Alaska & Yukon September 2014

3 Wochen und 5.700 Kilometer grandiose Natur, endlose Einsamkeit, Grizzlies, Elche, Wale, Nordlicht und Gletscher.

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Vee Bee Small

Stadtbummel Anchorage und Rückflug über die Berge

Aufwachen und Aufstehen erfolgt eher langsam. Frühstück gibt es bis 11.30h und wir sind auch erst kurz vor 11 Uhr unten. Ich begnüge mich mit einem Toast und Kaffee, da alles andere an amerikanischen Frühstücksvarianten nicht mehr meinen Gefallen findet. Ich kann das alles nicht mehr sehen. Wir verlängern den Check-out bis 13.00h und laufen noch ein wenig durch Anchorage. Die Sonne kommt durch und es wird sogar noch recht lauschig warm, so dass eine Jacke reicht. Die Suche nach Briefmarken ist aufwändig und letztlich muß ich die bei UPS kaufen, die statt $ 1.15 für eine Postkarte nach Deutschland für die Marke $ 1.95 nehmen. 

Anchorage ist beim Erdbeben 1964 schwer in Mitleidenschaft gezogen worden, so dass ganze Stadtviertel 30m abgesackt sind. Das kann man heute aber nicht mehr so richtig sehen, weil hier nach 50 Jahren natürlich Bäume wachsen und neue Häuser gebaut worden sind. 

Wir fahren Richtung Flughafen, ich kaufe mir vorher noch kurz eine neue schwarze Jeans, schmeiße eine alte weg und dann tanken wir unser Auto nochmals auf und putzen in der Sonne nochmal den neuen Dreck weg. Bei Go North wird sehr genau geguckt, ob alles sauber ist.  Nach 5.700 Kilometern und 21 Tagen ist diese Reise zu Ende. Unser Auto glänzt und als ich mir die Profile unserer Reifen angucke, sehe ich auch die Auswirkungen von jeder Menge Schotterstraßen…

Wir kriegen ein Taxi und fahren zum Flughafen. Einchecken und los geht’s. Die Maschine ist nicht ganz voll und wir tauschen mit einem Ehepaar ein wenig die Plätze und haben eine 3er Reihe für uns. Der Flug geht kurz nach 17.00h los und dauert 9:45h. Wir fliegen traumhaft über Mount McKinley, dessen Spitze oberhalb der Wolkendecke zu sehen ist. Ansonsten verläuft der Flug ruhig und erreicht Frankfurt am Sonntag Mittag gegen 13.00h.


Anchorage
Alaska, United States
  • Small
    Claus hat am kommentiert:

    Einfach grandios. Danke für die Bildergeschichte!

Vee Bee Small

Moschusochsen sind Ziegen

Aufstehen um 8.30h und Frühstück aus den Beständen des gestrigen Supermarktbesuchs. Der Blick vom Hotel auf Berge und Gletscher ist heute freier, als gestern. Am Ende des Hotelrasens liegt ein Air Strip und einige kleine Flugzeuge stehen dort und es kommen auch weitere hereingesegelt. Wer in diesem Hotel also wohnen will, kann auch mit seiner Privatmaschine anreisen. Wir suchen vor der Abfahrt noch ein Hotel für Anchorage online heraus und entscheiden uns für das Westmark für 135$, da deren Check-out morgen erst um 12.00h ist und wir erst um 15.00h das Auto abgeben müssen. Kurz nach 11 fahren wir los und wir fahren zunächst rund 12 Meilen in östliche Richtung nach Eureka, um zu einem Ausblick auf einen Gletscher und ein weites Tal zu kommen. Wir rumpeln durch Pfützen an ein Wohnhaus, das – wie praktisch alle Häuser hier – auf Pfosten in den Permafrost gebaut ist. Bevor ein Bewohner uns Streß macht, schießen wir schnell ein paar Fotos und fahren mit unserem völlig zugematschten Auto zurück auf den Highway und ab nach Westen. Unten im Tal sehen wir wieder jede Menge Pick-Ups in der Wildnis stehen – Jäger!

Wir fahren bei Meile 101 vom Glen Highway ab auf einen steilen Schotterweg ab, der hinunter zum Matanuska River geht. Wir passieren eine kleine Brücke über das rauschende Wasser und holpern bis zu einem Haus, das einen Laden beherbergt, der aussieht wie aus der DDR 1980. Direkt daneben ist eine Schranke, hier geht es dann weiter zum Matanuska Glacier, wenn man vorher in der Bude 20$ pro Person (wohlgemerkt nicht pro Fahrzeug!) bezahlt hat. Wir gehen als Rentner durch und kommen mit 15$ davon. Also weiter. Der Weg ist unglaublich mit Schlaglöchern, die voller Wasser stehen und man daher deren Tiefe und Beschaffenheit nicht sehen kann. Unser Auto macht das aber mühelos und einmal mehr wundern wir uns am Ende der 2 Meilen über etliche normale PKWs, die hier angekommen sind und das offenbar ohne Schäden.

Ein Trail, der über Holz- und Metallbohlen führt und auch über das Geröll und den Matsch des Gletscherendes führt eine halbe Meile in Richtung Gletscherende. Manche kraxeln auch weiter, aber das dann eher mit Spikes, denn wo der offizielle Trail endet, ist es komplett vereist und mit normalen Wanderstiefeln kein Vergnügen mehr. Der Matanuska Glacier ist am Ende 6km breit. Der Blick auf Gletscher und die Seitenmoränen ist schön, aber die Sonne fehlt etwas. Also zurück zum Auto. Die Wanderstiefel sehen jetzt aus wie Sau, voller grauem Matsch, der sich aus den Sedimenten des Gletschers und dem aufgetauten Boden ergibt, in und durch den man hier gestapft ist. Langsam wird es Zeit, nach 3 Wochen auch mal wieder andere Schuhe anzuziehen. Morgen geht’s heimwärts und nach 3 Wochen in Wanderstiefeln warten in Berlin dann auch mal wieder andere Schuhe auf mich.

Am Parkplatz mit Gletscherblick futtern wir kurz ein paar Sachen, die wir noch haben und fahren dann zurück zum Highway. Jetzt sieht man erst an welchem Steilhang wir vorhin herunter gefahren sind. Hoch oben stehen direkt an der Abbruchkante Häuser. Unvorstellbar dort zu leben. Ob das nicht bei den nächsten Herbst-Güssen oder bei der Schneeschmelze lebensgefährlich wird?

Wir folgen dem Glen Highway weiter und neben uns verläuft immer der Matanuska River, der aus dem Matanuska Gletscher entspringt. Oft wie ein Delta aufgespalten mit Inseln und Sandbänken rauscht er unterhalb der Straße neben uns her. Gegen 16.00h erreichen wir vor Palmer dann die Musk Ox Farm. Hier werden seit fast 30 Jahren Moschusochsen als Wolleproduzenten gezüchtet. Die erstaunlich kurzbeinigen Tiere waren in Alaska ausgestorben, bis man vor 50 Jahren welche aus Island hier her holte, sie zunächst in Fairbanks ansiedelte und Mitte der 1980er Jahre hier die Zucht eröffnete. 84 Moschusochsen leben hier. Pro Jahr kommen 5-7 Kälber hinzu. Allerdings sind Moschusochsen keine Ochsen oder Rinder sondern eher mit Schafen und Ziegen verwandt. Zudem sondern sie kein Moschus ab, wodurch der Name dieser Rasse komplett irreführend ist. Deren Fell ist aber wertvoll. Insbesondere das Unterfell. Es ist 8 x wärmer als Cashmere und viel leichter. Man kann es angeblich waschen und es ist quasi unkaputtbar. Allerdings kostet hier eine Mütze zwischen $ 165 und $ 190, ein Stirnband $ 135. Die Führung über die Farm ist nett und um 17.00h sitzen wir wieder im Auto und fahren den letzten Teil unserer Reise nach Anchorage zurück.

Kurz vorher gibt es noch einen Abstecher zu Fred Meyer und ich zapfe mir 3 Pakete Haselnusskaffee-Bohnen. Gegen 18.00h sind wir im Nieselregen dann in Anchorage im Westmark Inn. Totale Zivilisation umgibt uns. Mit 300.000 Einwohnern wohnt ja fast die Hälfte aller Alaskaner in dieser Stadt und Autoverkehr, Kneipen, Restaurants, Ampeln, Menschen – das alles umgibt uns plötzlich wieder.

Bevor wir uns zum letzten Abendessen in einem Restaurant niederlassen, steht zunächst die Grundreinigung des Autos an. Das Hotel gibt uns eine Wegbeschreibung zu einer Waschanlage, in der wir mit Dampfstrahlern, Shampoo und Staubsauger gut eine Stunde unseren Jeep reinigen. Dazu fällt beständig Regen, so dass wir hinterher aussehen wie die nassen Pudel und wirklich die Nase voll haben von Go North. Dort haben wir vor 3 Wochen für 2.300 EUR das Auto gemietet und dann muss man es auch noch vor der Rückgabe waschen! Bei dem Dreck, der da dran ist, ist das kein Spaß, denn der Sand und Matsch geht nur schwer ab. Er sitzt in jeder Ritze. Wir haben irgendwo in einem Hotel mal mehrere Handtücher mitgehen lassen, denn nur mit Wasserdruck wird hier nichts sauber. Einen Schwamm haben wir gekauft und das Glasreiniger-Spray aus Seward kommt selbst auf dem Lack zum Einsatz. 

Es ist dunkel, als wir zum Hotel zurück fahren. Erstmal trockene Sachen anziehen und gegenüber in ein Restaurant namens Orso‘s, die recht leckere Fischgerichte haben. Endlich mal kein Burger und nichts auf der Bettkante. Zwei Biere aus einer lokalen Brauerei und um 22.00h rollen wir pappsatt über die Straße zum Hotel und packen unsere Koffer ein letztes Mal. Das ist dieses Mal wirklich kein Problem, da es kaum was zu Shoppen gab und meine Tasche auf dem Hinweg keine 20 Kilo hatte. Allerdings habe ich einiges an Kaffee gekauft und morgen soll noch schnell ne Jeans gekauft werden. 

Ziemlich erledigt sinken wir spät in die Federn, im guten Gewissen, dass morgen ausgeschlafen werden kann.


Anchorage
Alaska, United States
Vee Bee Small

Ein Supermarkt mit Obst und ein Hotel ganz für uns alleine!

Was für ein geniales Frühstück! Es gibt Alternativen zu Speck und Eiern und selbst das ansonsten hoch geschätzte hot oatmeal mit brown sugar & raisins mag ich nicht mehr. Also bestelle ich mir einen riesigen Pancake mit blueberries. Was für ein Fest! Und wieder kommen wir mit Jägern am Nachbartisch ins Gespräch. Die sind heute über Nacht hierher gefahren und haben jetzt praktisch nur ein paar Tage, bis die Jagdzeit hier wieder vorbei ist. Einer von denen zeigt mir sein permit für „1 bull moose“ und „1 caribou“. Die Jungs erzählen, dass sie auch nur das Fleisch mitnehmen und das Zerlegen des Tieres vor Ort schon eine echte Plackerei sei, denn die Fleischbeute wiegt durchaus ja seine 400 lbs (ca. 180 Kilo) ohne Knochen. Das noch warme Fleisch (bah!) wird in Stoffbeuteln abtransportiert, da aufgrund der Körpertemperatur keine Plastikbeutel sinnig sind und nur in Stoff die Fleischbrocken abkühlen können. Derart informiert stehe ich draußen vor dem Restaurant und gucke mir ein paar der dort geparkten Trucks an. Auf manchen liegen schon einige Karibu-Geweihe, ich möchte nicht genauer in die Kisten sehen, die auf den Transportflächen stehen…

Wir starten auf dem Glen Highway von Tok aus – und verpassen irgendwie den Supermarkt. Zunächst ist die Straße gut zu fahren und wir freuen uns schon auf eine ruhige Strecke. Bald darauf kommen aber auch hier „dips“ und „bumps“ und „gravel patches“, so dass es wieder wie auf hoher See wird und das Fahrgeräusch bald recht laut ist. Die Landschaft ist schön, denn bald ist vor uns die gigantische Kulisse eines hohen Berges auf, der weit hinab mit Schnee bedeckt ist und von uns rund 50 Meilen entfernt in einem Gletscherfeld steht. 

Nach etwa 4 Stunden Fahrt ohne Unterbrechung - wenn man von kurzen Stopps an den seltenen Toilettenhäuschen absieht – erreichen wir Gakona Junction. Die Strecke ist nicht wirklich toll ausgebaut, wir tanken auf und fahren einen Abstecher Richtung Valdez, was man offenbar „Val-diiiiss“ ausspricht. Der Richardson Highway, auf dem wir nun geradeaus nach Süden fahren, bietet sensationelle Ausblicke auf schneebedeckte Riesenberge und eine schier endlose Straße, die wir bedauerlicherweise heute nicht mehr bis nach Valdez fahren können. Der Pippin Lake, den wir als kleines Pausenziel ausgemacht hatten, entpuppt sich als klein und völlig uninteressant. Auf dem Copper Lake Loop, der einen kleinen Bogen vom Richardson Highway schlägt, passieren wir dann Goldgräberhäuschen und eine kleine Siedlung mit einem lustigen „Rathaus“. Es ist nun schon 16.00h und wir drehen um und fahren zurück nach Gakona Junction und weiter nach Glenallen, wo der Supermarkt glücklicherweise offen hat. So viel frisches Obst, Salate, Sandwiches und alles, was man will und braucht, haben wir lange nicht mehr gesehen. Angesichts dessen, dass wir übermorgen nach Deutschland zurück fliegen, ist es bedauerlich, dass wir nicht mehr einkaufen können. Um 17.00h fahren wir weiter Richtung der Majestic Valley Wilderness Lodge. Online haben wir gesehen, dass außer unserem Zimmer kein weiteres heute gebucht ist. Ein Hotel ganz für uns alleine.

Es sind weitere 70 Meilen von dem Supermarkt bis zu unserem Hote. Der Ort Sutton, in dem es liegen soll, dehnt sich über 40 Meilen entlang des Highways aus und hat dabei ein paar hundert Einwohner. Das Ortsschild sehen wir erst am nächsten Tag nach gut einer halben Stunde Fahrt. Somit ist auch klar, dass – sollten wir etwas vergessen haben – etwas noch nachzukaufen, dort keine Lösung ist. Nach 1,5 Stunden Fahrt (denn so schnell geht das auch hier nicht) erreichen wir das schöne Holzhaus mit den Baracken-artigen Nebengebäuden. Die sind offen und wir laufen dort drinnen herum, suchen unser Zimmer, was nicht wirklich der Knaller ist. Zwischendrin haben wir schon entschieden, dass wir solang rumquaken werden, dass wir wegen der geschlossenen Küche nur eine statt zwei Nächten bleiben, dass wir zunächst denken, dass wir uns mit dem kleinen Zimmer mit dem kleinen Fenster arrangieren können. Auch die Haupteingangstür ist offen und wir stehen alleine in einem riesigen Restaurant und vor der dunklen Rezeption. Die Türklingel scheint nirgendwo hinzugehen und irgendwann rufen wir bei den Leuten an. Eine ältere Dame erscheint nach weiteren 10 Minuten und checkt uns ein. Man hat Mitleid mit uns, erlässt uns eine Nacht und hat uns im Haupthaus in eines der schönsten Zimmer im Basement umquartiert. Also mit riesigen Betten, für deren Einstieg man eine Leiter bräuchte und mit einem traumhaften Blick auf Berge und einen dazwischen liegenden Gletscher. Vor dem Zimmer ist ein Aufenthaltsbereich mit einer kleinen Küche, die wir nutzen können. Die Dame geht und wir haben das gesamte Hotel für uns. Auf Socken laufe ich hoch in die Hotelküche und suche in Schubladen und Schränken nach Gabeln und Tellern und Weingläsern für unser Abendessen aus dem Supermarkt. Schon witzig. 

Der Abend verläuft gemütlich in Sessel und Sofa und nachts um 1.30h stehen wir nochmal im Schlafanzug mit Stiefeln auf dem Balkon und schauen nach dem Nordlicht, das sich nicht zeigen will. Dabei war Activity Level 6 (von 10) angesagt. Während wir nach Süden Sterne sehen, zeigt sich nach Norden eher Dunst. Also ab in die Koje.


Sutton
Alaska, United States
Vee Bee Small

Achterbahnfahrt über 500km auf dem Alaska Highway

Eigentlich wollten wir heute zum Cozy Corner Cafe auf der anderen Straßenseite gehen, wo gestern noch Hochbetrieb zum Frühstück herrschte, als wir im ungeheizten Glo’s Grill saßen. Heute ist das Cozy Corner Cafe dann aber geschlossen, ohne Angabe, ob es jemals noch wieder aufmacht. Vermutlich erst 2015 wieder…Also fahren wir 100m zum Kluane Park Inn (K.P.I.) das sowohl Hotel als auch Restaurant ist und unter chinesischer Leitung steht. Die Front des Hotels sieht aus, als ob es seit 1960 geschlossen hat, die Gardinen hängen schief vor ewig nicht mehr geputzten Fenstern. Der Eingang ist auf der Seite und man betritt doch ein recht akzeptables wenn auch einfaches Restaurant mit Plastiktischdecken. Die Speisekarte des Frühstücks ist mir einfach egal. Ich kann diesen Speck-Eier-Krempel sowieso nicht mehr sehen und bestelle Toast und Kaffee. Die Speisekarte des Restaurants ist ansonsten echt ansehnlich. Sowohl chinesisch, als auch Fleisch, Fisch und die obligatorischen Burger. In wieweit natürlich hier noch alles zu bekommen ist, ist auch nicht klar - wir kriegen aber um 8.00h morgens auch die gesamte Auswahl inklusive Huhn süßsauer angeboten. 

