Neuseeland: 8.000 Kilometer durch das schönste Ende der Welt!

Von Mitte Dezember 2014 bis Ende Januar 2015 bin ich in Neuseeland unterwegs gewesen. Als grandiosen Abschluss eines Sabbaticals habe ich mit einem Mietwagen alleine 6 Wochen die Nord- und Südinsel bereist und endlose Strände, atemberaubende Landschaften, traumhafte Seen, Regenwald, Maori-Kultur, Kiwis & Kauris, Vulkane, Pinguine und heiße Quellen, unzählbare Schafe und unglaublich nette Menschen erlebt..

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Vee Bee Small

Kia Ora - Willkommen, liebe "Mitfahrer"

Der Blog basiert auf meinem Reisetagebuch, das ich während der gesamten Reise täglich geführt habe. Jetzt habe ich einige Bilder hinzugefügt. Somit steht hier eine komplette Reise vor Euch, die man von Anfang bis Ende miterleben kann, wenn man ganz nach unten zum ersten Eintrag scrollt. 

Jetzt liegen 8.000 Kilometer, sicher mindestens so viele Kurven, rund 30 verschiedene Hotels und unfassbar viele Eindrücke hinter mir, die ich erst noch in den kommenden Wochen verarbeiten werde. In 6 Wochen habe ich knapp 6.000 Fotos gemacht. Leider kann man bei Permondo Fotos weder beschriften noch in ihrer Reihenfolge nach dem Upload verschieben, weswegen die Reihenfolge der Fotos manches Mal etwas unsortiert erscheint, da ich von zwei Kameras hochgeladen habe.

Wer insbesondere auf der Nordinsel Coromandel und Auckland vermisst, dem möchte ich sagen, dass ich dort u.a. im Januar/Februar 2014 auf einer ersten (sehr kurzen) Neuseeland-Reise war und dieses Mal dorthin nicht zurück gekehrt bin.

Zur besseren Verfolgung der Route habe ich täglich eine kleine Routenkarte eingefügt und hier zwei grobe Übersichten der Nord- und Südinsel-Routen.

Ich wünsche allen, die hier mitlesen, viel Spaß dabei. 

VeeBee

  • Small
    Claus hat am kommentiert:

    Vielen Dank für den tollen Bericht! Super Fotos und viele Tipps.
    Die meisten Blogger machen das unterwegs und sind dann zuhause (fast) fertig. Du hast dich aufgerafft und dir nachträglich noch viel Arbeit gemacht. Viele, die eine Reise nach Neuseeland planen, werden es dir danken!

  • Small
    Vee Bee hat am kommentiert:

    Danke für die Blumen! Aber auch ich schreibe meine Reisetagebücher täglich unterwegs in meinem Tablet und speichere den Text und alle Fotos in einer Tages-Datei ab. Nach der Reise redigiere ich nur noch, schmeiße Schreibfehler oder uninteressante Sachen raus und das war's :-)

  • Small
    Claus hat am kommentiert:

    Falls jemand "andersrum" lesen möchte: http://www.permondo.com/de/tours/1353/blog...
    Viel Spaß!

Vee Bee Small

Zuhause!

Der Flug nach Frankfurt dauert 12:08h und ist ausgebucht. Ich schaffe es dennoch fast 6 Stunden mit einem Film und meinem Hörbuch, Schlafbrille und noise-cancelling-Kopfhörern, etwas Ruhe zu finden. Die letzten 6 Stunden sind dann etwas nervig, die letzten 4 sitze ich da und schaue praktisch alle 10min auf die Restfluganzeige.

Morgens um 6.05h lande ich in Frankfurt bei 2°C in einer überzuckerten Landschaft. 

Nach zwei Stunden geht es dann weiter nach Berlin! Ich bin froh, dass Malte mich abholt und meine tonnenschwere große Tasche in die Wohnung schleppt.

Nach 8.000km, knapp 6.000 Fotos, rund 30 verschiedenen Hotels und Betten, ca. 38.000 Flugkilometern, 2 Fährüberfahrten bin ich wieder Zuhause! Was für eine Reise!


Berlin
Berlin, Germany
Vee Bee Small

Abschied von Aotearoa

Der Wecker geht um 5.45h, der Wake-up-Call kommt um 6.00h an. Ich bin um halb sieben im Auto Richtung Flughafen unterwegs, der über den Highway nur 4km entfernt ist und trotz Baustelle reibungslos von hier aus erreichbar ist. Ich gebe das Auto ab und wuchte mit meiner Tasche zum Check-In. 27,7 Kilo wiegt die Tasche. Das ist ja praktisch so, wie bei Abflug. Einige Sachen sind ja rausgeflogen, andere hinzugekommen. Mein kleiner Trolley wird auch gewogen und ist mit 8,45kg für die Dame am Check-In als Handgepäck akzeptiert. Den Rucksack interessiert keiner. Der war bei anderen Reisen oft 13kg schwer. Komische Nummer. Vielleicht sollte ich immer einen Trolley dabei haben, damit der schwere Rucksack als Handtasche gilt…

Ein letzter Apfel und eine letzte Flasche Wasser draußen in der frischen Luft vor dem Flughafen. Ein letzter Blick auf blauen Himmel und eine lange weiße Wolke. Ach, Neuseeland – Du fehlst mir jetzt schon. Mit einer Träne im Knopfloch gehe ich endgültig in den Flughafen und um 9.00h startet die Cathay Pacific mit mir an Bord nach Hongkong.

In der Premium Economy sind nur 4 Gäste, so dass der Bereich mit gut 30 Sitzplätzen praktisch leer ist. Ich ziehe an einen Fensterplatz um und sehe bis zur Landung in Hongkong 5 Filme. Ein Tagesflug hat schon seine Vorteile. Man ist nicht so erledigt, wenn man landet. Der Flug dauert 11:57h.

Bevor ich ins Regal Airport Hotel gehe, hole ich mir schnell bei der Bäckerei etwas zu essen und eine Flasche Eistee, checke ein und bin kurz vor 17.00h Ortszeit im Bett. So richtig gut schlafen kann ich nicht, wenngleich es mit meiner inneren Neuseeland-Uhr fast Mitternacht ist. Um 22.15h (3.15h morgens nach NZ-Zeit) geht der Wecker, ich dusche und schnappe mein Handgepäck, trudel wieder zum Flughafen rüber und um 00.35h am 30.1. beginnt mein Flug nach Frankfurt.

Auckland
Auckland Region, New Zealand
Vee Bee Small

Fahrt nach Auckland und Besuch von Whakarewarewa

Unweigerlich der letzte Tag im Paradies. Ich kann es gar nicht glauben, dass ich morgen früh um 9.00h schon im Flieger nach Hongkong sitze. Zunächst fahre ich nun aber etwa eine Stunde nach Rotorua und gehe ins Whakarewarewa Village und nehme um 12.00h an einer kleinen Dorf-Führung teil. 25 Familien leben hier in diesem Dorf, das gleichzeitig auch eine Touristenattraktion ist. Die meisten der Bewohner arbeiten jedoch nicht hier im Tourismus, wenngleich es ein paar Guides gibt und ein paar Leute, die hier Souvenirshops und ein Café betreiben. Der Name Whakarewarewa ist ja schon nicht einfach - der komplette Name des Ortes ist allerdings ungefähr 4 x so lang und  lautet Te Whakarewarewatanga O Te Ope Taua A Wahiao (was durchaus auch in einem Wort geschrieben wird), was in etwa Versammlungsplatz für die Krieger von Wahioa bedeutet.

Es dampft hier wirklich überall und neben jedem Wohnhaus ziehen Schwaden aus dem Boden. Teilweise hat man hier in den Erdlöchern Roste angebracht und gart hier das Essen. Morgens, bevor man zur Arbeit geht, wird hier alles reingelegt und wenn man Stunden später zurück kommt, ist es fertig gegart. Mitten im Ort ist eine öffentliche Badeanstalt unter freiem Himmel. Hier sind etwa 5 zementierte „Badewannen“ im Boden, zu denen schmale Rinnsale führen, die aus einer benachbarten heißen Quelle abgeleitet werden. Das Wasser ist sehr warm und nichts für Leute mit schwachem Herz oder Kreislauf. Der Friedhof des kleinen Dorfes hat aus offensichtlichen Gründen die Gräber oberhalb der Erde in weißen Stein-Särgen. Zwei Kirchen gibt es hier. Die Katholiken haben hier fleißig missioniert, denn die Maori sind vielfach katholisch, auch, wenn sie ihre überlieferten Traditionen und viele Glaubenselemente ihrer Vorfahren weiter pflegen.

Der Himmel zieht sich fast schwarz über der kleinen Touristengruppe zusammen, zu der ich gehöre und bevor es losgeht, laufe ich rasch zum Parkplatz, um meine Regenjacke rauszuholen. Meine Regentüte für 1 EUR aus dem Euroshop in Berlin habe ich auf der Südinsel vor der Fährfahrt weggeworfen und muß nun tatsächlich in meiner großen Reisetasche nach meiner Regenjacke kramen, während von oben die ersten dicken Tropfen fallen. Kaum habe ich die Jacke gefunden, bricht ein Wolkenbruch los und ich flüchte mich nur noch in mein Auto. Nach 20min ist alles vorbei und ich sehe etliche Teilnehmer meiner Gruppe pudelnass und bibbernd zu ihren Autos laufen. 

Ich steige trocken aus und laufe zu der überdachten Bühne, auf der nun um 14.00h eine Maori-Tanz/Musik-Vorführung startet. Die Lieder erinnern mich sehr an die Südsee. Vielstimmiges Singen mit schönen Melodien. Während die Frauen den Poi (einen weißen Ball an einem Band) schwenken und unglaubliche Bewegungen aus dem Handgelenk vollbringen, singen Frauen und Männer zusammen. Die Grimassen, die es beim Haka gibt, dienen der Abschreckung von Feinden – wenn’s hilft! Heute wird das auch vor Football-Spielen praktiziert. Als es dann an die Mitmach-Zeit geht, ergreife ich die Flucht. Es ist kurz nach halb drei, als ich Rotorua verlasse und nun meinen letzten Streckenabschnitt nach Auckland antrete.

Das Airport Gateway Motel ist billig und genauso ist es dann auch. Der Parkplatz ist voll, das Mobiliar abgewohnt, ich habe drei Camping-Betten in meinem Zimmer, keines breiter als 90cm. Dadurch, dass die Straße, in der das Motel liegt zu einem Teil wg. einer Baustelle gesperrt ist, brauche ich fast eine Stunde, um einen Weg hierher zu finden. Gut, dass ich immer noch Internet im Handy habe und mit Google Maps irgendwann wirklich den Weg finde, nachdem ich mit dem Navi x-Mal im Kreis und an das falsche Straßenende komme, von dem aus kein Zugang zum Hotel besteht. Ich bin völlig abgenervt, als ich um fast 19.00h im Hotel bin. Ich gehe im Hotelrestaurant essen, das – ebenso wie die Betreiber des Restaurants und des Hotels – eine eher indisch geprägte Speisekarte haben. Es ist aber lecker und ich gönne mir ein großes Bier und versuche anschließend auf der schmalen, durchgelegenen Matratze eine Schlafposition zu finden. Das Zimmer ist heiß und stickig. Ich habe die zwei Klappfenster offen und ertrage lieber den Autolärm vom nahen Highway und die Flugzeuge sowie den Flutlichtstrahler auf dem Parkplatz. Es wird eine kurze, unruhige Nacht.

Tageskilometer: 315

Whakarewarewa
Bay of Plenty, New Zealand
Vee Bee Small

Dampfende Krater und ein letzter Sonnenuntergang

Ausschlafen und im Bett rumliegen bis halb 10. Dann langsam aufstehen, Frühstück und im Anschluß den Kampf mit der Reisetasche aufnehmen. Der kleine, neue Trolley entpuppt sich als weniger groß, als mein Rucksack und nun werde ich wohl den Rucksack als zweites Handgepäckstück mithaben und hoffen, dass das keinen stört. Der Rucksack wird dafür eher leer sein und mit Gewalt ggf. auch in den kleinen Koffer passen.

Bis 14.00h bin ich so gut beschäftigt und draußen ist es kühl, bewölkt und fängt um 13.00h auch noch an zu regnen. Ich will nur noch zur Post und zu Dick Smith, um noch ein paar Kopfhörer zu kaufen. Mal gucken, ob ich jetzt noch zu Craters of the Moon fahre.

Ich parke fast vor Dick Smith, finde die Kopfhörer und laufe noch zur Post, um die letzte Briefmarke zu kaufen und die letzten sieben Postkarten abzuschicken.

Nur knapp 8 km sind es zu den Craters of the Moon und es wäre doch schade, das nicht zu sehen und ins ferne Deutschland zu reisen - also alles mitnehmen, was sich auf den letzten Metern noch bietet! Kostet nur 8 Dollar Eintritt und ich laufe los. Es ist flach bis hügeliges Gelände, in dem man größtenteils auf einem Plankenweg etwas oberhalb der heißen Erdoberfläche läuft und umgeben ist von dampfenden Fumarolen und heißen Quellen. Es gibt einige kleinere Krater, die erstaunlicherweise mit saftig grünen Farnen und niedrigen Büschen bewachsen sind. Dazu sind hier überall kleine Blümchen verbreitet, die an grünen Sträuchern wachsen. Echte Kämpfer in so einer Umgebung! Denn das Erdreich dürfte ja auch hier eher von Schwefel und Säuren geprägt sein. Es ist wenig los und leider ist der Himmel auch bedeckt, es fallen ein paar Tropfen, aber dabei bleibt’s dann auch. Die Einblicke in die Krater, die hier entstanden sind, ist schon klasse, auch, wenn hier nicht so viele Farben wie in Wai-o-Tapu zu sehen sind. Es ist hier ganz anders, aber auch toll und deutlich weniger besucht.

Nach knapp 1,5 Stunden bin ich durch und nehme auf dem Rückweg nach Taupo eine schlecht englisch sprechende Japanerin mit, die gar nicht aufhört, sich dafür zu bedanken, dass ich sie angesprochen habe, ob sie nicht mit nach Taupo fahren will, statt zu Fuß am Highway anderthalb Stunden nochmal wieder zurück zu laufen. Eine echte Unterhaltung mit ihr ist schwierig und so bleibt es dann bei dem kurzen Transfer und ich fahre ins Hotel, nachdem ich mir bei Countdown noch ein paar Salate zum Abendessen geholt habe.

Ich sitze mit einem der zwei Sessel in der Tür meines Zimmers, gucke auf die Seite meines Autos, das vor der Zimmertür abgestellt werden muß, aber die Füße stehen nochmal in der Abendsonne. Um halb acht laufe ich runter zum See und genieße einen letzten tollen Sonnenuntergang über Lake Taupo, während ich versuche mich an ganz viele Dinge, Ansichten und Erlebnisse, dieser unglaublichen Reise zu erinnern. Es ist einfach zu viel und ich freue mich, dass ich ein ausführliches Tagebuch geführt habe, damit nicht alles zu einem Erinnerungsbrei zusammenschmilzt. 

Es hängen Wolken über den drei Vulkanen im Tongariro-Nationalpark am Horizont und auch die Sonne geht zwischen Wolken rechts von mir unter. Schon um 20.15h ist heute das Spektakel beendet und es wird sofort frisch. Ich laufe ins Hotel zurück, sortiere meine letzten Sachen und entscheide mich, morgen noch nach Whakarewarewa in Rotorua zu fahren. Ein bewohntes Maori-Dorf inmitten von dampfenden Schwefelquellen und Fumarolen, neben dem Te Puia, wo ich letztes Jahr war. 

Tageskilometer: 18

Craters of The Moon
Waikato, New Zealand
Vee Bee Small

Champagner-Pool und Artist's Palette - unglaubliche Farben in Wai-o-Tapu

Ich wache um 6.30h auf und entscheide mich dann nach etwas Recherche im Internet, heute als erstes nach Wai-o-Tapu zu fahren. Dies ist eine Region mit sehr viel unterirdischer geothermaler Aktivität. Viele bunte Quellen, die aufgrund von Mineralien und Hitze der unterirdischen Quellen miteinander reagieren, sind hier zu sehen. Dazu Sinterterrassen und ein Geysir, der täglich um 10.15h ausbricht, wofür man ihn allerdings mit etwas Waschpulver ermutigt. Ich bin um 10.00h vor Ort, kaufe das Ticket für 32,50 $ und stehe um 10.15h in einer Art Amphitheater, das man um den Lady Knox Geyser gebaut hat, um das Spektakel besser beobachten zu können. Vielleicht 250 Leute sind hier und fixieren aufgeregt den Kegel des Geysirs. Nichts passiert jedoch, bis nicht ein Ranger nach einer Erklärung der Lady auf die Sprünge hilft und mit garantiert rückstandslosem Waschpulver die Eruption auslöst. Rund 20 m hoch schießt die Fontäne für vielleicht 2 Minuten, bevor sie deutlich kleiner wird und weiter sprüht. 

Im Anschluß gehe ich zum Beginn es Rundweges durch das Wai-o-Tapu Thermal Wonderland und folge einem self-guided walk entlang unglaublich gefärbter Quellen, die durch Arsen, Schwefel, Kohlenstoff, Siliziumdioxid, Gold und Antimon, Quecksilber und Silber in den tollsten Farben aufwarten. Dazu ein knallblauer Himmel und 30 Grad. Es gibt drei Rundwege, die man kombinieren kann, was ich tue, um alles zu sehen. Sehr interessant und unendliche Fotomotive. Besonders schön ist der große Champanger Pool, der eine knall-orange Kante hat und ansonsten blau-grün schimmert, darüber Dampf schwebt und im Hintergrund gelbe Pools sichtbar sind. Tausende kleiner Bläschen steigen in dem orange-grünen Wasser auf - daher der Name Champagner Pool. Zwischendrin steht man immer in Dampfwolken, die nicht nur stark nach Schwefel riechen, sondern das Gefühl der Hitze noch steigern. Es ist eh Mittag und ich schleppe mich die Treppen hoch und runter und bin dankbar, wenn der Weg ab und an mal durch schattigen Wald geht. Nach 3 Stunden habe ich fast einen Krampf im foto-auslösenden Zeigefinger und brauche erst einmal was Kaltes zu trinken. Dann fahre ich zu den Huka Falls, die ich nun in der Sonne sehe und drehe nun nochmals eine Runde zu dem Rohrgewirr der geothermalen Anlage. Sieht aus wie die Ölpipeline in Alaska. Hier wird aber nur Wasserdampf und heißes Wasser genutzt, um Energie zu gewinnen.

Nebenan ist der Prawn Park. Hier werden Riesenflussgarnelen gezüchtet. Die ausgesetzten kleinen Prawns gedeihen in 28 Grad warmem Quellwasser innerhalb von 6 Monaten zur Fangreife, während die Genossen in freier Wilbahn in deutlich kühlerem Wasser 3-4 Monate benötigen, um dieselbe Größe zu erreichen. Da man aber nicht an die Fangteiche rangehen kann, ohne für 28 Dollar eine Eintrittskarte zu kaufen, die einen dann auch zum Angeln berechtigt, lasse ich Prawns Prawns sein, fotografiere die Leute, die in gefühlt 10qm großen Becken in kleinen Booten mit Angeln sitzen und ihren Spaß haben, und fahre zurück nach Taupo. Am Strand der Stadt, etwas abseits der Innenstadt, sitze ich kurz und beobachte schwarze Schwäne und Familien mit vielen Kindern, die in einer der Kuhlen im warmen Wasser sitzen. Daneben sind Abflüsse von heißem Quellwasser und warnen vor Verbrühungen. Heute hängen mehr Wolken über den Vulkangipfeln in der Ferne und ich freue mich, dass ich gestern so einen tollen Sonnenuntergang erlebt habe. Die Wetteraussicht für morgen ist nicht so prall. Ich fahre zu Pack 'n Save, einem Billig-Supermarkt, hole mir einen Vorrat an getrockneten Mangos für Zuhause und etwas Kartoffelsalat und ein Pitabrot und fahre in mein Motel, mache mir ein kleines Abendessen und schreibe die letzten 7 Postkarten. Morgen mache ich nichts mehr. Vielleicht fahre ich noch zu den Craters of the Moon, das ist nur 6km entfernt. Aber erstmal muß die Tasche gepackt werden...

Tageskilometer: 136 km


Wai-o-Tapu Thermal Wonderland
Waikato, New Zealand
Vee Bee Small

Von Napier nach Taupo

Da ich keine Lebensmittel habe, bleibt es bei einem Instantkaffee vor meinem Zimmer in der Morgensonne. Ich belade mein Auto und bin um 10.00h nochmals in Napier unterwegs. In meinem Reiseführer stand etwas von zwei Stadtvierteln, Marewa und das älteste Viertel am Hafen. Ich finde auf der Karte einen Marewa Park und fahre dort hin. In der Tat finden sich hier viele Art Deco-Wohnhäuser, ganze Nachbarschaften und einzelne schöne Häuser. Ich fahre an den Hafen, finde ein Restaurant in einer Seitenstraße, das Smith's heißt und in dem viele Leute draußen an Holztischen beim Frühstück sitzen. Ich setze mich auch und der Service ist völlig verpennt. Nach einer halben Stunde darf ich dann mein Frühstück bestellen, der Kaffee braucht nochmal 20min und da ich nur zwei Scheiben Toast mit Spiegeleiern bestellt habe, bin ich hier im Anschluß ziemlich verärgert schnell wieder raus. Fahre nochmal zur Marine Parade, der Straße, die am Pazifik verläuft. Hier sind viele schöne Parkanlagen und es sitzt dort auch Pania of the Reef. Eine Art Kleine Meerjungfrau aus Neuseeland. Es umgibt sie eine Maori-Sage, dass sich ein Maori-Junge in Pania verliebte, die nachts an Land kam. Da seine Kumpels nicht glaubten, dass er sich irgendwann mit Pania vermählt hatte, redete man ihm ein, er müsse das beweisen. Ein Maori-Alter empfahl sie bewußtlos zu machen, indem er ihr unbemerkt gekochtes Essen verabreichen sollte, damit sie an Land bliebe und nicht zum Sonnenaufgang wieder ins Meer verschwinden würde. Pania wachte während dieser Attacke auf, erschrak und flüchtete ins Meer und wurde nie wieder gesehen. Man sagt, sie sei nun ein Riff vor der Küste und könne nicht mehr an Land kommen. Pania of the Reef...

Die Sonne meint es gut und ich versöhne mich etwas mit Napier, denn heute vormittag ist doch ziemlich viel los. Eher Touristen, aber die Läden haben auch vielfach offen und ich parke mein Auto nochmals für eine halbe Stunde und laufe die Tennyson Street entlang. Hier sind viele Art Deco-Häuser, in deren Erdgeschossen Läden und Cafés sind. Anstelle diese Straße zu einer Fußgängerzone zu machen, hat man das nur halbherzig umgesetzt und in Schlangenlinien führt eine einspurige Straße mittendurch, so dass man in den Cafes draußen sitzend doch immer Autos vor der Nase hat. In einem Laden sehe ich einen kleinen Trolley, der nur 1,9 kg wiegt und nehme den mit. Erstmal brauche ich eh einen solchen 1-2 Nächte-Koffer zuhause, der leicht ist und ich denke, dass in dieses Ding mehr reingeht, als in meinen Rucksack und ich damit das Handgepäck etwas ausweiten kann. 

