von Indien nach Vietnam

Backpacking vom Süden Indiens über Thailand, Laos, Kambodscha nach Vietnam.

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SaMen Small

Kalaw - Inlelake - Mandalay - Koh Samet und ... Ciaocito

Bagan verließen wir Richtung Kalaw. Drei Tage Trekking zum Inle-See waren geplant. Auf der 7-stündigen Busfahrt dorthin in einem Minibus hatten wir das Vergnügen die zweitblödste Touristin der gesamten Reise an Bord zu haben (den bislang ersten Rang erkläre ich weiter unten). Erste Minuspunkte sammelte Madam bereits beim Hotelfrühstück, denn dort fiel sie samt ihres befreundeten Pärchens in guter Geiz-ist-geil-Manier über das Buffet her und raffte sich einen beachtlichen Stapel Toastbrote für die Fahrt zusammen - Ja, sie war Deutsche. Wer etwas später zum Frühstück kam hatte dann eben mit einer abgespeckten Version vorlieb zu nehmen, aber Hauptsache man denkt nur an sich. Im Bus verging kaum eine Minute ohne Meckerei, zu langsam, zu eng, zu klapprig etc. - erwähnte ich schon, dass sie Deutsche war? Den Vogel schoss sie allerdings ab, als wie oft üblich, mitten auf der Strecke noch Birmesen zustiegen. Neben ihr, sie saßen zu dritt auf der letzten Bankreihe mit vier Sitzmöglichkeiten, war noch ein Platz frei, also wurde die zugestiegene Frau dort platziert. Madam war entsprechend genervt, aber zum Glück konnte die Frau ihr Gekeife nicht verstehen, allerdings sprach auch das Gesicht Bände. Die nächste Zeit verbrachte sie vornübergebeugt und vor sich hinfluchend u.a. “Boah ey, wenn ich mit den locals hätte fahren wollen, hätte ich für 5 Dollar gebucht.“ So ein Mist aber auch, da reist man ausm Ländle nach Myanmar und trifft auch noch auf Einheimische. So hatte sie sich das offenbar nicht vorgestellt und schon gar nicht dafür bezahlt. Wahrscheinlich hatte sie den menschenleeren Werbefotos des Reisekatalogs vertraut und nun war alles ganz anders, als das Reiseprospekt es versprach, menno. Denise hat sich irgendwann einen Kommentar in ihre Richtung nicht mehr verkneifen können, danach war Ruhe. Nach einer Pinkelpause fragte die zugestiegene Frau einen der Bushelfer, ob er sich hinten hinsetzen könne, ich nehme an, die Körpersprache der Dumpfkuh war ihr verständlich genug. 

Kalaw auf 1300 m gelegen begrüßte uns nach 36 Grad in Bagan mit kühlen 17 Grad. Ich weiß, das sind traumhafte Frühlingstemperaturen für euch, für uns war es empfindlich kühl. Erste Zweifel zum Trekking kamen auf. Der Blick auf den Wetterbericht vergrößerten sie - die kommenden Tage waren Regen samt Gewitter angesagt und angesichts des Preises von 75 Dollar pro Person war die Entscheidung dann eindeutig zuungunsten getroffen - no trekking, yes Geld lieber für etwas anderes ausgeben und nicht frieren. Am nächsten Tag fuhren wir mit einem zufällig kennengelernten Pärchen zu einer Höhle mit 8000 Buddhas (gähn), was eher dem Zeitvertreib als wirklichem Interesse entsprang. Immerhin war die über einstündige Fahrt dorthin ganz interessant, da wir über Land fuhren und Landschaft und Leute der umliegenden Dörfer beobachten konnten. Die Landschaft - unglaublich trocken, klar es ist ja auch Trockenzeit. Nur selten sind Bäume zu sehen. Ich habe keine Ahnung wie waldreich Myanmar einmal war, jedenfalls hatte ich es mir nach Orwells “Tage in Burma“ ganz anders vorgestellt (aber die Lektüre ist auch schon ein Weilchen her, vielleicht trügt mich auch meine Erinnerung). Täglich begegneten uns allerdings LKWs, die bis oben hin mit Baumstämmen beladen waren, irgendwo musste es also Wald geben (mittlerweile habe ich gehört im Norden und Südzipfel Myanmars, also dort wo wir nicht waren). Jegliche freie Fläche wird vorrangig zur Landwirtschaft genutzt, welche mit archaischer Methodik betrieben wird. Maschinen waren nur selten zu sehen, dafür umso mehr Menschen mit einfachsten Hacken oder Ochsengespannen und einem Pflug, die die ausgedörrten Erde bearbeiteten. 

Zum Inle-See wollten wir trotzdem und nutzten die einzige Möglichkeit, um von Kalaw ohne Trekking dorthin zu kommen - einen local bus. Der entließ uns in Shwenyaung und überließ uns dem üblichen wartenden Rudel Taxi-/Motorradtaxi- und totofahrer, denn wir mussten weiter nach Nyaungshwe. Nach ewigem Hin- und Herüberlegen, ob wir nicht auf das billigere toto warten (startet erst, wenn mehrere Personen zusteigen) überzeugte uns der gutes Englisch sprechende Taxifahrer Min Min, mit dem wir in den 20 Minuten Fahrt ein angeregtes Schwätzchen hielten. Der Inlesee gilt als eines der Highlights Myanmars. Wir machten eine halbtägige Bootsfahrt, sahen die mit einem Bein rudernden Fischer, besuchten einige interessante traditionelle Produktionen von Stoffen, Schmuck und Metallen, aber so richtig begeistern konnte er uns nicht. Allerdings spielte das Wetter auch nicht so ganz mit, denn das angekündigte Gewitter und der Regen begleiteten uns und Wolken verhingen die den See umgebenden Berge. Nach zwei Tagen brachte uns dann abends ein toto wieder nach Shwenyaung, wo wir auf den Bus nach Mandalay warteten. Hello Mendi, you remember me? Min Min stand plötzlich vor mir und freute sich riesig, dass er uns wiedertraf. Abends arbeitet er im Restaurant neben der Busstation und lud uns direkt dorthin ein. Er war richtig begeistert uns wiederzusehen und hörte nicht mehr auf glücklich zu lachen, dabei kannten wir uns nur von der 20-minütigen Taxifahrt. Ein weiteres Schwätzchen folgte, dazu eine Einladung beim nächsten Besuch Myanmars in seinem Haus wohnen zu können und seine kleine Familie kennen zu lernen. Bei den Meisten klingeln an der Stelle sicherlich ganz laut die Alarmglocken und ist Misstrauen angesagt, aber das Verhalten Min Mins ist nur ein Beispiel der unglaublichen Herzlichkeit und Liebenswürdigkeit der Birmesen, die ich in der Form in noch keinem anderen Land kennen gelernt habe.  Ein anderes Beispiel war der Hotelangestellte in Mandalay, mit dem wir ein einziges Mal Kontakt hatten, als wir ihm unsere ausgeliehenen Räder übergaben. Am letzten Tag folgte er uns bis zum Taxi, das uns zum Busbahnhof bringen sollte, um Tschüss zu sagen und uns dann hinterher zu winken, als ob er sich soeben von langjährigen Freunden verabschieden würde. 

Mandalay, Myanmars zweitgrößte Stadt. Sie erreichten wir morgens  4 Uhr. Zwar hatten wir im Vorhinein ein Hotelzimmer reserviert, aber um diese Uhrzeit war das natürlich nicht fertig. So machten wir es uns erst einmal auf der Lobbycouch gemütlich. Mich plagte das schlechte Gewissen, da wir drei Angestellte, die auf dem Boden (hinterm Rezeptionstresen) und auf zusammengestellten Stühlen schliefen, geweckt hatten und sie partout nicht dazu zu bewegen waren weiter zu schlafen. Diese Art zu schlafen der Hotelangestellten konnten wir übrigens seit Anbeginn der Reise beobachten, offenbar ist es “normal“, dass sie derart unbequem schlafen müssen. Da unser Zimmer nicht vor 9 Uhr beziehbar sein sollte, entschieden wir uns den Sonnenaufgang auf der längsten Teakholzbrücke - mit irgendeinem Highlight muss man die Touristen schließlich locken, und wenn's eine Holzbrücke ist- zu erleben. Also stiegen wir auf ein Mototaxi und ließen uns zu schlaftrunkener Zeit nach Amarapura bringen und beobachteten neben der aufgehenden Sonne noch das zu so früher Zeit beginnende rege Treiben der Birmesen. Mandalay erkundigten wir dann mit Fahrrädern. Bei 37 Grad war dies definitiv die wesentlich erträglichere, wenn auch nicht ganz ungefährliche Variante. Der Verkehr in Myanmar ist unglaublich. Im Gegensatz zu den restlichen Ländern findet man in hier viel weniger Motorräder, dafür umso mehr Autos. Da der Ausbau des Straßensystems, der ständig wachsenden Zahl von Autos, offensichtlich weit hinterherhinkt, sind die Straßen oft vollgestopft und permanenter Stau vorprogrammiert. In Yangon benötigten wir für die 16 km von unserem Hotel bis zur Busstation 1 h 45 Min. Und das ist reguläre Fahrzeit, da es immer Stau gibt. Das immense Verkehrsaufkommen geht natürlich einher mit Lärm und vielen, vielen Abgasen. Bei der Fahrt mit dem Rad hatten wir die Gelegenheit auch mal in etwas abgelegenere Viertel einzutauchen. Neben vielen schönen Ecken ist wie fast überall auf der Reise der immense Müll, vor allem Plastik, aufgefallen. Selbst wenn dieser ausnahmsweise mal in Tüten oder Behältern gesammelt wird, kann man an der nächsten Ecke sehen, wie z.B. die Tüte zu einer entweder noch leeren oder bereits zugemüllten Stelle gebracht und dort ausgeleert wird. Im besten Fall wird es anschließend meist aber früh oder abends angezündet und setzt der ohnehin schon schlechten Luft noch eins oben drauf. Diese ist immer wieder auch wegen der absolut katastrophalen Zustände der Kanalisation (falls es sie überhaupt gibt) unerträglich. Schwaden von Fäkalgeruch, schwarze, graue, grüne Bäche, so sie diesen Namen noch verdienen, ziehen ihre Bahnen durch die Städte. Die auf dem Inlesee lebenden Menschen, die in sogenannten schwimmenden Dörfern leben - die Häuser stehen auf Stelzen im Wasser - entleeren ihre Toiletten direkt in den See. Der steigende Tourismus verschlimmert diese Umweltprobleme natürlich nur noch ungemein, sei es durch die Inlandsflüge - die meisten fliegen von Ort zu Ort, durch die Bootstouren, z.B. auf dem Inle, die teils mit uralten Motoren betriebenen Boote ziehen schwarze Wolken hinter sich her, durch den erhöhten Wasserverbrauch und die erhöhten Abwässer. Zwar habe ich auch die ein oder andere Umweltinitiative gesehen, aber ein Großteil der Einheimischen, mit Sicherheit aus Unkenntnis, aber auch viele Touristen (herausstechen immer wieder die Chinesen) scheinen kein Bewusstsein dafür zu haben. Da ist auf jeden Fall noch eine ganze Menge Aufklärungsarbeit vonnöten, allerdings nicht nur in Myanmar, das gilt ausnahmslos für alle der bereisten Länder.

Nach einem Tag in Yangon mit dem Besuch eines 70 Meter langen liegenden Buddhas und dem Versuch einen Blick auf das Haus von Aung San Suu Kyi zu ergattern, hieß es Abschied nehmen von Myanmar. Es ging nach Bangkok und von dort direkt nach Koh Samet, einer kleinen Insel auf der wir die restlichen Tage badend, schlafend, badend und schlafend verbrachten und dies an einem kleinen, nur von einigen wenigen besuchten Strand.

Soweit von mir  ... man sieht sich in Berlin.

PS - Den ersten Platz der blöde-Touristen-Liste belegt ein wiederum busmitreisender Amerikaner. Die Situation war sogar ganz ähnlich der Zweitplatzierten, denn auch hier war der Auslöser der Erregung zugestiegene Einheimische. Auf der 10-stündigen Nachtbusfahrt von Dalang nach Hoi An, gab es für die Zugestiegenen keinen freien Liegeplatz, so dass sie auf dem Fußboden platziert wurden. Ohne Decke, auf dem blanken Boden. Der Bushelfer bat Mister superass, der im Mittelgang lag, seinen im linken Gang platzierten Rucksack bitte auf die andere Seite, den rechten Gang, zu legen, damit die beiden Vietnamesen sich ausgestreckt hinlegen können. Als Antwort bekam er zu hören: “Nein, das mache ich nicht. Ich habe schließlich den vollen Preis bezahlt.“ und “Das geht nicht, denn ich teile den Rucksack mit meiner Freundin.“ Das Ganze muss man sich im Tonfall eines bockigen Dreijährigen vorstellen. Was der volle Preis und seine Freundin mit der Anfrage zu tun hatten, wusste er bestimmt selber nicht. Ich drehte mich irgendwann um und sagte, dass es schließlich zum besseren Liegen für den Vietnamesen wäre, aber das interessierte ihn nicht. Sein Rucksack blieb tatsächlich im Gang stehen

Mandalay
Mandalay, Myanmar
SaMen Small

Myanmar. Yangon und Bagan

Denise - meine Schwester - ist da, sie hat im fliegenden Wechsel noch Santi am Flughafen mit verabschiedet und ist seit nunmehr zwei Wochen mit mir in Myanmar/Birma unterwegs. 

Erster Anlaufpunkt war Yangon, die ehemalige Hauptstadt. Dort schlenderten wir erstmal ohne konkretes Ziel umher und beobachteten das bunte Treiben in den Straßen. Ich fühlte mich ein bisschen an Indien erinnert, was nicht nur daran lag, dass wir unter anderem im indischen Viertel Yangons landeten, sondern sich vielmehr Gerüche und der Kleidungsstil der Menschen ähneln. Männer wie Frauen tragen Longyi (ausgesprochen: lonschi), einen Wickelrock, der bei den Geschlechtern nur in der Art zu knoten und Musterung/Farbe unterschiedlich ist. Zudem gibt es leckere Currys und andere dem indischen Essen verwandte Speisen, wenn auch das birmanische Essen um Einiges öliger ist und wesentlich schwerer im Magen liegt. Den zweiten Tag widmeten wir fast vollständig der Shwedagon Pagode, welche auf einer Anhöhe thront und so die goldenen Stupas schon von Weitem erblicken lässt. Hat man die über hundert Treppen nach oben erklommen (oder die Rolltreppe genommen) wird einem schlagartig klar, warum Myanmar auch “Das goldene Land“ genannt wird. Es ist kaum möglich seine Augen offen zu halten, derartig wird man von den hunderten kleineren und der großen goldenen Pagode geblendet, die mit der Sonne zu wetteifern scheinen. In der Anlage trafen wir irgendwann auf eine Gruppe Gläubige, die gerade “ihren“ Tempel mit Spenden eindeckten und ein kleines Picknick abhielten. Wir wurden zu einem Kaffee eingeladen und konnten eine der Gründungsmitglieder mit unseren Fragen bestürmen. Sie erklärte uns, dass es mehrere Gruppierungen gibt, die sich jeweils für einen der hundert Tempel der Anlage zuständig fühlt, ihn pflegt, sich dort zusammenfindet und der jeweiligen Buddhafigur huldigt. Sie erzählte auch von dem am kommenden Tag stattfindenden Jahrestag der Pagode, der ganz groß gefeierte würde und lud uns dazu ein, aber leider reisten wir am nächsten Tag bereits weiter. Am Ende erhielten wir von ihr noch ein kleines birmanisch-Einmaleins. Auf dem Rückweg zum Hotel gerieten wir zufällig in eine der Vorbereitungszeremonien zum Pagodenfesttag - ein Kochwettbewerb für die Reisspenden. Etwa 20 Gruppen a 5-6 Männer verteilten sich jeweils um eine Art großen Wok und rührten ganz angestrengt, aber konzentriert gemeinsam an einem Reisbrei - ich nehme an das jeweils ein Geheimrezept dahinter steckte. Sie wurden von einer Meute von Zuschauern wild jubelnd angefeuert. War der Reis fertig, wurde er einer erlesenen Gruppe von  etwa 30 JurorInnen vorgesetzt, welche sich jeweils aus einer/m Abgesandten der Tempelgruppen zusammensetzte, die darüber zu befinden hatten, welches der beste Reis war. Die gewinnende Kochgruppe erhielt einen Pokal und noch mehr Jubel des Publikums. Ob aber nur dieser Reis am nächsten Tag gespendet wurde oder z.B. für eine besondere Spende verwendet wurde, haben wir nicht erfahren.