Der Kaffee ist gut und mit 5$ für das komplette Frühstück ist das auch noch wirklich billig. Wir tanken gegenüber unsere Kiste voll. Bei 76 CAD hört die Zapfsäule auf zu zählen. Das Wetter ist nicht so klar wie gestern. Schleierwolken verhängen die Sonne und die Blicke sind nicht so gigantisch wie gestern. Gut, dass wir heute eher fahren als gucken. Wir kommen erst nach 11.00h los, fahren wieder entlang des Kluane Lake und kommen durch Destruction Bay, wo wir an einer Tankstelle tatsächlich Bananen finden! Meine zwei Exemplare für 3 CAD habe ich innerhalb von 20 Minuten aufgegessen.

Ab jetzt wird der Alaska Highway ziemlich ätzend. Bodenwelle nach Bodenwelle, Löcher und Schotterabschnitte wechseln sich ab, so dass die Schnittgeschwindigkeit sinkt und man sich an Lenkrad oder Sitz festhalten sollte. Oft sind Löcher ausgebessert, nun aber höher als das Straßenniveau – wir werden ordentlich durchgeschüttelt, durchgeschaukelt und das Auto ächzt. Ich bin erneut froh, dass der Jeep so hochbeinig ist und wir nicht dauernd aufsetzen. Eine lange Baustelle ereilt uns in luftiger Höhe eines Passes. Wir warten fast eine Viertelstunde auf einen Pilot Car. Ein Typ hinter uns, der diese Strecke jährlich befährt, sagt, dass die Straßenqualität der Strecke so schlecht ist, wie er sie noch nie erlebt hat. Endlich kommt der Pilot Car und wir fahren einige Kilometer Schotter und Sand in dicken Staubwolken. Neben uns liegen die St. Elias Mountains in der Ferne. Viel Schnee auf den Gipfeln. Rechts stehen krumm und schief neben der Straße hunderte von hölzernen Telegrafenmasten im aufgeweichten und wieder gefrorenen Permafrostboden. Ich möchte nicht wissen, wie oft hier die Kabel reißen, weil so ein Mast einfach mal ganz absackt oder umknickt und die umliegenden Siedlungen kein Telefon mehr haben. Allerdings sieht man keine Siedlungen, aber die Kabel laufen praktisch konstant neben der Straße weiter oder auch mal entfernt über einen Hügel. Irgendwen müssen die ja versorgen.

Bei Beaver Creek beginnt wieder die Grenze. Bei „Buckshot Betty’s“ trinken wir einen Kaffee und machen mal 20 min Pause von der Schaukelei. Dann geht es weiter. Ausreise aus Kanada kein Problem und auch hier ist die Grenze der USA weitere 30 km Fahrt von der Ausreise aus Kanada entfernt. Komische Nummer. Eigentlich glauben wir die Fragen schon zu kennen, aber nun fragt man uns nicht nur nach Waffen, sondern auch danach, wieviel Bargeld wir haben (ich habe etwa 20 US$, Gitta unwesentlich mehr), ob alles in diesem Auto uns gehört und ob wir Haustiere dabei haben. Der Typ hat allerdings unsere deutschen Pässe in der Hand und hat bereits erfahren, dass wir Touristen sind und sieht anhand des Einreisestempels, dass wir seit 2,5 Wochen hier sind und hat bereits gefragt, wann wir heimfliegen. Sollten wir für 3 Wochen USA unsere Haustiere mitgebracht haben??? Wir dürfen dann aber fahren.

Die Fahrt zieht sich wie Kaugummi und das Geholper nervt langsam gehörig, selbst wenn die Strecke auf der amerikanischen Seite etwas besser ist, als in Kanada. Der Straßenbelag ist oft sehr grob und somit wird das Fahrgeräusch sehr laut. Das macht sich dann bemerkbar, wenn mal ein neuerer Belag unter den Rädern ist und man richtig aufatmen kann, weil die Ohren einem nicht mehr klingen. Um 17.30h erreichen wir Tok. Dieses Mal übernachten wir ja neben „Fast Eddy’s“, dem Restaurant in Tok, wo wir letztes Mal schon waren. Das angeschlossene Motel ist ok, das Zimmer groß und auch sauber. Mein Verlangen nach etwas Frischem ist so groß, dass ich als Hauptgericht einen großen Salat esse und als Beilage einen kleinen Salat.

Wir kommen mit zwei Jägern am Nachbartisch ins Gespräch. Entlang unserer Route haben wir weiterhin jede Menge Jeeps, Trucks mit Anhängern, oft sind dies Kühlwagen, gesehen, deren Besitzer irgendwo im Hinterland auf Elch-, Bären-, Karibu-, Bergziegen- oder Dallschaf-Jagd sind. Tiere, die wir gerne mal nur vor der Linse hätten, werden hier jetzt erlegt. Der eine Mann berichtet, dass er seit 45 Jahren jagt, aber erst sieben Elche erlegt hätte. Jagen ist wohl ein anstrengendes „Hobby“. Wenn die ein Tier erlegt haben, was ja meist irgendwo abseits der Straße geschieht, müssen die das Tier an Ort und Stelle praktisch sofort zerlegen und in transportable Stücke zerteilen. Oft lassen sie daher das Fell, die Haut und das Geweih liegen, wenn es eher ums Fleisch geht. Auch ist es wohl mühselig, das Fell abzuziehen, um dann erst das Tier zu zerteilen. So hackt man das Tier in Stücke und transportiert die Teile inkl. der daran befindlichen Fellreste dann zum Auto. Unvorstellbar für mich, daran Freude zu haben oder so etwas als Hobby zu betreiben! Der Abschuß kostet Bewohner Alaskas nichts. Die benötigen lediglich ein hunting permit, was $ 25 pro Jahr kostet. Man erwirbt damit das Abschußrecht für z.B. 1 Elch oder 1 Karibu oder 2 Dall Sheep o.ä. Die Jagdsaison ist aber zeitlich begrenzt und die Jagdreviere sind etliche Parzellen, deren Jagdsaison unterschiedlich ist. Also muß man – wenn man nur in einer Parzelle jagen will – möglicherweise innerhalb von 10 Tagen zum Erfolg kommen, oder in eine andere Parzelle umziehen, in der dann die Jagdsaison ist.  Die Elchjagd ist nur an etwa 30 Tagen pro Jahr überhaupt möglich, Karibus werden nur an 10 Tagen gejagt, Bären hingegen können ganzjährig erlegt werden. 

Mit dieser Gute-Nacht-Geschichte verabschiede ich mich ins Zimmer. Nun hat auch das Hotel für die nächsten 2 Nächte geschrieben, bei denen ich sowohl Frühstück als auch Abendessen bestellt hatte. Tja, die haben jetzt auch ihre Küche geschlossen – bis kommendes Jahr. Wir kriegen dort schlichtweg gar nichts mehr zum Essen. Also sind wir auf den General Store in Tok angewiesen oder auf einen Supermarkt, den ich online gegoogelt habe, der 70 Meilen vor dem Hotel, in einem Kuhdorf namens Glenallen liegt. Nur hat der wirklich (noch) offen? Das Hotel schreibt uns zwei Restaurants, die zwischen 15 und 22 Meilen (24, bzw. 35 km) von dort entfernt liegen und wohl noch Essen servieren. Das eine ist aber wohl ab 19.30h geschlossen und eh nur ein Burgerladen. Das sind ja tolle Aussichten.

Ich lade meine Fotos runter, schreibe Tagebuch und sehe online, dass die eigentlich über Tage dort notierte Super-Aurora praktisch komplett abgeblasen ist. Also eine Nacht durchschlafen. Morgen gibt es gutes Frühstück. Nach längerer Zeit mal wieder! Dementsprechend froh gestimmt schlafe ich ein.

Tagesstrecke:  480 km


Tok
Alaska, United States
Vee Bee Small

Kluane Nationalpark ein kleiner Einblick

Sonne pur und blauer Himmel! Oh Gott – was haben wir doch wieder für ein Glück!! Es ist kalt aber klar. Ein kurzes Frühstück das ungeplant in Glo’s Grill neben dem Alcan Motor Lodge in einem ungeheizten Raum stattfindet (nur ein weiterer Gast, der Busfahrer der japanischen Gruppe). Draußen liegt Haines Junction in seiner ganzen Pracht: Eine Straßenkreuzung, die selbst auf einem Dienstag in feiertäglicher Totenstille liegt. Das bauliche Highlight zwischen Tankstelle und einem Hotel mit schiefen Gardinen ist „The Muffin“. Eine Art Denkmal für die lokale Tierwelt. Der Künstler hat wohl versucht, eine Art Felsen zu zimmern. Dabei rausgekommen ist ein rosa Stück Stein, das stark an einen Cupcake oder Muffin erinnert – mit Tierverziehrungen. 

Nach dem Frühstück fahren wir nochmals zum Visitor Center, weil der Indianer-Teil gestern praktisch zumachte, als wir dort ankamen. 1942/43 hat man den Indianern hier einfach das Land weggenommen, auf dem sie tausende Jahre ansässig waren. Das ist ja offenbar überall passiert. Kinder wurden denen entzogen und in weiße Familien gesteckt, Eigentum zu haben wurde untersagt. Das erinnert an Sklaverei oder das Dritte Reich. Und wenn man bedenkt, wann das hier passierte, ist es noch „bemerkenswerter“. 

Wir fahren entlang des Kluane Range bis nach Silver City, was eine verfallene Siedlung aus Goldgräberzeiten ist. Herrlich spooky und überwuchert. Hier steht noch ein altes Auto-Chassis und in den verfallenen Holzhäusern sieht man noch Kanonenöfen. Etwas weiter den Weg runter liegt ein B&B oberhalb des Kluane Lakes. Was für ein Blick, was für eine Landschaft! Die Sonne scheint, der See liegt blau vor uns, gelbe Espen, Birken und grüne Tannen stehen fototauglich vor uns. Entlang des Kluane Rivers fahren wir zum Visitor Center, das aber mit Balken und rot-weißem Plastikband „closed for the season“ ist. Leider ebenfalls die Toilette. Am Steilhang des Berges dahinter sieht man weit oben einige Dallschafe. Über einen unglaublich holperigen Weg mit tiefen Pfützen, groben Steinen und Huppeln fahren wir zu einem Wanderweg, nachdem wir mit zwei Deutschen geplauscht haben. Die sind korrekt mit Bärenspray, Glocke am Gürtel und dickem Stock gegen Bären gerüstet. Na wir werden mal ein wenig laufen und hoffen, dass uns kein Grizzly begegnet. Der Kluane Nationalpark gehört zum UNESCO Welterbe. Weite Teile des Parks sind nicht mit Wanderwegen erschlossen und bestenfalls die Ureinwohner haben hier ihnen bekannte Schlitten- und Transportwege. Also wer hier wandern will, begibt sich auf die wenigen echten Wanderwege, oder läuft querfeldein. Letzteres erhöht dann natürlich die Bären-Trefferquote.

Der Wanderweg „Sheep Creek Trail“ beginnt dann hinter einer Gedenktafel für eine Frau, die hier Ende der 1980er Jahre von einem Grizzly angefallen und getötet wurde. Also vielleicht doch besser laut singen? Es geht recht steil bergan und die Dallschafe kommen nicht besser in Sicht. Rückwärts bietet sich eine ganz nette Sicht auf ein breites Tal. Wir drehen bald um und holpern zurück zur Hauptstraße, entlang des Kluane Lake und dann auf dem Highway nach Haines Junction. Heute hat der Liquor Store offen und wir sind erstaunt, wie groß der ist. Tatsächlich ist innerhalb des Schnapsladens der Tresen für das Bürgeramt. Wir kaufen ein 6Pack Bier und eine Flasche Wein und fahren dann zu einem netten kleinen Waldwanderweg, wo wir noch eine gute Stunde spazieren gehen und die Ausblicke auf Berge genießen und unter unglaublich gelben Birken hindurchlaufen, die vor dem ebenso unglaublich blauen Himmel eine echte Augenweide sind. Eichhörnchen meckern uns an, weil wir ihre Ruhe stören.

Wir suchen anschließend außerhalb des Ortes einen höhergelegenen Platz zum Nordlichtgucken für heute Nacht. Als wir den gefunden haben, fahren wir also zurück zum Hotel und schauen wieder bei Glo’s Grill vorbei, was die so zum Dinner hat. Das, was man sich aussucht aus der überreichten Speisekarte ist nicht mehr vorhanden. Auch eine baked potato gibt’s nur noch einmal, Leber ist alle und das einzig verfügbare Gemüse sind Bohnen. Burger gehen natürlich immer – aber ich kann den Mist nicht mehr sehen. Ich bestelle ein Sandwich mit irgendeinem Fleisch und ertränke das in einer scharfen Soße. Das Restaurant schließt in den nächsten Tagen, wer will da noch Lebensmittel einkaufen. Außer uns ist auch nur noch ein Ehepaar (auch Touristen) da.

Unsere Essensvorräte sind erschöpft. Außer ein paar Brotchips und Drops haben wir nichts mehr. Morgen fahren wir 500 km nach Tok und beten, dass der General Store dort aufhaben möge, damit wir wenigstens ein paar Cracker oder womöglich sogar Äpfel kriegen. Die Bäckerei hier in Haines Junction ist auch bereits „closed for the season“. Da sie die einzige Bäckerei ist, gibt’s hier also auch kein Brot. Da wir nach Tok zwei Nächte in einem Hotel nahe des Matanuska Glacier sind, bei dem auch nicht klar ist, ob man dort was zu essen kriegt, schreibe ich dem Hotel lieber mal. Online bieten die an, dass man bei Voranmeldung Frühstück und Abendessen kriegen kann, was ich dann für die zwei Tage für uns per E-Mail bestelle. Auf Google sieht es nicht so aus, als gäbe es in der Nähe der Lodge einen Laden. Also müssen wir spätestens in Tok etwas finden, wovon wir ggf. bis Samstag leben können. Da wir auch dauernd über die Grenze fahren und nie (frische) Lebensmittel mitnehmen können, ist ein Aufstocken mit solchen Sachen, wenn es denn mal möglich wäre, wiederum nicht sinnvoll, wenn es nicht über die Grenze darf. Morgen fahren wir erneut von Kanada nach USA, danach bleiben wir dann aber in Alaska. Unsere Hoffnung ruht auf Tok.

Nach einer kurzen Nachtruhe von 1 Stunde stehen wir wieder um 1.00h auf und fahren zu unserem Aussichtspunkt. Es ist pechschwarze Nacht, unter Null Grad und erst als der Mond etwas über die Baumwipfel lugt, kann man die Silhouetten der Tannen vor uns erkennen. Ein wahnsinniger Sternenhimmel breitet sich über uns aus. Der große Bär – auch auf der Flagge Alaskas zu finden – ist immer gut zu sehen. 

Der Sensor der Kamera sieht wieder mehr, als das menschliche Auge. Das, was man als mögliches Nordlicht erkennen kann, wird bei einer Aufnahme dann deutlich bestätigt. Dennoch ist diese Nacht kein Vergleich zu neulich in Whitehorse und wir verkrümeln uns bald in die Wärme unseres Zimmers.

Tagesstrecke: ca. 160 km

Haines Junction
Yukon Territory, Canada
Vee Bee Small

Tolle Fahrt nach Haines Junction im Yukon

Wir verpennen den Wecker, oder er hat nicht geklingelt – es ist auch egal, denn um 7.00h bin ich wach und es ist dichtester Nebel. Bei dem Wetter bringt es nichts, nochmal zu den Bären zu fahren, was wir eigentlich schon vor einer halben Stunde machen wollten. 

Da das Frühstück ja nur noch eine Stunde geht, stehen wir also trotzdem auf. Haare waschen und „a touch of luxury“ heißt, dass der Fön kaputt ist. Also rubbeln, was das Zeug hält, denn draußen ist es nicht wirklich lauschig und man muß über den Hof zum Frühstück. Um 8.45h rollen wir los, ich hab mich nochmal deutlich beschwert über das nicht gemachte Zimmer, den kaputten Fön und äußere meine Hoffnung, dass sie den Getränkekarton unter dem einen Bett bis zur nächsten Saison wegräumen, da er kurz vor der Explosion steht, nachdem der Weinrest darin jetzt sicher gegoren ist. Ich kriege $28 pro Nacht Erstattung – das besänftigt mich und so haben wir $56 gutgemacht. Dennoch liegt die Rechnung bei $219 für 2 Nächte inkl. tax. Das ist in dieser Saison und für die Qualität dieses Zimmers/Hotels schon happig.

Leider ist es total zugezogen, nieselig und wir frieren angesichts der herbstlichen Atmosphäre. Wir fahren entlang eines mit vielen Sandbänken versehenen Gewässers. Offenbar ist dies der Zusammenfluss von Kleheni, Chilkat und Tsirku River. Wir sehen Leute, die gerade ein Fish-Wheel leeren, das, was wir in Dawson in dem Indianer Museum erklärt bekommen haben funktioniert also bis heute. Die Lachse, die man hier raus holt, werden direkt gewogen und alles unter 7 pounds wird gleich wieder in den Fluss geworfen. 

Die Haines Road führt weiter nach oben und somit in den Nebel. Viele Leute haben uns gesagt, dass die Strecke von Haines nach Haines Junction die schönste ist, die sie jemals gefahren sind. Noch sehen wir davon nicht viel und ob die Hänge neben uns hoch oder flach sind, wissen wir auch nicht. Wir biegen kurz ab in ein hochgelobtes Indianerdorf, das aber derart verlassen und mal wieder voller Gerümpel ist, dass wir hinten gleich wieder rausfahren und weiter auf dem Highway. Nach 40 Meilen passieren wir mal wieder die Grenze zu Kanada. Grimmig werden wir gefragt nach Pfefferspray, Tränengas, Waffen und wie lange wir bleiben, warum wir nach Kanada wollen und wohin wir fahren – dann dürfen wir einreisen. 