Gegen 13.00h komme ich los und es sind jetzt schon um die 30 Grad. Die Fahrt führt hinauf auf eine Hochebene, die fast konstant auf rund 800m verläuft. Es ist hier schon die Caldera des großen Vulkans, aus dem hier nicht nur Lake Taupo sondern die gesamte Region entstanden ist. Schöne grüne Hügel und die Aussicht auf die Waipunga Falls inmitten eines grünen Dschungels, sind meine Begleiter auf den 140km nach Taupo. Am Ende der Straße liegt dann der See unter einem und ich biege nach rechts ab und ein Blick auf eine riesige Strandbucht eröffnet sich, auf der jede Menge Leben herrscht. Klar, der See ist bei Weitem nicht so kalt, wie der Pazifik oder die Tasman Sea. Hier sitzen die Leute im Wasser und - ähnlich wie in Hahei Hot Beach auf der Coromandel Halbinsel, wo ich letztes Jahr war - kann man hier flache Kuhlen in den groben Strand schaufeln und hat sofort die unterirdische Wärme in die man sich setzen kann und sich vom Seewasser umspülen lässt.

Lake Taupo ist 600qkm groß und eine Vulkan-Caldera. Der Taupo-Vulkan zählt zu den Supervulkanen, deren Ausbrüche eine monatelange Verdunkelung großer Teile der Welt, die unter dem Aschefallout litten. Gleichzeitig gehen mit solchen Ausbrüchen oft Artensteben einher, da Nahrung fehlt und Licht, oft auch Wasser, um Wachstum von Pflanzen zu regenerieren. Zu diesen Supervulkanen gehören auf der Welt anonsten noch der Yellowstone. Als ich vor 4 Jahren dort unterwegs war, sind wir praktisch von unserer Ankunft in Denver bis bis zum Yellowstone auf einer 2.000m hohen Ebene gefahren. Dies ist die Caldera des Yellowstone Vulkan und der Yellowstone National Park ist eben noch die aktive Region. Hier ist es ähnlich. Die größte Eruption ist ca. 25.000 Jahre her und noch in 100km Entfernung findet man 1,5m dicke Ascheschichten im Erdreich.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass es nicht so bald zu einem erneuten Ausbruch kommt. Die Schlote des Vulkans liegen unter Wasser im See. 

Mein Motel habe ich rasch gefunden und bin erfreut, dass das Zimmer so groß ist. Und das für 115 Dollar - gegenüber 130 für das gestrige, das so veraltet war und wirklich Möbel aus den 70ern hatte mit uralten Holzschränken in der Küche, deren Türen schief waren und nicht schlossen. Für 115 Dollar in Taupo so ein schönes Zuhause zu haben, ist gut. Das Zimmer besteht aus zwei Zimmern, in einem ein großes Bett und Küchenzeile und Esstisch mit drei Stühlen, im anderen Zimmer zwei schmalere Betten. Bad mit der üblichen Blechboden-Dusche. Sieht aber alles schön aus. 

Ich laufe runter zum See und es ist echt heiß. Hier gibt es alles, was die Zivilisation so braucht und ich hole mir bei McDonalds einen großen flat white und später noch eine riesige Coke Zero, da ich langsam kalte Getränke den warmen vorziehe. 

Bevor ich mich in der spätnachmittäglichen Sonne mit meinem Buch niederlasse, laufe ich an der Hole in One-Challenge vorbei. Hier kann man von einem Golfabschlag probieren einen gut 100m entfernten Ponton zu treffen, auf dem drei Löcher zu treffen sind. Wenn man das eine in der Mitte trifft, gibt es 10.000 Dollar Preisgeld. Eine Gruppe fröhlicher Männer drischt hier Bälle und als ich mich kurz darauf etwas weiter auf einer Bank niederlasse, ist der Jubel unüberhörbar und die Zahl der erfolgreichen Hole-in-One-Sieger steigt um einen Zähler.

Hinter dem See sieht man deutlich die drei Gipfel des Tongariro Nationalparks. Dort, wo ich vor etwa 4 Wochen auf über 2.000m Höhe in den Wolken saß ist heute Sonnenschein. Die Sicht auf den Gipfel des Ruapehu mit seinen 2.700m ist unverhangen, auch, wenn er 85km entfernt ist. Davor erkennt man die anderen beiden Vulkane, die neulich auch so fröhlich Dampf abgelassen haben. Ein toller Blick - sicher auch für die Parasailer, die hier über den See geschleppt werden.

Ich fahre um halb sieben nochmal los zu den Huka Falls. Der Parkplatz ist seit 18.00h geschlossen und ich parke vor der Schranke und laufe zu den kleinen Fällen, die eher eine Stromschnelle sind, in der sich der ansonsten breite Waikato River zusammenquetscht, weil er durch eine Felsspalte von vielleicht 150m quetscht und dadurch ziemlich schnell wird. Am Ende fällt er vielleicht 10m tief in sein eigenes Flußbett. Der Waikato ist der längste Fluß Neuseelands und der einzige, der aus dem Lake Taupo entspringt, während es fast 50 Zuflüsse aus den Bergen gibt. Ich drehe noch eine Runde zu den langen Rohren, die die geothermalen Gegebenheiten der Region abzweigen, um daraus Energie zu gewinnen, aber ich komme nicht ran, weil eine Zufahrtsstraße geschlossen ist.

Aufgrund der Tatsache, dass die Sonne schon tiefer steht, sind die Lichtverhältnisse für Fotos nicht gut. Ich muß morgen nochmals wiederkommen. Bis zum Sonnenuntergang sitze ich dann oberhalb von Taupo an einem Lookout und genieße die Aussicht auf die Vulkane, den See und die wenigen Wolken, die sich mit der tiefer sinkenen Sonne dramatisch verfärben.

Hier geht die Sonne jetzt schon vor 21.00h unter. Das ist mindestens eine halbe Stunde früher, als im Süden der Südinsel.

Bei Countdown hole ich mir einen Salat, Paprika und zwei Brötchen und sitze um 21.30h beim Abendessen in meinem Domizil. Schöner Tag und die Aussicht auf 2 weitere hier, ist prima.

Nochmal Zuhause anrufen und das Anstellen der Heizung erbitten. Die Rückreise rückt näher und ich sehe jetzt schon die Wetteraussichten für meinen ersten Tag zuhause in Berlin.

Tageskilometer: 181km


Taupo
Waikato, New Zealand
Vee Bee Small

Nach 21 Tagen Abschied von der Südinsel

Heute vor einem Jahr begann meine erste Neuseeland-Reise in Christchurch. Ich war in der Nacht dort gelandet und hatte mir am 24.1. das Auto gemietet, mit dem ich dann 8 Tage auf der Südinsel fast 2.500km unterwegs war.

Der Wecker holt mich aus einem unruhigen Schlaf. Ich raffe meine Sachen zusammen, stopfe die letzten Dinge in die Tasche und will dann aus dem Hotel. Leider alle Türen abgeschlossen und mein Schlüssel paßt nicht. Ich stehe vor der Haupteingangstür und sie geht nicht auf. Ich irre durch das dunkle Hotel, finde einen Hinterausgang, stolpere über einen Igel im Gras und stelle fest, dass mein Weg an einem abgeschlossenen Gitter um den Garten endet. Wieder rein ins Hotel. Irgendwo steht Notausgang über einem Vorhang. Dahinter stehen Putzutensilien und eine  Waschmaschine. Ich versuch es da und als ich einen Riegel am oberen Ende der Tür rausgepult habe, kann ich endlich das Haus verlassen. Ich bin erneut dankbar für meine Taschenlampen-App, ohne die ich hier nicht rausgefunden hätte. Meine Zeit ist eh knapp und solchen Mist konnte ich heute nicht brauchen. Also ab ins Auto und die 4 Minuten zur Autovermietung fahren. Auto parken, alles aus der Kiste rausholen und die dicke Tasche, Rucksack und einen Beutel zu Europcar schleppen. 50m weiter ist der Fährterminal und der ist irgendwie total dunkel. Es ist 5.15h und es ist ohnehin komplett duster in Picton. Ich frage mich, ob ich eine falsche Reservierung gemacht habe, finde aber einen Menschen, der meint, dass es gleich losginge. Also lasse ich mein Gepäck im Terminal, laufe zu Europcar und will jetzt den Schlüssel einwerfen, den ich eben lieber noch behalten habe, für den Fall, dass das mit der Fähre nicht klappt. Nun steht am Briefschlitz für die Autoschlüssel, man soll die Autos nicht auf dem Parkplatz der Firma abstellen, sondern auf einem 60min-Parkplatz vor der Bürotür. Also hirsche ich wieder zum Europcar-Parkplatz, hole mein Auto und fahre es wieder um den Pudding, bis ich richtig stehe. 

Gepäck einchecken, selbst einchecken und dann müde auf die Abfahrt warten. Der Vorteil von Interislander ist, dass deren Terminal direkt bei den Autovermietungen ist und man über einen Finger gleich in Deck 7 einsteigt. Bei Bluebridge Ferries, mit denen ich hingefahren bin, mußte man zu Fuß über das Autodeck laufen und dann alles 4 Decks hochschleppen, bis man im Passagierbereich war. Am Ende stand man dann 20min auf dem Autodeck und wartete, bis die Rampe runterging. Das ist bei Interislander schon besser. Dafür hat das Schiff wenig Außenflächen und das Schiff ist schlecht gepflegt. Aber mir ist das egal. Es gibt einen traumhaften Sonnenaufgang in den Marlborough Sounds und nach einer Stunde liegt auch dieser schöne Teil der Südinsel hinter mir. 

Ich hole mir einen Tee und ein Sandwich und beantworte ein paar Emails. Bei strahlendem Sonnenschein laufen wir um 9.30h in Wellington ein. Ein weiterer Vorteil von Interislander ist, dass in deren Terminal auch die Autovermietungen sitzen und mir so das Gehühner mit dem Gepäck von dem Bluebridge Ferry Terminal hierher erspart bleibt. Meine Lieblings-Nuschel-Tante von Europcar arbeitet heute wieder und ich bin kurz davor meine Geduld zu verlieren, weil die Tante weiterhin völlig undeutlich rumnuschelt. Es stellt sich raus, dass meine Reservierung tatsächlich für ein manuell geschaltete Auto gemacht wurde. Nicht von mir, soviel ist mir klar. Aber es war ja eben so, dass auf den letzten Metern die Europcar Reservierung 700 EUR billiger wurde und Sunny Cars mir auch nicht sagen konnte warum. Es ist mir jetzt klar, denn die haben die komplette Autoklasse geändert. Mit etwas Rumheulen erspare ich mir jetzt 75 Dollar für 5 Tage Aufpreis für ein Automatik-Auto und kriege von Nuschel-Tussi einen Ford Focus. Als ich noch meine Papiere einpacke versuchen schon die nächsten gut Englisch sprechenden Touristen mit Nuschel-Tussi einen Mietvertrag zu schließen und können sie auch nicht verstehen. Das beruhigt mich schon etwas. Frage mich nur, warum man diese Tante in so einer Position dort lässt. Und sie muß doch auch völlig genervt sein, weil sie alles immer 3 x sagen muss. Vielleicht hat sie auch einen Sprachfehler oder spricht einen südländischen Neuseeland-Dialekt, den man bei den Zwergen hinter den sieben Bergen spricht. Keine Ahnung.

Ich sitze in meinem schnittigen Auto und sehe schon nach 60km die Tanknadel wandern. Was für ein Schluckspecht diese Schüssel. Nach 277 km tanke ich auf und kriege fast 26 Liter ins Auto. Bei einer Schnitttemperatur von 56km/h durch die elenden Kurven verbraucht der 10 Liter auf 100? Da bin ich ja mal froh, dass ich den nur 4,5 Tage nutze und derzeit die Benzinpreise historisch niedrig sind. Ich tanke an einer Tankstelle, wo der Liter mit 91 Oktan (Normalbenzin) 1,61 NZ Dollar kostet. Das Teuerste, wofür ich mal am Anfang der Reise getankt habe, waren 2,06 NZ Dollar! 

Ich mache in Masterton Halt. Dort wollte ich den Woolshed besuchen, um einer Schafschur beizuwohnen. Das hatte ich in einem Prospekt gelesen. Als ich an dem extrem gut gemachten, kleinen Museum ankomme, machen die das aber nicht. Aber zwei alte Herren, selbst Schaffarmer betreuen heute das Museum und ich plausche mit denen.

Masterton ist einmal im Jahr Anfang März Austragungsort einer Art Weiltmeisterschaft der Schafscherer. Es gibt mehrere Ausscheidungsrunden, in der letzten müssen die Finalisten dann 20 Schafe scheren. Es gibt eine Filmdoku von dem Event von 2008, das ist unglaublich, wie schnell die die Schafe da abrasieren. Auch ansonsten ist das Museum sehr interessant. Mit vielen alten Schafscherer-Gegenständen und alten Rasiermaschinen. Es gibt auch ganz viele verschiedene Schafsorten mit vielen unterschiedlichen Wollsorten, die dort zur Ansicht liegen. Teilweise sehen die wie weißes langes Haar aus, andere wie kleine Würmer. 

Der eine der beiden Herren erklärt, dass es pro Jahr zwischen 1 und bestenfalls 6 Schuren gibt. Merino-Schafe werden nur 1 x jährlich geschoren. Kein Wunder, dass die Wolle so teuer ist und die Schafe so selten. Das ist ja doch eher wenig Output. Denn ein Schaf gibt zwischen 4 und 6 kg Wolle ab pro Schur.

Einer von diesen Top-Scherern kriegt 2 Dollar pro Schaf und die guten Schaffen durchaus im Normalbetrieb 150-200 Schafe am Tag. Daher ist dann auch klar, warum diese Experten-Scherer für viele Schafzüchter unerschwinglich bleiben, denn bei 400 Dollar pro Tag für nur einen Scherer ist die Einnahme aus der Wolle praktisch hinüber.

Also macht man vielfach dieses Scheren selbst oder eben mit billigeren, nicht so schnellen Scherern. Vielfach wird sogar noch per Hand mit Scheren geschoren. Ich drücke eine solche Schere viermal zusammen, dann ist meine Hand schlapp.

Die meiste der neuseeländischen Wolle wird exportiert. Rund 80%. Das Meiste geht nach Italien und China. Etwa 30 Mio Schafe gibt es wohl derzeit in NZ. Die größeren Herden sind durchaus um die 10.000 Tiere stark. Da man aber von der Rinderzucht mehr hat, weil man für Milch deutlich mehr Geld kriegt als für die Wolle alle paar Monate und die Nutzung der Rinder mit Fleisch und Milch wohl einträglicher ist, als Schafe, sieht man jetzt eben auch deutlich, dass Rinderzucht auf dem Vormarsch ist.

Ich fahre um halb 2 dort ab und bin nach einer Fahrt mit weniger Kurven als vorher, durch sanftes Hügelland, dann um 17.30h in Napier. Mein Motel hat den Charme aus den 70ern und die Preise von 2015. 130 Dollar für wirklich nix Dolles. Naja. 

Ich fahre gleich wieder los auf der Suche nach den vielen Art Deco Häusern und einer samstäglichen Stimmung der Bevölkerung. Und stelle fest: Napier und ich werden keine Freunde. Die Art Deco Häuser sind zu sehen, aber oft einfach durch Werbung verschandelt oder durch hässliche Läden unten drin und nur oben ist es noch schön. In Napier hat es Anfang der 1930er ein schweres Erdbeben gegeben, bei dem große Teile der Stadt zerstört wurden. Man hat dann viele Häuser ein Jahr später in dieser schönen Art Deco-Weise wieder aufgebaut und Napier gilt als weltweit eine Ausnahmeerscheinung, was die Zahl und Geschlossenheit der Art Deco-Gebäude angeht. Ich finde allerdings auch viele schöne viktorianische Holzhäuser an den Hängen der Stadt. Die Innenstadt ist völlig ausgestorben und es ist einfach nur öde. Klar ist es schön, nochmal den Pazifik zu sehen und dort sind auch noch Leute in der Abendsonne unterwegs. Aber es gibt keine Restaurants oder Kneipen am Wasser (bestenfalls durch eine Straße mehrspurige Straße und einen Park vom Wasser getrennt) und ich gebe nach einem Abstecher zum Bluff Hill Outlook auf. Der Blick über die Hafenanlagen - der Blick über die Stadt ist durch Büsche hübsch zugestellt - ist nichts Schönes und total vertane Zeit. Ich laufe noch etwas durch die ausgestorbenen Straßen der Innenstadt und finde dann bei einem Thai Restaurant ein bezahlbares Reisgericht und sitze noch ganz nett.

Bin um 20.00h wieder im Hotel und wasche kurz mal meine beiden Wanderhosen aus, als mir einfällt, dass meine anderen (trockenen) Hosen im Kofferraum sind. Also entweder die Hosen sind morgen früh trocken, oder ich muß in der Unterhose auf den Parkplatz ans Auto...

Tagebuch schreiben und Bilder sortieren, was heute nicht viel Zeit in Anspruch nimmt.

Meinen Plan ggf. hier eine Nacht dranzuhängen habe ich aufgesteckt und vorhin drei Nächte in Taupo gebucht. Morgen ist Sonntag. Am Mittwoch fahre ich von Taupo nochmal eine ziemlich lange Strecke nach Auckland. Ansonsten ist die Fahrerei jetzt überschaubar.

Tageskilometer: 362km


Napier
Hawke's Bay, New Zealand
Vee Bee Small

Die letzte Etappe auf der Südinsel macht 4.000km komplett

Aufgrund des Frühstücks muß ich also wieder mal mit Wecker aufstehen. Wenn man schon mal Frühstück kriegt...! Es ist in der Bar auf dem Bartresen angerichtet. Es gibt zwei Sorten Toast, Orangenmarmelade, Instantkaffee und Waffeln! Um Punkt 9 machen die allerdings rigoros Schluß. Ich sitze noch bis 11.00h in dem lauschigen Innenhof und suche online nach einem Hotel in Napier für morgen. Mal sehen, ob ich dort ggf. noch eine Nacht dranhänge.

Ich packe meine Sachen und quetsche schon mal maximal viel in die große Tasche, damit ich das nicht heute Abend in Picton noch machen muß. Die Sonne scheint von einem knallblauen Himmel. Nelson ist die sonnenreichste Stadt Neuseelands und stellt das heute unter Beweis. Ich fahre noch einmal durch den Ort auf der Suche nach irgendetwas Epochalem, aber ich habe auch keine Lust mehr auf die drei alten Häuser, die man unbedingt gesehen haben muß. Klar, auch in Nelson gibt es Historisches, was rund 100 Jahre alt ist.

So fahre ich mittags an den Strand von Tahunanui Beach und lege mich in den weichen, warmen Sand, der eine völlig andere Beschaffenheit hat, als der fast orange grobkörnige Strand in Kaiteriteri. Irgendwann sprechen mich zwei Frauen an, ich hätte schon ganz rote Arme...Ich bin zwar mit LSF 30 eingeschmiert, aber nach 1,5 Stunden reicht das eben nicht mehr. Mein Handy zeigt mir einen E-Mail Eingang von meinem Hotel in Picton. Die Frau schreibt, dass ich bei einer späten Ankunft irgendwo an der Seite selbst reinlassen soll und wir regeln das Finanzielle morgen. Tja. Als ich das gebucht habe, habe ich gedacht, ich käme irgendwo aus dem Abel Tasman und wäre erst gegen 21.00h in Picton und würde am nächsten Vormittag erst mit der Fähre fahren. Als ich dann die Fähre buchen wollte, gab es Samstag keine Vormittags-Fähre, sondern nur die um 6.30h, zu der ich spätestens um 5.30h das Gepäck abgeben muß. Also muß ich morgen um 5.00h aus dem Hotel, was ein Bed & Breakfast ist, von dem ich nun auch nichts habe. Da ich die Frau bei einer späten Ankunft plus frühmorgendlichen Abreise gar nicht sehen würde, um zu bezahlen, breche ich um 15h auf , hole mir noch schnell ein real fruit ice cream mit rasberries und fahre kurz zum Denkmal für die Early Settlers. Dort sind alle Schiffe, die so ab ca.1842 in Nelson angekommen sind aufgeführt mit allen Passagieren. Ein Schiff namens St. Pauli hat nur Deutsche an Bord gehabt. Familien mit 7 und mehr Kindern. Und die Todesfälle auf den mehrmonatigen Reisen waren meist auch Kinder unter 2 Jahren.

Um halb vier fahre ich endgültig in Nelson los und die Strecke ist zunächst extrem kurvig, so dass ich mich entscheide, später von Havelock nicht die kürzere Strecke über den Queen Charlotte Drive zu fahren, sondern den längeren über Blenheim. Den Queen Charlotte Drive habe ich schon am 4. Januar von Picton aus abgefahren. Tolle Blicke, aber extrem viele Kurven. Außerdem ist gerade Ebbe, was die Ausblicke nicht so schön macht.

Ich erreiche Picton um kurz nach halb sechs und die Frau ist froh, dass ich so früh da bin. Zum Essen gehe ich wieder ins Seabreeze am Ende der Hauptstraße und bestelle mir Moussaka mit einem kl. griechischen Salat. So lecker! Noch einmal wehmütig an den Foreshore Park auf die Segelboote im Abendlicht gucken und schon mal Abschied nehmen von der Südinsel. Ob ich jemals nochmal nach Neuseeland fahre? Im Moment nicht vorstellbar. Aber wer weiß.

Am Hotel sortiere ich noch das Auto aus und dann fällt mir ein, dass ich noch nicht aufgetankt habe. Also das auch noch und um halb 10 gehe ich ins Bett. Der Wecker steht auf 4.20h...

Tageskilometer: 145km

Total Kilometer Südinsel: 3.996 km


Picton
Marlborough, New Zealand
Vee Bee Small

Beach, Sun & Real Fruit Icecream

Mal wieder mit Wecker aufstehen, um um 10.00h das Zimmer geräumt zu haben. Der Himmel zeigt dunkle Wolken, die Sonne scheint dahinter hervor. Also alles eincremen und mal gucken, wie sich das entwickelt. Frühstück auf dem Balkon und mit dem letzten Gongschlag verlasse ich das Avalon Motel mit seinen überteuerten Raten, um heute Nacht in Nelson in einem Backpacker zu wohnen, damit die Kasse wieder stimmt. 