In Yangon - überall fielen uns rote Flecken auf den Straßen und Gehwegen auf, die zuerst an Blut erinnerten. Aber sehr bald sahen und hörten wir, mehr Männer als Frauen, riesige rot eingefärbte Fladen ausspucken. Nun sprangen uns auch die dicken Wangen der Birmanen ins Auge und vor allem die stark dunkelrot eingefärbten Zähne und Mundränder, die bei jedem breiteren Lächeln oder Sprechen entblößt werden. An eine alle anheim gefallene Zahnkrankheit mochten wir nicht so recht glauben. Erst einer der vielen kleinen Straßenstände klärte uns auf. Immer wieder sahen wir dort Menschen, die nach der Geldübergabe ein kleines Päckchen überreicht bekamen und sich dieses anschließend in den Mund schoben. Also beobachteten wir ein Weilchen einen der Standbesitzer. Dessen Utensilien waren eine weiße Flüssigkeit (gelöschter Kalk), lindenblattförmige grüne Blätter (Betelblatt), größere Stücken einer Nuß (Betel), und mehrere Kräuter bzw. Samen (z.B. Amis, Muskat, Fenchel). Zuerst pinselte er das Blatt mit dem Kalk ein, legte dann die Nuß in die Mitte, bestreute anschließend das Ganze je nach Bestellung mit Gewürzen und rollte zuletzt alles zu einem kleinen Päckchen zusammen. Auch wir erhielten nach dem Zuschauen jede ein Päckchen geschenkt - “Extra sweet for you!“ - und schoben uns dieses nach kurzer Unterweisung zwischen äußere, untere Zahnreihe und Wange. Ob wir sie richtig positioniert hatten, waren wir uns nicht ganz sicher, denn auf Nachfrage ernteten wir sowohl Kopfschütteln als auch -nicken. Dann ein bisschen drauf rumgekaut bzw. den Kiefer hin- und herbewegt, die massive Speichelproduktion gefühlt (daher also das viele Spucken), den eher gewöhnungsbedürftigen Geschmack getestet (für mich war es ein Mix aus Seife und Fenchelsamen) und nach 100 Metern, außer Sichtweite des Standes, das Päckchen in den Müll befördert. Danach war mir ein Weilchen flau im Magen, vielleicht lag es aber auch daran, dass sich die Unterweisung lediglich auf die Einlage, weniger auf den weiteren Umgang mit dem Päckchen bezog. Anstatt das leckere Seifenfenchelgemisch fröhlich runterzuschlucken, hätten wir es lieber den anderen gleichtun und den Fußweg mit unseren Spuckfladen verschönern sollen. Irgendwie war ich aber unsicher, fühlte sich mein Mund samt Paket und Gemisch vielmehr wie nach einer Betäubungsspritze beim Zahnarzt an, was das Ausspucken, vor allem so riesiger Mengen, ja eher verkompliziert, zumindest wenn man nicht gerade die Arzthelferin zur Seite hat, die einem Wasser und ein Tuch zum Mundabwischen reicht. Zum Glück hielt das flaue Gefühl aber nur kurzfristig an und verschwand mit dem letzten Gemischgeschmack. Und warum machen die Menschen das? - es hilft wohl gegen Müdigkeit und regt die Verdauung an, wirkt aber auch leicht euphorisierend. 

Nächste Station Bagan - erstes Königreich Myanmars (11. Jh.), Ort tausender Tempel und der ältesten  erhaltenen Wandmalereien Südostasiens. Von den ursprünglich 5-6000 Tempeln sind wohl noch um die 2500 größere wie kleinere Tempel erhalten. Der Rest wurde in den 1970'ern durch ein Erdbeben zerstört. Für 2-3 Tage, die die meisten in Bagan verbringen, reicht dies aber auch völlig aus. Das Areal ist so weitläufig - ca. 40 qkm - dass man lediglich einen Teil erlaufen bzw. besser mit einem Leihmotorrad erfahren kann. Nach zwei Besichtigungstagen und gefühlt 1387 Tempeln stellt sich sowieso eine leichte Tempelmüdigkeit ein, so dass man getrost weiterziehen kann ohne auch noch die anderen 1113 zu besichtigen. Wir lernten bereits im Bus nach Bagan Misa aus Tokyo kennen und verbrachten mit ihr und am zweiten Tag zusätzlich Daejung aus Korea die Tage in Bagan - JapanerInnen sind definitiv sehr witzige Leute, wir hatten auf jeden Fall jede Menge Spaß miteinander. Es war heiß in Bagan, richtig heiß, so heiß, dass wir des Öfteren 'fried Fußsohlen' in den Tempelanlagen bekamen, in denen man grundsätzlich barfuß läuft. Wenn man Glück hatte, gab es zwischen den großflächigen Lehmziegelböden auch mit Fliesen versetzte Linien oder andere Muster, die um Einiges kühler sind und als kurzfristige Rettungsinseln fungieren, aber ansonsten bleibt nur aushalten, rennen oder hüpfen, was wiederum zu lustigen Situationen führt. Wie auch zu Angkor Wat lasse ich zu Bagan besser die Fotos für sich sprechen. Wie erwähnt konnten wir die Tempel noch mit gemieteten Elektrorollern erkunden. Mittlerweile hat es aber eine Gesetzesänderung gegeben, so dass es ab 1. März nicht mehr möglich sein wird sich ohne Guide auf dem Tempelareal zu bewegen, ebenso ist die Besteigung einiger Tempel (was vor allem für den Sonnenauf- bzw. -untergang und einen Überblick übers Gelände genutzt wurde) ab dem Datum verboten. Schade eigentlich.

Soweit mal wieder. Beste Grüße Mendi + Denise

PS - der Skorpion war übrigens handgroß und krabbelte auf der Terrasse des Bungalows.

  

Pagan
Mandalay, Myanmar
SaMen Small

Mui Ne - Hoi An- Hue - Hanoi - Cat Ba

Ich war etwas schreibfaul in letzter Zeit, so dass der Bericht zum Rest unserer Vietnamreise etwas komprimierter ausfällt. Santi ist mittlerweile schon wieder in Berlin angekommen und hat sich bereits sein erstes gutes Frühstück zu Gemüte führen können, der Glückliche. Ich habe meine Schwester in Empfang genommen und morgen geht's nach Myanmar.

Nach Saigon, gönnten wir uns einige Tage Sonne, Meer und relaxen in Mui Ne, einem mittelgroßen Fischerdorf nur 4 Busstunden von Saigon entfernt. Da wir aber nicht nur am Strand rumliegen wollten, zumal Wellengang und Wind enorm waren, liehen wir jeden Tag ein Motorrad und erkundeten die nähere Umgebung, samt weiterer Fischerdörfer, Weißer und Roter Düne und diverser Kitesurf-Strände (nur zum schauen, leider). Allabendlich labten wir uns in einem der unzähligen Strandlokale an frischem Fisch bzw. Meeresfrüchten. Etwa zehn nebeneinanderliegende, jeweils von einer Familie betriebene Lokale buhlten hier um jeden Gast. Direkt neben dem Fußweg hatten sie mehrere Aquarien mit (noch) lebenden Fischen, Krabben und Garnelen und Tische mit diversen Muschelvarianten aufgebaut, aus denen man sein Menü zusammenstellen konnte. Man wählte aus, alles wurde nach Wunsch zubereitet und anschließend genossen. Einige der Restaurants hatten zusätzlich Krokodil (bis auf die Kopfpartie war die Haut am ganzen Körper abgezogen und so wurde es auf Eis drappiert feil geboten) und Kobra im Angebot, wahrscheinlich, um aus dem Kampf gegen die Konkurrenz mit etwas Speziellem als Gewinner hervorzugehen. Ob tatsächlich jemand eine Bestellung davon aufgegeben hat, habe ich zumindest nicht mit eigenen Augen sehen können. Fast jedes Lokal hatte zudem lebende Schildkröten und Frösche/Kröten in Aquarien, die ebenso (in den meisten Fällen leidend) darauf warteten auf dem Teller zu enden. 

Nach 6 Ländern und 2 1/2 Monaten hatten wir hier unseren ersten Diebstahlversuch zu verzeichnen, was, wie ich finde, ein ganz guter Schnitt ist, zumal es eben beim Versuch geblieben ist. Wir hatten das Motorrad  samt darin verstautem Rucksack für max. 15 Minuten am Straßenrand, mitten in der Pampa, stehen gelassen. Beim Zurückkommen lag das Motorrad umgekippt auf dem Boden, was wir dem Wind zuschrieben, der schon den ganzen Tag zeigte, was er so drauf hat. Als Santi dann ein Stück Gummi der Sitzbank wieder richtig befestigen wollte und diese öffnete, fiel uns allerdings auf, dass der Rucksack fehlte. Nachdem wir durchgingen, was alles im Rucksack war und feststellten, dass es alles verschmerzbare Dinge waren, wollten wir schon fast aufbrechen, entschieden uns aber zu schauen, ob das  Diebverhalten nicht universal ist, sich also unbrauchbaren Diebesgutes schnell entledigt wird. Und tatsächlich, nur 10 Meter vom Motorrad entfernt fand ich in einer Senke zwischen einigen Bäumen den ausgepackten Rucksack ...  Fast alles war noch da. Offenbar hatte die ganze Aktion aber den Dieb durstig gemacht, denn das Einzige was fehlte war eine kleine Flasche Wasser. Sie sei gegönnt.

Nächste Anlaufstelle war Hoi An. Übersetzt bedeutet der Name wohl 'ruhige Gemeinschaft', was trotz der zahlreichen Motorräder und 75.000 Einwohner durchaus noch zutreffend ist. Hoi An, einst der größte Hafen in Südostasien, wird heute vor allem deshalb besucht, da es die einzige im Vietnamkrieg nicht zerstörte Altstadt besitzt, weshalb auch 800 Gebäude und Objekte in Hoi An zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurden. Japanische und chinesische Einflüsse auf die Architektur der Stadt sind an allen Ecken und in jeder der kleinen Altstadtgassen zu finden. Wir erklärten Hoi An auf jeden Fall zu einem unserer Favoriten der Reise. Wen allerdings der historische Hintergrund der Stadt nicht interessiert, kommt wegen der Scharen von Schneidereien hierher. Denn wenn es nicht jahrhundertealte Gebäude sind, die sich eins ans andere reihen, sind es unzählige Schneidereien, verteilt in und um die Altstadt. Es bot sich nach der Besichtigungstour also auch für uns an hier eine Bestellung aufzugeben, unter anderem, um für eine noch im Sommer anstehende Hochzeit gewappnet zu sein. Ein Anzug für Santi und eine Hose, ein Kleid und eine Jacke für mich, wurden uns in kürzester Zeit und passgenau zurechtgeschneidert. Zudem bestellten wir noch maßgefertigte Schuhe. Quintessenz nach diesem Erlebnis - es gibt nichts was man nicht kopieren kann. Die von mir ausgewählte Jacke präsentierte ich Glory, die den Schneiderladen betrieb und diesen Namen nur der Einfachheit halber für falang-Kunden angenommen hatte, als Foto auf dem Tablet. Das fotografierte sie dann mit ihrem Handy ab und schickte es postwendend an die Schneiderei weiter. Wer auch immer diese SMS erhalten hatte ist ein Meister/eine Meisterin, denn das abfotografierte Bild schien zumindest mir recht unscharf und zudem mit Spiegelungen von meinem Tablet. Das Ergebnis war allerdings haargleich dem von mir präsentierten Foto.

Unser nächstes Ziel Hue, die alte Kaiserstadt, begrüßte uns mit freundlichen 16 Grad und Nieselregen (nur einige Tage zuvor hatten wir in Mui Ne noch 33 Grad). Das Wetter war uns dann aber zumindest tagsüber hold, so dass wir alles Sehenswerte mit dem Motorrad erkunden konnten. 

Weiter ging es erstmal nach Hanoi, 13 Grad. Irgendwie muss ich bei meiner Planung der Reise beim Betrachten der Klimatabellen etwas übersehen oder verwechselt haben, jedenfalls war der für den Abschluss unserer Reise geplante einwöchige Inselaufenthalt im Osten Hanois bei diesen Temperaturen mehr als unangenehm. Da wir nur mit dünneren Fleecejacken unterwegs waren, deckten wir uns in Hanoi erstmal mit dicken Jacken ein. Damit vermeintlich bestens gewappnet ging es dann trotzdem von Hanoi aus auf die Insel Cat Ba. Zum eigentlich geplanten Klettern kam es dann aus Kosten- und Kältegründen leider nicht mehr, aber immerhin fuhren wir die Insel einmal von oben bis unten ab, machten eine Minitrekkingtour im Nationalpark und entdeckten Federfußball für uns. Zurück in Hanoi verfolgten wir dann die letzten Vorbereitungen zum vietnamesischen Neujahrsfest TET. Hektisch wurden noch neue Kleidungsstücke gekauft, meist für die Kinder - das soll von vergangenem Unglück und Sorgen befreien, man ließ Wünsche für das neue Jahr aufschreiben - an einigen Ecken und vor und in Tempeln boten SchreiberInnen dafür ihre Dienste an,  und blühende Pfirsichbäumchen oder Orangenbäumchen wurden teils auf abenteuerliche Weise, nach Hause transportiert - deren Blüten/Früchte wohl Glück und Wohlstand im neuen Jahr symbolisieren. Am Tag vor Neujahr war ab spätem Nachmittag alle Welt auf den Straßen unterwegs - diesmal sogar mehrheitlich spazierend statt fahrend - und pünktlich um 24 Uhr wurde ein mehrminütiges Feuerwerk über dem Ho Hoan Kiem-See gestartet, was von gefühlt halb Hanoi verfolgt und mit lauten Ahhhs und Ohhhs bestaunt und beklatscht wurde.

Wir erlebten mal wieder, dass die Welt ein Dorf ist, denn an jenem Abend trafen wir einen Kletterbekannten samt Freundin aus dem Kegel in Berlin. Die nächsten Tage verbrachten wir mit den beiden und liefen uns die Füße im fast ausgestorbenen Hanoi wund. Das TET-Fest wird zum Besuch der Familie und dem Zusammensein mit selbiger genutzt. Man reist zu seinen Verwandten und für mindestens 3-4, längstens 14 Tage bleiben die meisten Läden geschlossen,  öffentliche Einrichtungen für eine Woche. So war weitaus weniger Verkehr in diesen Tagen und die gesamte Stadt um Einiges ruhiger.

Seid lieb gegrüßt von Mendi + Santi (in Abwesenheit)



  • Small
    Claus hat am kommentiert:

    Superstarke Bilder! Auch die Rot-Grau-Varianten besonders stark.
    gute Weiterreise !
    Claus

SaMen Small

Can Tho - Schwimmende Märkte

Von Saigon machten wir einen Abstecher in den Süden, nach Can Tho ins Mekongdelta. Besuchen wollten wir dort die schwimmenden Märkte. Der Busfahrt voraus ging eine Fahrt einmal quer durch Saigon auf dem Xe Om, denn wir wollten mal wieder auf eigene Faust eine komplette Reise organisieren. Was in Vietnam gar nicht so einfach ist, da wir lediglich auf ein Minimalvokabulariat im Vietnamesischen (Höflichkeitsfloskeln und drei Zahlen) zurückgreifen konnten und die meisten Menschen, welche nicht hauptsächlich mit Tourismus zu tun haben, nur sehr geringe oder gar keine Englischkenntnisse haben. So standen wir letztlich ganz stolz am richtigen Bussteig, welchen wir nach dem Ticketkauf per Hand- und Fußverständigung erfragt hatten. Letztlich endeten wir aber wieder in einem der Liegebusse, welche von der lokalen Bevölkerung eher weniger genutzt werden. Keine Ahnung ob den Touristen die regulären Busse nicht zugetraut werden. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Liegebusse mit einigen Annehmlichkeiten aufwarten. Als erstes sei hier kostenloses WiFi genannt. Richtig gelesen, WiFi im Bus (wie im Übrigen auch in allen Geschäften, Restaurants etc) und die hochgelobte Deutsche Bahn bekommt noch nicht einmal eine durchgehenden Telefonempfang hin. Betritt man den Bus muss man sich zuallererst seiner Schuhe entledigen und diese in einer Plastiktüte verstauen, der Sauberkeit des Busses halber. Dann sucht man sich in einer der jeweils doppelstöckigen Fensterreihen oder der Mittelreihe seinen Liegeplatz. Diese sind recht schmal und perfekt auf meine Größe (1.60 m) zugeschnitten - keine Ahnung wie das größere Touristen machen (Lars???). Für jeden Passagier gibt es noch eine Decke und eine Flasche Wasser. Dauert die Fahrt etwas länger - in dem Fall waren es 3 Stunden - wird ein Zwischenstop eingelegt, meist an einem größeren Busbahnhof mit Toiletten und Restaurants oder Essensständen. Für den Ausstieg dort werden Ersatzschlappen bereitgestellt. Aus einem riesigen Korb fischt man sich ein Paar Plastiksandalen und schlappt zum Klo oder Sandwich. 

