Rainer's Trip around the World from Dec. 4 to Mar. 26

Blog

Dies ist dein Tour-Blog. Füge Einträge mit Fotos und Standort hinzu oder einfach nur Text und dokumentiere was du gesehen hast, wo du warst und worüber du nachgedacht hast. Wenn du möchtest, lass andere deinem Tour-Blog folgen und an deinen Erfahrungen teilhaben. Wie das geht? Hier entlang zum Video-Handbuch.

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Station erstellen
Rainer Small

46. Tag

18. Jan.

Moorea

Regen beruhigt

Für die nächsten Tage ist Regen angesagt, etwa so lage, wie ich auf Moorea bin. Da ich ein Reiseblogger, aber kein Wetter-Blogger bin, erspare ich mir den Wetterbericht und melde mich wieder, wenn neue Aktivitäten rufen. Das können sein: Schwimmen, Schnorcheln, Kajakfahren, Radfahren oder Busfahren. Nichts von dem ist derzeit möglich. Das beruhigt und entspannt. Und ich kann Kekse knabbern vom Lebensmittelmarkt.

Haapiti
Îles du Vent, Französisch-Polynesien
Rainer Small

45. Tag

17. Jan.

Papeete / Moorea

Südseetraum im Regen


Was heute geschah. Das Südsee-Abenteuer kann beginnen. Auch am Morgen meines Abreisetages kann ich mich noch nicht mit Papeete anfreunden. Ich verproviantiere mich noch mit einigen französischen Pazific Francs und einem Wrap von der Maxi-Boutique von Shell, bevor mein Transport zum Fährhafen, der nur zehn Minuten entfernt liegt, losgeht. Der Fahrer zeigt auf ein rotes Schiff namens Teravau. Das Gepäck wird mir sofort abgenommen und gemeinsam mit dem anderer Fahrgäste auf einen Transportwagen geworfen, ohne gefragt zu werden und ohne irgendeinen Beleg. Mit meinem Voucher stelle ich mich vor einem Ticketschalter an. Die Dame weiß anfangs nicht viel mit dem Papier anzufangen, aber dann bekomme ich mein Fährticket doch, das mir dann beim Einlass auf das Schiff sofort wieder abgenommen wird. Das Wetter ist regnerisch und wolkenverhangen. Die Fähre hat einen Fahrgastraum, ein offenes Seitendeck und ein Unterdeck für Fahrzeuge. An Bord vielleicht 70 Fahrgäste, die Hälfte davon, so schätze ich, Touristen. Ich lege meinen Rucksack auf einen der vielen freien Plätze im Innenraum und gehe aufs Seitendeck, um etwas Südseeluft zu schnuppern, doch die ist an diesem Vormittag stürmisch und feucht. Die Überfahrt dauert gut 30 Minuten. Bei der Ankunft auf Moorea knubbelt es sich. Frachtgut wie Mehlsäcke und Reisegepäck werden nebeneinander gestapelt. Es gibt zwei Transportfahrzeuge, eines fürs Gepäck, eines für die Hotelgäste. Ich nenne meine Unterkunft und mein Gepäck wird zuhinterst in das Transportfahrzeug gestellt. Aus dem einfachen Grund, weil zuerst die großen Hotels wie Sofitel, Hilton, InterContinental angefahren werden. Und – oh Wunder - am Ende der Fahrt, als alle Gäste und Gepäckstücke an ihren Bestimmungsorten angelangt sind, bin ich der letzte Gast im Bus. Ich steige aus an der "Moorea Beach Lodge“  im Ort Haapiti im westlichen Teil der Insel, und mein Gepäck steht bereits kerzengrade vor mir und wartet auf mich. Die Anlage besteht aus 20 kleinen Bungalows, die bescheiden d. h. ohne Fernseher, aber ausreichend möbliert sind. Statt des erwarteten Gartenbungalows bekomme ich einen Meerbungalow, das heißt weniger als zehn Meter bis zum Wasser, mit eigener Terrasse und eigenen Liegestühlen am Strand. Vor mir eine weite Lagune und eine Wasserfarbe, wie ich sie noch nie gesehen habe, türkis bis hellblau, unbeschreiblich mild und schön, ein Traum von Meer auch hinter einer Regenwand. Der Stamm einer Kokospalme liegt im 45-Grad-Winkel über dem Wasser. So habe ich mir die Südsee vorgestellt und so sieht sie auch aus. Ich bin, glaube ich, der einzige Gast in der gesamten Anlage, habe also Privatheit ohne Ende.
Der Geschäftsführer ist Franzose, ein netter Herr in mittleren Jahren, der sagt, er sei früher Klarinettist gewesen und sei vor 20 Jahren mit einem bretonischen Sinfonieorchester auf Tournee in Deutschland gewesen. Ein riesengroßer, uralter und sehr charaktervoller Banyan-Baum steht inmitten der Anlage. Ich verständige mich kurz über den Internetzugang. „Magictree ist das Passwort, wie der Baum“, sagt er.

Etwa 200 Meter nach links gibt es ein Restaurant, das alles anbietet von Pizza bis zum Steakm von Bier bis Wein. Ich wähle eine Pizza zum Mitnehmen und trinke, während sie gebacken wird, ein Bier. Das ist soweit mein erster von fünf Tagen auf Moorea. Ich kann mir sogar vorstellen, im Schlafanzug ans Meer zu gehen, aber der Tropenregen, der sehr konstant ist, hält mich heute noch davon ab. Schade nur, dass der Januar hier zu den feuchteren Monaten zählt.

Papeete
Îles du Vent, Französisch-Polynesien
Rainer Small

44. Tag

16. Jan.

Papeete

Streetart – ein Streifzug durch Papeete

Wieder einmal müssen Bilder sprechen – wie schon in Christchurch. Papeete ist reich an Brandmauern und unschönen Fassaden. Blanke Wände können provozieren. Einige der auffallendsten Motive habe ich bei einem nachmittäglichen Rundgang festgehalten. Warum sich diese Kunstform gerade hier so entwickeln konnte, vermag ich nicht zu sagen. Ich halte die Tahitianer nicht für besonders kreativ. Aber auch hierin kann ich mich täuschen. Ich glaube, es gibt in Papeete sogar ein Museum für Streetart. Doch all dies sind nur kurz belichtete Impressionen eines einzigen Tages aus einer Stadt, die mich nicht zum Bleiben verlockt.

Papeete
Îles du Vent, Französisch-Polynesien
Rainer Small

44. Tag

16. Jan.

Papeete

Enttäuschung

Als Stadt ist Papeete eine Enttäuschung, eine Stadt für die Durchreise, keinOrt, an dem ich länger bleiben möchte. Dass Papeete unattraktiv ist, habe ich schon vorher gelesen, aber ich wollte es nicht glauben. Nervend ist der Straßenverkehr, der ohne Pause fließt. Verkehrsberuhigte Zonen gibt es nicht. So etwas macht jede Stadt ungemütlich. Die Geschäfte sind uninteressant und haben bereits vor 18:00 Uhr geschlossen. Souvenirläden bieten Südsee-Folklore, viel Geschnitztes, bunte Stoffe, Blumendekor, amüsante Kaffeebecher. Die Frauen tragen weiße Blumen im Haar,das gibt ihnen gewissen Liebreiz und korrespondiert sehr hübsch mit dem Dekor ihrer Kleider. .  
Dazu viele runtergelassene Fassaden, zwei Hotels, die geschlossen sind, viele schmutzige Ecken. Touristen habe ich keine gesehen, niemanden, der für ein Foto posiert hat. Niemand hat mir ein freundliches Bon Jour zugerufen oder wollte mich zu irgendetwas animieren. Ich empfinde die Menschen in Papeete als ungepflegt bis unsauber, so als seien sie auf Zuwendung angewiesen. Ich nehme viel Armut wahr. So wie ich die Menschen hier erlebe, erscheinen sie mir emotional sehr abgesenkt. Dass viele stark übergewichtig sind, liegt an ihrer genetischen Veranlagung, aber auch daran, dass sie sehr viel Cola trinken, Fastfood und dem Alkohol gegenüber auch nicht abgeneigt sind. Überhaupt, so mein Eindruck, gehen die Menschen hier nicht gut mit sich selbst um. Paul Theroux hat ist seinem Buch „Die glücklichen Inseln Ozeaniens“ hart mit den Tahitianern ins Gericht gegangen. Die Einzelheiten seiner Beschreibung habe ich nicht mehr präsent, aber schuld daran ist vor allem Frankreich als ehemaliger Kolonialstaat.

Die lokale touristische Imagebroschüre hat 10 Seiten Umfang, davon acht Seiten ganzseitige Anzeigen für Perlenverkauf mit großzügigem Discount bei Vorlage der Anzeige. Perlenverkauf als wirtschaftzliche Monokultur, geht das?  Kunden sehe ich wenige. Papeete hat einen Schiffsbahnhof und einen Yachthafen, es hat einige Grünflächen und eine Kathedrale, einen hübschen Markt mit Lebensmitteln und Kunsthandwerk und einen sehr frühen Ladenschluss. An mehr erinnere ich mich nicht an diesem Tag.

Papeete
Îles du Vent, Französisch-Polynesien
Rainer Small

43. Tag

15. Jan.

Auckland / Papeete

Dessertwein zum Eis

Mit nur fünf Stunden Flug habe ich eínen Tag Zeit gewonnen, muss aber die Uhr eine Stunde vorstellen. Es ist immer noch, Sonntag, der 15. Januar, und ich bin in Papeete auf Tahiti. Der Bordservice der Air New Zealand war der beste bisher auf meiner gesamten Reise. Es gab sogar Dessertwein zum Eis. Das gibt es an meiner Eisdiele zu Hause nicht. Der freundliche Empfangsdienst am Flughafen hat mir eine Blumenkette umgehängt und alle Reisepapiere ausgehändigt. Noch kann ich mir kein Bild von Papeete, der Hauptstadt Tahitis und Französisch Polynesien machen. Die Sonne geht früh unter, kein Stern am Himmel und es ist unglaublich dunkel, was auch an fehlender Beleuchtung an der Straße und auf den Gehwegen liegt. Das Paradies sieht anders aus. Ich finde einen Geldautomaten und entnehme einen kleinen Betrag. Beim Lebensmittelmarkt, der gleich neben dem Hotel liegt und Teil einer Shell-Tankstelle ist, und hole mir eine große Flasche Wasser. Morgen werde ich mich mit Papeete anfreunden. Übermorgen geht meine Fähre nach Moorea.

Papeete
Îles du Vent, Französisch-Polynesien
Rainer Small

43. Tag

15. Jan.

Auckland

Weinjahrgang 2017 in Vorbereitung


Neuseeland ist Europa nicht nur zwölf Stunden, sondern auch sechs Monate voraus, was die Weinernte betrifft. Im Januar ist Sommer auf der Südhalbkugel und ab April, wenn der Herbst kommt, beginnt die Weinlese, d.h. der 2017er Jahrgang ist in Vorbereitung, während der Europäer noch nicht einmal den 2016er Jahrgang kennengelernt hat. Ich habe heute einige 2016er Weine verköstigt und weiß, wie sie schmecken, aber mich fragt ja keiner. Bei einer Inselrundfahrt mit dem Thema „Wine on Waiheke“ lerne ich drei der führenden Weingüter kennen, drei von 24, die es hier auf einer Fläche von 92 Quadratkilometern bei einer Küstenlänge von 133 Kilometern gibt. Die Insel Waiheke, eine halbe Fährstunde vor Auckland, ist in vielerlei Hinsicht idealer Nährboden und bestes Klima für Trauben aller Geschmacksrichtungen. Daß Waiheke darüber hinaus auch eine sehr schöne Küstenlandschaft aufzuweisen hat, stört die Trauben beim Wachstum wenig. Besonders gepflegt wird der Anbau der mir unbekannten Weißweintraube Viognier. vom Geschmack her, trocken, würzig, intensiv. Der Roséwein, der hier entweder aus der roten Syrah- oder der Merlot-Taube gewonnen wird, wird hier besonders gepflegt. Er passt gut in warme Regionen und ist ein idealer Wein für den Strand. Doch Vorsicht:Doch Vorsicht, auch wenn der Rosé leicht und transparent ausschaut, er hat den gleichen Alkoholgehalt wie jeder andere Wein. Den kräftigen und pfeffrigen Syrah gibt es hier in vielen Varianten natürlich auch.Einziger Feind des Weinbauern auf Waiheke sind die Vögel. Um die Reben vor ihnen zu schützen, werden weiträumig Netze aufgespannt. Der Boden ist lehmhaltig und speichert das Wasser. Bis zu zehn Metern hohe Hecken schützen vor den Winden, die von allen Seiten her vom Meer hineinwehen. Schädlinge gibt es keine. Das erste Weingut, das ich besichtige, ist Madbrick, das ich besichtige, das zweite heißt Cable Bay, das dritte Te Whau. Alle haben sie Preise erhalten für die Qualität ihrer Reben. Bei einer Verköstigung kann man die Gründe nachvollziehen.

Auckland hat einen großen Hafen, der von richtig großen Kreuzfahrtschiffen angelaufen, gestern habe ich Noordam gesehen, heute die Sea Princess, beide von der Princess Cruiseline, beide mit einer Kapazität von 2.000 Passagieren.

Sorry, liebe Leser/innen und Freunde, für die nächsten Tage rechne ich mit einer sehr instabilen bzw. nicht vorhandenen Internetverbindung. Ich bin jetzt in der Lounge der New Zealand Air und warte auf den Flug nach Papeete, Tahiti, das der Mittelpunkt und vielleicht auch Höhepunkt meiner Reise ist. Nur werden meine Blogs wohl etwas weniger regelmäßig, weil die Leitung einfach schwach ist.

Auckland
Neuseeland
Rainer Small

42. Tag

14. Jan.

Auckland

Inszenierung eines Picknicks

Auckland ist eine Millionenstadt, in ihr leben ein Drittel der 4,2 Millonen Einwohner Neuseelands. Entsprechend dem City-Ranking einer weltweit tätigen Consulting Firma besitzt Auckland unter allen Großstädten der Erde die dritthöchste Lebensqualität. Bei dem subtropisch milden Kima (im Januar zwischen 24 und 30 Grad) lebt es sich sehr angenehm hier. Ich wohne stadtzentral und sehe auf dem Weg zur Innenstadt, daß nicht alle Auckländer (sorry, ich weiß keine andere Bezeichnung für die Bewohner) auf der Sonnenseite leben. Vor der Stadtmission warten viele, die nach Hilfe verlangen, sozial Abgehängte, Obdachlose, Menschen, die sich auf Bänken zum Schlafen eingerollt haben. Und ich scnmutzige Ecken und leere Whiskeyflaschen in ungenutzten Hauseingängen. Alkohol in der Öffentlichkeit, das geht überhaupt, das habe ich bereits für Australien wieauch jetzt für Neuseeland gelernt. Auf der Busfahrt von Rotorua nach Auckland noch hat der Fahrer ausdrücklich davor gewarnt, geöffnete Flaschen, also trinkbaren Alkohol, mit ins  Fahrzeug zu nehmen. Dafür gibt es ein besonderes abschließbares Fach im Bus, erläutert er. Wer erwischt wird, der muss mit einer Geldstrafe und damit rechnen, daß er die Fahrt nicht fortsetzen darf. Polizeikontrollen sollen keine Seltenheit sein.

Die Queen Street ist eine stark befahrene Einkaufsstraße, die ich mir genauso in jeder Großstadt in Deutschland vorstellen kann. Neuseelandisch-australische Kettenläden dominieren. Mit dem kleinen Unterschied, dass die Geschäfte auch Sonntags geöffnet sind. Nur, so fällt mir auf, der Chinesen- und Japaneranteil ist deutlich höher als in anderen Städten, die ich kennengelernt habe. In meiner Wahrnehmung wenden sich über 50 Prozent aller Eaterys ("Essstationen") an Sushi-Kunden, der Rest bietet chinesische und koreanische Fastfood, gelegentlich eine Pizzeria. Nach freien Tischen muss man fast überall anstehen. Asiaten sind eine Macht in Auckland. Über den Bürgersteig ziehen an disem Mittag Transparente vorbei. Alle Botschaften formulieren ein Ziel: Weg mit der CCP, der kommunistischen Partei Chinas, die immer noch viel Unheil anrichtet. Die Demonstranten vertreten die Interessen der Falun Gong, einer alten chinesischen Glaubensgemeinschaft, die besondere spirituelle Werte und religiöse Praktiken pflegt. Dafür werden sie oftmals gefangengesetzt. Einmal in Haft, werden sie schnell Opfer von Organentnahmen. Man spricht sogar von Organdiebstahl. Meine Sympathie gehört den Demonstranten.

Besondere Lebensfreude drückt sich aus bei "Auckland Live -. Summer in the Square" mit buntem Programm zwischen 1. Dezember und 24. Februar. "Square" ist dabei der zentral gelegene Aotea Square als Spielstätte. Am heutigen Samstag steht alles unter dem Thema "Retro", also Tanzen zu Swing Musik, natürlich im Look der Zeit. Modenschauen, Oldtimer-Autos,Tanzenlernen zu Groovemusik und - ein besonders netter Einfall - eine Preisvergabe für die schönste Inszenierung eines Picknicks.

Einen kleinen Galeriebummel erlaube ich mir heute auch. Ich gehe in die Auckland Art Galery, Nach der zeitgenössischen Kunst, die micht nicht sonderlich beeindruckt, verharre ich bei den Alten Meister, die wie - wie ich es auch schon im Queensland Museum in Brisbane beobachtet habe - wandweise  umeinander gehängt sind. Einzelne Werke lassen sich nicht würdigen. Die gedrängte Hängung dürfte dem geringen Platz geschuldet sein. Und doch entdecke ich ein Bild von Pieter Breughel dem Jüngeren einen Bauernjahrmarkt aus dem frühen 16. Jahrhundert. Das bemerkenswerte Bild geht leider unter in der Fülle und bedarf einer gründlichen Überarbeitung. Ungewöhnlich sind die Maori-Porträts des böhmischen Malers Gottfried Lindauer, der die meiste Zeit eines Lebens in Neuseeland verbracht hat. Mehr als 120 führende Figuren und Häuptlinge in ihrer Kampfmontur aus der Zeit zwischen 1800 und 1900 hat er in größformatigen Bildern festgehalten. Eine ferne Zeit, eine fremde Welt, aber sehenswerte Menschen.

P.S.: Mein Versuch, ein Handwaschmittel zu kaufen, bleibt erfolglos. Ich war in zwei Supermärkten und mehreren Apotheken. "Rei in der Tube" hat es anscheinend nicht über den Pazifik geschafft. Ich versuche es jetzt mit Seife.

Auckland
Neuseeland
Rainer Small

42. Tag

14. Jan.

Auckland

Das "Civic" - was für ein Theater

Die Queen Street ist der CBD von Auckland, also der Central Business District. An der Kreuzung zur Wellesly Street befindet sich die unscheinbare Fassade des Civic Theatre, die mich nicht weiter angelockt hätte, hätte nicht dort das Programm des Auckland  ArtsFestivals ausgelegen. Ich trete ein in das Gebäude und halte sofort inne. Was ist das für ein Theater? Sofort erinnere ich mich an das Regent Kino in Brisbane (Siehe Blog vom 30 Dez.), das als Touristen-Infocenter genutzt wird und in einem gotischen Phantasiemix ausgekleidet ist. Doch hier kommt mir alles indisch-maurisch und knallbunt vor, und das „Civic“ ist ein Kino, das noch in Betrieb ist.

Es ist das berühmteste Theater von Auckland. Es wurde 1929 mit einem Fassungsvermögen von knapp 2.400 Zuschauern errichtet und imponiert mit seiner üppig-kitschigen Innenraum-Gestaltung. Im Foyer und Auditorium erinnern Zwiebeltürme und maurische Rundbögen, sitzenden Buddhas und Kuppeldecken an den Orient und unzählige Lichter verwandeln die Decke des Hauptsaales in den Sternenhimmel der Südhalbkugel. Leider gibt es für mich keine Möglichkeit, den Kinosaal unangemeldet zu betreten. Derartige Kinos werden als „athmospheric theatres“ bezeichnet. Laut Wikipedia sollen es davon außerhalb der USA nur noch sechs weitere geben. Das "Regent" in Brisbane zählt nicht dazu. Warum, weiß ich nicht. Allein die Atmosphäre, das raffiniert inszenierte Spiel mti Lichteffekten und die  angestrahlten Götterfiguren machen mir klar, was ein Lichtspieltheater im eigentlichen Wortsinn auch sein könnte. Dazu muss man keinen Film zeigen, sondern nur den Vorraum des Kinos gestalten. Während des Zweiten Weltkrieges war das "Civic" populär als Kabarett-Bühne. Emir Kustorica, der serbische Rockmusiker, Provokateur und Regisseur, tritt hier im Rahmen des Auckland Arts Festivals am 16. März mit seinem "No Smoking Orchestra" auf.

Das Kinotheater ist eine Kreation von Thomas O'Brien, der in den späten 1920ern von Auckland aus ein Kinoimperium aufgebaut hat. Doch damit hat er sich finanziell übernommen, weil weder mit der Weltwirtschaftskrise noch mit schlechten Besucherzahlen als Folge davon zu rechnen war. Für Aucklands Architektur ist das „Civic“ ein Schatzkästlein.

Auckland
Neuseeland
Rainer Small

41. Tag

13. Jan.

Rotorua

Heißes Blubbern

Die Erde unter Neuseeland ist immer in Bewegung. Doch im Gegensatz zu den Erdbeben mit ihren katastrophalen Folgen gibt es geologische, genauer geothermische Kräfte, deren Anblick geradezu Vergnügen bereitet. Eine halbe Stunde südlich vor Rotorua gibt es ein Gebiet, das den freundlichen Namen "Geothermal-Wunderland" trägt oder in der Sprache der Maori-Einwohner Wai-O-Tapu. was soviel bedeutet wie „heiliges Wasser“. Laut „Lonely Planet“ ist dies Gebiet in der Mitte der Nordinsel vermutlich das aktivste Thermalgebiet überhaupt. Unter der Erde hat sich so viel Hitze angestaut, dass sich Gase bilden, die an die Oberfläche entweichen müssen. Das geschieht mit viel Gezische und Gebrodel in einem extremen Farbenspiel. Mein Halbtagesausflug in diese neue Erlebniswelt hat sich wirklich gelohnt.

Auch die außerhalb des Parks liegenden Schlammteiche sind den Besuch wert. Auf einer großen Fläche blubbert die Erde und spuckt die Erde kleinere und größere Mengen Schlamm aus. Unaufhörlich gibt es kleine Eruptionen und gelegentlich rummst es richtig. Aber diese Orte lassen sich nie vorhersagen, an einer Stelle schießt der Schlamm meterhoch nach oben. Es bleibt ein spannendes Spiel. Den heftigen Schwefelgeruch als Beipack sollte man aushalten können. Entstanden ist der Schlamm-See übrigens durch einen Schlammvulkan, der 1925 ausbrach und dieses Becken zurückließ. Oberflächlich gesehen, ist dieses Naturspektakel recht jungen Datums.

