Neuseeland & Australien Januar/Februar 2014

Als der Job weg ist, entscheide ich, auch weg zu sein. Neuseeland mein Traum und eine Kreuzfahrt von Neuseeland bis nach Perth/Australien. Knapp 6 Wochen bin ich alleine unterwegs mit Auto, Flugzeug und Schiff und kehre mit über 7.000 Fotos wieder zurück nach Deutschland.

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Zurück in Deutschland...

Fast pünktlich erreichen wir Frankfurt. Es ist frisch und neblig draußen und nachdem ich den Transferbus zum Terminal mit dem Fernbahnhof absolviert habe, geht’s dann endgültig wieder in das fast alte Leben. Jetzt muß ich nur noch 3 Tage in Stuttgart bleiben, denn am Montag ziehe ich endlich weg und nach Berlin in ein neues Leben.

Frankfurt International Airport
Hesse, Germany
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Hongkong - ein Tag im 8qm-Bett

Der Flieger landet morgens kurz vor 8 Uhr in Hongkong. Nun kenn ich den Weg ja schon. Ich reise also mal wieder nach China ein, habe meinen Mini-Wisch-Visum für 24 Stunden, gehe rüber ins Regal Airport Hotel und kriege dieses Mal sogar eine Suite als Tageszimmer. Das Ding hat zwei riesige Räume, ein etwa 8qm großes Bett, einen Esstisch für 6-8 Personen und zwei Bäder. Ich ziehe wieder die Vorhänge zu, gehe ins Bett, lese noch etwas Zeitung und schlafe doch tatsächlich ein. 

Als ich aufwache ist es später Nachmittag und ich nutze die Zeit, um am Schreibtisch noch wieder Tagebuch zu schreiben. Ich habe meinem Tablet ja eine Bluetooth-Tastatur verpaßt, auf der man relativ gut tippen kann, wodurch die Erfassung schneller ist, als in einem Block. Ich habe praktisch immer, sobald ich einen WLan-Zugang hatte, meine Tagebuch-Eintragungen per Mail-Anhang an meine eigene E-Mail-Adresse geschickt, damit mir nichts abhanden kommt. 

Das Zimmer muß ich um 21.00h räumen. Mein Flug geht aber erst nachts gegen 1.00h. Also sitze ich noch etwas in der Lobby und gehe dann im Flughafenterminal noch ein Sandwich essen. Hier kann man problemlos auch Kleinsummen mit Kreditkarte zahlen. Dann stelle ich mich wieder in die Ausreiseschlange und hocke bald darauf am Gate, vor dem eine Lounge für die besseren Passagiere ist. Die hat aber ein so starkes WLan, dass ich nochmal wieder ein wenig im Internet rumgucken und auch chatten kann. 

Dann heißt es auch hier: Boarding. Der Flieger ist wieder voll und ab geht’s 12 Stunden und über 9.000 km zurück nach Deutschland.

Ich kann nicht glauben, dass jetzt fast 6 Wochen rum sind. Was habe ich nicht alles gesehen? Insbesondere Neuseeland hat mich tief beeindruckt. Schon jetzt reift in mir der Gedanke, dass ich während meines Sabbaticals im kommenden Winter nochmals wieder da hin möchte. Mit mehr Zeit, mit mehr Muße und in die Ecken, die ich noch nicht gesehen habe. Nach Neuseeland während eines normalen Urlaubes von 3 Wochen zu fliegen, wäre mir zu stressig. Die von mir jetzt gewählte An- und Abreise mit dem Schlaf-Tag in Hongkong war für mich optimal, um hier wie da entspannt anzukommen und nicht erstmal vor Ort tagelang durchzuhängen.

Regal Airport Hotel
Islands, Hong Kong
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Perth, schwarze Schwäne & eine rote Tasche - Abschied von der Südhalbkugel

Das Criterion Hotel ist ein alter viktorianischer Bau mit breiten Treppenhäusern und hohen Decken. Man kann die Fenster öffnen, aber von draußen kommt nur heiße Luft rein. Die Nacht war auch daher etwas unruhig, da ziemlich heiß. Die Klimaanlage war so laut, dass man sie nur zeitweise laufen lassen konnte und ich bin schon beim Aufstehen reichlich zerknittert. Naja, vielleicht kann ich heute Nacht im Flieger schlafen. Zunächst aber laufe ich zu Fuß zu Europcar, weil ich in diesem Gewirr von Einbahnstraßen nicht den richtigen Bus finde. Ich kreuze von links nach rechts durch die Häuserblocks, um eine Straße zu finden, die in die richtige Fahrtrichtung führt, um dort wieder eine Bushaltestelle zu lokalisieren – und gebe auf. Also laufen. Nach einer Dreiviertelstunde – mittlerweile sind wieder um 30 Grad und es ist erst halb zehn - bin ich bei Europcar, nur um den blöden Schlüssel abzugeben. Danach also wieder in den Bus Richtung Downtown und zurück zum Hotel.

Jetzt erstmal ein gutes Frühstück. Bei meinem gestrigen Bummel habe ich um die Ecke eine schwedische Bäckerei gesehen, die zu einem schwedischen Hotel gehört. Das ist heute mein Ziel. Und das Sandwich und der Kaffee sind gut. Mein Studium der Reiseführer ergibt, daß ich am späten Vormittag eine Bootstour nach Fremantle machen kann (und zurück), die mir immer noch Zeit lässt, für einen Stadtbummel, einen kurzen Snack und die Sachen aus der Aufbewahrung im Hotel zu holen, um dann den Shuttle zum Flughafen zu nehmen. Mein Flug ist erst kurz vor Mitternacht und ich will mit dem Flughafenshuttle gegen 20.30h fahren, damit ich gut 2 Stunden vor Abflug am Flughafen bin.

Nun will ich aber zunächst mal Perth ansehen. Die Stadt ist die entlegenste Großstadt der Welt, denn es ist eben rundherum nicht wirklich noch eine andere Metropole. Adelaide ist die nächste Großstadt und 2.100 km entfernt. Allerdings dehnt sich Perth mit seinen angrenzenden Gemeinden mittlerweile über 5.400qm und zählt mit diesen Orten knapp 2 Mio Einwohner. Im Stadtgebiet Perth leben jedoch nur etwa 12.000 Menschen.

Ich breche etwas hektisch bei meinem Frühstück auf, weil ich gesehen habe, dass um 11.00h eine Bootsfahrt nach Fremantle geht. Es ist nicht unbedingt Fremantle, was ich sehen will. Aber eine Bootsfahrt in der Sonne auf dem Swan River ein Blick auf die Skyline von Perth vom Wasser aus und die berühmten schwarzen Schwäne will ich schon noch sehen. Zudem liegen – wie überall auf der Welt – entlang des Ufers wohl bemerkenswert schöne Häuser. Man kann die Fahrt ohne Ausstieg in Fremantle unternehmen und ist damit rund 3 Stunden auf dem Wasser. Das passt! Denn heute will ich keine großartigen Wanderungen in der Stadt mehr unternehmen.

Die Fahrt ist wirklich schön, man sitzt im Schatten unter einem Dach, ansonsten hätte ich vermutlich heute noch einen Sonnenstich bekommen. Die schwarzen Schwäne zeigen sich in der Ferne und auch Pelikane sind auszumachen. Die meisten Leute steigen in Fremantle aus, ich bleibe an Bord und genieße nochmals die Brise, die Aussicht und die Ruhe dieses Tages.

Die Fahrt endet an dem ziemlich hässlichen Bell Tower am Barrack Square, wo alle Ausflugsboote anlegen. Gegenüber sind riesige Gärten, insbesondere die des Government House. Aber leider schließen sie gerade, als ich dort auflaufe. Also trudel ich entlang des Wassers etwas nach Osten und nehme mir vor, heute doch noch etwas für die Bildung zu tun. Mein Ziel ist die Perth Mint.

Seit 1899 gibt es dieses tolle Gebäude mit seinem wertvollen Schatz. Ursprünglich sollten hier aus den Goldvorkommen Westaustraliens Dinge wie Münzen, Schmuck etc. hergestellt werden – damals im Auftrag der Royal Mint of London. Auch heute werden hier noch etliche Dinge aus Gold aber auch Silber, Platin und Palladium hergestellt, wie Gedenkmünzen, Schmuck und dekorative Gegenstände wie Vasen etc. aber auch Goldbarren.

Hier entstand vor 3 Jahren die bisher größte und schwerste Goldmünze der Welt. Die Münze ist im Durchmesser von fast 80 cm, rund 12 cm dick und wiegt rund 1012 kg. Etwas zu schwer für mein Portemonnaie und es würde die Freigepäckgrenze heute abend sprengen. Die Münze ist in Australien gesetzliches Zahlungsmittel mit einem Nennwert von 1 Million Australische Dollar. Der Goldwert betrug zum Prägezeitpunkt allerdings 53,5 Millionen AUS Dollar. Irgendwie doch ein etwas unsinniges Ding…

Der Weg dorthin ist gemessen an der erbarmungslosen Hitze des Tages endlos. Aber irgendwann stehe ich vor diesem schönen Gebäude. Ich bin mittlerweile aber irgendwie etwas lustlos an diese Wanderung noch eine Führung anzuschließen, da man natürlich selbst dort nicht frei rumlaufen kann. Also gucke ich mir im Foyer einige Ausstellungsstücke an, gehe in den Shop und kaufe mir – nein, - kein Gold, sondern ein paar Mitbringel. Etwas abgekühlt in der Klimaanlage nehme ich den erstbesten Bus, der in die Richtung Innenstadt fährt und steige irgendwo aus, als der Bus eine komische Kurve fährt und ich nicht sicher bin, ob ich damit nicht falsch lande.

Also ab in die Hay Street zum London Court und der Trafalgar Arcade. Das ist ja auch noch etwas, was ich sehen wollte. Es ist schon nach 17.00h als ich dort ankomme. Es gibt zwei UGG-Läden, die die weltberühmten Fell-Stiefel herstellen, die die Surfer Australiens zum Aufwärmen ihrer pazifik-kalten Füße bekannt gemacht haben. Hier in Australien stellt UGG aber alles mögliche her. Insbesondere schöne Taschen in sämtlichen Farben und Größen. Und da dies jetzt hier die allerletzte Gelegenheit ist, nochmal Geld auszugeben, kauf ich mir doch tatsächlich noch eine rote Handtasche. Ein echter Hingucker. Und hoffentlich kriege ich die noch in meine pralle Reisetasche. Ich lasse mich in einem kleinen Café in der Passage nieder und freue mich über die rote Handtasche. Da nun schon wieder alles schließt, werde ich hier auch wieder rausgefegt und laufe langsam zu meinem Hotel, setze mich noch in den letzten Sonnenstrahlen in einen kleinen Park und chatte ein wenig mit den frierenden Leuten in Deutschland. Die Zeitverschiebung ist jetzt ja nur noch 7 Stunden und so sind alle fleißig und wenigstens wach. Irgendwo kauf ich mir schnell noch einen Burger und hole dann das Gepäck im Hotel aus der Aufbewahrung.

Jetzt wird’s knifflig. Ich muß die Klamotten, die ich anhatte noch in die Tasche bringen und nun mit einer langen Hose und statt Sandalen mit Wanderschuhen aufbrechen. Neben einem Sofa lade ich mein Handy nochmal auf, in Hongkong brauch ich wieder China-Stecker und den finde ich einfach nicht mehr in den Tiefen meiner Tasche. Mein Rucksack wird nun wieder mit sämtlichen Ladegeräten, Tablet, Buch, Papieren etc. beladen und der Inhalt meines Einkaufsbeutels muß natürlich auch in die große Tasche. Als Premium Economy-Flieger habe ich 25kg Freigepäck und ein wenig Toleranz werden die schon noch erlauben.

Der Flughafen-Shuttle hält schräg gegenüber vom Hotel. Es ist dunkel, als ich mich auf die Straßenecke stelle, wo weder ein Haltestellenschild noch sonst etwas steht, was darauf hinweist. Notfalls brauch ich eben ein Taxi. So steh ich da, gehe nochmal in ein anderes Hotel und frage, ob das hier echt richtig ist, an einer x-beliebigen Ecke zu stehen, aber es sei so. Und dann kommt der Kleinbus auch irgendwann an. Allerdings fährt der nun leider nur zum Domestic Airport und man muß dort umsteigen in einen anderen Bus, der zum International Airport fährt. Ich habe allerdings Glück, dass der Pick-Up wo ich stehe der vorletzte ist und ich so in einer knappen halben Stunde beim Umstieg bin. Der zweite Bus fährt auch bald ab, hält aber an verschiedenen Terminals, wo Gruppen mit Tonnen von Gepäck ein- und aussteigen und der Transfer dadurch ziemlich lange dauert. 

Am Ende des Tages sitze ich in einer ausgebuchten Cathay Pacific Maschine und gucke die ganze Nacht Filme. Ich möchte auch mal schlafen können in Flugzeugen! Der Flug ist ja nicht so sehr lang, nur rund 7 Stunden.


Perth
Western Australia, Australia
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Sonne & Relaxen

Heute will ich zwar abends mein Auto in Perth abgeben, da morgen ab 10.00h schon ein weiterer Miettag anbricht und ich heute nicht vor 10.00h in Perth sein wollte und konnte. Also habe ich viel Zeit, da ich in das Hotel in Perth erst nachmittags einchecken kann. So setze ich mich am „Aqwa“ in ein Café, lese Zeitung und genieße einen großen Kaffee, bevor ich mich noch in die Sonne setze und geraume Zeit ein Hörbuch höre, die letzten Postkarten schreibe und einfach Leute beobachte…

Erst am frühen Nachmittag setze ich mich ins Auto und fahre tatsächlich nach Perth. Da ich in Perth selbst, definitiv nichts mit einem Auto anfangen kann, werde ich es abgeben. Die Mietfrist ist aber ohnehin schon überschritten, sodass ich damit bis Dienstag Zeit habe. Vor dem Criterion Hotel in der Hay Street gibt es aber keine Parkmöglichkeit, so dass ich nur kurz die Sachen aufs Zimmer bringe und dann zum Tanken und zur Mietstation fahre, die mal wieder zu hat. Also stelle ich dort mein Auto ab, nehme den Bus nach Downtown. Der öffentliche Nahverkehr in Perth ist kostenlos. Ich lustwandele in der Fußgängerzone, was ebenfalls die Hay Street ist, in diesem Fall aber die Verlängerung von dem Teil, wo mein Hotel ist. befindet sich auch das alte London Court mit der dahinter liegenden Trinity Arcade. Kleine Shops, noble Cafés warten in dieser Passage. Aufgrund der Fachwerk-Front ein bekannter Teil der Shopping-Meile. Allerdings machen hier die Läden unglaublich früh zu, so dass ich nach 18.00h nur noch einen Klamottenladen auf der Hay Street finde, der offen hat. Alles andere ist zu und die Fußgängerzone wird schnell ziemlich trostlos. Also will ich morgen nochmal dorthin, um die Trinity Arcade zu sehen. 

Die Entscheidung einen Asiaten für das Abendessen auszusuchen, war nicht gut, zumindest nicht bei diesem Asiaten. Da hilft nur noch ein kaltes Bier im Anschluß im Hotel mit Blick auf die Hay Street Straße am geöffneten Fenster. Ich lese dort noch eine Weile und verziehe mich dann in mein Zimmer. 

Nun gilt’s wirklich: Jetzt wird final gepackt, denn morgen muß ich aus dem Hotel auschecken, habe aber noch den kompletten Tag für Perth. Also muß jetzt alles gepackt werden, so dass ich morgen alles klar habe. Was nervt ist, dass ich wg. des geschlossenen Europcar-Büros morgen vor 10.00h dort schon sein muß. Denn ab 10.00h würde der nächste Miet-Tag beginnen, das will ich ja nun gar nicht. Da die keinen Key Drop-off hatten, habe ich eben nur das Auto dort geparkt, den Schlüssel wieder mitgenommen und muß das nun eben morgen Früh noch regeln, wenngleich ich eigentlich gerne maximal lange schlafen würde, denn morgen um Mitternacht beginnt meine Rückreise via Hongkong.

Perth
Western Australia, Australia
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Sonntagsruhe in Perth, Fremantle und in North Beach

Sonntag! Nach einem Joghurt in meinem Zimmer, laufe ich die kleine Straße runter und stehe auf dem Steilufer oberhalb des endlosen Strandes. Links liegt irgendwann Scarborough, das man unschwer an dem hässlichen Hotel-Hochhaus erkennt. Am Horizont zeigt sich Rottnest Island und nach rechts der lange Strand der über Sorrento Beach bis nach Hillarys reicht. Ich sehe keine Menschenansammlungen mehr dort, wo gestern noch der elephant seal lag und vermute, dass er sich verzogen hat. Wie gut, dass ich ihn noch gesehen habe. 

Ich beobachte etwas das Strandleben von hier oben, sehe den Hundestrand und frage mich, wieviel Hunde wohl von Haien gefressen werden, nachdem mir die Hotelfrau erzählt hat, dass es seit Oktober bereits 4 Tote (Menschen) gab, die schwimmen waren. Dazu hat man einen Taucher vor Rottnest Island verloren und einem sind die Flossen abgefressen worden, bevor ihn ein anderer auf ein Surfbrett gezogen hat. 

Sie meinte noch, dass sie in ihrer Jugend (vielleicht ist sie jetzt Anfang 40) hier extrem selten mal von einem ¨big white¨ gehört hatte und jetzt sind das tägliche Nachrichten. 

Die Küstenwache patrouilliert in Booten konstant vor den Stränden und zusätzlich gibt es Hubschrauber, die von oben nach den Schatten von Haien suchen. Meist treten die mittlerweile in Rudeln auf und so hat man ein Alarmsystem, das wie eine extrem laute Sirene klingt und alle verlassen dann immer fluchtartig das Wasser. Infolgedessen sind die Schwimmer beim Baden hier auch in der Minderheit. Meist schwimmen die bestenfalls 10-15 m vom Ufer entfernt parallel zum Ufer oder man steht nur im Wasser.

Ich überlege kurz, ob ich mich einem Strandspaziergang hingebe, aber es ist jetzt schon so heiß, dass ich mir das anders überlege. Leider gibt es auch keine Schattenplätze am Strand und ich habe auch kein Handtuch dabei. Ich laufe noch ein bisschen hin und her und hole dann mein Auto und fahre kurz nach Hillarys, um dort vielleicht mal durch die Shops zu bummeln und mir einen guten Kaffee zu holen. Das hinter den Shops liegende Schwimmbad ist - entgegen zu den Stränden - knallvoll und es ist super laut. Viele Kinder, viel Trubel. Ich setze mich gegen Mittag ins Auto und habe mir überlegt jetzt nach Perth zu fahren, um bei Europcar die Mietverlängerung bis Dienstag zu regeln. Als ich dort ankomme, ist das Büro seit 12.00h geschlossen. Ich fahre etwas durch Perth und wenn ich das Fenster vom Auto öffne, um mal Fotos zu machen, steht die Hitze über dem Asphalt, dass ich keine Lust habe, auszusteigen und in der sonntäglich menschenleeren Stadt rumzulaufen. Dafür habe ich noch Dienstag.

Ich gucke kurz, wie mein Hotel liegt, dass ich Montag auf Dienstag gebucht habe und finde die Gegend gut. Viele Restaurants, Leben und schöne Häuser. Überhaupt gefällt mir Perth gut. Es ist eine schöne Mischung aus alten Fassaden und neuen Hochhäusern. Die Stadt ist auch nach dem Versiegen des Goldbooms durch den Abbau von Rohstoffen in den letzten Jahren immer reicher und begehrter geworden. Man hat anfänglich rücksichtslos die alten Häuser plattgemacht und seelenlose neue hingebaut, bis klar wurde, dass die Optik von Perth dadurch eher hässlich wird. Ich fahre auf eine Anhöhe, den Kings Park, von wo aus man einen tollen Blick auf die Stadt hat. Hier relaxen die Familien auf den Rasenflächen unter den Bäumen und es ist wirklich nur im Schatten auszuhalten. Da die Plätze aber weitestgehend vergeben sind, laufe ich nicht so sehr lange dort herum, weil mir die Hitze heute echt zu Schaffen macht. Also wieder ins Auto und ich denke, dass ich vielleicht einfach nochmal Fremantle ansehen sollte. 

Ausserdem fällt das Europcar-Büro in Fremantle ein und ich fahre die 20 km dorthin. Aber es ist auch geschlossen. Also fahre ich ein wenig durch Fremantle, was eine wunderschön renovierte Altstadt hat, mit tollen, alten Häusern, alle schön unter Farbe. Es sind aber wieder um die 37 Grad und das Straßenleben hält sich in Grenzen und ist meist nur in Kneipen, die draußen Schatten bieten, auszumachen. Ich mache ein paar Fotos und bin nicht sicher, ob ich am Dienstag noch hier rausfahren werde. Eigentlich hatte ich ja überlegt am Montag nach der Autogabgabe Fremantle anzusehen und am Dienstag Perth.

Mittlerweile ist mir angesichts der Hitze hier der Wunsch vergangen, zwei aufeinanderfolgende Tage Städte zu besichtigen. Aber Perth plus Fremantle an einem Tag ist auch etwas heftig, wenn ich Dienstag um Mitternacht noch den Flug nach Hongkong habe.

Ich fahre zurück nach North Beach, laufe ein bisschen am Strand lang,  jetzt ist es 17.00 und die Sonne erträglich. Bis zum Sonnenuntergang um19.00h bleibe ich dort und genieße es, dass es langsam temperaturmässig angenehmer wird.

Ich fahre kurz vor 20.00h noch zum Supermarkt und hole mir ein Joghurt und eine Banane für morgen früh. Nebenan hat der Bottleshop noch geöffnet und ich hole mir ein kaltes Bier. Direkt nebenan ist ein anderer fish & chips Laden und ich hole mir dort eine Portion snapper & chips für 25 Dollar. Angesichts dessen, dass man das in einem Stück Papier eingewickelt kriegt und nur Plastikbesteck kriegt  oder mit den Fingern isst, ist das nicht gerade günstig. Aber ich sitze draußen, Theoretischer Blick aufs Meer, nur leider jetzt dunkel.

Im Hotel sortiere ich nur kurz meine Sachen, noch alle Geräte aufladen und ab ins Bett. Morgen geht’s nach Perth und damit zur letzten Station dieser phantastischen Reise.


North Beach
Western Australia, Australia
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Pinnacles, Lake Thetis und ein See-Elefant

Der Wecker klingelt um 4.50h, ich stehe mit Mühe um 5.20h auf, es ist draußen langsam am Dämmern, früheres Aufstehen hätte nichts gebracht, wenn ich den elephant seal sehen will.

Ich mache mir einen Kaffee und esse kurz ein Joghurt und sitze vor 6 Uhr im Auto. Ein junges Pärchen versucht eine Mitfahrgelegenheit zu finden und ich nehme die beiden mit. Tom ist Neuseeländer und Kaylee ist aus Denver. Sie sind seit 3 Uhr morgens zu Fuß hierher unterwegs, um den elephant seal zu sehen. Die verbleibenden 2 km sind nicht viel, die ich bieten kann, aber sie sind trotzdem froh. 

Allerdings sind wir alle drei enttäuscht, als der elephant seal nicht mehr da ist. Wir sind nicht die Einzigen, die hier stehen und auf die leere Stelle am Strand sehen. Es ist einerseits erstaunlich, wie viele Leute hier um diese Uhrzeit sind,  viele auch am Joggen, vor uns zieht eine Gruppe Paddler vorbei (immer schön parallel zum Ufer, denn die „big white“ sind hier überall. Gemeint sind weiße Haie) und es sind Familien mit Kindern am Strand. Eigentlich aber kein Wunder bei dem Wetter hier und der Sonne, die einem tagsüber das Hirn aufweicht, insbesondere am Strand, wo es absolut keinen Schatten gibt.

Wir sitzen einträchtig nebeneinander auf dem Strand und bohren unsere Zehen in die Kühle und unterhalten uns über das, was wir so machen. Die Temperaturen sind jetzt sehr angenehm und nicht wärmer als vielleicht 24 Grad. Hinter uns steigt aber fast unbarmherzig die Sonne auf und gibt dem ganzen ein schönes Licht, lässt die Temperaturen aber auch sprunghaft ansteigen. Eine Verabredung mit den beiden um Abend lehne ich ab, denn ich will unabhängig den Tag angehen. Und irgendwas um die 500-600 km Autofahrt, werde ich heute absolvieren.

Also sitze ich vor 7.00h schon wieder in meinem Auto und fahre nach Norden. Der Weg ist bis Lancelin identisch mit gestern und ich decke mich an der einzigen Tankstelle am Highway 60 oberhalb von Jondalup mit Kaffee und Sandwiches und einer randvollen Tankfüllung ein und fahre weiter.

Die Landschaft ist von weiten Ebenen mit nichts bis zu etwas niedrig bewachsenem Buschland unterschiedlich und zwischendrin gibt es auch immer wieder Eukalyptuswälder, leider ohne Koalas. Ich begegne kaum mal einem Auto, es gibt keinen Ort, bis ich nach Lancelin komme.

Hinter Lancelin wird die Einöde noch größer (wer hätte gedacht, dass das geht) und die Straße verläuft kilometerlang geradeaus. Die Warnhinweise auf wildlife beschränken sich nicht mehr nur auf Kängurus, sondern auch auf Emus und Echidnas. Einige totgefahrene Kängurus sind überall an und auf der Strasse. Sowas möchte ich nicht erleben. Die Tiere sind ja groß, dito die Emus.

Sobald ich aussteige, um ein Foto zu machen, fallen Fliegen über alles her, was man hat. Die erkunden Kamera, Klamotten, das Innere des Autos und besonders mich. Die sitzen in Ohren, Nase und Mundwinkeln, hinter und auf den Brillengläsern, so dass man sie auch nicht einfach wegwedeln kann, ohne sich selbst die Brille von der Nase zu hauen.

So werden die Fotostopps kürzer und spärlicher und beim Losfahren müssen alle Fenster auf sein, damit die Viecher vom Fahrtwind rausgesogen werden. Glücklicherweise sind es keine Moskitos. Trotzdem nervig.

Die Fahrt zieht sich etwas und es gibt 2 oder 3 rest areas, die auch nicht zum Pausieren einladen. Meist sind es einfach gerodete Ausbuchtungen an der Straße, nicht einmal mit einer Bank oder Tisch versehen, aber bei den Fliegen will man eh nicht draußen sitzen. Es gibt zudem auch nicht eine einzige Toilette auf 250km, bis man am Pinnacles Desert ist.

Als ich etwa 20km vor dem Pinnacles Desert über eine Kuppe komme, liegt in der Ferne vor mir der blaue, Indische Ozean, davor unglaublich weiße Dünen und davor ein Grüngürtel. Ein schönes Farbspiel. Selbst hier, sicher 5km von der Küste weg, sind linker Hand riesige Dünen, die fast bis an die Straße reichen. Das gehört hier alles schon zum Nambung National Park und das Pinnacles Desert ist ein kleiner Teil davon.

Ich biege von dem Highway nach rechts ab und für 12 Dollar ist auch hier der Eintritt wieder günstig. Hinter dem Kassenhäuschen beginnt ein 6km langer Sandweg, den man in einer Richtung mit dem Auto befahren kann. Das ist selbst für mein kleines Auto machbar und deutlich reifenschonender, als eine gravel road. Der Weg ist mit kleinen Steinen markiert, damit man nicht gleich zwischen die Felsnadeln fährt. Sie sind gänzlich aus Kalkstein, bis zu 4m hoch und man sollte sie nicht anfassen, weil diese Überbleibsel aus Ur-Zeiten darunter logischerweise leiden. Aber es ist ein lustiger Anblick, dort durch zu fahren. Fotos sind erneut nur mit Fliegenattacken zu machen. Ich sehe genervte Leute, die sich zwischenzeitlich Hüte mit Fliegennetzen zugelegt haben, die es bezeichnenderweise im Visitor Center am Parkplatz gibt.

Wikipedia schreibt: „Die (…) charakteristischen Kalksteinsäulen entstanden durch Pflanzenwuchs vor etwa 500.000 bis 50.000 Jahren auf der aus Quarzsand bestehenden Wanderdüne. Deren Wurzeln drangen tief in die ältere, sich zeitgleich verfestigende Tamala-Kalksteinschicht vor. Dabei durchbrachen sie an brüchigen Stellen zunächst eine extrem harte Kalksteinkruste, die durch nach unten sickernde Säuren (gebildet aus Humus, abgestorbenen Pflanzen und Tieren) entstanden war. Unter dieser Kruste verfestigte sich der Kalkstein besonders kompakt zwischen den eingedrungenen Pflanzenwurzeln, da diese Bereiche viel Wasser aufsogen.

Die quarzsandhaltige Wanderdüne zog jährlich ca. 2,5 m weiter, die frei liegende Kalksteinschicht war der Erosion ausgesetzt, die innerhalb der letzten 20.000 Jahre abgestorbene Vegetation hinterließ Lücken, in die Quarzsand eindrang, der dann wiederum abgetragen wurde. Nur die extrem harten Bereiche der durch viel Wasser zementierten Kalksteinschicht waren von der Erosion nicht betroffen. Diese sehen wir heute als Pinnacles. Gelegentlich zeugen Kappen auf den Säulen noch von der Kruste. Wo die unterirdische Vegetation vollständig vom harten, erosionsunfähigen Kalkstein umschlossen wurde, entstanden versteinerte Pflanzenwurzeln.