Bald darauf sind wir auf rund 1.000m Höhe und fahren durch arktische Tundralandschaft mit traumhaften Farben. Die Sonne kämpft sich durch Wolkenlücken und da, wo sie Erfolg hat, sind die Blicke phantastisch! Die gesamte Bergkulisse kann man aber weiterhin mehr erahnen als sehen. Der Haines Highway Summit auf 1070 m ist für uns ein kleiner Pausenplatz, allerdings im Auto, da draußen ein fieser Wind bläst und es auch nicht wirklich warm ist.  Wir fahren weiter auf einer gigantischen Hochebene und manches Mal lässt sich in den Wolkenlücken auch der eine oder andere Berg mit Schnee ausmachen. Alleine die Weite dieser Ebene ist unfassbar und man kommt sich vor, wie eine Ameise.

Am Kathleen Lake lohnt leider kein Stopp. Wir fahren zwar kurz runter ans Ufer, aber hier ist es frisch und die Wolken hängen tief. Das lohnt nicht, sich hier hinzusetzen und rumzufrieren. Wir zuckeln gemütlich weiter und erreichen Haines Junction gegen 16.00h kanadischer Zeit (also 15.00h US-Zeit). Die heutige Distanz waren zwar nur 250km, aber wegen Nebel und auch weil heute die Fahrt das Ziel war und nicht Haines Junction, haben wir dann doch rund 6 Stunden gebraucht.

Das Visitor Center von Haines Junction ist ein Knaller. So einsam diese bewohnte Straßenkreuzung auch ist, das Visitor Center ist riesig, neu und toll. Es hat jedoch zwei Teile. Der eine ist von den Indianern betrieben, die um 17.00h alles zu machen, der andere Teil ist staatlich, wo man immer noch bis 20.00h offen hat. Hier arbeitet eine Deutsche aus Frankfurt, mit der wir ins Palavern kommen, nachdem wir noch einen Film gesehen haben. Die Frau lebt alleine seit 27 Jahren hier in Haines Junction, wo man auf 34qm keine 800 Einwohner findet (oder auch nicht). Sie hat ein Haus und arbeitet in der Saison hier im Visitor Center, das Ende September dann auch komplett schließt. Sie meint, dass man mit 5 Monaten Arbeit und 7 Monaten ohne auch gut durch den Winter kommt und man nicht zwingend über den Winter Geld verdienen muß. Im Sommer erntet man im Garten Gemüse und Obst, macht das ein und kauft sich einen halben Elch oder Hirschen und ißt das dann über den Winter auf. Dass der nächste Supermarkt in Whitehorse – also in Kanada – ist und somit 157km entfernt, ist für sie normal. In Haines Junction gibt es keinen Laden. Eine der Tankstellen verkauft ein bißchen Milch und Eier und Süßigkeiten. Ob die einzige Bäckerei des Ortes noch offen hat, weiß sie nicht. Aber sie zeichnet uns auf einem kleinen Ortsplan ein, welches Etablissement für Frühstück oder auch Abendessen offen hat. Viel ist das nicht mehr. 

Wir fahren zu besagter Tankstelle, die von einem Chinesen betrieben wird (wie auch eines der Hotels und zwei Restaurants des Ortes…). Er verkauft ein paar braune Bananen, Kartoffeln in kleinen Mengen und eher Knabberkram, Wasser und Schokolade. Der Sprit ist eine Tanke weiter etwas billiger und mit CAD 1,38 zwanzig kanadische Cent billliger, als in der „Großstadt“ Dawson.

Wenn man eines immer findet, ist das ein Burger Laden. In Haines Junction ist das „Frosty’s“. Der hat früher wohl nur Eis verkauft, ist aber heute 365 Tage im Jahr geöffnet und hat sich dem Wunsch der Laufkundschaft angepasst und bietet nun auch Burger und Pizza an. Die Dose Bier zu 5 CAD, die Pizza zu gut 30 CAD, ein Burger mit Pommes für rund CAD 15 – das sind Feinkostpreise! Dennoch holen wir uns hier einen Burger – die kommen mir schon zu den Ohren raus. Aber wer will hier einen frischen Salat erwarten? Nach zwei Bieren ist auch der Biervorrat bei Frosty’s erschöpft, weil heute der ortsansässige Liquor Store zu hat. Ja, man hat einen Liquor Store, der – weil staatlich – sozusagen im Bürgermeisteramt des Ortes zu finden ist. Kein Supermarkt, aber ein Schnapsladen! Es gibt zudem weder einen Arzt (kommt alle 2 Wochen vorbei), noch eine Apotheke oder sowas. 

In der Alcan Motor Lodge habe ich um ein Zimmer auf der oberen Etage gebeten und man hat uns ein Upgrade in die einzige Suite des Hauses gegeben. Ansonsten ist das Hotel nämlich ausgebucht! Unglaublich! Eine japanische Gruppe mit allerdings nicht einmal 20 Leuten ist unter den Gästen und einmal mehr wird klar, dass der September in dieser Gegend noch Saison ist und das Schließen von Hotels, Restaurants und Sehenswürdigkeiten Ende August deutlich zu früh erfolgt. Die Suite hat zwei Schlafzimmer und einen Wohnbereich. Wir gucken schön in die Berge. Wirklich ein nettes Hotel, Internet läuft auch gut.

Wir liegen auf den zwei Sofas rum, ich lade meine Bilder auf das Tablet, schreibe Tagebuch, der Fernseher läuft. Einfach erholsam.

Tagesstrecke: 150 Meilen/240 km


Haines Junction
Yukon Territory, Canada
Vee Bee Small

Bären satt in Haines!

Der Wecker geht um 6.00h, denn wir wollen zu den Bären, die ja eher im Morgengrauen und bei Sonnenuntergang unterwegs sind. Das Hotel hat Frühstück bis 8.00h – also auch nicht übermäßig lang und möglicherweise in der Hoffnung, dass sie somit Kosten sparen, weil die Leute das im Urlaub einfach nicht wollen. Es gibt Rosinenbrot – wie genial. 

Im Dunst fahren wir los und sehen bald schon den ersten Bären, der neben der Straße am Wasser langläuft. Wir fahren weiter und auch im Bereich der Brücke und dem Fischwehr sehen wir Bären. Einer läuft hinter unserem Auto quer über die Straße. Eine Bärin verscheucht einen Jungbären, offenbar ihren Sohn – üblich nach 2-3 Jahren an der Seite der Mutter, insbesondere, wenn sie sich wieder gepaart hat. Wir sehen etliche Weißkopfseeadler, ausgewachsene und junge, deren Gefieder die ersten 5 Jahre braun bleibt.

Mit etlichen schönen Bildern im Kasten fahren wir zurück nach Haines. Fort Seward ist eine Ansammlung schöner alter Häuser, die wirklich als Fort hier gedient haben. Wir folgen einem kleinen Plan, der die Totempfähle der Stadt aufzeigt und dann haben wir auch schon Haines komplett gesehen. Während wir noch rumfahren, kommt die Sonne mehr und mehr raus und der Dame in dem kleinen Visitor Center merkt man den Frust an, dass sie nicht raus kann. Das Wetter ist auch hier wochenlang richtig mies gewesen, ebenso im Sommer – und nun gibt es hier einen schönen Sonntag und sie muß arbeiten. Haines umgibt ein sensationelles Panorama, das man gestern nicht ansatzweise sehen konnte. Hohe Berge, Gletscher, dazu das Wasser des Lynn Kanals, über den wir aus Skagway hergekommen sind. Er ist eine 100km lange Meerenge am Ende der Inside Passage. Richtig schön. 2.500 Leute leben hier und während andere Orte im Winter aussterben, geht hier wohl die Wintersportsaison mit Heli-Skiing los und es werden wohl etliche Hollywood Filmproduktionen gedreht, die in einer entsprechenden Berglandschaft spielen. 

Wir fahren am Nachmittag nochmal zu den Bären, nachdem wir im Supermarkt ein paar Snacks gekauft haben. Setzen uns in die Sonne an den Chilkoot Lake, futtern und lesen bis es heißt „Bärenalarm“. Tatsächlich kommt eine Bärin am Ufer unter uns entlang gelaufen, steigt dann ins Wasser und läßt sich mit der Strömung aus dem See treiben, der von einem Gletscherabfluß gespeist wird. Endlich Bärenbilder in der Sonne!

Während die anderen Leute bald keine Geduld haben, auf die Bärin zu warten, die sich auf der anderen Seite des Ufers in die Büsche geschlagen hat, sehen wir sie nur Minuten später wieder aus dem Grün herauskommen und am Fluss stehen. Toll! 

Kurz zurück ins Hotel, eine Stunde Akkus laden und um 16.30h fahren wir wieder los zu den Bären. Heute wollen wir deutlich früher dort sein, als gestern. Und wieder sehen wir Bären im und am Fluß und können tolle Fotos machen.

Als es gegen 19.30h duster wird, fahren wir zurück ins Hotel. Das Zimmer ist immer noch nicht gemacht. Ich hatte mich schon vorhin an der Rezeption beschwert, die sagt, die Putzkolonne hätte einen Vermerk gemacht, daß wir ein do-not-disturb-Schild draußen gehabt hätten. Was für ein Blödsinn, wenn wir den ganzen Tag nicht da waren! Nun hat zwischendrin auch keiner die Notwendigkeit des Saubermachens erkannt und der „touch of luxury“ ist nun völlig unverständlich. Ich fahre kurz runter zum Lighthouse, esse eine super leckere Seafood Chowder und dann ist auch dieser Bärentag vorbei.

Tagestrecke: ca. 50 km


Haines
Alaska, United States
Vee Bee Small

Inside Passage und Bären im Dunst

Um 8.00h erwache ich vom Zugsignal der alten Bahn und bin seit langem endlich mal richtig ausgeschlafen! Unglaublich! Wir liegen dennoch bis halb 10 in den Federn, da heute bis nachmittags kein Programmpunkt absolviert werden muß. Wir laufen zum Ferry Terminal und holen uns schon die Tickets für unsere Fährfahrt nach Haines um 15.00h und gehen im Sweet Tooth Café frühstücken, als die gerade auf Lunch umstellen. Aber sie sind nett zu uns und zaubern noch schnell ein Breakfast Toast und Kaffee gibt’s ja eh. 

Auf dem Gold Miner’s Cemetary, der etwas außerhalb liegt sind viele Gräber vom Ende des 19. Jahrhunderts. Deutsche, skandinavische Namen, Goldgräber und auch Soapy Smith liegen hier. Letzterer hatte es zu einigem Reichtum gebracht, indem er den Bewohnern von Skagway mit einigen Betrügereien Geld abgeluchst hatte. U.a. hat er ein „Telegraphenamt“ eröffnet, wo er Geldanweisungen annahm für die Familien der Goldschürfer. Nur kam das Geld nie bei den Familien an, sondern nur in Soapy Smith’s eigener Tasche. Sein Mörder wird anschließend als Held verehrt und sein Grab schmückt eine Stele inmitten von ansonsten bescheidenen Grabsteinen und Holzkreuzen. Erneut sind hier die meisten Gräber wieder mit kleinen Zäunen umgeben. Das hatten wir schon bei Carcross auf dem kleinen Friedhof so gesehen.

Auf dem Rückweg nach Skagway fahren wir noch schnell an einer Dredge vorbei, die hier sicher im Laufe der Saison eine Touristenattraktion ist. Einige Erklärungen sind zu sehen und drum herum gibt es offenbar sonst eine Kneipe und Schilder, doch bitte nicht in den Fluß zu steigen, der hier unbarmherzig schnell dahinrauscht und zudem auch saukalt aussieht - Lebensgefahr. Es ist interessant diesen Goldschürfbagger aus der Nähe anzusehen und durch das Ding durchlaufen zu können, was ja in Dawson nicht gelungen ist.

In Downtown geht’s rasch noch in eine Bäckerei, einen Keks als Mittagessen kaufen und ab mit dem Auto zur Fähre. Mit 103US$ für zwei Personen und ein Auto, ist die Fahrt von 60min kein Schnäppchen. Im Hafenbecken kullern ein paar Otter im Wasser und dann geht’s auch schon auf die Fähre. Das Wetter hat sich nicht wirklich verbessert und erst, als wir einige hundert Meter aus Skagway heraus sind, liegt der Ort kurz in der Sonne. Die Hänge der Strecke - was das nördliche Ende der Inside Passage ist - bleiben aber meist in den Wolken und kleine Wasserflugzeuge fliegen entsprechend tief an uns vorbei. Dann sind wir nach gut einer Stunde in Haines, wo die Wolken ebenfalls tief hängen. Wir fahren gleich nach rechts Richtung Chilkoot Lake, anstatt nach links in die Stadt. Denn am Chilkoot River, der aus dem Chilkoot Lake entspringt und dem Lutak Inlet, das die etwas breitere Fortsetzung des Flusses Richtung Fähre ist, sollten Grizzlies jetzt Lachse fangen. Aufregung! 

Auf der rund 6 Meilen langen Fahrt sehen wir einige Weißkopfseeadler, aber noch keinen Bären. Am Chilkoot Lake stehen vier Schweizer beim Angeln und erzählen, dass die Bären weiter hoch sind, also in der Richtung, aus der wir gerade kommen. Also fahren wir aufmerksam wieder zurück, dann aber weiter ins Captain‘s Choice Motel, das sich selbst in einem Ortsprospekt mit „a touch of luxury“ beschreibt.  Wir können das nun wirklich nicht feststellen. Völlig abgelatschter Teppich auf der Porch vor den Zimmern, Geländer verwittert, Stufen abgebröckelt, Farbe fehlt. Das Zimmer ist ok, aber mehr als ein normales Motelzimmer ist es auch nicht. Unter Gittas Bett liegt ein Tetrapak-Karton eines Rotweines, der auch am nächsten Tag dort verbleibt und kurz vor der Fäulnisexplosion steht.

Es gibt eine Bakery in Haines, die gleichzeitig Thai-Restaurant ist. Das Essen ist gut, aber lizensiert sind sie nicht, also Wasser statt Bierchen. Es ist nun schon 19.00h als wir erneut die 10 Meilen Richtung Bären fahren und aufgrund des miesen Wetters ist es heute deutlich früher dämmrig, als an einem sonnigen Tag. Wir sehen einen jüngeren und zwei ausgewachsene Grizzlies, die im und am Fluss unterwegs sind und Lachse futtern. Wir treffen auf einen Deutschen aus Köln, der irgendwie alles ist: Pensionierter Grundschullehrer, Fotograf, Grizzly-Fachmann und Verhaltensbiologe. Jedenfalls ist der Mann zum 11. Mal in Alaska und British Columbia, um Bären zu fotografieren. Er macht das jährlich über mehrere Monate. Hat ein eigenes Auto, das er in Seattle unterstellt und dann in dem Ding wohl auch meistens wohnt. Ein Brett auf mehreren Plastikkisten, Schlafsack und das ist es. Er übernachtet hier am Fährhafen, weil die morgens um 8.00h die Toiletten öffnen. Nun ja, bei aller Liebe zur Natur, das wäre mir zu basal. 

Der Chilkoot Lake mit den Wolken und der extrem glatten Oberfläche bietet jetzt dennoch ein schönes Motiv. Ab und an sieht man einen (roten) Lachs springen. Wir fahren mit ein paar dunklen Bärenbildern in der Kamera wieder zurück nach Haines und gehen schräg gegenüber in eine Kneipe, in der wir die einzigen Gäste sind. Und das am Samstag! Der Barkeeper erzählt, dass man in Alaska keine State Income Tax bezahlen muß, nur federal tax. Und alle Bewohner Alaskas, die ein Kalenderjahr hier gelebt haben, erhalten am Jahresende vom Land meist um die $1.000. Dieses Jahr wird es wohl eher das Doppelte sein!

Wir sind um 22.00h im Hotel, das kein Internet hat, außer man kauft es für 24 Stunden für 6,99$. Ich lade meine unscharfen Bärenbilder runter, dann ist Mitternacht.

Tagesstrecke: ca. 50 km

Haines
Alaska, United States
Vee Bee Small

Die kleinste Wüste der Welt, der White Pass im Nebel und Skagway enttäuscht

Es ist fast 3 Uhr, als wir frierend aber happy die Stelle verlassen. Das Nordlicht ist auch verloschen (Man sagt: Die Aurora schweigt !) und wir sind froh, als wir im Hotel sind. Nach fast 2 Stunden in der Kälte bin ich durchgefroren, bis auf die Knochen und mal wieder begeistert von meiner von Zuhause mitgebrachten Fleecedecke, die ich unter der Bettdecke auf die Eisbeine legen kann. Ich lade noch die Bilder runter und es ist nach 4 Uhr morgens, als ich endlich die Augen schließe.

Gnädig lässt uns der Wecker bis 8.30h schlafen…Schräg gegenüber vom Hotel ist ein Tim Hortons, wo wir genial günstig frühstücken. Heute führt unser Weg weiter nach Süden. Bald liegt der Emerald Lake an unserer Seite und selbst heute bei bewölktem Wetter gibt es ganz schöne Farbeindrücke. Wie muß das erst sein, wenn die Sonne scheint! Die Hänge der Berge werden täglich gelber von den Espen und bald wird sicher das Laub von den Bäumen fallen – dann dürften die Ausblicke deutlich trister sein. Man kann jetzt täglich zusehen, wie der Herbst langsam zuende geht. 

Die Wolken hängen tief und bald haben wir die ersten Tropfen auf der Scheibe. Wir stoppen kurz am Carcross Desert, der „kleinsten Wüste der Welt“.  Es sieht eher wie eine Dünenlandschaft aus. Nur wenige Quadratkilometer groß, sind sie ursprünglich aus den sandigen Sedimenten eines Eiszeitsees entstanden. Der starke Wind vom Lake Bennett verhindert hier eine Ausbreitung der Vegetation. Wir bibbern etwas im Wind, machen ein paar Fotos von Gräsern und Beeren, Lupinen sowie Tannenzapfen-beladenen Bäumen, die hier der Kälte und dem Wind trotzen und sind rasch wieder unterwegs im warmen Auto. Das Thermometer im Auto zeigt zwar 47°F Außentemperatur an (rund 8°C), aber der Wind ist schweinekalt. Gestern sind wir bei 51°F in der Sonne in Whitehorse ohne Jacke rumgelaufen. Aber nur 4°F weniger, dazu der Wind und keine Sonne – und man friert sich den Allerwertesten ab.