Die schwimmenden Märkte befinden sich wie erwähnt in Can Tho, eine der größeren Städte im Mekongdelta, dort wo der Mekong nachdem er mehr als 4000 Kilometer zurückgelegt und 6 Länder durchquert hat ins Südchinesische Meer mündet. Die Flussanrainer leben von und mit dem Fluss. Er gibt ihnen Nahrung, ist Badewanne und Waschbecken zugleich - gebadet wird der ganze Körper, gewaschen werden z.B. Lebensmittel -  sein Wasser wird zum Kochen genutzt, ist Transportweg und vieles mehr. So ist es nicht verwunderlich, wenn man mit dem Boot fahrend, verteilt auf die kurze Distanz von einigen hundert Metern Folgendes sichten kann - der Angler, dem Petri  in Form eines größeren Fisches hold war, die Gruppe von Männern, möglicherweise die vom Grill am Abend, die gerade die Därme eines größeren Tieres mit Flusswasser reinigt, die ältere Frau, die einen Bund Kräuter im Mekong wäscht und zu guter Letzt, der Fahrradfahrer, der kurz anhält, um sich in selbigem zu erleichtern. Nicht verwunderlich sind dann aber auch die ein oder anderen Magen- und Darmprobleme, die einigen weniger abgehärteten Magen beschert werden. Aber zurück zum Nutzen, dazu gehören wie schon erwähnt auch die schwimmenden Märkte. Gemüse und Obst, welches von Anbaugebieten teils hunderte Kilometer entfernt hierher geschifft wurde, wird am frühen Morgen (noch ehe ein Hahn kräht) an die (Markt)Frau gebracht. Mitten in einigen Kanälen liegen dann größere, hölzerne Transportschiffe vor Anker, die gleichzeitig auch als Wohnraum dienen. Randvoll beladen sind sie mit besagtem Gemüse oder Obst, überwiegend gesehen haben wir Ananas, Kürbis, Drachenfrucht und Rettich. Damit die an die Transportschiffe mit kleinen Holzbooten andockenden Marktfrauen wissen, welches der Verkaufsgegenstand eines jeden ist, sind an der Spitze der Transportboote lange Stäbe angebracht, an denen das zu verkaufende Gemüse oder Obst ausgehängt ist. Ist man sich über den Preis einig geworden, wird das Gekaufte umgeladen und noch ein kurzes Schwätzchen gehalten. 

Allzu verträumt und romantisch wie es einem die Touranbieter oder die Postkartenmotive vermitteln wollen, sind die schwimmenden Märkte allerdings nicht (mehr). Vielmehr reduzieren sich die Märkte immer weiter, da sich der Transport mittlerweile schneller per Lkw bewerkstelligen lässt und es sich auf festen Märkten einfacher ver- und einkaufen lässt. 

Noch zum Busfahren -  Reisen in Asien ist bequem, aber man wird das Gefühl nicht los, dass mit der Buchung eines Tickets zur Weiterreise automatisch sein Gehirn und seinen Willen abgegeben hat. Nichts unterliegt mehr der eigenen Entscheidung. Man wird vom Hotel abgeholt. Musste man bereits hier das Ticket vorzeigen, folgt man ab diesem Moment einfach nur den Anweisungen des Fahrers. Hinsetzen, Aussteigen, Warten, Einsteigen, Hinsetzen, Austeigen, Warten ... Auch wenn man nicht nach dem Ticket gefragt wurde, folgt man wie ein Schaf der Herde/Schäfer, nur bleibt unentwegt der Zweifel ob man auch im richtigen Zubringer bzw. Bus sitzt. Doch keiner fragt, irgendwie wird's schon stimmen. Erst an der Endstation verwandelt man sich von dem zu transportierenden Paket zurück zum selbstbestimmten Wesen. Grundsätzlich muss es immer wahnsinnig schnell vonstatten gehen, wechselt  man den Bus, wird man angetrieben als ob der Bus schon längst hätte abfahren müssen und jeden Moment ohne einen losfährt. Auf Toilette gehen, etwas zu essen kaufen - definitiv nicht möglich. Der eine Busfahrer treibt einen aus seinem Bus - “Go, go, go!!“ Der Motor des nächsten Busses läuft bereits. Nun treibt einen die Assistentin des nächsten Busses an - “Go, go, go!!“ . Also hetzt man, hofft, dass die nächsten 4 Stunden Fahrt ohne Toilette (zum Glück bin ich durch die Schule geübt) aushaltbar sind und der Magen bis zur Endhaltestelle still hält und setzt sich schnell hin, denn jeden Moment geht's los. Dann wartet man, wartet auf wen oder was auch immer. Das Einzige allerdings, was sich die nächste halbe bis Stunde bewegen wird, ist der weiterhin laufende Motor und die Fliege, die im Bus umherschwirrt. Nach 10 Minuten des Wartens fragt man nach, ob vielleicht doch noch die Chance besteht auf Toilette gehen zu können - “ I dont know. Ok!“. Interpretieren wir es mal als 'Ja', und rennen schnell zu den Toiletten, denn schließlich kann der Bus jeden Moment losfahren. Die Toilette wird aber streng bewacht (und nur das, wie man dann später auf der Toilette feststellt) von einem alten Drachen, der fürs Bewachen Geld will, welches man aber nicht dabei hat (Verdammt!!!). Keine Chance mit dem Drachen zu handeln - 'Hey mein Bus fährt jede Sekunde los', 'Geld ist im Bus' ... 2000 Dong will sie oder ich kann wieder gehen. Ihr streng zusammengekniffenes Gesicht und ihr energisch zum Ausgang weisender Finger zeigen mir, dass sie es ernst meint und weiteres Argumentieren zwecklos ist. Also zurück zum Bus gerannt, denn bestimmt wartet der schon auf einen. Sch... welcher war das nochmal? Ich glaube der rote. Richtig. Geld geholt und zurück zum Drachen gerannt. 5000 Dong gegeben, 2000 Dong Wechselgeld bekommen. Es sind nur Cent, aber es geht ums Prinzip, zumal nach der Unnachgiebigkeit beim ersten Mal. Also kurze Diskussion, dann habe ich das richtige Wechselgeld. Nun aber schnell. Fertig, und wieder zum Bus gerannt. Der ist nicht mehr da. Es war doch ein roter, oder? Der einzige rote von den umstehenden 15 ist aber nicht unserer. Die anderen sind weiss. Hmm? - vielleicht doch in der Farbe geirrt, ist schließlich schon der dritte Bus heute. Zum Glück erspäht man dann beim hastigen Umhersuchen Santi, der wild gestikulierend an der Busscheibe des roten (!) Buses klebt. Der Bus ist gerade dabei die Parklücke zu wechseln, 5 Meter weiter rechts steht es sich offenbar besser. Immerhin kann man nun die Zweifel an Erinnerungsvermögen und Verstand wieder (etwas) beiseite schieben. Das fröhliche Warten dauert dann noch 20 endlos scheinende Minuten. Und am Ende fragt man sich, warum die ganze Zeit so gestresst wird und man sich diesem immer wieder beugt, obwohl es doch jedes Mal das Gleiche ist - vielleicht, weil man eben einen Teil seines Kopfes abgegeben hat.

Wie immer liebe Grüße. Santi + Mendi


Can Tho
Can Tho, Vietnam
  • Small
    andy kurth hat am kommentiert:

    Haha - ich mag die lachende Frau auf dem Boot. Cooler Trip.

SaMen Small

Saigon oder Ho Chi Minh Stadt

Saigon - wie beschreibt man diese pulsierende Stadt und ihre vielen Facetten ohne ihr ungerecht zu werden. Als Erstes wird man nämlich von ihrer Wucht erschlagen. Eine unglaubliche Masse an Verkehr und entsprechender Lärm, Menschenmassen die im wilden Durcheinander umher wimmeln, jeden zweiten Meter tritt jemand an einen heran und will etwas an den Mann bzw. die Frau bringen, Sonnenbrille, Feuerzeug, Haschisch, Massage, (Moto-)Taxi, Mango, Postkarten, Getränke, ... permanente Anfragen, die man auch am 5. Tag noch versucht auf nette Art abzulehnen. Ansonsten kann Saigon vom Aussehen mit jeder westlichen Stadt mithalten, neben vielen modernen Bauten und Hochhäusern, sieht man mehrheitlich die typischen teils sehr schmalen (2 - 2,50 m), dafür aber sehr langen (bis zu 50 m) und zwei- bis dreistöckigen Häuser, die fast wie übereinandergesetzte Schiffscontainer aussehen. In den Straßen verteilt findet man die vielen typischen Straßenstände, die Obst, Sandwiches, Kleidung etc. anbieten, aber auch Starbucks, Nike u. Co. haben sich ihren Platz in einer der teureren Straßen erobert. 

Mittendrin im “Chaos“ die kleinen Oasen, die Saigon so liebenswert machen. Zum Beispiel die Tanzhäuschen mitten auf dem Boulevard, der zwei dreispurige Straßen voneinander trennt. Morgens wie abends treffen sich dort Menschen unterschiedlichen Alters, lassen das Tanzbein, mit und ohne Anleitung von Tanzlehrern, zu mal vietnamesischen oder aber auch lateinamerikanischen Rhythmen schwingen und scheinen gänzlich unbeeindruckt von den, in nur einigem Abstand, links wie rechts vorbeirauschenden Verkehrsmassen. Im Viertel nebenan schlängeln sich unzählige, winzige Gassen zwischen den Häuserblocks. Hier findet das eigentliche Leben der Saigoner statt. Sie sind gerade breit genug für zwei, maximal zweieinhalb Personen. Allerdings hat jeder Haus- bzw. Wohnungsausgang seinen eigenen Verkaufsstand noch im Ausgang bzw. in der Gasse selbst postiert. Zum Verkauf angeboten werden zubereitete oder noch zuzubereitende Lebensmittel (gekochte/rohe Muscheln, Fisch, gebratenes/rohes Fleisch, Kräuter, Eier, ..), alltägliche Gebrauchsgegenstände oder Dienstleistungen wie Massage, Friseur, Wäscherei. Es bleibt also Platz für zwei Personen, eng aneinandergeschmiegt und mit angehaltener Luft. Saigon wäre aber nicht Motorradcity, wenn sich nicht noch das ein oder andere Motorrad durch diese Gassen zwängen würde. Also kommt eines von vorn und eines von hinten, natürlich nicht im Schrittempo, wo kämen wir hin. Und siehe da, die zwei Personen springen, immer noch mit angehaltenem Atem, nach links und oder rechts, gerade dorthin, wo noch ein freies Fleckchen zu erhaschen ist und es passt was nicht zu passen scheint. Ausatmen ... und ein Bier bestellt in der Bar an der Straßenkreuzung, mit dem besten Blick aufs allgemeine Gewimmel. Doch schon sitzt man zu dritt, denn die soeben abgelehnte Beinmassage ist bereits in vollem Gange und so schnell kann man gar nicht reagieren, da sind auch schon die Schröpfgläser gezückt und aufgepfropft. Zum Glück ist der geschäftstüchtige, mobile Masseur zudem sehr unterhaltsam, so dass man seine Kessheit leicht verzeiht und ihn am Ende noch zu einem Drink einlädt, zusätzlich zur Bezahlung seines Dienstes versteht sich. Noch 6 Tage hat sich Santi an den Masseur erinnern können, erst dann nämlich waren die 10 dunkellilablaurotgrünen Markierungen der Schröpfaktion von seinen Oberschenkeln verblasst. Immerhin sahen wir nicht wenige Vietnamesen, die die gleichen Markierungen auf Rücken, Oberarm o.ä. aufzeigten, es scheint also eine gängige Methode der Schmerzbehandlung zu sein (in Santiagos Fall allerdings ohne vorherige Schmerzen). Die ABC-Bäckerei, war unser morgendlicher Lichtblick und versüßte uns den täglichen Einstieg ins Saigoner Getümmel. Das erste Mal seit über 2 Monaten ein Frühstück, welches ohne Ei in seinen diversen Zubereitungsarten auskam - gekocht, gespiegelt, gerührt, frittiert, hart, weich, als Omlett, mit rosa Schale und schwarzem Inneren (wirklich wahr), mit halb ausgebrütetem Küken (auch wahr), zum frittierten Reis und wahrscheinlich auch im Wasser, auf jeden Fall war/ist es definitiv zu viel. ABC wartete u.a. mit überbackenem Käse-Schinken-Toast, Pizzastücken und diversen Kuchen und Teilchen auf, so dass der Tag sich gleich doppelt beschwingt anließ. 