Der "Champagne Pool" ist eine beeindruckend schöne heiße Quelle: Aus dunkelgrünem Wasser entweichen kleine Bläsche, die sich in dichten weißen Schwefelwolken auflösen. Den Rand bildet ein leuchtender orangefarbener Streifen. Der See hat einen Durchmesser von 65 Metern und ist 62 Meter tief. Unterirdisch strömt permanent 230 Grad heißes Wasser nach, es steigt nach und kühlt auf 75 Grad ab. Die Illusion eines Champagner-Glases, das überläüft, liegt nahe.Das Wasser läuft weiter weiter in die danebenliegende "Artist’s Palette" und dann in Sinter-Terrassen hinunter, wo es auf 15 Grad abkühlt. Die "Künstlerpalette" hat das mineralstoffhaltige Wasser des "Champage Pools" in den verschiedene Farben gefärbt. In dieser thermischen Zone hat die vulkanische Aktivität farbenfrohe und variantenreiche Spuren hinterlassen. Einige tragen den Namen des Teufels: Devil’s Ink Pots, Devil’s Cave und Devil’s Home.

"Lady Knox" heißt ein Geysir, der außerhalb des Geothermal-Wunderlandes liegt und mit dem es eine besondere Bewandtnis hat. Der Geysir wird täglich um 10:30 Uhr vor Publikum mittels Seifenflocken künstlich zum Ausbruch gebracht. (Der Geysir kann gar nicht anders, denn Seife verhindert die Oberflächenspannung des Wassers. Anm. d. A.) Die Wasserfontäne ist bis zu 20 Meter hoch, ihr Austritt kann bis zu einer Stunde dauern. Entdeckt wurde der Lady-Knox- Geysir vor etwa 100 Jahren, als Sträflinge aus dem benachbarten Arbeitslager in einem Wasserloch ihre Wäsche wuschen. Wenn sie Waschmittel zugaben, schoss kurz darauf unter lautem Grollen eine Fontäne aus heißem Dampf. Was mich persönlich daran erinnert, daß ich ein Handwaschmittel für meine kleine Wäsche kaufen muss

Sehens- und begehenswert ist auch das Waimangu-Vulkantal. Hier brach am 10. Januar 1886 der Vulkan Mount Tarawera aus. Nach heutigen Kenntnisstand brachen gegen drei Uhr nachts 22 Krater des Vulkans gleichzeitig aus. Sie spien Schlamm, Magma und große Mengen Asche auf einer Länge von 17 Kilometern aus. Ganze Orte wurden auf einen Schlag vernichtet, an deren Stelle klaffte nun ein 100 Meter tiefer Krater. Heute hat sich die Gegend weitgehend wieder beruhigt. Mit einem weiteren Ausbruch ist vorerst nicht zu rechnen. Das Gebiet um den damaligen Vulkan ist heute das jüngste Thermalgebiet der Welt. Zum ersten Mal konnten hier Wissenschaftlerdie die Natur bei der Rückeroberung einer verwüsteten Vulkanlandschaft beobachten und das über einen Zeitraum von 125 Jahren. Wie effektiv die Natur das geschafft hat, darüber kann man sich auf Wanderwegen informieren. Das dazugehörige Informationsblatt ist auch auf Deutsch erhältlich. Die besten Hot Spots zur Beobachtung sind aufgelistet und beschrieben.

Vor meinem Hotel in Rotorua ragt ein schmales Rohr in Luft, das unter Zischen unablässig Dampfwolken ausstößt. Ich bin dankbar, daß sich all diese schöne, bunte Erdwärmewelt nicht wirtschaftlich als Heizenergie verwerten läßt. Obwohl kühlere Regionen dankbar dafür wären.

Morgen fahre ich weiter nach Auckland, meiner letzten Station in Neuseeland

Rotorua
Bay of Plenty, Neuseeland
Rainer Small

40. Tag

12. Jan.

Taupo / Rotorua

Forelle und Bratwurst

Der Lake Taupo im Zentrum der neuseeländischen Nordinsel, etwa auf halbem Wege zwischen Wellington und Auckland, ist ein Naturphänomen, das wie fast alle Ziele in Neuseeland touristisch gut erschlossen ist. Mein heutigerTagestrip hat mich mit dem Nordufer des Sees vetraut gemacht und mich mit einer Fülle von Informationen versehen. Eigentlich habe ich mir von der Fahrt mehr Abwechslung versprochen.Zudem weht ein zugig-kalter Wind, der den Aufententhalt im Freien beschwerlich mach. An Bord serviert die Besatzung Kaffee und Blaubeer-Muffins. Deshalb fasse ich die relevanten Fakten zum Lake Taupo knapp zusammen. Der See ist riesiger Krater von der Größe eines Binnenmeeres. Gerne wird ein Vergleich herangezogen, der Lake Taupo mit seiner 625 Quadratkilomertn sei so groß wie der Stadtstaat Singapur. Mag sein. Der See ist 41 Kilometer lang und 30 Kilometer breit, er hat einen Umfang von ca. 193 km und ist an der tiefsten Stelle 186 Meter tief. Er entstand vor fast 2000 Jahren durch einen gewaltigen Vulkanausbruch, der sogar die Sonne in Europa und China verdunkelt haben soll. 74 Flüsse und Bäche speisen den Taupo-See und machen ihn zu einem Paradies für Angler und Kajakfahrer. Nur ein einziger Fluss fließt aus dem See hinaus - der Waikato River. Mit 425 Kilometern Länge ist er Neuseelands längster natürlicher Wasserweg. Am Ufer laden einige lange Sandstrände mit unterschiedlich großen Bimssteinen und mit einer Wassertemperatur von 16 - 20 Grad Celsius zum Baden, Kanu fahren, Paddeln, Segeln, Wasserskifahren und anderen Wasseraktivitäten ein. Die Stadt Taupo mit ca. 32.000 Einwohnern hat sich dem Tourismus untergeordnet, der die Einwohnerzahl im Sommer verdoppeln kann. Und und der Fischerei. Dominierender Fisch im See ist die Regenbogenforelle. Sie kam ursprünglich aus Kalifornien und wurde 1898 im See eingesetzt. Das durchschnittliche Gewicht der Forelle ist 1,5 Kilogramm.

Ein Highlight am See sind die Maori Rock Carvings in der Mine Rock Bay. Ich bin der irrigen Auffassung gewesen, dabei handele es sich um authentische Ureinwohnerkunst. Doch es ist anders. In den 1970er Jahren wollte der Künstler Matahi Whakataka-Brightwell der Kunst der Maoris ein Denkmal setzen und für nachfolgende Generationen erhalten. Dafür suchte er sich eine nur per Boot zugängliche Wand am Lake Taupo aus. Vier ganze Sommer hat es gedauert, bis das 10 Meter hohe Werk fertig war.

Nur gut eine Stunde dauert die Fahrt von Taupo nach Rotorua, wo ich für zwei Nächte im Sudima Hotel untergekommen bin. Rotorua ist für mich ein Ort ohne besondere Eigenschaften. Er ist touristischer Ausgangsort für Touren in das Geo-Thermal-Wunderland, wo man Geysiren und kochendem Schlamm gefahrlos nähertreten kann. Bieten kann die Stadt selbst einen Nachtmarkt mit Handwerksständen und Ethno-Küchen, darunter auch eine geographisch besonders fernliegende, die deutsche nämlich, mit Brat- und Currywurst, betrieben von einem deutschen Paar. Der Stand wäre mir gar nicht aufgefallen, würde nicht die deutsche Fahne wehen.

Das abendliche Skypen mit meiner Frau wird zur lieben Gewohnheit. Es macht mich mit der heimatlichen Realität vertraut. Denn dort wo ich jetzt bin, kommen europäische Themen nur sehr begrenzt, und deutsche eigentlich gar nicht vor, was ich als wohltuend empfinde.

Rotorua
Bay of Plenty, Neuseeland
Rainer Small

39. Tag

11. Jan.

Napier / Taupo

Neubeginn im Art déco-Stil

Daß aus einer Katastrophe ein Neubeginn erwachsen kann, das demonstriert zur Zeit Christchurch. Zeitrahmen: unbekannt, burokratischer Aufwand: riesig). Wie so etwas im Kleinen gelingen kann, das hat in den 1930er Jahren bewiesen. Das Erdbeben (Stärke 7,9 auf der Richterskala), das sie heimgesucht hat, gilt immer noch als Neuseelands schwerstes. Binnen dreier Minuitren am 3. Februar 1931 hat es 260 Menschenleben, etwa ein Prozent der Bevölkerung ausgelöscht. Ein Großteil der Gebäude im Stadtzentrum wurde entweder durch das Erdbeben selbst oder durch anschließende Brände zerstört. Die Bewohner, die ihre Stadt nicht in Schutt und Asche liegen sehen wollten, haben beschlossen, sie genau so wieder aufzubauen, wie sie sie verloren haben. Das hat dazu geführt, dass Napier in einem unverfälschten Art déco-Stil wiedererstanden ist.  Der unbürokratische Wiederaufbau begann unmittelbar danach und war zwei Jahre später fast abgeschlossen. Die neuen Gebäude spiegelten den architektonischen Stil der damaligen Zeit wider: klassizistisch, spanischer Missionsstil und Art déco. Die örtliche Architektin Louis Hay, eine große Bewunderin von Frank Lloyd Wright, nutzte ihre einmalige Chance. Mit Maori-Motiven wurde der Stadt ein einzigartiger Neuseeland-Charakter verliehen – die ASB-Bank an der Ecke Hastings und Emerson Street zeigt typische Maori-Muster. In Napiers Stadtzentrum fühlt man sich wie auf einer Zeitreise – die sich nahtlos aneinander reihende Architektur der 1930er Jahre ist weltweit eine Besonderheit. So empfinden es jedenfalls die Neuseeländer. Aber Art déco ist mehr ein Dekorationsstil als ein Baustil. Derartige Führungen in Wien oder Brüssel hätten gewiss andere Schwerpunkte. Aber dort haben ja nie Erdbeben die bauliche Substanz einer ganzen Stadt zerstört. Mit großer nostalgischer Sehnsucht und charmantem Sinn zur Selbstinszenierung feiert Napier jedes Jahr im Februar bei einem Art-déco-Wochenende sein kulturelles Erbe. Dabei dreht sich alles um Oldtimer, Mode und die Musik der 1930er-Jahre und jedes Jahr kommen mehr Teilnehmer und Gäste.

Ich fahre 143 Kilometer von Napier zur Stadt Taupo am Ufer des gleichnamigen Sees. Ich sehe Wassersportler, Schwimmer und Wasserflugzeuge. auf einer fast endlosen Wasserfläche. Der Lake Taupo, der größte See Neuseelands, ist vulkanischen Ursprungs und ist von schneebedeckten Bergen umstanden. Morgen mache ich eine kleine Rundfahrt auf dem See.

Etwas besonders Kurioses hat die Stadt auch zu bieten. In der Hitliste der coolsten Standorte für ein Mcdonald's-Restaurant steht Taupo ganz weit oben. In einem ausrangierten McDouglas-Flugzeug von 1943 können Hamburger gegessen werden. Der komplett erhaltene Flugzeug-Oldtimer ist per Treppe mit dem Schnell-Restaurant verbunden. Das will ich einmal von innen sehen. Das sollte doch ein gutes Argument für einen Hamburger sein. Na klar, der Flieger ist ausgekernt zugunsten von kleinen Stühlen und Tischen zum Fastfood-Verzehr, aber das tut der Flugzeugatmosphäre keinen Abbruch. Das Cockpit mit seiner gesamten Technik ist hinter einer Glaswand quasi konverviert. Die Einsatzgeschichte des Flugzeugs beginnt 1943 als Frachtflugzeug für die US Air Force und endet nach 56.282 Flugstunden 1985 mit Einsätzen in landwirtschaftlichen Diensten in Australien. Die Umbennung von McDouglas zu McDonald's ist dann nur noch ein Pinselstrich gewesen.


Rainer Small

38. Tag

10. Jan.

Wellington / Napier

"Barons & Potter"


Auf den neuseeländischen InterCity-Bus ist Verlass. Heute geht die Fahrt von Wellington nach Napier, etwa 320 Kilometer weit und damit meinem Endziel, Auckland, ein weiteres Stück näher. Mit meiner Motel-Buchung gab es ein Malheur durch meine Destinationsexpertin. Dort wo ich unterkommen sollte, im Fountain Grove Motel, war ich als Gast gar nicht vorgesehen und eingebucht. Ersatzquartier ist das "Bella Tuscany", ein anderes der vielen Motels in Neuseeland, nur leider fünf Kilometer vor der Stadt. Für den, der kein Auto hat, ist ein Motel eher unpraktisch, auch wenn der Standart, wie hier, ausgesprochen hoch und die Inhaberin sehr freundlich und das Zimmer sehr sauber ist. Darryn, der hilfsbereite Inhaber des Fountain Count, bringt mich und will mich auch am nächsten Tag wieder abholen, damit ich den Termin meiner Stadtführung, den Art Deco-Walk in Napier, einhalten kann. Ein wenig Verärgerung schwingt bei dieser unplanmäßigen Umbuchung mit, aber die schlucke ich herunter.

Auf das angenehmste geschluckt aber habe ich bei einem Wine Tasting des Anbaugebietes Hawke's Bay, wozu die Region Napier gehört. Dort gibt es das New Zealand Wine Centre, das Weine und Winzer vorstellt. Da ich eher ein Weisswein- als ein Rotweinliebhaber bin, erhalte ich ein Probierglas Chardonnay und darf in einem Aroma-Raum mit vielen Geruchsproben meine Weinnase testen. In meinem Wein schmecke ich Limone und Melone. Weiter komme ich nicht, weil jeder gute Wein eine Komposition aus mehreren Fruchtnoten ist. In einem Kinoraum werden sechs Winzer im Bild vorgestellt. Während sie ihre Weine erklären, kann ich die vorgestellten Tropfen verköstigen und darf sie auch bewerten. Darunter ist auch rein Gewürztraminer, der, wie ich finde, überhaupt nicht in diese Weinregion paßt.

Vor lauter Spaß am Degustieren, das sich  im Verkaufsraum mit weiteren Weinen fortsetzt, habe ich leider die Kamera in der Tasche gelassen. Wenn ich aber meinen Weißweinfavoriten hätte fotografieren dürfen, dann wäre es der "Barons & Potter, The Countess. Reserve Chardonnay 2015" gewesen, Ich erlaube mir, die englische Geschmacksbeschreibung zu zitieren: "Quintessentially Hawke's Bay - ripe stonefruits and vibrant citrus, beautifully balanced with nutty oak undertones". Überhaupt ist Napier eine nette Stadt mit 57.000 Einwohnern, einer schönen Strandpromenade und vielen Backpacker. Hostels und mit - oh Wunder - einem Mini-Golfplatz.


Napier
Hawke's Bay, Neuseeland
  • Missing
    Werner Kreuz hat am kommentiert:

    Hallo RW,
    sollte Zeit bleiben für einen Busausflug, empfehle ich einen Trip zur historischen Location "Cape Cidnapper" und dort mit einem alten (Schul-)Bus gesteuert von dem früheren Besitzer dieses Landstrichs zu den Blaufuss-Tölpelkolonien (gannets). Man kommt bis auf wenige Meter an die großen, in der Luft hocheleganten Vögel heran und lernt zudem etwas über die Historie des Landes (als guten Einstieg für die Tour am 11.1.2017).
    Viel Spass weiterhin
    wk

  • Small
    Rainer hat am kommentiert:

    Lieber WK,
    aufgrund vorliegenden Beweismaterials weiß ich sehr wohl, dass Sie auf Ihrer Welttournee auch in Taupo und Cape Kidnapper gewesen sind. Meine bereits vorformulierte Frage, welche Erinnerungen Sie daran noch haben, erübrigt sich hiermit. Ich glaube, mein Zeitplan erlaubt keine Tölpeleien dieser Art. Aber ich nehme die Anregung dankend auf. Heute habe ich ein Dutzend Weine aus der Region Hawk's Bay degustiert. Sehr bekömmlich.
    Gruss aus Napier nach M. am Niederhein
    RW

Rainer Small

37. Tag

9. Jan.

Wellington

Horizontalregen

Heute ist mein Wellington-Tag. Er fängt etwas unglücklich an, weil der Bus, der mich zu einer Stadtrundfahrt mitnehmen soll, einfach nicht erscheint. So wandere ich, mit einem unpräzisen Stadtplan bewaffnet, zur Besucherinfo, dorthin wo die Busse (16-Sitzer, keine Doppeldecker) abfahren. Der Weg führt über die Cuba Street, eine Szenestraße, an der mein Hotel liegt, reich an ungewöhnlich sortierten Geschäften und kultigen Kneipen in Richtung der City Galery, der Nationalbibliothek und dem Sitz des Stadtparlaments. Ich komme in den Genuß einer Einzelpanoramafahrt durch die südlichste Hauptstadt der Welt (das ist Wellington wirklich) und auch eine der kleinsten mit knapp 200.000 Einwohnern. Wellington hat einige Rekorde aufzuweisen, zum Beispiel hat die Stadt als erste das Frauenwahlrecht eingeführt und eine größere Kneipendichte pro Einwohner als New York. Ansonsten prägt sich mir nichts wirklich ein, weder an markanter Architektur noch an herausragenden historischen Denkmälern. Ein großes Kriegsmuseum würdigt das Andenken an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges, als Neuseeland an der Seite Australiens in Europa kämpfte. Endlich erfahre ich, was sich hinter dem oftmals in Australien gehörten Begriff "Anzac" verbirgt, es ist das australisch.neuseelandische Armeecorps, das heute noch stolz auf seine Kriegseinsätze ist. Wellington hat zwei Universitäten, einige hochgelegene Wohnquartiere, mit eigenen kleinen Sessellifte zu den Häusern, eine Seilbahn, einen besonders schönen Rosengarten und eine bedeutende Nationalgalerie. Mehr nicht, nach meinem Empfinden. Ich bitte an dieser Stelle Wellington um Entschuldigung für mein abwertendes Urteil, aber an einem einzigen Tag habe ich einfach zu wenig Gelegenheit, die wahren Qualitäten der Stadt wahrzunehmen. Oriental Bay, den Strand, habe ich nicht gesehen, auch nicht die Waterfront und eine der vielen Galerien. Wellingtons Klima gilt als gemäßigt. Die Stadt wird aus als "Windy City" bezeichnet, weil sie dem Pazifik gegenüber sehr weit geöffnet ist. Bei kräftigem Wind liegt der Regen schon einmal waagerecht in der Luft. Horizontalregen nennt man das.Vor allem aber ist sie Heimat des Lord-of-the-Rings-Regisseurs Peter Jackson, der in Neuseeland nahezu überirdischen Kultstatus genießt und Wellington zu einem Klein-Hollywood gemacht hat.


Neuseeland, seit vielen Millionen Jahren als Landmasse vom Rest der Welt getrennt, besitzt seine eigene Tierwelt, bzw. auch nicht mehr. Das Land hat keine Schlangen, keine Spinnen (bis auf eine harmlose Art) und keine einheimischen Säugetiere. Die Arten, die nur hier leben oder überlebt haben, sind besonders schützenswert. Zu ihrem Schutz ist ein Naturschutzgebiet geschaffen worden, das das Land vor Eintreffen des Menschen quasi als Vision einer untakten Natur wiederherstellen soll. Dieses Projekt, das früher "Karori Wildlife Sanctuary" hieß und heute "Zealandia", ist mit einem für Tiere undurchdringlichen Zaun umgeben, der diese vor allen Schädlingen und Raubtieren schützen soll. Wer durch das Ur-Neuseeland Zealandia wandert, geht auf eine ökologische Zeitreise, die, nimmt man alle Wege zusammen, 32 Kilometer lang ist. Ich sehe Tiere, deren Namen ich nicht kenne: zum Beispiel Takahe, einen flugunfähigen Vogel, Kaka, einen Riesenpapageien, Takahe, einen hellgrünen Papageien, Kekeru, eine große Taube, oder Tuatara, eine Eidechsenart, die aussieht wie ein lebendes Fossil. Andere neuseelandtypische Tiere sind der Sattelvogel und der Zwergkiwi, von dem es hier noch 130 Exemplare geben soll. John heißt mein Guide, der mich zwei Stunden herumführt und mir alles geduldig erklärt. Er kann Vogelstimmen treffsicher nachahmen und sieht oder ahnt Eidechsen und Vögel aus weiter Entfernung.Wir nehme einen der kürzeren Wege, doch haben wir eine große Anzahl der vom Aussterben bedrohten Tierarten gesehen. Ich bin dankbar für diese neue Erfahrung von Natursensibilität. Zu Zealandia gehört auch ein Besucherzentrum mit der Möglichkeit, sich auf spielerische Weise zu informieren. Auf zwei Ebenen befinden sich Multimedia-Exponate und interaktive Schautafeln, die Neuseelands Naturgeschichte von prähistorischen Zeiten bis heute erzählen.

Am Nachmittag war ich noch beim "Barber on Cuba Street" und habe mein Haar auf die pflegeleichte Länge von 0,8 Zentimeter stutzen lassen.

Wellington
Neuseeland
Rainer Small

36. Tag

8. Jan.

Christchurch / Picton / Wellington

Magische Musik

Da die Küstenstraße bei Kaikoura aufgrund von Erdbebenschäden unpassierbar geworden ist, muß der Inter City-Bus durch die Berge fahren. Die Strecke durch die Südalpen Neuseelands bis Picton, dem nördlichsten Punkt der Südinsel fahren,bträgt 450 Kilometer und weitere 3 Std. 10 Min. bis zur Landeshauptstadt Wellington. Die Alpen Neuseelands besitzen verwandte Züge mit den europäischen Alpen. Ich vermag nicht zu sagen, wie hoch es bei unserem ersten Stopp, der „Alpine Motor Lodge“, ist, aber es ist erfrischend kalt und ein wenig riecht es sogar nach Schnee. Endlose tiefgrüne Höhenzüge und darüber ein Hauch von Schnee, mehr unberührte Natur kann ich mir kaum vorstellen. Dann wieder Weiden mit Hunderten von grasenden Kühen und Schafen. Jetzt endlich habe ich ein Bild davon, woher die anerkannt gute neuseeländische Butter stammen könnte. Gelegentlich Orte mit etwas Touristenbetrieb, bei uns nennt man so etwas Sommerfrische, alles freizeitlich-friedlich und sportlich. Picton ist eine kleine Hafenstadt. Das Fährschiff nach Wellington heißt Aratere und fasst 600 Passagiere. Für meinen Voucher erhalte ich eine Boardingkarte ohne Sitzplatznummer, einige Meter weiter muss ich mein Gepäck aufgeben und erhalte eine Erkennungsnummer. Einen Ausweis zeigen muss ich nicht, gescannt wird auch nicht. Die Schiffsroute durch den Marlborough Sound und die Cook Strait zeigt Neuseeland von einer seiner schönsten Seiten. Ich suche mir einen Platz auf dem Oberdeck und dort erlebe ich etwas ganz zauberhaftes, nämlich Musik. Zwei junge Frauen spielen mit Geige und Akkordeon improvisierte Folklore, vielleicht englisch, vielleicht neuseeländisch. Ich weiß es nicht, aber die Musik nimmt mich gefangen, weil sie auf magische Weise zu der fjordartigen Landschaft um mich herum passt. Als ich in Wellington ankomme, ist es 10 Uhr nachts.