Eine ca. 4 km lange Sandpiste erschließt das Gebiet; ein erhöht liegender Aussichtspunkt (Pinnacles Lookout) ermöglicht einen Überblick über die unterschiedlich gestalteten kleineren und größeren Formationen.“

Also alles nicht so ganz einfach zu erklären…

Es sind schöne Ausblicke und alle möglichen Formen auszumachen. Da es hier Giftspinnen, Schlangen und Skorpione gibt, bin ich  vorsichtig mit meinen Erkundungen in die Nähe der Steine...

Rund 1,5 Stunden verbringe ich hier mit vielen Fotostopps und tausenden Fliegen, die mich begleiten. Im Visitor Center sehe ich noch eine kleine Ausstellung an, die über Flora und Fauna der Wüste der Pinnacles informiert und bin froh, dass ich die Tiere nicht gesehen habe. 

Weiter geht es Richtung des kleinen Ortes Cervantes, wo ich ursprünglich mal geplant hatte zu übernachten. Kurz davor geht es rechts auf eine Schotterstraße ab zum Lake Thetis, dem zweiten Punkt, den ich heute sehen will. 

In diesem See leben Stromatolithen, praktisch die ältesten Lebewesen der Welt, die hier als Steine daherkommen, aber Mikroorganismen sind.

Stromatolithen  sind Sedimentgesteine, die durch Bindung von infolge des Wachstums und Stoffwechsels von Mikroorganismen in einem Gewässer entstanden sind. bestehen oft aus sehr feingeschichtetem Kalkstein. Die innere Struktur der Stromatolithen ist verschieden: flache, ebene Schichten, nach oben gewölbte Schichten, mehrere gewölbte Schichtpakete nebeneinander. Stromatolithen werden als die ältesten Fossilien bezeichnet und kommen schon im Präkambrium vor, sie existieren seit etwa 3,5 Milliarden Jahren und kommen an vergleichsweise wenigen Punkten der Erde vor. Der Lake Thetis hier in Westaustralien, ist einer davon.

Ich bin in der mittlerweile sengenden Mittagshitze die einzige, die hier rumläuft. Es ist auch kein Park mit Einfahrt oder so, sondern einfach ein kleiner See mit Parkplätzen. Keine Menschenseele hier. Also halte ich auch meinen Besuch kurz, begleitet werde ich von hunderten Fliegen und gehe rund 300m auf einer Art Boardwalk von wo aus man die Stromatolithen gut sehen kann. Ein hübscher Reiher stellt sich auch noch in Pose. Es ist brutal heiß und die Fliegen nerven tierisch so dass ich zu meinem Auto zurück gehe und nach Cervantes fahre. Oh je, was für ein verschlafenes Nest. Gut, dass ich hier nicht zum Übernachten hergefahren bin. Ein Ort, wie so einige hier: Kein Zentrum, kein Leben nur menschenleere Straße und irgendwo drei Baracken mit dem General Store, der Post und einem Zeitungskiosk. An einem roundabout gibt es noch einen Diner, in dem ich lieber nicht essen möchte. Er hat aber 3 Tanksäulen mit einem sündhaft teuren Sprit für 1,68/Liter. Normalerweise kostet das etwa 1,55-1,57$ (-30% = EUR). Ich tanke 10 Liter, da ich auf dem Rückweg für 220 km keine Tankstelle haben werde, der Tank ist zwar halb voll, aber das wird mit ein paar Schlenkern knapp.

Ein Eis auf die Faust und weiter geht es nach Süden. 

Ich fahre auf der Höhe der heute Vormittag gesichteten Dünen nach rechts ab, um näher daran zu kommen und einen besseren Blick auf die Felsenbucht zu erhaschen. Wedges Island sagt das Navi. Aber außer einem Emu, der kurz vor einem entgegenkommenden Auto die Straße überquert, gibt es hier nichts, was man ansehen könnte. Die Straße ist nach 4 km zu Ende und mündet in einen unbefestigten holperigen Sandweg, der in eine Art Siedlung führt, die sich für weitere 6-8 km Richtung Meer erstreckt. Nichts für mein Auto und ich drehe um und fahre zurück auf den Westcoast Highway. Ich nehme noch ein paar Aussichtspunkte mit, die einem die Weite  der Umgebung zeigen. Felder, die grün sind fallen hier wirklich ins Auge. Was für Bewässerungsmechanismen und Kosten hat man, um hier sowas zu erreichen?

Ich entschließe mich die erste und letzte Mahlzeit in der Nähe meines Hotels einzunehmen und erreiche gegen 17.00 Hillarys, wo es im Umfeld des „Aqwa“, des größten Aquariums Westaustraliens (hier gibt es auch keine größeren Städte), eine Ansammlung von Restaurants und Shops in einem kleinen Zentrum gibt, das an eine Badeanstalt mit Rutschen anschließt. Keine schlechte Idee, wenn man die Kinder ohne Hai-Gefahr mal baden lassen will. Entsprechend viel ist hier auch los.

Ich habe einen Schattenparkplatz gefunden und will eigentlich einen Kaffee haben und mich dann erstmal auf den Strand setzen, bis die Sonne in zwei Stunden untergeht. Aber ich sehe in der Ferne durch mein Tele, dass es an der elephant seal-Stelle wieder Menschenansammlungen gibt. Der elephant seal ist zurück!

Also wird Kaffee und Essen völlig unwichtig, ich mache nur noch ein paar Fotos der hübschen, weißen Papageien, die hier am Parkplatz mords-Radau machen und die Bäume bevölkern und fahre dichter an die Strandstelle heran. Natürlich sind die Parkplätze hier heiß begehrt und ich muss etwas zirkeln, um einen zu finden.

Da liegt er der dicke Mops: Locker 6 m lang und geschätzte 2000kg schwer. Er ist wohl heute die 6 km nach Scarborough geschwommen, vermutlich musste auch er mal was essen, nachdem er 3 Tage hier am Strand gelegen hatte. Trotz des Trubels um ihn, muss es ihm hier gut gefallen haben, denn er liegt wieder an derselben Stelle. Mit rotweißem Flatterband hat man ihm Raum geschaffen und es sind viele Leute hier. Die Sicherheitsleute versuchen vergeblich, die Menschen aus den abgesperrten Dünen zu rufen, mehrere TV-Stationen sind mit Übertragungswagen und Scheinwerfern und den Kommentatoren hier. Ich mache einige Bilder und frage mich, ob der lebt. denn die massige Gestalt lässt keine Atmung erkennen. Aber das eine Nasenloch geht immer auf und zu. Also atmet er!

Tolles Tier. Normalerweise sind die in diesen Gewässern nicht zu finden, weil es zu warm ist. Hoffentlich findet er zurück in seine Heimat.

Ich bleibe bis zum Sonnenuntergang am Strand und fahre kurz ins Hotel, um den Sand, der schon seit heute Morgen an meinen Beinen klebt, loszuwerden. Kurz vor 8 suche ich nach einem Restaurant.

Kailis, das angeblich beste fish&chips-Lokal weit und breit hat zwar bis 21h offen, aber die Küche schließt um 20h. Was ist das denn für ein Blödsinn dann dort anzuschreiben, dass die bis 21h offen haben? Das ist praktisch ja nur bis 19.15h möglich, ansonsten kann man ja nicht mal mehr in der Öffnungszeit der Küche was bestellen.

Ich fahre nach Scarborough und gehe ziemlich scharf bei einem Thai essen. Mir zu scharf, denn man schmeckt nichts. Oder es ist die Erkältung, die mich seit ein paar Tagen plagt. 


Cervantes
Western Australia, Australia
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Sunset Coast in West Australia, Kängurus, endlose Weite und riesige Dünen

Wie mit einem Uhrwerk bin ich um 7.40 h dran mit der Ausschiffung. Vor dem Schiff kriege ich dann noch mein Messer wieder, das man mir vor 18 Tagen abgenommen hat. Derart bewaffnet kann mir ja nichts mehr passieren.

Ich habe mir bei Europcar ein Auto für drei Tage gemietet und die Vermietstation ist angeblich nur 580 m entfernt. Allerdings machen die erst um 9.00h auf und jetzt ist es kurz nach 8. Leider gibt es keine Möglichkeit, das Gepäck im Hafengebäude zu lassen und erst das Auto zu holen. Ich bleibe erst einmal im Hafengebäude mit meinem Plunder sitzen, nutze das Internet dort, auch um zu gucken, ob es in der Gegend Hotels gibt, die man bezahlen kann (nein!) und gehe gegen 9 mit meinem Gepäck los. Es waren schon um 6.30h 20 Grad und nun sind es um die 30 Grad. Die Sonne beißt richtig auf der Haut und ich muss mit meiner sicher 25kg schweren Tasche erst einmal eine Rampe auf eine Brücke hoch, die über die Bahngleise neben dem Anleger führt, um auf der anderen Seite auf die Straße zu kommen. Eine Querstraße weiter ist die Queen Victoria Street, in der Europcar das Büro hat. Allerdings kommt mir die Entfernung deutlich länger als 580 m vor, die es im Internet waren...Die Straße hat nur Autohändler und leider nichts, wo man kurz mal ne Flasche Wasser kaufen könnte. Da man beim Anlandgehen in Australien niemals irgendwas vom Schiff mitnehmen durfte, habe ich mein restliches Wasser an Bord ausgetrunken und fühle mich nun nach 20 Minuten Gepäck-Zerren wie ein Verdurstender in der Wüste.

Nach gut einer halben Stunde erreiche ich kurz vorm Umfallen dann Europcar. Neben meiner großen Tasche, die zwar auf Rollen, aber mit rund 25kg nicht ganz leicht ist, habe ich ja noch meinen Rucksack mit allen Kameras, Objektiven, Laptop, Ladegeräten und Unterlagen, der um die 12 kg hat. Dazu noch der lustige Einkaufsbeutel mit Waschbeutel, Sonnenmilch und Handtasche - also bin ich mit mehr als 40 kg Gepäck bewaffnet. Ich hatte die Distanz kürzer eingeschätzt, bzw. mich aufs Internet verlassen, hatte mich daher auch nicht in die endlose Schlange der Taxi-Wartenden eingereiht. 

Der freundliche Tony bei Europcar, kann jedoch meine Reservierung nicht finden. Nach etwas Hin und Her und Telefonat mit seiner Zentrale, steht fest, dass die für Sunny Cars tätige Agentur Mauri & Britz die Reservierung für das Stadtbüro in Perth getätigt hat. Ich hab auf meiner Reservierung aber diese Adresse in Fremantle stehen und das natürlich auch so bestellt, da ich ja wusste, dass ich hier mit dem Schiff lande.

Glücklicherweise Tony genau ein Auto da, das passt. Ich fahre nun wieder Hyundai in rot, ein geringfügig größeres Modell, als das, was ich in Neuseeland hatte. Es ist ein ziemlich neues Auto und kein Vergleich zu der Möhre, die ich von Jucy Car Rental auf der Nordinsel in Neuseeland hatte. Linksfahren geht auch immer noch und ich fahre nun nach Norden.

Ich habe in den letzten Tagen immer wieder überlegt, was ich in den Tagen bis zum Rückflug hier wo machen soll. Letztlich habe ich der Version ¨1 Hotel für 3 Nächte¨ Vorrang eingeräumt, als wieder jeden Tag woanders zu schlafen, weil ich auch bei meiner Reiseführer-Recherche nicht so ganz schlau daraus wurde, was hier im Großraum Perth noch lohnt, wo man aber nur mit einer Übernachtung hinfahren sollte. Zudem ist es irgendwie schwierig, Unterkünfte zu ermitteln. Und erinnere ich mich daran, dass die Suche nach einem Hotel in Perth schon in Deutschland schwierig war, weil es nun Wochenende ist. 

Entsprechend aufmerksam fahre ich nun also los, weil zumindest online nicht viele Hotels auszumachen waren. Das bewahrheitet sich dann auch. Der sog. Tourist Drive direkt am unglaublich schönen Indischen Ozean mit atemberaubenden Stränden entlang, hat ausschließlich Privathäuser zu bieten. Erst in Scarborough sehe ich zwei, drei Motels mit ¨no vacancy¨ und das Grand Hotel, ein hässliches Hochhaus. Hier will ich nicht unbedingt bleiben und wenn ich nichts anderes finde, werde ich hier vielleicht doch noch zurückkommen können und irgendwas auftreiben.

Ich fahre weiter und biege hier und da mal vom West Coast Drive ab, aber nirgendwo gibt es ein Motel, B & B oder Hotel. In so einer Gegend? Ich bin echt überrascht und mir ist klar, dass ich jetzt in dieser Umgebung zu Perth etwas finden muß, dass die Regionen weiter nördlich noch dünner besiedelt sein werden und dort noch weniger sein wird.

In Sorrento Beach finde ich ein Quality Hotel, das noch 1 Zimmer für 299 Dollar hat und das auch nur für 1 Nacht. Die Nacht Sa-So ist voll. Die Leute an der Rezeption telefonieren noch rum, aber das sieht bei anderen Häusern auch nicht anders aus. Einzig ein Apartment mit 3Schlafzimmern für 399 Dollar/Nacht lässt sich noch ermitteln, das für die nächsten 3 Nächte verfügbar ist. Dieses Wochenende sei hier viel los und selbst, wenn ich nach Perth oder Fremantle ginge, würde es wohl nicht anders sein. Na prima. Mein Puls steigt. Der Typ erwähnt noch etwas geringschätzig ein Motel etwa 3 km nach Süden und so steige ich wieder in mein Auto auf der Suche danach. Ich finde es und die haben noch 1 Zimmer frei, das durchgehend verfügbar ist. Hurra. Und es kostet nur 125 Dollar die Nacht. Letztlich bin ich jetzt gerade mal 25 km von Fremantle weg und 1,5 Stunden nur auf der Suche nach einem Zimmer gewesen. Ich bin froh, dass ich so früh dran war. Im Laufe des Nachmittags wäre dieses Zimmer auch weg gewesen. Das Zimmer ist schön groß mit Kühlschrank, Mikrowelle und einem breiten Bett. WLan kostet zwar 15 Dollar, aber für den gesamten Aufenthalt.

Ich nehme nur eine Handvoll Klamotten aus der Tasche und bringe sie ins Zimmer, das in der ersten Etage liegt. Von hier hat man sogar einen seitlichen Blick aufs Meer! Ich fahre gleich wieder los, in den nahegelegenen Supermarkt im North Beach Shopping Center und weiß nun, dass ich in North Beach gelandet bin. Schnell etwas Wasser, Obst, Jogurt zum Frühstück für morgen gekauft und zurück ins Zimmer gebracht. Dann fahre ich los nach Norden.

Mein Ziel ist der Yanchep National Park. Da es mittlerweile 37 Grad sind, ist sowieso nicht daran zu denken, irgendwo an den Strand zu gehen. Hier wachsen keine Palmen, sondern der ist völlig ohne Schatten. 

Der Yanchep National Park ist der älteste in Australien, aber irgendwie eher ein Park, als so etwas, was ich mit einem Nationalpark verbinde. Also läuft man hier nur zu Fuß  rum, im Park gibt es ein altes Hotel mit einer Kneipe unten drin, in der ich mir erstmal eine kalte Cola hole, da ich bis dahin schon kurz vorm Kollaps stehe. Schön ist, dass hier wieder Koalas und freilaufende Kängurus zu sehen sind. Letztere sind scheuer, als die in den zwei anderen Parks, die ich besucht habe. Eines entdecke ich noch am Ufer des etwas verschlammten McNess-Sees, der hier im Park ist.

Außerdem gibt es hier Pukekos, die mit ihren langen Füßen Futter aus dem Boden pulen und mit den Schnäbeln aus ihren Krallen holen.

Nach gut einer Stunde bin ich geschafft und muss dringend irgendwo eine Klimaanlage haben. Also ab ins Auto. Mit 12 Dollar Eintritt war das hier schon günstig.

Ich fahre den West Coast Highway nach Norden, der nun nicht mehr an der Küste sondern mehr im Inland verläuft. Es gibt hier zig Kilometer einfach nichts. Land kann man hier erwerben, aber hier würde ich nicht hinziehen. 

Einzelne Orte wie Two Rocks oder ähnliches sind völlige Neubaugebiete von Einzelhäusern, die so eng nebeneinander stehen, dass man sich definitiv auf den Esstisch gucken kann. Und dass, wo hier Fläche das kleinste Problem ist. Ich vermute, dass es eher um den Anschluss an Wasser, Strom etc. geht, was - je weiter weg man von der Hauptleitung ist - vermutlich sehr teuer wird, oder man muß sich was einfallen lassen.

Ich fahre also durch die Einöde, flache Felder, dann wieder Wälder von Eukalyptus-Bäumen und nach rund einer Stunde geht es nach Lancelin ab. Davon hatte die Frau in meinem Motel gesprochen, es soll schön sein. Ich denke mir noch, dass es das besser wirklich sein sollte, nachdem ich nun etwa 2 Stunden nördlich von North Beach bin. Aber der Ort ist völlig menschenleer. Und als Ort auch nicht wirklich erkennbar. Einzelhäuser, leere Straßen, eine Schule und ein schöner langer Strand. Sogar ein Hotel mit Restaurant - aber völlig leer. Ich hatte schon von der Straße aus im Hinterland große Dünen gesehen und als ich am Wasser auf einer Anhöhe stehe, sind die noch besser erkennbar. Ich setze mich ins Auto und fahre also Richtung Inland und komme zu einem Gebiet, das Lancelin Off-Road Area heißt. Eine wahnsinns-Dünenlandschaft tut sich vor mir auf, die nur mit 4wdr zu befahren ist. Ich fahre ein paar Meter auf einen unbefestigten Parkplatz und mache Bilder. Da die Sonne jetzt schon tiefer steht und von Westen kommt, werden die Sandberge schön angestrahlt. Rechts macht ein Fotograf Bilder von einer Frau in einem roten Kleid. Ein toller Kontrast zu den weißen Dünen.

Da hier die Sonne kurz nach 19.00h untergeht und ich noch 2 Stunden Fahrt vor mir habe, mache ich mich um kurz nach 17.00h auf den Weg nach Süden. Ich möchte ungern ein Känguru, Emu oder sonst was in der Dämmerung übersehen.

Der Sonnenuntergang ist dann doch schneller als ich in North Beach bin. Dafür aber wunderschön.. Ein Vorteil der Westküste, die hier auch Sunset Coast heißt. Ohne mein Navi im Handy hätte ich mein Hotel nicht gefunden, denn es ist unmittelbar nach Sonnenuntergang stockfinster und die Straßen kaum beleuchtet, Straßenschilder fehlen meist komplett.

Ich finde kein Restaurant, das Lust macht und hole mir infolge dessen bei Subway ein Sandwich und in einem bottle Shop eine Dose Bier. In West Australien dürfen Supermärkte und Tankstellen keinen Alkohol verkaufen. Da hier viele Läden um 19.00h, spätestens aber um 20.00h zumachen, hechte ich als letzte Kundin in den bottle Shop und fahre dann mit meiner Beute ins Hotel.

In den Nachrichten wird von einem elephant seal in Sorrento Beach am Strand berichtet. Das ist 1km von meinem Hotel weg. Solche Tiere von gut 6m Länge und geschätzten 2000 kg kommen eigentlich nur in der Antarktis vor, bestenfalls noch in der Region um Tasmanien. Dieser hat sich wohl verirrt und genießt das Strandleben in meiner Nachbarschaft. Mittlerweile ist er hier seit Mittwoch und man hat ihn nun abgesperrt, nachdem die Menschenmeute immer größer wurde, die ihn besucht hat. Ich nehme mir vor, den morgen in aller Herrgottsfrühe anzusehen, wenn er noch da ist. Ich will um 4.30h aufstehen, um maximal früh im Nambung National Park zu sein, wo sich das Pinnacles Desert befindet.


Lancelin
Western Australia, Australia
Vee Bee Small

Letzter Seetag

Heute ist es mehr als problematisch die richtigen Klamotten, die richtige Position und alles ohne Sonnenbrand bzw. Frostbeulen zu finden. Die Morgentemperaturen sind mit 19 Grad schon etwas lauschiger, aber mit 34 Knoten Windgeschwindigkeit (das sind 8 Windstärken auf der Beaufortskala) aus Süd-West, also vom Südpol, ist es wieder sau-kalt. Ich sitze kurz auf dem Achterdeck und frühstücke -aber eigentliche ist es dort viel zu kalt. 

Mit Fleecejacke und Sonnenmilch, Badeanzug, langer Hose und Buch ziehe ich danach von Liegestuhl zu Liegestuhl. Irgendwann sitze ich dann auf Deck 12 am Pool, aber da küselt so viel Dreck von den Leuten rum, angefangen von Haaren über Zuckertütchen, was halt so von dem Wind mitgerissen wird. Auf den freien Decksflächen wird das über Bord gepustet, mir gefällt das nicht und ich finde endlich auf dem Solstice Deck eine der gemütlichen roten Polsterbetten, wo ich den Rest des Nachmittags verbringe.

Das anschließende Packen geht ziemlich schnell. Aufgrund der zwei Jacken, die ich auf der Reise anziehen werde, die aber jetzt in die Tasche müssen, ist sie ziemlich voll. Ich habe neben meinem Rucksack nun noch einen Einkaufsbeutel. Sehr hübsch!

Zum Essen gehe ich in einer meiner Trekkinghosen mit Turnschuhen, das ist mir heute völlig wurscht und es stört auch keinen.

Für die Ausschiffung von rund 1.700 Gästen (erstaunliche 800 sind Kombi-Fahrer, die noch die nächsten 17 Tage bleiben) hat man sehr genaue Zeit-Slots zum Ausstieg definiert und in Gruppen eingeteilt, die überall auf dem Schiff in Warteposition sein sollen. Mein Slot ist 7.30-7.40h. Also wird der Wecker auf 6.30h gestellt. 

Der Wind ist heute Nacht so brutal, dass die Trennwände zwischen den Balkons so in ihren Halterungen beben, dass ich die Balkontür in der letzten Nacht leider schließen muss, weil es zu laut ist.

Albany
Western Australia, Australia
Vee Bee Small

Esperance - weißeste Strände, Weltraumschrott und Antarktis-Wind

Während des gestrigen Abendessens habe ich doch noch schnell einen Ausflug für Esperance gebucht. Er geht zum Le Grand National Park und zur Lucky Bay und dann noch sinnfreier Weise zu einem Nachbau von Stonehenge. Wer braucht so einen Käse? Aber den Ausflug gibt’s nur mit diesem Kunst-Stonehenge.

Leider ist das Mikro im Schulbus kaputt, so dass die Ansagen spärlich sind. Ja, es sind natürlich Schulbusse. Ich hatte mich schon gefragt, wie man hier so viele Busse für 2.500 Leute auftreibt und die Stadt hat genau 19 Schulbusse und 19 Busfahrer und die sind jetzt alle im Einsatz. Offenbar passen wir zwischen die Schulzeiten. Hier werden die Kinder mit 4,5 Jahren schon morgens um 7.00 abgeholt, in die Vorschule gebracht und sind auch erst um 17.00h wieder zuhause. Vorteil ist natürlich dass die Eltern arbeiten gehen können. Heute passt in diese Zeit zwischen Schulbeginn und –ende der Transport der auswärtigen Touristen.

Esperance gehört zur Provinz Western Australia, hat 14.000 Einwohner und wächst schnell, die nächsten Städte sind Albany im Westen mit 30.000 Einwohnern und Kargoolie im Norden mit 40.000 Einwohnern. Ansonsten ist das Land rundherum unbewohnt oder es gibt nur hier und da eine Farm oder ein Dorf. Unvorstellbar, 4 Stunden in die nächste Stadt zu fahren und dazwischen ist nichts. Zumindest bin ich hier abseits üblicher Touristenpfade. Diesen Ort besucht wohl kaum ein normaler Australien-Tourist.

Pro Jahr kommen nur 3 Schiffe nach Esperance – dann herrscht hier natürlich eine Art Ausnahmezustand und die Läden machen vergleichsweise mords-Umsätze. 

Zum Nationalpark hören wir keine Erklärungen. Aber wir halten an einem unglaublich tollen Strand von Lucky Bay. Die Bucht ist klein, aber mit einem so weißen und feinen Sand versehen, dass er quietscht, wenn man darüber geht. Nicht etwa knirscht. Außerdem ist der so fein, dass er wie zu dünnflüssigem Matsch wird, wenn er mit dem smaragdgrünen Wasser in Kontakt kommt.

Wir sehen auf der Fahrt Emus in den Feldern und auch hier und da mal ein Känguru – und viel roten Sand. Das ist schon eine andere Welt. Der zweite Strand ist der prämierte, weißeste Strand Australiens. Aber auch hier sollte man wg. der Haie nicht baden. Ich halte mal meine Füße rein und finde das Wasser auch ziemlich kalt. 

An diesem Strand liegt und futtert ein kleines Känguru, völlig von den Touristen ungestört neben der Kaffeebude. Es ist ein Jungtier, sagt unser Fahrer, kein Wallaby.

Leider ist der Himmel weiterhin bewölkt und die Fotos sind natürlich nicht so schön von diesen Stränden, wie sie sein könnten. 

Über der Bucht klärt sich der Himmel aber. Wir müssen nun aber noch zu diesem blöden Stonehenge. Irgendein Spinner hat das hier erbauen lassen wollen, ist dann pleite gegangen und die heuteigen Eigentümer ein älteres Ehepaar hat das 2011 dann übernommen und fertig gemacht. Glücklicherweise brauchen wir hier nur 15 min zu bleiben. Der Mann erklärt lediglich, wie sie die Steine gehauen und aufgebaut haben, nicht aber, was die Bedeutung ist. Aber sie sind alles total stolz, dass dies das einzige komplette Stonehenge ist. Ja, klar, auch ohne den lästigen Verfall, den prähistorische Bauten so an sich haben. Die Logik bleibt mir versagt. Vielleicht gibt’s das noch in Disney World?

Wir fahren zurück zum Tender-Anleger und ich laufe gleich zurück ins Städtchen. Das Orts-Museum ist drollig. Zum einen vereint das einfach gebrauchte Gegenstände des täglichen Lebens, wie zum Beispiel eine Egge oder andere verrostete Land“Maschinen“, hat aber auch Trümmer des Skylabs abgekriegt, die hier im Garten liegen.  Der Absturz erfolgte am 11. Juli 1979. Die NASA hatte eigentlich den Absturz so gesteuert, dass das Ding weit weg von den USA, im Atlantik oder Indischen Ozean runtergehen sollte. Tatsächlich zerbrach die Station erst später als berechnet in mehrere Teile, so dass das Absturzgebiet weiter östlich als geplant lag. Betroffen war die Gegend südöstlich von Perth in West-Australien bei Balladonia, wo Trümmer in den dunklen Morgenstunden niedergingen, ohne jemanden zu verletzen. Aber es kamen auch Bruchstücke in Esperance runter. Ein Schüler hat Trümmerteile vom Vordach seines Elternhauses gefischt, ist nach Amerika zur NASA geflogen und hat dort 10.000 US-Dollar  für den ersten Fund kassiert, was die NASA ausgelobt hatte. Die Behörden der Gemeinde Esperance schickten der NASA allerdings zudem einen Bußgeldbescheid über 400 Dollar, wegen unerlaubter Abfallentsorgung, was einer Aussage der NASA entsprach, die bei etwaigem Abgang von Bruchstücken für die Entsorgung aufkommen wollte. Die NASA ignorierte die Rechnung über 30 Jahre und erst 2009 wurde der ausstehende Betrag von einer US-Radiostation beglichen, der hierzu ein humoriges Special gesendet hatte. Ein paar Skylab-Reste liegen hier noch vor diesem Dorf-Museum.

Hole mir erstmals etwas Bargeld am Automaten und suche dann McDonalds wg. des Internets. Aber auch hier mal wieder: Zu viele Nutzer und kein Zugang. Aber da es ein McCafe war, habe ich wenigstens einen großen flat white gekriegt und für 50ct Aufpreis einen Rosinentoast. Lecker!

Ich laufe im Schatten der großen Norfolk Pines Richtung Liegestelle der Tenderboote. Unglaublich, wie hoch die Dinger sind und total gerade. Angeblich werden sie als Masten für Segelboote genutzt. Das müssen Riesenboote sein.

Es bläst ein fieser, sehr kalter Wind – leider wohl meist aus dem Süden, also der Antarktiks - und als ich mich kurz darauf in der kleinen Bucht im weißen Sand niederlasse und unser Schiff weiter hinten auf Reede sehe. Es ist leider trotz Sonne so kalt, dass ich mich - wundervoll vom Sand paniert - in den Tea Room an der Pier verziehe und mir noch einen Kaffee und eine lemon tart bestelle und die Aussicht in den schönen Garten und auf das blau-glitzernde Meer genieße. Der Wind bläst gnadenlos und warm ist es trotz wolkenlos-blauem Himmel und strahlender Sonne, nicht, was offenbar eine Besonderheit von Esperance ist, warum es hier auch nie so viel Tourismus geben wird, wie andernorts, wo die Windsituation gemäßigter ist. Allerdings gibt es in Esperance seit 1987 den ersten Windpark Australiens. 