Mein absolutes Highlight allerdings waren und sind die Xe om's - Motorradtaxis und die schnellste Variante sich auf größerer Distanz durch die Stadt zu bewegen. Nicht etwa, weil man sich sonst nicht neben den Millionen von Fahrrädern behaupten könnte, die sind nämlich lediglich ein Relikt alter Zeit, welches maximal noch auf sonnenvergilbten Postkarten oder in alten Filmen zu sehen ist. Im Saigoner Straßenchaos sind sie ersetzt durch ihre motorisierten Brüder, die die lauffaule und gehetzte Masse überall hin transportiert. In den wenigen Tagen in Saigon habe ich maximal zwei Handvoll Radfahrende gesehen - ich nehme an sie sind allesamt  verrückt bzw. suizidgefährdet, da sie im Chaos der Motorräder eindeutig das Nachsehen haben. Die Fahrer der Xe om's warten auf ihre Kundschhaft an jeder Straßenecke. Einmal aufgestiegen ist die Fahrt mit ihnen nicht nur schnell, sondern auch das reine Abenteuer. Eine halbstündige Fahrt auf einem Xe om bietet höchstwahrscheinlich den gleichen Nervenkitzel, den die unzähligen Outdoor-, Fun-, Action-, Adventuretouren anbieten. Und das alles zu einem unschlagbar günstigeren Preis, zumindest im Vergleich zu den benannten Touren, ansonsten hat uns z.B. eine 10 km lange Tour vom Stadtzentrum zum Busbahnhof genausoviel gekostet wie die 140 km von Saigon nach Can Tho im Sleeping Bus. Es folgt der Versuch einer Beschreibung dieses außergewöhnlichen Fahrvergnügens. Man sitzt also hinter einem Fahrer zumeist älteren Semesters, was mir mehr Vertrauen schaffte, sollten die sich doch schon längere Zeit mit der Materie auseinandergesetzt und evtl. noch mehr Ruhe haben. Mit der Ruhe, zumindest meiner, war es aber ab der nächsten größeren Straße vorbei, nun jagte ein Adrenalinkick den nächsten. Die größere Straße ist etwa sechsspurig (3 pro Richtung), wobei Spuren und auch sonstige Verkehrszeichen/-regeln, wie z.B. Ampeln eigentlich absolut irrelevant sind und nur in wenigen Fällen nicht völlig ignoriert werden. Auf dieser größeren Straße jedenfalls, befinden sich tausend Motorräder, jeweils in beide Richtung, versteht sich. Da Spuren wie gesagt nicht zählen, fahren alle irgendwie. Gas geben, und zusehen, dass man den nächsten und nächsten überholt und vorwärtskommt ohne anzuecken. Auch in den Gegenverkehr fahren ist kein Problem. Mein Fahrer fuhr mit 40/50 kmh mitten in die Traube entgegenkommender Motorräder (einige hundert, allesamt mit ähnlicher Geschwindigkeit) in der Absicht diese einmal zu queren, um dann in eine andere Straße abzubiegen. Da rutschte das ohnehin aufgeregt vor sich hin klopfende Herz schon mal an der Hose vorbei direkt zum kleinen Zeh und verweilte dort etwas, um Kraft für den nächsten Rutsch zu sammeln. Ich glaube ich habe in dem Moment meine Bedenken auch laut von mir gegeben, zumindest schaute der Fahrer kurz belustigt nach hinten. An der nächsten Kreuzung sammeln sich an die 500-600 (ohne Übertreibung) Motorräder, die die Sekunden runterzählende Ampel abwarten, um bei 5 die Motoren langsam aufheulen zu lassen und bereits bei 3 loszustürmen, dahingestellt, ob sich noch der Rest des kreuzenden Verkehrs im Weg befindet. Dort wo man den Restverkehr dann schneidet wird gedrängelt, sich milimeterweise nach vorn geschoben und manövriert was das Zeug hält bis man dem Motorradgeflecht entkommen ist und wieder als “einheitlicher“ Strom bis zur nächsten Ampel oder Kreuzung weiterfließt. Getoppt wird eine solche Situation nur noch von den riesigen Kreisverkehren. Fünf oder sechs dieser größeren Straßen treffen aufeinander mitsamt den fortbewegungswilligen Massen - keine Ahnung wie, aber es funktioniert, dass sich der Pulk von Motorrädern peu a peu auflöst und am Ende alle in der jeweils gewünschten Richtung weiterfahren. Eigentlich müssten die FahrerInnen mit dem Hals einer Eule ausgestattet sein, denn man muss permanent um sich schauen. Andererseits scheint es so, dass z.B. die Motorräder (oder Autos), die in eine Straße einfahren, sei es aus einer Seitenstraße oder aus einem Hauseingang kommend, nicht auf den dort fließenden Verkehr achten (müssen). Es wird ohne zu schauen und ohne Geschwindigkeitsdrosselung eingefahren, zum Aufpassen verpflichtet sind diejenigen die von hinten kommen und dann im Zweifelsfall abbremsen oder ausweichen müssen. Mit entsprechenden Auswirkungen auf die dahinter Fahrenden. Als FußgängerIn gilt übrigens Ähnliches. Will man eine der immer gefüllten Straßen überqueren, die kaum Platz für die Motorräder bieten, dann heißt es Augen zu und schnell durch. Ganz schließen sollte man sie zwar nicht, das wäre zu riskant, aber es gilt Gleiches wie beim Einfahren auf eine Straße, aufpassen und ausweichen muss die Person, die (mit dem Motorrad) von hinten (von der Seite) kommt. Das kostet zu Beginn ziemliche Überwindung, aber tatsächlich gelangt man zur gegenüberliegenden Straßenseite ohne ein Mal in ernsthafte Bedrängnis zu geraten. Meine Hochachtung gilt nicht nur den Fahrkünsten der Saigoner, sondern vor allem deren Gelassenheit. In all dem Chaos ist nicht die leiseste Spur von Aggression zu vernehmen - kein Fluchen, Schimpfen oder Ärgern, nicht einmal eine kraus gezogene Stirn. Die einzige Kommunikation untereinander übernimmt das Hupen und dies auch nur als gutgemeinter, allerdings aufgrund der Vielzahl und Lautstärke nerviger Hinweis. Einzige Frage die mir bleibt ist wie die Versorgung mit Krankenwagen oder Feuerwehr vonstatten geht, vom Funktionieren des öffentlichen Verkehrs ganz zu schweigen. Die zwei Krankenwagen, die ich sah, steckten zwischen den Motorrädern fest und niemanden interessierte die eingeschaltete Sirene. Keine Chance (rechtzeitig) zum Krankenhaus oder aber zum Verletzten zu kommen. Um aber wieder auf die Mototaxifahrt zurückzukommen - am Ende steigt man mit einem lachenden und einem weinenden Auge ab. Lachend, weil man froh ist heil angekommen zu sein und die Fahrt auf ihre Weise auch lustig war und weinend, weil ich für meinen Teil noch Stunden hätte weiterfahren können. 

Einen Tag besuchten wir noch die Cu chi Tunnel, ehemalige Tunnelsysteme der Vietcong, einige Kilometer außerhalb der Stadt. Grundsätzlich eine interessante Tour, allerdings wird den BesucherInnen am Ende die Möglichkeit geboten sich an einem Schießstand zu beweisen. Man hatte sogar diverse Modelle zur Auswahl - Kalaschnikow, halb- oder vollatomatische Gewehre, Pistolen. Der Sinn des Ganzen hat sich mir nicht ansatzweise erschlossen, noch weniger angesichts der Historie des Ortes. Überflüssig zu erwähnen, dass sich nicht wenige Knallköpfe gefunden haben das Angebot anzunehmen. Einen anderen Nachmittag verbrachten wir im Kriegsopfermuseum, welches in ziemlich drastischen Fotos die Gräuel des Vietnamkrieges und dessen Auswirkungen bis in die heutige Zeit ausstellt. Die Gefühlslage danach lag irgendwo zwischen entsetzt, hilflos, traurig und wütend. 

Soweit erstmal wieder ... die Tage dann noch mehr Vietnam.

Liebe Grüße von Santi und Mendi

Ho Chi Minh City
Ho Chi Minh, Vietnam
SaMen Small

Angkor Wat - Battambang - Phnom Penh

Kambodscha (leider) im Schnelldurchlauf. Die in Laos angehäufte Zeit fehlte uns nun, um Kambodscha mehr Aufmerksamkeit widmen zu können. Nach Thakhek fuhren wir in den äußersten Süden Laos' zu den '4000 Inseln', die sich hier im weitgefächerten Mekong verteilen. Allerdings war unsere Begeisterung der Landschaft recht schnell gesättigt, so schnell, dass wir entschieden bereits am nächsten Morgen wieder abzureisen. Genau konnten wir den Ursprung dieser schnellen Entscheidung gar nicht erklären, vielleicht lag es daran, dass man auf den Inseln hauptsächlich relaxen und Nichts tun kann, wir für den Moment aber Anderes suchten. Also wurde am nächsten Morgen ein Bus nach Siem Reap (Kambodscha, kleine Stadt direkt neben den Angkorruinen) bestiegen. Der Empfang an der kambodschanischen Grenze fiel etwas unsanft aus. Als erstes wurde man zum Gesundheitscheck zitiert, man bekam einen Zettel in die Hand gedrückt und sollte diverse Fragen zu Vorerkrankungen, Aufenthalten in Risikoländern und zum aktuellen gesundheitlichen Befinden angeben. Zur Prüfung des Wahrheitsgehalts des letzteren wurde aus einem halben Meter Entfernung eine Art Fieberthermometer auf die Brust gerichtet. Dank der Hitze schlug die Temperatur bei einigen natürlich mit Fieber zu Buche, was eine Nichteinreise und sofortiges Zurücksschicken nach Laos zur Folge gehabt hätte, wenn, ja wenn man nicht einige Dollarscheine flüssig macht, um auch “schwerkrank“ einreisen zu können oder wie wir, dieses Theater einfach ignoriert und direkt zur Visastelle weiterläuft - wir waren von einem der Kletterer vorgewarnt, der hatte sich seiner 40 Grad Fieber letztlich durch das Auflegen einer kalten Wasserflasche auf die Brust entledigt. Aber Kambodscha würde seinem Ruf als durchunddurch korruptes Land natürlich nicht alle Ehre machen, wenn das der letzte Versuch gewesen wäre einem einige Extradollar zu entlocken. Am Ende ließ jeder von uns 5 Dollar an nicht erklärten Zusatzkosten. Forderte man eine Erklärung ein, wurde man zuerst angeschrieen und dann barsch darauf hingewiesen, dass man gern wieder nach Laos gehen könne. Die Busfahrt war insgesamt recht anstrengend und teilweise wirr. Ca.eine Stunde nach der Grenze musste der Bus (Van) gewechselt werden - unserer fuhr mit den vor Ort, seit 4 Stunden, Wartenden zurück nach Laos. Wir sollten mit einem anderen Minivan weiterfahren und der käme schon in einer halben Stunde, na klar. Praktischerweise war unsere Wartestation nicht ein Busbahnhof, sondern ein offenbar dem Transportunternehmen zugehöriges Restaurant. Also wurden die Gemüter erstmal mit Essbarem ruhiggestellt. Das hielt natürlich nicht sehr lange an, schließlich waren auch einige Deutsche unter den Wartenden (:)).  Auch wenn ich das fordernde Auftreten Mancher schier unmöglich finde, war es in diesem Fall mal ganz hilfreich, denn einer ging irgendwann zu den seit Beginn unserer Ankunft bereitstehenden Minivans und fragte einen der Chauffeure, ob wir jetzt, 2 Stunden später, losfahren könnten. Die prompte Antwort war: Sure! (Na sicher!). Quasi im selben Moment wurde der Motor angeschmissen und los ging's. Entweder mussten die Chauffeure erst eine bestimmte Zeit schlafen, was sie in auf dem Gelände befindlichen Räumen taten oder man erwartete tatsächlich ein Zeichen der Reisenden, wann sie weiterfahren wollen oder aber es musste erst die Restaurantkasse ordentlich aufgefüllt sein ehe man losfährt. Who knows. Nach insgesamt 11 Stunden erreichten wir endlich unser Ziel.

Das war Siem Reap, der Angkor Wat am nächsten gelegene Ort, der als Ausgangspunkt für die Tempelbesuche ganz annehmlich ist. In den Angkorruinen verbrachten wir insgesamt 2 Tage. Gesehen aber haben wir selbst von den bislang zugänglichen Ruinen - noch sind viele nicht freigelegt bzw. werden noch archäologisch untersucht - nur einen Bruchteil, da sich das Gebiet auf dem sie sich verteilen auf 400 qkm (!!!) erstreckt. Die Tempel Angkors sind unglaublich beeindruckend, eine konkretere Beschreibung erspare ich mir allerdings und lasse an dieser Stelle lieber die Fotos für sich sprechen. Nur so viel, neben Tikal in Guatemala gehören die Tempel Angkors definitiv zu meinen Favoriten. Auch nicht zu verachten, die kulinarischen Extraangebote - gegrillte Tarantel Schlange etc. Wir haben es beim fotografieren belassen.

Über einen kurzen Zwischenstopp in Battambang und der Fahrt mit einem ehemaligen Bambustransportzug (eher Draisine), ging es schon weiter nach Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas. So richtig in seinen Bann ziehen konnten uns die Stadt nicht. Vielmehr lag dies aber auch an der Hitze, die einen erdrückte und eher zum Trägesein verdammte. Die 4 Sehenswürdigkeiten der Stadt - es werden tatsächlich nicht mehr erwähnt - waren schnell erlaufen, zusätzlich noch das französische Kolonialviertel und der Zusammenfluss des Tonle Sap mit dem Mekong. Wie fast überall in Kambodscha war die Armut präsenter, als in den vorherigen Ländern/Städten (Indien ausgenommen). Viele, oft versehrte und ältere Menschen, Mütter mit Kleinkindern, die sich etwas Geld erbettelten oder durch den Verkauf von Kleinigkeiten erwarben, viele Obdachlose; auf dem Land viele sehr ärmliche Hütten und riesige Flächen gerodeten Waldes, die teilweise (noch) brach lagen oder schon für Landwirtschaft genutzt wurden. Und in Phnom Penh erneut unglaublich viele alte widerliche Gockel, die sich eine junge Kambodschanerin erkauft haben und mit ihnen in der Stadt umherstolzieren. 

Auf dem letzten Foto wird Santi gerade von mehreren Kindern umringt, die eigentlich Armbänder verkaufen. Als sie sein T-Shirt sahen, auf dem das khmer-Alphabet (khmer ist die Sprache in Kambodscha) aufgedruckt war, versuchten sie sich gegenseitig im Aufsagen desselbigen zu überbieten. Sie vertieften sich so sehr, das sie am Ende ganz vergaßen uns auch Armbänder verkaufen zu wollen.

Momentan sind wir schon in Saigon (oder Ho Chi Minh Stadt) unterwegs und sind völlig derem chaotischem Charme erlegen. Davon mehr demnächst.

Seid lieb gegrüßt von Mendi und Santi

Angkor
Siem Reap Province, Cambodia
SaMen Small

Thakhek - Motorradloop

Der Loop - mit dem Motorrad 3 Tage und ca. 450 km durch das Hinterland rund um Thakhek. 

Ein Grund nach Thakhek zu kommen war auf jeden Fall die Kletterei, aber der zweite Grund war der Loop. Das Motorrad dafür - einen Automatik-Roller - liehen wir bei Mr. Wang Wang, die in Wirklichkeit Mrs. Wang Wang war und mit der Hälfte des Preises des Deutschen zwei Läden weiter überzeugte. Ich begnügte mich nach länger geführten Überzeugungsgesprächen seitens Santis und der Sichtung diverser mal mehr mal weniger schwer Verletzter dann doch mit dem Soziusplatz auf dem Roller. Zwar kann ich auf ein zwei allerdings schon länger zurückliegende Rollererfahrungen zurückgreifen, aber bei 450 km mit einer 20 km langen Baustellenteilstrecke und Abschnitten mit höherem Truckverkehr bin ich rückblickend froh die Fahrt entspannt auf dem Rücksitz genossen zu haben. Verliehen werden die Roller an jede Person, die nachfragt, ein Führerschein interessiert nicht (was ja auch wieder seine Vorteile hat) und selbst Kunden, deren wacklige Fahrkünste man eher als gewagte Zirkusnummer einstufen muss, bekamen nach der Vorführung derselbigen letztlich einen Schlüssel und einen Helm in Übergröße (einer konnte seinen Helm einmal ringsum drehen und erst nach Protest bekam er dann einen Fahhradhelm (!) als Ersatz) in die Hand gedrückt. Dies betrachtend musste ich ein zweites mal schmunzeln, denn ich erinnerte mich, dass Santi beim Andenken des Loops noch meinte, dass wir den auf keinen Fall ohne Protektoren (Kniee, Ellenbogen, Schienbein) machen würden - was für eine Illusion. Immerhin waren unsere Helme mit einer druntergezogenen Mütze passend gemacht, der typische Mundschutz war besorgt und der Roller hatte gerade mal 10.000 km auf dem Tacho, also war ein größerer Schaden nicht zu erwarten. Gemeinsam mit Aurora aus Frankreich (u.a. Mitglied der Klettercrew) starteten wir die Tour. Der erste Tag mit etwa 150 km war landschaftlich recht unspektakulär, da dieser Abschnitt größtenteils auf einer der Hauptstraßen zu fahren war. Die letzten 40 km verliefen dann endlich auf den erwarteten Serpentinen in bergiger und grüner Umgebung mit teils wunderschönem Überblick über die Landschaft. In den Bergen bekamen wir auch zum ersten Mal die hiesige Variante eines Warndreiecks zu sehen. 10 m vor und nach dem Vehikel, in unserem Fall dem am Berghang stehengebliebenen Truck, werden mehrere kleine Asthaufen ausgelegt, die Nachfolgende rechtzeitig warnen sollen. 

