Hola Südamerika!

Linda erkundet als Austauschstudentin einige Monate lang die Millionenstadt Santiago und das "längste Land der Welt" Chile. Danach geht's auf in andere Teile des Kontinents......

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Dies ist dein Tour-Blog. Füge Einträge mit Fotos und Standort hinzu oder einfach nur Text und dokumentiere was du gesehen hast, wo du warst und worüber du nachgedacht hast. Wenn du möchtest, lass andere deinem Tour-Blog folgen und an deinen Erfahrungen teilhaben. Wie das geht? Hier entlang zum Video-Handbuch.

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Linda Small

Bye bye Santiago, nos vemos

Früh morgens, 19. Stock, Wohnung 03 

Die Sonne lugt hinter den Anden hervor und taucht die Hochhauskolonien der Millionenstadt in ein fahles Morgenlicht. Santiago erwacht zum Leben. Die Bremsen der verkehrenden Stadtbusse kreischen ohrenbetäubend, immer mehr Autos füllen die Straßen. Allmählich bildet sich daraus eine blecherne Karawane, die laut rauschend über den Asphalt rollt. Währenddessen erhebt sich eine mächtige Wolke aus Smog über der Stadt und hüllt sie in einen grauen Schleier. Auch die gerade noch sichtbare Bergkette verschwindet langsam hinter dem Dunst der Abgase.

 Der Arm eines Kranes schwingt plötzlich direkt an meinem Fenster vorbei. Nun beginnt auch die Arbeit der umliegenden Hochhausbaustellen. Das lärmende Jammern der Kreissägen schallt durch das Badezimmerfenster, rhythmisches Hämmern und die Rufe der Bauarbeiter drängen durch die dünnen Glasscheiben im Rest der Wohnung. Hunde bellen, die neue Katze von denen aus dem 18. Stock sitzt auf dem Balkon und miaut seit Stunden. 

Ich glaube, dass man zu einer solchen Großstadt nur so etwas wie eine Hassliebe aufbauen kan. 

Santiago bietet so viel, und doch so wenig. Lärm, Smog. Menschenmassen, die sich schweißtriefend in den ungefederten Stadtbussen und überfüllten Metros aneinanderdrücken. 

Und ich mittendrin. Ein Mann mit E-Gitarre und Verstärker steigt in den Bus ein. Er grölt und macht irgendetwas mit seiner Gitarre. Er steigt wieder aus. Ein Mann mit Mikrofon und Verstärker steigt ein. Er redet über Jesus und singt stille Nacht, heilige Nacht. Wie absurd, denke ich. Von der schwitzenden Menge der Passagiere erhält er etwas Kleingeld. Wieder steigen Leute ein. Ich werde beobachtet. Sowieso und immer, denn als Ausländer mit blauen Augen, heller Haut und nicht schwarzen Haaren fällt man auf. 

Ein Mann starrt mich durchdringend an. Ein anderer auch, er hat nur noch wenige Zähne im Mund und ich glaube, der bestialische Geruch um mich herum kommt von ihm. Ich steige aus und laufe lieber eineinhalb Stunden zu Fuß nach Hause, als mir das auch noch eine Minute länger anzutun. 

Ich gehe in den Supermarkt. Das Angebot erschlägt mich. Vor dem 5 Meter langen Joghurtregal stehe ich 10 Minuten auf der Suche nach dem einzigen Joghurt ohne Zucker und Aromazusatz. Nachdem ich endlich alles gefunden habe, was ich meine zu brauchen, stehe ich eine halbe Stunde an der Supermarktschlange. Drei angeblich schwangere Frauen und ein Herr, der auf seinen Gehstock hinweist, drängeln sich vor. Wie immer funktioniert das Kassenband nicht und man wird dazu angewiesen seine Einkäufe per Hand weiter zu schieben. Das Kassenband ist schon voll von Dingen, die Leute spontan doch nicht einkaufen wollten. Geschickt schiebe ich meine Waren daran vorbei. Die fünf Artikel, die ich einkaufe, werden von der Tütenpackerin in drei unterschiedlichen Plastiktüten verpackt. Santiago, Santiago, Santiago. 

Und doch werde ich diese Stadt vermissen. Es gibt hier nämlich auch viele unglaublich freundliche Menschen. Und ich liebe es, durch die ruhigeren Wohngebiete zu joggen. Dort gibt es keine Hochhäuser, sondern gepflegte kleine Gärten mit vielen blühenden Büschen und Bäumen. Ein paar kleine Papageien sitzen in den Palmen. Selten fährt ein Auto vorbei. An einem kleinen Obststand kann man im Vorbeigehen für wenig Geld ein ganzes Kilo duftender Erdbeeren oder frischer Blaubeeren kaufen. 

Sich in Santiago zu langweilen ist außerdem schlichtweg unmöglich. Es gibt so viele Museen, Galerien, Veranstaltungen, Clubs, Bars und Restaurants. Letztes Wochenende war ich zum Beispiel spontan mit meinem Mitbewohner Gleitschirmfliegen und Bungee jumpen. Auch das ist hier möglich. 

Ich freue mich schon so sehr auf zu Hause und darauf Familie, Freunde und Bekannte wieder zu sehen, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, jetzt noch ganze sechs Wochen in Südamerika unterwegs zu sein. Ich habe ziemlich Lust auf das normale mehr oder weniger strukturierte Leben, das ich in Deutschland normalerweise so habe. 

Jetzt bin ich aber erst einmal für zwei Wochen in Argentinien. Bis bald!

  • Small
    Claus hat am kommentiert:

    Fröhliche Weihnachten wünscht dir das permondo-Team aus Hannover.
    ...und weiterhin eine erlebnisreiche Reise mit viel Spaß!
    Claus

Linda Small

Zwei Wochen Rundreise durch den "Kleinen Süden" Chiles

Zwei Wochen lang hatte ich hier in Chile Besuch von meinen Eltern. Nach einem Tag Stadtbesichtigung in Santiago und einer durchgemachten Nacht um alle Abgaben für die Uni rechtzeitig fertig zu kriegen sind wir Richtung Süden aufgebrochen um dort ein Auto zu mieten und die chilenische Seenregion zu erkunden. Meine Eltern hatten die Tour von Deutschland aus sehr gut geplant, sodass wir von einem Ort zum nächsten fahren konnten und immer schon ein Hotel oder eine Hütte auf uns wartete. 