Wellington
Neuseeland
Rainer Small

35. Tag

7. Jan.

Christchurch

Kunst - eine private Fotogalerie in 24 Bildern

Für heute, meinen letzten Tag in Christchurch, nehme ich mir ein kleines Projekt vor. Ich möchte einmal keine nachdenklichen Texte schreiben über Dinge, zu denen ich keinen wirklichen Zugabg habe. Ich möchte durch die Innenstadt gehen und von allen Bildern an Häusern und anderen Wänden, die mir auffallen, Fotos machen. Sie sollen einen Einblick vermitteln in das kreative Potential der Stadt, das unbeeinflusst ist von dem großen Unglück. Ich kommentiere nicht, merke aber an, daß derartige Aktionen im öffentlichen Raum auf ausdrücklichen Wunsch der Stadt entstanden sind und weitergeführt werden sollen, damit Christchurch, wenn es einmal in zehn und mehr Jahren wieder aufgebaut ist, eine lebenswerte Stadt besonders für junge Menschen werden kann.

Rainer Small

34. Tag

6. Jan.

Christchurch

185 weiße Stühle

Die Region von Christchurch hat schon viele Erdbeben und gefährliche Nachbeben erlebt. Verantwortlich dafür ist der pazifische Feuerring, der "Ring of Fire". Mit einer Stärke von 6,3 war das Beben vom Februar 2011 nicht einmal das heftigste, aber das zerstörerischste.185 Menschen sterben, innerhalb weniger Augenblicke sind weite Teile der Stadt verwüstet worden. Mehr als 10.000 Häuser sind zerstört oder mussen später abgerissen werden, weil sie nicht mehr zu sichern sind. Fast jedes Haus hat einen Schaden davongetragen Lange Zeit gleicht die Innenstadt einer militärischen Sperrzone. Der wirtschaftliche Schaden für die Stadt und das Land sind unübersehbar. 100 Millionen Neuseeland-Dollars fließen wöchentlich in das Wiederaufbauprogramm, so erfahre ich.

Doch wie es so ist im Leben, aus der Zerstörung wächst die Kraft für das Neue. Was für die Menschen eine Katastrophe ist, wird für die Stadtplaner ein Modellfall und für die Kunstszene ein grenzenloses Experiment. Am Ende aller Überlegungen, in zehn Jahren vielleicht, soll die Stadt jünger, lebenswerter sein und die sicherste in Neuseeland. Doch wie baut man ein neues Stadtzentrum und wer hat den Masterplan dazu? Wieviel von der historischen Bausubstanz kann bewahrt werden? Aber damit nicht genug: Christchurch liegt in einem küstennahen Schwemmgebiet, das trockengelegt wurde. Der Boden unter der Stadt besteht hauptsächlich aus feuchtem Sedimentgestein, das während des Bebens große Wassermassen aufgenommen hat. Er ist eher flüssig als stabil. Das Erdbeben hat Fluten von Schlamm freigesetzt und viele Häuser auf Dauer unbewohnbar gemacht. Ein Problemfall ist die anglikanische Kathedrale. Der über 60 Meter hohe Turm ist eingestürzt, im Chor klafft ein riesiges Loch, die Fundamente verfaulen im nassen Untergrund. Seit sechs Jahren gibt es Streit zwischen den Kirchenbehörden und Denkmalschützern, ob und wenn ja, in welcher Form wieder an gleicher Stelle ein Gotteshaus entstehen soll. Was auch immer mit der Kathedrale geschieht, ob Erhalt oder Neubau, die Kosten sind unübersehbar. Schon die Ureinwohner, wußten, daß der Boden hier schwammig ist, aber das haben sie den englischen Neuankömmlingen und Siedlern nicht verraten.

Ein Passant wie ich, der kaum drei Tage in der Stadt ist, muss die Spuren des Neuen lesen lernen. Deswegen möchte ich mich dem kreativen und innovativen Potential zuwenden. Stellvertretend für den Willen, die Stadt wieder lebenswert zu machen, ist das Projekt Re:Start an der ehemaligen Einkaufsstraße Cashel Street. Dort ist eine Einkaufsstadt im Miniaturformat entstanden. die vorgezogene Wiedergeburt, von etwas, was kommen soll. Farbige Schiffscontainer, aufeinandergestellt und nebeneinandergesetzt, ersetzen geplante Geschäfte, darunter Banken, ein Postamt (wo ich Briefmarken kaufe), Cafés und Restaurants. Dazwischen viel Blumen und viel Kunst, Straßenmusiker und Imbissstände. An der Re:Start Mall öffnete im Februar 2013 das Museum Quake City seine Pforten. Eine sehenswerte Dokumentation der Erdbeben 2010 / 11 mit Fotos, Videos, Informationstafeln und Ausstellungsobjekten.

Vergessen will ich nicht, dass Christchurch eine nostalgische Tram hat, die ihre Runden durch die Innenstadt dreht und dabei sogar durch ein kleines Einkaufszentrum, die Cathedral Junction, fährt. Das Canterbury Museum gibt einen sehr guten Überblick über die Geschichte des Landes und würdigt auch die Tatsache, daß die historischen Antarktis-Expeditionen vom Hafen der Stadt ausgegangen sind. Und schließlich noch ist Christchurch immer noch die "Garden City" Neuseelands, was sich in vielen gepflegten englischen Landschaftsgärten ausdrückt, über die sich auch Queen Victoria gefreut hätte

Ein Bild vergesse ich nicht: 185 unterschiedliche weiße Stühle, die ein Künstler an einer Straßenkreuzung zusammengestellt hat, symbolisieren 185 unterschiedliche Leben, die ausgelöscht worden sind. Für mich eine sehr persönliche Anmerkung zu einem Thema, das mich innerlich sehr angenagt hat und das ich weiterhin aus der Ferne verfolgen werde. Meine Betrachtungen dazu möchte ich an dieser Stelle abschließen.


Christchurch
Canterbury, Neuseeland
Rainer Small

33. Tag

5. Jan.

Brisbane / Christchurch

18.650 Kilometer von zu Hause

Nach angenehmem Flug mit Virgin Australia bin ich in Christchurch im wahrsten Sinn auf dem Boden der Realität gelandet. Mit Landung in der zweitgrößten neuseeländischen Stadt bin ich 18.650 Kilometer von meiner Heimatstadt entfernt, weiter weg bin ich nie gewesen. Untergekommen Ich bin in einem Motel am Rand der Innenstadt, mit Kochecke und Parkplatz vor der Türe. Beides ist praktisch, aber nicht notwendig. Anspruch. Zur Innenstadt von Christchurch muss ich etwa zwei Kilometer durch den großen Hagley-Park. gehen. Das Wetter an diesem Tag ist sehr frisch, ich schätze etwa 12 Grad kälter als im subtropischen Brisbane. Je näher ich der Stadt komme, desto mehr fällt mir eine lethargische Grundstimmung auf. Bei all meiner Reiseeuphorie habe ich das große Erdbeben vor nunmehr sechs Jahren ausgeblendet, das die Innenstadt und besonders fast alle historischen Gebäude zu weiten Teilen zerstört hat. Meine erste Emotion, das sieht ja aus wie nach einem Bombenangriff, ist so falsch nicht. Es fällt mir schwer mit dieser Wahrnehmung fertig zu werden. Das Erdbeben hat die Bevölkerung vollkommen unvorbereitet in der Nacht des 22. Februar 2011 getroffen. Noch fehlen mir Informationen, wie es weitergeht mit der Stadt, die als die englischste Stadt außerhalb Englands gilt.

Christchurch ist eine junge Stadt, erst 1850 gegründet, jedoch nicht von Häftlingen wie in Australien, sondern von angeworbenen und ausgebildeten Arbeitskräften aus England. In ihrer neuen Kolonie wurden die englischen Siedler schell sesshaft. Dazu gehörten die eigenen Religion und der Bau von Gotteshäusern. Alle Straßen und Plätze tragen englische Namen, bei den zerstörten Gebäude könnte noch Queen Victoria den Grundstein gelegt haben. Ein Erdbeben von solchem Ausmaß könnte auch einen Teil der englischen Geschichte von Christchurch zerstört haben, denke ich mir.

Ich kann die Fülle der Eindrücke noch nicht sortieren.Es gibt eine anglikanische Kathedrale, bei der Kirchturm komplett abgebrochen ist, bzw. fehlt. Noch sehe ich mehr Abrissbagger als Baugerüste. Ich stelle fest, dass es viele künstlerische Aktivitäten, Streetart und Skulpturen im öffentlichen Raum gibt. Freiliegende Hauswände sind zu Leinwänden für ausdrucksstarke Porträts geworden. Verwirrt und verwundert wandere ich in mein Motel zurück und treffe am Rand des Hagley Parks auf einen Namen, der mir von der Ruhrtriennale in Bochum her bekannt vorkommt, den des Düsseldorfer Lichtkünstlers Mischa Kuball. Er hat im Rahmen seiner Aktion "Solidarity Grid" im Oktober 2015 Christchurch den Nachbau einer alten Düsseldorfer Gaslaterne geschenkt. Als Zeichen der Solidarität für eine Stadt, die wiederholt von Erdbeben heimgesucht worden ist. Morgen mache ich eine Stadtrundfahrt, dann erfahre ich mehr über die Stadt.


Christchurch
Canterbury, Neuseeland
Rainer Small

32. Tag

4. Jan.

Fraser Island / Brisbane

Flugzeuge am Strand

74 Farben soll der Sand auf Fraser Island haben. In der Kürze der Zeit kann ich es nicht überprüfen, aber ich kann bestätigen, dass es  an seiner mineralischen Zusammensetzung liegt.

Der 75-Miles-Beach ist eine Autobahn. Höchstgeschwindigkeit: 80 Stundenkilometer. Die können jedoch nur bei Niedrigwasser und trockener Fahrspur erreicht werden. Und auch nur dann, wenn gerade kein Flugzeug entgegenkommt. Denn der Highway dient auch als Landepiste für kleine Passagierflugzeuge. Einige Pfähle im Sand markieren die Landebahn und Flugzeuge haben in der Regel Vorfahrt vor Autos.

Der Eli Creek ist der längste Bach auf der Insel. Er ist fünf Kilometer lang und mündet im Pazifik. Er ist ein beliebter Platz zum Schwimmen und Picknicken, oder, man kann, weil er nur knietief ist, mit der sanften Strömung hinunterwandern und mit etwas Glück Aale sehen. Manchmal muss man tiefhängenden Ästen ausweichen. Mehr als 150 Seen gibt es auf der Insel. Mit 11,4 Metern der tiefste ist der Lake Wabby, der von Wasserschildkröten bewohnt wird. Der Wanderweg von 2,5 Kilometern, der über sandigem Boden durch dichten Wald führt, endet auf einer großen Düne, die sanft in den See hineinführt. Hineinrutschen wäre schön, darf man aber nicht.

Es gibt noch viele Geschichten über Fraser Island zu erzählen. Gerne wäre ich länger geblieben. Schon jetzt bekomme ich beim ersten Blick zurück eine Art Gänsehautgefühl, hier etwas Einmaliges gesehen und erlebt zu haben.


Eurong
Queensland, Australien
Rainer Small

32. Tag

4. Jan.

Fraser Island / Brisbane

Schiffswrack S.S. Maheno

Die S.S. Maheno wurde zwischen 1905 bis 1935 als Passagierschiff von der Union Company New Zealand in der Tasmanischen See zwischen Neuseeland und Australien eingesetzt. Im Ersten Weltkrieg kam sie auch als Lazarettschiff zum Einsatz. Sie konnte 420 Passagiere (210 erste Klasse, 120 zweite Klasse und 60 dritte Klasse) befördern und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 17,5 Knoten. Für die Passagiere der 1. Klasse standen ein Speisesaal, ein Rauchersalon und ein Musiksalon mit Bechstein-Flügel zur Verfügung. Sie wurde elektrisch beleuchtet und war mit den modernsten Sicherheitsvorrichtung - u.a. Schwefeldioxyd-Feuerlöschern - ausgestattet. Am 03.07.1935 verließ sie mit der Oonah - mit einem Seil verbunden - Sydney, um in Osaka abgewrackt zu werden. Am 7. Juli.1935 gerieten beide Schiffe etwa 50 Meilen vor der Ostküste in einen Zyklon, wobei das Verbindungsseil riß. Am 8. Juli erreichte ein telegraphischer Bericht über ihr Schicksal die Außenwelt: "Sofort Hilfe schicken, Seil zur Maheno gerissen". Die Maheno wurde letztendlich am 10. Juli.1935 am Strand von Fraser Island gefunden. Für einen Zeit lang stand sie zum Verkauf, jedoch ohne Erfolg. Heute sind nur noch die oberen Decks sichtbar.

Eurong
Queensland, Australien
Rainer Small

31. Tag

3. Jan.

Brisbane / Fraser Island

Einmaliges Naturwunder

Alle meine Zweifel, dass etwas nicht klappen könnte, sind schnell zerstreut. Am großen Brisbane Coach Terminal, das sich über drei Stockwerke erstreckt, stehe ich zuerst vor den falschen Bussen auf der falschen Etage, aber nach dreimaligem Fragen, stand ich am richtigen Ort: dort, wo drei Landcruiser von der Firma Sunrover stehen und mit dem Gepäck der Gäste beladen werden. Also lasse ich auch gleich mein Gepäck hochwuchten und darf (Achtung: Vorteil Alleinreisender und Senior) auf den Beifahrersitz Platz nehmen. Die sechs weiteren Mitfahrer, allesamt Briten und eine Brasilianerin dürfen sich auf den hinteren Sitzbänken anschnallen. Ziel ist die Naturwunderinsel Fraser Island (275 Kilometer nördlich von Brisbane), die größte Sandinsel der Welt (Länge 123 Kilometer). Small Talk und australischer Rock aus dem Radio machen die Fahrt unterhaltsam. An dieser Stelle will ich anmerken, dass ich mit dem englisch-australischen Schlabber-Slang Verständnisschwierigkeiten habe. Mit der sprachlichen Dichte, den spontan dahingeworfenen Wortschöpfungen, dem speziellen Akzent und der Liebe zu Abkürzungen (z.B.: "Ki" für "Kilometer") komme ich nicht klar, weil ich einfach zu langsam höre. Und wenn sie schmutzige Witze erzählen, was sie gerne und oft tuen, steige ich vollends aus. Wir fahren in Eskorte über den Sunshine Coast Motorway, der an diesem Tag unter Wolken liegt, bis wir die Fähre nach Fraser Island erreichen, Zuvor noch senkt der Fahrer den Reifendruck des Landcruisers. So kommt man besser durch feuchten Grund und über unebene Böden, meint er. Die Piste, auf der wir dann doch einige Stunden unterwegs sind, stellt hohe Anforderungen an Mensch und Material. Trockenharte Bodenwellen und rutschiger Sand mit tiefen Spurrillen lösen sich ab. Die angeschnallten Mitfahrer auf den Hinterbänken werden durcheinandergewürfelt, haben aber ihren Spass dabei. Ich kann mich gegen das Armaturenbrett stemmen. Meine Mitreisenden wohnen auf einem Zeltplatz mit Gemeinschaftsküche und naturnaher Biertischatmosphäre unter sternenklarem Himmel.

Fraser Island ist ein einziges Naturwunder, nicht nur wegen des berühmten 75 Miles-Strandes wegen, sondern wegen des subtropischen Regenwaldes, der auf diesem Sandboten schon seit vielen tausend Jahren wächst. Jurassic Park ist der erste Vergleich, der mir einfällt, Riesenfarne von vier Meter Breite und  Kauri-Bäume, deren unglaublich breite Stämme in den Himmel wachsen. Fraser Island hat schon viel erlebt, bevor es 1992 auf die Liste des Weltnaturerbes kommt und dadurch für Touristen sehr beliebt wird. Dafür im besten Sinne verantwortlich sind die Ureinwohner, die hier vermutlich schon seit 5.000 Jahren gelebt haben. Australien kennt viele Schöpfungsmythen. Die ersten Einwohner dieser Insel, waren die Butchulla, die dieser Insel den Namen K’Gari gegeben haben, was übersetzt in etwa Paradies bedeutet.Sie haben die Basisregeln für sozial-ökologisches Verhalten im Einklang mir der Natur aufgestellt: Was immer für das Land gut ist, kommt zuerst. Wenn du viel hat, must du teilen. Nie etwas nehmen, was dir nicht gehört. Klingt doch sehr modern, oder?

Fraser Island istin vieler Hinsicht etwas ganz Besonderes. Der Lake Mckenzie gehört zu den größten
Attraktionen. Der Süsswassersee liegt in 100 Meter Höhe. Er ist fünf Meter tief, sein Wasser ist kristallklar. Schneeweißer Sand aus Silizium bildet einen faszinierenden Kontrast zum  blauschimmernden Wasser.  gehört. Der See hat keinen Abfluss
und wird allein von Regenwasser gespeist. Für Besucher sind Picknick- und
Campingplätze, aber auch Grill- und Toiletten-Anlagen eingerichtet. Der See ist frei zum Schwimmen, nur sollen Badende auf Sonnenschutzmittel und Seife verzichten. Insgesamt gibt es nehr als 150 Seen auf der Insel. Mit 11,4 Metern der tiefste ist der Lake Wabby, der von Wasserschildkröten bewohnt wird. Der Wanderweg von 2,5 Kilometern, der über sandigem Boden durch dichten Wald führt, endet auf einer großen Düne, die sanft in den See hineinführt. Hineinrutschen wäre schön, darf man aber nicht.

Ein Kuriosum ist die Central Station (Hauptbahnhof) ist ein Kuriosum der Insel. Sie ist ein ehemaligges Holzfällerlager und stammt aus einer Zeit, in der Insel noch für den Schiffsbau Holz liefern musste.

Dingos, die wilden Hunde, von denen es hier knapp uber 200 geben dürfte, scheinen der Staatsfeind Nr. 1 auf der Insel zu sein. Überall wird vor ihnen gewarnt, wie vor bösen Raubtieren. "Be Dingo.safe! " steht auf vielen Straßenschildern, was heißen soll: Nicht füttern, in Gruppen gehen, nicht weglaufen, keine Essensabfälle zurücklassen. Meiner Meinung nach wird zu viel Theater um die Dingos gemacht, aber ich habe auch keinen gewesen und weiß wenig über ihre wahre Gefährlichkeit.

Rainer Small

30. Tag

2. Jan.

Brisbane

Neue Ziele und leichte Unruhe

Gestern am Neujahrstag habe ich mir ein hellblaues Abenteuerhemd der neuseeländischen Marke Kathmandu für 60 € gekauft, ein High-Tech-Hemd mit allem Schickschnack, insektenabweisend, sonnendicht bis Lichtschutzfaktor 50+, für hochgerollte Ärmel eine eingebaute Knopfleiste, im Schulterbereich verdeckte transparente Fenster zum Wärmeausgleich usw. Ich habe die Größe XL ausgesucht und für gut befunden. Im Hotel angekommen, hatte das Hemd auf einmal die Größe S. Irgendwie muss es in der Tüte kleiner geworden sein. Aber, sei's drum, der Umtausch ist vollkommen problemlos. Ich mache noch eine Runde durch den großartigen Botanischen Garten von Sydney und beginne beim Rückweg zum Hotel leicht zu schwächeln. Ich spüre, dass ein Klimawechsel in der Luft liegt, außerdem bin ich leicht nervös, weil ab Morgen, 3. Januar, unruhigere Tage beginnen. Erst einmal geht es mit einer Übernachtung nach Fraser Island, einem der großen australischen Naturwunder, die größte Sandinsel der Welt, auf der Regenwald wächst, Srandlänge 100 Kilometer mit viel Beiprogramm, wie Wracks,  Wale und Hunde, die hier Dingos heißen, gucken. 6:45 geht es los, da muss ich am großen Busterminal sein mit Tages- und Nachtrucksack ausgestattet. Vorher muss ich auschecken und Klarheit haben, wo ich mein Reisegepäck lasse. Ich weiß nicht, ob es auf dem Busterminal Schließfächer gibt oder ob ich meine 23kg-Reisetasche mitschleppen muss. Tragfähiges Internet wird es wahrscheinlich auf Fraser Island nicht geben. In zwei Tagen bin ich dann wieder in einem anderen Hotel in Brisbane und muss dann am 5. Januar um 5:45 bereit sein, um zum Flughafen zu Fahren und den Flug nach Christchurch (Neuseeland) zu bekommen. Da werden die Karten neu gemischt, weil aufgrund des Erdbebens vor ein paar Monaten eine wichtige Küstenstraße unpassierbar geworden ist. Aber damit beschäftige ich mich jetzt noch nicht.

Um 20:00 setzt starker Regen ein, der sich die Nacht hindurch fortsetzt..


  • Missing
    Ulla hat am kommentiert:

    Danke lieber Rainer, dein Tipp hat geholfen.
    Hoffentlich hast du deine Datenlimit noch nicht erreicht, ich hätte dann
    nichts mehr zu lesen und anzusehen, oder?
    Liebe Grüße Ulla

Rainer Small

29. Tag

1. Jan. / Neujahr

Brisbane

Kirchen

Heute ist Neujahr, ich lasse es ruhig angehen. Beim Gang in die Stadt höre ich einen Gottesdienst-Chor in einer anglikanischen Kirche. Die Stimmen locken mich an und ich bleibe am Eingang stehen. Der Pfarrer, der eben noch vor der Kanzel predigte, sieht mich und kommt in meine Richtung. Er schüttelt meine Hand, als wäre ich ein Gemeindemitglied und wünscht mir ein "Frohes Neues Jahr". Die größte Kirche in der Stadt ist anglikanische St.-Johannes-Kathedrale. Stände sie nicht im Schatten der Hochhäuser, sie wäre wegen ihrer Größe vielleicht das bedeutendste Gebäude der Stadt. Einem Informationsblatt entnehme ich, dass diese Kathedrale wömöglich die letzte in der Welt ist, die in neo-gotischem Stil gebaut ist. Der Grundstein dazu wurde 1901 gelegt. Heute ist sie nicht nur der offizielle Sitz des Erzbischofs, als Pfarrkirche der Gemeinde ist sie auch ein Konzert- und Ausstellungsraum und eine Stätte stiller Einkehr. Die Schwüle des Tages ebbt nicht ab, Regenschirme müssen Schatten spenden.