Kurz danach erreichen wir die Ortschaft Carcross. Benannt eigentlich nach einer Karibou-Querung (Caribou Crossing) wurde sie irgendwann von einem Missionar in Carcross abgekürzt, da es in der weiteren Umgebung zu viele Orte gleichen Namens gab und seine Post immer in den falschen Ort geliefert wurde. Heute ist es ein kleiner Ort mit gut 150 Einwohnern und Station der Whitepass-Yukon Railway. Ein schöner alter Bahnhof, gegenüber ein alter General Store mit schönen Dingen, ein gutes Visitor Center und ein kleines Café. Wir treffen auf ein deutsches Ehepaar, die uns von ihrem Autounfall in Tok erzählen und die Probleme, die es machte, einen Ersatzwagen zu bekommen. Das hat 2 Tage gedauert. Sie sind aber mit einem normalen PKW unterwegs und damit auch den Top of The World Highway gefahren. Da der Mann aber ein Presseheini ist und für ein Autorennen namens Fulda-Challenge tätig ist, wird er wohl auch mit Mietwagenfirmen keine Probleme haben, sollten seine Autos Schaden nehmen, wenn er gravel roads fährt.

Ein Kilometer hinter Carcross biegen wir links von der Straße ab zu einem alten Friedhof. Eher von den Indianern, aber auch mit Gräbern aus der Zeit der Goldschürfer. Hier liegen auch die drei Leute, die den Klondike Gold Rush auslösten. Ich finde allerdings nur das Grab von einem Tagish und bin nicht sicher, ob das das Grab von Skookum Jim Mason ist, der eigentlich Tagish hieß und mit seiner Schwester und deren Mann bei Dawson City die ersten Goldklumpen im Fluß gefunden hatte.

Wir passieren noch mehr Hügel und Berghänge, die wie mit gelbem Samt ausgelegt aussehen. Wir fahren entlang des fast endlosen Tagish Lakes, sehen Bove Island und fahren weiter, überqueren die „Grenze“ zu British Columbia mit weiteren Seen auf dem South Klondike Highways, den wir immer noch befahren. Alle Seen sind von kräftigem Wind gepeitscht, der aus den Bergen hier runterrauscht. Die Goldsucher mußten hier durch und sind oft an den Winden auf dem Wasser gescheitert, gekentert und ertrunken. Wir passieren eine Hängebrücke über den Yukon, die man für 18$ Eintritt überqueren kann. Der Fluß ist hier tief unten in einer Schlucht eingequetscht und prescht wild durch die Enge. Erstaunlicherweise hat ein sehr neues, sehr großes Restaurant offen. Wir sind die einzigen Gäste, die Betreiberin, eine junge Frau aus Montreal, macht uns gerne einen Kaffee und wir plauschen ein paar Minuten. Der Raum ist etliche Meter hoch, ungeheizt und so ist es hier auch nicht sehr gemütlich. Touristengruppen aus Skagway – oft von den Kreuzfahrtschiffen – machen hier wohl häufig Pause. Aber auch die Kreuzfahrtsaison geht zuende und diese Woche kommen wohl nur noch 2-3 Schiffe und Gruppen und dann ist auch hier Winterpause.

Bei Fraser erwartet uns der kanadische Zoll. Aber keiner kommt raus und wir fahren langsam weiter. Erst 27km von hier ist dann die Einreise in die USA. Wem gehört das Land dazwischen? Wir fahren nun durch dicke Nebelschwaden, sind rund 700m hoch und die Strecke steigt noch auf rund 1.000m Höhe. Der Nebel ist zeitweise so dicht, dass man nur noch 20m gucken kann. Meist aber sind es 50-80m, so dass man noch ganz gut fahren kann. Leider haben wir keinen vor uns, an dessen Lichtern wir uns orientieren können, bis uns irgendwann ein wahnsinniger LKW-Fahrer überholt, um an der nächsten Steigung zum Hindernis zu werden. Der Grenzübergang ist harmlos. Keine Frage nach Lebensmitteln oder Alkohol, nur wohin wir fahren, von wo wir kommen und von wir wir wieder nach Hause fliegen. Die Tante gibt mir aus Versehen meinen ESTA-Antrag nicht zurück, den ich immer ausgedruckt im Pass habe. Na egal. Es geht weiter in totalem Nebel, wir passieren das Schild „Welcome to Alaska“ und rollen mit 30mph bergab durch die weiße Wand. Auch in Skagway ist es nicht wesentlich besser.

Wir checken ins Westmark Inn ein und erfahren, dass das Hotel übermorgen komplett schließt bis nächstes Jahr. Es ist jetzt 15.00h und wir bummeln über den Broadway, der sich doch ziemlich verändert hat, seit dem letzten Mal vor 5 Jahren. Nun sind hier nicht nur Souvenir-Läden, sondern jeder zweite ist ein Juwelier. Es sieht aus wie in der Karibik in Häfen mit Kreuzfahrtschiffen - nur mit anderen Temperaturen.

In der Touristinfo läuft noch immer der gute Film über den Gold Rush, den wir jetzt erneut sehen. Jetzt haben wir deutlich mehr Orte dieses Ereignisses besucht, als vor 5 Jahren. Wir sind ziemlich müde und watscheln durch die Straße. In der Skagway Brewerie gehen wir essen und sind schon um halb sieben wieder vor der Tür. Skagway ist jetzt menschenleer, denn das Kreuzfahrtschiff ist mit seinen Gästen abgefahren und hat die paar Touristen, die nicht dazugehören und die Einheimischen hier hinterlassen. Die Läden sind folglich auch alle geschlossenund wir entschließen uns, im Hotel noch ein Bierchen zu trinken. Leider unmöglich! Denn die White Pass & Yukon Railway-Belegschaft feiert hier ihren Saisonabschluß. Niemand kann außer denen in die Bar und wir verkrümeln uns ins Zimmer, das wir - auch wegen der Party - nicht auf normalem Wege erreichen können. Gut, dass wir keine Koffer dabei haben…Ich bin so müde, dass ich irgendwann vor 21.00h schon in dem breiten, schönen Bett einschlafe.

Tagesstrecke: ca. 190 km


Skagway
Alaska, United States
Vee Bee Small

Yukon Quest, Whitehorse und Aurora Borealis!

Nach einem Kaffee aus der Tankstelle geht es um 9.30h weiter. Der Kaffee im Zimmer hätte vermutlich nach Schwefel geschmeckt. Frühstück fällt aus. Trotz etlicher Warnschilder sehen wir keine Hirsche. Die Wolken hängen tief und wir haben zunächst eher den Eindruck, dass es Regen gibt. Entlang des South Klondike Highway, den wir jetzt fahren, liegen nicht nur mit dem Fox Lake und dem riesigen Lake Laberge zwei sicher schöne Seen, sondern auch riesige Landstriche, die vor 20 Jahren bei Waldbränden vernichtet wurden. Von den Seen können wir nur wenig sehen und die Blicke sind mit den Wolken auch nicht so toll, wie in Reiseführern beschrieben. Es ist erneut erstaunlich, wie wenig sich nach 20 Jahren der Wald regeneriert hat. Die Hälfte der Waldbrände entstehen durch Blitzeinschlag, oft in weit entfernten Regionen der Wälder, so dass sie erst spät bemerkt werden, wenn sie schon tagelang schmoren und bei entsprechenden Winden richtig ausbrechen. Die restlichen Brände entstehen durch menschliche Unachtsamkeit. Der Wald braucht solche Feuer, aber natürlich ist so etwas auch eine Bedrohung von Anwohnern, die es hier vereinzelt gibt. Das Fox Lake Fire von 1998 begann Anfang Juli und man hatte es erst Wochen später als gelöscht betrachten können. Tatsächlich kokelte es noch im Permafrost weiter und entflammte im folgenden Frühjahr erneut.

Wir halten kurz an der Braeburn Lodge, wo ein alter Mann berühmte Zimtschnecken verkauft, die es sogar in unseren Reiseführer geschafft haben. Die Dinger sind aber so groß, dass man sie einfach nie schaffen würde und so plauschen wir mit ihm nur über den Yukon Quest, der hier direkt vor der Tür entlang führt und die Braeburn Lodge eine der offiziellen Haltepunkte ist. Der Yukon Quest International Sled Dog Race ist das härteste und schwerste Schlittenhunderennen der Welt und führt über 1.000 Meilen (1.600 km) von Whitehorse nach Fairbanks (in ungeraden Jahren von Fairbanks nach Whitehorse). Im Normalfall sind die Schlitten 10 bis 14 Tage unterwegs. Es konkurriert mit dem Idiradot, was das längste Schlittenhunderennen der Welt ist. Der Yukon Quest wird jährlich im Februar durchgeführt, wenn hier bis zu -30°C herrschen. Die Musher (Schlittenführer) müssen an etlichen Kontrollpunkten den Zustand ihrer Hunde prüfen lassen und können pausieren. Die Braeburn Lodge ist der erste Kontrollpunkt, rund 160km hinter Whitehorse, was normalerweise etwa 12-18 Stunden nach Abfahrt erreicht wird. Hier können die Musher Pause machen, müssen es aber nicht. Nur Dawson City ist eine Zwangsunterbrechung für die Schlitten. Hunde können an den Kontrollpunkten abgegeben werden, nie aber ersetzt werden. Maximale Beladung der Schlitten ist mit 113 Kilo erlaubt. Der Weg führt querfeldein und erinnert an die Trails zu Zeiten der Erforschung des hohen Nordens Amerikas und Kanadas, der Briefboten und Fallensteller sowie der Goldschürfer, die die schnellsten Routen zum Yukon und Klondike brauchten, und diese Region mit ihren Reisen erschlossen. http://www.yukonquest.info/yukonquest.shtml. Heute schlägt man durchaus eine Schneisen in den Wald, damit gut gefahren werden kann. 

Um 14.00h erreichen wir Whitehorse. Der Himmel beginnt sich zu klären und nachdem wir im Westmark Inn in unser Zimmer gegangen sind, wird es noch schöner. Wir laufen zum Visitor Center und kriegen dort gesagt, dass der Raddampfer „Klondike“, eine der Top-Attraktionen in Whitehorse „closed for the season“ ist – und zwar schon seit dem 31.8.! Man wirft aber für uns rasch einen Film an, der tolle Bilder vom Yukon Territory zeigt und anschließend laufen wir in strahlendster Sonne runter zum Yukon River und können uns von Jacken und Halstüchern befreien. Der Fluss hat eine mords-Strömung und Enten haben es echt gut. Sie treiben mit der Flussströmung mit offenen Schnäbeln gegen die Fließrichtung – das ist wie ein Schlaraffenland. Wir laufen zur alten log church von 1901. Ebenfalls geschlossen seit 31.8.! Das wird langsam zum Ärgernis. Das Wetter ist toll, die Saison definitiv noch nicht seit Wochen zuende und die kanadischen Behörden schließen die Sehenswürdigkeiten nach Kalender! Im Visitor Center hat uns die Dame erklärt, dass es (eigentlich) zwischen Deutschland und Kanada eine Vereinbarung gab, die besagte, dass die Condor bis in den Oktober Touristen abliefert, wenn die kanadische Seite die Attraktionen offen lässt. Die Condor hat das erfüllt, die Kanadier aber nicht. Ziemlich blöde. Besondere Berühmtheit hat die Kirche durch einen ihrer Pastoren erlangt, der in Ermangelung von besserem Essen, seine Seehundfell-Stiefel in mehreren Teilen toastete und verspeiste – hierüber führte er akribische Tagebucheinträge, so dass man heute weiß, wie Sohlen oder auch Fell-Schäfte von Stiefeln schmecken.

Um die Ecke liegt der „log skyscraper“ – ein zweistöckiges Holzhaus, ebenfalls von der Jahrhundertwende, aber nicht zu begehen. Ich suche in Whitehorse noch nach einem Kameraladen, um ein Stativ für die erneute Nachtschicht mit möglichem Nordlicht zu erstehen, finde den Laden um 18.05h, als er bereits 5 min geschlossen hat. Wir haben nachmittags bereits einen Weg auf den Grey Mountain vor Whitehorse gefunden, der oberhalb der Stadt und weit genug weg von ihren Lichtern sein dürfte, um hier heute Nacht Posten zu beziehen. 

Wir gehen erst einmal im „Burnt Toast Café“ neben dem Hotel essen, was erstaunlich gutes Essen hat – endlich mal wieder ein Salat! Dann fahren wir zu einem recht großen Wal-Mart am Stadtrand und ich kaufe mir eine Tüte Linsen, die als Stativ auf der Motorhaube dienen werden. Dazu wird Wasser aufgestockt und wir fahren zurück ins Hotel. Ich bin um 23.30h so müde, dass ich nicht wach bleiben kann und stelle den Wecker auf 0.50h und so schälen wir uns kurz vor 1 Uhr nachts aus den Federn, packen uns warm ein und fahren zum Ausguck auf den Grey Mountain. Es ist kalt und zunächst mal sehen wir nichts. Die Zeit ist sinnvoll, um erneut die Kameraeinstellungen zu finden, die gute Nachtaufnahmen ermöglichen. Der Mond ist leider sehr hell und hat einen gigantischen Hof. Bei Blende 3,2, ISO1600 und Live Bulb scheint mir das am besten zu funktionieren. Die Kamera zeigt mir nach einer von mir vorgegebenen Belichtungszeit im Display das bis dahin „entwickelte“ Bild, so dass ich entscheiden kann, weiter zu belichten oder zu beenden.Und dann sehen wir doch noch etwas! Es ist etwa 1.45h als wir schwache senkrechte Lichtreflexe in leuchtendem Grün direkt vor uns sehen. Das ist zwar nicht der Nordhimmel, sondern eher Westen, aber trotz der Helligkeit des Mondes wird es ein tolles Schauspiel. Fotos entstehen, davon viele unbrauchbar, aber es ist eine geniale „Show“ und es ist irre zu sehen, dass der Kamerasensor mehr sieht, als das menschliche Auge. Immer mal wieder ist das Nordlicht weg, dann kommt es wieder. Endlich hat sich das Warten und Frieren mal gelohnt.

Tagesstrecke: 180 km


Whitehorse
Yukon Territory, Canada
Vee Bee Small

Klondike Highway: Von Dawson nach Carmacks

Bedeckter Himmel und +4°C – quasi sommerlich und das Auto ist eisfrei! Kaffee aufm Zimmer und eine Banane aus der Hand und ab geht’s. Müde sind wir, da letzte Nacht dann doch erst um 2.30h Licht aus war, nachdem Bilder gesichtet und Tagebuch geschrieben war. Wir tanken wieder voll und fahren zum Dänojà Zho Haus, was ein Museum und Kulturzentrum der hier ansässigen First Nation ist. Eine kurzweilige Führung einer jungen Frau und ein anschließender Film liefern gute Informationen. Wie überall, ist man auch hier mit den First Nation über viele Jahre unglaublich brutal umgegangen. Seit mehr als 10.000 Jahren lebt der Stamm hier und die christlichen Missionare haben auch hier nicht nur Gutes getan. Kinder wurden aus dem Gebiet in Schulen nach Whitehorse verschickt, blieben dort aber Außenseiter. Sie wurden von ihren Geschwistern getrennt und kehrten später als Fremde zu ihrem Stamm zurück. Bis in die 1960er Jahre gab es in Kanada ein Gesetz, nachdem das Brauchtum aller Stämme, wie Singen, Tanzen etc., schlichtweg untersagte. Lieder, Texte und Sitten gingen irgendwann in Teilen oder ganz verloren, da die Stämme keine Schriftsprachen zur Übermittlung ihres geistigen Erbes pflegten. Erst Trudeau hat den First Nation zu mehr Rechten verholfen. U.a. zum Recht am eigenen Land. Bis 1951 galten die Indianer Kanadas nicht einmal als Menschen, sondern wurden wie Dinge klassifiziert. Natürlich gab es weder Wahlrecht noch Anwesenheit in irgendwelchen Regierungen. Das änderte sich erst Ende der 1970er Jahre! 

Wir hören viel über Nutzung von Naturmaterialien, Tieren und dass letztere nur gejagt wurden, um sie in jedweder Form zu nutzen. Nicht nur als Nahrung, sondern auch in sämtlichen Bestandteilen für alle möglichen Zwecke. Trophäen waren erlegte Tiere nie, ebenso, wie die Jagd nie als Sport betrachtet wurde und wird. Insbesondere Bären gilt hoher Respekt, die im höchsten Fall nur erlegt werden, wenn man aus ihnen dringend benötigte Medizin gewinnen kann, um einen Menschen zu retten. Bären betrachtet man als menschenähnlich, da sie, wenn man Fell und Fleisch entfernt hat ein menschenähnliches Skelett widergeben.

Der Stamm, der hier in Dawson immer Zuhause war, hat aber die Stadt vor längerer Zeit verlassen. Man hatte ihnen die Siedlung in der Mitte des Ortes Dawson angeboten, dort, wo jahrelang der Henker Menschen hingerichtet hatte. Da dies nicht akzeptabel war und die Indianer ihre Unterlegenheit einsahen, sind sie ihrem Chief Isaac auf die andere Uferseite des Yukon River nach Moosehide gefolgt, was rund 2 Meilen flußaufwärts liegt. Heute leben dort aber wohl keine Stammesleute mehr dauerhaft. Aber der Ort wird für Festivitäten und zur Pflege von Brauchtum genutzt.

Erstaunlich ist, dass in der Schule in Dawson City alle – auch die weißen Kinder – die Sprache der hiesigen Indianer lernen müssen. Rund 700 Menschen des Stammes leben aktuell in und um Dawson City, was also rund 50% der Gesamtbevölkerung ausmacht.