Die wunderschöne Natur und die hübschen Städtchen im sogenannten "kleinen Süden" Chiles zeigten sich uns von ihrer besten Seite, denn gutes Wetter begleitete uns fast von Anfang an. 

In den knappen zwei Wochen sind wir durch dichte, moosgrüne Wälder gestapft und zu türkisfarbenen Flüssen und sprudelnden Wasserfällen gewandert. Stets begleiteten uns die atemberaubenden Ausblicke über das weite Meer oder auf tiefblaue Seen, hinter dessen Ufern schneebedeckte Vulkane stolz gen Himmel ragen. Auf der sagenumwobenen Insel Chiloé besuchten wir bunte Holzkirchen, die ebenso wie die dort typischen auf Stelzen gebauten Häuser ("Palafitos") zu Recht zum Weltkulturerbe ernannt wurden. Eine Nacht haben wir sogar in einem solchen Palafito geschlafen. 

Bei Spaziergängen durch ein Meer aus gelb blühenden Ginsterbüschen kamen wir hinab zu breiten Sandstränden, auf denen ein paar einzelne Kühe und Pferde unterwegs waren um das Gras der Dünen zu fressen. Wir haben außerdem eine Bootstour zu einer Pinguinkolonie unternommen. Pinguine sind ja so süß! Denn sie können zwar gut schwimmen, aber beim Klettern auf den Felsen sehen sie unglaublich tollpatschig aus. Sie wedeln dann mit den Flügeln um das Gleichgewicht zu halten und plumpsen ungelenk herunter. Pinguine sind übrigens sehr treue Tiere, zumindest die männlichen Pinguine. Eine Bindung hält bei ihnen das ganz Leben lang. Wenn ihre Partnerin stirbt, dann sondern sich die Pinguinmännchen von der Gruppe ab, hören auf zu fressen und sterben ebenfalls. 

Am Fischmarkt von Validivia bestaunten wir außerdem Marktschreier und Seelöwen. Die dicken Tiere, die direkt ein paar Meter hinter den üppigen Auslagen der Marktstände faul in der Sonne liegen, bekommen dort rund um die Uhr Fischabfälle direkt ins Maul geworfen. Was für ein Leben. 

Auch wir haben Meeresfrüchte und Fisch in den unterschiedlichsten Varianten gekostet. Abgesehen von Fisch ist der Süden Chiles aber auch für seine Kuchenspezialitäten bekannt. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir dabei eine Kombination aus Käsekuchen, weißer Schokolade und Erdnusscreme. Als leidenschaftliche Kuchenbäckerin werde ich das bei meiner Rückkehr in Deutschland auf jeden Fall versuchen nachzubacken :) 


Auf den zwei Wochen Reise sind wirklich zahlreiche spektakuläre Fotos entstanden. Leider habe ich gerade nur auf einen kleinen Bruchteil der Fotos Zugriff, da meine Speicherkarten sich dazu entschieden haben, in den Selbstzerstörungsmodus überzugehen. Zum Glück sind die Fotos auf einem Stick gesichert, der allerdings mit meinen Eltern nach Deutschland gereist ist. Ich verwende nie wieder Mini SD Karten für meine Kamera. 

Chiloe Province
Los Lagos Region, Chile
Linda Small

Punta Arenas und Wandern in Patagonien: Torres del Paine Nationalpark

Punta Arenas

Zu viert waren wir etwa 10 Tage in Patagonien, wo wir in der südlichen Stadt Punta Arenas die überschwängliche Gastfreundschaft der Familie Alfsen genießen durften, einen Ausflug zur alten spanischen Festung "Bulnes" unternahmen und zu einem erlebnisreichen Tag auf der Estancia Fitz Roy ( so etwas wie eine Ranch) mit gegrilltem Lamm, Pferderitt und einer Vorführung traditioneller Schafschur eingeladen wurden. 

Uns wurde dort auch gezeigt, wie man Schafe von Parasiten befreit. Dazu musste ich ein Schaf mit einem speziellen Holzstab unter Wasser tauchen, was gar nicht so einfach ist und ein bisschen Kraft benötigt (siehe Fotos). 

Besonders interessant war die spezielle Stadtführung von unserem Gastgeber Juan Carlos, der uns die unterschiedlichen Stadtviertel im Hinblick auf die jeweilige dort wohnende Gesellschaftsschicht erklärte. Es ist tatsächlich so, dass viele Berufsgruppen dort ein eigenes Wohnviertel haben, in denen sich die einzelnen Häuser vom Aussehen her sehr ähneln. Im Viertel der Matrosen haben zum Beispiel alle Dächer dieselbe Farbe. In der Gegend, wo Anwälte und Steuerberater wohnen gibt es keine Gartenzäune. Diese Trennung der Gesellschaftsgruppen geht übrigens auch über den Tod hinaus: so gibt es auf dem örtlichen Friedhof (der ebenfalls sehr zu empfehlen ist) einen Bereich für Polizistengräber, einen für Angehörige des roten Kreuzes, einen für Feminist(Inn)en und sogar einen für die Mitarbeiter der deutschen Krankenkasse (es gab viel deutsche Einwanderung nach Chile).

Bei unserem Aufenthalt in Punta Arenas durfte auch der angeblich beste Snack des Landes im "Kiosco Roca" nicht fehlen: Bratwursthack im Brötchen mit selbstgemachter Mayo, dazu ein Glas frische Bananenmilch. Klingt absurd, ist aber unbedingt zu empfehlen :)  

Torres del Paine Nationalpark

Der eigentliche Grund für unsere Reise in den kalten Süden war jedoch der über die Landesgrenzen hinaus bekannte Nationalpark Torres del Paine. Dort haben wir uns die mehrtägige Wandertour namens "W-Route" vorgenommen. 

Ausgerüstet mit einem Dreimannzelt, warmen Trekkingklamotten, ein bisschen Essen und unseren Schlafsäcken und Isomatten machten wir uns bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg.... doch dieses wunderschöne Wetter sollte nicht ewig währen... 