Zunächst laufe ich ein bißchen durch Mutueka, was letztlich austauschbar mit anderen Orten ist. Eine Straße mit allen Läden, die man so braucht, zwei große Supermärkte. Ich suche eigentlich einen Briefkasten, was in Neuseeland wirklich Mangelware ist, wenn man in einem kleineren Ort ist. In Picton mußte ich noch einen halben Kilometer laufen, um einen zu finden, in den man Air Mail-Post einwerfen konnte. Da gab es in dem ganzen Ort nur einen Briefkasten dieser Art. In Motueka finde ich auf der Hauptstraße dann einen Post Shop mit Briefkasten vor der Tür. Das ist ein ähnliches System wie in Deutschland mit den McPaper Läden. Auch hier kriegt man alles mögliche, was mit Papier und Schreibwaren zu tun hat. Zudem ist hier auch die Postbank vertreten. Ich suche im Anschluß einen Vodafone-Laden, um zu klären, wie die Verteilung meiner Aufladung der pre-paid-Karte erfolgt. Sie erfolgt gar nicht. Ich habe noch 600 MB Datenvolumen, 4 min Telefonieren und 193 SMS frei und hatte vor ein paar Tagen um 20 Dollar aufgestockt (was das Minimum war). Diese 20 Dollar verbrauchen sich jeweils dahin, wo ich als erstes auf Null bin. Telefoniere ich nun mehr als 4 Minuten, wird von den 20 Dollar Guthaben pro Minute 49ct genommen, dito beim Datenvolumen pro MB. 

Dermaßen aufgeklärt verlasse ich nun Mutueka und steuere wieder nach Norden in Richtung Kaiteriteri. Der Strand hat mir gestern echt gut gefallen, zudem es dort auch Toiletten gibt und Restaurants und ich dort ggf. ja auch was zu Essen kaufen kann, bevor ich später nach Nelson fahre.

Die Wolken sind eher bedrohlich und so bringt das mit dem Strand erstmal nix und ich fahre den Highway 6 in Richtung Collingwood weiter. Die Strecke ist extrem kurvig und wenngleich ich eigentlich bis Pohara oben an die Golden Bay wollte, fahre ich nur bis zum Takaka Hill, weil das einfach viel zu viel Zeit frisst, diese Kurven zu fahren. Es ist schon halb 12, als ich hinter dem Abzweig zum Takaka Hill Walkway umdrehe und zurück fahre. Am Hawkes Lookout hat man einen recht schönen Blick auf die Bucht von Marahau oder Riwaka. So genau kann ich das nicht ausmachen. Ansonsten sind die tiefen Wälder der Berge rundherum ein schöner Blick. 

Es ist fast halb eins, als ich in den warmen Sand am Kaiteriteri Beach sinke und mein Buch vorkrame. Mit Ausnahme eines kleinen Spaziergangs einmal durch die Bucht, verbringe ich den Nachmittag in der Sonne auf dem Sand. Mein großes Badehandtuch wäre jetzt schön gewesen, aber damit habe ich in Te Anau ja den Weinfleck vom Hotelteppich beseitigt und es dort gelassen. So liege ich direkt auf dem Sand, was auch nicht weiter schlimm ist. 

Real Fruit Icecream finde ich auf der anderen Straßenseite an einem kleinen Imbißstand. Herrlich! Tiefgefrorerene Erdbeeren in leckerem Vanilleeis zerheckselt - einfach genial dieses neuseeländische Eis.

Um kurz nach halb fünf mache ich mich auf den Weg nach Nelson. Das sind nur gut 50km und die Straße führt entlang des Wassers oder durch das Flachland dahinter. Bald sehe ich endlose Weinreben, aber auch jede Menge Obstbäume. Die Straße ist angenehm gerade und ich bin kurz nach halb secht in meinem Backpacker. Was für eine angenehme Überraschung! Das Haus ist ganz offensichtlich ein ehemaliges Hotel und hat einen kleinen Hof mit Picknicktischen, um die die wenigen Mehrbettzimmer angesiedelt sind. Jedes dieser Mehrbettzimmer hat ein eigenes Bad aus den Zeiten, als dies hier ein Hotel war. Die Küche ist gerade mächtig in Betrieb, weil alle sich jetzt ein Abendessen zubereiten. 

Da heute für die Crew des Hotels eine verspätetete Weihnachtsfeier stattfindet, ist weder die Bar noch das Restaurant heute Abend geöffnet. Ich bestelle mir noch schnell ein Bier, bevor die ganze Truppe um 18.30h das Hotel den Gästen überlässt. 

Mein letztes Brötchen mit dem letzen Käse, zwei Möhren und ein paar Kekse sind mein Abendessen, denn jetzt muß alles weg. Übermorgen früh muß ich das Auto abgeben und will keine Lebensmittel mit auf die Fähre schleppen. 

Gegen 20.00h setze ich mich nochmals ins Auto auf der Suche nach schönen alten viktorianischen Holzhäusern. Was dann aber viel genialer wird, ist ein atemberaubender Sonnenuntergang über der Bucht. Ich fahre eine steile Straße in ein extrem nobles Wohngebiet hoch, um einen Blick von oben zu bekommen, aber meist sind die schönsten Stellen bebaut von Häusern, bei deren Anblick einem der Atem stockt. Leute sind hier nicht zu sehen. Ob diese riesigen Villen alles nur Feriendomizile sind? Meine Güte! 

Es ist halb zehn, als ich wieder in meinem Backpacker bin. Ich habe mir ein Einzelzimmer mit eigenem Bad genommen, was 82 Dollar kostet. Dafür gibt es ein gemütliches Zimmer mit einem breiten Bett, einen Stuhl und ein Duschbad. Kein Firlefanz, dafür aber kostenloses Wlan in bester Qualität.

Morgen gibt es von 8-9 sogar Frühstück und das ist inklusive. Also Wecker stellen!

Tageskilometer: 146km

Nelson
Nelson, New Zealand
Vee Bee Small

Abel Tasman National Park für Faule

Eigentlich kann ich ausschlafen, aber der Straßenlärm, der mich trotz des recht weit hinten liegenden Zimmers morgens schon erreicht, ist so nervig, dass ich recht früh wach bin. Stehe aber erst um 9.00h auf, sitze zum Frühstück auf dem Balkon in der Sonne und fahre um 11.00h los nach Kaiteriteri. Die Straße ist enorm kurvig und ich brauche für die 13 km gut 20 Minuten. Ein Parkplatz direkt am Ortseingang ist kein Problem, schräg gegenüber wird das Boot abfahren. Und endlich sehe ich mal einen schönen Strand! Es gibt Menschen, die in der Sonne liegen und es ist echtes Urlaubsflair. Und schon fängt es an zu regnen. Ich könnte heulen. Glücklicherweise ist das aber nach 10min vorbei, aber die dunklen Wolken, die hinter den hohen Hügeln hängen, versprechen nichts Gutes. Bitte heute nicht!

Bis mein Boot abfährt kann ich noch eine gute Stunde das Treiben am Strand beobachten. Die Ausflugsboote, die hier anlegen, klappen eine Falt-Gangway vom Bug aus, die auf den Strand reicht. Lustiges Patent. 

Auf meinem Boot setze ich mich nach oben an Deck, schnalle meine Mütze fester, damit sie nicht bei der ersten Böe einen Abgang macht und los geht es. Ich bin nach 45 Minuten, entlang der bewaldeten Küste mit den hohen Hügeln und kleinen Traumbuchten an meinem gebuchten Ziel, der Medlands Bay. Eigentlich sind es zwei Strände, ein kleiner, etwa 50m breiter und ein größerer, zu dem man durch den Wald gelangt. Nachdem es hier derart idyllisch ist und ich den Waldweg ein kurzes Stück bergan laufe und dann eine Jacke brauche, weil es in dem dichten Wald einfach frisch ist, drehe ich kurzerhand um, ziehe Jacke und Halstuch aus, hole die Sonnencreme und mein Buch vor und bleibe nun 3 Stunden im warmen Sand sitzen und lasse mich bräunen. Dann habe ich eben einen Tag mal nicht das gemacht, was hier allgemein von den Touris erwartet wird. Ich bin eben nicht gewandert und habe nur in der Sonne gesessen, aber mir war einfach heute danach, mal nichts abhaken zu müssen und so bin ich ziemlich zufrieden, als das Boot um 17.00h wieder kommt, um die Schäfchen abzuholen. Es wird nach Namen kontrolliert, denn man muß genau sagen, was man in der Zeit an Land macht und ist ein gebuchter Passagier nicht zur gebuchten Abfahrt an der Liegestelle, wird nach ihm gesucht. Da es jetzt Ebbe ist, kann das Boot nicht so weit auf den Strand fahren, wie vorhin und die Gangway beginnt im Wasser. Also Sandalen aus und rein ins kalte Wasser. Meine hochgekrempelte Hose wird bis zu den Knien naß und ist schnell wieder trocken.

Mittlerweile ist es ziemlich frisch geworden und ich sitze mit langärmeligem T-Shirt und Fleecejacke nebst Kapuze auf dem Boot. Das Licht ist deutlich fotogener, als vorhin und ich lichte ein paar Buchten und Hügel ab. Das muß man später alles mal auf dem Monitor sehen, um zu beurteilen, was wirklich gut geworden ist.

Um 18.00h ist das Boot wieder in Kaiteriteri und wenngleich der Landeplatz schon ein anderer ist, als heute mittag der Startpunkt, weil das Wasser so flach ist, müssen trotzdem alle nochmals ins Wasser. Also Hose nochmal naß und ab auf den Strand und ein bißchen zum Auto laufen. Schön hier. 

Ich setze mich ins Auto und fahre nochmal hinter Kaiteriteri weiter. Die Straße besteht hier nur noch aus Haarnadelkurven und bei der tiefstehenden Sonne und der verschmierten Frontscheibe ist das zeitweise Blindflug und ich fahre im Schneckentempo. Ich folge der einen und anderen Straße, um einen etwas besseren Blick von weiter oben auf die Küste des Abel Tasman National Parks zu bekommen und finde auch eine Stelle. Schöner Blick von hier oben, auch auf eine Bucht, die mindestens 100 m ausgetrocknet ist aufgrund der Ebbe. Um mich herum stehen atemberaubende Häuser. Auch in Neuseeland gibt es Reiche, die die schönsten Plätze bewohnen. Der Blick von hier oben ist eigentlich unbezahlbar.

Ich hole mir in Motueka schnell noch Brötchen und sitze dann auf meinem Balkon mit Käsebrötchen und Tomaten, sichte meine Bilder und schreibe Tagebuch. 

Der erste Sonnenbrand nach 5 Wochen auf der rechten Schulter...

Tageskilometer: 39km


Kaiteriteri
Tasman, New Zealand
Vee Bee Small

Flucht vor dem Regen an der Westküste

Als ich um 8.00h aufwache gießt es in Strömen. Ich hab die Westküste langsam wirklich satt. Heute werde ich in einer ätzend langen Tour bis zum Abel Tasman hochfahren. Nicht noch ein Tag mit diesem Mistwetter. Als ich mir drüben in der Kneipe einen Kaffee hole, scheint die Sonne schon wieder und die Feuchtigkeit dampft in den Bäumen der Felswand hinter dem Hotel. Es ist mit 14 Grad gar nicht so kalt, wie es aussieht. Ich hatte überlegt einen Track an einem Fluß zu laufen, der 100m hinter dem Hotel beginnt und nur 1,5 Stunden dauert, aber angesichts des vielen Regens der letzten Stunden und der unsicheren Wetterlage insgesamt, gebe ich auf. Ich habe keine Lust über matschige Waldwege zu rutschen und alle 10 Minuten wieder Regenüberzug an- und auszuziehen und nebenbei noch von den Blutsaugern malträtiert zu werden.

Ein kurzer Blick an den Strand zeigt, dass jetzt Flut ist. Die Brandung ist gewaltig und in dieser langen Bucht wirkt das ganz schön heftig. Mehr als 3 Leute sind auch nicht mutig genug, hier ins Wasser zu gehen. Zusammen mit einem Kormoran beobachte ich kurz das Schauspiel der Wellen und fahre dann los. Innerhalb der ersten 9 Kilometer, habe ich bereits 3 Regengüsse abbekommen und fahre entsprechend vorsichtig die extrem kurvige Küstenstraße. Eigentlich sind die Ausblicke viel zu schade, um hier nicht zu halten - sofern es denn ginge. Ein Pinguin-Warnschild überrascht mich hier. Welche Sorte ist hier denn zu finden? Die Steilküste ist hier locker 20, 30 Meter hoch - da klettern die nach oben? Nun ja, ich sehe keine Pinguine und winde mich die Straße entlang, teilweise mit Schneckentempo, um nicht irgendwo aus der Kurve zu fliegen. Meine Route führt nicht nach Westport, sondern östlich daran vorbei und dann in die Berge. Neben mir verläuft der Fluß Buller, der bei Westport ins Meer mündet. Er hat sich über zig Kilometer in eine tiefe Schlucht gegraben, die mal breiter, mal schmäler ist. Die Fahrt durch die Lower Buller Gorge ist schon atemberaubend. Kürzere Strecken sind so schmal, dass hier keine one-lane-bridges sind, sondern one-lane-Abschnitte. Teilweise unter Felsvorsprüngen, die sehr niedrig aussehen. Da mich aber dauernd LKWs nerven, offenbar hoch genug für diese. Die Sicht auf den Gegenverkehr - auch in diesen einspurigen Strecken - ist gleich Null. Man muß sich wirklich vortasten. Da ich am Abhang fahre, ist mir ein Zusammenstoß nicht so recht...

Ich passiere den Ort Berlins, der genau aus einem Haus besteht - einem Café! Dennoch, ich fahre weiter, denn irgendwie zieht sich die Strecke aufgrund der vielen Kurven enorm. Ich muß heute leider fast 300km fahren und habe derzeit eine Schnittgeschwindigkeit, die unter 50 km/h liegt. 

Die Buller Gorge verläuft über einer Falte der Erdkruste. Es hat hier mehrere sehr starke Beben gegeben. Erdrutsche und komplette Bergspaltungen sind hier genauso zu sehen, wie die Anhebung von Land um 4,50m bei einem Beben im Jahr 1929 oder auch ein kleiner 10m hoher Wasserfall im Fluß der ebenfalls damals beim Erdbeben entstand. Gewaltige Kräfte sind da am Werk und ich bin nochmals froh, dass mein kleines Erdbeben in Te Anau so klein blieb, wie es war. Der Fluss ist ein international bekanntes Revier für Kanu-Fahrer. Je weiter ich nach Osten komme, desto wilder scheint mir auch der Fluß zu sein. 

Um kurz nach 12.00h mache ich eine kleine Pause an der The Buller Gorge Swingbridge, kaufe mir ein Ticket für 10 Dollar und gehe über diese sehr lange Hängebrücke. Es ist nicht einfach, noch die Kamera stillzuhalten, wenn man mit mehreren Leuten (in eine Richtung) auf der Brücke ist. Man kann auf dieser schmalen Hängebrücke keinesfalls aneinander vorbei gehen. Daher müssen die Leute am anderen Ende immer warten, bis die Entgegenkommenden festen Boden unter den Füßen haben. Auf der anderen Seite der Brücke schließt sich ein recht schlecht präparierter Waldweg an, entlang dessen man entweder einen Blick auf eine der vielen Verwerfungen des Bebens vor 85 Jahren hat, oder irgendwelche verrosteten Gegenstände sehen kann, die angeblich vom Goldrausch herrühren (oder hingelegt wurden, damit die Touris das bestaunen). Mit Ausnahme der Hängebrücke ist das jetzt hier kein Highlight.

Ich fahre kurz vor 13.00h weiter und folge der Schlucht und kurve weiter durch die Berge. Irgendwann öffnet sich vor mir endlich die Weite und ich blicke in ein Tal mit Viehweiden, Landwirtschaft und jeder Menge Hopfenanbau. Dazwischen liegen teils völlig verrottete Häuser, manchmal offenbar noch bewohnt. Gegen 15.00h sehe ich die erste Feld-Bewässerung und weiß, dass hier also nicht mehr so viel Regen fällt. Das stimmt mich froh. 

Nach insgesamt 6 Stunden seit Punakaiki erreiche ich dann endlich Motueka, nachdem ich noch durch ein weiteres Tal hierher mußte. Ich habe mir überlegt, dass es hier besser ist, als in Nelson, wenn ich morgen zum Abel Tasman will. Nelson ist nochmal 50km weiter weg und ich hätte damit morgen eine Anfahrt von über einer Stunde. Denn die Bootstouren beginnen alle in Kaiteriteri, was von Motueka 13 km entfernt ist (also über 60km von Nelson).

Vom ersten Moment an nervt mich Motueka. Es ist voll, die Durchgangsstraße ist ein einziger Stau, der Ort ist klein und dennoch sehr langgezogen. Nun beginnt die Motel-Suche, die sich ausnehmend schwierig gestaltet. Entweder es gibt noch ein 3-Zimmer-Apartment für den entsprechenden Preis, oder man hat das Vacancy Schild draußen vergessen abzunehmen und ist ausgebucht oder es gibt noch was in einem völlig abgelegenen Motel, das hinter den Schrottplätzen der Autohändler liegt. Am Ende muß ich in ein Motel, das mir viel zu nobel ist und zu allem Überfluß auch noch 160 Dollar kostet. Das heißt also, dass ich hier nur zwei Tage bleiben werde und damit mein Aufenthalt im Abel Tasman sich auf den morgigen Tag beschränken dürfte. Zudem werde ich zwei Tage wieder zum Selbstversorger und Brötchen mit Käse steht erneut auf dem Speiseplan. Das ist auch nicht weiter schlimm, aber diese Abzocke der Hotels geht mir langsam gehörig auf den Docht. Hier ist nun einer der angesagtesten Nationalparks in der Nähe und das lassen die sich bezahlen. Eigentlich verständlich, aber ich bin heute davon einfach abgenervt.

Mißmutig steige ich nach dem Check-In wieder ins Auto und fahre zum I-Site, um mich über Ausflüge zum Abel Tasman zu informieren. Da er nur per Boot erreichbar ist und es ein Gewirr von Möglichkeiten gibt, dort hinzukommen, wollte ich eine Art Beratung. Im I-Site ist es so voll, dass ich nach 10min abdrehe und zu einem der Bootsanbieter direkt gehe und einfach irgendwas buche. Eigentlich wollte ich ja gerne im Abel Tasman wandern, aber langsam bin ich etwas erledigt vom Rumfahren, Angucken, Anlesen, Organisieren und ich möchte mal einen Tag nur irgendwo ausruhen und hatte für einen weiteren Tag ja das Wandern gedacht. Nun bleibe ich nur zwei Nächte hier, also lediglich einen kompletten Tag und suche nun etwas, wo ich nicht allzu umfangreich wandern "muß". Ich entscheide mich für eine Tour, die erst um 13.00h in Kaiteriteri losgeht und zu einem Strand führt, von wo aus man eine 2-Stunden-Wanderung unternehmen kann und danach noch ca. 1 Stunde am Strand hat, bevor das Boot einen wieder abhholt. Alles klar. Das wird gebucht. 65 Dollar bitte.

Ich hole mir im New World Supermarkt Brötchen und Salat, Käse, Erdbeeren und Kirschen und setze mich mit meiner Beute an eine Uferstraße, die Motueka Quay heißt, aber keine Pier ist, sondern in einem Wohngebiet liegt. Umlagert von gierigen Möwen sitze ich dort in der Abendsonne und lese meinen Krimi. Hinter mir ist Ebbe und selbst kleine Boote liegen hier auf dem Trockenen. Der Tidehub ist gewaltig.

Ich lese noch meine Emails - glücklicherweise habe ich ja die Datenkarte in meinem Tablet, denn das WiFi kostet in diesem sauteuren Motel auch nochmal 5 Dollar pro Tag.

Tageskilometer: 295km


Motueka
Tasman, New Zealand
Vee Bee Small

Von Gletschern zu Pfannkuchen-Felsen

Es sieht trübe aus, als ich um halb neun aufstehe. Heute muss das 3 Tage alte Brötchen dran glauben und der Rest Brie. Ich komme kurz vor 10.00h los, die Wolken hängen tief. Ich hatte kurz noch überlegt, dass ich - sofern das Wetter besser ist - nochmals Richtung Fox Glacier fahre und von dort zum Lake Matheson, um das Panorama zu sehen. Aber das brauche ich nicht zu machen. Die Fahrt führt erst einmal durch den üblich dichten Busch der Westküste, bis ich in eine endlose Ebene komme mit Viehzucht und Getreideanbau. Ein paar kleine Ortschaften und alles eingerahmt von hohen Bergen - ein Panorama das mit Sonne traumhaft ist. So war es jedenfalls letztes Jahr. Damals bin ich allerdings an einem Tag von Haast über Fox Glacier, inkl. der Wanderung dort hoch, über Franz Josef bis nach Hokitika gefahren. Hokitika sind von Franz Josef nochmal rund 150km. Letztes Jahr hab ich echt Strecken abgerissen innerhalb eines Tages - aber ich hab viel gesehen, wovon ich jetzt noch zehre. In dem Kuh-Dorf  Pukekura, das über 2 Einwohner und eine Kneipe verfügt, in der man wohl hervorragend Possum essen kann, hat ein Witzbold ein Schaffott am Straßenrand aufgestellt mit martialischen Drohungen an sämtliche Herrscher und Herschenden, sich an die französische Revolution zu erinnern.

Heute halte ich mal kurz in Ross, einem alten Goldgräberstädtchen. Aber es fängt jetzt richtig an zu regnen, so bleibt es bei einem Abstecher in das alte Gefängnis und den Blick auf einen Teich der in der Grube einer Goldgräber-Aktion entstanden ist. Hier wird auch bis heute noch Gold abgebaut, außerdem Golderz und man vermutet, dass unter dem Ort eine Goldader liegt - nur um die zu erreichen müsste man den Ort abreißen. Außer Ross ist hier auf der Strecke nicht wirklich etwas Belebtes. Auf dieser Route, die ich fahre, sind die Tankstellen im Abstand von 100km und mehr und wer hier Geld tauschen möchte, sucht eine Bank vergeblich. Zwischen Haast und Greymouth - das sind gut 500km - gibt es keine Bank. Aber in Franz Josef den einzigen Bankautomaten auf der Strecke...Wenn man bedenkt, dass hier Mitte des 19. Jahrhunderts Gold gefunden wurde und auch heute noch gefördert wird, ist es erstaunlich, dass hier nicht mehr Ansiedlungen sind. 

Bevor ich nach rechts vom Highway 6 abbiege - so etwa 20km südlich von Hokitika - erwischt mich ein richtig heftiger Wolkenbruch und ich überlege kurz, ob ich überhaupt zur Hokitika Gorge fahren soll. Sie hat türkisfarbenes Wasser und soll ganz toll sein. Aber bei diesem Wetter? Nun soll der Weg zur Schlucht selbst vom dazugehörigen Parkplatz nicht weit sein und führt sicher durch einen (sand fly verseuchten) Regenwald, wo man vielleicht nicht ganz so nass wird. Also auf. Der Umweg ist nicht ohne, es sind knapp 30km auf verschlungenen Wegen durch irgendwelche Flecken von 3 Häusern und vielen Feldern. Während es hinter mir langsam heller wird, hängt der Regen noch vor mir in den Bergen, aber es ist erstmal trocken. Als ich den Parkplatz erreiche sieht es ganz gut aus und ich schnappe mir meine übliche Ausrüstung aus Rucksack, Regentüte und Überzug für den Rucksack und laufe los. Erwartungsgemäß geht es durch Regenwald und erwartungsgemäß lauern sand flies auf wehrlose Touristen. Das Schlimmste ist stehen zu bleiben und zu fotografieren. Sobald man sich nicht bewegt, stürzen die sich auf einen. Ich bin zwar komplett verhüllt, aber die Hände nicht...Am Ende hab ich dann nicht nur auf den Händen sondern auch noch einen Stich in der Ohrmuschel. 