Wir sehen, wie man früher Fische aus dem Yukon gefangen hat. Mit einem Fish-Wheel. Eine Art Korb-Rad, das durch den Fluss selbst gedreht wurde und die gegen die Strömung gerichteten Körbe einfach Fische „aufsammelte“ und – sobald der Korb sich aus dem Wasser drehte und umkippte – die Fracht in seitlich angebrachte Auffangbecken gab. Hieraus mußte man nur noch die Fische mit Keschern holen und hatte frischen Fisch. Insbesondere King Salmon wurden hier in großer Zahl früher gefangen. Heute ist deren Fang untersagt, weil die Fische bedroht sind. 

Es ist schon 12.00h, als wir hier wieder aufbrechen. Schnell nen Kaffee an der Tankstelle holen, zur Post, um Briefmarken zu kaufen und in einem Souvenirshop noch schnell einen Schal und ein paar Postkarten gekauft und ab geht’s in einen neuen Tag. Wir halten kurz auf halber Höhe des „The Dome“ und nun sieht man bei Tageslicht auch die Region der Goldschürferei auf der anderen Seite.

Da in Carmacks, unserem heutigen Ziel, absolut nichts los sein wird, haben wir auch keine Eile. Wir stoppen um halb drei an der Moosecreek Lodge, die nicht ansatzweise wie eine Lodge aussieht. Die Holzbude ist gleichzeitig ein kleines Restaurant wie Souvenirshop. Dahinter versammeln sich ein paar Holzhütten, die man mieten kann. Eine unfreundliche franco-Kanadierin verkauft uns einen Kaffee und mir ein blueberry tarte und wir sind nach 20min wieder unterwegs.

Auf der Strecke läuft häufig der Yukon River neben uns, in vielen Windungen und streckenweise unglaublicher Breite. Inseln, Kurven und dann ist er wieder verschwunden. Bei Miso fahren wir kurz ab auf einen verlassenen Campingplatz und finden ausnahmsweise mal akzeptable Toiletten, was auf der kanadischen Hälfte unseres Trips echte Ausnahmen bleiben. Ein schöner Blick auf den schnellen Yukon River, kurze Futterpause und weiter geht es im Sonnenschein Richtung Carmacks. 

Die Five-Finger-Rapids liegen kurz vor unserem Tagesziel. Hier an dieser extremen Kurve des Yukon River haben viele der Goldgräber ihr Hab und Gut – und manche auch ihr Leben – verloren. Eine enge Kurve mit mehreren Felsen im Fluss stellen höchste Ansprüche an die Bootsführer. Raddampfer verwendeten an Land befestigte Stahlseile und Winden, um diese Stromschnellen heil zu überwinden. 

30 Kilometer weiter erreichen wir Carmacks, was eine Ansammlung von 5 Häusern um eine Tankstelle entlang des Klondike Highway ist. Die Tankstelle ist gleichzeitig der General Store, der quasi alles zu haben scheint. Von Kopfschmerztabletten über Fleisch bis zu Gummistiefeln und Angelausrüstung, Tiefkühlkost und Kinderspielzeug. Nebenan liegt das Goldpanner Restaurant, das sehr einfach ist. Aber nach einem Tag mit einer Banane, einer Paprika und einem Schokoriegel schneiden Burger und Fritten tatsächlich gut ab. Dazu zwei Bier und ab ins Zimmer.

Das Hotel ist sehr merkwürdig und die dazugehörige Bar sieht aus wie der Vorhof zu einem Puff. Das Hotel besteht aus einem Motel-Trakt und einigen Hütten, die näher am Fluß stehen. Im Hotel ist das Internet für 1 Stunde kostenlos, danach kostet es 5 CAD bzw. 10 CAD für schnelles Internet. Das Wasser riecht und schmeckt extrem nach Schwefel, was man auch den Armaturen ansieht. Also Flaschenwasser zum Zähneputzen mitbringen! Während das Goldpanner Restaurant um 21.00h schließt, hat die Bar vom Hotel bis 2 Uhr morgens auf. Aber es bleibt glücklicherweise ruhig.

Tagesstrecke: ca. 360 km


Carmacks
Yukon Territory, Canada
Vee Bee Small

200km bis zum Polarkreis: Goldgräber & der Dempster Highway

Wir konnten durchschlafen – es gab keinen Anruf. Nach den davorliegenden zwei oder drei Nächten mit wenig Schlaf wg. der Nordlicht-Pirsch, ist das Aufstehen um 8.00h trotzdem schwer, denn es ist ja gefühlt erst 7.00h, weil wir in einer anderen Zeitzone sind. Das Hotelrestaurant ist groß und leer, als wir um 8.45h dort zu einem kurzen Frühstück auflaufen. Buffet für CAD 16 (11 EUR) oder á la carte. Ich entscheide mich nur für ein hot oatmeal für 6 CAD. Wir beobachten eine Gruppe Amerikaner beim Einsteigen in ihren Tourbus von Holland Amerika Lines, die mit Metalldetektoren gescannt werden. Das ist bestimmt eine Gruppe, die seit Tagen zusammen reist – was für ein Blödsinn?! Als ob die plötzlich zu Terroristen mutieren. Aber das ist sicher eine Einheitsvorschrift der Amerikaner.

Das Wetter ist kalt und etwas bedeckt. Die paar Pflanzen im Hof des Hotels sind unter Raureif erstarrt. Aber es klärt sich auf und wir fahren bei -3°C mit dem freigekratzen Auto bald Richtung Dempster Highway. Wir möchten hier bis Tombstone fahren, wo ein Visitor Center ist. Die Landschaft entlang des Highways muß toll sein, weil sie streckenweise auch nie vergletschert war, also wirklich Ur-Landschaft geblieben ist, die nicht mal irgendwann unter 200m Eis lag. Gut 700km ist der Highway lang, der in den North West Territories in dem Ort Inuvik, ein gutes Stück nördlich des Polarkreises entfernt, endet. Wir sind hier auch nur noch 200km vom Polarkreis unterwegs.

Rund 40km von Dawson liegt die Abfahrt auf den nicht asphaltierten Dempster Highway (Highway 5). Erst Ende der 70er Jahre wurde er eröffnet und folgt im Wesentlichen einem Schlittenhundeweg der Inuit. Im Winter werden die zwei (dann zugefrorenen) Flüsse weiter nördlich per Auto überquert, bis dahin pendelt eine Fähre. Nur zu Beginn der Frostperiode und in der Tauzeit ist hier kein Durchkommen und der Dempster Highway dort geschlossen. Das liegt aber weit weg von dort, wo wir heute hinwollen. Unser Ziel ist nur rund 80km vom Anfang des Dempster Highway entfernt.

Ein Schild sagt uns, dass die nächste Tankstelle 370km entfernt ist. Wir haben aber in Dawson aufgetankt für 1,58 CAD pro Liter (ca. 1,12 EUR/Liter). Das ist gemessen an den Preisen in den USA ganz schön teuer, da somit eine Gallone um die 6 CAD kostet, was etwa US$ 5,36 entspricht. 

Die Strecke ist gut befahrbar. Es gibt Spurrinnen und Löcher, aber dennoch geht es recht gut und ist besser, als das Stück zwischen Chicken und Boundary gestern. Die Gegend ähnelt streckenweise echter Mondlandschaft. Blaue, fast kreisrunde Seen liegen neben der Straße zu Füßen der schroffen Berge links und rechts. Die Blattfärbung ist wieder traumhaft. Black spruce, die dünnen Tannen, die immer fast verkümmert aussehen, stehen zwischen Millionen gelber Birken. Der Himmel ist blau und neben uns verläuft anfänglich der Klondike River.

Nach 73 Kilometern erreichen wir das Visitor Center in Tombstone und erfahren, dass sogar in diesem Bereich, was ein „teritorrial park“ ist, gejagt werden darf. 20.000-30.000 kanadische Dollar zahlen auswärtige Jäger für das Erlegen eines Elchs. Hiesige brauchen nur eine Jagdlizenz. Die auswärtigen aber einen Guide und müssen die Abschußprämie berappen. Das Fleisch der geschossenen Tiere wird an Bedürftige verteilt. Der Jäger kann das Geweih als Trophäe behalten. Wie auch schon gestern stehen auch hier in praktisch jeder Parkbucht Pickups, teilweise mit Kühlanhängern bzw. Ladeflächen. Letztere dienen meist zum Transport von Quads, mit denen die Jäger tiefer in die Wälder kommen und nicht stundenrund wandern müssen. Das Visitor Center ist liebevoll gemacht und auch hier wird bald geschlossen. 

Wir fahren noch 4km weiter und haben einen schönen Blick auf den rund 35km entfernt liegenden Tombstone Mountain, der eine auffallend zackige Form hat. Weitere 6km bleiben ohne Sichtung von Dall Sheep oder Karibus, wenngleich hier eine kleinere Herde davon leben soll. Eine riesige Herde von 150.000 Karibus lebt irgendwo nördlich entlang des Highways. Sicher auch wegen der Jäger haben die sich deutlich von dieser Straße verkrümelt. Die Landschaft hier ist sog. Arktische Tundra, mit niedrigen Büschen und vereinzelten Tannen. Wir fahren praktisch die ganze Zeit durch ein riesig breites Tal. Ein Biberbau in einem mit leichtem Eis bedeckten Teich liegt neben der Straße.

Wir fahren zurück Richtung Dawson und biegen vor der Stadt zum Bonanza Creek ab. Früher hieß das hier Rabbit Creek und dies ist der Ort, wo drei Gestalten 1896 den ersten Nugget im Klondike River fanden, der den sog. Klondike Goldrush auslöste. In den ersten 3 Jahren wurde hier Gold im Wert von 29 Millionen kanadischer Dollar gefördert, was nach heutigem Wert ein Vielfaches davon ist. Dawson hatte damals einen Boom auch an Einwohnern erlebt und zeitweise waren hier 30.000 Menschen ansässig. Heute ist Dawson City mit gut 1.300 Einwohnern immer noch die zweitgrößte Stadt des Yukon. Der größte Teil der 75.000 Einwohner des Yukon (rund 27.000 Menschen) leben in Whitehorse. Der Yukon hat etwa 35% mehr Fläche als die gesamte Bundesrepublik, in der über 80 Mio Menschen leben.

Am Bonanza Creek und auch auf der anderen Seite des Klondike Highway sind auch heute etliche Goldminen und seit über 100 Jahren wird hier geschürft. Früher hat man hierfür sog. „Dredges“- Schwimmbagger - benutzt. Goldgrabungsmaschinen, die sich schneckenartig vorwärts bewegten und mit riesigen Schaufeln Steine förderten, diese nach Steinen und Gold trennten. Eine der größten Dredges ist die Dredge No. 4, die nun als historisches Monument am Ende ihrer Grabungsstätte zu besichtigen ist (leider nicht mehr für uns, wir sind zu spät). 23 Kilo Gold hat das Ding in guten Zeiten pro Woche gefördert. Dazu hat man aber natürlich Unmengen nutzloses Gestein ausgegraben, die wie endlose Würste neben allen Wegen in diesem Gebiet liegen. Hier sind oder waren also viele Dredges im Einsatz. 

Claim 33 liegt an der Strecke zurück zur Straße. Die Dame, die dort so etwas wie einen Souvenirladen inmitten von originalen Goldgräberhütten betreibt, zeigt uns Nuggets und erklärt uns, dass das gefundene Gold nie rein ist. Sowas gewinnt man nur, wenn man das Gold schmilzt und die unerwünschten Bestandteile dabei herauslöst. So sehen die Nuggets, die sie dort verkauft auch eher stumpf aus, sind aber alle hier gefunden.

Zurück in Dawson besuchen wir den General Store, kaufen ein paar Sachen zum Essen und gehen dann kurz etwas in einem ungeheizten Restaurant essen. Solange die untergehende Sonne reinscheint, ist es gut, aber als die hinter den gegenüberliegenden Hügeln versinkt, sitzt man besser mit Jacke dort. Ist eben auch alles end of season und man will wohl keine Heizkosten mehr haben…

Nach einem kurzen Stopp im Hotel laufen wir zu Diamond Tooth Gerties, einer echten Institution in Dawson. Showsalon, Kneipe, Diner und Spielcasino in einem. Pro Abend gibt es drei Shows. Der Eintritt kostet 10$, aber wir haben heute morgen beim Frühstück von einem Kellner zwei Eintrittskarten geschenkt bekommen. Die erste Show um 20.30h ist eine Cancan-Show. Nett gemacht, 30 min und man sitzt an runden Tischen vor der Bühne. Die zweite Show, eine Stunde nach der ersten, machen wir auch noch mit. Sie ist etwas anders, als die erste. Hinter uns wird an Blackjack-Tischen gezockt, neben uns an einem langen Bartresen gezecht. Um kurz vor 23.00h trollen wir uns ins Hotel, packen uns warm ein und fahren auf den Hausberg „The Dome“. Er ist knapp 900 m hoch und wir hoffen, hier oben heute Nordlicht zu sehen. Der Weg ist stockfinster und oben auf der Kuppe pfeift ein sagenhafter Wind, so dass das Auto wackelt. Nordlicht sehen wir nicht. Ich fummel ein bißchen an meiner Kamera herum, um eine gute Nachtaufnahme von Dawson hinzubekommen, was dann auch gelingt. Guter Blick auf die Lichter der Stadt und den Yukon River. Kurz vor 1 sind wir im Hotel. Mein Husten, den ich seit Homer habe, plagt mich weiterhin und nervt. Also wieder Hustenblocker und hoffen, dass ich nicht Gitta die ganze Nacht nerve.

Tagesstrecke: ca. 300km 


Dawson
Yukon Territory, Canada
Vee Bee Small

Der Top of The World Highway nach Dawson City im Yukon/Kanada

Ich habe noch um 4 Uhr einen zweiten Nordlicht-Entdeckungs-Versuch gestartet – erneut ohne Erfolg.

Um 7.30h stehe ich auf, hole mir unten einen Kaffee und finde ein Joghurt im Kühlschrank. Als wir gepackt haben, müssen wir noch das Auto ein wenig freikratzen. Lt. Wetterbericht haben wir -3°C. Handschuhe und Schal sind jetzt Programm.

Wir fahren zum Beaver Fever Café, wo unsere Wirtin arbeitet und kriegen anstelle eines selbstgemachten Frühstücks ein Breakfast Sandwich der üblichen Machart: Irgendeine Brotsorte mit Rührei, Speck und Käse. Punkt. Dazu nen Kaffee, das war’s. Als „full breakfast“ in einem B&B habe ich da schon deutlich bessere Sachen bekommen und finde das auch ziemlich schäbig.

Ich befülle unseren Scheibenwaschtank mit Wasser und Scheibenreiniger. Vor dem Frühstück haben wir schon getankt für $4,21/Gallone und konnten das Auto kostenfrei waschen. Dazu fuhr man auf dem Gelände der Tankstelle einfach an eine freie Stelle, wo ein Wasserschlauch hing und konnte damit das Auto abspritzen. Also nix Schaum, Shampoo geschweige denn Waschanlage. Einfach klares Wasser aus dem Gartenschlauch. Der angetrocknete Matsch geht damit aber nicht ab. Oder nur oberflächlich. Sobald das trocknet ist der Dreck wieder zu sehen.

Um 10.45h fahren wir bei strahlendem Sonnenschein nach Osten auf den Alaska Highway und verpassen die fast gar nicht beschilderten Abzweigung auf den Taylor Highway Richtung Chicken und Dawson. Nach 5 Meilen kommt uns das seltsam vor, wir drehen um und biegen dann richtig ab. Die Straße ist asphaltiert, aber der Zustand ist nicht wirklich gut. Mit maximal 50mph holpern wir Richtung Chicken, dem einzigen Ort vor der Grenze nach Kanada. Rund 70 Meilen (110km) fahren wir bis Chicken und haben einige recht gut fahrbare Schotterstrecken und auch schlecht fahrbare asphaltierte Strecken hinter uns. Chicken rühmt sich sensationeller Gebäude und interessanter historischer Sehenswürdigkeiten, ist aber eine Ansammlung von etwa 4 Häusern, einer Tankstelle mit sündteurem Sprit sowie einem Souvenirladen. Alles auf einer staubigen Fläche neben einem Flüsschen gebaut. Zu unserem Entsetzen steht vor dem Souvenirshop ein Bus von Polster & Pohl und wir wissen, dass in dem Laden nun halb Sachsen einkauft. So fahren wir weiter und nun beginnt eine echt miese Strecke ohne Asphalt und mit tiefen Schlaglöchern, so dass wir oft im Zick-Zack-Kurs navigieren. Rutschige Ölbeläge, insbesondere dort, wo viele Löcher sind, fährt es sich wie auf Aquaplaning und die Lenkung gehorcht Bruchteile von Sekunden nicht. Glücklicherweise ist wirklich wenig Verkehr und die in Reiseführern erwähnten LKWs, die viele Steine verschleudern, bleiben praktisch gänzlich aus. Wenn nicht die traumhafte Aussicht auf die links liegenden Berge und die uns auf allen Seiten umgebende Landschaft mit himbeerfarbenen Hängen der herbstlich verfärbten fireweeds, grüne Tannen und gelbe Birken und Espen vor einem knallblauen Himmel, wäre, wäre die Fahrt deutlich ätzender. Wir hatten in der Vorbereitung der Reise intensiv darüber nachgedacht, was wir tun, wenn das Wetter die Passage des Top of the World-Highways verhindern würde und freuen uns umso mehr, dass wir bei perfektem Wetter diese Strecke befahren können.

Rund 9 Meilen vor der Grenze bei Boundary, endet der miese Straßenabschnitt und wir fahren auf einer brandneu asphaltierten Straße. Die Temperatur hier oben hat sich bei 44-47°F (6-8°C) eingependelt. Die Fahrt bis zur Grenze ist eine Wohltat für Ohren und Muskeln, da hier keine unerwarteten Bodenwellen und Löcher mehr zu erwarten sind, die mich bisher dazu veranlasst haben, das Lenkrad konstant extrem festzuhalten.