Am Abend mit Petra geskypt. Sie sieht mich, ich sehe sie nicht. Ich weiß nicht, woran es liegt, entweder an der Einstellung des Programms oder an der langen Leitung um die halbe Welt.

Brisbane
Queensland, Australien
Rainer Small

28. Tag

31. Dez.  / Silvester

Brisbane

Breakfast Creek Hotel hat 67 Zapfhähne

Außerdem gibt es heute noch eine Stadtrundfahrt mit Chinesen und Japanern. Zu besichtigen ist ein Weltrekord, nämlich die -  vielleicht - größte Ansammlung von Rumflaschen in einer Bar, über 400 Flaschen sollen es sein. Wenn auch überall der Alkoholkonsum streng überwacht wird, es gibt historische Kneipen, in denen etwas unkontrollierter getrunken wird. Ein solcher ist das Breakfast Creek Hotel aus dem Jahr 1889, in dem es längst  keine Gästezimmer mehr gibt. Diese allerdings sind früher notwendig gewesen, damit überhaupt ein Gasthaus mit Barbetrieb eröffnen kann. In sechs Bars, alle mit eigener Historie, fließt das Bier durch ingesamt 67 Zapfhähne, Ein Kuriosum ist, dass es hier als einer der letzten Kneipen in Australien noch Bier aus Holzfässern gibt. Das Breakfast Creek, das längst kein Hotel mehr ist, gehört zum nationalen Kulturerebe des Landes. An den Wänden hängen Fotos prominenter Besucher: Michail Gorbatschow, Sir Cliff Richard, Russell Crowe. Leider habe ich bei Besichtigung des Breakfast Creek als Fotograf total versagt. Ich habe nicht bemerkt, dass mein Kameraobjektiv oder meine Brille beschlagen ist, was daran liegen mag, daß der heutige Tag besonders hochsommerlich schwül ist und sicherlich noch noch heißere Tage folgen werden. Zu einem eingetrübten Bild der Rumbar reicht es noch soeben.

Eines der historischen Wahrzeichen von Brisbane ist die Alte Windmühle, das älteste noch von Sträflingen errichtete Bauwerk. In seiner bewegten Geschichte hat es auch als Signalstation, Fernsehantenne und Observatorium gedient. Heute ist sein Wert nur noch historisch.

Eine Schifffahrt über den Brisbane River zeigt die Weitläufigkeit und wirtschaftliche dieser Stadtregion, die mit über 2,1 Millionen Einwohnern die drittgrößte Australienes nach Sydney und Melbourne ist. Grundstücke mit Flussblick erzielen auch hier Preise, die sich nur gutverdienende Prominente und andere Wohlhabende leisten können 

Brisbane
Queensland, Australien
Rainer Small

28. Tag

31. Dez.  / Silvester

Brisbane

Highlight am Himmel

Dieses Feuerwerk will ich auf keinen Fall vermissen. Allein deswegen bin ich ja nach Australien gereist. Lieber noch wäre ich zwar jetzt vor der Harbour Bridge in Sydney, aber Brisbane hat einen anderen Charme. Zum zweiten Mal muss ich heute meine Tasche öffnen. Alkohol in der Öffentlichkeit, das geht nicht. Die Konsequenz, mit der sich alle daran halten, ist bewunderswert. Es ist 18:15 und ich nehme am Südufer des Brisbane River auf einer Steinbank (ohne Rückenlehne) einen vielversprechenden Platz ein und richte mich auf eine lange Wartezeit ein. An Kissen oder ähnliches habe ich natürlich nicht gedacht. Vor mir der Durchhgangsweg, davor eine Liegewiese. Langsam laufen die "Brissies", viele mit Familie, ein und suchen sich ihre Plätze. Hinter mir, an der Fast-Food-Meile, sehe ich etwas, was ich noch nie gesehen habe: mobile Geldautomaten, oder, wie es hier heißt, "atm2go", und das ohne persönliche Bewachung. Kann sich einer vorstellen, wie lange solche Automaten in Deutschland stehen würden? Aber hier, so scheint es, ist dieser Service Teil der Normalität in einer Gesellschaft, die ich als weitgehend kriminalitätsfrei wahrnehme. Ich behalte meinen Platz standorttreu inne und habe ausgiebig Zeit, die flanierenden "Brissies" zu betrachten. Mit meiner übermütigen Schätzung, dass hier bis zu 1 Mio. Besucher erwartet werden, liege ich komplett daneben. Mindestens 150.000 dürften es aber schon sein, und ein Zehntel davon ist an mir vorbeigelaufen. Jetzt weiß ich in etwa, wie sich die Bevölkerung zusammensetzt und welchen Umgang man pflegt. Soziale Unterschiede sind seriös nicht feststellbar, ethnische sehr wohl. Auf einer Großbildwand läuft ein Animationsfilm, "Ice Age" oder ähnliches, gelegentlich Hinweise auf die Standorte von Toiletten und Geldautomaten. Kurz vor 20:30 geht ein Raunen durch die Menge. Das Feuerwerk, mit dem ich 3,5 Stunden später gerechnet habe, beginnt mit aller Energie und dauert genau zehn Minuten. Ende: 20:40 bei wolkenlosem Nachthimmel. Warum so früh, frage ich mich. Die Feuerwerks-Party scheint zu Ende und das Bühnenprogramm an der Southbank nimmt Fahrt auf. In der Tat, das Brisbane-Feuerwerk fängt aus rein familienfreundlichen Gründen so früh an. So haben alle mehr davon (pardon, auch mein Sitzfleisch hat sich sehr darüber gefreut), und es steht nicht in Konkurrenz zu anderen großen Feuerwerken im Lande. Genau das habe ich vorher nicht gewußt. Ich trabe langsam zurück, unterwegs Straßenparties mit Hare-Krishna-Jüngern und Musikgruppen aller Art. Ich kehre ein im englischen Pub "Pig 'N' Whistle" und trinke ein großes blondes Bier. Draußen sind es immer noch 28 Grad. Stunden später sehe ich im Fernsehen im Hotel die Live-Ubertragung des Sydney-Feuerwerks und beim Blick aus dem Fenster das pünktlich um 24:00 beginnende ganz normale Silvester-Feuerwerk über Brisbane. So habe ich in einer einzigen Nacht zu zwei verschiedenen Zeiten zwei Feuerwerke gesehen. Ist das nicht schön?
 

Brisbane
Queensland, Australien
  • Missing
    Werner Kreuz hat am kommentiert:

    Hallo nach Australien,
    da ihr uns ja um ein Jahr voraus seid, wollte ich mich nur mal schnell erkundigen, was das neue Jahr so mit sich bringen wird ...
    Ihnen ein supertolles JAhr 2017, viele beeindruckende Erlebnisse, jede Menge neue DND-Schilder und natürlich Gesundheit und Spass

    Beste Grüße noch aus dem alten Jahr
    Werner Kreuz

  • Missing
    Ulla hat am kommentiert:

    Hallo Rainer, liebe Grüße aus Bocholt und ein gutes neues Jahr.
    Es macht Spaß, deine Berichte zu lesen, so können wir
    doch ein bischen teilnehmen an deinen Abenteuern.
    Moni, Gaby und Ulla

  • Small
    Rainer hat am kommentiert:

    Liebe Bocholter/Innen
    schön, dass wir uns auf diesem ungewöhnlichen Weg austauschen können. Auch für Euch alle ein prächtiges Jahr 2017 mit vielen freudigen Ereignissen. Wie Ihr zu Recht vermuten dürft, mir geht es prima in der großen weiten Welt. Beste Neujahrsgrüße natürlich auch von Petra.
    Rainer aus Australien

Rainer Small

27. Tag

30. Dez.

Brisbane

Museumsbummel

Brisbane, 9:30, Außentemperatur: 32 Grad, schwül. Da muss ich dick auftragen, aber es läßt sich aushalten.#
 
Ich gehe noch einmal über die Queen Street und mache halt am Besucherzentrum, um mich über den Ablauf des Silvester-Feuerwerks zu informieren. Ich schaue tiefer hinein in das Gebäude und sehe, dass der Touristendienst mit all seinen Hunderten von Info-Broschüren in der Empfangshalle eines Theaters untergebracht ist. Das Innere erinnert an eine spanische Kapelle. Die Deckengemälde sehen gotisch aus, religiöse Szenen aus dem Frühmittelalter schmücken die Wände, an der Decke ein großer Kandelaber. Ich frage mich, was die ganze Pracht an diesem profanen Ort soll und erhalte Aufklärung. Die Kirche ist ein Kinopalast, der "Regent Theatre" heißt und 1929 als viel gepriesenes Meisterwerk einer stilistischen Nachempfindung eröffnet worden ist. Das Kino mit Bühne stammt aus einer Zeit, in der die amerikanischen Filmgesellschaften auf der ganzen Welt noch eigene Kinos für ihre Filme bauten und ausstatteten, so auch in Australien. Die meisten dieser sakral wirkenden Kinopaläste sind längst abgerissen, doch das "Regent" hat überdauert. Der letzte Film, der hier gezeigt worden ist, war der "Untergang der Titanic". Sehr verwundert mische ich mich wieder unter das einkaufende Volk auf der Queen Street. Meine Info habe ich auch bekommen: Das Feuerwerk genießt man am besten vom Südufer des Brisbane River aus, der sich in weiten Bögen durchdie Stadt zieht und schon oft bedrohliches Hochwasser in sie hineingetragen hat. Für Sydney spricht man schon jetzt von über 1,5 Millionen Zuschauern für das Silvester-Spektakel, die Zahlen für Brisbane dürften nicht sehr weit davon entfernt sein.

Ich vermute, dass die Hauptstadt von Queensland noch andere Überraschungen bereithält und werde nicht enttäuscht. Der Südteil der Innenstadt ist ein großer kultureller Freizeit- und Bildungspark, wo 1988 die die Weltausstellung abgehalten wurde.Ich möchte an dieser Stelle kein Stadtporträt schreiben, aber ich will mitteilen, was ich unternommen habe. Zuerst einmal war ich auf dem Riesenrad, um aus 60 Metern etwas vom Panorama der Stadt zu sehen. Prägend für die Architektur an der Wasserfront des Brisbane River ist das Queensland Performing Arts Center (QPAC), wo in den nächsten Wochen viele internationale Showgrößen und Musikbands auftreten, darunter auch Liza Minelli, die eigentlich kaum mehr öffentlich auftritt, der britischer Geiger Nigel Kennedy mit seinen "Vier Jahreszeiten", eine Beatles-Nachspielband und die originalen Hollies. Alle diese Künstler sind zuvor schon im Sydney Opera House aufgetreten, so vermute ich. Das Musical der Saison heißt Matilda.

Brisbane ist reich an Geschichte und ein Ort, der wie viele andere an der australischen Ostküste, aus der Zwangsbesiedlung mit englischen Gefangenen (ab dem Jahr 1825) entstanden ist. Als die Zeiten etwas freundlicher wurden, kamen viele andere Siedler aus aller Welt, die auch ihre Religionen mitbrachten. Beim Wandern durch die Stadt sehe ich viele Kirchen und Kathedralen verschiedenener christlicher Gruppierungen, ich sehe eine Bücherei der Theosophen und einen Treffpunkt der liberalen Katholiken von St. Alban. Die Menschen, so nehme ich es wahr, scheinen tolerant zu sein in Glaubensfragen.

Wirklich verwundert hat mich, was Brisbane an Bildender Kunst zu bieten hat. Ich mache einen kleinen Museumsbummel.Bei freiem Eintritt besuche ich die Queensland Arts Galerie (QAG) und das Natur- und Wissenschafts-Museum. Im Naturkundemuseum wird das Naturleben in dem Bundesstaat Queensland seit Sauriers Zeiten nachgewiesen und mit Fundstücken belegt. Riesentintenfische und anderes ursuppiges Getier sind lebensecht präsentiert. Alles was fliegt, hüpft und krabbelt, ist ausgestopft und präpariert und hat sein Schaufenster gefunden. Die Spinnen schaue ich mir genauer an und finde alle ihre Spezies in unlebendiger Lebensgröße vereint. Das Zentrum für Bildende Kunst wird gerade vergrößert und modernisiert. Es zeigt repräsentative Bilder  australischer Kunst aus den vergangenen zwei Jahrhunderten und wie stark sie von Europäern beeinflusst sind. Bilder, die wir kennen, doch anders belichtet und neu aufgelegt. Viele private Sammler und Galeristen nicht nur große Bilder aus Australien zusammengetragen, aber auch Fotokunst aus Indien und Porzellan aus China. An europäischer Kunst entdecke ich Albrecht Dürers Holzschnittserie von der Apokalypse, ein Bild von Lucas Cranach und einen Tintoretto. Lange verharre ich vor drei Bauernbildern von Pieter Breughel dem Älteren, also Motive mit Eselskarren, Bauern beim Sensen, schlittschuhlaufende Dorfbevölkerung. Natürlich keine flämischen Originale, sondern in 3D digitalierte und mit Ton versehene Kopien, auf denen sich die Figuren stilgerecht bewegen. Sieht ein wenig aus wie Alte Meister im Disneyland. Viel gibt es zu sehen im QAG, moderne Stammeskunst und einen Überblick zur Gegenwartskunst von Papua-Neuguinea.

Brisbane
Queensland, Australien
Rainer Small

26. Tag

29. Dez.

Gold Coast Surfers Paradise / Brisbane

Queen Street

Zu Brisbane kann ich noch nicht viel sagen. Auf den ersten Blick und bei einem abendlichen Spaziergang durch die Geschäftsstaße Queen Street fällt mir auf, dass die großen Modemarken auch in der Hauptstadt des Bundesstaates Queensland vertreten sind und die Geschäfte früh schließen. Brisbane hat ein schönes Flusspanorama mit einer spektakulären Brücke und - warum auch nicht - ein Riesenrad. Die öffentlichen Gebäude sind in wechselnd farbiges Licht getaucht und ein Spielcasino in einem historischen Gebäude gibt es auch.

Was ich auf dieser Reise überall erlebe: Die öffentlichen Lifte wie auch Hotellifte verfügen über eine große Passagierkapazität, etwa in der Größe eines gut gefüllten  U-Bahn-Wagens. Will man in einen Lift hinein, wird man von denen, die hinauswollen, überrollt. Will man hinaus, wird man von denen, die hineinwollen nicht rausgelassen. Ok, jetzt habe ich stark übertrieben, denn mehr als 18 Personen dürfen es nicht sein, aber für eine indischen Großfamilie ist das manchmal zu wenig.

Habe mir Petra geskypt und Wetterbericht und andere Neuigkeiten eingeholt.

Gold Coast
Queensland, Australien
Rainer Small

25. Tag

28. Dez.

Gold Coast Surfers Paradise

Spinnennester und Kuckucksuhren


Was mich der heutige Tag lehrt: Bumerangs sind keine Frisbees, die man horizontal wirft. Heute habe ich dreimal versucht, einen Bumerang unter Anleitung zu werfen. Das Ergebnis: dreimal verschieden und unterschiedlich schlecht. Stark vereinfachend gesagt: Man sorge für 50 Meter freien Raum, prüfe die Windrichtung, nehme den Bumerang zwischen Daumen und Zeigefinger, achte darauf, dass die bemalte Seite nach außen zeigt, führe ihn hinter die Schulter und werfe ihn schwungvoll in einem 45 Grad-Winkel nach vorne. Der Bumerang bekommt Rotation und kommt zum Werfer zurück oder auch nicht. Auf jeden Fall entwickelt er in der Luft ein unberechenbares Eigenleben, das abhängig zu sein scheint von Windstärke, Luftdruck, Sonnenstand und Erdanziehung. Diese  Übungsstunde für ungeschickte Bumerang-Werfer wie mich ist nur ein Zwischenspiel in einer ganztätigen Wilderness-Tour auf den Mt. Tambourine und in den Lamington National Park. Als Einzelperson kann ich neben dem Fahrer Platz nehmen, ein ebenfalls alleinreisender Engländer kommt hinzu und nimmt auf einem hinteren Einzelsitz Platz. Eine Gruppe muss abgeholt werden. Sie besteht aus 14 bunt gemischten Chinesen - sorry, anders kann ich es nicht ausdrücken - , die sich auch untereinander nicht immer verstehen. Neben dem unverständlichen Wortefluss ist mir auch deren Körpersprache fremd. Chinesen drücken Emotionen wie Überraschung oder Ängstlichkeit anders und auch in anderer Stimmlage aus. Wir tauschen Freundlichkeiten aus, lassen einander den Vortritt und bleiben uns fremd. Insgesamt sitzen wir zu 17 Personen in einem sehr geländegängigen Bus. Die Piste auf den Mt. Tambourie ist rauh, manchmal steil und manchmal abschüssig, aber auf jeden Fall abenteuerlich. Die Chinesen schreien vor Glück und machen Selfies von der Piste. Am Ende des Tages darf auch ich auf's Chinesen-Selfie.

Blake, unser Tourguide, führt uns – die Chinesen trauen sich nicht –  auf einem Lehrpfad durch die Natur des Mt. Tambourine. Er weiss genau, wo die Spinnen, allen voran die besonders giftige Trichternetz (auch Funnel-Web-Spinne), ihre Nester haben und erzählt dabei Schauergeschichten: "Diese Spinne ist die Trichternetzspinne. Ihr Biss kann bis zu 20 Menschen töten. Wir sind nur 17 Personen im Bus." Ich gucke genauer hin. Bewohner dces Nestes sehe ich nicht, aber die sind auch nachtaktiv. Wahrscheinlich ist das Nest schon seit langem verlassen, aber es wirkt auch zu Demonstrationszwecken bedrohlich. Das einzig sympathische Tier ist ein Busch-Truthahn, der sich ein Eigenheim für sich und seine Frau baut. Der Weg führt zu einem Wasserfall und einer dunklen Lagune, kein Platz, der zum Schwimmen einlädt.

Der Mt. Tambourine hat auch eine touristische Mitte mit vielen etwas plüschigen und nostalgischen Läden, deren schönster heißt „German Cuckoo Clock Nest“. Ja, genau das ist es, eine dichte Ansammlung von historischen deutschen Standuhren und natürlich Kuckucksuhren. Der Besitzer erinnert mich an einen erblondeten Andre Rieu. Und es gibt hier einen Winzer, der in kleinen Mengen einen preisgekrönten Wein anbaut. Die Kostprobe überzeugt.

Der Lamington National Park ist ein weiträumiges Naturschutzgebiert auf vulkanischem Boden, mit dichtem Regenwald, weiten Tälern, großem Tierbestand und gut erschlossenen Wanderwegen. Das was ich davon sehen konnte, ist Australiens Tree Top Canopy Walk. ein Spaziergang über Baumwipfeln. Ähnliches habe ich jüngst in Südafrika gemacht und vor Jahren in Malaysia. Den schönsten Weg dieser Art soll es in Costa Rica geben. Sechzig Baumarten gibt es hier. Bricht einmal ein Baum zusammen, wächst ein neuer schnell über ihm, auch andere Gewächse wollen ans Sonnenlicht, die besten Chancen haben Kletterpflanzen. Wer es nach oben geschafft hat, hat gewonnen. Der Weg in 19,5 Metern schwankt nur wenig, er ist stabil und gut in Stahltrossen eingespannt, also eher ein familienfreundliches Abenteuer. Für eine Erweiterung des Weges werden noch Sponsoren gesucht. An einem besonders kräftigen Baum sind Beobachtungsdecks in 25 und ist 30 Metern Höhe angebracht, auf die man über Feuerleitern hochsteigen kann. Diseen Spaß lasse ich mir nicht nehmen. Oben angelangt, schnaufe ich tief durch, drehe mich auf engstem Raum dreimal um die eigene Achse und lasse ein Foto von mir machen, leider ein etwas schattiges Porträt, zur Dokumentation soll es genügen.

Nicht zu vergessen: auf der Tour gab es einen Morning Tea in einer romantischen Location, die sonst für Hochzeiten vorgesehe ist, und ein Mittagessen unter Campern am Rande eines kleinen Flusses mit Bademöglichkeit.

Einen Beweis allerdings bleibe ich schuldig. Am Rande des Lamington Parks liegt das originale RTL-Dschungelcamp, sehr versteckt und schwer erreichbar. Was ich bisher an Regenwald gesehen habe, läßt durchaus auf die Ortslage schließen, nur gibt es statt Studiolicht nur Sonnenlicht. Ein Indiz ist, dass das Super-Luxus-Kitsch-Hotel Palazzo Versace, in dem die sogenannten Stars absteigen, am Rande von Surfers Paradise liegt. Gerade lese ich im Gold Coast Bulletin, dass Tony Fung, ein Hotel-Tycoon aus Hong Kong, für das nächste Jahr den Baubeginn eines Sechs-Sterne-Hotels angekündigt hat (Bausumme: 440 Mio. australische Dollar).

Ansonsten verlasse ich Surfers Paradise nicht ungern, zu viel Fast Food, zu oberflächlich. Abends gab es noch einen Beach Front Markt mit allerhand bunten Buden mit viel Schnickschnack von Alternativkosmetik bis Base Caps-Besticken. Zum Abendessen genügt mir ein Passionsfruchtjoghurt und ein Ananas-Kokusnuss-Saft vom Lebensmittelmarkt an der Ecke.

Gold Coast
Queensland, Australien
Rainer Small

24. Tag

27. Dez.

Brunswick Heads / Gold Coast Surfers Paradise

Kleine Copa Cabana

Meine Unterkunft ist ein sehr bequemes Motel. Viele Möglichkeiten, überhaupt in Brunswick Heads unterzukommen, gibt es nicht, solange man keinen Caravan hat. Der Ort ist familien- und hundefreundlich. Meer gibt es nicht hier, dafür eine Wasserspielwiese zwischen Simpsons Creek und Brunswick River. Hunde dürfen aufs Paddelboot, die Jungen springen trotz Verbots von der Brücke ins Wasser, das Leben scheint unkompliziert und leicht, alle kennen sich untereinander. Die Weihnachtsferien dauern sechs Wochen bis Ende Januar. Da kann man es sich leisten, familiär entspannt zu sein. Wenn immer ich mich mit einem Wunsch an jemanden wende, werde ich mit "Hello, Darling" angesprochen. der Gegengruss kommt mir schwer über die Lippen, ich finde es liebenswert.