Um ein bisschen abzukürzen gibt es im Folgenden eine komprimierte Zusammenfassung unserer Wanderung: 

Der eisige Wind weht uns von einem Spalt am unteren Rande des Zeltes um die Nase, es ist schon hell. Die Glieder schmerzen - Mist, die Isomatte hat schon wieder über Nacht ihre Luft verloren. Unter Ächzen und Stöhnen schälen wir uns aus unseren Schlafsäcken. Alle haben schon wieder aus unterschiedlichen Gründen schlecht geschlafen. Die Stimmung ist angespannt - wer hat diesmal die Zahnpasta eingepackt? Wo ist die Tüte mit dem Essen? Zum Frühstück: ohman, schon wieder Erdnussbutterbrot und Haferflocken mit Milchpulver. Nun schnell das Zelt zusammen packen und die Rucksäcke aufschnallen, für den heutigen Tag stehen 8 Stunden Wanderung bevor. 

Der Himmel verdunkelt sich, die ersten Regentropfen peitschen uns ins Gesicht. Wir hören das laute Rauschen einer sich nähernden Windböe. Wuuuuuscccccchhhhhhhhhh, sie trifft uns mit etwa hundertdreißig Stundenkilometern. Es gibt kein vorwärts und kein zurück mehr. Wir müssen uns ducken und festhalten, um nicht zu fallen. Der Regen wird stärker. Unsere mittlerweile vollgesogenen Wanderschuhe schmatzen durch den Matsch der maroden Wanderwege. Für das Umgehen der größten Matschlöcher sind Balance und Konzentration gefragt.

Vollkommen durchnässt erreichen wir in einem kleinen Waldstück die Holzhütte der Parkwächter. Wir stellen die Rucksäcke ab und treten ein. Für die jungen Parkwächter ist es eine willkommene Abwechslung, Besuch von vier deutschen Frauen zu haben. Es gibt Kekse, dampfend heißen Matetee und ein nettes Gespräch. 

Gut gestärkt und mit neuer Energie setzen wir unsere Wanderung fort. Die beeindruckenden Landschaften entschädigen uns dabei immer wieder aufs Neue für unsere Anstrengungen und lassen uns die Frage "Warum tut man sich das eigentlich an?" schnell wieder vergessen. 

Zu guter Letzt: Was für eine Reise!! Unser Viererteam war wirklich toll und obwohl die Bedingungen die Nerven ab und zu blank liegen ließen hatten wir viel Spaß zusammen. Die Wanderung und die große Gastfreundlichkeit, die wir in Punta Arenas erfuhren, machten unseren Aufenthalt im Süden zu einer unvergesslichen Erfahrung der besonderen Art. An dieser Stelle daher noch einmal ein großes Muchas gracias an die Familie Alfsen. 

Torres del Paine
Magallanes and Antartica Chilena Region, Chile
  • Small
    Luise hat am kommentiert:

    Nochmal ganz großes Dankeschön für die schöne Zeit bei dir in Chile und wie viel wir unternommen haben und alles. Danke auch für die viele Zeit die du dir genommen hast :) Torres del Paine war echt wunderschön! Und ich würde die Tour auch nochmal machen :D trotz der Strapazen mit Wind und Wetter :)

    Ich wünsche dir jetzt noch viel Spaß beim Reisen! :)

Linda Small

Die Wüste ist bunt: atemberaubende Landschaften rund um San Pedro de Atacama

Endlich ist ein bisschen Zeit für den schon lange ausstehenden Eintrag :) 

Das Semester in Santiago neigt sich langsam dem Ende entgegen, gleichzeitig habe ich nun für knappe vier Wochen Besuch von einer meiner besten Freundinnen. Gar nicht so leicht, Reiselust und Unipflichten unter einen Hut zu bringen. 

Nachdem Luise und ich gemeinsam ein paar Ecken Santiagos und meines Wohnviertels Nunoa erkundet hatten ging es mit dem Flugzeug in den hohen Norden des Landes: nach San Pedro in der Atacamawüste. 

Beim Landeanflug ist zunächst nichts weiter zu sehen als endlose Wüste. Kaum lässt sich bei diesem Anblick ahnen, was sich hinter der staubigen Weite noch alles an beeindruckenden Landschaften erstreckt. 

Wir übernachteten in einem netten Hostel mit der Hauskatze Zanahoria (dt. "Karotte") in der Oasenstadt San Pedro. 

Wer etwas mehr als San Pedro kennen lernen möchte muss ziemlich früh aus den Federn: etwa um vier Uhr morgens machten wir uns auf den Weg zu dampfenden Geysiren auf 4300 Meter Höhe. Besonders beeindruckend ist das Szenario im Gegenlicht der Morgensonne. Doch die dünne Höhenluft und die -10 Grad Außentemperatur lassen schon bald Hunger aufkommen und so gibt's direkt neben den Geysiren ein deftiges Frühstück mit jeder Menge Rührei. 

Gut gesättigt und nach einer heißen Tasse Kaffee kommen wir zu einer vulkanischen Quelle. Es braucht schon etwas Überwindung um sich bei einer solchen Kälte einen Bikini anzuziehen. Umso enttäuschter ist man dann, wenn man herausfindet, dass die vermeintlich "heiße Quelle" doch nur lauwarm ist. Eine einmalige Erfahrung war es trotzdem.

Zu unseren Highlights in San Pedro gehörten neben einem Ausflug ins "Mondtal" außerdem eine Fahrradtour in das sogenannte "Tal des Todes", vorbei am "Salzgebirge" bis hin zu einer prähispanischen Festung. Das Tal des Todes verdient seinen Namen übrigens zu Recht, zumindest gemessen an unseren Radfahranstrengungen. 