Gegen 16.00h besteige ich ein Tenderboot, setze mich oben auf das Freideck und erlebe 20 min die schlimmste Tenderboot-Fahrt meines Lebens. Die Wellen sind so hoch, dass das Wasser vorne und seitwärts über das Boot schwappt und das Boot in alle Richtungen ausbricht, so dass man kurzfristig auf Augenhöhe mit den Knien der Leute ist, die gegenüber auf der anderen Seite sitzen, bevor das Boot wieder in ein Wellental kracht. Es ist unmöglich, das zu filmen, da man zwei Hände braucht, um sich festzuhalten. Erst, als das Boot in den Windschatten der Solstice kommt, beruhigt sich die Bewegung. Ich bin erleichtert, als ich an Bord bin und mache von Deck 15 einige Fotos des nächsten Tenderbootes bei seinem Tanz auf den Wellen. Das sieht aus der Entfernung gar nicht so wild aus. Wenn man dort aber sitzt und die Wellen gehen 2m hoch, ist das fies in so einem kleinen Boot.

Um 17.00h gibt es im Lawn Club auf  Deck 15 die Möglichkeit zu live Gitarrenmusik auf dem Rasen auf einer Decke ein Picknick mit Wein und Käse zu machen. In der Sonne ist das richtig nett. Aber wenn die weg ist, ist der Wind brutal. Man muss eh die ganze Zeit die Sitzdecke festhalten. Trotzdem eine sehr nette Aktion.

Abendessen um 20.30h fällt entsprechend schmal aus, ich beschränke mich auf den Hauptgang.


Esperance
Western Australia, Australia
Vee Bee Small

...und noch'n Seetag

Noch nen Seetag. Leider aber mit ziemlich ekligem Wetter. Es sind wie üblich nur 17 Grad, aber es hängen dicke Wolken über uns, wenngleich ein saumässig kalter Wind weht, als ob die ganze Antarktis zu uns zieht.

Nachdem mir nachmittags in meinem gefühlt 10. Sitzplatz dann zweimal die Auflagen der benachbarten Liegestühle um die Ohren fliegen, verziehe ich mich in die Kabine und sehe ein Video.

Heute ist Gala-Abend. Das Essen ist wirklich gut mit Hummer. Die anschließende Show ist mit akrobatischen Höchstleistungen versehen. Super!

Nun können die guten Klamotten endlich in den Koffer ganz nach unten, egal, wie sie dort knüllen. Allerdings kommt nun auch das Ende der Kreuzfahrt näher und damit sogar das Ende der gesamten Reise. Ich mag nicht daran denken und bin immer wieder erstaunt, wie unglaublich schnell ein Monat rumgeht, wenn man so unterwegs ist.


Vee Bee Small

...und noch'n Seetag

Seetag. Zunächst sitze ich in den Sesseln auf dem Achterdeck hinter dem Selbstbedienungsrestaurant und suche eine windgeschützte Ecke. Ab 10.00h wird es dann klarer und ich genieß ab mittags die schöne Sonne. Aber es ist mit dem Wind weiterhin frisch.

Heute ist im Restaurant von 10-13.00h Brunch. Eine unglaubliche Präsentation von Tonnen leckeren Essens. Ich hole mir ein paar Kleinigkeiten und mache einige Fotos. Irre, was die da alles auffahren


Vee Bee Small

Adelaide

So langsam könnte es mal sommerlich werden. Die Temperaturen sind werden nur sehr langsam wärmer, wobei das heute zum Rumlaufen sicher ganz angenehm ist. Wir sind vor 8.00h an der Pier und schon um kurz nach 8 sitze ich im Tourbus. Habe heute einen von den zwei organisierten Ausflügen, die ich hier gebucht habe: „Adelaide and Wildlife Park“. Ich hatte mir das schon zuhause überlegt, zum Cleland Wildlife Park zu fahren. Der Anleger des Schiffes liegt in Adelaide Harbour fast 30km von Adelaide weg und ist ziemlich gut mit einer Art Vorortbahn in einer dreiviertel Stunde zu erreichen, aber dieser Park liegt nochmals ne halbe Stunde per Auto von Adelaide weg und nur mit zwei verschiedenen Buslinien mit Umsteigen zu erreichen. Das ist angesichts der Zeit, die ich zur Verfügung habe keine Option (letztmöglicher Zug von Adelaide um 16.13h, weil der nur einmal pro Stunde geht).

Die Tour führt zunächst durch das sonntäglich verschlafene Adelaide. Keine Läden offen, kaum Leute unterwegs. Nachdem hier Anfang Februar eine Jahrhunderthitze Temperaturen über 40 Grad über etliche Tage anhielt, hatten die bis vor wenigen Tagen plötzlich ein Jahrhundertunwetter mit sintflutartigen Regenfällen von 70mm innerhalb von zwei Tagen, wenngleich für den ganzen Monat Februar nur 12 mm üblich sind. Die Schäden sind in den Parks noch gut zu sehen. Überall liegen Haufen von Blättern aus den Palmen rum und umgerührte Rasenflächen und grosse Pfützen. 

Die Stadt hat unglaublich breite Straßen, fast Boulevards. Dazu viele schöne Platanen, teilweise sehr beeindruckende, schöne, alte Häuser. Wir fahren durch einen großen Park, ohnehin sind hier viele Parks und Bäume in den Straßen. Das hat der Stadtgründer mal so anlegen lassen. Wirklich schön. 

Weiter geht es über eine gewundene Straße zu einem Aussichtspunkt auf dem Mount Lofty. Auf dem Weg dorthin sieht man in den Bäumen schon mal einen Koala schlafen, ganz weit oben in den Astgabeln.

An unserem Aussichtspunkt treibt sich neben dem Parkplatz ein Känguru herum, dass sich aber angesichts der vielen Menschen etwas an einen Hang verdrückt. Ich folge ihm natürlich, nachdem ich kurz mal den Ausblick auf Adelaide und den weit dahinter liegenden Hafen abgelichtet habe. Das Känguru ist ziemlich ruhig am Futtern und lässt sich von ein paar ruhigen Touristen mit Kameras nicht stören. Nach 20 min geht es schon weiter in den Cleland Wildlife Park.

Vom Konzept her ist er wie der Featherdale Wildlife Park in Blacktown bei Sydney. Viele Tiere laufen frei rum. Und die, die man nicht so gerne dichter an die Zweibeiner ranlässt, hat man mit gut einsehbaren Gehegen gebannt. Die rumlaufenden Kängurus sind deutlich größer als die im Featherdale, die ggf. auch nur Wallabies waren. Die Koalas sind ähnlich faul, aber besser zu fotografieren, da sie nicht unter einem Dach sitzen. Ich verzichte auf ein weiteres Wiebke+Koala-Foto, da die Schlange endlos ist und wir zwar zwei Stunden in dem Park sind, der aber deutlich größer ist, als der in Sydney. Der Tasmanische Teufel ist hier nicht allein sondern hat einen Kumpel. Die laufen auch beide dauernd im Kreis. Und kriegen sich auch mal laut in die Wolle. Schön ist, dass einer mal richtig laut wird und einmal gähnt, was schöne Einblicke auf die fiesen Zähne ermöglicht. Jetzt sieht man auch, dass die Eckzähne selbst bei geschlossenem Maul rausgucken. Insgesamt sehen die ziemlich fies aus.

Ein Highlight ist eine Känguru-Mama, die ihr Junges säugt. Das Junge sieht schon ziemlich groß aus. Jedenfalls lebt das nicht mehr im Beutel.

Ich suche noch die Wombats, aber die schlafen und die in Sydney waren besser. 

Der Park ist ziemlich schlecht beschildert und die Karte, die man kriegt ist auch Mist. Dauernd begegnet man Leuten, die was suchen und auch ich laufe erstmal dauernd falsch. Naja. Gut, dass ich im Featherdale war, so habe ich zusammen mit diesem Park wirklich eine ziemlich gute Sammlung an Fotos geschaffen. Nachdem es beim Aussichtspunkt vorhin genieselt hat, ist es jetzt mittlerweile warm und fast wolkenlos. Die Tour geht nun zurück zum Schiff und ich steige in der Innenstadt aus. 

Der Outer Harbour, wo das Schiff liegt ist einfach zu weit weg, als dass ich da erstmal zurück will. Ich bin um 12.30h in der Innenstadt und habe nun gut 3 Stunden Zeit. Ich laufe in die Einkaufsstraße, die wirklich schön ist und einige Straßenmusikanten spielen dort. Viele Leute unterwegs. Man hatte uns heute Morgen erklärt, dass die Innenstadt von Adelaide schwer unter Einkaufszentren auf der grünen Wiese im Umland gelitten hat und man nun über Jahre die Innenstadt wieder attraktiver macht, auch um mehr Leute zum dort Wohnen zu veranlassen. Das ist auch gut gelungen. Jetzt wohnen dort wieder über 20.000 Leute, nachdem es mal über 40.000 waren und dann nur noch 16.000.

Der Bundesstaat South Australia hat 1,7 Mio Einwohner, von denen knapp 1,2 Mio im Großraum Adelaide leben, zu dem man die umliegenden 250 Orte zählt. Die Stadt selbst hat aber eben nur so um die 20.000 Einwohner. Mit 1,7 Einwohnern pro qm ist die Besiedelung des Bundesstaates für unsere Maßstäbe sehr überschaubar.

Ich bummele die noble North Terrace entlang und laufe dann die Prince William Street hoch, bis zum alten Rathaus und dem alten Post Office, beide gegenüber mit schönen Türmen. Die Stadt hat tolle Cafés und jede Menge Restaurants und es ist viel los, obwohl Sonntag ist haben alle Geschäfte offen und es herrscht reger Betrieb in der Fußgängerzone. Es gibt etliche beeindruckende Fassaden, viktorianische Bauten und eine sehr luftige Bauweise. 

Der Bahnhof ist nicht weit und ich hole mir dort die Fahrkarte schon mal, dann muss ich nicht am Ende erstmal rausfinden, ob man die vorher oder nur im Automaten oder nur auf dem Zug kaufen kann. Mit 3,50 $ ist die Fahrt ja sehr billig.

Ich stehe in irgendeiner Mall auf der Einkaufsstraße und lade mal wieder Bilder auf Facebook hoch. Etwas blöde, dass es hier so selten gutes und freies WLan gibt. Oft ist es zwar kostenlos, aber dann so überlastet, dass man trotz etlicher Einwahlen nie verbunden wird und nur ne halbe Stunde Zeit vergeudet. Hier geht das mal ganz gut, aber ich stehe da freihändig im Eingang, den Rucksack zwischen den Füßen, das Tablet in einer Hand, mit der anderen schiebe ich Bilder und tippe.

Zeit, um mich mal hinzusetzen und was zu trinken habe ich nicht. Ich kaufe im Vorbeigehen eine kleine Flasche Apfelsaft und ein süßes Teilchen und laufe weiter. Die Zeit ist einfach zu kurz und ich bin um 16.00h am Bahnhof, wo am Sonntag original gar nichts geöffnet hat. Glücklicherweise nimmt die vending machine Kreditkarten und so komme ich zu einer Cola.

Gegen 17.00h bin ich mit der Bahn wieder am Hafen. Über eine Parkplatz geht es zum Schiff. Im Hafengebäude ist auch free wi-fi, aber mal wieder so, dass man ewig einwählen muß. Selbst, als ich als Allerletzte dort noch sitze ist der Empfang schlecht. Um 17.45h muss ich an Bord, um 18.00h legen wir ab, ohne, dass ich mal Mails abrufen konnte. Ich warte auf Info von meinem Stuttgarter Vermieter, ob er einen Nachmieter gefunden hat, der meine EBK abkauft.

Adelaide
South Australia, Australia
Vee Bee Small

Noch'n Seetag...

Nach dem Frühstück suche ich mal wieder nach einem windgeschützten Plätzchen mit Sonne. Meist gibt es nicht beides und die Sonne ist auch erstmal etwas unentschieden. Ich liege dann trotzdem tapfer im Liegestuhl und lese, höre Hörbücher und esse immer mal wieder was. Das ist keine gute Kombination! Aber die Tage, die ich nicht an Bord bin, laufe ich kilometerweise ohne Essen, vielleicht ist das ein Ausgleich? Naja, zumindest kann man sich das ja einbilden…

Der Tag vergeht schnell, abends sitze ich wieder im den vier anderen beim Abendessen und es ist mittlerweile wirklich nett, so dass ich jeden Abend jetzt im Restaurant esse. Rita und Dawn aus der Gegend um Calgary und Kaylee und John Klein aus Louisiana.

Australia
, Australia
Vee Bee Small

Melbourne

Melbourne ist die Hauptstadt der Provinz Victoria und mit über 4 Mio Einwohner die zweitgrößte Stadt Australiens (nach Sydney). Entgegen der meisten anderen Städte Australiens, war Melbourne nie eine Strafkolonie, sondern wurde als Wohnstadt mit breiten Straßen und Boulevards angelegt. Heutzutage ist Melbourne weltweit z.B. für die Australien Open oder auch die Formel 1-Rennen bekannt. Was mich nun allerdings wenig interessiert.

Um 9.00h gehe ich vom Schiff und entscheide mich eine hop-on-hop-off Tour zu machen, die direkt an der Pier startet. Erste Fehlentscheidung des Tages. Zunächst ist ein Bus voll, der andere steht gegenüber auf der anderen Straßenseite, einen Steinwurf von der Haltestelle entfernt, kommt aber nicht rumgefahren, wenngleich mit mir schon rund 50 Leute warten. Endlich fährt er mal an, die Leute stürmen den Bus und der fährt 25 min nicht ab. Die Uhr läuft, denn Landaufenthalte bei Kreuzfahrten sind gemeinhin immer kurz bemessen. Das Ticket kostet 25 Dollar für den Tag und auf dem Plan sieht man, dass der Hafen und mein Einstieg ein Punkt von der sog. St. Kilda-Route ist und die City Tour-Route in der Innenstadt nur durch Umsteigen zu erreichen ist, aber nur auf der City-Tour die Highlights von Melbourne zu sehen sind. 

Es ist nach 10.00h, als wir - unter Auslassung der im Fahrplan angegebenen Zwischenhalte (???) - am Federal Square ankommen und mit mir fast alle Leute aussteigen, um auf die City-Tour umzusteigen. Ich frage den Fahrer, wann die City Tour denn hier so vorbei kommt, sagt er, dass er ne City Tour ist. Mittlerweile haben aber etwa 40-50 Leute den doppelstöckigen Bus verlassen, da jeder auf dem Plan sah, dass eine Abfahrt am Hafen niemals eine City-Tour sein kann. Von draußen sind schon 20-30 Leute eingestiegen, die nicht die Treppe hochkommen, weil andere von oben noch raus wollen. Der Busfahrer sagt nun mal durch, dass er die City Tour fährt und nicht St. Kilda und alle, die St. Kilda wollen, hier aussteigen sollen – somit sind jetzt alle falsch ausgestiegen und die Einsteiger sind falsch eingestiegen. Die St.-Kilda-Tour will  keiner und so ist der Bus das völlige Chaos. Die Leute, die der Routenkarte entsprechend meinten, dass dies die St. Kilda Tour ist und aufgestanden sind, um auszusteigen, haben nun keine Plätze mehr. Die, die von draußen eingestiegen sind, wollen nun wieder raus, andere bleiben und so geht das Gekeife um die besten Plätze los. Ich steige aus und entscheide mich ein paar Stationen zu laufen. Die Routenkarte dieses hop-on-hop-off-Busses ist jedoch so beknackt, dass ich für den restlichen Tag nicht ein einziges Mal noch so einen Bus lokalisieren kann oder sehe oder auch nur ansatzweise feststellen kann, wie denn die Haltestellen markiert sind. 

Die Stadt ist voll und sehr lebendig. Was schon am Hafen auffiel sind nervige kleine Fliegen, die sich in rauen Mengen auf einem niederlassen, in Nase, Augen und Ohren krabbeln und einen permanent zum Wedeln veranlassen. Ein Mensch meint, dass es nicht so schlimm sei, wie an anderen Tagen. Also ich finde es so schon ziemlich nervig.

Ich laufe die Collins Street lang, an der schönen Bahnstation. Es gibt hier viele kleine Läden, Bäckereien und sog. Alleyways, schmale Durchgänge und schöne Passagen zwischen Häusern, auch oftmals mit kleinen Läden oder Cafés. Schön ist die Royal Arcade, ähnlich wie eine der Passagen in Sydney. Noble Läden, schöne Cafés. Die Stadt hat viele alte Häuser. Melbourne ist ehemals eine sehr reiche Stadt gewesen, da man hier in der Nähe Gold gefunden hat. Melbourne wurde zwar nicht für Strafgefangene gegründet, wenngleich hier das alte Goal steht, das alte Gefängnis, in dem über 130 Leute gehenkt wurden. Nachdem ich im Melbourne Central, einem weiteren Einkaufszentraum gewesen bin, das man über das Shot Tower Museum gebaut hat, laufe ich zum Queen Victoria Market. Meine Tischnachbarn wollten das unbedingt heute sehen, als einziges Highlight der Stadt. Ich hatte nur gelesen, dass das Markthallen sind, die so ungefähr alles bieten, was man will. Da ich eh schon fast da bin, laufe ich da lang, aber es ist, wie ich mir das gedacht habe. Eher Touristenfalle, Shops mit Handies oder auch Putzartikeln, dazu Lebensmittel, T-Shirts und haufenweise Touristen - ich laufe da nur 10 min rum, suche mal wieder den hop-on-hop-off-Bus laut Angabe auf dem Plan und finde das wieder nicht. 

Die Library lockt mit roten Sitzkissen auf dem Rasen und jeder Menge Bücherkisten. Weder habe ich Zeit noch kann ich mir vorstellen, in Ruhe in dieser Stadt irgendwo zu sitzen und was zu lesen, zu trinken oder zu essen - da man permanent eine Hand zum Wegwedeln der Fliegen braucht. Also zu Fuß weiter und so laufe ich von dort mal zum Parliament Square, wo mich Melbourne schon fast an Wien erinnert. 

Ich trudele die Little Collins entlang, die bald ziemlich mondäne Läden bietet. Alles, was Rang und Namen hat, ist hier vertreten. Auf der Straße quietschen die Straßenbahnen und die Straßen sind mit Platanen gesäumt. Ziemlich europäisches Flair.

Ob nun vom Rauch der wildfires oder einfach so, es bleibt total bedeckt und die Fotos sind eher blass. Wenngleich alle gemeint haben, Melbourne würde total heiß werden, ist es eher nur schwül, trotz leichter Brise und die Temperatur übersteigt sicher nicht die 25 Grad-Marke. Insgesamt recht gut auszuhalten. Nachdem ich viele Fotos von den schönen Fassaden, von Chinatown und dem Leben in Melbourne gemacht habe, sehe ich noch das Rathaus. Von dort gehe ich Richtung Federal Square und laufe runter zum Yarra River. Ich erwische ein Boot für eine City Cruise, was die zweite Fehlentscheidung des Tages ist. Für 23 Dollar fährt man eine Stunde und zwar nicht in die City sondern raus. Das Einzige, was man sieht, sind Sportstadien und ein paar Häuser und zugegebenermaßen einige ganz hübsche, alte Brücken. Das war’s. Der Guide liest die Beschreibungen ab und die sieben Gäste an Bord sind auch etwas verhalten in ihrer Begeisterung. Also archiviere ich Fotos von der Kamera auf’s Tablet und habe so einen gewissen praktischen Nutzen dieser Tour.

Es ist halb vier, als das Boot wieder anlegt. Ich bin langsam etwas fusslahm, nachdem ich nach 5,5 Stunden Rumlaufen eine Stunde zwar gesessen habe, aber irgendwie bin ich k.o. Ich hatte mir zwischendrin bei einem weiteren Aldi ein leckeres Mineralwasser gekauft, habe aber langsam Hunger. Nur Essen ist in meinen Augen immer Zeitverschwendung, wenn man nur wenig Zeit in einer Stadt hat, in die man in seinem Leben vermutlich nie wieder sein wird. Am Federal Square versuche ich ins Internet zu kommen, da hier free wi-fi ist. Meine Mails kriege ich zwar, kann auch zwei Whatsapp verschicken, aber Facebook geht nicht. Also heute keine Fotos aus Downunder für die Daheimgebliebenen.

Ich will mit der 109er Tram zum Hafen fahren und ich brauche eine gute halbe Stunde, um überhaupt ein Ticket zu kaufen. Was für ein Umstand. Das erinnert mich an Chicago. Zunächst muß man eine sog. Myki-Karte für 6 Dollar kaufen, die glücklicherweise ein Leben lang nutzbar ist, aber die 6 Dollar bezahlen nur die Karte und noch kein Ticket. Dann muß man noch wissen, was die Fahrt kostet. Ein Mensch am Bahnsteig von der Tramfirma meint, dass das 3,58 $ zum Hafen kostet. Das kann man aber auf diese 6-Dollar-Karte gar nicht draufladen. OK, also dann eben 4 Dollar. Die Bedienung dieses Kartenautomaten ist derart beknackt beschrieben, dass ich endlos brauche. Am Ende soll ich dann noch meine Kreditkarten PIN eingeben und bevor ich die nun rauskrame, breche ich den Vorgang ab, da hinter mir einer eine Karte lösen will, der es eilig hat. Der Tramfirma-Typ sagt, ich solle mir eine von diesen Myki-Karten um die Ecke beim Seven Eleven holen. Also laufe ich dort hin, weil das dort ohne PIN für die KK geht. Als ich endlich bei dem ¨Seven-Eleven um die Ecke¨ ankomme (das waren 200 m) sagen die, dass sie keine neuen Myki-Karten verkaufen, nur aufladen. Ja prima! Also wieder zurück zur Tramstation, die PIN-Nummer rauskramen und alles nochmal neu. Die Karte kommt dann auch irgendwann raus und ich habe bis zum Ende der Fahrt nicht begriffen, wofür das gut war. Ich muss das Ding zwar an einen Scanner halten, aber beim Einsteigen. Nicht beim Aussteigen, - also wird die bis an mein Lebensende jetzt 4 Dollar drauf haben und ich habe bis an mein Lebensende eine Myki-Karte aus Melbourne. Ganz toll.

Um 17.00hh bin ich an Bord, laufe kurz auf Deck 14, schütte mir zwei Becher Kaffee und einen Becher Saft in die Kehle, schnappe mir etwas Pizza und ein bisschen Salat und verziehe mich mit einem Eis und einem weiteren Kaffee auf meinen Balkon.

Es ist den ganzen Tag nicht hell geworden. Es bleibt auch beim Auslaufen zugezogen und der Blick zurück auf Melbourne ist nicht wirklich spektakulär. Einzig eine Brücke, die sehr wie die Köhlbrandbrücke aussieht, ist ganz lustig.

Ich sitze auf dem Balkon und schreibe bis 19.30h mein Tagebuch, bis mir der Rücken weh tut. Dann duschen, damit die dreckigen Füße sauber werden.

Melbourne
Victoria, Australia
Vee Bee Small

Seetag zum "Arbeiten"

Seetag! Yiippee! Zunächst scheint die Sonne, dann ist sie weg. Nach einem Vormittag im Liegestuhl, ist der Nachmittag eher Balkon/Kabine und ich sortiere und verschiebe hunderte Fotos auf dem Tablet und sortiere die 1.400 Fotos der kleinen Kamera nach Orten, was ich mit den über 2.000 der großen Kamera zumindest teilweise schon gemacht habe. Es gehen Stunden ins Land, bis mir so kalt ist, dass ich heiß dusche und dann schon Zeit zum Abendessen um 20.30h ist. 

Wir sind nur vier, weil die Engländerin erneut nicht da ist (ich sah sie am anderen Restauranteingang und schätze, sie hat nochmals den Tisch gewechselt, prima!) und weil Rita eine Erkältung im Anzug hat. Das Essen ist mal wieder lecker, Scholle mit Crabmeat und zum Nachtisch New York Cheesecake. Den, wie auch Cesars Salad gibt es jeden Abend, sozusagen als Standardprogramm. Aber die Speisekarte des Tages hat üblicherweise 3-4 Ors d‘heuvre, 4 Vorspeisen und mindestens 4 Hauptgerichte sowie 4 Tagesdesserts. Parallel gibt es immer das, was eh alle mögen als Standardspeisekarte. Unglaublich!

Anstatt Show gehe ich ins Bett. Morgen ist Melbourne dran. Wetter soll bedeckt sein, aber knapp 30 Grad. Unser Kellner sagt, man möge besser einen Pullover mitnehmen, da in Melbourne das Wetter fünfmal am Tag anders sein kann. Ach na ja, damit komme ich ja klar – nach zwei Wochen Neuseeland 


Australia
, Australia
Vee Bee Small

Sydney mit Kängurus

Um kurz nach 5 Uhr morgens laufen wir in Sydney ein. Ich bin aufgewacht und verfolge von meinem Balkon völlig verschlafen die Einfahrt in ein stockfinsteres Sydney. Die Oper ist auch nicht wirklich beleuchtet. Den Rest des Tages zeigt mein Balkon auf The Rocks, die Oper ist auf der anderen Seite. Von einem der umlaufenden Decks hat man somit sowohl ungehinderten Blick auf die Oper, vom Achterdeck besten Blick auf die Sydney Harbour Bridge und vom Vorschiff die komplette Skyline von Sydney. Ein fantastischer Liegeplatz.

Mit Hennings Hilfe, der mir per SMS gestern Abend geschrieben hat, welchen Zug und Bus ich zum Featherdale Wildlife Park nehmen soll, bin ich gerüstet. Ich will heute Kängurus und Koalas sehen und dieser Wildlife Park soll klein aber schön sein, hat mir jemand erzählt. Es ist total bewölkt, als ich morgens um 8.15h das Schiff verlasse. Ich laufe die George Street hoch und fahre von der Wynyard Station mit dem Zug Richtung Richmond und steige in Blacktown aus. Das Rückfahrtticket kostet gerade mal 13,60 $ und der Chinese am Ticketschalter fragt mich auf Deutsch, woher ich komme, als er meine Kreditkarte sieht. Er hat in Berlin und Lörrach ein Jahr verbracht. Sehr witzig. Einer, der U-Bahntickets verkauft und deutsch spricht, dazu noch Chinese ist und in Australien lebt!

Die Zugfahrt in einem der typischen doppelstöckigen Züge geht durch Vororte in Richtung Blue Mountains. Der Trip bis zu den Blue Mountains lohnt heute wg. der Bewölkung nicht. Zudem hat mir jemand gesagt, dass das eher keine Mountains sondern Hills sind. Naja, wäre ja egal. Aber ohne Sicht, brauche ich weder Hills noch Mountains, wenn man die Three Sisters eh nicht sieht. Die Fahrt nach Katoomba, was der Ort für diesen Ausflug gewesen wäre, hätte gute 2 Stunden gedauert, der Zug fährt nur 1 x pro Stunde. Plus Aufenthalt vor Ort, wäre das auch ein recht knappes Unterfangen gewesen, um um 21.30h wieder auf dem Schiff zu sein. Und es hätte keine anderen Sachen mehr ermöglicht.

Also steige ich in Blacktown aus, nehme am Bussteig 9 den Bus 725, der so gekühlt ist, dass die Scheiben belaufen sind und ich nicht abwarten kann, bis wir am Featherdale Wildlife Park sind, um mich dort aufzuwärmen. Die Fahrt kostet 2,30$ und dauert gute 10 min. Ich habe Glück, dass der Bus innerhalb von 10 min nach meiner Bahnankunft kommt und ich bin um 9.15h am Eingang. Der Parkplatz ist knallvoll mit Minibussen und Reisebussen und ich frage mich, ob das normal ist. Glücklicherweise weiß man ja, dass solche Gruppen immer unter Zeitnot leiden und vermutlich in einer Stunde wieder weg sind. Ich kaufe ein Ticket für 28 Dollar und stehe nach drei Schritten schon inmitten von kleinen Kängurus, die eigentlich Wallabies sind. Ich bin ganz aus dem Häuschen. Hier laufen die Tiere zwischen den Besuchern frei rum. Man kann in einer Art Eiswaffeln etwas Futter für die Kängurus kaufen, das die einem aus der Hand schnappen oder hauen. 

Etwas weiter sitzt dann ein bunter Papagei und läuft am Boden rum, ein Reiher und diese Viecher mit den gebogenen Schnäbeln, die ich neulich schon in Sydney im Park fotografiert habe. Kurz danach steht jemand mit einer Diamond Python, die man halten darf. Ich trau mich nicht, aber wenigstens fasse ich sie an. Alle sagen immer, die sind warm, ich finde, die fasst sich wie Gummi an. Jedenfalls nicht warm.

