in direkter  Nähe an der Gympie Terrace am Flussufer. Um ein Boot zu mieten braucht man keinen Bootsschein oder so. Ideal! Wir suchten uns einen der Verleiher aus und mieteten ein bequemes Boot mit einer kleinen Kajüte, damit Bennet immer Schatten hat, bzw vor Regen geschützt ist. Das Boot war zweckmäßig und es gab eine kurze Einweisung in die wichtigsten technischen Details.
Dann ging's los. Wir schipperten gleich mal durchs Villenviertel und in die Flussdelta, kurz bevor der Fluss ins Meer fliesst. Dann kehrt und ab den Fluss hinauf bis zu einer Fähre. Da schlug das Wetter mal wieder um (es war heute sehr wechselhaft) und so fuhren wir wieder zurück zu einer Badebucht. Da war das Wetter zum Abschluss der Tour
perfekt und wir gingen ein wenig mit Bennet baden. Die passende Schwimmweste dazu hatten wir ebenfalls beim Verleiher bekommen. Alles in allem eine absolut empfehlenswerte Unternehmung. Und bei 100 Dollar für 4 Stunden kann man echt nicht meckern. Gut, den verbrauchten Sprit mussten wir noch zahlen, aber das war nicht die
Welt. Dafür sich einmal wie Don Johnson in Miami Vice fühlen. Nur in Slow Motion. Aber bei Wind wirkt's viel rasanter als es tatsächlich ist.

Wir spazierten noch die kleine Shoppingmeile auf und ab und aßen noch etwas, dann ging's weiter gen Norden. Denn anders als der kleine Ausflug erwarten läßt, haben wir mittlerweile doch etwas Zeitdruck. Also fuhren wir ein gutes Stück weiter über Gympie bis nach Tiaro, wo der eigentliche, empfohlene kostenlose Campground Petrie Park
geschlossen war (wegen Renovierung), aber in dem Ort selbst konnte man im Petrie Garden ebenfalls umsonst schlafen, wenn auch nicht so schön gelegen und nahe der stark befahrenen Straße. Aber egal - es ist umsonst, da passt das dann schon. :)

Tiaro
Queensland, Australia
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    Isabelle hat am kommentiert:

    tolle Bilder und tolle Momente.

Herman Güldenhaupt Small

Surfer im Wald


Was für eine miese Nacht! Gestern noch am Steg mit dem Blick auf die Bucht im Sonnenuntergang hatten wir die Idee, ein Boot zu mieten und den Fluss entlang zu fahren. Das hat dazu geführt, dass ich mir die halbe Nacht um die Ohren geschlagen habe, indem ich verzweifelt versucht habe, mich an meine Fahrten für den internationalen Sportbootführerschein zu erinnern. Natürlich mit mäßigem Erfolg. Keine der Regeln oder Knoten fielen mir ein. Die andere Hälfte der Nacht konnte ich nicht schlafen, weil Flughunde und massenweise Vögel wieder Radau machten. Die Flying Foxes, weil sie an die Früchte und Blüten wollten, die Vögel, weil sie dadurch aufgeschreckt wurden, losfliegen und einen neuen Schlafplatz suchen mussten. Der war aber meistens bereits belegt, was dann wieder zu Gezeter führte. Oh, und dann waren da noch die Sandflies. Das sind fiese kleine Fliegen die kräftig zubeissen. Leider passen sie durch unser Moskitogitter. Klar - sonst würde es ja Sandflygitter heissen.

Am Morgen hatte ich dann eine Sorge weniger: die Bootsregeln brauchte ich nicht - es regnete ordentlich. Seit über vier Wochen zum ersten Mal. Was für ein Glück. ;) Also beschlossen wir, heute mal Kilometer zu machen. Immerhin haben wir noch 1750 km bis Cairns, aber nur noch zwei Wochen Zeit. An der Stelle höre ich euch fluchen. Aber da ich ja 28 Flugstunden von Euch entfernt bin, hab ich ja mit keinen weiteren Konsequenzen zu rechnen. :)

Wir  fuhren zu unserem Autovermieter nach Brisbane und gaben dort überflüssiges Equipment ab, das wir nicht brauchen. Dadurch haben wir jetzt ordentlich mehr Platz im Wagen. Oder wie es Melanie betrachtet: mehr Shoppingpotenzial. Immerhin beginnt hier gerade der Herbst und somit gibt es immer öfter Sommerschlussverkauf. Ich bin in Brisbane zu geizig die Maut für die Brücke zu bezahlen, also sind wir einmal durchs Zentrum. Och, auch nicht schlecht, dort. Schade nur, dass uns Städte gerade sowas von überhaupt nicht interessieren. Wir lassen die ganzen Hochhäuser und Vororte hinter uns und fahren schnell weiter nach Norden. Da, wo es wieder etwas
weniger besiedelt und deutlich weniger touristisch ist, trauen wir uns wieder ans Meer. Colloom Beach, dann Pregerian Beach (Bennets erstes Mal Schaukeln - ihm taugte es voll), der uns sehr gefällt. Das Wetter ist sehr wechselhaft, aber der Ort an sich ist nett, besonders weil es kein Haus mit mehr als 2 Stockwerken gibt. Das tut der Landschaft gut. Unser Ziel für heute ist aber: Noosa Heads. Das ist ein eigentlich kleiner Ort an einer Flussmündung ins Meer, mit Felsen und dichtem Wald. Aber die Landschaft ist sehr malerisch und schön und Brisbane ist nah. Das hat viele Vermögende angelockt und der Ort wird mehr und mehr zum Spielball der Spekulanten. Selbst die Küste der Nationalparks wird mehr und mehr bebaut. Noch dazu darf nirgends gecampt werden, was gerade bei der herrlichen Landschaft gemein ist. Aber dennoch ist Noosa noch immer einen Besuch wert.

Wir kommen zur Rush Hour in den Nationalpark. Nicht etwa, weil so viele Australier hier gerne spazieren gehen. Nein. Pustekuchen. Echte Spaziergänger sind kaum unterwegs. Ein paar Jogger, eine Handvoll Touristen. Den
Löwenanteil machen Surfer aller Altersklassen aus, die mit ihren Brettern unterm Arm durch den Wald rennen. Keine Angst - das wird kein neuer Fitnesstrend. Wobei so ein Surfbrett zu schleppen sicher mehr bringt, als die Nordic Walking Krötenspiesse. Nein, die Surfer rennen den Weg entlang, weil am Ende die Tea Tree Bay lockt. Starke
Strömung, gute Wellen die sich lange hinziehen. Leider sind da auch Felswände, an die sich die Wellen (und vermutlich auch ab und zu Surfer) brechen. Die die's können haben hier einen Heidenspass. Die anderen begnügen sich mit dem Rest der Wellen, aber deutlich weniger weiblicher Fans, ein Stück weiter gen Ort. Dort ist es wieder etwas
weniger gefährlich. Dafür stapeln sich die Surfer hier wie in einer Sardinenbüchse. Wie hat es einmal jemand treffend formuliert? Idiot soup.

Weiter geht es sehnsüchtig an den Luxusvillen mit eigenem Bootssteg vorbei nach Noosaville, wo wir einen tollen Campingplatz direkt am Fluss gelegen. Super Lage und gute Ausstattung - das passt. Zum Sonnenuntergang kamen noch einmal richtig viele Lorikees in unsere Nähe. Diese bunten Sittiche lieben Blütennektar und hier blühte
gerade eine Palme. Eine gefundenes Fressen für die bunten Schreihälse. Und somit für mich eine tolle Gelegenheit mein neues Objektiv einzusetzen. :D Schnell noch Abendessen, arbeiten und Blog schreiben, dann ab ins Bett. Schlaft gut!

Noosa Heads
Queensland, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Im Land der Riesen

Heute Früh war es richtig kalt. Ich fand's zum Schlafen klasse, aber wenn man die Zeitumstellung zwischen New South Wales und Queensland vergessen hat und quasi eine Stunde zu früh aufsteht, dann moechte man zumindest schön im Warmen frühstücken. Pustekuchen. Dicke Pullis für alle. Tja – ein Regenwald muss halt nicht zwingend heiß sein. Hier ist die Grundlage für den Regenwald die Höhenlage und damit die kühleren, feuchteren
Luftschichten.

Was macht man gegen Kälte? Sport. Also zogen wir los, einen Regenwaldrundweg entlangwandern. Dabei wäre ich
vor lauter Bäumen und Papageiengucken fast auf eine Schlange getreten. Zum Glück war es mal wieder nur eine Teppichpython, die sich auf der Strasse aufwärmte. Von der wissen wir ja: Nicht giftig, nur schmerzhaft. Die hier hatte aber ein eher ruhiges Gemüt. Das lag wohl auch daran, dass die Knubbel im Schlangenkörper eine Mäusefamilie beim Verdauen war. Oder so. Ich hätte jedenfalls keine Lust auf 1,8 Meter schlechtgelaunte Schlange gehabt. Also das
übliche Programm: Erinnerungsfoto und in Ruhe lassen. Übrigens: Australien hat zwar die meisten giftigen Tiere, aber fast alle tödlichen Unfälle geschehen, wenn jemand versucht eines der Gifttiere zu töten oder zu ärgern. Bestes Beispiel ist Steve Irwin, der mit seiner draufgängerischen Art an einem Stachelrochen zu sehr auf die Nerven ging.