So richtig beschreiben lassen sich die (unglaublichen, beeindruckenden, atemberaubenden, wowww!!!) Landschaften und Eindrücke dort gar nicht. Bilder sagen mehr als viele Worte, also werft doch mal 'nen Blick in die Fotos! :) 

San Pedro de Atacama
Antofagasta Region, Chile
Linda Small

Kaktus Kaktus Kaktus + der chilenische Alltag

Kaktus, Kaktus, Kaktus

Vor Kurzem ging es Richtung Norden nach La Serena und ins Elqui Tal. La Serena ist eine schöne Stadt an der Küste, etwa 6 Fahrstunden von Santiago entfernt. Das Elqui Tal liegt dann noch einmal zwei Stunden weiter weg. Es ist bekannt für seinen Wein- und Obstanbau, für pintoreske kleine Dörfchen in den Bergen und einen beeindruckenden Sternenhimmel bei Nacht.

Natürlich durfte bei diesem Wochenendtrip auch die Besichtigung einer Piscofabrik nicht fehlen. Pisco ist ein Traubenschnaps, der hier in Chile sehr viel konsumiert wird. Auch den Besuch einer Sternwarte ließen wir uns nicht entgehen. Hierfür fährt man durch die kakteenbedeckten Täler hindurch auf einen Berg. Rundherum gibt es kein Licht, außer von weit entfernten kleinen Dörfchen. Genau deshalb ist der Sternenhimmel dort auch so klar, dass man sogar die Milchstraße deutlich sehen kann. Ein unglaublicher Anblick der mir sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Aber auch die Landschaft rund herum um das Elqui Tal und um la Serena ist richtig toll (und bunt!). In diesem einen Wochenende habe ich mit Sicherheit Millionen und Abermillionen von Kakteen gesehen. Kakteen werden von den Bewohnern des Tals außerdem tatsächlich als Zäune gepflanzt. Geniale Idee!

Sepember und Anfang Oktober ist im nördlicheren Chile der Zeitpunkt der sogenannten "blühenden Wüste". Am letzten Tag unserer kleinen Reise sind wir deshalb in einen Nationalpark gefahren, in dem es ganz besonders intensiv geblüht hat. Wow! Von dort aus ging es per Bootstour weiter auf eine blühende Insel (Isla damas). Um die Insel herum tummeln sich Delfine und Robben.
Wirklich schön!

Der chilenische Alltag

In einer anderen Kultur fernab von zu Hause zu wohnen kann manchmal ganz schön anstrengend sein. Ab und zu gibt es Situationen, in denen man einfach nur den Kopf schütteln kann oder in denen unweigerlich die Frage aufkommt: "wo bin ich und was tu ich hier eigentlich?"

Gestern zum Beispiel war wieder einer dieser Momente. Da sitze ich mit meinen Mitbewohnern im Wohnzimmer und sehe die Nachrichten. Angeblich sogar die seriöseste Nachrichtensendung die man in Chile so finden kann. Zu sehen ist eine lange Berichterstattung über einen Mann, der ganz in der Nähe von meinem Hochhaus auf einen Baum geklettert ist und dort gemütlich eine Dose Bier getrunken hat. Insgesamt sind fünf Polizisten angerückt um den Mann dazu zu bewegen, vom Baum herunter zu kommen. (Warum darf der Mann nicht auf dem Baum sitzen? Ich verstehe es nicht.)

Anschließend sehen wir ein langes Interview mit dem Mann auf dem Baum ("Warum sitzen Sie auf dem Baum? Wie lange sitzen Sie schon auf dem Baum? Wie lange werden Sie noch auf dem Baum sitzen?").

Es geht weiter mit der nächsten Skandalgeschichte: ein Ehepaar fährt mit zwei Ponys im Auto durch Santiago. Die Ponys schauen zum Fenster hinaus. Politik und Weltgeschehen? Fehlanzeige. Ponys sind doch viel interessanter.

Ich war schon kurz davor wieder den Kopf zu schütteln, da klingelt es an der Tür: ganz ernsthaft steht da unser Nachbar von Gegenüber und beklagt, er sei komplett ausgeraubt worden. Laptop weg, Geld weg, alles weg. Dabei kommt man eigentlich nur in den 19. Stock wenn man unten mit dem Wachmann spricht und eine Erlaubnis erhält. Der Nachbar setzt sich seufzend mit einem Bier zu uns aufs Sofa. Also sitzen wir zu viert vorm Fernseher und erfahren weitere brandaktuelle Neuigkeiten über den unerlaubten Ponytransport.

Außerdem hab ich hier im (riesengroßen und modernen) Supermarkt gestern tatsächlich etwas eingekauft, das schon im Jahr 1980 abgelaufen ist. Manchmal fragt man sich wirklich...


(Falls das hier ein Mensch von Permondo liest: ich finde es sehr anstrengend, dass man Texte nicht in Word vorschreiben und dann einfach rüberkopieren kann. Das Internet hier ist nicht das Beste, und mein Laptop leider auch nicht. Da brauche ich Ewigkeiten um das hier einzutippen, dann stürzt das Internet ab und alles ist weg, dann stürzt der Browser ab und alles ist weg. Ohman. Wenn man es einfach so rüberkopiert, ist leider alles verschoben. Gibt's da keine andere Möglichkeit? )


La Serena
Coquimbo Region, Chile
  • Small
    Schudebake hat am kommentiert:

    Hey Linda, bei der Anmerkung mit Word kann ich dir nur zustimmen! Ich versuche immer möglichst oft zwischendurch zu sichern. Tolle Bilder! Genieße Südamerika - ich vermisse es!

  • Small
    Claus hat am kommentiert:

    Hallo Linda, super Story, starke Bilder! Dis blaue Tür ist mein Favorit.
    Vorschreiben in Word ist auf jeden Fall hilfreich - und dann als unformatierten Text einfügen (http://www.permondo.com/de/tours/1279/blog...).
    Ich hoffe, dass hilft. weitere FAQs unten bei Support.
    Weiterhin viel Spaß wünscht dein permondo-Team
    Claus

Linda Small

Ein Abstrecher ins Land der Elfen und Zwerge und ein bisschen Unistress

Abstecher ins Land der Elfen und Zwerge

Wann immer sich die Möglichkeit bietet verschwinde ich aus dem chaotischen Santiago. Vor einer Weile war ich mit einer Freundin im Süden Chiles, in Valdivia. Das ist eine der Städte, in denen es besonders viel Einfluss von deutschen Einwanderern gibt und in denen auch noch viel deutsch gesprochen wird. Davon gemerkt habe ich allerdings nicht so viel.