Die Grenze liegt auf einer Kuppe und mit der Einreise nach Kanada, in den Yukon, haben wir nun eine Stunde Zeit „verloren“ und sind nun statt 10 Stunden nur noch 9 von Deutschland entfernt. So ist es jetzt schon 16.30h. Der kanadische Grenzer ist muffig, befragt uns nach Waffen, Pfefferspray und Tränengas, will wissen wohin wir heute fahren, wie lange wir in Kanada bleiben und ob wir Handelsware dabei haben. Keine Frage nach Lebensmitteln, die wir vorher eh schon artig vertilgt hatten.

Die Strecke bleibt wunderschön mit rot glühenden Berghängen, weiten Waldern, bunten Birken. In der Ferne Schneegipfel und von oben Sonne. Die Straße ist hier wiederum nicht mehr asphaltiert, aber gut mit bis zu 80 km/h zu befahren. Wenn ein Auto vor einem fährt, kann man an dessen Fahrweise schon etwaige Bodenwellen frühzeitig erkennen. Zwischen Tok, unserem Abfahrtsort heute morgen und Dawson, unserem Tagesziel heute Abend, gab es – außer in Chicken – weder einen Laden, noch einen Kaffee, noch ein Klo. Die unbeobachtete Flucht in den Busch ist hier aber kein Problem, da es kaum Autos gibt.

Eine Stunde später stehen wir am Ufer des breiten, schnell dahinfließenden Yukon. Gegenüber liegt Dawson in der Abendsonne. Eine kostenlose Fähre bringt uns auf die andere Seite. Die Straßen in Dawson sind alles Sandpisten und die Häuser und Läden liegen an Holzsteigen, die mit kleinen Treppen vom Straßenniveau zu erreichen sind. Es ist gut, dass es jetzt trocken ist. Bei Regen dürfte das hier extrem matschig sein. Das Visitor Center hat hier von 8 bis 20.00h offen. Ein netter Kanadier mit leidlichen Deutschkenntnissen versorgt uns mit Infos. 

Das Westmark Inn in Dawson ist ein Hotel mit mehreren Gebäuden, die wie eine kleine Westernstadt aussehen. Bunt gestrichene Holzhäuser entlang einer staubigen Straße. Wir laufen etwas durch den Ort. Kleine, nett unter Farbe stehende Holzhäuser aus der Zeit des Goldrauschs 1899/1900 mit – jetzt geschlossenen – Geschäften. Manche sind auch schon wieder „closed for the season“, andere einfach für den Feierabend geschlossen. Man hat ein eindrückliches Beispiel stehen lassen, was mit den alten Holzhäusern passiert, die vor über 100 Jahren auf dem sich verändernden Permafrostboden stehen. Sie sinken in die Erde und stehen irgendwann ganz schief.

Gegenüber von unserem Hotel ist das Aurora Inn, das ein gemütliches Restaurant hat. Hackbraten mit Kartoffelpuree! Was für ein Leckerbissen! Die Bedienung ist aus Sachsen, der Restaurantbesitzer ein Schweizer. Ende Oktober machen die hier auch ihre Pforten zu, das Hotel aber schließt schon Ende September. Im Hotel bestellen wir einen Wake-up-Call für den Fall, das Nordlicht auftaucht. Der Anruf bleibt aus.

Tagesstrecke: ca. 190 Meilen/306 km


Dawson
Yukon Territory, Canada
Vee Bee Small

Ostwärts zum Weihnachtsmann und zu Fast Eddy's

Ich bin wieder recht früh wach und das trotz wenig Schlaf. Das Hotelfrühstück – das erste überhaupt auf dieser Reise ist ok und wir fahren gegen 9 Uhr los zum Pioneer Park, wo noch gähnende Leere ist. Die Sonne scheint von einem wolkenlos blauem Himmel und wir bummeln hier durch die Kulisse aus originalen Holzhäusern aus der Zeit von ca. 1890-1915, die man irgendwo aus Alaska geholt und hier aufgebaut hat. Cache nennt man die hochbeinigen Lagerhäuser, die man neben den Wohnhäusern hatte, um Nahrungsmitteln von Bären und anderem Getier fernzuhalten. Auch das ist hier zu sehen. Und ein großer Raddampfer. Leider ist praktisch alles geschlossen. Manche der Holzhäuschen beherbergen irgendwelche Souvenirshops, die aber auch nur in einzelner Zahl um 10.00h öffnen, die meisten sind „closed for the season“.

Unsere heutige Fahrt führt uns zum Richardson Highway, der nach Osten führt. In North Polehalten wir am Santa Claus House, wo nicht nur einige Rentiere zu sehen sind, sondern neben dem Christmas-Shop ein überdimensionaler Weihnachtsmann. 

Ostwärts geht es unter weiterhin blauem Himmel bei 38-44°F (3-7°C). Es ist ziemlich frisch. Rechts neben uns verlaufen hohe Berge und oft der Tanana River, der auf zig Meilen wie ein Delta aufgespreizt ist und kaum Wasser führt. Zwei Elche (Mama und Kind) stehen links an der Straße in einem Teich und futtern Wasserpflanzen. Schöne Fotos! Die Fahrt ist schön, aber eintönig. Tolle Wälder, gelbe Birken und Espen, schneebedeckte Berge vor uns.

Vor Delta Junction verläuft die Alaska Pipeline wieder neben der Straße, jetzt quer über den Tanana River. Wir machen ein paar Fotos und fahren kurz darauf in einen kleinen State Park mit alten Holzhäusern. Aber auch hier ist nichts mehr offen, außer einem Haus. Alles „closed for the season“. 

In Delta Junction endet der Alaska Highway, der aus Kanada hier hoch kommt. Es gibt eine Markierung am Visitor Center, das aber leider heute auch geschlossen hat, weil Sonntag ist. Also weiter, denn auch ansonsten ist in Delta Junction der Hund verfroren und nicht einmal einen Kaffee kann man hier kriegen. Wir fahren nun den Alaska Highway, der hier sehr gerade verläuft und die Fahrt zieht sich ganz schön. Schöne Blicke, aber irgendwie möchte man jetzt mal ankommen.

Tok erreichen wir gegen 17.15h und fahren kurz im erstaunlicherweise geöffneten Visitor Center vorbei. Das Mooseberry Inn, ein Bed & Breakfast haben wir schon von zuhause gebucht. Es liegt etwas außerhalb des Ortes in einem Wald. Völlig ruhig und eigentlich ziemlich gemütlich. Die Inhaberin informiert uns, dass wir leider morgen hier kein breakfast haben, weil sie in einem Café in Tok arbeitet, wo der Koch abhanden gekommen ist, wodurch sie dort morgen kochen muß. Ziemlich doof, ein Bed & Breakfast ohne Breakfast. Nun ja, wir können es nicht ändern. Und das Frühstück, dass wir in besagtem Café kriegen sollen, soll sich praktisch kaum von dem im B&B unterscheiden. Nun, da bin ich mal gespannt. Das Zimmer ist klein, vermutlich eher ein Kinderzimmer. Das Bad ist über den Gang, dafür aber schön und nur für uns. Das Zimmer hat einen schönen Balkon, von dem wir aber nix haben werden. Die Sonne scheint wunderbar, aber es ist jetzt schon zu frisch.

Tok hat etwa 20 Häuser, davon 3 Tankstellen und das allseits bekannte „Fast Eddy’s“ Restaurant, wo wir heute abend essen gehen. Nächstes Mal, wenn wir in Tok sind, wohnen wir hier im Motel. Fast Eddie’s ist eigentlich ein ganz normales amerikanisches Restaurant. Der Salat ist aber klasse und das Bier schmeckt. Was will man mehr? Im Mooseberry Inn mache ich mir zwei Becher Pfefferminztee und setze mich im Wohnbereich mit zwei Bildbänden in einen Schaukelstuhl und schaue mir die Tierwelt Alaskas in diesen Büchern an.  Ich lerne daher, dass Grizzlies doch als Jungtiere auf Bäume klettern können. Bisher dachte ich immer: Nie auf einen Baum klettern, wenn Dich ein Braunbär verfolgt. Nun muß ich ihn wohl erstmal fragen, wie alt er ist. Erst wenn die zu schwer werden, können sie nicht mehr klettern.

Das Zimmer von uns ist extrem warm, denn die Heizung ist zentral gesteuert und bläst durch einen Auslass im Boden konstant warme Luft ins Zimmer. Draußen sind -3°C. Ich stelle mir den Wecker auf 1 Uhr und hoffe auf Nordlicht. Zwar scheint der Mond hell, aber es ist kalt und klar. Sollte klappen. Der Wecker klingelt und ich ziehe mir meine dicken Socken an, eine Fleecejacke über den Schlafanzug und stehe auf dem Balkon und sehe – nichts. Also runter und raus vor die Tür. Hoffentlich überrasche ich nicht einen erschrockenen Braunbären beim Mülleimer-Plündern…Ich stehe vor dem Haus in Socken und klebe auf dem Eis auf den Holzbohlen des Weges fest. Der Sternenhimmel ist gigantisch, aber Nordlicht sehe ich am Nordhimmel nicht. Also ab in die warme Bude.

Tagesstrecke: 203 Meilen/327 km


Tok
Alaska, United States
Vee Bee Small

Fairbanks - der nördlichste Punkt der Reise

Wir essen Reste auf der Bettkante und fahren los nach Norden. Hinter uns hängen die Wolken tief und zwischen den Bergen ebenfalls. Aber gen Norden sieht man schon mal blauen Himmel zwischen den Wolken. Die Fahrt ist nicht spektakulär, führt durch endlose Wälder, schön verfärbte Birken und Pappeln und über recht gut asphaltierte Straßen. Einige Asphaltierungsarbeiten laufen noch und die Baustellen sind dreckig, unser Auto sieht mittlerweile aus, wie nach einer Wüstenexpedition. Wir müssen lange bei einer Baustelle mit einem grimmigen Flagger warten. Der Mann ist gut warm angezogen, inkl. klobiger Stiefel mit Isoliersohle. Zudem steht er auf einer Gummimatte. Wir sind heute morgen bei 35°F gestartet (knapp 2°C), jetzt in der Sonne erreichen wir immerhin 44°F (knapp 7°C).

Den kleinen Ort Nenana erreichen wir gegen 11 und gehen in einem urigen Dorfcafé/Diner frühstücken. Leckeres Oatmeal mit Blueberries und guter Kaffee! Hier in Nenana findet jährlich das sog. Ice Classic statt. Eine Eiswette, wann das Eis auf dem Nenana River schmilzt. Dazu stellt man ein Dreibein auf das Eis und wenn es einbricht, gewinnt der, der den Zeitpunkt am besten geraten hat. 

Wir passieren hier zwei Flüsse über zwei Brücken und fahren weitere 60 Meilen bis nach Fairbanks, wo wir gegen halb zwei nachmittags eintrudeln. Das Best Western Pioneer Park liegt etwas versteckt, das Zimmer ist schön und Frühstück ist inklusive. Ich hatte das Hotel über Expedia vorreserviert, aber frage bei der Rezeption, was der Preis eines Walk-Ins ist. Der liegt bei 75$. Da die Expedia-Rate glatt das Doppelte ist, storniere ich aus der Lobby des Hotels online schnell die Expedia-Buchung, die bis 18h kostenlosen Storno ermöglicht und wir buchen völlig unschuldig an der Rezeption das einzige Zimmer mit 2 Betten für 75$ ein. Das Hotel ist total hellhörig. Der Zimmernachbar hat Husten und guckt fern…

Wir fahren ins Visitor Center. Das groß ist und für uns einen schönen Film anwirft. Da von meiner kleinen Kamera der Shutter nicht mehr schließt, fahren wir zu einem Kamera-Laden. Aber der Typ hat keinen Bock und nur auf Drängen gibt er mir seine Druckluft-Dose und will mir dann für 250$ eine neue Kamera verkaufen. Was für ein Blödmann. Also werde ich die nächsten 2 Wochen mit dem Fingernagel den Shutter auf- und zupulen. 

Einige Meilen nördlich von Fairbanks kann man die Transalaska-Ölpipeline sehen, die ein Stück über der Erde verläuft. 800 Meilen ist das Ding lang und läuft von Prudhoe Bay bis Valdez. Sogenannte „pigs“ – Einsätze in den Rohren, die diese sauber halten, hat man draußen zur Ansicht hingestellt. Das Öl hat rund 100°F (38°C), wenn es durch die Pipeline fließt. Daher verläuft sie meist überirdisch, da der Permafrostboden sonst aufgetaut wird und die gesamte Konstruktion dadurch instabil wird und in Bedrängnis gerät. Eigentlich wollen wir gegenüber dieser Pipeline-Strecke noch Gold schürfen, aber auch dort hat man schon „closed for the season“. Also zurück in die Stadt. Die Sonne scheint und wir haben 61°F (16°C). Kurzer Besuch am Eskimo-Denkmal, aber sonst bietet Fairbanks nicht wirkliche Attraktionen. Es sieht etwas verlassen und leer aus. Die Einkaufsstraße ist bestenfalls 70m lang und viele Läden haben bereits geschlossen.

Also ab zum Essen zum Italiener. Ganz OK, aber für ein Nudelgericht $25 ist auch nicht ohne. Wir fahren Richtung Murphy Hill, was ein guter Aurora-Beobachtungspunkt sein soll. Die Strecke zieht sich endlos und wir entscheiden heute Abend auf einer Parkbucht neben der Straße unseren Beobachtungsposten zu beziehen.

Im Hotel werfen wir für 6$ eine Waschmaschine + Trockner an. Bei 21 min Waschdauer ist es kein Wunder, dass die Schlammflecken, die man sich beim Aussteigen aus dem Auto an der Rückseite der Hosenbeine holt, wenn man die Schweller quasi abwischt, nicht rausgehen.. Aber es ist alles etwas aufgefrischt. Um 21.30h fahren wir ins Kino. „The 100 foot journey“, der neue Film mit Helen Mirren läuft und ist eine gute Unterhaltung bis Mitternacht. Leider sieht man am Himmel vor dem Kino erstmal nichts. Bestenfalls ein paar Sterne. Wir fahren dennoch zu unserem ausgeguckten Punkt und stellen uns ins Dunkle. Außer ein paar Autoscheinwerfern sehen wir nichts. Allerdings scheint der Mond ziemlich stark und es sind Wolken am Himmel. Vermutlich daher nicht verwunderlich, dass sich nichts tut – oder es war die falsche Uhrzeit. Um 1.30h fahren wir etwas frustriert und müde ins Hotel. Online berichtet auch keiner aus Fairbanks über Sichtungen des Nordlichts.

Tagesstrecke: 110 Meilen/170 km


Fairbanks
Alaska, United States
Vee Bee Small

Denali - Tag 2 mit Schlittenhunden

Der Wecker geht um 6.00h, also immerhin 30min länger schlafen, als gestern. Da wir gestern schon vor 8 die besten Elch-Sichtungen hatten, wollen wir heute dort wieder um den Dreh auflaufen. Jogurt auf der Bettkante und ab ins Auto. Es ist bedeckt und mit 45°F (7°C) einiges wärmer als gestern. Bis zum Savage River sind 15 Meilen in den Denali Park öffentlich befahrbar. Wir sehen heute aber kein einziges Tier. Am Savage River laufen wir kurz etwas rum, aber angesichts des etwas griesgrämigen Wetters, einer eindringlichen Bärenwarnung und der Kälte und Nieselregen, machen wir uns bald wieder auf in Richtung Park-Ausgang.

Wir frühstücken in dieser namenlosen Ansammlung von Läden, nahe des Parkeingangs. Es ist ein etwas schäbiges Café mit schweineteuren Preisen. Die meisten Läden hingegen haben hier den End-of-Season-Sale ausgerufen, denn alle machen in spätestens 2 Wochen dicht bis zum nächsten Mai. Die Saison hat hier 4 Monate, in denen alles Geld verdient werden muß. Einige Leute, mit denen wir sprechen, arbeiten im Winter woanders, andere geben aber auch zu, dass sie gar nicht arbeiten (müssen). 10$ für ein belegtes Brötchen zum Mitnehmen ist wirklich Wucher.

Wir fahren hoch zum Alpenglow-Restaurant, das oberhalb des Ortes liegt mit einem schönen Blick auf Teile des Denali Parks und die Berge. Hier wollen wir heute abend Essen und reservieren einen Tisch. Um halb 2 besteigen wir am Visitor Center im Park einen Bus zu den Sled Dog Kennels, wo die Hunde-Staffel der Schlittenhunde über den Sommer gepflegt und gehegt wird, bevor sie im Winter für Kontrollfahrten im Park eingesetzt werden.

Die Hunde sind klasse. Man kann sie streicheln, viele bemühen sich allerdings gar nicht von ihrer Hütte herunter. Es gibt einen kleinen Vortrag über die Lebens- und Arbeitsweise und die Hunde sind total begeistert, als ihre Hundeführer kommen und sie für 3 Minuten einen Schlitten über Schotter ziehen dürfen, damit die Touristen etwas action kriegen. Insgesamt ein schöner Aufenthalt, der kurzweilig und nach einer Stunde vorbei ist. Interessant ist, dass man die Hunde ab +5°C nicht mehr belasten kann und darf, da sie schnell überhitzen. Daher trainiert man sie im Sommer zwar schon, aber immer mit gebremstem Schaum. Das Größte für die Hunde ist aber, wenn sie rennen dürfen. 

Zurück im Hotel packe ich mal wieder meine Tasche komplett, lade meine Bilder runter und schreibe artig 12 Postkarten! Um 18.30h fahren wir zum Essen ins Alpenglow Restaurant. Fenstertisch, Blick auf endlosen Wald, den Nenana River und Berge – toll! Auch, wenn es etwas bedeckt ist und nicht wirklich alpenglow gibt. Das Essen ist total lecker und mit 29$ für ein Kabeljau-Gericht nicht auf der billigen Seite. Es ist schon ziemlich dunkel, als wir zum Hotel fahren. Ein Silberfuchs huscht vor uns über die Straße – das mußte ich aber erstmal googlen!