Der Blick auf die Schlucht ist am Besten, wenn man auf der Hängebrücke steht, die nur maximal 6 Personen trägt. Das Wasser ist milchig-türkis und mit einem Effektfilter sehen die Bilder ziemlich gut aus. Der Himmel zieht sich schon wieder zu und ich trete den Rückweg an. Dann nochmals 30km bis zum Highway und von Hokitika ist es jetzt noch ne gute Stunde bis nach Punakaiki zu den Pancake Rocks. Ich passiere oberhalb von Hokitika bei Kumara Junction eine weitere Besonderheit: Hier führt eine Eisenbahnbrücke über einen Fluss und diese Brücke ist gleichzeitig Straße und Fahrradweg. Vor mir fährt ein Radfahrer, auf der anderen Seite wartet ein dicker LKW, denn die Brücke ist nur einspurig. Gut, dass nicht noch eine Bahn kam. Die hat Vorfahrt, darf die Brücke aufgrund des Alters der Brücke aber nur sehr langsam passieren, was regelmäßig zu endlosen Staus auf beiden Seiten der Brücke führt. Witzig ist das natürlich dennoch. Der Fahrradfahrer hat sichtlich Probleme, die Balance zu halten auf dem ausgefahrenen Asphalt zwischen den Schienen.

Greymouth ist jetzt nicht mehr sehr weit. Ich halte nicht in Shantytown, einem weiteren Goldgräberstädtchen, denn irgendwie hatte ich davon ja auch schon einiges in Alaska im September und anders als in Ross wird es auch hier nicht sein.

Greymouth hat den bisher billigsten Sprit für 1,749 und ich tanke voll. Ansonsten mache ich eine kleine Kurve durch die Altstadt mit netten alten Häusern, bevor ich meine Tour fortsetze. Eigentlich hätte ich jetzt gerne mal einen Kaffee, aber für ne richtige Pause will ich mir eigentlich keine Zeit nehmen, denn noch ist das Wetter ganz ok und ich will noch zu den Pancake Rocks. Hinter Greymouth führt der Highway direkt am Steilhang eines Berges entlang - eine tolle Route. Wasserfälle stürzen neben einem vom Berg und man kurvt weiter und hat einen gigantischen Blick aufs Meer! Was für eine Brandung. Aber nun sieht man auch wieder die Feuchtigkeit, die aus dem Urwald dampft und gleichzeitig die Gischt, was beides die Sicht in Nebel hüllt. Und dann fängt es wieder an zu regnen. Ich habe gerade mein Auto bei den Pancake Rocks geparkt, dann bricht ein Wolkenbruch über die Touristen herein, der sich gewaschen hat. Ich rette mich in ein Café und komme so zu selbigem und mache also zwangsweise erstmal eine Pause. Wo ich heute übernachten werde, weiß ich gar nicht so genau. Eigentlich habe ich dieses Wetter an der Westküste so satt, dass ich maximal weit nach Norden will, was Westport bedeuten würde. Das ist 1 Stunde Fahrt nördlich von hier. Von dort muß ich dann nach Osten fahren, um letztlich im Norden nach Nelson oder Umgebung zu kommen, um zum Abel Tasman Nationalpark zu gelangen. Angesichts des Wetters im Moment wird das hier ggf. jetzt eine eher kurze Nummer. Evtl. bleibe ich dann doch hier in der Nähe, um morgen früh das Ganze nochmal mit besserem Wetter anzugehen.

Als der Regen vorbei ist, gehe ich los. Es gibt einen Rundweg, der etwa 20 min dauern soll. Ich bin noch keine 30m gegangen, kommt der Regen zurück. Ich hole also Regentüte und Rucksacküberzug aus dem Rucksack und verpacke mich und mein Gefährt. Mit der wasserdichten Olympus mache ich noch ein paar Bilder von den ersten Pancake Rocks, was aussieht wie im Aquarium. Keine 5 min später bricht mir der Schweiß aus, der Regen ist vorbei - die Sonne scheint. Also alles wieder ausziehen und die nasse Regentüte irgendwo anbinden. Das Investment von 1 Euro im Euroshop in Berlin hat sich jetzt schon gelohnt. Das Ding hab ich schon 3 x angehabt in den letzten 3 Tagen.

Die Sonne wechselt sich mit Wolken ab und die Szenerie dieser geschichteten Felsen ist klasse. Es sind Türme, Felsen, Felsnasen und zwischendrin sind noch Blowholes, aus denen das Wasser bei hohen Wellen nach oben schießt. Jetzt ist aber eher erst auflaufendes Wasser. Bei Fluthochstand dürfte das noch sehr viel dramatischer sein. Der Ursprung der Pancake Rocks sind Erosions-Überbleibsel von urzeitlichen Sedimentablagerungen von Kalkstein und Tonmineralien. Etwa 30 Mio Jahre schätzt man das Alter dieser Pfannkuchenstapel. Die Pancake Rocks gehören zum Paparoa National Park, einem der 14 Nationalparks Neuseelands (von denen 10 auf der Südinsel liegen). 

Bis ich hier mit schlechtem, guten und sehr gutem Licht die immer neuen Perspektiven abgelichtet habe, ist es schon halb sechs und ich überlege, jetzt mal das nächste Motel anzusteuern, da es später immer schwieriger wird, da die Strecke oberhalb von Punakaiki eher ganz leer aussieht. Nur einen Kilometer vom Visitor Center ist der Punakaiki Tavern, der auch motelähnliche Zimmer vermietet. 130 Dollar ist ein stolzer Preis. Aber jetzt noch weiter zu fahren, um ggf. 20 Dollar zu sparen, ist mir auch zu blöd. 

Das Zimmer ist mausig und ich bin gleich wieder unterwegs zum Strand, der etwa 100m hinter dem Hotel beginnt. Ich setze mich in die Abendsonne auf einen Stein, bis es etwas frisch wird und gehe dann im Tavern meines Hotels etwas essen, trinke ein Bier, schreibe Postkarten und Tagebuch - ein Telefonnetz gibt es hier nicht. Folglich auch kein Internet. Das Hotel hat wohl Wlan zum Kauf, aber ich muß einfach morgen mal gucken, dass ich mir von unterwegs ein Hotel am Abel Tasman reserviere für die kommenden 3 Nächte. Das hätte ich gerne heute gemacht, aber das wird auch morgen funktionieren.

Tageskilometer: 280km


Punakaiki
West Coast, New Zealand
Vee Bee Small

Okarito & Franz Josef Gletscher

Wenn dieser nervige Junge im Nachbarzimmer nicht so laut wäre und permanent ¨mummy¨mitteilt, was er jetzt wieder macht - hätte ich völlig ohne schlechtes Gewissen ausschlafen können. So ist die Nacht aber schon um 8.00h zu Ende. Ich schäle mich um 9.00h aus dem Bett und ein Blick nach draußen sagt: Wolken hängen bis zur Erde und es regnet! 

Bis ich geduscht habe und sozusagen präsentabel für die Außenwelt bin, gibt es blaue Flecken am Himmel. Ich gehe heute mal frühstücken. Nun habe ich mal Zeit und das will ich ausnutzen und muß ja nicht wieder Brötchen mit Schmierkäse und Instant-Kaffee haben. Ich sitze tatsächlich in der Sonne und gönne mir Toast mit zwei Eiern und zwei flat white. Es ist fast 12.00h, bis ich weiß, was ich jetzt mache. Da die Wolken immer noch in den Bergen hängen, bringt es nichts, jetzt zu einem der Gletscher zu fahren und Lake Matheson macht auch heute keinen Sinn. Ich steuere also etwas auf dem Highway 6 nach Norden und biege nach knapp 20km links ab in Richtung Okarito. Ein winziger Ort, der an einer Lagune liegt und dahinter gibt es ein ausgedehntes ¨Wetland¨ und einen kleinen Track, den man durch dieses Sumpfgebiet und den dahinter liegenden Regenwald laufen kann. Die Sonne ist nun richtig warm, der Himmel blau - zumindest hier an der Küste. Ein toller Regenwald. Und nach den Wassermassen, die heute Nach hier herunter gekommen sind, gurgeln überall kleine Bäche und das Wasser tropft reichlich von den Moosen an den Hängen. 

Ich laufe diesen menschenleeren Track etwa 1,5 Stunden. Da ich den Tiden-Plan nicht angesehen habe, der am Anfang aushing, drehe ich um, als es nach unten geht. Nicht, dass mich da irgendwann die Flut überrascht. Ich sehe und fotografiere endlich einen Tui. Der Vogel hat einen auffallenden Büschel weiße Federn unter dem Schnabel und ist meist so hektisch unterwegs, dass man ihn nicht fotografiert kriegt. Dieser hier saust immer in den noch rot blühenden Blüten des Flachses hin und her und versenkt seinen Schnabel dort. Hier sammelt er Honig. Ich fahre kurz zum Strand, der ein sehr steiniger ist. Aber endlos! Ganz wild und direkt dahinter erhebt sich die Steilküste. Einfach herrlich. Okarito liegt zudem an einer Lagune, an die ich jetzt fahre. Unzählige Austernfischer picken hier im Watt und meckern sich an. So viele auf einmal! Bis ich bei der Fahrt im Marlborough Sound einen brütenden Austernfischer gesehen habe, habe ich in meinem Leben noch nie so einen in freier Wildbahn gesehen. Und hier stehen jetzt locker 20 von diesen rum.

In den Bergen hängen immer noch die Wolken, aber ich habe jetzt nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder ich fahre zum Franz Josef Gletscher oder ich versuche mich nochmal mit Geduld und suche einen Aussichtspunkt hinter Lake Matheson auf und hoffe, dass es aufklart und ich dann von dort den Mount Cook und Mount Tasman sehe. Da ich eh durch Franz Josef muß, fahre ich die 4km zum Parkplatz, an dem die Wanderwege losgehen. Der Hinweis sagt, dass der Weg derzeit zur Gletscherzunge ok ist, aber sich verschlechtern kann. Ich laufe los und kann mir ja noch überlegen, wie weit ich gehe. Den Gletscher sieht man schon vom Parkplatz aus, er ist von hier aber gut 2km entfernt und der Weg dorthin führt zunächst etwa eine viertel Stunde durch einen Wald. Dann steht man oberhalb des ausgetrockneten Gletscherbetts und von dort beginnt der zweite Teil. Der ist etwas uneben und man muß schon gucken, wohin man tritt. Es geht überwiegend über Steine und Kiesel und an den Hängen sausen etliche Wasserfälle hinab, die jetzt nach dem Regen viel Wasser führen. Kurz vor dem Ende des Weges zum Gletscher geht es dann bergauf und rechts neben mir liegen schon große Eisbrocken, die auf der Oberfläche wie Gestein aussehen. Man kommt auf der Strecke 2km in Richtung Gletscher, vielleicht auf 400m an die Gletscherzunge heran, die sich in den letzten 5 Jahren dramatisch zurück gezogen hat. Entsprechend ist auch der Abfluß aus dem Gletscher angestiegen. Das ist schon furchtbar zu sehen.

Der Weg zurück wird schon frisch, denn die Sonne steht etwas tiefer und kommt nicht mehr ganz über die Hänge rüber. Ich bin kurz vor 17.00h wieder am Auto, nach rund 2 Stunden - und habe heute praktisch einen Wandertag eingelegt. Heute Mittag in Okarito und heute nachmittag hier am Franz Josef Gletscher. Zufrieden fahre ich nach Franz Josef zurück, nehme einen dankbaren Dänen mit ins Dorf, der ansonsten die 4km hätte laufen müssen. Ich setze mich irgendwo in eines der drei Lokale, trinke ein Bier und esse einen Kürbis-Feta-Salat, der aber irgendwie nicht so wirklich gut schmeckt. Während ich in der Kneipe, in der ich gestern Abend essen war, noch ein Bier trinke, schreibe ich schon mal Tagebuch, gehe um 19.30h - schon wieder im Regen - zwei Kneipen weiter, wo jetzt Maori-Live Vorführung ist. Ich sehe dem zu und verkrümel mich dann schnell ins Hotel. Es fängt schon wieder an zu schütten. Also Tagebuch zu Ende tippen, Bilder runterladen und ein bißchen chatten. Herrlich faul. Morgen gehts weiter nach Norden. Hoffentlich wird das Wetter da mal besser.

Tageskilometer: 70km


Franz Josef
West Coast, New Zealand
Vee Bee Small

Geburtstag am Lake Matheson

Der Himmel sieht gar nicht so übel aus an meinem Geburtstag. Angesagt war ja Regen. Und zwar südlich der Gletscher mit zunehmender Intensität. Bevor die einsetzt, mache ich mich nach einem Zimmer-Frühstück im Selbstbausatz auf den Weg in Richtung Norden. Zunächst halte ich an dem Café, in dem ich auch letztes Jahr einen leckeren Kaffee gekriegt habe und trinke einen in der Sonne. Im i-site in Haast Beach informiere ich mich noch kurz über die Dickschnabel-Pinguine (crested penguins), die es nur hier gibt. Monro Beach wäre dafür gut geeignet, ist aber nur in einer 1,5 stündigen Waldwanderung erreichbar. Ich sehe schon Schwärme von sand flies vor meinem geistigen Auge...Also fahre ich jetzt erst einmal los. Die Straße führt über das fast trockene Flussbett des Haast River, in dem rieisige Felsbrocken liegen, die bei der Schneeschmelze aus den Bergen mit runter kommen. Dahinter beginnt gleich wieder der Busch. Riesige Baumfarne, podocarp Bäume (lt. Wikipedia "Steineiben"), Farne, Palmen, Büsche - alles vorhanden. Diese Strecke bin ich ja letztes Jahr auch gefahren. Ich biege nicht ab zu den Seen, die hier an der Straße liegen, sondern halte nur kurz am Knights Point, einem UNESCO Welterbe-Punkt, ebenso wie die gesamte Haast Region dazu gehört. Allerdings sind heute die Aussichten nicht so grandios, wie letztes Jahr - es ist zu wenig Sonne da, wenngleich sie sich redlich bemüht. Die Fliegen sind auch noch da - ob es dieselben sind wie im letzten Jahr ist schwer zu sagen - aber nerven tun sie auf die gleiche Art und beißen tun sie auch. Also schnell weiter und der nächste Haltepunkt ist Bruce Bay. Eine langgezogene Bucht, praktisch unbewohnt. Hier läuft der Highway direkt am Wasser entlang und in der Ferne sieht man hohe Podocarp Bäume und nebelige Gischt. Aber vor mir sind erst einmal jede Menge Wunschssteine aufgestapelt. Ich suche mir einen und verewige mich mit ¨17.1.2015 Geburtstag in Neuseeland! Was für ein schönes Leben! Wiebke aus Berlin¨ 

Ich lege den Stein ab und werde wohl nie erfahren, wie lange die Schrift des Kulis auf dem Stein halten wird. Ein Stück weiter habe ich einen besseren Blick auf die Bäume am Strand und das viele wilde Treibholz, das hier liegt. Irgendwo dahinten muß Monro Beach sein, wo die Dickschnabelpinguine möglicherweise zu sehen sind. Kurz danach geht der Wanderweg dorthin. Aber 1,5 Stunden laufen und dann nicht wissen, ob man welche sieht? Zudem rüsteten sich gerade zwei Leute am Beginn des Tracks indem sie sich mit langen Hosen, langen Hemden, Hüten mit Nackenschutz, Handschuhen und einer guten Dosis Insektenschutzspray ausstatten. Also das macht echt keinen Spaß, dauernd mit diesen sandflies zu wandern. Die Stiche fangen meist erst am nächsten Tag an zu jucken, bleiben einem aber über Wochen erhalten und jucken auch geraume Zeit. Ich habe jetzt immer noch Stiche an den Fußgelenken und am Handgelenk, die ich in den ersten Tagen auf der Nordinsel eingefangen habe. Nun fängt das wieder von vorne an.

Ich denke außerdem an die Wetterprognose und meinen Plan unbedingt heute, an meinem Geburtstag, noch um den Lake Matheson zu laufen, was ja auch noch mindestens 2 Stunden sind - also entscheide ich mich zur Weiterfahrt. 

Mein Quartier für zwei Nächte ist in Franz Josef, dem nördlich gelegenen Ort der beiden Gletscher. Also komme ich zunächst nach Fox, lasse aber die Abfahrt zum Gletscher links liegen und fahre weiter. Letztes Jahr habe ich die etwas steile Tour zum Fox Gletscher gemacht und solange es nicht regnet, will ich lieber etwas machen, was ich damals nicht geschafft habe. Kurz hinter der Abfahrt zum Fox Glacier geht es nach links in eine Straße, die zu einem Parkplatz führt, von wo aus drei Wanderwege unterschiedlicher Dauer an oder teilweise oder ganz um Lake Matheson gehen. Der See ist nicht groß, aber das Besondere ist, dass sich die Gipfel von Mount Cook und Mount Tasman im Wasser spiegeln. Ob mir das allerdings heute vergönnt ist, ist eher mit großem Glück verbunden, denn die Berge sind allesamt immer noch in Wolken. Hier gibt es kein i-site, keine Karten, nur ein Café und einen Souvenirshop. Ich stiefele also los, es ist 13.15h, nehme mein Wasser und einen rasberry white chocolate muffin mit, den ich gestern in Hawea im General Store gekauft habe und der genial duftet und schwer nach großmütterlicher Handarbeit aussieht. Das wird meine Geburtstags-Wanderprause! Der Weg läuft zunächst über eine Wiese und verschwindet dann im Wald. Den See kann man immer mal zwischen den Bäumen hindurch sehen. Es geht bergauf und dann ein paar Stufen runter, über einen Plankenweg über ein Sumpfgelände und dann kann man an einer ¨Kreuzung¨ überlegen, ob man zurück geht oder über eine hohe Treppe oben zum View of the Views geht. Ich mache natürlich das. Aber oben angekommen ist der Blick nicht besser als unten und die Wolken hängen immer noch im Berg. Dennoch eine schöne Aussicht. Hier gäbe es eine Bank, aber eine Gruppe Israelis hat sich dahinter zum Picknick niedergelassen und mir ist das zu laut. Die Fläche ist ungefähr 4 qm groß, dahinter geht der Hang hoch und ist mit Urwald bewaldet. Also Treppe wieder runter und weitergehen. Kurz danach kann ich eine Treppe hinuntersteigen zu etwas, das Reflection Island heißt. Eigentlich ist es nur ein Holz-Podest mit einer langen Sitzbank auf der man den Blick auf die Berge und den See hat, nur von etwa 50m tiefer. Ich bin zunächst alleine und packe meinen tollen Muffin aus. Die Sonne scheint. Alles fein. Dann kommmen zwei Mädels an - natürlich Deutsche. So kommt man dann doch ins Gespräch. Beides sind Hamburgerinnen und für ein Work & Travel hier. Sie arbeiten im Hostel in Fox und sind etwas frustriert, weil sie auf die Linienbusse angewiesen sind, die nicht ansatzweise so und dahin fahren, wo sie gern hin wollen. Ein Bus, den sie nehmen wollten für einen Ausflug fährt nur 3 x die Woche, andere Punkte, wie Lake Tekapo sind mit diesen Bussen gar nicht erreichbar. Im Hostel arbeiten sie nur 2,5 Stunden am Tag, haben also viel frei. Glücklicherweise stellt man ihnen Fahrräder, aber angesichts Wind, Bergen und nicht vorhandenen Radwegen ist das alles mehr als anstrengend. Sie haben vor zwei Tagen schon mal den Weg zu diesem Punkt angetreten, sind mit dem Rad gefahren und waren schon bei der Ankunft im Eimer. Dann wollten sie nach Gillespie Beach, was etwas weiter hinter Lake Matheson liegt und da in 1,5 Stunden Wartezeit mit Daumen raushalten nur 3 Autos vorbei gekommen waren, die zudem nicht angehalten haben, haben sie den Rückweg angetreten. 

Offenbar gibt es in NZ einen Mindestlohn von 14,50 NZ$, von dem 12,20 NZ$ netto übrig bleibt. Irgendwie ähnlich, wie der Mindestlohn von 8,50 EUR in Deutschland. Also verdienen die beiden pro Tag 30 Dollar. Da kann man hier auch nicht weit springen...Sie sind 9 Tage in Fox in dem Hostel und man hat ihnen vorher gesagt, sie sollten ihr gesamtes Essen mitbringen. In Fox gibt es keinen Supermarkt, der nächste ist in Franz Josef und das ist 25km über die Berge entfernt. Also sind sie mit Tüten voller Lebensmittel in ihr Hostel gekommen. 

Als sie aufbrechen halte ich noch etwas durch. Es ist nun schon nach 16.00h und ich war also jetzt rund 3 Stunden hier, um die Wolkenauflösung über den Gipfeln herbei zu hypnothisieren, was nicht funktioniert hat. Trotzdem ein wunderschöner Blick und eine erinnerungswürdige Wanderung an meinem Geburtstag. Ich nehme eine Anhalterin mit, die aus Belgien kommt und auch schon 5 Wochen unterwegs ist. Sie ist 4 Wochen mit einem Freund gereist, der aber zurück mußte. Nun ist sie auch alleine on tour. Sie hat auf der Nordinsel eine einwöchige Wanderung gemacht. Mit einem Mann an der Seite ist das vielleicht auch noch was anderes, wobei solche langen Wanderungen und Campieren im Zelt irgendwo im Busch eh nicht meins wäre. Ich fahre sie in Franz Josef zu ihrem Hostel und finde auch mein Hotel The Terrace. Die Rezeptionistin ist aus dem Allgäu. ¨ Ich spreche nur allgäuerisch oder Englisch¨ sagt sie. Lustig !

Das Zimmer ist riesig und das Bett hat gefühlt 25qm Grundfläche. Herrlich! Mit 160 Dollar die Nacht ist es die zweitteuerste Behausung dieser Reise (nach dem Motel, das ich in Russell am Weihnachtstag hatte). Ich gehe los und suche ein Restaurant. Kaum sitze ich, fängt es an zu regnen. Einen Heizstrahler habe ich schon bekommen, aber nass werden ist blöde. Also ziehe ich an einen Tisch an der Hauswand um und kurz darauf ganz rein. Das Lokal Speights Landing ist urig und das Bier schmeckt. Das Essen ist sehr lecker. Ein Fischgericht mit Auberginen. Schönes Geburtstagsessen. Als ich gehe, schüttet es draußen dermaßen, dass ich erstmals meinen Rucksack-Überzug und die Plastiktüten-Regenjacke aus dem Euroshop brauche, um die 200m ins Hotel zu kommen. 