Der Waldweg war genial. Dort standen wirklich gigantische Urwaldriesen und wir kamen uns immer öfter wie
Zwerge vor. Die schönsten waren Arol oder Box Gum Bäume, die enorme Stammdurchmesser und weit ausladende Kronen bekommen. Die gemeinsten, aber dennoch schönen Bäume sind Feigen. Richtig gelesen. Diese Feigen müssten aber eigentlich Faulen heissen, weil sie offensichtlich keine Lust haben, selbst als Baum zu wachsen. Nein, sie starten als Kletterpflanzen, suchen sich einen hohen Baum aus und klettern daran hoch. Dabei umschlingen sie ihn immer enger, wie eine Würgeschlange ihr Opfer. Sie wachsen mit immer mehr Strängen und diese Tentakel können selber wahre Bäume werden. Schliesslich umhüllen sie den Baum komplett und erwürgen ihn. Er zerfällt und dient der faulen Feige als Dünger. Was übrig bleibt ist die Feige, deren Arme längst zu einem eigenen Baum gewachsen sind. So ein Feigenbaum kann ebenfalls gigantisch werden und durch das wie geflochtene Muster sieht er noch dazu genial aus.

Auf allen Urwaldbäumen bilden sich wieder eigene Ökosysteme. Die kleinsten sind Mose und Flechten, aber
es gibt auch Pflanzen, die nur oben auf den Bäumen wachsen und riesige Plattformen bilden. Beeindruckend.

Gigantisch waren die Murran Falls, die an einer Felswand fast 90 Meter tief hinabstürzen. Was das aber noch
toppte war die Aussicht. Denn das Tal öffnete sich und gab den Blick auf eine weite Berglandschaft frei – einfach genial!

Irgendwann war dann aber die Zeit in den Green Mountains abgelaufen und wir fuhren weiter. Zuerst nach Canungra zurück und von da aus nach Mount Tabourine. Da ging es sehr steil hoch und siehe da. Auch Mount Tabourine ist ein Plateau, wenn auch tiefer gelegen und viel schmaler. Aber dort gibt es ebenfalls einen herrlich grünen Wald und wenn man die Strecke nach North Tabourine fährt, dann sind da stilvolle Landhäuser, einige, wie das Polish House oder das Bavarian Beer House eher für Touristen herausgeputzt. Die Aussich Richtung Meer aber erst recht auf die Border Ranges ist herrlich. Besonders gut gefiel und eine Wiese, auf der man schön sitzen konnte und die Aussicht landeinwärts geniessen. Daneben übrigens eine Kiwi-Plantage mit Golden Kiwi-Verkauf. Überhaupt kann man entlang der Strassen immer sehr viel kaufen. Meistens Obst oder Gemüse, aber auch Nüsse, Marmelade oder … Pferdeäpfel. Genau. Richtig gelesen. Es scheint eine grosse Nachfrage nach dem Mist besonders von Pferden und Schafen zu geben. Die Preise pro Beutel variieren zwischen 2 und 4,50 Dollar. Ich bleib aber lieber bei den Kiwis. Schmecken besser. ;o) Aber wer würde nicht gerne aus Mist Geld machen?

In Beenleigh kauften wir interessehalber bei Aldi ein, das war aber sehr anstrengend, weil wir nach der ersten Überraschung die Inhaltslisten genauer lasen. Erschreckend, was da alles reingekippt wird, selbst in Organic Food,
also Bioware. Das nächste Mal gehen wir wieder zu Woolworth. Die liefern wirklich die beste Qualität und sind sehr kundenorientiert. Ich weiss aber nicht, ob die hiesige Supermarktkette irgendwas mit den gleichnamigen, aber komplett anderen Läden bei uns zu tun hat. Wohl eher nicht. Aldi hingegen ist komplett gleich, nur halt mit australischen Produkten und weniger Verlass auf Bio.

Ziel unserer Reise war Jacobs Well, das an einer der verzweigten, dem Meer vorgelagerten Buchten liegt. Hier
war erstmal Wäschewaschen und Geschirrspülen angesagt. Das geht ja in den Nationalparks wegen Wasserschutz nicht.

Dem aufmerksamen Leser mag jetzt auffallen, dass wir gar nicht an der Gold Coast waren. Sehr gut! Die Region ist touristisch zu gut erschlossen und zu sehr überlaufen. Zudem reizen uns Retortenstädte wie Surfers Paradise sowas von überhaupt nicht. Wir wollen lieber Land und Leute sehen und nicht Bling Bling. ;o)

Jacobs Well
Queensland, Australia
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    Claus hat am kommentiert:

    Starke Bilder. Danke.

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    Ralf Winkler hat am kommentiert:

    Ich kann mich Claus nur anschließen! Macht immer wieder Spaß zu lesen und die Bilder zu sehen!

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    Herman Güldenhaupt hat am kommentiert:

    Danke fuer Euer Feedback! :o)

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    Isabelle hat am kommentiert:

    da will ich hin!

Herman Güldenhaupt Small

Einmal Queensland dry, bitte


Heute haben wir morgens noch einen großen Schwarm schwarzer Kakadus gesehen. Die sind schon ganz schöne Kaliber und machen einen ordentlichen Radau, vor allem wenn da so 50 Tiere die Nachbarschaft unsicher machen. Es ist aber einfach wunderbar, die Tiere in freier Wildbahn zu sehen und nicht vereinsamt in irgendwelchen Käfigen.

Unsere Reise ging wieder zurück über Urbenville nach Woodenbong und von da aus über die Grenze nach Queensland. Das Gebirge der Border Ranges trennt die beiden Staaten New South Wales und eben Queensland. Was hier aber mehr als deutlich wurde: es trennt auch zwei komplett unterschiedliche Klimazonen. In NSW haben wir uns schon fast heimisch gefühlt. Laubbäume, weite grüne Wiesen, hügelige Landschaft und ein paar markante Felsen... Das hätten auch Mosel, Eifel oder Teutoburger Wald sein können. Mit etwas viel Fantasie, oder ohne Brille. Aber sobald wir die Grenze überquert hatten, da änderte sich die Landschaft radikal. Natürlich waren die Berge noch da, aber es war alles trocken, staubig und das satte Grün wich einem gelben Sandton. Eine Dame in einem Café erzählte uns, dass es seit
mindestens vier Wochen nicht mehr geregnet habe und man dringend auf Regen warte. So wie es aussieht, bleibt die feuchte Luft aus dem Süden über den Border Ranges hängen und die Feuchtigkeit geht als Regen verloren. Wir fuhren über Rathdowney nach Beaudesert und was auffällig war, waren die vielen Polizeikonrollen von Motorradfahrern. Es waren extrem viele Biker unterwegs. Vermutlich gibt es wieder Probleme mit Motorradclubs. Auch hier versuchen sich
kriminelle Banden einzunisten und das bringt die üblichen Probleme mit sich. Und wir dachten zuerst, die erste Straßensperre wäre wegen uns, weil wir Bananen einführen. Man darf nämlich zwischen einigen Bundesstaaten kein Obst transportieren, weil die Staaten große Obstproduzenten sind und Angst vor Obstfliegen haben. Ja, ehrlich - es gibt Quarantänevorschriften wegen Obstfliegen.

In Beaudesert gibt es einen großen Park mitten in der Stadt, dort legten wir eine Mittagspause ein. Melanie mußte arbeiten, Bennet und ich versuchten der Hitze irgendwie zu entkommen.

Unsere Fahrt führte uns weiter nach Canungra, wo es in einem kleinen Laden super Pies gibt. Das ist auch so eine Besonderheit hier: die Australier lieben diese kleinen Teigtörtchen mit meistens deftiger Füllung. Wir sind davon auch ganz begeistert. Vor allem war mein Guinnes-Beef Pie echt lecker.

Von hier aus führte unsere Straße rauf in den Lamington Nationalpark zum O'Reilly Plateau. Wir dachten, dass wir die 36 km schnell hinter uns hätten. Dachten wir. Wir sollten nicht so oft denken. Natürlich muss man vom Tal auf ein Plateau irgendwie hoch fahren und wenn auf einer Landkarte eine Straße kein gerader Strich sondern ein Knubbel
ist, dann ist da irgendetwas faul. Wir fuhren auf einer meist einspurigen Straße an einem engen Berghang entlang, Felswand auf der einen Seite, ein gähnender Abgrund auf der anderen. Die Aussicht war einmalig, nur gab es wenig Parkbuchten, um sich das Bergpanorama mal in Ruhe anzusehen. Da leidet der Fotograf. Richtig spannend wurde es aber, wenn einem auf der engen, gewundenen Strasse ein Auto entgegenkam (einmal war ein Bus dabei, das war schweisstreibend). Dann heisst es irgendwie aneinander vorbeikommen, wobei der direkt am Abgrund Fahrende etwas weniger ausweichen muss.

Dann waren wir doch endlich da, bekamen noch einen Platz auf dem Campingplatz im Nationalpark, der angenehm gut ausgestattet ist und überraschend wenig kostet. Das niedliche Etwas auf dem Foto ist übrigens frei uebersetzt ein Rotnackenpademellon. Goldig, gell?

O'Reillys Guesthouse gehört zu einem großen Familienunternehmen, das sich sehr gut vermarktet und dem staatlichen Nationalpark Konkurrenz macht. Wir gingen auf dem Tree Top Walk durch die Baumwipfel und ganz Waghalsige konnten noch in die Krone eines Urwaldriesen klettern. Uns reichte die schon stattliche Höhe der Hängebrücke. Es machte aber richtig Spaß und danach entspannten wir im Dschungel Garden, wo lauter verschlungene Pfade zwischen Dschungelpflanzen angelegt waren. Wild und malerisch.

Den Tag beschlossen wir dann in einer Bar im ersten Stock des O'Reillys bei einem Glas Wein der eigenen Weinberge und genossen den Blick auf den farbenprächtigen Sonnenuntergang über den Gipfeln der Border Ranges. Herrlich.