Da wir recht früh an unserem Guesthouse ankamen, machten wir noch einen Abstecher zum nahegelegenen Wasserfall. Eine kurze Motoraddfahrt in den Dschungel und dann noch eine Stunde Wanderung über Stock und Stein, vorbei an diversen Baumgiganten, handgroßen Spinnen und immer wieder in der Erwartung, dass sich eine der Lianen letztlich doch als riesige Schlange entpuppt. Der nächste Tag begann früh, so früh, dass uns die Berge beim Blick vom Balkon mit einem morgendlichen Schauspiel begrüßten. Wolken schoben sich bedächtig und in einem nicht endenden Fluss über die Bergkuppe und schwebten eng an den Berg geschmiegt ins Tal hinab, um dann noch auf halbem Weg zu verdunsten. Dazu die aufgehende Sonne ... Das erste Tagesziel war die Kong lor cave (Höhle). Allein die Fahrt dorthin war wunderschön. Wir passierten viele kleine Dörfer, Reis- und Kohlfelder, Wasserbüffel, links und rechts hohe Bergketten und immer wieder fröhlich winkende Kinder auf ihrem Weg zur Schule. Die Kong lor Höhle ist wahnsinnig beeindruckend. Die 7 km der Höhle sind mit Hin- und Rückfahrt, einem kurzen Spaziergang in der Höhle und einem Aufenthalt in einem kleinen Dörfchen außerhalb in 2 1/2 Std. mit einem kleinen Boot durchfahrbar. Innen ist es stockdunkel und zum Glück nicht beständig mit esoterisch anmutendem Licht ausgeleuchtet wie andere Höhlen. Um trotzdem etwas zu sehen, bekommt jede Person eine Stirnlampe mit einer Reichweite von ca. 50 m. Diese Reichweite nicht etwa um dem Bootsführer den Weg zu leuchten, sondern um die Höhle in ihrer Höhe ausleuchten und betrachten zu können - ungewöhnliche Felsformationen, Stalaktiten und -niten und immer wieder Sintersäulen (tufas), am beeindruckendsten sind aber die Ausmaße in Höhe und Länge im Inneren. Weiter ging es zu den cool springs, ein türkisblaues klares Seechen, welches seinem Namen hinsichtlich der Temperatur alle Ehre machte. Leider hatten wir nicht ausreichend Zeit, um dort länger zu verweilen, denn uns stand noch der Baustellenabschnitt bevor und wir wollten es vermeiden später im Dunkeln fahren zu müssen. An die 20 km Baustelle  erinnern sich meine Lungen und mein Hintern immer noch, denn sie hat uns fast anderthalb Stunden gekostet und das ungeteert, total staubig und extrem holprig. Kurz vor dem anvisierten Guesthouse kamen wir noch in ein riesiges überflutetes Gebiet mit tausenden von toten Bäumen, die eine zugleich gruselige wie schöne Kulisse für den anbrechenden Sonnenuntergang boten. Viel weiß ich über die Überflutung nicht, nur so viel, dass es sogar ein offizielles Informationszentrum zum Bau des Staudamms gibt, der die eigentliche Ursache dafür ist. Die Vorteile des Baus für die Region und Leute werden in den schillerndsten Farben beschrieben. Die es ja mit Sicherheit auch gibt, aber eben auch Zwangsumsiedlung und Verdrängung traditioneller Lebensweisen. Da wir den gesamten Tag über kaum etwas gegessen hatten - die Garküchen am Straßenrand warteten eher mit unappetitlichen Essen auf, wie gegrillter Ratte und im Ganzen gekochtes Huhn, welches einen noch aus dem Topf heraus anzuschreien schien (der Schnabel ist immer weit aufgerissen), so dass wir irgendwo nur eine für sonstige Verhältnisse recht schlechte Suppe zu uns genommen hatten, freuten wir uns auf das Abendessen. Vom Guesthouse angekündigt war ein Barbecue, welches wir sehnsüchtig und mit drei Löchern im Magen erwarteten. Ich glaube hätte man uns beim Ansturm auf das dann endlich freigegebene Buffet gefilmt, hätten wir uns im Nachhinein ziemlich geschämt. Im Innern hörte ich schon ein 'mendi you are eating like a caterpillar' , aber diesmal war es mir egal, schließlich war ich in guter caterpillargesellschaft.

Unsere Unterkunft war ein schöner Stelzenbungalow mit Blick auf den Sonnenuntergang und gemütlicher Hängematte. Nachdem der Genuss des letzten schönen Bungalows am Morgen durch den im Nachbargrundstück krähenden Hahn mehr als gedämpft wurde, war Santi diesmal glücklich, dass er weit und breit kein Federvieh erblickt hatte. Pünktlich 2 Stunden vor Sonnenaufgang krähte es dann aber, und zwar so laut, dass wir glaubten der Hahn krähte fröhlich von unserer Bettkante. An einigermaßen gemütliches Weiterschlafen war nicht mehr zu denken, denn die Hähne hier (vielleicht ja auch alle, ich kenne mich da, zum Glück, nicht so aus) krähen nicht einfach 2-3 Mal und kündigen die aufgehende Sonne oder was auch immer an, sondern sie tun dies in einem fort. Kaum hat man sich unter Aufbringung aller Kräfte zurück in den Traum gefunden, kräht es schon wieder. Fast macht es den Anschein als tauschten sich die Hähne des Dorfes gegenseitig über den neuesten Klatsch und Tratsch aus und weil es so viel auszutauschen gibt (“Ey Horst, du glaubst es nicht, der blöde Touri, der heute Nacht über meinem Stall schläft, hat die halbe Nacht geschnarcht wie ein Walross, dem werde ich die nächsten Stunden mal ordentlich versauen“) fängt man damit am besten schon 2 Stunden vor Sonnenaufgang an. So viel zur Dorfromantik, da lob ich mir dann doch das gemütliche Surren der U-Bahn. Nach dem Aufstehen hielt ich dann mal Ausschau nach unserem Wecker - der Hühnerstall stand direkt unter dem Bungalow, und besser noch, direkt unter dem Bett, war aber so zugestellt, dass Santi ihn am Abend zuvor offensichtlich nicht als solchen erkannt hatte. Wir überlegten, ob wir deep fried chicken zum Frühstück bestellen, sozusagen als Wiedergutmachung, aber beließen es dann beim üblichen Sandwich mit Omlett.

Der letzte Looptag war leider viel zu schnell zu Ende, da nur noch wenige Kilometer zu fahren waren. Dafür wurden wir nochmal mit schöner Landschaft belohnt, besuchten eine Höhle (Aurora taufte sie aufgrund ihrer bunten Ausleuchtung 'Diskocave') und ließen die Fahrt gemütlich beim Baden und Relaxen am Fluss ausklingen. 

Fazit: Ich freue mich schon auf die nächste Motorradtour (mit viel Glück in Vietnam), dann aber mit Arschpolster.

Beste Grüße Mendi + Santi


SaMen Small

Thakhek - Klettern und Silvester

Gesundes Neues euch allen!

Thakhek. Wir sind im Süden von Laos. Wunderschöne Berge. Reisfelder allerorten, in verschieden Status - trocken, abgebrannt, der Boden soeben gepflügt, dichtes oder lichtes Grün und dazu jeweils die den Boden pflügenden, Reis setzenden oder Reis erntenden Menschen. Brennende Sonne, gebeugte Haltung, meist ab unterhalb der Hüfte im Wasser, von früh bis spät.

Wir sind wieder mit dem Weihnachtstrupp vereint und fast jeden Tag klettern, gemeinsam essen und die Abende am Guesthouse-Lagerfeuer abschließend. So auch am 31. - bis zum späten Abend klettern, essen, dazu schon der erste laolao-Whisky (ziemlich hochprozentiger Reisschnaps), Zwischenstopp im Guesthouse der Anderen, weiteres laolao-trinken mit einigen Laoten. Die laden uns dann plötzlich zu sich nach Hause ein. Dort wird als erstes die Stereoanlage auf full-power gestellt und laotische Musik gespielt. Die anwesenden laotischen Frauen dürfen das Essen servieren - gebratenes Schwein und Salate und viele Biere - den Rest des Abends schauen sie unserem Treiben nur zu. Als ich den Gastgeber bitte sie dazuzuholen, wiegelt er damit ab, dass sie kein Englisch sprechen können, so wie die Hälfte der Männer auch,  was solls, dafür kenne ich die laotischen Gepflogenheiten nicht, um weiter zu insistieren. Der Abend wird superlustig. Die Laoten sind Supersänger, selbst englische Lieder singen sie textsicher vom ersten bis letzten Wort, wohingegen wir völlig versagen und eher wie ein Rudel Wölfe bei Vollmond jaulen, immerhin melodiesicher. Der Hit zum Ende des Jahres 2015 “i love you more than i can say“. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, aber der lief ca. 10 mal, so dass er heute, einen Tag später, von jedem von uns leise und/oder laut vor sich hergesungen wurde. Gegen 24 Uhr gab es überall kleine Feuerwerke. Wir tanzten und sangen noch ein ganzes Weilchen mit den Männern und gegen 2 Uhr wurde uns dann zu verstehen gegeben, dass wir jetzt gehen sollten. Es war ein schöner Start ins neue Jahr. 

Heute ist hier Feiertag und die Laoten treffen sich in kleinen Grüppchen zum gemeinsamen Essen und Karaoke singen. Eine Gruppe traf sich z. B. vor einem Bus, der außen etwa 8 Lautsprecher angebracht hatte und damit die Straße 100 m nach links und rechts beschallen konnte, und jede/r konnte seine Gesangskünste zum Besten geben. Das ist mitnichten ironisch gemeint, bis jetzt habe ich noch keine Person schief singen hören und muss mal wieder mit Bedauern feststellen, dass Singen bei uns an Tradition verloren hat.

In 2 Tagen brechen wir zu einer dreitägigen Motorradtour hier in der Gegend auf und dann geht es schon wieder weiter an die kambodschanische Grenze.

Es grüßen euch Santi + Mendi

Muang Khammouan
Khammouan, Laos
  • Missing
    leia hat am kommentiert:

    Klingt nach nem schönen Start ins neue Jahr :-)
    Frohes Neues auch an euch, sehr nachträglich ;-)

  • Missing
    Andreas Schwerkolt hat am kommentiert:

    Hallo,
    lese unter heftigen Neidschüben (Berlin 4 Grad, Nieselregen, grau) Eure Berichte und schaue mir die Bilder an. Ich starte mit meinem Wohnmobil im März, bin dann bis Mai auf Sizilien. Der Exotikfaktor ist nicht ganz so groß, klar...
    LG Andreas

SaMen Small

Luang Prabang / Klettern + Weihnachten

Luang Prabang / Vangvieng - Reisen in Laos

Ein kurzer Rückschwenk zur Ankunft in Laos - Laos, eines der ärmsten Länder und sicherlich einiges der wenigen Übriggebliebenen, das uns mit kommunistischer Flagge an fast jedem Haus begrüßte. Und einer unserer ersten Akte war es 2.000.000 Kip (in Worten: zwei Millionen) abzuheben ... Immerhin verteilen wir sie wieder unter der Bevölkerung, wenn auch sicherlich ungerecht...


Zum Ende unserer Mekongfahrt - Allein die Ankunft in Luang Prabang verhieß nur Gutes. Bereits vom Mekong aus konnten wir die wunderschöne Landschaft erkennen, die die Stadt umgibt - hohe abgerundete, mit Dschungel bewachsene Berge, die nur hier und da den Blick auf den darunterliegenden, weißen Karst freigeben und wie ein Schutzwall wirken. Die Stadt selbst ist recht klein, 30.000 EinwohnerInnen, aber ist eine der wenigen Städte Laos, die über einen Flughafen erreichbar ist. Wahrscheinlich spielt dafür die Geschichte der Stadt - sie ist die ehemalige Königsstadt -, die religiöse Bedeutung - auf dem vergleichsweise kleinen Fleckchen sind ca. 60 Tempel verteilt von denen etwa die Hälfte noch in Betrieb ist - und die Ernennung zum UNESCO- Weltkulturerbe eine nicht unwesentliche Rolle. Letzteres hat dazu beigetragen, dass die meisten Tempel und Gebäude restauriert worden bzw. unter besonderem (Bau-)Schutz stehen. Das machte die Erkundung Luang Prabangs, neben der absoluten Ruhe und Gelassenheit der Stadt total angenehm. Die vielen Touristen fielen nämlich kaum auf, da man sich in den unzähligen Tempeln, Gassen und kleinen Seitenwegen gut verteilte. Für uns zählt sie, neben Gokarna, zu den bislang schönsten Städten unserer Reise.

Von Tempeln und Städten waren (sind) wir nunmehr allerdings ganz schön müde und unsere Körper forderten etwas körperliche Betätigung und Abwechslung ein. Was liegt also näher als nach Vangvieng zu fahren und klettern zu gehen. Nichts, denn in Laos liegt nichts nah. Für die ca. 220 km nach Vangvieng brauchten wir 7 Stunden. Nun könnte man meinen, dass sicherlich die etwas in die Jahre gekommenen Busse daran Schuld haben, aber es liegt vielmehr an den geografischen Gegebenheiten des Landes, Laos scheint fast nur aus (wunderschönen) Bergen und Wald zu bestehen, die nur schwer zu erschließen sind. Die andere Ursache ist die Beschaffenheit der Straßen. Wobei der Plural es hier nur bedingt trifft, denn lediglich 10 % der Straßen in Laos sind ausgebaut und der ausgebaute Teil ist in einem erbärmlichen Zustand. Für schnell Reisekranke (was zum Glück keiner von uns beiden ist) wird selbst die geradeaus führende Straße zur Serpentinenfahrt, denn es müssen ständig riesige (in Breite oder Tiefe) Löcher umkurvt werden. Um sie umfahren bzw. mehr oder weniger sanft durchfahren zu können, ist ein geringes Tempo und beständiges Abbremsen vonnöten, von guten Stoßdämpfern und Federungen ganz zu schweigen, aber dafür sorgen die hauptsächlich japanischen Geländewagen - die  geschätzte Durchschnittsgeschwindigkeit lag auf jeden Fall bei 35 - 40 kmh. Es ist also kaum verwunderlich, dass das arme Laos unter anderem (je nach politischer Befindlichkeit krätschen auch die USA dazwischen) aufgrund dieser Bedingungen seine wirtschaftlichen Bemühungen nur schwer voran bringen kann. 

Mal abgesehen von der Knochen- und Rückenfreundlichkeit hatte die Dauer der Reise und das geringe Tempo auch etwas für sich, denn umso besser konnte man den Ausblick auf die beeindruckende Landschaft und die die Straßen säumenden Dörfer geniessen. Die dschungelbewucherten Berge erwähnte ich bereits. Diese schraubte sich der Bus im Schneckentempo nach oben und passierte kleine Ansiedlungen von Stelzen-, Holz- und wenigen Betonhäusern. Erstere bestehen zumeist aus mehreren hohen Holzstelzen, darauf ein Holzlattenboden, Wände aus geflochtenen Bambusmatten und ein Wellblechdach - die vielen kleinen Löcher lassen sicherlich jegliche Kälte und Feuchtigkeit hindurch, aber es wird die billigste Variante des Bauens sein. Es folgt der gleiche Baustil allerdings mit Holzwänden und wer noch mehr Geld hat, der baut sich sowohl Stelzen als auch den Rest aus Beton. Felder findet man überall, selbst an den steilsten Hängen und das was denen abgewonnen wird, wird oft am Straßenrand angeboten. Derzeit sind es Melonen, in den Bergen waren es Kürbisse. 80 % der Laoten arbeiten in der Landwirtschaft und erwirtschaften 50 % des BIP. Hier im Süden (ich schreibe aus Thakhek) wird vorwiegend Reis angebaut (Laos hat eine hohe Artenvielfalt an Reis 3000-4000 Sorten). Die Arbeit auf den Reisfeldern ist fast ausschließlich harte Hand- und Körperarbeit. Es gibt kaum Maschinen und die wenigen vorhandenen muten archaisch an. 

Vangvieng - als laotisches Mekka für Partypeople verschrieen. Es sind hauptsächlich chinesische Touristen da und die haben sich eher auf kayaking, ziplining (der absolute, sündhaft teure Hit, wird in fast jedem touristischen Ort angeboten, an Metallleinen von Baum zu Baum rutschen) und Tubing (sich auf einem Reifen den Fluss runter treiben lassen) konzentriert. Wir sind zum Klettern gekommen,  genossen dies ausgiebigst für einige Tage und haben unseren ersten längeren Kontakt zu anderen Reisenden (FIN, ESP, USA, CH, GR, F). Mit der Gruppe verbringen wir auch Weihnachten. Erst kletternd, dann beim gemeinsamen laotischen Essen und abschließend beim Kartenspiel und laolao-Whiskytrinken. Erst gegen frühen Morgen habe ich dann einen stark schwankenden Santi nach Hause befördert. Aber das Wetter war mit uns, denn freundlicherweise schüttete es am ersten Weihnachtsfeiertag wie aus Gießkannen, so haben wir diesen fast komplett verschlafen können.

Was mir noch aufgefallen ist: 

Zigaretten überall. Der Zigarettenkonsum ist extrem, immer und überall hängt eine Fluppe im Mund. 

Absolute Entspanntheit der Menschen, die nie um ein Lächeln verlegen sind. 

Ganz spezielle Motorrad- und Traktorkreationen. 