Ich telefoniere mit Zuhause und beantworte viele gute Wünsche, die mich auf Facebook, per E-Mail oder Whatsapp erreichen. Bis ich meine Bilder gesichert habe und noch ein bißchen rumgetüdelt habe, ist es fast 1 Uhr nachts. Draußen geht seit Stunden die Welt unter. Die Dächer sind in Neuseeland meist aus Wellblech, was den Regen extrem laut macht. Mein Bett ist riesig und gemütlich, die Stiche an den Füßen jucken zum wahnsinnig werden und mein Geburtstag in Neuseeland ist vorbei.

Tageskilometer: 157km


Lake Matheson
West Coast, New Zealand
Vee Bee Small

Über die Südalpen an die Westküste

Ab 7.00h geht das mit dem Türenschlagen wieder weiter und es ist nichts mit meinem Plan, mal richtig auszuschlafen. Ich nehme meine vorletzten English Muffins, die ich täglich erneut ansehe, ob sie nicht Schimmel ansetzen und belagere einen der zwei Toaster in der großen Gemeinschaftsküche. Das stört aber keinen, die meisten Leute kochen oder braten sich gerade Eier, Speck, kochen Reis oder machen sich Müsli. Über Nacht hat es geregnet und mit dem Regen ist jede Menge Dreck runter gekommen, mein Auto sieht fast braun aus. Dafür bläst nun ein kräftiger, aber milder Wind, es ist nicht so kalt, wie ich dachte. Dank des Windes, hängen die Wolken auch nicht so fest in den Bergen. Ich laufe eine Runde durch den Ort, hole dann mein Auto, kaufe bei New World Wasser und Zutaten für einen Salat heute Abend ein und fahre dann los.

Eigentlich will ich ja nach Haast an der Westküste, aber da ich nun so viel Zeit habe, fahre ich zunächst mal an der südlichen Uferstraße entlang vom Lake Wanaka  Eigentlich führt dieser Weg nach etwa 20km in ein Skigebiet und es ist hier nichts los. Die Ausblicke auf den türkisen See, die Berge, Inseln in dem See, die Hänge neben der Straße - das ist unglaublicch grandios. Nach 20km endet die asphaltierte Strecke und ich drehe um. In Wanaka tanke ich auf, und heute ist der Sprit mit 1,89 wieder ziemlich teuer. Liegt aber vermutlich an Wanaka, denn derzeit sinkt der Spritpreis ja täglich. 

Ich rolle nun den Highway 6 entlang Richtung Westküste. Zunächst führt der Weg durchs Land und am Lake Wanaka vorbei. Hawea ist ein Mini-Ort am Südende des Lake Hawea, der praktisch rechts neben dem Lake Wanaka liegt und nur von einer Bergkuppe getrennt wird. 

In Hawea mache ich eine Pause in der Sonne, es bläst hier allerdings ein gnadenloser Wind, dass man alles festhalten muß. Die Kamera ruhig zu halten, ist fast unmöglich. Der Lake Hawea hat Schaumkronen und wenn man aus dem Auto will, kriegt man entweder kaum die Tür auf, oder sie wird einem aus der Hand gerissen. Jedenfalls wirbelt der Wind viel Staub auf und ich fühle mich bald paniert. Im General Store gibt es ein Café, das Hausmannskost anbietet und ich entscheide mich für ein Vege Tart, eine Art Quiche, wird warm gemacht und ist zum Niederknien lecker mit Kürbis, Kumara, gegrillter Paprika und anderen Sachen. Dazu ein flat white - der Beste, den ich hier in NZ bisher hatte.

Derart gestärkt fahre ich von hier aus automatisch am Lake Hawea entlang und auch er bietet unglaubliche Aussichten, während sich der Highway am linken Ufer entlang schlängelt. Irgendwann geht es dann nach oben und man kreuzt diese Bergkuppe und ist nach 30 Sekunden auf der Abfahrt auf der anderen Seite und vor einem liegt wieder Lake Wanaka - der nördliche Teil. Der Isthmus zwischen diesen beiden Seen ist gut 1.400m hoch.

Nun sehe ich im Nord-Westen noch deutlicher die Southern Alps, über die ich ja noch hinüber muß. Der Haast Pass ist nicht hoch und der Weg führt eher durch ein Engtal, als über die Bergspitzen. Aber was hier unschön aussieht, sind die dunken und vielen Wolken, die an der Westflanke der Berge hängen. Ich habe hier 27 Grad und Sonnenschein - zwar diesen starken Wind, aber wenigstens Sonne. 

Kurz bevor der Lake Wanaka zu einem Flußlauf wird, sitze ich 2,5 Stunden in der Sonne und lese. Nun muß man sich das so vorstellen, dass ich hier einen offiziellen Rastplatz angefahren habe, was grundsätzlich mit groben Schotter ausgestreute Parkbuchten sind, in denen es weder Sitzbänke, Picknicktische, Mülleimer oder Toiletten gibt. Es ist einfach nur ein Parkplatz neben dem Highway. So sitze ich bei geöffneter Autotür auf dem Fahrersitz mit den Füßen nach draußen, nicht wirklich bequem, aber wenigstens sonnig. Um 17.00h fahre ich weiter und nach 10 Minuten fallen die ersten Regentropfen und nach 20 Minuten ist es 10 Grad kälter. Ich fahre durch eine weite Ebene und die Ausblicke auch in die tiefhängenden Wolken, teilweise auf die Sonnenstrahlen oder auch die Regengüsse, die an den Hängen niedergehen, sehen toll aus. Der Weg zum Haast Pass ist von einigen abgerutschten Hängen begleitet, einen kenne ich noch aus dem letzten Jahr. Da bin ich als letzte noch durch gekommen, hinter mir wurde die Straße gesperrt. Das ist hier ausgesprochen ärgerlich, denn der nächstliegende Ort, in dem man übernachten kann ist hinter mir praktisch Wanaka in etwa 80 oder 90km Entfernung. Heute kann man hier aber ungehindert fahren, allerdings hat man mit mächtigen Netzen den gesamten Hang befestigt, was immer noch nicht sehr fest aussieht.

Der Haast Pass trennt die Bezirke Otago und Westland. Eigentlich eine uralte Maori-Handelsroute ist es heute die einzige Möglichkeit an das südliche Ende der Westküste zu kommen (wenn man mal von den Fjorden in Fiordland absieht - aber das ist eine andere Geschichte). Mich umgibt mittlerweile dichter Regenwald. Die Westküste ist das feuchte Ende Neuseelands mit viel Regen der sich an den hohen Bergen bildet. Daher ist hier die Natur auch völlig anders, als in den letzten 12 Tagen, in denen ich auf der Ostseite unterwegs war. Dort sind die Berge eher braun, kahl oder mit Tussock Gras bewachsen - oder mit Bäumen, die in den neuseeländischen Urwald gehören. Hier, auf der Westseite stehen Farn-Riesen und bemooste Bäume dicht an dicht, das Wasser tropft von den Blättern und es gibt jede Menge größere und kleinere Wasserfälle. Ich laufe zu einem, der immerhin 28 Meter hoch ist. Allerdings mache ich mir lieber die Hosenbeine an die Hose und ziehe meine festen Schuhe an. Bis ich damit fertig bin, habe ich locker 15 sandflies im Auto und rund 5 Stiche an den Füßen, wenngleich ich mir noch schnell etwas Off auf die Füße geschmiert habe. Der Weg nach Haast führt an dem riesig breiten Flussbett des Haast River und eines Ablegers entlang. Riesige Steine liegen in dem mehrere hundert Meter breiten Flussbett und erst wenn im hiesigen Frühjahr die Schneeschmelze in den Bergen einsetzt, wird das hier zu einem reißenden Fluss. Ich sehe einige Pukekos, die neben mir und vor mir über die Straße laufen. Mit ihrem blauen Gefieder und dem roten Schnabel fallen sie in dem Grün hier total auf. Diese endlosen Beine und die langen Krallen sind einfach ulkig.

Endlich erreiche ich dann Haast. Ich bin nicht schnell gefahren, habe aber auch keine Lust mehr. Das Wetter über dem Meer klärt sich etwas, es gibt blauen Himmel zu sehen. Aber ich habe erstmal Hunger, mache meinen Salat und schreibe dann das Tagebuch weiter, sichte meine Bilder uund dann ist es auch schon viertel vor zehn. Internet geht hier nicht, es gibt nichtmal ein Telefonnetz. Also schön mit dem Krimi ins Bett. Draußen raschelt es im Gebüsch und Vögel schreien - das hat was hier in der Wildnis!

Tageskilometer: 191 km


Haast
West Coast, New Zealand
Vee Bee Small

Von Te Anau, über die Crown Range zum Lake Wanaka

Heute vor genau vier Wochen habe ich in Auckland mein Auto übernommen und mein 6wöchiges Abenteuer gestartet. Unglaublich, wie die Zeit rennt. 

Ich habe nicht besonders gut geschlafen und bin schon vor 7 Uhr wach und so packe ich heute früh meine große Reisetasche komplett neu. Wenn man dauernd irgendwas kauft, oder was von unten vorkramt, ist das Ding irgendwann so voluminös und man denkt, dass das nie mehr zugeht. Nach 20min bin ich damit fertig und mal wieder erstaunt, dass ich gar nicht so viel mithabe und die Tasche trotzdem so voll ist. 

Ich bin schon um 8.30h unten am See und bewundere das fast wolkenfreie Panorama und die Spiegelung von Booten und Bergen auf der Wasseroberfläche. Lake Te Anau ist wirklich hübsch - vielleicht hätte ich hier mal eine Rundfahrt machen sollen, aber das will ich in Wanaka machen. Hoffentlich hält das Wetter. Denn hier ist es heute deutlich besser als gestern. Wer heute Richtung Milford Sound fährt hat echtes Ausnahmewetter. Zumindest auf dieser Seite des Homertunnel.

Ich hole mir schnell ein getoastetes Sandwich und einen flat white und setze mich draußen vor dem Café in die Morgensonne. Zwar mit Fleecejacke, aber es ist nicht so kühl wie gestern, weil die Sonne scheint. Das Thermometer zeigt dennoch nur 13 Grad.

Meine erste Aufgabe heute ist eine Unterkunft in Haast zu finden. Das wird mein nächstes Ziel nach Wanaka sein. Da ich in Wanaka bzw. für den Weg nach Haast über den Isthmus und mit dem Blick auf Lake Hawea morgen Zeit haben will, will ich keine so lange Strecke fahren. In Haast habe ich letztes Jahr übernachtet und weiß, dass da nur 3 Unterkünfte sind, davon ist eines ein Campingplatz. Ich finde über Booking.com auf der neuseeländischen Homepage noch Vakanzen, während auf der deutschen Seite nichts mehr aufscheint. Der Campingplatz vermietet noch kleine Hütten für 150 Dollar und so entscheide ich mich für ein Motel für auch immerhin noch 125 Dollar. Das Backpackers, in dem ich letztes Jahr dort gewohnt habe, kann man online nicht durchbuchen und ich habe keine Lust auf eine Buchungsanfrage und 3 Email-Schriftwechsel oder heute abend eine Absage und dann ist alles andere auch voll. Nachdem ich das erledigt habe, fahre ich dann endlich los. 

Bis Mossburn folge ich dem Highway 94 nach Osten und biege dann auf einen kleineren Highway ab, der nach Norden führt. Die Strecke ist schön und schön leer. Mit Tussock Gras bewachsene hohe Hänge begleiten mich, sanfte Hügel mit tiefen Einkerbungen, sie man sie typischerweise als landschaftliche Folge von Vulkanausbrüchen findet. Die Sonne scheint und das ist alles schon mal gut.

Ich treffe auf den Highway 6, der hinter Kingston direkt am Lake Wakatipu entlang führt und eine atemberaubende Weitsicht ermöglicht, die noch schöner zu genießen wäre, wennn ich nicht ein Auto durch endlose Kurven steuern müsste. In der Ferne - etwa 45km Luftlinie entfernt - sieht man schon Queenstown, das ich auslassen will. Aber die Ausblicke über den See sind einfach irre.

Bei Frankton, das Dorf kurz vor Queenstown, biege ich nach rechts ab und fahre kurz darauf einen kleinen Umweg über Arrowtown. Der Ort hatte mir schon letztes Jahr gut gefallen. Eigentlich eher eine Straße mit alten Holzhäusern, die durchaus die Kulisse eines Western sein könnten. Die Stadt selbst entstammt dem Zeitalter der Gold- und Silberfunde und entsprechend kann man hier auch solche Krümel und Nuggets kaufen. 1862 wurden hier die ersten Goldfunde bekannt und der Ort hatte innerhalb kürzester Zeit um die 7.000 Einwohner (heute keine 2.500), davon einen guten Teil Chinesen, die mit großem Fleiß sehr viel Gold schürften und sich so den Unbill der europäischen Siedler im Ort zuzugen. Man hat sie in eine Siedlung außerhalb der Stadt verbannt. Heute kann man diese Lehmhäuschen besichtigen, ich spare mir das dennoch, denn ich hab noch - je nach Route - 105 oder 60km vor mir. Ich hole mir ein real fruit icecream, was eine neuseeländische Besonderheit ist. Man nimmt tiefgefrorene Früchte und lässt die in einer speziellen Mischmaschine mit Vanilleeis verrühren - besser kann Eis nicht schmecken. 

Kurz hinter Arrowtown kann man sich entscheiden, ob man den schnelleren Highway 6 weiterfährt, der 105km bis Wanaka führt, oder hoch über die Crown Range Road fährt, die sich auf 1100 m hochschraubt und durch eine schöne Hügellandschaft führt und sich dabei durch manch enge Furt windet. Die Strecke ist nur 53km lang und ich bin diese Strecke schon letztes Jahr gefahren und erinnere mich an die tollen Blicke auf die hohen Berge und das große Tal, das hinter mir bleibt, in dem Arrowtown und auch weiter hinten Queenstown liegen. 

Wunderschöne Lupinen wachsen in Hülle und Fülle an der Straße und ich könnte hier konstant Fotos machen, aber das Stoppen ist auf einer solch kurvigen Straße nur an den Parkbuchten möglich, an denen man im Winter die Ketten anlegen sollte. Leider bezieht sich der Himmel immer mehr und als ich um 14.00 in Wanaka ankomme, ist es dicht bewölkt und nur am Horizont, über den mit Schnee bezuckerten Bergen ist es klar. Ich habe mich heute in eine YHA Jugendherberge eingebucht. Immerhin auch für 98 Dollar, für ein Zimmer mit eigenem Bad. Die Atmosphäre in der Jugendherberge ist einfach nett. Leute aus verschiedensten Ländern, wie so häufig aber sehr viele Deutsche, sind hier und sitzen im Lesezimmer, im Essbereich neben der tollen riesigen Küche und mein Zimmer ist völlig ausreichend mit Doppelbett und Duschbad. Klar, hier gibt's keinen Kühlschrank und keinen Fernseher, aber das fehlt mir eh nicht. Ich laufe zum See, was etwa 100m sind und setze mich ins Gras und gucke auf den See und die Wolken, die leider nicht weniger werden. Als es zu kühl wird, weil der Wind auffrischt, laufe ich ein bißchen durch den Ort. Nette kleine Geschäfte, viele Kneipen, Cafés und viele junge Leute. Völlig relaxt setze ich mich zu einem Flat white vor ein Café. Ein New World Supermarkt ist keine 50m vom Quartier entfernt und ich kaufe mir eine Tüte Salat, Tomaten und stocke meine getrockneten Mangos auf. In die Dinger könnte ich mich reinsetzen. In Asien gibt es die immer, die sind weich und lecker und nicht solche harten Dinger, wie in Deutschland. Hier gibt es die in jedem größeren Supermarkt in einer Selbstbedienungs-Theke zu kaufen und hier in Wanaka sind sie auch noch im Sonderangebot. Prima!

Zurück in meiner Jugendherberge gucke ich erstmal in die Küche, ob dort Schüsseln oder Teller auszuleihen sind. Jede Menge vorhanden! Hurra. Also muß ich meinen Salat nicht aus der Tüte essen. Dressing habe ich noch von vorgestern und bevor ich jetzt mein Abendessen genieße, setze ich mich vor die Jugendherberge an einen Picknicktisch mit Blick auf das See- und Bergpanorama, bis es auch dort zu kühl wird. Um 18.30h lichten sich die Wolken über den Berge vor mir und das Panorama wird immer grandioser. Ich sitze drinnen im Aufenthaltsbereich auf einem gemütlichen Sofa und schreibe Tagebuch und gucke immer mal wieder nach draußen auf dieses fantastische Panorama. Ein echt entspannter Tag.

Um halb neun mache ich meinen Salat, esse mit Blick auf die Berge. Anschließend lümmel ich auf einem der Sofas rum, schreibe Postkarten und schaue nach draußen, wie die Sonne die Berge anstrahlt. Heute Nacht soll es regnen und für die nächsten drei Tage ist an der Westküste auch Regen angesagt. Das ist echt schade. Einerseits, weil ich Geburtstag habe und andererseits, weil ich insbesondere am Lake Matheson rumlaufen wollte, was letztes Jahr aus Zeit- und Wettergründen nicht ging. Na mal sehen, manchmal irren die neuseeländischen Wetterfrösche auch.

Ich höre fast nur Deutsch um mich herum. Ein älterer Herr - englischsprachig - skyped mit seiner Frau und säuselt ihr alles mögliche ins Ohr. Alle müssen zuhören. 

Wlan ist hier kostenlos und in exzellenter Qualität.

Um 22.30h bin ich im Bett und da ich ja morgen so viel Zeit habe, weil meine Fahrtstrecke nur 140km ist, stelle ich den Wecker auf 9.00h. Mein Zimmer liegt allerdings neben einem Seiteneingang, den man u.a. nutzen kann, wenn man nach 22h zurück kommt. Das Türschlagen ist extrem nervig.

Tageskilometer: 242km


Wanaka
Otago, New Zealand
Vee Bee Small

Milford Sound

Ein Erdbeben weckt mich kurz nach Mitternacht, denn mein Bett wackelt nicht unerheblich und ich werde ziemlich durchgerüttelt. Ich warte ab und habe Glück, dass es nach vielleicht einer halben Minute vorbei ist und außer dem Gewackel des Bettes und des Knarzens des gesamten Hauses, offenbar nichts weiter passiert und auch nichts weiter bebt. Dennoch ein sehr merkwürdiges Gefühl.

Als ich um 7.00h aufstehe, gucke ich online erst einmal, ob das wirklich ein Erdbeben war oder nicht. Es war eines und zwar der Stärke 5,5 und das Epizentrum lag 70km westlich von Te Anau irgendwo in den Fjorden. Es gibt eine Online-Seite, auf der praktisch jede nennenswerte Erdbewegung in NZ notiert wird und in Erdbebenstärken unterteilt wird. Das, was am 5. oder 6.1. Christchurch beschäftigt hat, hatte eine Stärke von 6 und galt damit als severe, meines hier galt als moderate und das hat mir auch schon gereicht.

Um kurz nach 8 fahre ich tanken. Nachdem ich gestern für 1,75 tanken konnte, kostet es hier an diesem verlorenen Ende 1,85. Dabei sinken derzeit ja die Ölpreise weltweit. Aber ich hab auf der Nordinsel auch schon einmal für 2,06 getankt. Am Ende der Hauptstraße kurz vor dem See hole ich mir ein Sandwich und einen Kaffee, setze mich draußen hin und betrachte den Himmel. Zum einen sind es erst 13 Grad, zum anderen hängen dicke Wolken über mir. Ich lasse mir etwas Zeit, denn in Wolken, allerdings auch mit Regen, kenne ich die Strecke nach Milford Sound ja schon. Um 9.00h rolle ich los und die Sicht ist wirklich besser. Dieses kilometerweite Tal, das zwischen den Berghängen links und rechts liegt, ist endlos mit Tussock-Gras bewachsen, das rötlich-gelb scheint. Ich halte hier und da, um mal eine Schlucht von oben anzusehen oder einen Wasserfall zu sehen. Dann erreiche ich The Chasm, eine Stromschnelle eines Flusses, der sich in jahrtausenden hier durch den Fels gefressen hat und dabei unglaubliche Formationen des Steins hinterlassen hat. Eben noch war ich allein - schon steht wieder eine laut quatschende Gruppe Asiaten hinter mir, stürmt die kleine Brücke über die Schlucht, die damit anfängt zu schwanken und jedes unverwackelte Foto unmöglich macht. Ich fahre weiter und erreiche gegen 11.00h den Homertunnel. Leider sind heute keine Keas hier. Vor einem Jahr war ich - kaum das ich gehalten hatte - umzingelt von einer Gruppe Keas, die versuchten an meinem Auto jedes Stück Plastik oder Gummi abzufressen, bis sie es bei den anderen Autos versuchten. Der Blick heute zurück in die Berge ist dafür umso schöner, denn wenngleich es nicht klar ist und immer noch erst 14 Grad, ist die Sonne bemüht durchzukommen und die Aussicht ist - egal in welche Richtung - gigantisch.

Der Tunnel hat eine 7-Minuten-Taktung je Richtung und ist 1,2 km lang. Grob in den Felsen gehauen, kaum beleuchtet, von oben tropfend ist die Fahrt etwas gruselig und ich frage mich, was hier passiert, wenn mal was passiert. Da gibt es keine Nebengänge oder Schutzbuchten. Auf der anderen Seite ist das Wetter etwas mieser, dafür warten 3 Keas auf Autos mit Gummiteilen. Meine Antenne ist ein Opfer und einer der drei Keas sitzt ärgerlich auf meinem Auto und pickt vor lauter Frust, dass er nichts abknabbern kann fröhlich auf den Lack des Daches, bis er merkt, dass er genau in dem Zwischenraum zwischen vorderer und hinterer Tür von oben mit seinem spitzen Schnabel an die Türdichtungen kommt...Ich versuche ihn zu verscheuchen, woraufhin er einen gellenden Ruf rauslässt und seine zwei Kumpels, die auf dem Boden hocken, sofort beantworten. So ungefähr: Lass unseren Freund in Ruhe, sonst kommen wir auch noch dazu! 

Irgendwann habe ich ein paar Fotos im Kasten und die Tiere ausgiebig beobachtet und fahre die letzten 24km nach Milford Sound. Der erste Teil dieser letzten Strecke ist zunächst in Serpentinen ziemlich weit nach unten, denn der Tunnel lag 1.200m hoch und ich muß ja nun auf Wasserlinienhöhe kommen. Um halb eins bin ich in Milford Sound, finde so ungefähr den letzten Parkplatz und hole mir erst einmal einen Kaffee und setze mich in die Sonne, die immer mal zwischen den Wolken durch kommt. Dann laufe ich einen kleinen Rundweg, wollte mich mit Blick auf Fjord-Ende und Mitrepeak zu einer Schaffenspause niederlassen, aber es bläst ein derart kalter Wind, dass ich trotz Wolljackke friere und den Weg weiterlaufe, um mir zum Schluß die Fleecejacke aus dem Auto zu holen und mich dann nochmal ans Wasser setze und einfach die Szenerie aufsauge.