Canungra
Queensland, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Globalisierungshippies


Heute Früh haben uns zärtlich Regenschauer daran erinnert, dass wir wieder im Regenwald sind und wieder unsere Klappsessel draussen gelassen haben. Also mussten wir die erstmal trocknen lassen. Kein Thema - langsam haben wir's raus, Bennet zum längeren Schlafen zu animieren.


Als wir dann draussen unter den Kauribäumen, einem Relikt aus Urzeiten, sitzen, da treffen wir einen alten Bekannten wieder: als wir vor so vier Jahren hier waren, da hat uns morgens ein Waran besucht. Jetzt sitzt er direkt beim Kauri Baum und sonnt sich. Wir sind uns zwar nicht sicher, ob es genau der gleiche Bindenwaran ist - der hier
scheint kleiner und der Schwanz ist intakter - aber die Situation an sich ist die gleiche. Ähm, nein, doch nicht. Bei ersten Mal waren wir noch viel unerfahrener und sind auf die nächste Bank gesprungen. Heute haben wir ihn deutlich entspannter genauer aus der Nähe beobachtet.


Wir fuhren zuerst zu den Minyon Falls, die nichts mit den gelben, ovalen Bösewichtlakaien aus "Ich einfach unverbesserlich" zu tun haben. Trotz des Regens viel auch heute nur ein Rinnsal gen Talboden, aber ich machte Aufnahmen mit der Actioncam, die ich mit einem langen Stab über den Abgrund hielt. Bin gespannt, wie die Aufnahmen geworden sind.

Seltsame Begegnung 1: Wir stehen auf der Empore. Von Rechts kommt der Bach als Rinnsal über Felsen an, vor uns geht es gut 100 Meter den Abgrund runter, Links öffnet sich das weite Tal. Bergidylle. Kommt nen Opa in Badehosen
mit Schlappen und Handtuch, klettert unter der Absperrung durch, watschelt auf den Abgrund zu, hüpft und weg ist er. Erster Gedanke: Shit! Jetzt muss irgend so ein Armes Schwein Opareste aufkratzen. Aber nein! Hinter ein paar Felsen sind Wasserpools mit Suizidpanorama! Wer sich traut kann da wohl klasse Baden. Ich muffel lieber.


Seltsame Begegnung 2: ein Gockel. Weitab von allen Farmen. Mitten im Urwald. Wir haben schon in zwei anderen Nationalparks Hähne gesehen, darum kann das kein Zufall sein, oder? Der hier ist aber ein ziemliches Weichei. Als ein kleiner Regenschauer kommt, rennt er zu den überdachten Picknicktischen und wartet da ab. Wild Life, ja, aber
nicht ohne den Komfort eines Haustieres? Ist es eine Art stiller Protest der Australier in Parks, wo Haustiere verboten sind und Giftköder streunende Hunde und Katzen töten einfach mal Gockel auszusetzen?


Weiter geht es über wild gewundene Straßen durch herrliche Berge und Täler, mal europäisch, mal eher tropisch über die Dörfen Danoon und Macadamia-Metropole The Channon (wir kaufen hier gut 1,5 Kilo Macadamianüsse ein, ich will gar nicht wissen, wieviel kcal das sind) und kommen dann nach Nimbin. Der Ort ist ziemlich berüchtigt. Es war wohl 1973, als hier ein riesiges Hippietreffen im Namen von Aquarius war und viele sind geblieben. Die Region haben sie geprägt. Man produziert lokal und biologisch. Es gibt regierungskritische Diskussionstreffen und es gibt hier eine Kampagne, Gas und Kohlefirmen den Zutritt zum eigenen Land zu verbieten. Fracking ist auch in Australien ein höchst umstrittenes Thema. Die Ortschaften sind stolz darauf, zu 98% oder 99% Gasfieldfree zu sein. Hier ist das größte Energieunternehmen Australiens mit reinem Einsatz regenerativer Energiequellen. Es gibt sehr viele Künstler
und der Ort selber ist richtig bunt und farbenfroh. Als hätte sich ein wild gewordener Batikkünstler ausgetobt. Ach ja, eins hab ich vergessen zu erwähnen. Wer an Hippies denkt, denkt ja nicht zuerst an Batikklamotten oder an Kunst, an knallige Farben oder an Reggae. Nein. Marihuana, Dope, Gras, Joints, THC, Shit ... Egal wie ihr es nennt. Hier ist es verboten, wie im Rest von Australien auch. Aber die Nimbinner scheinen sich einen Feuchten drum zu kehren. Ich meine: da ist eine Polizeistation mitten im Ort, es gibt nur eine Handvoll Straßen und vermutlich nicht grade
viele Einwohner. Ein paar Hundert, maximal. Eigentlich nen simpler Job für einen Polizisten, aber die hier scheinen anders zu ticken. Der Ort ist das Kiffereldorado Australiens und es werden sogar Busreisen hierher angeboten. In den Läden, im Hanferziehungszentrum oder im Hippiemuseum wird nichts offen angeboten. Dennoch haben mich
die ganzen zugedröhnten Kiffer auf der Straße leicht irritiert. Mein Tipp für alle, die die Erleuchtung suchen: geht in den Park. Verborgene Dealereien sind hier ein Fremdwort. Dagegen sind die Coffeeshops in Amsterdam einfach nur noch lächerlich. Die Käufer standen brav an und die Verkäufer schaufelten die Ware aus prall
gefüllten Einkaufstüten in große Gefrierbeutel um. Ich als Bayer brauch so nen Zeug nicht, aber für mich ist das so, als könnte ich da das beste Helle der Welt direkt in 10  Liter Kanister abfüllen lassen. Gut, nur dass Bier halt nicht illegal ist. Gott sei dank!


Trotz der ganzen Hippieromantik bröckelt aber der Putz hinter der Fassade. Das klarste Beispiel: es gibt zahlreiche Läden in denen Althippies (und nicht irgendwelche zugereisten Nachwuchshippies) Batikklamotten, bunte Hüte oder andere Textilien verkaufen. Aber siehe da! Was ist denn das? Die sind gar nicht selbst gemacht! Die Ware kommt aus
China, Indonesien oder Bangladesch. Und da da dran nichts von Fair Trade oder so steht, machen die Nimbin-Hippies Profit dank Sweatshops, die arme Menschen ausbeuten? Keine Ahnung, aber vermutlich auch egal, getreu dem Motto: Kiffen macht gleichgültig? Ist mir doch wurst!


Es hätte hier auch einen Campingplatz gegeben, aber die Kifftouristen waren mir extrem suspekt, also weiter im Plan nach Kyogle. Die Straße dahin war eigentlich nicht lang. Aber sie wand sich so extrem an den Berghängen entlang, dass wir ewig brauchten. Das könnte aber auch an den vielen Fotopausen liegen, die wir wegen der abartig schönen
Landschaft einlegen mussten.


Schließlich kamen wir über Woodenbong und Urbenville zu unserem Campingplatz an den Tooloom-Falls. Wie die genau heissen kann ich nicht mehr sehen, weil's grad finstere Nacht ist. Aber kurz vor jetzt, also zeitlich der Gegenwart vorgelagert, da war die Sonne eben verschwunden und sehr viele Flying Foxes, wie die Flughunde hier genannt werden, starteten ihren nächtlichen Futterflug. Das sah echt beeindruckend aus, wie sie immer so in kleinen Gruppen über die Baumkronen flogen. Ein paar hundert müssen es allein hier gewesen sein, die über uns hinweg geflogen sind.


Und ein weiteres freudiges Ereignis: ich habe endlich mein erstes Opossum gesehen. Es war auch nicht zu übersehen, wie es eher grobmotorisch durch die Baumkronen geklettert ist. Elegant ist anders... Aber ich liebe diese Rabauken, die hier das Pendant zu unseren Waschbären sind. Naja, eigentlich sind eher die Opossums in Neuseeland das Pendant zu unseren Waschbären, weil sie dort ebenfalls fremde Eindringlinge sind, die der heimischen Fauna böse zusetzen.


Tooloom
New South Wales, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Ab in die Berge

So, erstmal Schluss mit der Surferidylle. Byebye, Byron Bay. Hallo neues Abenteuer. Aber nicht ohne einen Besuch auf Cape Byron, beim Lighthouse. Das liegt auf einem kleinen Landzipfel umgeben von Felsen und herrlichen, beinahetropischen Wald. Die Aussicht auf die Buchten, Strände und auf das offene Meer ist inspirierend und berauschend. Man ist von so viel Weitsicht und den Eindrücken ganz benebelt. Es können ja nur Halluzinationen sein, dass da ... Nein! Das ist tatsächlich echt! Im Meer um den Leuchtturm tummeln sich zahllose Meerestiere, die man sogar von hier oben aus mit bloßem Auge erkennen kann. Wir haben eine Schule Delfine mit ca 20 Tieren
gesehen, eine Meeresschildkröte und einige große Rochen. Soviel zur angenehmen Aussicht. Wir wurden zugleich Zeuge eines Videodrehs für einen indischen Schnulzen-Hiphopper. Hörte sich irgendwie sie Modern Talking rückwärts an... Aber Spaß beiseite: das Kapp ist wirklich einen Besuch wert. Und bloß nicht den Fotoapparat vergessen!


Danach waren wir an einem schönen Strand unweit des Leuchtturms. The plan, the pass oder so hiess er. Mit Blick auf Byron Bay, von dem man angenehmerweise nicht viel sieht, kann man hier herrlich entspannen und - zumindest heute - verliefen die Wellen parallel zum Strand, was für die Surfer klasse war. Auf die Welle aufspringen, den Strand
publikumswirksam entlanggleiten und dann mit dem Brett unterm Arm den Strand wieder zurück laufen. Gut, bei mir wäre das eher: erst beim dritten Versuch aufs Brett kommen, Salzwasser schlucken, mich publikumswirksam am Strand übergeben und dann schnell ins Gebüsch zu den Brush Turkeys schlagen und knallrot möglichst unauffällig
verschwinden. ;) genau deswegen surfe ich nicht. Ich tauche lieber. Wenn da was schief läuft, sieht's keiner.