Vor unserem Hotel liegt eine sehr lange Baustelle. Wir kommen mit einer Flaggerin ins Gespräch, die vermutlich auch froh ist, mal mit Leuten zu reden. Die Wartezeit ist locker 10-15 Minuten. Sie erzählt uns nicht nur, dass sie heute morgen hier einen Wolf gesehen hat, sondern auch, dass sie mit 29$/Stunde hier echt gutes Geld verdient. Und wir haben immer gedacht, die Flagger sind die 1-Euro-Jobber. Sie arbeitet 12 Stunden/Tag.

Nordlicht wird heute nacht nix. Zu viele Wolken am Himmel und müde bin ich auch genug nach diesen zwei Tagen mit extrem frühem Aufstehen. Morgen können wir etwas länger schlafen, nach Fairbanks ist’s nicht weit.

Tagesstrecke: ca. 80 km


Denali National Park
Alaska, United States
Vee Bee Small

Denali - irre Landschaft, Grizzlies, Elche und 8 Stunden Busfahrt

Zackig duschen und kurz nen Jogurt auf der Bettkante, das muß heute morgen reichen. Unseren Nachbarn ist das Auto total vereist, unseres ist schnell von etwas Raureif befreit. Es ist unter Null mit 25°F (-4°C). Um 6.40h sind wir am Wilderness Access Center und haben zwei Tickets in den Tiefen unseres Autos verloren. Glücklicherweise stellt man uns neue aus und wir stehen draußen in der Schlange in einer Arschkälte und warten auf den kalten (Schul)bus, mit dem es heute durch den Denali National Park gehen wird. Vor uns wartet eine Familie aus Oregon, deren Baby in einem Strampler ist „We didn’t know, that it would be this cold in Alaska“ – nun ja. Wir waren in der Lage, das herauszufinden, die offenbar nicht. Die Sitze im Bus sind nicht sehr bequem, das Öffnen der Fenster erfordert langjährige Schulerfahrung aus den USA und eine gewisse Fingerfertigkeit, die sich angesichts der Schweinekälte im Bus nicht einstellen will. Denn ohne geöffnete Fenster wird es keine guten Fotos geben, heute. Bald schon steht der erste Elch auf der linken Seite, dann rechts noch ein kapitaler Genosse mit seiner Gattin. Sehr hübsch inmitten der roten Büsche. Man kann zwar nicht aussteigen, aber der Fahrer erklärt die gesamte Zeit – was nach 3 Stunden mehr als nervig ist, weil wir auch irgendwann seine Familiengeschichte kennen. Wir sehen Schneehühner, die unaussprechlich Ptarmigan heißen. Sie sind im Winter schneeweiß und jetzt beginnen sie quasi an den Hosenbeinen mit dem Federwechsel. Wir sehen eine Spruce Grouse, ein Tannenhuhn. Nichts Epochales, aber immerhin. Der Denali ist so groß, wie Massachussets und der größte Teil ist nicht zugänglich. Selbst die Straße, die ausschließlich von den Park-Bussen befahren wird, ist nur 90 Meilen lang und endet in Kantishna. Die Tierwelt ist entsprechend vielfältig, jedoch werden Braunbären hier nicht so groß, wie z.B. in Katmai oder im Yukon, weil sie im Denali überwiegend von Beeren und Wurzeln leben, nicht aber so viel Fett bekommen, wie die Kumpels, die die fetten Lachse fressen. 

Für die Touristen gibt es hier schon einiges zu erwandern, allerdings ist die Braunbärpopulation nicht zu unterschätzen und so richtig will mir nicht in den Kopf, warum man hier gerne wandern möchte. Es gibt nicht viele Wanderwege. Das meiste ist wirklich querfeldein, man bahnt sich seinen Weg selbst. Der Tag verläuft bärenmäßig gut. Wir sehen etwa 7 Grizzlies, manche dicht am Bus, andere weit weg. Es ist die Zeit der extremen Nahrungsaufnahme vor der Winterruhe und die Bären, die wir sehen, haben meist ihre Schnauze in den Beeren und futtern, was das Zeug hält. Einer quert vor unserem Bus die Straße und findet es nicht wirklich spannend, dass sich gefühlt 100 Kamera-Linsen auf ihn richten. 

Die Fahrbahn ist nicht asphaltiert und oft recht kurvig entlang steiler Hänge und dazu ein schmaler Weg. Es ist nicht sehr angenehm an der Hangseite zu fahren, wenn dann noch ein Bus entgegenkommt. Die Landschaft ist atemberaubend und die weiten Täler, die Hochebene, die Berghänge und der wolkenlose Blick auf Mount McKinley brennen sich auf der eigenen Festplatte im Kopf ein. Rund 35 Meilen entfernt liegt dieser riesige Berg, der zwei Gipfel hat und doch kann man ihn sehen. Wir gehören jetzt zum Club der 30% - denn nur so viele Leute erleben überhaupt den Mt. McKinley wolkenfrei, die meisten sehen ihn gar nicht.

Insbesondere der Polychrome Pass ist gigantisch. Was für ein Panorama, was für eine Rundumsicht, welche Weite, welche Höhe, welche Eindrücke – es bleibt unbeschreiblich. Die Fahrt insbesondere in der Anfahrt hier hoch ist jedoch ziemlich nervenaufreibend, weil kurvig, eng und mit dem ein oder anderen Bus im Gegenverkehr. Muß ich nicht nochmals haben. Und während der Fahrt reift in mir der Gedanke, dass ich die für morgen geplante erneute Fahrt auf dieser Strecke nicht wirklich brauche.

Das Eielson Visitor Center erreichen wir nach 3 Pinkelpausen und mehreren Fotostopps. Es scheint die Sonne, hinter uns treibt sich ein Grizzly am Hang herum und wir packen rasch unser mitgebrachtes Essen für uns aus und essen in der Sonne auf kalten Bänken. Eigentlich wollten wir hier etwas Zeit verbringen. Aber es ist hier kalt, es ziehen Wolken vor die Sonne und ob wir im nächsten Shuttle-Bus mitkommen, ist unklar, weil die natürlich nur begrenzten Platz haben. Also entscheiden wir uns mit unserem Bus nach 30 Minuten Aufenthalt wieder zurück zu fahren. Der Guide sabbelt weiter, wir gabeln ein paar Wanderer auf, die von dem Grizzly hinter der nächsten Kurve gehört haben und wg. des Kleinkindes auf ihrem Arm dann doch lieber im Bus weiterfahren wollen. Der Grizzly taucht dann auch tatsächlich auf.

Um 15.45h sind wir nach weiteren Bärensichtungen wieder am Abfahrtsort und ich bin ziemlich froh, dass ich mal aus dem blöden Bus rauskann. Wir haben uns entschieden, morgen gar nicht zu fahren und finden vor dem Wilderness Access Center ein Ehepaar, denen wir für 30 Dollar (statt 34) pro Ticket unsere verkaufen. Hurra! Morgen haben wir „frei“ und werden einfach mit dem Auto die erlaubten 15 Meilen in den Park fahren uns selbst mal nach Viechern Ausschau halten. Das Wetter soll morgen auch schlechter sein und wer will dann nochmal 8 Stunden im Bus hocken? Schöner als heute kann es nicht sein.

Wir fahren in das größere Visitor Center und sehen uns einen Film an, holen nebenan einen Kaffee und machen anschließend einen kleinen Abstecher in die Ortschaft neben dem Parkeingang. Hotels, Souvenirshops, Restaurants und Ausflugsagenturen. 2 Meilen weiter liegt Healy. Die örtliche Kneipe hat den (oder einen nachgeahmten) Bus der Story/Film „Into the Wild“ im Garten stehen. Mit Fotos und Briefabdrucken des Typen, der damals hier in der Nähe als Aussteiger lebte und innerhalb weniger Monate starb.

Ab ins Hotel. Bilder runterladen, Tiere im Internet recherchieren und gucken, ob wir Nordlicht-Chancen haben. Tagebuch schreiben und ab ins Bett. Wir haben noch Essen von gestern, was als Abendessen auf der Bettkante dicke reicht. Vor der Tür geht ein Abendhimmel hinter den Tannen auf, der so aussieht, wie man es sich im Nordland vorstellt.

Hier noch ein paar Zahlen zum Denali: Es gibt wohl 51 Wölfe, mehr Grizzlies als Schwarzbären. Der Mount McKinley gehört zu den Seven Summits, die die größten Berge der 5 Kontinente sind. Rund 1.200 Leute versuchen ihn pro Jahr zu besteigen. Etwa 700 schaffen es. Im Schnitt gibt es 1 Toten pro Jahr am Berg. 2013 waren es aber 6, von denen 3 von einer Lawine verschüttet wurden.

Tagesstrecke: ca. 50km selbst gefahren und rund 120km mit dem Bus im Denali.


Denali National Park
Alaska, United States
Vee Bee Small

Die Straßen-Moose und freier Blick auf Mount McKinley!

Bin wieder um 6.00h wach. Das dauert echt lange mit der Zeitumstellung…Um 8.00h stehen wir an einem kleinen See und fotografieren das Morgenlicht und ein unglaubliches Wolkenspiel in der aufgehenden Sonne. Frühstück gibt’s bei McDonald’s! Bei Walgreens kaufe ich schon mal das ein, was ich nach Berlin mitbringen soll, wer weiß, wo der nächste Drugstore auffindbar sein wird. Bei Fred Meyer kaufen wir für 2 Tage Essen ein, da wir im Denali für die zwei Tagestouren alles dabei haben müssen. Im Denali gibt es kein Café oder sowas. Man kann nur seine Trinkwasserflasche auffüllen.

Bei Sonne und zunächst 55°F (13°C) rollen wir auf dem Parks Highway nach Norden. Direkt hinter Wasilla steht eine dicke Nebelwand und es wird kälter. Aber irgendwann klart es auf und die Temperatur steigt auf 60°F (knapp 16°C). Wir haben einen irren Blick auf Mount McKinley, den andere sicher kaum mal haben. Fast wolkenlos ist die Spitze des knapp 6.200m hohen Berges, des höchsten Nordamerikas. Links neben uns verläuft konstant die Alaska Range und auch rechts ist eine Bergkette auszumachen. Die Farben sind unglaublich mit gelb verfärbten Pappeln, grünen Tannen und einem roten Kraut und roten Büschen vor einem blauen Himmel und schneebedeckten Bergen.

Eine Elchkuh steht irgendwo direkt neben der Straße in einem Tümpel uns läßt sich auch von unseren Fotografien nicht stören. Toll! So dicht! 

Wir stoppen am Denali Lookout South und genießen das phantastische Panorama. Wir passieren bald darauf ein breites Tal, eher eine Hochebene, das mit rot-glühendem Fireweed bewachsen ist, dahinter wieder gelb verfärbtes Herbstlaub, hohe Berge mit Schnee und ein unendlich blauer Himmel. Das ist der wahnsinnigste Augenschmaus schlechthin. Erst um 16.30h erreichen wir den Eingang vom Denali National Park und fahren zum Wilderness Access Center, wo man die Tourtickets abholen kann. Wir haben für zwei Tage Touren mit einem Shuttle-Bus gebucht. Diese Busse kann man verlassen, wo man möchte, das Ticket geht bis zu einem bestimmten Punkt. Für morgen soll es die „kurze“ Tour bis zum Eielson Vistor Center gehen, einer Tour, deren einfache Strecke mit 3 Pinkelstopps 4 Stunden dauert. Angesichts dessen überlegen wir während des Filmes, den wir in diesem Visitor Center sehen, ob wir nicht für übermorgen statt der dann längeren gebuchten Tour mit 12 Stunden im Bus, eher nochmal die „kurze“ machen. Man tauscht uns tatsächlich die Tickets ohne Gebühr, weil wir noch 24 Stunden vor Abfahrt stehen. Wir fahren kurz in das nicht weit entfernte größere Visitor Center und fragen den Ranger dort, wo wir welche Tiere entlang der morgigen Route sehen werden. Ist natürlich nicht planbar, aber die haben ja Erfahrungswerte. 

Ein kurzer Abstecher entlang der öffentlich befahrbaren Straße in den Park mit einem schönen Ausblick auf Tal und Berge und dann drehen wir wieder um. Wir sind hier rund 800m hoch. Wir wohnen rund 20min Fahrt vom Parkeingang entfernt im Denali Park Hotel. Das Zimmer ist ok. Wir fahren zum Otto Lake, etwa 1,5 Meilen weiter und gehen dort im Diamond Grill essen. Leckerer Lachs und anschließend tolles Alpenglühen (alpenglow) vor der Tür. Im Hotel packen wir rasch die Sachen für morgen, stellen den Wecker auf 5.30h und hauen uns aufs Ohr.

Tagesstrecke: 230 Meilen/370 km


Denali National Park
Alaska, United States
Vee Bee Small

Der erste Bär, rote Lachse und eine Regen-Moose

Der Fön ist kaputt und draußen ist es saukalt bei 12 Grad und einer steifen Brise, die über die schneebedeckten Gipfel heran saust. Herbstwetter eben. Vor dem Balkon segeln wieder Weißkopfseeadler vorbei. Wir packen dennoch unsere sieben Sachen, es ist noch früh, der jet-lag hilft beim frühen Aufstehen. Um halb neun sitzen wir schon im Duncan House, einem urigen Restaurant mit akzeptablem Frühstück und Kaffee. Ein kurzer Abstecher in den historic district von Homer und dann fahren wir noch eine Schleife über den sog. Skyline Drive, einer am Hang oberhalb von Homer gelegenen Straße mit recht netten Häusern und einem häufig schönen Blick auf die Berge und den Homer Spit. 

Dann geht’s aber auf die lange Fahrt zurück Richtung Anchorage. Wir passieren wieder Soldotna und folgen dann wieder dem Highway nach Osten. Eine Schotterstraße zum Skylak Lake wird zu einer kurzen Abwechslung. Die Straße ist allerdings voller Schlaglöcher und das Fahren ist mühsam. Entschädigt werden wir von mehreren schönen Seen und einem jungen Schwarzbären, der unvermittelt unseren Weg kreuzt. Unser Mittagspicknick findet an einem See statt. Die Sonne scheint, aber es bläst ein kräftiger Wind. Tolle riesige Pilze stehen wie gemalt am Straßenrand.

Vor dem Ende des Alaska State Highways 1, bevor es nach Norden auf den Seward Highway geht, liegt ein riesiger See in einer erneut wahnsinnigen Kulisse. Wir sehen noch ein paar Loons (Seetaucher), leider aber keine Bären oder ähnliches. Weiter geht’s nach Norden. Wir kommen erneut an der Steilküste entlang, die südlich von Anchorage an der Straße verläuft und peilen angestrengt nach Mountain Goats – ohne Erfolg. Die Suche nach einem Outlet, zu dem es online noch Infos gab, ist vergeblich, das Ding ist seit 2011 geschlossen und hier stehen nur normale Supermärkte. Es wird schon langsam dämmrig, als wir die letzten 50 Meilen aus Anchorage raus Richtung Wasilla fahren. Es nieselt nun und kurz vor Erreichen des abseits gelegenen Select Inn of Wasilla, steht noch eine Elchkuh nicht weit von der Straße entfernt in einem Tümpel und futtert. So springen wir aus dem Auto und bewaffnen uns mit Kameras und Regenjacken. Bald frieren aber die Finger und das Licht ist schnell nicht mehr ausreichend und Tropfen auf der Linse helfen auch nicht.

Die Tagesausbeute ist also ein Bär und ein Elch und das ist schon mal ziemlich super.

Das Hotel ist seltsam. Bestenfalls 10 Zimmer, Lage völlig abseits, eher in einem Wohngebiet. Das Zimmer mit tollen Betten hat eine Einbauküche mit voller Ausstattung, aber weder einen Tisch noch einen Stuhl. Wer hier also länger wohnt und die Einbauküche nutzt, wird immer auf dem Bett sitzen müssen, um zu essen. Da wir das eh nicht wollen, fahren wir zu einem Brewhouse, das wir erstmal nicht finden. Wir werden allen Ernstes beim Bestellen eines Bieres nach unseren Ausweisen gefragt. Es sei das Gesetz und hier würde alles gefilmt werden, daher müssen sie alle Leute „carden“. Nun ja. Wir sind erst um 20.30h hier aufgelaufen, um 21.00h machen die zu. Man kann aber in Ruhe essen und wir sind um 21.15h auch nicht die Letzten Gäste. Nach dem Essen geht’s noch kurz zu Fred Meyer, wo ich eine super Steppjacke von Columbia finde für nur 87$.

Tagesstrecke: 265 Meilen/427 km


Wasilla
Alaska, United States
Vee Bee Small

Quer über die Kenai Peninsula nach Homer

Heute ist Labor Day. Wir sind um 8.00h mit dem Frühstück fertig und rollen um 8.20h Richtung Exit Glacier. Auch er hat seinen Ursprung im riesigen Harding Icefield und liegt wenige Kilometer von Seward entfernt. Ein kurzer Trail führt durch einen duftenden Mischwald bis zum Bett der mehrheitlich ausgetrockneten Gletscherzunge. Wir kraxeln über Steine und schwarzes Sediment, bevor man an einem grau-silbrigen schnell dahin rauschenden Arm eines der verschiedenen Abflüsse steht. Ein Weitergehen wird hier eher unmöglich und der Blick auf den Gletscher von vorn ist uns leider von hier unten verwehrt. Also fahren wir ein Stückchen mit dem Auto auf der Straße weiter, bis man an einer Kurve einen recht guten Blick auf das Gletscherende hat. Bald biegen wir ab auf den Alaska State Highway 1, der direkt nach Westen führt, was hier mal wieder Süden heißt, weil er irgendwann dann südlicher endet, als sein Ursprungsort, Tok, ist. Wir halten immer mal wieder, um die Landschaft zu bewundern oder in einem der vielen Flüsse Anglern beim Lachsfischen zuzusehen. Die holen recht beachtliche Exemplare dort aus dem Wasser. 