Um 14.45h habe ich eine Milford Sound Cruise für 70 Dollar gebucht. Bewußt mit einem kleineren Schiff und am Ende ist das auch noch nicht einmal voll. Zunächst ist das Wetter noch richtig schön, wird dann aber mehr und mehr bedeckt. Wir sehen etliche Wasserfälle, einen von so nahe, dass eine Windböe micht wässert und ich froh bin, dass meine Fleecejacke auch etwas Wasser abhält und mein Rucksack imprägniert ist. Ein paar fur seals liegen faul auf einem Felsen und eigentlich ist die Landschaft mit den Bergen, den Wasserfällen und dem wilden Bewuchs aus Bäumen und Büschen bis auf fast 1.700m Höhe das Highlight. Um 16.45h gehts zurück an Land, ich nehme mein Auto und fahre ganz gemächlich zurück nach Te Anau. Das sind 120km und mit ein paar Stopps an Aussichtspunkten und dem optischen Genuss des milden Abendlichts über Tal und Bergen und am Ende des Sees Te Anau, geht dieser Tag sehr schön zu Ende.

In Te Anau gehe ich in The Ranch, ein rustikales Lokal, in dem ich den besten Fisch meiner Reise kriege. Endlich mal nicht paniert, dazu super al dente gekochtes frisches Gemüse und keine Pommes. Ich gönne mir ein Speight`s und tippe das Tagebuch bis kurz nach 21.00h in der Kneipe. Draußen ist es immer noch hell. Hier im Süden ist der Sonnenuntergang mindestens eine halbe Stunde später als oben in Auckland.

Zurück im Zimmer versuche ich noch ein Glas Rotwein zu trinken, während ich die heutigen Fotos sichere - was heute unschlagbar viele sind, die ich auch noch ewig aussortiere. Wenn sie schon auf dem Tablet nicht aussehen, dann wird das wohl auch nichts am Rechner. Dabei trete ich an das Weinglas und es ergießt sich in den hochflorigen Teppich zu meinen Füßen. Schnell das kostbare Mineralwasser hinterher und endlich kommt mein großes Badehandtuch zum Einsatz, das ohnehin hierbleiben soll und seit fünf Wochen ohne Beschäftigung ist. So ist es dann auch endgültig soweit versaut, und der sicher 12 Jahre alte Teppich hat einen Fleck mehr, der aber bis morgen vermutlich nicht mehr so deutlich zu sehen ist.

Tageskilometer: 214km


Milford Sound
Southland, New Zealand
Vee Bee Small

Ungeplant und heiß ersehnt: Ein Abstecher Richtung Fiordland

Der Wecker geht um 7.00h, weil ich ggf. einen bewußten Umweg nach Te Anau fahren will, wenn die Straße nicht zu schlecht ist. So sitze ich um 9.00h im Auto und fahre zunächst nach Balclutha und von dort über den Highway 1 Richtung Gore. Witzigerweise führt der Highway zunächst durch einen Ort namens Clinton und von dort nach Gore und man hat ihn mit einem Schild Presidential Highway versehen. Wobei ich sicher bin, dass die Orte schon vor dem US-Präsidenten und seinem Vize so hießen. Irgendwo im Bereichvon Lumsden sieht man die ersten Schneegipfel deutlich vor sich. Zwanzig Kilometer später, bei Mossburn, biege ich jetzt auf meinen Umweg nach Süden ab und bin umzingelt von einer unglaublichen Szenerie mit Bergen, Hügeln und weiterhin den wohl größten Schafherden, die ich bisher in Neuseeland gesehen habe. Wunderschöne Feldblumen wachsen am Straßenrand, die Sonne scheint und ja, es ist sogar jetzt 20 Grad warm und nicht mehr so fies windig, wie gestern. Über Ohai fahre ich nach Clifden, wo ich eine über 100 Jahre alte Hängebrücke als kulturellen Höhepunkt des Tages aufsuche und überquere. Eben noch bin ich hier völlig alleine und auf der halben Brücke unterwegs, wird es hinter mir laut - eine Kleingruppe Japaner naht. Die kommen ja immer in Gruppen an, meist in Kleinbussen unterwegs. Also verlasse ich diese einst längste Hängebrücke Neuseelands und fahre weiter. Die Straße verläuft jetzt ziemlich gerade nach Norden und um 15.00h erreiche ich Manapouri, das vor dieser unglaublichen Kulisse der Hunter Mountains und der Kepler Mountains und natürlich dem schönen Lake Manapouri. Traumhaft! Nur noch 20km weiter bin ich schon in Te Anau, finde mein Hotel, das wie eine kleine. Westernstadt gebaut ist. Das Zimmer ist schön groß und hat eine Terrassentür in einen kleinen Garten. Mein Auto kann ich direkt vor der Tür parken und so kann ich endlich mal die große Tasche ausladen - das erste Mal seit Wellington.

Ich laufe runter zum See, hole mir einen Kaffee, setze mich ans Ufer und gucke einfach zu, was sich dort so tut. Alle 20min landet ein Hubschrauber, mit dem man Rundflüge machen kann und auch Rundfahrten auf dem Lake Te Anau kann man machen. Aber ich mach das jetzt nicht mehr, sondern genieße die Sonne, die jetzt nicht mehr so stark brennt. Ich bummele die Hauptstraße runter und entscheide mich kurz vor 18.00h in der Pizzeria etwas zu essen, wo ich schon letztes Jahr gegessen habe. Heute kann ich draußen sitzen und die Sonne wärmt mir den Rücken. Letztes Jahr war es hier richtig kalt und neblig.

Im Hotel genieße ich dann den Abend, denn auch hier wird es sofort kalt, wenn die Sonne weg ist. Nachttemperatur: 9 Grad! 

Tageskilometer: 349km


Te Anau
Southland, New Zealand
Vee Bee Small

Der Südpol ist näher als der Äquator!

Die Sonne scheint auf meinen kleinen Balkon aber auf dem selben zu frühstücken ist nur dann möglich, wenn die Sonne sich nicht hinter Wolken versteckt und der Wind weniger bläst. Ich wandere mit meinem English Muffin und einem Kaffee etwa dreimal zwischen drinnen und draußen hin und her, bis ich dann nur noch abwasche und losfahre. Allerdings in Ruhe. Heute muß ich mal nicht um 10.00h auschecken, will aber heute den Catlins Coastal Heritage Trail fahren, der von der Southern Scenic Road abgeht. Mein Ziel ist zudem heute in Curio Bay der versteinerte Wald, der nur bei Ebbe sichtbar ist. Mein Hotel-Mann hat mir zudem noch Cathedral Caves empfohlen, ebenfalls nur bei Ebbe für eine Stunde zu besuchen. Ebbe ist um 14.00h. 

Ich komme um halb elf los und rolle bald durch eine traumhafte, fast unberührte Landschaft, wenn nicht doch jede Menge Schafe und Abgrenzungen von Feldern erkennbar wären. Hier unten, in den Catlins, merkt man mehr als deutlich, dass zwei Drittel der 4 Millionen Neuseeländer auf der Nordinsel leben. Die Südinsel ist ohnehin ursprünglicher und leerer, aber in den Catlins ist es noch weniger bevölkert. Eine wunderschöne Hügellandschaft zeigt sich, auf deren Kämmen oft hohe Podocarp-Bäume stehen, diese typischen neuseeländischen langen hohen Bäume mit den vielen Ästen. Den Kauris ist es hier unten zu kalt, wenngleich sie auch eine Podocarp-Art sind. In Neuseeland ist der ursprüngliche Ur-Wald aus Zeiten von Gondwana, als Neuseeland mit Australien und auch Südamerika und Südafrika zusammenhing nur noch an wenigen Stellen sichtbar. Hier in dieser süd-östlichen Ecke des Landes gibt es noch recht schöne Flächen dieses Waldes, zu dem auch andere Büsche und Bäume gehören, so dass diese Ur-Wälder von Ferne immer aussehen wie Blumenkohl oder Broccoli. Mir fällt ein gelber kleiner Vogel auf und später sehe ich noch einen Tui, den ich noch nie fotografieren konnte. 

Während es gerade mal 15 Grad ist, pfeift durch die Sonne ein wilder Wind, der einem beim Aussteigen fast die Autotür aus der Hand haut. Irgendwo an der Straße, oberhalb einer wahnsinnigen Aussicht auf endlose Steilküste mit wilder Brandung ziehe ich mir die kürzere Hose aus und eine lange an. Die Sandalen fliegen in den Kofferraum und die Wanderschuhe kommen zum Einsatz - es ist einfach zu kalt. Ein Schild an einem Aussichtspunkt sagt mir, dass hier die Jahresdurchschnittstemperatur bei 11 Grad liegt. Da habe ich ja heute mit 15 Grad einen heißen Tag erwischt!

Nach gut einer Stunde komme ich an den Cathedral Caves vorbei, aber mir ist dieser 180 Millionen Jahre alte Wald einfach wichtiger und ich fahre an den Caves vorbei, zumal auch erst in 2 Stunden Ebbe ist und man erst in einer Stunde dort runter kann. 

Ich biege von der Southern Scenic Route ab nach Süden, komme durch Niagara und Waikawa, bevor die Straße in Curio Bay an einem kleinen Parkplatz endet. Dieser versteinerte Wald ist von einer Aussichtsplatform gut zu sehen, aber auch, wenn man unten rumläuft, über die versteinerten Baumstämme, die langgestreckt dort liegen und die Baumstümpfe sieht, wird klar, dass das hier wirklich ein echter Wald war. Offenbar hat es hier mehrere Wälder nacheinander gegeben. Diese Stätte ist eine der besterhaltenen versteinerten Wälder der Welt und 180 Millionen Jahre alt. Man kann derzeit nur einen recht kleinen Teil betreten, da hier Yellow Eyed Penguins nisten und man die natürlich nicht stören soll.

Ich stehe in dem kalten Wind dort, mit Fleecejacke und Kapuze auf dem Kopf und versuche in den Böen die Kamera ruhig zu halten. Nicht weit entfernt brechen riesige Wellen an die Klippen links und rechts am Ende der Bucht. Das Wasser ist türkisblau und die Sonne scheint - ein irres Farbspiel.

Nur 400m weiter ist die nächste Bucht, von einer Felsennase geschützt, an der sich die Brecher krachend zerkleinern. Dennoch hat Porpoise Bay eine recht anständige Brandung und der Wind pfeift auch hier nicht unerheblich. Hier oben ist ein Campingplatz - was für ein traumhafter Plat! Allerdings muß man hier echt alles festbinden, Kleinkinder inklusive. Draußen sitzen und essen wird hier schwierig, da dürfte das Essen vom Teller abheben. Ich hole mir in dem kleinen Laden ein Eis und während ich noch den Blick auf die weitgeschwungene Bucht genieße, die fast menschenleer ist, sehe ich die ersten Delphin-Flossen. Schwarz, klein, rund - das sind Hector-Delphine! Die kleinsten Delphine der Welt und mit einem Bestand von weniger als 10.000 Stück weltweit, gehören sie zu einer der vielen bedrohten Tierarten, die fast nur hier in Neuseeland vorkommen. Ich sehe drei Tiere, die munter immer dicht am Strand rumtoben und gern auch mal hoch springen. Also laufe ich runter an den Strand und verbringe die nächsten anderthalb Stunden mit Gucken. Fotos sind schwierig, die Viecher sind ziemlich schnell und meist hat man nur noch das hochspritzende Wasser auf dem Bild und der Delphin ist schon wieder im Wasser. Aber diese Bucht ist ein Traum. 

Als ich wieder aufbreche ist es halb vier und ich will von hier aus noch nach Slope Point, dem geographisch südlichsten Punkt von der neuseeländischen Südinsel - der Südpol ist hier näher, als der Äquator! Die Straße führt 15km vom Heritage Trail nach Süden, ist aber auch ein Teil des Heritage Trails. 13km sind Schotterpiste, aber gut zu fahren. Am Ende steht man praktisch an einem Feld. Mit einem Haken ist hier ein Gatter gesichert, das man selbst öffnet und schließt und durch das Feld läuft, um am Ende nochmal um die Ecke an einem Zaun lang zu laufen, bis man auf einer Klippe steht, von der es senkrecht in das tosende Meer geht. Kein Zaun, keine Barriere - aber ein nettes Schild mit dem Hinweis, wie weit Äquator und Südpol entfernt sind. Ich fotografiere eine deutsche Familie und die mich - so komme ich zu einem Fotodokument der besonderen Art von meiner Reise. War ich schon jemals weiter weg von Zuhause? Vielleicht damals in Feuerland?

Während ich noch ein wenig fotografiere kommen plötzlich noch vier, fünf Leute hier runter und ich mache mich auf den Weg zum Auto (ca. 15min Fußweg). Hier oben stehen etliche dieser podocarp Bäume, alle schief als Zeugen permanenten Windes vom Meer. Sie erinnern mich an divi-divi-Bäume auf Aruba, die auch alle in nur eine Richtung wachsen, weil der Wind sie so formt. Es ist kurz vor 17.00h als ich hier losfahre und der Rückweg ist knapp 100km. Das mit den Caves wird nun gar nichts mehr. Die Flut ist lange schon da und somit ist das ohnehin geschlossen. Ich erfreue mich auf der Rückfahrt an den Bäumen, dem Urwald, Farnen und Palmen, den unglaublichen Blicken auf die Steilküste an meiner rechten Seite und rausche so dahin, denn Verkehr gibt es hier so gut wie gar nicht. Kurz vor Kaka Point entscheide ich mich noch, zum Nugget Point hochzufahren, um das Lighthouse zu sehen. 

Das Wetter ist wirklich schön, die Sonne scheint und wenn man nicht in dem brutalen Wind steht, könnte man meinen, draußen müßten 30 Grad sein. Da es nun schon 19.00h ist und der Weg zum Lighthouse am Ende der Straße noch knapp 1 km ist, begnüge ich mich mit einem Blick auf die Klippen und die Seehunde und Seelöwen da drauf und fahre weiter in mein Quartier. Seit dem Frühstück gab es nur ein Eis und ich hab jetzt Hunger. Meine letzten Paprika, Tomaten und ein English Muffin in den Toaster und fertig ist das Dinner, das stark den üblichen Frühstückskombinationen gilt.  

Ich überlege jetzt intensiv, wie ich die nächsten 10 Tage auf der Südinsel verbringen soll und wo ich jetzt Hotels buchen soll. Eigentlich wollte ich morgen nach Invercargill und  von dort nach Wanaka. Aber die deutsche Familie hat mir sowohl von Invercargill und von Bluff abgeraten, was beides ziemlich blöde sei und so habe ich theoretisch etwas Zeit gewonnen, wenn ich das auslasse. Es lockt in meinem Hinterkopf immer noch Milford Sound. Die Fahrt dorthin im Januar 2014 war im Nebel und Nieselregen und der Wetterbericht für die nächsten Tage sagt dort besten Sonnenschein und über 20 Grad an...Ich gucke die Entfernung nach Te Anau an und bin erstaunt, dass das nur 226km sind. Ich finde online ein Hotel, buche das für 2 Nächte und fahre also morgen in Richtung Milford Sound. Hurra! 

Tageskilometer: 216km


Slope Point
Southland, New Zealand
Vee Bee Small

Albatrosse & Gelbaugenpinguine

Heute ist nichts von dem tollen Wetter von gestern zu sehen. Eher hat sich der Seenebel von gestern Abend hier eingenistet. Der Balkon ist naß, aber ich setze mich zum Frühstücken trotzdem raus, brauche  aber  Schuhe und ne Jacke. 

Um kurz nach 10 bin ich die letzte, die heute hier auscheckt und fahre nun nochmals zum Albatross-Center. Denn ich bin sicher, dass die Vögel dort rumfliegen und sich nicht einen Flugkorridor vorgeben lassen, der nur den Teilnehmern einer 50-Dollar-Tour sichtbar ist.

Bei Tageslicht fährt sich die Strecke doch etwas besser und schon am Parkplatz empfängt mich erneut ohrenbetäubendes Gekreische der diversen Möwen- und Schwalbenarten, die hier ansässig sind. Ich laufe runter zu einer Aussichtsplattform, von der aus man das Lighthouse hoch oben über der Steilküste sehen kann, während unten in der Bucht fur seals (Seebären) und Seelöwen rumliegen. Basstölpel haben die Felsen ganz schön zugeschissen und drehen in Gruppenformation immer mal wieder ne Runde über den Köpfen der Touristen, die sich im Anschluß angstvoll auf die Jacken gucken.... Auch die großen Möwen sind toll anzusehen. Einige haben flauschige Junge und die sind natürlich völlig niedlich. Dann taucht ein Albatross-Pärchen auf und es ist einfach irre, deren Flüge zu sehen. Die Proportionen dieser Vögel scheinen einfach nicht zu stimmen. Kurzer, gedrungener Körper und diese endlos langen Flügel, die einen Bogen wie ein Bumerang haben. 

Albatrosse sind auch deswegen bedroht, weil sie eine sehr langsame Fortpflanzung haben. Sie brauchen rund 12 Jahre, um geschlechtsreif zu werden und brüten nur alle zwei Jahre ein Ei aus. Sie sind geniale Flieger und können tausende Kilometer fliegen, haben aber ein echtes Problem, wenn sie an Land landen müssen. Dabei kommt es tatsächlich zu Brüchen und Unfällen, an denen die Tiere sterben. Anders auf Wasser, da sind sie zuhause und fressen auch im Regelfall während sie auf dem Wasser schwimmen. Während der Brutzeit kommen sie aber um Start und Landung an Land nicht herum und man hat ihnen in solchen Schutzzonen wie hier, tatsächlich Landebahnen gebaut, die den Problemen einer Albatross-Landung entgegen kommen, um die Verletzungsgefahr einzudämmen.

Nach einer Stunde mache ich mich auf und habe einige lustige Schnappschüsse von Möwen, Basstölpeln und auch Albatrossen im Gepäck. 

In Portobello biege ich auf die Highcliff Road ab, eine gewundene Strecke, zu deren Beginn gleich vor dem Befahren mit großen Vehikeln gewarnt wird. Es ist teilweise unwirklich sehr schmal und ich bin froh, dass sich der Verkehr in Grenzen hält. Leider ist heute wegen des Dunstes und der Nebelschwaden der Blick auf den unten liegenden Otago Harbour kaum möglich und die Temperatur sinkt wieder mal auf 14 Grad. Dazu bläst ein ziemlich kalter Wind und das in Verbindung mit der Feuchtigkeit des Seenebels - eine wenig sommerliche Erfahrung.

Ich biege kurz ab nach Sandfly Beach, aber auch hier ist auf den zusammengewehten Sand kaum eine Sicht und so bin ich doch recht bald in den Außenbezirken von Dunedin, wo ich mein Navi anwerfe, um den Weg nach Kaka Point zu finden. Das sind nur rund 100km, die Strecke ist mehrheitlich gerade und gut zu fahren. Die Landschaft ist wie üblich und so komme ich zügig voran, kaufe unterwegs noch Salat und Zutaten für heute Abend ein. Nun bin ich mal wieder 2 Nächte an einem Ort, heißt also 2 x abends essen und 2 x Frühstück.

Kaka Point ist ein kleiner Ort, der an einer weit ausladenden Bucht liegt, rund 13km vom Highway 1 entfernt, den ich seit Dunedin befahren habe. Mein Motel liegt auf einer der steilen Straßen oberhalb des Ortes und für 20 Dollar Aufpreis die Nacht gönne ich mir jetzt ein Quartier mit Weitblick über die Bucht. Ich sitze mit einem heißen Tee bald auf meiner kleinen Terrasse und genieße den Blick, es wird aber ziemlich schnell frisch - warm war es ohnehin nicht. Tagsüber war es nicht wärmer als 15 Grad und sobald die Sonne flacher fällt, Wolken kommen, ist es nicht wärmer als 12 Grad und das ist zum draußen Sitzen auf dem kleinen Balkon einfach zu kalt. Ich sitze da in meiner Jogging-Hose mit Fleece-Jacke und habe bald kalte Füße.

Um 18.30h schwinge ich mich wieder ins Auto und fahre rund 10km in Richtung Nugget Point. Die Straße ist etwa 1 km hinter Kaka Point nicht mehr asphaltiert, lässt sich aber gut fahren. Kurz vor Nugget Point liegt Roaring Bay, eine weite Bucht, an der abends Gelbaugenpinguine an Land kommen. Oberhalb des Steinstrandes gibt es eine Beobachtungshütte in der ich bis 20.30h stehe und die Aktionen der ankommenden Pinguine beobachte und fotografiere. Sie kommen meist alleine an, aber innerhalb von 10 Minuten, kommt die bessere Hälfte auch an Land und dann sitzen die zu zweit dort und sortieren erst einmal ausgiebig ihr Federkleid, bevor sie zu zweit - fast gramgebeugt - ins Grün des Hanges verschwinden, wo man dann aufgeregtes Geschrei der Jungtiere hört. Es ist einfach genial, hier mit aller Ruhe der Welt zu stehen, zu gucken, zu fotografieren, zu beobachten und zu hören. 

Zurück in meinem schönen Zimmer, was eher wie ein Ferienhäuschen ist, mache ich mir einen großen Salat, schreibe Tagebuch, sichte meine Bilder und lösche sehr viele Pinguin-Bilder, die nicht wirklich scharf sind. Wenngleich ich mein großes Tele nicht wirklich viel genutzt habe. Heute Abend war es jeden Cent und jedes Gramm wert, dass das Ding wiegt.

Irgendwie denke ich jeden Tag in Neuseeland, dass ich eigentlich gar nichts noch Tolleres mehr sehen kann und dann gibt es doch noch wieder etwas. Die Fülle der Eindrücke ist unglaublich. Morgen, Montag bin ich dann schon einen Monat unterwegs und in 2,5 Wochen fliege ich schon wieder nach Hause. Vielleicht ist dann aber auch die Füllgrenze dessen erreicht, was man verarbeiten kann - zumindest in der Zeit, die ich hier habe.

Tageskilometer: 166km


Kaka Point
Otago, New Zealand
Vee Bee Small

Von Oamaru zur Otago Peninsula

Ich bin erst um 1.30h ins Bett gekommen, nachdem ich noch Fährverbindungen für den 24.1. recherchiert habe und mir die Nummern von Europcar und Blubridge Ferries rausgesucht habe. Nun klingelt der Wecker um 8 und mein erster Anruf gilt Europcar. Die 0800-Nummer ist aber am Wochenende nicht besetzt. Gerne kann ich ein Email schreiben. Ich wundere mich immer wieder über Öffnungszeiten von solchen und anderen Firmen in Neuseeland. Da ist hier Hochsaison und es gibt keine Erreichbarkeit von Europcar unter der 0800-er Nummer? Ich wühle in meinen Unterlagen aus Picton und finde eine 0800er-Nummer für das Picton-Büro. Sie steht zweimal auf dem Zettel, allerdings mit zwei verschiedenen Nummern. Die eine - so stelle ich fest - gehört zu einem Laden, der Batterien verkauft. Die andere - oh Wunder! - gehört tatsächlich zu Europcar und zwar zum Büro in Dunedin?! Der Typ ist total hilfsbereit und ändert meine Buchung ab.