Mundschutz zum Motorradfahren in den kitschigsten Versionen, aber wenn's gegen den aufgewirbelten Straßenstaub hilft. 

Geselligkeit, so es die Zeit zulässt wird sich draußen, meist direkt vor der Haustür, auch auf dem Bürgersteig, getroffen und gemeinsam gearbeitet oder gekocht oder einfach nur geschnackt. 

Kaum alte Menschen. Beim Blick auf das Durchschnittsalter (21) und die Lebenserwartung (54!) ist dies allerdings kaum verwunderlich.

Handys als wichtigstes Mittel zur Zeitüberbrückung, sei es bei den Marktfrauen, den Guesthouseangestellten, den EssenstandverkäuferInnen oder fahrend auf dem Motorrad.

Ältere, vorwiegend englische und deutsche, Männer mit asiatischer junger Freundin. 

Soweit von uns. Rutscht gut rein ins neue Jahr. Wir werden hier wahrscheinlich in der Klettererrunde feiern - wir sind im nächsten Klettergebiet (Thakhek) und man trifft sich immer wieder - denn in Laos wird das buddhistische Neujahr erst in April gefeiert.

Liebste Grüße Santi und Mendi


Muang Vangviang
Viangchan, Laos
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Mekongfahrt von Huay Xay nach Luang Prabang

Nach einem kurzen aber zu vernachlässigendem Zwischenstop in Chiang Rai, ging es für uns weiter Richtung Laos. Bereits beim Grenzübertritt passierten wir den Mekong, welcher uns für die kommenden zwei Tage Richtung Luang Prabang begleiten sollte, oder besser wir ihn. Allerdings mussten wir einen Wartetag in einem grenznahen, unspektakulären Dorf verbringen. Erwähnenswert lediglich hinsichtlich unseres ersten Einwohnerkontaktes. Gerade saßen wir mit Phillip aus Köln beim Abschiedsbierchen, als zwei Laoten in nur geringem Abstand zum Tisch stehen blieben und wie hypnotisiert auf Santi schauten (ich habe selten solche Blicke gesehen, außer vielleicht bei computerspielenden Personen). Mit offenem Mund und aufgerissenen, faszinierten Augen verfolgten sie gebannt seine Erzählungen, die sie gar nicht verstehen konnten. Irgendwann näherte sich dann einer der beiden - Phillip und ich waren völlig inexistent und blieben dies auch weitesgehend für den Rest des Abends - fragte ob er sich mit ihm unterhalten dürfe und konnte sein Glück kaum fassen als Santi bejahte. Und was für eine Unterhaltung! Das eine Englisch schlimmer als das andere, aber wie immer hat's funktioniert und Santi hat den zugegebenermaßen schlechteres Englisch sprechenden Laoten besser verstanden als Phillip und ich nach langem Rätselraten (“Ki me däi“ - als wir endlich darauf kamen, dass er Christmas Day meinte, mussten wir total lachen). Er wurde mit jedem entschlüsselten Wort stolzer auf seine Englischkenntnisse, welche er gerade in einem Kurs erlernte oder auffrischte. Der Abend endete feuchtfröhlich und es war harte Arbeit Santi von seinem neuen Freund loseisen zu können. Was ihre unglaubliche Faszination Santi gegenüber auslöste wird wohl allerdings ein Rätsel bleiben, nicht, dass ich es nicht verstehen könnte ...

Zwei Tage Bootsfahrt auf dem Mekong von Huay Xai nach Luang Prabang, ein Tag a 6 und ein Tag a 7 1/2 Stunden. Das Boot - ähnliche Boote siehe Fotos unten - hölzern, lang, Kapitän ungewöhnlicherweise vorn steuernd, lauter Motor hinten, mit ca. 80 ehemaligen Autositzen bestückt (was die bequemere Variante ist) und noch mal 20 Sitzgelegenheiten in einem kleineren Raum direkt hinter dem Motor (unbequem, weil auf Holzbänken sitzend bzw. dem Fußboden und laut) für die Nichttouristen, also Einheimischen. Eben genau so wie man sich schon immer eine romantische Mekongbootsfahrt vorgestellt hat. Den ersten Tag begleitete uns immer wiederkehrender Regen und Kälte. Aufgrund des schlechten Wetters war die Aussicht durch, immerhin transparente, Plastikvorhänge eingeschränkt, was uns aber nur bedingt störte, da wir vielmehr damit beschäftigt waren der Kälte zu trotzen. Der zweite Tag ließ sich da schon besser an. Wir hatten alles an Pullover, Socken und Jacken aufgebracht was unser mickriges Gepäck hergab, waren also bestens gewappnet (alle anderen Passagiere hielten es ähnlich), es regnete nicht mehr und es bestand zumindest die Hoffnung auf höhere Temperaturen als am Vortag. Santi fror weiterhin, denn ohne Vorhänge war der Fahrtwind doch recht schneidend. Erst kurz vor Ende der Fahrt bequemten sich einige wenige Sonnenstrahlen durch die Wolken zu brechen. Allerdings machte diesmal die vorbeiziehende Landschaft alles wieder wett. Mit dichtem Regenwald überzogene Bergketten säumten den Fluss, ab und an tauchten vereinzelte Pfahlhütten oder kleine Dörfer auf und die von den dort lebenden Menschen dem grünen Dickicht abgerungenen Felder, Wasserbüffel, die am Ufer nach Fressbarem suchten, einige davon sahen eher aus wie riesige Schweine, da sie rosafarben waren, und zum krönenden Abschluss ein Elefant, der in aller Ruhe vor sich hin kaute. Der Mekong ist ein brauntrüber, scheinbar harmloser Fluss, der es aber in sich hat. Mein Respekt gilt auch im Nachhinein noch dem jungen Kapitän, der das riesige Boot durch die unzähligen Stromschnellen und vorbei an un- und sichtbaren Felsen, manövrierte. Insgeheim hatte ich für den Fall des Kenterns natürlich auch einen Fluchtplan geschmiedet und immer wieder ein Auge auf das dem Boot nähere Ufer (bei der Bestückung mit Rettungswesten wurde sich nämlich eher an der Titanic orientiert und Santi wollte sich diesmal, mit dem Argument er hätte schließlich einen Sohn, nicht auf Schnickschnackschnuck einlassen. Verdammt!) Just in dem Moment als ich mich insgeheim schon selbst als zu ängstlich schimpfte, drehte sich Santi zu mir und erläuterte mir seinen Rettungsplan - ich war also nicht allein mit meinen Bedenken. 

Seit ein paar Tagen sind wir in Luang Prabang und geniessen die laotische Ruhe und Gelassenheit ...

Seid lieb gegrüßt Mendi + Santi

PS: Schöne Feiertage, freie Tage, Ferientage euch allen: “Me i ki mä, hä phi nu jäa“ ;)

Zum letzten Foto - der dreigliedrige Betonklotz auf dem Felsen ist ein Wasserstandsanzeiger. Während der Regenzeit trägt der Mekong etwa 4-6 m höheres Wasser.


Louangphrabang
Louangphabang, Laos
  • Small
    Claus hat am kommentiert:

    Fröhliche Weihnachten wünscht das permondo-Team aus Hannover.
    ...und weiterhin eine erlebnisreiche Reise mit viel Spaß!
    Claus

  • Missing
    leia hat am kommentiert:

    Schnickschnackschnuck ? What?

  • Small
    SaMen hat am kommentiert:

    Schnickschnackschnuck, wer von uns beiden die einzige Rettungsweste bekommt für den Fall der Fälle.

SaMen Small

Im Norden Thailands - Chiang Mai

Chiang Mai - die Rose des Nordens, so genannt wegen der landschaftlichen Schönheit. Bislang sind wir zwar nur zu den an die Stadt grenzenden Bergen vorgedrungen und haben einen kleinen Ausblick auf die Bergwelt erhaschen können, aber dies und die Altstadt lassen diese Beschreibung verdient erscheinen.

Die nächsten euch erreichenden Fotos werden wohl hauptsächlich Tempel bzw. nagas (drachenartige Schlangen, die zumeist an den Treppengeländern zu finden sind) zeigen und euch hoffentlich nicht allzu sehr langweilen. Die Altstadt Chiang Mais scheint nur aus solchen zu bestehen. Es ist von 200 bis 300 die Rede, verteilt auf ca. 4 qkm. Hat man einen Tempel verlassen, stolpert man sozusagen schon wieder in den nächsten. Der älteste von ihnen ist über 700 Jahre alt. Jeder für sich ist einzigartig in Architektur, Farbe und Ausstattung der Gebetshalle. Einer der beeindruckendsten und historisch wohl bedeutendsten liegt etwas außerhalb in den Bergen - Wat Phrathat Doi Suthep. Mit einem ausgeliehenen Motorrad fuhren wir also in die Berge, bestaunten den Tempel der einen fast geblendet zurücklässt, da er über und über mit Gold verziert ist. Anschließend fuhren wir noch in zwei nahegelegene Dörfer der Hmong (eines der vielen Bergvölker, die Hmong wurden von der CIA während des Vietnamkriegs benutzt/gezwungen, um u.a. gegen die prokommunistische laotische Widerstandsbewegung zu kämpfen). Das erste Dorf vermittelte den Eindruck eines lebenden Museums - Kleinkinder in traditioneller Tracht als Fotomodelle, Trachten zum Ausleihen für 50 Bath/Std. und alle Straßenzüge umfunktioniert zu Souvenirläden. Das zweite Dorf war weiter ab vom Schuß, also von Touristenschwärmen etwas verschont, und begrüßte uns mit einer 'Christian church' - die vorangetriebene Missionierung hat also Erfolge. 

Auf dem Rückweg gerieten wir in einen Stau und wurden über Seitenstraßen umgeleitet. So entdeckten wir unseren Platz zum Abendessen. Im Vorüberfahren sah ich Thais an vielen Tischen um ein irgendein Gerät sitzend und essend. Das machte mich neugierig. Also angehalten und ausprobiert. Das Ganze entpuppte sich als thailändische Variante von “All you can eat“. Soweit die einzige englische Beschriftung. Auf unserem Tisch stand nun eines der Geräte - ein Topf mit gasbetriebener Feuerstelle. Der Kellner füllte den Topf zu Dreiviertel mit Wasser, zündete das Gerät an, reichte zwei Schälchen mit Löffel und Stäbchen und weg war er. Mehr Erklärungen gab es nicht. Wir mussten also auf 'copy and paste' setzen. Verstohlene Blicke unsererseits wanderten nach links und rechts zu den Nachbartischen bzw. begleiteten die anderen Gäste auf ihren Gängen hin zu einem Tresen. Auf dem Tresen befanden sich auf erhöhter Stelle viele leere große und kleine Teller und Plastikschalen. Unten standen in großen Schüsseln Unmengen an Chinakohlblättern, zweierlei Kräuter, Glasnudeln (roh) und grüne Nudeln, Stücken rohen und eingelegten Schweine- und Hühnerfleisches, Miniwienerwürstchen, mehrere Varianten Fisch, zwei drei undefinierbare Dinge und zwei scharfe Saucen. In die Schalen legte man jeweils eine Handvoll des Grünzeugs, auf die Teller jeweils das Fleisch oder den Fisch und die Nudeln. Zurück am Tisch erfolgte wieder eine genaueste Musterung der Nachbarköche. Eine genaue Abfolge war nicht erkennbar und so kippte Santi einfach alles auf einmal ins köchelnde Wasser. Das ergab nach kurzer Zeit einen ziemlich leckeren Sud mitsamt der gekochten Zutaten. Beim nächsten Gang variierten wir lediglich die Quantität der Zutaten. Ich glaube letztlich haben wir uns recht gut angestellt. Zumindest war kein Gekicher seitens der Nachbartische vernehmbar und geschmeckt hat es auch. Selbst das Stäbchenessen der 'Suppe' hat funktioniert.

In Thailand ist momentan Winter - kalte 30 Grad ('+' wohlgemerkt) was die hier lebenden Thais dazu veranlasst sich die Winterjacken und Wollmützen anzuziehen. Ohne Witz! - ich schwitze in meinem Trägershirt und vor mir steht eine Thai in gefütterter Winterjacke und Pandabärmütze. 

In zwei Tagen geht's weiter nach Chiang Rai und direkt im Anschluß nach Laos.

Bis dahin liebe Grüße von Santi und Mendi

Zu den letzten Fotos: unglaublicher, aber normaler Kabelsalat in einer Straße / 'le maitre de cuisine' höchstpersönlich / ungewöhnlich cooles Vehikel im Straßenverkehr / in Minikäfige gesperrte Vögel (1-4), die vor den Tempeln angeboten werden, nach dem Kauf lässt man sie zwar des Glücks wegen fliegen, trotzdem ist's Quälerei / in Höhe und Umfang beeindruckender Bambus, mein fescher Omastyle liegt übrigens in der auf 1600 m Höhe tatsächlichen Kälte begründet

Chiang Mai
Chiang Mai, Thailand
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Der Süden Thailands - Ao Nang

Und schon sind wir in Thailand, genauer in Ao Nang. Die Umgegend ist DER Touristenmagnet, denn hier konzentrieren sich alle bekannten thailändischen Inseln und Strände (Phi Phi, Ko Samui, Phuket ..). Noch bis 11. Dez. ist Vorhochsaison, also noch etwas preiswertere Unterkünfte und noch nicht ganz so viele TouristInnen - für meinen Geschmack könnten es gern weniger sein. Der Bequemlichkeit halber haben wir uns in der Stadt installiert, ziemlich hübsch in einem kleinen Bungalow, in einer Anlage, die sehr ruhig und grün gelegen ist. 

Die Thais sind sehr nette, freundliche Menschen, die viel, und für unsere Ohren sehr lustig, lachen. Kommt man mit ihnen ins Gespräch plappern sie in einem Mix aus wenigen Brocken Englisch und viel Thai fröhlich drauf los, unterbrechen das Gesagte immer wieder mit heftig ausgestoßenem Lachen und wiederholen das eben Gesagte noch ein bis zwei Mal. Irgendwie versteht man sich und da die Gesamtsituation einen erheitert und vor allem das Lachen ansteckend wirkt, lacht man am Ende einfach zu Dritt und jede/r wahrscheinlich über etwas anderes. Hier im Süden Thailands fallen die vielen Moscheen und muslimischen Thais auf, die wohl mehrheitlich aus Malaysia (ab-)stammen bzw. Thais sind, die den muslimischen Glauben angenommen haben. Hier in Ao Nang gibt es eine recht große Moschee, deren Muezzinruf die Bewohner der Stadt jeden Morgen pünktlich zur Morgendämmerung (nehme ich zumindest an, es war auf jeden Fall sehr früh) weckt - angeblich wird beim ersten Ruf u.a. gerufen:“Das Gebet ist besser als Schlaf.“ - da sollten sie, vielleicht gemeinsam mit den Hindus aus Hampi, mal Rücksprache mit einem Schlafmediziner oder auch mit mir halten ... Insgesamt merkt man von den Konflikten, die es im Süden Thailands seit einigen Jahren bezüglich des Islams gibt nur sehr wenig. Lediglich ab und zu lassen einige Thais ihren Unmut darüber durchblicken, aber dafür waren wir wahrscheinlich auch nicht südlich genug (davon wird auch abgeraten).

Zum Strandleben ... Bislang haben wir ein Kayak ausgeliehen und zwei benachbarte Strände  (Ton Sai und Rai Leh) bepaddelt - wunderschön. Das Wetter spielt lt. den Thais zwar etwas verrückt, zumindest für normale Verhältnisse, denn es regnet jeden Tag. Den vorgestrigen Platzregen nutzten wir dann gleich für eine einstündige Massage, welche hier überall angeboten werden - wegen mir kann es gern mehr regnen, göttlich. Dann stand ein Ausflug zur Insel Koh Hong (lt. Santi cojon ausgesprochen :)) an, im Longtailboot und per organisierter Tour. Die Landschaft ist unbeschreiblich und wie einem Fotoband entnommen. Bei der Tour muss man allerdings ein Auge zudrücken (was fast nicht möglich ist), aber leider ist eine Erkundung der Inseln ohne solch organisierte Touren nicht möglich.