Doch ganz so locker wie der Vormittag begonnen hat, setzt sich der Tag nicht fort. Ich bin für den 12:15 Greyhound Richtung Gold Coast eingebucht (Fahrtzeit etwa 90 Minuten). Nur es kommt kein Bus, auch in der nächsten Stunde nicht. Ich habe das Gefühl, ich bin bin Brunswick Heads vergessen worden. Alle gehen ihren nachweihnachtlichen Alltagsgeschäften nach, nur ich stehe mit meinem Weltreisegepäck am Straßenrand und warte auf einen Bus, der hier einfach nicht halten will. Aber die missliche Situation klärt sich bald. Die Bushaltestelle befindet sich vor dem örtlichen Besucherinfo und ich frage nach, was los ist. Erste Antwort: "Das ist ein Dilemma". Aber man versucht mit besten Kräften, mir zu helfen. Ich rufe meine Touragentin an, diese ruft ruft dann im Besucherzentrum zurück und während alle lösungsorientiert kommunizieren, steht auf einmal der große rote Bus an der Straße. Ich greife mein Gepäck, danke allen für ihre Bemühungen, tausche mich mit dem Fahrer aus und finde meinen Namen zuoberst auf seiner Liste, wohl weil ich woanders hätte einsteigen sollen, aber dort nicht erschienen bin. Ich werfe mein Gepäck in den Stauraum, erwische den vorletzten freien Platz an Bord, schnalle mich an (Pflicht!) und bin sehr erleichtert, dass es weiter geht. Verspätungen in dieser Größenordnung sind selten, erfahre ich später. Keine Ahnung, warum.

Am ersten Haltepunkt des Busses an der Servicestation Tweed Heads sehe ich, wie ein Dackel ausgeführt wird, sehr kurzhaarig, sehr schlank. Da ich bisher außerhalb von Zoos noch kein Känguruh gesehen habe, gelange  ich zu der sehr vorsichtigen Einschätzung, dass es in Australien mehr Dackel als Kanguruhs gibt. Überhaupt scheint das Land sehr hundefreundlich. Außerdem gibt es eine Zeitumstellungen zwischen New South Wales, wo ich herkomme, und Queensland mit der Hauptstadt Brisbane von einer Stunde. Also für meine deutschen Freunde und Mitleser: Ich bin Eurer Zeit nur noch neun Stunden voraus. Angekommen an Gold Coast, Ortslage: Surfers Paradise (sorry, auch ich finde den Ortsnamen sehr reißerisch), fühle ich mich wie in Klein-Copa-Cabana Superstrand und Superhochhäuser, meist Apartmentblocks. Ich bin untergekommen in der 23. Etage des Novotel mit aufregendem Meerblick, über mir sind weitere acht Etagen mit noch mehr Meerblick. Der Strand ist wirklich sensationell, Die meisten Australier, sittsam, wie sie sind, halten Ihre Oberkörper bedeckt und schützen sich vor der Sonne. Auch nachts ist das Leben eher friedlich. Die Mischung der kulturellen und religiösen Ausdrucksformen ist wie überall. Bikinimädchen mit Strassdiamanten im Bauchnabel posieren zu Werbezwecken vor Kameras, eine Burkha-Frau mit Sehschlitz hütet ihren Sohn und ihre Kopftuchtochter, ihr Mann schaut aufs Meer.

Byron Bay
New South Wales, Australien
Rainer Small

23. Tag

26. Dez.

Port Macquarie / Byron Bay / Brunswick Heads

Am falschen Ort


400 Kilometer und siebeneinhalb Stunden lang ist die heutige Kurzstrecke mit dem Brisbane Express auf dem Pacific Highway. Ich warte an der Haltestelle in Port Macquarie und immer mehr Zulieferer bringen Backpacker aus den Hostels des Ortes zum Bus (an dieser Stelle ein Gruß an meinen  Freund Günter aus Bochum). Während der Fahrt habe ich ausgiebig Zeit, die Landschaft im Osten Australiens an mir vorüberziehen zu lassen und frage mich, ob grenzenlose Freiheit in menschenleerer Gegend überhaupt sinnvoll und lebenswert ist. Zielort ist Byron Bay, der östlichste Punkt des Kontinents, ganz rechts auf der Australien-Landkarte. Haltepunkt des Busses: Jonson St. 34, vorgebuchtes Hotel: Jonson St. 120. Der Ort, einst ein Geheimtipp unter Alternativlern, ist heute einer der Top-Touristenorte in New South Wales. Voll ist es hier immer, aber am heutigen zweiten Weihnachtstag, dem Boxing Day als Feiertag schlechthin, ist kaum ein Durchkommen. Ich schiebe meine Rollreisetasche durch eine bunte Mischung aus Strassenmusikanten, New Agern, Lebenskünstlern, Handwerkern, Berufshippies, Surfern, Buddhisten, Schwulen, Partygeilen und Verrückten in jeglicher Farbe. Soviel unterschiedliche Weltanschaung auf so engem Raum, für mich unvorstellbar. Am Hotel angekommen, erfahre ich, dass für mich kein Zimmer gebucht ist und das Hotel ohnehin rappelvoll ist. Ich gucke dumm aus der Wäsche. Dann lasse ich anrufen bei "Nature Trailz", die mir den Trip zusammengestellt haben, und erfahre, dass man versäumt hat, mir einen aktualisierten Reiseplan mit einem anderen Zielort durchzugeben. Vorgesehen bin ich für den Ort Brunswick Heads und dort für die Riverside Inn. Die sehr hilfsbereite und mitfühlende junge Frau an der Rezeption ruft mir den Hotelshuttle, der mich in 20 Minuten zu dem Ort bringt. Auch hier herrscht laute Feierlaune, von nebenan dröhnt die Luft bierschwanger. Ich skype mit Petra, dann gute Nacht.

Nachtrag zum Tages-Blog zur australischen Gesellschaft, so wie ich sie wahrnehme: Eine Nation, die sich aus unfreiwillig Eingewanderten und Gestrandeten sowie aus freiwillig Eingereisten zusammensetzt, kann es sich leisten, offen zu sein für alle ethnischen Einflüsse und Kulturen. Eine australische Identität nehme ich nirgends wahr. Das Thema der "Convict Nation", d.h. dass aus England in die Kolonien deportierte Häftlinge Gründungsväter von Nationen werden, beginnt, mich zu interessieren. Ich weiß lediglich, dass ohne eine solche Vorgeschichte aus der Insel Sri Lanka nie eine Nation im heutigen Sinne entstanden wäre. Jeder, der in die Kolonien gekommen ist, hat seine Fähigkeiten eingesetzt. Auch die Sträflinge konnten hier ihre erlernten Berufe wieder ausüben. Später dann sin d diese "Convict N atioins" unter dem Dach des Commonwealth untergekommmen.

Port Macquarie
New South Wales, Australien
Rainer Small

22. Tag

25. Dez.

Sydney / Port Macquarie

Ruhetag und Waschtag

Zum Mitschreiben: Port Macquarie heißt die Hafenstadt mit 41.000 Einwohnern. Stadt, in der ich mich am 1. Weihnachtsfeiertag aufhalte. Sie ist die erste von drei Stationen auf dem Weg nach Brisbane und einer der populärsten Touristenorte an der Küste von New South Wales (NSW) an der Ostküste. Das gesamte Gebiet ist nach dem damaligen Gouverneur Lachlan Macquarie benannt und besitzt eine für Australien typische Geschichte. Gefangene wurden zum Hafenbau eingesetzt. Dafür mussten sie Zedern im Hinterland fällen. Später kamen Siedler. Über den Ort selbst vermag ich nichts zu sagen, das Leben ruht zu Weihnachten, und mein Reiseblog auch. Ich nutze die frühe Ankunft im Hotel, um mich unter einem schattenspendenden Dach am Pool zu entspannen und dann Wäsche zu waschen. Ich habe mit meiner Frau geskypt und Neuigkeiten ausgetauscht. Nach meiner Abreise aus Deutschland ist dies der erste Ort, der weder Weltstadt noch Metropole eines Landes, sondern überschaubar und beschaulich  ist.

City of Sydney
New South Wales, Australien
Rainer Small

21. Tag

24. Dez. / Heiligabend

Sydney

Meister-Oper

Ich nehme den Fussweg zum Opera House, etwa 40 Minuten. Auf den letzten Metern ab dem Übersee-Schifffahrtsterminal, an dem heute noch kein Kreuzfahrtschiff festgemacht hat, fallen mir literarische Stolpersteine auf. Auf dem "Writer's Walk" sind 47 Schriftsteller verewigt, die in ihrem Werk von Sydney beeinflusst oder beeindruckt waren. Die Messingplaketten zweier Autoren, die ich besonders schätze, fotografiere ich. Vor mir ragt das Opera House auf. Ich habe Gelegenheit, bei einer Führung, etwas vom Inneren sehen zu können, das gigantisch ist mit seinen fünf Theatern, mehreren kleinen Bühnen und 5532 Sitzplätzen. Ich habe an dieser Stelle nicht die Muße, weitere Details zu schildern. Eines vielleicht doch, auf den ersten Blick wirkt das Äußere der 118 Meter hohen Konstruktion alles andere als weiß, eher leicht angeschmutzt. Eine weisse Fassade, so erfahre, hätte das Sonnenlicht zu stark reflektiert und damit Einfluss genommen auf den Schiffsverkehr in dem stark befahrenen Hafen. Um das zu vermeiden und aus ästhetischen Gründen, sind für die Außenhaut der Sydney Opera eine Million glasierte Keramikfliesen aus Schweden verbaut worden. Die gesamte Bauzeit dauerte mit Unterbrechungen von 1959 bis 1973. Von den 10.000 beschäftigten Arbeitern ist keiner bei der Bauausführung zu Tode gekommen. Das Sydney Opera House stellt ein Meisterstück der Architektur des 20. Jahrhunderts dar. Seine Bedeutung liegt in seinem unvergleichlichen Design und seiner gewagten Konstruktion. Für Ingenieure und Bautechniker war es eine extreme Herausforderung, deren Ergebnis die Architektur des 20. Jahrhunderts geradezu revolutionierte. Und dank des dänischen Architekten und Designers Jørn Utzon ist viel skandinavischer Einfluss darin sichtbar geworden. Wer ein Zusammenspiel von Segeln und Muscheln erahnt, der liegt nicht falsch.

Bumerang für Linkshänder

Doch kommen wir wieder auf den Boden zurück. Sydney hat auch eine richtig schöne Altstadt. "The Rocks" heißt sie und hat eine Baugeschichte, die bis 1788 zurückgeht, als englische Kolonialkultur, seefahrerische Welterfahrung und die handwerklichen Erfahrungen von Sträflingen zusammenkamen. Hier stand das erste Hospital Sydneys, hier beginnt die Geschichte der Stadt. An dieser Stelle erscheint Australien wie die Alte Welt. Ein vergleichbares Quartier ist das Art Deco-Viertel in Miami Beach, aber das ist eindeutig Neue Welt. Erstaunliches tut in "The Rocks". Historie, alte Architektur, historische Gastronie, archäologische Ausgrabungsstätten treffen auf moderne Galerien, Museen, Live-Entertainment, offene Plätze mit Hafenblick. Anziehungspunkt ist ungewöhnlicher Markt, der Kunsthandwerk, Trödel auf hohem Niveau, nostalgische Kleidung und viel  Lebenskunst und Gegenkultur zusammenbringt. Dinge sind darunter, die man selten braucht, und solche für den täglichen Bedarf, wie der Bumerang für Linkshänder. Sinnbildlich für die Geschichte  des The Rocks-Viertels ist der Nurse's Walk, der Weg der Krankenschwestern. Er wurde 1979 angelegt, um an die Schwestern zu erinnern, die ihier den Krankenhäusern zwischen bis 1816 gearbeitet haben. Nach ihrer Ankunft haben die Sträflinge zwar die Schwestern ausgesucht, die für sie arbeiten,sie aber nie aber bezahlt .Die Gemeinde hat sich ihrer angenommen und ihnen Geld zum Überleben gegeben. Der Nurse`'s Walk führt durch die besterhaltenen Gassen und Fußwege im The Rocks-Viertel. Es lohnt, diesen Spuren zu folgen.

Ich muss mein Bild von Sydmey ein weiteres Mal andern und bin sehr froh darüber. Was in anderen Metropolen Shopping Malls sind, das sind hier Einkaufsarkaden in viktorianischem Stil, wie die Queen Viktoria-Arkade oder die Strand-Arkade von 1871. Dazwischen viel öffentlicher Raum und mit vielen bequemen Sitzplätzen und ausreichend Papierkörben. Die Umgangsformen sind höflich und freundlich. Was auch daran liegen mag, dass in stark frequentierten Gegenden Straßenschilder "Alkoholfreie Zonen" regeln.

City of Sydney
New South Wales, Australien
Rainer Small

20. Tag

23. Dez.

Sydney

Photoshooting mit Koala

Wie naiv bin ich doch, zu glauben, dass in Australien etwas anders ist als in Deutschland. Mit landesweit über 370 Filialen fährt ALDi hier die größten Marktanteile ein, und LIDL rüstet zum Angriff. Das erste ALDI-Schild  vor den Toren Sydneys hat mir klar gemacht, dass der nationale Wettbewerb auch global ausgetragen wird.

Unberührt von den Markt- und Machtkämpfen der Lebenmitteldiscounter, möchte ich mir heute ein erstes Bild machen von der Natur des Landes, von der Tier- und Pflanzenwelt. Ziel sind die Blue Mountains, die 60 Kilometer von Sydney beginnen. An Bord des Exkursionsbusses sind interessante Menschen, u.a. ein Anwalt aus Los Angeles, der sich mit Fällen öffentlich-privater Partnerschäften beschäftigt, ein seit einer Woche verheiratetes Paar aus den USA auf heftigem Turtelkurs und zwei junge Frauen, die eine Weltreise von sechs Monaten in Peru begonnen haben. Deutsche sind nicht am Bord, aber ein deutsches Thema ist gegenwärtig, der Angriff auf den Berliner Weihnachtsmarkt. Ich will dazu keinen Kommentar geben und ducke mich vor diesem Thema weg. Die Blue Mountains sind seit 2000 Weltnaturerbe der Unesco. Grund ist die Artenvielfalt an Eukalyptusbäumen. Deren Blätter verdunsten ein ätherisches Öl, das sich bei Tageslicht als feiner blauer Nebel über die Berghänge legt. Daher der Name der Berge. An vielen Aussichtspunkten gibr es weite Einblicke in die Landschaft, die durch Schluchten geteilt wird. Immer wieder rieseln schmale Wasselfälle von den Felsplateaus aus Sandstein. Vor 14.000 Jahren lebten hier die Aborigines, die Ureinwohner. In ihrer Gesamtheit sind die Blue Mountains halb so groß wie die Schweiz, die Berge nicht viel höher als 1000 Meter. Die Region ist touristisch gut erschlossen, der Hauptort heißt Katoomba. Bei einem Spaziergang kommen meine Wanderschuhe zum Einsatz.

Die einheimische Tierwelt und sowie meine ersten Kängurus lerne ich im Featherdale Wildlife Park kennen, einem eher kleinen Tierpark, der repräsentativ und in Armlänge alle bekannten Tierarten des Kontinents vorführt. Zum Programm gehört ein Photoshooting mit Koalas vor einer Fototapete, das Füttern und Streicheln von Kängurus. Es gibt Wombats, Wallabys, Dingos, den Tasmanian Devil, und Emus und Reptilien und Insekten, darunter auch die Huntsman Spinner, die größte Spinne der Welt. Sie ist friedlich und ungiftig und hat einen Durchmesser von 30 Zentimetern. Sie ist hinter Glas und zeigt sich nicht. An dieser Stelle eine Belehrung in anderer Sache. Ein Koala ist tödlich beleidigt, wenn man ihn Bär nennt. Er ist ein Marsupial, das ist ein Beutelsäuger.

Hier eine wichtige historische Notiz: Häftlinge sind es gewesen, die Australien gegründet haben und sie alle kamen aus England. Im englischen Strafrecht ist  bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts die Todesstrafe für viele, auch für leichte Delikte verhängt worden. Die Verschickung in die Kolonien - und Australien war eine Kolonie - wurde als Ersatz für die Todesstrafe betrachtet. Die australische Regierung geht von einer Zahl von 162.000 Sträflingen aus. In Australien ist niemand über den Begriff "Sträflingsnation" gekränkt.

Während der heutigen Tagesfahrt wird im Hotel Hydro Majestic im Ort Medlow Bath ein Mittagessen gereicht.  Es gibt das australische Nationalgericht Aussie Pie, eine Fleischpastete, dekoriert mit Kartoffenpürree und Erbsen. Zum Abschluss der Tour wird auf der Picknick-Wiese des Blue Montain Botanic Garden die Kühlbox aufgemacht: Sekt für alle.

Sydney
New South Wales, Australien
  • Missing
    Werner Kreuz hat am kommentiert:

    Hallo Rainer W. ursprünglich aus M.
    erst einmal wünsche ich dem Fernreisenden für heute ein friedvolles australisches Weihnachtsfest. Hier ist ja noch der 23. Dezember, aber ihr seid uns ja um Stunden voraus !! Das heutige Programm sieht ja so schlecht nicht aus, besser jedenfalls als im Greyhound zu sitzen.
    Irritiert haben mich schon die Bilder von den schönen Männern am Bondi-Beach. Als ich dort war, hatte ich nur Augen für die vielen Bikinischönheiten !!! Aber ich habe die auch nicht gepostet, sondern für mich behalten.
    Beste Grüße und nochmals ein schönes Fest

    wk

  • Small
    Rainer hat am kommentiert:

    Lieber WK,
    ehe Sie mich in eine falsche Kiste stecken. Noch mehr Spass macht es mir, den jungen Mädchen und feinen Damen in ihren knappen Designer-Kleidern auf dem Weg zur Partyzone zuzusehen. Aber die kann ich nicht alle fotografieren. Hoffentlich liest meine Frau diese Anmerkung nicht.
    Gruss aus S.
    RW

Rainer Small

19. Tag

22. Dez.

Sydney

Woolloomooloo

Jetzt kenne ich mich aus in Sydney. Zum Beispiel, Woolloomooloo (Betonung letzte Silbe) bedeutet in der Sprache der Aborigines "Glückliche Jagd" und ist derzeit eines der angesagten Wohnviertel der Stadt. Flächenmäßig ist Sydney mit seinen fast 5 Millionen Einwohnern eine der größten Städte der Welt, viermal so groß wie Rom und zweimal so gross wie Peking. Es gibt komfortable Residential Areals mit weiträumigem Grün, deren Wert sich bei vorhandenem Hafenblick um ein Vielfaches erhöht. Bis gestern kannte ich nur den Darling Harbour-Hafen mit seiner großen Verdichtung an Bürohochhäusern und Appartmentsblocks. Was in erster Linie Folge eine große bauliche Umwidmung war, will heißen, dass alle alten Werft-Anlagen aus dem 19. Jahrhundert -  na klar, sie waren ja auch aus Holz - abgerissen und stadtbildprägend zu Hochhäusern umfunktioniert wurden, beispielsweise zu Verwaltungssitzen multinationaler Gesellschaften. Die Menschen suchen Zentrumsnähe, also sollen sie sie haben und auch gut dafür bezahlen. In Sydney wird es so gemacht, dass mit den Erlösen der Innenstadtimmobilen Miethaus-Programme weit außerhalb finanziert werden. Diese und viele weitere Erkenntnisse verdanke ich dem Fahrer und Sydney-Erklärer Graham, der mir die Stadt von allen Seiten und im Panoramablick nähergebringt. Ich bin am berühmtesten Strand von Sydney, dem Bondi Beach, und habe jungen Männern beim Stählen ihrer Körper für die optimale Strandfigur zugeschaut. Ich habe einer riesengroßen Spinne beim Netzbau zugesehen und vor allem darüber gestaunt, dass Sydney eine sehr angenehme Stadt ist, eine der schönsten der Welt, mit vielen historischen Bauten, politische Einrichtungen wie Parlamentssitzen für die einzelnen Bundesländer, mit einer großen Nationalgalerie, mit vielen gewachsenen alten Vierteln von großer Lebensqualität mit wunderbaren Backsteinfassaden. Ich kann ins Schwärmen geraten, aber ich will es nicht. Ach ja, da gibt es ja auch noch die Oper. Seit geraumer Teit beziehe ich den Programm-Newsletter und stelle ernüchtert fest: Die Architektur des Gebäudes ist bedeutender als das Programm auf der Bühne (zu viel Pop!). Zu Weihnachten hätte ich mir Coppelia, dargeboten vom australischen Nationalballett, anschauen können, zu einem sündhafte teuren Preis auch mit Rentnerausweis. Gerade hat die "Explorer of the Seas" der Royal Caribbean, Länge 311 Meter, von Noumea (Neukaledonien) kommend, am Circular Quay, dem Kreuzfahrthafen von Sydney, festgemacht, an Bord geschätzt ca. 3.500 Passagiere. Heute ist ein dunstig verhangener Tag, da täuscht die Perspektive etwas, im Hintergrund sichtbar die Harbour Bridge, eines der Wahrzeichen der Stadt.

Eine ignorant dahingeworfene Anmerkung von gestern muss ich dringend korrigieren. Thema: Alkohol. Laut australischen Gesetzen darf in keinem Supermarkt auch nur eine einzige Flasche Bier verkauft werden. Öffentlich Alkohol trinken, das geht nicht. Nur in Bottle Stores, meist in der Nähe von Hotels und Lebensmittelmärkten, darf überhaupt Alkohol angeboten werden. In einem Supermarkt entdecke ich Sekt- und Weinflaschen. Doch auf dem Etikett steht der dezente Hinweis: "Alcohol removed" (Alkohol entfernt). Getrunken werden darf nur in Gastronomie und Pubs. Und die, die ich sehe, tragen meist irische Namen und sind bestens gefüllt. Gegen Wein und Bier zum öffentlichen Barbeque gibt es keine Einwände.  Mein Hotel mit dem hübschen Namen "Pensione" liegt oberhalb einer Arkade mit Kleinstbetrieben wie einer Schneiderei, einem thailändischen Mini-Zeitungsverlag und einem Reisebüro. Seit vielen Jahren bietet hier Mrs. Chan's Kitchen asiatische Streetfood an, Ihr Massaman Curry vom Rind ist bestens. Vom Fenster meines Zimmers kann ich dem Treiben zwischen Tischen und Küche von oben bis in die Nacht zuschauen.

Da ich am Sonntag, 25. Dez., mit einem Hop On-Buss vom Sydney nach Brisbane (920 Kilometer) fahre, muss ich noch einige Detsils mit den Abfahrtszeiten regeln. Dazu gehe ich in das Büro des Coach Terminals. Ich übernachte auf der Fahrt dreimal; in Port Macquarie, in Byron Bay und an der Goldküste. Alles, so meine bisherige Erfahrung, regelt sich leichterhand in diesem Take-it-Easy-Land. Doch bei dem frühen Aufstehen am Sonntag hilft mir keiner: 5:15 fährt der Bus, 20 Minuten vorher muss ich am Ort sein, 15 Minuten dauert der Fußweg vom Hotel zum Busbahnhof. Wäre doch gelacht...