Nächstes Telefonat: Bluebridge Ferries. Ich habe zwar einen online Account, aber stornieren kann man da keine Buchung. Also per Telefon. Ich würde ja auch mit denen am 24.1. fahren, aber die einzige Verbindung ist mittags um halb zwei und das ist zu spät, da ich an dem Tag noch nach Napier weiter will. Also muß ich stornieren. Ich kriege eigentlich 50% des Sonderpreises zurück, aber die Tante will die Kreditkartennummer haben, mit der ich das Ticket mal gebucht hatte und da bin ich eben unsicher. Wenn das nicht die gleiche ist, wird die Erstattung nicht geleistet. Das Mädel kann aber auch nicht sehen, mit welcher KK ich bezahlt habe. Nun ja. Es geht um knapp 30 Dollar. Im schlimmsten Fall ist das eben weg.

Dann nächster Schritt: Andere Fähre. Es gibt ja glücklicherweise zwei Fährfirmen, die die Verbindung Picton-Wellington betreiben und Interislander hat eine sehr frühe Abfahrt am 24.1. um 6.30h, die ich für 55 Dollar buche. Dann bin ich um kurz vor 10 startklar in Wellington und habe auch den Vorteil, dass ich in dem Terminal ankomme, in dem auch Europcar sitzt und nicht erst mit meinem Gepäck per Taxi 2km von der anderen Fähre zum Europcarbüro fahren muß. 

Als nächstes storniere ich mein bereits gebuchtes Hotel und buche für die Nacht 23.-24.1. in Picton ein anderes, das zwar teurer ist, aber ist nun auch schon egal. Ich komme an dem Tag irgendwann abends in Picton an und will dann nicht noch nach einem Hotel suchen. Fähre und Auto sind ja nun gebongt, also kann ich das Hotel auch buchen.

Die letzte Arbeit heute morgen am Rechner (was haben wir bloß alle ohne Internet gemacht?) ist die online-Bezahlung meines Strafzettels aus Wellington. 12 Dollar für eine nicht gefütterte Parkuhr. Als das auch erledigt ist, mein letztes - jetzt ziemlich zähes - Stück des drei Tage alten Mohnbaguettes mit obligatorischem Schmierkäse und Instantkaffee vertilgt sind, verlasse ich das Motel. Es war ein schönes Ding, leider hatte ich hustende Kettenraucher nebenan, die den kleinen Tisch vor deren und meiner Tür komplett mit Beschlag belegt hatten und einen übervollen Aschenbecher schon letzte Nacht dort haben stehenlassen. Heute morgen ab 8.00h geht das Gerauche und Gehuste vor meinem Zimmer weiter und ich kann nichtmal die Zimmertür aufmachen, um zu Lüften. Gräßlich.

Mein Plan war eigentlich heute bis Kaka Point zu fahren, angesichts der 2 gewonnenen Tage, werde ich jetzt einen feinen Stopp auf der Otago Peninsula in Portobello einlegen. Da ich über übliche Online-Recherche nichts zum Buchen finde, werde ich dort also vor Ort was suchen müssen und wenn ich richtig sehe, hat Portobello drei Motels und einen Holiday Park. Nun ist Wochenende, die Sonne scheint - also mal sehen. Schlimmstenfalls fahre ich die 15km nach Dunedin zurück - da wird es immer was geben. Es sind unglaubliche 24 Grad, als ich um halb zehn losfahre.

Zunächst führt mein Highway durch hügelig-braune Landschaft mit üblichen Rindern, Schafen und Weiden. Gleich am Anfang halte ich an einem Kirschen-Stand und gönne mir ein Pfund Kirschen für 9 Dollar. Köstliche Dinger und sündteuer. Schon um halb elf bin ich in Moeraki, wo ulkige Felsenhalbkugeln am Strand liegen - die Boulders. Die größten sind über 2 m im Durchmesser. Diese Felsen sind nicht vom Meer rund geschliffen worden, sondern bildeten sich eher wie Perlen, ihr Ursprung ist organisch und mich erinnert das etwas ähnliche Gebilde (Stromatolithen), die ich letztes Jahr in West Australien im Lake Thetis gesehen habe, und die zu den ältesten lebenden Organismen der Erde gehören. Die Boulders hier in Moeraki sind schätzungsweise vor 4 Millionen Jahren entstanden, die Organismen im Inneren sind aber etwa 60 Mio Jahre alt. Durch sog. Konkretion entstehen diese Kugeln und nach irgendwelchen weiteren Prozessen, entstehen Risse. Manche dieser Boulders sehen aus wie Fussbälle, andere wie riesige Seeigel. Nette Fotomotive diese Urviecher. Ich halte meine Füße ins kalte Wasser und wundere mich einmal weniger, warum hier keiner badet. Die Bucht ist wunderschön, der Strand feinsandig - aber das Wasser kalt.

Weiter geht es durch Hügelland, Laub- und auch Tannenwälder, bis ich nach weiteren 70km dann Dunedin erreicht habe. Die Stadt hatte ich beim letzten Mal mit dem Schiff besucht - in leider miesem Wetter. Heute will ich nur nochmal den tollen Bahnhof sehen, versuchen ein dünnes Merino-Shirt am Octagon - dem Hauptplatz von Dunedin - zu finden und die steilste Straße der Welt zu sehen.

Als ich beim Bahnhof ankomme, ist die Sonne wunderbar - aber es stapeln sich die Tourbusse vor dem Gebäude, die nicht etwa Bahnreisende hier absetzen, sondern Kreuzfahrtpassagiere. Die Busse verschandeln jedes Foto und ich frage mich, warum die ausgerechnet hierher fahren, den Leuten diesen sicherlich schönsten Bahnhof der Welt zeigen, um ihnen und allen anderen Touristen sämtliche Bilder zu versauen.

Ich werfe einen Dollar in die Parkuhr und laufe eine Stunde durch die Gegend. Am Octagon ist jeder Platz in den vielen Cafés besetzt und ich finde den Pullover-Shop vom letzten Jahr wieder und ein weiteres Merino-Shirt für mich. Wenn es kühl ist, sind diese extrem dünnen Pullover genial zum Unterziehen. 

Mit dem Auto fahre ich zur Baldwin Street, die etwa 3,5km außerhalb der Stadt liegt. Sie sieht aus der Ferne steil aus, aber wenn man anfängt sie zu gehen, ist es eigentlich ganz ok. Nur fahren möchte ich sie nicht. Mir fehlt allerdings der Ehrgeiz, sie komplett hoch zu laufen und ich drehe nach der Hälfte um, denn ich will noch in der Innenstadt in einen Kamera-Laden, um meinen Sensor reinigen zu lassen, nachdem ich seit gestern einen Punkt im Bild habe, wenn ich blauen Himmel fotografiere. 

Um halb drei bin ich in Downtown, finde den Kamera-Laden erst im zweiten Anlauf und habe Glück, dass die Zeit haben, das Ding zu reinigen. Kurz vor halb vier bin ich 30 Doller ärmer und hoffentlich den Fussel auf dem Sensor los. Während ich einen Kaffee bei McDonalds getrunken habe, habe ich kurz bei Booking.com für die nächsten 2 Nächte in Kaka Point ein Motel gebucht. Mittlerweile gewöhne ich mich an die Preise und empfinde 115 Dollar pro Nacht schon fast günstig. Also ist nun auch klar, dass ich ab morgen dann die Catlins besuchen werde und mal wieder 2 Nächte ein Hotel habe.

Über die extrem kurvige Uferstraße geht es von Dunedin entlang des Otago Harbour, wie die langgezogene Bucht zwischen Festland und Halbinsel heißt. Kurz nach 16h erreiche ich Portobello, fahre das erste Motel an, kriege ein Zimmer für 125 Dollar mit Balkon und Meerblick und checke ein. Hurra! Der Dorfladen hat noch offen, ich hole mir Käse, Joghurt und eine Flasche Wein und bin nach 10min mit der Ortsbesichtigung durch. Die Hotelfrau hat mich um 21.30h auf eine Pinguin-Tour gebucht. Es war die letzte Tour heute und da man hier fotografieren darf, freue ich mich, dass ich das heute nochmal sehe. Da es die letzte Tour ist und ich ja von gestern weiß, dass die Pingus erst im Dunkeln rauskommen, wird das heute vielleicht die sogar noch bessere Wiederholung von gestern. Ich muß allerdings noch 10km Kurven hin- und im Dunkeln zurück fahren. Nun ja. Auch das wird gehen. 

Ich sitze ab 17.00h auf meinem Balkon und erst ab 18.00h wird die Sonne und Wärme erträglich. Während ich auch letzte Nacht gefroren habe und mir noch um halb drei eine Wolldecke aus dem Schrank geholt habe, ist es heute und auch gestern tagsüber richtig warm gewesen. Hier in Portobello bläst allerdings ein kalter Wind. Also auch heute Abend wieder Beine an die Hose machen, Socken und feste Schuhe an und die Steppjacke über die Fleecejacke. 

Ich bin etwa eine Stunde vor Beginn der Pinguin-Sichtung oben am Ende der Otago Peninsula im Albatross Center in Harington Point. Was für eine zeitweise echt fiese Fahrtstrecke. Immer direkt am Wasser entlang, schmale Fahrspuren, Gegenverkehr und unübersichtliche scharfe Kurven. Zum Ende geht es auch noch bergauf und wird noch schmaler. Da bin ich jede Minute froh, über mein kleines Auto. Für die 10km bin ich dann auch 20min konzentriert unterwegs. Leider zieht schon ein paar hundert Meter hinter Portobello dicker werdender Seenebel in den Otago Harbour und zum Ende dieses Gewässers hat der die gesamte Spitze der Halbinsel im Griff und in mir wächst die Überzeugung, dass das heute wohl mit der Sicht auf die Pinguine eher nichts bis schwierig wird.

Die Tour hat letztlich um die 50 Leute hier her gelockt und sie findet auch nur einmal täglich um 21.30h statt. Alle anderen Führungen, die hier tagsüber laufen, gelten der Albatross-Kolonie, insbesondere der, der Nördlichen Königsalbatrosse, der größten ihrer Art, die vom Aussterben bedroht sind. Dafür berappt man dann für eine 90minütige Sichtung von etwas oberhalb des Albatross Centers, stolze 50 NZ$. Da nimmt sich meine Pinguin-Tour mit 25 NZ$ geradezu wie ein Schnäppchen aus. Das Albatross-Center ist eine ziemlich gut gemachte,, wenn auch kleine Informationsstätte zum Leben und Überleben der Albatrosse in der Welt. Ich vertreibe mir die Zeit mühelos, bis es mit der Pinguin-Tour losgeht. Und ja - es dürfte heute schwierig werden mit der Sichtung, denn die blauen Zwergpinguine brauchen klare Sicht, um den Heimweg zu finden. Ist Nebel, trauen sie sich nicht (vielleicht auch, weil sie Feinde wie Seelöwen nicht sehen, die hier durchaus unterwegs sind). 

Es führt ein Trampelpfad das Steilufer hinunter und endet auf einer Aussichtsplattform. Hier darf man zwar ohne Blitz fotografieren, aber die Beleuchtung ist eher spärlich, so dass ich um diese Uhrzeit und bei Nebel das Fotografieren sehr schwierig gestaltet. Ich bin etwa eine Stunde dort und erlebe die Anladung von zwei Gruppen von blauen Pinguinen, was aber deutlich schlechter zu sehen ist, als gestern in Oamaru. Nachdem 20min keine weitere Gruppe an Land kommt und es jetzt stockfinster ist, trete ich mit mulmigem Gefühl den Rückweg an. Für den Aufstieg zum Parkplatz bin ich um meine Taschenlampen-App dankbar und fahre mit 25-30kmh langsam die Straße zurück nach Portobello. Der Nebel verschluckt alles und ich bin froh, als ich nach ein paar Kilometern ein schleichendes Wohnmobil vor mir habe. Mit so einem Geschoss möchte ich diese Straße nicht fahren.

Ich bin erst gegen 23.45h wieder im Hotel. Bilder runterziehen, sichten, löschen und Licht aus.

Tageskilometer: 177km

Harington Point
Otago, New Zealand
Vee Bee Small

Lake Pukaki, Mount Cook und weiter zur Ostküste

Das Bett war super gut und ich habe wie ein Stein geschlafen. Der Wecker um 8.00h stört mich entsprechend. Frühstück auf der Terrasse vor dem Zimmer in der Sonne mit dem zweiten Teil des Mohnbaguettes. Morgen gibts den Rest. Der letzte Blauschimmelkäse und die letzten Tomaten. Muß jetzt mal wieder was einkaufen. Aber Schmierkäse und Brot hab ich noch. 

Ich fahre zunächst 10km zurück in Richtung Tekapo und biege auf den Parkplatz an dem Aussichtspunkt über den Lake Pukaki und auf Mount Cook ab. Diese Farbe vom Wasser - das ist schon unecht, aber doch echt! Die Sonne scheint von wolkenlosem Himmel und es sind jetzt schon 17 Grad, wirkt aber wärmer, wenn man in der Sonne steht. Nur es bläst ein ziemlich kalter Wind.

Ich fahre am linken Ufer des Lake Pukaki in Richtung Mount Cook Village, das 55km one-way von hier liegt. Kleine Pause von 10 min in einem Shop und wieder zurück. Hier kann durchaus der Weg das Ziel sein, denn auf dem Weg nach Mount Cook Village hat man das Panorama des 3.700m hohen Mount Cook immer voraus. Natürlich gibt es hier atemberaubende Wanderwege. Aber auch dieses Mal fehlt mir zu einer echten Wanderung die Zeit, weil ich noch mehr sehen will. Letztes Mal bin ich hier noch eine weitere Straße reingefahren, die am Ende oberhalb eines Gletschersees endete, heute drehe ich aber ab und fahre wieder zurück. Um halb zwei bin ich wieder in Twizel, tanke den billigsten Sprit, den ich in den 3 Wochen getankt habe (1,849) und fahre zügig in Richtung Oamaru. Ich komme durch Omarama, den Ort, in dem ich letztes Jahr die erste Nacht während meiner Tour verbracht hatte. Heute ist hier richtig Leben. Ich biege links ab auf den Highway 83 und meine Fahrt führt nun entlang von kargen braunen Hügeln, zu deren Füßen mehrere blaue Stauseen liegen. Kurz vor Oamaru sind noch alte Maori-Felszeichnungen zu sehen. Denke ich - denn so steht es da. Aber bevor man die hinter einen Zaun verbannt hat, haben hier alle möglichen Leute ihre neuzeitlichen Widmungen hinterlassen und größere Flächen der Zeichnungen sind abgetragen und in irgendwelche Museen gebracht worden oder einfach verschwunden. In jedem Fall sind die Zeichnungen nicht alt, sondern 100 Jahre alt - also irgendwie jetzt nicht so das Aha-Erlebnis.

Oamaru überrascht mich mit alten Fassaden, bunten Blumenampeln und ehrwürdigen Gebäuden, einer alten Oper mit Säulen und einem viktorianischen Viertel, das aus einer Straße besteht, die 100m lang ist, aber schöne alte Fassaden hat. Ich fahre in die Thames Street in das Bella Vista Motel und checke dort ein, lasse mir ein Erdgeschoß-Zimmer geben, denn ggf. mache ich heute noch eine Neupackung der großen Tasche. 

Aber zunächst fahre ich ins Zentrum zurück und an dem Hafenbecken entlang zu dem Besucherzentrum an der Blue Penguin Colony. Jeden Abend kommen gegen 21.00h hier hunderte dieser Pinguine aus dem Wasser. Eintritt kostet zwar 28 Dollar, aber was blöder ist: Man darf absolut nicht fotografieren. Mit oder ohne Blitz, Filmen - alles verboten. Egal. Ich hol mir ein Ticket und fahre dann eine der extrem steilen Straßen zum Aussichtspunkt oberhalb der Bucht. Was für ein Blick auf dieses türkise Pazifik-Wasser! Fast wie Lake Tekapo oder Lake Pukaki. Ich stelle in der Innenstadt mein Auto ab und laufe etwas in der Hauptstraße umher, aber hier haben die Läden nicht um 17.00h zu, sondern bereits ab 16.00h geschlossen - entsprechend tot ist es jetzt hier auch. Also fahre ich zur Yellow Eyed Penguin Colony, die außerhalb der Stadt liegt. Hier führt eine Sackgasse hin, dann ein Trampelpfad oberhalb einer mittelgroßen Bucht und am Ende gibt es einen schattenspendenen Unterstand, an dem schon vier, fünf Leute mit Objektiven und Ferngläsern in Hab-Acht-Stellung sind. Es ist jetzt kurz vor 18.00h und man hatte mir gesagt, dass es ab 18.00h was zu Gucken gibt. Allerdings leben hier nur 8 oder 9 dieser seltenen Pinguine und die Bucht ist ziemlich groß. Etwa um halb sieben erblickt jemand einen einzigen. Ich nehme ihn ins Visier, aber selbst mit dem größten Objektiv ist es schwierig, da er auch noch im Schatten sitzt. Außer ein paar Seelöwen und einem Seehund bleibt es das dann auch und ich mache mich kurz nach 19.00h von dort auf. Fahre zu dem Besucherzentrum für die Blauen Pinguine nachher und setze mich dort nebenan in das Restaurant Portside und esse nochmal blue cod & chips. Um 20.30h machen die gegenüber die Türen für die Pinguin-Geschichte auf, so kann ich hier in Ruhe essen.

Das Spektakel erfolgt in zwei Gruppen. Die Normalos, wie ich, zahlen 28 Dollar und sitzen auf Holzbänken mit Sicht auf die Felsenrampe, die diese Zwergpinguine hochkommen sollen. Die Premium-Besucher (40 Dollar) sitzen etwas dichter dran und sehen die Pinguine auch in ihre Quartiere laufen.

Die Blue Penguins sind die kleinste Pinguin-Sorte, die es gibt. Sie werden bis 30cm groß und wiegen ca. 1 Kilo. Sie leben in Erdhöhlen und die Erwachsenen sind tagsüber im Meer unterwegs. Dabei legen sie zwischen 25 und 50km Strecke nach draußen zurück und kommen die entsprechende Distanz abends wieder nach Hause. Also ein harter Tag! Diese Pinguine fühlen sich an Land im Dunkeln sicherer, weswegen sie eben erst in der Dämmerung oder Dunkelheit wieder an Land kommen. Derzeit ist Brutzeit und viele der kleinen Holzbehausungen in dieser von Menschenhand geschaffenen Kolonie sind mit Jungtieren belegt. Da es hier an Land keine Feinde gibt, wie Hunde, Katzen, Frettchen, Possums - denn darauf wird hier natürlich geachtet, hat sich die Population mittlerweile auf über 500 Pinguine gesteigert.

Die Jungtiere werden nach etwa 5 Wochen aus dem Nest geschmissen. Kein Wunder, wenn man sieht, mit welcher Macht die über die zurück kommenden Eltern herfallen, die nun nach etwa 16 Stunden paddeln und Fische fangen, den Hang hoch gewatschelt sind und dann noch die Jungen füttern. In der Regel werden 2 Eier gelegt und somit warten zwei hungrige Schnäbel auf die Eltern. Pinguine bleiben ein Leben lang mit ihrem Partner zusammen und kommen auch immer in ihre gewohnte Behausung zurück, wenn es Zeit wird, Nestbau zu betreiben. 

Es ist jetzt im Hochsommer allerdings um 21.00h noch nicht wirklich dunkel, sondern fängt an zu dämmern. Die Pinguine kommen in sogenannten rafts (Flößen) an Land. Das umschreibt Gruppen von 5-20 oder auch mal 50-70 Pinguinen. Während die Futtersammlung im Meer tagsüber im Alleingang erfolgt, rotten die kleinen Pingus sich rund 500m vor der Küste zusammen und kommen dann gemeinsam mit einer Welle an Land. Das dient der Sicherheit der Tiere, denn Seelöwen sind zum Beispiel eine arge Bedrohung für die Tiere und in einer Gruppe fühlen sie sich dann sicherer.

Gegen 21.30h kommt die erste Gruppe. Meine Güte, ist das niedlich! Von einer Welle getragen, trudeln sie in den Kieselstrand und watscheln dann über Steine auf diese Rampe. Dort wird ausgiebig Federpflege betrieben. Man schüttelt sich, ölt sich das Gefieder, macht alles ordentlich und wenn dann die Kumpels aus der Gruppe alle fertig sind, geht die Gruppe geschlossen den Rest des Hangs hoch und marschiert im Pinguin-Marsch in den ¨Garten¨ der Kolonie, dorthin, wo man in mehreren Hügeln und auch unter der Erde kleine Häuschen gesetzt hat. Dabei laufen die Pingus jetzt hier im Halbdunkel über den Rasen, die kleinen Hügel und schnattern und fiepen - es ist zum Kaputtlachen. Da sich ein Reisebus mit Chinesen um 22.00h auf den Heimweg macht, ist die Besucherschar bald kleiner und man steht an dem kleinen Zaun anstatt auf den Stufen dieses Amphitheaters, von dessen Dach gelbes Licht die Anladung der Pinguine bescheint. Während kein Besucher fotografieren oder filmen darf, weil man die Pingus nicht in ihrer natürlichen Umgebung mit Elektronik irritieren will, hat der Guide ein Mikro und kommentiert auch während hinter ihm die Pingus anrollen, während von oben das Licht leuchtet. Nun ja...

Ich bin bis fast 23.00h dort und bedauere mehr als einmal, nicht fotografieren zu dürfen. Mittlerweile sind über 200 Pinguine heimgekehrt und das Geschnatter ist auch in den Büschen auszumachen. Ich steige in mein Auto und gucke erst mal darunter, ob da nicht einer sitzt, denn die kommen hier ja überall aus dem Wasser. Nur 50m weiter kreuzt eine Gruppe von Pingus die Straße und die Kameras klicken. Die sind so niedlich!

Ich fahre noch auf den Berg oberhalb der Stadt, um den Sternenhimmel zu fotografieren, aber das wird nix. Also zurück ins Hotel. Die Thames Street liegt völlig verlassen da und die schönen alten Häuser sind toll angestrahlt. Es ist fast Mitternacht, als ich mein Zimmer erreiche und nun noch meine Bilder sichere und noch ein Glas Wein genieße. 

Mittlerweile habe ich mir überlegt, dass ich meinen Südinsel-Aufenthalt um 2 Tage verlängere und somit die Fähre entweder umbuche oder storniere und Europcar entsprechend auch mit der Umbuchung des Autos beschäftigen werde. So kann ich in den nächsten Tagen etwas geruhsamer fahren. Denn meine erst geplante Strecke von Oamaru bis nach Kaka Point für den morgigen Tag, würde mir keinen Aufenthalt auf der Otago Halbinsel ermöglichen, wo aber Albatrosse und auch Pinguine zu sehen sind. 

Tageskilometer: 300km


Oamaru
Otago, New Zealand
Vee Bee Small

Mein Sehnsuchtsziel Lake Tekapo

Jetzt bin ich wirklich schon 3 Wochen in Neuseeland unterwegs. Mir kommt es fast länger vor und ich bin froh, dass ich ein Tagebuch führe, weil ich langsam echt die Erlebnisse verwechsele, wenn ich mich daran erinnere.