In der Stadt kann man zum Beispiel richtig frischen Fisch kaufen und es gibt eine Meute Pelikane und richtig dicke Seelöwen, die nur daraf warten, dass man ihnen Fischabfälle ins Maul wirft.

Die Landschaft um Valdivia herum erinnert allerdings tatsächlich etwas an Deutschland, zumindest wenn man durch Feld und Wiese fährt. Kommt man jedoch in den Wald oder an die Seen hat man das Gefühl plötzlich in einer anderen Welt zu sein. Es gibt hier sehr viele Märchen und Sagen über die Wälder. Verständlich, denn alles ist irgendwie ein bisschen düster, es regnet und riecht nach Kaminfeuer. Man kann sich wirklich gut vorstellen, dass im Unterholz ein paar Zwerge hausen odere in bärtiger Riese hinterm nächsten Hügel Feuerholz schlägt. Einen Tag lang haben wir dort unterschiedliche Seen besucht und sind durch den Huilo huilo Nationalpark gewandert. Wirklich eine ganz eigentümliche Gegend. Zurück in Santiago ist es kaum vorstellbar, dass man sich immernoch im selben Land befindet.

Immer viel zu tun in der Universidad Católica


Ich kam in letzter Zeit echt zu nix. Es gibt einfach zu viel zu tun. Die Unikurse sind auch so undurchsichtig geplant, dass man immer GANZ PLÖTZLICH per Mail eine riesige Hausaufgabe erhält, die dann am Besten noch bis zum nächsten Tag erledigt werden soll und dann natürlich auch noch benotet wird, nicht einmal vom Dozenten selbst sondern vom "wissenschaftlichen" Mitarbeiter. Das Unisystem macht mich hier echt fertig. Hätte nie gedacht, dass die angeblich beste Uni eines ganzen Kontinents so bescheuert organisiert sein kann. Verstehe nicht, was so schwer daran ist, z.B. zu Beginn des Semesters einen Plan mit Abgabeterminen für Hausarbeiten zu verteilen. Mal abgesehen davon sind die Hausaufgaben vielmehr eine Beschäftigungstherapie als eine sinnvolle Übung um das Thma besser zu verstehen. Quantität statt Qualität. Bäh.


Valdivia
Los Rios Region, Chile
Linda Small

Ein bisschen Politik, ein bisschen Reise

Ein bisschen Politik

Kurzfristig erreichte mich eine Einladung zu einem kostenlosen Konzert, das in einem schäbigen, alten Theater in einem wohl eher dubiosen Stadtviertel stattfinden sollte. Mit dabei, die Band Illapu, von denen ich in meinem letzten Blogeintrag ein Video verlinkt habe. Da dacht ich mir: da geh ich hin! Was ich auf die Schnelle total ignoriert hatte, war, dass es sich um ein Gedenkkonzert zum 42. Jahrestage des Militärputsches des Diktators Pinochet auf die damalige republikanische Regierung Salvador Allendes handelte. 

Dementsprechend hat mich der Abend geradezu überwältigt. Abgesehen davon, dass wirklich gute Bands und Künstler auftraten war die Stimmung absolut beeindruckend (berührend, fast schon etwas beängstigend), und das schon bevor das eigentliche Konzert begann. Das Theater war gefüllt mit fahneschwenkenden Menschen, die immer wieder begannen lauthals alle (wirklich alle!) gemeinsam Parolen zu schreien: 

"Allende, Allende - immer unter uns!" (Auf deutsch klingt das wirklich lasch. Auf spanisch hört sich das ganz anders an...)
"Wahrheit! Justiz! Jetzt sofort! Wahrheit! Justiz! Jetzt sofort!" 
"Das geeinte Volk wird nie besiegt! Das geeinte Volk wird nie besiegt!"
"Mörder, Mörder!"

Natürlich wurden auch die Lieder der Musikgruppen aus vollem Halse mitgesungen, wie zum Beispiel dieses hier: Inti-Illimani Quilapayun - El aparecido 

Zwischen den Musikgruppen sprachen Angehörige von während der Diktatur "Verschwundenen", was nicht weniger beeindruckend war. In den 70er Jahren wurden in Chile viele Menschen verschleppt und zum Beispiel aufgeschlitzt ins Meer geschmissen oder einfach mit Baggern in der Wüste vergraben. Bis heute wissen die meisten Angehörigen nicht mit Sicherheit um das Schicksal ihrer "Verschwundenen". (Zu diesem Thema gibt es übrigens einen echt guten (Dokumentar-)Film: Trailer - Die Nostalgie des Lichts / la nostalgia de la luz

Zum selben Anlass gab es außerdem einen Gedenkzug zum Grab des ehemaligen Präsidenten Salvador Allende, den ich mir auch angesehen habe. Die Demonstration zog überraschend friedlich mit Menschen und Fahnen, Rufen und Getrommel quer durch die Stadt. An den Hauswänden huschten überall eine Menge vermummter Leute entlang, die ihre politischen Forderungen mit Graffiti an den Hauswänden der Stadt verewigten. Auch sowas habe ich noch nie erlebt. Die Polizei: weit und breit nicht zu sehen. Nach einem langen Marsch durch das mittlerweile durch die Sonne aufgeheizte Santiago sind wir schließlich am Friedhof angekommen. Eine Meute als Teufel Verkleideter trieb dort ihr Unwesen und hüpfte, kreischte und tanzte auf den Gräbern umher. Undenkbar in Deutschland, würde ich sagen. Andere Zeit, anderer Ort, gleicher Anlass, gleiche Stimmung: Die roten Teufel   

Ein bisschen Reise: Hier und da und dorthin: Concon, Valparaíso, Cajón del Maipo, Isla Negra

In den letzten Wochen war ich immer mal wieder unterwegs. Bei einem Aufenthalt am Küstenort Concon konnte ich dank meiner guten chilenischen Kontakte in einer luxuriösen Wohnung direkt am Meer übernachten. Im Rahmen eines Tagesausflugs besuchten wir die Weltkulturerbestadt Valparaíso. Das besondere an Valparaíso sind seine Hügel ("cerros"). Die Hügel, auf die man mit eigenartigen alten Aufzügen hinauffährt sind voll von bunten, ungeplant neben- und übereinander gebauten Häuschen und ganz viel toller Streetart. Schöne Stadt! 

