Tipp von   Kerstin & Constantin Small

Als Frau auf dem Motorrad im Iran - Was zieh ich nur an?

Bevor Constantin und ich unsere Motorradtour starteten wussten wir natürlich nicht so genau, wie das so wird im Iran, wo die Frauen doch so verschleiert rumlaufen müssen. Klar, es gibt viele Paare, die eine ähnliche Tour in den Iran gemacht haben, aber irgendwie konnte ich vorher nirgendwo so richtig rauslesen, wie das nun mit der Kleiderordnung ist. Darum schreibe ich ein paar Worte zu diesem Thema und zu ein paar anderen Punkten, die aufgefallen sind:

Kleiderordnung im Iran:

Man liest immer wieder, dass die weibliche Reisende sich an die dortige Kleiderordnung halten soll, sprich Kopftuch tragen, und weite, langärmlige Kleidung tragen, das Shirt soll die Hüften bedecken.

Unter diesen Vorgaben versuchte ich in Van, Türkei, ein, zwei Shirts zu kaufen, leider mit sehr mäßigem Erfolg. Das Kopftuch war dahingegen sehr schnell gefunden: auch und insbesondere im Osten der Türkei trägt Frau Kopftuch, hier sogar mit einem 'Unterkopftuch', auch 'Bonnet' genannt, damit der Haaransatz gut bedeckt ist. 

Mit meinem lustigem Blümchenshirt und meiner lässigen lockeren Cargo Hose (ich hatte nun mal keinen Platz im Gepäck für 'ne schicke Jeans o.ä.) fühlte ich mich in Urmia, unserer ersten Stadt, völlig bescheiden; wie ein Mädchen vom Land halt, was ich im Grunde genommen ja auch bin.  

Aber Tatsache ist nun mal, dass die weltoffene iranische Frau sich ähnlich kleidet, wie die westliche Frau, nur dass Frau im Iran halt noch einen knielangen 'Manteau' über der 'normalen' Kleidung trägt. Dieser Manteau ist sowas wie ein Übermantel, ein Gehrock, der langärmlig ist, durchaus tailliert sein kann und vorne zugeknöpft oder gebunden wird. Darunter sehe ich knallenge Leggings oder Jeans und massig Stöckelschuhe. Über das Haupt wird locker ein meist farblich passendes Kopftuch geworfen, bei den meisten Frauen ist viel vom Haar zu sehen. Auch mit Make-up wird nicht unbedingt gespart. Auf gut deutsch heißt das: die iranische Frau ist extrem stylish unterwegs und jede Backpacker-Touristin im Schlabberlook (wie ich das nun mal bin) ist ihr deutlich unterlegen. 

Bzgl. Schuhen trägt die Iranerin wie schon gesagt gerne Schuhe mit Absatz aber auch ansonsten ist alles von Ballerina bis Sandale erlaubt.

Mein Tipp also an alle, die nicht mit limitierten Gepäck reisen: entweder von zu Hause einen Manteau mitbringen, oder vor Ort 1-2 chique Manteaus kaufen.

Natürlich ändert sich das Bild, ähnlich wie auch in anderen Ländern, drastisch, wenn man aus den Städten in ländlichere Gebiete kommt. Letztendlich führte das bei unserer Reise lediglich dazu dass ich mich nicht ganz so 'underdressed' fühlte. 

Schlabberlook in Persepolis ...

aber bunt darf es auch sein (in Isfahan)

Doppelzimmer, Dreibettzimmer - Zimmersuche im Iran:

Constantin und ich hatten uns schon darauf trainiert zu sagen, wir seien verheiratet; damit sollten mögliche Probleme beim Check-In in Hostels oder Hotels von vorneherein ausgeschaltet werden. 

Tatsache ist: Uns hat niemand in den Hotels/Hostels gefragt, ob wir verheiratet seien. Vielmehr war es auch gar kein Problem, zu dritt ein Zimmer zu nehmen, weil wir ja mit einem weiteren Kompanion unterwegs waren. 

Meine These hierzu ist ja, dass der Ruf der westlichen Frau schon derart schlecht ist, dass solche Details gar niemand mehr interessieren.  

Der schwarze Manteau war selbst im konservativen Yazd ausreichend, nur in einer Moschee gabs noch ein 'Betttuch' dazu.

Interaktion mit anderen Männern:

Generell gilt: ein iranischer Mann wird keine Frau ansprechen, das ist ein Zeichen des Respekts vor der Frau und vor allem vor dem Mann, mit dem sie verheiratet ist. Dementsprechend ist es auch nicht üblich, als Frau einen Mann anzusprechen. Auch bzgl. dieser Verhaltensregel gibt es sicherlich einen Unterschied zwischen Stadt und Land. Wir haben uns eh die ganze Zeit gefragt, wie das alles möglich ist, wo doch viele Frauen alleine ein Taxi nehmen können. 

In Hotels, Lädern oder Restaurants war es aber kein Problem auch als Frau mit einem Receptionisten zu sprechen, oder als Mann mit der Verkäuferin. Ich habe trotzdem immer gern meinen Männern den Vortritt gelassen.

Dennoch ist mein Tipp an alle Frauen, die niemanden vor den Kopf stossen wollen, keinen Mann aktiv anzusprechen oder ihm die Hand anzubieten.  

Auch beim Picknick mit einer kurdischen Familie: Frauen bleiben bei Frauen - Männer bei Männern (fast jedenfalls)

Motorradkluft und Kopftuch - geht perfekt und war ein beliebtes Bildmotiv

Motorradfahren im Iran - als Frau:

Das ist im Grunde genommen gar kein Problem, ob als Mann oder als Frau. Ich hatte mein Kopftuch unterm Helm, was mich nie gestört hat, und musste auch keinen Rock über der Motorradhose tragen. Sicherlich dürfen Iranerinnen kein Motorrad fahren (oder wie mir ein Iraner erklärte: das ist zu gefährlich für Frauen). Auch sind große Motorräder (>250cc) offiziell im Iran verboten (nicht für Touristen). Darum waren wir immer eine große Attraktion wenn wir in einen Ort einfuhren. Normalerweise strömten die Männer her, um mit uns zu quatschen oder zu fotografieren. Aber es gab auch immer wieder Frauen, die sich freuten, in mir eine Ansprechpartnerin zu haben und die sich natürlich genau so gerne vor großen Motorrädern fotografieren liessen. 

Foto für den Visaantrag:

Ich bring's gleich auf den Punkt: Ich weiss nicht, ob für den Antrag ein Foto mit Kopftuch nötig ist, oder ob ein normales Passbild auch in Ordnung ist.

Ich habe mein Visum mit Kopftuch Foto beantragt. Es gibt wohl immer wieder Fälle, in denen ein Visumsantrag abgelehnt wird; ich schätze man kriegt dazu keine Erklärung, warum. Ich weiss nur, dass ich mich in den A...gebissen hätte, hätte ich ein Foto ohne Kopftuch abgegeben, wäre mein Antrag abgelehnt worden und hätte ich auch nur den geringsten Verdacht gehabt, das liege am Foto. 

Aus diesem Grund der Risikominimierung und weil es wirklich kein Problem ist, ein Passbild mit Kopftuch zu machen, habe ich mich für ein Bild mit Kopftuch entschieden und empfehle dies entsprechend auch den anderen Frauen.

Unseren kompletten Reiseblog mit vielen Tipps und Geschichten über den Iran und andere Länder findet Ihr unter www.2malweg.eu

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