Ich frühstücke mit meinem genialen Mohnbaguette in meinem Motel, mit blue cheese und Tomaten - ein echtes Festmahl. Um halb 10 sitze ich im Auto und friere. 12 Grad! Meine Fahrt führt über den Highway 72, der ja ein scenic highway ist und ich deswegen ja auch extra wieder nach Rangiora zurück bin, um den kompletten scenic highway zu machen. Aber da man sich einfach niemals in Neuseeland auf den Wetterbericht verlassen kann, ist es total bewölkt und fängt auch noch an zu nieseln. Den Weitblick auf die Schneeberge, den ich letztes Jahr hatte, bleibt mir völlig verborgen und ich bin froh, wenn ich die Rinder oder Schafe auf den Wiesen neben mir erkennen kann. Ich überquere den Waikapapa River mit einer irre grünen Farbe, selbst im Regen. Mittlerweile sind es 10 Grad und ich pausiere mittags in Grenaldine, auch, um mir meine zip-off-Beine an die Hose zu machen. Die Heizung läuft im Auto und die nackten Füße in Sandalen frieren. Diana, die mit ihrem Mann und Luis dem 11 Monate alten Sprößling seit dem 2.1. auf der Südinsel ist, schickt mir eine Whatsapp, dass in Tekapo die Sonne scheint. Es ist schon irgendwie verrückt, dass wir - ex Kollegen aus Stuttgart - uns heute auf einem Campingplatz am Lake Tekapo treffen werden. Ich fahre um halb zwei in Geraldine weg und muß noch in beständig miesem Wetter über zwei, drei Pässe, bis endlich die ersten blauen Flecken sichtbar werden und dann: Bamm! Das wahnsinnige Panorama der Schneeberge der Southern Alps, die man auf einer Hochebene von 700 m aus wunderbar in der Ferne sieht. Alle Autos fahren links ran und alle holen die Kameras raus. 

Ich freue mich dann bald über die Kurve, die mich schon vor einem Jahr so begeistert hat, denn hinter ihr erscheint unten das unfassbare Blau des Lake Tekapo, der - wie im letzten Jahr - unter wolkenlos blauem Himmel vor mir liegt. Ich fahre erst einmal zur Chapel of the Good Shepard und komme dieses Mal auch für 5 Sekunden rein, schieße verbotenerweise ein Foto aus dem Fenster an der Stirnseite, bevor schon wieder eine Hochzeit angekündigt wird. Nun ist die Chapel ja auch so klein, dass man maximal 10 Sekunden für eine Gesamtbesichtigung bräuchte. Also fast geschafft. Ich mache draußen Fotos, die ich alle schon vor einem Jahr gemacht habe, aber diese Farben sind so unglaublich, das muß man einfach einfangen.

Diana erwartet mich am Campingplatz und wir gehen zu ihrem Camper. Langes Ding, aber innen auch nicht übermäßig viel Platz. Wir fahren zusammen auf den Mount John, oberhalb des Lake Tekapo. Die Straße dorthin schließt um 18.00h, wir sind kurz vor 17.00h oben. Luis schläft ne Runde im Camper, während wir die Aussicht auf den Lake Tekapo mit seiner gletscherwassergrünen Farbe und dem daneben liegenden Lake Alexandrina genießen. Da dieser von Gletscherzuflüssen abgeschnitten ist, ist die Farbe auch nicht so knalltürkis. Zurück auf dem Campingplatz kochen wir uns Spaghetti, ich unterhalte Luis ein bißchen und langsam wird es auch hier frisch. 

Als die Sonne am Untergehen ist, breche ich auf. Es ist schon fast 21.30h. Ich fahre eine Runde an der Chapel vorbei, mache in diesem genialen Licht noch ein paar Fotos und fahre dann die 58 km nach Twizel. Da Tekapo ja alles ausgebucht war, muß ich nun in den nächsten Ort fahren. Die Fahrt ist unglaublich: Da die Sonne nun weg ist, erglühen Himmel und Berge in allen Rotschattierungen. Ich muß mehrfach einfach auf dem Highway anhalten und fotografieren. Ist ohnehin kaum Verkehr. Als ich nach knapp 50km den Lake Pukaki und den in der Ferne immer noch sichtbaren Mount Cook sehe, ärgere ich mich, dass ich nicht eine halbe Stunde eher losgefahren bin. Hier gibt es nun auch absolut keine Parkbucht und es ist jetzt dunkel. Also nichts mit Stativ rausholen und Fotografieren. Ich mache aus der Hand ein paar Fotos und fahre weiter. Um 22.15h erreiche ich mein Motel in Twizel. Es ist zu. Aber neben der Eingangstür zur Rezeption hängt ein Telefon mit Verbindung zum Manager. Der hat neben einem Blumentopf zu meinen Füßen meinen Zimmerschlüssel hinterlegt und ich fahre im Finstern hinter das Haus über den Rasen und finde mein Zimmer. 

Pflichtprogramm ist Bilder runterladen und dann überlegen, wohin ich morgen fahre. Einerseits würde ich ganz gerne hier noch einen Tag verbringen, andererseits habe ich noch einiges vor mir. Also gucke ich in den Tips von Dianas alten Gasteltern und entscheide mich, morgen an die Pazifikküste nach Oamaru zu fahren. Dort muß es eine schöne Altstadt geben und vor allen Dingen Pinguine! Ich finde bei Booking.com kurz nach Mitternacht noch ein bezahlbares Motel in Innenstadtnähe und buche das. Um 00.30h bin ich im Bett.

Tageskilometer: 330km


Lake Tekapo
Canterbury, New Zealand
Vee Bee Small

Christchurch The Quake City

Seit 3 Wochen bin ich nun in Neuseeland. Bergfest und es ist nicht vorstellbar, schon in drei Wochen hier wieder abzureisen. Mein Motel hat sich als echter Glücksgriff herausgestellt. Das Bett war bequem, das Wasser ist heiß, das Zimmer groß und das WLAN ist gut. Fürs Frühstück finde ich eine Plunger Kaffekanne (Bodum) und somit wird der Kaffee auch besser schmecken, als der lösliche. Der Toast verbrennt ausnahmsweise nicht das Brot und da weder Spülbürste noch Spüli auffindbar ist, brauche ich heute nicht abzuwaschen! Ich überlege schon, ob ich nicht ggf. heute Abend wieder hierher zurück kehre. Eigentlich will ich ja in Richtung Tekapo, aber wenn ich erstmal Christchurch durchstreift habe und endlich mit Muße den Film von über einer Stunde im Quake Museum angesehen habe, wird Tekapo eh zu weit sein. Und ich will den Scenic Highway 72 fahren, der hier, in Rangiora beginnt und nicht von Christchurch quer rüber. Nun denn. Erstmal gehts nach Christchurch, dessen Außenbezirke man in 20 Minuten erreicht. Bis ich allerdings in der Innenstadt bin, bin ich dann doch rund 40 Minuten unterwegs. Nach wie vor sind Parkplätze keine Mangelware in Christchurch. 

Das war schon letztes Jahr so, als ich hier am 31.1. den Tag über war. So viele Baulücken durch abgerissene Gebäude (die nach dem Erdbeben vom Februar 2011 unbewohnbar waren), dienen jetzt als Parkplätze und die sind entsprechend billig. Für 5 Dollar kann man hier den gesamten Tag parken. Ich parke direkt hinter der zerstörten Cathedral und gehe los. Das Wetter ist bewölkt und eher frisch mit 18 Grad. Ohne Jacke ist das heute erstmal nix. Die Kathedrale ist immer noch im selben beklagenswerten Zustand und auch auf dem Sockel auf dem Platz davor fehlt immer noch die Statue, die beim Erdbeben am 11. Februar 2011 heruntergefallen ist. Die Stadt ist weiterhin eine riesige Baustelle und man hört Baulärm ohne Unterbrechung. Die Skyline von geschlossenen Hochhäusern, deren Fenster vernagelt sind und deren Eingänge verriegelt bleiben, wird durch Dutzende Baukräne ergänzt. Heute baut man hier natürlich erdbebensicher mit modernster, teuerster Technik, was dazu führt, dass der Aufbau etliche Jahre dauern wird. 40 Milliarden Neuseeland-Dollar sind zunächst dafür angedacht und es ist ja nicht so, dass der Aufbau das Einzige ist, sondern auch der Abriss vieler Gebäude steht heute immer noch aus. Rund 10.000 Häuser sind bereits abgerissen worden, weil sie nicht mehr erhalten werden konnten. Fährt man durch Wohngebiete in Christchurch sind diese Wunden in den Nachbarschaften überall sichtbar. Mittlerweile stehen an etlichen leeren Grundstücken For-Sale-Schilder und auch die Bevölkerungszahl von Christchurch steigt wieder. Allerdings auch durch die große Zahl externer, oft ausländischer Bauarbeiter und Fachleute. 

Christchurch muß in der Vor-Erdbebenzeit eine wunderschöne Stadt gewesen sein. Fotos, die man überall sehen kann, zeigen eine fast britisch aussehende Stadt, mit vielen trutzigen, grauen Steinbauten. So viele alte Gebäude sind noch sichtbar, aber viel verhüllt oder von riesigen Gerüsten gestützt. Ich laufe vom Cathedral Square Richtung Botanischer Garten. Die Worcester Street führt entlang des Arts Center of Christchurch, einem alten langgezogenen Steingebäude, das praktisch die gesamte eine Straßenseite umfasst und noch um die Ecke geht. Alles im Gerüst, abgesperrt, eine riesige Baustelle.

Man braucht in Christchurch eben nicht nur Bauarbeiter sondern vielfach sicher Historiker und Restauratoren für Kirchen und diese altehrwürdigen Institutionen. 

Es gibt einige wirklich schöne alte Holzhäuser, in denen mal Restaurants, Hotels oder Galerien sind - oder sie sind auch wirklich bewohnt. Das Canterbury Museum, das Museum dieses Bezirkes Canterbury, zu dem Christchurch gehört, ist ebenfalls ein Bau, der in diesen Stil passt, in dem sowohl das Arts Center, die Kathedrale und viele andere Gebäude der Stadt vor über 100 Jahren gebaut wurden und die viele Erdbeben überstanden haben, bis das am 11. Februar 2011 kam, das extrem nah unter der Erdoberfläche stattfand und deswegen solche unglaublichen Schäden anrichtete und 185 Leben forderte.

Der Botanische Garten, neben dem Canterbury Museum sieht nett aus. Aber ich will heute keinen Garten durchstreifen. Ein altes Holzhaus dient hier als nobles Café. Ein paar Schritte weiter und ich folge wieder dem Avon, dem beschaulichen Flüsschen, dass sich quasi rund um den Innenbereich der Innenstadt zieht und auf der man Punting geht! Punting ist so etwas wie Gondelfahren in Venedig. Aber ich habe keine Lust und es ist auch zu frisch. Aber ich guck mir mal den alten Boatshed an, in dem auch die netten Uniformen der Gondoliere hängen. 

Dann stehe ich wieder am Re:Start - dem eigenwilligen Shopping District von Christchurch, der heute das neue Zentrum ist. Fassaden alter Kaufhäuser sind um die Ecke und vernagelt und wg. Einsturzgefahr weiterhin gesperrt und vermutlich bald noch die nächsten Opfer der Abrissbirne.

Im Re:Start hat man bunte Container aufgestellt, in denen nicht nur Geschäfte, sondern auch Banken und die Post ein neues Zuhause gefunden haben. Dazwischen jede Menge Picknicktische und hier tummeln sich Einheimische und Touristen gleichermaßen. Direkt daneben ist Quake City - das Museum, das sich der Erdbebengeschichte der Region beschäftigt und dabei einen Fokus auf das große Beben vom 11. Februar 2011 legt. 

Ich bin vor einem Jahr hier sehr schnell durchgelaufen und wollte insbesondere den Film jetzt sehen - eine Reihe von 15 Interviews mit Überlebenden und ihren Stories wo und wie sie überlebt haben. Der eine im 17. Stock eines Hauses, eine Frau in einem kleinen Raum in der Kathdrale, indem sie im Fenster saß, während neben ihr der Fußboden wegsackte. Eine junge Frau, die in ihrem Büro verschüttet wurde und dabei ihre Hand verlor, ein Mann, der das Beben unversehrt überlebte und beim Nachhauselaufen von einem der Nachbeben in ein Loch geworfen wurde und seitdem querschnittsgelähmt ist - die Geschichten könnten nicht unterschiedlicher sein und machen betroffen. Das Erdbeben hatte mit einer 5.9 Magnitude keine große Stärke, das Nachbeben mit 6,0 war stärker - aber die Tatsache, dass es so dicht unter der Erdoberfläche war, machte dieses Beben so tödlich und zerstörerisch. Über 1500 Nachbeben gab es in den 18 Monaten danach und hier hat gestern auch die Erde gebebt.

Mit einem Ausschlag der Stärke 6 gab es 30km westlich von Arthurs Pass ein kurzes Erdbeben, das man in Christchurch gespürt hat. Mashanka, meine indische Bekanntschaft aus Picton, schreibt, dass ihr so ersehnter Bahntrip von Christchurch nach Greymouth nicht stattfand, weil Kiwirail erst einmal alle Schienen überprüft, bevor wieder etwas fährt. Also fuhr sie Bus. Der Reiz der Bahnstrecke ist aber, dass sie nicht dort entlang führt, wo die Straße verläuft. Sehr schade.

Es ist 14.00h als ich dort wieder raus komme, laufe noch in Richtung der alten Basilika, die auch schwer zerstört ist und ich finde leider die Reste nicht mehr. Nun habe ich mich entschieden zum Willowpark Refuge zu fahren, weil die ein Kiwihaus haben und ich nun nach 3 Wochen endlich mal Kiwis sehen will. In freier Wildbahn wird mir das auch nicht mehr gelingen. Glücklicherweise habe ich ein Navi im Handy, sonst hätte ich das versteckt liegende Gelände nicht gefunden. Es liegt nord-östlich der Innenstadt und ich muß 28 Dollar Eintritt zahlen. Ich schenke mir alles an anderen Tieren dort und steuer direkt das Kiwi-Haus an. Erfreut stelle ich fest, dass hier eine Art Freigehege angelegt ist, in dem man über einen bestenfalls hüfthohen Zaun die Tiere sehen kann und eben nicht hinter Glas wie in Queenstown. Natürlich ist es ein Nachthaus und man braucht ein paar Minuten, bis man was sieht. Aber die Kiwis sind aktiv und picken non-stop nach Insekten im Boden. Hier leben 6 Kiwis, 4 habe ich über einen langen Zeitraum beobachten können. Damit die Besucher die Tiere sehen können, haben die praktisch den umgedrehten Tag/Nacht-Rhythmus, wie es in Wirklichkeit ist. In unserer Nacht ist es bei denen im Haus taghell, damit die dann ihre Nachtruhe halten. Fotografieren ist somit also nur mit langer Belichtung möglich was - angesichts des permanenten Picken der Kiwis - zu wenig brauchbaren Fotos führt. Witzig ist, dass man die Kiwis richtig schniefen hört oder schnuppern. Sie haben ja vorne am Schnabel Nasenlöcher, mit denen sie in der Erde ihre Nahrung er-riechen bevor sie mit dem Schnabel dort reinpicken und da der Schnabel sehr lang ist, bohren die ganz schön tief in den Boden, wodurch sie die Beine brauchen, um den Schnabel wieder dort rausziehen zu können. Ich finde die Kiwis einfach witzig und bin sicher eine Stunde im Kiwihaus und beobachte die Vögel. 

Folglich ist es auch schon halb fünf, als ich wieder am Ausgang bin und dort im Café einen Kaffee trinken wollen würde, aber das Café hat schon zu. Neuseeland eben. Der Park hat bis 19.00h Uhr offen...

Ich sitze im Auto und konsultiere meine Landkarte, werfe kurz das Internet an, gucke in einem Reiseführer, ob es Sinn macht, den Scenic Highway, den ich morgen fahren will, schon heute zu beginnen - aber es scheint mir, als seien dort die Dörfer so klein, dass es da nichts zum Wohnen gibt und ich hab keine Lust heute noch durch x Dörfer zu kurven, um etwas zum Schlafen zu finden. 

Nach einem Blick in den Wetterbericht für morgen, der sehr gut aussieht, entscheide ich wieder nach Rangiora zurück und ins Lilybrook Motel zu fahren. Heute ist dort ein anderer Chinese und er fragt mich ob ich wieder "Loom Fow" (Room Four) haben will. Ja, Room Four wäre nett. Also bringe ich alles wieder in mein altes Zimmer, fahre kurz zu McDonalds, weil es das hier gibt und ich keine Lust habe, heute zum dritten Mal zum Chinesen zu gehen. Im Anschluss finde ich noch einen Supermarkt, der ein geniales Mohnbaguette hat. Hätte ich das mal eher gefunden, wäre das heute mein Dinner gewesen. Nun wird es Frühstück, inkl. eines Stückes Käse. Ich stocke meinen Vorrat an getrockneten Mangos auf, die man hier in vielen Supermärkten lose kaufen kann und die einfach super-lecker sind. 

Ab ins Hotel und mal nicht bis 23.00 Fotos und Tagebuch machen. Heute bin ich damit um 21.30h fertig. Bingo.

Tageskilometer: 67km


Christchurch
Canterbury, New Zealand
Vee Bee Small

Seebären & keine Pottwale

Ich werde von Flugzeug- und Autogeräuschen gegen 7 Uhr wach, stehe aber erst um 8.00h auf. Bis ich loskomme ist es nach 9.00h. Ich bin immer noch nicht sicher, wo ich heute Abend bleiben will. Eigentlich würde ich gerne bei Kaikoura Whalewatching machen, aber zum einen kostet die 2,5-Stunden-Tour 140 Dollar, zum anderen sieht man nur 1, maximal 2 Pottwale, wenn man Glück hat. Zwar sind das eben Pottwale und damit natürlich deutlich größer, als die Buckelwale, die ich sonst so mal gesehen habe, aber es muss auch das Wetter passen. Nachdem es gestern 27 Grad war, sind morgens erstmal nur 17 Grad. Mein Frühstück besteht aus einem halben Joghurt und einem Instantkaffee und ich fahre erstmal los, um aus diesem Motel zu verschwinden, bevor ich noch Ausschlag kriege. Mein Kofferraum ist gut gefüllt, denn neben dem immer unordentlich werdenden Gepäck habe ich eine Art Wasser-Bar "eingerichtet".

Ich will noch einmal ein paar Kurven durch Blenheim drehen und nach ein paar Wineries Ausschau halten. Schöne Schilder haben die ja alle, und mir scheinen die Weinanbaugebiete jedoch eher klein zu sein. Aber offen hat jetzt um diese Zeit auch noch keiner und was hätte ich da auch machen sollen? Ne Weinprobe um 10.00h morgens, bevor ich noch 150km zu fahren habe? Der Himmel ist eher bewölkt und ich hoffe, dass es noch besser wird.

Der Highway 1 führt durch das für die Ostküste typische, unbewaldete Bergland. Braune Hügel und grüne Wiesen mit Schafen und Milchvieh sind die mich begleitende Landschaft, bis der Highway einen Schwenk an die Pazifikküste macht. Wenn jetzt noch die Sonne schiene, wäre es kaum auszuhalten, denn der Blick auf weit geschwungene Buchten, oft mit fast schwarzem Sand und einer langgezogenen Brandung, ist atemberaubend. 

Ich fahre an einem Campingplatz, der eher ein besserer Parkplatz ab und bin begeistert, dass hier in den Felsen einige fur seals (Neuseeländischer Seebär) liegen, die sich auch nicht davon stören lassen,wenn man sich ihnen etwas nähert und fotografiert. Der eine schnarcht sogar richtig. Die Seals sind oft bis zu 30 Tagen auf Fischfang und brauchen ihre Ruhezeiten im Anschluß.

Ich fahre nur ein paar Meter weiter und kann von einer Parkbucht neben der Straße jede Menge fur seals auf den Felsen sehen. Der Ohau Point Lookout liegt oberhalb der Seal Colony. Hier sind viele Jungtiere, die tapsig versuchen, die Felsen zu erklimmen oder rufen schrill nach ihren Müttern. Tolle Motive! Kurz darauf erreiche ich die Ohau Point Seal Colony. Noch mehr Seals und noch mehr Fotos und Filmchen. Sehr schön! Das Wetter hat sich zwischenzeitlich auf 18 Grad Maximaltemperatur und Nieselregen eingerichtet. Der Regen ist schnell vorbei, aber die Wolken hängen tief und die so oft abgebildete tolle Kulisse hinter dem Ort Kaikoura, die man beim Whale Watching noch besser vom Wasser aus sehen kann - ist unsichtbar. Ich steuere nun ein Motel an, das will aber 135 Dollar und angesichts dessen, dass ich auch nicht so recht weiß, ob ich in Kaikoura bleiben soll, setze ich mich erstmal in das Cafe eines Anbieters für Delfin- und Albatros-Sichtungen. Ich lese ein bißchen Prospekte und Reiseführer, schaue mir das Wetter an und entscheide: Ich fahre weiter. 

Einen Schlenker noch zu den Anbietern des Whalewatching, die das ganze Happening zunächst mit einer halbstündigen Filmvorführung beginnen (vermutlich gar nicht so schlecht, wenn die Leute schon einige Infos vorher haben), dann geht es mit dem Bus zum Boot und dann gehts erst los. Nun ja. Für heute sind die Touren eh dicht und wenn das Wetter morgen genauso ist, wie heute, dann will ich das auch nicht machen. Ich starte um15.50h von Kaikoura in Richtung Christchurch, will aber irgendwo vorher ein Motel suchen.

Die Orte, durch die ich komme, haben keine Motels, Hotels oder sonstwas und so biege ich etwa 25km nördlich von Christchurch ab auf den Highway 72 und fahre nach Rangiora, einen Ort mit 15.000 Einwohnern, wo ich eine gewisse Dichte an Motels erhoffe. Ich checke zwei Locations und die sind fully booked. Schöner Mist. Dann finde ich ein Motel, das will 139 Dollar und meint, er hätte eben 4,5 Sterne und Air Condition. Brauche ich beides nicht bei 18 Grad Maximaltemperatur. Kurz vor 19.30h habe ich dann endlich ein Motel, das mir für 105$ ein ziemlich großes Zimmer vermietet, in dem ich sicher gut schlafen werde. Allerdings hat Rangiora wieder mal gar nichts, wo man essen kann, ausser schräg gegenüber einen sehr kleinen Chinesen, mit Mobiliar, das anderswo eher in einer 70er-Jahre-Küche stünde. Nun ja, gestern Chinese, heute Chinese - was soll's. Ich habe mir kurz noch Pitabrot zum Auftoasten fürs Frühstück gekauft, damit ich morgen nicht noch zum Frühstück zum Chinesen muß :-). 

Bilder sichern, Hochladen und dann ist schon wieder 23.15h.

Tageskilometer: 338km


Kaikoura
Canterbury, New Zealand