City of Sydney
New South Wales, Australien
Rainer Small

18. Tag

21. Dez.

Sydney

Feuerwerk über Darling Harbour

Alles ist unkompliziert in Sydney. Bereits gegen 8:10 bin ich in meinem Hotelzimmer und fühle mich erschöpft. Hier ist Uhr die zehn Stunden weiter. Später lasse ich mir an der Rezeption mein Programm für den nächsten Tag bestätigen: eine Panorama-Rundfahrt durch Sydney. Abholung gegen 7:15 am hinteren Ausgang. Es gibt wohl eine Frühstücksfutterbox mit Müsli, Milch und Saft. Mein Hotel hat den hübschen Namen Pensione. Es liegt in der ersten Etage über einer alten Einkaufsarkadeund an der Schnittstelle zwischen China Town und dem Bezirk Darling Harbour, der so etwas wie ein Erholungsgebiet mit vielen Restaurants und Amüsierplätzen darstellt, wo ein unterhaltsames Rahmenprogramm aus Jongleuren, Hiphop-Tänzern und Feuerschluckern dargeboten wird. Beheimat ist hier das Nationale Schiffahrtsmuseum mit vielen historischen Schiffen und Schiffsnachbauten, so zum Beispiel, die HMS Endeavour, das Segelschiff, mit dem der Seefahrer und Entdecker James Cook 1768-1771 seine erste Südseereise unternommen hat. Doch von historischem Geist ist rund um Darling Harbour, so mein erster Eindruck, nicht mehr viel spürbar. Alle historischen Hafenanlagen sind überbaut. Natürlich gibt es auch hier ein Riesenrad, wie kann ich das vergessen. Es heißt "Ferris Wheel" und ist 46 Meter hoch. Darling Harbour erinnert mich sehr an die Waterfront in Kapstadt, doch habe ich dort anderes Bewußtsein für die eigene Kultur und Vergangenheit gespürt, einen anderen Geist. Noch scheint mir  Sydney in vielem oberflächlich. Es gibt einige kleine, herrlich altmodische Hotels am Wege, sie alle haben einen Bottle Store. Auch habe ich einen Lieferwagen gesehen mit der Aufschrift: "Alcohol. Delivered in 30 min." Ob das was zu bedeuten hat? Die Restaurants sind überwiegend chinesisch. Ob es eine australische Küche gibt, vermag ich nicht zu sagen. Gekrönt wird der Tag mit einem prächtigen Feuerwerk, das von einem Schiff aus gestartet wird. Es ist ein spektakulärer Ausgang eines ungewöhnlichen Tages.

City of Sydney
New South Wales, Australien
Rainer Small

17. Tag

20. Dez.

Singapur / Sydney

1A

Die Tagestemperatur heute ist sehr hoch, zwischen 36 Grad und 39 Grad. Dreieinhalb Stunden Wartezeit trennen mich vom Ausschecken im Hotel bis zur Abholung zum Flug nach Sydney mit Qantas Airlines. Ich laufe etwas ziellos umher und bin im Geiste schon in Australien. Mit den ersten drei Städten meiner Reise kann ich Erinnerungen verknüpfen, die jüngsten noch mit Singapur, wo ich im Oktober 2008 zu Beginn einer Malaysia-Reise gewesen bin. Doch Australien ist Neuland für mich, viele ferne Bilder. Zum Einchecken am Airport werde ich in eine Art persönliche Lounge gewiesen. Wie angenehm, beim Prüfen der Flugdaten einmal sitzen zu können. Ich erhalte Sitznummer 1A, weiter vorne geht nicht. Alles ist locker und unkompliziert, auch die Passkontrolle. Nach dem Australien-Visum, das ich beantragt habe und bereithalte, fragt niemand. Vielleicht sind die Daten ja bereits digital mit meinem Reisepass verknüpft. Ich weiß es nicht und frage nicht. Die Qantas-Lounge hält ein kleines edelitalienisches Büffet bereit. Ich trinke einen Chardonnay und bin bestens eingestimmt. Beim Betreten des Flugzeuges mache ich erste Bekanntschaft mit australischem Humor. Ich weise meinen Boarding Pass vor und erhalte die Antwort: "Da haben Sie aber einen langen Weg vor sich". Der Weg war zwei Meter weit. Im Plauderton erzählt ein Flight Attendant, dass ihn beim Präsentieren der Sicherheitsbestimmungen einmal ein Passagier nach der Verwendung von Fallschirmen gefragt habe. Die Antwort kam lachend: "Das macht in 3.000 Metern Höhe keinen Sinn mehr." Nachdem mir dann ein Dreipunkt-Sicherheitsgurt angelegt wird und ich nach Prüfung aller Sitz- und Liegepositionen auch eine Massagefunktion für den Rücken entdeckte, weiß ich, es kann nichts mehr schief gehen. Schade, dass der Flug kaum acht Stunden dauert.

Singapore Singapur
Rainer Small

16. Tag

19. Dez.

Singapur

Orchard Road und Little India

Der Stadtplan von Singapur listet 98 Shopping Malls auf. Nimmt man die unüberdachten und unklimatisierten Einkaufsstraßen hinzu, scheinen dem Endlos-Konsum keine räumlichen Grenzen mehr gesetzt zu sein. Nur eingeschränkte Öffnungszeiten gibt es noch. Nicht alle Geschäfte haben rund um die Uhr geöffnet, viele Restaurants schon. Aber in der kommerziell inspirierenden Weihnachtszeit mit der pausenlosen Tonspur von der Freude des Kaufens und Schenkens weichen die Ladenöffnungszeiten weiter auf. Mit solch antizyklischen Überlegungen im Kopf sollte man nicht durch Singapur laufen, ja ich weiß. Deshalb habe ich meinen Gang über die zentrale Einkaufsstraße Orchard Road nur kurz gefaßt und mich an den üppigen Strassendekorationen erfreut. Auf den Bürgersteigen stehen Klaviere, jeder darf klimpern, wie er lustig ist. Ständig wird fürs digitale Familienalbum posiert, die Selfie-Sticks werden auf Überlänge ausgefahren. Alle scheinen glücklich, alles ist einfach nur schön. 

Etwas Schönes habe auch ich gesehen: die erste solarbetriebene Mülltonne. Sie steht vor dem Kaufhaus Takashimaya und gegenüber den Geschäften von Gucci und Salvatore Ferragamo. Ich habe mir gewünscht, dass es eine Erfindung aus Singapur ist, nämlich dass hier die öffentlichen Mülltonnen ihren Abfall selbst verdichten und die Müllabfuhr selbsttätig erst dann zur Leerung rufen, wenn sie gefüllt sind. Klingt grün und gut. Und kostenloses WiFi den Tag hindurch bieten sie obendrein an. Nur ist die "Bigbelly"-Solartonne sehr wenig singapurisch, sondern eine amerikanische Erfindung, die weltweit, so auch in einigen Städten in Deutschland, bereits im Einsatz ist. Bei uns habe ich diese Tonne noch nie gesehen. An dieser Stelle ein Gruß an meine Heimatstadt: Eine solche Tonne kostet um die 5000 Euro und macht einen gepflegten Eindruck. In Singapur allerdings, wo nach meiner Beobachtung sehr viel öffentlich gequalmt wird, werden die Solarpaneele genutzt, um Zigaretten darauf auszudrücken. Das bedeutet Punktabzug.

Das Mustafa Centre hat schon immer 24 Stunden am Tag geöffnet. Das Kaufhaus für alle Inder und Nicht-Inder in der kulturellen Enklave Little India kennt keine Ruhepause. Dort gibt es auf drei Etagen alles: von Elektronik bis zu indischen Lebensmitteln, von Kitsch bis Kunst, von falschen bis echten Uhren. Hier finde ich endlich die für mich ideale Schulterumhängetasche aus Stoff von der amerikanischen Firma Beverly Hills Polo Club, für unter 20 Euro auf Kreditkarte. Während China Town kommerziell strukturiert wirkt, ist Little India durcheinander, laut und rummelig, authentisch eben.Doch Touristen lieben genau diese  Athmosphäre. Der Preiswettbewerb der Billigwaren nach unten gehört dazu. Alles ist verwirrend, bunt und riecht susslich und verlockend. Frauen in Saris, Gemüse- und Obsthändler, CDs/DVDs in schreiender Fülle, goldener Schmuck in jeder Übertreibung, Klamotten für alle, unnützer High-Tech-Kram, Telefonkarten. Bei einem der vielen Geldwechsler tausche ich 20 Euro für 30 Singapur Dollar, der übliche Kurs. Mit Mühe nur kann ich mich durch den engen Bürgersteig entlang der Serangoon Road drücken. Doch was hat ein Autoersatzteil- und Reifenhändler hier verloren, frage ich mich. Einen spirituellen Ruhepunkt gibt es noch in Little India, den Sri Veeramakaliaamman-Hindutempel im südindischen Stil, der Kali, der schwarzfarbenen Göttin des Todes, der Zerstörung und auch des Neubeginns, geweiht ist. Für eine Besichtigung lohnt es sich, die Schuhe auszuziehen und hineinzugehen. Die größte Tageszeitung am Ort, "The Strait Times", hat in ihrer heutigen Ausgabe einen Artikel über Little India gebracht, dem ich einige meiner Anmerkungen entnommen habe. "Die geringsten Veränderungen", so heißt es dort, "hat das moslemisch-malaiische Ethno-Viertel Kampong Glam erfahren. Es ist ein populärer Treffpunkt für Hipster geworden."

Ich lasse das Abenteuer Singapur ausklingen und esse im Amber Restaurent an der Serangoon Road nepalesisch: Mariniertes Hammelfleisch mit Minzeblättern und Kräutern, gekocht in Gemüse, serviert in einer kleinen Silberschüssel, und dazu ein Mango Lassi.

Rainer Small

15. Tag

18. Dez.

Singapur

Der Singapore Sling

Um ein Jahr verpasst habe ich das hundertjährige Bestehen des Singapore Sling, des vielleicht berühmtesten Cocktails der Welt, der 1915 im Raffles erstmals gerührt und geschüttelt wurde. Das rosafarbene Original mit sieben Varianten gibt es nur in der Long Bar im zweiten Stock des Raffles. Der "Sling" ist Kult und auch die Erdnüsse, die dazu in kleinen Säcken gereicht werden. Die Schalen werden auf den Boden geworfen und knirschen unten den Füßen. Zum klassischen Rezept gehören Gin, Cherry Brandy, Bénédictine, Cointreau, Ananas- und Zitronensaft, Grenadine und ein Spritzer Angostura. Auch wenn das Rezept einem Barkeeper namens Ngiam Tang Boon zugeschrieben wird, ein Patent darauf gibt es nicht und die Varianten sind zahlreich. Die Entstehung des Singapore Sling bleibt geheimnisumwittert. Ich sitze an der Long Bar und genieße meinen klassischen Singapore Sling und die unvergessliche Atmosphäre dieses herrlich antiquierten Raumes.

Rainer Small

15. Tag

18. Dez.

Singapur

Das Raffles Hotel

Das Frühstück im Hotel ist vielfältig und spiegelt die ethnischen Vorlieben wider. Was sehr sinnvoll ist. Doch das Büffet hat einen Nachteil, es gibt zu wenig Sitzplätze. Am heutigen Sonntagmorgen ist es rappelvoll. Lediglich an der Bar ist noch ein Platz frei. Aber der ist schon belegt, als ich mit einem vollen Kaffeebecher zurückkomme. Der Service ist übereifrig, was für Einzelreisende ein Problem werden kann. Wenn immer ich den Platz verlasse und zurückkomme, sitzt jemand anderes an meinem Tisch und mein Teller ist abgeräumt. Dann irre ich mit vollem Teller an belegten Tischen vorbei, bis ich einen neuen Platz finde. Für morgen habe ich mir eine Strategie ausgedacht. Ich lege ein leeres Brillenetui auf meinen vollen Kaffeebecher. Das soll ein eindeutiges Zeichen sein. Es muß nicht immer ein Handtuch sein.

Heute sind die Straßen besonders voll, was daran liegt, dass alle die, die in der Woche gearbeitet haben, sich treffen und austauschen. Mein Viertel an der Bencoolen Street ist fast unpassierbar geworden durch Trödelmarkt, Basare und Straßenrestaurants.

Was das Peninsula für Hong Kong, ist das Raffles für Singapur. Ein Hotel mit Geschichte, ein Kolonialhotel, das 1887 mit nur zehn Zimmern eröffnet wird. Bekannte Schriftsteller sind die ersten Gäste, Joseph Conrad (1888) und Rudyard Kipling (1892). Das Hotel gehört den armenischen Brüdern Sarkies, die auch das Strand Hotel in Yangon, Myanmar, betrieben haben und das Eastern & Oriental in Penang, Malaysia. Das heutige Hauptgebäude mit seiner Neo-Renaissance-Fassade stammt aus dem Jahr 1899. Weitere Gebäudeteile kommen hinzu. 1942 ergab sich Singapur als britische Kolonie den Japanern. 1945 ergab sich Japan den Allierten unter Admiral Mountbatton. Das 129 Jahre alte, strahlendweiße Luxushotel ist ein Nationaldenkmal von Singapur, vor der Eingangspforte wacht ein stolzer Portier. Mit seinem weißen Turban und dem Vollbart gleicht er den nepalesischen Gurkha, die als die tapfersten Soldaten im britischen Emire galten. Pompöse Blumenbouquets, der unausweichliche Christbaum und großerKronleuchter schmücken die Eingangshalle. An den Wänden hängen Gemälde und Grafiken aus den frühen Tagen des Raffles. Der "Writers Room", eine Nische zur Rechten, soll an die Schriftsteller erinnern, die von diesem Hotel inspiriert worden sind. Und das sind nicht wenige gewesen.

Singapur
Rainer Small

14. Tag

17. Dez.

Singapur

Allein unter Chinesen und nachts im Zoo


Nicht ganz gelungen ist mir das heutige Programm. Ich möchte einen Blick werfen in die drei ethnischen Viertel Singapurs: China Town, Little India und Kampong Glam, das sich Araber und Malaien teilen. All diese Bezirke pflegen ihre eigene Religion, ihre Kultur ("Heritage" nennt man das) und einen besonderen  Geschäftssinn. Dockarbeiter und Rikscha-Fahrer waren um 1820 die ersten Chinesen in Singapur. Heute kann man ihrer Welt eigentlich nur über ihre Esskultur  nähern. Aus Hainan, tief im Süden, stammt die hier besonders gepflegte Küche, dazu gehören Fischbällchen, frittierte Bananen und der hainanesische Curryreis, das Nationalgericht. Nach all dem steht mir nicht der Sinn, eher schon nach einem frisch gepressten Zuckerrohrsaft, der in der Speisehalle an der Maxwell Road angeboten wird. Ich bin nicht lange dort, weil starker Regen aufkommt. Zum Besuch des buddhistischen Sri Mariamman Tempels entschließe ich mich nicht. Mit dem nächsten Bus fahre ich zum Marina Bay Sands Hotel, wo mir in einer Ausstellungshalle eine andere Art chinesischer Realität entgegentritt: das Teochew Festival. Ich habe habe keine Ahnung, was Teochew. Aber mit Technik hat es nichts zu tun. Ich wittere Kultur und lasse mich nicht dadurch abschrecken, dass ich weit und breit der einzige NIcht-Chinese bin. Das bleibt auch während des Besuchs der Veranstaltung so. Ich sehe Stände mit Handwerklichem und viel Lifestyle-Deko, sowie Ölpapier-Lampen, Vogelnester, Porzellanmaler, die Manufaktur von Erdnuss-Candies und Nahrungsergänzung aus den Embryonen von Haferkörnen. Vor vollbesetzem Podium wird auf der Bühne ausdrucksstark geschauspielert. Lang ist die Linie der "Streetfood"-Stände. Schlangestehen ist Pflicht und Chinesen scheinen permanent zu essen. Wie ich sehe, auch immer öfter mit normalem Essbesteck. Später mache ich mich kundig. Teochew ist ein Clan, von 500.000 Chinesen in Singapure und der typische Dialekt unter Auslandschinesen. Der Chinesen-Anteil liegt bei 74 Prozent. Es ist eine Art Urchinesisch, das moderne Chinesen kaum mehr verstehen. Also bin ich in guter Gesellschaft, wenn ich nichts begreife. Das Festival, ein kultureller Marktplatz derTeochew-Chinesen, geht über zehn Tage, erwartet werden 150.000 Besucher. Unter den geschätzten 1.200 Chinesen, die am Samstag zu meiner Stunde dort waren, habe ich mich nicht unwohl gefühlt, bin mir aber in diesem Rahmen meiner Einmaligkeit als Europäer bewusst.

Die Nachtsafari ist ein Abenteuer der besonderen Art. Sie führt durch einen riesengroßen Zoo und - das ist die Einzigartigkeit -, der nur von 17:15 bis Mitternacht geöffnet ist. Es ist dunkel, die Nacht wirft Schatten, weil Laternen künstliches Mondlicht erzeugen. Eine offene Safaribahn zuckelt geräuschlos eine halbe Stunde durch sieben geografische Klimazonen, von Afrika zu den Ausläufern des Himalaja bis ins burmesische Hinterland. Man spürt die Weite des natürlichen Lebensumfeldes, die Tiere sind genau da, wo man sie erwartet, sie flüchten nicht und sind nicht einmal neugierig. Doch es ist ein Zoo, in dem wir uns befinden. Mehr als ein Drittel der hier präsentierten 130 Arten sind vom Aussterben bedroht. Dazu gehören malaiische Tapire, Himala-Tahre, Babirusa-Wildschweine, Streifenhyänen und Zackenhirsche. Alles Tiere, die nachts gerne unterwegs sind. Elefanten reiben sich freundlich aneiander, Löwen sind fast zum Streicheln nahe, ein Tiger steht da und rührt sich nicht. Neben dem Zoobesuch auf Rädern gehört Entertainment und Show-Time dazu, zum Beispiel "Creatures of the Night" , eine Zirkusschau mit nacht nachtaktiven Tieren wie Otter, Marderbär und Tüpfelhyäne. Auf gelenkten "Walking Trails" kann man die  Tierwelt noch einmal erwandern und Raubkatzen beim Fischen zusehen. Da kein Blitzlicht erlaubt ist, gibt leider keine Fotos. Das Spektakel, 30 Fahrminuten außerhalb der Stadt ist sehr beliebt. An einem Wochenende sind es täglich bis zu 5.000 Zuschauer, was lange Schlangen allüberall garantiert. Nach Mitternacht haben Tier und Mensch wieder Ruhe.

Singapore Singapur
Rainer Small

13. Tag

16. Dez.

Singapur

Das große Rad

Riesenräder verfolgen mich und sie werden immer größer. Das "Cape Wheel" an der Waterfont in Kapstadt hat  40 Meter Höhe, das Exemplar in Hong Kong am Pier 9 des Victoria Harbour ist 60 Meter hoch. Auf beiden war ich nicht. Doch in Singapur steht der Weltrekordler aller Riesenräder, der "Flyer", (genauer: Obsersation Deck) mit 165 Metern Höhe. Da muss man doch rauf! Ist auch ganz leicht. Im Scheckentempo dreht sich das Rad permanent seit Monaten, in 30 Minuten ist es einmal rum. Singapur liegt unter einem, und man ist fast auf Augenhöhe mit dem 340 Meter langen Dachgarten und dem 146 Meter langen Infiity Pool des Marina Bay Sands Hotels in 191 Metern Höhe (4,6 Mrd. Euro Bausumme für das gesamte Hotel!). Imponierend und überwältigend, einmal auf die Dächer der Luxushotels wie Pan Pacific, Mandarin Oriental, Ritz Carlton, Marina Mandarin, JW Marriott und Intercontinental spucken zu können. Ich denke, in Australien gibt es keine Riesenräder, aber ich lasse mich gerne täuschen.

Doch wieder zurück auf die Erde. Der Botanische Garten Singapur besitzt die größte Orchideenschau der Welt. Auf dem Weg dorthin gibt es zur Weihnachtszeit "Trees of the World", eine Parade von gestifteten Bäumen. Firmen, Familien, Schulen und nette Menschen und Einrichtungen haben sich thematisch typische  Dekorationen einfallen lassen. Darunter auch die Deutsche Botschaft mit einem Lorbeer-Baum. Was hängt daran, klarer Fall: Weihnachtskugeln mit den Emblemen von Bundesliga-Vereinen, unter anderem Bayern München und Westvereine wie Borussia Dortmund, Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach.   Einem Touristen, einem Sachsen, gefällt das gar nicht: "Da fehlt doch der RB Leipzig. Die Kugel hätten wir doch mitbringen können." Überhaupt scheinen recht viele Deutsche in Singapur unterwegs zu sein. 287.000 waren es 2015 bei insgesamt über 15 Millionen Tourismuseinreisen.

 In einem Punkt allerdings enttäuscht mich Singapur. Den Mythos von der extremen Sauberkeit des Stadtraumes teile ich nicht. Frauen rauchen auf der Straße, und viele Kippen landen im Gebüsch. Dass man viele Plätze rauchfrei halten will, ist kein Privileg dieses südostasiatischen Stadtstaates. Weggeworfene Kaugummis habe ich nicht gesehen, aber die werden ja schnell ins Pflaster getreten und Spucke trocknet. Die öffentliche Toilette im Botanischen Garten ist wenig sauber, an einer Online-Bewertung zur Reinlichkeit nehme ich nicht teil. Am Einkaufsleben nehme ich auch nicht teil. Deswegen muss ich dazu jegliche Expertise schuldig bleiben, darf aber bemerken, dass hier sämtliche Flagship Stores Shoppingerlebnisse auf nöchstem Weltmarkeniveau präsentieren. Die meisten liegen an der  Orchard Road. Hingehen werde ich.

Singapore Singapur
  • Missing
    Werner Kreuz hat am kommentiert:

    Hallo Weltreisender,

    danke für das Mail, habe mich natürlich sofort registriert und mit Spass gelesen ... und keine Zeile über neu gefundene aussergewöhnliche Do-not-disturb-Anhänger gefunden !!!
    Noch ein schneller Tipp: In Singapur gibt es den m.E. weltweit einzigen Nachtzoo (night zoo), wo man die nachtaktiven Tiere bewundern kann. Fand ich wirklich spannend (Zugfahrt durch den Zoo zum Eingewöhnen und dann auf eigene Faust nochmals auf Erkundung gehen) und ist noch besser als Essen gehen.
    Beste Morgengrüße
    WK

  • Small
    Rainer hat am kommentiert:

    Das mit dem Nachtzoo überlege ich mir noch, heute habe ich mit dem Botanischen Garten angefangen. DNDs werden in diesem Blog nirgends ein Thema sein. Ehrlich.
    Gruß zur Dämmerstunde in Singapur
    R.W.