Bennet zog am Strand wieder die übliche Show ab: Erst mal ordentlich schreien, als würden wir das arme Kerlchen verhungern lassen. Was macht die gute Mama? Sie rennt mit dem Schreihals zum nächstmöglichen Klo und füllt ihn erst mal ab. Kurz bevor sie zurück an der Strandmuschel ist kommt dann Strandsabotageakt Nummer zwei: er macht
die Windel randvoll und kotzt sich die Klamotten klebrig. Herrlich! Baby endlich glücklich, wir kurz danach dann aber auch. Ällabätsch! Von der einen Stunde die wir bleiben wollten bat aber Bennet nen guten Teil abgezwackt.


Wir füllten unseren Kühlschrank auf und fanden für Bennet die perfekte Sonnenbrille. Schaut mal das Foto an. :) Dann ging's los, den Coolaman Scenic Drive in die Berge hinauf. Das Panorama eine Augenweide und weiter oben ist das Klima auch nochmal einen Tick angenehmer. Wir fuhren in den Whiam Whiam Nationalpark zu den Minyon
Falls, die aktuell etwas arg trocken sind. Die Höhe ist die gleiche, nur fällt halt nichts. Aber dennoch spektakulär. Wir suchten uns ein Stück weiter am Rummery Park einen Campingplatz und grillten auf einer schönen Lichtung mitten im abgelegenen Waldgebiet. Natur pur! Und zur Belohnung hoch über uns strahlend der Sternenhimmel, durch
kein künstliches Licht verschmutzt. Die einzigen Geräusche hier kommen von Grillen, Zikaden, Fröschen, Tinitus, aufgewachten Kakadus und Nachtvögeln. Dazwischen manchmal der Schrei von einem Koala, der so sein Revier markiert bzw Bock auf Bärchenzeugen hat. Übrigens verlässt der gemeine Koala auch mal seinen Baum, um den eines
Weibchens aufzusuchen. Das erhöht die Paarungschancen gewaltig und damit ist der Koala schon einen deutlichen Schritt weiter als der Cockapoo auf Neuseeland. Der goldige Papagei buddelt zur Paarungszeit Liebeskulen in den Boden und wartet gurrend, dass ein Weibchen vorbeikommt. Hier sind die Paarungschancen ähnlich wid bei Teenies
die sich zuhause einsperren und hoffen, dass der Traumpartner aus heiterem Himmel erscheint. Darum gibt es auch nur noch knapp 250 Cockapoos. Tendenz fallend.


Ha, mit solchen Gedanken liegt man nachts im Urwald, wo man doch einfach nur die Idylle geniessen könnte. Psssst - das tu ich jetzt mal.

Nightcap
New South Wales, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Easy going

Wir verbringen heute einen gemächlichen Tag in Byron Bay. Warum? Weil der Ort ideal dafür ist und unser Campingplatz einfach zu genial gelegen ist. Am Rande des Naturschutzgebiets um den Leuchtturm herum, mit Blick auf die Bay. Der Campingplatz gehört zur North Coast Gruppe und ist vom Zustand und der Ausstattung her top.

Wir machen Ausflüge ins Stadtzentrum und lassen es uns gut gehen. Byron Bay ist trotz der ganzen Backpacker und Massenindividualisten doch noch sehr entspannt und esotherisch durchdrungen. Es gibt mehr Leute, die dir aus der Handfläche lesen wollen als sonstwo. Im Park demonstriert eine Schar Hare Krishna für die Umwelt und ich schaffe es zweimal, dass Bennet genau beim Great Northern Hotel Hunger bekommt. Perfekt! Das ist nämlich ein grosses Pub mit Wettbüro (gerade am Land eine beliebte Kombination) und man kann drinnen bei seinem frisch gezapften Bier sitzen und das gemächliche Treiben auf der Strasse beobachten. Zu gucken gibt es viel, so aufregend und bunt ist der Ort.

Zum Sonnenuntergang finden sich alle an der Promenade ein, vor allem die Künstler, Akrobaten und Strassenmusiker und alle geniessen das angenehme Klima und die perfekte Sonnenuntergangsstimmung. Natürlich steht hier ein Campervan am nächsten, dazwischen ein paar Geländewagen, Oldtimer und Kombis. Jedes Fahrzeug ist irgendwie geeignet, Surfbretter zu transportieren und die meisten sind nicht nur Auto sondern auch Erstwohnsitz. Natürlich sind die Campervans aller grossen Vermieter in Australien vertreten, aber auch Langzeitreisende und Vagabundensurfer sind hier unterwegs. Byron Bay ist nicht nur ideal fuer Urlauber, sondern auch für Dauerreisende und andere Rastlose. Dem Ort tut's gut und wir sind beruhigt, dass hier noch nicht diese zwanghafte 'jetzt aber feiern Mentalität' mancher hippen Urlaubsorte anhaftet. Auch wenn der Ort nicht mehr das ist, was er mal war, ist das, was er jetzt ist, allemal eine Reise wert. :) Die Frage ist nur, wie lange das noch so sein wird. Die Immobilienpreise sind jetzt schon extrem und auch entlang der schönen Strandpromenade kündigen sich grosse Bauprojekte mit Luxuswonungen an. Ein Backpackerhostel wird aktuell fuer 2,6 Millionen Dollar zum Verkauf angeboten. Das Problem ist nur: Der Geist, der den Ort so beliebt gemacht hat, wird mehr und mehr verdrängt. Das führt letztendlich zu Städten wie es sie in Queensland gibt: Einst wegen Künstlern, Backpackern oder Hippies berühmt gewordene Orte die dann durch Spekulationen und Geldmacherei ihre Eigenheiten verlieren und nur noch ein Ort voller Urlaubsresidenzen und Nobelhotels sind. Camper unerwünscht. Gratuliere vielmals.

Wir geniessen aber das Hier und Jetzt und grillen oberhalb der Bucht und unterhalb eines herrlichen Sternenhimmels. Besser geht's nicht. Oder doch? Mal sehen, was die nächsten Wochen noch so kommt.

Byron Bay
New South Wales, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Massenindividualismus

Morgens waren wir noch am wunderschönen Strand von Black Rocks. Keine Schatten, aber der helle Sand, die echt pechschwarzen Felsen und das perfekte Wetter: Beste Voraussetzungen für einen Sonnenbrand. Aber so weit liessen wir's gar nicht kommen: Es ging recht schnell weiter und wir machten einen Mittagspausenstopp in Ballina. Also wenn die Aussies eins können, dann ist das Essen und alles was dazugehört! Unsere belegten Brötchen waren echt der Hammer. Sowas in Deutschland und ich werde Stammkunde! Bei uns bist du doch schon ein Exot, wenn du statt der ständigen Salami oder Käsebrötchen mal Motardella anbieten würdest ...

Wir lernten einen extrem kontaktfreudigen Staubsaugerverkäufer kennen, der voll begeistert war, dass wir aus Deutschland sind. Eine gute Freundin von ihm sei auch aus Deutschland. Er hatte sie auch schnell am Telefon. Die gute Dame war sehr nett, aber so wie es aussah, war ihre Familie aus gutem Grund nach dem Krieg ausgewandert. Der Bruder war der Chauffeur von Heinrich Himmler und auch so wollte sie wohl nicht ihren echten Namen nennen. Öha ... über was man da so alles stolpert. Mister Staubsauger wollte unbedingt, dass wir sie besuchen fahren, sie klang eher weniger so euphorisch und wir wollten eh weiter. Also passt ja wieder alles. Keine Ahnung, was davon alles stimmt, aber ich finde es generell unfair, dass Leute, die etwas verbockt haben immer in so angenehme Länder auswandern. Argentinien, Brasilien, Australien ... irgendeine trostlose, traurige Ecke wäre doch viel fairer. Sibirien, Grönland oder Duisburg ...

Die Küste von Ballina bis Byron Bay ist einfach herrlich. Dunkle Felsen, die der Brandung trotzen, das tiefblaue bis azurfarbene Meer und die härteste Herausforderung an einen Fotografen: Mach eine Aufnahme von einer Bucht ohne einen Surfer auf dem Bild zu haben. Geht nicht! Die sind einfach überall! Kauf regt sich irgendwo eine arme, kleine Welle am Meer - Bamm! Schon stürzen sich die Surfer drauf. Aber es macht ja auch Spass, zuzugucken. Ich gebs ja zu. Und nen bissl beneiden tu ich sie auch.

Tagesziel war für heute Byron Bay, ein wunderschoen am Meer gelegener und von Bergen eingefasster Ort. Herrliches warmes Klima, tropisch-mediterrane Landschaft und etwas psychedelisch angehaucht. Bis vor so zwanzig Jahren muss der Ort mal richtig cool gewesen sein. Späthippies, Frühveganer und Weltenbummler. Aber irgendwann hat sich wohl rumgesprochen, dass es hier hipp ist und man ganz doll individuell sein kann. Tja, und jetzt haben sie den Brei. Einheitsbrei, würde ich mal sagen. Teens und Twens aus aller Welt, die herkommen, abhängen, Surfen und ganz angestrengt versuchen, so wie alle anderen zu sein, die so toll individuell sind. Der Haken ist nur: Wenn ich Individualismus an ein bestimmtes Bild knüpfe, wie hunderte andere auch, dann ist das ... idiotisch. Aber der Ort verdient daran recht gut. Individuelle Tattoos, individuelle Klamotten, individuelles Essen (von total individuellen Weltkonzernen). Von meinem Blickwinkel aus ist das total amüsant, dem Treiben zuzusehen. Ich glaube, das Dilemma der heutigen Kids ist, dass sie - egl wie sehr sie danach streben - nicht mehr grossartig anders sein können, weil alles ja schon mal da war. Und grade bei den doch sehr entspannten australischen Eltern hier vor Ort, da können die Kids erst recht nichts mehr draufsetzen. Höchstens zu Oberspiessern mutieren ...