Anfänglich waren wir etwas von der thailändischen Küche enttäuscht, und das obwohl wir auf die im Vorhinein am neugierigsten waren. Zum Einen braucht es etwas Zeit, um sich an die entschleunigte und für deutsche Verhältnisse unhöfliche Art der Bedienung zu gewöhnen und zum Anderen haben wir erst mit der Zeit die kleinen Straßenstände entdeckt, die trotz der sehr spartanischen Küchenversion sehr leckeres Essen zaubern. Setzt man sich in ein Restaurant, ist einiges an Geduld erforderlich. Zwar erhält man in den ersten 10 Minuten die Karte, bis das Essen bestellt werden kann, können aber durchaus nochmal 15 Minuten vergehen bzw. bin ich irgendwann bestellen gegangen, weil wir komplett ignoriert worden und bis das Essen dann vor Einem steht ... Das wie gesagt im Vergleich zu Deutschland, wenn ich an unser Stammthairestaurant denke, da steht die Ente in roter Currysauce auf dem Tisch noch ehe ich die Bestellung zu Ende gesprochen habe. Andere Länder, andere Sitten, und genau um u.a. die kennenzulernen sind wir schließlich unterwegs und Entschleunigung kann nur gut tun. 

Die nächsten Eindrücke erhaltet ihr aus Chiang Mai im Norden Thailands.

Seid wie immer lieb gegrüßt

Mendi+Santi

PS -Wenn stimmt was die Gerüchteküche uns zugetragen hat, dann ist das Haus in Kreuzberg verkauft, es wird also spannend wenn wir zurückkommen :(

Ao Nang
Krabi, Thailand
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Kuala Lumpur

Kuala Lumpur (KL). Was für ein extremer Gegensatz zu Indien bzw. Mumbai, um mal bei Großstädten zu bleiben, den ich immer noch verarbeiten muss (zusätzlich zu den Nachrichten über die Überschwemmungen in Indien). 

Modernste Architektur, kaum eines der Gebäude des Zentrums hat weniger als 50 Etagen, Sauberkeit allerorten (überall stehen Putzleute, z.B. in den Zugstationen, dort werden dann die Handläufe, Fußböden und Scheiben geputzt, es wird gekehrt, ständig), ebenso viele Verbote für so ziemlich alles (im Zug ist es verboten sich “indecent“ (unanständig) zu benehmen, unterlegt mit dem Icon eines durchgestrichenen, sich küssenden Paares), es wird nicht mehr gespuckt (verboten), gelb umrandete Bereiche, z.B. vor öffentlichen Gebäuden (zum Rauchen), am Zuggleis (zum Warten), auf der Rolltreppe (zum ?) weisen einen darauf hin, wo man sich aufhalten darf/soll, überall Überwachungskameras, sicherlich zur Kontrolle der Einhaltung der Verbote und natürlich zur Sicherheit und für die Gesundheit aller ... es reiht sich ein Shoppingcenter oder besser Konsumtempel an den nächsten und an den nächsten und an den nächsten. Alle sind gut besucht - ich weiß gar nicht was die Menschen sonst den lieben langen Tag machen außer shoppen zu gehen - und sind prall gefüllt mit allem Schnickschnack den man sich vorstellen kann, die Billiglohnländer ums Eck machen's möglich. Interessehalber haben wir eines der Center besucht - nur zur besseren Vorstellung, ich glaube das Alexa hätte darin ohne Übertreibung mindestens 20 Mal Platz gefunden. Wenn man am Flughafen in KL ankommt, kommt man nicht umhin direkt in einem Shoppingcenter zu landen, wahrscheinlich für den Fall, dass durch die shoppinglose Flugzeit die Nerven blank liegen. Mich hat dieser ungezügelte Konsumwahnsinn teilweise angeekelt. Also Augen zu und einen Abstecher zu dem eigentlichen Ort des/Santis Interesses. Der wollte nämlich unbedingt die Petronas-towers sehen, entworfen von einem argentinischen Architekten und zum Zeitpunkt ihrer Erbauung wohl das höchste Gebäude der Welt - mittlerweile, keine Ahnung wie oft und um wie viele Meter übertroffen. Dann noch ein Ausflug zu den Batu-Höhlen (Tempel vor und in Höhlen und jede Menge Treppen) und nach Chinatown. 

Eine noch erwähnenswerte Auffälligkeit - überall in der Stadt sind Orientierungshilfen für Blinde zu finden, z.B. im Boden eingelassen, vor allem von und zu den Zugstationen, auf dem Boden von Fußgängerüberführungen teilweise über hunderte von Metern, vor Ampeln etc. und jeden Tag habe ich mindestens 3-4 blinde Menschen gesehen (es waren nicht immer die selben), was ich im Vergleich viel finde, an vielen Ecken werden Dienste Blinder angeboten, z.B. Massage oder aber man sieht sie um Geld bitten. Entweder ist der malaysische Blindenverein extrem gut organisiert, sehr aktiv und mächtig und oder die Regierung besonders blindenfreundlich. Da kann sich die deutsche Stadtplanung noch eine dicke Scheibe abschneiden. Meine einzige Vermutung warum es so viele blinde Menschen gibt, ist, dass sie gar keinen oder unzureichenden Zugang zu medizinischer Versorgung haben trotzdem die Ärzte bestens ausgebildet scheinen. Santi musste in Indien zum Arzt - wir haben ihn mittlerweile den 'Veterinär' getauft - und sahen, dass alle für seine veterinärsmäßigen Dienste Geld zahlen mussten. Wer dies nicht zahlen kann bleibt eben im Zweifelsfall blind.

Noch eine Geschichte aus Indien. Beim security-check am Flughafen machte mir die zuständige Polizistin zuerst ein Kompliment ob meiner Frisur - Danke - dann fragte sie mich ob ich verheiratet sei - Nein - es folgte die vorsichtige Frage nach meinem Alter - 38 - sie schaute mich ungläubig an und versicherte sich, ob sie richtig gehört hätte - ja, 38 - blankes Entsetzen, aber nicht, weil sie mir das Alter nicht abgenommen hat, sondern weil ich in dem Alter noch nicht verheiratet bin, sie kam gar nicht darüber weg und zeigte mich dann noch ihrer Kollegin 'schau mal die ist 38 und noch nicht verheiratet', ich glaube sie hatten Mitleid mit mir, so wie ich mit einigen (verheirateten) Inderinnen.

Die nächsten Infos erhaltet ihr aus Thailand.

Liebe Grüße Mendi+Santi

PS - im letzten Eintrag ist noch etwas angefügt (ab 'zweifeln' nach dem 2. Abschnitt), da die Übertragung der Texte nicht immer komplett funktioniert

Kuala Lumpur
Kuala Lumpur, Malaysia
  • Small
    permondo hat am kommentiert:

    Hallo ihr Beiden, ihr seid eine unsere Top-Touren der Woche und wurdet deswegen als "Nikolaus-Geschenk" auf unserer Facebookseite geteilt: https://www.facebook.com/Permondo/ Liebe Grüße vom Permondo-Team

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Gokarna und die Glückseligkeit

Gemäß dem lonely planet sind die Strände Goas Orte 'tropischer Glückseligkeit'. Vielleicht hatte die Person beim Schreiben dieser Zeile einige bewusstseinserweiternde Mittelchen geraucht und fühlte sich deshalb besonders glückselig oder man muss dies so schreiben, schließlich schreibt man über Indien (auch wenn die Strände nur wenig mit Indien zu tun haben, sondern eine der typischen Tourismusblasen sind). Mit klarem Kopf jedenfalls lässt sich feststellen, dass man es sich hier durchaus auch länger als 3-4 Tage gut gehen lassen kann, den Strand der Glückseligkeit jedoch stelle ich mir schöner vor. Wie ihr auf den Fotos erkennen konntet, weist der Om-beach durchaus einige Merkmale eines tollen Strandes auf, die da wären: Meer, Sand, Palmen, Strandhütten, Wellen, Delphine (jeden Morgen tummeln sie sich an einer bestimmten Stelle draußen im Meer). Hinzu kommt hier aber noch Kuhkacke am Strand (was fast schon wieder etwas witziges hat und die Debatte um Hundestrände im Grunewald total lächerlich erscheinen lässt) und Meerwasser dem jedes Berliner Badeseewasser locker das Wasser reichen kann (wie treffend), die Sichtweite liegt hier bei max. 20 cm. Ich versuche mich noch davon zu überzeugen, dass dies lediglich an dem aufgewühlten Meer liegt und keinen anderen Ursprung hat. Zudem kämpfe ich schwer damit zu ignorieren, dass Rotzen auch im Wasser dazugehört, mit den entsprechenden Überbleibseln. Jaja, jammern auf hohem Niveau noch dazu vor einem Publikum, das bereits mit dem ersten Schnee zu kämpfen hat(te) ...ich höre auch schon auf.

Ansonsten ist der Strand hauptsächlich ein großer Freiluftzirkus, mit der nebensächlichen Möglichkeit sich stundenlang in badewannenwarmem Wasser von den Wellen hin- und herschaukeln zu lassen. Hulahoopreifen links, Jonglage rechts, Sticks vorn, Pois hinten, kleine fliegende Teppiche oben und Frisbees everywhere. Bespielt wird dies alles von den unzählbaren Israelis, die in Indien ihre zweite Heimat gefunden und einen unersättlichen Bewegungsdrang zu haben scheinen. Heute hat einer von ihnen offenbar geglaubt, dass er in Pamplona ist und allen Ernstes einen der hier täglich vorbeischlendernden Bullen bei den Hörnern gegriffen und einige Meter mit ihm gerungen. Leider hat der Bullen ihm nicht gezeigt, dass man diese Tiere in Indien maximal lieb tätschelt. Neben ihrer scheinbar kompletten Spiel- bzw Artistikausrüstung hat jede/r ebenso sein/ihr kleines Soundsystem mitgebracht, welches nach der Schlepperei natürlich überall zum Einsatz kommen muss - am Strand, im Restaurant (egal ob dort bereits Musik läuft), in und vor der Strandhütte, auf der Straße, in Hampi auch am Boulderfelsen. Außer, dass sie ziemlich distanziert und arrogant erscheinen sind sie ganz umgänglich. Den Status der unbeliebtesten Touristen halten bei den Indern (bei wem nicht?) eindeutig die Russen. Sobald sie auf die zu sprechen kommen, zieht sich die Stirn in zornige Falten und wird abschätzig der Kopf geschüttelt. Die Inder, mit denen wir gesprochen haben, halten viel auf ihr Land. Wie ich bereits erwähnte, ist eine ihrer Hauptfragen wie viel Zeit man in Indien zu verbringen gedenkt. Die beste Frage dazu war die Aleeks, einer der Rikschafahrer, 'wie viele JAHRE werdet ihr in Indien bleiben?' und das war durchaus kein Versprecher. Die Russen (ich gebe mal die pauschalisierte Variante wieder) sollen sich z.B. in Goa installieren und von dort aus alle Touristenziele lediglich für einen Tagesausflug besuchen ich glaube das empfinden die Inder als respektlos. Zudem die  immer wieder erwähnte Tatsache, dass sie kein Trinkgeld geben würden und:“Russians never happy, madam!“. Zusammen begründet dies - sicherlich auch noch übermäßiger Alkoholgenuss - die Abneigung ihnen gegenüber. Erwähnte ich, dass mich vom Aussehen her (!) einige Inder für eine Russin gehalten haben? - naja, ist ja nicht das erste Mal das dies passiert, vielleicht lässt sie zumindest das reichlich gegebene Trinkgeld und der ausschließliche Wasserkonsum etwas daran zweifeln. 

Der morgendliche Strand gehört den Indern, sobald der Zirkus losgeht sieht man sie hier eher seltener, es sei denn als Schmuck-, Trommel- und Ananasverkäufer oder als Kellner in den Strandrestaurants. Mindestens ein Mal täglich stolziert ein dienstbeflissener Polizist über den Strand, kontrolliert stichprobenartig Tabaktüten auf glückseligmachende Inhalte und pfeift, aus für uns noch nicht erschlossenem Grund, Inder aus dem Wasser. Im Moment in dem diese dem von der Obrigkeit erlassenen Pfiff Folge leisten wollen, dreht sich Monsieur aber schon wieder um und stolziert ohne weiteres Interesse weiter zur nächsten Tabaktüte. Immerhin, seine Macht hat er demonstrieren können. Gestern Nacht statteten sie dem Strand einen Besuch in zivil ab - für sein Verlangen nach Glückseligkeit durfte ein Israeli 25.000 Rupee (ca. 350€) Bestechungsgeld zahlen. Zusätzlich kassierten sie bei einigen Restaurants ab, denen entweder Bierverkauf bei fehlender Lizens oder einfach nur eine fehlende Formalia im Gästebuch nachweisbar war - jeweils 20.000 Rupee (knapp 300 €). Eine sich lohnende Nebeneinkunft.

Mehrmals fuhren wir nun schon nach Gokarna - und beide mussten wir feststellen, dass es die bislang schönste und angenehmste indische Stadt ist. Kein Dorf mehr, aber auch noch keine Stadt im Vergleich mit den bisherigen Städten, klein, aber fein, ohne hektisches Gewusel, eine angenehme Ruhe ausstrahlend. Das portugiesische Erbe hat sich in Form der Architektur auch hier (hauptsächlich aber in Goa) erhalten - unzählige bunte, eingeschossige Häuser mit Balkonen zur Straße im oberen Bereich. Wenn man einen Blick in den Hof ergattert, erkennt man die großen Innenhöfe. Gokarna ist unverkenntlich eine Pilgerstadt. In jedem fünften Haus befindet sich ein Tempel(-chen), hierher bringen weitgereiste Verwandten die Asche verstorbener Angehöriger und es werden diverse Riten zelebriert. Gestern wurde spät abends ein riesiger, mit hunderten Fähnchen geschmückter, hölzerner Wagen zu Ehren Shivas durch die Hauptstraße gezogen.

Soweit von uns, seid wie immer lieb gegrüsst

Mehndi (in dieser Schreibvariante bedeutet dies übrigens “die Kunst des Hennamalens“, gefällt mir auch) + Shanti

Ergänzungen zu VIEL: eindeutig zu viel ZUCKER, zum Beispiel gibt es hier die süßesten Ananas, die ich bislang gegessen habe, sehr lecker. Lässt man sich davon (oder von jeder sonstigen Frucht) einen Saft machen, muss man extra dazusagen, dass man diesen ohne Zucker haben möchte, ansonsten wird er ungenießbar süß, das Gleiche gilt für alle anderen Getränke (Kaffee, Tee, auch Wasser); OBERLIPPENBÄRTE, überhaupt nicht mein Fall, indischen Männern und offenbar auch Frauen scheint's zu gefallen, SCHARF - ähnlich wie beim Zucker muss man zum bestellten Essen extra dazusagen, dass man es 'not spicy' haben möchte, sonst gibt es eine extra Portion Schweiß aus allen Poren, LACHEN/LÄCHELN - findet sich zumindest auf den meisten indischen Gesichtern, SCHAMLOSIGKEIT - dies für mich vor allem verbunden mit schamlosem Anstarren. Auf die Spitze getrieben hier am Strand, aber eigentlich auch sonst überall. Sobald sich eine Frau im Bikini (was zu 99 % eine Touristin ist, da indische Frauen nach bisherigen Beobachtungen, in kompletter Montur ins Wasser gehen , wenn sie dies überhaupt tun) am Strand positioniert hat, bewegt sich z.B. der Pulk von Indern, der gerade noch 15 Meter entfernt fröhlich rumgeplanscht hat, wundersamerweise direkt vor die Frau und dann wird gestarrt was das Zeug hält. Das Ganze funktioniert  natürlich auch umgekehrt - Frau im Wasser, starrende Indergruppe am Strand; LECKERES ESSEN - dieser Punkt hätte eigentlich einen extra Eintrag verdient, so gern wie ich esse. Die Besuche, die ich in meinem Leben einem indischen Restaurant abgestattet habe, kann ich an anderthalb Händen abzählen. Nach den ausgiebigen, weil zwangsläufigen indischen Essen hier, kann ich das mittlerweile gar nicht mehr verstehen. Die indische Küche ist  lecker und wahnsinnig vielfältig. Bis auf einige Ausnahmen haben wir jeden Tag etwas Anderes probiert - wahllos ins Menü getippt (ohne zu wissen um was es sich eigentlich handelt, denn lediglich die ausländischen Gerichte (italien., israel., mex., engl., nepal.) sind auf Englisch aufgeführt), bestellt, genossen und nicht ein einziges Mal bereut. Und Santi ist zudem höchstbegeistert mit den Fingern essen zu können.