Lachse sind erstaunliche Tiere. Ihre Wanderung flußaufwärts zu ihren Laichorten ist ja allseits bekannt. Auch, dass diese Wanderung an den Ursprung ihrer Existenz führt. Diese Wanderung kann bis zu zwei Jahre dauern. Dazwischen sind sie geboren worden, den Flüssen Richtung Meer gefolgt, haben die Fähigkeit entwickelt, dann statt im Süß- nun im Salzwasser zu leben. Nach etwa 5 Jahren sind sie geschlechtsreif und die Wanderung zum Ursprung beginnt dann für viele. Sie überwinden Stromschnellen und steile Anstiege, Wasserfälle etc., indem sie wirklich auf höhergelegene Vorsprünge springen und – wenn sie nicht vorher keine Kraft mehr haben oder gefressen werden – zum Ende ihrer Wanderung nicht nur ihre Farbe in rot und grün ändern, sondern auch ihre Kieferform. Die männlichen Lachse entwickeln stark gebogene Kiefer, können nichts mehr fressen und verenden deswegen auch vielfach vor dem Ende der Wanderung. Wir sehen sehr viele tote Lachse an den Fluß- und Seeufern entlang unserer Route.

Die Lachse, die das Ende der Wanderung erleben, legen hunderttausende Eier ab und der männliche Lachs befruchtet diese über mehrere Tage. Mutter-Lachs und Vater-Lachs verenden dann. Dann entwickeln sich bis zum nächsten Frühjahr die jungen Lachse, die sich wiederum von den verwesenden Resten der Lachs-Eltern ernähren und der Kreislauf beginnt von neuem. Allerdings ist die Überlebensrate der jungen Lachse aufgrund erneuter Bedrohung durch Bären, Angler und Umwelteinflüsse nicht sehr hoch. Angler müssen allerdings junge Lachse unter einer gewissen Größe wieder freilassen. Wir erleben dieses Schauspiel oft, dass mehrere Angler aus einem Boot in einem Fluss angeln und die gefangenen Lachse sofort wieder freilassen. Hierbei scheint es mehr um den Spass am Angeln zu gehen, als um das Fangen und Essen der Fische.

Unsere lange Fahrt geht immer geradeaus durch nicht sehr aufregende Landschaft, bis wir hinter Soldotna nach Süden abbiegen. Eine irre Kulisse jenseits des Cook Inlet liegt hier vor uns. Mehrere Vulkane, der größte davon der Redoubt Vulkan mit über 3.100 m Höhe, links daneben der Iliama mit ebenfalls über 3.000m. Der Redoubt ist der höchste Vulkan der Aleutenkette. Beide Vulkane sind an der Spitze vergletschert und ziehen eine Rauchfahne. 2009 ist der Redoubt das letzte Mal ausgebrochen, hat aber nur Asche gespuckt und den Flugverkehr am Flughafen in Anchorage beeinträchtigt. 

Durch Wälder und Marschland führt die Straße nach Süden. Kasilof ist dabei als Ort auf der Karte eingezeichnet, jedoch nur eine Kreuzung. Wir hätten gern mal einen Kaffee und hoffen auf Ninilchik. Doch auch hier – Fehlanzeige. Mehr als eine räudige Siedlung ist auch hier nicht zu sehen. Wir laufen um die alte russisch-orthodoxe Holzkirche mit ihrem alten Friedhof und haben nochmals einen tollen Blick auf die Vulkankette gegenüber. Also führt die Fahrt schnell weiter nach Homer. In schönster Abendsonne stehen wir um 17.00h an einem Lookout, von dem aus man sowohl den Homer Spit, eine 7km lange Landzunge vor dem Ort, als auch die Katchemak Bay und die gegenüberliegende Bergkette sehen kann. 

Als 1964 das verheerende Erdbeben diese Region erschütterte, war der Homer Spit noch eine Meile breit. Heute sind es nur meist 100-150 Meter. Die Vegetation versank im Meer und so ist hier heute nur eine Straße und einige Geschäfte, Souvenirläden und Restaurants. Bevor wir zum Hotel fahren, treiben wir uns etwas auf dem Homer Spit herum, gehen Fisch essen und fotografieren das bekannte Seafarer Memorial.

Das Hotel sieht komisch aus, das Zimmer hat aber eine gigantische Sicht aufs Meer. Weißkopfseeadler segeln ebenso vorbei, wie Möwen. Die Sonne versinkt rot glühend, der Himmel verfärbt sich unglaublich und später zeigt sich ein goldener Halbmond.

Tagesstrecke: 170 Meilen/274 km


Homer
Alaska, United States
Vee Bee Small

Wale, Seelöwen und Puffins

Um 4.15h bin ich wach und höre mein Hörbuch. Gegen 6.00h beginnt die Dämmerung und es sieht draußen kalt aus. 5°C soll es gewesen sein und die Autos haben alle Raureif auf den Dächern. Wir frühstücken in dem Diner von gestern Abend und waren vorher schon in einem Allround-Laden nebenan. Der verkauft von Klappstühlen über Angeln, Klamotten und Postkarten auch manche Lebensmittel und Souvenirs. Ich finde eine superleichte Steppjacke, die sich in der eigenen Westentasche zusammenfalten lässt und denke mir, dass das Ding sicher eine gute Wahl ist für künftige Reisen, weil sie nichts wiegt, keinen Platz wegnimmt, aber warm hält.

Unsere Tickets für die 6stündige Bootstour durch den Kenai National Park haben wir schon geholt. Der National Park ist hier ein Gebiet, das sowohl Land als auch Meer umfasst. Das Harding Icefield gehört dazu. Es ist ein riesiges Gletschergebiet von 780qkm und wenn man die 32 Gletscher, die aus dem Gebiet gespeist werden, mitrechnet sind es rund 1000 qkm mehr. Acht der Gletscher münden in die Fjorde des Golfs von Alaska und die Buchten – hierhin wird ein Teil des heutigen Ausflugs gehen. Welche Gletscher wir genau sehen werden, entscheided der Kapitän, denn es hängt mit dem Eisgang vor dem Gletscher ab, ob er dorthin fahren will und kann.

Um 11.00h gehen wir bei blauestem Himmel, strahlender Sonne und einer frischen Brise an Bord unseres Schiffes. Schnell wird klar, dass man sowohl lange Unterhosen als auch Mütze und Handschuhe brauchen wird, wenn das Schiff erst einmal fährt. Auch in der Sonne. Also alles anplünnen… Es sind 13°C und wenn der Wind dazu kommt, ist es schon frisch. Wir verlassen den Hafen und etliche Angler, die neben den Molen stehen und ihre Angeln nach Lachsen auswerfen und schon haben wir schönste Fotokulissen um uns. Egal, wohin man schaut – überall kann man Gletscher und schneebedeckte Gipfel sehen.

Vor dem Bear Glacier treiben sich Orcas herum, die man an den schmalen, hohen Flossen und der schwarz-weißen Färbung immer gut erkennt. 

Weiter geht es zum Holgate Glacier, der fotogen in der Sonne liegt. Fast beeindruckender sind die links daneben an einem Hang liegenden vier weiteren Gletscher, die über die Bergkuppe kommen. Mittlerweile haben wir Sonnenmilch auf die wenigen freiliegenden Körperstellen aufgetragen und ohne Sonnenbrille geht gar nichts. Wir hatten echt befürchtet, hier womöglich schlechtes Wetter zu haben, weil alle gesagt haben, dass an der Süd/Südostküste von Alaska, insbesonder entlang der Kenai Peninsula der feuchteste Klimapunkt unserer Reise sein wird. Aber nichts da! 

Stellersche Seelöwen, die größten Ohrenrobben der Welt und ausgemachte Raubtiere leben auf einer Felseninsel und schmoren in der Sonne. Viel niedlicher sind die Papageientaucher, Puffins, die emsig rumfliegen oder schwimmen und daher auch schwer zu fotografieren sind, weil sie dauernd in Action bleiben. Ein Seehund dreht sich im Wasser, hunderte Möwen begleiten uns und schon fahren wir weiter. Dicht an kleinen Inseln vorbei, die eher steile Felsen sind geht es durch das Naturschutzgebiet. Wir sehen Buckelwale und einer zeigt uns sehr gern seine Schwanzflosse. Allerdings hat einer an dieser Flosse eine Spitze eingebüßt. Schwanzflossen sind für die Buckelwale ein identifizierendes Zeichen, fast wie ein Fingerabdruck beim Menschen. So kann man hier draußen Buckelwale fotografieren und in Seward an eine Stelle mailen, die anhand der Schwanzflosse sagen können, welcher Wal das ist, da die meisten hier registriert sind.

Das verheerende Erdbeben von 1964, das insbesondere in Anchorage riesige Schäden verursacht hat, hat auch hier die Optik der Landschaft verändert. Die Erde ist 1-2 Meter abgesackt und insbesondere Seward ist in großen Teilen abgerutscht und noch heute liegen vor dem Hafenbecken auf 30 Metern Tiefe irgendwelche Eisenbahnwaggons und Autos. Unterwegs kann man großflächig weiß-graue Baumgerippe von Tannen ausmachen. Diese sind damals dem Salzwasser ausgesetzt gewesen, denn das 4minütige Erdbeben der Stärke 9,6 hat 3 Tsunamis nach sich gezogen.

Während der Rückfahrt werden Schokokekse an Bord gebacken und wir sitzen windgeschützt in der Sonne und genießen Blick, Kekse und die gute Luft. Um 17.30h sind wir wieder in Seward am Hafen, fahren kurz zu Safeway, um ein paar Fressalien und Wasser für die nächsten Tage zu kaufen. Außerdem gibt’s ne Flasche Glasreiniger und einen Schwamm, womit wir unterwegs das kostbare Auto behandeln können. Zum Putzen greifen wir uns einen Stapel Werbezeitungen und packen die ins Auto. Da wir keinen Hunger haben, gehen wir in der Kneipe neben unserem Diner ein Bier trinken und im Anschluß liege ich wie ein gefällter Baum um 22.00h im Bett.

Kenai Fjords National Park
Alaska, United States
Vee Bee Small

Flug nach Anchorage und weiter nach Seward

Henning holt mich um 7.00h ab und überzeugt mich, Teile meines Gepäcks noch am Flughafen auszusortieren. Es bleiben eine Regenjacke, eine Softshelljacke, Wolljacke und zwei T-Shirts hier, da ich im Grunde mit zwei Fleecejacken und einer Goretex-Jacke alles abdecken kann - und meine Tasche hat nur 19,7 Kilo beim Check-In.

Der Abflug nach Frankfurt ist erst um 8.40h und ich dämmere etwas vor mich hin. In Frankfurt kommen wir verspätet an und ich bin froh, dass mein Übergang reichlich ist. Treffe Gitta und wir suchen erstmal einen Platz, wo wir jetzt 3,5 Stunden rumsitzen und Kaffee trinken können. Ein späterer Zubringer nach Frankfurt hätte 200 EUR mehr gekostet, da sitzt man dann doch lieber rum und trinkt ungenießbaren Kaffee für horrendes Geld…

Um 14.00h betreten wir die zugegebenermaßen recht neue Condor-Maschine, die aber extrem eng bestuhlt ist, so dass selbst ich mit meinen 1,65m mit den Knien am Vordersitz hänge. Sobald der Vordermann seinen Sitz nach hinten neigt (was eh nur 10cm möglich ist), kann ich in dessen Rückenlehne beißen. Die Maschine ist nicht ganz voll und nach dem Abheben wird klar, womit Condor neben 1100 EUR für den Flug noch Geld macht: Kopfhörer kosten 5 EUR, das Nutzen des Entertainmentsystems kostet 7,50 EUR, alles, außer Softdrinks kostet Geld. Das Entertainmentprogramm bietet für 7,50 EUR eine schlechte Auswahl hirnrissiger Filme. Ohne Gebühr kann man nur 1 Film und eine Folge von „Friends“ sehen, braucht dafür aber Kopfhörer, die – sofern man keine eigenen mit passendem Stecker hat, eben auch Geld kosten. Es gibt im Bereich Catering auch eher Erstaunliches: Ein Cocktail „auf’s Haus“ auf der Basis, Gin, Wodka oder Campari, was man sich mit irgendwas mischen lassen kann. Wer stattdessen z.B. einen Sekt oder Wein will, muß zahlen. Der Umrechnungskurs in US-Dollar ist auch spannend: 5 EUR = 8 Dollar. Bei einem Kurs von rund 1,30 EUR für 1 Dollar sind das seltsame Wegelagerer-Tarife für Dollar-Zahler. Das Essen besticht durch unüberbietbare Einfallslosigkeit, es gibt keine Auswahl des Hauptgerichts und das Besteck ist aus Plastik. 

Die Route führt über den Pol und wird mit 9:45h angegeben. Aufgrund dieser Route, abseits des Jetstreams ist der Rückflug praktisch gleich lang. Kurz vor Anchorage sehen wir rechts aus dem Flieger das Massiv von Mount McKinley in der Sonne. Gigantisch!

Gerne verlassen wir die Maschine nach einer leicht verspäteten Ankunft um 13.30h Ortszeit in Anchorage. Der Airport im Ankunftsbereich sieht klein und uralt aus. Alte Holzverkleidungen an den Boxen der Einreise-Kontrolleure und nur 3 oder 4 Beamte sind anwesend. Wir stellen fest, daß unsere Autovermietung Go North nur bis 15.00h offen hat und jetzt ist es schon kurz nach 14.00h. Als wir endlich durch die Kontrolle sind, unsere Koffer haben und ein Taxi zur Autovermietung gefunden haben, ist es schon nach halb drei. Der Weg ist nicht weit und wir kommen noch rechtzeitig und fragen uns, warum eine Autovermietung, die viel an Deutsche vermietet, an einem Ankunftstag der hauptsächlichen Maschine eine solche Öffnungszeit hat.

Die Frau bei Go North spricht deutsch und wir füllen mehrere Zettel aus, dokumentieren die größeren Schrammen und Sprünge in den Scheiben, kriegen gesagt, dass wir das Auto gereinigt und vollgetankt wieder abgeben müssen. Das ist – angesichts eines Mietpreises von 2.300 EUR für 3 Wochen – schon schwer verdaulich, dass man dann auch noch das Auto säubern muß. Unser roter Jeep ist 2 Jahre alt und hat 41.568 Meilen auf der Uhr. Wir kaufen 1.300 Zusatzmeilen, denn in diesem ohnehin exorbitanten Mietpreis (ohne Endreinigung) sind nur 100 Freimeilen pro Tag enthalten und wir brauchen eigentlich eher 1.500 Zusatzmeilen, würden aber – wenn wir weniger als die im Voraus gekauften Meilenpakete brauchen – anteilig nichts zurück kriegen. Man kann immer nur 100-Meilen-weise zukaufen und zahlt pro 100 Zusatzmeilen $ 30, bei 1.300 Zusatzmeilen blechen wir also nochmal über 330 $. Darüber hinausgehende Meilen werden dann für $ 35 pro 100 Meilen abgerechnet. 

Das Gepäck passt mit etwas Trickserei in den kleinen Ladebereich, die blöde Kofferraumabdeckung muß aber quer über die Rückbank gelagert werden, da unser Gepäck höher ist als die Rückenlehne auf deren Höhe die Abdeckung einrasten müßte. So haben wir diese blöde Rolle immer auf der Rückbank liegen. 

Nun aber geht’s los! Wir fahren eine traumhafte Straße, den Seward Highway, nach Süden. Er führt entlang des Turnagain Arm, einer riesige Flußmündung, die in das Cook Inlet mündet. Auf der rechten Straßenseite haben wir Wasser und links eine steile Felswand. Der Turnagain Arm hat seinen Namen aufgrund der Tatsache, dass sowohl Captain Cook als auch der legendäre Captain Bligh hier nach einem Zugang zur Nordwestpassage suchten und umdrehen mußten, als klar wurde, dass es hier nur in einen Fluß geht, der zu einem Gletscher führt. Wir müssen hier aber nicht umkehren, sondern fahren rund 125 Meilen südwärts auf die Kenai Halbinsel. Neben uns sind plötzlich kleine weiße Wale im Wasser auszumachen: Belugas! Sie bleiben hier, wenn das Wasser abläuft. Der Tidenhub ist bis zu 10 Metern hoch und die kleinen Wale bleiben in einer Bucht, in der genügend Wasser stehen bleibt. Leider sind sie zu schnell für gute Fotos. Dass Ebbe ist, sieht man deutlich: Watt, Marschland soweit das Auge reicht.

Wir fahren noch kurz zum Portage Glacier ab, den man von weiter weg von der Straße besser sehen kann, als von einer Zufahrt. Als wir auf einem Parkplatz aussteigen, freuen sich die ersten 1.000 Moskitos über unseren Besuch, den wir aufgrund dessen auch eher knapp halten und in der langsam einsetzenden Dämmerung in Richtung Seward steuern. 

Das Breeze Inn in Seward liegt bestens. Hinter dem einen Hotelflügel guckt man schon aufs Wasser und dort wird morgen Vormittag unsere Bootstour losgehen. Wir laufen noch kurz zum kleinen Hafen, wo jede Menge Angler angekommen sind und die gefangenen Lachse mehr oder weniger fachmännisch auf den dazu gedachten Tischen zerlegen. Wir gehen in einem kleinen Diner, der zum Hotel gehört kurz was essen. Hier schließt man um 21.00h und wir kriegen das gerade noch hin. Langsam macht sich auch eine tiefe Müdigkeit breit und um 21.30h liege ich im Tiefschlaf. Wir haben 10 Stunden Zeitverschiebung zu Deutschland und somit ist in Deutschland jetzt schon Sonntag morgens um 7.30h und ich bin seit 26 Stunden auf den Beinen.


Seward
Alaska, United States