Wir gönnten uns ein Stück Byron Bay fuer Geniesser und kehrten lecker ein. Ginger Pig hiess der Laden, wohl weil einer der Gründer abstehende, gelbe Ohren hatte. Also 'Ingwerschwein' wäre bei uns ein sehr gewagter Name für ein gutes Restaurant. Aber auf Englisch hört sich ja alles saucool an. Wer würde schon Rote Scharfe Chilischoten, Wechselstrom, Eiserne Jungfrau oder Busch hören wollen?

Und bei sternklarem Himmel und Meeresrauschen beende ich meinen Blog für heute. Gute Nacht da draussen! 


 

Byron Bay
New South Wales, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Meerestaufe


Der Morgen begann sportlich: fürs Duschen brauchte man 20 Cent Münzen, wir hatten nur zwei, also hatte jeder 2 Minuten fürs Duschen zu Verfügung. Leider gab's keine gemischten Duschen, das hätte die Effizienz gesteigert. Aber 2 Minuten können verdammt lang sein, wenn der Duschkopf kaputt ist und das ganze Wasser waagrecht nach vorne
schiesst und man damit mehr beschäftigt ist, die jungfräulichen, sauberen Klamotten zu retten, als tatsächlich zu duschen. Man wächst mit seinen Herausforderungen. :)


Nächster Stopp war Evans Head. Vom Lookout aus hat man eine klasse Aussicht. Alles andere hätte mich auch enttäuscht. Besser war aber der Fluss, in den die Flut Salzwasser drückte. Hier gab es keine Wellen, es war
sandig und weicht und damit beste Voraussetzungen für Bennets erstes Mal Meer. Anfangs skeptisch hat es ihm dann doch sehr Spass gemacht. Die Kleidung haben wir ihm aber zum Schutz vor der Sonne angelassen. Die Australier laufen auch fast nur voll bekleidet herum. Und wenn die nicht wissen, wie extrem die Sonne hier ist - wer dann?


Abends ein kleiner Ausflug in den Broadwater National Park. Klein aber fein. Schöne Dünen, klasse Wellen, super Wetter und ein ordentlicher Picknicplatz. Wir gönnten uns Prawns vom Grill.


Zum Übernachten dann auf den Black Rocks Campingplatz und Bundjalung Nationalpark. Mitten im Wald ein Schild, dass man vorab Plätze buchen muss, sonst darf man da nicht schlafen. Haha, sehr witzig, das erst so spät mitzuteilen und nicht, sagen wir mal ganz ketzerisch, bei der Einfahrt zum Park. Egal - wir fahren trotzdem hin. 15 km
Schotterpiste sind echt kein Spass, aber der Platz ist klasse. Viele private Campingbuchten, alle mit Kleiderstangen zum Trocknen. Daneben direkt die Dünen und das Meer mit den schwarzen Felsen (aha - darum Black Rocks!). Andere Gäste sieht man hier kaum - es ist  halt noch keine Saison. Und die Leute, die hier sind, die suchen eher Ruhe.


Woodburn
New South Wales, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Warren im Baum

Es hat einen Vorteil, wenn man mit einem Baby reist: Man ist immer saufrüh wach und bekommt somit jeden Sonnenaufgang mit. Der über Brooms Head war der absolute Wahnsinn. Early bird catches the worm...

Heute Morgen ging's dann weiter den Pacific Highway entlang. Es dauerte nicht lang, dann sahen wir die ersten Zuckerrohrfelder. Es wird tropischer! Heute würden wir nicht lange Auto fahren, das war uns klar. Ein Blick auf die Strassenkarte verriet: grade mal 10 Tage mit dem Auto unterwegs, noch 3 Wochen Zeit aber schon ein drittel der
Strecke geschafft. Wir haben's zu eilig! Also bogen wir gleich bei der ersten Gelegenheit in den Bundjarlang Nationalpark ab und sahen uns da um. Wilde Küstenlandschaft mit einer langen, gebogenen Bucht,
feinster Sand, tropischer Regenwald. Geil! Hier wollten wir bleiben. Also zuerst beim lokalen Fischer fürs Grillen einkaufen: ein Kilo Garnelen, Mullet und bluewinged flathead. Dann zum Campingplatz Woody Head und einchecken. Toll gelegen, gute Ausstattung, passt. Haus und Hoftier scheinen hier die Goannas, oder Bindenwarane, zu sein. Wir
sehen auch direkt ein kapitales Exemplar. Und ziemlich grosse Kängurus. Die merken aber, dass ich keine Gefahr bin. Heute ist Fischtag.


Wir schauen uns zunächst Yulka Beach an und blicken vom Lookout runter auf die Strände und gischtbepeitschten Felsen. Herrlich! Was für eine spannende Mischung. Eigentlich wollten wir den Regenwaldweg gehen, aber ein ziemlich entspannter Australier, der Seegras fürs Blackfishangeln sammelt, sagt uns, dass der Weg vielleicht hier auf der Karte eingezeichnet ist, aber nicht wirklich hier verläuft. Na super! Planänderung: Wir fahren zur Sharkbay. Weisser Sand, herrliche Wellen und die Strandmuschel steht schnell. Wir haben sogar einen eigenen Waran. Der Dummie ist genau
auf den Baum geflohen, unter dem wir unser Lager errichten. Wir taufen ihn Warren und er wird reichlich gefilmt und fotografiert. Irgendwann flieht er dann doch. Aber wir haben ja noch diverse Vögel, die mit uns abhängen. Die weiss-schwarzen Krähen spekulieren auf Fressen, andere sind nur neugierig. Vielleicht verehren sie uns auch
als Waranvertreiber. Wer weiss...


Zurück am Campingplatz grillen wir die lokalen Fische und Garnelen und betrachten vom Meer aus den
Sonnenuntergang überm Land. Verkehrte Welt? Nö - Ostküste. :) Übrigens sind wir das nächste Mal schlauer und kaufen nicht die kleinen sondern die grossen Garnelen - sind weniger, also auch weniger Zeit fürs Schälen erforderlich... So ist's nämlich wie Fondue: Du wartest so lange auf den nächsten Happen, dass du den ersten mittlerweile verdaut hast und wirst eigentlich nie richtig satt... Dafür ist aber der Sonnenuntergang der absolute Hammer. Natürlich nicht über dem Meer, aber zumindest über einer Bucht. Das Bild mit dem blau-gelben Himmel ist richtig genial geworden...


Den Abend verbring ich damit, den Laptop einzurichten. Hier haben wir nämlich genug Netz für die erforderlichen Downloads. Dabei höre ich meinen ersten Gecko bellen und sehe den herrlichen Sternenhimmel. Genial!


Woody Head
New South Wales, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Erdmännchentaktik

Heute Früh dann mal gleich eine Hiobsbotschaft: Der Laptop ist kaputt. Macht keinen Mucks mehr. Vermutlich hat der Akku oder zumindest dessen Befestigung den Geist aufgegeben. So ganz können wir das nicht erkennen, aber nach gut 5 Jahren Dienst und zahlreichen Fernreisen sei ihm das gegönnt. Dennoch war die Laune erstmal nicht so toll. Also beschlossen wir uns Grafton anzusehen. Jetzt hatten wir einen guten Grund mehr.


Eine Hürde gab es da aber: sie war ca 1,30 Meter lang, in Schlangenoptik gekleidet und eher wie ein Sonntagsfahrer unterwegs: eine Teppichpython versperrte die Strasse und tankte Sonnenstrahlen. Was tun? Zum Glück habe ich in diversen Tierdokus gesehen, wie man das macht. Aber eins stellte ich sehr schnell fest: es gibt einen
Unterschied zwischen Sehen und Machen. Die Schlange liess sich nicht um den Kopf herum anheben, oder so. Also ging ich auf Nummer sicher: Erdmännchentaktik. Wenn bei den Mangusten eine Schlange in der
Kolonie auftaucht, dann ist das eine grosse Gefahr, weil sie der Todfeind ist. Aber die Erdmännchen haben einen Vorteil: sie können der Schlange mächtig auf den Sack gehen, und da die Schlange schlecht sieht und Mangusten sauschnell sind, geht das meistens gut. In den Tierfilmen. Ich beschloss also, der Schlange mächtig auf die
Nerven
zu gehen und betatschte mit dem Stock ihren Hintern. Zumindest das, was ich dafür hielt. Denn wer wird schon gern am Hintern betatscht? Teppichpythons nicht, also zog sie von Dannen. Sieg!


Grafton ist eigentlich ein netter, provinzieller Ort mit einem klassischen Stadtplatz. Und der grosse Vorteil: es liegt in Australien. Alles andere hätte mich auch beunruhigt. Daher waren viele Geschäfte auch heute am Sonntag geöffnet. Viele. Nur nicht die Computer Troubleshooters. Also wählten wir den kurzen Weg und kauften ein
neues Laptop. Mit englischer Tastatur. Darum sind ab sofort alle Blogs ohne ä, ö und ü die, die mit dem Laptop geschrieben wurden. (Anmerkung: Sie WAREN es, aber ich überarbeite alles nach und nach).


Wir kauften noch im angenehm gekühlten Shopping Center ein, hier hervorzuheben ist eine Strandmuschel für den Kleinen. Die heissen hier Strandshell und sind die wie ein Zelt auffaltbare Variante.