  • Small
    Rainer hat am kommentiert:

    Lieber WK,
    genau das habe ich heute gemacht. Dank für die Empfehlung.Hatte sowie ein Busticket dorthin. Unvergessliche Erfahrung.
    Gruss
    R.W.

Rainer Small

12. Tag

15. Dez

Hong Kong / Singapur

Tigerbalm-Pflaster


In der Lounge der Cathay Pacific kann man sich zwischen einem Frühstück an der Coffee Loft oder der Nudelbar entscheiden. Die Auslage an Zeitungen und Magazinen ist riesig. Die Süddeutsche Zeitung ist zwei Tage alt, im Sportteil der australischen Zeitung findet man keine Notiz über Fussball. Der Hong Kong International Airport besitzt 288 Check-In-Schalter. Für die langen Wege dazwischen gibt es Wasserautomaten.

Singapur ist schwül, das Klima anstrengender als in Hong Kong. Mein Hotel, das Ibis on Bencoolen, liegt zentral und die Zimmer haben einen praktischen Vorzug, nämlich Safes auf Augenhöhe. Meine Singapur-Dollars hole ich von einem privaten Geldwechsler zum gleichen Kurs, wie ihn die Bank anbietet (150 Singapur Dollar=100 Euro). Es ist wirklich so: Wo früher ein Geldwechsler saß, steht heute ein Bankautomat. Beim Seven-Eleven-Lebensmittelmarkt eine Türe neben dem Hotel finde ich eine Neuheit: Tigerbalm-Pflaster gegen Rückenverspannung, -schmerzen und -versteifungen. So etwas kenne ich  nicht und  brauche es nicht. Ob sie aber helfen? Die Bevölkerung im Stadtstaat Singapur kann ich schwer einschätzen: malaisch, chinesich, indisch, buddhlstisch, muslemisch, alles dies und noch vieles mehr. Diese Gesellschaft wirkt nicht so homogen wie die Chinesen in Hong Kong, denen ich mit dieser Pauschalisierung Unrecht tue, weil ich im Einzelfall nicht zwischen Chinesen, Taiwanesen, Japanern, Koreanern oder Vietnamesen unterscheiden kann und auch nicht weiß, wie stark sie  integriert sind. Sprachlich kann ich sie ohnehin nicht zuordnen. Auf den ersten Blick ist Singapur indisch-malaiischer.

Ich gehe es heute langsam an und möchte mich orientieren. Ich streife durch eine verwirrend belebte Strassenlandschaft, bis es dunkel ist, und kehre zurück, bevor ich mich verlaufe. Hunderte kleiner Restaurants mit unbekannten asiatischen Gerichten und Gerüchen locken mit günstigen Preisen und bunten Speisekarten. Ich begreife, jede Bevolkerungsgruppe hat ihre eigene Küche mitgebracht und alle wetteifern friedlich miteinander um die Geschmackshoheit. Das wird mir vor allem klar, als ich in eine halbfussballfeldgroße "Foodhall" gehe, in der asiatische Ethno-Küchen im Schalterbetrieb nahezu einen Kochwettberwerb veranstalten: koreanisch, vietnamisch, japanisch, chinesich, taiwanisch, malaisch, vegetarisch, Fisch und Fleisch. Uber den Schaltern sind typische Bilder der Gerichte mit fremden Namen und Nummern. Die Preise in der Regel um fünf Euro. Ich bin komplett überfordert, laufe bestimmt zehnmal rauf und runter und bleibe schließlich wie bei einer Tombola bei Indisch-Pakistanisch stehen und wähle ein unbekanntes Hühnchen-Reisgericht. Lange muss ich nicht warten. Dieses Ess-Abenteuer ist wirklich sehr "hot," also heiß aus dem Feuer und scharf im Mund. Ich schaue mich an den Nachbartischen um. Kaum einer trinkt etwas beim Essen. Warum eigentlich nicht? Das ist der erste Tag in Singapur

Hongkong
Rainer Small

11. Tag

14. Dez.

Peninsula Hotel Hong Kong

An der Salisbury Road in Kowloon befindet sich das bekannteste Hotel Hong Kongs, das Peninsula. Einst galt es als das" beste Hotel Hotel der Welt östlich von Suez", dann als die "erhabene Dame des Orients". Alles stimmt. In dem 1928 gegründeten Hotel mit der großen Vergangenheit wurde Weltgeschichte geschrieben, wurden bedeutende Verträge für Krieg und Frieden unterzeichnet. Die Prominenz schätzt das Haus mit den 246 Zimmern und 64 Suiten wegen seiner Perfektion und Diskretion. Und hier trifft sich die feine Gesellschaft der Stadt zwischen 14:00 und 18:00 zum High Tea, einem verspäteten Mittagessen mit feinstem Gebäck. Das Peninsula gilt als bestes Stadthotel und das Hotel mit dem besten Service überhaupt. Eine bessere Adresse gibt es weltweit kaum. Ich habe ein historisches Pressefoto aus dem Gründungsjahr im Netz ausgegraben und beigefügt. Das "Pen", wie es heute genannt wird, unterhält eine Flotte mit 14 Rolly Royce. Musterexemplare stehen immer davor. Aber so etwas beeindruckt in Hong Kong niemanden mehr. Mit solchen Bildern im Kopf verabschiede ich mich von der Stadt und bereite mich auf Singapur und einen frühen Flug vor. Abholung: 5:15.

Hong Kong
Hongkong
  • Small
    Ralf Winkler hat am kommentiert:

    das ist ja ganz schön flott unterwegs!

Rainer Small

11. Tag

14. Dez.

Hong Kong

Espresso in 393 Metern Höhe 

Größeres Kino gibt es nicht


Ich muss meinen gestrigen Blogeintrag korrigieren. Heute am Mittwochabend ist Großkampftag auf der Rennbahn und ich sehe vom Fenster aus, wie die Pferde in ihre Startboxen beziehen und Hindernisse aufgebaut werden. Alle Zufahrtsstraßen sind vorstopft, Tausende von Menschen sind zu Fuß unterwegs. Es herrscht Volksfeststimmung.

Der Tag beginnt heiter und hat einen Höhepunkt. Im Frühstücksraum wird mir ein Sitzplatz neben Aquarien zugewiesen, in denen exotische Schalentiere und tropische Fische und wohl auch Seegurken und Aale vor sich hindümpeln. Ob im Einzelfall zum Verzehr oder zur Belustigung der Gäste, vermag ich nicht zu sagen. Jedenfalls haben Kinder die Meerestiere entdeckt und sie geneckt, während die Eltern mit dem Büffet beschäftigt sind. Sie blockieren meinen Sitzplatz samt Teller und lassen mich nicht zum essen kommen. Kinder und Fische, das habe ich auf dieser Reise gelernt, das ist manchmal eine unkontrollierbare Beziehung.

Aber das nur am Rande. Heute will ich das machen, was ich gestern nur angedeutet habe: Ich möchte auf das siebthöchste Gebäude der Welt, das International Commercial Centre im Stadtteil Kowloon. Ob ich wirklich dorthon wollte, fragte eine Dame am Einlassschalter. Die Etage sei wegen der Vorbereitung eines privaten Events nur Hälfte blockiert sei, aber dafür müsse ich nur den halben Preis (84 Hong Kong-Dollar= 10 Euro) zahlen. Mit leichtem Ohrensausen geht es in 60 Sekunden auf die 100. Etage in 393 Metern Höhe. Dank des reduzierten Panoramas sind nur wenige Gäste oben. Also endlich einmal kein Besucherstress. Was ich sehe und auch fotografiere, ist unbeschreiblich. Die Fernsicht beträgt 9000 Meter und verliert sich an Wolken und Berghängen. Heute ist es ein etwas dunstiger Tag mit nur 23 Grad. Steil unter sehe ich den Containerteil vom Victoria-Hafen und gewundene Autobahnkreuze. Hochhäuser von 150 Metern Höhe wirken klein, wenn man auf ihre Dächer schaut. Ich sehe den Schatten, den dieses Gebäude auf die benachbarten Häuser wirft, aus fast 400 Metern Höhe. Ich kann mich nicht satt sehen. Dazu sitze ich sehr bequem vor der sicheren Glaswand und trinke einen Espresso von der Kaffeebar. Größeres Kino gibt es nicht.

Bald stehe ich wieder mit beiden Beinen auf der Erde. Der Distrikt Kowloon hat eine Fläche von 46,9 km², auf der 2,1 Millionen der 7,4 Millionen Einwohner Hong Kongs leben. Über 90 Prozent nutzen den öffentlichen Nahverkehr. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 82 Jahren. Aber Kowloon ist auch ein Arbeiterbezirk, hier sind die lokalen Märkte,hier ist auch Armut zu Hause: Es gibt es Gegenden, in die man nicht möchte. Hier werden  Billigwaren umgeschlagen. Die persönlichen Wunsch-Rolexuhren werden noch in zwei Stunden aufs Handgelenk geschneidert, so glaube ich jedenfalls. Als Besucher bekomme ich keinen Einblick in die Realität des wahren Lebens. Weiterhin scheint alles in Luxus gebettet. Die edelste Shopping Mall ist die Harbour City. Um in die Nobelgeschäfte von Hermes, Chanel und anderer Edelmarken zu gelangen, muss man Schlange stehen. Keiner kommt ohne gefüllte Einkaufstüte wieder heraus. Ich glaube es einfach nicht.

Rainer Small

10. Tag

13. Dezember

Hong Kong

Hoch und steil

Ich schaue aus dem Fenster. Weit rechts liegt die Pferderennbahn des Hong Kong Jockey Clubs. Sie ist leer, nur einige
Läufer drehen ihre Runden. Die gewinnträchtigen Pferderennen werden nur am Wochenende ausgetragen. Der Club mit langer und ehrenvoller Geschichte, der zu Zeiten der britischen Kronkolonie noch Royal Hong Kong Jockey Club hieß, spendet jährlich eine Milliarde Hong Kong-Dollars für das karitative Gemeinwohl der Stadt. Pferdesport gilt als Glücksspiel und darauf hat der Staat das Monopol. Das Hotel, in dem ich Quartier bezogen habe, scheint dem Reitsport eng verbunden. Am Sonntag, dem Tag meiner Ankunft im Hotel, habe ich eine teuer gekleidete Gruppe dreier anscheinend gut verdienender Europäer in der beobachtet, die sich mit einem Programmheft ablichteten und dies auffällig und gestenreich taten. Unter all den Chinesen, die sich nur mit ihren Smartphones beschäftigten, sah diese Gruppe aus, als käme sie von einem anderen Stern. Jetzt weiß ich: es ist Pferderenntag in Hong Kong, und die feine Gesellschaft feierte sich ein wenig.

Der heutige Blog wird etwas philosophisch, denn es ist ein Tag, mit dem ich nichts Rechtes anzufangen weiß. Und abends stelle ich fest, dass ihn eine Vollmondnacht beendet. Kapstadt war Liebe auf den ersten Blick, aber Hong Kong ist mir sehr fremd. Gerne möchte ich wissen, was diese Welt von extremem Kapitalismus und Kommerz in Bewegung hält. Doch ich kann nicht mehr sein als ein stiller Beobachter dieses gesellschaftlichen Treibens. Am besten geht das noch von der oberen Etage eines Sightseeing-Busses aus, denke ich mir. Ups, also tue ich es wieder und steige in einen Hop on-Hop off-Bus, der hier Big Bus heißt. Praktischerweise gibt es das Ticket für einen Zweitagestrip gleich im Hotel. Allein vom Bus kann ich alle sehen und keiner sieht mich. Die Hong Kong-Erklärerin am Kopfhörer kennt die Antwort auf meine drängende Frage: "Shoppen, Essen gehen, Nightlife, das sind die Lieblingsbeschäftigungen in Hong Kong". So einfach ist das, mehr braucht es nicht zum Leben. Von Arbeit spricht keiner. Auch die Infos zum Jockey Club verdanke ich ihr.

Hong Kong ist ein Wald von Wolkenkratzern. Wenn man nach unten schaut, sieht man nur Verkehrströme, die nicht fließen wollen, viel öffentlichen Personenverkehr, lautstarke Bauaktivitäten, wenige Fußgänger und ein Geschäft neben dem nachsten. Wenn aber hinaufschaut, hat man schnell einen versteiften Nacken. Es scheint, dass alle großen Architekten der Welt für alle große Banken der Welt in Hong Kong etwas Wertvolles und sehr Hohes hinterlassen haben. Dazu gehört in vorderster Linie das "International Commerce Centre", der mit 484 Metern und 108 Stockwerken höchste Wolkenkratzer der Stadt. Auf der 100. Etage soll es eine Besucherplattform geben. Mittlerweile nach zwei Stadttouren kann ich die Gebäude sogar unterscheiden. Ich bin tief beeindruckt von solcher Größe und Höhe. Ich blicke auf die Passanten mit ihren Einkaufstüten und sehe keinerlei Spuren von Angeberei und Wohlhabenheit. Die Hong Konger sind alle reich, aber nur im Geheimen. Wenn Sie Reichtum zeigen, tun sie es mit Ihren Autos, die sie nicht nutzen können, weil es keine Parkplätze gibt. Sobald die Leuchtreklamen mit hochhaushohen Weihnachtsmotiven das Sonnenlicht vertrieben haben, hält die Menschen nichts mehr in ihren Häusern. Alle werden eitel, alle posieren und wollen zeigen, wie schön sie sind.

Höhepunkt des Tages ist die Seilbahnfahrt auf den Victoria Peak, ein Vergnügen, das die Hong Konger seit 120 Jahren kennen. Dabei sind weniger der Höhenunterschied als der Steigungswinkel und die Aussicht weltmeisterlich. Die Tram auf den "Peak" ist die steilste Seilbahn der Welt, an der steilsten Stelle hat sie eine Steigung von 48 Prozent (Höhenunterschied 368 Meter, Streckenlänge 1365 Mete, Fahrtdauer: 5 Minuten). Vom Ankunftspunkt bis zur grandiosen Aussicht sind einige kommerziell gut genutzte Rolltreppenetagen eingefügt. Dort gibt es unter anderem ein Wachsfigurenmuseum und einen Souvenirladen des Hard Rock Cafés. Der Rest sind zuckrig-kitschige Shops auf Lilifee-Niveau mit typischen Mitbringseln - und ein Postamt mit gutem Service. Manchmal darf es auch weh tun, das ist für mich die Lehre dieses Hong Kong-Tages, an dem zu guter Letzt noch eine originale chinesische Dschunke ais der 1950ern unter roten Segeln im Vollmondlicht den Hafen zu einer kleinen Kreuzfahrt verlässt.


Hong Kong
Hongkong
Rainer Small

9. Tag

12. Dezember

Hong Kong / Macau

Donald Trump würde es gefallen

Zum Frühstuck gibt es Dim Sum-Knödel im Dampfkörbchen, Käsescheiben, einzeln verpackt und als Kraft Käse deklariert. Der Joghourt zum Müsli steht nahe neben dem Salat-Dressing, das ähnlich aussieht. Alles schmeckt frisch, besonders der chinesische Anteil am Frühstück.

Macau steht als erstes auf meinem Hong Kong-Programm. Ich erkundige mich bei der Hotelconcierge, wie man da am besten hinkommt. Ihr Hinweis: auf keinen Fall Pass vergessen, ein Visum brauche ich als Deutscher nicht. Ich stutze innerlich. Sie schreibt eine Karte aus für den Taxifahrer. Darauf steht in Englisch und Chinesisch: Please bring me to: Hong Kong Macau Ferry Terminal Shun Tak Centre 3/7. Nach 20 Minuten im morgendlichen Berufsverkehr (für 60 Hong Kong Dollar = 7,30 Euro) bin ich am Ziel und lande wie überall in Hong Kong in einem Einkaufszentrum. Drei Rolltreppen höher stehe ich im Abfahrtsterminal. Zuerst brauche ich ein Ticket. An dem Self Ticketing-Kiosk scheitere ich, weil ich keine passende Abfahrtszeit angeben kann. Am Ticketschalter bekomme ich mein Rückfahrtticket (für 317 Hong Kong Dollar = 38,50 Euro), allerdings für ein begrenztes Zeitfenster, weil die Fähren heute voll seien, wird mir gesagt. Anmerkung: Fähren nach Macau sind immer voll, weil Chinesen spielsüchtig
sind, und Macau längst dem amerikanischen Las Vegas den Rang als Spielerhauptstadt der
Welt abgelaufen hat. Also: Abfahrtszeit: 11:45, Rückfahrt 16:30, oder irgendwann nach 22:00. Die Fahrt mit der Jet-Fähre dauert 60 Minuten, ein Helikopter braucht 15 Minuten. Ich reihe mich frühzeitig ein in die Wartenden und mache grundlegend neue Erfahrungen. Macau ist ein autonomes Gebiet. Es gibt eine Passkontrolle für die Ausreise aus Hong Kong, dann eine Sitzplatzvergabe für Fähre (Hurra: Fensterplatz), nach Ankunft in Macau, wieder eine Passkontrolle für einreisende Besucher. Alles ist mit Schlangestehen verbunden. Anteil der Nicht-Chinesen: deutlich unter einem Prozent, deutsche Töne: null. Eine Marketing-Frau fragt mich, wie es mir als Tourist so in Hong Kong gefällt. Sie erhält von mir keine verwertbare Antwort. Das Warten in der Schlange erlaubt mir viele Beobachtungen und Gedanken. Bereits Säuglinge im Kinderwagen klammern sich ans Smartphone. Ich glaube, vom Schnuller bis zum Smartphone ist es ein fließender Übergang. Kleinkinder, die noch kein Smartphone haben, schlafen oder knatschen. Jeder hat ein Smartphone in der Hand, überwiegend das neueste Samsung-Modell. Bedienungspersonal versteckt sich hinter Einkaufswagen, um sich irgendwelche Serien anzuschauen. Ich betrachte all dies mit heiterer Befremdung. Ach, was bin ich froh, dass mein Smartphone ausgeschaltet im Hotelsafe (von innen beleuchtet!) liegt. Anruf: zwecklos. Dabei denke ich an meinen Freund Jean-Francois V. aus der Schweiz, der in Macau die Vorzeichen eines Schlaganfalls spürte und danach im Queen-Elizabeth-Hospital (das nicht weit von meinem Hotel liegt) intensiv behandelt werden musste. Damals schien mir Macau unendlich fern und fremd. Jetzt bin selber auf dem Weg dorthin. Dass es mir gesundheitlich gut geht, macht mich bescheiden und zufrieden.

Irgendwie erscheint Macau wie ein fremder Kontinent, der sogar eine eigene Währung, den Pataca, hat, der fest an den Hong-Kong-Dollar gebunden ist. Was mir egal ist, weil ich hier ohnehin kein Geld ausgeben werde. Shuttle-Busse fahren kostenfrei zu den Spielcasino-Hotels. Das Venetian Macau Resort ist mittlerweile das größte Casino-Hotel der Welt, zwei Drittel größer als sein Namensvetter in Las Vegas mit noch mehr Gondeln. All das will ich nicht wissen,und fahre auch nicht hin. Ich nehme einen Bus lediglich zum ersten Hotel, dem Sands, und schaue mir den Casino-Betrieb aus gesunder Distanz an: rappelvoll. Ich laufe einige hundert Meter durch einen überdachten Boulevard voller uneröffneter Geschäfte und Restaurants, der vor dem Legend Palace Hotel endet, das in Kürze eröffnet. Es sieht so aus, als würde dort gerade das antike Rom inklusive Colosseum nachgebaut. Ich wende mich mit Grauen von Macau ab. Zuviel Protz, zuviel Gigantismus. Hier wird mindestens der sechsfache Umsatz von Las Vegas eingefahren. Ein Hotel ist erst dann ein Hotel, wenn mindestens ein Rolls Royce dekorativ davor steht. Donald Trump hätte seine Freude an dem Projekt Macau, aber vielleicht besitzt er es ja bereits.

Aber vergessen wir nicht, seit die portugisischern Eroberer 1516 hierhergekommen sind, besitzt Macau eine wunderbare Altstadt, die Ruinen einer großartigen Kathedrale, eine alte Festung und historische Gartenanlagen. Das alte Macau war sogar für das  ZDF-Traumschiff mit Harald Schmidt eine Reise wert. Für mich ist das an diesem Tage eine andere Welt. Eine Stunde der geplanten Abfahrtszeit bin ich wieder am Terminal zurück. An einem Souvenirstand hängt ein Sinnspruch: "Keep Calm and Love Macau". Für mich eine Drohung, für alle anderen eine Verheißung. Ich nehme die Fähre zurück, lasse meinen Pass und Einreisepapiere gründlich prüfen und irre durch das Einkaufszentrum, bis ich mich am Taxistand in die Wartenden einreihe und zum gleichen Preis zum Hotel zurückfahre, wo ich ein aufgeräumtes Zimmer vorfinde.

Macau
Macao
Rainer Small

7. / 8.Tag

Kapstadt / Hong Kong

10. Dez. / 11. Dez.

Abschied von Kapstadt und Ankunft in Hong Kong


Ich werde pünktlich und freundlich um 3:40 am Hotel abgeholt
und zum Flughafen gebracht. Ich habe die Stadt, in der ich nur fünf Tage war,
liebgewonnen, sympathische Menschen, eine entspannte Athmosphäre vor
großartiger großartige Naturkulisse, kulturelle und kreative Eigenständigkeit, nicht teuer –
und, was ich nicht begreife, mit einer großen Dichte an Nobelkarossen. Auch wenn
meine Reise noch viele Stationen hat, die erste ist einer der attraktivsten und heißt Kapstadt. Noch hatte ich eine kleine
Unsicherheit, dass mit dem nächsten Flug etwas schiefgehen könnte. Aber nichts
dergleichen. Er ist kein Problem, das Gepäck von Kapstadt über Johannesburg bis
Hong Kong durchzuchecken. Flugnummern werden gründlich verglichen, der Reisepass eingescannt, dann wird mir der Weg zur Lounge gewiesen. So finde ich mich bereits um 05:00 beim ersten Frühstück mit Müsli, einem Käsetoast und einem großem
Cappucino wieder und blinzele kin die aufgehende Sonne. Und stellte fest, dass es zu dieser uncharmant frühen
Zeit draußen fast taghell ist. Ein langer Tag mit gesamt 14,5 Stunden Flug  plus  6 Stunden Uhr Zeitumstellung (Uhr vorstellen) steht bevor. Da will
gestärkt ich sein.