Pelikane und andere Seevögel sind hier und hinter einem kleinen Gatter kommt man zu den Koalas. Es gibt natürlich einige Arten davon und da sie 20-22 Stunden am Tag schlafen, hängen auch diese Genossen in ihren Eukalyptusbäumen rum. Aber der Park ist so gestaltet, dass man sehr dicht an den Tieren stehen kann und die scheint das auch nicht zu stören. Ein grauer Vogel mit spitzem Schnabel ist bei einer Tierpflegerin auf dem Arm und lässt sich kraulen. Eine andere holt einen der halb wachen Koalas von seinem Busch (das sieht schon drollig aus, weil die irgendwie schon diese Klammerhaltung im Blut haben und völlig aus der Bahn sind, wenn sie mal keinen Stamm zum Festhalten haben.) Kopf und Krallen streicheln soll man nicht, da die Viecher beißen und kratzen. Aber Fotos mit ihnen kann man machen :)

Ich bummele fast vier Stunden durch diesen kleinen Park, der noch und nöcher Kängurus hat, kleine, mittelgroße, große. Welche, die aussehen wie Ratten und andere, die auf Bäumen leben. Eines von denen hat sein Junges im Beutel, das allerdings schon ziemlich groß sein muss. Fuß und Ohr gucken raus und irgendwie ist es auch schwer vorstellbar, wie das noch in das arme Mutterkänguruh passen soll. Die Känguru-Kinder werden Joeys genannt.

Ich sehe fliegende Füchse, was irgendwas zwischen einer Fledermaus und einem Flughund ist, die richtige Hundeköpfe haben aber in ihre Flügel eingewickelt im Tageslicht abhängen. Ganz viele Vögel sind in ihren Volieren und etliche fliegen auch frei rum und laufen zwischen den Besuchern rum. Der tasmanische Teufel rennt wie ein Angestochener immer im Kreis in seinem runden Gehege. Ich denke, dass der ne Macke hat. Später erzählt mir aber jemand, dass die das immer machen. Hässlich ist der obendrein und hat für meine Begriffe ein angeborenes Rückenleiden. Ich wollte immer mal diese Tiere sehen, aber dieses Geschöpf ist wirklich komisch. Ich sehe Wombats, die mir gut gefallen und Tiere, die wie große Igel oder Waschbären mit Stacheln aussehen und einen kleinen Rüssel haben und Echidnas (sprich: E-kied-nahs) heißen. Pinguine sind dort und auch Dingos. Ich sehe so viele Tiere, einfach toll.

Nachdem ich kurz einen Burger gegessen habe, nehme ich den Bus zurück nach Blacktown und fahre mit der Bahn wieder nach Sydney. In der Bahn überspiele ich meine Fotos auf das Tablet und dabei wird klar, dass die 32 MB-Karte jetzt voll ist. Ich fange an einiges zu löschen, aber das bringt nicht genug. Also kaufe ich auf der George Street für 80 Dollar eine weitere 32 MB-Karte für das Tablet und laufe runter zum Circular Quay. Um 15.30h nehme ich die Fähre nach Manly, die hin und zurück nur 7,60 $ kostet. Auf dem Weg nach Manly hoffe ich auf einen schönen Blick auf die Skyline von Sydney, aber aufgrund der Bewölkung suppt alles weg. Auf dem Weg sind etliche Segelboote unterwegs und dann auch noch einige Delfine. Schön! Manly ist ein netter Ort. Hat etwas von einem alten Seebad, heute allerdings sehr mit Touri-Shops gepflastert und vielen jungen Leuten, die ihre Surfbretter ebenso selbstverständlich mit sich rumtragen, wie andere ihre Schultaschen und -uniformen. Manche sogar beides. Ob die das Surfbrett mit in die Schule genommen hat?

Durch die kleine Fußgängerzogen The Corso gelangt man an den Manly Beach, eine Bucht, die aussieht, wie Bondi Beach. Lang und wunderschöner weißer Sand und dazu eine saubere Brandung mit vielen Surfern. Ich laufe die Promenade ein ganzes Stück und lasse mich dann auf einer Mauer nieder, um ein paar Surfer abzulichten. Es ist schon nach 17.30h, als ich langsam wieder Richtung Fähre laufe. Ich finde einen Aldi (!), der sogar das gleiche gute Mineralwasser verkauft, wie in Deutschland. 1,5 Liter für 1,50 $ das ist unschlagbar, angesichts der Wasserpreise von 3-5 Dollar in den anderen kleinen Shops.

Nachdem ich draußen vor dem Anleger etwas das kostenlose Wlan genutzt habe will ich noch um 19.15h die Fähre kriegen, aber verpasse sie knapp. Nachdem der Himmel jetzt aussieht, als ob die Welt gleich untergehen will, nehme ich um 19.30h für nochmals 5,50$ die fast ferry und erreiche Sydney noch vor 20.00h.  Dort treffe ich Rita und Dawn, meine kanadischen Tischnachbarinnen und während fette Regentropfen fallen, hechten wir zum Schiff.

Nach 12 Stunden Unterwegssein bin ich wirklich erledigt. Ich schleppe mich auf Deck 14 und hole mir wahllos irgendwas zum Essen, schütte mehrere Becher koffeinfreien Kaffee und Saft in mich herein und komme mit zwei schottischen Frauen aus Glasgow ins Gespräch. So eine lustige Unterhaltung! Ich saß zunächst völlig ermattet vor meinem Teller und die haben sich schon über mich totgelacht. Ich muß doch etwas fertig ausgesehen haben. Aber bestimmt glücklich! Ich habe alle Tiere gesehen, die ich sehen wollte. Ok, nicht in freier Wildbahn, aber das wird mir auf dieser Reise auch kaum gelingen. Ich fahre ja nicht ins Outback. Und das z.B. Kängurus auch nur in der Dämmerung anzutreffen sind, die ich vom Schiff aus sowieso nie an Land erlebe, bzw. nur, wenn ich die Abfahrt des Schiffes verpassen will, war das heute schon ein ganz tolles Erlebnis. Und auch Manly hat mir sehr gut gefallen. Schöne alte Häuser, nette Menschen (so sahen sie zumindest aus) und ein schöner Nachmittag, der die anderen Sydney-Erlebnisse von vor drei Wochen prima ergänzt hat.

Das Auslaufen um 22.00h ist natürlich ein Muss. Leider ist es immer noch am Regnen und irgendwie hat man ja auch schon 50 Fotos von der Oper und der Brücke, aber es gibt immer noch wieder eine neue Perspektive. Die Sailaway-Party am Pool fällt buchstäblich ins Wasser. Als das Schiff richtig losfährt, steht man auf dem Achterdeck am besten und hat das volle Panorama. Und just da öffnet Petrus die Schleusen und es schüttet. Nun ja, egal - ich gönne mir ein Glas Wein auf den tollen Tag und die trotzdem tolle Perspektive und falle kurz darauf wie tot ins Bett.


Featherdale Wildlife Park
New South Wales, Australia
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Ein warmer Seetag

Noch nen Seetag. Mit 18 Grad wird es etwas wärmer als gestern. Ich suche mir einen Liegestuhl, genieße das Dasein, creme mich ein, lese, höre und gammele rum. Zeitweise suche ich einen Platz, an dem mir nicht zu kalt ist, weil es ziemlich weht. Ich wandere von Sofa zu Stuhl, zu Bank, zu Stuhl und habe dann irgendwann einen Platz gefunden. Am Lawn Club, wo hier ja wirklich echtes Gras wächst, wird Boccia oder sowas gespielt. Ich hab an der Rasenfläche neulich mal gesessen und hatte abends lauter schöne Bisse von den sand flies, die da drin rumleben. 

Der Tag vergeht mit relativ wenig Sonne und am Nachmittag ist wieder alles zugezogen.


New Zealand
, New Zealand
Vee Bee Small

Seetag mit Regen

Seetag! Wie herrlich. Was nehme ich mir nicht alles vor: Ausschlafen, Lesen, Tagebuch schreiben, Sonnenbaden, Lesen, vielleicht mal einen Vortrag hören. Und was mache ich? Ich stehe relativ früh auf, schnappe mir einen Liegestuhl und falle 10 min nach dem Frühstück dort hinein. Ich höre mein Hörbuch und creme mich weltmeisterlich alle paar Minuten ein. Bloß keinen Sonnenbrand kriegen! Lichtschutzfaktor 30 begleitet mich vom ersten Tag an. Egal, ob die Sonne scheint, oder nicht. Seit ich am 21.1. in dieser Gegend angekommen bin, ist das Eincremen damit morgendliches Ritual. Das Ozonloch lauert überall, und hier besonders. Lichtschutzfaktor 50+ ist die Ergänzung für Stellen, die es dann doch erwischt. 

Gegen 14.00h zieht es dann komplett zu und ab 15.00h regnet es Bindfäden. Unglaublich, was hier für ein Wetter herrscht. Ich hab mit allem gerechnet, aber nicht mit dem, was ich seit ich hier bin, erlebt habe. Also gammele ich in meiner Kabine rum und sehe ein Video. Ziemlich schräge Filme sind hier im Angebot. Alles on demand. Und wann man pausiert, wird der Film 48 Stunden an der Stelle angehalten, damit man weiter gucken kann.

Ich befleißige mich um 20.30h zum Abendessen und es ist richtig nett, weil die doofe Engländerin nicht da ist. Nervig bleibt, dass ¨John¨ so schlecht hört, dass er nix mitkriegt und seine Frau mit Engelsgeduld alles nochmal in sein Ohr spricht, was am Tisch gesagt wurde. 

Ich gehe noch kurz zur Show, aber irgendwie sind die auch nicht anders, als vor 15 oder 20 Jahren und so hau ich mich gegen 23.00h aufs Ohr.


New Zealand
, New Zealand
Vee Bee Small

Sonne über Dusky, Doubtful und Milford Sound

Heute vor drei Wochen bin ich in Stuttgart abgereist, das ist normalerweise ein kompletter Urlaub und ich sitze hier immer noch auf der anderen Seite der Welt und denke nicht ansatzweise daran, dass mein Urlaub zu Ende sein könnte. 

Die Sonne scheint von einem wolkenlosen Himmel, als ich wie immer um 6.00h aufwache. Ich sehe noch in der aufgehenden Sonne Stewart Island, was praktisch vor der Südspitze Neuseelands liegt. Hier leben auf rund 1.800 qm keine 400 Menschen. Wir sind hier mit rund 2.800 Menschen auf einem Bruchteil der Fläche unterwegs.

Ich bin vor 8.00 beim Frühstück, draußen sind 12 Grad und es weht nicht schlecht - aber die Sonne scheint! 

Ab 9.00h sollen wir nämlich schon in den Dusky Sound einfahren. Das klappt auch und ist wunderschön. Alle Blautöne, die man kennt, zeigen sich in der Morgensonne und Wasser, Berge und Himmel bilden ein wunderschönes Bild. Die mittelhohen Hügel sind bewaldet. Ich stehe vorne auf Deck 14 und es ist reichlich kalt. Ich habe zwei Jacken, Kapuze, Halstuch an, aber der Blick ist einfach ein Traum in Blau und die Sonne im Gesicht ist ein unglaublich gutes Gefühl nach einigen Tagen mit bedecktem Himmel. Innerhalb des Fjordes geht es dann in einen Seitenarm und wieder raus auf die offene See. Mittlerweile sind 16 Grad Temperatur erreicht. 

Eine Stunde später erreichen wir den Doubtful Sound, schön auch und etwas höher die Berge links und rechts. Die Sonne scheint von einem blauen Himmel, das ist für den heutigen Tag optimal und scheint auch so zu bleiben. Wir können unser Glück nicht fassen, dass es jetzt so schön ist, in einer Region, wo jährlich um die 8 Meter (!) Niederschlag fallen und die überwiegende Zahl von Touristen die Fjorde nur als verwunschen-neblige Region erleben. Mir ist es ja ansatzweise auch so gegangen, als ich vor gut 2 Wochen auf der Landseite zum Milford Sound gefahren bin.

Über Mittag fährt das Schiff weiter nach Norden, da der Milford Sound eine ganze Ecke entfernt ist. Ich setze ich mich in einen Liegestuhl und beobachte die Küste mit ihren Hügeln und Schneebergen in der Ferne. Gegen 16.00h drehen wir in den Milford Sound. Ein unglaubliches Erlebnis! Die Berge links und rechts ragen über 1.200 m hoch und der Mitre Peak am Ende ist 1.700 m hoch. Die Sonne hat uns weiterhin begleitet und strahlt von einem wolkenlosen Himmel. Was für ein Glück, was für eine Ansicht!

Aufgrund des Wasserstandes fahren wir ziemlich weit bis vor den Ort Milford Sound. Als ich neulich von der Landseite dort war, konnte man ziemlich weit im ¨Watt¨ laufen, heute kann man recht weit Richtung Land fahren und das "Watt" ist nicht zu sehen. Das Schiff bleibt kurz am Ende des Fjords liegen und dreht dann um 180 Grad, um nach mehr als einer Stunde Dümpeln, wieder zum Meer zu fahren. Die Rausfahrt verbringe ich auf meinem Balkon in der Sonne. Traumhaft und unvergesslich!

Am Abend hole ich mir im Selbstbedienung Restaurant etwas zum Essen und fotografiere noch den Sonnenuntergang vor meinem Balkon. Das Schiff schwankt leider ziemlich. Wir sind auf dem offenen Meer jetzt Richtung Nord-West unterwegs. Noch zwei Seetage und dann erreichen wir Sydney.


Milford Sound
Southland, New Zealand
Vee Bee Small

Dunedin - Schottland auf der anderen Seite der Welt

Ich bin wie immer früh wach. Wir liegen in Port Chalmers und man kann für 15 US-Dollar einen fast halbstündigen Shuttle nach Dunedin nutzen. Ich erkundige mich  vorher kurz bei den Ausflugsanbietern, die auch hier vorm Schiff ihre Ausflüge verkaufen, ob es Sinn macht, eine Tour auf die Otago Peninsula zu machen. Aber es dauert sicher so lange, dass ich für Dunedin keine Zeit mehr haben werde. Ob man dort wirklich Albatrosse und Seelöwen sieht, ist unklar. Das Wetter ist ziemlich bedeckt, windig und kühl. Mag auch sein, dass man letztlich noch nicht mal gute Fotos hinkriegt und so eine Tour soll 169 NZ$ kosten. 

Also nehme ich den Shuttle und lande mitten in Dunedin, wo ein jährliches Event am Octagon, dem 8eckigen Hauptplatz der Stadt, stattfindet. Kinder-Musiker, Buden, Kunstgewerbe, Fressbuden - alles da. Ich laufe erstmal zum berühmten Bahnhof, der wirklich hübsch ist, entlang von Hausfassaden, die wirklich wie in England aussehen. Zu witzig. Schon auf der Fahrt hierher war das wie in England mit Reihenhäusern mit asphaltierten Vorgärten etc. Einige ältere Häuser sind ganz sehenswert. Die Stadt ist sehr hügelig und so wird das Rumlaufen ähnlich wie in Stuttgart, tlw. über Treppen. Ich laufe zum Olveston Historic Home bergauf, hoffe wenigstens auf einen schönen Blick, aber dauernd sind Telegrafenmasten im Weg. Das Haus ist ein altes Wohnhaus, hierzulande historisch, da von 1906. Eine Familie hat aus allen möglichen Ländern Innen- und Außen-Architekten dafür beauftragt. Da nicht wirklich viel anderes zu sehen ist, bin ich hier hochgelaufen, um eines der Highlights von Dunedin zu sehen und mir etwas "Bildung" zu gönnen. Als ich dort kurz vor 12 ankomme, ist gerade ein Ausflugsbus vom Schiff da und es laufen viele Leute rum. Man kann nur rein mit einer Führung, aber dazu habe ich keine Lust und laufe den Hügel wieder runter und wende mich nach rechts Richtung Uni, deren Campus ebenfalls als sehenswert beschrieben ist. 

Aber die Gegend ist öde und so laufe ich zur Cadbury Fabrik, gehe kurz durch den Shop, kaufe aber nur einen Kuli (!) und dann wieder Richtung Octagon. Schreibe da neben einem typisch englischen, roten Briefkasten meine letzten neuseeländischen Postkarten, kaufe mir noch einen schönen Pullover und eine Mütze aus Possum/Merino – man weiß ja nie und der nächste Winter kommt bestimmt - und nehme den Shuttlebus um 15.00 zurück zum Schiff. 

So bleibt mir noch eine knappe Stunde in Port Chalmers. Auch hier sieht es aus wie in England. Ich gehe noch schnell an der Library ins Internet, wenngleich direkt am Schiff in einem Zelt auch kostenloses Internet ist und jede Menge Gäste dort mit ihren Tablets und Laptops sitzen. Es ist unglaublich, wie viele von den Rentnern diese Sachen haben. In den Tagesprogrammen, die auch über die Sehenswürdigkeiten der Orte informieren, steht immer auch, wo es kostenloses Internet gibt. Bevor wir ablegen, spielt lange eine Dudelsack-Truppe, die ausnahmslos aus älteren Leuten besteht. Es weht wieder doll und man kann vermuten, dass die morgen alle eine Erkältung haben.

Beim Auslaufen begleiten etliche Albatrosse das Schiff. Die sehen einfach nett aus, mit ihren weiten Schwingen und den Schnäbeln, die immer aussehen, als würden die Vögel grinsen.

Ich treffe beim Abendessen wieder das ältere Ehepaar aus Perth und wir klönen eine Weile. Ich bin um 22.00h im Bett.  

Nun kommen 3 Seetage, wobei der erste nochmals an eine der schönsten Ecken Neuseelands geht: In die Fjorde. Somit habe ich nun leider leider Neuseeland landseitig verlassen. 

Kann mein Sabbatical nicht dazu gut sein, hier nochmals herzufahren? Mir fehlt Neuseeland jetzt schon!

Dunedin
Otago, New Zealand
Vee Bee Small

Akaroa und die Hector Dolphins

Wir liegen auf Reede ziemlich weit weg vom Land. Ich habe erstmals einen Ausflug gebucht für eine ¨Hafenrundfahrt¨ mit Delphin- und Pinguin-Sichtungen (hoffentlich). Leider startet die Fahrt nicht direkt am Schiff, sondern wir bibbern erstmal 20 min zum Hafen von Akaroa. Es ist 12 Grad und bedeckt, dazu der Fahrtwind, das ist wirklich saukalt. Wir steigen um auf ein Ausflugsboot und die Fahrt führt zunächst an den hohen Felsen des Kraters entlang, den die Bucht von Akaroa ausmacht. Wir sehen jede Menge Möwen und im Gestein Zeichen von Erdbeben (rötlich) und weißer Vulkanasche.

Am Ende der Bucht, wo es schon Richtung offene See geht, tummeln sich dann jede Menge der kleinen Hector Delfine um unser Boot. Hector Delfine sind die kleinsten Delfine der Welt und werden nur ca. 1,50m lang. Ihr Vorkommen ist nur noch auf Neuseeland beschränkt und hier, in der Bucht von Akaroa, leben etwa 30 dieser geschützten Tiere. Die einzige andere Population lebt an der Westseite Neuseelands. Sehr auffällig ist die runde Rückenflosse, die einen nicht unmittelbar an einen Delfin denken läßt.

Der Motor wird ausgestellt aber das Geschaukel in den Wellen verhindert wirklich gutes Fotografieren. Man braucht tlw. beide Hände, um sich festzuhalten. Einen Frau kotzt über das Achterdeck und irgendwann hat der Skipper ein Einsehen mit seinen Gästen und - nach einer kurzen Sichtung eines der seltenen blauen Pinguinen (Foto gleicht einem Suchbild) - geht es auf die andere Seite der Bucht, wo wir noch fur seals sehen.  Dies sind laut Definition bei Wikipedia Seebären, die zwar eher aussehen wie Robben, aber sie sind mehr mit Seebären verwandt, als mit den Robben. Sehr lustig finde ich, dass es Seebären tatsächlich gibt. Dachte, dass das eher eine touristische Gattung ist.

Mittlerweile scheint die Sonne. Wir sind erst kurz vor 11 wieder im Hafen von Akaroa und ich bin froh, dass ich heute Morgen nicht gefrühstückt habe, das hätte ich ggf. nicht mehr intus. Ich gehe in einem kleinen Café frühstücken mit Scone und Milchkaffee, laufe etwas durch Akaroa, wo ich ja neulich schon war und sitze dann in der Library um mal wieder Bilder zu verschicken und Emails zu lesen.

In der Bucht macht ein Typ Versuche auf einem seltsamen Gerät über dem Wasser zu schweben.

Nachdem die Sonne weg ist und es schon wieder weht wie blöde, nehme ich den Tender zurück zum Schiff. Man verteilt heißen Kakao am Anleger - eigentlich nicht eine typische Sommererfrischung.

Ich genieße einen ruhigen Abend, mit einer kleinen Unterhaltung mit den Leuten aus Perth und bin wie immer früh im Bett.


Akaroa
Canterbury, New Zealand
Vee Bee Small

Seetag

Herrlich - ein Seetag. Leider ist es bedeckt und mit 12-13 Grad sehr frisch und einfach zu kalt, um draußen zu sitzen. Ich bin eingewickelt in alle Jacken, die ich habe, aber man mag einfach nicht draußen sein. Ich konsumiere heißen Tee und Kakao, lese und gehe mittags zu drei Vorträgen über die Tierwelt dieser Gegend, über die Geschichte von Neuseeland und über forensische Ermittlungen von Mordfällen – ein echt buntes Programm. Leider laufen die direkt nacheinander und überschneiden sich teilweise. Etwas blöde geplant. Ich laufe dann durch das Schiff, auch mal in Ecken, die ich noch nicht angeguckt habe. Auf Deck 15 gibt es eine sensationelle Observation Lounge mit Liegesofas und tollem Blick. Insgesamt ist das Schiff ausreichend groß für die 2.800 Passagiere, man begegnet nur wenigen. Voll wird’s dann mittags im Selbstbedienungsrestaurant, da ist natürlich am Seetag mehr los, als an anderen Tagen, wenn die Leute an Land sind.

Ich lese mein zweites Buch aus, mache sogar mal ein Nickerchen und schaffe es erstmals zum Abendessen ins Restaurant. Es ist ja Gala-Abend. Die Gäste sind alle ziemlich gut gekleidet. Man sieht viele Smokings, Fliegen und schöne Kleider. Ich tausche meine Tisch-Reservierung, die vermutlich mit irgendwelchen Deutschen geendet hätte, gegen einen anderen Tisch. Neben mir steht eine Engländerin, die vor Geld stinkt, die sich endlos darüber aufregt, wie alleingelassen man hier als Alleinreisender ist. Seit 90 Minuten würde sie sich jetzt hier um einen Tisch versuchen zu kümmern, an dem sie nicht alleine sitzt. Hilfe!!! Mein Wunsch ist schnell erfüllt, warum sie dafür so lange brauchte, ist mir unklar. Wir sitzen dann zusammen an einem Tisch mit zwei Frauen aus Kanada und einem Ehepaar aus den USA. Und die Tante bleibt anstrengend…Der Mann  des Ehepaars ist schwerhörig und so gestaltet sich die Unterhaltung schwierig. Die Engländerin beklagt sich über dieses und jenes und dass sie bei Silversea Cruies nie so behandelt werden würde und erzählt mir zweimal, dass sie in einem der Bezahlrestaurants gegessen hat, wo man sie alleine an einen Tisch gesetzt hätte, als ob man als Alleinreisender auch alleine essen will und und und...

Sie ist etliche Wochen hier an Bord und kennt irgendwie auch die ganze Welt, leider aber eher aus einer sehr komischen Perspektive und kaum dass man mal etwas anders empfindet, wird sie völlig ungehalten. Queenstown sei z.B. ein ganz toller Ort und sie müsse mir total widersprechen, ich hätte das einfach nicht richtig gesehen. Ihre Enkel wären da bungee gesprungen und hätten das total klasse gefunden. Ich versuche erst ihr noch zu erklären dass ich kein Interesse an Bungee hatte und mir die Menge von irgendwelchen Backpackern, die auf dem Rasen rumlagen einfach nicht gefiel, insgesamt mir dort zu viel Trubel war, aber sie lässt mich gar nicht erklären. Also mit der Tante brauche ich keine weiteren Abendessen.

Ich bin froh, als ich meine Klamotten in den Schrank hängen kann. Ich war noch kurz in der Show, aber gehe nach 10 Min. Mir gefällt auch das nicht...Heute fehlt mir „mein Neuseeland“ auf meine Art. Alleine, mit Auto und endloser Natur.


New Zealand
, New Zealand
Vee Bee Small

Tauranga, Mount Maunganui

Wir liegen malerisch vor Mount Maunganui. Man kann für 5 Dollar einen Shuttle nach Tauranga (sprich: Toh-ranga, mit Betonung auf der ersten Silbe) nehmen. Das Wetter ist recht schön und ich fahre erstmal nach Tauranga. Irgendwie gibt es auf dem Stadtplan nur drei Sachen zum Ansehen. Ich laufe zunächst in die Richtung, gebe aber auf, als die Gegend zu seltsam wird. Ich laufe am alten Post Office vorbei, das aber geschlossen ist und zum Kauf steht. An der Library sitzen ein Haufen komischer Leute und das Signal für das WLan ist so schwach, dass es nichts bringt. Da der Shuttle nur 1 x pro Stunde geht, entscheide ich mich um 12.30h für die Rückfahrt, nach gerade mal 2 Stunden hier. In Maunganui laufe ich durch die belebte, nette Hauptstraße mit vielen Cafés, Shops und natürlich jeder Menge Touristen, nicht nur vom Schiff. Maunganui ist bekannt für seine schönen Strände und auch für den Mount Maunganui, um den man herum laufen kann (natürlich auch auf die 222m Höhe, die der Berg hat, um einen schönen Ausblick zu haben). Ich entscheide mich für die Umrundung und habe auch von dort schöne Blicke auf Felsen, gegenüberliegende Strände und knorrige Bäume. Ulkig ist, dass hier, etwa 30m über dem Wasser, die Erde der gesamten Hänge dicht an dicht mit Muscheln versetzt sind. Irgendwann muss das hier alles mal im Meer gewesen sein. Vermutlich ist das wieder das Becken eines Vulkans.

Ich bin gegen 15.00h wieder in der Hauptstraße angekommen, gehe kurz vorm Burger King ins Internet und laufe dann zum Schiff zurück. Um 16.30h ist eine Maori Show. Auch, wenn sowas vielleicht etwas Touri-tauglich aufbereitet ist, will ich das sehen. Es ist eine kurzweilige Veranstaltung und die Grimassen sind legendär. Man hat bei einem Haka (Kampf) die Gegner zunächst mit Brüllen und Grimassen versucht einzuschüchtern, auch ggf. um einen Kampf zu vermeiden. Schade, dass das heute nur noch im Büro und auf der Straße funktioniert, nicht aber bei Konflikten zwischen Ländern.

Das Schiff läuft bei schönem Wetter aus. Ich bin früh im Bett, nachdem ich kurz im Selbstbedienung Café was gegessen habe.

Tauranga
Bay of Plenty, New Zealand
Vee Bee Small

Hellhole of the Pacific

Sonne scheint durch meine Balkontür und ich höre Ah! und Oh! und Look! vom Nachbarbalkon. Unterhalb desselben tummeln sich mehrere Delfine, die teilweise sehr springfreudig sind. Immer schön zu zweit oder auch zu mehreren sind sie neben dem stehenden Schiff unterwegs. Es ist zwar erst 8.00h, aber die ersten Tenderboote fahren schon an Land. Wir liegen in der Bay of Islands, einer Bucht in der über 100 Inseln sind - und man kann viele kleine Felsnasen aus dem Wasser ragen sehen. Ich gehe zunächst mal frühstücken mit gutem Müsli und Beeren. Einen Kaffee dort und einen im Pappbecher zum Mitnehmen. Ich stehe an Deck und versuche weiterhin die Delfine zu fotografieren, die mittlerweile mehr achtern am Schiff sind. Nur hier oben, auf  Deck 12 oder 14 bin ich doch recht weit weg. Da war der Blick von meinem Balkon aus Deck 7 schon besser. Aber eben nur, wenn die Delfine eher mittschiffs waren. Ich packe in der Kabine meine Sachen zusammen und schreite zur Tenderboot-Ticket-Vergabe. Nach 20 min bin ich in einem Tenderboot und sitze oben auf dem Dach, was einerseits etwas windig ist, andererseits natürlich den besten Blick liefert. Leider ist es ziemlich bezogen, aber nicht kalt. Wir fahren etwa 15 Minuten bis nach Paihia an die Waitangi Pier. Waitangi ist sehr bedeutsam, denn hier wurden die Verträge zwischen den Maori und den Briten am 5. und 6. Februar 1840 geschlossen. Zunächst aber besteige ich einen Shuttle-Bus, der innerhalb von 8 Minuten in Paihia ist. Hier gibt es jede Menge Touri-Shops und auch Angebote für Ausflüge, die vom Schiff aus auch angeboten wurden - jedoch dort zu deutlich höheren Preisen.