Von Grafton aus sind wir in den Yuaryir Nationalpark nach Brooms Head gefahren. Der Campingplatz war klasse: direkt am Strand gelegen. Einziges Manko: es gab nur eine einzige Grillplatte für die gesamte Campsite und da musste man auch noch Münzen einwerfen. Pah! Wie unaustralisch! Wir grillten unser Känguru und die Burger dann in der Pfanne. Dazu mussten wir nur aus dem Rauchmelder die Batterien herausnehmen - der ist etwas überempfindlich.


Brooms Head
New South Wales, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Molotov-Golf

Morgens nutzten wir schamlos aus, dass gleich neben der Farm die Dangar Falls sind - keine Ahnung, ob einfach nur Danger falsch geschrieben war. Grossartig abgesperrt waren die nicht, sahen aber klasse aus. Überhaupt gibt es in Australien verhältnismässig wenig Verbote - das tut gut! Endlich für sich selbst verantwortlich sein und nicht in so einen Paragraphen-Käfig wie in Deutschland gepfercht leben.

Wir haben das mit dem Regen im Regenwald ja nicht ganz glauben können und darum sind wir heute im Regenwald noch gewandert. Schön sicher auf geteerten Wegen aber eben mitten im Urwald. Genial! Jeder Zentimeter ausgenutzt und echt riesenhafte Bäume dabei. Aber was wäre der Regenwald ohne Regen? Genau! Wald. Und das wäre ja langweilig. Also hat es plötzlich richtig heftig geregnet und wir waren schnell durchnässt. Bäh! Ügrigens trotz Regenponcho, weil ja Sohnemann auch mit drunter muss und ein Loch zum rausgucken braucht. Und weil das Plastikplanenmäntelchen so schon raschelt, wird ordentlich daran rumgezerrt und gerissen bis er wieder offen ist.

Auf der Weiterfahrt durch New England dann der grosse Schreck! Wir sind nicht allein im Auto. Nein, leider nicht so ein süsses Pandemellon, sondern Blutegel! Die haben sich an Melanie im Urwald festgesaugt und während ich noch dreckig lache, da entdecke ich ein gigantisches Blutegelriesenmonster in meiner Kniekehle. Was bei den Viechern echt gemein ist: Sie betäuben die Stelle. Du spührst den Biss nicht. Und sie stoppen die Blutgerinnung, weil sie ja möglichst viel Blut saugen wollen. Die Folge: Wenn du das Vieh abstreifst, dann blutest du weiter wie Sau! Schaut böse aus, ist's aber nicht. Du spürst ja nichts. Aber die Klamotten und Autositze leiden und ein Pflaster bringt erstmal auch nicht viel. Es flutscht einfach vor lauter Blut wieder ab.

Eine kurze Pause an den Ebor Falls tat daher gut. Das sind zweistufige Wasserfälle die sich zu einem riesigen Tal hin öffnen. Ursprünglich war die Gegend zwischen Ebor und Dorrigo wohl mal eine Ebene, bis da ein Vulkan sich einbildete, genau dazwischen erupieren zu müssen (oder was ist das Verb zu Eruption???). Das Resultat ist ne spannende Landschaft. So betrachtet könnte Norddeutschland ein ordentlicher Vulkanausbruch nicht schaden. :o)

Was wirklich schön war ist der Cathedral Rocks National Park. Sehr klein, aber geniale Landschaft und sehr viele riesige kugelrunde Felsen. Uns gefiel's da saugut, aber da gar kein Netz am Handy aufflasckerte, war's eher weniger gut. Darum fuhren wir wie die Weltmeister in die Dämmerung hinein nach Grafton und suchten uns in der Nähe einen Platz zum Wildcampen. Sprich. Nen Platz suchen, wo Campen nicht ausdrücklich verboten ist. Der Ort Junction Hill (einfallsloser Ortsname) hatte an einem grossen Fluss eine abgelegene Bootsrape. Die kam uns gut vor. Schön gelegen, aber abseits, ausser Sichtweite. Passt!

Ne, passt nicht. Zumindest nicht, wenn man schlafen will. Zuerst kamen zwei Autos mit KIds die sich hier zudröhnen wollten (in Australien darf man erst ab 18 Alkohol trinken) und so waren sie von uns Campern etwas genervt. Ihren Lieblingssport machten sie dennoch: Leere Bierdosen mit Benzin füllen, anzünden und dann mit dem Golfschläger auf den Fluss rausdonnern. Tolle Freizeitbeschäftigung, wo überall vor der Waldbrandgefahr gewahrnt wird ... Als die Kids weg waren, kehrte endlich Ruhe ein. Dann kamen die Angler. Nachts. Mitternachts. Naja ... egal. Als die weg waren, kehrte Ruhe ein. Kurz. Dann trafen sich da Nach/ktschwimmer. Super. Also richtig lang hatten wir keine Schlafpause und entsprechend verschlafen kletterten wir dann irgendwann früh morgens aus dem Bett, denn Junior war erwacht. DER hatte nämlich prächtig geschlafen. Ganz im Gegensatz zu uns.

Junction Hill
New South Wales, Australia
  • Small
    Ralf Winkler hat am kommentiert:

    Ihr erlebt echt was ;-))! Macht Spaß Euren Blog zu lesen!

Herman Güldenhaupt Small

Is ja irre! Regen im Regenwald!

Morgens auf dem Gang zur Toilette grosse Aufregung. Nicht wegen der handtellergrossen Spinne beim Klopapier. Huntsmen sind zwar gross, aber ungefährlich. Aber neben dem Klo sass eine verdamt grosse Schlange auf der Lauer. Genau wie ich war sie auf der Suche nach Opossums. Aber im Gegensatz zu ihr war ich begeistert sie zu sehen. Wie mir zwei alte Männer später erklärten, war meine Angst unbegründet. Es war eine Teppich Python. Wird gross, sieht klasse aus, aber sie ist nicht giftig. Das ist aber nicht gleichbedeutend mit Kuschelnatter. Ne - weh tuts trotzdem. Aber die hier war eh zu kalt. Also ideal fürs Foto.

Nach dem Frühstück gings weiter, ab nach Bellingen. Das ist ein kleiner, verschlafener Ort am Bellinger River. Die Häuser sind so aus dem 19. Jahrhundert, der Ort ist etwas alternativ angehaucht, aber es gibt echt tolle Läden dort. Bennet bekam einen Teddy und ein Shirt, ich bekam ein Bellinger Darkwood Bier und damit waren 100 Prozent der Männer gluecklich. Das Wetter war toll und damit die Stimmung bestens.

Also fuhren wir weiter und bald ging es über enge Kurven eine Felswand rauf und innerhalb kürzester Zeit wechselte die Temperatur von ich-schwitz-mir-den-Bürzel-ab auf Normalkalt. Herrlich! Was so eine Fahrt von Meereshöhe hinauf auf 1.500 m ausmachen kann!

Die Landschaft sah aus wie England: schätzungsweise grün, aber primär benebelt. Darum heisst die Region auch New England. Und hier gibt es noch Regenwad, und zwar uralten. Das Bruchstück, das wir hier sahen, gehört noch zu den Resten des Gondwana-Regenwaldes. Also der Wald, der den Urkontinent vor dem Aufplatzen der Kontinente bewaldete. Dinosaurier haben wir keine Gesehen, aber 1a Regenwald mit Nebel und Regen. Wie man ihn sich halt vorstellt. Und Pandemellons haben wir gesehen, das sind kleine Kängurus mit platteren Gesichtern. Sachen gibt's!

Wir grillten im Gondwana Wald von Dorrigo und dann übernachteten wir im Garten einer Farm. Keine Angst - nichts Illegales! Bauer Bill verdient sich was dazu. Das sei ihm gegönnt. Magisch war die Aussicht auf die geschwungenen Berge vor uns und wie die Wolken mitten durch die Landschaft zogen und mal was zu sehen war und dann eben nichts mehr. Zwischendurch kamen aber unsere Nachbarn vorbei: Neugierige Black Angus Rinder. Yummie!

Dorrigo
New South Wales, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Glasses Fishing


Byebye Bonny Hills! Aber Australien hat ja noch so viel mehr zu bieten. Den Billabong Zoo in Port Macquarie, zum Beispiel. Eigentlich ist das ja kein Zoo, sondern so eine Art Koala-Puff mit Kreissaal. Weil die Plüschmonster nämlich für sich als Nische entdeckt haben, dass sie giftige Blätter fressen, muessen sie 20 Stunden am Tag schlafen, um die Blätter zu verdauen. Die restlichen 4 Stunden verbringen sie mit Toilettengang, Essen, Trinken und eventuell mal Locationwechsel. Also sehr ähnlich wie die typischen Besucher am Oktoberfest. Da bleibt nicht viel Zeit fuer populationserhaltende Aktivitäten. Und den Part übernimmt der Zoo.

Aber längst sind da nicht mehr nur Koalas. Viele andere australische Tierchen sind hier ebenso vertreten, wie auch Tierarten, wo man sich fragt: WAS!?! Zum Beispiel ist es fuer mich nicht gerade naheliegend, dass ein Schneeleopard in Australien im Zoo sitzen muss. Aber egal ... Ich hab meine Wombats gesehen und war glücklich. Ähnlich wie der Koala schlafen sie auch die meiste Zeit am Tag, aber eben nur weil sie's können. Und das in allen möglichen Posen. Genial!