Der Airport von Johannesburg ist
etwas unübersichtlich. Ich frage des öfteren und schaffe bis zur Lounge von Cathay Pacific, die
hier Shongololo genannt wird (was klingt wie ein Fußballer von Bayer
Leverkusen). Will heißen, mehrere Airlines teilen sich eine Lounge, die extern
betrieben wird. Ich nehme einen kleinen Snack zu mir und ein letztes Glas
südafrikanischen Chardonnays. Noch habe ich 190 Rand an Landeswährung in der
Tasche. Ich weiß mir nicht anders zu helfen, als mir dafür im Duty Free noch
zwei Flaschen Wein zu kaufen und schaffe es mit Mühe, diese in meinem
Handgepäcksrucksack zu verstauen. Damit bin blank, was die Landeswährung anbelangt. Der Flug Johannesburg - Hongkong ist der längste Flug der gesamten Reise, 12,5 Stunden. Man sitzt, liegt und schläft sogar bequem und lernt die Vorzüge
eines Sitzgurtes als Liegegurt zu schätzen.

Schlangestehen vor dem Passcounter, statt Stempel gibt ein Einreispapier, das zuvor auszufüllen ist. Mein Gepäck wartet bereits auf mich, ebenso der Taxifahrer mit meinem Namensschild. Es geht zum Hotei Dorsett im Stadtbezirk Wanchai, Sicherlich wäre Public Transport mit dem Airport Express
kostengünstiger, aber nicht praktischer. ich will es bequem und sicher haben. Der Fahrer verspricht, mich am Tag meiner Weiterreise nach Singapur am Donnerstag, 15. Dez., um 5:15 wieder freiwillig hier abzuholen.

Nach sieben Tagen Weltenbummelei beginne ich mich langsam an mein Nomadenleben zu gewöhnen. Ich hoffe dazu gehört nicht, dass ich nach Ankunft eines Nachtfluges (zum Beispiel 8:00) und Beziehen eines bezugsfertigen Zimmers im Hotel (zum Beispiel 13:00 / 14:00) mein Gepäck abgebe, aber noch stundenlang in der Lobby rumhängen muss. Was bei dem Dorsett Hotel besonders quälend ist, weil in einer Nonstop-Schleife der ewig gleiche Weihnachtsliederschmarren eingespielt wird. Das Zimmer im 22. Stock ist für Hong Konger Verhältnisse untere Froschperspektive, doch ich fühle mich wohl bei Aussicht. Alles im Zimmer ist zur Hand, alles und praktisch und funktional, das Internet ist sehr schnell. Am besten ist der Extraservice, über ein bereitsgestelltes Handy im Zimmer seine Lieben in der Heimat kostenlos anrufen zu können, W-Lan-Telefon heißt sowas wohl, das gilt für neun Länder, leider nicht für Deutschland. Das Hotel bietet Shuttle-Busse zu Einkaufszentren und zentralen U-Bahn-Adressen auf der Inselseite der Stadt, die hier Happy Valley heißt und wo es doppelstöckige weiße Straßenbahnen dibt
 
Mit Petra geskypt (schreibt man das so?). Dabei konnte ich ihr die nächtliche Skyline und die Badezimmereinrichtung zeigen. Doch irgendwie war ich mental ausgeknipst. Das Hotel auf der Osterinsel hat nach meinen Flugdaten gefragt und den Transfer für den 31. Januar bestätigt.

Kapstadt
Westkap, Südafrika
Rainer Small

6. Tag

Kapstadt

09. Dez.

Im Kino - Alone in Berlin

Heute war ich im Kino. Es läuft der
Film "Alone in Berlin", bei dem ich vor eineinhalb Jahren als
Kleindarsteller in Duisburg mitgewirkt habe. Dass ich den Film in Kapstadt und nicht
in Deutschland sehen konnte, grenzt an ein Wunder. Meine Mitwirkung blieb
komplett unsichtbar, auch der Film selbst, der ja schon in der deutschen Presse
verrissen worden ist, ist einfach schlecht, weil zu brav und bieder gemacht.
Manchmal muss man weite Wege gehen, um schlechte Erfahrungen zu machen, aber
das gehört nicht in einen Reiseblog dieser Art.

Also zu wichtigerem: Morgen geht es
weiter nach Hong Kong. Der Taxifahrer ist für 03:40 Uhr bestellt. Die
Abfahrtszeit bereitet mir eine schlaflose Nacht. Das südafrikanische Fernsehen
ist nicht sehr unterhaltsam. Deutsche Welle wird nicht ausgestrahlt, Da ich ohnehin wach bin, stört es auch nicht, dass der telefonische Weckruf ausbleibt. Der Fahrer kommt pünktlich und lacht mich an.


Kapstadt
Westkap, Südafrika
Rainer Small

5. Tag

Kapstadt

08. Dez.

Tee im Mount Nelson Hotel und eine Strasse ins Nichts

Heute will ich die Stadt als Fussgänger kennenlernen. Zuvor
lasse ich mich ins Two Oceans Aquarium locken, wo ich eine meereskundliche
Wunderwelt zwischen Indischem und Atlantischen Ozean erwarte und als Attraktion
ein pädagogisch interaktives Haifischbecken. Beides gab es nicht, dafür aber
ein familienfreundliches und kindgemäßes Aquarium mit dem entsprechen
Geräuschpegel. In Themenschauen wurden Unterwasserwälder, Rochen, Schildkröten,
Quallen, Gitarrenfische, gestreifte Bonitos und den langnasige
Schmetterlingsfische vorgestellt.. Ein zehn Meter langer Unterwassertunnel
erlaubt ein Auge-in-Auge mit diversen Fischen, die Pinguinfreianlage ist
schwach bestückt und wirkt traurig. Gefühlte Hunderte aufmüpfiger Schulkindern
kreischen erst sich selbst erst sich selbst und dann die Fische an. Die zeigen
sich wenig davon wenig beeindruckt und bleiben das, was sie immer sind:
unkommunikativ und kein bißchen interaktiv. Ich persönlich komme mir fehl am
Platze vor und mache mich auf den Weg stadteinwärts, dorthin wo das Leben bunt
ist und die Straßen geschäftig sind. Unsicher habe ich mich nirgends gefühlt.
Plätze der öffentlichen Begegnung gibt es überall. Gebettelt wird
unaufdringlich, Armut hat viele Facetten, am ehesten zeigt sie sich an
verbrauchtem Schuhwerk. Die Public Security ist sehr präsent, Parking Marshals
helfen beim Einparken. Folkloremärkte zeigen das ethnische Potential. und die
internationalen Modeketten üben sich nicht in Zurückhaltung. Musik und Tanz,
die an vielen Plätzen dargeboten werden, sind authentisch. Rhythmischer
Chorgesang mit starker Perkussion artet in pure Lebensfreude aus. Das Publikum
ist begeistert und steigt darauf ein. Hautfarben spielen keine Rolle. Hier
zeigen sich die Farben einer lebendigen Kultur, für die einst der
südafrikanische Friedensnobelpreisträger Bischof Desmond Tutu das Wort von der
"Regenbogennation" geprägt hat. Ich wandere weiter bis zum großen
alten Grandhotel Kapstadt, dem Mount Nelson, wo gerade mit großer Eleganz der
Nachmittagstee serviert wird. Dazu wird ein Kuchenbüffet mit dezenter
Klavierbegleitung aufgeboten. Ich gehe zurück durch den Company's Garden, dem
schönsten Park der Stadt, der gesäumt ist von vielen historischen Gebäuden, wie
dem Parlament, der Nationalbibliothek, dem jüdischen Museum oder die
Nationalgalerie. Ich gebe zu, ich widme der Historie Südafrikas, wie sich hier
darbietet, nicht die genügende Aufmerksamkeit.

Der öffentliche Raum wird lautstark modernisiert. Ein Bauwerk jedoch
wirdunvollendet bleiben: eine Autobahnbrücke, die mitten in der Stadt seit
40Jahren im Nichts endet. Die Gründe sind unklar: ein Planungsfehler der Ingenieure
(so Wikipedia) oder ein Streit um ein Haus, das im Wege stand (so der
Kommentator im Bus vom Vortag). Ein Abriss kam nicht in Frage, zu teuer. Für
die Einheimischen, die Capetonians", bleibt es eine offene Wunde, für die
Kapstadt-Touristen ein Motiv mit Symbolkraft. Ein Foto ist es auf jeden Fall
wert. Zurück an der Waterfront, wo mein Hotel steht, läuft die abendliche Weihnachtseinstimmung
auf Hochtouren und morgen wird in der größten Einkaufsmall der Weihnachtsmarkt
eröffnet, der hier "Santas Werkstatt" heißt. Ich kann schon einmal
einen Blick über den Zaun werfen.


Rainer Small

4. Tag

Kapstadt

07. Dez.

Tafelberg und Township

Eidechse mit Halsband

DerTafelberg ist das südlichste der sieben offiziellen Naturweltwunder.
Dort hinzukommen ist von Kapstadt aus recht einfach. Bereits an der
Bushaltestelle erwirbt man ein Seilbahnticket für 255 Rand (etwa 15 Euro) und stellt,
an der Basisstation in 360 Metern Höhe angekommen, fest, dass man nicht der
einzige ist, der auf den Berg möchte. Hundert Wanderwege führen ebenfalls auf
die abgeflachte Kuppe, und von dort kann sich sogar unter Anleitung mit
Karabinerhaken wieder abseilen. All das trägt zum intensiven Erleben des
südafrikanischen Weltwunderberges mit seiner einzigartina Fauna bei. Die
Seilbahntechnik hat sich grundlegend gewandelt, seit ich das letzte hier war.
Aus einer alpinen Kabine ist eine rotierende gläserne Gondel geworden, die
einen Panoramablick im Stehen ermöglicht. Fünf Minuten dauert die Fahrt, 704
Meter beträgt der Höhenunterschied. Der Fahrdienstleiter in der Gondel ist ein
netter Mensch: "Ich gratuliere allen, die Höhenangst haben. Sie haben es
geschafft.“ An dieser Stelle ein Gruß an meine Frau. Der Brocken im Harz ist
eindeutig höher, windiger und kälter. Er hat nichts von dieser unglaublichen,
auf der Welt einmaligen botanischen Vielfalt wie die Kapregion. Auf
kilometerlangen Wegen bietet dieser Berg an jeder Ecke grandiose Blicke auf die fast
dunstfreie Silhouette von Kapstadt zwischen Wolken, gelbblühenden Steinpflanzen
(Fynbos genannt) und dem Ozean mit seinem ewigen Wellenspiel. Oben ist es
windstill. Als Fotograf kann ich mich nicht sattsehen, ich komme aus dem
Staunen nicht mehr heraus. Und zu guter letzt noch durfte ich einer Gruppe
Kap-Klippschiefern, Dassies genannt, bei ihrer familiären Verrichtung, wie
Futtersuche und Kuscheln, zuschauen. Was meinen Blick von horizontaler
Weitsicht wieder auf die Demut vor dem Leben und der Natur gelenkt hat.

Kenny Tokwe (54) ist Borussia Dortmund-Fan. In seiner Township trainieren 18
Kinder- und Jugendmannschaften mit dem Ziel Bundesliga. Sie trainieren zum
Beispiel, wie man den Ball durch aufgehängte Autoreifen schießt. Imizamo Yethu
("Unsere gemeinsame Bemühung" in der Landessprache Xhosa) heißt die
Township, in der er lebt und dessen Funktionieren er In einer persönlichen
Ein-Mann-Gruppen-Führung einem Fremdem wie mir gerne erklärt. Den Begriff vom
Township Tourismus läßt er nicht gelten. Jeder einzelne Kontakt sei wichtig, so
Kenny Tokwe, weil er helfen kann. Townships wurden während der Apartheid für
die schwarze und farbige Rassentrennung eingerichtet. Rund 33.000 Menschen aus
15 afrikanischen Ländern leben hier in 4.500 Familien ohne nennenswerte Infastruktur
in Selbstorganisation und unter unwürdigen sanitären und hygienischen
Lebensverhältnissen. Doch die Menschen strahlen Optimismus aus, sie wollen ihr
Schicksal wenden und gründen Mini-Existenzen als Friseure, Elektro-Reparateure
und Gemüsehändler. Sie fertigen Ketten und Armreifen aus Perlen und malen die
Häuser ihrer Siedlung auf Holzbrettchen. Die Kinder in der Vorschule, die ich
besichtigen kann, sitzen in Kreisen und lauschen ihrer Lehrerin. Ich habe ein
schlechtes Gewissen, als ich die Banane vom Frühstücksbüffet herschenke.
"Joshua's Tavern" hat strenge Öffnungszeiten. Einige Männer spielen
Billiard. Schwangere Frauen dürfen nicht hinein, heißt es auf dem Aushang. Die
Menschen strahlen große Warmherzigkeit aus und beginnen fast jedes Gespräch mit
einem Lachen.Ein freundlich-frecher Junge hält mir eine Eidechse entgegen, die
einen Draht als Halsband trägt. Er sagt: "Das ist mein Haustier", und
setzt mir das Reptil auf die Handfläche, damit ich es fotografieren kann. Der
christlichen Gemeinschaft kommt große Bedeutung zu. Sie hält die Älteren
zusammen, sie sorgt dafür, dass sie genügend zu essen haben.

Das Township Imizamo Yethu, auch Mandela Park genannt,
ist indes zu einem Musterprojekt geworden. Der Rockmusiker Bob Geldoff und der
Niall Mellon Township Trust, beide aus Irland, haben sein Entstehen mit viel
Spendengeld und Enthusiasmus erst ermöglicht. Kenny Tokwe durfte als
Repräsentant sogar nach Dublin reisen. Und - womit wir wieder am Anfang dieser
kleinen Geschichte sind: die Johan-Cruyff-Stiftung des niederländischen
Fussballers stiftete einen Fussballplatz für das Township.



Kapstadt
Westkap, Südafrika
Rainer Small


3. Tag

Kapstadt

06. Dez

Im Bus nach Kirstenbosch und Groot Constantia


Heute beginnt mein touristisches Programm. Dazu
braucht es nur einen Busbahnhof für das City Sightseeing Kapstadt. Der
liegt in angenehmer Entfernung von kaum fünf Gehminuten. Ich kaufe mir
ein Zweitages-Ticket für umgerechnet 20 Euro und Aloe Vera-Sonnenschutz,
Lichtschutz Faktor 50+. Mit dem Ticket kann ich überall auf allen
Linien aussteigen, wo ich möchte. Erster spontaner Halt ist
Kirstenbosch, einer der weltschönsten botanischen Gärten, der sich vor
dem Panorama des Tafelberges ausbreitet unterhalb eines endlos blauen
Himmels, bepflanzt allein mit südafrikanischer Flora. Die sinnliche
Fülle ist überwältigend. Ich lasse mich von Farben und Gerüchen treiben
und mache einen Canopy Walk, gehe also über einen künstlich angelegten
Weg in Höhe der Baumwipfel, zehn Meter über dem Boden, Auge in Auge zum
Beispiel mit der Krone eines Safran-Baumes. Alle Grünflächen dürfen
betreten, überall darf gepicknickt werden. Schulkinder erhalten
Unterricht in Naturkunde und wollen lieber toben. Ich möchte bleiben und
muss doch weiter. Zum Mittag gibt es einen Espresso to go.

Ich steige um auf die purpurfarbene Buslinie, die zu Kapstadts Weingütern
führt, "Groot Constantia", über 300 Jahre alt, und "Eagle's
Nest", wo ich nach sorgfältigem Probetrinken eine Flasche gekühlten
Sauvignon Blanc (6 Euro) erwerbe. Überall treffe ich auf freundliche und
hilfsbereite Menschen. Ich schnorre mich durch und bin von der Weinqualität
begeistert. Ein schöner Tag endet mit einer Hafenrundfahrt vor der Victoria
& Alfred Waterfront, benannt nach Queen Victoria und ihrem zweitältesten
Sohn Alfred, der 1860 den Grundstein zum Hafenbecken legte und nicht ihr Mann,
der Albert hieß. Nun aber genug der Schlaumeierei. Am morgigen Mittwoch werde
ich eine Tour durch die Township Imizamo Yethu unternehmen und möchte auf den Tafelberg
hinauf.


Kapstadt
Westkap, Südafrika
Rainer Small

2. Tag

Kapstadt

5. Dez.

Breakwater Lodge war früher ein Gefängnis

Die Breakwater Lodge, in der ich wohne, liegt auf dem Gelände der Graduate
Business School, die zum Campus der Universität Kapstadt gehört.
Baugeschichtlich ist es ein Gefängnis. Das gesamte Gebäude mit seinen vier
Wehrtürmen wird von der Universität und dem Hotelbetreiber gemeinsam genutzt.
So sind aus Gefängniszellen, Hotelzimmer und Seminarräume geworden. Der Weg
zum  Frühstücksrestaurant führt über Universitätsflure. Beim Hindurchgehen
werfe ich einen Blick auf die Vorlesungslisten, die Publikationstitel und die
internationalen Zertifikate dieser Business School und erhalte den Eindruck,
dass hier die wirtschaftliche Elite des Landes unterrichtet wird.


Rainer Small

1./2. Tag

04./05. Dez.

Von Moers nach Moers  -  und dazwischen liegt die ganze Welt

Frankfurt-London-Kapstadt - Vollversorgt durch die Nacht

Mit einer Mischung aus Mut, Selbstzweifel und Vorfreude stürze ich mich in
das Abenteuer einer Überwinterung auf der Südhalbkugel. Und in dem Bewußtsein,
dass ein riesiges Programm und 112 Nächte fern der Heimat auf mich warten.
Rückkehr ist Sonntag, der 26, März 2017, der Beginn der Sommerzeit. Absicht war
es nicht. Wachsam und entspannt, diszipliniert und konzentriert. Mit vielen Gefühlen und
Vorahnungen starte ich. Per Taxi ab Moers, per ICE ab Duisburg und per
Zubringerflug ab Frankfurt geht es zum British Airways-Flug nach London. Den
Flug nach Kapstadt sollte man als Passagier von einem Fensterplatz aus
geniessen, nur dann könne man erleben, wie ein ganzer Kontinent an einem
vorbeizieht, so hat einmal ein Flugkapitän geraten. Aber auf diesem Nachtflug
liegt der schwarze Kontinent hinter der Fensterklappe. Als ich das erste Mal in Kapstadt war, saß Nelson Mandela noch auf der
Gefängnisinsel Robben Island, der Staatspräsident war Frederik Willem de
Klerk,  Apartheid hieß das System, das Hautfarben und Rassentrennte.
Mandelas Biographie, "Long Walk to Freedom", lag lange auf meinem
Nachttisch. Mein Interesse war groß, doch ich habe sie nie zu Ende gelesen. Das
ist 20 Jahre her. Mindestens.


Notizen zum Reiseablauf:


20,3 Kilogramm Gepäck für drei Monate. Alles bisher planmäßig. Im Airport
Frankfurt durfte ich die Vorzüge der Japan Airline Lounge genießen. Dazu
gehören ein Riesling vom Kloster Eberbach, Fleischbällchen, Kartoffelsalat und
die japanische Tagespresse. Auf dem Weg zur Security sangen drei hellblonde
Engel Weihnachtslieder und zogen eine rollende Spendenbox für was auch immer
hinter sich her. Ich kaufte mir Reiselektüre und konnte am Gate vernehmen, dass
das Buchungssystem für meinen Flug ausgefallen war. Zeitverzug: eine Stunde,
die einlaufenden Passagiere wurden per Hand auf Listen abgehakt. Am Flughafen
London-Heathrow musste ich das Terminal wechseln, Busverbindung: zwölf Minuten.
Der Weg zum Gate: zehn Minuten bei stillgelegtem Laufband. Heathrow erscheint
mir veraltet und unkomfortabel. Ich bin wohl im falschen Teil des britischen
Weltflughafens gelandet. Das Einfädeln durch die Priority Line allerdings spart
deutlich Zeit. Für mich gibt es im Flugzeug eine separierte Sitz- und
Schlafkoje, ähnlich einem Mini-Strandkorb , große Beinfreiheit, herausklappbare
Fußhocker, eine Laptop-Schublade, alles verstellbar, drehbar, ausfahrbar. Sehr
funktional, aber eng. Zu eng für einen fast zwölfstündigen Flug. Eine
Online-Verbindung wird nicht angeboten, deutschsprachiges Bordkino eher
Mangelware. Ich warte auf den Schlaf, den Barwagen oder das Abendessen. Alles
ist recht.

05. Dez.

Ankunft Kapstadt pünktlich. 45 Min. Aufenthalt an der Passkontrolle,
Verzögerung bei Taxiabholung, 25 Min. Fahrt zum Hotel, Protea Breakwater Lodge,
Ankunft: 13:10 lokale Zeit. Warte in der Lobby auf die Zimmerbereitstellung und
mache dabei die Bekanntschaft zweier körperlich starker Damen aus Namibia, die
wissen möchten, wo ich herkomme. Eine rückt mir sehr nahe, um mir zu erklären,
wie in diesem Hotel das Internet funktioniert. Aber es klappt auch ohne fremde
Hilfe .

Den ersten Spaziergang mache ich zur Victoria & Alfred Waterfront.
Geblendet von der Sonne und dem lässigen Lifestyle, lasse ich mich treiben. Ganze
Ladenstrassen mit südafrikanischem Design, Ethno-Look auf hohem Niveau,
Eigenständigkeit rund herum. Genau an diesem Ort kann ich mir vorstellen, dass
Kapstadt als eine der spannendsten und schönsten Städte der Welt gilt; nur
sollte man dazu den Blick nicht allzu weit von dieser Sonnnenseite des
Kommerzes wegwenden. Blanke Armut lauert an jeder Ecke, doch hier nicht. Da ich
selbst kein Geld in Landeswährung in der Tasche habe, kann ich auch keines
ausgeben.  

Was es hier noch gibt: ein Museum für die Helden des Nationalsports Rugby, ein
Autogeschäft nur für die Marke Aston Martin, im Supermarkt "Pick n
Pay" Grillwürstchen aus Straussenfleisch, einen Jongleur, der eine
Schubkarre am Griff auf der Stirne tanzen läßt und dafür Beifall und Kleingeld
bekommt und vor allem eine schwarze Oberschicht, die richtig viel Geld ausgibt
und sich bedienen lässt. Das einseitige Bild, das ich am ersten Tag von
Kapstadt  bekommen habe, will ich so nicht stehen lassen. Dämmerstunde ist gegen 20:00 und das Wetter abends so mild wie an besten
deutschen Sommertagen. Jetzt erst begreife ich: Der Sommer hier hat sich
als  Dezember getarnt, und Weihnachten ist ein Sommerfest. Das
Weihnachtsfest mit Schnee zu verbinden, ist ein rein westliches Privileg auf
Romantik. Dennoch schafft es Schnee als dekoratives Element überall hin, auch
auf die wattierten Tannenbäume in den Shopping Malls der Südhalbkugel.


Moers
Deutschland