Ich kaufe mir für 12 $ ein Fährticket und fahre mit einer betagten Fähre von 1942 rüber nach Russell, einst das „Hellhole of the South Pacific“. Hier wo dunkle Gestalten und lästerliche Damen vor 100 und mehr Jahren ihr Unwesen trieben, hatte man tatsächlich mal die Hauptstadt Neuseelands ausgerufen. Vormals Kororareka genannt, wurde zu Ehren des ehemaligen Kolonialstaatssekretärs und Lord John Russell der Ort in Russell umbenannt und nach der Unterzeichnung des Vertrages von Waitangi 1840 für kurze Zeit Hauptstadt Neuseelands. Nachdem die Wahl für die neue Hauptstadt im September 1840 auf Auckland fiel, verlor der Māori-Stammesführer Hone Heke durch den Abzug der Regierung wichtige Einnahmen für Ankerplätze und sah sich daher von den weißen Unterzeichnern des Waitangi-Vertrages getäuscht. Er brachte den Mast mit dem Union Jack auf dem Flagstaff Hill mehrmals zu Fall und brandschatzte mit seinen Kriegern 1845 schließlich den Ort. Die Weißen flohen mit Schiffen nach Auckland und der Krieg im Norden begann. In der Tat ist Russell die älteste europäische Siedlung des Landes. Anfang des 19. Jahrhunderts lebten hier überwiegend Maori, die außerordentlich vom Handel mit den Europäern profitierten. Es ließen sich zudem geflohene Sträflinge aus Australien nieder und desertierte Seeleute und Walfänger. Heute zeugen nur ein paar schöne alte Holzhäuser aus dieser Zeit, die allerdings überwiegend Restaurants sind oder Shops. Man kann nett unter den Pohutukawa-Bäumen, die man Anfang 1900 dort gepflanzt hat, am Wasser lang laufen, ist aber auch bald durch. Highlight des Ortes sind die Christ Church, die älteste Kirche Neuseelands und der Grabstein des Maori-Häuptlings Moka, der die Verträge mit ausgearbeitet hat, die man heute zwar als Staatsgründung sieht, die aber im Grunde die Maoris völlig entmachtet und enteignet haben. Auf dem Kirchhof kann man die Bevölkerungsstruktur des 19. Jahrhunderts ablesen: Walfänger, Seeleute, Māori und frühe Siedler sind hier bestattet. Außerdem die laut Inschrift im Januar 1816 als erste weiße Frau in Neuseeland geborene Hannah King Letheridge.

Außer dem Pompellier Haus, einer alten Druckerei, ist hier nicht viel anzusehen. Ich trudele durch den Ort, kaufe mir einen trockenen Muffin, ein paar steinharte Nektarinen und sitze vor dem Dorfladen, der auch gleichzeitig Post ist, und schreibe ein paar Postkarten. Es ist in Neuseeland nicht so ganz einfach, Briefkästen oder Postämter zu finden, so sitze ich durchaus mal direkt vor einem Briefkasten und schreibe auf den Knien Karten, um sie dort gleich einzuwerfen.

Gegen 13.30h bin ich wieder in Paihia auf der anderen Seite der Bucht. Ich laufe zur schönen, alten Bibliothek, der Garten ist voll mit Leuten, alt und jung und alle schauen intensiv in irgendwelche Handhelds, Handys oder Tablets. Denn wie auch in den USA ist in den Bibliotheken WLAN, allerdings in Neuseeland auch draußen vor der Tür. Hier hängt sogar an der Tür ein Zettel, dass WLAN nur draußen geht. Ich hocke mich auf ein Geländer, rufe meine Mails ab und lade meine Fotos zuerst auf das Tablet und schicke etwas auf Whatsapp rum und bepflastere Facebook mit Delfinbildern, die ich selbst gar nicht in der grellen Sonne auf dem Tablet erkennen kann. Hinter dem Garten der Bibliothek stehen Festzelte und eine Blaskapelle spielt Marschmusik. Hat was von einem britischen Seebad.

Ich entscheide mich zum Waitangi Pier die halbe Stunde zurück zu laufen und begebe mich langsam auf den Weg. Die Straße führt immer schön am Wasser lang und nach dreiviertel der Strecke liegt linker Hand das Festgelände für das Waitangi Day Spektakel. In einer Maori-Kirche beginnt scheinbar gerade der Festgottesdienst. Alle in guten Kleidern, Schuhe müssen aber ausgezogen werden. Ich gucke ein wenig zu, sehe aber wenig und laufe dann weiter über die Brücke, von der gerade die Kinder ins Wasser springen. Ganz schön hoch! Kurz darauf erreiche ich das Treaty House und gönne mir für 25$ Eintritt etwas Kultur. Hier steht noch das Wohnhaus von dem Offizier Busby, einem Engländer, der  sich um die Verständigung zwischen Briten und Maori und den Maori untereinander bemüht hat. Wikipedia schreibt dazu: „Um Konflikte zwischen den Māori untereinander zu befrieden, versuchte Busby, die sich oft untereinander bekriegenden Stämme zu einen und mit einer – bisher fehlenden – gemeinsamen politischen Struktur zu versehen. So schuf er zum Beispiel in Zusammenarbeit mit ihnen 1834 eine eigene Flagge für Neuseeland, die heute noch seitens der Māori benutzt wird. 1835 erreichte er, dass 35 Häuptlinge der nördlichen Stämme sich zu einem Bündnis der Vereinigten Stämme von Neuseeland zusammenschlossen und eine Unabhängigkeitserklärung für Neuseeland unterzeichneten. Dadurch sollte der Zugriff dritter Mächte auf das Land verhindert werden.“

Das Haus von Busby ist für Neuseeland alles uralt und entsprechend wichtig und bewundernswert. Daneben gibt es das große alte Maori-Versammlungshaus, aus dem eine Touristengruppe gerade herausgekommen ist, so dass ich das Innenleben ohne Menschen fotografieren kann. Hier oben auf dem Flagstaff Hill hat man einen schönen Blick über ein paar der Inseln und in der Ferne Paihia.

Wichtig ist hier aber wirklich der Waitangi-Vertrag und seine bis heute insbesondere für die Maori spürbaren Auswirkungen. Wikipedia schreibt dazu: „Immer wieder kam es zwischen ihm (Busby) und George Gipps, dem Gouverneur von New South Wales, zu Konflikten. Ende Januar 1840 erreichte deshalb Kapitän William Hobson Waitangi, um Busby abzulösen. Er brachte einen ersten Entwurf für den späteren Vertrag von Waitangi mit. William Hobson, der Missionar Henry Williams (1792–1867) und James Busby überarbeiteten diesen Entwurf bis zum 4. Februar 1840, so dass die praktischen Erfahrungen von Busby aus seiner Amtszeit einflossen. Für den 5. Februar 1840 war ein Treffen der Māori mit Busby vereinbart. So blieb nur eine Nacht, um den Text des Vertrages in die maorische Sprache zu übersetzen. Dies geschah durch Henry Williams und seinen Sohn Edward, die beide die Sprache fließend beherrschten. Allerdings waren sie weder Juristen noch professionelle Übersetzer. Daraus resultiert ein Teil der späteren Interpretationsschwierigkeiten des Vertragstextes. Andere Schwierigkeiten rührten aus den unterschiedlichen kulturellen Konzepten der beteiligten Briten und Māori zu politischen Gemeinschaften („Staatlichkeit“, „Souveränität“) und dem Eigentum an Land und seinen Nutzungsrechten her. Dies führte schon bald zu unterschiedlichen Auslegungen und zahlreichen Kontroversen, die schließlich in den Neuseelandkriegen endeten. Beispielsweise war den Māori bei Vertragsschluss nicht bewusst, dass sie mit dem Verkauf eines Grundstücks auch die Rechte an dessen Früchten abtraten. Landverkauf war in ihrem kulturellen Kontext nicht üblich. Nach dem Verkauf von Land verloren sie so auch überlebenswichtige Gebiete, die die weißen Siedler (Pākehā) umzäunten und der Nutzung der Ureinwohner entzogen. Um den ausufernden Fischfang einzudämmen und den Fischbestand zu sichern, wurden später zum Nachteil und Unverständnis der Māori Fangquoten erlassen.

Nach einer zweitägigen Beratung der Leiter des Bündnisses der Vereinigten Stämme von Neuseeland unterzeichneten diese den Vertrag am 6. Februar 1840. Weitere Häuptlinge unterschrieben später auf Kopien des Erstexemplars des Vertrages. Bis September 1840 hatten 500 Häuptlinge unterzeichnet. Auf britischer Seite unterzeichnete William Hobson als Stellvertretender Gouverneur und damit letztendlich in Vertretung der Königin von Großbritannien, Victoria.“

Ich laufe den Hügel runter zum großen Kriegerkanu, das aber verlassen und mit seinen 35 m Länge auch wenig fotogen – wie eine lange Wurst -  auf dem Wasser liegt. Also weiter zum Ausgang, nochmal den schön singenden Vogel angucken, den ich beim Reingehen schon auf einem Baum fotografiert habe. Zum Schiff sind es jetzt nur noch 500 m und ich nehme das nächste Tenderboot zum Schiff. Ich habe jetzt echt Hunger, hole mir etwas Pasta, die Meatballs schmecken aber gruselig und so bin ich sehr schnell fertig, es ist nicht einmal 19.00h. Ob die Leute an meinem Tisch mich vermissen? Ich werde angesichts der Dinnerzeit von 20.30h kaum mal dort auftauchen. Vielleicht übermorgen, dann ist mal „formal“ angesagt.

Ich sitze in der untergehenden Sonne bei der Abfahrt draußen an Deck mit einem Kaffee und verziehe mich bald auf meinen Balkon, um endlich meine Tagebucheintragungen nachzuholen.

Um halb 10 laufe ich mal durch die Shopping Arkaden und bin erstaunt, dass die Sachen doch gar nicht so teuer sind, leider aber keine hübschen Logo-Artikel für mich da sind.

Also noch einen Kaffee, zwei Kugeln Eis und dann ab ins Bett. Hurra, ich lese die ersten 10 Seiten in meinem ersten Buch! Nach 2 Wochen!

Es ist wirklich unglaublich, dass ich heute erste zwei Wochen unterwegs bin. Was habe ich schon alles gesehen und erlebt? Das machen andere sicher in 5 Wochen – oder einem ganzen Leben J. Was geht’s mir doch wieder gut!

Paihia
Northland, New Zealand
Vee Bee Small

Auckland und Beginn einer 18tägigen Kreuzfahrt

Herrlich, wenn man nichts wirklich machen muss. Ich überlege, ob ich eine hop-on-hoff-off Tour machen soll, die aber 40$ kostet und eigentlich gibt es in Auckland keine zwingenden Sehenswürdigkeiten. Also packe ich alles so zusammen, dass ich das heute Nachmittag zum Schiff kriege und die wichtigsten Sachen im Handgepäck habe. Meine Tasche platzt fast, nachdem nun beide Jacken dort drin sind. Vorteil der neuen Packaktion ist, dass ich das zweite Hosenbein meiner zip-off-Hose finde. Eines war in der Tasche, eines im Rucksack. Ich hatte ja gedacht, dass das eine Bein aus dem Auto geweht ist, als ich mit offenem Fenster nach Rotorua gefahren bin. 

Also brauche ich mir den linken Unterschenkel nicht zu amputieren und habe wieder Gebrauch für das zweite Hosenbein. Derart gut ausgerüstet schreite ich nun die Queens Street hoch und laufe auf der Victoria Street einen Hügel zum Sky City (Aussichtsturm) hoch. Bis auf 220m kommt man hier mit dem Fahrstuhl. Und wer will kann sich auch von dort abseilen lassen. Nicht Bungee, aber immerhin.

Das Ticket kostet erstaunlicherweise nur 28$ und mit travel agency reduction nur 18$. Es gibt zwei Aussichtshöhen, beide aber hinter Glas. Wenigstens kostet das obere Level nichts extra. Ich sehe mein Schiff von oben, sehe die städtischen Vulkane, die Harbour Bridge und stelle fest, dass ich von Berlin weiter weg bin als von Toronto. Ansonsten ist der Blick zwar schön, zeigt mir aber auch, dass es nichts Tolles zu sehen gibt. Ich laufe noch kurz zum Aoteroeon Square und suche mir jetzt um 14.00h was zum Frühstücken...Es wird ein Lamm-Burger bei Burger King! Ich sitze noch eine halbe Stunde vor meinem Hotel von gestern, um das WLan zu nutzen, was auch draußen auf der Bank funktioniert, laufe dann Richtung Schiff, um, den Weg zu checken  und hole anschließend mein Gepäck aus dem Hotel und schiebe los zum Schiff. Dauert nur gut 10 Minuten mit dem ganzen Plunder und dann bin ich das auch schon los. Ausreisekarte Neuseeland ausfüllen, Gesundheitsangaben machen und durchleuchten wie am Flughafen. Dann Check-in mit Kreditkarte, Foto machen, Schlüssel/Bezahlkarte kriegen und innerhalb von 20 min bin ich auf dem Schiff. Wenn ich mich an Vancouver erinnere, wo wir fast 4 Stunden genbraucht haben, um aus Kanada aus- und auf ein amerikanisches Schiff einzureisen, ist diese Einreise auf ein amerikanisches Schiff ein Witz. Meine Kabine ist der Hit. Ich laufe aber nochmal raus in die Stadt und kaufe mir etwas zu Trinken und verschicke die letzten Fotos per Whatsapp. Die Ausfahrt im Sonnenuntergang ist schön. Irgendwie hat man das Gefühl mit einem Hochhaus zu reisen.

Ich hole mir im Selbstbedienungsrestaurant gegrillten Fisch und Obst und ein Eis.  Alles sehr lecker. Als um 20.45h  noch immer kein Gepäck da ist, frage ich nach, denn wir haben vor 45 min Auckland verlassen...Eine Nachricht auf meinem Telefon erklärt mir, dass die Security etwas Verdächtiges gefunden hat und ich dort hin muss. Also ab auf Deck 2. Ich bin dort nicht alleine, man kassiert dort jede Menge Korkenzieher, sogar Mehrfachstecker sehe ich auf der Liste der konfiszierten Sachen. Bei mir ist es ein Messer, das ich auf Reisen immer dabei habe. Sollte ich das als Waffe gedacht haben, kann ich mir hier sicher auch ein Steakmesser ausleihen . Um das Messer in meiner gepressten Tasche zu finden, muss ich alles – wirklich ALLES - auspacken und schmeiße den ganzen Mist einfach auf den Boden. Mittlerweile bin ich ziemlich abgenervt. Das ist doch hier kein Flugzeug! Ich stopfe nach dem Fund alles unsortiert in die Tasche und trage das, was nicht mehr in die Tasche passt, über dem Arm wieder nach oben. Soviel dazu, dass ich seit Abreise in Stuttgart meine "guten" Klamotten versucht habe knitterfrei über fast 3.000 km von Neuseelands Straßen zu befördern. Das noch halbwegs präsentable Ergebnis ist hier auf Deck 2 gerade eliminiert worden.

Nach 2 Wochen wird nun erstmals alles ausgepackt und mir ist es echt egal, wie zerknüllt nun alles ist und ich falle um 22.00h bei geöffneter Balkon Tür und Meeresrauschen ins Bett.


Auckland
Auckland Region, New Zealand
Vee Bee Small

Warme Quellen am Strand, Kauri-Bäume und Auckland

Da Sonntag ist, geht mein Wecker erst um 8.00h, ich bin aber schon vor 7.00h wach. Die Sonne scheint durch sämtliche Fenster in mein Häuschen und um mich herum ist noch allgemeine Sonntagsruhe in Zelten, Wohnwagen und Cabins. Die Zikaden geben wieder ihr Bestes, ich chatte ein bisschen mit Gitta und Martina, mach mir einen Kaffee (natürlich gibt es wieder einen Viertelliter Milch im Kühlschrank) und sitze in der Sonne auf meiner Veranda und mag irgendwie gar nicht weg fahren. Aber es hilft ja nichts. Ich muss heute nach Auckland, denn morgen geht die Kreuzfahrt los. Vorher will ich aber noch zur Cathedral Cove, was hier ganz in der Nähe ist.

Ich fahre erneut Richtung Hahei Beach (nicht Hot Water Beach) und es gibt hier sogar etwas wie eine Tankstelle. Die besteht aus zwei Zapfsäulen, die im Freien stehen und man 30m weiter im Dorfladen vorher bezahlen muss, was man so tanken will. Klar ist das hier wie in einer Apotheke und für 2,41 $ den Liter tanke ich den teuersten Sprit meines Lebens und kriege für 30 Dollar gerade mal 12 Liter. Wenigstens ist der Tank nun soweit voll, dass ich bis nach Thames kommen werde, was Richtung Auckland liegt und etwa 65 km weit ist. Nach Cathedral Cove geht die Straße hinter dem Dorfladen und einer Eisdiele links den Berg hoch. Keine schlechten Häuser hier oben. Und viele Backpacker, die den Dorfladen und die Eisdiele reich machen. Nach drei Runden um den kleinen Parkplatz oberhalb der Steilküste habe ich einen Parkplatz und bin gleich mal von der Aussicht begeistert. Traumhafte Weitsicht über Inselchen, Steilküste und blauestes Meer! Das hat schon was von der Karibik, wenn die Temperaturen nicht so angenehm wären. Mit 25 oder 26 Grad trockener Wärme und leichter Brise ist es sehr gut auszuhalten, auch, wenn jetzt schon 11 Uhr ist. Ich mache mich auf den Weg Richtung Cathedral Cove, was bedeutet, dass man einen Trampelpfad immer bergab läuft. Nachdem man auch keine Sicht mehr auf die Küste, das Wasser und die vielen Inseln hat, dafür aber permanent über Steine und Wurzeln stolpert, habe ich die Nase voll und drehe um. Angesichts  der Karawane, die sich nach unten begibt, wird es da voller sein, als auf dem Parkplatz. Und dann muss man wieder eine Stunde hochstolpern.

Unterhalb der Aussichtsfläche ist ein schöner Rasen auf dem ich mich nun für eine Stunde niederlasse. Das dürfte die erste Freistunde in diesem Urlaub sein. Ich habe heute nichts Großes mehr vor, endlich Zeit und welches Plätzchen wäre schöner als dieses hier mit dieser grandiosen Aussicht? Ich liege im Gras und gucke den Möwen zu, mache ein paar Fotos uns esse meinen Apfel aus dem Dorfladen, der mein Frühstück und Mittagessen ist.

So gegen 13.00h sattle ich dann doch mein gelbes Spielzeugauto, das nicht nur 158.000 km auf der Uhr hat, sondern dem die Radioantenne fehlt (weswegen man absolut nichts empfangen kann, außer über drei Kreuzungen in größeren Orten) und auch das Bänzel an der Tankabdeckung. Von der verbogenen Radkappe vorne links und dem massiven Rost auf den Rädern und dem aufgerissenen Sitzpolster des Fahrersitzes sowie der Flecken auf den Polstern will ich nicht reden. Was eine echte Pest ist, ist der Spritverbrauch von diesem Kleinwagen.

Bevor ich nach Auckland fahre, fahre ich noch nach Hehai Hot Beach. Ich habe Glück, dass um 15.00h ca. die Ebbe war, denn das ist die Zeit (2 Stunden davor und danach) sich an einer bestimmten Stelle am Strand eine Kuhle zu buddeln und sich dort in das warme Wasser zu legen. Schaufeln kann man überall leihen, mein Holiday Park von letzter Nacht machte das auch umsonst, gegen Pfand. Es ist viel los in der entsprechenden Ecke. Große Felsen und von Schwefel gelb-gefärbte Steine liegen auf dem Strand und viele Leute in ihren Löchern. Manche haben sich mit ihren besten Freunden eine etwas größere Kuhle gegraben und gleich mal ihre Drinks mitgebracht. Bei Flut ist dieser Strand komplett überspült, so dass dieses Spektakel nur bei Ebbe möglich ist. Ab und an kommt dann doch eine der großen Wellen bis an die Löcher heran und überspült die Leute von oben mit kühlem Wasser, während man von unten erwärmt wird.

Ich laufe durch einen Ablauf von warmem Wasser, der so heiß ist, dass ich hopsend in den Spülsaum flüchte, um meine Füße zu kühlen. Die Brandung ist hier heftig und es ist  - bis auf einen sehr schmalen Strandabschnitt - Baden verboten. Einige Wellenreiter sind unterwegs, aber außer Wellenhopsen ist auch kein Schwimmen möglich.

Ich fahre noch kurz nach Hahei Beach, laufe ein paar Meter am Strand, halte meine Füße in den Pazifik und da man auch hier nicht schwimmen darf, mache ich mich auf meinen Weg.

Meine Fahrt Richtung Auckland führt zunächst auf dem Highway 25 nach Süden. Ich mache kurz an den Kauri-Zwillingsbäumen halt und fahre nach 2min weiter. Kauri-Bäume sind indigene Geschöpfe Neuseelands. Diese Bäume sind mächtig, bis zu 50m hoch und fallen durch eine belaubte Krone auf, die auf einem dicken und hohen Stamm sitzt. Der älteste Kauri-Baum in Neuseeland soll über 2000 Jahre alt sein. Leider sind sie mittlerweile selten geworden und so ist die Sichtung von Kauri-Bäumen etwas Schönes, Erhabenes und Wertvolles.

Die Landschaft kenne ich ja schon. Ich fahre quer durch den Coromandel Forest Park mit vielen hohen Bäumen, Hügeln und jeder Menge Kurven, bis ich irgendwo nach Westen abbiegen muss, um auf den Highway 2 zu kommen. Diese Highways hier sind Landstraßen, die alle 5-8 km mal eine Überholspur haben. Aufgrund der vielen Kurven komme ich mit bestenfalls 50-60 km/h voran und wenngleich Auckland nur 170km weit von Hahei weg ist, ereilt mich die Kombination von geringer Geschwindigkeit und dann auch noch des sonntäglichen Rückreiseverkehrs nach Auckland und Umgebung. Auckland h at die Ausdehnung von Paris, wenngleich hier nur 300.000 Menschen leben. Auf dem Weg nach Auckland entscheide ich mich noch schnell einen anderen Ort anzufahren, namens Birkenhead. Gepriesen für die europäisches Architektur von vor 100 Jahren bis zu dem schönen Blick auf Auckland und die Auckland Harbour Bridge. Vorher gibt es noch ein Eis auf die Faust. ¨Real fruit ice cream¨ heißt: man nimmt Eis vom Großhersteller und presst tiefgefrorene Früchte mit einem Spezialpresser zusammen und macht daraus eine Art festeres Softeis. Schmeckt gut.

Birkenhead bietet ein paar ganz nette alte Holzhäuser, aber der Blick auf Auckland ist das eigentliche Highlight, nachdem ich die Auckland Harbour Bridge  überfahren habe.

Mein nächster Punkt ist das Hotel, das eigentlich ein Apartment ist. Es war mit 142 $ das Billigste in der Innenstadt und hat den großen Vorteil, dass ich morgen zu Fuß zum Schiff gehen kann. Selbst mit Gepäck.

Auckland hat etliche Hügel und ist umzingelt von jeder Menge Wasser auf beiden Seiten. Die Lage ist also wirklich toll, was sicher eine gute Lebensqualität hat. In der Stadt gibt es einige kleine Vulkane, natürlich inaktiv, die alle begrünt sind. Aber auch im Straßengewirr der Innenstadt gibt es jede Menge Straßen, die hoch und runter gehen. Dank Navi habe ich das sehr unauffällige Gebäude dann gegen 20.00h gefunden. Mit Gegensprechanlage komm ich rein, in einem Fach wartet mein Schlüssel, ich befördere all meinen Plunder aus dem Auto in die Wohnung, die sehr schön ist. Nur der Blick nach hinten ist nicht so toll, wenngleich später im Dunkeln die Lichter der umgebenden Hochhäuser ganz nett aussehen. Allerdings ist bis etwa zum 2. Stock unter mir ein Haus mit einer Abluft, die sehr nach asiatischem Essen riecht. Meine Wohnung hat einen Balkon, den kann man aber nicht wirklich nutzen. Es gibt auch keinen Stuhl dafür und das permanente Rauschen von dem Abluftdings und mehrerer Klimaanlangen ist störend.

Ich muss nun noch eine Tankstelle finden, um das Auto vor der Abgabe ein letztes Mal zu befüllen. Ich kurve etwas rum, bis ich eine finde und tanke für 84 Dollar dieses Mist-Auto auf. Was für ein Schluckspecht für in Auto, das kleiner als ein Polo ist und etwa so groß, wie der Suzuki Swift, den ich auf der Südinsel hatte, das aber nicht ansatzweise so viel verbraucht hat, dafür aber wenigstens die Berge mit mehr als 60 km/h hochkam. Mit diesem Auto wurde ich mehr als einmal zum Stauverursacher, wenn es bergauf ging. Nun noch die Autoabgabe finden, was nur 2 km weg sein soll.

Ich weiß, dass die bereits geschlossen haben, aber dass die ihren Hof verriegelt haben, ist etwas idiotisch - denn wo soll man das Auto abstellen? Ich parke das in der Einfahrt, es ragt halb in den Gehweg, schmeiße den Schlüssel in die Dropbox und bin froh, diese Mistschüssel los zusein.

Ich fühle mich befreit vom Auto und bin auch froh, dass ich nun nach mehr als 3.500 km in Neuseeland innerhalb von nicht einmal 9 Tagen vorerst nicht mehr fahren muß. Ich hab mir die Strecken ja selbst ausgesucht, um maximal viel zu sehen und freue mich auch, dass ich das gemacht habe und dabei so unfassbar viel Schönes gesehen habe und die Fahrerei, abgesehen von den tausenden Kurven, auch wirklich super lief. 

Ich gehe Richtung Hotel/Wasser und finde am Yachthafen im allgemeinen Getümmel ein Restaurant mit einem ganz anständigen Chicken Curry im Sonderangebot für 13,50$ plus einem Bier und bin um 22.00h im Hotel. Da das Apartment eine Waschmaschine mit Trockner hat, werfe ich eine Maschine an. Leider geht der Trockner dann nicht und so drapiere ich mehrere T-Shirts und zwei Hosen an Türknaufen und der Balkontür.  Dann noch etwas Internetten, Bilder auf dem Tablet sichern und um Mitternacht bin ich im breiten, bequemen Bett.

Fahrtstrecke: 250 km

Gesamte Fahrtstrecke Nordinsel 31.1.-2.2.2014: Gut 1.000 km

Auckland
Auckland Region, New Zealand
Vee Bee Small

Hobbits, Kiwis und ein eigenes Haus

Nur ungern verlasse ich dieses nette Motel, in dem Beth und ihr Mann wirklich tolle Gastgeber sind. Schnell noch einmal zum Te Puia, das T-Shirt tauschen, was problemlos geht und dann bin ich auch schon unterwegs zum Buried Village. Hier, wo 1886 der nahegelegene Mount Tarawera ein Dorf verschüttet hat, kann man heute selbiges ansehen. Te Wairoa war mal ein Muster-Dorf, das von Missionaren Mitte des 19. Jahrhunderts dort gegründet wurde. Eine britische Familie hat hier viele Gebäude wieder freigelegt, die man – wie ein Museumsdorf ansehen kann. Angesichts von 32 Dollar Eintrittsgeld, schenke ich mir das dann aber trotzdemund gönne mir zum Frühstück in dem Café einen echt englischen Scone mit clotted cream und Marmelade sowie einen guten Kaffee. Also wieder zurück Richtung Hauptstraße, schnell noch einen Blick auf die Redwoods bei Tageslicht geworfen - sieht einfach toll aus und es ist kaum möglich, die aufgrund ihrer Höhe zu fotografieren. Ich liege quasi auf dem Parkplatz und es geht auch nur mit der kleinen Kamera, die das größere Weitwinkel hat. Da ich das zweite zip-off-Bein meiner einen Wanderhose nicht wiederfinden kann, fahre ich kurz in einen Outdoor-Laden, um eine vergleichbare Hose zu finden. Ohne Erfolg. Mich irritiert jedoch ein Schild am Laden-Eingang, dass ich meine Waffen wegstecken soll. Wir sind doch hier nicht in Amerika? Wußte nicht, dass man in diesem friedvollen Land Knarren rumtragen darf.

Mein Weg soll auf der Ostseite um den Lake Rotorua  führen und ich fahre noch schnell einen Abstecher nach Hell's Gate, was in meinem Reiseführer als weitere Ecke mit heißen Quellen erwähnt ist. Leider führt der 6km-Abstecher zu einer Art Kurbad, was 36 Dollar Eintritt nimmt. Weder habe ich vor, hier zu kuren, noch muss ich 36 Dollar zum Angucken ausgeben, also weiter.

Mein Ziel soll nun Matamata sein, bzw. das in der Nähe liegende ¨Hobbiton¨, die Film-Heimat der Herr-der-Ringe-Trilogie und der drei Hobbit-Filme. Es ist relativ schlecht bis gar nicht beschildert und ohne Navi wäre ich da gar nicht angekommen. Selbst dem Ding traue ich nicht, als es mich über verlassene Landstraßen schickt, wo kein Auto fährt und auch gar kein Schild auf diesen Touristenmagneten verweist. Doch Parkplatz, Shop und Menschen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass ich dann doch da angekommen bin, wo ich hinwollte. Es ist mittlerweile schoon13.30h, ich bin doch ziemlich rumgefahren ohne etwas wirklich gesehen zu haben. Nun will ich hier eigentlich rein, doch es kostet 75 Dollar Eintritt (also rund 50 ER). Ich überlege 10min und entscheide mich dagegen. Einerseits dauert die Tour 2 Stunden und ich will ja noch versuchen nach Coromandel zu kommen und auf dem Weg noch die Kiwi-Plantagen zu sehen, andererseits ist der Preis mir einfach zu happig. Man fährt hin und zurück zum Filmset mit dem Bus jeweils 10 min, hat eine Führung und in dem Hobbit-Pub dann 20 min Freizeit für einen kostenlosen Drink, den man natürlich mit den 75 Dollar bezahlt hat, dann geht’s mit dem Bus zurück und das war’s. Ich frage zwei Leute, die gerade von der letzten Tour zurückkommen und einer sagt: Lohnt sich gar nicht, der andere meint: total super. Hilft mir also auch nichts.