Ein weiterer Ausflug führte mich zusammen mit meinen Mitbewohnern in ein verschneites Tal, dem sogenannten "Cajón del Maipo" ("Maiposchublade"). Ganz Santiago hatte an diesem Tag dieselbe Idee und so stand mein Mitbewohner im quasi unbewohnten Tal drei Stunden im Stau, während meine Mitbewohnerin und ich im Dunst der Abgase eine Wanderung zu einem Wasserfall unternahmen. Die vielen anderen Leute waren allerdings hauptsächlich zum Schneemannbauen angereist. Jedes der  hunderten Autos, das aus den Bergen nach Santiago zurückfuhr, trug als "Souvenir" einen kleinen Schneemann auf der Kühlerhaube. Witzig :)

Zusammen mit ein paar Hamburgern hat es mich außerdem für ein Wochenende nach Isla Negra verschlagen. Entgegen dem Namen handelt es sich aber nicht um eine Insel, sondern um einen kleinen Ort am Strand. Die Touristenattraktion Isla Negras ist ein Haus des chilenischen Poeten und Literaturnobelpreisträgers Pablo Neruda. Spätestens nach dem Besuch des Hauses ist klar:  der Mann war ein wahrer Künstler. Ein Wohnzimmer voll mit von der Wand hängenden Galleonsfiguren - das ist schon ganz schön extravagant. Angekommen in seinem Schlafzimmer hat man schließlich einen einzigartigen Blick über die Küste und das raue Meer.

Ich frage mich, ob es da nicht jedem plötzlich leicht fallen würde, Gedichte zu schreiben. 

Zu den Fotos...  Noch immer kann ich meine Kamera nicht benutzen, es kann sich nur noch um Wochen handeln... bis dahin muss mein schlechtes Handy herhalten (was mir schon ein bisschen in der Seele wehtut). 
Fotos von: Santiago von oben, Isla Negra, Valparaiso, Gedenkzug zum Zentralfriedhof, Cajón del Maipo



Linda Small

Spontan nach Patagonien: Punta Arenas, Punta Arenas!

Mittlerweile hab ich mich schon ganz gut eingelebt hier. Die Organisation in der Uni ist eine absolute Kathastrophe: Der Unibeginn musste um eine Woche verschoben werden, weil das Kursanmeldungssystem zusammengebrochen ist.

Das habe ich zum Anlass genommen um entgegen meiner ursprünglichen Planung nach Punta Arenas im Süden Chiles zu fliegen. Dort war ich auf die Hochzeit des Bruders meines Ex-Freundes Ian eingeladen. Das klingt erstmal verzwickt. War es dann aber überhaupt nicht, denn diese einmalige Gelegenheit dort hautnah einen Einblick in Land und Leute zu bekommen darf man sich wirklich nicht engehen lassen.

Der Blick aus dem Flugzeug über den Süden Chiles ist schon überwältigend, denn man sieht absolut nichts von Zivilisation. Die Landschaft ist durchzogen von Kanälen und Seen, die jetzt im Winter alle gefroren sind und das Sonnenlicht reflektieren.

In Südchile ist es kälter und normalerweise ist das Wetter vor allem im Winter ziemlich schlecht. Ich hatte jedoch richtig Glück: es lag kein Schnee, es gab wenig Wind und die Sonne schien.

Chilenische Gastfreundlichkeit

Am Flughafen wurde ich von Onkel und Tante von Ian abgeholt und habe den Tag mit der Familie verbracht, die von überall her angereist war, um der Hochzeit beiwohnen zu können. Eine chilenische Familie scheint ein witziger, bunter Haufen zu sein. Es gab unglaublich viel zu essen (und zu trinken - chilenischer Wein) und ich wurde regelrecht überbetreut. Für einen kurzen Gang in die Stadt wurde mir zum Beispiel extra eine Tüte Kekse als Wegproviant abgepackt und zu jeder Tages- und Nachtzeit wird Kaffee oder Essen angeboten. Tante und Onkel hatten sich zudem extra Urlaub genommen. Vor einem Ausflug hatten wir Bescheid gesagt, am nächsten morgen nicht frühstücken zu wollen. Trotzdem stand die Tante um 6.30 auf und bereitete das Frühstück zu. Dann bleibt einem natürlich nichts anderes übrig, als doch zu frühstücken. Mehr Gastfreundlichkeit geht vermutlich gar nicht.

Eine chilenische Hochzeit

Die Hochzeit war der absolute Hammer. Mit der Busflotte des Brautvaters wurde die Hochzeitsgesellschaft durchs Land und über eine Fähre auf die familieneigene Insel (!) gebracht. Auch die Räumlichkeiten für Empfang und die Feier gehörten der Familie. Es gab pausenlos Essen - von Lammfleisch bis Törtchen, Desserts, Gratins war alles dabei. Auf der Tanzfläche wurde zuerst klassisch der lateinamerikanische Tanz "cumbia" getanzt und später ging es dann über in eine witzige Party mit Verkleidungsaccesoires.

Punta Arenas, Punta Arenas

Ich hatte mir die Stadt ziemlich hässlich vorgestellt und war dann sehr positiv überrascht. Punta Arenas ist wirklich schön! Die Welt scheint dort in Ordnung zu sein. Die Häuser erinnern irgendwie an Skandinavien und die Innenstadt ist echt nett, mit zwei sehenswerten Museen und ienigen alten Gebäuden. Am Stadtrand an der Küste liegen aufgelaufene, alte Schiffe, die vor sich hinrosten und ein interessantes Flair schaffen. Empfehlenswert ist auch ein Abstecher auf den Friedhof, denn dort sieht es ganz anders aus als man das so von Europa gewohnt ist und die reichen Familien der Stadt haben auch bei den Gräbern ihrer Hinterbliebenen an nichts gespart.

Was auch besonders toll an Punta Arenas ist: Die Häuser haben Heizungen. In Santiago sind die Zimemr im Winter ja leider gar nicht isoliert und bitterkalt...