Der Höhepunkt fuer Melanie waren die Dingos. Das ist eine Art verwilderter Hund, der mit den ersten echten Entdeckern Australiens vor ca 40.000 Jahren auf den Kontinent kam. Aber egal ob Wildtier oder nicht - es sind halt Hunde und die Dingos hier machen sogar Kunststücke und lassen sich kraulen. Naja ... Das ist halt der Unterschied zu nem Wolf. Das ist noch ein echtes Wildtier und der verkauft sich nicht so für schnödes Essen. Wenn du dem nen Stück Fleisch hinhältst, dann macht der nicht Männchen, sondern Happ!

Lustig war auch der Emu - der häufigste grosse flugunfähige Vogel hier in Australien. Der Geselle hier im Zoo hatte das Talent, egal auf welchem Foto total doof auszusehen. Einen Beweis liefere ich noch ...

Übrigens ein tolles Spiel für die ganze Familie. Glasses Fishing. Kostet nichts und ist richtig spannend. Man nehme einen trüben Koi-Teich und eine locker sitzende Sonnenbrille. Dann weit vornüberbeugen und BLUBB! Das Spiel ist vorbereitet, die Brille weg. Viel Spass beim gemeinsamen Fischen und Suchen!

Nach so viel Aufregung fuhren wir erstmal weiter ins beschauliche Nambucca Heads, wo wir am Strand die chaosstiftenden Fähigkeiten unseres Sohnemannes entdeckten: Wir hatten einen schönen, schattigen Platz am Strand gefunden und eigentlich war alles perfekt. Sonne, blauer Himmel und ... Wirbel-Ben! Schnell auf den Bauch gerollt, einmal kotzen, Gesicht reintunken, weiterrollen zum Sand, panieren und dann Augen reiben! Wie er das so schnell geschafft hat, ist mir ein Rätsel, aber den Strandbesuch haben wir dann abgebrochen. Aber wir lernten Australier kennen, die uns Broken Head zum Übernachten empfohlen.

Also hin! Wir parkten inmitten von Felsen und Dünen nahe am Strand. Zum Sonnenuntergang peitschte der Wind Sand und Gischt vor sich her, vorbei an kristallbesetzten Magmafelsen - es war herrlich! Ein toller Platz um die Naturgewalten zu erleben.

 

Broken Head
New South Wales, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Bonny Hills - und die Sonne kam!

Heute war Bennets 5. Monat – das wurde mit einer Regenpause
gefeiert und damit konnten wir endlich Kängurus kraulen gehen. Die grauen Hüpfer
hier waren morgens eher aufs Fressen fixiert und ließen sich gern besuchen.
Gegen Mittag waren sie dann aber eher träge und lagen kreuz und quer im Gras
herum und verdauten. Hach – von Mutter Natur kann man noch so viel lernen…

Wir hoppelten über die Schotterpiste wieder weiter und kamen
nach Port Macquarie, einem netten Küstenort, mit ca 33.000 Einwohnern einer der
größten Orte hier im weiteren Umkreis. Ja, so beschaulich ist das Leben hier.
Wir bummelten ein wenig herum, besuchten das Visitor Center und quatschen mit
einem Pie-Stand-Besitzer. Ach ja … „Pies“ sind kleine Teigkuchen die mit
deftiger Füllung versehen sind. Die Aussies haben so was richtig gern und wir
finden’s auch lecker. Warum’s das in Deutschland nicht gibt? Vermutlich, weil’s
mit Nürnberger-Sauerkraut-Füllung doch etwas befremdlich schmecken dürfte. Aber
Minced Meat, Pepper Steak, Sweet Chili oder die zahlreichen anderen Varianten
sind deftig und lecker.

Damit wir unseren Blog mal endlich ins Leben rufen, wollten
wir unbedingt einen Campingplatz mit Wifi haben. Das war aber gar nicht so
einfach, wie wir dachten. Dafür mussten wir schon nach Bonny Hills fahren,
einem Kaff am Meer mit tollen Klippen und ewig langen Stränden. Und Surfer
fühlen sich hier wohl wohl. Ich auch, aber das liegt am Ohrwurm von der Benny
Hill Show, den ich habe.

Zur Feier des Tages gibt es Steak frisch vom Grill. Heute mal nur ein kleines Stückerl, so 500 g.


18.2.

Nichts zu berichten. Sind in Bonny Hills geblieben. Sonne,
Meer, Grillen … Einfach ne gute Zeit in B.H. Ach ja – zur Liste der gesichteten
Tier kommt ein halbstarker Bindenwaran (nur 1,5 m) und eine doch recht
stattliche Wasseragame hinzu. :o)

Der Regen hörte abprupt auf und da war sie - die Sonne! Und der erste amtliche Sonnenbrand 2014!  :)

Bonny Hills
New South Wales, Australia
  • Small
    Ralf Winkler hat am kommentiert:

    Klasse Bilder, trotz Regen!

  • Small
    Isabelle hat am kommentiert:

    alles gute weiterhin!

Herman Güldenhaupt Small

Seal Rocks - auch ohne Heidi Klum

Heute haben wir noch schön den See genossen. Obwohl es nur ein kleiner
Seitenarm des Sees ist, ist er einfach riesig. Wir wollten uns die Landschaft
hier natürlich nicht entgehen lassen und folgten allen Seen dank des "The
Lakes Way" - eine 80 km lange Strasse entlang der Seen. So hatten wir
links Berge und Süßwasserseen, rechts Berge und Küste und Meer. Geniale
Abwechslung also. Toll war vor allem der Ort Seal Rocks, der zu eines
Seehundfelsens so benannt ist. Die Seehunde sind längst gehäutet und gegessen, aber
der Name ist noch da und es gibt einen genialen Leuchtturm auf einem Felsen,
von dem aus man die Bucht und die Felsen (und das offene Meer) sehen kann. Da
wird einem ganz anders - nicht nur, weil's so saumäßig steil rauf geht. Man
kann übrigens in den alten Gemächern übernachten.

Das haben wir aber nicht - wir sind weiter gefahren und haben mittags bei Hawkes
Nest geschlafen. Power Napping saves Lives. Hawkes Nest ist übrigens eine
Aussichtsplattform, von der aus man wohl eine super Aussicht hat. Angeblich.
Wir sind nicht hoch - angeblich dauert es hin und zurück 30 min und es geht
bergauf. Darauf hatten wir bei Regen keine Lust. So ziemlich alle Leute die auf
den Parkplatz fuhren, das Schild sahen und wieder abhauten übrigens auch nicht.
Wir sind also nicht faul, nein, wir sind Mainstream.

An der Boomerang Bay haben wir in Pacific Palms fangfrischen Fisch gegrillt
und beim Beobachten der Surfer (und Delfine) gegessen. Lecker! Der Fisch. Nicht
die Surfer.

Dann ab nach Laurieton, genauer gesagt in den dortigen Nationalpark Diamond
Head. Die Schotterstrasse dahin ist eine Zumutung, aber der Campingplatz selber
gehört zum Nationalpark und da campt man direkt am Meer mit zahmen, wilden
Kängurus. Das ist alle Mühe wert. WENN es nicht regnet. Ohne Pause. Wie heute.
Ab Ankunft. Durchgängig. Bäh!


Diamond Head
New South Wales, Australia
Herman Güldenhaupt Small

See'nswürdigkeit

Nach Broke ging's für uns erstmal zu einem der tollen Weingüter. Leogate heißt es und der Wein war wirklich lecker. Gut, für zwei Flaschen haben wir hier so viel gelöhnt wie ander Mosel für eine ganze Kofferraumladung voll, aber dafür hat der Wein hier so coole Namen wie Dirt Boyz oder Cockfighter. Da kann höchstens noch der Kröver Nacktarsch mithalten ...

Als nächstes ging's auf einen Markt mit regionalen Produkten. Und wieder zeigt sich: Die Aussies sind stolz auf ihr Land und fördern es auch selber gern. Binnenkonjunktur, als Stichwort. Wir finden's gut und heizen da gern mit an. Für Bennet nen Stoff-Platypus und für uns leckererereren Kaffee.

Nächster Stopp: Nelson Bay, ein kleiner Ort im Port Stephens, einer großen Bucht. Der Ort ist bekannt für die Delfine, die morgens ins Hafenbecken kommen. Es war zwar nicht morgens, aber ein frecher Flipper kam trotzdem und beäugte neugierig die Spaziergänger. Zu dem Zeitpunkt waren wir noch voll aus dem Häuschen. Mittlerweile haben wir schon so viele Delfine gesehen, wie man sie sonst nur im Supermarkt beim Tunfischregal sieht. :o) Ironie beiseite: Natürlich ist es immer wieder schön, die Meeressäuger zu sehen. Ich achte auch argwöhnisch darauf, dass keine Japaner oder Chinesen den niedlichen Tierchen zu nahe kommen.

Vom Leuchtturm aus haben wir noch schnell die klasse Aussicht auf die Bucht genossen, dann gings ein sattes Stück weiter nach Boolambyte, genauer: an den Myall-Lake. Wir camptem komplett allein im Wald und grad als das letzte Licht verschwand sah ich noch das Schild mit den hier typischen Tieren: Dingos, Baumschlangen und Warane. Leider tauchte kein einziges davon auf. Schade - ich hatte extra meine Nachtsichtfotofalle aufgebaut. Aber das Einzige, was darauf zu sehen ist, bin ich. Nun weiß ich, dass ich nachts viermal am Klo war und zwischendurch Enten verjagt habe, die ich nicht auf den Bildern haben wollte.

Boolambayte
New South Wales, Australia
Herman Güldenhaupt Small

No Wise Men ...