Ich setze mich in mein Auto, nachdem ich mir als Souvenir wenigstens für 1 $ einen Souvenir-Kuli gekauft habe (der bereits nach 3 Tagen leergeschrieben ist, nach 6 Postkarten).

Durch sanfte Hügellandschaft, entlang von vielen Rinderweiden geht es weiter durch Mittelerde. Es ist wirklich eine liebliche Landschaft für gutmütige Hobbits und völlig anders, als die raue, vielfach windige Südinsel mit ihren hohen Bergen.

Da „360 Kiwi“, so der Name der weltgrößten Kiwi-Plantage, östlich von Tauranga liegt, ich in Matamata aber südwestlich von Tauranga bin, muss ich noch eine gute Stunde fahren, bis ich bei den Kiwis bin. Eine riesige begehbare Blech-Kiwi zeigt von Weitem den Weg. Auf dem Gelände stehen kleine Bähnchen in Form von Kiwis, mit denen man Touren durch die Plantage machen kann. Da es eben eine aktive Plantage ist, kann man nicht alleine rumlaufen und muss eigentlich auch hier an einer Führung teilnehmen, die 20 $ kostet und erst um 16.00h losgeht. Nun ist es 15.20h. Zu teuer, zu lange warten, also einfach die nächsten Kiwi-Bäume abfotografieren und die Dinger erstmals am Baum sehen. Die wachsen dicht an dicht. In dem unvermeidlichen Shop gibt es alles aus Kiwi, selbst Wein, Handcreme oder mit Kiwis verzierte Sparschweine - es lebe der Kommerz. Allerdings finde ich hier meinen neuen Beifahrer: Einen Kiwi aus Plüsch mit Schnabel und nicht am Baum. Ab sofort begleitet er mich vorne auf dem dashboard.

So fahre ich also wieder auf den Highway, habe das Gefühl, heute viele Eintrittsgelder gespart zu haben, allerdings auch viele Kilometer gefahren zu haben, ohne auch nur eines der Dinge anzusehen, die ich mir vorgenommen hatte. Naja, wer weiß, wofür es gut ist. So komme ich nun schon vor 16.00h in Richtung Coromandel. Das Navi sagt 173km und zwei Stunden. Das ist ja prima, denke ich mir, müssen ja tolle Straßen sein.  Irgendwann geht die Straße doch natürlich wieder durch die Berge. Hätte nicht gedacht, dass Coromandel auch so bergig ist. Meinem Navi hatte ich Hahei an der Ostküste der Nordinsel, als Ziel eingegeben, weil das in meinem Reiseführer nett beschrieben ist. Mit heißen unterirdischen Quellen am Strand und ¨vielfältigen¨ Übernachtungsmöglichkeiten. Da jetzt Wochenende ist, lässt diese Info hoffen, dass ich abends dort noch etwas kriege.

Irgendwann nach der 2.500sten Kurve ergibt sich ein atemberaubender Blick auf die Ostküste von Coromandel. Wenngleich abgenervt und auch auf der falschen Seite unterwegs, kreuze ich über beide Fahrbahnen auf einen der wenigen Aussichtspunkte (die im Übrigen in 99% der Fälle in unübersichtlichen Kurven liegen, was solche Manöver wie meines immer etwas mit Nervenkitzel verbinden, ob nicht von vorne jemand kommt). Das Licht ist mittlerweile richtig schön und zwei Stunden sind lang vorbei und ich bin immer noch 60km vor Hehai. Also kurve ich weiter und weiter, die Landschaft ist schön, die Schafe traben schon alle in eine Richtung (vielleicht zum Schlafen...?) und ich fahre immer noch nach Norden, Kurve um Kurve. Die Geschwindigkeitsbegrenzung liegt streckenweise bei15km/h, damit einen das nicht aus der Bahn wirft. Ich fahre in Tairua kurz ans Wasser und fotografiere eine schöne Brandung (am nächsten Tag komme ich auf dem Weg nach Auckland hier wieder vorbei - es ist totale Ebbe und sieht ganz öde aus). Tairua sieht eigentlich ganz nett aus und ich überlege, ob ich hier bleiben soll, aber mich reizt diese Beschreibung von heißen Quellen am Strand und, dass Hehai so abgelegen ist.

Um 19.30h erreiche ich Hahei Hot Water Beach, das etwa ein oder zwei Motels hat, die voll sind. Ansonsten: Tolle Brandung und ein paar Backpacker in der einzigen Strandkneipe dort. Nun werde ich langsam etwas nervös. Einerseits geht mein Sprit auf den Rest, andererseits hat offenbar mein Reiseführer-Autor irgendwas anders in Erinnerung. Ich fahre 8 km weiter nach Hahei Beach, wo auch nichts ist. Und das, was dort ist, ist voll. An einem Holiday Park hilft man mir und organisiert mir das letzte Zimmer in einem anderen Holiday Park, dem Sunbreeze Holiday Park, der sogar eine eigene Brauerei und entsprechendes Essen anbietet. Nochmal 10 km fahren, das ist nun auch egal. Und Seebreeze heißt nicht, dass das am Wasser liegt, sondern eher 10km vom Wasser weg. Auch nochmal egal. Ich will nur noch ein Zimmer haben, sonst muss ich bis Tairua zurück fahren, was etwa eine Stunde dauert. Dazwischen gab es keinen Ort. Ich bin um 20.45h endlich im Besitz einer Cabin für 120 Dollar (x 0,62 = EUR), die richtig nett ist. Ein eigenes Haus für mich allein! Es ist wie so oft, wenn man spät abends eincheckt, das Behindertenzimmer. Das hatte ich schon mal. Das ist sicher wie in USA, wo die Hotels dieses Zimmer haben müssen aber es bis zum Schluss nicht verkaufen dürfen, bis sie meinen, dass kein Behinderter mehr anreist.

Das Hüttchen ist tip-top sauber, keine Mücken und ggf. liegt das an einem seltsamen Gerät hinter der Gardine, dass so etwa alle 30min seufzt und dabei irgendetwas versprüht. Ich denke zunächst, ich hab ein Tier im Zimmer, bis ich dieses Ding entdecke.

Ich stürze sofort in Richtung Essen und Bier, schreibe in der schwächer werdenden Sonne noch Postkarten und genieße einen leckeren Burger und ein gutes Bier. Hier oben geht die Sonne deutlich früher unter, als im Süden. Als ich in Te Anau war, was der südlichste Punkt der Tour war, hatte ich bis nach 22.00h noch Licht. Hier ist es um 21.15h spätestens dunkel.

Ein gigantischer Sternenhimmel spannt sich über mir, hier wo einfach keine Lichter sind, ist der Blick auf Milchstraße, Sterne und nochmals Sterne ungetrübt. Unglaublich. Sowas habe ich zuletzt in Burma gesehen. Grillen Zirpen, es ist mucksmäuschen still und über mir blinken die Sterne. Einfach toll!

Ich falle dann doch irgendwann ins Bett und bin noch vor dem Einschlafen eingeschlafen...

Fahrtstrecke: 455 km

Hahei Beach
Waikato, New Zealand
Vee Bee Small

Die Nordinsel: Geysire & blubbernde Erde

Der Wecker klingelt um 7.00h und ich stehe um 7.45 bei Jucy Car Rental, die ihr Office nur 450 Meter vom Hotel weg haben. Ich kriege nun einen gelben Hyundai Getz, der 158.000 km auf der Uhr hat. 158.000 km! So etwas gäbe es in Deutschland nie. Nun ist Jucy vielleicht die Billigmarke, aber ich hab nicht bei Rent a Dent oder Rent a Wreck gemietet und der Wagen hat einige Dellen, ein aufgeplatztes Sitzpolster und riecht nach Zigarettenrauch.

Ich habe keine Lust auf Diskussionen und Zeitverzögerung und denke mir, dass es für drei Tage doch wohl gehen wird. Dem Wagen fehlt die Kofferraumabdeckung, wodurch mein Gepäck hinten sichtbar ist. Nicht schön, wenn man irgendwo parkt und rumläuft.  Beim Tanken fällt mir gleich der Tankdeckel in die Hand, die Aufhängung fehlt. Und er schluckt Benzin. Bis Rotorua, was gut 200 km sind, hat er für 45 $ Sprit verbraucht. Ein Wagen, der klein ist und kaum PS hat, der kommt am Hang mit 40-50 km/h hoch und braucht so viel Sprit?

Die Fahrt von Auckland nach Rotorua ist ziemlich unspektakulär. Die Landschaft könnte auch irgendwo in Deutschland sein. Sanfte Hügel, grün, Vieh, Weiden, Obststände. Rotorua ist wg. seiner Schwefelquellen bekannt und natürlich wegen der bewegten Erde. An Stellen ist die Erdkruste hier 7m  dick, normal sind 17 km. Die Motelsuche ist mal wieder blöde. Ich hatte mir gedacht dass es heute besser ist, früh etwas zu suchen, da Wochenende ist und ich bin eh schon um 13.00h in Rotorua gewesen. Ein Ibis bietet mir ein Zimmer zu 185 $ an, ein Chinese ein Zimmer ohne Fenster in seinem miesen Motel für 180 Dollar. Als ich dann 4 m weiter ein nettes Motel sehe, das allerdings eher etwas abgefahren, teuer aussieht, bin ich überrascht, dass es nur 120 $ kostet. Ich nehme das Zimmer sofort. Es ist schön und groß und hat eine Badewanne mit Sprudel. Die Leute sind total nett und die Frau (Beth) erklärt mir, wo ich kostenlos mud pools und heiße Quellen sehe. Ich entscheide mich dennoch zu Te Pui zu fahren und bummele dort durch die Anlage und sehe es überall blubbern und rieche überall Schwefel. Der Pohutu Geysir ist schön anzusehen, weil er auch während der Ruhephase immer vor sich hin sprudelt. Ich sehe viele mir unbekannte Blumen und auch wieder eine Zikade, die ich am Milford Sound als Grille identifiziert habe. Aber das hier sind Flügeltiere, die nicht schön aussehen, keine Grashüpfer!

Rotorua selbst ist jetzt nicht der Knaller. Ich fahre mit dem Auto umher und parke es hinter dem Convention Center. Daneben ist das altehrwürdige Rotorua Museum. Dieses Haus mit seinen britischen Fachwerkfronten und vielen Giebeln, diente vor über 100 Jahren als Geothermal-Bad, insbesondere für europäische Touristen, die nach 3 Monaten Seereise hier erst einmal ihre morschen Knochen entspannen mußten. Aufgrund des 1. Weltkrieges und der sinkenden Reiseintensität brachte man hier vorübergehend ein Krankenhaus unter. Später verfiel es zusehends, bis Anfang der 1960er ein Unternehmer die Renovierung veranlasste und hier für rund 20 Jahre eine Veranstaltungshalle, die Tudor Towers, einrichtete. Viele Bands von der ganzen Welt traten hier in diesem Gebäude auf, das als das meistfotografierte Neuseelands gilt. Nun ist es eben Museum und einfach hübsch. Direkt gegenüber blubbert es schon wieder und dann ist da eine heiße Quelle und daneben ein Seerosenteich, in dem es auch blubbert. Ein paar Pukekos, diese blauen neuseeländischen Vögel mit den roten Schnäbeln, staksen in dem warmen Wasser umher. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass in diesem Wasser was zu futtern ist, bzw. dass es nicht schon verkocht ist. Diese Stadt ist wirklich heiß! 

Das Wetter ist unglaublich angenehm mit rund 24 Grad, allerdings zeitweilig gemeinem Wind. Ich mache mich auf einen Weg, der um eine Bucht führt und immer oberhalb von Schwefelablagerungen, mud pools und heißen Quellen. Oft nur auf einem Holzweg und mit vielen Warnhinweisen versehen, dass man nicht daneben tritt, weil die Erdkruste hier sehr dünn ist. Ich habe keine Lust auf ein gebratenes Bein und bleibe artig auf dem Weg.

Zum Abendessen bin ich dann in der Innenstadt, fahre anschließend zum Blue Lake und Green Lake und zum Buried Village und weiß, dass ich morgen früh die Lakes ignorieren werde und nur zum Buried Village fahre. Noch schnell bei einem Wald mit riesigen Redwoods vorbei – eine echte Sehenswürdigkeit dieser Gegend. Die sind einfach immer schön anzuschauen und erfüllen mit Ehrfurcht. Dann noch Tanken, Wasser kaufen und ab ins Hotel, Tagebuch tippen, Bilder sichern und Heia!

Fahrtstrecke: 288 km

Rotorua
Bay of Plenty, New Zealand
Vee Bee Small

Christchurch "the quake city" und Abschied von der Südinsel

Mein letzter Tag auf der Südinsel beginnt mit Sonne und Wolken und angenehmen Temperaturen. Vor dem Hotel packe ich meine Tasche final, ebenso meinen Rucksack und die kleine Handtasche. Vor den Briefkästen im Ort sitze ich in der Sonne und schreibe auf dem Schoß schnell noch 5 Postkarten und fahre mit einem Sandwich und einem flat white in der Hand los. Christchurch bleibt auch jetzt 1,5 Stunden entfernt und die Fahrt über den Highway 75, statt der Tourist Route ist nicht viel besser oder anders. Ich frage mich immer, wie die Ausflugsgäste hier mit Bussen langfahren und umschichtig immer tiefe Abgründe links oder rechts sehen. Busfahrer möchte ich hier auch nicht sein. Buspassagier aber auch nicht. Die Kurven sind endlos und ich atme auf, als ich endlich in den ersten Stau des Stadtverkehrs komme. Mittlerweile ist der Linksverkehr nicht mehr so kompliziert und ob es nun Stadtverkehr, Autobahn oder Landstraße ist, das funktioniert alles gut. Einzig, dass der Blinker mit der rechten Hand betätigt werden muss und der Wischer mit der linken, führt immer wieder dazu, dass ich im Eifer des Gefechts nicht blinke, sondern den Scheibenwischer anstelle. Ich sehe auch andere Autofahrer auf trockenen Scheiben rumwischen. Alle haben das gleiche Problem und entlarven sich als Touris, die nicht aus Australien oder Neuseeland oder dem Commonwealth kommen. Nach der schönen Sonne in Akaroa ist in den Hügeln schon bald alles voller Wolken und ich freue mich, dass ich gestern Abend noch so schöne Bilder machen konnte. Wer weiß, wie das Wetter ist, wenn wir mit dem Schiff am 7.2. hier sind. Außerdem werde ich da keinen Ausflug mitmachen, der mit dem Bus 2.000 Kurven fährt.

Christchurch ist windig und dadurch reichlich kalt. Und es ist kaputt. Ich hatte ja schon gehört und gelesen, dass nach dem Beben 2011 zweifelhaft war, ob und bis wann man die Schäden beseitigt und Häuser neu gebaut hat, aber so hab ich mir das nicht vorgestellt. Man kann praktisch kein Foto machen ohne ein Haus mit Bauzaun, mit abgestützten Mauern, oder eine Brachfläche im Blickfeld zu haben, auf dem vor dem einen Beben sicher ein Haus gestanden hat. Die ganze Stadt mutete an wie ein 11. September. Jedenfalls im Stadtzentrum. Viele Ladenschilder wie von Starbucks oder Foot Locker lassen einen denken, dass da der Laden ist, aber die sind alle einsturzgefährdet und so hat man die Türen verschlossen, das Mobiliar, die Regale etc. dort drin gelassen und so ist das hier überall wie eine bewohnte Geisterstadt. Denn hier und da ist doch ein Laden offen, aber der hat keine Nachbarn. Dann sieht man hohe Bürogebäude und denkt, dass die ja Glück hatten, bis man vor dem Haus steht und um das Erdgeschoss ein Bauzaun steht und alles unzugänglich und leer ist.

Von Fotos her muss man annehmen, dass Christchurch eine schöne Stadt war. Mit vielen viktorianischen Häusern, einer großen Kathedrale und englischer Architektur von vor 150 Jahren. Nachdem es aber zwei Beben hintereinander gab und das zweite nur 6 Monate nach dem ersten schweren Beben geschah, war man mit der Schadenbeseitigung und Sicherung noch gar nicht fertigt, als das nächste Beben kam. 2010 war es im September und 2011 am 22. Februar. Eine Kunstinstallation  ¨185 empty chairs¨ erinnert an die 185 Todesopfer des Bebens von 2011. Ich stehe da und mir rollen die Tränen. Wie hilflos ist man einer solchen Naturgewalt ausgeliefert und das gleich zweimal hintereinander. Von den 185 Toten waren alleine 115 in einem Gebäude eines Zeitungsverlages zu beklagen. Es gibt viele Brachflächen in Christchurch - oft als Parkplätze genutzt, aber es kommen natürlich deutlich weniger Touristen, dabei bräuchten die Leute die Einnahme natürlich sehr. Kein Monument, keine Statue steht mehr auf ihrem Sockel. Alle runtergekracht. Im Quake City, einem „Museum“/Ausstellung über die Besonderheit der Erdbebengefahr in dieser Region, liegt die Kathedralen-Spitze und auch andere Dinge. Beeindruckend und bewegend sind einerseits Video-Dokumentationen von dem Beben, die von irgendwelchen Webcams aufgenommen wurden und auch Interviews mit Leuten, die betroffen waren. Ein Mädchen erzählt, dass sie zwischen ihrem Schreibtisch und der Decke des darüber liegenden Stockwerks stundenlang eingesperrt war und ihre Hand nicht bewegen konnte. Auf der anderen Seite war ein junger Mann verschüttet, der ihre Finger berührte, was sie nicht spüren konnte. Als beim Bergen dann die Hand frei kam, sah sie vier ihrer Finger einfach abfallen. Grauenvoll.

Was auch mit Erdbeben einhergeht ist etwas, das Soil Liquifaction (Bodenverflüssigung) heißt. Es verflüssigt sich der Boden in bestimmten Gebieten, in Christchurch war das der Osten der Stadt, wo der Boden besonders dünn ist. Da dringt nach einem Erdbeben dann ein grauer Schlamm aus dem Boden nach oben. Nicht nur draußen, sondern durchaus auch in den Häusern durch den Fußboden. Dort, wo der Boden besonders sandig ist, verflüssigt sich die Sandschicht zu einem Sand-Wasser-Brei, Bereiche des Untergrundes können dann herausgepresst werden. Die gesamte Untergrundschicht wird somit instabil, darauf errichtete Gebäude versinken.

Ich finde den Eindruck von Christchurch schlimm. Wie viele zig Jahre will man hier denn aufbauen? Eine Dame in einem Shop, wo ich zwei Handtücher kaufe sagt, dass man hier vom ¨New Normal ¨ spricht, wenn man die Zeit nach dem 22.2.2011 meint. Die Shops in der Innenstadt hat man in bunten Containern untergebracht. So viele Existenzen sind am 22.2.2011 zerstört worden. Die Stadt ist eine einzige Baustelle. Mein Navi nutzt mir gar nichts. jede zweite Straße ist gesperrt, nur für Autos einer bestimmten Kategorie zugelassen, andere nur halb befahrbar.

Ich empfinde die Stadt als etwas ausgestorben oder halb künstlich. Jedenfalls etwas leblos, aber bemüht, dass alles halbwegs normal ist. Die Leute eilen zur Arbeit und fallen über Zäune und Dellen in der Straße - alles normal hier. Mich macht das richtig traurig, denn insbesondere im Osten der Stadt, was heißt, also 2 Blocks von der Kathedrale weg fehlt jedes zweite Haus. Um die Kathedrale stehen zwar noch Häuser, die sind aber alle geräumt. Man denkt, man hat eine Art Skyline, sieht aber gar nicht, dass diese vielen hohen Bürogebäude alle leer stehen. Mühselig suche ich den Weg Richtung Flughafen, mein Navi will mich anders schicken, aber da fehlt wieder die Straße. Heute fliege ich mit JetStar, einer Tochter der Quantas und ich bin mal gespannt. Im Internet stand, dass die nur 20kg Gepäck erlauben und ab da 17 $ pro Kilo kassieren. Ware auch noch zu ertragen, aber ärgerlich. Daher habe ich maximal viel in meinen Rucksack gepackt, der nun neben 4 T-Shirts, Reiseführern, Unterlagen, Kamera mit drei Objektiven, alle Ladegeräte für alles, MP3 Player, Papiere - etc. etc. Der wiegt locker 15 Kilo. Autoabgabe erfolgt in der Form, als dass man einfach das Auto parkt, es keinen interessiert ob es in Ordnung oder voll ist und man in der Ankunftshalle bei der Vermietung dann den Schlüssel abgibt. Direkt im Anschluss öffnet JetStar den Check-in und alles geht glatt. Ich habe 21,8 Kilo in der Tasche, Handgepäck wird nicht gewogen und offenbar sind 1,8 Kilo mehr als erlaubt, noch tolerabel.

Um 20.50h geht die Mühle raus. Der Flieger ist ein A 320, ziemlich neu, Ledersitze - und das bei einem Billigflieger. Sehr bequem bestuhlt, guter Sitzabstand. Kann man empfehlen, die Airline. Wir sind 20 min vor der Zeit in Auckland, also 21.50h. Bis das Gepäck da ist, dauert es etwas und was dann noch mal dauert ist der beknackte Transferbus. Es fährt einen nämlich kein Taxi, weil das Ibis Budget eigentlich nur einen knappen km weg ist. Es ist jetzt aber pechschwarze Nacht und ich habe weder eine Ahnung in welche Richtung ich gehen müsste, noch ob es da überhaupt Fußgängerwege gibt. Es gibt einen Transferbus, der alle 30 min fährt und bei 4 Hotels hält. eins ist das Ibis Budget. Um 23.15 kommt er endlich an. Der Busfahrer verkauft keine Tickets, die muss man vorher am Automaten kaufen, der aber jegliche Kreditkarte verweigert. Gut, dass ich noch genügend Kleingeld hatte. Aber da 90% der Fahrgäste das nicht hatten oder auch nicht annahmen, dass sie im Bus keine Fahrkarte kaufen können, dauert das Procedere endlos, weil der Busfahrer praktisch jedem Fahrgast live am Automaten das Procedere erklärt. Wir fahren vom Domestic zum International Airport, nehmen dort etwa 20 Leute mit Gepäck und Kisten auf. Das dauert zum Erbrechen. Ich sehe schon das Ibis Budget, aber leider wird es nicht als erstes angefahren, zunächst kommen drei andere Hotels (von vier) und erst auf dem Rückweg zum Hotel dürfen wir endlich im Ibis Budget anlanden. Da ist es fast Mitternacht. Da denkt man, man hat ein flughafennahes Hotel und dann braucht man zwei Stunden, um da hin zu kommen.

Check-in ist schnell und ich bin ebenso schnell nebenan im Supermarkt. Mir hängt mein Magen auf halb acht. So esse ich um Mitternacht noch irgendwelchen Mist, schütte mir eine Flasche Wasser in die Kehle und falle um 00.30h ungebremst die Tiefschlafphase.

Fahrtstrecke: 106 km (heute auf der Südinsel)

Gesamtstrecke auf der Südinsel seit 24.1.2014-30.1.2014: rund 2.500 km

Christchurch
Canterbury, New Zealand
Vee Bee Small

Einmal quer über die Südinsel

Als mein Wecker um 7.30h klingelt ist es draußen total zugezogen. Mist. Das kann ja heiter werden mit dem Arthurs Pass. Meine Klamotten aus der gestrigen Wäsche sind nicht nur noch ziemlich feucht, sondern auch völlig befusselt. Offenbar hat irgendein Idiot vorher Papiertaschentücher mitgewaschen. Außerdem hängt das halbe Waschpulver in den Klamotten, die Flecken aus dem einen Polohemd sind nicht raus und in dem schwarzen ist ein Loch. Prima - zwei können entsorgt werden und bis dahin als Nachthemd dienen. Die Gunst der frühen Stunde mit schlechtem Wetter nutze ich, um Tagebuch zu schreiben, bis ich um 11.00h ¨Besuch¨ bekomme und also nun wirklich gehen muss. Schnell hole ich mir um die Ecke noch etwas zum Frühstücken - wie immer ein ¨flat white¨,  was ein Kaffee mit Milch ist und Kaffee wird hier in jedem Diner in einer Profi-Maschine hergestellt, was es manchmal etwas nervig macht, weil jeder Kaffee locker 5 Minuten dauert. Dafür schmeckt er dann meistens auch sehr gut.

Leider präsentiert sich Hokitika zum Abschied nicht so hübsch, dennoch manche ich noch ein paar Fotos der alten Häuser bis ich um 11.30h die Stadt nach Norden verlasse. Die Fahrt führt immer am Wasser lang, aber es fängt nach erstem Nieselregen bald an, richtig zu regnen. Schöner Mist für eine Pass-Fahrt. Ich biege bald nach rechts ins Inland ab und der Weg verläuft zwischen Feldern und Hügeln, Dörfer gibt es auch hier nicht. Schafe, Rinder und Weite. Immer wieder passiert man one-lane-bridges die meist über trockene Flussbetten mit mordsmäßig viel Geröll führen.  Hinweisschilder verweisen auf starke Steigungen, die für Autos, die andere abschleppen, nicht geeignet sind. Wohl aber kommen mir mit Karacho LKWs und LKW-Gespanne entgegen und überholen auch gerne mal...

Die Fahrt zieht sich ganz schön und die Kurven sind irgendwann auch genug. Kurz vor dem Arthurs Pass gibt es einen Ausguck auf ein Viadukt. Da oben ist weniger die vernebelte Aussicht, als erneut Keas das Highlight. Diese hier sind nicht auf Gummi abonniert sondern auf der Essen der Menschen. Kurz darauf erreiche ich Arthurs Pass, den Ort, der aus rund 20 Häusern besteht, die alle aber irgendwas für Touristen  anbieten. Da es jetzt schon 14.00h ist, gönne ich mir ein Sandwich, einen Saft und eine halbe Stunde Internet, weil das im Hotel gestern nicht wirklich gut ging.Nach ein paar letzten Kea-Fotos vor dem Lokal fahre ich weiter. Ich komme durch weite Ebenen, die so gottverlassen sind, dass ich mich frage, was passiert, wenn man da mal abends eine Panne hat. Jetzt kommen ja noch Autos vorbei. Um mich herum sind jede Menge Berge. Und während die, durch die ich seit der Westküste nun gefahren bin, mit grüner Hölle bewachsen sind, sind die, die vor mir liegen wieder karge Kuppen in braun und grau-grün, mit niedrigem Bewuchs - Mondlandschaft. Ich muss noch mehrere Kilometer hoch und runter und in endlosen Schleifen fahren, bis ich in eine fruchtbare Ebene komme, in der schwarz-bunte Kühe stehen, grüne Wiesen und jede Menge Obstbauern sind. Jede Menge heißt in diesem Zusammenhang etwa alle 10 km einer.

Ich habe heute Morgen hin und herüberlegt, wohin ich fahren soll, da ich nicht einen kompletten Tag nach Christchurch will. Dann habe ich mich für die Banks Peninsula entschieden, die praktisch hinter Christchurch als Ausbuchung im Meer liegt. Die ganze Bucht ist eigentlich ein alter Vulkankrater und die Orte auf der Halbinsel liegen auf deren Rand. Was ich nicht so ganz ins Kalkül gezogen habe, ist, dass auch die Banks Peninsula total bergig oder hügelig ist. Dazu sind die Straßen tlw. sehr schmal und am Ende dieses Tages mit viel Kurvenfahrerei, geht das nun noch weiter. Langsam reicht es mir und der Ort Okains Bay, den ich auf der Karte ausgemacht habe und dachte, dass sich das wie ein alter Seeräuberort anhört und damit passt, kommt einfach nicht näher. Etwa 1,5 Stunden hinter Christchurch gebe ich auf, weil es mittlerweile auch schon 19.30h ist und ich nicht weiß, ob Okains Bay überhaupt Hotels hat. Ich bin vor etlichen Kilometern auf die Tourist Route abgebogen, die nicht etwa zu Hotels führt sondern eher ein Scenic Drive ist, der hoch über der Bucht durch die Hügel führt. Kurve um Kurve. Plötzlich steht ein Schaf auf der Straße. Gut, dass mein Auto Hügel + Kurve nicht so schnell nehmen kann, sonst hätte ich auch noch einen Schaf-Schaden heute Abend (Wild-Schaden sagt man bei Schafen vermutlich ja nicht :)). An einer Wegkreuzung hoch oben über der Bucht, die im Übrigen ein traumhaftes Fotomotiv ist und man dort auch sieht, dass es sich hier um einen Vulkankraterhandelt, steht ein Wegweiser nach Akaroa. Eigentlich will ich da nicht hin, weil das Schiff dahin kommt und ich ja extra das ansehen will, was ich vom Schiff aus nicht machen kann. Aber der Ort ist bekannt und dürfte bestimmt Hotels haben.