Nationalpark Torres del Paine

Der Torres del Paine Nationalpark ist laut Reiseführer die "Top 1" Sehenswürdigkeit des Landes und gehört auch zu den Orten, die man in Südamerika unbedingt gesehen haben sollte.

Wir sind für nur einen Tag in den Nationalpark gefahren. Die ich glaube insgesamt 10 Stunden Autofahrt haben sich aber auch für einen einzigen Tag absolut gelohnt. Selbst die Landschaft auf der Fahrt ist, zumindest für mich, schon sehr beeindruckend. Kilometer um Kilometer ist da einfach nichts außerd ie Straße... Absolut nichts! Nur von Flechten überwucherte knorrige Bäume und Steppe so weit das Auge reicht: kein Haus, kein Mensch. Und Himmel in Farben, die man sonst gar ncht kennt. Und die Landschaft is eingehüllt in dieses ganz andere Licht. Toll. Leider ist meine Kamera noch nicht wieder einsatzfähig, die Fotos mit dem Handy können so eine Stimmung leider gar nicht rüberbringen.

Zu Torres del Paine selbst kann ich gar nicht viel sagen... Mir fehlen nämlich die Worte! Es war so beeindruckend, dass man aus dem Staunen nicht mehr raus kam. Die Landschaft, die Farben, das Licht dort sind unglaublich beeindruckend. Ich hätte durchgehend "wow!" sagen können. Wir haben dort einen Gletschersee und einen Wasserfall besichtigt und die Torres del Paine gesehen, die dem Park seinen Namen geben. Bei den Torres handelt es sich um Gesteinsformationen im Gebirge, die irgendwie an Türme ("Torres") erinnern. Ich muss dort unbedingt nohmal hin und kann nur jedem empfehlen diesen Nationalpark auf seine "Bucket List" zu setzen. Ein Brauch der chilenischen Touristen ist es übrigens, eine Flasche Whisky mit zum Gletschersee zu nehmen, um diesen "on the rocks" mit Gletschereis zu genießen.

Die passende Musik für die lange Autofahrt durch die patagonische Pampa liefert die chilenische Band Illapu: Illapu - Lejos del amor


Magallanes Province
Magallanes and Antartica Chilena Region, Chile
Linda Small

Hola Südamerika, hallo Santiago

Fast eine Woche bin ich nun schon in Chile und es fühlt sich an wie eine halbe Ewigkeit. Bis Dezember wohne ich in der 6-Millionenstadt Santiago um zusammen mit 1500(!!!) anderen Austauschstudenten aus aller Welt ein Semester an der angeblich besten Universität Lateinamerikas zu verbringen.

Santiago hat im Gegensatz zu einigen anderen lateinamerikanischen Städten ein super funktionierendes Verkehrssystem. Bargeldlos fährt man in Bus und Metro mit der Bip-Karte durch die Stadt (Bip, denn der Fahrkartencheck macht immer "Biiiiiiiiiiiiiip").
Chile ist ein Land starker sozialer Gegensätze und Ungleichheiten. Das heißt, es gibt sehr sehr reiche Leute und auch eine sehr arme Bevölkerungsschicht. Die  Klassengesellschaft schlägt sich auch im Stadtbild nieder, denn Santiago ist in verschiedene Viertel eingeteilt, die einen ganz unterschiedlichen Grad an Sicherheit haben und sich auch optisch deutlich voneinander unterscheiden. Ich wohne nun in Nunoa, was eines der sichersten Viertel Santiagos ist. Hier gibt es Hochhäuser, Einkaufsmalls, edle Restaurants, High-End Fitnessstudios, deutsche Bäckereien und mehr. Zusammen mit zwei super lieben Chilenen lebe ich im 19. Stock eines schicken, neuen Hochhauses. Die Aussicht vom Wohnzimmer und auch aus meinem Zimmer heraus ist einfach gigantisch (siehe Fotos!!).

Der Kontrast zwischen arm und reich wird zudem darin deutlich, dass in absolut jeder größeren Straße Straßenhändler zu finden sind, die Snacks, Getränke, Schmuck oder was auch immer verkaufen. Gleich daneben befindet sich dann eine große Shoppingmall oder ein Sushirestaurant. 
Wie in anderen Ländern Lateinamerikas gibt es auch hier Menschen, die die Ampelphasen dazu nutzen, um sich ein paar Pesos dazu zu verdienen, indem sie die Scheiben der Autos putzen, Kaugummis an die Fahrer verkaufen oder auf der Straße jonglieren. Ebenfalls gibt's auch Leute, die in Ubahnen und Busse einsteigen und dort lauthals ihre furchtbare Lebensgeschichte vortragen oder mit ihrer Gitarre Lieder singen um von den Passagieren auf diese Weise etwas Geld zu erbetteln.

Zusammen mit anderen Austauschstudenten und ein paar Chilenen ging es heute in einen etwas ärmeren Bereich Santiagos zum stadtbekannten Biobiomarkt (siehe Fotos!). Auf dem Biobiomarkt gibt es kein Obst und Gemüse... Dafür aber alles andere was man sich irgendwie vorstellen kann. Auf einem riesigen Gelände in keine Ahnung wie vielen Hallen reiht sich ein Stand an den Nächsten. Einer der Stände bot zum Beispiel Kronleuchter, einen kaputten Sessel, gebrauchte Tankstellenschläuche, Second-Hand Bücher und einen alten Flugzeugpropeller an. Wir sind mindestens drei Stunden lang durch diesen Markt gelaufen und jeder Stand hat eine absolut eigenwillige und abgefahrene Mischung an Angebot. Ich frage mich nur, wie jemand, der einen Tankstellenschlauch sucht, auf so einem großen Areal den einzigen Stand mit Tankstellenschläuchen finden soll?!...
... Überall auf dem Markt schallt einem außerdem Musik entgegen: hier 20er Jahre Musik aus einem Plattenspieler, dort der Lieblingstechno des Antiquitätenverkäufers und da drüben Salsamusik von einem Imbiss, der zum Mittagessen riesige gekochte Fleischbatzen serviert.

... Und wie in anderen Ländern Lateinamerikas muss man auch in Chile auf seine Sachen aufpassen. Einer Deutschen wurde heute auf dem Biobiomarkt der Rucksack hinten aufgeschlitzt. Es lohnt sich also, seine Wertsachen nicht im Rucksack oder in der Handtasche zu transportieren.