Auch wenn der Ort Wisans Ferry heißt, hat das nicht auf uns abgefärbt. Was wir nicht merken: Es gibt zwei Fähren. Wir haben ja schließlich im Englischunterricht aufgepasst: Das müsste ja dann schließlich Wisemans Ferries heißen. Tut's aber nicht. Wir nehmen die erste Fähre, die wir sehen, und das ist die falsche. Weil wir uns so sicher sind, dass wir richtig sind, beachten wir natürlich auch keine Strassenkarte.... daurch stolpern wir über den schönen Ort St. Alban, in dem auch zwei ältere Schweizerinnen vom gleichen Campingplatz durch den gleichen Fehler gestrandet sind. Wir sind von dem "uralten" Ort begeistert, besonders das Pub "Settlers Arms" ist genial urig. Schon witzig - in meinem Heimatdorf in Bayern ist jeder Kuhstall älter als das Pub, aber hier ist das halt einfach was Besonderes.

Dann, nach einem Kaffee, haben wir die Wahl: Den ganzen Weg wieder zurück, oder 35 km Schotterpiste? Wir nehmen die Schotterpiste, die uns durch ein Tal zwischen zwei Nationalparks führt. Durch Wiesen mit fetten Anguskühen und an Farmen vorbei. Hier zeigen die Aussies mal wieder, wie kreativ sie bei der Erstellung ihrer Briefkästen sind. Alles, was alt und ausrangiert ist kann einen tollen neuen Briefkasten abgeben.

Das Ziel erreichen wir nach der holprigen Strecke: Das Hunter Valley, nicht nach dem Virus sondern nach dem Fluß benannt, der der Region Fruchtbarkeit bringt - und sie so zum Top 2 Weinbaugebiet Australiens macht. Wir fahren nach Cessnock, dem Weinzentrum. Hier gibt es massig Weingüter mit top Weinen. Bei den Preisen wird uns ganz anders. Wer Wein um die 5 Euro gewohnt ist, der ist zunächst etwas erschrocken, wenn hier der Billigste 16 Euro kostet. Aber wir wollen ja geniessen und nicht vernichten. ;o) Also fahren wir - passend zum Geldbeutel - nach Broke und übernachten dort im Park. Dazu ein leckerer Verdellho aus der Region. Fruchtig, spritzig, leichte Zitrusnote.

Broke
New South Wales, Australia
  • Small
    Ralf Winkler hat am kommentiert:

    Die Briefkästen sind echt die Härte ;-)

  • Small
    Isabelle hat am kommentiert:

    super spannend. Gibt Lust mehr von der Welt zu sehen.

Herman Güldenhaupt Small

Hit the Road

Auf geht's! Wir holen unseren Campervan - gott sei Dank ein Toyota! Das sind die zuverlässigsten Wagen hier in der Gegend. Man muss nur auf die Strasse sehen, was die Australier so alles fahren. Toyota und Nissan sind da ganz vorne mit dabei. Der Wagen basiert auf dem Hiace und ist sehr geräumig. Da bekommen wir sogar unser Gepäck unter. Den Kindersitz holen wir auch bei der Verleihfirma ab, brauchen aber Hilfe beim Festgurten. Seltsame Konstruktion, aber wohl sehr gemütlich. Bennet liegt da richtig drin.

Der halbe Tag ist rum, als wir endlich Sydney verlassen. Das Viertel Newton merken wir uns. In der King Street ist es richtig schon alternativ und es gibt spannende Läden mit Krempel und Kunst im Vintage Look. Leider haben wir heute keine Zeit (und keinen Platz für Möbel). Darum fahren wir nordwärts am Pacific Highway bis Hornby und kaufen erstmal im nächsten Supermarkt für die nächsten Tage ein. Da klingelt die Kasse. Jaja ... das böse australische Preisniveau. Die Aussies sind ja auch so gemein, dass sie auf Binnennachfrage setzen. Lieber etwas teurer echte australische Produkte kaufen, am Besten noch aus der Region. Das ist wesentlich sinnvoller und nachhaltiger als unsere deutsche Geiz ist Geil Mentalität.

Wir fahren durch die Galston Gorge, ein enges Tag mit fiesen Serpentinen. Hinter unerem Hiace bildet sich eine lange Schlange, aber wir haben weder Bock, zu nah an die Felswand zu fahren, noch auf der anderen Seite tief abzustürzen. Der Wald ist aber wunderschön - Eukalyptus halt.

Unsere erste Nacht verbringen wir am Hawksbury River in Wisemans Ferry. Gute Nacht!

Wisemans Ferry
New South Wales, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Sydney Tag 2

Nach dem ersten Einleben heute eher ein Touristentag: Wir fahren ins Zentrum und gönnen uns erstmal beim QVB (Queen Victoria Building) eine Rast. Das QVB ist eines der schönsten Einkaufsgebäude der Welt (und auch eines der bekanntesten). Ein Besuch lohnt sich wirklich. Drum lassen wir's uns auch nicht entgehen, ein bisschen an den Geschäften entlang zu flannieren. Außen sind vor allem die Gegensätze zwischen alt und neu reizvoll. Das ist auch der besondere Reiz von Sydney.

Wir gehen in den Darling Harbour, der recht neu hergerichtet wurde und voll auf Entertainment ausgelegt ist. Natürlich gibt es hier in der heißen Sonne Australiens ein Madame Tousseaud's (man sollte vormittags in das Wachsfigurenkabinett gehen, denn nachmittags sind nur noch Wachspfützen zu sehen), einen Wildlife Park und das Sydney Aquarium (Sea Life). Spätestens an der Kasse wird klar, dass Australien in den letzten Jahren keine Wirtschaftskrise hatte - das Preisniveau ist ordentlich. Wir gehen ins Aquarium, um uns abzukühlen. Wirklich genial sind hier die großen Haifischbecken, in denen viele verschiedene Fische zusammenleben. Also nix da mit den Haien als allesfressende Monster, wie sie gern dargestellt werden. Die kleinen Fische scheinen sich auch nicht wie Fischfutter zu fühlen. ;o)

Wir gehen über The Rocks zurück, das ist ein altes Viertel, das Immobilienspekulanten gerne aufkaufen würden, aber die Eigentümer der vielen kleinen Häuschen nicht hergeben wollen. Hier sieht man noch das ursprüngliche Sydney und es wäre schade, die alten Viertel zu verlieren.

Eigentlich wollten wir nach dem langen Tag mal kurz verschnaufen und dann noch was Trinken gehen. Eigentlich. Wir schlafen aber 12 Stunden durch.

Sydney
New South Wales, Australia
Herman Güldenhaupt Small

So - da samma!

Sydney - endlich! Doch vor den Preis wurde leider der Fleiß gesetzt! Das heißt: Einen Berg voller Gepäck irgendwie durch die Öffis (ÖPNV) bringen. Zum Glück gibt es massig Fahrstühle und die Aussies sind so entspannt, dass das einzige Übel die Schlepperei ist.

Da wir morgens um 7 Uhr ankommen, müssen wir den Tag irgendwie rumbringen, um das Jetlag zu umgehen. Bennet holt sich den Schlaf, den er braucht - wie man auf den meisten Bildern sehen kann. Allerdings ist er in der Öffentlichkeit extrem ausgelassen und strahlt jeden an. Das beruht aber auf Gegenseitigkeit.

Wir steigen in einer Lodge in Kings Cross / Potts Point ab. Wunderschöne alte Gebäude mit herrlichem Blick auf die Skyline von Sydney. Unser Gepäck verstauen wir schnell im eher Low Budget Zimmer und ab geht's in den Botanical Garden der schönsten Stadt der Welt. Dort saugen wir die Düfte und Geräusche in uns auf und geniessen einfach, da zu sein.

Später dann haben wir Lust auf mehr und Meer. Also gehen wir zum Circular Quay und nehmen einer der zahlreichen Fähren, die eines der wichtigsten Verkehrsmittel hier sind. Sydney ist nämlich über viele Buchten verteilt und da das Autofahren zu anstrengend ist, ist die direkte Verbindung die Beste. Wir fahren 30 min nach Manly, wo Zwergpinguine leben. Die sieht man tagsüber aber nicht, weil sie da Jagen sind. Dafür sieht man Surfer und Säufer und kann die nette kleine Stadt genießen. Direkt am Meer, entspannt und gemütlich. Am Wharf werfen wir uns Snacks ein und fahren dann wieder "heim" ins City Center.

Während Mama und Baby schlafen gehen, hole ich mir noch eine SIM Karte und versuche sie online zu aktivieren. dafür brauche ich einen Laden, der free Wifi hat (also Internet). Das ist in Kings Cross an sich kein Problem. Man muss nur darauf achten, WAS das für ein Laden ist. Travestie, Gay Live Performance, Ladystrip oder Spielhölle. Ich lande in letzterem (Ufffff!) und schalte meine Karte live. Von jetzt an also wieder mobil erreichbar.

Sydney
New South Wales, Australia
Herman Güldenhaupt Small

Es geht los!

Sonntag Abend - die ideale Zeit zum Abfliegen, oder? Mit einem Kleinkind auf jeden Fall. Bennet nimmt das Alles recht gelassen und schläft den ersten Teil vom Flug bis Peking fast komplett durch. Auch am Flughafen in Peking ist primär dösen angesagt. Die Stillzimmer dort sind übrigens klasse. Mit Ledersessel und allem Pipapo. Wer also mal am Flughafen Bejing gemütlich und 1st class schlafen will ... ;o)  Wir haben aber dann sicherheitshalber doch auf den gewöhnlichen Sitzen geschlafen. Ist viel bequemer und man kann liegen. Leider hatte es unser Quinny (Buggyuntersatz für Maxicosi) nicht mit in den Transfer geschafft. Den hatte die Bodencrew wohl zum normalen Gepäck geworfen. In Sydney tauchte er dann wieder zum Glück auf. Dafür sind die Gepäckwägen am Flughafen ideal für Maxicosi ausgelegt.

Beijing
Beijing, China