Um 20.00h fahre ich in Akaroa ein. Akaroa hat immer hin rund 500 Einwohner und ist damit das kulturell-pulsierende Herz der Banks Peninsula. Die Geschichte dieses französisch geprägten Ortes ist ganz witzig. 1840 haben die Engländer auf der Banks Peninsula am 11.8. ihre Flagge gehisst. Währenddessen war aber ein Franzose nach Frankreich heimgekehrt und hatte in Frankreich dafür geworben, sich hier, in einer französischen „Kolonie“ niederzulassen. Bis seine neue Expedition am 17.8.1840 hier eintraf, war die Halbinsel seit einer Woche britisch. So hat man einfach nur eine französische Niederlassung in Akaroa gegründet. Heute ist Akaroa stolz darauf, etwas französische Geschichte zu leben und mit französischen Straßennamen und Flaggen etwas europäische Kultur zu haben. Eine Besonderheit des Ortes ist das Vorkommen einer kleinen Hector Delfin-Gruppe, den kleinsten Delfinen der Welt. Aber dazu später mehr, denn die habe ich erst gesehen, als ich mit dem großen Schiff hier war.

Das erste Motel hat schon mal no vacancy. Das zweite will 155 Dollar und die Frau schickt mich netterweise gegenüber ins Grand Hotel, das ggf. billiger ist. Ich komme so zu meiner ersten Nacht unter 100 Dollar!! Für 98 Dollar kriege ich ein schönes, großes Zimmer, das einen Zugang auf den umlaufenden alten Balkon hat, wie früher in Kurkliniken. Der Boden knarzt und knackt, das Bett ist gefühlt 5 qm groß. Aber ich will noch die Abendsonne ausnutzten und streife mit der Kamera durch den Ort, der eigentlich aus zwei Teilen besteht, die durch den Strand, der eine halbmondförmige Bucht ist, unterteilt wird. Im Supermarkt, der wie eine Sammlung aus einem Westernfilm aussieht, erstehe ich Wasser und trudele weiter in der Hauptstraße rum, bis ich im Bistro zum Abendessen draußen zu Stuhle komme. Eine Chowder für 17 Dollar, ein gruseliger Weißwein (haben die da Zucker reingetan? Das war angeblich der trockene) und ein sau-gutes Dessert folgen und ich rolle die Straße zum Hotel, schnappe mein Auto, um noch im Sonnenuntergang ggf. den Leuchtturm zu sehen, aber entscheide dann doch, dass mir die Fahrt nach dem heutigen Gekurve zu weit ist. Das sind etwa 10 km vom Ort weg. Der Leuchtturm im Ort funktioniert nicht und ist vielleicht Attrappe für die Touris. Vor der Bibliothek des Ortes sitze ich bald im dunklen Auto und hacke mich in deren WLAN ein, um ein bisschen mit Gitta zu chatten. Im Hotel bin ich um 23.00h, lese noch etwas und bin um Mitternacht sicher eingeschlafen.

Fahrtstrecke: 335 km

Arthur's Pass
Canterbury, New Zealand
Vee Bee Small

Urwald, Strand, Gletscher und Glühwürmchen

Für meine 110 Dollar die Nacht habe ich wenigstens ein Zimmer mit vielen Mücken und ohne Schrank gehabt. Also bleiben mein Blazer und Blusen für die Kreuzfahrt mal wieder im Auto liegen, während ich unbeirrt Wanderhosen und –stiefel trage. Die Mücken habe ich erlegt und hier gibt es keinen löslichen Kaffee im Zimmer. Nur Tee. Reicht auch. Normalerweise kriegt man in jedem Motel immer frische Milch vom Eigentümer, oft in einer kleinen Milchkanne oder als Viertelliter Fläschchen. Nette Geste. Hier gab’s das nicht. Ist ja auch nur ein Backpacker gewesen.

Ich hole mir nebenan in dem Café, das gestern wie pleite aussah, aber jetzt offen hat, ein Salmon/Cucumber Sandwich und einen Kaffee und fahre los. Die Sonne scheint, es sind aber nur 11 Grad. Ich fahre wieder über die Brücke über den sehr breiten Haast River, in dem - wie in vielen Flüssen hier - nur riesige Gesteinsbrocken liegen. Wenn es hier regnet, dann wohl sintflutartig und dann ist sowas innerhalb von Stunden ein reißendes Ungetüm.

Die Brücke ist einspurig und weil sie so lang ist und man ggf. nicht bis zum anderen Ende sehen kann, hat man eine Ausweichstelle mitten auf der Brücke gebaut. 

Hinter der Brücke geht’s in den Bush. Riesige Farne, irre hohe Bäume - ganz anders, als die Landschaft gestern in den Bergen. Das ist eben hier die Westküste, eine der am wenigsten besiedelte Gegend von Neuseeland und berühmt für die tropische Vegetation.

Nach einigen Kilometern komme ich wirklich ans Meer. Ein endloser Strand mit endlos viele Treibholz, das vermutlich aus den vielen Flüssen bei solchen Sintfluten ins Meer gespült wird. Die sand flies sind nervig, so dass man nur konstant wedelnd rumlaufen kann - und ich fahre weiter. Die Straße führt in Kurven nach oben und ich bin bald am Knights Point, der sogar zum UNESCO Welterbe gehört.

Ein paar Fotos geschossen und ein paar Fliegen erlegt und weiter geht es.

Ich fahre noch irgendwo an einen Lake ab, bin aber außer von dem Dixi-Klo nicht sehr begeistert und die sand flies sind unglaublich nervig. Ich sehe eine Wood Pigeon, so sagt mir eine Frau. Tauben sind Tauben, aber diese wenigstens hübsch.

Ich erreiche Fox Glacier kurz nach 12 Uhr. Ich habe also wieder um die 3 Stunden vertüdelt, um die 150km zu fahren. Aber war ja alles schön. Ich fahre rechts in die 4 km lange Stichstraße, die bis etwa 300 m vor dem Parkplatz asphaltiert ist. Ein schöner Blick auf den Gletscher vor mir, aber toller ist der breite Abfluss neben dem Parkplatz, in dem riesige Eisblöcke rumtrudeln.

Ohne groß nachzudenken laufe ich den Trail zum Gletschertor. Soll eine Stunde hin und zurück dauern. Ich gucke auf die Uhr und denke noch, ob ich mir das gönnen soll, aber laufe los. Der Weg führt immer entlang des Flusses, der aus dem Gletscherwasser entstanden ist. Tlw. über kleine seitliche Bäche, die aus den Bergen kommen. Ich bin froh, dass ich meine Wanderschuhe anhabe. Es wird recht steil und der Lorenz brennt. Aber am Ende ist die Aussicht unglaublich.

Mit Hilfe meines Teles kann ich schöne Detailaufnahmen machen.

Unterhalb des Aussichtspunktes befindet sich eine Gruppe Gletscherwanderer, das sieht echt gefährlich aus, weil die direkt an der Kante einer Spalte stehen.

Als ich mal wieder ein Objektiv wechsele denke ich: Wo ist eigentlich dein Portemonnaie...? Ich finde es nicht im Rucksack und Panik erfasst mich. Ich gehe im Sturmschritt zurück, falle dabei noch auf die Nase, hab jetzt ein ramponiertes Knie und kleine Löcher in der Hose, aber - das Portemonnaie wartet artig im Auto, als ich unten ankomme. Erstmal Wasser, einen Apfel zur Beruhigung und dann weiter. Hätte ich das Portemonnaie im Backpacker gelassen oder in dem Café wäre es jetzt entweder weg oder ich könnte meine Reiseplanung aufstecken, denn jetzt 150 km zurück und wieder hierher fahren, wäre um diese Uhrzeit nichts mehr gewesen. Also wieder Glück gehabt!

Das Township Fox Glacier lasse ich hinter mir und fahre nochmal rund 40km zum Franz Josef Glacier. Nun ist das Wetter aber umgeschlagen und es ist total bewölkt. Eigentlich soll der Franz Josef der schönerer der beiden Gletscher sein, aber ohne Sicht ist das ja egal. Ich gehe einen kleinen Wanderweg, der ¨splendous views on the glacier¨ verspricht, ohne eine echte Wanderung nach oben zu sein (davon habe ich genug und es ist nun auch schon halb drei). Der Aussichtspunkt über einem kleinen Tümpel ist enttäuschend. Ich gehe weiter, weil ich hoffe, dass es danach noch mehr Ausblicke gibt, aber drehe nach einer halben Stunde um. Der Weg führt durch den Busch, ich sehe Pflanzen, die ich noch nie gesehen habe, Blümchen, Schoten und Moose. Einen Vogel sehe ich, der einen lustigen Schwanz hat (Foto große Kamera).

Bei der Weiterfahrt nehme ich eine Anhalterin mit, die sich als Berliner Krankenschwester entpuppt, die mit ihrer Freundin hier 5 Monate rumfährt. Sie haben sich ein Auto gekauft dass nun einen Bremsenschaden hat. Sie will nach der Wanderung zum Franz Josef jetzt zur Werkstatt, um was aus dem Auto zu holen. Ich fahre sie dort hin und wieder zurück nach Franz Josef Township und wir plauschen über Berliner Krankenhäuser, Vivantes. Sie hat beim Sankt Joseph Krankenhaus  in Tempelhof gearbeitet, hatte einen befristeten Vertrag und ist auch ab 3.3. wieder in Berlin (ich ja dann auch).

Ich fahre weiter und eine halbe Stunde später liegt rechts das Massiv von Mount Cook und Genossen und die haben sich freigemacht. Die Wolken verziehen sich,  während man zusieht und geben ein grandioses Panorama frei.

Ich fahre nun durch eine weite Ebene. Teilweise sieht das wie Watt oder Marschland aus und es gibt viele Rinder hier.

Im Ort Ross sehe ich lustige Schilder und einen vergleichsweisen netten Ort (also die eine Straße, die es normalerweise dort gibt), aber ich fahre doch weitere und steuere Hokitika an. 

Eigentlich hatte ich gedacht noch über den halben Arthur‘s Pass zu fahren, aber die Sonne scheint so schön und es verspricht einen schönen Sonnuntergang am Meer. 

Hokitita hat einige recht alte Häuser. Der Ort hat ehemals seinen Reichtum mit Goldfunden gemacht. Ich fahre ein paar Motels und ein B&B an und finde dann ein Motel für 120 Dollar, das ganz nett ist. 

Am Strand stehen noch die Treibholz-Skulpturen, die zu einem Wettbewerb gehören. Ich mache Fotos und lasse mich in einem Hotels/Restaurant auf der Sonnenterrasse nieder und gönne mir ein Bier und ein leckeres Abendessen mit Sonnenuntergangs-Vordergrund.

Bin froh, dass ich hier geblieben bin. Zum Sonnenuntergang gehe ich an den Strand. Schöne Fotos.

Als es dunkel ist, fahre ich noch zu einem dunklen Weg, in dem Glühwürmchen an einer Felswand hängen. Je länger man dort steht, desto mehr sieht man. Es gelingen sogar Fotos. Also den Ausflug vom Schiff zu irgendwelchen Höhlen kann ich mir sparen, zumal man dort nicht fotografieren darf oder kann. Hier gab es einen Pfosten, auf dem ich die Kamera abstellen konnte.

Im Motel werfe ich um halb elf noch eine Waschmaschine an. Leider ist der Trockner nicht willens etwas zu tun, außer meine 2 Dollar zu schlucken. So drapiere ich meine feuchten Klamotten überall in meinem Zimmer.

Um Mitternacht bin ich im Bett.

Fahrtstrecke: 280 km

Hokitika
West Coast, New Zealand
Vee Bee Small

Gondelfahrt in Queenstown, Kurven und Erdrutsch auf dem Haast Pass

Vor 8 Tagen bin ich in Stuttgart aufgebrochen - ich habe das Gefühl ich bin seit Wochen unterwegs. Was habe ich nicht schon alles gesehen!

Die Sonne scheint von einem fast wolkenlosen Himmel, als ich um 7.30h  aus den Federn komme. Von dem umliegenden Balkon hab ich einen traumhaften Blick auf den See und die Berge. Ich entscheide nun doch etwas Zeit in Queenstown zu verbringen und später nach Wanaka zu fahren. Um kurz nach 9 sitze ich schon in der Gondel auf den Berg (27 $). Oben ist es noch leer und auch an den Gondeln war keine Schlange. Traumhafter Blick auf türkisfarbenes Wasser und Berggipfel.

Die Sonne scheint und der Himmel ist blau - meine Güte, was für ein Anblick! Ich stelle fest, dass London gut 18.000 km weg ist, als müsste Deutschland sicher so um die 16.000 km weg sein. 

So viel Zeit bleibt mir nicht, denn ich will um 11.00h eine Bootsfahrt mitmachen, die nur 25 $ kostet, während alles anderen um die 40 $ kosten. Ich sause mit dem Auto nach unten an den See, finde einen Parkplatz für 2 Stunden und 4,50$ und laufe im Stechschritt zur Anlegestelle. Ticket kaufen und wieder im Stechschritt irgendwo auf der Suche nach einem Kaffee oder Sandwich, denn Frühstück gab’s ja bisher nicht. Ich habe nur 20 min Zeit und mal wieder kann ich nur Burger oder Sandwiches für 12,50 $ sehen, die vermutlich noch 30 min Zubereitungszeit haben. In einer Bakery kriege ich einen fixen Kaffee und ein Croissant (das kleinste meines Lebens dafür aber für 3,5$). Zurück zur Anlegestelle und ab auf das Boot. Ich setze mich oben aufs Deck und genieße nun 90 min Ausblicke auf eine tolle Landschaft und unfassbar schöne Häuser am See. Ich komme mit einem Neuseeländer ins Gespräch, der mich zu sich und seiner Frau nach Christchurch einlädt, als ich sage, dass ich nicht mehr dorthin komme, sondern nur von dort abfliege.

Ich verabschiede mich an der Anlegestelle und düse zu meinem Auto, weil die Parkuhr abgelaufen ist. Nochmals Richtung Gondola und dort für 42$ Eintritt ein Ticket in den Vogelparkt gekauft. Ich will endlich einen Kiwi sehen.

Wenngleich kein Vogel, so sitzt zunächst ein Tuatara (Brückenechse) in einem Gehege. Das einzige Tier der Welt mit 3 Augen und ein Überbleibsel aus der Zeit der von vor 240 Mio Jahren. Die Viecher kommen nur noch in vereinzelten Exemplaren vor und nur noch in Neuseeland.

Ich laufe zum Kiwi-Haus und versuche verzweifelt ohne Blitz ein brauchbares Foto hinzukriegen - ohne Erfolg. Die Fütterung ignorieren die beiden Kiwis auch, aber ich lerne, dass Kiwis im Schnitt bis 6o Jahre alt werden und man sogar Kiwi-Weibchen erlebt hat, die mit 54 noch brüten. Pro Jahr bringen die nur etwa 1 Junges zur Welt. Wenngleich ein Kiwi etwa so groß ist, wie ein Huhn, ist das Ei 6 x so groß, wie ein Hühnerei. Das Männchen brütet rund 80 Tage, das Weibchen ist dafür nicht zuständig. Es gibt 6 Arten von Kiwis, die Weibchen sind immer grösser und haben den längeren Schnabel. Kiwis haben verkümmerte Flügelansätze, aber extrem starke Beine. Das kann man auch sehen, wenn die mit Verve im Boden rumpicken mit ihren langen Schnäbeln und versuchen, dort die Sachen rauszuziehen. Sie sind sehr anpassungsfähig und leben in Wäldern, auf Farmen, im Grasland etc. Sie essen alles von  Würmern über Insekten und Schnecken.

Sie sind nachtaktiv und schlafen tagsüber. Trotzdem bin ich sicher, dass ich gestern am Milford Sound  einen Kiwi gesehen habe.

Die Sonne scheint und scheint - was für eine Wohltat. Ich fahre mit dem Auto Richtung Frankton, weil ich in einen Elektro-Laden will, weil mein MP3-Player nicht mehr lädt.  Als ich den Laden, den ich gesucht habe, finde, stellt sich heraus, dass nicht das Ladekabel von mir im Eimer ist, sondern vermutlich der Player.

Also sause ich nur noch nebenan in den Supermarkt, kaufe Bananen, Wasser und Kekse und bin auch schon wieder im Auto.

Meine Fahrt führt zwar Richtung Wanaka, jedoch fahre ich nicht den Highway 6, sondern über die Cardrona Range, was ein Scenic Drive ist. Die Crown Range Road wird nach dem Überqueren der Crown Range auf gut 1.000m dann zur Cardrona Valley Road. Wunderschön windet sich die Landstraße zunächst auf etwas über 1.000 Meter und bietet immer wieder schöne Blicke auf die Umgebung, das Tal und die vielen Berge. Es ist die höchste asphaltierte Straße Neuseelands. Ich winde mich durch Hügel, kaum bewaldet und braun, neben mir Bäche und wilde Lupinen, über mir blauer Himmel und Sonnenschein. Ein Traum!

Ich lasse Wanaka links liegen und fahre auf dem Highway 6 (eine einspurige Landstraße recht schlechter Beschaffenheit) durch Hügel bis ich einen atemberaubenden Blick auf den nächsten See habe, den Lake Hawea. Nach etwa 30 km passiert man eine Landenge, den Isthmus Peak, von wo aus man beide Seen sieht - rechts den Lake Hawea und links den Lake Wanaka.

Vor mir zeigen sich immer wieder schneebedeckte Gipfel - ich könnte dauer-fotografieren. Ich erinnere mich kurz daran, dass es auf dem Haast-Pass, auf den ich jetzt zusteuere einen Erdrutsch gab und die Straße zeitweise geschlossen ist. Es ist nun schon halb 6 und ich passiere in Makarora ein Warnschild, dass ich aber so schnell nicht lesen kann. Ich erinnere mich an eine Tafel mit einem Hinweis auf irgendwas um 18.30h, das geschlossen wird - ob das der Highway ist? Ich drücke etwas auf die Tube, lasse in Makarora ein fotogenes historisches Hotel links liegen und gebe etwas Gas. Ich sause um die Kurven, ignoriere die Wasserfälle, die überall von den Hängen rauschen, tlw. in tiefen Schluchten. Es ist wenig Verkehr und kurz hinter dem Haast-Pass, es ist 18.15 ist tatsächlich die Straße kaputt. Einspurige Verkehrsführung und Leute, die den Verkehr je Richtung regeln. Ich dürfte die Vorletzte gewesen sein, die hier durch gekommen ist.

Während eben noch braune Berge und türkise Seen das Bild prägten, ist nach dem Haast Pass alles anders. Es ähnelt wie gestern dem Bild kurz vor dem Milford Sound, große Farne, Palmen, alles sieht nach Regenwald aus. Ich fahre weiter und habe plötzlich ein Possum vor mir auf der Straße, das genüsslich an einem plattgefahrenen Tier rumkaut. 

Haast erreiche ich um 19.00. Ein Ort ist das nicht. Eher eine Ansammlung von ca. 5 Häusern, einer öffentlichen Toilette und einem Café das pleite aussieht, einem anderen, das noch offen ist, und einem Supermarkt.

Ich checke in ein Backpacker ein, das auch Motelzimmer hat und bin mal wieder satt, was das hier kostet. Basalster Komfort für 110 $. Dafür hatte ich in Te Anau ein super Zimmer.

3 km weiter ist ein Restaurant, in dem die gesamte Umgebung essen gehen und ich esse erstmals neuseeländisches Lamm, allerdings ziemlich verkocht und auch nicht so gut, wie manches anderes Mal in anderen Restaurants in Europa.

Ich fahre anschließend noch über die lange Brücke über den fast trockenen Haast River und sehe dahinter wieder Regenwald, bzw. ¨Bush¨, wie die Neuseeländer sagen. Einen Zugang zum Meer gibt es nicht. Also drehe ich um, fahre wieder über die Brücke und sitze bald darauf in meinem Motel/Backpacker in der Küche und schreibe Tagebuch. Ich lerne eine chinesische Familie mit zwei (!) Kindern kennen. Die haben heute einen Flug über die Gletscher Fox/Franz Joseph gemacht. Das dürfte für 4 Leute rund 3.000 Dollar gekostet haben. Wir quatschen ein wenig und ich helfe denen, den Internetzugang zu realisieren und dann erschlage ich noch gefühlt 20 Mücken in meinem Zimmer, bis dann auch dieser Tag für mich zuende ist.

Fahrtstrecke: 400 km

Haast
West Coast, New Zealand
Vee Bee Small

Berg-Papageien, Milford Sound und Seen

Der Wecker geht um 6.30h und ich packe wieder meine sieben Sachen. Über Nacht hat es geregnet, ich hab das nicht gehört aber draußen hängen die Wolken tief und der Parkplatz ist nass. Ich gucke einmal um die Ecke, ob hier überhaupt sonntags um kurz vor 8 irgendwas auf hat, was einen Kaffee hätte und finde ein nettes Café, das für geschmeidige 23,50 $ ein recht kleines Müsli, eine (genau 1) Scheibe Toast und einen Milchkaffee bereitet. Da es draußen nicht so toll aussieht, nehme ich mir ausgiebig Zeit, das kleine Frühstück zu genießen, Tagebuch zu schreiben und mit Martina zu chatten. Es ist daher schon 10.00hh, ehe ich gegenüber im Hotel auschecke und dann doch Richtung Milford Sound starte. 

Ich hab hin und her überlegt, ob ich das machen soll, ich will heute ja noch mindestens bis Queenstown, eigentlich eher bis Wanaka und die Fahrt bis Milford Sound dauert um die 2 Stunden - ohne Fotostopp...(was ziemlich unrealistisch ist). Es sind zwar nur 120 km, aber die Strecke ist kurvig und bergig und ein Schild bei der Einfahrt in den Fiordland National Park, vor der Strecke besagt, dass man wirklich mit 2 Stunden rechnen soll. Ich nehme mir erstmal nur den Homer Tunnel vor, weil vor dem angeblich Keas die Autos der Touristen aufs Korn nehmen. Es sind die einzigen Papageien auf der Welt, die in den Bergen oberhalb der Schneegrenze leben. Sie sind schlau und lieben komischerweise alles aus Plastik oder Gummi, so dass sie schon gerne mal die Scheibenwischer und Türgummis in Windeseile zerfetzen. Mein Mietwagen muss das ja nicht sein, vielleicht findet sich ein anderer Tourist...

Die Fahrt beginnt im Nieselregen und führt erstmal durch eine Ebene mit Hügeln links und rechts. Das Fiordland (mit i, nicht mit j) ist eine der regenreichsten Ecken der Welt mit über 7m Niederschlag pro qm. Bald hat man einen reißenden Fluss links neben der Straße und natürlich eine Bergwelt und überall Tussock-Grass, das rötliche Farbe über zig Kilometer in die Landschaft bringt.

Die Fahrt führt bald in einen dichten Wald, das Blätterdach ist über mir geschlossen und es sieht toll aus. Dann wird die Straße etwas steiler und man erreicht erste Aussichtspunkte. „Do not feed the Kea“, steht da. Aber kein Kea zu sehen. Ich fahre weiter, und einige Kilometer weiter stürzen immer wieder hunderte Meter Wasserfälle von den hängen. Grandios!

Da die organisierten Bustouren morgens in Queenstown oder Te Anau starten und gegen 13.00h in Milford Sound sind, preschen die immer mal an mir vorbei und ich bin dankbar, dass ich halten kann, wo ich will. 

Vor dem Homer Tunnel muss man eh immer max. 7 min warten. Ich fahre rechts ran und habe noch nicht den Motor aus, als ein Kea auf meinem Seitenspiegel landet und in mein Auto guckt. Während ich aussteige hält ein Bus voller Chinesen und die stürmen mein Auto, so dass ich selbst gar keine Fotos mehr machen kann-.  Die stellen sich in Pose vor die Fahrertür und vor den Kea, der jetzt auf dem Dach sitzt und während ich gerne eine Kamera-Batterie wechseln würde, aber nicht an die Tür meines Autos komme,, haben 20 Chinesen gestellte Erinnerungsfotos geschossen. 

Die Keas sind genial. Zunächst sind sie nicht scheu und man kann sehr dicht mit der Kamera ran. Allerdings bin ich nicht sicher, ob die nicht gleich mal irgendein Plastikteil der Kamera ins Visier nehmen. Aber wenn es ihnen zu dicht wird, heben sie ab und man sieht unter ihrem grün-grauen Deck-Gefieder ein schönes oranges Unterkleid. Kaum, dass ein neues Auto hält, wird das erstmal begutachtet. Mein Auto scheint nicht zu schmecken und man widmet sich einem gelben Sportwagen. Die Leute trauen wich gar nicht, auszusteigen, während der Kea schön einen Abdeck-Deckel der Scheibenwischer abpult, dann aber verliert und ich ihn für die Autobesitzer retten kann. 

Manchmal sitzen die auch einfach auf der Straße und beobachten das Auto von dort, als ob sie es erstmal in Augenschein nehmen, ob es schmecken könnte. Nachdem ich dann auch die hinter mir liegenden Hänge fotografiert habe, fahre ich durch den Tunnel. Er ist einspurig und kaum beleuchtet und recht steil nach unten. 

Auf der anderen Seite bin ich plötzlich im Regenwald. Gigantische Farne, alles nass und - dann kommt die Sonne raus. Was für ein Glück und was für eine gute Entscheidung, hierher zu fahren!! Direkt hinter dem Tunnel geht es erstmal steil und in Haarnadelkurven nach unten, aber dann beginnt der Regenwald. Wenn man anhält und das Fenster aufmacht, ist es eine Kakophonie von Grillen, die zirpen. Ich überquere den 45. Breitengrad südlich und fahre weiter Richtung Milford Sound. Um halb zwei, ca. 3 Stunden nach der Abfahrt in Te Anau, bin ich da und halte in praller Sonne mit Blick auf die Bucht, die Berge und diese weltberühmte Ansicht. Hinter mir erheben sich steile Hänge, die total bewaldet sind, während ich gestern noch durch Berge fuhr, die völlig braun und recht kahl waren. Unglaublich, wie unterschiedlich das hier ist.

Ich laufe um die Bucht herum zum Hafen, entscheide mich aber gegen eine kleine Bootstour, weil ich dann erst um 15.30h wieder hier wäre und ja doch noch einiges zu fahren habe. Auf der anderen Seite der Bucht beginnt ein kleiner Weg durch einen Wald bis zum Wasser, wenngleich im Moment totale Ebbe ist. In diesem tropischen Wald zirpen Millionen von Grillen und ich bekomme eine vor die Linse. 

Am Ende des Wäldchens öffnet sich der Blick auf die Bucht, die Hügel und rechts auf die Bowen Falls. Ich gehe über Steine und Muscheln bis zum Wasser. War ich schon jemals so weit von Zuhause weg? Wie lange ging es mir schon nicht mehr so gut?! Die Sonne scheint, ich bin umgeben von gigantischer Natur und habe Zeit. Die Bustouristen nicht, die müssen schon wieder in ihre Busse, während ich noch hier und da ein Blümchen fotografiere.

Nachdem es heute Morgen 10 Grad war, sind wir nun bei immerhin 14 Grad gelandet und in der Sonne ist es richtig warm. Sobald man aber irgendwo auf freier Fläche steht, weht ein fieser Wind und ich bin froh, dass ich meine Fleecejacke dabei habe.

Wahrzeichen des Milford Sound ist der Mitre Peak, den man mit 1.692m Höhe auch nicht übersehen kann. Er ist der höchste Berg der Welt, der direkt aus dem Wasser aufragt.

Ich frage mich, wie weit wir demnächst mit dem großen Schiff hier reinfahren können. Der Fjord ist 15km lang, also da wird man wohl schon von See her einiges sehen, was ich jetzt von Land aus nicht ausmachen kann.

Schweren Herzens mache ich mich bei strahlender Sonne um 15.20h auf Richtung Te Anau und denke mir noch: Wer weiß, ob ich wirklich bis Wanaka komme. Bevor ich aber zu Ende denke kreuzt ein Kiwi vor meinem Auto die Straße!!! Ich denke erst, dass es ein Fell-Tier ist, das einen langen Rüssel hat, aber es muss ein Kiwi sein, wenngleich die eigentlich nur nachts rumlaufen. Aber hier ist die Blätterdichte so eng, dass die vielleicht denken, es ist nachts? Die Keas vor der Einfahrt in den Homer Tunnel von der anderen Seite sind so gemein, dass ich eine Einfahrt-Zeit verpasse und nochmals 7 min warten muss - allerdings mit Blick auf eine gigantische Bergwelt. 

Die Rückfahrt verläuft trocken aber jenseits des Homer Tunnels ist das Wetter doch schlechter als in Milford Sound. Der Tunnel, bzw. das Bergmassiv darüber ist wie eine Wetterscheide. 

Bevor ich den Nationalpark verlasse, ist plötzlich Stau. Ich bin eh dauernd im Tross mit den rückfahrenden Bussen unterwegs. Sobald man für ein Foto anhält, hat man locker 3-4 vor sich. Nun aber kommt der Stau durch eine große Schafherde zustande. Ein tolles Bild und ich bin noch froher, dass ich diese Tour heute unternommen habe. Was habe ich nicht alles gesehen: Keas, den Milford Sound, Wasserfälle und Mega-Farne und nun auch noch eine Schafherde um mich herum.