Abgesehen von dem Sicherheitsproblem in einigen Vierteln scheint mir Santiago aber eine tolle Stadt zu sein. Es gibt ein riesiges Kulturangebot. Ich war schon in einem der zahlreichen Kunstmuseen und auf einer Galerieeröffnung (auf der es leckere Kürbisfladen "sopaipillas" zu essen gab). Santiago hat außerdem eine ausgedehnte Jazzszene, in die ich gerne reinschnuppern möchte und im Monat August findet ein internationales Filmfest statt, an dem ich unbedingt auch teilhaben will.

Die Menschen hier habe ich bisher als freundlich, offen, herzlich und entspannt erlebt. Ältere Damen sprechen mich zum Beispiel mit Mijita an (wörtlich übersetzt: "meine Tochter"). Außerdem fällt mir auf, dass es wohl eine deutsche Angewohnheit ist, im Aufzug zu schweigen und auf den Boden oder sonst irgendwohin zu starren. Ich wohne ja nun im 19. Stock und da fährt man viel mit dem Aufzug. Und jedes Mal fangen die Chilenen ein Gespräch mit mir an und fragen mich, was ich heute denn noch so mache und ob mir heute kalt war.

Es ist übrigens echt kalt hier. Oder zumindest fühlt es sich sehr kalt an, denn die Wohnungen haben keine Heizung und die Fenster sind quasi nicht isoliert. Die Decke, die ich mir im Flugzeug geklaut habe, ein paar Wollsocken (danke Lisa!) und ein Körnerkissen (ein Geschenk von meinen Osnabrückfreundinnen :)) retten mir hier gerade das Leben. Ich bin sehr froh darüber, dass ich in Deutschland noch in letzter Sekunde meine peruanischen Lamafellhandschuhe eingepackt habe und mir heute direkt eine dicke Mütze besorgt hab.

Zum Glück regnet es hier aber sehr wenig. Das stellt für Santiago allerdings auch ein Problem dar: der Regen würde den Schmutz aus der Luft "waschen". Ohne Regen legt sich der Smog jedoch wie ein grauer Schleier über die Stadt. Um Smog so gut es geht zu reduzieren wird in Santiago täglich eine Zahl bestimmt. Jedes Auto, dessen Kennzeichen auf dieser Zahl endet, darf dann einen Tag lang nicht fahren.

Die Woche ist wirklich wie im Flug vergangen und rückblickend kann ich gar nicht glauben, dass ich in dieser Riesenstadt wirklich am ersten Tag schon WGs besichtigt habe und am dritten Tag umgezogen bin.

Die WGs, die ich mir angesehen habe, hätten unterschiedlicher nicht sein können. Zum Abschluss gibt's noch eine Anekdote meiner skurrilsten WG-Besichtigung:

Nach einer Stunde fahren und laufen komme ich endlich am Haus an. Ich klingele und der junggebliebene Fast-Vierziger Francisco öffnet mir um vier Uhr nachmittags in Schlafanzug und mit Schafsfell um die Schultern die Tür. Seine zwei Hunde stürmen mir entgegen und ich betrete das Haus. Alles riecht nach Hund. Trotz der dunklen Zimmer fällt sofort die schrullige Einrichtung ins Auge. In einem Regal stehen Puppenköpfe, in einer Zimmerecke liegen übereinander gestapelte Plattenspieler.
Francisco läuft weiter und zeigt mir die Küche ("Sorry, alles dreckig grad"). An der Wand stehen drei riesige Kühlschränke. "Für jeden Mitbewohner einen" erklärt er. Wir trotten zurück ins Wohnzimmer, die Hunde trotten hinterher. Der Hausbesitzer deutet auf einen vierten Kühlschrank. Der steht mitten im Wohnzimmer und war mir bisher seltsamerweise nicht aufgefallen. "Dieser hier ist ein Juwel, ich liebe diesen Kühlschrank" bemerkt Francisco voller Stolz. Das Ding sieht wirklich alt aus, mindestens aus einem anderen Jahrhundert, auf jeden Fall aber als "vintage" zu bezeichnen.
Ich frage Francisco, ob er auch diesen vierten Kühlschrank nutzt....: "Nein, aber er funktioniert." Francisco öffnet die Tür und ein Schwall eiskalter Luft weht mir aus dem gähnend leeren Kühlschrank ins Gesicht. Nur mit Mühe kann ich mir einen Kommentar zum Thema Stromverschwendung verkneifen.

Nach einem langen Tag mit Jetlag und voller WG-Besicchtigungen komme ich zurück in meine Bleibe und sehe: drei neue Nachrichten von Francisco: "Und, du würdest gerne bei mir wohnen, oder?"


:)

Auf den Fotos seht ihr (leider total durcheinandergewürfelt - ich check noch nicht wie man die Fotos hier ordnet...) :
- Die Anden von oben
- den atemberaubenden Blick aus meinem Zimmer zu unterschiedlichen Tageszeiten
- Eindrücke vom Ausflug zum Biobiomarkt
- die echt schönen Universitätsgebäude der Pontificia Universidad Católica









Santiago
Santiago Metropolitan Region, Chile
  • Small
    Claus hat am kommentiert:

    Hallo Linda,
    schön, von dir zu hören (lesen).
    Wenn du alle Fotos en bloc hochlädst, ist die Reihenfolge tatsächlich zufällig :-(.
    Wenn es dir auf die Reihenfolge ankommt, hilft, in kleinen Blöcken hochzuladen, oder per email (http://www.permondo.com/de/tours/1279/blog...) posten.
    Falls du noch Fragen hast -wir sind über das kleine Fragezeichen zu erreichen.
    Viel Spaß in Chile!
    dein permondo-Team
    Claus

  • Small
    Luise hat am kommentiert:

    Hi Linda,

    schön, dass du gut angekommen bist und dich schon recht gut eingelebt hast.
    Ich freue mich schon tierisch auf Chile und zähle schon die Tage (noch 2 Monate und 2 Wochen ^^)

    Ich wünsche dir viel Spaß und wir skypen mal :)
    Luise