Gokarn
Karnataka, India
  • Missing
    Sebastián Pont Vergés hat am kommentiert:

    Hey, chicos, qué bueno, ¡siguen los descubrimientos! Mendi, me encantan tus descripciones. Ah, y me encantó ver en una de las fotos que Santi ya va casi por la mitad del libro que le presté. :-)
    Gran abrazo, ¡aunque no comentemos siempre seguimos sintonizándolos!

    Sebas

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    SaMen hat am kommentiert:

    Hey, gracias de ser un(os) companero(s) del viaje :)
    Y muy buen ojo con lo del libro, le encanta muchisimo o digamos esta total geflasht y el bueno es que ya lo lei y podemos hablar de la historia. Vale, manana seguimos por tailandia. Abrazos.

  • Missing
    Sebastián Pont Vergés hat am kommentiert:

    Yupie!!! Tailandia, here we come! :-)

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    susana acedo hat am kommentiert:

    hermosas fotos!! estan brillando!! que siga el buen camino, el buen andar!! besosssss!!! susi, tato, silvi, fer y alfo

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    leia hat am kommentiert:

    was hast du denn gegen Oberlippenbärte ?! (Hahahahahahahahahahahahaaaaaaaaaaa)
    Superbilder und Beschreibung... komme jetzt erst dazu, alles nachzulesen...

SaMen Small

Zug fahren in Indien - Hospet nach Gokarna

Von Hampi ging es für uns über Hospet weiter nach Gokarna, die angeblich bessere Alternative zu Goa und unser Abschiedsort von Indien, Strand und Meer inklusive. Hospet verließen wir früh am Morgen, diesmal stand eine 9-stündige Zugfahrt an. Und da diese tagsüber verlief, verzichteten wir auf die Buchung in der Touristenklasse - für die  im Übrigen in jedwedem Transportmittel extra Tickets resp. Plätze freigehalten werden. Also auf ins Getümmel ... Aber mit dem was uns dort erwartete hatten wir nicht gerechnet. Warum eigentlich nicht, denn der Zug war genau so proppenvoll wie man es in jeder Dokumentation über Indien vorgeführt bekommt. Überall, auf den Gängen wie auf den Pritschen stapelten sich Inder und dazwischen auch einige wenige Inderinnen. Füße , Arme, Beine, Taschen alles kreuz und quer, selbst die Ausgänge waren voll mit Leibern. Und genau da standen wir, wie bestellt und nicht abgeholt noch dazu neben dem Klo, denn es gab erstmal kein vor und zurück. Zudem hatte der Bahnhofsschaffner uns irgendeinem Waggon (Nr.1) zugewiesen, da er unser Ticket auf keiner seiner 5000 Listen finden konnte (böses Omen!). Neben uns ein von der vorgefundenen Situation ebenso beeindrucktes Paar aus England, welches immerhin schon Sichtkontakt zu seinen gebuchten Liegeplätzen hatte, diese aber dummerweise bereits von ca. 7 Personen okkupiert waren und sie sich nicht trauten ihre Plätze einzufordern. Wir ließen unsere Rucksäcke bei den beiden und machten uns auf die Suche nach dem Zugschaffner, in der Hoffnung, dass er uns unsere Waggonnummer sagen könne, schließlich war es 6 Uhr früh und wir wollten zumindest noch etwas schlafen - Santi meinte er hätte keine Probleme damit unsere Plätze einzufordern. Unter heftigem Einsatz der Ellenbogen hatten wir uns endlich bis Waggon 3 vorgeschoben, eigentlich mehr getanzt, den ständig musste Menschen-/teilen oder Gepäckstücken ausgewichen werden, was etwas von Schlangentanz an sich hatte. Um nichts in der Welt wollte man irgendetwas anfassen, auf Rotze am Boden treten und nicht länger als nötig in der näheren Umgebung der Zugtoiletten verweilen, um nicht den geringsten Hauch der beissenden Luft einzuatmen, die von diesen ausging. Wieder wurden 5000 Listen gezückt, auch hier fand man unsere Ticketnummer nicht. Auf zum nächsten Schaffner ... ihr ahnt es vielleicht schon, auch der hatte uns nicht auf der Liste und Schaffner Nr. 3 fanden wir erst gar nicht. Zu diesem Zeitpunkt waren wir im letzten Waggon, Nr. 9, angekommen. Soweit so schlecht, aber etwas Positives hatte die ganze Aktion - in den hinteren Waggons war im Vergleich viel mehr Platz, mehr noch, ich sah sogar eine freie Pritsche. Also Ellenbogen wieder ausgefahren, Luft angehalten und zurück zu den Rucksäcken getanzt. Samt dieser dann zurück zu Waggon Nr. 6 und zu einem Platz und einer freien Pritsche. Gerade als ich meinte, dass jetzt nichts mehr schief gehen kann trudelte Schaffner Nr. 3 ein, der als Erster feststellte, dass unser Ticket für den 23. Dezember statt November ausgestellt war - wir hatten lediglich belustigt festgestellt, dass Santis Altersangabe um schlappe 20 Jahre nach unten divergierte, aufs Datum hatten wir dann so genau nicht geschaut. Während Santi auf der Pritsche vor sich hindusselte, setzte ich mich mit Listenträger Nr. 3 auseinander. Da wir schließlich kein gültiges Ticket hatten, sollten wir knapp 1000 Rupee Strafe zahlen - das Ticket für uns beide hatte 450 gekostet. Keines meiner Argumente konnte ihn überzeugen. Selbst Santi - als Mann, ich dachte das hilft als letztes Mittel - konnte dieses Sinnbild für sturköpfige Bürokratie nicht umstimmen. Nach einer Weile der Ignoranz fragte er uns dann was wir entschieden hätten. Ich teilte ihm mit, dass wir nicht zahlen würden. Da erhob er sich ohne ein Wort der Widerrede und ward nimmermehr gesehen. 

Das anfängliche Gefühl eines Mix aus Beklemmung und Ekel wich so langsam einem angetanen Interesse für das bunte Treiben um mich/uns herum, an Schlaf war sowieso nicht zu denken. Neben, vor und über mir indische Reisende, jung, die mich zum Glück nicht wie so oft um ein Foto bitten und auch sonst eher mit sich selbst beschäftigt sind (Santi wird auch für Fotosessions angefragt, aber ich liege mit 80% mehr Anfragen weit besser im Rennen. Was sie mit den Fotos wollen, konnten wir noch nicht enthüllen, aber sicherlich zieren wir bereits den ein oder anderen facebook-account: “my best friend“ ). Plötzlich lautes Klatschen. Zwei Hijras - Transsexuelle - betreten die Szenerie. Jedem der Fahrgäste, uns ausgenommen, wird laut vors Gesicht geklatscht, oder aber ein leichter aber bestimmter Klaps ins Gesicht gegeben und ein wildes, scherzhaft klingendes Gespräch aufgezwungen. Ohne einer Chance der Flucht und natürlich nicht ohne auch schöne Augen zu machen. Gefordert wird Geld und ab und an wird ihnen auch welches zugesteckt. Niemand scheint genervt oder belästigt, ganz im Gegenteil, alle lachen mit und über den gerade Bezirzten. Santi und mich befragen sie noch nach dem Woher und unseren Namen (die üblichen Standardfragen der Inder, fehlt nur “How long in India?“), es folgt theatralisches Gekicher und weiter gehts zum nächsten “Opfer“. Immer wieder unterbrochen wurde die nie gänzlich eintretende Ruhe durch hektisch durch die Gänge flitzende Jungs, die Massala-chai, Zucker mit etwas Kaffee oder etwas Essbares verkauften - nur Dank dieser umtriebigen Jungs konnte Santi vor dem Schlimmsten (kein Essen bis zur Ankunft) und ich vor einem schlecht gelaunten Mann bewahrt werden. Als nächstes schallt Musik durchs Abteil, fast fühle ich mich wie in der S-Bahn, nur schaut hier niemand grimmig auf die Musizierenden - eine Frau, in der Hand zwei Metalle, die  kastagnettenartig aufeinander geschlagen werden. Dazu singt sie, für meine Ohren etwas zu knatschig, aber es bringt Stimmung, da ein Teil des Abteils mitsingt. Auch der Ekel ist mittlerweile gewichen. Ich weiß nicht ob ich mich einfach nur schnell an den Schmutz und Geruch gewöhnt habe, oder ob es letztlich gar nicht so schmutzig war wie es anfänglich schien. Denn zu dem schäbigen Bild trägt eindeutig auch der jämmerliche Gesamtzustand des überalterten Zuges bei. Zwischen allem Schmutz konnte man immer wieder Oasen der Reinlichkeit ausmachen, denn auf Sauberkeit wird Wert gelegt. So drängelte man sich vor dem in jedem Waggon vorhandene Waschbecken, um sich die Zähne zu putzen und das Gesicht zu waschen. Allerdings wurde das Waschbecken auch genutzt, um hinein zu rotzen, wenn gerade der Weg zur Tür oder einem Fenster versperrt blieb. Ich glaube von mir behaupten zu können, dass ich nicht pingelig bin, aber das beständige Rumrotzen immer und überall und von jedermann/-frau, vor allem das dem Rotzen vorausgehende Geräusch, ist für mich bislang das Einzige woran ich mich nicht gewöhnen kann. Und hier im Zug war ich dem permanent ausgeliefert. Ich saß z.B. am offenen Fenster - was ich im Übrigen jedem vollklimatisierten ICE zehnmal vorziehe, bei der Geschwindigkeit allerdings siehts wieder andersherum aus - stellte freudig fest, dass sich die Landschaft komplett geändert hatte, Dschungel, Grün über Grün, Lianen, Wasserfälle ... und plötzlich taucht dieser Typ auf, zappelt erst etwas unsicher vor mir rum, um dann mit einer schnellen Bewegung direkt neben meinem Kopf aus dem Fenster zu rotzen. Uahhhh.

Und nun sind wir in Gokarna am Om-Beach: Sonne satt, Delphine, Palmen und Kühe am Strand. Beweisfotos, wie schön es Ende November sein kann sind unten angehängt. Ebenso, dass es hier sogar Strandtuchservice gibt und eine etwas krude Form von Humor oder was auch immer man unter dem Markennamen des Türschloßes - Hitler???!, ernsthaft!? - unserer Unterkunft verstehen soll.

Am 1. geht's nach Kuala Lumpur, dann wieder mehr.

Liebste Grüße Mendi + Shanti


Gokarn
Karnataka, India
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    andy kurth hat am kommentiert:

    #neid - ganz toller Blog

SaMen Small

Hampi

Juhu endlich funktioniert der richtige Blog ... alle vorherigen Einträge findet ihr unter Route.

Bujapur diente nur als Zwischenstaion, um zum eigentlichen Ziel - Hampi - zu gelangen, ca. 6 Stunden mit 2 öffentlichen Bussen. An dieser Stelle lohnt sich ein kurzer Einschub zur Erläuterung der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Inder. Da uns nach wie vor die Unwissenheit ob der Funktionsweise des indischen Transportwesens ins Gesicht geschrieben steht, zumal bei ausschließlich in indischer Schrift geschriebenen Fahrplänen und Busausschilderungen, ist immer jemand zur Stelle, der uns den Weg weist bzw. uns direkt vor Ort bringt. In Mumbai hatten wir etwas Pech mit einem unwissenden Rikschafahrer, der keine Ahnung hatte, wo der Bus nach Aurangabad abfuhr (was angesichts der Größe der Stadt und der unzähligen privaten Busunternehmen auch nicht verwunderlich ist). Jedenfalls setzte er uns letztlich (er hatte gefühlt 20 Leute befragt) an einer 4-spurigen Straße ab und meinte hier würde uns der Bus abholen. Hier? An der scheinbar dunkelsten Ecke, wo niemand sonst steht? Ok, besser wir fragen die nächstbeste Person. Die zückt sofort das Handy, um das Busunternehmen anzurufen und schickt uns dann 300m weiter zur nächsten dunklen Ecke, diesmal allerdings auf der anderen Straßenseite. Aha. Weiterhin unsicher, befragen wir die nächsten Personen - alle rufen beim Busunternehmen an und wir werden jedes Mal die Straße etwas weiter hinunter geschickt - immerhin bleibt es bei einer Straßenseite. An der 4.Position stehend kommt per Motorrad der Erstbefragte vorbei und fragt, ob alles in Ordnung ist. Ehrlich gesagt - keine Ahnung, aber er hat extra eine Runde gedreht, um nach uns zu schauen. Irgendwann kommt ein Auto - die Insassen weisen uns darauf hin, dass hier kein Bus hält. Gut zu wissen. Und nun? Also nächster Anruf. Nach ein paar Minuten kommt wieder das Auto, welches auch eine Extrarunde gedreht haben muss - “Alles gut?“ ... So geht es noch einige Minuten bis irgendwann der Typ vom Busunternehmen vor uns auftaucht und uns direkt zum Bus bringt - ca. 1km vom ersten Warteplatz entfernt. Ähnlich umsorgende Erfahrungen, allerdings ohne das Chaos der Bussuche, machen wir bei fast jeder Bus- oder Zugstation. Das Ganze dokumentiert zwar das nicht immer einfach zu durchschauende Transportsystem, aber eben auch die uneigennützige Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Inder, sowie, dass es hier auf eine Frage tausend verschiedene Antworten gibt und die erste grundsätzlich “Das geht/gibts nicht!“ lautet.

Seit einigen Tagen sind wir nun in Hampi - Hauptstadt des ehemaligen Königreichs Vijayanagar und wiederum Unesco-Weltkulturerbe. Die Ernennung zu selbigem, so zumindest die offizielle Variante, hatte allerdings in den letzten Jahren die Vertreibung und Umsiedlung von einigen hundert Einwohnern und die Zerstörung ihrer Wohnhäuser zur Folge und das nachdem einige Leute bereits mit Baubeginn des nahen Staudamms entschädigungslos umgesiedelt wurden. Inoffiziell geht es wohl eher um Grundstücke an denen auch die korrupte Verwaltung mitverdienen möchte. Gerade heute wunderten wir uns warum alle Geschäfte geschlossen waren, sahen aber schon bald einen offiziell aussehenden Zettel, der an jedem zweiten Haus angebracht war und auf dem von judgement die Rede war. Kurz vor unserer Unterkunft dann die ersten Bagger, die begannen einige der Guesthouses abzureissen. Laut einem der Angestellten waren diese illegal errichtet und werden nun sukzessive zerstört. 

Davon abgesehen fasziniert in Hampi zuallererst die Landschaft - unzählige bizarre Felsformationen, manche der Felsen allein stehend und trotz ihrer Wuchtigkeit fragil wirkend, andere wiederum wild zusammengewürfelt einen Berg bildend. Zwischendrin einige grüne Oasen in Form von Reisfeldern, Bananen- und Palmenplantagen. Und ein Fluss, der sich sanft durchs Tal schlängelt, in dem zu für mich morgendlicher Stunde (der Tag der Menschen hier beginnt übrigens spätestens (!) 5 Uhr morgens, wenn die Lautsprecheranlage des nahen Haupttempels das ganze Dorf mit religiösen Gesängen beschallt. Am ersten Tag hatte ich noch die Hoffnung, dass das eine Ausnahme war, am zweiten war ich dann etwas ernüchtert - 5 Uhr!!!) die Tempelelefantin gewaschen wird, die Menschen sich selbst und ihre Wäsche waschen und nebenbei noch gefischt wird. Der weit größere Zauber geht jedoch von den Tempelanlagen aus. Fast 4000 Tempel sind hier auf Ca. 35 qkm verteilt, kleine wie große, einzelne wie ganze Komplexe. Wenn man durch diese wandelt und bedenkt, dass zur Hochzeit in dieser gewaltigen Anlage bis zu 200.000 (einige Schätzungen gehen v. bis zu 500.000 aus) Menschen gelebt haben sollen, dann hat einen der Ort endgültig in seinen Bann gezogen. 

Für uns bietet Hampi zudem erstmalig die Chance unsere Kletterschuhe zu zücken und etwas zu bouldern. Morgen geht's allerdings schon weiter nach Gokarna.

Seid lieb gegrüßt Mendi + Santi



Hampi
Karnataka, India