In Te Anau scheint auch die Sonne, ich fahre aber durch, hole mir schnell noch einen Kaffee und tanke auf  und weiter geht’s Richtung Osten. Ich fahre praktisch die Strecke von gestern wieder zurück. Über Mossburn geht es durch eine fruchtbare Ebene vor einer tollen Bergkulisse, die man heute deutlich besser sieht, als gestern, dann nach Norden. Die Berge sind nun in dem schönen Licht ab 17.00h einfach traumhaft und ich fotografiere noch mehr und noch mehr.

Manches Mal denke ich mir: OK, jetzt machst Du für 20 min kein Foto, aber das gelingt mir eher nicht.

Ich erreiche bei Kingston wieder die südlichen Ausläufer des Lake Wakatipu, der bei Queenstown praktisch ¨beginnt¨. Eine dramatisch-schöne Küstenstrasse verläuft oberhalb des Ufers über etwa 40km an dem See entlang, der nun in der Abendsonne besonders schön ist. 

Sobald ich jedoch das Auto verlasse, kriege ich Frostbeulen, es sind wieder nur 10 Grad und dazu weht ein fieser Wind über die Berge und bringt sau-kalte Luft mit. Also in der Sonne Fleecejacke an und im Auto die Heizung hochdrehen. 

Meine Tagesetappe wird in Queenstown beendet sein, denn es ist jetzt schon 19.00h und ich habe keine Lust, noch bis Wanaka zu fahren, was nochmal gut 1 Stunde ist. In Queenstown werde ich keine Probleme für eine Unterkunft haben.

Ich finde ein Motel oberhalb des Stadtzentrums für 125 Dollar. Mal wieder teuer, aber dafür besser, als die Kaschemme in Omarama, die auch so teuer war. Das Zimmer ist schön, neu, hat einen kleinen Balkon, eine gut ausgestattete Küche und ein sehr bequemes Bett. 

Da ich mal wieder über Tag nix gegessen habe, ist mein erster Weg in Richtung Futter. Ich entschließe mich mit dem Auto zu fahren, da zwar jetzt die steile Straße zum See und Ortskern nett ist, aber ich die im Stockfinstern nicht später nach oben laufen will. Es ist jetzt schon 20.30h und ich habe Hunger. Also los mit dem Auto. Parkplatz ist schnell gefunden und ich laufe zunächst zum Hafen, wo sich schöne Blicke in der untergehenden Sonne auf die Berge um den Lake Waktipu geben.

Die Suche nach einem netten, und auch bezahlbaren Restaurant gestaltet sich hingegen schwierig. Es gibt viele Lokale, aber ich will keine 40 Dollar für ein Steak ausgeben und der Chinese im ersten Stock sieht aus, als würde der nur Gammelfleisch verarbeiten. Ich lande letzten Endes bei einem Thai und esse gegen 21.30 und rolle anschließend zum Auto. Im Hotel gibt’s WLan kostenfrei und ohne Limit.Ich lade alle Fotos runter und chatte mit Martina und lade Fotos auf Facebook.

Um 1.30h bin ich endlich im Bett und habe den Wecker generös auf 7.30h gestellt.

Fahrtstrecke: 406 km

Milford Sound
Southland, New Zealand
Vee Bee Small

Von Mittelerde bis in die südwestlichste Ecke

Es ist kalt gewesen in der Nacht und ist es noch, als ich gegen 8.30h loskomme. Ich hatte mir den Wecker auf 6.30h gestellt, aber bis ich mit allem klar bin, komme ich doch erst um 8.30h los. Macht aber nichts, weil die Wolken tlw. noch tief hängen und wegen der Kühle der Nacht es noch ziemlich dunstig ist.

Mein Weg führt mich heute gefühlt durch das Land der Hobbits, durch Mittelerde. Es sind sanfte Hügel, die braun bis anthrazit-farben sind, niedrig bewachsen, und es mutet tlw. wie eine Mondlandschaft an. Es sind 11 Grad, nicht wirklich sommerlich. Dazu weht ein fieser Wind und jeder Fotostopp ist „erfrischend“.

Ich trudele also diese Landstraße Richtung Süden und habe zunächst mal Arrowtown im Visier, eine kleine Stadt nahe bei Queenstown. Der Taxifahrer, der mich in Christchurch zum Flughafen gefahren hat, hat mir den Ort empfohlen.

In Tarras, etwa 70 km von Omarama entfernt, hole ich mir einen Kaffee an der Tankstelle, die auch der Ort ist. Der Sprit (bleifrei, 91 Oktan) kostet überall um die 2,20$ sodass mich hier 30 Liter Sprit über 60 Dollar kosten   (rund 40 EUR).

Die Bezahlerei an der Zapfsäule ist sehr merkwürdig, da sie angeblich für alle Zapfpistolen einen Schlitz für KK hat. Woher weiß das Ding aber, welche Säule ich bezahlen will? Eingabe der Karte und ein 4stelliger PIN. Den gebe ich aber gar nicht ein, die Karte muckt nicht, einen Beleg spuckt das Ding auch nicht aus. Die Tankstellenfrau sieht meine Verwirrung und meint aber, dass das sicher ok sei. Aha - wer weiß, ob ich hier jemals 60 Dollar bezahlt habe oder ob ich von der Nachbar-Säule die 9,50 bezahlt habe - oder gar nichts.

Ich fahre weiter und fahre am Lake Dunstan entlang Richtung Cromwell. Nun geht’s entlang des Kawarau River, der den Lake Dunstan mit dem Lake Wakatipu bei Queenstown verbindet. Auf der rechten Seite kann man Gold schürfen. Schadet ja nie, denke ich, und fahre ab. Es ist eine alte Goldgräber-Siedlung, die man als Museum  besichtigen kann. Aber dazu habe ich keine Lust. Ich mache aus der Distanz Fotos von der verlassenen Goldgräberstadt und auch von dem Hütten-Sammelsurium und von dem daneben liegenden Fluss in der tiefen Schlucht.

http://www.goldfieldsmining.co.nz/

Nach einer kurzen Weiterfahrt sehe ich eine Bungee Jumping-Gelegenheit (Kawarau Bridge Bungee) und man kann dort kostenlos zugucken. Vermutlich um Leute anzulocken, aber ich lass mich nur zum Fotografieren locken. 43 Meter geht es von der Brücke über die Schlucht bis ins Wasser für 130 Dollar und bestenfalls 20 Sekunden. Manche dippen mit den Händen wirklich in das smaragdgrüne Wasser. Unten wartet ein Schlauchboot, das den Springer vom Seil befreit und aufnimmt. Ich würde mich das nicht trauen. Die Sonne scheint jetzt, sehr schön.

In Arrowtown komme ich gegen Mittag an. Und siehe da, der Ort ist wirklich nett. Zwar auch etwas touristisch überladen, aber es ist ein historischer Ort von alten Goldschürfern. Man kann originale Nuggets als Kettenanhänger oder auch Goldstaub kaufen. Ich begnüge mich mit einem Kaffee und einem Eis, bummele durch die einzige Straße des Ortes (abgesehen von einigen Wohnstraßen) und fahre nach einer knappen Stunde weiter nach Queenstown. Aber der Rummel, der dort herrscht ist nicht meins. Zunächst ist auch der Himmel wieder voller Wolken und zwischen all den super coolen Backpackern und Massen von Chinesen, Reisebussen und Touri-Shops finde ich nichts, was wirklich so rühmlich wäre. Ich suche mir aber tapfer einen Parkplatz und trabe zu McDonalds um kurz einen Kaffee und was zu Beißen zu holen, denn hier will ich nicht bleiben und auch keine Zeit mit einem vermeintlich schönen Mittagessen zu verbringen. Es ist 14.00h, als ich hier einlaufe und ich bin noch nicht sicher, was ich wirklich heute noch machen soll. Eigentlich wollte ich ja nach Queenstown, aber nachdem ich das gesehen habe und - außer der Szenerie außen herum - nichts sehe, was mich an die Schönheit und Ruhe Neuseelands erinnert, fahre ich um 15.00h aus dem Ort raus, suche eine Straße, die hoch über dem Ort verläuft ,um einen Panorama-Blick zu kriegen und freue mich, dass dann gerade die Sonne heraus kommt. Es sind schon geniale Häuser hier oben, mit traumhaften Blicken und ich verstehe nun, dass man Queenstown auch schön finden kann. Aber der Ortskern ist wie Ballermann auf neuseeländisch.

Tja, nun was? Te Anau, in Richtung Fiordland NP ist noch 170 km entfernt, vorher gibt es noch Kingston und Mossburn, wo ich ggf. Quartier suchen könnte. Ich fahre also los. Bis Kingston ist die Fahrt immer entlang des See Wakatipu, der wie ein langer Wurm an Queenstown entlang bis nach Süden liegt. In Kingston begeistert mich nun auch nichts, und ich fahre weiter. Die Landschaft ist schön, Berge, Hügel, Schafe, Einsamkeit. So entschließe ich mich durch Mossburn durchzufahren und wirklich Te Anau anzusteuern. Irgendwie habe ich im Ohr, dass Sonntag das Wetter schlecht sein soll, jetzt zum Abend hin klären sich die Wolken und die Sonne verbreitet schönstes Fotolicht.

Es ist etwa 18.30h, als ich in Te Anau einfahre. Das erste Motel voll, ich kriege schon Schweißperlen auf der Stirn. Weiter geht’s hier nicht mehr. Aber der Ort sieht sehr lebendig aus. Klein aber mit vielen Touristen. Hoffentlich haben die nicht alle Betten gebucht. Im zweiten Hotel ist ein Zimmer für 114 Dollar zu bekommen. Nicht billig, aber ich will nicht noch eine Stunde rumsuchen und dann ist das auch noch weg.

Ich laufe runter zum Lake Te Anau, der 50m vom Hotel entfernt ist. Schönes Panorama. In der Touri-Info sehe ich den Wetterbericht für morgen. Es wird regnerisch und wolkig. Max. 16 Grad. Also ab ins Auto und nach Manapouri fahren. dorthin wollte ich eigentlich erst morgen, aber der Blick dort in den Fiordland-NP ist wohl sehr schön und das ist nix für Regenwetter. 20min später schieße ich dort Fotos, fahre noch ein wenig rum und in einem großen Bogen zurück nach Te Anau. Auf vielen Wiesen stehen hier nicht nur Schafe sondern auch jede Menge Wapitis.

Das Licht ist schön, die Sonne müht sich gegen die Wolken anzukommen, die über die Berge vom Wasser her rollen.

Es ist gegen 21.00h, als ich in Te Anau ggü. vom Hotel in einer Pizzeria einfalle, die ausgerechnet noch von Deutschen betrieben wird. Also bloß keinen deutschen Reiseführer rumliegen lassen... Im Hotel gibt es nur in der Lobby Internet, so dass ich dort bis Mitternacht sitze und in bisschen mit Martina chatte und mal meine ersten 1000 Fotos auf das Tablet überspiele.

In der Lobby sitzen etwa 30 Hotelgäste und checken alle Mails etc. Nur ein britisches Ehepaar meint unbedingt skypen zu müssen und ¨the line is soooo bad¨ - also hören alle das laute Gespräch mit, ob sie wollen oder nicht. Der Inhalt des Gesprächs ist völlig banal und man könnte es auch einfach sein lassen. Nun ja. Ich falle um 24.00h ins Bett und freue mich über einen so tollen Tag. Lake Tekapo - das wird mir immer in Erinnerung bleiben und einer der schönsten Plätze der Erde für mich sein, genauso wie vor ein paar Jahren das Nest Telegraph Cove auf Vancouver Island.

Fahrtstrecke: 450km

Te Anau
Southland, New Zealand
Vee Bee Small

Neuseeland - Linksverkehr und Lake Tekapo

Neuseeland ist nun endgültig gaaaaanz weit weg von Europa und mit 12 Stunden Zeitverschiebung, wird die Berechnung einfacher, als in Sydney (10 Stunden). 

Es ist kurz vor halb zwei morgens, als ich endlich den Flughafen verlasse. Für geschmeidige 40 NZ-Dollar fahre ich keine 10min zum Hotel. Hatte schon Bedenken, dass da keiner mehr ist, aber der Typ hat netterweise auf mich gewartet, ich kriege Schlüssel, einen viertel Liter Milch, damit ich mir noch einen Kaffee machen kann und dann bin ich in meinem winzigen Zimmer endlich allein. Es ist etwas betagt, hat aber gebügelte Bettwäsche und ist sauber. In einem kleinen Wandschrank steht bunt durcheinander gewürfeltes Geschirr, ein Wasserkocher und es gibt auch Mikrowelle und Kühlschrank. Im Waschbecken noch separate Wasserhähne, das habe ich das letzte Mal in England in den Siebzigern gesehen. Ich falle ohne Zähneputzen ins Bett, stell den Wecker auf 7.30h weil ich auch nicht duschen werde und schlafe bis um 6.00h als es hell wird.

Der freundliche Motel-Mann besorgt mir ein Taxi und um 8.20h stehe ich schon wieder am Flughafen, jetzt aber bei Europcar und hole mein Auto.

Ich brauche keinen internationalen Führerschein, ebenso wenig wie gestern eine Bestätigung meines Vermögens. Nun ja, was alles so gesagt und geschrieben wird. Mein Auto ist ein hübscher Suzuki Swift und ich nähere mich mit Respekt dem Gefährt, das alles auf der falschen Seite hat.

Das kleine rote Auto hat eine für mich ideale Autonummer, beginnend mit HAR... :) Der Kofferraum ist maßgeschneidert für meine Tasche und ich sitze erstmal in der Kiste und atme tief ein. Der Parkplatz ist für Fahrversuche im Linksverkehr wenig geeignet (denn er hat die Größe von 3 x meinem Wohnzimmer) und ich schließe mich einem Auto vor mir an. Habe mein Navi im Handy aktiviert. Im ersten Kreisverkehr, der 50m nach der Parkplatzausfahrt auf mich wartet, drehe ich mehrere Runden, ehe ich mich traue, abzufahren. Aber es geht ganz ok. Ich fahre den Highway 1 Richtung Süden, es gäbe eine kleinere sicher schönere Landstraße etwas Inland, aber ich glaube ich bin hier auf der einfachen geraden Straße erst einmal gut genug gefordert. Ich komme an einem Pulloverladen mit Alpacas vorbei und habe schon nach 20km zwei Pullover gekauft. Endlich sehe ich einen McDonalds. Schnell einen Bagel, einen Kaffee zum Frühstück und weiterfahren.

Das Linksfahren gestaltet sich recht ok. Zunächst fahre ich immer hinter LKW oder Bussen her, weil die langsam fahren und ich so nicht auffalle. Ich nehme die Autobahn 1, die vielleicht nicht die landschaftlich schönste Strecke ist, aber als Anfänger am Einfachsten zu Fahren. Rechts liegen braune Hügel, davor jede Menge Wiesen und eher mehr Rinder als Schafe. Die Sonne scheint, das ist die Hauptsache und das Navi in meinem Handy ist auch gut und funktioniert. Das Abbiegen ist erstmal tricky. Ich muss mich beim Rausfahren aus der Einfahrt zu dem Pulloverladen erstmal konzentrieren, dass ich nach links abbiege und dabei NICHT auf die andere Straßenseite fahre, sondern auf der bleibe, auf der ich bin. Beim Blinken betätige ich gerne den linken Hebel am Steuerrad, das ist aber der Scheibenwischer. Also auch das ist hier anders. Während der Fahrt will ich mal die Scheibe mit der Wisch-Wasch-Anlage reinigen, aber das Ranziehen des rechten Hebels führt nur dazu, dass ich das Fernlicht aufblende. Ich weiß nicht, wie viele Autofahrer, die auf der anderen Seite entgegenkamen oder vor mir fuhren sich darüber gewundert haben...

Irgendwann biege ich vom Highway 1 ab in eine kleinere Landstraße, die nun Richtung Berge verläuft und dann dichter vor denen. Um mich herum sind Wiesen, Wiesen, Wiesen. es ist wirklich schön. Rechts neben mir dann ein schneebedeckter Gipfel. Das muss Mount Harper sein. Es gibt hier so gut wie keinen Verkehr, keine Wohnmobile oder ähnliches. Sehr angenehm zum Fahren.

Als erstes Highlight erreiche ich Lake Tekapo (Betonung auf der letzten Silbe: Teka-Pó), der nach einer Kuppe, über die man fährt unten in einer Kurve sichtbar wird. So ein Blau! Unfassbar!!! Die Straße verläuft direkt am See und ich fahre bis zu der alten Kirche, die malerisch oberhalb des Sees liegt. Der See ist wunderschön, in der Ferne liegen schneebedeckte Gipfel - mir kommen die Tränen bei dem Anblick. Das ist Neuseeland!

Die alte Church of the Good Shepard ist wg. einer Hochzeit geschlossen, aber egal. Ich laufe etwas herum, mache Fotos, staune und fahre dann kurz auf die andere Seite einer kleinen Bucht. Noch mehr Fotos. In einem Laden um die Ecke finde ich eine rote kuschelige Wolljacke, wieder aus Possum und Merino. Ein ausgestopfter Possum sitzt im Laden. Recht groß das Tier. Die sind hier offenbar eine Landplage und so hat man genug von deren kuscheligen Fell und muss die nicht züchten, sondern, indem man sie zu Pullovern und Socken verarbeitet tut man etwas zur Kontrolle der Possum-Population. Wg. des Fells in der Merino-Wolle sind die Klamotten tlw. mit vermeintlich glitzernden Fäden durchzogen.

Nebenan ist eine Post und ich kaufe gleich mal 25 Briefmarken. Bei strahlender Sonne fahre ich weiter und erreiche nach etwa 50 km Lake Pukaki. Dazwischen hat man ein fantastisches Panorama auf die Bergzüge links und rechts, dazwischen die meist schnurgerade Straße. Am Straßenrand wilde Lupinen in allen Farben und natürlich Schafe, Schafe, Schafe. Bloß nicht zählen, dann schlafe ich auch nicht ein!

Lake Pukaki sieht größer aus, als Lake Tekapo und schon kurz vor Erreichen des kleinen Ortes sieht man am Ende des Sees das Massiv von Mount Cook (Aoraki in der Sprache der Maori), dem höchsten Berg Neuseelands. Er ist über 3.700m hoch. Wenngleich es schon fast halb fünf ist, entscheide ich mich doch für den Weg am westlichen Ufer, der in Richtung Mount Cook geht. Bis zum Strassenende fährt man fast konstant direkt am Lake Pukaki entlang und hat vor sich das Panorama vom Mount Cook. Eine wunderschöne Fahrt. In dem kleinen Skkifahrerort Mount Cook ist nichts zu tun und auch hier hat man schon einige Bausünden begangen.

Ein Polizist empfiehlt mir zum Lake Mueller zu fahren und zu laufen. Also nochmals weiter. Ich hoffe sehr, dass ich vor dem Dunkelwerden hier noch weg komme, denn ich muss ja noch nach Twizel, was von hier jetzt rund 60 km entfernt ist. In Sydney wurde es um 20h dunkel. Jetzt ist es schon gegen 18.00h...Ich fahre also noch 8 km weiter und laufe einen kleinen Trail, der oberhalb des Gletschersees Lake Mueller endet. Die Farben sind toll, in einem blassen grau-grün und dahinter das massiv von Mount Cook. Es scheint zwar die Sonne, weht aber kräftig. Ich bin froh, dass ich eine Fleece-Jacke anhabe.

Ich mache Fotos und komme mit einem neuseeländischen Ehepaar ins Gespräch, die gerade von einer Wanderung zurückkommen. So laufen wir plaudernd zum Parkplatz zurück und ich steige um 18.30h ins Auto. Nun aber zügig wieder Richtung Twizel. Der Ort ist mini und etwas leblos. Aber ich sehe ein Motel. Vacancy! Hurra, denke ich. Leider hat der Typ aber vergessen, sein Schild zu aktualisieren - er ist ausgebucht. Also weiter. Nächstes Motel. Auch voll. Ganz Twizel sei ausgebucht, ich solle mal nach Omarama weiterfahren, das seien nur 20min. Der Name des Ortes ist schon witzig, aber man sagt nicht Oma-Rama, sondern O-mära-ma mit der Betonung auf dem "ä". 

Also sitze ich um halb acht weiter im Auto und fahre nach Omarama. Hoffentlich auch mit Motels. Bei der Einfahrt in den Ort sehe ich links etwas, wie ein altes, verlassenes Motel liegen. Ich fahre in den Ort, der aus einer Tankstelle und einem Campingplatz zu bestehen scheint. Frage auf dem Campingplatz, weil die hier auch immer Motel-Zimmer vermieten. Ausgebucht. Ich fahre zu einem Motel. 115 Dollar und kein Internet verfügbar und die Frau an der Rezi eine Hexe. Hhhm...Ich sehe ein Hotel und das soll 145 Dollar kosten - kein Internet. Am Ortsausgang läge das Holiday xy Motel, das sei ggf. billiger. Mir schwant, dass das das Ding war, das ich bei der Einfahrt gesehen habe. Und so ist es. Ich bin aber jetzt so ermattet, dass ich dass Zimmer für 125 Dollar + 7 Dollar Internet nehme. Es ist groß aber etwas abgewohnt. Eine chinesische Gruppe stürmt das Restaurant, ich stürme mit. Außer der Gruppe und mir ist hier kein Gast zu sehen. Ich falle hungrig über das Buffet schlechter Qualität her und trinke ein Bier. Denke, dass ich zum Abschluss einen neuseeländischen Wein brauche, aber der schmeckt völlig gruselig. Ich bin der einzige Gast, der hier nach 45 min noch im Restaurant sitzt, ich ziehe mit meinem Krempel nebenan in die Bar, wo ich auch die Einzige bin. Um kurz vor 22 h geht draußen die Sonne weg, deutlich später als in Sydney - um 22.30h macht die Schnepfe die Bar zu. Ich versuche im Zimmer noch meine Bilder runter zu laden und falle kurz vor Mitternacht ins Bett. Bin ziemlich k.o.

Fahrtstrecke: 440km

Lake Tekapo
Canterbury, New Zealand
Vee Bee Small

Von Sydney nach Neuseeland

Ich stehe um 8.00 auf und sortiere erstmal mein Gepäck. Unten gönne ich mir nochmals Porridge und raisin toast mit einem Riesen-Kaffee. Dann laufe ich in den benachbarten Hyde Park, wo ich gestern vom Tourbus aus Kakadus gesehen habe. Aber die zeigen sich nicht. Nur so komische andere Vögel, die man überall sieht. Lange schwarze gebogene Schnäbel und die picken im Gras und in Pfützen rum. Ich lustwandele durch den und den anschließenden park, der einen schönen zentralen Springbrunnen hat, wo viel los ist. 

Ich laufe die Elizabeth Street und die Castlereagh Street entlang, die gesäumt ist von den teuersten Edelboutiquen und -marken der Welt. Ich stolpere über einen Juwelier Hardy Brothers und kaufe dort endlich eine Ebel-Uhr, die ich immer schon haben wollte und die hier auf 50% reduziert ist. Ich laufe weiter Richtung Oper. Es ist zwar bewölkt, aber die Sonne bemüht sich und so ist es ziemlich schwül. Ich laufe die noble Kent Street entlang und komme so zur Oper. Es ist Mittagszeit und die vielen Restaurants rundherum sind knallvoll. Ich laufe einmal um die Oper herum, mach nochmals sicher 20 Fotos von Oper und Brücke, kaufe mir zwei Flaschen Mineralwasser als Mittagessen und gehe dann Richtung Hotel zurück.

Ich checke an der Station Town Hall, wie ich da gleich mit Gepäck etc. runterkomme. Der Lift funktioniert und ich kaufe mir schon mal ein Ticket für $ 17.20. Im Hotel hole ich meine Tasche ab, entscheide mich dann keine der Jacken anzuziehen und zerre meine Tasche zur U-Bahn. Ich bin gegen 17.00 am Flughafen. Der Check-In der Virgin Australia ist der hinterste in einem riesigen Terminal. Mein Gepäck geht ohne Murren mit, komischerweise sind es jetzt 22,2 Kilo. Dabei ist da nur eine Fleece-Jacke mehr als in Frankfurt.

Ich schaffe noch gerade einen Kaffee zu trinken und ein Sandwich zu essen, den Ausreisewisch für Australien auszufüllen und mache mich dann auf den endlosen Weg durch endlose Duty-Free-Tempel zur Passkontrolle. Danach hole ich mir rund 10% meiner neuen Uhr als Steuer wieder zurück und dann warte ich noch kurz am Gate.

Der Flug nach Christchurch dauert 2:40h und wir erreichen Christchurch kurz nach Mitternacht. Mit uns kommen innerhalb von 20 min weitere 6 Maschinen an, was aber keinen stört und es bleibt bei zwei Immigration Schaltern. Kurz nach 1 Uhr morgens bin ich da durch. Meine Tasche fährt zum 100. Mal Karussell und schon stehen wir zusammen in der nächsten Kontrolle, der für den Zoll. Meine Schuhsolen werden kontrolliert, dass ich auch kein Bröckchen verunreinigte Erde nach Neuseeland einschleppe und meine deklarierten Gummibärchen sind ok und dürfen mit mir einreisen.


Christchurch International Airport
Canterbury, New Zealand
Vee Bee Small

Sydney - Stadtrundfahrt, Bondi Beach und platte Füße

Mit nur drei kurzen Unterbrechungen habe ich tatsächlich bis 7.30geschlafen und muss mich echt bemühen aufzustehen. Unten esse ich ein großes Frühstück und erwische um 11 den hop on hop off Bus in der George Street. Leider ist es weiterhin bewölkt und auch nicht sonderlich warm. Ich bin froh um meine Windjacke und Halstuch. Die Stadtrundfahrt ist jetzt nicht so der Knaller. Als am Circular Quay eine Pause erfolgt, steige ich in einen anderen Bus der Firma ein und der ist moderner und besser. Ich fahre fast noch einmal rund herum, steige aber an der Central Station aus und sause einmal in den Bahnhof, um ihn anzusehen. Von außen ist er nämlich hübsch, innen aber nicht so dolle. Aber kostenlose Toiletten gibt es! Ich sause wieder runter zum Tourbus, schaffe nicht mehr, noch etwas zu Trinken oder zu essen zu kaufen und sitze nun in der Tour nach Bondi Beach. Als erstes höre ich, dass es dort 260 Sonnentage gibt, wie in Sydney. da hab ich ja wenigstens was zu erzählen, dass ich einender wenigen Tage ohne Sonne erleben konnte...Denn auch in Bondi Beach ist es bewölkt und während ich auf dem Strand rumstolpere, um ein paar ergreifende Surfer-Fotos zu schließen, fängt es an zu nieseln. Ich laufe kurz durch den Ort und warte dann auf den Bus. Die Fahrt führt durch einige recht noble Vororte zurück nach Sydney. Der Busfahrer heizt wie ein Beknackter, keiner kann auch nur ein scharfes Foto machen. Der fährt keine Touristen sondern ein Rennen mit einem Doppeldecker. Nun ist es auch schon halb sechs und er hat vermutlich fast Feierabend.

Ich steige in der Nähe von Market City aus, was neben Chinatown liegt. Langsam hab ich Hunger. Außerdem liegt Chinatown in unmittelbarer Nähe des chinesischen Gartens. Ich finde einen netten kleinen Asiaten und genieß gutes Essen, bevor ich diesen Garten ansteure. Der hat aber schon zu. Es ist jetzt schon halb acht. Also stiefele ich weiter, auf der Suche nach dem Imax, das auch in der Nähe ist. In Darling Harbour tobt das Leben. Dabei ist es ja nur Mittwoch, aber es ist trocken und halbwegs angenehm von den Temperaturen her. Im Imax läuft der Hai-Film nicht und ich beschließe in Richtung Oper zu laufen, in der Hoffnung, dass die Harbour Bridge und die Oper abends beleuchtet sind. Der Weg ist weit und immer  mal wieder überlege ich, doch ein Taxi zu nehmen oder ins Hotel zu fahren aber wer weiß, ob ich das nicht bereue. Die Füße tun weh auf meinen platten Sandalen und ich schlurfe kreuz und quer durch dunkle Straßen, weil ich auch keinen Stadtplan habe. Gegen 20h ist es dunkel. Ich bin gegen 21.30hzumindest unterhalb der Brücke und um drei Ecken ist auch ein Blick auf die Oper zu erhaschen. Ich erklimme im Anschluss noch einen der Pfeiler der Brücke und habe einen noch besseren Blick auf die Oper. Anschließend stiefele ich runter an die Anlegestelle der Kreuzfahrtschiffe, noch ne andere Optik. Nun fängt es richtig an zu regnen und ich hechte in ein Taxi, fahre für 15 Dollar zum Hotel und - dann hat die Bar auch noch zu. Ich hab so einen Durst, dass ich nebenan in der Bar noch ein ultra-schnelles Bier zische und dann ins Hotel gehe. Schnell noch die Klamotten packen, denn morgen muss ich hier ja raus. Es ist nach 23.30h als ich erledigt das Licht ausmache.